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Links der Woche

Die 10 häufigsten Stichwörter in dieser Rubrik:
1. Georg Seeßlen (68)
2. Martin Heidegger (56)
3. Slavoj Žižek (50)
4. Kapitalismus (40)
5. Peter Sloterdijk (38)
6. Hans Ulrich Gumbrecht (31)
7. Demokratie (25)
8. Donald Trump (24)
9. Künstliche Intelligenz (20)
10. Friedrich Nietzsche (19)

Links der Woche, rechts der Welt: Jeden Samstag Nachmittag empfiehlt der Lichtwolf die interessantesten Texte der Woche der Leserschaft zur Wochenendlektüre.


Es gibt in dieser Rubrik 354 Artikel auf 36 Seiten:

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Links der Woche am 12.03.2016, 14:33 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 11/16

Müll als Sinnbild

Für die NZZ hat sich Roman Bucheli recht poetisch mit dem Zeichen unserer Zeit befasst, nämlich dem Müll und unserem Umgang damit: „Wir mögen zwar immer mehr davon hervorbringen, aber wir sehen trotzdem (oder vielleicht gerade darum) immer weniger davon.“ Philosophisch wäre es, genau hinzusehen. (12.03.16)

Sloterdijk rettet Deutschland

Im Februar gab Peter Sloterdijk dem Cicero ein Interview zur deutschen Flüchtlingspolitik, mit dem er sich („Souveränitätsverzicht“, „Überrollung Deutschlands“, „Lügenäther“) in die Riege der nationalkonservativen Denker einreihte. Dafür erhielt er mächtig Flak, u.a. von Herfried Münkler, gegen die er sich nun in der ZEIT zur Wehr setzt, indem er den Sozialkrisengewinnlern (Journalisten, Politologen und Soziologen) vorwirft, in pawlowscher Art reflexdressiert zu sein, und auf seiner Skepsis gegenüber der Willkommenskultur beharrt. Daraufhin meldet sich ebd. der Soziologe Armin Nassehi mit einer Gegenrede zur Gegenrede als gleichfalls Gemeinter zu Wort und liefert noch einmal Belege für seinen Vorwurf, Sloti und Safranski bedienten „genau jene Semantik, von der rechte und rechtsintellektuelle Invektiven derzeit leben.“ Nebenbei sind einige von Schlotterdeiks Essays unter dem irreführenden Titel „Was geschah im 20. Jahrhundert?“ als Buch erschienen, das Andreas Rödder in der FAZ nicht so überzeugt, während Ingo Arend bei Getidan Sloterdijk durch seine Essays gar vom Ruch des Nationalkonservativismus befreit sieht. Florian Rötzer hat sich für Telepolis mit dem Sloterdijk-Schüler Marc Jongen beschäftigt, der in Götz Kubitscheks rechtsnationaler Zeitschrift gefeiert wird als derjenige, der dem AfD-Wutbürgertum die philosophischen Weihen verpasst.

Was ist bloß los mit den Leuten?

...wollte die FR vom Soziologen Heinz Bude wissen, der im Interview erklärt, warum die Deutschen gerade so mega unentspannt sind. (Ihnen fehlt eine positive Zukunuftsvision.) André Kieserling guckt in der FAZ darauf, wie wichtig es in der Konkurrenzgesellschaft ist, Eindruck zu machen, und was mit den Verlierern dieses Dauerspielchens wird. Und ginge es auch anders als mit Aufwallungen innerhalb der eigenen Filterblase? Fridtjof Küchemann stellt ebenfalls in der FAZ das litauische Start-up-Netzwerk „Plag“ vor, das es nur als App gibt und dessen „unsozialer“ Ansatz („Deine Meinung ist nichts wert.“) eine ungeahnte Debattenkultur hervorbringt. Bei Netz gegen Nazis gibt es übrigens für alle, die weiter in den klassischen asozialen Netzwerken unterwegs sind, eine nützliche Übersicht über rechtspopulistische Gesprächsstrategien.

Et cetera:

Die NZZ stellt das Buch von Carlos Fraenkel vor, der mit altem philosophischen Kopfwerkzeug u.a. im Nahostkonflikt und anderen Krisengebieten vermittelt hat. +++ Apropos: Heute Abend ab 23:05 Uhr geht es im DLF in der Langen Nacht um Konflikt, Mediation und Dialog. +++ Und weil Radio halt generell gut ist, seien hier auch mal die Sendungen Essay und Diskurs (sonntags, 9:30 Uhr, DLF) und Sein und Streit (samstags, 13:05 Uhr, Deutschlandradio Kultur) live oder als Podcast empfohlen. +++ Mindestens so gut übrigens wird der neue Lichtwolf, der in einer Woche zum Titelthema „Schloch“ erscheint. Als Abonnentin können Sie ganz vorne mit dabei sein beim unwahrscheinlichsten Magazin der Welt.

Und wenn Sie in einem Bundesland mit Bindestrich leben: Morgen wählen gehen!, auch wenn in Ihrem Bindestrichland gerade keine Wahl sein sollte!


Links der Woche am 05.03.2016, 14:25 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 10/16

Alles für das Ranking

Hubertus Breuer schreibt in der SZ über den Druck auf Wissenschaftler_innen, möglichst oft in Fachzeitschriften mit möglichst hohem „Journal Impact Factor“ (JIF) zitiert zu werden, der (wie so vieles heutzutage) sogar neurobiologisch nachweisbar ist. Sodann geht es um bibliometrische Ursprünge und ökonomische Perversion des JIF. (02.03.16)

Körper, Geist und Volkswille

Brigitte Hilmer portraitiert in der NZZ zum 150. Todestag den vielseitigen Hegel- und Schellingschüler Ignaz Paul Vital Troxler, der u.a. als Augenarzt, Essayist, Flüchtling und politisches Idol der Schweizer glänzte und in seiner „Philosophie des ganzen Menschen“ prophetischer Solitär war. (05.03.16)

Special Agent Scully gefällt das.

Thomas Kuhn und Foucault haben das Entstehen der Anomalistik begünstigt, schreibt Andreas Kilcher in der NZZ. Dort stellt er das neue Handbuch der Disziplin vor, an dem u.a. das Freiburger Institut für Grenzgebiete der Psychologie und Psychohygiene beteiligt ist. Die Anomalistik will die Grenzen der Erkenntnis ausloten und paranormale Phänomene wie Geister und Spuk wissenschaftlich untersuchen, also nicht Esoterik sein. (05.03.16)

Alles ist ein Text.

Paul Cobley wundert sich im Freitag, warum niemand sonst das eigentlich Projekt des verstorbenen Umberto Eco auf dem Schirm hatte: Mit Ecos Semiotik als „Verstehen von Zeichensystemen“ und ihrer Wirkung nämlich scheinen viele Nachrufer nichts anfangen zu können, weshalb Cobley Nachhilfe gibt. (05.03.16)

Der Fall Meursault

Die FR bespricht recht begeistert Kamel Daouds romanhafte Gegendarstellung zu Camus’ „Der Fremde“; auch die ZEIT stellt das Buch und seinen Autoren vor, der sich mit seinen Äußerungen zu Islam, Kolonialismus und Colognialismus viele Feinde macht.

Auch das noch:

Es gibt ein neues, noch dunkleres Schwarz („Vantablack“), wie WELT und SZ melden, aber nicht jeder kann es benutzen. +++ Die NZZ lobt das neue Buch des Philosophiehistorikers Kurt Flasch über den Teufel - seine Funktion, Person und Rezeption. +++ Die NZZ bespricht auch Markus Gabriels neues Buch wider den Neurokram als Universalerklärung für alles Menschliche. +++ Die FR zeigt sich schwer begeistert vom illustrierten Jugendbuch des Chemikers und Philosophen Jens Soentgen, das die Kulturgeschichte von Feuer, Alchemie und Neugier erzählt. +++ Doomsday Prepper aufgepasst: Die ZEIT listet 29 Anzeichen des Weltuntergangs auf! +++ Taugliche Vorbereitung auf den anstehenden neuen Lichtwolf zum Thema „Schloch“: Andreas Frey schreibt in der FAZ über spontane Erdfälle. Schwups und weg!


Links der Woche am 27.02.2016, 12:02 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 09/16

Alleinsein und Einsamkeit

Konrad Lehmann befasst sich bei Telepolis mit diesen zwei ganz und gar nicht synonymen Zuständen bzw. Gefühlen. Londoner Neurobiologen haben gerade entdeckt, was Isolation mit dem Gehirn macht, woraus Lehmann folgert, dass Einsamkeit nun auch zu den anthropologischen Grundemotionen gezählt werden müsste. (23.02.16)

Das automatische Subjekt

Adrian Lobe hat für die FAZ einen Artikel des Rechtswissenschaftlers Brett Frischmann und des Philosophen Evan Selinger gelesen, die für eine Anpassung des Turing-Tests plädieren, da einiges darauf hinweist, dass Menschen in ihrer digital geprägten Umwelt immer maschinenähnlicher werden. (27.02.16)

Außerdemchen:

Die FR bespricht das neue Buch des Occupy-Vordenkers David Graeber, worin dieser Webers Lob der Bürokratie zurückweist, um auch hinter ihr den Neoliberalismus am Werk zu sehen. +++ Letzte Woche wurde es ringsum besprochen, nun liegt Kamel Daouds Buch „Der Fall Meursault – eine Gegendarstellung“ im FAZ-Lesesaal zur gemeinsamen Lektüre aus. +++ Telepolis stellt eine Studie über das Handlungs-Bewusstsein vor - über die neuronalen Grundlagen böser Taten auf Befehl. +++ Die FAZ berichtet von einem Auftritt des Informatikers David Gelernter in Berlin, wo er über den Wandel von Rationalität und Weltbezug durch die Digitalisierung sprach.


Links der Woche am 20.02.2016, 16:46 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 08/16

Hannah Arendt über Sokrates

Im Freitag würdigt Jürgen Busche Hannah Arendts Vorlesung über Sokrates als Buch der Stunde. Darin geht es um die Verachtung der Sophisterei, das Lob des Meinungspluralismus und warum das Denken nicht im Relativismus endet, sondern erst anfängt - und als Philosophie keine Realisierung braucht, um zu wirken. (17.02.16)

Peterchens Mondfahrt

Peter Sloterdijk schreibt in der NZZ einen langen Essay über den „dramatischen Zuwachs“ an Möglichkeiten, die die Technik uns eröffnet. Im Falle der Raumfahrt hat das jedoch eine neue Qualität: Raumstationen als ontologische Implantate im Nichts bringen ein In-der-Welt-Sein und eine Zwei-Wege-Transzendenz neuer Art hervor. (20.02.16)

„Stunde der politischen Terribles Simplificateurs“

Der Psychologe Carlo Strenger appelliert in der NZZ an die Citoyens, in den einander durchdringenden Krisen mutig und vernünftig zu bleiben, also nicht auf Polarisierungen, Populismen und vermeintlich einfache Lösungen hereinzufallen. Stattdessen sollten sie ihre Werte ohne falsche Scheu verteidigen und sich in etwas üben, was Strenger „zivilisierte Verachtung“ nennt. (20.02.16)

Camus reloaded

Kamel Daoud hat Albert Camus’ Romandebut neu verfasst, und zwar aus der Perspektive des Bruders des Arabers, der von Meursault erschossen wird. Für die FAZ unterhält sich Annabelle Hirsch mit Daoud über aktuelle Konflikte zwischen der arabischen und der westlichen Welt. Tobias Lehmkuhl zeigt sich in der SZ ziemlich enttäuscht von dem Roman, dessen Autor die Originalvorlage wohl nicht recht verstanden hat.

Neue deutsche Lautstärke

In der taz schlägt Tilman Baumgärtel nach, was sich vom Soziologen Gustave Le Bon lernen lässt über massenhafte Schreihälse on- wie offline; übrigens auch eines der Themen im nächsten Lichtwolf zum Oberthema „Schloch“. Für die ZEIT beschäftigt sich Volker Weiß mit dem öffentlichen Intellektuellen und streitbaren Soziologen Armin Nassehi, der sich jüngst in einem Briefwechsel mit dem Neurechten Götz Kubitschek auseinandersetzte. In der ZEIT schreibt Marion Detjen über ehrgeizige, junge Flüchtlinge, die über die hiesigen völkischen Diskurse den Glauben an Europa verlieren und sich zum Schaden des Kontinents lieber weiter gen Übersee aufmachen. Noch eine Drehung weiter machen Ulrike Guérot und Robert Menasse: In Le monde diplomatique schreiben sie über die Utopie eines wahrlich grenzenlosen Europas, in dem Platz für Städte wie Neu-Kundus oder Damaskus am Neckar ist.

Et cetera:

Das beste Wimmelbild der Welt: In einer „interactive documentary“ kann man sich den Garten der Gelüste von Hieronymus Bosch bis ins Detail begucken - und erklären lassen. +++ Im FAZ-Lesesaal beugt man sich gerade gemeinsam über Melvilles „Bartleby, der Schreiber“, und zwar übers gesamte (gemeinfreie) Buch. +++ Seit den 60ern ist alles irgendwie komplex. Die FAZ bespricht das Buch der Zeithistorikerin Ariane Leendertz über die semantische Karriere des Begriffs. +++ Der Freitag stellt drei Neuerscheinungen über Philologie und Philosophie in Afrika vor.


Links der Woche am 13.02.2016, 14:20 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 07/16

Banalität des Guten

Das Fremde verweist auf die Möglichkeiten, die das Eigene einst hatte, und wird darum gehasst, so in etwa die These des an Horkheimer, Adornos und Arendt geschulten Eike Geisel, der der „Wiedergutwerdung der Deutschen“ zeitlebens misstraute. Für die taz bespricht Ulrich Gutmair einen posthumen Sammelband mit Essays und Polemiken. (10.02.16)

Das Sein neoreligiös denken

Für The European unterhält sich Stefan Groß mit „einem der bekanntesten deutschen Philosophen, [Prof. Dr. mult.] Robert Spaeman[n]“. Es geht um philosophische Ein- und Verstellungen der Zugänge zu Gott und Sein, Gefahren und Chancen der Postmoderne, die Unmöglichkeit relativer Moral sowie um Auschwitz und Spaemanns „letzten Gottesbeweis“. (12.02.16)

E-Books als Simulation des Lesens

In der NZZ schreibt der Wissenschaftstheoretiker Michael Hagner über die rein digitale Bibliothek, wie man sie an der ETH Zürich erwägt, als unwahrscheinliche Dystopie. Dem gedruckten Buch ist nicht beizukommen, auch wenn Digitalisierung und Sparzwang den Bibliotheken das Leben weiter schwer machen werden. (12.02.16)

Analysen zur schlechten Stimmung

Mit Europa, der Demokratie und dem großen Tumult seit Silvester befasst sich Wolfram Schütte ausführlich bei Glanz & Elend. Auch Georg Seeßlen macht sich in seinem Blog Gedanken, wie die Zivilgesellschaft ihren Jammer über das Erstarken der Neurechten allüberall für einen humanen Gegenentwurf nutzen könnte. Der Krisen- und Katastrophenessayist Wolfgang Sofsky denkt in der NZZ darüber nach, was so alles erschüttert wird, wenn - wie jetzt gerade - die Dinge lärmend in Bewegung geraten, und um wie viel mehr sich die Menschen dann an Hoffnungen und Versprechen klammern. Daraus resultiert das hysterische Geschrei, mit dem sich die Schriftstellerin Sabine Bergk in der ZEIT beschäftigt: Hierzulande wird gebrüllt oder geschwiegen. Warum es auch zwischen Apokalypse oder Triumph nichts zu geben scheint, ist Dirk Pilz’ Thema in der FR. Eine Antwort findet er in diversen Büchern über christliche Gewaltlegitimation, deren Motive sich im Flüchtlingsdiskurs und bei George W. Bush genauso wie bei der RAF wiederfinden.

Unn sünst?

Letzte Woche besprochen, diese Woche widersprochen: Robert Nef kann die eher positive Rezension von Axel Honneths Sozialismusbuch in der NZZ so nicht stehenlassen, weil es die behauptete soziale Freiheit nicht geben kann. +++ Die NZZ bespricht auch Wolfgang Wills Doppelportrait von Herodot und Thukydides, die das abendländische Verständnis von Geschichte und Geschichten begründeten. +++ Außerdem würdigt die NZZ die in ihrem 10. Jahrgang stehende Zeitschrift für Ideengeschichte - harte Konkurrenz für unser kleines Weltmagazin? +++ Der Irrationalismus greift ja gerade wieder mächtig um sich. Die WELT berichtet von Popmusikern, die öffentlich den Satz des Pythagoras und die Kugelgestalt der Erde ablehnen. +++ Dada wird nach wie vor 100, darum hat die NZZ eine ganze Reihe von Texten zur Würdigung von Ball, Hennings, Schwitters et.al. zusammengestellt; im Deutschlandfunk kommt heute Abend ab 23:05 Uhr die Lange Nacht über Dada.


Links der Woche am 06.02.2016, 14:38 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 06/16

Männer können alles sein

Kluge Frauen betonen es seit Jahrzehnten, ihre Gegner wollen es nicht kapieren: Feminismus ist nicht männerfeindlich. Selma Mahlknecht zeigt bei Telepolis, dass vor allem Männer eine männerfeindliche Atmosphäre schaffen und von der Gleichberechtigung nur profitieren können, wenn sie denn schon keine ethische Einsicht in ihre Notwendigkeit haben wollen. (30.01.16)

Kooperation statt Konkurrenz

Die ZEIT führt ein langes Interview mit Martin Nowak, der - für einen Evolutionsbiologen eher ungewöhnlich - gläubiger Katholik ist, und natürlich erstmal erklären muss, wie das zusammenpasst, worüber er auch manchen Vortrag hält. Für die Vereinbarkeit von Religion und Wissenschaft spreche etwa die Mathematik. (04.02.16)

Dada wird 100

Diese Woche jährte sich Hugo Balls Einladung ins Cabaret Voltaire zum 100. Mal und Christian Schröder lässt im Tagesspiegel ein Jahrhundert Dada Revue passieren: Von den Zürcher Anfängen der Erz-Avantgarde im WK I bis zu den baldigen Niedergängen und Wiedergeburten. (05.02.16)

Piraten in Gerichten

2015 war für deutsche Verlage ein „annus horribilis“, schreibt der Slawist Urs Heftrich in der FAZ, und begründet das mit zwei Gerichtsurteilen, die Bibliotheken das digitale Bereitstellen von eingescannten Büchern erlauben und Verlage von VG-Wort-Tantiemen ausschließen sollen. Den Todesstoß fürs deutsche Verlagswesen sieht Heftrich in staatlich forcierten Open-Access-Publikationen. (05.02.16)

There's something in the Air

Georg Seeßlen beschäftigt sich im Freitag mit der erfundenen Geschichte von einem Syrer, der in der Warteschlange vorm Berliner Lageso verstorben sein soll, und damit, warum der Fake so „erfolgreich“ war. Die Hyperinformationsgesellschaft hat keine Vielfalt, sondern neuen Mainstream hervorgebracht, und verhält sich darin ähnlich hysterisch-irrational wie der spekulative Finanzmarkt. (05.02.16)

Ab in den Orkus!

Da simma dabei: Ulf von Rauchhaupt beschreibt in der FAZ ausführlich, was beim Sturz in ein schwarzes Loch vor sich geht. Dazu führt er zunächst in die faszinierende Wissenschaftsgeschichte dieser astronomischen Objekte ein, ehe es um die verschiedenen Möglichkeiten geht, unter einem krassen Sternenhimmel von einer solchen Raumzeitverzerrung in auf Nimmerwiedersehen verschwindende Stücke gerissen zu werden. (06.02.16)

Schamloser Hass

Im Netz spricht der Hass und bringt eine neue deutsche Hasskultur hervor, wie Hans-Jürgen Krug bei Telepolis rekapituliert, während (und wie) PEGIDA gerade europaweit demonstriert. In der FAZ unterhält sich Andrea Diener mit der Sozialpsychologin Catarina Katzer darüber, warum es so verführerisch ist, im Netz z.B. die Fascho-Sau rauszulassen (und warum das Internet uns durcheinander und Beziehungen oberflächlich macht). In der SZ schließlich setzt sich Till Briegleb aus aktuellem Anlass mit dem Gefühl der Scham auseinander - und welche Rolle Moralvorstellungen, Privatsphäre und „Gefühlspolitik“ dabei spielen.

Außerdemos von Sonstnochos:

Fnord-Report in groß: Auf dem Wiki psiram.com kann man sich über Esoterik, Verschwörungstheorien und den ganzen anderen Quark informieren und staunen, was es außerhalb der Psychiatrie so alles gibt. +++ Guy Debord hat nicht nur übers Spektakel geschrieben, sondern war auch Praktiker: Das Österreichische Filmmuseum zeigt, wie der Standard meldet, die Filme Debords. +++ Mal ein paar Bilderbücher? Der Tagesspiegel verweist auf Kirsten Boies deutsch-arabisches Bilderbuch über die Flucht einer syrischen Familie; die NZZ stellt Kathrin Schärers traurig-schönes Bilderbuch über den Tod, den Fuchs und einen Apfelbaum vor. +++ Die NZZ bespricht auch Lambert Wiesings philosophische Abhandlung über Luxus als ästhetischen Widerstand gegen die Zweckrationalität - sowie Axel Honneths Sozialismusrehabilitation, die von einem links-liberalen Freiheitsbegriff getragen werde. +++ Der Buchautor Patrick Spät bekennt sich bei den Krautreportern mit Link dazu, die Links der Woche zu lesen. Das ist sehr nett!


Links der Woche am 30.01.2016, 15:44 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 05/16

Philosophie und Wissenschaft

Für Telepolis unterhält sich Reinhard Jellen mit dem Münsteraner Philosophieprof Kurt Bayertz über Unterschiede und Ergänzungen zwischen Philosophie und Wissenschaften, die sich mehr oder weniger gut auseinanderhalten lassen. Die Philosophie könnte helfen, die allzu leicht ökonomisch ausgerichteten Wissenschaften wieder humanistisch anzubinden, außerdem geht es um Postmoderne und Ideologie. (24.01.16)

Žižeks Leitkultur

René Scheu setzt sich in einem langen NZZ-Interview mit Slavoj Žižek auseinander. Es geht um Altersmisanthropie, doofe Studenten, liberale Tabus, die deutsche Flüchtlingspolitik, Kulturrelativismus und die Kapitalistenschweine, die vom Chaos in der Welt profitieren. (30.01.16)

Grundlagen der bürgerlichen Gesellschaft

Nun, da Flüchtlingen an diversen europäischen Grenzen die Wertsachen abgenommen werden (sollen), überlegt Thomas Steinfeld in der SZ, was das bedeutet, wenn Person und Eigentum einander hegelianisch bedingen. Indem ihnen die Verfügungsgewalt über sich selbst genommen wird, sind Geflüchtete aufs nackte Menschsein reduziert und davon ausgeschlossen, Rechtssubjekte zu werden. (27.01.16)

Außerdemchen:

Peter Sloterdijk plappert im Cicero PEGIDA-Parolen nach, schreibt der Tagesspiegel, und in der WELT kommt ausgerechnet vom doofen Ulf Poschardt eine Gegenrede. +++ Christoph Drösser schreibt in der ZEIT einen hymnischen Nachruf auf Marvin Minsky: Der KI-Pionier und Hirn-Backupper ist diese Woche mit 88 gestorben. +++ Telepolis weist auf eine Studie hin, die ein mathematisches Modell dafür liefert, wann große Verschwörungen auffliegen. +++ Adornos „Erziehung nach Auschwitz“ wird in diesem Jahr ein halbes Jahrhundert alt, ist aber aktueller denn je, weshalb die Uni Frankfurt zum Symposium einlud, von dem Christian Füller für den Freitag berichtet. +++ Die NZZ bespricht Hans Peter Duerrs ebenso voluminöses wie trostfreies Kompendium der Nahtod-Erfahrungen. +++ In der taz wundert sich Micha Brumlik, warum noch immer so viele an Heidegger festhalten, obwohl die Schwarzen Hefte seinen Antisemitismus offenbart haben und er zum Stichwortgeber der Israelkritik geworden ist.


Links der Woche am 23.01.2016, 20:57 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 04/16

Nachkriegsfreundschaften

Der Politikwissenschaftler Ahlrich Meyer beschäftigt sich in der NZZ mit den Briefen, die von den Schwierigkeiten Siegfried Kracauers kündet, die sich im freundschaftlich-wissenschaftlichen Kreise von Hans Blumenberg und Hans Robert Jauss, Romanist mit SS-Vergangenheit, ergaben. (23.01.16)

Weitere Materialien zur Flüchtlingskrise

Theatermacher Milo Rau wendet sich in der ZEIT gegen den „zynischen Humanismus“, der sich in bloßer Betroffenheit äußert, obwohl doch alles auf den Zusammenhang hinweist, der zwischen dem Flüchtlingselend und unserer Lebens- bzw.- Konsumweise besteht, allbekannt ist und doch nie ernsthaft angegangen wird. In einem faszinierenden Text lässt die NZZ Wissenschaftler mit ethischen, ökonomischen und athropologischen Argumenten erklären, warum die Abschaffung aller Grenzen kein Chaos, sondern eine handfeste Utopie hervorbringen würde, wie es in der Vergangenheit schon mehrmals passiert ist. Apropos Utopie: Natürlich hat Slavoj Žižek auch weiterhin viel dazu zu sagen, wie der Kommunismus gegen Flüchtlingselend und Sex-Mob-Attacken hilft, so im schweizerischen Tagesanzeiger. Zu guter Letzt an die Schnittstelle von Ethik, Politik und Staatskunst: Das Verfassungsblog nimmt das Gutachten des ehemaligen Bundesverfassungsrichters Udo Di Fabio auseinander, das vermeintlich die Position der CSU zur Flüchtlingspolitik stützt.

Et cetera:

Für die FR bespricht Otto A. Böhme Axel Honneths Versuch, die diskreditierte Idee des Sozialismus in nüchtern-akademischem Ton als mögliche Lösung ökologischer und sozialer Probleme zu revitalisieren. +++ Die FAZ berichtet, wie sich die TU München darauf einstellt, dass die Studis immer mehr technische Geräte mit in die Uni schleppen. +++ In der SZ dagegen geht es darum, dass Studis viel zu brav sind - gelegentlichen Aufmüpigkeiten à la Münklerwatch zum Trotze. +++ Die taz meldet, dass ein großer Teil der zweiten „Marx-Engels-Gesamtausgabe“ der Einfachheit halber im Internet erscheinen soll, vor allem Briefwechsel, Exzerpte und Notizen. +++ Uwe Justus Wenzel berichtet für die NZZ von Günter Figals Tagung über Heideggers Schwarze Hefte in Freiburg.


Links der Woche am 16.01.2016, 15:05 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 03/16

Zeitreise mit der ZEIT

Nazischläger marodieren durch die Städte, politische Gegnerinnen werden bedroht, Schwimmbäder erteilen einer Bevölkerungsgruppe Zutrittsverbot, „Mein Kampf“ findet reißenden Absatz, die Schweiz knüpft Flüchtlingen an der Grenze Wertsachen ab - da macht die ZEIT doch lieber eine Zeitreise in die Zukunft und fragt einige Künstler_innen und Intellektuelle nach Deutschland anno 2036. (13.01.16)

Philosophie als Polyamorie

Die FAZ nimmt die Debatte um den vielleicht nur behaupteten Gegensatz zwischen analytischer und kontinentaler Denktradition wieder auf. Für Charles Taylor besteht er im Anspruch einer reinen Philosophie einerseits, die steril zu werden droht, und einem Denken, das keine Berührungsängste vor anderen Disziplinen hat. (16.01.16)

Mit Marx zur Charity-Gala

Hans Ulrich Gumbrecht hat in Stanford ein Doktoranden-Seminar darüber abgehalten, was vom Marxismus bleibt, und berichtet in seinem FAZ-Blog vom regen Interesse der Teilnehmer an wirtschaftlicher Gleichheit als ethischem Prinzip, um sich sogleich über Neid und Großzügigkeit auszulassen. (16.01.16)

16 days later

Ganz langsam legt sich der Pulverdampf nach der Kölner Silvesternacht. Die FR unterhält sich mit dem unvermeidlichen Richard David Precht übers Marokkanerverfrachten, kurzsichtige Politik und den Beitrag der Medien zum „Kippen der Stimmung“ im Land. Zum Ausgleich gibt es ebenda auch ein Interview mit dem Gewaltforscher Wilhelm Heitmeyer über Tätermassen, Aggression aus Hoffnungslosigkeit und politisches Parolentum. Und ansonsten sollte man zum Thema #koelnhbf (oder #ausnahmslos) vorrangig Leute fragen, die sich damit auskennen: Im Freitag plädiert Teresa Bücker dafür, die Debatte um sexualisierte Gewalt vor den Frauenrechtsextremisten zu schützen, und schildert persönliche Gewalterfahrungen, wie sie jenseits von Silvester schändlicher Alltag hierzulande sind. Bundesrichter Thomas Fischer zu guter Letzt liest in seiner ZEIT-Kolumne dem Bundesjustizminister, der CSU und anderen demonstrativen Härtefreunden die verfassungsrechtlichen Leviten zum Thema Köln, Zuwanderer und Gewalt gegen Frauen.

Außerdemchen:

Kürzlich ward hier ja bereits auf die Philosophie-Einführung der ZEIT hingewiesen, die Materialien und Anregungen für den Ethik-Unterricht oder nur so gibt. Auch das Schweizer Radio und Fernsehen hat sowas: Filosofix mit schick illustrierten Gedankenexperimenten und allem. +++ Die FAZ meldet, wie der Würzburger Hans Ulrich Gumbrecht (siehe oben) seine Heimatstadt auf die Idee brachte, Kants Hausdiener Lampe ein Denkmal zu widmen. +++ Die NZZ bespricht den jüngsten Band der Max-Weber-Gesamtausgabe mit den Briefen von 1895–1902, in denen es um Webers Probleme mit der Gesundheit und mit polnischen Landarbeitern geht. +++ Der Standard berichtet von einem Wiener Theaterabend mit dem Robert Pfaller, der zwei Karl Marxe (Märxe?) als Talkshow-Gäste hat.


Links der Woche am 09.01.2016, 14:37 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 02/16

Simplicissimi

Gute Vorsätze und so: Katrin Hummel beschäftigt sich in der FAZ mit dem anhaltenden Trend zu einem minimalistischen Lebensstil. Sie portraitiert dazu einige Leute, die ihren Besitz und Konsum radikal eingeschränkt und damit neue Freiheit gewonnen haben, wie es auch der Soziologe Harald Welzer empfiehlt. (06.01.16)

Aggressiver Humanismus statt Onlinepetitionen

Für Telepolis unterhält sich Manuel Schumann mit dem jüngst wegen seines antimodernistischen Pathos in Verruf gekommenen Aktionskünstler Philipp Ruch vom Zentrum für politische Schönheit. Es geht u.a. um eine radikal neue Flüchtlingspolitik, die Notwendigkeit undifferenzierter Politikerschelte und den Unterschied in den Zwecken zu PEGIDA. (07.01.16)

Zwei Dinge...

...hielten diese Woche das Feu in Atem und nur eines davon ist ordentlich genug abgehangen, dass es jetzt schon schöngeistiger Erwägungen lohnt. Da aber zur kritischen Edition von Hitlers „Mein Kampf“ so viele Kommentare erschienen sind, sei hier lediglich auf den von Jürgen Kaube (FAZ) verwiesen, der sich eine solche Ausgabe schon 1948 gewünscht hätte. In der anderen Geschichte, den sexuellen Übergriffen in der Silvesternacht in Köln und anderswo, hat Frank Lübberding für die FAZ eine erstaunlich unaufgeregte Phoenix-Runde zum Thema gesehen. In der WELT ruft der britisch-ugandische Autor Musa Okwonga dazu auf, endlich gemeinsam gegen Rassismus und Sexismus vorzugehen.

Das Verschwinden des Menschen

Der Mensch ist fleißig dabei, sich überflüssig zu machen: Wenn die Arbeit erstmal komplett den Maschinen überlassen ist, braucht es uns nur noch als Konsumenten, wie Marco Metzler in der NZZ schreibt. Die taz portraitiert mit dem KI-Forscher Dirk Helbing jemanden, der an der technischen Realisierung eines „planetaren Nervensystems“ werkelt, in dem der Mensch wohl eher ein herauszurechnendes Störphänomen ist.

Et cetera:

Bei politik-digital.de findet man das Buch des „bekanntesten Online-Philosophen Deutschlands“, Florian Rötzer, über „Smart Cities im Cyberwar“ anstrengend weil zu philosophisch. +++ Die NZZ empfiehlt Richard Swartz' phänomenologischen Roman übers alltägliche Gelumpe und Gerödel. +++ Die topmoderne Uni Freiburg stellt Podacsts (Audio und Video) von der interdisziplinären Tagung über Heideggers „Schwarze Hefte“ und die Ideologieanfälligkeit der Intellektuellen zur Verfügung. +++ Die taz portraitiert das philosophische Wunderkind Marcus Steinweg, der als Vortragskünstler jenseits von Uni und Institutionen der Metaphysik nachgeht. +++ Der Kapitalismus gerät ins Stocken, schreibt Robert Misik in der taz und liest bei diversen Ökonomen nach, ob das jetzt der echte Niedergang des „Kaputtalismus“ ist und was danach kommen könnte.



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Titelthema: Alte Berufe

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