Einige Funktionen dieser Website setzen die Speicherung von Cookies auf Ihrem Rechner voraus. Darüber hinaus verwenden wir Cookies von Google, um Anzeigen zu personalisieren und die Zugriffe auf unsere Website zu analysieren. Mehr erfahren Sie in den Datenschutzbestimmungen des catware.net Verlags.

Ok, einverstanden!

lichtwolf.de / Themen / Links der Woche

Links der Woche

Die 10 häufigsten Stichwörter in dieser Rubrik:
1. Georg Seeßlen (68)
2. Martin Heidegger (56)
3. Slavoj Žižek (50)
4. Kapitalismus (40)
5. Peter Sloterdijk (38)
6. Hans Ulrich Gumbrecht (31)
7. Demokratie (25)
8. Donald Trump (24)
9. Künstliche Intelligenz (20)
10. Friedrich Nietzsche (19)

Links der Woche, rechts der Welt: Jeden Samstag Nachmittag empfiehlt der Lichtwolf die interessantesten Texte der Woche der Leserschaft zur Wochenendlektüre.


Es gibt in dieser Rubrik 354 Artikel auf 36 Seiten:

Seite: 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16 17 18 19 20 21 22 23 24 25 26 27 28 29 30 31 32 33 34 35 36


Links der Woche am 22.10.2011, 14:12 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 42/11

Wenn ich es nicht haben kann...

Frank Wiebe bloggt nebenan über Wirtschaftsethik und stellt eine Studie der Uni St. Gallen vor, wonach Aktienhändler in spieltheoretischer Umgebung psychopathische Verhaltensmuster aufweisen. Ihre Strategien sind aggressiv, egoistisch, unkooperativ und alles andere als optimal. Wiebes Schlüsse: Ethik lohnt sich und Unternehmensstrukturen formen die Persönlichkeit. (16.10.11)

Was ist, muss nicht sein

Die "Blätter für deutsche und internationale Politik" drucken eine Rede ab, die Ingo Schulze bei seiner Ernennung zum Mainzer Stadtschreiber gehalten hat. Vom ZDF kommt er über Gutenberg auf Georg Forster, den Erfinder des Begriffs "öffentliche Meinung", um sodann eine ganze Reihe scheinbarer Selbstverständlichkeiten in dieser öffentlichen Meinung umzuschubsen.

Zum Tod von Friedrich Kittler

Am 18. Oktober ist der Medientheoretiker Friedrich Kittler gestorben, der den Deutschen Foucault und Derrida erschlossen und die Schreibkultur erklärt hat. Es rufen nach: die ZEIT, die taz, die SZ, die FR und die FAZ. (18.10.11)

Über philanthrocapitalism

Erinnern Sie sich noch an die Steuerstaat-Debatte, die Peter Sloterdijk 2009 auslöste? Während der Aufruf zum Steuerboykott aufgrund immer neuer Euro-Garantien hierzulande gerade besonders gute Erfolgschancen hätte, fordert US-Milliardär Warren Buffet höhere Steuern für seinesgleichen. Warum es für ein demokratisches Staatswesen problematisch ist, die Reichen zu schonen und auf ihr freiwilliges Mäzenatum zu setzen, erklärt Stephan Hebel in der FR. (18.10.11)

(Apropos: Vom Lichtwolf gibt es auch ein Abo auch für Mäzene: Das ist etwas teurer, dafür können Sie sich aber eine Prämie aussuchen und sich eines guten Gewissens erfreuen!)

Wess' Brot ich ess', dess' Lied ich edier'

Der Germanist Roland Reuß ist besonders bekannt geworden durch sein Engagement gegen Google Books und OpenAccess. Nun knüpft er sich in der FAZ zusammen mit dem Juristen Volker Rieble die Deutsche Forschungsgemeinschaft vor. Sie beschreiben die Strukturen der DFG und kommen zu dem Schluss, die Vergabepraxis von Fördergeldern sei mindestens intransparent, wenn nicht gar Einladung zu Gemauschel und Subventionsbetrug. (18.10.11)

Tod im Bild

Die Nachrichtenagentur AFP rühmt sich - wie Florian Rötzer auf Telepolis in einem Aufsatz zur Bildermacht darstellt - des Scoops, als Erste die Bilder des sterbenden Gaddafi gehabt zu haben. Wie auch die BILD spart sich AFP die Skrupel, die der medialen Konkurrenz einen Vorteil verschaffen könnten. Die breitet Bernd Graff in der SZ aus, wenn er Menschenwürde und Aufklärungspflicht abwägt. Auch Jan Ludwig findet in der FAZ die Jagd nach dem Photo des Sterbenden zumindest fragwürdig. (20./21.10.11)


Links der Woche am 15.10.2011, 14:34 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 41/11

Occupy the World

Für den heutigen Samstag haben zahlreiche kapitalismuskritische Gruppen zu weltweiten Protesten aufgerufen. Die taz zeigt sich bei aller Sympathie skeptisch, sind die Unterschiede zwischen dem Potsdamer Platz und dem Tahrir Platz, sogar auf dem "Liberty Place", doch zu groß. Slavoj Žižek war in New York und der Standard bringt einen Auszug aus der Rede, die er vor den Aktivisten von "Occupy Wall Street" gehalten hat.

Gartenphilosophie

Jasper von Altenbockum hat einen Maulwurf im Garten und resümiert in der FAZ die vielen grausamen bis lächerlichen, jedoch durchweg nutzlosen Methoden der Maulwurfsvergrämung. Am Ende seiner Meditation kommt er auf Hegel, denn für den "war der Maulwurf die Erkenntnis, die ans Licht drängt, aber dann doch nicht wirklich kommt, weil er ja fast blind ist und nur Schwarzweiß erkennt." (09.10.11)

Komorbidität

Philosophiestudenten haben ja gerne mal was Autistisches. Jan Pfaff jedoch stellt uns in der ZEIT die Zwillinge Konstantin und Kornelius vor, bei denen wirklich Philosophie diagnostiziert wurde. Sie studieren in Potsdam Autismus und verblüffen ihren Professor mit neuen Ansätzen und präzisen Schlüssen. (14.10.11)

Außerdem:

Schon letzte Woche ging es um Karl-Heinz Otts Rousseau-Kolportage "Wintzenried", die nun auch in der NZZ gepriesen wird. +++ Leonie Seng hat sich für ihr Blog mit Julian Nida-Rümelin über Philosophie-Kongresse und Bologna unterhalten.


Links der Woche am 08.10.2011, 13:59 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 40/11

Nicht nur geistige Masturbation

In der Badischen Zeitung bespricht Michael Braun den biographischen Roman "Wintzenried" von Karl-Heinz Ott. Darin lernen wir Jean Jacques Rousseau als manisch onanierenden Jüngling kennen, aus dem ein "triebgesteuerter Eiferer" wird. Der Weg dahin führt von sexuellem Ungemach über Größenwahn in die Paranoia. (01.10.11)

Ich glaube an die Deutsche Bank, denn die zahlt aus in bar

Michael Blume bloggt über Religion und Evolution und hat sich in den Chronologs mit der Rede beschäftigt, mit der der Papst vorige Woche im Bundestag am Positivismus zweifelte. Gott ist demnach so wenig beweisbar wie die Gültigkeit der Menschenrechte. An beide muss man glauben - und das ist evolutionär sehr nützlich. (05.10.11)

iGott? iGitt!

Über Tote nichts Schlechtes, gewiss. Doch so schnell, wie Apple-Gründer, freelancer-Messias und Internetpapst Steve Jobs nach seinem Tod in dieser Woche heiliggetweetet wurde, ist Misstrauen angebracht. ("Er kam, den Menschen die Angst zu nehmen." Geht's noch, SZ?!) Arno Frank wagt in der taz einen kritischen Nachruf und begründet das Guruhafte von Jobs biographisch; Jobs' Erbe besteht aus einem glänzenden, neuen Verblendungszusammenhang. Auch Stefan Kuzmany nimmt sich bei Spon den quasireligiösen Umgang mit Apple, Jobs und ihren Produkten vor. Bequem ist schließlich besonders ein - schon wieder - Verblendungszusammenhang. (06.10.11)

Schlotterdeik als Kasperle

Das Karlsruher Staatstheater bringt eine zweistündige Adaption von Peter Sloterdijks 700-Seiten-Essay "Du musst dein Leben ändern" unter der Regie von Patrick Wengenroth auf die Bühne - mit einer Sloterdijk-Handpuppe als Cameo. Für das TITEL-Magazin bespricht ein vom Halb-halb aus Theater und Proseminar enttäuschter Hans-Klaus Jungheinrich die Premiere. Für die FAZ beurteilt Martin Halter den Einstand des neuen Intendanten Peter Spuhler am Staatstheater - inmitten der Materialschlacht auch die Schlotterdeik-Verwurstung aus "Trash und Diskurs".

Übrigens: Vor einem Jahr gab es die ersten "Links der Woche" bei lichtwolf.de - Schampus für alle!


Links der Woche am 01.10.2011, 14:00 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 39/11

Haitianische Hegelwochen

Das Buch "Hegel und Haiti" von Susan Buck-Morss wurde vor zwei Wochen bereits in der taz rezensiert. Nun weist auch Florian Schmid im Freitag auf das Werk hin, das Hegels Überlegenheit gegenüber Locke und Rousseau damit begründet, dass jener die politische Realität des haitianischen Sklavenaufstands in seiner Philosophie verarbeitet hat. Cord Riechelmann von der FAZ lässt sich nicht lumpen und bespricht neben Buck-Morss' Buch auch gleich noch Frank Rudas "Hegels Pöbel. Eine Untersuchung der 'Grundlinien der Philosophie des Rechts'" (mit Vorwort von Zizek). Demnach steht das Elend des armen Pöbels im Zusammenhang mit der Gier des reichen Pöbels.

Mein erstes E-Book

Barbara Schweizerhof vom Freitag hat sich ihr erstes E-Book gekauft und berichtet, wie so ein "Buch" binnen zweier Klicks eingekauft und ausgeliefert ist, wie auf dem iPad herumgefingert wird und was das E-Book verglichen mit dem Buch gestattet und verwehrt. Sehr gute E-Books gibt es übrigens vom catware.net Verlag, z.B. den Lichtwolf und Bücher seiner Autoren. (26.09.11)

Heidegger für Großrussland

Die Philosophie war in Russland "systembedingt" bis 1989 sehr "übersichtlich". Seither wird nachgearbeitet, wobei Spengler, Schmitt und Jünger den Vorzug gegenüber Adorno, Althusser, Bloch erhalten. Dieser Stoßrichtung zum Irrationalismus folgt Alexander Dugin mit seinem Manifest "Heidegger: Die Möglichkeit der russischen Philosophie". Felix Philipp Ingold bespricht das Buch für die NZZ. (27.09.11)

So nah, doch so fern

Der wunderbare Gottfried Schatz beschäftigt sich in der NZZ diesmal mit dem Blut - und zwar ohne ein einziges Mal auf Vampire Bezug nehmen zu müssen. Ohne "Faust"-Zitat geht es aber nicht. Sachkundig erklärt uns der humanistisch beschlagene Biochemiker das Blut als "Mikrokosmos, in dem sich Leben und Tod helfend die Hände reichen". (30.09.11)

Akademischer Schweinkram

Pete LeBar sammelt Campus-Romane, die auf dem Schwanitz entgegengesetzten Ende der Niveauskala stehen: Schundromane der 50er mit lüsternen Erstsemesterinnen vom Land, Gangbangs in der Burschenschaft, sexuell ausgedörrten Professorengattinnen, die Jagd auf die Hiwis des Gemahls machen usw. Henryk M. Broder portraitiert den Mann und sein schönes Genre in der WELT. (30.09.11)

Atheismuskrawall im Provinzidyll

Nach Schopenhauer kümmert sich Ludger Lütkehaus jetzt auch editorisch um Fritz Mauthner. Dessen "Der Atheismus und seine Geschichte im Abendlande" hat Lütkehaus in vier Bänden neu herausgegeben. Karlheinz Schiedel bespricht die Edition in der Badischen Zeitung und beschwört Mauthner genius loci am Bodensee. Ebendort ist übrigens Michael Helming hingewandert und berichtet im aktuellen Lichtwolf aus Mauthners Meersburg. (01.10.11)

Das Sonstige in Kürze

Der Tagespiegel rezensiert den biographischen Nietzsche-Comic von Michel Onfray und Maximilien Le Roy. +++ Die Kollegen von SuKuLTuR haben ihre Homepage aufgehübscht (und auch lichtwolf.de kriegt Montag ein Facelifting). +++ Die WELT spricht mit Robert Spaemann über den Papst. +++ Sibylle Lewitscharoff hat für die Buchmesse einen Roman über Hans Blumenberg und einen Löwen geschrieben. +++ Der ORF unterhält sich mit Peter Bieri über Selbstbestimmung.


Links der Woche am 24.09.2011, 14:24 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 38/11

Dem Spinoza auf der Spur

Yeah, der Papst ist da und Christoph Lüthy weist in der NZZ auf anspruchsvolle Häresie hin: Leen Spruit und Pina Totaro haben "The Vatican Manuscript of Spinoza's Ethica" herausgegeben. Das ist zwar nicht die vatikanische Fatwa gegen den Monismus der theologischen Krawallnudel Spinoza. Aber mindestens so gut, nämlich ein philologischer Krimi um das, was Spinoza tatsächlich und vermeintlich Indizierenswertes geschrieben hat. (21.09.11)

Schlangestehen: 1-

Dank verkürztem Gymnasium und ausgesetzter Wehrpflicht wird es zum diesjährigen Wintersemester in den Hörsälen noch enger als ohnehin schon; jedenfalls für die, die überhaupt einen Studienplatz bekommen. Die sonntaz dieser Woche berichtet von der Hafencity der Politik, der Bildungsbaustelle, und hat sich schon einmal mit einer im Stau steckenden Abiturientin unterhalten. (23.09.11)

Alles aus Liebe

Die Frankfurter Feuilleton-Gräfinnen haben Marbach die Ehre erwiesen. Denn das dortige Literaturmuseum hat eine Ausstellung über die berühmtesten, schönsten und missbrauchtesten Worte der Welt eröffnet: "Ich liebe Dich!" Also berichten sie darüber, Felicitas von Lovenberg in der FAZ und Judith von Sternburg in der FR. Beide Damen sind sich einig: Was in Wirklichkeit der schönste Satz ist, gerät in der Literatur zum peinlichen "Groschenheft-Standard". (23.09.11)

(In diesem Zusammenhang sei dringend auf das IPuP-Symposium zum Thema "Garring Lolo" (vgl. Lichtwolf Nr. 33, S. 36ff.), also zur Psychose namens Verliebtheit, hingewiesen, das am 25.09. ab 19:30 Uhr in der Theaterwerkstatt des Bremer Schlachthofs stattfindet.)

Nachtrag, 27.09.11: Auch die SZ hat - natürlich! - eine Dame nach Marbach geschickt. Nicht adelig zwar, dafür mit Doppelname bespricht Kristina Maidt-Zinke die Ausstellung.

Nachtrag, 07.10.11: Und nun war auch die WELT in Marbach.

Aus Schaden klug

Karl Jaspers war chronisch lungenkrank und wuchs mit der Aussicht auf einen frühen und qualvollen Tod auf. Der Neurochirurg Arnaldo Benini beschreibt in der NZZ Jaspers' Beschwerden, seinen Umgang damit und wie sie ihn sowie seine Existenzphilosophie geprägt haben. (24.09.11)

Der Weg des Philosophen

Der Münchner Philosophen Heinrich Meier hat sich in seiner Studie "Über das Glück des philosophischen Lebens" intensiv mit den "Träumereien des einsamen Spaziergängers", in denen Rousseau die persönliche Bilanz eines Lebens für die Philosophie gezogen hat. Martin Meyer bespricht das Buch in der NZZ. (24.09.11)

Sünschtiges

In der TLZ fragt Prof. Dr. Detlef Jena, ob Talkshows die Salons von heute sind und ob Schopenhauer da mitmachen würde. +++ Auf der Suche nach einem Lieblingsfußballer? Wie wäre es mit "Union-Star Patrick Zoundi (29)" (?), der sich laut BZ lieber mit Philosophie als Playstation beschäftigt. +++ Gestern vor 20 Jahren erschien "Nevermind", auch die ZEIT und die taz erinnern daran.


Links der Woche am 17.09.2011, 14:02 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 37/11

Leuten ihren eigenen Arsch vermieten

Das Verlagswesen hat es nirgends leicht: Überall unter dem Druck des Medienstrukturwandels, macht es sich auch noch unbeliebt durch absurde Gesetzesforderungen, Abhörskandale und Honorardumping. Im Guardian stellt George Monbiot aber den stillen Riesen unter den Schweinepriestern vor: Das akademische Verlagswesen mit seinen absurd hohen Lizenzgebühren für steuerfinanzierte Fachtexte. (29.08.11)

Chaos ist nicht gleich Chaos

Im Freitag erklärt der Sozialhistoriker David Goodway, warum Anarchie rein gar nichts mit Chaos zu tun hat, indem er einen Abriss der Geschichte des Anarchismus liefert: Von den unbewussten Anfängen in fernöstlicher Philosophie und griechischer Antike über die bekannten Theoretiker bis hin zu heutigen Basisdemokratien und Graswurzeln. (12.09.11)

Wir nennen es Werbung?

Ebenfalls beim Freitag stellt Christoph Leusch alias Columbus den "Doxosophen" vor, jenen Intellektuellentypus, den Pierre Bourdieu als neuesten und zeitgemäßesten ausmachte: Ein Meinungstechnologe ("Norbert Bolz"), der Konzernen die Türen und Hirne derer öffnet, die Genehmigungen ausstellen und die Öffentlichkeit so oder aber auch so über kommende Großprojekte unterrichten. (13.09.11)

Und was kann man damit wer'n?

An dieser Stelle wurde letzte Woche auf die Rückblicke hingewiesen, die Andreas Maier und Florian Schroeder aus Anlass des baldigen Semesterbeginns auf ihr Studium warfen. Die Redaktion des Freitag hat ihre zeitgemäße Nostalgie des süßen Studentenlebens in Lexikonform gegossen - vorgeblich weil Lena Meyer-Landrut die Tage ihr Afrikanistik-Studium antritt. (15.09.11)

Ob mancher noch auf eine "Mass" bleibt...

...ist nicht überliefert, doch wir wissen: Während in München das Oktoberfest beginnt, endet dort der 22. Kongress für Philosophie (mit Gründen), der (bis jetzt) eher bescheidene Resonanz im Feuilleton fand. Für die WELT berichtet von dort Jan Küveler, als hätte er einer Tagung von Phantasten im Wunderland beigewohnt (vmtl. wg. zu wenig "Real-world-Pragmatismus") und verrät schon im ersten Absatz, Wittgensteins Privatsprachenargument nicht kapiert zu haben. Auch Christian Schlüter, der für die FR vom Kongress berichtet, hatte Spaß an der Philosophie, die sich in München offenbar mächtig aufgedonnert und flippig gab.

Nachtrag, 21.09.11: Für die NZZ berichtet nun auch Uwe Justus Wenzel vom Philo-Kongress der Vorwoche.

Kampf auf Freiheit und Tod

Die taz weist auf das Buch "Hegel und Haiti" von Susan Buck-Morss hin, die ausführt, wie der haitianische Sklavenaufstand von 1791 Hegel zu seiner Herr-und-Knecht-Analyse inspiriert hat (und dass das ohne Twitter nicht möglich gewesen wäre). Apropos: Nach der FR bespricht nun auch die NZZ Axel Honneths neues Buch über Freiheit und Gesellschaft.


Links der Woche am 10.09.2011, 13:15 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 36/11

Immer und überall hier und jetzt

In der taz stellt uns Helmut Höge das Volk der Pirahã vor, das in Amazonien achselzuckend die metaphysischen Zumutungen an sich abtropfen lässt, die die Moderne mit sich bringt: Die Pirahã kennen keine Abstrakta wie Zahlen, Besitz oder Gott und leben sprachlich und gedanklich einzig in der Gegenwart. (05.09.11)

Neuromystik

Für die ZEIT hat Stefan Klein ein langes Gespräch mit Thomas Metzinger geführt, der zu den Gemäßigten unter den Neurophilosophen zählt. So kann er - ohne ein einziges Mal von fMRT zu sprechen - seine These erklären, wonach Identität im steten Fluss ist und die Bewusstseinsforschung eine säkulare Mystik hervorbringen kann. (06.09.11)

Der Anfang einer Abstiegsgeschichte

In den "Blättern für deutsche und internationale Politik" fasst Oliver Nachtwey noch einmal zusammen, was vor einem Monat zu den Krawallen in England geführt hat. Die Eliten leben einen Amoralismus vor, der den Abgehängten verdeutlicht, dass sie nichts zu verlieren und zumindest einen Plasmafernseher zu gewinnen haben. Mit Blick auf die Jugendarbeitslosigkeit und die Finanzkrise, deren Folgen eben nicht die Elite betreffen, kommt Nachtwey zu dem Schluss: "Die soziale Krise in Europa - und mit ihr der Protest - sind noch lange nicht vorbei, sie haben gerade erst begonnen."

Auch Gustav Seibt von der SZ beschäftigt sich mit den Verlierern der Krise und der Furcht vor dem Niedergang. (06.09.11)

Wie man einst studierte

Während von Bund und Zivi befreite, doppelte Abi-Jahrgänge vor den Pforten der Unis lange Schlangen bilden, erzählen ihnen nicht ganz so alte Herren, wie man einst studiert hat:

Der Schriftsteller Andreas Maier schwärmt in der WELT (ausgerechnet!) vom wohligen Ewigkeitsgefühl des Bummelstudiums auf eine Weise, die den Sozialingenieuren von INSM und CHE nacktes Entsetzen bereiten dürfte. (09.09.11)

Florian Schroeder hat um die Jahrtausendwende in Freiburg das Studium aufgenommen und blickt bei Spon zurück auf den Magister im possierlichen Uni-Städtchen. Hier beweist sich Schroeder als "Comedian", indem er die üblichen Klischees runternudelt und festhält, schon damals sowohl Bologna als auch den Protest dagegen ganz kritisch gesehen zu haben. (08.09.11)

(Wer sich dafür interessiert, was damals wirklich los war bei Bildungsstreik, Rektoratsbesetzung und Gebührenboykott, der ist beim Lichtwolf gut aufgehoben.)

Flaming bush

Aus Anlass des 10. Jahrestags der Anschläge vom 11. September (und passend zum Lichtwolf mit dem Thema "Sprache", der in 10 Tagen erscheint) bietet Alem Grabovac in der taz einen Rückblick auf die neuen Worte, die die Welt in einem Jahrzehnt "Krieg gegen den Terror" gelernt hat. (09.09.11)

Noch zwei Meldungen...

...die nur scheinbar nichts miteinander zu tun haben: In Hannover kann man sich laut FAZ den Schädel von Leibniz angucken und zum 20. Jahrestag wird "Nevermind" neu aufgelegt, die WELT analysiert aus diesem Anlass "Smells like Teen Spirit".


Links der Woche am 03.09.2011, 13:51 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 35/11

Mit der Freiheit etwas anfangen

Axel Honneth schreibt mit seinem Buch "Das Recht der Freiheit" gegen die "Verhunzung der Freiheit zur asozialen Attitüde" an, so Christian Schlüter in seiner Besprechung bei der FR. Gestützt auf die Rechtsphilosophie des preußischen Staatsdenkers Hegel stellt Honneth die Freiheit als subjektives und soziales Phänomen dar, das - vor allem mit der Würde eng verbunden - von der Liebe bis hin zur Politik wirkt. (30.08.11)

Passend dazu berichtet der Tagesspiegel von einer Podiumsdiskussion mit Honneth und dem ehemaligen Verfassungsrichter Udo Di Fabio.

Haufenweise Scheiße

Alexander Schimmelbusch weist im Freitag auf den Artikel von Michael Lewis in Vanity Fair hin, der die deutsche Politik während der Finanzkrise sowie den Holocaust mit der germanischen Analfixierung erklärt: "Lewis argumentiert derart unsachlich, als hätte ihm der Sänger von Rammstein die Ehefrau ausgespannt, um mit ihr streng reglementierten Fäkalspielchen zu frönen." Aber lustig. (31.08.11)

Platon und Prada

Die Verwurstungsmaschinerie läuft auf Hochtouren: Nachdem vorletzte Woche die Sex- & Mystery-Sensation vermeldet wurde, dass Platon gar nicht prüde war und einen Geheimcode hinterlassen hat, geht es nun um Platon und Prada. Rebekka Reinhard hat nämlich ein Buch namens "Würde Platon Prada tragen? - Philosophische Überlebenstipps für den Lifestyle-Dschungel" geschrieben und news.de liefert die passende Klickstrecke. Es wäre zum Auswandern, schleppte man das System nicht wie einen Bazillus noch in den menschenleersten Erdwinkel. (31.08.11)

Der Größte Denker Aller Zeiten

Den Einzug der PR in den Philosophiebetrieb vermeldet die Wiener Zeitung. Dort schreibt Otto A. Böhmer anlässlich des 15. Philosophicums in Lech am Arlberg vom 21. bis 25. September ein wohlwollendes Portrait von Peter Sloterdijk, der da eröffnungsredet. Hier nun darf er sich als Sommelier der Philosophie loben und erklären, warum er alles besser macht: Grammatik, Aufklärung, Bibel. (02.09.11)

Willkommen im Club

Popküken Lena Meyer-Landrut gehört nun offiziell zu unserer Zielgruppe: Sie hat sich für Afrikanistik und Philosophie in Köln eingeschrieben. (03.09.11)


Links der Woche am 27.08.2011, 14:33 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 34/11

Auf die Mobilitätsbarrikaden!

Mit der Integrationskraft der Linken ist es nicht mehr weit her, konstatiert Franz Walter im Freitag. Er sieht den vorindustriellen Mob zurückkehren, dessen Zorn sich unkanalisiert entlädt, vor allem in Gesellschaften, in denen "Aufwärtsmobilitäten durch massenhafte innergenerationale Konkurrenz in fiskalisch schwierigen Zeiten fraglich sind". (23.08.11)

Das Versmaß aller Dinge

Wer zwar nicht die Welt, aber doch ein Land, ein Volk, eine Nation beherrscht - und zwar total - kann seinen Machthunger und Geltungsdrang immerhin noch in die Welt der Buchstaben ausdehnen. Thomas Schmid blickt in der WELT auf den Zusammenhang von Macht und Lyrik sowie auf das dichterische Werk von Goebbels, Mao und Stalin. (23.08.11)

Born to kill yourself

Rein (bio)logisch kann Selbstmord keine genetische Sache sein, es sei denn, die entsprechenden Gen-Träger bringen sich erst nach der Fortpflanzung um. In der NZZ berichtet Fabienne Hübener vom Stand der Wissenschaft, wonach ein ganzes Gen-Netzwerk die Suizidalität erhöhen soll - und auch die neuerdings populäre Epigenetik hat ihre Finger im Spiel. (24.08.11)

Die Gesetze der Anomie

Der Pädagoge und Gewaltforscher Wilhelm Heitmeyer hat in der taz einen luziden Essay über die Krawalle in England geschrieben. Darin beleuchtet er im Allgemeinen und Speziellen die Hintergründe, die Rolle der Eliten und unter welchen Bedingungen es zu welcher Art von Gewaltausbrüchen kommt. (25.08.11)

Sein Senf darf nicht fehlen

Die Proteste in London haben nichts mit denen in Madrid zu tun, mit denen in Israel, Syrien, Libyen eh nicht und das Ende des Kapitalismus läuten sie schon dreimal nicht ein. Denn obwohl der Kapitalismus nicht mehr weiter weiß, ist weit und breit außer Protestcamps und eingeschmissenen Schaufenstern keine Alternative zu sehen. Natürlich darf Slavoj Žižeks Meinung in heutigen Endzeiten nicht fehlen; Johannes Thumfart lockt sie für die ZEIT hervor. (25.08.11)

Das auch noch:

Ballermannbarde und Gaddafi-Double Costa Cordalis kommt nach Stade und hat einstmals stolze drei Semester Philosophie studiert. Grund genug fürs Hamburger Abendblatt, ihm lauter küchenphilosophische Fragen zu stellen. Das ZDF macht 2012 womöglich eine Philo-Show mit Richard Dingens Precht. Und die FR unterhält sich mal eben mit Wilhelm Schmid über Glück im Ranking und Unzufriedenheit als Motiv.


Links der Woche am 20.08.2011, 13:31 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 33/11

Gute Geschäfte, schlechte Geschäfte

Frank Wiebe kennt sich mit Wirtschaft und Ethik aus, darum hat er nebenan das Blog "Gute Geschäfte" aufgemacht - "gut" wie in "gutes Leben". Zu Beginn erklärt er kurz und knapp das Geschäftsmodell der Deutschen Bank nach Ackermann ("Risiken transformieren"), unter welchen Umständen es ethisch wäre und warum es das nicht ist. (17.08.11)

Englische Zustände

Mit Blick auf die Kapitalismuskrawalle in England und die Proteste in süd-östlichen Mittelmeeranrainern unterscheidet Georg Seeßlen in der taz instruktiv zwischen guten Aufständen und schlechten Aufständen. Dagegen glaubt Elitenforscher Michael Hartmann im Freitag nicht, dass da bloß ein paar Proleten endlich mal an den Krempel aus der Reklame herankommen wollten. In der FAZ argumentiert Hans-Georg Soeffner mit Thomas Hobbes, dass ein Staat, der sich aus dem Gesellschaftsvertrag zurückzieht, über Naturzustände nicht klagen soll.

Gute Wissenschaft, schlechte Wissenschaft

Neben dem Experiment des Prof. Ulbricht, einen Staat einzumauern und zu gucken, was passiert, hat dieser Tage auch das Stanford Prison Experiment runden Geburtstag. Die BBC hat 40 Jahre danach mit Überlebenden Teilnehmern und dem Leiter über Powertrips und Menschenversuche gesprochen. (17.08.11)

Vom Casino zur Spielhalle

Abermals Georg Seeßlen, der im Freitag ausführlich den Wandel vom Casino- zum Medienjournalismus, also vom elitären Salonlöwentum zum vulgären Gezocke beschreibt: Das "Ecotainment" lädt den Zuschauer zum Mitmachen ein und saugt bloß frisches Kapital zum Verheizen an, bis die Telenovelisierung des Börsengeschehens die Frage aufwirft: "diesen unappetitlichen Vollidioten sollen wir unser Geld anvertrauen?" (18.08.11)

Boulevard für Bessere

Regelmäßig erinnert die WELT ihre Leser daran, dass auch sie ein Produkt aus dem Hause Springer ist. Die üblichen Grundlagen eines Artikels - "wie eine neue Studie der Universität XY zeigt" und irgendwas mit ficken - ließen sich diese Woche mit Platon verrühren: Der angebliche Erfinder der "platonischen Liebe" war in echt "bei weitem nicht prüde". Aber es kommt noch besser: Ein Geheimcode ist bei Platon auch noch entdeckt worden! Und wer jetzt nicht klickt, muss hirntot sein. (18.08.11)

Teilchen schauen nicht zurück

Am Large Hadron Collidor (LHC) am Cern versuchen Physiker, die Entstehung des Universums zu verstehen, und die Philosophin Arianna Borrelli versucht, die Entstehung von Weltbildern zu verstehen, indem sie die Physiker beobachtet und ihnen wissenschaftstheoretisch auflauert. Für die ZEIT hat Stefanie Schramm das epistemologische Metaexperiment beobachtet. (19.08.11)

Die Krise als Quell der Moral

Andreas Cremonini stellt in der NZZ den Philosophen Stanley Cavell vor, der einigen wegen seiner blumige Schreibe eher als Literat gilt. Anlass des Portraits ist die deutsche Übersetzung von Cavells Buch "Cities of Words. Ein moralisches Register in Philosophie, Film und Literatur.", das Philosophen mit Filmen erklärt und eine auf Emerson und Thoreau basierende Ethik darlegt. (20.08.11)



Seite: 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16 17 18 19 20 21 22 23 24 25 26 27 28 29 30 31 32 33 34 35 36


Lektüreempfehlungen


Reklame


Eine der letzten noch lieferbaren Ausgaben des Schreibmaschinen-Zeitalters: Dieses Heft können Sie nur noch hier im Einkaufszentrum erwerben.



Im Einkaufszentrum »

Die aktuelle Ausgabe:

Lichtwolf Nr. 58 (2/2017), Juni 2017

Titelthema: Wurst

vorherige Ausgabe

Lichtwolf Nr. 58 (2/2017)

nächste Ausgabe

Würste und Wurschtigkeit, konkret, metaphorisch, vegetarisch und in zweiendlichen Redewendungen, sowie Bienen, Lammert und V. O. Stomps.


Reklame


Lichtwolf bei Twitter

Twitter befiehl, wir folgen! Der Lichtwolf zwitschert mit. Pieppiep!



Monatsbuch

Zeichenkette Stichwort

« August 2017
So Mo Di Mi Do Fr Sa
  12345
6789101112
13141516171819
20212223242526
2728293031

Stichwortverzeichnis


Archiv


catware.net Verlag

Martin Gohlke: Im Bauch der Titanic

Da wird die Geschichte der westdeutschen Intelligenz lebendig: Martin Gohlkes Roman gibt es als Hardcover mit 394 Seiten beim catware.net Verlag oder hier im Einkaufszentrum für nur 19,80 €.


Marc Hieronimus: Der Schritt zur Seite

Die erste Gesamtdarstellung der Décroissance-Bewegung und ihrer Ursprünge, ihrer Motive, Denker und falschen Freunde: Das leidenschaftliche und fundierte Plädoyer für ein anderes Leben ist erhältlich direkt beim catware.net Verlag oder im Buchhandel (ISBN 9783941921634) erhältlich.


David Hume: Von der Regel des Geschmacks

David Humes Essay über die Ästhetik „Von der Regel des Geschmacks“, von Martin Köhler neu übersetzt: als Taschenbuch beim catware.net Verlag oder hier im Einkaufszentrum für nur 6,80 € - sowie als E-Book für Kindle oder im epub-Format für bloß 2,99 €.



www.lichtwolf.de