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Links der Woche

Die 10 häufigsten Stichwörter in dieser Rubrik:
1. Georg Seeßlen (68)
2. Martin Heidegger (56)
3. Slavoj Žižek (50)
4. Kapitalismus (40)
5. Peter Sloterdijk (38)
6. Hans Ulrich Gumbrecht (31)
7. Demokratie (25)
8. Donald Trump (24)
9. Künstliche Intelligenz (20)
10. Friedrich Nietzsche (19)

Links der Woche, rechts der Welt: Jeden Samstag Nachmittag empfiehlt der Lichtwolf die interessantesten Texte der Woche der Leserschaft zur Wochenendlektüre.


Es gibt in dieser Rubrik 354 Artikel auf 36 Seiten:

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Links der Woche am 02.01.2016, 14:33 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 01/16

Zusammen liest man weniger allein

Heideggers „Sein & Zeit“ zu lesen ist anstrengend. Leichter wird es in Gemeinschaft und wer niemanden hat, mit dem die Lektüre dialogisch zu verarbeiten wäre, sei an Ralf und Philipp verwiesen: Sie lesen die Bibel der Fundamentalontologie paragraphenweise und sprechen anschließend in einem wöchentlichen Podcast darüber. Inzwischen sind sie bei § 16 („Die sich meldende Weltmäßigkeit der Umwelt“) angekommen.

Gemeinsame Lektüre ja, aber bloß nicht Heidegger? Dann gucken Sie halt in den Lesesaal der FAZ rein, dort wird gerade kollaborativ das Buch „Reich und Arm“ des Ökonomen Joseph Stiglitz gelesen.

Helikopterelternabend an den Unis

Eine Folge der Bildungsreformen zugunsten einer im Schweinsgalopp herzustellenden employability sind Elternabende an Universitäten. Für die FAZ nimmt sich Birgitta vom Lehn des Phänomens an, das auch mit einem anderen Verhältnis zwischen den Generationen sowie dem elterlichen Trend zur Überbehütung zusammenhängt und mit dem Unis verschieden umzugehen lernen. (29.12.15)

Gefallen und Unverletzbarsein

In der WELT beschäftigt sich Byung-Chul Han unter der fetzigen Überschrift „Narzissmus ist der Grund für Selfies und Terror“ mit der inneren Leere und ihren Symptomen bzw. Folgen sowie ihren Gründen (das unternehmerische Selbst und soziale Medien). Dazu erklärt er den Unterschied zwischen Narzissmus und Eigenliebe sowie die Notwendigkeit von Konflikten. (30.12.15)

Noch sind wir nicht tot.

Otto A. Böhmer empfiehlt in der taz, mit Schopenhauer ins neue Jahr zu starten. Das macht nicht glücklich, aber gelassen; es schärft den Sinn für die Gegenwart und für die Vorzüge des Alterns und es bereitet aufs unvermeidliche Auspusten der Laterne vor, das für den alten Pessimisten nicht das Ende bedeuten konnte. (01.01.16)

Neue Bücher:

Der Freitag stellt das Buch seines Community-Mitglieds Helder Yurén vor, worin dieser in Kleinbuchstaben die Expertokratie als Weg aus der kritikwürdigen Gegenwart hin zu einer herrschaftsfreien Utopie empfiehlt. +++ In seinem jüngsten Buch behauptet Markus Gabriel wider den „Neurozentrismus“, ich sei nicht Gehirn; das können Sie sich auf 256 Seiten für 18 Euro erklären lassen - oder sich die kurze und knackige Einlassung Rüdiger Spiegels zum gleichen Thema im aktuellen Lichtwolf gönnen. +++ Die NZZ bespricht des Juristen Michael Stolleis Sammlung von Anekdoten und Erzählungen, die ein anschauliches Bild von Rechtsphilosophie und -geschichte zeichnen. +++ Arno Widmann hat sich für die FR aus Slavoj Žižeks manischem Jahres-Output das kleine Pamphlet „Der neue Klassenkampf – Die wahren Gründe für Flucht und Terror“ vorgenommen und ist wenig überzeugt von der Art, wie Žižek auch darin für den Kommunismus als Lösung aller Probleme wirbt.

Unn sünst?

Der Freitag portraitiert die Philosophische Praxis von Ute Gahlings und Christian Hellweg in Frankfurt, wo man Leuten für 75 Euro die Stunde beim Gelingen des Lebens weiterhilft. +++ Die ZEIT führt bereits seit 2013 mit einer Einführung in die Philosophie denkinteressierte Jungmenschen mit knackigen Erläuterungen und Hausaufgaben an die schönste Wissenschaft heran; in der aktuellen Folge geht es um Platon bzw. Sokrates und ihre Ideenlehre, Dialogtechnik und Wissensbegriff. +++ In der Physik streitet man sich, ob man mit Stringtheorie und Multiversen den Bereich falsifizierbarer Wissenschaft verlassen habe, und rief die Philosophie zu einem Workshop herbei, von dem Spektrum der Wissenschaft berichtet. +++ Thomas Sautner fragt im Standard, wie man glücklich sein könne angesichts des traurigen Zustands unserer Gegenwart. Die Taktik „Verdrängen plus ein wenig Engagement“ ist ebenso beliebt wie der modern-eremitische Rückzug, der Trotz aber das einzig Wahre!


Links der Woche am 26.12.2015, 17:21 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 52/15

Hoppla, es ist ja schon wieder Samstag und damit Zeit für die Links der Woche!

Trigger-Warnung

Damit es nicht zu besinnlich wird: Für Telepolis hat sich Marcus Stiglegger ausgiebig mit beim westlichen Kino entlehnten Narrativen, Dramaturgie und Ästhetik der Snuff-Videos beschäftigt, mit denen die IS-Miliz im Internet zugleich Gegner einschüchtern und neue Anhänger gewinnen will. (20.12.15)

Zeitungen und Ewigungen

Der Feu-Chef der NZZ, Martin Meyer, befasst sich in seinem nostalgischen Weihnachtsessay mit Ohnmacht und Beschleunigung, die die moderne Lebenswelt verheeren. Ein überfälliger Beilagen-Beitrag, der von Gadamer in letzter Minute via Aeroplan geliefert wurde, wird zum Sinnbild dafür, was der Fortschritt seit den 1980ern nicht nur in Redaktionen obsolet gemacht hat. (24.12.15)

Bekenntnisse auf Knien

Die FAZ bringt einen Auszug aus des Althistorikers Robin Lane Fox’ umjubelter Studie über die Confessiones des Augustinus. Als (wie auch immer) zu Papier gebrachter innerer Monolog zwischen Ich und Vernunft begründeten sie eine bis heute beliebte Gattung, deren Themen und Textbezüge nach wie vor faszinieren. (26.12.15)

Kant und ZEIT

Der gute Immanuel Kant hat es jüngst auf die Titelseite der ZEIT geschafft, für die sich Thomas Assheuer mit dem Frankfurter Kantianer Rainer Forst über den Königsberger unterhalten hat, an dessen aus dem Denken gewonnenen Überzeugungen Forst festhält - obwohl jede Nachrichtensendung sie zu widerlegen scheint. Die ZEIT hat darum weitere „Philosophinnen und Philosophen aus aller Welt“ nach der Aktualität von Kants Denken befragt, die darauf sehr unterschiedlich antworten. Wie sehr unsere großen Denker wie Kant, Nietzsche und Til Schweiger in der Flüchtlingskrise missverstanden werden, ist übrigens eines der Themen im aktuellen Lichtwolf; neben der papiernen Ausgabe gibt es das Ding auch als preiswertes E-Book für Kindle oder im epub-Format.

Außerdemos von Sonstnochos:

Passend zur Jahreszeit erklärt Bad Santa Slavoj Žižek in der FAZ auf seine unnachahmliche Art, warum wir Weihnachten feiern obwohl wir selbst an den Zinnober gar nicht mehr glauben (und was das z.B. mit dem Demokratiebegriff zu tun hat). +++ Arno Kleinebeckel zeigt sich bei Telepolis sehr unzufrieden mit den Reaktionen auf die Anschläge von Paris und vermisst den Citoyen Rousseaus. +++ Unzufrieden ist auch Pankaj Mishra, der in der SZ die auch künftig immer wiederkehrende Notwendigkeit zu trauern mit der im Westen geleisteten Verblödungsarbeit in Zusammenhang bringt. +++ Auch die ZEIT bespricht Herfried Münklers kühle Analyse moderner Gewaltformen und ihrer Kriegsethik. +++ Philipp Ruch vom Zentrum für politische Schönheit hat sich für sein politisches Manifest den Vorwurf eingehandelt, ein antimodernistischer Schwurbelpathetiker zu sein, was er in der ZEIT zurückweist. +++ Die FAZ meldet, die Universität Salzburg habe dem Biologen Konrad Lorenz jüngst die Ehrendoktorwürde entzogen, weil der sich für den Nationalsozialismus engagiert hatte.

Das war also das insgesamt wenig erquickliche 2015, guten Rutsch und bis nächstes Jahr - und keine Hemmungen: Unser Einkaufszentrum ist natürlich auch zwischen den Jahren in voller Stärke besetzt, um ihre Bestellungen zu verschicken!


Links der Woche am 19.12.2015, 15:57 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 51/15

Bedingung einer Poesie

Bedauernd schreibt Birgit Schmid in der NZZ über das Aussterben eines noblen Gefühls, nämlich der Schüchternheit. Die gilt in Zeiten der digitalen Dauerselbstdarstellung als Defizit, dem mit Medikamenten und Ratgebern zu Leibe gerückt wird - obwohl die scheue Innerlichkeit doch viel zu bieten hat. (12.12.15)

Kompromiss statt Kampf

Im Freitag wird über die Möglichkeit oder Notwendigkeit eines linken Populismus diskutiert. Albrecht von Lucke warnt in seinem Beitrag vor Weimarer Verhältnissen, da linker und rechter Populismus nicht zu unterscheiden sind, und plädiert vielmehr für eine kompromissfähige Linke ohne Feindbilder. (15.12.15)

Remythologisierung des Alltags

Der säkulare Liberalismus und die rationale Wissenschaft sind nicht so gesetzt, wie man gemeinhin glaubt, schreibt Anton Hügli in der NZZ. Wenn sich die Religion sinnvoll einbringen will, um das Bedürfnis nach Transzendenz zu bedienen, sollte sie sich an die Religionsphilosophie von Karl Jaspers halten. (19.12.15)

Neue Bücher:

Ausführlich und fasziniert bespricht die FAZ „Die Möglichkeit der Normen“, worin der Jurist Christoph Möllers die Begriffe von Norm und Normativität sowie ihre Bedeutung für den demokratischen Alltag klärt. +++ Dieter Thomä, Ulrich Schmid und Vincent Kaufmann haben ein Buch geschrieben über die Bedeutung der Biographie für das Denken von Philosophen, die NZZ rezensiert das Werk. +++ Die FR zeigt sich fasziniert von David George Haskells Buch über „Das verborgene Leben des Waldes“. +++ Nicolas Mahler hat eine Philosophiegeschichte in Comicform gezeichnet, der Standard stellt „Partyspaß mit Kant“ vor.

Außerdemchen:

Freitag-Community-Mitglied TobiT unternimmt einen politisch-philosophischen Jahresrückblick und schaut nach, wie sich Slavoj Žižeks „Jahr der gefährlichen Träume“ in Griechenland und anderen europäischen Krisenländern ausnahm. +++ Georg Blume unterhält sich für die ZEIT mit dem Philosophen Alain Finkielkraut über das deutsch-französische Verhältnis in Zeiten des Terrors und des Krieges, den man hier nicht so nennen mag. +++ Bei Getidan findet sich der Hinweis auf Ben G. Fodors Photokunst zum Absurden; weitere Performances, die die Zweckhaftigkeit des ganzen menschlichen Strebens dokumentieren, gibt es auf Fodors Homepage. +++ Lichtwolf Nr. 52 (Titelthema: „Bitte / danke“) ist bereits auf dem Postweg in die Briefkästen unserer Abonnent_innen - und ganz ohne jeden Hinweis auf bevorstehende Konsumfeierlichkeiten sei hier auf die Möglichkeit hingewiesen, Abos und Einzelhefte der „Zeitschrift trotz Philosophie“ zu verschenken.


Links der Woche am 12.12.2015, 15:03 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 50/15

Heidegger-Schisma

Die Veröffentlichung von Heideggers Notizen aus den 1930er und 40er Jahren („Schwarze Hefte“) hat letztes Jahr unter Anhängern und Gegnern des Fundamentalontologen für Aufregung gesorgt. Nach einigen Rücktritten, Neupositionierungen und vielen Wortmeldungen finden gerade diverse Konferenzen zum Thema statt, die die Zersplitterung belegen. Thomas Thiel gibt in der FAZ eine Übersicht über Akteure und Frontlinien. Die Badische Zeitung unterhält sich mit Hermann und Arnulf Heidegger (Sohn und Enkel) darüber, warum der Nachlass weiterhin Familiensache bleibt und was in Freiburg los ist.

Facebook-Kritik herzlos bis antisemitisch?

Facebook-Gründer Mark Zuckerberg hat die Geburt seiner Tochter zum Anlass für die Ankündigung genommen, sein Vermögen in eine wohltätige Stiftung einzubringen. Michael Hanfeld gehörte zu denen, die darob nicht in Lobpreis ausbrachen, vielmehr zeigte sich Hanfeld in der FAZ kritisch gegenüber diesem Mediencoup. Götz Aly meinte in der allgemeinen Kritik, aber besonders in der Hanfelds, alte antisemitische Klischees zu erkennen, und bekommt wegen der Vorwürfe in seinem BZ-Artikel nun wiederum einen geharnischten Brief vom Feu-Chef der FAZ, Jürgen Kaube.

Neue Bücher

Der Freitag bespricht Jürgen Manemanns Buch, demzufolge Nihilismus und Furcht vor dem leeren Leben - und nicht Religion - junge Europäer zum Dschihadismus (oder Faschismus) hinziehen. +++ Die NZZ weist auf Manfred Franks Vorlesungen hin, die in einem Buch versammelt - gestützt auf Sartre, Fichte, Novalis und Bolzano - der Frage des Selbstbewusstseins nachgehen. +++ In ihrer Rezension von Axel Honneths Buch zur Aktualisierung des Sozialismus sieht die WELT den kommunikativen Liberalismus von Honneths Lehrer Habermas am Werk.


Links der Woche am 05.12.2015, 14:01 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 49/15

Der verunsichernde Teil der Antwort

Nach den Anschlägen von Paris schien die französische Stadt ebenso wie Brüssel im Belagerungs- oder Ausnahmezustand zu sein. Dass dieser dem Sicherheitsapparat nicht unbequem ist, nimmt Harald Staun zum Anlass für die Warnung, Polizei und Geheimdienste könnten das Vertrauen in die freiheitliche Demokratie gefährden. (29.11.15)

Künstliche Kapuzineräffchen mit Exoskelett

Die FAZ unterhält sich mit dem KI-Entwickler Jürgen Schmidhuber, der nicht nur die körperliche Arbeit dem Roboter überlassen will, sondern auch Wissenschaft und Forschung. Dazu forscht er ausgiebig an selbstlernenden neuronalen Netzwerken und zeigt sich unbeeindruckt von den Aussichten, seine Spezies könne sich damit selbst marginalisieren. (01.12.15)

Et cetera:

Die NZZ berichtet von einer Bochumer Tagung über experimentelle Philosophie, die zurück zum erhellenden Gedankenexperiment als Empirie will und deren Logo ein brennender Lehnstuhl ist. +++ Die Deutsche Welle hat Migranten und Geflüchtete nach ihren liebsten Worten auf Deutsch gefragt, Hannes Klug und Michael Angele stellen im Freitag das Ergebnis vor: „ebenso klangvolles wie melancholisches Wörterbuch“. +++ Hätte der Sozialismus das iPad hervorbringen können?, fragt Zoe Williams im Freitag und beschäftigt sich mit der neoliberalen Überzeugung, nur giergetriebene Privatwirtschaft sei innovationsfähig. +++ Die NZZ bespricht den nun auch auf Deutsch vorliegenden Briefwechsel zwischen Descartes und Elisabeth von der Pfalz über Vernunft, Gefühl die politisch-religiösen Verhältnisse des 17. Jahrhunderts. +++ Die taz rezensiert Steffen Martus’ Buch über den politischen Hintergrund, vor dem im Deutschland des 18. Jahrhundert sich die Aufklärung entwickelte. +++ Björn Höcke, Deutschland-Aficionado der AfD, hat sich auf Heidegger berufen. Daniel-Pascal Zorn erklärt bei Hohe Luft, dass Höcke den von ihm bildungshuberisch herangezogenen Begriff der Seinsvergessenheit offensichtlich nicht kapiert hat. +++ Hannah Arendt ist wieder angesagt, weshalb Micha Brumlik in der taz auf zwei passende Neuerscheinungen - eine „Denkbiographie“ und einen Gedichtband - hinweist.


Links der Woche am 28.11.2015, 15:46 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 48/15

Weltuntergang aus Kartoffelpüree

Bundesrichter Thomas Fischer schreibt in der ZEIT regelmäßig über Grenzfragen zwischen Recht und Moral. Diese Woche nahm er sich das Böse vor. Das hat im Strafrecht nichts verloren und ist auch philosophisch knifflig. Der leicht erratische Schreibstil passt zur eigentlichen Frage: der Abgrenzung vom Bösen zum Verrückten und zur schuldunfähigen Abartigkeit. (24.11.15)

Zurück zur Schönheit als Erdbeben

Wolfgang Ullrich sieht in der ZEIT das Zentrum für politische Schönheit durch Philipp Ruchs Manifest des Images links-alternativer Politkünstler beraubt. Denn Ruch beklagt ziemlich altmodisch, dass der Mensch im modern-reduktionistischen Weltbild entzaubert bis degradiert wird, und reiht sich in die Tradition des eher nicht so linken Antimodernismus ein. (26.11.15)

Außerdemos von Sonstnochos:

Vier Jahre nach dem Tode Friedrich Kittlers, der weder ganz Frankfurter noch ganz Freiburger war, beginnt die Edition seiner Werkausgabe mit unveröffentlichten Texten des noch jungen Medienphilosophen; sowohl die NZZ als auch die FAZ (diese ausführlicher) besprechen die Frühschriften. +++ Noch mehr Nachlässe: Ludger Lütkehaus weist in der NZZ auf die Neuausgabe von Schopenhauers nachgelassenen Texten aus den Jahren 1837 bis 1852 hin. +++ Die NZZ bespricht auch die Studie von Manfred Clauss, die das Frühchristentum als Fundamentalismus mit „Gewaltproblem“ erweist. +++ Die FAZ weist auf Julian Hamanns Studie über die Geisteswissenschaften und ihre Bedeutung für den Bildungsbegriff hin. +++ Der Freitag bespricht Axel Honneths „Die Idee des Sozialismus“, worin er unter Rückgriff auf die Frühsozialisten nach einer Utopie jenseits der Kapitallogik sucht. +++ Nach den Anschlägen von Paris hat Oliver Jungen für die FAZ zu Klaus Theweleits „Das Lachen der Täter“ als Buch der Stunde gegriffen, fand darin aber wenig Neues. +++ Der Tagesspiegel stellt Herfried Münklers Buch „Kriegssplitter“ über die Entwicklung organisierter Gewalt im 20. Jahrhundert vor. +++ Marcus Meier plädiert bei Telepolis für eine neue Drogenpolitik, die das Recht auf Rausch und den Staat als vertrauenswürdigsten Dealer anerkennt. +++ In Wien wird gerade Philosophie getanzt - und Jostein Gaarders „Sofies Welt“ gibt es kostenlos in der Fußgängerzone, wie der Standard meldet.


Links der Woche am 21.11.2015, 14:14 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 47/15

Mit Popper nach Paris

Für den Wirtschaftsteil der FAZ hat Rainer Hank noch einmal Karl Poppers „Die offene Gesellschaft und ihre Feinde“ hervorgekramt. Hier ist zu lernen, dass die Barbarei nie endgültig von der Aufklärung besiegt, sondern gar eher angelockt wird. Trotzdem lohnt es ohne Sinn, ohne Utopie oder Gott für Demokratie und Recht zu kämpfen. (17.11.15)

Ratlosigkeit triumpiert über Geschichte

Auch Hans Ulrich Gumbrecht überlegt in seinem FAZ-Blog, was nach den Pariser Anschlägen noch mit Geschichte und Erinnerung anzufangen ist. Statt zu Popper greift er zu Karl Löwith. Ihm zufolge ist die christliche Geschichtsphilosophie durch die Schrecken von WKII widerlegt worden - und dass Löwiths Schrift vergessen bzw. verdrängt wurde, findet Gumbrecht bezeichnend. (21.11.15)

Unn sünst?

Zum Welttag der Philosophie unterhält sich Korbinian Frenzel für Deutschlandradio Kultur mit Stefan Gosepath über Philosophie in der Öffentlichkeit. +++ Die WELT berichtet über eine Kant-Studie von Steffen Martus, die den Königsberger bloß als den besten Werbetexter des damaligen Aufklärungsdiskurses charakterisiert; wie ja auch Hegel - oha! - kein glühender Demokrat war. +++ Apropos: Die taz weist ausführlich auf ein neues, knapp 3.000-seitiges Kant-Lexikon hin, das auch als E-Book für nur ein paar hundert Euro zu haben ist. +++ Nils Markwardt erinnert im Freitag (mit Jaspers, Popper und Badiou im Gepäck) mit Blick auf die Anschläge in Paris und das folgende Kriegsgerede an die norwegischen Reaktionen nach dem Anschlag in Oslo und auf der Insel Utøya 2011. +++ Ein Vierteljahrhundert lang wird man, wie die FR meldet, in Köln über den muslimischen Gelehrten Averroes, dem wir u.a. Aristoteles und das spannende Verhältnis zwischen Philosophie und Offenbarung verdanken, forschen und edieren. +++ Der französische Philosoph Michel Serres hat laut taz ein Buch darüber geschrieben, wie Sprache und Philosophie (und alles überhaupt) aus der Musik entstehen.


Links der Woche am 14.11.2015, 14:59 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 46/15

Wer oder was ist das Volk?

Der Freitag feierte diese Woche 25. Geburtstag und holte aus diesem Anlass manches aus dem Archiv hervor. So diesen Text aus dem November 1990, in dem Georg Seeßlen sich über die vielen Bedeutungen Gedanken macht, die der Begriff „Volk“ im Slogan „Wir sind das Volk“ hat - und was das für Begriffe wie Herrschaft oder Nation bedeutet. (09.11.90)

Zwischen allen Stühlen

André Thiele erinnert in der ZEIT an den Berliner Philosophen Saul Ascher, der gegen den Antisemitismus und die nationalistische „Germanomanie“ des 19. Jahrhunderts anschrieb. Seine Überlegungen zu einem heterogenen Deutschland ohne Reinheitsfanatismus sind heute wieder aktuell. (09.11.15)

Hoffnung für die Assis überall

Ein neues Wissenschaftzeitvertragsgesetz soll das personelle Elend an deutschen Hochschulen beheben. Thomas Thiel blickt in der FAZ zurück auf die systematische Prekarisierung des wissenschaftlichen Nachwuchses im universitären Mittelbau. Die Bildungspolitik kennt das Problem, nun solle sie es lösen. (11.11.15)

Historiker vs. Systematiker

Vor einigen Woche begann in der FAZ eine kleine Debatte über analytische Philosophie vs. Kontinentalphilosophie. Nun ist Rolf-Peter Horstmann an der Reihe. Zunächst wehrt er sich gegen die Idee, historische Forschung habe in der Philosophie nichts mit Selberdenken zu tun. Dann beklagt er noch die Beliebigkeit philosophischer Fragestellungen und deren Vokabular. (11.11.15)

Den Toten dieser Woche

Zwei Verstorbene wurden diese Woche von den Feuilletons gewürdigt (und nach den gestrigen Anschlägen in Paris sind es noch viel mehr). Zu Beginn der Woche starb mit dem französischen Philosophen André Glucksmann ein Vertreter des Denkens jenseits des Rheins, der im Maoismus loslegte, die Friedensbewegung kritisierte und schließlich für Sarkozy Wahlkampf machte. Hierzulande starb der Bundeskanzler a.D. der Herzen und Lungen, Helmut Schmidt. Patrick Bahners von der FAZ erinnert sich, wie sich Schmidt einmal weigerte, ein Kant-Zitat zu kommentieren, ohne vorher den Textbeleg zu Gesicht zu bekommen. Außerdem hat dei FAZ noch ein Interview auf Lager, das Bahners und Jürgen Kaube 2011 mit Schmidt über Rauchverbote, Atheismus, Liberalismus und Islam führten.

Flucht und Fremdenfeindlichkeit

Für die FR unterhält sich Arno Widmann mit dem Historiker Michael Borgolte darüber, wie Europa durch Migration zu dem wurde, was es heute ist, und warum die Lage nicht im Mindesten mit der Roms zu Zeiten der Völkerwanderung zu vergleichen ist. Die abwehrende Haltung gegenüber Menschen, die hier Schutz suchen, wird im Feu längst auch analysiert. Caroline Fetscher macht sich im Tagesspiegel Gedanken über die menschliche Fähigkeit zur Empathie und was dazu führen kann, dass einige Menschen in der Flüchtlingskrise damit sehr haushalten. Sibylle Hamann hat bei diepresse.com eine andere Theorie: Wilde Gerüchte übers süße Flüchtlingsleben zu verbreiten dient der Repression des Reflexes, Menschen in Not zu helfen.

Et cetera:

Martin Walser teilt in der FAZ seine lebenslange Begeisterung von Nietzsches Zarathustra mit. +++ Till Hahn erinnert im Freitag an den depressiven Marxisten Louis Althusser, der als überholt gilt und dennoch die französische Philosophie bis heute prägt. +++ Als wäre die Kreiszahl Pi nicht schon faszinierend genug: Britische Mathematiker haben einen Zusammenhang zwischen Quantenphysik und Pi entdeckt, wie Telepolis meldet. +++ Raoul Schrott empfiehlt in der NZZ die Lektüre von „Die Inseln“ aus der Feder Jean Greniers, der ein prägender Einfluss für Albert Camus war. +++ Jürgen Kaube stellt in der FAZ drei Neuerscheinungen zum 100. Geburtstag von Roland Barthes vor. +++ Außerdem lädt Kaube zu einer Leseprobe aus dem Sammelband ein, in dem philosophische Probleme anhand der TV-Serie „The Big Bang Theory“ erörtert werden. +++ Die Jüdische Allgemeine weist auf einen neu erschienenen Band mit Gedichten von Hannah Arendt hin.


Links der Woche am 07.11.2015, 14:37 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 45/15

Der Laplacesche Dämon wird Historiker.

Will man künftige Entwicklungen vorhersagen, muss man alle relevanten Elemente kennen, aber vor allem ihre Netzwerkbeziehungen untereinander. Der Physiker Silvio R. Dahmen zeigt in der FAZ, was solche Netzwerkanalysen in mythischen Erzählungen zutage fördern und wie sie vielleicht mal dazu taugen, die Zukunft von Populationen und Zeitgeist vorherzusagen. (04.11.2015)

Die neuen Totengräber

Bei Telepolis unterhält sich Hans-Arthur Marsiske mit dem Prekariatsforscher Guy Standing über die neue explosive Klasse. Denn das neoliberale Programm forciert Ungleichheit und Entsolidarisierung in einem gefährlichen Ausmaß, wie sich am deutlichsten am demoralisierten und entrechten Prekariat zeigt. (07.11.15)

Indiana Jones der Semiologie

Roland Barthes wird zu seinem 100. Geburtstag von Peter Geimer in der NZZ gewürdigt: Mit fast schon paranoischer Sensibilität ging Barthes der beredten „Allmacht der uns umgebenden Zeichen, Codes und Botschaften“ auf den Grund und erschütterte die von Alltagsmythen verursachte scheinbare Selbstverständlichkeit kultureller und historischer Phänomene. (07.11.15)

Zweimal Seeßlen

In seinem Blog hat Georg Seeßlen diese Woche zwei wichtige Texte veröffentlicht. Im ersten geht es um Unterschiede und Zusammenhang zwischen Protz, Prunk und Luxus und was diese Begriffe jeweils für die Verbindung von Haben und Sein bedeuten in einer kapitalistischen Kontrollgesellschaft, die nur noch Protz zulässt und Luxus verdammt. Im zweiten Text meditiert Seeßlen über das Wesen der Bibliothek: Wann wird aus einer Sammlung von Büchern ein magischer Ort und was hat die Bibliothek mit Bürgerlichkeit, Erotik und Revolution zu tun?

Außerdemchen:

Bei Hohe Luft legt Richard Wolin nach und bekräftigt, warum die von Vittorio Klostermann verantwortete Heidegger-Gesamtausgabe ein internationaler Wissenschaftsskandal ist. +++ Die FR unterhält sich mit dem Historiker Fritz Stern über die derzeitige Entwicklung in Deutschland, das über der Flüchtlingsfrage zerrissen ist. +++ Axel Honneth versucht sich in seinem neuen Buch an einer Aktualisierung der Idee des Sozialismus, der jedoch - so die taz - die richtigen Leute fehlen. +++ Im Telepolis-Interview gibt Hans-Christian Dany Auskunft über den Stillstand als verzögertes Ende des Kapitalismus. +++ Die NZZ zeigt sich fasziniert von der deutschen Ausgabe vom „Tagebuch eines Philosophen“, den präpotenten Notizen des jungen Alexandre Kojève. +++ Außerdem wünscht die NZZ der deutschen Neuausgabe von Lew Schestows „Apotheose der Grundlosigkeit“ die Aufmerksamkeit, die Schestows Denken in Frankreich längst zuteil geworden ist.


Links der Woche am 31.10.2015, 14:15 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 44/15

Das Auto ist schuld

Nun nimmt sich auch die ZEIT der ethischen Implikationen des autonomen Fahrens an, denn: „Ein Roboter-Auto ist keine Utopie mehr.“ Niels Boeing (!) schreibt über die Aussichten, selbstlernende Maschinen als juristische Person mit eigenem Vermögen oder als Rechtssubjekt ganz eigener Art einzustufen. (26.10.15)

Der kleine große Unterschied

Der Homer-Neuübersetzer und Dichter Raoul Schrott hat in der „Ilias“ einen Übersetzungsfehler entdeckt, der die bisherige Rezeptionsgeschichte des Epos in Frage stellt. Zu Beginn wird nämlich, wie er in der FAZ erklärt, weder eine Göttin noch Muse angerufen, sondern die Titanin Themis. (27.10.15)

Zwei Neuerscheinungen zum Thema Sterbehilfe: Zwei Ärzte und Robert Spaemann diskutieren in ihrem Buch, das die FAZ vorstellt, über assistierten Suizid und kommen zu einem eindeutigen Urteil. Methodisch und im Urteil komplementär dazu steht Georg Diezens Buch über selbstbestimmtes Sterben, das im Freitag besprochen wird.

Weitere Rezensionen: Die NZZ ist fasziniert von Alexander Demandts Kulturgeschichte des westlichen Zeitbegriffs, der im (Ein-)Teilen und im Kalender wurzelt. +++ Außerdem stellt die NZZ die gesammelten politischen Reden des pointiert-essayistisch formulierenden Historikers Fritz Stern über Totalitarismus, Widerstand und US-Politik vor.

Et cetera:

Diese Woche bereits getwittert, für die Akten hier noch einmal: Georg Seeßlens großartiger Essay in der ZEIT über den Horrorfilm als Gradmesser des Zeitgeistes. +++ Wenn Sie schon dabei sind, seien Ihnen auch Seeßlens aristotelische Meditationen über Freiheit empfohlen, für die man sich trotz oder wegen ihrer Kürze Zeit nehmen sollte. +++ Die FAZ berichtet von den allen voran demographischen Fragen, anhand derer man beim Münchner Hochschulsymposium über zukünftige Herausforderungen für deutsche Universitäten nachgrübelte. +++ Das Ludwig-Boltzmann-Institut und die Wienbibliothek haben den ersten Teil des „Karl-Kraus-Projekts" online gestellt, wo man Kraus als Vorleser hören kann. Weiteres biographisches Material folgt.



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