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Links der Woche

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9. Friedrich Nietzsche (19)
10. Künstliche Intelligenz (18)

Links der Woche, rechts der Welt: Jeden Samstag Nachmittag empfiehlt der Lichtwolf die interessantesten Texte der Woche der Leserschaft zur Wochenendlektüre.


Es gibt in dieser Rubrik 345 Artikel auf 35 Seiten:

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Links der Woche am 20.05.2017, 14:01 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 20/17

Check mal deine Privilegien!

Wer als deutsches Weißbrot afrikanische Gerichte kocht, macht sich der „kulturellen Aneignung“ schuldig: Leander F. Badura beschäftigt sich im Freitag mit „Critical Whiteness“ als neuem antirassistischen Blockwartdenken, das auch und besonders innerhalb von emanzipatorischen Bewegungen zu ständig neuen Vorwürfen und Defamierungskampagnen führt, erst recht wenn keine „Trigger-Warnungen“ vorausgeschickt wurden. (17.05.17)

Nichts darf man, außer alles!

Der Berliner Historiker Jörg Baberowski wird von einer trotzkistischen Gruppe als Kulturrassist stigmatisiert. Im Interview mit der NZZ wehrt er sich gegen die Vorwürfe und sieht vielmehr bestimmte Einwandergruppen von Kulturrassismus geprägt. Nicht fehlen darf dann noch die ausführliche Klage, rechts des linksgrünen Mainstreams sei nichts mehr erlaubt. (20.05.17)

Et cetera:

Die FAZ gratuliert zwei Denker(innen) zum 70. Geburtstag, nämlich der „linken Aristotelikerin“ Martha Nussbaum und dem Genusssoziologen Tilman Allert. +++ Die NZZ wiederum schreibt einen Nachruf auf den Vordenker der Diskursethik, Karl-Otto Apel, der mit 95 Jahren gestorben ist. +++ Mladen Gladi? und Christine Käppeler zeichnen im Freitag nach, wie Bini Adamczaks Büchlein über Kommunismus im Kinderzimmer aus Münster seinen Weg zum US-Hassvulkan Breitbart fand (und bald auch den hiesigen Neurechten den Schaum vor den Mund treiben wird). +++ Die FR empfiehlt Jörg Schneiders Ratgeber „So werde ich Nazi - Welcher Extremismus passt zu mir?“. +++ Die SZ portraitiert den NATO-Informatiker Brad Bigelow, der auf seinem Blog Neglected Books Bücher bespricht, die einst (oder auch nie) erfolgreich waren und heute vergessen sind.


Links der Woche am 13.05.2017, 14:46 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 19/17

Die Menge aller verheirateten Junggesellen

Bei Telepolis schreibt Raúl Rojas über das Nichts in der Mathematik in Gestalt der leeren Menge, die in Mathematik und Philosophie über Jahrhunderte umstritten war. Der Höhepunkt der Debatte war mit dem Russell-Paradoxon erreicht, das Frege ent- und andere Denker wie Boole ermutigte, weiter an der Mengenlehre als Grundlage der Logik zu arbeiten. (07.07.17)

Jeder kann zum globalen Dorfdeppen werden

In der ZEIT befasst sich Patrik Schmidt mit der Schadenfreude, die im Zeitalter des Teilens und Likens ganz neue Höhen erreicht. Denn via Handyvideo und Youtube kann jede Peinlichkeit auch von Nichtprominenten die Häme der ganzen Welt auf sich ziehen. Schmidt nimmt das zum Anlass für eine kleine Geschichte des Voyeurismus. (10.05.17)

Spenden für alternative Fakten

Der Betrieb von Kopp Online, dem Nachrichtenportal des gleichnamigen Verlags, ist klammheimlich eingestellt worden. Mladen Gladi? nimmt das zum Anlass, im Freitag auf die Erfolgsgeschichte des Fachverlags für Esoterik und Verschwörungstheorien zurückzublicken und über das mentale Interieur der großen Kopp-Kundschaft zu spekulieren. (10.05.17)

Stimmen im Kopf

Selbstgespräche gehören zum Menschsein dazu - wie auch der schmale Grat zwischen Schizophrenie und lebhafter Innerlichkeit. Hildegard Kaulen hat für die FAZ Charles Fernyhoughs Buch „The Voices Within“ gelesen, der sich wiederum auf den russischen Psychologen Lew Wygotski, demzufolge sich inneres und äußeres Sprechen zusammen entwickeln und jeweils unentbehrliche Funktionen haben. (11.05.17)

Computerisierbar denken

Die These, Programmieren sei eine genauso wichtige Kulturtechnik wie Lesen und Schreiben, findet immer mehr Unterstützer, stellt Adrian Lobe in der NZZ fest. Seltsam wird es, wenn daraus die Forderung wird, das menschliche Denken dem Computer anzupassen, und letzte Fragen mit dem richtigen Algorithmus ein für alle Mal zu beantworten. (12.05.17)

Lesen und backen

Vor dem anstehenden 125. Geburtstag Walter Benjamins weist Erhard Schütz im Freitag auf einige Neuerscheinungen zum/vom Aura-Denker hin. +++ Alles rauscht und fließt: Die NZZ bespricht fasziniert Gunter Scholtz’ „Philosophie des Meeres“, das seit jeher Chance und Bedrohung ist. +++ Zum Erscheinen des Essays „Die Moral des Krieges. Für einen aufgeklärten Pazifismus“ unterhält sich die FR mit einem der Autoren, Wilfried Hinsch, darüber, wann ein Militäreinsatz moralisch geboten sein kann. +++ Der Soziologe Austin Choi-Fitzpatrick hat ein Buch darüber geschrieben, was heutige Sklavenhalter denken; im Interview mit der SZ erzählt er von den Ausbeutern, die er bei der Recherche kennengelernt hat. +++ Zu guter Letzt: eine Torte für Bernard-Henri Lévy.


Links der Woche am 06.05.2017, 13:53 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 18/17

„Entropie des Meinens“

In der NZZ beklagt Paul Jandl den Niedergang der Streitkultur in beschleunigten und unübersichtlichen Zeiten, in denen jeder eine Meinung und keine Ahnung hat. Die Intellektuellen machen es kaum besser, indem auch sie nur noch über ihr jeweiliges Steckenpferd monologisieren. Eine Entschleunigung der publizistischen Debattenräume tut Not. (03.05.17)

Frühjahr- statt Sommersemester, bitte!

Nirgendwo währt die vorlesungsfreie Zeit so lang wie an deutschen Unis, bloggt Niklas Záboji bei der FAZ und plädiert zum zehnten Jubiläum des gescheiterten Versuchs einer „Harmonisierung der Semesterzeiten“ für Vorlesungen ab Anfang März und Anfang September, wie sie überall im Ausland üblich sind. (04.05.17)

Was der Multikulturalismus übersieht

Bei Telepolis beschäftigt sich Karl Kollmann mit dem Soziologen Zygmunt Bauman und Begriffen wie Freund, Feind und Fremder vor dem Hintergrund der „Flüchtlingskrise“. Das tut nötig, weil schon der Begriff des „Sozialen“ im Alltagsdiskurs allenfalls schwammig verwendet wird; die Erfahrungen von Zugezogenen schärfen den Blick dafür, wie schwer es mit dem „Sozialen“ geht. (05.05.17)

Morgen in Frankreich

Am morgigen Sonntag findet in Frankreich die Stichwahl ums Präsidentenamt zwischen Emmanuel Macron und Marine Le Pen statt. Die WELT unterhält sich mit Tristan Garcia, „dem neuen Vordenker der jungen Franzosen“, darüber, wie schwer sich Linksintellektuelle mit dem „identitätspolitischen Backlash“ und mit Macron als kleinerem Übel tun. Auch die ZEIT bittet einen schlauen Franzosen zum Interview, nämlich den Philosophen und Mathematiker Denis Bonnay, der die ambivalente Wirkung von Meinungsumfragen und Wahlaufrufen erklärt.

Außerdemos von Sonstnochos:

Die NZZ sieht mit dem Band „Die grosse Regression“ das linke Denken auf den Hund gekommen und empfiehlt stattdessen Kaspar Villigers Kampfschrift gegen den „Sozialdemokratismus“, der uns alle so furchtbar erdrückt. +++ Der Freitag weist auf den Horrorfilm für Selbstoptimierer, „Erfolgreich Scheitern“ hin, der neulich auf 3sat lief. +++ In München werden, wie die FAZ meldet, wertvolle Bücher und Autographen versteigert - darunter ein Typoskript der Vortragsfassung von Heideggers Freiburger Antrittsvorlesung „Was ist Metaphysik?“. +++ Außerdem gratuliert die FAZ dem konservativ-katholischen Denker Robert Spaemann zum 90. Geburtstag. +++ Sibylle Anderl glossiert im Wissensteil der FAZ launig über eine Studie zur Ehrenrettung von Sorgen und Pessimismus. +++ In der WELT empfiehlt Denis Scheck Ovids „Metamorphosen“ für seinen Kanon. +++ Die NZZ stellt Heinrich Meiers Auseinandersetzung mit Nietzsches Zarathustra als philosophisches Experiment der Selbsterkenntnis und -verstellung vor. +++ Hazel Brugger macht im Magazin ihrem Unmut Luft, mit anderen jungen Frauen in einen Topf geworfen zu werden, und dem Feminismus darum in den Rücken fallen zu müssen.


Links der Woche am 29.04.2017, 14:23 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 17/17

Masseneffekte statt Ideologien

Nicht nur in Frankreich zeigt sich die seit 1990 erwartete Auflösung der Ideologien, schreibt Adrian Lobe in der ZEIT: Die Populisten dieser Welt brauchen weder Visionen noch Weltbild, um an die Macht zu kommen, sondern die zynische Bereitschaft, jedes der vervielfältigten Weltbilder in ihrer Anhängerschaft rhetorisch zu bedienen. (25.04.17)

Krimis und Verschwörungstheorien

Der Wahn wird mit Bildern von außen möbliert. Der Schriftsteller Guido Eckert fragt sich (und einige Kollegen) im Freitag, ob u.a. seine Zunft dazu beigetragen hat, dass anscheinend immer mehr Leute ernsthaft glauben, in einem Thriller voller Verschwörungen und dunkler Machenschaften zu leben. (26.04.17)

Friedensschrift ohne Leser

Christian Thomas portraitiert in der FR den Humanisten und Aufklärer Erasmus von Rotterdam, der vor 500 Jahren gegen den Krieg anschrieb und damit scheiterte, weil er einfach zu früh dran war: Pazifismus war im kriegerischen Europa des Mittelalters und seinen Lautsprechern wie Luther verpönt. (28.04.17)

Gendermüdes Neobiedermeier

Die 68er wollten alles sein, nur nicht Spießer, wurden damit aber auch nicht glücklich. Cora Stephan versucht in der NZZ darum eine Ehrenrettung spießiger Tugenden wie Ernst, Manieren und Monogamie, die gerade eine Renaissance erfahren, auch wenn oder gerade weil ihre Anhänger von der bösen „Gender-Elite“ gemaßregelt werden. (29.04.17)

(Eine schönere Verteidigung des Spießertums lieferte Marc Hieronimus in Lichtwolf Nr. 53 („Schloch“)...

Unn sünst?

Die taz weist auf Jeanette­Erazo Heufelders Biographie des Mäzens der Frankfurter Schule, Felix Weil hin. +++ Christoph Egger hat sich im Antiquariat ein Schriftsteller-Lexikon von 1882 gekauft und schwärmt in der NZZ von einer literarischen Welt vor unserer Zeit. Freunde vergessener Autoren schätzen die Lichtwolf-Reihe „Lebende & Leichen“, aus der Michael Helmings „Leichen treppauf“ ausgekoppelt worden ist. +++ Claus Leggewie zeigt sich in der SZ wenig überzeugt von Jason Brennans Argumenten dafür, dass regiert zu werden den meisten Leute besser tut als politische Teilhabe, für die ihnen die Kompetenz fehlt. +++ Im Freitag bekundet Ulrike Baureithel, bei den Science Marches der letzten Woche einen (selbst-)kritischen Blick auf den Wissenschaftsbetrieb vermisst zu haben.


Links der Woche am 22.04.2017, 12:38 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 16/17

Das sind doch wir!

Die „verallgemeinerte Logik aus Zeiten, als Neue Sozialen Bewegungen [...] gegen Staat und Atom-, Rüstungs- und Ölindustrie antraten, wiederholt das Motiv vom Verblendungszusammenhang, hinter dem finstere Mächte am Werk sind“, hieß es in LW51 über den seltsam vertrauten Sound rechtspopulistischer Medien- und Systemkritik. Auch die taz fühlt sich an ihre Anfänge erinnert, besteht aber darauf, dass sich Dutschke und Höcke nicht nur im Vokabular unterscheiden. (15.04.17)

Die Mauer als Grenze und Zeichen

Dominik Irtenkauf beschäftigt sich bei Telepolis mit dem Mauerbau in der Politik und der Geschichte. Populär ist und in ihrer Funktion gewandelt hat sich die Chinesische Mauer. Die Grenze zwischen den USA und Mexiko erinnert (noch) an den Limes statt an Berlin, dessen Mauer sich heute wiederum in Beton zwischen Israel und Palästina und in der Mentalität zwischen Ossis und Wessis wiederfindet. (17.04.17)

Diesen Relativismus haben „wir“ nicht gewollt

Nun muss auch noch Karl-Heinz Ott in der NZZ den linksliberalen Anhängern des postmodernen Denkens von Offenheit und Vielfalt vorhalten, sie seien für die Geringschätzung von Wahrheit verantwortlich, die Trump ins Weiße Haus brachte. Ganz so harmlos waren die relativistischen Gedankenspielchen mit Nietzsche und den ganzen Poststruktralisten anscheinend doch nicht... (19.04.17)

Les sciences marchent

Am heutigen Samstag gehen weltweit Menschen auf die Straße, um „dafür zu demonstrieren, dass wissenschaftliche Erkenntnisse als Grundlage des gesellschaftlichen Diskurses nicht verhandelbar sind“, wie es beim Science March Germany heißt. In der ZEIT erzählen fünf Wissenschaftler, warum sie mitmarschieren. Die FR schreibt über ein Facebookvideo, in dem der populäre Astrophysiker Neil DeGrasse Tyson erklärt, was wissenschaftliche Wahrheit ist, ob man nun daran glaubt oder nicht. Auch im Fall der Proteste gegen die geplante Schließung der Central European University in Budapest, über die die FAZ berichtet, geht es nicht nur um akademische Arbeitsplätze, sondern um die Verteidigung des Pluralismus in autoritären Zeiten.

Bücher und Wahlen

Seit Trumps Amtsantritt haben Bücher Konjunktur, die sich die USA literarisch als Fascho-Staat ausmalen und lange in den Regalen verstaubten. Jan Wilm stellt in der NZZ eine Auswahl vor; eine ausführliche Reise durch die Welten kontrafaktischer Nazi-Romane unternahm Bdolf bekanntlich in Lichtwolf Nr. 45 und Nr. 46. +++ Die ZEIT weist hin auf den jüngst edierten jahrzehntelangen Briefwechsel zwischen Martin Heidegger und seinem Schüler und frühen Kritiker Karl Löwith. +++ Die taz dagegen freut sich, dass kurz vor den französischen Präsidentschaftswahlen das komplette Werk Lacans auf Deutsch erhältlich ist. +++ Just über die Wahlen links des Rheins unterhält sich die NZZ mit dem „Frankreich-Kenner“ Peter Sloterdijk. +++ Gustav Seibt zeigt sich in der SZ unzufrieden mit dem Essayband „Die große Regression“, worin sich linke Denker mit der wachsenden Unruhe in diesen Zeiten beschäftigen - überheblich im Ton und unter Aussparung der Digitalisierung. +++ Der Tagesspiegel wiederum unterhält sich mit Jason Brennan, der in seinem neuen Buch dafür plädiert, das Wahlrecht auf informierte und rationale, also qualifizierte Bürger_innen zu beschränken. Um die Frage nach der Qualifikation für politische Teilhabe geht es übrigens auch im aktuellen Lichtwolf. +++ Rolf Dobelli rät in seiner NZZ-Kolumne, dem Handeln öfter mal den Vorzug vor dem Nachdenken zu geben.


Links der Woche am 15.04.2017, 14:00 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 15/17

Das Unbehagen in der Netzkultur

Die taz bringt einen Text des Medientheoretikers und Netzaktivisten Geert Lovink, in dem er nicht nur seiner Ernüchterung über das Internet Ausdruck verleiht: Es gibt weder räumliche noch zeitliche Ordnung, nur wird alles immer schneller und immer mehr. An der herrschenden „Kultur der Gleichgültigkeit“ gegenüber der Verschmelzung von Macht und Marketing sind u.a. die Medien schuld. (08.04.17)

Sokrates als Jesus-Prototyp?

Mal was Passendes zu den Feiertagen: Der Wiener Theologe Jan-Heiner Tück fragt in der NZZ, ob Platon in der Politeia etwa die Passionsgeschichte vorweggenommen hat. Denn der wahrhaft, nicht nur scheinbar Gerechte müsse mit dem Hass der Menge rechnen, erklärt Sokrates darin. Das Frühchristentum entdeckte diese Stelle dann schnell für sich und ihre(n) Märtyrer der Wahrheit. (12.04.17)

Die stets das Böse will und stets das Gute schafft.

Roman Bucheli denkt in der NZZ über die aktuelle im regen Gebrauch befindliche Phrase, „alles stehe Kopf“. Zunächst zieht er die Neurologie unserer Sehgewohnheiten und den Maler Georg Baselitz heran. So, wie dieser jene durchbrach, versuchen heute Reaktionäre wie Botho Strauß und neurechte Demagogen mit Überraschung und die Überrumpelung Unruhe zu stiften, worin eine Chance liegt. (12.04.17)

Rechter Rationalismus

Mark Siemons stellt in der FAZ die „Neoreaktionäre“ oder „NRx“ als technologische Avantgarde des US-Konservatismus vor. Sie scheißen auf Traditionen und Werte, sehen vielmehr in Computerlogik, Akzelerationismus und Transhumanismus die Zukunft, die freilich eine ziemlich autoritär-darwinistische sein wird, in der die Unterscheidung zwischen „Hergestelltem“ und „Gewordenem“ verwischt ist. (14.04.17)

„Völkerpsychologie, Geschichtsmythologie und Abendlandkitsch“

Nils Markwardt würde in der ZEIT das Verhältnis von Rechtspopulisten zur Wahrheit weniger postfaktisch als präfaktisch nennen. Denn sie liefern den identitär Herausgeforderten eine voraufklärerische Wir-Erzählung, wie Markwardt an den Remythisierungsversuchen einiger neurechter Vordenker der Heimatliebe zeigt. (15.04.17)

Bücher, Bücher, Bücher

Die taz spricht mit Laurent Binet über seinen Roman „Die siebte Sprachfunktion“, in dem Politik und Philosophie der frühen 1980er - der sterbende Strukturalismus und der erwachende Neoliberalismus - die eigentlichen Protagonisten sind. +++ Denis Scheck empfiehlt in der WELT voll des Lobes Thoreaus „Walden“ für jeden Kanon. +++ Die NZZ stellt zwei neue Schriften zur Ästhetik von Hartmut Böhme und Wolfgang Welsch vor, die in der Kunst das Bindeglied zwischen Natur und Kultur sehen. +++ Die FAZ unterhält sich mit dem Kittler-Schüler Marcel Beyer, in dessen Buch „Das blindgeweinte Jahrhundert“ Guido Knopp schildert, wie Adorno nach dem „Busenattentat“ geweint haben soll.

Sonstiges:

Christoph Winder freut sich im Standard, dass der französische Präsidentschaftskandidat Emmanuel Macron sich mit Philosophie beschäftigt statt wie andere Politiker*innen „am unteren Ende der geistigen Kapazitäten der Wählerschaft, knapp an der Imbezillitätsgrenze, Maß zu nehmen“. +++ Auch Roger Köppel - Chef der Weltwoche und Abgeordneter der rechtspopulistischen SVP - beschäftigt sich mit Philosophie, aber nur vor Ostern, und erinnert sich daran, wie er Richard Rorty für sich entdeckte und von ihm die Abneigung gegen „Gutmenschen“ lernte. +++ Die FAZ ist erleichtert, dass der von Trotzkisten verfolgte Historiker Jörg Baberowski die Solidarität seiner Kolleg*innen verhält. +++ Bei Deutschlandradio Kultur gibt es ein Gespräch mit Tatjana Noemi Tömmel über die Liebe in der Philosophie von Augustinus bis Hannah Arendt. +++ Apropos Radio: Heute Abend ab 23:05 Uhr gibt es im Deutschlandfunk die lange Nacht der Wolken zu hören.


Links der Woche am 08.04.2017, 13:55 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 14/17

Von der kritischen zur paranoischen Vernunft

René Scheu denkt in der NZZ über den paranoischen Politstil (Richard Hofstadter) nach, wie er in der Türkei und in den USA gepflegt wird. Establishment, tiefer Staat und andere verschwörungstheoretische Signalwörter sind Ausfluss einer Haltung, die Kant auf eine „rasende Vernunft“ zurückführte. (05.04.17)

Kaum Gärtner in wuchernden Textwelten

Der Germanist Jochen Hörisch bemerkt in der NZZ ein Phänomen, das einer Zeitschrift wohlvertraut ist, die bald mehr Autoren als Abonnenten hat: Dass alle schreiben wollen und keiner mehr lesen mag, nimmt Hörisch zum Anlass einer Meditation über das Verhältnis von Sprache und Sein, über Fundamentalismus und automatische Textverarbeitung. (06.04.17)

Vom Affen sprechen lernen

Tom Appleton geht bei Telepolis in einem zweiteiligen Essay der Frage nach dem Ursprung der Sprache nach - davor kommt aber gründliche Affenkunde. In Teil I begibt er sich zunächst in die Literaturgeschichte, um zu sehen, wie etwa Edgar Allen Poe sich unsere affige Verwandtschaft vorstellte. In Teil II geht es darum, dass uns die Menschenaffen - an denen die Entstehung unserer Sprache zu studieren wäre - heute fremder denn je sind. Weitere Teile folgen.

Außerdemchen:

Zum 1. April erwog die FAZ die ganz und gar nicht alberne Frage, ob Katholiken, die beim Gottesdienst ganz unsymbolisch den Leib Christi zu sich nehmen, Veganer sein können. +++ Der Freitag stellt die von Mathias Greffrath herausgegebene Essaysammlung über Marxens Kapital im 21. Jahrhundert vor. Die Beiträge waren (und sind) auch in der Reihe „Essay und Diskurs“ des Deutschlandfunks zu hören. +++ Die NZZ wundert sich über den Erfolg von Oliver Nachtweys Abstiegsgesellschaftsdiagnose über das „Aufbegehren in der regressiven Moderne“. +++ Claus Leggewie hat für die SZ einige aktuelle Bücher über die AfD, die neue Rechte, die autoritäre Revolte und konservative Revolution gelesen. +++ Die FAZ weist auf Pascal Bruckners bislang nur auf Französisch vorliegende Auseinandersetzung mit dem Vorwurf der „Islamophobie“ hin, der jede Kritik an der Religion unterbinde. +++ Die WELT freut sich über die Digitalisierung der Reise-Tagebücher Alexander von Humboldts durch die Staatsbibliothek zu Berlin. +++ Die FAZ stellt die Studie des Soziologen Andrew Abbott zu möglichen Reaktionen auf die Akademikerschwemme in den Industrienationen vor.


Links der Woche am 01.04.2017, 13:53 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 13/17

Der Poststrukturalismus kommt zurück

Die Marxisten und Existentialisten dominierten Frankreichs intellektuelle Szene etwa bis 1968 - dann übernahmen die Poststrukturalisten das Ruder. Klaus Birnstiel, der das Standardwerk zum Poststrukturalismus geschrieben hat, erklärt im Freitag, wie das ablief und zu einem kleinlichen Ende kam, auf das gerade die Renaissance zu folgen scheint. (29.03.17)

Die große Weigerung des Problemgeschlechts

An den US-Präsidenten Trump und Obama macht Walter Hollstein in der FAZ fest, dass der Mann überhaupt in Verruf geraten ist. In der Bildung und auf dem Arbeitsmarkt ist er der große Emanzipationsverlierer und droht - abgehängt und orientierungslos - zu einem sozialen und politischen Problem zu werden, das auch schon einige Feministinnen bemerken. (29.03.17)

Neue Bücher

Wie auf den Poetry-Slam-Trend die witzigen Bücher folgten, ist es auch nach dem Science-Slam-Trend: Die NZZ stellt die Versuche vor, einen zweiten „Darm mit Charme“ in die Bestsellerlisten zu stellen. +++ Der Freitag bespricht diese Woche eine ganze Reihe von Sachbüchern, unter denen zwei empfohlen seien: ZEIT-Journalist Gero von Randow versucht in seinem Buch, den Pathos der Revolution zu bewahren - vom Pariser Mai 1968 bis zum Arabischen Frühling. Die Ethnologin Jeanette Erazo Heufelder wiederum geht in ihrer „Wirtschaftsgeschichte der Frankfurter Schule“ der Frage nach, woher eigentlich das Geld für Horkheimer, Adorno und Co. kam. +++ Vergessen Sie nicht, den aktuellen Lichtwolf zu bestellen und zu besprechen!

Das Weitere und Engere:

Botho Strauß gibt sich mal wieder kulturkritisch, worin man bei der FR aber nur Ressentiment zu erkennen vermag. +++ In der taz ist zu lesen, wie Aktivisten in Köln via Adbusting öffentliche Litfaßsäulen zurückerobern wollen. +++ Noam Chomsky glaubt, dass Donald Trump seine Wähler im Stich lassen wird, meldet die FAZ. Ausführlich erklärt Chomsky das im Interview mit Alternet. +++ In Skandinavien verzichten viele Medien auf Aprilscherze und die SZ erklärt, dass es die traditionellen Falschmeldungen in Zeiten von Fake News und „Lügenpresse“-Geschrei schwer haben.


Links der Woche am 25.03.2017, 11:36 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 12/17

Früher war alles gut.

Der politische Erfolg rückwärtsgewandter Populisten ist auch dem menschlichen Hang zur Nostalgie verschuldet, mit dem sich Mohsin Hamid im Freitag beschäftigt. Der Mensch ist einerseits äußerst anpassungsfähig, andererseits stressen ihn Veränderungen. Ohne gibt es aber keine Zukunft, und für deren Ankunft helfen Phantasie und Träume eher als die Idealisierung des Vergangenen. (22.03.17)

Laaangweilig!

Matthias Kalle, stellvertretender Chefredakteur des ZEITmagazins, hat ein Buch über die bzw. seine Jugend geschrieben. In seinem Magazin fragt er sich, ob seine Jugend wirklich von in heutigen Tagen geradezu erholsam wirkender Langeweile geprägt war und was Langeweile überhaupt ist (physiologisch und philosophisch)... (22.03.17)

Populisten auf Logik festlegen

Der Populismus immunisiert sich mit seiner Krawallform gegen Widerspruch, da sich besonnene Demokraten erst auf ihn einlassen müssten. Wie man das macht, beschreibt Daniel-Pascal Zorn in seiner Anleitung „Logik für Demokraten“, die von Harald Staun in der FAZ ausführlich vorgestellt wird. (24.03.17)

Raus aus der Komfortzone

In den USA ist das „Affirmative Consent Kit“ beliebt, das die Einvernehmlichkeit des Geschlechtsverkehrs dokumentiert - worüber Slavoj Žižek in der NZZ den Kopf schüttelt: Statt durch Kontrollverlust ist Sex nun durch Bürokratie und Schutzklauseln geprägt. Und das ist nicht der einzige Auswuchs einer politischen Korrektheit, die Probleme, Ambiguitäten und Konflikte zum Verstummen, aber nicht zum Verschwinden bringt. (25.03.17)

Et cetera:

Der Standard unterhält sich mit Raoul Peck, dem Regisseur von „Der junge Marx“ über das Kapital und Marxens Europa. +++ Matthias Heine hat für die WELT fleißig zusammengetragen: Zum einen die von David Tripolina aufgestellt Liste von 333 (angeblich) unübersetzbaren Wörtern, zum anderen die schönsten Nazivergleiche von Kurt Schumacher über Reinhard Mey bis zu Erdo?an. +++ Gute Nachrichten für unsere Leserschaft: Der Trend geht zur Sapiosexualität, schreibt Nora Belghaus im Freitag, hält aber manche Enttäuschung für diejenigen bereit, die auf Clickbaiting mit Intelligenz reinfallen. +++ Lucas Vogelsang ist in den Wedding gezogen, den die meisten Deutschen als „Problembezirk“ meiden, und hat darüber geschrieben, was in solchen und anderen bunten Stadtteilen eigentlich deutsch ist; der Freitag stellt das Buch „Heimaterde“ vor.

Der neue Lichtwolf

Lichtwolf Nr. 57

Lichtwolf Nr. 57 zum Thema „Der Adel und du“ ist diese Woche erschienen. Es ist wieder ein sehr schönes Heft mit 112 dicht beschriebenen Seiten im A4-Paperback ohne Werbung geworden, das inkl. Versand 8,50 Euro kostet. Alternativ gibt es die Frühlingsnummer auch als DRM-freies E-Book für Kindle und im epub-Format, was bloß 3,99 Euro kostet. Reingucken kann man in Bdolfs Propädeutikum und Schneideggers Analyse der neofeudalen Pöbelherrschaft in den USA, das alles gern auch als PDF-Leseprobe. Das ist eine gute Gelegenheit, sich für nicht mal 30 Klötze ein Jahr lang Lichtwölfe nach Hause kommen zu lassen!


Links der Woche am 18.03.2017, 13:09 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 11/17

Sie machen sich die Welt, ...

...wie sie ihnen gefällt: In der ZEIT (und zuvor auf der Münchner Sicherheitskonferenz) macht sich der israelische Schriftsteller David Grossman Gedanken über das kindliche Verhältnis von Rechtspopulisten zu Wahrheit und Realität, das, wenn es zum herrschenden wird, alle anderen verrückt wirken lässt. Literatur jedoch kann in einer solchen aus den Fugen geratenen Welt das Menschliche noch zusammenhalten. (13.03.17)

Komplexitätsreduktion durch Lärm

Für die NZZ unterhält sich Peer Teuwsen mit dem Psychoanalytiker und Schriftsteller Jürg Acklin über die gegenwärtige Wiederkehr des autoritären Charakters (nach Fromm, Mann und Adorno) allenorts. Dessen offen zur Schau gestellte Schamlosigkeit rührt an antizivilisatorische Reflexe der existentiell überforderten und zugleich gelangweilten Narzissten. (17.03.17)

Außerdemos von Sonstnochos:

Auch die NZZ bespricht Lorenz Jägers Walter-Benjamin-Biographie und zeigt sich ganz begeistert von dem Werk über „den Unvollendeten“. +++ Die NZZ stellt außerdem Karlheinz Stierles Buch über das Entstehen der Moralistik als Dialog mit dem Leser bei Montaigne vor. +++ Der Wissenschaftsverlag De Gruyter will Philosophie unter Altertumswissenschaften subsumieren, was Jürgen Busche im Freitag zu einer Kolumne über Alt-Griechisch und harmloses Studieren veranlasst. Und inzwischen hat De Gruyter nach Protesten klargestellt, den Bereich Philosophie doch erhalten und weiterentwickeln zu wollen. +++ Der Hegelianer und Donaldist Franz Schuh bringt zu seinem 70. Geburtstag ein Buch über das Glück heraus, das genauso essayistisch, autobiographisch, fragmentarisch und aphoristisch geraten ist wie seine diversen Vorgänger und das von der NZZ mitsamt des Autors portraitiert wird. +++ Professionen wie Arzt, Lehrer oder Anwältin leben von Vertrauen und Standesethos; die neoliberalen Versuche, sie zu bloßen Dienstleister zu reduzieren, scheitern an der Weigerung der Klienten, sich als bloße Kunden zu verstehen, wie die FAZ berichtet.



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Lichtwolf Nr. 57 (1/2017), März 2017

Titelthema: Der Adel und du

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Aristokratie und die bessere Gesellschaft vergangener, heutiger und künftiger Tage: Herrschaft, Genealogie, Königswege, Distinktion und Manieren sowie Elephanten, Ökoko und Graf Uxkull.


Das nächste Heft erscheint am 20. Juni 2017 mit dem Titelthema Wurst. »» Abonnieren


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