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Links der Woche

Die 10 häufigsten Stichwörter in dieser Rubrik:
1. Georg Seeßlen (68)
2. Martin Heidegger (56)
3. Slavoj Žižek (50)
4. Kapitalismus (40)
5. Peter Sloterdijk (38)
6. Hans Ulrich Gumbrecht (31)
7. Demokratie (25)
8. Donald Trump (24)
9. Künstliche Intelligenz (20)
10. Friedrich Nietzsche (19)

Links der Woche, rechts der Welt: Jeden Samstag Nachmittag empfiehlt der Lichtwolf die interessantesten Texte der Woche der Leserschaft zur Wochenendlektüre.


Es gibt in dieser Rubrik 354 Artikel auf 36 Seiten:

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Links der Woche am 07.10.2012, 14:26 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 40/12

Mit 24 Stunden lesetour-bedingter Verspätung...

Fremdheit und Gefahr

In seinem Blog macht Gunter Dueck eine Rechnung von Risiken und Gefahren auf, die mangels Hellsehen überall in der unbekannten Zukunft liegen. Im Schritt zurück beleuchtet Dueck sodann den Zusammenhang von Unvertrautheit und selbsterfüllender Furcht, um zu seiner Forderung "Aufklärung statt Haftungsausschlüsse!" zu gelangen. (29.09.12)

Dumm konsumiert gut

Georg Seeßlen und Markus Metz haben dieses Jahr wieder einen Doppelschlag vorgelegt, in dem sie die Tendenz des zeitgemäßen Dienstleistungskapitalismus zu Spektakel und Verblödung untersuchen. Besprochen werden die jüngsten Titel von Peter V. Brinkemper bei Glanz & Elend.

Kompetenzenkompetenz

An deutschen Unis wird nach Bologna jährlich millionenfach die "employability" der Studentenschaft geprüft, obschon keiner weiß, wie sie zu vermitteln und zu erheben ist. Peter Wex, ehemals leitender Verwaltungsdirektor der FU Berlin, vermutet in der FAZ, das Kompetenzgerede sei als Wissenschafts-PR gar nicht so ersnt gemeint. (03.10.12)

opulente Metametalektüre

Gregor Keuschning gibt einen Überblick über die Notizbücher von Sloterdijk, in denen der schnaufende Denker seine Leseeindrücke festhält (u.a. die Kollegen Jürgen Nielsen-Sikora nebst Glanz & Elend) und meist auf Reisen weiterdenkt. Darüber hinaus wird gelästert, beklagt, der eigene Ruhm protokolliert und die Politik kommentiert. (07.10.12)


Links der Woche am 29.09.2012, 14:32 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 39/12

Die, wo es um Ficken geht

Hans-Martin Schönherr-Mann guckt für den Büchermarkt im Deutschlandfunk, welche Philosophie- und Psychologie-Magazine es gibt, und stellt eigentlich alle wichtigen vor - abgesehen natürlich von Der blaue Reiter, Juventas, Merkur, Widerspruch und dieser einen komischen Postille, die früher mit Schreibmaschine getippt worden ist und immer so viele Schimpfworte enthält. (24.09.12)

Schlaue Tiere reden über Tiere

In der NZZ berichtet Andrea Roedig vom 16. Philosophicum Lech, wo es um Tiere ging - im Speziellen um Montaignes Katze und den Hund Argos - und was sie vom Menschen unterscheidet. Abgesehen davon, keine Tagungen abzuhalten und den Bericht darüber mit einem herzallerliebsten Menschenphoto zu eröffnen. (26.09.12) (Ums Tier-werden und um Tierrechte geht es übrigens auch im aktuellen Lichtwolf "Jenseits des Menschen".)

Dem Gender-Yeti auf der Spur

Ist geschlechtsspezifische Diskriminierung in den Wissenschaften so was wie ein "Gender-Yeti", also bloßes Hörensagen, fragt sich die Physikerin Sibylle Anderl im Planckton-Blog bei der FAZ. Eine Yale-Studie hat auf ebenso simple wie eindrückliche Weise gezeigt, dass Frauen (wohl nicht nur in den Naturwissenschaften) selbst von Frauen weniger Karrierekompetenz unterstellt wird. (26.09.12)

Was wirklich zählt

Wider den relativistischen Schlendrian lässt die FAZ sieben Bürger aus Feuilletown antreten, die unter "Widerstand" und roter Faust schreiben, was ihnen wichtig ist: Hausmeister, Empirismus, Beständigkeit, Zynismus, Stille, Aufklärung und Zeitungslektüre. Vom aktuellen Armutsbericht kein Wort. (26.09.12)

Unser Freund Hegel

Stefan Dornuf reiht in der NZZ Slavoj Žižeks neues Hegel-Buch zwischen den großen Hegel-Deutungen von Kojève und Ritter ein. Žižek verteidigt Hegel darin sowohl gegen seine Vereinnahmung durch den Diamat als auch seine Verdammung durch den Strukturalismus, um ihn als besten Denker für das 21. Jahrhundert zu retten. (27.09.12)

Noch mehr zu lesen...

... gibt es seit dieser Woche dank des lichtwölfischen Doppelschlags: die Herbstausgabe und das Best-of der ersten zehn Jahre sind erhältlich. Daraus wird kommende Woche fleißig vorgetragen, und zwar bei den Lesungen in Zürich, Freiburg und Köln. Das könnte besser sein als Precht und Sloterdijk beim Schlammcatchen!


Links der Woche am 22.09.2012, 14:46 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 38/12

Nach Columbus

Deutsche Uni-Leitungen gucken sich gerne was von ihren US-Kollegen ab und werden dafür mit Elite-Zuschüssen belohnt. Drum könnte die in der NZZ stehende Klage des Schriftstellers Gregor Hens über die Erosion akademischer Werte in den USA auch hierzulande relevant sein. (17.09.12)

Emo-Wochen bei der ZEIT

Die Philosophie, die ZEIT und die Wissenschaften haben die Gefühle für sich wiederentdeckt. Martin Hartmann plädiert denn auch in der ZEIT für Philosophie mit Gefühl und liefert denn auch eine Liste philosophiegeschichtlicher Exempel. Im Gespräch mit der Historikerin Ute Frevert und der Soziologin Eva Illouz geht es um die verdrängte Allgegenwart des Emotionalen in Ratio und Gesellschaft. Wer ganz starke Nerven hat, liest auch noch das Gespräch, das Moritz von Uslar beim Spaziergang mit Wilhelm Schmid, Experte für Häppiness, geführt hat.

Blasphemie ohne Gott

Die Sommerdebatte des Jahres folgte Martin Mosebachs Forderung, Gotteslästerung stärker unter Strafe zu stellen. Derzeit turnt die lautstarke Minderheit der Muslime vor, wie schwer es solche Gedankenwelten haben, im 21. Jahrhundert ein überschaubares Herzinfarktrisiko zu bewahren. Der Theologe Friedrich Wilhelm Graf zeichnet in der NZZ die (lange) Geschichte des Blasphemie-Diskurses in Europa nach. In der ZEIT schreibt Michael Schmidt-Salomon im Namen der Aufklärung all jenen was ins Stammbuch, die bei aller bekundeten Freiheitsliebe dann doch mit Staatsgewalt für Rücksicht auf religiös motivierte Erpressung und metaphysische Grandeur sorgen wollen. Wenn Ihnen all das bekannt vorkommt, waren Sie auch beim letzten Harmageddon zwischen Freiheitshelden und Gottesschützern dabei bzw. kennen Neanders Text zur Papst-Satire von 2006. Leo Fischer von der Titanic erklärt in der taz, warum sein Magazin zur (von Journalisten und Außenamt so genannten) Propheten- auch noch Majestätsbeleidigung hinzufügt.

Das Weitere

Uwe Justus Wenzel stellt in der NZZ die deutsche Übersetzung der Aufsätze Cora Diamonds, die u.a. die Tierrechtsethiker kritisieren. (Apropos: im kommenden Lichtwolf schreibt der blinde Hund über Peter Singer). +++ Die Berliner Zeitung dokumentiert Judith Butlers Dankesrede über das richtige Leben im falschen. +++ Schönes Deutsch: Im Guardian kontempliert Mark Rice-Oxley über den Hang des Deutschen zu prosaischen Wortungetümen.


Links der Woche am 15.09.2012, 14:41 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 37/12

Nach Hegel kommt Google

Nach der Postmoderne, so die auch nicht mehr ganz so frische These von Boris Groys in der ZEIT, kommt das Netzwerk als Erklärung der kreativen Klasse dafür, vom plebejischen Massenmenschen nicht mehr verstanden zu werden. Der Kalte Krieg hielt den Historizismus noch eine Weile am Leben, jetzt ist ewige Google-Gegenwart und jeder ist globaler content provider. (09.09.12)

Was fürs Selbstbewusstsein...

Der blinde Hund weist auf einen Artikel des britischen Philosophen Stephen Law hin, der unter der Überschrift, warum man Philosophie studieren sollte, den Absolventen dieses schönen Fachs die Inkompetenzbewältigungskompetenz fürs 21. Jahrhundert attestiert. (10.09.12)

IPuP online

Lange hat es gedauert, doch nun endlich hat sich das Institut für Polytoxikomanologie und Perspektivismus ein Grundstück auf Wordpress besorgt. Endlich können Sie IPuP-Forschungsergebnisse nicht mehr bloß im Lichtwolf und auf Facebook verfolgen!

Was Solides

Jürgen Kaube von der FAZ ist überhaupt nicht amused von dem Ton, in dem eine Studie der Vodafone-Stiftung beklagt, dass immer mehr Abiturienten - vor allem aus den sog. "bildungsfernen Schichten" - statt eines Studiums lieber eine Lehre anstreben. (14.09.12)

Truthishness

Quantenphysiker Josef Honerkamp hat es ein wenig mit den Philosophen. In seinem jüngsten Scilog-Eintrag wundert er, wie nicht nur der Rationalismus auf der heimlichen Annahme fußt, Wahrheit werde sich auf intuitive Weise zeigen. Unter "Evidenz" versteht man in der Physik was anderes und auch Wahnvorstellungen können mit beeindruckenden Argumentationsgirlanden verziert sein. (15.09.12)

Auch das noch:

Judith Butler hat ihn trotz aller Proteste bekommen, den Adorno-Preis, und die taz hat noch ein ein paar Meinungen dazu.


Links der Woche am 08.09.2012, 14:23 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 36/12

Das Humanoide als Ende jeder Evolution?

Als Prolegomenon zum in zwei Wochen erscheinenden Lichtwolf mit dem Titelthema "Jenseits des Menschen" empfohlen: Ulf von Rauchhaupt schreibt in der FAZ eine kleine Geschichte des Anthropomorphismus von Aliens, die für Kulturhistoriker und Evolutionstheoretiker weder nach Star Wars noch nach kleine grüne Blobs aussehen sollten. (03.09.12)

Weiter Streit um Butler

Nun bekommt Judith Butler dieser Tage doch den Adorno-Preis, trotz aller Proteste; Ulrike Baureithel hat im Freitag ein kleines Portrait von Butler als Philosophin gezeichnet. Stephan J. Kramer vom Zentralrat der Juden erklärt in der FR, warum die Israelkritikerin den Preis nicht verdient und Micha Brumlik beleuchtet die Motive der Angriffe auf Butler.

Spezialisten statt Intellektuelle

Lange wurde das Aussterben des Intellektuellen nicht mehr beklagt. Hans-Ulrich Gumbrecht zeichnet seine Entwicklung aus dem französischen "philosophe" der Aufklärung zum Engagierten des 20. Jahrhunderts nach, dessen große Erzählung in Zeiten der allgemeinen Ausdifferenzierung nicht mehr nachgefragt wird. (07.09.12)

Unn sünst?

In der NZZ wird Manfred Kochs Ehrenrettung der Faulheit besprochen (im kommenden Lichtwolf übrigens auch; Abo?). +++ Gleichfalls in der NZZ werden Sloterdijks Notizbücher besprochen - von Ludger Lütkehaus, dessen neues Buch auch im kommenden Lichtwolf besprochen wird! (Abo?!) +++ Im Freitag wird das nicht mehr ganz taufrische Buch besprochen, mit dem Alain Badiou die Liebe gegen den Kapitalismus verteidigt. +++ Teil III von Leopold Federmairs Essay über Nietzsche und Genet ist im Begleitschreiben erschienen. +++ Bin ich ein Asi, wenn ich gerne Asi-TV gucke? Dr. Dr. Rainer Erlinger meint mit Kant: ja.


Links der Woche am 01.09.2012, 14:18 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 35/12

Poststrukturalismus wörtlich und praktisch verstanden

Im kommenden Lichtwolf (Abo?) ist u.a. vom Institut für Polytoxikomanologie und Perspektivismus u.a. ein faszinierender Text darüber enthalten, wie man mit Deleuze, Guattari und einer handvoll Kunst zum Tier wird. Das IPuP wies nun auf einen Bericht beim Onlinemagazin MUTE hin, in dem es darum geht, wie der Poststrukturalismus die Häuserkampftaktik der israelischen Armee beeinflusst.

Adorno für Butler

Am 12. September soll Judith Butler den Adorno-Preis der Stadt Frankfurt erhalten. Dagegen protestieren jüdische Verbände im In- und Ausland, die in Butler eine Hamas-Apologetin und Israelhasserin sehen. Frankfurt hat inzwischen erklärt, Butler den Preis dennoch verleihen zu wollen. Die angegriffene Philosophin selbst antwortet in der ZEIT auf internationale Antisemitismusvorwürfe und verteidigt ihre Israelkritik in der FR gegen die Vorwürfe des Zentralrats der Juden.

Angst und Ertragen

Apropos: Martha C. Nussbaum kritisiert Judith Butler seit Jahren für ihren wortreichen Quietismus in Sachen Feminismus; die NZZ stellt nun ihre Kampfschrift gegen die aus Furcht gespeiste europäische Intoleranz gegenüber religiösen Minderheiten vor, die sich u.a. in Verschleierungs- und Beschneidungsverboten zeigt. (28.08.12)

Klassisches Feuilleton

Vor zwei Wochen ging es um das Feuilleton an sich. Martin Meyer geht der inzwischen wieder abgeflauten Debatte um die Rubrik mit einem Text nach, der feuilletonistischer kaum sein könnte. Habermassche neue Unübersichtlichkeit, Lübbesches Musealisierung der Gegenwart, postmoderne Langeweile -- und mittendrin das Feuilleton als Leuchtturm des Zeitgeistes. (31.08.12)

Das Weitere und Engere:

Im Begleitschreiben setzt Leopold Federmair seine Überlegungen zu den Umwertern Nietzsche und Genet (siehe letzte Woche) fort. +++ Morgen im nicht jugendfreien Spätprogramm startet Richard David Precht seine Philosophie-Talkshow mit der guten Frage, ob lernen dumm macht.


Links der Woche am 25.08.2012, 14:43 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 34/12

Nachkläppe

Zu den Debatten aus der letzten Woche zotteln noch einige Wortmeldungen herein. In Sachen "Feuilleton abschaffen" spricht sich auch Isolde Charim in der taz dafür aus, das querulatorische Potential der Blätter in Zeiten ökonomistischer Gleichdenke zu stärken. Und bei der FAZ meldet sich in Sachen Europa Martin Walser zu Wort und verteidigt die Einigkeit des alten Kontinents mit Nietzsche, Hölderlin und Schäuble. Die ZEIT dagegen macht es andersrum und hat einen Sack europäischer Schriftsteller gefragt, was sie von Deutschlands Euro-Politik halten.

"nice-to-know"-Interdisziplinarität

Interdisziplinarität ist cool und hip und der Winner bei allen DFG-Antragsfeten. Davon will Peter Geimer in der FAZ aber nichts wissen, denn er fragt, ob der vor jeder gemeinsamen Forschung nötige Verständigungsaufwand z.B. zwischen Romanistinnen und Festkörperphysikern oder zwischen Neurologinnen und Vorderasienarchäologen überhaupt lohnt. (19.08.12)

Drum prüfe, wer sich ewig bindet

Nach den Soziologen geben jetzt auch die Historiker einen empfohlenen Scheiß auf das Hochschul-Ranking des CHE, das Studieninteressierten den Weg weisen soll. Jürgen Kaube berichtet in der FAZ von der soziologischen und mathematischen Kritik an den empirischen Methoden des CHE und wird grundsätzlich: "So wenig, wie es die besten fünf Weltreligionen, die fünf besten Physiklehrer an Gymnasien oder fünf beste Ehefrauen gibt, gibt es die besten fünf Soziologie- oder Geschichtsinstitute oder Geschichtsstudiengänge an deutschen Hochschulen." (21.08.12)

Zwei Umwerter

Nebenan im Begleitschreiben beschäftigt sich Gastautor Leopold Federmair mit Nietzsche und Jean Genet. Nietzsches Projekt, durch Reflexion zur Naivität zurückzukehren, findet bei Genet unter umgekehrten Vorzeichen statt. Am deutlichsten wird der Unterschied beim vitalen Thema Begierde - verstockt hier, obszön da; ein zweiter Teil folgt. (23.08.12)

Max Weber im Radio

via @perspectivia: DRadio Wissen hat diese Woche über die Tagung "Max Weber in der Welt" berichtet. Auf hypotheses.org sind die vier Teile versammelt: Universalgelehrter und Soziologe, Der frühe Denker der Globalisierung, Der Soziologe und der Krieg sowie Ein deutscher Soziologe in der Welt. (24.08.12)

Zur vorlesungsfreien Zeit:

Die Reisen des jungen Wittgenstein in die skandinavische Einsamkeit werden in der NZZ thematisiert. +++ Hoffnung für Studienabbrecher macht die ZEIT: Alles halb so wild! +++ Wer das Philosophie-Studium schmeißt, erspart sich was, vgl. dazu Philosophen schämen sich (via der blinde Hund). +++ 50 Jahre wissenschaftstheoretischer Paradigmenwechsel: The Observer über Thomas Kuhns Klassiker.


Links der Woche am 18.08.2012, 14:27 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 33/12

Denver Clan Feuilleton

Sommerloch im Feuilleton? Von wegen! Der Forderung aus der letzten Woche, die bourgeoise Geisteswichserei abzuschaffen, schließt sich Johannes Kuhn nicht an, weiß aber, dass die berühmte Digitalisierung "das Feu" zur Erneuerung zwingt. Auch Tim Klimeš stimmt nicht ganz zu, aber anders: Für ihn gehört der feuilletonistische Stil auf die komplette Zeitung ausgedehnt. Und Lena Baetz verlangt im Freitag weniger Klagen und mehr Besinnung auf die F-Tugenden wie Stil und Haltung. Vollends erwies sich das Getue im feuilletonistischen Schrumpfolymp als Seifenoper, nachdem Richard "Sherlock" Kämmerlings in der WELT aufgedeckt hat, bei dem Autor des Schweden-Krimis, in dem unverkennbar Frank Schirrmacher zerfleischt wird, könne es sich nur um den Schirrmacher-Rivalen Thomas Steinfeld von der SZ handeln. Die literarische Exekution verleitet Jakob Augstein bei der Motivsuche dazu, Schirrmacher zum Übervater des Feuilleton hochzuschreiben, auf den sich patrizidale Ohnmacht fokussieren muss. Oh, it's fun to watch rich people be naughty!

Nochmals: Europa

Derweil wird in Schirrmachers Firma weiterhin eine europapolitische Debatte geführt. Nachdem die Skeptiker zuletzt ein wenig die Medien beherrschten, plädiert Nils Minkmar dafür, die deutsch-französische Freundschaft zum Grundmuster für den innereuropäischen Umgang zu machen. Sodann erinnert Hans-Gert Pöttering in einem Gastbeitrag daran, dass das Grundgesetz die weitere europäische Integration nicht etwa verhindert, sondern ausdrücklich vorsieht.

Summa C L

Max Webers Briefe von 1918–1920 sind frisch ediert, schreibt Joachim Radkau in der ZEIT, und darin scheint der Chefsoziologe u.a. seiner einen Geliebten akademisiert von Cunnilingus und Analverkehr vorzuschwärmen und es überhaupt ganz unpuritanisch angehen zu lassen. Daneben erfahren wir reichlich über Webers Selbstbild und seine Korrespondenzen über den Ersten Weltkrieg. (16.08.12)

Objektives Recht

In der ZEIT stellt Felix Stephan - anlässlich von Paul Ryans Nominierung zum republikanischen Kandidaten für das Amt des US-Vizepräsidenten - dessen liebste Kapitalismusdenkerin Ayn Rand vor. Ihre Bücher - allen voran "Atlas Shrugged" - verkaufen sich von Jahr zu Jahr besser und prägen das Denken - jedenfalls in den USA. Das Erfolgsgeheimnis ist der High Society Telenovela-Stil der ökonomischen Apokalypse, die durch Steuern und Arbeitnehmerrechte ausgelöst wird. (17.08.12)

Aufsätze

Nebenan bei Information Philosophie gibt es drei neue Aufsätze auf einen Schlag, nämlich: Levinas und die Jüdische Philosophie von Rachid Boutayeb, Philosophisches zum "So-Tun-als-ob" in der Schule von Markus Waldvogel und Kritische Neurowissenschaft von Jan Slaby ("unveröffentlichtes Manuskript – bitte nicht ohne Erlaubnis des Verfassers zitieren oder verbreiten!").

The Schlotterdeik Diaries

Peter Sloterdijks Notizbücher der Jahre 2008 bis 2011 ("Zeilen und Tage") sind da und Thomas Kapielski hat sich beim Rezensieren für die FAZ bereits mit dem Schwurbelstil angesteckt. Mit nahezu identischem Einstieg, aber nüchterner referiert Andreas Rosenfelder in der WELT, wie Sloterdijk sich selbst beim Denken und Gucken dokumentiert; auch Dirk Pilz in der FR findet das alles sehr okay. Sloterdijk ist übrigens in der Titanic-Reihe Premiumdenker der Gegenwart der Erste; Nr. 2: Robert Spaemann.

Noch mehr Rezensionen

Rolf Hosfelds Tucholsky-Biographie wird in der NZZ von Manfred Koch als Introspektive des Weimarer Feuilleton (s.o.) vorgestellt. +++ Ebenfalls in der NZZ weist Karl-Markus Gauss auf Arthur Schnitzlers Traumtagebuch hin. +++ Tim Caspar Boehme bespricht in der taz zwei Bücher, die sich mit Lacans Axiom beschäftigen, es gäbe keinen Geschlechtsverkehr (sondern Reis?).


Links der Woche am 11.08.2012, 14:33 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 32/12

Kultur

Kultur soll den Phantomschmerz des verlustig gegangenen Paradieses lindern, so Ralf Konersmanns Eingangsthese in der NZZ, weshalb sie aber immer auch als "Sinnbild der Seinsverfehlung" gilt; Konersmanns sodann folgende Begriffsgeschichte erweist diesen prothesenhaften Kulturbegriff als unangemessen für die menschliche Sphäre. Von deren Teilgebiet Feuilleton - der "Fortsetzung des Gymnasialunterrichts mit anderen Mitteln" - hat Georg Seeßlen die Schnauze voll: In der taz fordert er dessen Abschaffung, weil es die bürgerliche Persönlichkeit, deren Aufbau der des Feuilletons entsprach, nicht gibt. (Siehe direkt dazu Marc Reichweins Feuilletonkritikkritik in der WELT.)

Gewalt

Die Gewaltausbrüche inmitten vermeintlich zivilisierter Gebiete werden vielleicht objektiv nicht zahlreicher, aber doch immer spektakulärer. Ingeborg Harms sieht in der ZEIT einen Überbietungswettbewerb der Gewalt toben, der seine Wurzeln in der französischen Revolution hat und vom unerfüllbaren Heroenkult genährt wird. Dafür, sich damit nicht abzufinden, plädiert Andreas Herberg-Rothe in der FR. Seine Begriffsgeschichte der Gewalt und Moderne zeigt sich skeptisch in Bezug auf den zivilisierenden Fortschritt, aber auch in Bezug auf die auf dieser Skepsis beruhenden Versuche, der Moderne eine kämpferische Metaphysik zu geben.

Europa

Nicht nur in der aktuellen sonntaz der Streit der Woche, ach, des Jahres: Wie alternativlos ist "Europa"? Wer so fragt, ist blöd, urteilt Ottfried Höffe in der FAZ. Deutschland wird vom Süden ausgeplündert und das Volk von Nebelkerzen werfenden Politikern an der aufgeklärten Mitsprache gehindert. (Recht ähnlich der neuliche WELT-Kommentar nebst der Leserstimmen.) Auch Hans-Ulrich Gumbrecht denkt über Europa nach, wo die Nationen heterogen nebeneinander her leben und von einander sowie von einer die Exportökonomie ummäntelnden Idee Europa angeödet sind. Immerhin profitiert die deutsche Fußball-Nationalmannschaft. (Passend zum ganzen Euro-Elend nehmen die Pläne zum Einsatz der Bundeswehr im Innern Gestalt an.)

Leistungsschutz für die Öffentlichkeit

In der Urheberrechtsdebatte gilt es, die Bereiche Kunst und Wissenschaft zu unterscheiden, schreibt Wissenschaftsrat Wolfgang Marquardt in der FAZ. Das wissenschaftliche Publikationswesen ist zugunsten der Verlage und zuungunsten der Autoren und Nutzer durchkommerzialisiert. Hier gelte es, die Herrschaft der Wissenschaftsverlage durch eine Novelle des Urheberrechts zu brechen. (08.08.12)

Pröbchen und Tierchen

Von Klett-Cotta gibt es eine 12-seitige Leseprobe, in der Helmut König die Philosophiegeschichte der Bundesrepublik behandelt (Obacht, es kommt sofort ein PDF!) +++ Diese Woche war Weltkatzentag und damit auch alle anderen niedlichen Viecher ihre Würdigung erfahren, gibt's im SZ-Magazin eine Fotostrecke von Ed Panar mit Aufnahmen von Tieren, die ihn angucken.


Links der Woche am 04.08.2012, 14:04 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 31/12

Searle zum 80.

Diese Woche wurde der Sprechakt der Geburtstagsgratulation ausgiebig begangen. Anlässlich John Searles Achtzigstem vergleicht Hans Bernhard Schmid in der NZZ den Philosophen mit John Wayne und hat den Eindruck, Searle revidiere in seinem gleichfalls diese Woche auf Deutsch erschienenen Buch (Besprechung bei Deutschlandradio Kultur) seine Theorie der sozialen Konstruktion von Wirklichkeit. Für die SZ würdigt Willy Hochkeppel Leben und Werk des Gratulanden und Tim Caspar Boehme gibt in der taz einen Crash-Kurs Speech Acts wegen Geburtstag und Buchveröffentlichung.

Man ist auch Mensch

Der viel gerühmte Heribert Prantl hat in einem Porträt über Andreas Voßkuhle, den Präsidenten des Bundesverfassungsgerichts, den falschen Eindruck erweckt, dessen Kochgewohnheiten aus eigener Beobachtung zu kennen. In diesen unfassbaren Journalismusskandal schaltet sich Michael Angele via Freitag ein, indem er auf Prantls an Heidegger ("diesem vermutlich bedeutendsten Philosophen aller Zeiten") geschulten Gebrauch des Wörtchens "man" hinweist. (01.08.12)

Du bist AAA, aber mit Ausblick negativ.

Wirtschaftsthemen sind wg. Krise längst auch Feuilleton-Themen, zumal jeder schon einmal erleben musste, wie es ist, herabgestuft zu werden. Die FAZ hat einige Redakteure und Autoren aufschreiben lassen, wann und wie ihre Abwertung stattfand, begründet und empfunden wurde. Tröstliche Lektüre, denn trotzdem ist ja noch was aus ihnen geworden. (vgl. die taz-Rezension von Werner Rügemers Analytik der Rating-Agenturen)

Philosophie und Sex

Stefanie Voigt beleuchtet bei Telepolis die schummrigen Winkel der Philosophiegeschichte, in denen es um Sex geht. Dort ist aber nicht viel los und Voigt muss im ersten Teil ihres Essays erstmal klären, wie Philosophie und Sex sich bereits in der Antike auseinandergelebt haben. Im nun veröffentlichten zweiten Teil ihres Essays ist Voigts Philosophiegeschichte des Vögelns in der Neuzeit angekommen - und wir warten mit einer freien Hand auf den dritten Teil.

Unn sünst?

Thomas Stadler rekapituliert in seinem Blog die jüngsten Wortmeldungen zur Sommerdebatte um Blasphemie und Beschneidung. +++ Der große Biochemiker Gottfried Schatz sieht in der NZZ die Naturwissenschaften in fortschrittsbedingte Sprachverwirrung abgleiten. +++ Occupy Space: Bei Glanz & Elend denkt Peter V. Brinkemper über "Prometheus - Dunkle Zeichen" nach, den neuen Film von Ridley Scott ("Bladerunner", "Alien"). +++ Sigmar Gabriel - so steht's in der heutigen FAZ - lässt der SPD ein Parteiprogramm von Jürgen Habermas, Julian Nida-Rümelin und dem Ökonomen Peter Bofinger schreiben. (Nachtrag, 05.08.: Die europapolitische Denkschrift ist nun auch online bei der FAZ.)



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