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Impressum

Online verfügbare Beiträge von

Timotheus Schneidegger

Links der Woche am 29.07.2017, 15:05 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 30/17

Das Unbehagen in der Digitalkultur

Johan Schloemann hat für die SZ das Buch „Radical Technologies“ von Adam Greenfield gelesen, das ein unheimliches Bild von unserer Gegenwart zeichnet, die von Technologie gewordener Geheimwissenschaft durchdrungen ist. Und selbst die Fachleute und Netz-Utopisten haben keine Ahnung, was da passiert. (25.07.17)

Chancenungleichheit und Selektion

Ist die Idee der Meritokratie nur der Versuch einer ethischen Rechtfertigung der Ungleichheit? Das fragt sich Giorgio Fontana in der NZZ und erinnert bei aller Skepsis daran, dass es schon gut ist, wenn Aufgaben von denen übernommen werden, die die nötigen Fähigkeiten haben und darum eine gewisse Autorität genießen. (27.07.17)

Letzte Links der Woche

Die FR weist auf Hilal Sezgins Plädoyer für die Übernahme moralischer Verantwortung hin, das den schönen Titel hat: „Nichtstun ist keine Lösung“. +++ Abermals die FR zeigt sich fasziniert von Tom Theunissens philosophischem Dokumentarfilm-Essay über den „Menschen von morgen“, der heute Abend bei arte läuft. +++ In den USA wird an KIs gewerkelt, die Video- und Tonaufnahmen (noch bloß von Obama) beliebig verändern können, um den früheren US-Präsidenten mit „Videobeweis“ sagen zu lassen, was immer einem so einfällt. +++ Männer werden unter Stress eher prosozial, so eine Studie, über die im Wissensteil der FAZ glossiert wird. +++ Roman Bucheli schwärmt in der NZZ von der Lust, sich in Bücher zu verlieren und eben dadurch näher bei sich selbst zu sein.


Links der Woche am 22.07.2017, 14:23 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 29/17

Affirmation statt Transformation

Vergangene Woche hielt Armin Nassehi die Linken für Phantasten mit Hang zum Autoritären, nun darf Stephan Lessenich sich in der ZEIT über die Pauschalisierungen und Vereinfachungen des Kollegen wundern und einiges über den Kapitalismus und die Linken klarstellen. (20.07.17)

Lukrez statt Frankenstein

Mary Shelleys Frankenstein gilt - sofern Faust nicht zählt - als das Buch über wissenschaftliche Hybris und nervt den Evolutionsbiologen Matt Ridley, wie er in der NZZ bekennt. Lieber ist ihm der nüchterne Optimismus des Lukrez, der en passant die moderne Physik, Chemie und Biologie vorwegnahm. (20.07.17)

Wann zu widerstehen ist

Anlässlich des 20. Juli hielt der frühere Innenminister Gerhart Baum eine Rede über Widerstandsrecht und -pflicht, die die FAZ abdruckt. Die junge Bundesrepublik behandelte den Widerstand als Verrat, schützte die Nazis, mit denen sich die meisten arrangiert hatten, und ignorierte die Opfer. Heute werden Grundrechte und Menschenwürde wieder in Frage gestellt. (20.07.17)

Spukhaus Amerika

H. P. Lovecrafts Werke sind längst gemeinfrei und ihr anhaltender Einfluss ist nicht zu unterschätzen, schreibt Adrian Daub in der NZZ und unterschlägt dabei nicht, welch ein unangenehmer Geselle Lovecraft war. Gerade seine Fremdenfeindlichkeit schlägt sich z.B. im Cthulhu-Mythos nieder, der darum in Trumps USA aktueller denn je ist. (21.07.17)

Das Weitere und Engere:

Jens Bisky rät in der SZ, die „Verfassungsschutzfolklore“ von der gemäßigten Mitte und den extremen Rändern links und rechts fahren zu lassen, da sie den Blick auf die politische Realität verstellt. +++ Die NZZ bespricht Fritz Breithaupts Buch über die dunklen Seiten der Empathie sowie Steffen Maus Buch wider die Quantifizierung des Sozialen. +++ Haben Sie eigentlich schon ein Lichtwolf-Abo?


Links der Woche am 15.07.2017, 14:17 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 28/17

Warum werden sie so gehasst?

Henrike Schirmacher widmet den oft als Flugratten verunglimpften Stadttauben in der FAZ einen sehr interessanten und bisweilen wenig mitfühlenden Text, in dem es u.a. über den Zusammenhang zwischen dem von Denkmalschützern gefürchteten Taubenkot und unserer Diät sowie über den zwischen urbaner Umgebung und Tierbild geht. (11.07.17)

Wo ist noch Intellektuellenbuch?

In der NZZ fragt sich Jan Söffner, warum immer weniger Menschen der Aufforderung eines gedruckten Buchs nachkommen, sich Zeit dafür zu nehmen, und lieber schnell das Internet bemühen. Söffner vermutet, die intellektuell hungrigen Leser seien einfach zu oft enttäuscht worden von Büchern, die bloß als Forschungsbeleg veröffentlicht wurden, und gibt Tipps, wie im 21. Jahrhundert Denkabenteuer zu schreiben wären. (12.07.17)

Du wirst, was du studierst.

Was macht das Studienfach aus einem Menschen? Das hat sich Samuel Kramer für das Uni-Blog der FAZ gefragt und mit drei jungen Studenten unterhalten: Die Medizin-, Jura- bzw. Soziologiestudenten bestätigen so manches Klischee über ihre Fächer und überlegen, woran das wohl liegt. (13.07.17)

Vor der Komplexität kapitulieren

Nach dem G20-Gipfel vorige Woche zeigt Armin Nassehi in der ZEIT Verständnis für die Polizei und denkt über die Atrraktivität politischer Gewalt nach. Die Linke hat es leicht, weil sie - anders als die Rechte - sympathische Forderungen stellt, darum nicht über den Weg zu ihrer Erfüllung nachdenken kann und ergo latent autoritär ist, während „es der globalisierten Welt noch nie so gut ging wie heute.“ (13.07.17)

Mit Trump gegen Trump?

Naomi Klein hat jüngst ein Buch darüber geschrieben, wie es zu Trump kam und was wir jetzt tun müssen. Tim Adams portraitiert im Freitag die prominente Vordenkerin der US-Linken, die den Aktivismus wieder cool machen will und aus deren früheren Veröffentlichungen Trump scheinbar viel gelernt hat. (14.07.17)

Was man so alles lesen kann

Die taz ist ziemlich enttäuscht von Peter Sloterdijks lieblos zusammengestellter Essaysammlung „Nach Gott“. +++ Bei Glanz & Elend werden besprochen sowohl Manfred Geiers Doppelbiographie „Wittgenstein und Heidegger“ als auch Andreas Urs Sommers Essay gegen den moralischen Relativismus. +++ Die NZZ zeigt sich sehr angetan von Ralf Konersmanns „Wörterbuch der Unruhe“, das diese als Zeitphänomen aus philosophischer Distanz analysiert. +++ Die SZ stellt Julian Nida-Rümelins Lob der Grenzziehung - im Privaten wie im Staatlichen - vor, dass da lautet: „Herzlich willkommen, aber...“ +++ Bini Adamczaks Büchlein „Communism for Kids“ gilt der Rechten in den USA als Beleg für die Perfidie ihrer imaginierten Feinde: Die SZ erklärt, worum es in der vermeintlichen Indoktrinationsfibel wirklich geht. +++ Uwe Justus Wenzel denkt in der NZZ anlässlich von Jason Brennans Buch „Against Democracy“ über die schillernde Vielfalt von Willensbekundungen nach, die in der Demokratie als vox populi laut wird.

Henry David Thoreau zum 200.

Die FR würdigt Henry David Thoreau zu seinem 200. Geburtstag und bringt neben einem Portrait auch eine Liste von Neuerscheinungen zu dem Waldgänger. Die taz bespricht Frank Schäfers Thoreau-Biographie und die WELT überlegt, wie Thoreau zu Obama und Trump stehen würde...

Et cetera:

Die Soziologie hat ein ähnliches Problem wie die Philosophie: Im Studium lernt man nur, wie man das Fach lehrt. Einige Soziologen wollen diejenigen Absolventen, die es nicht auf einen Lehrstuhl schaffen, als professionelle Gesprächspartner arbeitsmarktfähig machen, wie die FAZ meldet. +++ Die FAZ berichtet außerdem von einer Tagung in Jena über die linken Wurzeln des Faschismus und rechtspopulistische Erfolge unter Arbeitern und Arbeitslosen. +++ Kognitive Verzerrung: Telepolis schreibt über eine Studie, wonach in den USA über muslimische Attentäter fast fünf Mal so ausführlich berichtet wird wie über nicht-muslimische. +++ Womöglich kennen Sie das Selfie des Schopfmakaken-Weibchens auch aus Lichtwolf Nr. 51, wo es Marc Hieronimus’ Essay über die narzisstische Massenpsychose unserer Tage einleitete. Ebenso womöglich muss das Photo in den noch unverkauften Ausgaben bald geschwärzt werden, denn die Tierrechtsorganisation Peta will den Streit darum, wer das Urheberrecht an dem Bild hat - die Makakendame oder der Besitzer des Photoapparats - ein für alle Mal klären, wie die FAZ meldet. +++ Heute Abend ab 23:05 Uhr gibt es im Deutschlandfunk die Lange Nacht über Walter Benjamin.


Links der Woche am 08.07.2017, 12:58 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 27/17

Der Konvertiteneifer gewendeter Linker

Nicht selten werden Linke irgendwann zu besonders eifrigen Rechten, wie Georg Seeßlen bei Getidan an diversen Beispielen aufzeigt, um sodann in neun Thesen über diese „diskursive Binnenmigration“ und die Fluchtgründe nachzudenken: Männerphantasien vom heroischen Opfer-Status, völkische Altlasten, eine „Störung ihrer inneren Geschlechterordnung“, das Scheitern an einstigen Idealen, Aufmerksamkeitsökonomie... (01.07.17)

„Bocksgesang von links“

Thomas Assheuer blickt in der ZEIT auf die vielfältige Szene derer, die gerade in Hamburg gegen den G20-Gipfel demonstrieren. Er sieht die Kapitalismuskritik gespalten in Reformer und Apokalyptiker, deren Theorie-Helden Badiou und Žižek sind und deren (auch bei der Neuen Rechten beliebte) Dekadenzphantasien auf offene Ohren stoßen, weil der Liberalismus eisig schweigt. (05.07.17)

Auschwitz und das gar nicht ewige Deutschtum

Die FAZ bringt Navid Kermanis lange Rede darüber, dass eine Einbürgerung hierzulande auch bedeutet, die Verantwortung für den Holocaust mitzutragen, wie er es bei einem Besuch in Auschwitz als Deutscher erlebte. Von hier aus stellt er faszinierende Überlegungen dazu an, was die hiesige Erinnerungskultur in Wirklichkeit, d.h. im demographischen Wandel und vor ihrem historischen Hintergrund, heißt. (07.07.17)

Vergnügtes Kind des Sonnenaufgangs

Dieter Thomä würdigt in der NZZ Henry David Thoreau zum 200. Geburtstag und stellt ihn als schrägen Eigenbrötler, asexuelles Faktotum, Hoffnungsträger für Trumpistan und Begründer des „amerikanischen Transzendentalismus“ vor, der uns Hingabe an die Welt, zivilen Ungehorsam, Kommerzkritik und Extravaganz lehrt. (08.07.17)

Neue Bücher

Zu seinem 70. Geburtstag gönnt sich Peter Sloterdijk den Essayband „Nach Gott“, der laut der Rezension im Standard so elitär gehalten ist, wie der Titel verspricht. +++ Bruno Latour hat acht Vorträge über die Menschheitsaufgabe gehalten, den Klimawandel zu bewältigen; das Buch, in dem sie versammelt sind, wird im Freitag trotz seiner religiösen Untertöne gelobt. +++ Die NZZ weist auf den von den Wirtschaftsethikern Michael S. Assländer und Bernd Wagner besorgten Sammelband mit Texten zur Philosophie der Arbeit hin.

Außerdemos von Sonstnochos:

Philosophiegeschichtliche Überlegungen zum Wesen der Materie können auch heutige Chemiker noch viel lehren, glossiert Sibylle Anderl in der FAZ. +++ Andrian Kreye macht sich in der SZ Gedanken über die Innovationseuphorie Silicon Valleys im Gegensatz zur europäischen Skepsis gegenüber dem Internet als Weltverbesserungsmaschine, die ein besseres Internet hervorbringen könnte. +++ Komisch, aber unironisch: Marc Hieronimus’ Buch über die Décroissance-Bewegung und den Schritt zur Seite gibt es nun auch als E-Book. (Den aktuellen Lichtwolf über Wurst übrigens auch.)


Intime Interna am 05.07.2017, 19:58 Uhr

Décroissance elektrisch

Ist das nicht ein schöner dialektischer Widerspruch?

Marc Hieronimus: Der Schritt zur Seite

Marc Hieronimus: Der Schritt zur Seite. Postwachstum - Rückgang - Décroissance. Als Taschenbuch mit 328 Seiten für 14,80 Euro oder jetzt auch als E-Book für Kindle und im offenen epub-Format für 6,99 Euro.

Immerhin schreibt Marc Hieronimus nicht unskeptisch auf S. 61 in seinem Buch: „Wer tut, was ihm die Werbung sagt und sich 1.000 Romane auf sein digitales Lesegerät packt, was liest der wohl?“

Nämliches Buch über die Décroissance-Bewegung, ihre Ursprünge im französischen Mai 1968, ihre Vordenker und ihre falschen Freunde gibt es jetzt also auch als E-Book für Kindle und im offenen epub-Format für bloß 6,99 Euro. Das Taschenbuch mit 328 Seiten ist weiterhin für 14,80 Euro zu haben und nun kann man ja streiten, ob der Postversand dem Planeten am Ende mehr oder weniger schadet als der Strom, der beim digitalen Lesen verbraucht wird. (Am besten wäre, wenn „Der Schritt zur Seite“ in allen Büchereien zur Ausleihe bereit stünde; aber mit so einem Titel in deutsche Bibliotheken zu kommen ist noch schwerer als damit in den Buchhandel zu gelangen.)

Wie auch immer, wenn es der Verbreitung dieses werdenden Klassikers dient, wollen wir nicht streiten, sondern uns freuen, wie es auch das Buch vormacht, das lieber für ein fröhliches Leben wirbt als Moralpredigten wider den Konsum zu halten! Die E-Book-Fassung enthält alle 23 Illustrationen sowie eine umfangreiche Bibliographie zum Thema in drei Sprachen und kann quasi augenblicklich auf Ihrem Gerät landen.


Links der Woche am 24.06.2017, 14:50 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 25/17

Menschsein verpflichtet

„Warum soll ich mich um andere Menschen kümmern? Allein deshalb, weil sie meine Mitmenschen sind“, so hebt Klaus Bartels in der NZZ an, um erstmal auf die antike Globalisierung zurückzublicken, als von der Stoa erstmals die Idee der Menschheit gedacht wurde, aus der sich ein das Eigene und das Fremde überschreitendes Gemeinschaftsgefühl und moralische Verpflichtungen ergeben. (24.06.17)

Unn sünst?

Wie man sich in einer Gesellschaft begrüßt, ist eine ziemlich heikle Sache; Tilman Allert zeigt das in seiner Studie „Der deutsche Gruß“, die von der FAZ vorgestellt wird. +++ Die WELT präsentiert uns Wilhelm von Humboldt als einen frühen Prototyp der Generation Y, die die Selbstverwirklichung vor den Karrierismus stellt. +++ Nicht das Staunen, sondern Scheitern und Sinnkrisen stehen am Anfang des aussichtslosen Unterfangens namens Philosophie, wie Helmut Holzhey in seinem Büchlein über Erfahrungen an den Grenzen philosophischen Denkens schreibt, das die NZZ rezensiert. +++ In Zukunft werden Wahlkämpfe eher noch mehr durch digitale Schweinigeleien wie Fake News und Bot-Netze beeinflusst, so eine Studie des „Oxford Internet Instituts“ über automatisierte Propaganda, über die die FAZ informiert. +++ Kein Problem, meint man dagegen in einer anderen Ecke Oxfords: „Fake News“ könnte dem Journalismus zu einer Renaissance und neuem Ansehen verhelfen, mutmaßt der „Digital News Report“, über den die WELT berichtet. +++ Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) hat eine Ethik-Kommission eingesetzt, um moralische Dilemmata des autonomes Fahrens zu erörtern; ihr Bericht liegt nun vor, wie die taz meldet. +++ Der neue Lichtwolf ist da, es geht um die Wurst.


Intime Interna am 21.06.2017, 12:26 Uhr

Der Wurstwolf ist da

Würste und Wurschtigkeit, konkret, metaphorisch, vegetarisch und in zweiendlichen Redewendungen, darum geht es in der aktuellen Sommerausgabe.

Lichtwolf nr. 58 (Wurst)

Lichtwolf Nr. 58 mit dem Titelthema „Wurst“ ist ab sofort erhältlich als Paperback im A4-Format mit 108 Seiten oder als E-Book im epub-Format oder für Kindle.

Konkret geht es um die Wurst, indem z.B. Dutzende von Wurstsorten in unter 800 Zeichen besprochen werden und Produktion sowie Konsumption von Würsten thematisiert werden. Metaphorisch geht es um die Wurst als Überlebensfrage von Mensch und Planet oder als totaler Relativismus, der von der Neuen Rechten mit postmodernen Mitteln propagiert wird. Mit Platons Kratylosdialog wird die Frage erörtert, ob vegetarische Wurst „Wurst“ heißen kann; an anderem Ort geht es ums Verwursten antiker Mythen im Koran. Und dann kommt ja noch der spannende Kofferraum dieser Sommerausgabe, der von der Biene als Viehlosovieh, von der Kleinverlegerlegende V. O. Stomps und vielem mehr handelt. Eine Leseprobe als PDF-Datei gibt es hier.

Das Heft im A4-Format hat 108 Seiten und kostet bloß 8,50 Euro inkl. Versand. Man kann es auch im Abonnement erwerben oder als DRM-freies E-Book zum halben Preis (3,99 Euro), und zwar direkt beim catware.net Verlag im epub-Format oder bei Amazon für den Kindle.


Links der Woche am 17.06.2017, 20:06 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 24/17

Angst essen Demokratie auf

Bernhard Wiens hat bei Telepolis einige Betrachtungen zum Zusammenhang von Angst und Politik aus wahrlich unheimlichen Zeiten zusammengestellt. Allen voran Franz L. Neumann wies nachdrücklich darauf hin, dass Demagogen nur auf den richtigen Moment warten, um das neurotische Unbehagen des modernen Massemenschen in die blinde Tat umzusetzen. (15.06.17)

Digitale Erkenntnistheorie

Ein Roman über Platons Zeitreise ins Google-Hauptquartier und ein Essay über die unterschätzte Bedeutung von Information lassen Adrian Lobe in der NZZ darüber sinnieren, was Wahrheit, Ethik, Philosophie überhaupt im digitalen Zeitalter bedeuten. (16.06.17)

Antike Demagogen

Nochmal Demagogie: Der Althistoriker Stefan Rebenich blickt in der NZZ auf antike Vorbilder heutiger Populisten und Demagogen wie Kleon und die Gebrüder Gracchus zurück. Schon damals sorgten ökonomischen Unwuchten und eine doofe Plebs für den Aufstieg der Volkstribune, deren Amtsführung mehr Schaden als Nutzen anrichtete. (17.06.17)

Neue Bücher

Die FR bespricht die Edition von Victor Klemperers Briefen, die seinen Tagebücher manch zusätzlichen Farbtupfer verleihen. +++ Außerdem stellt die FR Manfred Geiers Doppelbiographie über Wittgenstein und Heidegger vor. +++ Die NZZ rezensiert Beate Rösslers Buch über das unerreichbare Ideal der Autonomie in der Moralphilosophie. +++ Die taz findet, dass man viele rhetorische Kniffe aus Daniel-Pascal Zorns Logikanleitung für Demokraten auch auf sie selbst anwenden kann. +++ Ulrich Brand und Markus Wissen gehen über die Kritik an Greenwashing und maßlosem Konsum hinaus, indem sie den Wahnsinn der imperialen Lebensweise aufzeigen. Der Freitag stellt ihr gleichnamiges Buch vor.

Sonstiges:

Tiere soll man nicht ärgern. Wem das mangels sittlicher Vernunft nicht einleuchtet, den mag überzeugen, wovon die SZ berichtet: Tiere merken sich, wer gemein zu ihnen ist. +++ Der gute alte Cyberspace ist längst auch Kampfzone des Militärs, friedensethische Fragestellungen bleiben hier aber noch unberücksichtigt, wie die taz moniert. +++ Serwus i bims! Was ist das für 1 Sprache vong Internet her? Die WELT erklärt es den stauenden Social-Media-Laien. +++ Marie Mohrmann (sic!) verteidigt im Freitag die zuletzt umstrittenen Critical-Whiteness-Ansätze, indem sie beschreibt, wo diese sinnvoll sind und wo sie eher im Hintergrund bleiben sollten. +++ In zwei Wochen ist Mainzer Minipressenmesse! Jetzt schon einmal die Zugfahrt planen und - um gebührenden Lesestoff zu haben - den Lichtwolf abonnieren, damit sie unterwegs das in drei Tagen in die Briefkästen kommende Heft zum Thema Wurst schmökern können.


Links der Woche am 10.06.2017, 15:32 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 23/17

Universalistisch oder autoritär?

Es ist still geworden um den Akzelerationismus, der vor einer Weile als neuer heißer Scheiß der Philosophie gefeiert wurde. Hannes Stein malt sich in der WELT einen Film über die Cybernetic Culture Unit aus, der diese Denkbewegung entsprang, die ihren Marx schon ganz richtig verstanden hat und heute in einen linken und rechten Flügel zerfallen ist. (05.06.17)

Selbst ist die Frau!

Was macht frau, wenn die Umwelt mit Fragen nach dem Hochzeitstermin nervt, man aber niemanden zum Heiraten findet? Frau ehelicht sich selbst! Über die seltsamen Motive hinter einer Hochzeit und über die „Sologamie“ zwischen Hashtag-Feminismus und Kampf um Selbstliebe schreibt Elvia Wilk in der ZEIT. (07.06.17)

E falso sequitur evaluatio

Für Telepolis unterhält sich Ulrich Herb mit der Wissenschaftsforscherin Terje Tüür-Fröhlich über Zitationsdatenbanken, die als objektives Maß für gute Forschung gelten, aber voller banaler Namensfehler sind, wie sie am eigenen Leib erfahren musste und ein in Anbetracht der Evalutionswut überraschend spannendes Dissertationsthema darin fand. (08.06.17)

Brexit als antiker Hoffnungsschimmer

Wankelmütig sei die Gunst des Volkes, ob nun im antiken Griechenland oder beim Brexit, die der Althistoriker Egon Flaig in einem Vortrag zusammendenkt, wie Patrick Bahners in der FAZ schreibt. Volkssouveränität sei gut und schön, wenn sich die Leute denn tatsächlich als die Verantwortlichen für ihre Gesetzgebung empfinden könnten. (08.06.17)

Für einen Patriotismus neuer Art

Die NZZ beschäftigt sich an diesem Samstag ausgiebig mit dem Thema Migration. Johan Rochel lädt zu einem Rawlschen Gedankenexperiment ein, das von Joseph Carens adaptiert wurde: Welche Migrationsregeln würden wir wählen, wenn wir nicht wüssten, in welchem Land wir leben werden? Die bestehende Politik jedenfalls nicht und schon gar nicht ohne Rechtfertigungsdruck. (10.06.17)

(Mehr zum Argument für offene Grenzen nach Rawls gibt es mit vielen interessanten Links hier.)

Meinung triumphiert über Expertise

Zur populistischen Wissenschaftskritik formiert sich Widerstand in Form einer neopositivistischen Wissenschaftshörigkeit, beobachtet Klaus Benesch bei Telepolis. Besonders der geisteswissenschaftliche Relativismus wird von Wissenschafts- und Expertenfeinden instrumentalisiert, während auf der anderen Seite neoliberale Hochschulpolitik die Glaubwürdigkeit von Wissenschaft und Forschung untergräbt. (05.06.17)

Außerdemchen:

Bei Glanz & Elend bespricht Jürgen Nielsen-Sikora ein philosophisches Lesebuch mit Texten über die Arbeit von Hesiod über Hegel bis Honneth. +++ Tobias Albrecht weist im theorieblog auf Grit Straßenbergers nicht mehr ganz neue Einführung in Hannah Arendts Denken hin und macht sich dabei Gedanken über die schwierige Rezeption ihres philosophischen Werks. +++ Die NZZ stellt Daniel-Pascal Zorns Anleitung „Logik für Demokraten“ dem Klassiker „Wie man mit Fundamentalisten diskutiert, ohne den Verstand zu verlieren“ von Hubert Schleichert gegenüber. +++ Vom 29. Juni bis 2. Juli 2017 findet in der Mainzer Rheingoldhalle die 24. Internationale Buchmesse der Kleinverlage und Handpressen statt. Der Eintritt ist frei und der Lichtwolf ist auch am Start. Also planen Sie ruhig schon mal Ihren Mainztrip!


Links der Woche am 03.06.2017, 14:39 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 22/17

Skynet rising

Beim Thema autonomes Fahren tun sich schon ethische Abgründe auf, wie „intelligente“ Technik z.B. mit dem Trolley-Problem umgehen soll. Florian Rötzer berichtet auf Telepolis vom aktuellen Sachstand im Pentagon, wo man glaubt, das Wesen des Krieges mittels Kampfmaschinen zu ändern, die im Übrigen nun vielleicht doch selbstständig über Leben und Tod entscheiden dürfen. (01.06.17)

Alles Kommunisten!

Manchmal hilft der Blick ins Ausland, um zu verstehen, was läuft: Der gebürtige Pole Matthias Nawrat schreibt in der ZEIT über den Rechtsruck in seinem Geburtsland nebenan. Den Siegeszug der Nationalkonservativen erklärt er mit dem besonderen Kapitalismus in Osteuropa, aber auch mit der Auseinandersetzung mit dem Kommunismus nach der Solidarno??. (02.06.17)

Bücher, Bücher, Bücher

Bei Spektrum wird Bernulf Kanitschneiders „Kleine Philosophie der Mathematik“ empfohlen, die zeigt, wie real und realistisch die Wunder der Mathematik sind. +++ Andreas Bummel und Jo Leinen fordern am Ende einer Geschichte der Demokratie von der Stoa bis Kant die demokratische Weltregierung - die taz ist von ihrem utopischen Sachbuch sehr angetan. +++ Die NZZ bespricht zwei Titel zum/über den „unzeitgenössischen“ Gegenwartskritiker Charles Péguy (1873–1914), auf den sich in Frankreich linke wie rechte Autoren gleichermaßen beziehen. +++ Außerdem findet die NZZ zumindest die erste Hälfte von Mathias Schreibers Essay über den Verrat, den Verräter und deren moralische Ambivalenz (von Prometheus bis Snowden) sehr lesenswert. +++ Ausführlich bespricht Bruno Heidlberger bei Glanz & Elend Volker Weiß’ Studie über die Neue Rechte und ihre autoritäre Revolte.

Das Weitere und Engere:

Von wegen „Skynet rising“ (s.o.): In der FAZ geht es um ein Frühwarnsystem der Bertelsmann-Stiftung, mit dem Künstliche Intelligenz darauf überprüft werden kann, ob und wie man ihr im Ernstfall Einhalt gebieten kann. +++ Reza Jafaris Theaterstück „Heiliger Krieg“ beschäftigt sich an einer Stelle damit, dass Islamisten und Rechte nicht akzeptieren wollen, wenn Menschen, anders sind; was einen lokalen AfD-Politiker Drohmails ans Ensemble schreiben lässt, wie die taz berichtet. +++ Der Biologe Peter Spork berichtet in der FAZ von Studien zur Epigenetik, die die umstrittene These von der Vererbbarkeit von Umweltanpassungen bestätigen. +++ Alain Claude Sulzer erzählt in der NZZ mit ungebrochener Begeisterung von seiner Bibliomanie. +++ Im Uniblog der FAZ geht es darum, wie schwer es trotz der hohen Abbrecherquoten ist, ein Studium, zu dem man nicht passt, vorzeitig zu beenden. +++ Lichtwolf Nr. 58 zum Thema Wurst (u.a. bibliomane Wurst) ist im Druck und für ein schönes Abonnement braucht man keinen Studienabschluss.


Links der Woche am 27.05.2017, 14:23 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 21/17

Aus Freude am Trollen

Für die ZEIT hat sich Francesco Giammarco mit einem 18-jährigen getroffen, der als Troll seinen Hass ins Internet kippte und nun den Ausstieg aus einer Szene versucht, die in den USA eng mit der Alt-Right-Bewegung verbunden ist und ihre Hetze gegen Fremde und pro Trump betreibt. (23.05.17)

Bildungserfolge sind nicht messbar

Wettbewerb ist das Zauberwort der Ökonomen auch in der Bildungspolitik. André Kieserling stellt in der FAZ die Fundamentalkritik des Bamberger Soziologen Richard Münch an dieser Haltung vor, die nichts von den unüberschaubaren Faktoren wissen will, die zu daher kaum vergleichbaren Lernerfolgen beitragen. (23.05.17)

Der Penis war’s!

Ein Philosoph und ein Mathematiker haben den Sokal-Hoax wiederholt, wie Telepolis meldet: Sie konnten einen postmodernen Quatschtext in einem Open-Access-Journal mit Peer-Review-Verfahren unterbringen. Auch die SZ schüttelt den Kopf: Der überelaborierte Zusammenhang zwischen dem Klimawandel und dem Penis als sozialem Konstrukt in der „prä-post-patriarchalischen Gesellschaft“ zeige, dass gerade in den Gender Studies alles veröffentlicht wird, solange es mit Zitaten von Judith Butler und dem fachtypischen Jargon aufgeladen ist.

afd-ostfriesland.de

Anfang Mai hat der catware.net Verlag, in dem auch der Lichtwolf erscheint, die zum Verkauf stehende Domain www.afd-ostfriesland.de erworben. Zwei Wochen gingen ins Land, bis der hiesige zerstrittene AfD-Ortsverband bemerkte, dass die geschassten Vorgänger ihre Domain in die freie Marktwirtschaft zurückgegeben haben (bzw. „in die Hände des politischen Gegners fallen“ ließen). Erst rief die neugierige Lokalpresse hier an, dann machte die Geschichte die große Runde: der NDR und die taz berichteten, alsbald folgten diverse Blogs.

Bücher und so weiter

Nach dem islamistischen Anschlag auf ein Popkonzert in Manchester denkt Maike Brülls in der taz über das ambivalente Verhältnis des IS zum Pop nach. +++ Die FAZ stellt eine Studie von US-Wissenschaftlern vor, die untersucht haben, wie wir uns z.B. bei Kaufentscheidungen von den Erwartungen anderer beeinflussen lassen. +++ Der Freitag weist auf Hans Blumenbergs „Schriften zur Literatur 1945 – 1958“ hin, in denen es immer auch um ihren Autor selbst geht. +++ Die NZZ bespricht ein Büchlein von Peter Schäfer über Gottesvorstellungen in der jüdischen Antike, die zeigen, dass der Monotheismus nicht selbstverständlich ist. +++ Paul Jandl freut sich in der NZZ über eine Renaissance der Utopie in der deutschsprachigen Literatur und stellt einige Titel vor.


Links der Woche am 20.05.2017, 14:01 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 20/17

Check mal deine Privilegien!

Wer als deutsches Weißbrot afrikanische Gerichte kocht, macht sich der „kulturellen Aneignung“ schuldig: Leander F. Badura beschäftigt sich im Freitag mit „Critical Whiteness“ als neuem antirassistischen Blockwartdenken, das auch und besonders innerhalb von emanzipatorischen Bewegungen zu ständig neuen Vorwürfen und Defamierungskampagnen führt, erst recht wenn keine „Trigger-Warnungen“ vorausgeschickt wurden. (17.05.17)

Nichts darf man, außer alles!

Der Berliner Historiker Jörg Baberowski wird von einer trotzkistischen Gruppe als Kulturrassist stigmatisiert. Im Interview mit der NZZ wehrt er sich gegen die Vorwürfe und sieht vielmehr bestimmte Einwandergruppen von Kulturrassismus geprägt. Nicht fehlen darf dann noch die ausführliche Klage, rechts des linksgrünen Mainstreams sei nichts mehr erlaubt. (20.05.17)

Et cetera:

Die FAZ gratuliert zwei Denker(innen) zum 70. Geburtstag, nämlich der „linken Aristotelikerin“ Martha Nussbaum und dem Genusssoziologen Tilman Allert. +++ Die NZZ wiederum schreibt einen Nachruf auf den Vordenker der Diskursethik, Karl-Otto Apel, der mit 95 Jahren gestorben ist. +++ Mladen Gladi? und Christine Käppeler zeichnen im Freitag nach, wie Bini Adamczaks Büchlein über Kommunismus im Kinderzimmer aus Münster seinen Weg zum US-Hassvulkan Breitbart fand (und bald auch den hiesigen Neurechten den Schaum vor den Mund treiben wird). +++ Die FR empfiehlt Jörg Schneiders Ratgeber „So werde ich Nazi - Welcher Extremismus passt zu mir?“. +++ Die SZ portraitiert den NATO-Informatiker Brad Bigelow, der auf seinem Blog Neglected Books Bücher bespricht, die einst (oder auch nie) erfolgreich waren und heute vergessen sind.


Links der Woche am 13.05.2017, 14:46 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 19/17

Die Menge aller verheirateten Junggesellen

Bei Telepolis schreibt Raúl Rojas über das Nichts in der Mathematik in Gestalt der leeren Menge, die in Mathematik und Philosophie über Jahrhunderte umstritten war. Der Höhepunkt der Debatte war mit dem Russell-Paradoxon erreicht, das Frege ent- und andere Denker wie Boole ermutigte, weiter an der Mengenlehre als Grundlage der Logik zu arbeiten. (07.07.17)

Jeder kann zum globalen Dorfdeppen werden

In der ZEIT befasst sich Patrik Schmidt mit der Schadenfreude, die im Zeitalter des Teilens und Likens ganz neue Höhen erreicht. Denn via Handyvideo und Youtube kann jede Peinlichkeit auch von Nichtprominenten die Häme der ganzen Welt auf sich ziehen. Schmidt nimmt das zum Anlass für eine kleine Geschichte des Voyeurismus. (10.05.17)

Spenden für alternative Fakten

Der Betrieb von Kopp Online, dem Nachrichtenportal des gleichnamigen Verlags, ist klammheimlich eingestellt worden. Mladen Gladi? nimmt das zum Anlass, im Freitag auf die Erfolgsgeschichte des Fachverlags für Esoterik und Verschwörungstheorien zurückzublicken und über das mentale Interieur der großen Kopp-Kundschaft zu spekulieren. (10.05.17)

Stimmen im Kopf

Selbstgespräche gehören zum Menschsein dazu - wie auch der schmale Grat zwischen Schizophrenie und lebhafter Innerlichkeit. Hildegard Kaulen hat für die FAZ Charles Fernyhoughs Buch „The Voices Within“ gelesen, der sich wiederum auf den russischen Psychologen Lew Wygotski, demzufolge sich inneres und äußeres Sprechen zusammen entwickeln und jeweils unentbehrliche Funktionen haben. (11.05.17)

Computerisierbar denken

Die These, Programmieren sei eine genauso wichtige Kulturtechnik wie Lesen und Schreiben, findet immer mehr Unterstützer, stellt Adrian Lobe in der NZZ fest. Seltsam wird es, wenn daraus die Forderung wird, das menschliche Denken dem Computer anzupassen, und letzte Fragen mit dem richtigen Algorithmus ein für alle Mal zu beantworten. (12.05.17)

Lesen und backen

Vor dem anstehenden 125. Geburtstag Walter Benjamins weist Erhard Schütz im Freitag auf einige Neuerscheinungen zum/vom Aura-Denker hin. +++ Alles rauscht und fließt: Die NZZ bespricht fasziniert Gunter Scholtz’ „Philosophie des Meeres“, das seit jeher Chance und Bedrohung ist. +++ Zum Erscheinen des Essays „Die Moral des Krieges. Für einen aufgeklärten Pazifismus“ unterhält sich die FR mit einem der Autoren, Wilfried Hinsch, darüber, wann ein Militäreinsatz moralisch geboten sein kann. +++ Der Soziologe Austin Choi-Fitzpatrick hat ein Buch darüber geschrieben, was heutige Sklavenhalter denken; im Interview mit der SZ erzählt er von den Ausbeutern, die er bei der Recherche kennengelernt hat. +++ Zu guter Letzt: eine Torte für Bernard-Henri Lévy.


Links der Woche am 06.05.2017, 13:53 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 18/17

„Entropie des Meinens“

In der NZZ beklagt Paul Jandl den Niedergang der Streitkultur in beschleunigten und unübersichtlichen Zeiten, in denen jeder eine Meinung und keine Ahnung hat. Die Intellektuellen machen es kaum besser, indem auch sie nur noch über ihr jeweiliges Steckenpferd monologisieren. Eine Entschleunigung der publizistischen Debattenräume tut Not. (03.05.17)

Frühjahr- statt Sommersemester, bitte!

Nirgendwo währt die vorlesungsfreie Zeit so lang wie an deutschen Unis, bloggt Niklas Záboji bei der FAZ und plädiert zum zehnten Jubiläum des gescheiterten Versuchs einer „Harmonisierung der Semesterzeiten“ für Vorlesungen ab Anfang März und Anfang September, wie sie überall im Ausland üblich sind. (04.05.17)

Was der Multikulturalismus übersieht

Bei Telepolis beschäftigt sich Karl Kollmann mit dem Soziologen Zygmunt Bauman und Begriffen wie Freund, Feind und Fremder vor dem Hintergrund der „Flüchtlingskrise“. Das tut nötig, weil schon der Begriff des „Sozialen“ im Alltagsdiskurs allenfalls schwammig verwendet wird; die Erfahrungen von Zugezogenen schärfen den Blick dafür, wie schwer es mit dem „Sozialen“ geht. (05.05.17)

Morgen in Frankreich

Am morgigen Sonntag findet in Frankreich die Stichwahl ums Präsidentenamt zwischen Emmanuel Macron und Marine Le Pen statt. Die WELT unterhält sich mit Tristan Garcia, „dem neuen Vordenker der jungen Franzosen“, darüber, wie schwer sich Linksintellektuelle mit dem „identitätspolitischen Backlash“ und mit Macron als kleinerem Übel tun. Auch die ZEIT bittet einen schlauen Franzosen zum Interview, nämlich den Philosophen und Mathematiker Denis Bonnay, der die ambivalente Wirkung von Meinungsumfragen und Wahlaufrufen erklärt.

Außerdemos von Sonstnochos:

Die NZZ sieht mit dem Band „Die grosse Regression“ das linke Denken auf den Hund gekommen und empfiehlt stattdessen Kaspar Villigers Kampfschrift gegen den „Sozialdemokratismus“, der uns alle so furchtbar erdrückt. +++ Der Freitag weist auf den Horrorfilm für Selbstoptimierer, „Erfolgreich Scheitern“ hin, der neulich auf 3sat lief. +++ In München werden, wie die FAZ meldet, wertvolle Bücher und Autographen versteigert - darunter ein Typoskript der Vortragsfassung von Heideggers Freiburger Antrittsvorlesung „Was ist Metaphysik?“. +++ Außerdem gratuliert die FAZ dem konservativ-katholischen Denker Robert Spaemann zum 90. Geburtstag. +++ Sibylle Anderl glossiert im Wissensteil der FAZ launig über eine Studie zur Ehrenrettung von Sorgen und Pessimismus. +++ In der WELT empfiehlt Denis Scheck Ovids „Metamorphosen“ für seinen Kanon. +++ Die NZZ stellt Heinrich Meiers Auseinandersetzung mit Nietzsches Zarathustra als philosophisches Experiment der Selbsterkenntnis und -verstellung vor. +++ Hazel Brugger macht im Magazin ihrem Unmut Luft, mit anderen jungen Frauen in einen Topf geworfen zu werden, und dem Feminismus darum in den Rücken fallen zu müssen.


Links der Woche am 29.04.2017, 14:23 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 17/17

Masseneffekte statt Ideologien

Nicht nur in Frankreich zeigt sich die seit 1990 erwartete Auflösung der Ideologien, schreibt Adrian Lobe in der ZEIT: Die Populisten dieser Welt brauchen weder Visionen noch Weltbild, um an die Macht zu kommen, sondern die zynische Bereitschaft, jedes der vervielfältigten Weltbilder in ihrer Anhängerschaft rhetorisch zu bedienen. (25.04.17)

Krimis und Verschwörungstheorien

Der Wahn wird mit Bildern von außen möbliert. Der Schriftsteller Guido Eckert fragt sich (und einige Kollegen) im Freitag, ob u.a. seine Zunft dazu beigetragen hat, dass anscheinend immer mehr Leute ernsthaft glauben, in einem Thriller voller Verschwörungen und dunkler Machenschaften zu leben. (26.04.17)

Friedensschrift ohne Leser

Christian Thomas portraitiert in der FR den Humanisten und Aufklärer Erasmus von Rotterdam, der vor 500 Jahren gegen den Krieg anschrieb und damit scheiterte, weil er einfach zu früh dran war: Pazifismus war im kriegerischen Europa des Mittelalters und seinen Lautsprechern wie Luther verpönt. (28.04.17)

Gendermüdes Neobiedermeier

Die 68er wollten alles sein, nur nicht Spießer, wurden damit aber auch nicht glücklich. Cora Stephan versucht in der NZZ darum eine Ehrenrettung spießiger Tugenden wie Ernst, Manieren und Monogamie, die gerade eine Renaissance erfahren, auch wenn oder gerade weil ihre Anhänger von der bösen „Gender-Elite“ gemaßregelt werden. (29.04.17)

(Eine schönere Verteidigung des Spießertums lieferte Marc Hieronimus in Lichtwolf Nr. 53 („Schloch“)...

Unn sünst?

Die taz weist auf Jeanette­Erazo Heufelders Biographie des Mäzens der Frankfurter Schule, Felix Weil hin. +++ Christoph Egger hat sich im Antiquariat ein Schriftsteller-Lexikon von 1882 gekauft und schwärmt in der NZZ von einer literarischen Welt vor unserer Zeit. Freunde vergessener Autoren schätzen die Lichtwolf-Reihe „Lebende & Leichen“, aus der Michael Helmings „Leichen treppauf“ ausgekoppelt worden ist. +++ Claus Leggewie zeigt sich in der SZ wenig überzeugt von Jason Brennans Argumenten dafür, dass regiert zu werden den meisten Leute besser tut als politische Teilhabe, für die ihnen die Kompetenz fehlt. +++ Im Freitag bekundet Ulrike Baureithel, bei den Science Marches der letzten Woche einen (selbst-)kritischen Blick auf den Wissenschaftsbetrieb vermisst zu haben.


Links der Woche am 22.04.2017, 12:38 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 16/17

Das sind doch wir!

Die „verallgemeinerte Logik aus Zeiten, als Neue Sozialen Bewegungen [...] gegen Staat und Atom-, Rüstungs- und Ölindustrie antraten, wiederholt das Motiv vom Verblendungszusammenhang, hinter dem finstere Mächte am Werk sind“, hieß es in LW51 über den seltsam vertrauten Sound rechtspopulistischer Medien- und Systemkritik. Auch die taz fühlt sich an ihre Anfänge erinnert, besteht aber darauf, dass sich Dutschke und Höcke nicht nur im Vokabular unterscheiden. (15.04.17)

Die Mauer als Grenze und Zeichen

Dominik Irtenkauf beschäftigt sich bei Telepolis mit dem Mauerbau in der Politik und der Geschichte. Populär ist und in ihrer Funktion gewandelt hat sich die Chinesische Mauer. Die Grenze zwischen den USA und Mexiko erinnert (noch) an den Limes statt an Berlin, dessen Mauer sich heute wiederum in Beton zwischen Israel und Palästina und in der Mentalität zwischen Ossis und Wessis wiederfindet. (17.04.17)

Diesen Relativismus haben „wir“ nicht gewollt

Nun muss auch noch Karl-Heinz Ott in der NZZ den linksliberalen Anhängern des postmodernen Denkens von Offenheit und Vielfalt vorhalten, sie seien für die Geringschätzung von Wahrheit verantwortlich, die Trump ins Weiße Haus brachte. Ganz so harmlos waren die relativistischen Gedankenspielchen mit Nietzsche und den ganzen Poststruktralisten anscheinend doch nicht... (19.04.17)

Les sciences marchent

Am heutigen Samstag gehen weltweit Menschen auf die Straße, um „dafür zu demonstrieren, dass wissenschaftliche Erkenntnisse als Grundlage des gesellschaftlichen Diskurses nicht verhandelbar sind“, wie es beim Science March Germany heißt. In der ZEIT erzählen fünf Wissenschaftler, warum sie mitmarschieren. Die FR schreibt über ein Facebookvideo, in dem der populäre Astrophysiker Neil DeGrasse Tyson erklärt, was wissenschaftliche Wahrheit ist, ob man nun daran glaubt oder nicht. Auch im Fall der Proteste gegen die geplante Schließung der Central European University in Budapest, über die die FAZ berichtet, geht es nicht nur um akademische Arbeitsplätze, sondern um die Verteidigung des Pluralismus in autoritären Zeiten.

Bücher und Wahlen

Seit Trumps Amtsantritt haben Bücher Konjunktur, die sich die USA literarisch als Fascho-Staat ausmalen und lange in den Regalen verstaubten. Jan Wilm stellt in der NZZ eine Auswahl vor; eine ausführliche Reise durch die Welten kontrafaktischer Nazi-Romane unternahm Bdolf bekanntlich in Lichtwolf Nr. 45 und Nr. 46. +++ Die ZEIT weist hin auf den jüngst edierten jahrzehntelangen Briefwechsel zwischen Martin Heidegger und seinem Schüler und frühen Kritiker Karl Löwith. +++ Die taz dagegen freut sich, dass kurz vor den französischen Präsidentschaftswahlen das komplette Werk Lacans auf Deutsch erhältlich ist. +++ Just über die Wahlen links des Rheins unterhält sich die NZZ mit dem „Frankreich-Kenner“ Peter Sloterdijk. +++ Gustav Seibt zeigt sich in der SZ unzufrieden mit dem Essayband „Die große Regression“, worin sich linke Denker mit der wachsenden Unruhe in diesen Zeiten beschäftigen - überheblich im Ton und unter Aussparung der Digitalisierung. +++ Der Tagesspiegel wiederum unterhält sich mit Jason Brennan, der in seinem neuen Buch dafür plädiert, das Wahlrecht auf informierte und rationale, also qualifizierte Bürger_innen zu beschränken. Um die Frage nach der Qualifikation für politische Teilhabe geht es übrigens auch im aktuellen Lichtwolf. +++ Rolf Dobelli rät in seiner NZZ-Kolumne, dem Handeln öfter mal den Vorzug vor dem Nachdenken zu geben.


Links der Woche am 15.04.2017, 14:00 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 15/17

Das Unbehagen in der Netzkultur

Die taz bringt einen Text des Medientheoretikers und Netzaktivisten Geert Lovink, in dem er nicht nur seiner Ernüchterung über das Internet Ausdruck verleiht: Es gibt weder räumliche noch zeitliche Ordnung, nur wird alles immer schneller und immer mehr. An der herrschenden „Kultur der Gleichgültigkeit“ gegenüber der Verschmelzung von Macht und Marketing sind u.a. die Medien schuld. (08.04.17)

Sokrates als Jesus-Prototyp?

Mal was Passendes zu den Feiertagen: Der Wiener Theologe Jan-Heiner Tück fragt in der NZZ, ob Platon in der Politeia etwa die Passionsgeschichte vorweggenommen hat. Denn der wahrhaft, nicht nur scheinbar Gerechte müsse mit dem Hass der Menge rechnen, erklärt Sokrates darin. Das Frühchristentum entdeckte diese Stelle dann schnell für sich und ihre(n) Märtyrer der Wahrheit. (12.04.17)

Die stets das Böse will und stets das Gute schafft.

Roman Bucheli denkt in der NZZ über die aktuelle im regen Gebrauch befindliche Phrase, „alles stehe Kopf“. Zunächst zieht er die Neurologie unserer Sehgewohnheiten und den Maler Georg Baselitz heran. So, wie dieser jene durchbrach, versuchen heute Reaktionäre wie Botho Strauß und neurechte Demagogen mit Überraschung und die Überrumpelung Unruhe zu stiften, worin eine Chance liegt. (12.04.17)

Rechter Rationalismus

Mark Siemons stellt in der FAZ die „Neoreaktionäre“ oder „NRx“ als technologische Avantgarde des US-Konservatismus vor. Sie scheißen auf Traditionen und Werte, sehen vielmehr in Computerlogik, Akzelerationismus und Transhumanismus die Zukunft, die freilich eine ziemlich autoritär-darwinistische sein wird, in der die Unterscheidung zwischen „Hergestelltem“ und „Gewordenem“ verwischt ist. (14.04.17)

„Völkerpsychologie, Geschichtsmythologie und Abendlandkitsch“

Nils Markwardt würde in der ZEIT das Verhältnis von Rechtspopulisten zur Wahrheit weniger postfaktisch als präfaktisch nennen. Denn sie liefern den identitär Herausgeforderten eine voraufklärerische Wir-Erzählung, wie Markwardt an den Remythisierungsversuchen einiger neurechter Vordenker der Heimatliebe zeigt. (15.04.17)

Bücher, Bücher, Bücher

Die taz spricht mit Laurent Binet über seinen Roman „Die siebte Sprachfunktion“, in dem Politik und Philosophie der frühen 1980er - der sterbende Strukturalismus und der erwachende Neoliberalismus - die eigentlichen Protagonisten sind. +++ Denis Scheck empfiehlt in der WELT voll des Lobes Thoreaus „Walden“ für jeden Kanon. +++ Die NZZ stellt zwei neue Schriften zur Ästhetik von Hartmut Böhme und Wolfgang Welsch vor, die in der Kunst das Bindeglied zwischen Natur und Kultur sehen. +++ Die FAZ unterhält sich mit dem Kittler-Schüler Marcel Beyer, in dessen Buch „Das blindgeweinte Jahrhundert“ Guido Knopp schildert, wie Adorno nach dem „Busenattentat“ geweint haben soll.

Sonstiges:

Christoph Winder freut sich im Standard, dass der französische Präsidentschaftskandidat Emmanuel Macron sich mit Philosophie beschäftigt statt wie andere Politiker*innen „am unteren Ende der geistigen Kapazitäten der Wählerschaft, knapp an der Imbezillitätsgrenze, Maß zu nehmen“. +++ Auch Roger Köppel - Chef der Weltwoche und Abgeordneter der rechtspopulistischen SVP - beschäftigt sich mit Philosophie, aber nur vor Ostern, und erinnert sich daran, wie er Richard Rorty für sich entdeckte und von ihm die Abneigung gegen „Gutmenschen“ lernte. +++ Die FAZ ist erleichtert, dass der von Trotzkisten verfolgte Historiker Jörg Baberowski die Solidarität seiner Kolleg*innen verhält. +++ Bei Deutschlandradio Kultur gibt es ein Gespräch mit Tatjana Noemi Tömmel über die Liebe in der Philosophie von Augustinus bis Hannah Arendt. +++ Apropos Radio: Heute Abend ab 23:05 Uhr gibt es im Deutschlandfunk die lange Nacht der Wolken zu hören.


Links der Woche am 08.04.2017, 13:55 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 14/17

Von der kritischen zur paranoischen Vernunft

René Scheu denkt in der NZZ über den paranoischen Politstil (Richard Hofstadter) nach, wie er in der Türkei und in den USA gepflegt wird. Establishment, tiefer Staat und andere verschwörungstheoretische Signalwörter sind Ausfluss einer Haltung, die Kant auf eine „rasende Vernunft“ zurückführte. (05.04.17)

Kaum Gärtner in wuchernden Textwelten

Der Germanist Jochen Hörisch bemerkt in der NZZ ein Phänomen, das einer Zeitschrift wohlvertraut ist, die bald mehr Autoren als Abonnenten hat: Dass alle schreiben wollen und keiner mehr lesen mag, nimmt Hörisch zum Anlass einer Meditation über das Verhältnis von Sprache und Sein, über Fundamentalismus und automatische Textverarbeitung. (06.04.17)

Vom Affen sprechen lernen

Tom Appleton geht bei Telepolis in einem zweiteiligen Essay der Frage nach dem Ursprung der Sprache nach - davor kommt aber gründliche Affenkunde. In Teil I begibt er sich zunächst in die Literaturgeschichte, um zu sehen, wie etwa Edgar Allen Poe sich unsere affige Verwandtschaft vorstellte. In Teil II geht es darum, dass uns die Menschenaffen - an denen die Entstehung unserer Sprache zu studieren wäre - heute fremder denn je sind. Weitere Teile folgen.

Außerdemchen:

Zum 1. April erwog die FAZ die ganz und gar nicht alberne Frage, ob Katholiken, die beim Gottesdienst ganz unsymbolisch den Leib Christi zu sich nehmen, Veganer sein können. +++ Der Freitag stellt die von Mathias Greffrath herausgegebene Essaysammlung über Marxens Kapital im 21. Jahrhundert vor. Die Beiträge waren (und sind) auch in der Reihe „Essay und Diskurs“ des Deutschlandfunks zu hören. +++ Die NZZ wundert sich über den Erfolg von Oliver Nachtweys Abstiegsgesellschaftsdiagnose über das „Aufbegehren in der regressiven Moderne“. +++ Claus Leggewie hat für die SZ einige aktuelle Bücher über die AfD, die neue Rechte, die autoritäre Revolte und konservative Revolution gelesen. +++ Die FAZ weist auf Pascal Bruckners bislang nur auf Französisch vorliegende Auseinandersetzung mit dem Vorwurf der „Islamophobie“ hin, der jede Kritik an der Religion unterbinde. +++ Die WELT freut sich über die Digitalisierung der Reise-Tagebücher Alexander von Humboldts durch die Staatsbibliothek zu Berlin. +++ Die FAZ stellt die Studie des Soziologen Andrew Abbott zu möglichen Reaktionen auf die Akademikerschwemme in den Industrienationen vor.


Links der Woche am 01.04.2017, 13:53 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 13/17

Der Poststrukturalismus kommt zurück

Die Marxisten und Existentialisten dominierten Frankreichs intellektuelle Szene etwa bis 1968 - dann übernahmen die Poststrukturalisten das Ruder. Klaus Birnstiel, der das Standardwerk zum Poststrukturalismus geschrieben hat, erklärt im Freitag, wie das ablief und zu einem kleinlichen Ende kam, auf das gerade die Renaissance zu folgen scheint. (29.03.17)

Die große Weigerung des Problemgeschlechts

An den US-Präsidenten Trump und Obama macht Walter Hollstein in der FAZ fest, dass der Mann überhaupt in Verruf geraten ist. In der Bildung und auf dem Arbeitsmarkt ist er der große Emanzipationsverlierer und droht - abgehängt und orientierungslos - zu einem sozialen und politischen Problem zu werden, das auch schon einige Feministinnen bemerken. (29.03.17)

Neue Bücher

Wie auf den Poetry-Slam-Trend die witzigen Bücher folgten, ist es auch nach dem Science-Slam-Trend: Die NZZ stellt die Versuche vor, einen zweiten „Darm mit Charme“ in die Bestsellerlisten zu stellen. +++ Der Freitag bespricht diese Woche eine ganze Reihe von Sachbüchern, unter denen zwei empfohlen seien: ZEIT-Journalist Gero von Randow versucht in seinem Buch, den Pathos der Revolution zu bewahren - vom Pariser Mai 1968 bis zum Arabischen Frühling. Die Ethnologin Jeanette Erazo Heufelder wiederum geht in ihrer „Wirtschaftsgeschichte der Frankfurter Schule“ der Frage nach, woher eigentlich das Geld für Horkheimer, Adorno und Co. kam. +++ Vergessen Sie nicht, den aktuellen Lichtwolf zu bestellen und zu besprechen!

Das Weitere und Engere:

Botho Strauß gibt sich mal wieder kulturkritisch, worin man bei der FR aber nur Ressentiment zu erkennen vermag. +++ In der taz ist zu lesen, wie Aktivisten in Köln via Adbusting öffentliche Litfaßsäulen zurückerobern wollen. +++ Noam Chomsky glaubt, dass Donald Trump seine Wähler im Stich lassen wird, meldet die FAZ. Ausführlich erklärt Chomsky das im Interview mit Alternet. +++ In Skandinavien verzichten viele Medien auf Aprilscherze und die SZ erklärt, dass es die traditionellen Falschmeldungen in Zeiten von Fake News und „Lügenpresse“-Geschrei schwer haben.


Links der Woche am 25.03.2017, 11:36 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 12/17

Früher war alles gut.

Der politische Erfolg rückwärtsgewandter Populisten ist auch dem menschlichen Hang zur Nostalgie verschuldet, mit dem sich Mohsin Hamid im Freitag beschäftigt. Der Mensch ist einerseits äußerst anpassungsfähig, andererseits stressen ihn Veränderungen. Ohne gibt es aber keine Zukunft, und für deren Ankunft helfen Phantasie und Träume eher als die Idealisierung des Vergangenen. (22.03.17)

Laaangweilig!

Matthias Kalle, stellvertretender Chefredakteur des ZEITmagazins, hat ein Buch über die bzw. seine Jugend geschrieben. In seinem Magazin fragt er sich, ob seine Jugend wirklich von in heutigen Tagen geradezu erholsam wirkender Langeweile geprägt war und was Langeweile überhaupt ist (physiologisch und philosophisch)... (22.03.17)

Populisten auf Logik festlegen

Der Populismus immunisiert sich mit seiner Krawallform gegen Widerspruch, da sich besonnene Demokraten erst auf ihn einlassen müssten. Wie man das macht, beschreibt Daniel-Pascal Zorn in seiner Anleitung „Logik für Demokraten“, die von Harald Staun in der FAZ ausführlich vorgestellt wird. (24.03.17)

Raus aus der Komfortzone

In den USA ist das „Affirmative Consent Kit“ beliebt, das die Einvernehmlichkeit des Geschlechtsverkehrs dokumentiert - worüber Slavoj Žižek in der NZZ den Kopf schüttelt: Statt durch Kontrollverlust ist Sex nun durch Bürokratie und Schutzklauseln geprägt. Und das ist nicht der einzige Auswuchs einer politischen Korrektheit, die Probleme, Ambiguitäten und Konflikte zum Verstummen, aber nicht zum Verschwinden bringt. (25.03.17)

Et cetera:

Der Standard unterhält sich mit Raoul Peck, dem Regisseur von „Der junge Marx“ über das Kapital und Marxens Europa. +++ Matthias Heine hat für die WELT fleißig zusammengetragen: Zum einen die von David Tripolina aufgestellt Liste von 333 (angeblich) unübersetzbaren Wörtern, zum anderen die schönsten Nazivergleiche von Kurt Schumacher über Reinhard Mey bis zu Erdo?an. +++ Gute Nachrichten für unsere Leserschaft: Der Trend geht zur Sapiosexualität, schreibt Nora Belghaus im Freitag, hält aber manche Enttäuschung für diejenigen bereit, die auf Clickbaiting mit Intelligenz reinfallen. +++ Lucas Vogelsang ist in den Wedding gezogen, den die meisten Deutschen als „Problembezirk“ meiden, und hat darüber geschrieben, was in solchen und anderen bunten Stadtteilen eigentlich deutsch ist; der Freitag stellt das Buch „Heimaterde“ vor.

Der neue Lichtwolf

Lichtwolf Nr. 57

Lichtwolf Nr. 57 zum Thema „Der Adel und du“ ist diese Woche erschienen. Es ist wieder ein sehr schönes Heft mit 112 dicht beschriebenen Seiten im A4-Paperback ohne Werbung geworden, das inkl. Versand 8,50 Euro kostet. Alternativ gibt es die Frühlingsnummer auch als DRM-freies E-Book für Kindle und im epub-Format, was bloß 3,99 Euro kostet. Reingucken kann man in Bdolfs Propädeutikum und Schneideggers Analyse der neofeudalen Pöbelherrschaft in den USA, das alles gern auch als PDF-Leseprobe. Das ist eine gute Gelegenheit, sich für nicht mal 30 Klötze ein Jahr lang Lichtwölfe nach Hause kommen zu lassen!



Links der Woche am 18.03.2017, 13:09 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 11/17

Sie machen sich die Welt, ...

...wie sie ihnen gefällt: In der ZEIT (und zuvor auf der Münchner Sicherheitskonferenz) macht sich der israelische Schriftsteller David Grossman Gedanken über das kindliche Verhältnis von Rechtspopulisten zu Wahrheit und Realität, das, wenn es zum herrschenden wird, alle anderen verrückt wirken lässt. Literatur jedoch kann in einer solchen aus den Fugen geratenen Welt das Menschliche noch zusammenhalten. (13.03.17)

Komplexitätsreduktion durch Lärm

Für die NZZ unterhält sich Peer Teuwsen mit dem Psychoanalytiker und Schriftsteller Jürg Acklin über die gegenwärtige Wiederkehr des autoritären Charakters (nach Fromm, Mann und Adorno) allenorts. Dessen offen zur Schau gestellte Schamlosigkeit rührt an antizivilisatorische Reflexe der existentiell überforderten und zugleich gelangweilten Narzissten. (17.03.17)

Außerdemos von Sonstnochos:

Auch die NZZ bespricht Lorenz Jägers Walter-Benjamin-Biographie und zeigt sich ganz begeistert von dem Werk über „den Unvollendeten“. +++ Die NZZ stellt außerdem Karlheinz Stierles Buch über das Entstehen der Moralistik als Dialog mit dem Leser bei Montaigne vor. +++ Der Wissenschaftsverlag De Gruyter will Philosophie unter Altertumswissenschaften subsumieren, was Jürgen Busche im Freitag zu einer Kolumne über Alt-Griechisch und harmloses Studieren veranlasst. Und inzwischen hat De Gruyter nach Protesten klargestellt, den Bereich Philosophie doch erhalten und weiterentwickeln zu wollen. +++ Der Hegelianer und Donaldist Franz Schuh bringt zu seinem 70. Geburtstag ein Buch über das Glück heraus, das genauso essayistisch, autobiographisch, fragmentarisch und aphoristisch geraten ist wie seine diversen Vorgänger und das von der NZZ mitsamt des Autors portraitiert wird. +++ Professionen wie Arzt, Lehrer oder Anwältin leben von Vertrauen und Standesethos; die neoliberalen Versuche, sie zu bloßen Dienstleister zu reduzieren, scheitern an der Weigerung der Klienten, sich als bloße Kunden zu verstehen, wie die FAZ berichtet.


Links der Woche am 11.03.2017, 14:25 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 10/17

Die Last mit dem Lesen und Schreiben

Für die FAZ wägt Thomas Thiel Nutzen und Nachteil des Reformplans zum Wissenschaftsurheberrecht ab, der Forschung und Lehre die weitgehend kostenlose Nutzung von Texten einräumen soll. Verlags- und Wissenschaftsinteressen kollidieren auf der einen Seite, auf der anderen machen Sparzwang und Publikationsflut eine Reform des universitären Bibliothekswesens nötig. (08.03.17)

Humor, Distinktion und Identität

Im Uniblog der FAZ weist Felix Simon auf unterhaltsame Internet-Angebote hin, die mitnichten bloß der studentischen Prokrastination dienen: „Shit Academics Say“, „Research Wahlberg“ und „Lego Grad Student“ sind bei großen und kleinen Wissenschaftlern beliebt, weil ihr Humor nur Insidern des absurden akademischen Betriebs verständlich ist und jene so ihrer Zugehörigkeit zu dieser versichert. (10.03.17)

„Awkwardness, confusion and contradiction“

Andrea Köhler portraitiert in der NZZ den umtriebigen Agenten und Herausgeber John Brockman als „kulturellen Impresario“, der - geprägt von der Hippie-Bewegung - auf seinem „Cyber-Portal“ edge.org Geistes- und Naturwissenschaft sowie Kunst und Technologie zu einer „dritten Kultur“ zusammenschweißt. (11.03.17)

Demokratisches Denken im globalen Trumpistan

In der NZZ denkt Christine Abbt mit Harriet Taylor und John Stuart Mill über das Verhältnis von demokratischer Mehrheitsherrschaft und individueller Freiheit nach - und welche Rolle die Identität dabei spielt. In der ZEIT beobachtet der Schriftsteller Norbert Niemann dieselbe „Verbindung einer marktschreierischen Öffentlichkeit mit skrupelloser Bereicherung und opportunistischer Demagogie“, gegen die Karl Kraus vor 100 Jahren anschrieb. In der ZEIT erklärt Nils Markwardt den Aufstieg des Aufschneiders Trump mit dem Boom des konservativen Talk-Radios, die in den USA die Speerspitze im zynischen Kampf gegen die Relevanz von Vernunft und Tatsachen waren. Uwe Justus Wenzel fragt sich in der NZZ, ob Trump nur ein nützlicher Idiot des rechtsradikalen Chefstrategen Stephen Bannon ist. Thomas Assheuer schließlich hat in der ZEIT ein Wörterbuch rechtspopulistischen Sprechens und Denkens angelegt.

Unn sünst?

Im Gespräch mit Telepolis erklärt der Soziologe Robert Schmidt, was „symbolische Gewalt“ nach Bourdieu ist und welche Rolle sie dabei spielt, sich das Beherrschtwerden gefallen zu lassen. +++ Die SZ unterhält sich mit August Diehl, der im Kino den jungen Marx spielt (Georg Seeßlen bespricht den Film bei Glanz & Elend.), darüber, wo der echte Marx richtig und wo er falsch lag. +++ Die FAZ berichtet von einem sozialwissenschaftlichen Experiment, das nahelegt: Menschen sind durchaus bereit, auf etwas zu verzichten, um eine von ihnen angerichtete Sauerei aufzuräumen. +++ Apropos: Marc Hieronimus erklärt auf postwachstum.de, worum es in seinem Buch „Der Schritt zur Seite“ geht, das sie direkt beim catware.net Verlag bestellen können.


Links der Woche am 04.03.2017, 14:32 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 09/17

Der Trend geht zur Irritationsvermeidung

Im Freitag beschäftigt sich der Literaturwissenschaftler Ralf Klausnitzer mit der wachsenden Wissenschaftsfeindlichkeit sowie mit der Reaktion von Peter Strohschneider, dem Präsidenten der DFG: Zwar kann der sich erklären, warum immer mehr Leute von einer komplexen Welt nichts wissen wollen, andererseits hat er keine Idee, wie man ihre „Irritationstoleranz“ steigern könnte. (27.02.17)

Edel, hilfreich, gut? Lieber nicht.

Anderen grundlos zu schaden ist unmoralisch und unvernünftig, trotzdem machen Menschen es. Der Neurowissenschaftler Steven R. Quartz erklärt in der NZZ mit Beispielen aus Geschichte und Spieltheorie, warum antisoziales Verhalten aus Ressentiment, Neid und Böswilligkeit besonders vor dem Hintergrund von Ressourcenmangel und Konkurrenzdruck wahrscheinlicher wird. (04.03.17)

Sonstiges:

Die NZZ empfiehlt den Essay des NYT-Filmkritikers Anthony O. Scott über die Kunst des feinen Urteils, die u.a. im Mut besteht, zu ent- und unterscheiden und dabei das Risiko des Irrtums in Kauf zu nehmen. +++ Die taz stellt Gisela von Wysockis autobiographischen Adorno-Roman „Wiesengrund“ vor, in dem es auch um die Empfänglichkeit des Frankfurters für weibliche Reize geht. +++ Für Glanz & Elend hat Jürgen Nielsen-Sikora die Walter-Benjamin-Biographie von Lorenz Jäger gelesen und zeigt sich zufrieden, aber nicht glücklich mit dem Werk. +++ Pünktlich zu Thoreaus 200. Geburtstag gibt es „Walden“ als tiefenentspanntes Computerspiel, wie die FAZ meldet. +++ Und apropos andere Medien als Bücher: Dass „Der junge Karl Marx“ gerade in gehobenen Programmkinos läuft, haben Sie ja sicher schon mitgekriegt. +++ In gut zwei Wochen erscheint Lichtwolf Nr. 57 mit dem schönen Titelthema „Der Adel und du“. Als Abonnentin haben Sie das Heft pünktlich zum Frühlingsbeginn im Briefkasten.


Links der Woche am 25.02.2017, 17:22 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 08/17

Revolutionäre Zeiten

Revolution, du Donnerwort, ruft Gero von Randow in der ZEIT aus und überlegt, sogleich ernüchtert, was der Begriff - mit dem er Körperlichkeit, Depression und Enthusiasmus, Gewalt und Befreiung verbindet und dem er ein Buch gewidmet hat - heutzutage überhaupt noch bedeutet. (23.02.17)

Ein Leninist im Weißen Haus

In der NZZ fragt sich Uwe Justus Wenzel, was Trumps Chefberater Stephen Bannon mit seiner Selbstbeschreibung als Sun-Tzu lesender Leninist meint. Ist das Chaos im Weißen Haus vorgetäuscht oder gar erwünscht, um mittels Shock-and-Awe-Taktiken den Staat widerstandslos zerstören zu können? (25.02.17)

Außerdemchen:

Der Freitag bespricht das posthum veröffentlichte letzte Buch des Kulturwissenschaftlers und Begründers des (tödlich deprimierenden) kapitalistischen Realismus Mark Fisher. +++ Die NZZ stellt die dreibändige Edition der Briefwechsel von Karl Jaspers als publizistische Großtat vor, die u.a. den Abgrund von Heideggers Nationalsozialismus erhellen hilft. +++ Die FAZ berichtet über eine Studie, die untersucht, ob und wie wissenschaftliches Renommee von der Uni auf die Absolventen abfärbt. +++ Der Historiker Julien Reitzenstein hat wegen einer Rezension seines Buches den Anwalt auf das Fachblatt H-Soz-Kult gehetzt und es gezwungen, die Besprechung vom Netz zu nehmen. Auch die FAZ kommentiert den ziemlich unwissenschaftlichen Fall, der als Bumerang auf Reitzenstein zurückkommen könnte. +++ Jan Drees unterhält sich für den Tagesspiegel mit dem Kulturwissenschaftler Fritz Breithaupt über die dunkle Seite der Empathie von Nietzsche bis Trump.


Links der Woche am 18.02.2017, 14:33 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 07/17

Schluss mit dem Wohlfühldiskurs!

René Scheu hat sich durch die Lektüre von Carlo Strenger an die Historizität des Liberalismus erinnert. In der NZZ ruft er nicht ohne elitären Gestus dazu auf, das bisherige Zivilisationsmodell nicht für selbstverständlich zu halten und damit aufs Spiel zu setzen, sondern es durch tätigen Einsatz gegen politisch-korrekte „Denk“verbote am Leben zu erhalten. (14.02.17)

Machiavelli als Berufsbild

Ohne Stephen Bannon und Kellyanne Conway beim Namen zu nennen, weil er sich nämlich ganz auf die Renaissance konzentriert, schreibt Peter Sloterdijk elendslang in der NZZ über Kunst und Macht des Sophisten. Schon in der Antike hatten Mächtige gern solche Leute im Mitarbeiterstab - bis es aber um das interessante Verhältnis zwischen ihnen geht, sind einige Abschweifungen zu durchlesen. (18.02.17)

Gegenwehr im Krieg gegen die Wahrheit

Schon im Wahlkampf und mehr noch im Amt versucht Donald Trump die Idee von Wahrheit lächerlich zu machen. Sein daraus entstehender Hauptfeind, die Presse, hat bereits mobil gemacht, nun folgen die Wissenschaftler, wie Christoph Drösser für die ZEIT aus den USA berichtet, wo evidenzfreie Gefühlspolitik ja schon länger angesagt ist. (17.02.17)

Das Weitere und Engere:

Nebenan bei Glanz & Elend wird Michael Tomasellos „Naturgeschichte der menschlichen Moral“ recht ausführlich besprochen. +++ Die WELT stellt Lorenz Jägers Biographie Walter Benjamins vor, die „Das Leben eines Unvollendeten“ von seinem Suizid auf der Flucht vor den Nazis aus schildert. +++ Im Dezember machte ein Artikel des Schweizer Magazin auch hier die Runde, der den Beitrag einer Big-Data-gestützten Politikberatungsfirma zu den Siegen der Brexit- und Trumpkampagne darstellte. Erste Zweifel tauchten schnell auf, inzwischen ist das ganze zum bloßen Marketingtrick der betreffenden Firma reduziert, wie BuzzFeed meldet. +++ Bei Telepolis erklärt der Mailänder Philosoph Diego Fusaro, warum die Universität 150 Jahre nach John Stuart Mills Rektoratsrede tot ist.


Links der Woche am 11.02.2017, 17:55 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 06/17

Die Sehnsucht nach dem Ausnahmezustand

Der Wahlkampf und die blitzartige reaktionäre Agenda Trumps folgen der machiavellistischen „Dialektik von Verehrung und Furcht“, wie Nils Markwardt in der ZEIT beobachtet und sich fragt, wie mit dieser disruptiven Angstpolitik umzugehen sei, noch dazu wenn diese auf eine unter Rechtspopulisten und Islamisten verbreitete Angstlust trifft. (09.02.17)

Gegen Fundamentalismus und Barbarei

Sowohl die Geistes- als auch die Naturwissenschaften sind unter Trumps Präsidentschaft bedroht, meldet Michael Hagner in der NZZ. Wissenschaft und Demokratie sind eng verknüpft, und so zeitigt die Beschädigung erster durch das jahrzehntelange Nützlichkeitsdiktat auch Folgen für die Demokratie, die selbst manchen Technokraten alarmieren. (10.02.17)

Platzhalter fürs Originalwort

Die Übersetzung von Texten ist schwierig, von philosophischen Texten sogar unmöglich, schreibt Joachim Schulte in der NZZ. Er zeigt dies am Beispiel von Descartes’ Wendung der „klaren und deutlichen Ideen“ und des englischen Wortes „experience“, das sowohl Erfahrung als auch Erlebnis heißen kann. (11.02.17)

Et cetera:

Der Standard stellt in kurzen Stichworten Giorgio Agambens neues Buch „Stasis – Der Bürgerkrieg als politisches Paradigma“ vor. +++ Robert Stockhammer zeigt sich im Freitag unzufrieden mit der Verteidigung von „Wahrheit“ und „Wirklichkeit“ in den Medien. +++ Ebenfalls im Freitag bespricht Tom Wohlfarth den gegenwartskritischen Essay „Miamification“, den der Akzelerationist Armen Avanessian unter Palmen verfasst hat. +++ Noch mehr, aber kürzere gegenwartskritische Essays gibt es übrigens alle drei Monate im Lichtwolf, den man für lumpige 29,80 Euro gerne abonniert.


Links der Woche am 05.02.2017, 12:25 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 05/17

Möglich ist alles

Das Verhältnis zwischen Philosophie und Wissenschaft ist weiterhin Reinhard Jellens Thema bei Telepolis. Diese Woche sprach er mit Petra Gehring über die besonderen Eigenschaften der Philosophie als Wissenschaft, über die gleichzeitige Spezialisierung und Konvergenz der Fächer und die mögliche Absorbtion der Philosophie von den Sozialwissenschaften. (29.01.17)

Die Dinge machen ihr Ding

Algorithmen handeln präziser und wissen mehr über uns als wir selbst, weshalb - so Christopher Wimmer im Freitag - ein neuer Materialismus an der Schnittstelle zwischen Geistes- und Naturwissenschaften in der Philosophie Einzug hält, um das Verhältnis zwischen dem Anhängsel der Maschine und dem autonomen Artefakt auszuleuchten. Wimmer stellt einige Vor- und Nachdenker vor. (30.01.17)

Subversion auf Umwegen

Alles muss heute ASAP und ganz zielorientiert gehen, kommentiert Roman Bucheli in der NZZ anlässlich einer Schweizer Debatte um die zwecklose Schönschrift. Dabei sind Krakel und Schnörkel doch der schönste, weil abschweifende Widerstand gegen die allseits gepredigte geometrische Lebenskunde! (04.02.17)

Der Idealismus heute

Für die FAZ unterhält sich Ulf von Rauchhaupt mit dem Philosophen Vittorio Hösle über den Idealismus in ökonomisch-technischen Zeiten. Hösle erklärt darin erstmal den Unterschied zu Realismus, Materialismus usw. - und woran diese Positionen scheitern; außerdem sind Kreise besser als Pferde und moralische Urteile so real wie mathematische. (05.02.17)

Vom Radikalismus zum Terrorismus

Wer noch keine rechte Vorstellung davon hat, wie Radikalisierung ganz normaler Bürger infolge eines fraglich gewordenen Sicherheitsempfinden funktioniert, dem erklärt es der Psychologe Ernst-Dieter Lantermann in der NZZ. Für Glanz & Elend wiederum hat Jürgen Nielsen-Sikora „Die Erfindung des Terrorismus“ gelesen: Carola Dietze erklärt darin an fünf Beispielen, wie der moderne Terrorismus zwischen 1858 und 1866 entstand.

Two weeks in...

Zwei Wochen Trump sind geschafft, mindestens 206 liegen noch vor uns. Slavoj Žižek verlangt in der NZZ von der globalen Linken, zu lernen, lernen, lernen: Statt weiterhin die politisch korrekte Sprachpolizei zu spielen sollte sie darauf reagieren, dass sich der Milliardär Trump erfolgreich als Rächer der Unterdrückten aufspielen konnte.

Georg Seeßlen denkt im Freitag über die auf einen Kulturkampf hinauslaufenden Beziehungen zwischen dem eher liberalen Hollywood und dem Weißen Haus nach - und inwiefern sie als Fieberthermometer der demokratischen Kultur taugen.

Der Schriftsteller Norbert Niemann zeigt sich in der ZEIT fassungslos über den schamlosem Kampf gegen Wahrheit und Dialog, wie er sich in Trumps You-Are-Fake-News-Gestus ausdrückt.

Außerdem bringt die ZEIT zum 30. Januar von Volker Ullrich zusammengestellte abwartende Reaktionen von Zeitgenossen auf Hitlers Amtsantritt vor 84 Jahren - auch auf Englisch erhältlich.


Links der Woche am 28.01.2017, 15:05 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 04/17

Der Wolf ist dem Menschen ein Vorbild

Die Überheblichkeit des Menschen, sich für die Krone der Schöpfung zu halten, ließ ihn fest daran glauben, den Wolf zum Hund domestiziert zu haben, schreibt Florian Schwinn in seinem Buch, aus dem ein Auszug bei Telepolis zu lesen ist. Allerdings spricht einiges dafür, dass sich die frühen Menschen evolutionär an den Wolf angepasst haben. (22.01.17)

Der Geist der Leere

Politische Narrative waren immer solche von Arbeit und Mangel. In den saturierten Demokratien des Westens aber herrscht ein Überfluss, der keinen Sinn mehr ermöglicht - für die Abgehängten, die bei rechtspopulistischen Erzählungen Zuflucht suchen, eh nicht. Fritz Breithaupt und Martin Kolmar raten in der NZZ, sich bei den Narrativen der Religionen zu bedienen. (23.01.17)

Menschen, so unbequem wie das Gewissen

Der in der Schweiz lebende russische Schriftsteller Michail Schischkin erinnert an die 1968 im Ostblock niedergeschlagene Opposition, deren später Sieg sich als Illusion entpuppte. Dissidenten mussten sich zu allen Zeiten gegen staatliche Repression behaupten und dagegen, von der Mehrheit als Verräter und Spinner betrachtet zu werden. (27.01.17)

Aus der Gefahr seinen Beruf machen

Hans Ulrich Gumbrecht schreibt in seinem FAZ-Blog über den Nietzsche-Band, der den Weg in seine Bibliothek aus der Hermann Görings fand. Der dicke Obernazi unterstrich darin fleißig den Begriff „Übermensch“, den Gumbrecht allerdings in Verbindung mit Nietzsches Zusammenbruch in Turin und Zarathustras Seiltänzer bringt - und damit effektiv zu entnazifizieren versucht. (28.01.17)

Bücher, Bücher, Bücher

Die FR bespricht Jan Assmanns jüngste Auseinandersetzung mit Monotheismen und ihrer Gewaltneigung, bei der er u.a. Carl Schmitts Theorie des Politischen heranzieht. +++ Außerdem in der FR: Eine kurze Rezension der „Geschichte des politischen Denkens“ von Otfried Höffe. +++ Aus Anlass seines neuen Buchs „Was für Lebewesen sind wir?“ wird in der taz Noam Chomskys Bedeutung als letzter Linksintellektueller der USA betont. +++ Der Freitag stellt Domenico Losurdos Untersuchung des Konzepts des Klassenkampfs vor, in dem allzu oft ein unterkomplexer Linkspopulismus die eigentlichen Kämpfe um „Anerkennung“ verstellt.

Weiteres zum Trumpismus...

Bereits letzte Woche sind einige Artikel erschienen, die aus Trumps Sprachstil auf seine Denkungsart zu schließen versuchten. Adam Soboczynski konzediert diese Woche in der ZEIT, dass der neue US-Präsi in der Tat überhaupt nicht wie ein Politiker spricht, sondern wie ein stil-, disziplin- und schamloses Großmaul, das die Effekthascherei faschistischer Rhetorik für sich entdeckt hat. Die FAZ wiederum berichtet von einem geistreichen Vortrag des Kunsthistorikers W.J.T. Mitchell über die „amerikanische Psychose“. In der taz schließlich erklärt der Leipziger Politologe Robert Feustel, der das „Wörterbuch des besorgten Bürgers“ mit herausgegeben hat, wie rechtspopulistische Sprache auf den Diskurs einwirkt.

Außerdemos von Sonstnochos:

Die erste Woche von Trumps US-Präsidentschaft war von allerhand „umstrittenen“ Erlassen geprägt, unter denen die angekündigte Einstellung der Förderung der Geisteswissenschaften ein marginaler (aber politisch konsequenter) ist. +++ Im Uniblog der FAZ überlegt Adrian Schulz, was die Verwendung von „Proseminar“ als Schimpfwort der gebildeten Stände mit der marktkonformen Universität zu tun haben könnte - und setzt sich mal in eines hinein. +++ Wo er schon unterwegs war, hat sich Schulz in der Woche darauf auch einen Science Slam angeguckt - ein hippes Format, das bloß „auf Krach und Bumm und Darm mit Charme ausgelegt“ ist. +++ Der Tagesspiegel stellt eine nicht ganz unbefangene Studie vor, die das Sozialistische Patientenkollektiv (SPK) jenseits von linkem Freaktum und „Kaderschmiede der RAF“ darstellt; hoffentlich ist das liebe SPK auch dieses Jahr wieder bei der Mainzer Minipressen-Messe vom 29. Juni bis 2. Juli 2017 dabei!


Links der Woche am 21.01.2017, 14:36 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 03/17

Wie Trump spricht und denkt

Seit gestern ist Donald Trump amtierender US-Präsident. Ursula Scheer hat für die FAZ eine sprachkritische Analyse seiner erratischen Rhetorik angestrengt. Jakob Biazza nimmt sich in der SZ auf ähnliche Weise Trumps Inaugurationsrede vor, die mit einer effektiven Holzhammersprache vernebelt und emotionalisiert, ohne etwas zu sagen. Da die Rede nicht - wie angekündigt - philosophisch, sondern einfach dumm war, versucht Josh Groeneveld für Huffington Post wenigstens Trumps Tweets einen philosophischen Gehalt abzuringen oder anzudichten.

Unn sünst?

Antirassisten in Greifswald freuen sich: Die dortige Uni hat sich von ihrem Namenspatron Ernst Moritz Arndt getrennt, wie die WELT meldet. +++ Den antiliberale Strömungen unserer Zeit kann man nicht mit Toleranz begegnen, schrieb Carlo Strenger 2015; der Freitag bespricht sein jüngstes Buch, einen „Wegweiser für unsichere Zeiten“. +++ Der Freitag stellt außerdem Wieland Elfferdings Einführung in die „Fragen der Philosophie“ vor.


Links der Woche am 14.01.2017, 15:40 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 02/17

Es geht bergab, nur noch schnelller.

Jochen Wegner hat sich für das ZEIT Magazin mit dem Science-Fiction-Halbgott und Schöpfer des Cyberpunk, William Gibson unterhalten. Es geht u.a. um den Blick künftiger Menschen auf uns, um Zeitreisen, um Ayn Rands schädlichen Einfluss und um die Dystopie aus Gibsons letztem Buch, die mit Trumps Wahlsieg von der Realität überholt worden ist. (11.01.17)

Oh, wie schön wäre Elite!

Der Konstanzer Evolutionsbiologe, Exzellenzfreund und Studentenbeschimpfer Axel Meyer fordert in der FAZ kurzum mehr Freiheit für Professoren. Die (also er) drohen von einer für „Governance und Profilbildung“ gestärkten Uni-Verwaltung gelähmt zu werden. Und im professoralen Wettbewerb gibt es aus politischen Gründen angeblich keine Verlierer, was aber genauso zur Elitenbildung nötig wäre wie Studiengebühren. (11.01.17)

Hauptsache Wahlfreiheit

Stuart Jeffries hat sich ausgiebig mit der Frankfurter Schule beschäftigt und erklärt im Freitag, warum Adorno et.al. alles schon immer geahnt haben - obwohl der heutige eindimensionale Konsumkapitalismus doch anders kam, als sich marxistisch geschulte Denker das vor Mauerfall und Ende der Geschichte hätten ausmalen können. (11.01.17)

Enteignet Zuckerberg!

Im Internet lässt sich mit Wahrheit und Originalität kein Geld verdienen. Paul Mason beschreibt im Freitag, unter welchen Bedingungen im Onlinekapitalismus produziert wird. Da die Politik unfähig oder nicht willens ist, die Monopole zu zerschlagen, müssen wir die sozialen Medien retten, d.h. vergesellschaften. (12.01.17)

Die Nation als Business

In einer Woche ist es soweit: Donald Trump wird US-Präsident. Dieter Thomä gibt in der NZZ einen Ausblick auf seine Amtszeit und überlegt, wie Trump in die Reihe seiner 44 Vorgänger passen soll. Als egofixierter Trickster macht er vor, dass der persönliche Triumph alles ist und dafür alles erlaubt ist. Vielleicht wird er aber bald an den Widersprüchen seiner opportunistischen Politik scheitern. (14.01.17)

Außerdemchen:

Die Technik wird immer sozialer, da muss die Technikfolgenabschätzung mitziehen, so empfiehlt ein Diskussionspapier, das in der FAZ vorgestellt wird. +++ Die taz ist ziemlich genervt von Byung-Chul Hans neuem Büchlein über die „Austreibung des Anderen“ und den „Terror des Gleichen“. +++ Die NZZ stellt Noam Chomskys neue Bücher vor, worin der 88-jährige Anarchosyndikalist einen Einblick in seine Anthropologie und in die globale US-Politik gibt.


Links der Woche am 07.01.2017, 15:29 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 01/17

Wie die neue Aufklärung aussehen müsste

Aus mehreren Gründen, die er in der ZEIT ausführlich darlegt, hält der Medienwissenschaftler Bernhard Pörksen den Begriff „postfaktisch“ für problematisch. Dahinter stecke die herablassende Kapitulation vor den Kräften der Gegenaufklärung, denen stattdessen mit mehr Diskurs und Transparenz begegnet werden müsste. (29.12.16)

Der neue Humanismus aus den USA

Geisteswissenschaftler pflegen eine traditionelle Geringschätzung für die Naturwissenschaften. Das empfand John Brockman als Irrweg, rief eine dritte Kultur aus und gründete edge.org, wo alljährlich Preisfragen ausgegeben werden, wie René Scheu in der NZZ schreibt und eine Auswahl der Antworten auf die diesjährige Frage bringt, welche wissenschaftlichen Begriffe oder Ideen breiter bekannt sein sollten. (05.01.17)

Produktion von Sinn und Schönheit

Für den Wissensteil der FAZ hat Ulf von Rauchhaupt den Dichter Raoul Schrott und den Jesuiten Stefan Bauberger zum Gespräch gebeten. Es geht um das schwierige Verhältnis von Kunst bzw. Religion zu den Naturwissenschaften, das von Berührungangst und Missverständnissen geprägt ist. (06.01.17)

Das Weitere und Engere:

Auf Facebook sammelt Der goldene Aluhut die schrägste Äußerungen aus den paranoiden Filterblasen der Verschwörungstheoretiker und Eso-Spinner. Um sich in deren abgefahrene Konstrukte einzuarbeiten, kann man sich das Lexikon „gängiger Welterklärungsversuche“ reinziehen, das der Freitag zusammengestellt hat. FNORD. +++ In der FR wendet sich der Philosoph Markus Tiedemann seit einiger Zeit mit offenen Briefen an Fanatiker aller Art. +++ Telepolis informiert über den Versuch des Kulturhistorikers Christopher Goodey, den Transhumanismus auf konservativ-christliches Denken zurückzuführen. +++ Die NZZ würdigt den Philosophen Dieter Henrich zu seinem 90. Geburtstag. +++ Ein harter Spaß für den Hobby-Medienmacher: Auf archive.org sind 520 Stunden Bild- und Tonmaterial von Donald Trump versammelt - mitsamt Such- und Schnittfunktion, um zu dokumentieren, dass der nächste US-Präsident sich gar nicht darum schert, was er so daherquatscht, und trotzdem oder deswegen gewählt worden ist.


Links der Woche am 31.12.2016, 15:23 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 53/16

Anderswo ist’s auch scheiße.

Nach wie vor jährt sich die Veröffentlichung von Thomas Morus’ „Utopia“ zum 500. Mal. Für die ZEIT hat sich Thomas Assheuer darum ausführlich mit dem revolutionären Traum von einer besseren Welt im Irgendwo befasst, der eigentlich eine Sozialkritik des Frühkapitalismus ist und zu ihm ein auf den zweiten Blick genauso beklemmendes Gegenbild entwirft. Dennoch gibt es was zu lernen. (29.12.16)

Destillat aller Science Fiction

Stanislaw Lems Technikphilosophie kulminierte 1964 in der „Summa technologiae“. Für Telepolis hat Wolfgang Neuhaus das halbvergessene Werk noch einmal zur Hand genommen, das systematisch künftige Existenzmöglichkeiten aufzuzählen versucht und mit vielen Vorhersagen zur technologischen Entwicklung richtig lag. (29.12.16)

Niemand ängstigt sich wie die Deutschen

Was es alles gibt! Gefühlshistoriker zum Beispiel - mit zweien von ihnen, Frank Biess und Bettina Hitzer, unterhält sich der Tagesspiegel über die spezifisch deutsche Gefühlswelt, namentlich die German Angst, deren historisch-philosophische Wurzeln die beiden untersucht haben. (30.12.16)

Mal was ganz anderes lesen?

Eva Lüdi Kong hat in jahrelanger Arbeit den 1.200-seitigen chinesischen Klassiker „Reise in den Westen“ (=zu Buddha nach Indien) ins Deutsche übersetzt. Mark Siemons zeigt sich in der FAZ fasziniert und begeistert von dem fremdartigen Epos mit seinen philosophisch-religiösen Ausschweifungen und seinem anarchischen Witz. (30.12.16)

Das Jahr des Hiob

Was soll man nur vom zu Ende gehenden Jahr 2016 halten, fragt sich Dirk Gieselmann in der ZEIT. Es hat uns die Rechnung für unser bisher so sorgloses Leben hingeknallt und damit zutiefst gekränkt und verunsichert. Nun gilt es, die passende Musik zu suchen, um damit klarzukommen, dass der nächste Tiefpunkt folgt. (30.12.16)

Neue Bücher:

Die NZZ bespricht Kurt Steinmanns neue Übersetzung der Orestie von Aischylos - mit spürbarer Wehmut nach der alljährlichen Selbstvergewisserung der Polis im Theater. +++ Die FR empfiehlt Sarah Bakewells unterhaltsamen Spaziergang durch die Philosophie des 20. Jahrhunderts, „Das Café der Existenzialisten“. +++ Tal Sterngast blickt in der taz mit der liebevoll gestalteten Neuausgabe von Salvador Dalís unappetitlich-surrealistischem Kochbuch „Die Diners mit Gala“ auch zurück auf das Jahr 2016.

Kommentare zu Berlin

Der Psychologe Ahmad Mansour kommentiert im Tagesspiegel die Verschwörungstheorie-Gläubigkeit rund um die Papiere des Attentäters, die am Anschlagsort gefunden wurden. Der Politologe Herfried Münkler rät in der ZEIT, die Sicherheitsorgane ihre stille Arbeit machen zu lassen und Angstpolitiker nicht weiter mit Wahlerfolgen zu unprofessionellem Gerede zu ermuntern.

Et cetera:

Zu den wenigen Prominenten, die 2016 nicht gestorben sind, gehört Hermann Lübbe, den die NZZ zu seinem heutigen 90. Geburtstag würdigt. +++ Gina Thomas empfiehlt in der FAZ einen Besuch der neuen Mathematik-Galerie im Londoner Science Museum, das auch für Mathe-Allergiker faszinierend sein dürfte. +++ Endlich mal wieder was von Georg Seeßlen! Im Freitag setzt er sich gewohnt klug mit der Intrige als Werkzeug der Macht auseinander. +++ Denken Sie dran: Ein Lichtwolf-Abo ist nur noch heute für 26,80 Euro zu haben, sobald das elende Scheißjahr vorbei ist, kostet ein Jahr „Zeitschrift trotz Philosophie“ 29,80 Euro!

Guten Rutsch!


Links der Woche am 24.12.2016, 15:04 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 52/16

Die Politischkorrekten wollten das so!

Michael Hampe widmet sich in der ZEIT der kulturwissenschaftlichen Linken (KWL), für die Pippi-Langstrumpf-Leser Rassisten sind und für die der Nordpol genauso relativ, konstruiert und historisch ist wie Hampes Oma. Nun, da rechte Verschwörungstheoretiker an die Macht kommen, wendet sich ihr Vulgärkonstruktivismus gegen sie und die KWL hat dem in Theorie und Praxis nichts entgegenzusetzen. (19.12.16)

Von Nietzsche zu Brexit und Trump

vox.com unterhält sich mit Hugo Drochon, der Nietzsche als transnationalistischen politischen Denker liest, der ausgehend vom Tod Gottes die aktuellen Populismus-Krisen der Demokratie und die Relativismus-Krise der Philosophie schon zu Bismarcks Zeiten vorhergesagt hat. (20.12.16)

Optionen und Willkür

In der ZEIT (und seinem neuen Buch) beklagt Maximilian Probst das Aussterben der Verbindlichkeit. Die undurchschaubare Vielfalt der Wahlmöglichkeiten macht es schwer, sich festzulegen, und überfordert die Rechtswähler. Dem versucht Probst eine Verbindlichkeit entgegenzusetzen, die nicht nach Biedermeier riecht, sondern der Zukunft zugewandt, liberal und autonom ist. (21.12.16)

Philosophie war schon immer globalisiert

Philosophie ist nicht nur das, was die Griechen gemacht und ihre Erben fortgesetzt haben, erinnert Heiner Roetz in der FR und plädiert für eine globalisierte Perspektive auf die Diziplin. Dazu gibt er nachahmungswürdige Beispiele für die gegenseitige kulturelle Beeinflussung in und Bereicherung der Philosophiegeschichte. (22.12.16)

„Die Grausamkeit massakrierter Körper.“

Vor über 100 Jahren ging es auch nicht friedlicher zu, dafür aber inszenierte sich die Avantgarde schwer kulturterroristisch, schreibt Stefan Zweifel in der NZZ. Heute sind Terroristen Meister der Inszenierung, die von Nietzsche über Breton und Artaud bis Debord die Starre lösen sollte, die nun von ganz realer Gewalt erschüttert wird. (22.12.16)

Alles nichts Neues

Nils Markwardt zweifelt im Freitag an der Rede vom „postfaktischen Zeitalter“, denn die darunter subsumierten politischen und sozialpsychologischen Phänomene wurden von Le Bon und Adorno längst beschrieben. Tatsächlich profitieren Rechtspopulisten von einem Vertrauensdefizit, das wiederum von Luhmann ausgiebig beschrieben wurde. (27.12.16 - aus der Zukunft!)

Kann man mal lesen

Iris Radisch stellt in der ZEIT das unvollendete letzte Büchlein Roger Willemsens vor, worin dieser als enttäuschter Moralist mit unserer Gegenwart abrechnet. +++ Hans Hütt zeigt sich im Freitag ganz begeistert von Dieter Thomäs Philosophie des Störenfrieds, einer Studie, die gerade zur rechten Zeit (nämlich zu der des „Orangenmanns“)kommt. +++ Diese Woche ist bekanntlich Lichtwolf Nr. 56 zum Thema Gebäck erschienen: Das Heft gibt es im Abo oder für 8,50 Euro einzeln sowie als DRM-freies E-Book im epub-Format oder für Kindle.

Schöne Feiertage!


Intime Interna am 20.12.2016, 14:19 Uhr

Der Gebäckwolf ist da!

Just ist der 56. Lichtwolf erschienen. Thema der diesjährigen Winterausgabe ist: Gebäck!

Lichtwolf Nr. 56 (Gebäck)

Lichtwolf Nr. 56 hat 112 winterlich-gemütliche Seiten und das Titelthema Gebäck.

Auf 112 Seiten im schicken DIN-A4-Paperback geht es vorrangig um Gebäck und alles, was einem trotzphilosophisch dazu einfallen kann: Rezepte für Bier und Pfannenbrot, Erkundungen zu Kekswichsen und zu muslimischer Opferethik nicht nur in Bezug auf Schwarzwälder Kirschtorte, dazu Brot und der Hunger danach sowie Transsubstantiation, die Bäckerblume und Backshops als Symptom. Außerdem geht es um die Spinne als Viehlosovieh, um Postfaktizität und den Anteil der Philosophie daran, um Soft Skills sowie um Sokrates im Krieg.

Bdolfs Propädeutikum sowie die ersten Seiten des einleitenden Essays von Marc Hieronimus stehen online. Eine Leseprobe als PDF kann man hier herunterladen. Das Heft selbst ist für bloß 8,50 Euro hier im Einkaufszentrum oder direkt beim catware.net Verlag erhältlich. Ebendort gibt es auch schon die E-Book-Ausgabe im DRM-freien epub-Format für 3,99 Euro, die Kindle-Version folgt die Tage. Und Abonnentin können Sie hier für lumpige 26,80 Euro im Jahr werden - aber schnell, denn wer ab dem 1.1.2017 abonniert, muss drei Euro mehr löhnen! (Inflation!)


Links der Woche am 17.12.2016, 14:27 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 51/16

Nuit debout ist vorbei?

Für die NZZ blickt Marc Zitzmann auf die Pariser Protestbewegung Nuit debout, in der sich im Frühjahr zahlreiche Aktivisten für eine andere Weltordnung versammelten. Das ganze nahm schnell Event-Charakter an, führte nicht zum erhofften Generalstreik und politisierte doch die Jugend womöglich nachhaltig. (17.12.16)

Ayn Rand...

...wäre ob der Entwicklung in den USA ganz aus dem allein mit harter Arbeit erworbenen Häuschen. Tom Schimmeck portraitiert die russischstämmige Schriftstellerin im Freitag als Ikone des Neoliberalismus mit geradezu fanatischer Anhängerschaft unter Republikanern und Hedge-Fonds-Managern. Auch Politico widmet sich Ayn Rand bzw. dem wichtigsten Einfluss auf ihre Weltanschauung, nämlich dem Schriftsteller Nikolai Chernyshevsky, dessen Revolutionsroman „Was ist zu tun?“ bei Dostojewski Abscheu erregte und Lenin ebenso nachhaltig inspirierte wie den Nihilisten Netschajew - und eben Ayn Rand.

Bücher, Bücher, Bücher

Elisabeth von Thadden empfiehlt in der ZEIT drei Bücher zur Stärkung der kriselnden Demokratie. +++ Ebenfalls in der ZEIT bespricht Eva Bucher Timothy Garton Ashs „Redefreiheit“, worin dieser den Liberalismus im Internetzeitalter verteidigt. +++ Bei Glanz & Elend zeigt sich Herbert Debes begeistert von Peter Frankopans „Licht aus dem Osten“, das die Weltgeschichte mal nicht eurozentristisch, sondern aus der Perspektive des nahen und mittleren Osten erzählt. +++ Die NZZ rezensiert Otfried Höffes 2.500 Jahre umspannende „Geschichte des politischen Denkens“ von Platon bis Rawls. +++ Ein sehr weihnachtsfähiges Buch ist „Der Schritt zur Seite“ von Marc Hieronimus, der in der aktuellen Nummer der Zeitschrift La Décroissance erklärt, worum es darin geht.

Außerdemos von Sonstnochos:

Telepolis meldet, dass einige Konstanzer Forscher Klage gegen die Verpflichtung eingereicht haben, ihre Publikationen (auch) via Open Access zur Verfügung zu stellen. +++ Der Tagesspiegel unterhält sich mit David Weinberger über Filterblasen, Fake News und Facebook. +++ Die NZZ beschäftigt sich am heutigen Samstag mit Hass. Uwe Justus Wenzel schaut nach, was Kant und Dante zu dem Thema zu sagen haben. +++ Lichtwolf Nr. 56 zum Thema Gebäck ist fertig und wird eingetütet. Ein Abo zwecks Erhalt des Hefts noch vor den Feiertagen ist hier erhältlich; nutzen Sie die nächsten zwei Wochen zum Bestellen, denn ab dem 1.1.2017 kostet ein Lichtwolf-Abo nicht mehr 26,80 Euro, sondern unfassbare 29,80 Euro (bzw. 39,80 Euro bei Lieferung ins Ausland)!


Links der Woche am 10.12.2016, 14:16 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 50/16

Der Wahn als Politikum

Für die ZEIT unterhalten sich Ulrich Schnabel und Martin Spiewak mit Michael Butter, der über Verschwörungstheorien und ihre Anhänger forscht. Das Internet hat ihnen, ihren Wahnlieferanten und politischen Profiteuren ganz neue Möglichkeiten erschlossen. Grund für die wachsende Massenhysterie ist die Aufklärung und die Verunsicherung insbesondere weißer Männer. (01.12.16)

Die große Regression

2016 ist ein Erfolgsjahr für Hetzer und ihre Anhänger. Für die ZEIT hat Gero von Randow u.a. seinen Adorno hervorgeholt, um sich einen Reim auf das Comeback des autoritären Charakters zu machen. Damals wie heute ist es die Freude an Regression und Entzivilisierung, die Agitatoren und Demagogen beflügelt, weshalb es nicht an Globalisierung und Internet liegen kann. (01.12.16)

Black Box Wähler

Dieser Text machte diese Woche die große Runde: Mikael Krogerus und Hannes Grassegger portraitieren für Das Magazin den Big-Data-Forscher Michal Kosinski, der eine psychometrische Methode entwickelt hat, um Botschaften passgenau an den jeweiligen Mann zu bringen, welche von einer Politberatungsfirma benutzt worden sein soll, um die Siege der Brexiteers und Trumps zu befördern. (03.12.16)

Demokratie oder Leitkultur

Martin Seel weist in der FR den populistischen Begriff der „Leitkultur“ zurück, der eine suggestive Chiffre ohne vernünftige Grundlage ist. Der Inhalt des Begriffs - Christentum, Demokratie, Sprache oder gemeinsame Werte? - ist unklar bis widersprüchlich. Sinnvoller wäre es, Tugenden und das Recht einzuüben. (04.12.16)

Die demütige Elite

Kein Geringerer als Stephen Hawking schreibt im Guardian bzw. Freitag gegen die zunehmende Ungleichheit in der Welt an, schließlich empfindet er sich als Teil der verhassten Elite. Der Fortschritt geht weiter und mit ihm die sozialen Verwerfungen. Um sie im In- und Ausland abzufedern und die großen Herausforderungen zu meistern, vor denen die Menschheit steht, ist Zusammenarbeit gefragt. (05.12.16)

Erlösung von der Staatsidee durch Inkompetenz

In der ZEIT plaudert Peter Sloterdijk von einem Abendessen mit Condoleezza Rice. Den Trump-Schock hatte man schon verdaut, aber das Unbehagen in der Demokratie, die nicht sicher vor der Selbstabschaffung ist, bleibt. Sloti denkt über Idioten und Populismus nach und sagt ein Attentat auf Trump voraus. (07.12.16)

Es ist okay, bedürftig und hilflos zu sein.

Für ZEIT Campus führt Silke Weber ein Interview mit Martha Nussbaum über die politische Bedeutung von Gefühlen. Liebe und Mitgefühl sind notwendig für das Funktionieren einer Gesellschaft und Triebkraft liberaler und emanzipatorischer Bewegungen, während Rechtspopulisten vor allem Hass und Angst für sich instrumentalisieren. (08.12.16)

Neue Bücher

Der Soziologe Frank Adloff bespricht im Freitag Judith Butlers Utopie politischer Versammlungen. +++ Die NZZ zeigt sich hin und hergerissen von Peter-André Alts kiloschwerer Biographie Sigmund Freuds. +++ Die taz stellt den Essayband „Kosmopolitismus ohne Illusionen“ vor, in dem Seyla Benhabib Hoffnung macht, dass es mit Menschenrechten und Liberalismus doch noch nicht ganz zu Ende geht.

Unn sünst?

Reinhard Jellen unterhält sich für Telepolis mit Oliver Nachtwey über sein Buch „Abstiegsgesellschaft“ und wie der Kapitalismus vom Wachstum zum Ausschluss übergegangen ist. +++ Die FAZ weist auf einen soziologischen Aufsatz von Bettina Heintz hin, der untersucht, was und wie wir Dinge miteinander vergleichen können, sollen und dürfen. +++ Jeder kennt und schätzt das „Des Teufels Wörterbuch“ von Ambrose Bierce, so auch die Kollegen von The Verge. Die haben eine Fortsetzung der Sarkasmusbibel für das 21. Jahrhundert verfasst, die inhaltlich okay ist, aber vor allem zeigt, dass schöne Typographie im Internet doch möglich ist. +++ So lachen die Kartoffeln: David Hugendick hat sich für die ZEIT bei einem Auftritt Mario Barths in Dresden umgesehen. +++ Die NZZ wiederum berichtet von einem Auftritt Alain Badious in Zürich. +++ In gut einer Woche erscheint Lichtwolf Nr. 56 zum saisonal passenden Titelthema Gebäck: Drinnen geht es u.a. um Brot und Bier, Tortenverbot, Spinnen, Postfaktizität und Sokrates im Krieg. Vielleicht möchten Sie ja abonnieren - oder ein Abo verschenken...?


Links der Woche am 03.12.2016, 14:21 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 49/16

SETI und Plethi

Francis Drake schüttelte 1960 eine nach ihm benannte Formel aus dem Ärmel, die die (ziemlich hohe) Wahrscheinlichkeit für außerirdisches Leben berechnet. Für Telepolis zeichnet Harald Zaun im ersten Teil seines Essays die Ideengeschichte der Suche nach E.T. bzw. zweiten Erden im Kosmos nach. (03.12.16)

500 Jahre Utopia

Vor einem halben Jahrtausend ist „Utopia“ von Thomas Morus erschienen. Die NZZ würdigt aus diesem Anlass das Werk, das Werner von Koppenfels als ironisch-philosophische Lehrfabel voller Sprachwitz vorstellt. Uwe Justus Wenzel betrachtet kurz die Geschichte und Entwicklung des Begriffs Utopie, die eine Verfallsgeschichte ist.

Außerdemchen:

Philosophie in postfaktischen Zeiten: Der Guardian hat ein zunächst überschaubar wirkendes philosophisches Entscheidungsproblem ganz demokratisch per Online-Abstimmung „gelöst“. +++ Die taz stellt Jörg Späters große Biographie Siegfried Kracauers vor, die zum 50. Todestag des Kulturkritikers und Adorno-Kumpels erschienen ist. +++ Morgen wird in Österreich ein neuer Präsident gewählt - und es könnte der Rechtspopulist Norbert Hofer werden. Die ZEIT unterhält sich mit dem Schriftsteller Robert Menasse über die Aussicht auf einen Alpen-Trump in seinem Land. +++ Mathias Greffrath bespricht für die ZEIT Stephan Lessenichs Studie über die kapitalistische Externalisierungsgesellschaft, die in der Ferne ausbeutet und kontaminiert, um in den reichen Staaten noch mehr Wohlstand zu schaffen; wenn Sie sich für diese Problematik interessieren, könnte auch Marc Hieronimus’ „Der Schritt zur Seite“ was für Sie bzw. für unter den Weihnachtsbaum sein. Es ist kein Ratgeberbuch!


Links der Woche am 26.11.2016, 14:45 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 48/16

Der Pragmatismus ist schuld an Trump

Der Pragmatismus hatte es in Europa schon immer schwer, weshalb der Pragmatiker Trump hier ein größeres Rätsel ist als in den USA, schreibt Andrian Kreye in der SZ. Er blickt darum in die US-Ideengeschichte und darauf, wie Dewey, James und Peirce die Politik und Kultur des USA geprägt haben, aus der der künftige Präsident hervorging. (18.11.16)

Die Eierköpfe sind schuld an Trump

Die linksliberale Elite in den USA drehe sich nur um sich selbst und habe mit ihrer Political Correctness den kleinen Mann zum Trump-Wähler gemacht, heißt es. Dem widerspricht Katja Kullmann im Freitag vehement, warnt vor dem Antiintellektualismus der neuen Rechten und ruft zur Solidarität der Prekarisierten mit und ohne Uni-Abschluss auf. (21.11.16)

Sie nannten ihn Krac

In der FR wird Siegfried Kracauer zu seinem 50. Todestag von Christian Thomas als metaphysischer Sinnsucher und Kulturkritiker gewürdigt, der sich mit Ernst Bloch und Georg Lukács anlegte und eine schwierige Beziehung zu Adorno pflegte. (25.11.16)

Geisteswissenschaftler sind die besseren Chefs

Für ihr Uni-Blog unterhält sich die FAZ mit dem Psychologen Nico Rose, der seines Zeichens Head of Corporate Employer Branding, University Relations & Recruiting Programs bei Bertelsmann ist und als solcher speziell Geisteswissenschaftler zu kreativen und leidenschaftlichen Führungskräften heranzieht. (25.11.16)

Das Weitere und Engere:

Rüdiger Suchsland weist bei Telepolis auf den Kinofilm „The Arrival“ hin, der Sprachspiele mit Außerirdischen zeigt, die nicht nur Wittgenstein gefallen würden. +++ Der Freitag bespricht Botho Straußens jüngstes antimodernes Lamento über die aussterbende deutsche Leit- und Altherrenkultur. +++ Die NZZ stellt Dieter Thomäs Philosophiegeschichte der bösen Jungs und Störenfriede vor. +++ Die FAZ rezensiert ausführlich, doch ein wenig ratlos Judith Butlers „Anmerkungen zu einer performativen Theorie der Versammlung“. +++ Ebenfalls in der FAZ darf Uwe Jochum einmal mehr gegen Open Access wettern und Sibylle Anderl blickt in eine Zukunft, in der Algorithmen für uns die wichtigsten Stellen aus dicken Büchern heraussuchen.


Links der Woche am 19.11.2016, 14:26 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 47/16

Philosophie blüht in der Krise

Die wachsende Popularität der Philosophie ist ein Symptom für Umbruchzeiten, wie Richard David Precht im NZZ-Interview erklärt - und sich freut: Bald werden Maschinen die ganze Arbeit machen und noch mehr Menschen noch mehr Zeit für Philosophie haben! Dann werden auch immer mehr Leute sich fundiert jenseits der Politik einmischen können. (19.11.16)

Die Woche danach

Eine Woche nach dem Wahlsieg Donald Trumps stellt dieser sein Regierungsteam aus apokalyptischen Reitern zusammen. Thomas Thiel hat sich für die FAZ im traditionell liberalen US-Wissenschaftsbetrieb umgehört, der sich nach Trumps Wahlsieg mit seiner Abkapselung und Wählerferne auseinandersetzen muss. Die US-Philosophin Susan Neiman zeigt sich in der FR (nur im Abo) entsetzt über Trumps Personalentscheidungen und sucht eine vernunftorientierte Politik anderswo (z.B. in Deutschland). Slavoj Žižek zuletzt freut sich in der ZEIT (mit Badiou und Mao) über Trump, der die drohende Katastrophe sein könnte, die (anders als Hitler) die liberalen Kräfte eint und mobilisiert.

Et cetera:

Zum Welttag der Philosophie hat sich Deutschlandradio Kultur mit Andreas Urs Sommer über die sozipolitische Rolle und Bedeutung der Disziplin zwischen Marktplatz und Elfenbeinturm unterhalten. +++ Die taz bespricht das neue Buch des Historikers Timothy Garton Ash, der verschiedene Positionen zum Verhältnis zwischen Meinungsfreiheit und dem Kampf gegen Hate Speech gegen einander abwägt. +++ An der Uni Glasgow stehen „Die Simpsons“ laut WELT im Mittelpunkt eines Philosophieseminars. +++ Der Freitag stellt den aufwiegelnden Essay „Versuch, die Jugend zu verderben“ vor, in dem sich Alain Badiou als kommunistischer Sokrates inszeniert.


Links der Woche am 13.11.2016, 13:20 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 46/16

Ach, Amerika...

Das waren noch Zeiten: Die uralte NZZ hat in ihrem Archiv ihren damaligen Bericht über die US-Wahlen von 1789 gefunden. Das Ergebnis der Wahlen dieser Woche könnte kaum kurioser sein: Gewonnen hat entgegen aller Erwartungen Slavoj Žižeks Wunschkandidat Trump, den Brian Leiter als US-Präsidenten mit narzisstischer Persönlichkeitsstörung analysiert. Die SZ sammelt die schockierten Reaktion von US-Intellektuellen wie Judith Butler oder Saskia Sassen, die sich fragen, wie das passieren konnte. Auch bei Schwein & Zeit geht es - neben einem Ausblick mit Platon - um die Frage, wer die ganzen Trump-Wähler eigentlich sind: alles dumme Nazis?! Hannes Stein portraitiert in der WELT die alternative Rechte („alt right“), die am lautesten und voller Fremdenhass für Trump geworben hatte; auch Meike Laaff blickt für die taz auf die unheilige Allianz der Enthemmung zwischen der Ultrarechten und Internet-Trollen.

300 Jahre ohne Leibniz

Zu seinem 300. Todestag wird Gottfried Wilhelm Leibniz von der NZZ ausgiebig geehrt: Michael Kempe blickt auf Leibniz’ fleißiges Leben und vielfältiges Wirken zurück, Uwe Justus Wenzel erzählt, wie Arthur Schopenhauer Leibnizens Auffassung von der besten aller möglichen Welten zu widerlegen versuchte (ein Projekt, das in diesen Tagen eine Renaissance erfahren dürfte...) und der Schriftsteller Karl-Heinz Ott würdigt die große Bedeutung von Phantasie und Inspiration für das Schaffen des großen Rationalisten Leibniz. Dem war gestern Abend auch die lange Nacht im Deutschlandfunk gewidmet, die man hier nachhören kann.


Links der Woche am 05.11.2016, 13:51 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 45/16

Was will Slavoj Žižek?

Bernhard Wiens war für Telepolis (wo man die Website aufgehübscht hat) bei einem Auftritt Slavoj Žižeks in Berlin und wundert sich über dessen Zickzackkurs in Sachen Zuwanderung. Wiens steigt zur Erklärung tiefer in Žižeks Biographie und Begriffsinventar ein und findet darin den Grund, wie man Merkel, Stalin und Menschenrechte zugleich gut finden kann. (31.10.16)

Kinder zum Volk erziehen

Russlands Hochschulen leiden unter einem brain drain. Kerstin Holm berichtet für die FAZ über die dortige Bildungspolitik und spricht mit Vertretern der philosophischen Fakultät der Moskauer Staatsuniversität über Verschulung, Niveauverlust und Isolation in schwierigen Zeiten. (02.11.16)

Außerdemos von Sonstnochos:

Stephan Hebel hat sich für die FR durch drei kapitalismuskritische Neuerscheiungen von Sahra Wagenknecht, Yanis Varoufakis und Robert Reich gekämpft. +++ Außerdem zeigt sich Otto A. Böhmer in der FR begeistert von Gisela von Wysockis Adorno-Roman „Wiesengrund“. +++ Hilde Weeg berichtet für Deutschlandradio Kultur vom Philosophie-Festival in Hannover. +++ Die FAZ berichtet über eine Studie, die untersucht hat, ob der bekannte Zusammenhang zwischen Herkunft und Karriere auch in der Wissenschaft besteht. +++ Das Buch von Marc Hieronimus über die Décroissance-Bewegung und den nötigen Schritt zur Seite ist erschienen.


Intime Interna am 01.11.2016, 13:02 Uhr

Erstmal nicht weitermachen...

...sondern alles an-, dann innehalten, um rauszukriegen, wie viel Rummel und Krempel man eigentlich braucht - und wie viel schöner, lustiger und länger das Leben ohne ein ständiges Höher, Weiter, Schneller von Produktion und Konsum ist.

Marc Hieronimus: Der Schritt zur Seite

Marc Hieronimus: Der Schritt zur Seite. Postwachstum - Rückgang - Décroissance. catware.net Verlag 2016, 328 Seiten, 14,80 Euro, ISBN 9783941921634

Das ist in nuce der Ansatz der Décroissance-Bewegung, die aus dem Pariser Mai 1968 hervorging und von Marc Hieronimus in seinem neuen Buch ausführlich vorgestellt wird. Der Ansatz ist radikaler als die modernen Simplify- und LOHAS-Trends, denn es geht um einen grundlegenden Wandel der Art, wie wir mit der Welt und vor allem miteinander umgehen. Ohne erhobenen Zeigefinger, sondern so humorvoll wie die Vor- und Nachdenker der Décroissance aus dem Umfeld von Charlie Hebdo zeigt der gute Hieronimus, was uns hindert und was uns erwartet, wenn wir nur den Schritt zur Seite wagen.

So heißt denn auch das Buch, das 328 Seiten stark ist, 23 wunderschöne Illustrationen, ein Sach- und Personenregister sowie eine umfangreiche Bibliographie zum Thema in drei Sprachen enthält. Es ist ab sofort hier im Einkaufszentrum sowie direkt beim catware.net Verlag für 14,80 Euro zu haben.


Links der Woche am 29.10.2016, 20:06 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 44/16

No alarms and no surprises

Manuela Lenzen schreibt in der NZZ über eine neue alte Theorie, derzufolge das Gehirn faul ist und nur in Unruhe gerät, wenn irgendetwas nicht seinen Erwartungen entspricht. Der Neurowissenschafter Karl Friston hat sozusagen Heideggers Zeugganzes in eine mathematische Theorie überführt, die sich gerade zum neuen großen Ding in der Philosophie des Geistes entwickelt. (27.10.16)

Arendt, Butler und der Volkskörper

Für die ZEIT unterhält sich Rina Soloveitchik mit Judith Butler über ihr neues Buch, das sich mit Versammlungen, Körpern und Raum beschäftigt. Das verkörperte Leben findet hier seinen demokratischen Ausdruck. Außerdem geht es um den Zusammenhang von Prekariät und Populismus. (28.10.16)

Pfeife und Tweedjacket sind aus

Im FAZ-Uniblog geht es diese Woche um das angebrochene Wintersemester und die Professorin der jüngsten Generation als Darstellerin ihrer selbst, die mit spannenden Stoffen zu überzeugen hat. Wie viele popkulturelle Referenzen gehören in die Heine-Vorlesung? Und wie sieht das professorale Facebook-Profil heutzutage aus? (29.10.16)

Unn sünst?

Die NZZ bespricht Tamás Miklós’ Geschichte der Geschichtsphilosophie, die nach dem Sinn und der Freiheit im Weltgeschehen fragte. +++ Pseudologen aufgepasst: Die SZ berichtet über eine Studie, die die Lust am und Fähigkeit zum Lügen untersucht hat. +++ Fangen Sie schon mal an zu sparen: Marc Hieronimus’ wunderbares Buch über die Décroissance ist ab Montag u.a. hier erhältlich; bis dahin könnten Sie ja auch einen Lichtwolf bestellen - oder gar abonnieren?


Links der Woche am 23.10.2016, 14:51 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 43/16

Auf einige Zigaretten mit Wolf Wondratschek

Falls Sie mit dem Rauchen aufhören wollen oder das schon geschafft haben oder andere Probleme damit haben, ist das Interview, das Timo Frasch für die FAZ mit Schriftsteller und leidenschaftlichen Raucher Wolf Wondratschek genau darüber geführt hat, eher nichts für sie. Alle anderen können staunen, dass so etwas in gesundheitsbewussten Zeiten wie der unseren überhaupt noch erscheinen darf. (16.10.16)

Der Zuschauer als absolutistischer Monarch

Am Montag zeigte die ARD eine TV-Adaption von Schirachs „Terror“ und ließ die Zuschauer darüber befinden, ob der Pilot, der ein entführtes Passagierflugzeug abgeschossen hat, um 70.000 Leute in einem Stadion zu retten, schuldig sei. Für Matthias Dell (Freitag) markiert das „Fernsehevent“ einen neuen Tiefpunkt in Sachen Medienkompetenz. Bundesrichter Thomas Fischer liest in seiner ZEIT-Kolumne den Machern die Leviten und erklärt ihnen mit seiner üblichen Wortgewalt, wie grundfalsch ihr Umgang mit Grundfragen des Grundgesetzes ist.

Soziologie als Problematisierungsdisziplin

Die SZ spricht mit dem Soziologen Stephan Lessenich über Ausbeutung, Konsumrebellion und wie unsere Gesellschaft die Kosten ihres Lebensstils auf andere Regionen abwälzt. Marcus Klöckner unterhält sich für Telepolis ebenfalls mit Lessenich über die Aufgabe der Soziologie, Missstände zu erkennen und in sie zu intervenieren - ein Berufsethos, der auf Charles Wright Mills zurückgeht.

Außerdemchen:

Carolin Emcke hat heute den Friedenspreis des deutschen Buchhandels entgegengenommen; die NZZ würdigt ihr aktuelles sozialphilosophisches Plädoyer „Gegen den Hass“. +++ Vielleicht haben wir den Posthumanismus schon hinter uns und leben in der Computersimulation unserer hypertechnisierten Vorfahren, mutmaßt nicht nur Nils Markwardt im Freitag und fände das gar nicht so schlecht. +++ Raoul Schrott lässt sich nicht lumpen und erzählt in einem gigantischen Versepos, auf das die NZZ hinweist, die Geschichte der Welt von ihrer Entstehung bis zum Menschen nach. +++ Außerdem werden in der NZZ besprochen Gisela von Wysockis Adorno-Roman „Wiesengrund“ sowie Sarah Bakewells Rückstürz ins Pariser „Café der Existenzialisten“. +++ Wie kann man nur? Quartz.com weiß von immerhin vier Philosophie-Professoren, die Trump unterstützen.


Links der Woche am 15.10.2016, 14:23 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 42/16

Angstkampagnen rocken mehr als Fakten

Überall weidet man sich beispielsweise an der Angstlust, Trump könne zum US-Präsidenten gewählt werden. Auch Susanne Berkenheger gibt sich diesem medialen life thrill hin und überlegt im Freitag mit einigen Psychologen und Soziologen, ob dem täglichen Apokalypsenporno nicht eigentlich resignative Wut auf die Zivilisation zugrunde liegt (09.10.16)

„Desaster deutscher Geistesgeschichte“

Die Demaskierung oder Demontage Heideggers geht weiter: Adam Soboczynski und Alexander Cammann haben für die ZEIT in den Briefwechsel zwischen den Gebrüdern Heidegger zwischen 1930 und 46 geblickt, in dem sich der Seinsdenker als profan antisemitischer, komplett uneinsichtiger Nazi-Anhänger äußert. (12.10.16)

Angst und Langeweile der Selbstbestätigung

Ronja von Rönne berichtet in der WELT, wie sie nach vollzogenem Onlinshopping den Reklame-Algorithmen sei dank im Internet mit nichts anderem mehr als ihren vermeintlichen Bedürfnissen konfrontiert wird. Sie sorgen dafür, „dass man noch mehr der Mensch wird, der man schon ist“ - ob nun Shopping Queen oder besorgter Bürger. (13.10.16)

Roboterrechte und -pflichten

Die ZEIT setzt ihre Reihe über Künstliche Intelligenz und die Arbeitswelt fort, diese Woche mit einem Text von Adrian Lobe über die ethischen und rechtlichen Fragen, die sich zum Beispiel ergeben, wenn ein Roboter einen Menschen oder einen anderen Roboter tötet. Auch in anderen Fällen wirft uns die KI manch harte Nuss in Sachen Willen, Gewissen und Verantwortung vor die Füße. (14.10.16)

Content- statt Kulturindustrie

Das, was drin ist, zählt nur noch mit Blick auf das, was hinten rauskommt: Mark Siemons schreibt in der FAZ über Content, in dem Unterhaltung, Journalismus und Werbung zusammenfließen und dessen instrumentelle Logik die gesamte Text- und Bild„produktion“ erfasst und erst zu einer solchen macht - die sich übrigens umso leichter automatisieren lässt. (15.10.16)

Das Weitere und Engere:

Die NZZ weist auf Pierre Bayles nicht ganz leicht zu lesenden Grundschrift der Toleranzphilosophie aus dem 17. Jahrhundert hin. +++ Michael Angele bespricht im Freitag Gisela von Wysockis Roman „Wiesengrund“, der der Faszination nachgehen will, die Adorno auf die Generation der 68er ausgeübt hat. +++ Um nicht schreiben zu müssen, er habe es ja immer schon gesagt, erklärt Gewaltforscher Wilhelm Heitmeyer im Freitag, warum er von der Brutalisierung der Gesellschaft nicht überrascht ist. +++ Das Jüdische Museum Berlin zeigt eine Ausstellung, in deren Zentrum laut FAZ der Golem und seine modernen technischen Nachfolger stehen. +++ In der FR ist von der Klage der Verbände über den stagnierenden E-Book-Markt in Deutschland zu lesen. Dem kann sich der catware.net Verlag mit seinen DRM-freien und halb so teuren E-Book-Fassungen des Lichtwolf nur anschließen.


Links der Woche am 08.10.2016, 14:23 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 41/16

Die Rückkehr der Utopien

Emanuel Herold plädiert bei Telepolis für eine Renaissance des politischen Grundbegriffs der Utopie, und zwar mit Blick auf die ungewisse Zukunft Europas. Im Diskurs ist der Begriff jedenfalls wieder zurück, seine soziale und politische Bedeutung ist erkannt und doch wird er, wie an u.a. Sarrazin und Oskar Negt gezeigt wird, durchaus ambivalent verwendet. (03.10.16)

Der Fremde, das Andere, die Veränderung

Der Flüchtling verkörpere das Ideal des unternehmerischen Subjekts, so hebt Stephan Lessenich in der FAZ gwagt an und sieht mit Simmel im Bleiben das Merkmal des Fremden, der das Andere kenntlich macht. Das benachbarte Aktivum der Veränderung wiederum müsste zur totalen Mobilmachung der Leistungsgesellschaft passen, die aber durchweg für ein Unbehagen sorgt, das sich in vorauseilender Missgunst äußert. (06.10.16)

Kreolisierung des Gesprochenen

Veränderung konkret: Johanna Bruckner unterhält sich für die SZ mit dem Linguisten Uwe Hinrichs darüber, wie sich das Deutsche insbesondere durch die Zuwanderung verändern wird. Hinrichs ist optimistisch, sagt eine wachsende Trennung von schriftlicher und mündlicher Sprache und eine weitere anglisierte Vereinfachung der Grammatik voraus. (07.10.16)

Ästhetik und Orientierung

Der Niedergang der Literaturkritik ist ein Subtopos zum Niedergang des Feuilleton und diesmal ist Roman Bucheli in der NZZ an der Reihe, jenen zu beklagen: Entweder ist die moderne Kritik, allen hehren Ansprüchen zum Trotz, pöbelnd oder bieder - und damit auf dem besten Weg in die Irrelevanz. (08.10.16)

Lachen statt schießen

Mit den spezifischen Humorqualitäten der Nationen, Religionen und Generationen beschäftigt sich der Satiriker Andreas Thiel in der NZZ. Sie scheinen eng mit der Phylogenese verbunden, mit dem Begreifen von Normen, Schamgrenzen und der Freude am Spielen. Wichtig ist aber gerade in finstren Zeiten, dass überhaupt gelacht wird. (08.10.16)

Neue Bücher:

Die ZEIT stellt Michael Pauens neues Buch vor, worin er versucht, das subjektive Erleben von Qualia als Scheingewissheiten zu entlarven. +++ Bei Glanz & Elend bespricht Klaus Bittermann begeistert Sarah Bakewells Kollektivbiographie „Das Café der Existenzialisten“, die ihre Kraft auch durch die Faszination der Autorin vom Denken der Personen erhält. +++ Für die taz hat Jochen Schimmang die Essays über das Unverfügbare der Sprache gelesen, die der Schriftsteller Thomas Stangl im Band „Freiheit und Langeweile“ versammelt hat. +++ André Kieserling hat sich für die FAZ mit Luhmann im Gepäck Schumpeters Rechtfertigung des Unternehmer-Profits aus den neu edierten „Schriften zur Ökonomie und Soziologie“ vorgenommen.

Et cetera:

Die FAZ startet die neue Reihe „Internet und Demokratie“ mit Überlegungen, wie jenes mit seinen Filterblasen den Populismus und Autoritarismus gestärkt und den Ayn-Rand-Kapitalismus durchgesetzt hat. +++ Brian Leiter hat seine Leser gefragt, wen sie für den noch zu stiftenden Nobelpreis für Philosophie nominieren, und der Sieger steht fest: Saul Kripke. +++ Michael Allmaier ist passiv-aggressiv und regt sich dafür ganz untypisch in der ZEIT darüber auf, wie die Unfähigkeit zu offenen Zornesausbrüchen pathologisiert wird. +++ Heute Abend gibt es im DLF ab 23:05 Uhr die Lange Nacht über Michel Foucault.


Links der Woche am 02.10.2016, 15:05 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 40/16

weniger Akte X, mehr House of Cards

28 Prozent der US-Wähler glauben, dass eine verborgene Elite nach autoritärer Weltherrschaft strebt, schreibt Houssam Hamade im Freitag über den strukturell antisemitischen Trend, hinter allem eine große Verschwörung zu wittern. Das ist unter anderem darum problematisch, weil es ja wirklich Verschwörungen in der Politik gibt. (28.09.16)

Die Verteidiger des Abendlands

Die Islamwissenschaftlerin Lamya Kaddor schreibt in ihrem neuen Buch über die Bringschuld der Mehrheitsgesellschaft bei der Integration. Seither wird sie massiver denn je bedroht und gibt in der ZEIT selbsternannten konservativen Intellektuellen eine Mitschuld an der neuen Welle an Morddrohungen gegen sie. (30.09.16)

Dystopie der entgrenzten Systeme

In der ZEIT-Reihe über Künstliche Intelligenz in der Arbeitswelt nimmt uns Sci-Fi-Autor Marc Elsberg mit ins Jahr 2031, in dem moralische Werte quantifizierbar sind, eine KI die Legislative und die Kulturproduktion übernommen hat und auch sonst praktisch jeder (selbst die Programmierer) durch intelligente Systeme ersetzt worden ist. (30.09.16)

Keine Fakten, nur Interpretationen

Nach dem Rededuell der beiden US-Präsidentschaftskandidaten beschäftigt sich Thomas Assheuer in der ZEIT mit dem locker-verächtlichen Verhältnis zur Wahrheit, das Donald Trump und alle Rechtspopulisten auszeichnet. Sie ersetzen Ideale durch gefühlige Mythen, die autoritaristische Sehnsüchte bedienen. Schuld ist die Postmoderne. (01.10.16) [ Ums postfaktische Zeitalter ging es - ausführlich und mit Links zu Assheuers Quellen - auch nebenan bei Schwein & Zeit in drei Teilen. ]

Außerdemos von Sonstnochos:

Die taz berichtet kurz vom diesmal ziemlich gottlastigen 20. Philosophicum in Lech. +++ Der iranische Regisseur Amir Reza Koohestani bringt in München Kamel Daouds Roman „Der Fall Meursault – Eine Entgegnung“ auf die Bühne; der Standard zeigt sich von der Inszenierung begeistert, auch die FR kommt nachdenklich angeregt aus dem Theater. +++ Die NZZ bespricht Terry Eagletons dichten Essay über Optimismus, Pessimismus und Fatalismus sowie die Frage, was die Hoffnung in der Büchse der Pandora verloren hat. +++ Die SZ rezensiert das neue Buch des Historikers Timothy Garton Ash, der darin die Entstehung und Ordnung der Internet-Weltgesellschaft beschreibt - und mit welchen Grundregeln sich liberale Werte darin bewahren lassen.


Links der Woche am 25.09.2016, 15:21 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 39/16

Geschi geht es auch nicht gut

Diese Woche fand der Deutsche Historikertag statt und man ist nicht glücklich über den Zustand des Schulfachs Geschichte. Martin Schulze Wessel erklärt in der FAZ, wie das Fach durch Output- und Kompetenzorientierung sowie Überfüllung in Krisenzeiten ruiniert wird, die es nötiger denn je machen. (25.09.16)

Spielen Maschinen uns aus?

Zum Start einer neuen Serie der ZEIT über Künstliche Intelligenz (KI) und deren Folgen beschäftigt sich Lars Gaede mit der digitalen Revolution, die die Arbeitswelt ähnlich verändern wird wie die Industrialisierung. Dazu trifft er IT-Forscher, die zuversichtlich oder kritisch auf KIs blicken, die bald nahezu alle Jobs besser erledigen können werden als wir. Einen Spezialfall beim Stand der Technik betrachtet Georg Rüschemeyer für die FAZ: Es geht um die Cepheus-KI und wie sie lernt, das schwer berechenbare Poker-Spiel zu meistern.

Neue Bücher

Jürgen Nielsen-Sikora zeigt sich bei Glanz & Elend begeistert von John Higgs’ ungewöhnlicher Art, die Geschichte des 20. Jahrhunderts als die der neuen Unübersichtlichkeit zu erzählen. +++ Ebenfalls bei G&E bespricht Wolfram Schütte Bettina Stangneths Essay „Böses Denken“, der mit Kant Vernunft, Freiheit und Moral nach ihrer Entwertung im 20. Jahrhundert auslotet. +++ Die NZZ rezensiert Kerry Howleys Romandebut „Geworfen“, dessen Protagonistin eine Phänomenologin ist, die der Faszination von Mixed Martial Arts-Kämpfen erliegt.

Unn sünst?

Die Wuppertaler Campuszeitung blickfeld spricht mit Peter Trawny über sein Heidegger-Institut und den Privatdozenten als akademischen Tagelöhner. +++ Christian Schwägerl schreibt in der FAZ über das schwierige Ringen der Geologenzunft mit dem Begriff des Anthropozäns für das aktuelle Erdzeitalter. +++ Ludger Lütkehaus würdigt in der NZZ den Ethnopsychoanalytiker und Anarchisten Paul Parin zum 100. Geburtstag. +++ Die FAZ unterhält sich ausgiebig mit dem Psychologen Claus Koch darüber, warum die Zeit zwischen 18 und 30 die härteste des Lebens ist. +++ In der Jungle World betreibt Georg Seeßlen eine umfassende politisch-phänomenologische Bildanalyse eines Portraits der schrecklich netten Familie Trump. +++ Ohne erkennbaren Anlass widmet sich Olaf Velte in der FR dem Doyen der Grauen Literatur, Victor Otto Stomps, der auch Schutzpatron der Mainzer Minipressen-Messe ist, an der der Lichtwolf im Mai / Juni 2017 wieder teilnimmt.


Intime Interna am 21.09.2016, 17:30 Uhr

Und alle Fetischisten so: Unf! Unf!

Juchhe, die Herbstausgabe anno 2016 ist da und bestellt eine nochmals verkleinerte Nische, indem Sie die Zielgruppe der paar Dutzend philosophisch Humorbegabten auf diejenigen einengt, die einen Nasen- oder Fußfetisch haben. Aber gute Güte, werden die auf dieses Heft abfahren!

Lichtwolf Nr. 55

Lichtwolf Nr. 55 zum Thema Nasen & Füße ist erhältlich hier im Einkaufszentrum und direkt beim catware.net Verlag - auch als E-Book.

Auf 106 Seiten geht es um die beiden wunderlichsten Körperteile und die mit ihnen verbundenen Funktionen, also ums Riechen (im doppelten Sinne), ums Laufen (nur in einem Sinne) und Wandern, um Ästhetik als Wahrnehmungslehre, um weitere Anwendungsfälle wie Popeln, Ballett und Tenorgesang, Wilhelm Fließ darf natürlich auch nicht fehlen undundund! Apropos und: Im hinteren Heftteil geht es um die Phänomenologie politischer Erzählungen, um Orientalismus und Okzidentalismus im neunten Monat nach der Kölner Silvesternacht, um die Fliege als Viehlosovieh und - ach, gucken Sie doch einfach mal selbst ins Inhaltsverzeichnis!

Nämliches finden Sie hier im Einkaufszentrum, wo Sie Lichtwolf Nr. 55 als Heft mit 106 Seiten im A4-Format für 8,50 Euro bestellen können, alternativ ist die Ausgabe direkt beim catware.net Verlag zu beziehen oder in Kücholls sehr gutem Kiosk in der Tennenbacher Str. 5 in Freiburg.

Dieses Mal ist die E-Book-Fassung genauso schnell fertig wie die aktuelle Nummer in den Briefkästen der Abonnenten gelandet ist. Topmoderne Leser können sich die philosophische Dimension von Nasen und Füßen als E-Book für Kindle oder im offenen epub-Format für nur 3,99 Euro (natürlich DRM-frei) herunterladen. Oder Sie strecken erstmal die Zehenspitzen rein und laden sich hier die PDF-Leseprobe herunter.


Links der Woche am 17.09.2016, 14:28 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 38/16

Die Zeit zwischen den Bücherwänden

Mit den Bibliotheken geht es zu Ende, weshalb die Schriftstellerin und frühere UB-Hiwi Stefanie de Velasco ihnen in der ZEIT einen Abschiedsbrief widmet: Sie und die Bücherei hätten sich entfremdet, Schuld sind neue Signaturen, die Verunmöglichung des Stöberns und hemmungslos schwätzende Besucher in den zu „Information Stores“ hochrationalisierten Internet-Outlets. (11.09.16)

Schlechte Praxis der Physik

Gleich drei Physiker und Mathematiker beklagen den bildungsreformerischen Abbau der Schulfachfassungen ihrer Disziplinen: Der Physikunterricht werde schlechtgeredet, um ihn sodann von Fachwissen, wissenschaftlicher Methodik und Mathematik zu entschlacken zugunsten von Kompetenzerwerb („Könnenserwartungen“). (14.09.16)

Philosophie im Studi-Alltag

Für ZEIT Campus befragt Michael Wolf fünf Philosophen zu aktuellen Problemlagen des fröhlichen Studentenlebens: Nietzsche exkulpiert Notlügen, Heidegger hilft bei defekten Spülmaschinen, Kant klaut aus dem WG-Kühlschrank, Kierkegaard langweilt sich in der Vorlesung und Russell lobt die Prokrastination. (14.09.16)

Philosophie in Palästina

Auch in Palästina wird Philosophie studiert. Adania Shibli, die dort Philo unterrichtet, erzählt in der ZEIT vom Denken und Zweifeln unter Besatzung und Armut und wie die Grundtexte europäischer Aufklärung von den jungen Palästinensern aufgenommen werden, die in der Universität eine Zuflucht vor ihrem traurigen Alltag gefunden haben. (14.09.16)

So werde ich Byung-Chul Han

Magnus Klaue traut sich in der ZEIT etwas indirekte Publikumsbeschimpfung, indem er sich den ebd. veröffentlichenden, liebsten Pop-Philosophen der ZEIT-Leserinnen vornimmt: Der Zivilisationskritiker Byung-Chul Han liest sich wie eine Erfindung von Botho Strauß und haut Pocketbooks voller Phrasen raus, für deren Nachahmung Klaue sieben Regeln angibt. (14.09.16)

Das zweite Mal als Farce

Der Historiker Dan Diner gibt Europas Gegenwart in der FAZ ein paar Tipps anhand von Europas geopolitischer Vergangenheit. Der Kalte Krieg regulierte noch die Krisen, die neue Unübersichtlichkeit aber betrifft auch Raum und Zeit und schafft Konfliktherde, die eher an das neunzehnte Jahrhundert erinnern. (15.09.16)

Außerdemchen:

In der NZZ denkt Robert Misik über den Mythos vom Meinungskartell der Mainstreammedien nach. +++ Die NZZ bespricht außerdem eher skeptisch Thomas Rids kurze Geschichte der Kybernetik mit dem Titel „Maschinendämmerung“. +++ An diesem Wochenende steigt in Hamburg der 51. Deutsche Historikertag, der sich laut Ulrike Heitmüller (Telepolis) mit Glaubensfragen (und Gastland Indien) befasst. +++ Die WELT hat jetzt auch eine Paywall, hinter der ein Artikel über neue Ergebnisse von Sprachforschern steckt, dessen lesbarer Teil immerhin verrät, dass die Lektüre acht Minuten dauert und „Warum das wichtig ist: Weil es die bisherigen Annahmen über die Entstehung von Sprache in Frage stellt.“ +++ Der neue Lichtwolf zum Thema „Nasen & Füße“ geht am Montag in die Post: Verraten Sie uns Ihre Anschrift, geben Sie uns Geld und seien Sie als Abonnentin ganz ohne Periscope und trotzdem live hinter der Offline-Paywall dabei!


Links der Woche am 10.09.2016, 14:22 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 37/16

Die Realität der Bildungsrepublik

Bei Telepolis gibt es einen langen, sehr guten Text von Britta Ohm über das neue akademische Prekariat, der im Jobcenter beginnt, wo man nichts mit promovierten Akademikern anzufangen weiß, obwohl der Staat viel Geld in sie investiert hat und sich als Bildungsstandort inszeniert. Die deutsche Bildungspolitik allerdings ist, wie Ohm an der Exzellenzinitiative zeigt, wissenschaftsfeindlich. (06.09.16)

Hobby wider die Verflachung

Im Uniblog der FAZ wendet sich Michael G. Gromotka gegen das Bild von Geisteswissenschaftlern als „fehlgeleitete Schwärmer, deren Hobby [vom Staat] zu finanzieren ist“. Die Realität sieht ähnlich wie bei Britta Ohm aus: Die Universität lässt ihren geisteswissenschaftlichen Nachwuchs am ausgestreckten Arm verhungern, was durch die Bologna-Reformen noch verschärft wurde. Dem stellt Gromotka seine Ideen für eine akademische Zukunft der Geistis entgegen. (09.09.16)

Balkanisierung des Diskurses

Philip Faigle und Sascha Venohr unterhalten sich für die ZEIT mit dem Medienjournalisten Gerret von Nordheim über Bestätigungsfehler und Filterblasen, die er nach dem Amoklauf von München anhand von Twitter-Nachrichten messen und visualisieren konnte. Poppers Traum von der kritisch-rationalen offenen Gesellschaft sieht er demnach in Gefahr. (09.09.16)

Mikro-Aggression und Trigger-Warnungen

In der NZZ überlegt der um keine originelle These verlegene Hans Ulrich Gumbrecht, ob politische Korrektheit eine neue Jugendbewegung à la 1968 sein könnte. Anlass ist ein Rüffel, den sich Gumbrecht eingehandelt hat, und derartig motiviert betrachtet er - trotzdem sine ira et studio - den modernen Moralismus seiner Studenten, dessen Vorzüge in globalisierten Zeiten er einsieht. (10.09.16)

Bücher, Bücher, Bücher

Star Trek wird in diesen Tagen 50 und aus diesem Anlass wird im Wissenteil der FAZ Metin Tolans Buch über die Physik des Raumschiffs Enterprise und ihren Einfluss auf weltliche Wissenschaftler besprochen. +++ In der NZZ findet sich weniger eine Besprechung als eine Meditation über das Anthropozän, für das Andreas Weber in seinem Buch „Enlivenment“ eine neue poetisch-philosophische Kultur des Lebens sucht. +++ Die ZEIT stellt das Buch von Svenja Flaßpöhler vor, in dem sie anhand konkreter Biographien über das Verzeihen und den Umgang mit Schuld schreibt. +++ Die FAZ rezensiert Oliver Nachtweys „Die Abstiegsgesellschaft“, worin der Autor u.a. eine fatale Komplizenschaft des 68er-Postmaterialismus mit dem Neoliberalismus ausmacht und auf ein „Aufbegehren in der regressiven Moderne“ (Untertitel) hofft. +++ Hilal Sezgin bespricht für die ZEIT Valentin Becks Theorie der globalen Verantwortung, worin er eine Moralphilosophie für das Verhältnis des Westens zu ärmeren Weltteilen vorlegt. +++ Bei Glanz & Elend rezensiert Peter V. Brinkemper ausführlich Michel Foucaults soziologisch-philosophische Vorlesungen 1972/73, die unter dem Titel „Die Strafgesellschaft“ erschienen sind. +++ Peter Sloterdijk hat übrigens auch wieder ein Buch geschrieben, und zwar einen Roman über die Naturphilosophie des weiblichen Orgasmus. Kein Link.

Das Weitere und Engere:

David Spencer schildert im Freitag mit vielen links die individuellen und gesellschaftlichen Vorzüge einer Verkürzung der Arbeitszeit. +++ Der Freitag weist außerdem auf die Theaterfassung von Kamel Daouds Roman „Der Fall Meursault – eine Gegendarstellung“ bei der Ruhrtriennale hin. +++ Georg Seeßlen schreibt bei Getidan über die Mittelschicht, die AfD wählt aus Sorge, ihren Status (und damit ihre Identität) als umhegtes und tonangebendes Ideal im „Wohlfühlkapitalismus“ zu verlieren. +++ Andrea Köhler beschreibt in der NZZ mit Sigmund Freud die Katze mit ihren Ritualen als das konservative Tier schlechthin.


Links der Woche am 27.08.2016, 14:14 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 35/16

Paradigmenwechsel oder Hype?

Markus C. Schulte von Drach erklärt in der SZ mal ausführlich, was es mit Epigenetik auf sich hat, also der Theorie, dass Erfahrungen sich in den Genen niederschlagen und weitergegeben werden. Diese Wiederkehr des von Darwin widerlegten Lamarckismus aus dem 19. Jahrhundert birgt faszinierende Forschungsergebnisse, ruft aber auch Skepsis hervor. (22.08.16)

Scheitern ist out

„Der gescheiterte Künstler hat seinen Glamour verloren“, schreibt Annette Weisser in der ZEIT und erinnert sich an das West-Berlin der 1980er Jahre sowie an Chris Kraus’ Roman „I Love Dick“: Die damals und dort praktizierte Verweigerung und das existenzielle Scheitern sind für die im Neoliberalismus Aufgewachsenen keine Option mehr. (24.08.16)

Gutes tun mit Hand und Fuß

Im Uni-Blog der FAZ portraitiert Henrike Wiemker zwei Anhänger des „effektiven Altruismus“, die beim Weltverbessern möglichst rational vorgehen wollen. Beide haben unter dem Gesichtspunkt ihre Karrierewege verändert, um z.B. als Besserverdiener mit Spenden einen größeren Beitrag zum Menschheitswohl zu leisten als es einem HNO-Arzt möglich wäre. (26.08.16)

Zwischen Hetze und Verwertung

Mit dem Rechtspopulismus breitet sich die Irrationalität in der Politik aus. Heike Schmoll schreibt in der FAZ über die EU-Forschungspolitik, die „real solutions“ für „real problems“ erwartet, sprich diejenigen Geistes- und Sozialwissenschaften marginalisiert, die weniger der Wirtschaft als den Ideen von Pluralismus und Toleranz dienen. (26.08.16)

Unverzagt an die große Aufgabe

Der Politologe Herfried Münkler hat mit seiner Frau Marina ein Buch geschrieben und beide werden deswegen von gleich drei FAZ-Redakteuren interviewt. Denn ihre Sozialutopie über die neuen Deutschen ist eine Absage an Identität und Leitkultur, ein Plädoyer für moralische Politik und richtet sich besonders an diejenigen, die Merkels „Wir schaffen das“ in der Flüchtlingspolitik mit Skepsis betrachten. (26.08.16)

Lektüre, die bleibt

Der Schriftsteller Rolf Dobelli empfiehlt in der NZZ eine neue Lesekultur: „Weniger lesen, dafür doppelt.“ Denn auch Dobelli hat wie so viele mehr Bücher, als er lesen kann, und konnte sich an die gelesenen kaum erinnern, bis er diese eher nutzenorientierte Form der Lektüre wählte. (27.08.16)

Die Maschine rettet Rotkäppchen

Christoph Drösser will wissen, ob Algorithmen Texte schreiben können, und hat mit einem Algorithmus einen Text darüber für ZEIT Wissen geschrieben. Darin erklärt er an einigen konkreten Beispielen, wie maschinelles Lernen funktioniert - mit neuronalen Netzen ähnlich wie im menschlichen Gehirn. (27.08.16)

Et cetera:

Markus Christen macht sich in der Huffington Post Gedanken darüber, wie Digitalisierung, Big Data und Künstliche Intelligenz das Kerngeschäft der Philosophie, philosophische Texte zu produzieren, verändern werden. +++ Der Freitag empfiehlt die Hörspielfassung von Victor Klemperers Analyse der Sprache des Nationalsozialismus. +++ Der Freitag-Leser Peter Nowak empfiehlt wiederum das Buch, in dem der Wiener Soziologe Alfred E. Noll nachweist, dass Heidegger lange vor der NSDAP-Mitgliedschaft ein Nazi war und es danach blieb. +++ Zwei Öko-Filme: Georg Seeßlen bespricht bei Glanz & Elend den angenehm ambivalenten Aussteigerfilm „Captain Fantastic“, Martin Schwickert weist in der ZEIT auf den modernen Märchenfilm „El Olivo“ hin, in dem es nur vordergründig um einen Olivenbaum geht.


Links der Woche am 20.08.2016, 14:27 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 34/16

Lokalpatriotismus in der Globalisierung

In seinem Essay im Standard hebt Tobias Moorstedt mit der guten Frage an, was Hipster und Donald Trump gemeinsam hätten. Die Lösung: Während die I<3NY-Kampagne in den 70ern einen Moloch rettete, sind heutige Liebesbekenntnisse zum eigene Kiez repressiver Eskapismus ins Bornierte. (13.08.16)

Hochschulfinanzierung über Trinkgelder

Für ZEIT Campus portraitiert Miriam Gebhardt den Philosophen Günter Fröhlich, der als unbezahlter Privatdozent an der Uni Regensburg arbeitet, sich das mit einem Kellnerjob finanzieren muss und eine Popularklage gegen die systematische Ausbeutung der Habilitierten angestrengt hat. (18.08.16)

Vorm Arzt sind alle ungleich

In der Medizin gibt es keine Gender-Debatte bzw. ganz besonders: So berichtet Miray Caliskan in der FAZ von allerhand Studien der „Gendermedizin“, die zeigen, wie wichtig es ist, geschlechtsspezifische Faktoren wie Sexualhormone und Lebensstil in Diagnostik und Behandlung zu berücksichtigen. (19.08.16)

Der Islam kann so bunt sein

Der Schriftsteller Ilija Trojanow spricht sich in der FAZ dafür aus, die Sufi-Tradition der islamischen Mystik zu unterstützen, deren friedfertige, humorvolle, eigenwillige, undogmatische Vielfalt sie zum Hauptfeind von Islamisten, aber auch zum ungerechten Ziel westlicher Skepsis macht. (19.08.16)

Die gute, alte Zeit

Vor einigen Wochen ist Bommi Baumann gestorben, dem sein langjähriger Bekannter Günter Langer, weiland Redakteur von Agit-883, bei Telepolis einen ausführlichen Nachruf widmet, der die berühmten Episoden der Hasch-Rebellen, Kommunarden, SDSler und Verfassungsschützer nach 1968 aus seiner Perspektive behandelt. (19.08.16)

Außerdemos von Sonstnochos:

Jackie Thomae wundert sich in der ZEIT, dass plötzlich alle als Kind ein Nerd gewesen sein wollen. +++ Bei Glanz & Elend wird Peter Trawnys „Technik.Kapital.Medium“ besprochen. +++ Beim Freitag entdeckt Matthias Dell in den beiden Doku-Filmen „Krieg und Spiele“ (über Drohnenkrieg) und „Comrade, Where Are You Today?“ (über die linke Internationale) das gemeinsame Thema der Entpolitisierung der Welt. +++ Die FR empfiehlt des hugenottischen Philosophen Pierre Bayle Schrift über das Verhältnis von Vernunft und Toleranz gegenüber Andersgläubigen.


Links der Woche am 13.08.2016, 14:23 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 33/16

Es ist fünf vor zwölf

Andreas Wirsching, Direktor des Instituts für Zeitgeschichte, schreibt in der SZ einen Essay als Warnruf: Nicht nur im europäischen Südosten ist die Demokratie gefährdet, sondern auch hierzulande. Terrorismus und Fremdenhass einerseits, konkurrierende Extremismen andererseits nehmen die politische Kultur der Menschenrechte in die Zange.

Die Linken und die Religion

Linkssein heißt mindestens religionsskpetisch zu sein, schreibt Michael Jäger im Freitag. Linke sind hin und hergerissen zwischen Solidarität mit Flüchtlingen und einer Reserviertheit gegenüber dem Islam. Jäger blickt dazu in die linke Ideengeschichte seit Marx zurück, die stets eine des Streits um das Verhältnis zur Religion im Kapitalismus und zum Kapitalismus als Religion war. (10.08.16)

Auch eine Art von Antidiskriminierung...

WASP-Männchen haben es nicht leicht unter dem Diktat der politischen Korrektheit, wie René Scheu in der NZZ schreibt. Ein bunter Strauß an Diskriminierungs-Vorwurf werde inflationär gebraucht, obwohl die Gesellschaft egalitär wie nie sei. Grund sei der ubiquitäre Narzissmus infantil-staatsgläubiger Egos, die sich andauernd verletzt fühlen. (12.08.16)

Trash wählt Trump?

Hans Ulrich Gumbrecht fragt von seinem FAZ-Blog aus nach dem revolutionären Potential, das im Trump-wählenden White Trash stecken mag. Dazu schaut er zunächst mal bei Marx, Bakunin und Fanon nach dem Lumpenproletariat. Mit einer ähnlichen Fragestellung, aber klügeren Ergebnissen hat Nils Markwardt für den Freitag neue Bücher von Didier Eribon und Daniele Giglioli gelesen, die der Linken einiges ins Stammbuch schreiben, um sich nicht vom Rechtspopulismus abhängen zu lassen.

Unn sünst?

Die ZEIT ist ganz fasziniert von dem Buch, in dem Roberto Calasso den abendländischen Menschen mit Fremdheit, Transzendenz und Metaphysik der vedischen Mythen konfrontiert. +++ Vor 25 Jahren ging die erste Website online - die taz gratuliert dem WWW zur Quarterlifecrisis. +++ In der NZZ zeigt sich Alain Claude Sulzer skeptisch, ob Intellektuelle immer die klügeren Kommentatoren sind, und lehnt darum deren Pflicht, sich einzumischen, ab.


Links der Woche am 06.08.2016, 14:23 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 32/16

Noumenauten und ihr Zeug

Peter Sjöstedt hat bei den Psychedelik-Fachleuten von HighExistence.com sorgfältige Konsumportraits von 13 Philosophen zusammengestellt, die immer oder hauptsächlich auf Droge waren: Von Platons Mutterkorntrips über William James, der erst auf Lachgas Hegel zu verstehen glaubte, bis zu Sartres Meskalin-Experimenten.

Alles ist eitel

„Geht es mit der westlichen Kultur zu Ende?“, fragt Wolfgang Müller-Funk im Standard, wo er sich mit dem Dekadenznarrativ von Giambattista Vico bis Michel Houellebecq befasst und feststellt: Der allgemeine Niedergang wurde schon immer diagnostiziert und heutzutage natürlich ganz besonders leidenschaftlich. (31.07.16)

Rendezvous der Littérature engagée

In der FR fragt sich Christina Lenz angesichts einiger literarischer Neuerscheinungen mit politischer Botschaft, ob der engagierte Intellektuelle in die Öffentlichkeit zurückgekehrt ist: Matthias Jügler hat 25 Texte jüngerer Autorinnen und Autoren zur Frage zusammengetragen, „wie wir leben wollen“, und eine Schriftstellerkonferenz nimmt sich das Motto „Grenzen nieder schreiben“ vor. (02.08.16)

Die nicht ganz entzauberte Welt

Karl-Heinz Ott rekapituliert in der NZZ die Diagnostik vom Ende der Erzählungen, die vor hundert Jahren von Freud, Weber, Benjamin & Co. vorgenommen wurde, um sogleich mit allerhand anderen Philosophen an die auch in der kapitalistischen Postmoderne noch aktive Kraft von Mythen (Marxismus und Islam) zu erinnern. (05.08.16)

Wer jung bleibt, altert und stirbt nicht

Andrea Köhler unterhält sich für die NZZ mit dem Kulturwissenschafter Robert Harrison über Jugendwahn und die Infantilisierung der Gesellschaft. Beide scheinen ein Effekt der länger werdenden Lebenserwartung zu sein - und Internet und Smartphones haben auch was damit zu tun. (05.08.16)

Bücher zur rechten Zeit

Die FAZ bespricht Bettina Stangneths an Kant und Arendt geschulte Analyse „Böses Denken“. Das Buch kommt in Zeiten von Terror und Gewalt gerade recht, weshalb sich Michael Girke für den Freitag von Stangneth München und Menschenverachtung erklären lässt. Ebenfalls zur rechten Zeit - diesmal mit Blick auf den Vormarsch des Rechtspopulismus - ist Hannah Arendts „Apologie der Pluralität“ auf Deutsch wiederaufgelegt worden und wird von der ZEIT vorgestellt.


Links der Woche am 30.07.2016, 14:39 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 31/16

Universitäre Kopfpauschale vom Bund

Mathias Brodkorb, Bildungsminister von Meckpomm, beklagt in der FAZ die Folgen der Länderautonomie bei der Hochschulfinanzierung, obwohl das Grundgesetz vergleichbare Lebensverhältnisse verlangt. Der Länderfinanzausgleich hilft nicht, ist eher Teil des Föderalismusproblems. Er plädiert stattdessen für ein „System mit Ausgaben-Benchmarks“. (26.07.16)

Kampf der Patriarchate

Im österreichischen Sommerloch beschimpft ein Schriftsteller eine Schriftstellerin als „sprechenden Rollmops“. Catherine Newmark fragt sich in der ZEIT, warum öffentlich in Erscheinung tretende Frauen v.a. von Rechtspopulisten am liebsten damit beleidigt werden, dass sie des Beischlafs nicht wert seien, und findet manch einen Einblick ins Innenleben des Mannes von heute. (27.07.16)

Gotteslästerung, Pornographie, Forstdiebstähle

Arno Schmidt hat in der Adenauerzeit wegen seiner Bücher oft Post vom Staatsanwalt bekommen. Der Germanist Georges Felten war beteiligt an einem Projekt zu Literatur und Kunst vor Gericht und zeichnet in der FAZ die Strafverfahren um Schmidts „Seelandschaft mit Pocahontas“ nach. (28.07.16)

Erklärung für den Terror

Nach den Anschlägen der letzten Woche ist das Bedürfnis nach Erklärungen groß. Christian Geyer zeigt sich in der FAZ skeptisch, wie Datenprofile helfen sollen, bis zu ihrer Tat unauffällige Leute als potentielle Attentäter zu identifizieren - zumal auch alle psychologischen Spekulationen ex post eben nur das sind. A.a.O. werden aktuelle Bücher von Alain Badiou, Franco ,Bifo‘ Berardi und Farhad Khosrokhavar besprochen, die den Terror als Verstauchungssymptom des Kapitalismus beschreiben. Im Freitag blickt Nils Markwardt auf den Attentäter von München, in dem er mit Theweleit den „Vertreter einer Art toxischer Maskulinität“ erkennt. Der Filmemacher Orwa Nyrabia will in der ZEIT nichts von Motivspekulationen wissen, sondern rät dringend dazu, nicht in die Angstfalle zu stolpern, die durch die IS-Propaganda bereitet worden ist. Vielleicht liegt es aber auch am Wetter: Die FAZ verweist auf Studien zum Zusammenhang von Klima und Aggression.

Außerdemchen:

Die FR bespricht begeistert Dieter Henrichs Buch „Sein oder Nichts“, worin er sich mit den Dichterphilosophen Beckett und Hölderlin auseinandersetzt. +++ Wie es ist, eine Fledermaus zu sein, werden wir bekanntlich nie wissen; aber wie es ist, ein Philosoph zu sein, das können uns ja Betroffene auf der just verlinkten Interviewseite verraten.


Links der Woche am 23.07.2016, 15:20 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 30/16

Die Querfront am Beispiele von Compact

Für Telepolis unterhält sich Sascha Pommrenke ausführlich mit den Soziologen Kevin Culina und Jonas Fedders über Compact und wie Jürgen Elsässers Postille mittels Verschwörungsdenken, Kapitalismuskritik und struktureller Antisemitismus linke und rechte Wirrköpfe zur Querfront vereint. (16.07.16)

Lasst die Leute doch in Ruhe.

Patrick Spät hat ein Buch über die Generalverarsche im Kapitalismus geschrieben, aus dem ein Auszug bei Telepolis zu lesen ist. Darin dekonstruiert er den Mythos der Vollbeschäftigung, der trotz der immer umfassenderen Automatisierung der Arbeitswelt - die Leute unter die Knute des Jobcenters zwingt, anstatt sie von Mangel und Mühsal zu befreien - gepflegt wird. (17.07.16)

Besser als schnell fertig

Die Bologna-Reform sollte Bummelstudenten den garaus machen, aber es gibt sie noch: ZEIT Campus portraitiert eine angehende Luft- und Raumfahrttechnikerin im 19. Semester. Die Not, Geld zu verdienen, universitäre Ehrenämter und eigene Forschungsinitiativen haben das Zeitkorsett der Regelstudienzeit gesprengt. (19.07.16)

Das Denken spannend darstellen

Intellektuelle sind eigentlich keine Figuren, die fürs Kino gemacht sind, und doch gibt es gerade eine neue Schwemme von Filmen über Intellektuelle. Sabine Horst hat sie für die ZEIT gesichtet und macht sich Gedanken über die ästhetische Darstellung von Innerlichkeit im Kintopp. (20.07.16)

Politikverflechtungsfalle ECTS

Kürzlich haben sich Bildungspolitiker auf eine Reform der Bologna-Reform verständigt. Der Bielefelder Soziologe Stefan Kühl beobachtet in der FAZ, dass dabei klammheimlich das ECTS-Punktesystem beerdigt wird, und skizziert Sinn, Geschichte und Scheitern dieser Studienwährung mit hohem „Fiktionsgehalt“. (22.07.16)

Es bleibt zu laut in den Städten.

Großstadt heißt Lärm, und als beide im 19. Jahrhunderts miteinander wuchsen begann die Auseinandersetzung mit der sensorischen Überlastung. Peter Payer zeichnet sie in der NZZ nach und fährt dafür Stadtplaner, Soziologen, Musiker und andere Künstler auf, die nach einem menschlichen Umgang mit den „Betriebsgeräuschen der Moderne“ suchten. (22.07.16)

Das Weitere und Engere:

Die FAZ rekapituliert die Missbrauchsvorwürfe gegen den Ethiker Thomas Pogge und dessen verzweifelt-ungeschickten Umgang damit. +++ Nils Markwardt weist im Freitag darauf hin, dass der Hype um Pokémon Go auch ein Problem des Digitalkapitalismus offenbart. +++ Die ZEIT zeigt sich sehr angetan von dem impliziten Appell, der in Peter Wohllebens Bestseller „Das Seelenleben der Tiere“ enthalten ist. +++ Kunst ist scheiße und umgekehrt: Marie-Luise Goldmann schreibt in der WELT eine kleine Kunstgeschichte der Exkremente. +++ Die FAZ hat noch einmal die Studie gelesen, wonach die Bildungsexpansion zu sozialem Unfrieden (und Terrorismus) führt, wenn es nicht genug Jobs für die Hochqualifizierten gibt. +++ Hannes Vollmuth meditiert in der SZ über die verschiedenen Einsamkeiten des Romanlesers.


Links der Woche am 16.07.2016, 14:23 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 29/16

Die unsterbliche Alternative

Die Jugend von heute ist so unpolitisch nicht: Laura Meschede schreibt für ZEIT Campus auf, warum sie an eine kommunistische Alternative für Europa glaubt, die weniger wie eine Casting-Show und mehr wie Star Trek funktioniert. Die Zeit nach Geld und Privateigentum werden das Internet und Supercomputer regeln, wie Meschede an einigen Beispielen skizziert. (11.07.16)

Tod und Jugend

Die meisten Kinder werden durch den Tod eines Haustiers auf den Tod der Großeltern und den insgesamt vorbereitet, schreibt Ursula Kals in der FAZ und plädiert dafür, die Trauer der Kinder ernst zu nehmen und mit ihnen ehrlich über das Unvermeidliche zu sprechen; angeschlossen ist ein instruktives Interview mit der Notfallseelsorgerin Maria Pirch. (11.07.16)

Putin wird euch helfen.

Jörg Himmelreich schreibt in der NZZ anlässlich der Eröffnung einer russischen Think-Tank-Zentrale in Berlin über die Desinformationskampagnen des Kremls. Diese können sich u.a. auf Russlanddeutsche, von Arbeitslosigkeit bedrohte Militärs und Politiker und den verbreiteten Antiamerikanismus stützen, „um Putins Weltsicht und seine Bedrohungspsychose zu propagieren“. (11.07.16) (Florian Rötzer dokumentiert auf Telepolis an einem Beispiel, wie das russische Nachrichtenportal Sputnik in der Flüchtlingsdebatte Stimmung macht.)

Et cetera:

Gestern Abend erklärte Walter van Rossum in einem hörenswerten DLF-Feature, wie es der politischen Rechten nach den Vorfällen der Kölner Silvesternacht gelang, ihr Narrativ vom muslimischen Grabscher-Mob durchzusetzen. Vor ein paar Jährchen hat van Rossum übrigens ein ebenso hörenswertes Feature darüber gemacht, wie ungerecht Putins Russland (im Gegensatz zu Obamas USA) in deutschen Medien behandelt wird. +++ Die Kultusminister- und Hochschulrektorenkonferenz wollen das Bachelorstudium reformieren, damit endlich mal alles gut werde. +++ Peter Sloterdijk will nun doch kein Stichwortgeber der AfD sein, wie der Tagesspiegel meldet und Slotis jüngste Kapriolen rekapituliert. +++ Die ZEIT weist auf Anja Meyerroses 400-seitige Geschichte des Herrenanzugs als Uniform der demokratisch-kapitalistischen Moderne hin. +++ Die WELT dagegen berichtet nach dem Einstieg „Brüste gegen Kopftuch“ von einer Berliner Tagung zu islamischem Feminismus. +++ Die FAZ hat fasziniert Thomas Rids „kurze Geschichte der Kybernetik“ - eine Disziplin, die vom Militär über LSD-Phantasien in die Science Fiction abgewandert ist - gelesen. +++ Die NZZ bespricht David Gelernters Abrechnung mit dem Computermodell des Geistes, dem er mit einigen Künstlern eher ein Gezeitenmodell des Bewusstseins entgegenstellt. +++ Nebenan bei Glanz & Elend gibt es eine wenig begeisterte Besprechung von Heinz Budes Stimmungsbuch „Das Gefühl der Welt“. +++ Anlässlich des Kinostarts von Roland Emmerichs jüngstem Alien-Spektakels unterhält sich die SZ mit dem Mediävisten Johannes Fried über die (christliche) Lust an der Apokalypse und ihre lebensweltlichen Vorzüge.


Links der Woche am 09.07.2016, 14:34 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 28/16

Pornographisches Verhältnis zur Macht

Den Rechtspopulisten überall nähert sich Nils Markwardt im Freitag mit der in Max Webers Vortrag „Politik als Beruf“ getroffenen Unterscheidung von Verantwortungs- und Gesinnungsethik. Letztere mag zu Webers Zeiten noch sympathisch gewesen sein, ruft in ihrer grotesken Überzeichnung durch Trump, Farage et.al. aber nach mehr bräsiger Verantwortungsethik. (06.07.16)

Deutsch als heimliche Weltsprache

In der Welt wird Deutsch gesprochen und in der WELT schreibt Matthias Heine darüber: Das Englische und Russische haben vor allem deutsche Begriffe aus Bergbau und Chemie übernommen, in anderen Sprachen verwendet man ein deutsches Wort, wo wir ein englisches benutzen. Diese und weitere interessante Sprachdinge trägt Heine bei seiner globalen Fahndung nach Germanizismen zusammen. (07.07.16)

„Ein Europa, das Sinn hätte, fragte nicht danach.“

Edo Reents versucht sich in der FAZ satirisch an einer rechtspopulistischen Ruckrede gegen Europa, um dann ganz ernsthaft nach den viel - seit dem Brexit umso lauter - beschworenen europäischen Werten zu fragen, die eine rein ökonomische, „nicht pathosfähige“ Zweckgemeinschaft mit Sinn aufladen sollen. (08.07.16)

esse est percipi

Claudia Mäder kriegt aus ihrem sozialen Nahbereich ständig Photos aufs Smartphone geschickt und wundert sich in der NZZ über den Hang, die Wirklichkeit mit Abbildern zu belegen. Die Verstärkung von Text durchs Bild ist historisch nichts Neues, mag aber in ihrem aktuellen Übermaß das Ende der Vorstellungskraft einläuten. (09.07.16)

Bücher, Bücher, Bücher

Die NZZ stellt Elmar Schenkels Buchessay „Keplers Dämon“ vor, das an vielen Beispielen die gegenseitige Befruchtung von Literatur und Wissenschaft zeigt. +++ Band 80 der Heidegger-Gesamtausgabe ist da und enthält die Vorträge des jungen Heidegger, die u.a. von Marcuse mitgeschrieben wurden, wie der Freitag anmerkt. +++ Bei Glanz & Elend zeigt sich Jürgen Nielsen-Sikora skeptisch, ob Paul Mason mit „Postkapitalismus“ tatsächlich ein geeignetes Modell zur Bewältigung der kommenden Endkrise entwickelt hat. +++ In der ZEIT ist Gastautor Dieter Thomä ganz und gar nicht angetan von der vagen Resonanz-Metapher, mit der Hartmut Rosa, Sloterdijks „netter Neffe“, eine Soziologie der Weltbeziehung entwirft. +++ Bei Telepolis gibt es einen netten Auszug aus dem Buch zu lesen, mit dem Sven Böttcher und Mathias Bröckers daran erinnern, dass die Menschheit bereits das nötige Wissen hat, um ihre Zukunft zu retten. +++ Immer wieder mal schön, aus der philosophischen Filterblase rauszugucken: Lesen Sie hier die irritierte Rezension aus der Feder eines Trekkies über ein Buch, das sich mit der Philosophie in der TV-Serie Raumschiff Enterprise beschäftigt.

Außerdemos von Sonstnochos:

Der traut sich was: Sebastian Leber bedankt sich im Tagesspiegel mit guten Gründen bei der Antifa für ihre tägliche Arbeit. +++ Die FR weist auf den biographischen Dokumentarfilm über Claude Lévi-Strauss hin, der in der arte-Mediathek ein paar Tage nachzugucken ist. +++ Die NZZ stellt kurz die utilitaristische Ethik des effektiven Altruismus mitsamt ihres Vordenkers Peter Singer vor. +++ Das wäre Descartes nicht passiert: Medizininformatiker haben laut Wired in der Software zur Analyse von MRT-Daten einen Fehler entdeckt, der 20 Jahre Hirnforschung mitsamt ihres großen Selbstbewusstseins in Frage stellt.


Links der Woche am 02.07.2016, 14:29 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 27/16

Das lese ich später irgendwann

Prokrastination ist weit verbreitet und in Maßen nicht schlecht, schreibt Magnus Klaue in der FAZ, will damit aber nur darauf hinaus, dass sich längst ein arbeits- und motivationspsychologischer Markt zur Bekämpfung der Aufschieberitis etabliert hat - besonders im akademischen Kontext, wo Prokrastination wie eine Seuche um sich greift. (28.06.16)

Erasmus soll bleiben

Zu den vehementesten Brexit-Gegnern gehörten die britischen Hochschulen, deren Kampagne - wie die in Oxford lehrende Germanistin Henrike Lähnemann in der FAZ beschreibt - relativ erfolgreich war, d.h. nur in Universitätsstädten. Nun sind die Unis entschlossen, die europaweiten Kooperationen in Forschung und Lehre irgendwie trotzallem fortzusetzen. (29.06.16)

Kind kommt, Studium geht

Etwa fünf Prozent aller Studierenden kriegen vorm Abschluss ein Kind. Anne Armbrecht portraitiert in der FAZ einige studierende Eltern, die mit Kraft, Zeit und Geld gut haushalten müssen - was in den Fächern Medizin und Jura nicht zu funktionieren scheint. (02.07.16)

Künstliche Intelligenz

Diese Woche gab es den ersten Toten in einem autonomen Fahrzeug, kurz zuvor machte sich Ulf von Rauchhaupt in der FAZ noch Gedanken über utilitaristische Maschinenethik im Straßenverkehr und das „Trolley-Problem für Auto-Autos“. Manuela Lenzen berichtet ebd., dass nach 32 Jahren Entwicklungsarbeit eine programmierte KI alter Schule namens Cyc auf den Markt kommt. Rolf Dobelli legt in der NZZ ausführlich die evolutionären Gründe dar, warum wir uns nicht vor der Unterwerfung der Menschheit durch künstliche Intelligenz fürchten müssen.

Künstliches Leben

Volker Henn berichtet für Telepolis von einem Forschungsprojekt, welches das menschliche Genom sauber von Grund auf neu schreiben und dann ins Leben setzen will. In der ZEIT wundert sich Thea Dorn, warum das Crispr/Cas9-Verfahren, mit dem Gentechnikerinnen das Erbgut wie eine Textdatei bearbeiten können, weder Aufschrei noch Debatte auslöst - und warum die Leute „ihr Schicksal nicht mit Demut zu tragen bereit“ sind...

Unn sünst?

Die taz rapportiert den Monitoring-Bericht der Antonio Amadeu Stiftung zu rechter Hetze im Netz, die sich bis in die Mittelschicht verbreitet und mit Gewaltaufrufen, Querfront-Bestrebungen und Verschwörungstheorien vermengt. Wie unzurechnungsfähig diese Kundschaft ist, lässt Philipp Vetters WELT-Bericht über Strichcode-Entstörer und das Entgegenkommen der Industrie erahnen. +++ Nach dem Brexit wundert sich Robin Detje in der ZEIT: „Weiße Männer meines Jahrgangs zerstören die Welt, einfach nur so.“ Lorenz Jäger fühlt sich in der FAZ total fies als alter weißer Mann gehasst. :( +++ In ausgewählten Kinos ist das Biopic über Lou Andreas-Salomé zu sehen, das in der WELT und im Tagesspiegel besprochen wird. +++ Dieter Thomä bespricht in der NZZ zwei Neuerscheinungen zu Heidegger und seinem „metaphysischen Antisemitismus“ von Donatella Di Cesare und Reinhard Mehring. +++ Im Freitag ist eine ausführliche Rezension von Oliver Nachtweys „Die Abstiegsgesellschaft“ zu lesen, die u.a. erklärt, warum im Anstieg der Abiturientenquote sozialer Sprengstoff liegt. Nachtwey war kürzlich übrigens auch bei Deutschlandradio Kultur in einem Feature über die prekarisierte Mittelschicht zu hören. +++ Apropos Radio: In der sonntäglichen DLF-Sendung „Essay und Diskurs“ werden in den kommenden fünf Wochen sonntags um 9:30 Uhr die Herausgeber von Zeitschriften für die gebildeten Stände interviewt. Eine solche, die aber nicht im Radio vorkommt, kann man sich hier kaufen.


Links der Woche am 25.06.2016, 14:27 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 26/16

Erkenntnis in Sinnfeldern

Markus Gabriel hat vor fünf Jahren den Neuen Realismus in der Philosophie ausgerufen und resümiert den Stand der Dinge in der NZZ: Allen voran die Irrtümer von postmodernem Konstruktivismus und Naturalismus wurden bekämpft in Manifesten und auf Tagungen. Besonderen Fokus legt Gabriel auf den medialen, d.h. vermittelten Weltbezug. (19.06.16)

Was und wie der Bund bezahlt

Der deutsche Föderalismus macht dem Bund einen Einfluss auf die universitäre Bildungspolitik nur auf Umwegen möglich, die Stephan Leibfried in der FAZ beschreibt: Der prominenteste ist der Exzellenzpakt, aber es gibt noch eine Reihe weiterer Pakte zur Finanzierung von Studienplätzen, Lehre, Forschung und Innovation, deren komplizierte Architektur Leibfried grob umreißt. (20.06.16)

Eigentliche Kulturgeschichte?

Emil Heinrich Du Bois-Reymond nannte im 19. Jahrhundert die Geschichte der Naturwissenschaft die eigentliche Kulturgeschichte, wie Uwe Justus Wenzel sich in der NZZ erinnert anlässlich der Debatte um einen „Imperialismus der Naturwissenschaften“ im Potsdamer Einstein-Forum. (25.06.16)

Außerdemchen:

Auch die NZZ bespricht Carl Schmitts „Glossarium“ mit Aufzeichnungen aus den Jahren 1947 bis 1958 sowie Åsne Seierstads Breivik-Portrait und Geschichte eines Massenmörders. +++ Im Uniblog der FAZ beschäftigt sich Niklas Záboji mit den absurden Auswüchsen des Bologna-Leistungswahns, der unter Studis einen Wettbewerb um das größte soziale Engagement auslöst. +++ Bei boundary2 schreibt Peter E. Gordon über die Widerkehr der u.a. von Adorno beschriebenen autoritären Persönlichkeit im Gefolge Donald Trumps. +++ Apropos Adorno: Der französische Soziologe Didier Fassin bestreitet die diesjährigen Frankfurter Adorno-Vorlesungen und kam über die Erfahrungen mit Apartheid, Gewalt und Not zur Kritischen Theorie, wie aus dem Portrait in der FAZ hervorgeht. +++ Im Freitag legt Sarah Bakewell acht gute Gründe vor, warum es lohnt, gerade heutzutage zu den Bücher der französischen Existentialist_innen zu greifen. +++ Außerdem bringt der Freitag ein Interview mit Bhaskar Sunkara, dem Herausgeber des sozialistischen Untergrundmagazins „Jacobin“. +++ Und apropos kleine Zeitschriften: Dass es einen neuen Lichtwolf, diesmal zum Thema Ekstase gibt, wissen Sie ja schon; das Heft ist nun auch als E-Book für Kindle sowie im offenen epub-Format erhältlich.


Intime Interna am 20.06.2016, 18:50 Uhr

Der neue Lichtwolf ist da!

Schon wieder ist es das beste Heft aller Zeiten, innen und diesmal vor allem außen:

Lichtwolf Nr. 54 (Ekstase)

Lichtwolf Nr. 54 zum Titelthema Ekstase ist ab sofort erhältlich hier im Einkaufszentrum oder beim catware.net Verlag.

Die diesjährige Sommerausgabe beschäftigt sich mit Ekstase, d.h. mit Transzendenz und Trance, Rausch und Schwärmerei, Enthusiasmus und Orgasmus nebst aller Varianten: Romantische Poesie und Nationalwahn, auch Heideggers Ekstasen sowie die anders gearteten von Fritz „Dionysus“ Nietzsche sind dabei. Auch Besessenheit im Christentum und Himmelfahrten in islamischer Mystik, außerdem Drogenkonsum und Masturbation, und im hinteren Heftteil geht es u.a. um Ekel und Emanzipation, den Frosch als Viehlosovieh und Wittgensteins Kriegserlebnisse.

Bdolfs Propädeutikum und Prolegomena und die erste Hälfte des Essays von Hieronimus und Schneidegger über den rauschenden Alltag im falschen Leben können Sie online lesen oder als PDF-Leseprobe herunterladen.

Erhältlich ist Lichtwolf Nr. 54 zum neuen Preis von 8,50 Euro hier im Einkaufszentrum, beim catware.net Verlag, im Buchhandel (ISBN 9783941921627) oder - da kann man richtig Zeit und Geld sparen! - im Abonnement.

Die E-Book-Fassung folgt in den kommenden langen, heißen Tagen.

Da Sie zu Recht skeptisch sind bezüglich der Behauptung, diese Ausgabe sei außenrum besonders gelungen, und da Sie sich nicht selbst am Kiosk davon überzeugen können, gucken Sie doch mal hier:

LW54 Rückseite

Wun-der-schön! Und das könnte für bloß 8,50 Euro Ihnen gehören!


Intime Interna am 19.06.2016, 21:57 Uhr

Hume in neuer Übersetzung

Heda, werte Leserin! Ihr Lieblingsverlag hat den dicken David Hume als Autoren gewinnen können!

David Hume: Von der Regel des Geschmacks

David Hume: Von der Regel des Geschmacks. Neu übersetzt und eingeleitet von Martin Köhler.

Schönheit liegt im Auge des Betrachters, meinte Hume, aber natürlich auf Englisch. Darum hat Martin Köhler Humes grundlegenden Ästhetik-Essay „Of the Standard of Taste“ neu übersetzt und mit einer kundigen Einleitung über die Entstehung des Essays versehen.

Erhältlich ist das Stück ab sofort als kleines Taschenbüchlein, knackige 60 Seiten für bloß 6,80 Euro, entweder hier im Einkaufszentrum oder nebenan beim catware.net Verlag. Außerdem natürlich beim Buchhändler Ihres Vertrauens, der das Büchlein aber erst bestellen muss: ISBN 9783941921603.

Eine noch preiswertere E-Book-Version folgt die Tage! Schmeckt gut!


Links der Woche am 18.06.2016, 14:17 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 25/16

Die erste und die eine Sprache

Auch Atheisten ahnen, dass die vielen Sprachen der Menschheit sich auf wenige, vielleicht gar eine einzige vor Babel zurückführen lassen. Komparatistik und Spracharchäologie sind inzwischen bis in die Jungsteinzeit vorgedrungen. Ulf von Rauchhaupt beschreibt in der FAZ, wie die Disziplinen vorgehen, was daran kritisiert wird und was sie herausbekommen haben. (15.06.16)

Mut zur Subjektivität

Diese Woche ging Andreas Beckmann im Deutschlandfunk der Frage nach, ob die Naturwissenschaften eine zu dominierende - womöglich gar imperialistische - Rolle in unserem Weltbezug spielen. Demnach ist die Gleichung Rationalität = Aufklärung = Fortschritt = Wohlstand recht jung, verkennt aber die Komplexität der Welt. Hier könnten selbstbewusste Geisteswissenschaften ein Korrektiv bilden. (16.06.16)

Gebildet sein und allein leben dürfen

In der NZZ portraitiert die Romanistin Ursula Beitz die fast vergessene Femme de lettres Marie de Gournay (1565-1645), die als Autodidaktin das patriarchale Bildungsverbot ihrer Zeit umging, zu Montaignes einflussreicher Brieffreundin wurde und als eine der Ersten für die Gleichstellung argumentierte. (18.06.16)

Die Ersten und die Letzten, Anfang und Ende

Roman Bucheli meditiert in der NZZ über die Unfallphotos des Polizisten Arnold Odermatt aus den 1960ern, die gerade heutzutage eine Sehnsucht nach den guten, alten Tagen der Übersichtlichkeit und Beständigkeit auslösen - und nämliche Nostalgie ist mit einer gewissen Untergangslust verbunden, ganz wie beim Attentäter das Verlangen nach dem Paradies mit der Zerstörung des Irdischen. (18.06.16)

PEGIDA und AfD verstehen

Die taz bespricht eher skeptisch das als Standardwerk annoncierte Buch „Pegida: Warnsignale aus Dresden“, worin Werner Patzelt und Joachim Klose die Erfolge von PEGIDA und AfD erklären wollen. Politik und Gesellschaft müssten sich bemühen, diese Leute zu verstehen. Na denn: Die FAZ portraitiert ausgiebig den (früheren) Sloterdijk-Schüler und AfD-Hausphilosophen Marc Jongen als Schwanzlurch, der an Parteiprogramm und Manifest arbeitet, den Thymos zugunsten nationaler Wehrhaftigkeit über Logos und Eros stellen und zurück zur „konservativen Revolution“ will. Für die ZEIT haben sich Jens Jessen und Ijoma Mangold mit Jongen unterhalten über das metaphysische Volk, die 68er-Seuche, EUdSSR, den Lügenstaat und allerhand anderen Unfug.

Das Weitere und Engere:

Im Freitag geht es kurz um die Aussichten, die mit einer geplanten Notabschaltung für Künstliche Intelligenzen verbunden sind. +++ Der Tagesspiegel spricht mit Michael Sandel über die ethischen Fragen von Transparenz und Big Data. +++ Der Bildungsbericht 2016 zeigt laut FAZ-Bericht, dass allenorten die Klüfte wachsen und der soziale Sprengstoff wächst. +++ Die NZZ zeigt sich sehr angetan von Michael Pauens Buch „Die Natur des Geistes“, worin er wider die „Erklärungslückentheoretiker“ auf dem Unterschied zwischen Erfahrung und Erkenntnis in Bewusstseinsdingen beharrt. +++ Literaturautomaten gibt es schon länger, jetzt kommt mit „Sunspring“ - wie die FAZ meldet - der erste Film, dessen Drehbuch von einer Künstlichen Intelligenz geschrieben wurde. +++ Sehr schön: Die heute Show des ZDF hat den Verschwör-o-maten online gestellt, der auf Knopfdruck ausspuckt, was die Mainstream-Medien den Sheeple verschweigen! +++ Apropos Literaturautomat: Falls Sie mal eine Preisrede brauchen, nehmen Sie doch einfach den guten alten Laudat-o-mat! +++ Und abermals apropos Literatur und Technik: Die NZZ verweist auf eine Untersuchung, die in literarischen Werken fraktale Muster entdeckt hat, die solchen in Musik, Herzrhythmus und Hirnaktivität ähnlich sein sollen.


Links der Woche am 11.06.2016, 14:23 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 24/16

Alles noch offen(er)

Thomas Thiel schreibt in der FAZ über die ambitionierten Pläne der EU, wissenschaftliches Publizieren komplett auf digital und Open Access umzustellen; Geisteswissenschaften spielen dabei allenfalls eine Nebenrolle. Die EU-Pläne haben Vor- und Nachteile, die Thiel aufzählt, und offen lässt, wohin das absehbare Verschwinden des Gedruckten gehört. (07.06.16)

Barbaren und Heimatliebe

In einem Essay beschäftigt sich der Sozialphilosoph Gunzelin Schmid Noerr in der FR mit Rassismus, und zwar anlässlich von Gaulands kürzlichen Aussagen über deutsche Fußballer. Trotz der Ablehnung, die dem AfD-Politiker darob entgegenschlug, hat er sozialwissenschaftlich Recht: Fremdenfeindliche Vorurteile sind eher die Regel als die Ausnahme. (07.06.16)

Bürokratie macht blöd.

Für den Freitag unterhält sich Lea Fauth mit David Graeber über Bürokratie, die verblödet, keinen Spaß macht und der er sein jüngstes Buch gewidmet hat. Graeber plädiert für Anarchismus als die Haltung, Zwang und Gewalt abzuschaffen, um gemeinsame Regeln aufzustellen. (08.06.16)

Provokation und Streit

In der ZEIT legt uns Lisa Friedrich die Lektüre von Judith Butler ans Herz, die in Deutschland nicht nur von Maskulisten mit Skepsis betrachtet wird und wegen der sie nach Berkeley gegangen ist. Denn Butler beschäftigt sich mit Fragen der Norm, Repräsentation und Anerkennung, die auch jenseits des feministischen Diskurses von Belang sind. (10.06.16)

Epistemisches Soziogramm des Hiwis

Der Hiwi ist eine alte Institution, wie Martin Mulsow in der NZZ schreibt. Vor 300 Jahren wohnten und aßen die Purschen noch beim Prof, gingen ihm zur Hand und mitunter sehr ungewöhnlich mit dem um, was sie bei ihm aufschnappten - wie Mulsow an einigen historischen Beispielen zeigt. (11.06.16)

Neue Bücher:

Die FAZ stellt das Buch von Carl Cederström und André Spicer vor, die darin das „Wellness-Syndrom“ als Auswuchs der kapitalistischen Selbstoptimierungs- und Glücksdoktrin ausmachen. +++ Die NZZ bespricht Hartmut Rosas Buch über Resonanz, Weltbeziehung und das glückliche Leben. +++ Außerdem rezensiert die NZZ Christine Christ-von Wedels (kurze) Biographie des Erasmus von Rotterdam. +++ Die ZEIT stellt einen Briefwechsel und die Neuauflage des Denktagebuchs von Carl Schmitt vor, das einen ungeschönten Einblick in sein Heidegger-haftes antisemitisches Nachkriegsschmollen gibt. +++ Die ZEIT bespricht außerdem Franco Berardis Studie „Helden“, die hinter den zeitgenössischen Fällen von Massenmord und Suizid einen „gewaltbereiten Neoliberalismus“ entdeckt.

Et cetera:

Die FAZ startet ein neues Blog über das Campusleben und zum Auftakt überlegt Jürgen Kaube, wie wenig Einfluss die Bologna-Reformen auf Klassiker wie Studienabbruch, Fachwahl- und wechsel und Akademiker-, d.h. Geisteswissenschaftlerarbeitslosigkeit (schönes Wort) hatten. +++ Letzte Woche ward an dieser Stelle auf die einstweilige Verfügung der NPD gegen den Dresdner Extremismusforscher Steffen Kailitz hingewiesen worden; diese Woche nun nahm der Richter seine Entscheidung zurück, wie der DLF meldet. +++ Die FAZ vermeldet eine Beobachtung, die nahelegt, dass Affen religiös sein könnten. +++ Für die taz berichtet Micha Brumlik vom Berliner Kant-Symposium. +++ Florian Rötzer stellt auf Telepolis eine Studie vor, wonach die Rede vom Anthropozän reichlich übertrieben ist: Der Mensch ist nicht erst seit der Industrialisierung eine erderschütternde Kraft. +++ In einer guten Woche erscheint der neue Lichtwolf (Titelthema: Ekstase), abonnieren Sie jetzt!


Links der Woche am 04.06.2016, 14:39 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 23/16

Maschinenintelligenz und Menschenmoral

Für die ZEIT portraitiert Stefan Schmitt den gruselig guckenden Philosophen Nick Bostrom, der u.a. in seinem Buch „Superintelligenz“ vor der Auslöschung der Menschheit durch autonome Maschinen warnt und dazu reichlich Konjunktive und das Bild der von uns abgehängten Schimpansen bemüht - und trotzallem Fortschrittsoptimist bleibt. (26.05.16)

Argumente gegen Exzellenz

An den Unis benutzt man für die Exzellenzinitiative ein Doppelsprech: Nach außen hui, intern pfui, schreibt der Mannheimer Germanist Jochen Hörisch in der FAZ. Eine wachsende Zahl von Wissenschaftler_innen hat die Nase voll vom schizoiden Antragswesen und traut sich, öffentlich dagegen zu argumentieren. (29.05.16)

Grundeinkommen für niemanden

Wenn nicht mehr genug Arbeit für alle da ist, könnte man ja mal übers bedingungslose Grundeinkommen nachdenken, über das die Schweiz morgen abstimmt. Vier mehr oder weniger gute Gründe gegen diese revolutionäre Umstellung des Sozialstaats und Arbeitslebens führt Alexandra Borchardt in der SZ an. (30.05.16)

Sloterdijks Megathemen

Für die FR unterhält sich Michael Hesse mit Thilo Sarrazins Parteifreund Peter Sloterdijk über den Zerfall der Linken und der Konservativen, die SPD als Aspirin, die Wiederkehr des 19. Jahrhunderts mit Internet und über progressive „Bewahrungs- und Abgrenzungsinteressen“. (01.06.16)

Von Snowden zu Eggers und Orwell

In der FAZ schreibt Bundesverfassungsrichter a.D. Udo Di Fabio Staat und EU hinter die Löffel, sich um die Regulierung von Big Data zu kümmern. Denn nicht der Überwachungsstaat ist das Problem, sondern die von Konzernen betriebene Vorratsdatenspeicherung in einer völlig volatilen Umgebung. (01.06.16)

Die Fehler sind meistens Absicht

Letzte Woche beklagt Rainer Moritz in der NZZ das schlampige Lektorat aktueller Neuerscheinungen. Nun antwortet ihm der Verleger Tom Kraushaar in der SZ, dass man nach den Urheberrechts- und VG-Wort-Urteilen die Verlage nicht noch schlechter reden sollte, als sie eh dastehen. (03.06.16)

Neues aus Deutschland

Der Tagesspiegel stellt das Buch „Böses Denken“ vor, in dem die Kantianerin Bettina Stangneth u.a. den „schwarzen Idealismus“ Eichmanns und den Eichmann im Jedermann untersucht. +++ Hannah Bethke berichtet für die FAZ von der einstweiligen Verfügung der NPD gegen den Politologen Steffen Kailitz vom Dresdner Hannah-Arendt-Institut. +++ A.a.O. erkennt Christian Geyer in der Bürgerwehr, der Dorfpolizei und einem CDU-Politiker des sächsischen Arnsdorf das wahre Ausmaß des Rassismus in Deutschland.

Außerdemos von Sonstnochos:

Der Standard ist recht angetan von der Doku „Tomorrow“ über kleine lokale Initiativen, die nach einer Lebensweise suchen, welche nicht den ökologischen Kollaps bewirkt. +++ Die FR berichtet von einem Weimarer Symposium über Teilen und Tauschen, Geben und Nehmen; dazu passt ganz gut der vorletzte Lichtwolf mit dem Titelthema „Bitte / danke“. +++ Charity und Solidarität sind zwei verschiedene Dinge und die FAZ weist auf eine Studie über den Zusammenhang von Sozialstaat, Ungleichheit und der Wertschätzung von Solidarität hin. +++ Die FAZ gibt außerdem einen kurzen Überblick über unsere Eigenart, Handlungsfähigkeit auf alles mögliche zu projizieren. +++ Alles Fake: Zum Dritten stellt die FAZ die Ausstellung von und über Kunstfälschungen in der Heidelberger Universitätsbibliothek vor. +++ Bei Glanz & Elend bespricht Wolfram Schütte die Erinnerungen an Ernst Bloch aus der Feder seines damaligen Tübinger Studenten Gert Ueding.


Links der Woche am 28.05.2016, 14:38 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 22/16

Immanente Transzendenz der Wissenschaft

Mit dem Wissenschaftshistoriker Hans-Jörg Rheinberger unterhält sich Reinhard Jellen bei Telepolis ganz nett über seine Derrida-Übersetzungen, über Philosophie als System und Haltung und über ihr Verhältnis zu Wissenschaft. (21.05.16)

Der freie Prof und der gebundene Rest

Eigentlich sollte es der verstaubten Ordinarienuniversität mit der Bologna-Reform an den Kragen gehen; aber jene bestärkte noch das Lehrstuhlprinzip, das Remigius Bunia in der FAZ mit Blick auf Mittelbau und akademischen Nachwuchs als gefährlich forschungsfeindlich beschreibt. Denn eine handvoll Autoritäten bestimmt allein über Karriere- und Forschungswege aller anderen. (24.05.16)

Durchschnittsmensch und Kollektivsubjekt

Nils Markwardt sucht im Freitag nach dem kleinen Mann, von dem (und seinen Wünschen, Nöten und Sorgen) neuerdings wieder so viel die Rede ist: moderne Woyzecks, die für die „(Selbst-)Verzwergung des postmodernen Prekariats“ stehen, welche wiederum den selbsternannten populistische Anwälten des kleinen Manns, d.h. den großen Verhältnissen nützt. (24.05.16)

Keine Zeit, keine Zeit!

Es geht immer hektischer zu in unserer Welt, bemerkt Hannah Bethke in der FAZ bzw. am Frankfurter Hauptbahnhof. Die Leute haben keine Zeit mehr, weil sie sie ständig in irgendwas investieren. Mit dem Beschleunigungs-Soziologen Hartmut Rosa und dem Astrophysiker Luciano Rezzolla geht Bethke der relativen Zeit nach. (27.05.16)

Neue Bücher

Die Denkhefte des umtriebigen und unabhängigen Essayisten Paul Valéry sind komplett als E-Book erhältlich, worauf Bernd Leukert bei Glanz & Elend hinweist. +++ Der Standard rezensiert ganz kurz Heinz Budes kurzes Buch über Stimmungen, Wutbürger und Systemfatalisten. +++ Die NZZ bespricht Gregor Reischs nun auch auf Deutsch vorliegendes philosophisches Lehrbuch von 1503, welches „die über das Mitverstehen ermöglichte Teilhabe eines jeden am Grossen und Ganzen“ befördern will.

Philosophie ist für alle da!

Letzte Woche durfte Peter Trawny in Hohe Luft vor der Popularisierung der Philosophie warnen, nun antwortet ihm der Chefredakteur nämlichen Magazins, Thomas Vašek, Philosophie müsse „mitten im Leben“ stehen und sich auf den Markt einlassen, anstatt den Kapitalismus zu verteufeln. Trawny darf dann noch einmal klarstellen, was Sokrates auf dem Markt macht und warum Populärphilosophie affirmativ sein muss und damit eine inszenierte Philosophie ist.

Unn sünst?

Marc Reichwein gibt in der WELT einen begeisterten Einblick in sein Erleben der phil.cologne, wo sich die Großdenker der Saison zu den Themen der Saison austauschten. +++ Ebendort hat der Gewaltforscher Jörg Baberowski vor dem Hintergrund der Kölner Silvesternacht über Pazifizierung durchs Gewaltmonopol nachgedacht, was er im Interview mit der FR etwas ausführt. +++ Jürgen Kaube würdigt in der FAZ den an einer Welt-Kriegsgeschichte arbeitenden israelischen Historiker Dan Diner zum 70. Geburtstag. +++ Diese Woche machte ein Archäologe mit der Behauptung auf sich aufmerksam, er habe in Stageira auf Chalkidiki das Grab des Aristoteles entdeckt. +++ Matthias Heine weist in der WELT auf eine Studie hin, wonach sich komplexe Sachverhalt am besten mit langverketteten Wörtern ausdrücken lassen, für die das Deutsche so geeignet und berühmt ist. +++ Heiko Werning weist in der taz auf ein chinesisches Rap-Video hin, in dem Karl Marx derbst abgefeiert wird. +++ Rainer Moritz gibt in der NZZ Beispiele für schlampiges Lektorat in aktuellen Buchtiteln. +++ Außerdem stellt die NZZ die hypermoderne Ausstellung über Erasmus von Rotterdam in Basel vor. +++ Heute Abend ab 23:05 Uhr gibt es im Deutschlandfunk die Lange Nacht über Voltaire.


Links der Woche am 21.05.2016, 14:32 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 21/16

Schlechte Uni Bolognese

Unter der schönen Überschrift „Kleine Reform eines großen Irrtums“ berichtet Stefan Kühl in der FAZ über die Pläne der Wissenschaftsministerien, jetzt endlich mal die gröbsten Verheerungen durch die Bologna-Reform zu kitten und die Verschulung der Universitäten mitsamt Notenwahn und Prüfungsterror ein bisschen einzuhegen. (18.05.16)

Algorithmen oder Trump?

Die Watson 2016 Foundation hat (zum Spaß) vorgeschlagen, 2020 einen Supercomputer als US-Präsidentschaftskandidaten zu nominieren. In der FAZ zählt Adrian Lobe zunächst die Gründe auf, warum eine Künstliche Intelligenz gute Politik machen könnte, und endet dann mit den ethischen Erwägungen, die alles wieder zunichte machen. (20.05.16)

Wider die rot-grün-versiffte Kulturpampe

In der ZEIT denkt Thomas Assheuer über rechtspopulistische Kulturpolitik nach, die Teil der europaweiten Re-Nationalisierungs- und Abgrenzungsstrategie ist und der es um mehr als eine Leitkultur geht: Die Mytheme von Kultur, Volk, Nation brechen in der Krise gewaltsam hervor und streben einem vorpolitischen Naturzustand zu. (20.05.16)

Nicht alle, aber manche - und das reicht.

Ruud Koopmans wundert sich in der NZZ, wieso sich der Paris-Attentäter Salah Abdeslam so lange in seiner Heimatstadt Brüssel verstecken konnte. Dabei war jede Terrorgruppe der Geschichte auf Sympathisanten angewiesen, die sich hinreichend mit den Tätern identifizieren können. Erfolgreiche islamistische Anschläge weisen darauf hin, dass es unter Muslimen in Europa ein Unterstützerpotential gibt. (21.05.16)

Philosophie ist beliebt!

In Köln steigt wieder die phil.cologne. Lars Weisbrod vermutet in der ZEIT hinter der Popularität solcher Philosophie-Festivals die Sehnsucht nach gut gelüfteten Schutzräumen jenseits von Polarisierung, politischer Korrektheit und Shitstorm-Angst. Das hingegen passt: Das populärphilosophische Magazin Hohe Luft lässt den Heidegger-Schwarzheft-Herausgeber Peter Trawny vor der Selbstabschaffung der Philosophie durch ihre Popularisierung warnen. Denn der Trend zur Philosophie für Jedermann hängt zusammen mit der Ökonomisierung der Universitäten.

Altes vom Studentenpack

Studenten heißen längst Studierende, was konservative Kulturkritiker nervt. Dabei wollte es schon Johann Gottlieb Fichte so, wie der Historiker Philipp Felsch in der FAZ anmerkt, allerdings nicht aus Gender-Gründen. Sondern weil die Studenten nur Quatsch machten statt zu studieren. Aus diesen seligen Zeiten rührt noch manche heutige Wendung, wie Matthias Heine in der WELT über die Jugend- und Studentensprache des 18. und 19. Jahrhunderts schreibt: Der krasse Schwachmat versucht einen famosen Ulk und blamiert sich bierbass als Kümmeltürke.

Außerdemchen:

Die FAZ weist auf eine Studie hin, die am Beispiel Mexiko-USA zeigt, das Grenzsicherung Migration nicht nur nicht verhindert, sondern böse-ironische Nebenfolgen hat. +++ Jens Bisky berichtet für die SZ vom 31. Internationalen Hegel-Kongress in Bochum, wo man den Beinaheabschluss der Hegel-Gesamtausgabe zelebrierte. +++ Auf der phil.cologne zankte sich Axel Honneth mit Norbert Bolz über Sozialismus und deutsche Verhältnisse, wie die FR berichtet. +++ Die NZZ bespricht den in Buchform vorliegenden Briefwechsel zwischen Paul Celan und René Char. +++ Dem in Yale lehrenden Ethiker Thomas Pogge wird vorgeworfen, gegenüber seinen Doktorandinnen sexuell übergriffig geworden zu sein.


Links der Woche am 14.05.2016, 14:23 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 20/16

Kommando zurück!

Für die ZEIT hat sich Elisabeth von Thadden in der Karlsruher Ausstellung „Reset Modernity!“ - kuratiert von Bruno Latour - umgesehen. Die versammelten Werke suggerieren: Das Hoffnungsprojekt Moderne steckt in der Krise fest, gute Gelegenheit also, selbst auch mal innezuhalten und nachzudenken, wie es weitergehen soll. (05.05.16)

Verschwörungs-FAQ

Bei den Scilogs hat Thomas Grüter drei häufige Fragen und Antworten zusammengestellt, die sich in den zehn Jahren seit Erscheinen seines Buchs über Verschwörungstheorien ergeben haben: Woran erkennt man sie? Wie verhalten sie sich zu Verdacht und Wirklichkeit? Warum glauben nicht nur Irre an sie? (11.05.16)

Was Horkheimer gesagt hat

Die kapitalistische Subjektivität ist Faschismus, schreibt Alain Badiou in seinem neuen Buch, aus dem ein Auszug im Freitag steht. Badiou erklärt den Terrorismus mit der Enttäuschung vom Westen, auf die ein nihilistisches Gangstertum folgt, das wiederum dem Kapitalismus entspricht. (11.05.16)

Die linke Professoren-Troika

Falls Sie glauben, der Postkapitalist Paul Mason sei noch nicht hochgejazzt genug: Nun setzt er sich im Guardian bzw. Freitag mit den jüngsten Veröffentlichungen der beiden anderen Linksolympier Thomas Piketty und Yanis Varoufakis auseinander. Für deren trotz des drögen Themas spannende Analysen der Finanz- und Eurokrise hat er nur Lob übrig. (11.05.16)

Das Licht am Ende

Anlässlich der Fertigstellung des Gotthard-Basistunnels meditiert Martin Ebel in der WELT über Enge, Tiefe und Claustrophobie: Vom Uterus bis ins Grab ist der Tunnel das Gegenstück zur Brücke und ein spektakulärer Angstraum, der von Ingenieuren und Künstlern gleichermaßen bewundert wird. (13.05.16)

Weiteres und Engeres:

Der Standard berichtet über die Aufführung des Stücks „Terror“ von Ferdinand von Schirach im Linzer Landgericht, bei dem die Zuschauer entscheiden, ob ein Kampfflieger dafür verurteilt wird, ein entführtes Flugzeug abgeschossen zu haben, um einen Terroranschlag zu verhindern. +++ Die Schriftstellerin Vendela Vida wundert sich in der ZEIT, dass das Leben die dollsten Geschichten schreibt, die im Roman wie ausgedacht wirken. +++ Mathe im Kino: Die ZEIT weist auf den Film „Die Poesie des Unendlichen“ hin, in dem sich Mathematiker erstmals nicht als Freaks dargestellt sehen dürfen. +++ Außerdem portraitiert die ZEIT die Bestatterin und Mediävistin (Spezialgebiet: Hexentheorie) Caitlin Doughty, die zunächst ihre eigene Todesangst überwand und uns nun das gleiche lehren will. +++ Die NZZ bespricht zwei Bücher von Gernot Böhme und Michael Hutter, die sich beide mit dem ästhetischen Kapitalismus befassen. +++ Die FAZ bringt den offenen Brief Heidelberger Professoren wider das System zur Akkreditierung von Studiengängen.


Links der Woche am 07.05.2016, 14:30 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 19/16

Nationalsozialismus für Philosophen erklärt

Geschichte ist beliebt, schreibt Per Leo im MERKUR, und das hat Vor- und Nachteile, die er ausführlich illustriert an einer „Begegnung von Historikern, die das 19. und 20. Jahrhundert erforschen, mit Philosophen, die eine Meinung zum Nationalsozialismus haben“. Klar: Es geht um Heidegger!

Et cetera:

Die WELT schreibt über den in Princeton lehrenden Psychologen Johannes Haushofer, der mit einem Lebenslauf seines Scheiterns mehr Aufmerksamkeit erregt als mit seiner Forschung. +++ Rachel Barney versucht im Journal of the American Philosophical Association eine aristotelische Definition des Internet-Trolls. +++ Apropos: Der Heidelberger Germanist Roland Reuß ist bekannt für seine Skepsis allem Digitalen gegenüber. In der NZZ wendet er sich jetzt gegen Pläne der EU-Kommission, einen wolkigen Server-Verbund für wissenschaftliches Publizieren zu finanzieren. +++ George Steiner hat sich für ein Interview-Buch, das die taz vorstellt, von einer Journalistin zu Heidegger, Todeslagern und zum Sterben befragen lassen. +++ Das Literaturarchiv Marbach will zum 50. Jahrestag das Wunderjahr 1968 aus globaler Perspektive betrachten, wie in der WELT zu lesen ist. +++ Seit Wochen protestieren in Paris junge Leute unter dem Motto „Nuit debout“; in der ZEIT beschäftigt sich Felix Stephan mit dem Vorwurf, es handele sich bloß um eine elitäre Nabelschau. Paul Mason kommt natürlich auch vor. Im ZEIT-Interview mit Elisabeth von Thadden erklärt dieser nochmal, warum es mit dem Kapitalismus zu Ende geht und Information das nächste große Ding wird.


Links der Woche am 30.04.2016, 14:23 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 18/16

Digitalitur des Proletariats

Manche, schreibt die NZZ, feiern Paul Mason „bereits als neuen Marx“. René Scheu zeigt sich in seinem Portrait spürbar genervt vom linken Etatismus und der ständigen Herumkrittelei am Neoliberalismus, den Marx so übel nicht fände. Für Paul Mason aber steht dank Digitalisierung der Postkapitalismus vor der historischen Haustür. (27.04.16)

Sexistische Scheidungsopfer

In den Hass-Kloaken des Internet wächst sich mancher Spleen zur Bewegung aus. Simon Hurtz portraitiert für die SZ die „Maskulisten“, die hier der durch Genderismus unterdrückten Männlichkeit nachtrauern, dort hasserfüllt gegen Frauen und Homosexuelle hetzen oder sich als Männerrechtler einzumischen versuchen. (27.04.16)

Neue Bücher

Die NZZ blickt auf den Kapitalismus in aktueller Belletristik. +++ Die NZZ bespricht außerdem Christoph Markschies’ religionshistorische Studie über Gottes Körper; dazu könnte passen Lichtwolf Nr. 42 über den #@%*! Gottes. +++ Die FAZ weist auf Jörg Baberowskis neues Buch über Kulturen, Bedingungen und „Räume der Gewalt“ hin. +++ Ausführlich, mit Blick auf aktuelles Auarkie- und Krisendenken und reich an Links bespricht Xaver von Cranach in der ZEIT Philipp Schönthalers Buch „Survival in den 80er Jahren“.

Außerdemos von Sonstnochos:

Letzte Woche beklagten die Politologen Frank Decker und Eckhard Jesse den Zustand ihrer Disziplin. Nun antwortet Hannah Bethke ihnen in der FAZ, dass es nicht am akademischen Nachwuchs liegt. +++ Apropos: Die FAZ weist auch auf die aktuelle Sinus-Jugendstudie hin, welche die junge Generation so unrebellisch wie nie beschreibt. +++ Tilman Krause wirbt in der WELT für eine Wiedervorlage von Alain Finkielkrauts Essay „Niederlage des Denkens“, worin der Topos von „kultureller Identität“ als antiaufklärerischer Kampfbegriff erwiesen wird. +++ Die taz stellt eine südkoreanische Studie vor, wonach Wikipedia demnächst an dem zerbrechen könnte, was das Onlinelexikon so groß gemacht hat. +++ Prost: Michael Kohtes blickt im Freitag auf die Segnungen zurück, die die literarische Welt den Drogen verdankt.


Links der Woche am 24.04.2016, 12:50 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 17/16

Arbeiter- und Soldatendrähte

Kai Schlieter unterhält sich für die taz mit dem Cyberwar-Theoretiker Thomas Rid, der jüngst eine Ideengeschichte der Kybernetik vorgelegt hat - eine von Norbert Wiener begründete verführerische Interdisziplin, die „Militär-nahe Forschung mit Gegenkultur, Artilleriefeuer mit LSD“ vereint. (17.04.16)

Bleibt Philosophie Männersache?

Im theorieblog geht es Sabine Hohl um den Aufstieg der Frauen in der Philosophie, dessen Langsamkeit schon länger beklagt wird und beschleunigt werden soll. Als Ursache für den unterdurchschnittlichen Frauenanteil gelten der Diskussionsstil, Talent (!) und die hauptsächlich männlichen Leitsterne der Disziplin; hinzu kommen die übrigen Karrierehemmnisse für Frauen. (21.04.16)

Klassenkampf von oben

Ausführlich beschäftigt sich Marcus Klöckner bei Telepolis mit dem Umgang mit den Besitzlosen in unserer Gesellschaft. Armut greift um sich, der Reichtum auch und die Kluft dazwischen wird von Politik und Medien mit der Verachtung derer gefüllt, die „es“ nicht geschafft haben im Gegensatz zu den Heroen der Eigenverantwortung. (24.04.16)

Fächer in Not

Schon vor einem Weilchen schrieb Felix Lill in der ZEIT über den weltweiten Effizienz- und Rechtfertigungsdruck, der die Geisteswissenschaften marginalisiert. Die Politologen Frank Decker und Eckhard Jesse werden in der FAZ konkreter und beschreiben, wie und warum die Politikwissenschaft öffentlich nur noch mit Querelen, aber nicht mehr mit Expertisen zu aktuellen Streitthemen wahrgenommen wird.

zum Fall Böhmermann

Der Satiriker Jan Böhmermann hat bei ZDF Neo exemplifiziert, dass der Satire juristische Grenzen gesetzt sind, und Türkenpräsi Erdogan sprang gewohnheitsmäßig darauf an, seither: Debatte mit x Metaebenen. Daraus nur zwei ausgewählte: Andreas Frey hat den Text mit der höchsten Schimpfwortdichte der FAZ-Historie geschrieben, weil er darin juristisch und lebensweltlich über Ehre und Beleidigungen meditiert. Im Freitag erinnert der Literaturwissenschaftler Steffen Martus an die Geburt von Kritik und Humor aus dem Geiste der Aufklärung - und wie schwer deren Akteure es im 18. Jahrhundert mit klagewütigen Autoritäten hatten.

Bücher, Bücher, Bücher

Bei Glanz & Elend bespricht Lothar Struck zwei Bücher von Uwe Kolbe und Günther Rüther über das goldene Zeitalter des öffentlichen Intellektuellen in beiden Nachkriegsdeutschlanden. +++ Als die Welt noch endlich war: Die NZZ stellt Philipp Schönthalers kurzweilige Studie über Survival-Literatur der 80er und deren anhaltenden Geist vor. +++ Die NZZ bespricht außerdem Heinz Budes Stimmungsbuch, in dem Heidegger soziologisch wird. +++ Drittens rezensiert Politologe Hans Maier ebd. die voluminöse Dissertation von Ahmet Cavuldak über verschiedene Trennungssysteme von Politik und Religion in westlichen Demokratien.

Et cetera:

Heideggers Schwarze Hefte sind inzwischen gut abgehangen. Nils Heisterhagen widmet seine Kolumne im European den linken und liberalen Intellektuellen, die sich seither mit der Berufung auf Heidegger noch schwerer tun müssten als die neue Rechte. +++ Felix Philipp Ingold ist Experte für russische Avantgarde und beschreibt in der NZZ, wie der Dadaismus auch in der jungen Sowjetunion in Gestalt der „Nitschewoken“ sein Unwesen trieb. +++ Die FAZ stellt eine soziologische Studie über Bildungsaufsteiger vor und darüber, ob sie ihren Erfolg bzw. ihr Scheitern sich oder der Gesellschaft zuschreiben. +++ Joseph E. Stiglitz weiß jedenfalls, warum junge Leute im Westen so sauer sind: Soziale Ungerechtigkeit hat auch eine Altersdimension.


Links der Woche am 16.04.2016, 15:56 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 16/16

„Moralphilosophie mit leistungsfähigen Rechnern.“

Für die ZEIT hat Elisabeth von Thadden den 28-jährigen Philosophen William MacAskill besucht, der in Oxford das „Zentrum für effektiven Altruismus“ betreibt und damit eine neue utilitaristische Bewegung angestoßen hat, die - auf Big Data und Ethik gestützt - erforscht, was möglichst vielen Menschen am besten hilft. (13.04.16)

Wissenschaft denkt nicht

Wissenschaft und Technik lösen Probleme und schaffen neue, bei denen vielleicht Philosophie helfen könnte. Reinhard Jellen unterhält sich darüber bei Telepolis mit dem Physiker und Technikphilosophen Klaus Kornwachs. Außerdem geht es um die Quelle des Fortschrittsdrucks, die Logiken, die wir selbst schaffen, und die instrumentelle Vernunft. (10.04.16)

Unn sünst?

Verarscht: 20 Jahre nach der Sokal-Affäre ist auch Alain Badious Hauszeitschrift hereingefallen und hat einen sinnlosen Quatsch-Artikel mit dem Titel „Ontologie, Neutralität und das Streben, nicht queer zu sein“ abgedruckt, wie die taz meldet. +++ In der Tradition der französischen Strukturalisten steht der Schriftsteller Kurt Drawert, dessen Band mit sprachkritischen Essays von der NZZ rezensiert wird. +++ Ebendort gibt es übrigens auch einen schönen Verriss von „Der Sinn des menschlichen Lebens“ aus der Feder des selbstbewussten „Soziobiologen“ Edward O. Wilson zu lesen. +++ Wie geht man als marxistischer Philosoph mit dem Leerlauf der Geschichte zwischen 1990 und 2000 um? Das verraten Wolfgang Fritz Haugs Aufzeichnungen aus dieser Zeit, die der Freitag vorstellt. +++ Die FR stellt Jürgen Kockas Buch über die Entstehung der sozialen Klasse der Arbeiter in Deutschland vor. +++ In der FR gibt es außerdem ein Interview mit der islamischen Feministin Ziba Mir-Hosseini über die Chancen und Schwierigkeiten der Gleichstellung in der islamischen und der westlichen Welt. +++ Die christlich geprägten Weltgegenden sind (immer noch) besessen von der Apokalypse. Warum das so ist, erklärt Johannes Fried in seiner „Geschichte des Weltuntergangs“, auf die die NZZ hinweist.


Links der Woche am 09.04.2016, 14:23 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 15/16

„Die wahre Utopie ist, zu glauben, dass es so weitergehen kann.“

Für die ZEIT unterhält sich Daniel Erk mit dem Krisendeuter-wider-Willen Slavoj Žižek über den Traum von einer Insel und darüber, wie man in einer komplizierten Welt nach Durchblick, Orientierung und der Chance zur Veränderung sucht. Anstatt auf die Weltrevolution zu warten, sollte man sich einige Kämpfe aussuchen und hineinstürzen. (08.04.16)

Suizid als symbolischer Akt

Computerpionier Alan Turing nahm sich das Leben, indem er in einen vergifteten Apfel biss. Martin Burckhardt beschäftigt sich in der FAZ mit diesem „märchenhaften“ Freitod, was ihm mehr oder weniger tiefenpsychologisch vorausging und was Turing uns damit sagen wollte. (09.04.16)

Außerdemchen:

Die FAZ hat ein unappetitliches Wörterbuch des Rechtspopulismus zusammengestellt, von Genderwahn bis Lügenpresse ist alles dabei, auch der von Sloterdijk der Antike entlehnte Begriff des Thymos. (Dazu und zum Hausphilosophen der AfD siehe auch Nils Heisterhagens Kolumne im European.) +++ Außerdem berichtet die FAZ vom Streit innerhalb der Volkswirtschaftslehre über den eindimensionalen Tunnelblick der Disziplin, die dadurch ihr kritisches Potential einbüßt. +++ Apropos: Die taz berichtet von einem Auftritt Paul Masons, bei dem dieser sein Buch „Postkapitalismus“ (über die Überwindung des Neoliberalismus vermittels seiner selbst) vorstellte. +++ Bliebe noch die Verwaltung: Die FR vermeldet kurz ein Streitgespräch zwischen David Graeber und Axel Honneth über Bürokratie und Sozialismus. +++ Das „Recht auf Stadt“ wurde erstmals 1968 von Henri Lefebvre formuliert, dessen marxistische Analyse der „Urbanisierung“ nun auch auf Deutsch erscheint, wie Florian Schmid im Freitag schreibt. +++ Die NZZ stellt den auf 40 Bände (!) ausgelegten „Grundriss der Geschichte der Philosophie“ vor, dessen fünf Bände zur Philosophie der Aufklärung im 18. Jahrhundert nun vorliegen. +++ Deutlich kürzer und preiswerter ist der aktuelle Lichtwolf zum Thema „Schloch“, den es auch als E-Book für Kindle und im epub-Format gibt.


Links der Woche am 02.04.2016, 20:10 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 14/16

Unutopisches Utopia

In diesen Tagen wird Thomas Morus’ „Utopia“ ein halbes Jahrtausend alt. Aus diesem Anlass beschäftigt sich Joe Dramiga bei den Scilogs mit dem genrebegründende Opus, dessen Gemeinwesen Dramiga zwar für einen Albtraum hält, aber dennoch oder darum einige Auszüge zur Lektüre zusammengestellt hat, die die Tücken des Begriffes „Gemeinwesen“ deutlich machen. (26.03.16)

Fusselbart und Samenstau, ich studier’ Maschinenbau!

Jürgen Kaube als Chef des FAZ-Feu und oberster Geisteswissenschaftler beschäftigt sich mit biographischen Studien über Islamisten, die ungewöhnlich oft ein technisches Studium absolviert haben - wie übrigens auch eine überdurchschnittliche Zahl von Rechtsextremisten. Religion erklärt demnach gar nichts. (29.03.16)

US-Hegelianer erklärt die Weltlage

In der ZEIT führen Michael Thumann und Thomas Assheuer ein ausführliches Interview mit dem Politikwissenschaftler Francis Fukuyama, der 1992 das Ende der Geschichte ausrief. Nun erklärt er, wie er das im Sinne von Hegel und Marx meinte, außerdem geht es u.a. um populistisches Ressentiment als Reaktion auf Ungleichheit und als Gefahr für die liberale Demokratie. (31.03.16)

Das eigene Leben im Ererbten

Andrea Köhler fragt im Rahmen der Reihe „Wie wir wurden, was wir sind“ in der NZZ, was es heißt, ein Kind seiner Eltern und seiner Zeit zu sein. In jeder Genealogie stecken Geschichte und Traditionen, die von Generation zu Generation wörtlich und im übertragenen Sinne vererbt werden - was das eigene Leben erschwert. (02.04.16)

Pegidisten haben keinen Bock mehr.

In der Begeisterung der Pegidisten für Putin, Orban & Co. zeigt sich mal wieder die Sehnsucht des Volkes nach dem „starken Führer“ durch demokratische Aufhebung der Demokratie, wie sie seit deren griechischen Anfängen bekannt und gefürchtet ist. Im Tagesspiegel führt der Politologe Herfried Münkler das Phänomen mit Étienne de La Boétie und Oswald Spengler auf politische Überforderung des Wahlvolks zurück. (02.04.16)

Außerdemos von Sonstnochos:

Nicht ganz überzeugt bespricht der Freitag Heinz Budes neues Buch „Das Gefühl der Welt“, worin der Soziologe u.a. von Heideggers Begriff der „Gestimmtheit“ ausgehend „der erotischen Musikalität der gesellschaftlichen Verhältnisse“ auf den Grund geht. Die WELT unterhält sich mit Bude über die gereizte Stimmung insbesondere in Ostdeutschland und die politische Hasskultur der USA. +++ Der Standard rezensiert nicht nur Peter Sloterdijks „Was geschah im 20. Jahrhundert?“, sondern versucht das Buch auch in den Kontext von Slotis jüngstem „Lob der Grenze“ zu setzen. +++ Telepolis stellt kurz Giorgio Agambens Essay über die eschatologische Signalwirkung des Rücktritts von Papst Benedikt XVI. vor. +++ Der Freitag zeigt sich ob des reaktionären Tons und einer fehlenden Vision verstört vom Buch „Lehrerdämmerung: Was die neue Lernkultur in Schulen anrichtet“ aus der Feder Christoph Türckes. +++ Die FAZ ist schwer enttäuscht wegen editorischer Fehler im ersten Band von Henry David Thoreaus übersetzten Tagebüchern. +++ Die FAZ stellt einige transdisziplinäre Denker vor, die sich um die wissenschaftliche Aufarbeitung des schwierigen Verhältnisses zwischen Geopolitik und Völkerrecht verdient gemacht haben. +++ Im Freitag würdigt Nils Markwardt die „Zeitschrift für Ideengeschichte“ zum 10. Geburtstag für ihre Titelthemen Altgier und Party.


Links der Woche am 26.03.2016, 16:48 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 13/16

Immer noch fürs big picture da.

Für Telepolis unterhält sich Reinhard Jellen mit dem Wissenschaftsphilosophen Klaus Mainzer darüber, wie die Naturwissenschaften der Philosophie den Rang abliefen, warum diese aber immer noch allein für den Gesamtzusammenhang zuständig ist - insbesondere im Angesicht der Algorithmisierung der Welt. (19.03.16)

Erkennen, verstehen, verändern

Aufklärung hat es heutzutage schwer. Sie „geschieht nicht“, wie Georg Seeßlen in seinem Blog bemerkt. Sodann wirbt er für die soziale Praxis z.B. des Dialogs als Erkenntnisprozess, der seinen Gegenstand emanzipiert, nicht unterwirft; dies, indem Ursachen von Gründen unterschieden werden. Am Ende stünde ein Wissen, das zur Veränderung führt. (24.03.16)

Die Wahrheit muss draußen bleiben

Immer wieder mal geht es im Feuilleton ums Feuilleton. Diesmal legt René Scheu in der NZZ vor: Seit Kants Zeiten ist die Öffentlichkeit nicht zuletzt durch die Balkanisierung des digitalen Diskurses zersplittert, weshalb die paranoische Vernunft fröhlich Urständ feiert - obwohl wir es im Netz nur mit uns selbst zu tun haben. Nicht so die Feuilletonisten. (26.03.16)

Gutes Gedenke zur Flüchtlingsdebatte

Auch Mark Siemons befasst sich in der FAZ mit der neuen Ungewissheit über die gemeinsamen Grundlagen des politischen Zusammenlebens und den gegenseitigen Vorwurf der Verblendung in der Flüchtlingsdebatte, bei der Siemons Carl Schmitt, Hannah Arendt und Giorgio Agamben zu Rate zieht. Michael Angele blickt im Freitag auf Namen, Strukturen und Taktiken deutscher Rechtsintellektueller, die sich mit Ernst Jünger im Gepäck als Widerstandskämpfer gegen Merkels Flüchtlingspolitik inszenieren. Dem geistigen Junkertum à la Sloterdijk et.al. widmet auch Christoph Baumgarten eine taz-Kolumne. Alain Badiou gibt im Interview mit Nils Markwardt ebenfalls im Freitag zu Protokoll, dass die Krise ein gutes Beispiel für seinen Begriff des Ereignisses ist, Flüchtlingsströme notwendig zu unserem Kapitalismus gehören und Integration ohne Kommunismus keine Lösung ist.

Foucault ein Neoliberaler?

Seit nicht mehr allzu Neuestem wird erwogen, Michel Foucault z.B. wegen seines Begriffs der Gouvernementalität in die Reihe der Vordenker des Neoliberalismus zu stellen. Freitag-Community-Mitglied Georg Simmerl zeichnet in einem sechsseitigen Essay die Debatte nach, liefert Anhaltspunkte und Buchtipps sowie eine Diagnose, woran die Linke (wie in der Debatte zu erkennen) krankt. Im Theorieblog kann man den ganzen Essay am Stück lesen. Einer der erwähnten Autoren hat dem Jacobin vor zwei Jahren übrigens ein Interview zum Thema gegeben.

Weiteres und Engeres:

Die NZZ kommentiert den Sieg der Maschinen in einer Disziplin, in der sich der Mensch noch für länger sicher vor der Künstlichen Intelligenz wähnte: dem Go-Spiel. +++ Nietzsches Geburts- und Grabort Röcken in Sachsen-Anhalt tat sich stets schwer mit dem berühmten Sohn. Nun aber will die Gemeinde, wie die FAZ meldet, sich zum angemessenen Pilgerort für Nietzscheaner mausern. +++ Zum 500. Jubiläum würdigt die NZZ die griechisch-lateinische Ausgabe des Neuen Testaments von Erasmus von Rotterdam.

Papier zum Lesen:

Die FR stellt die beiden Philo-Zeitschriften „Orient und Okzident“ und „Konzepte“ vor, die sich der denkerischen Beziehung zwischen den beiden vertikalen Hemisphären verschreiben. +++ Alexander Wendt ist depressiv und Wissenschaftsjournalist, der über seine Erkrankung ein Buch geschrieben hat, auf das die FAZ hinweist. +++ Recht unentschieden rezensiert die FAZ Harry G. Frankfurts Buch „Ungleichheit“, das sich auf ein rein ökonomisches Verständnis des Begriffs und ein „Genug reicht.“ kapriziert, wie der Untertitel „Warum wir nicht alle gleich viel haben müssen“ verrät. +++ Auch die Jüdische Allgemeine bespricht Carlos Fraenkels Buch „Mit Platon in Palästina. Vom Nutzen der Philosophie in einer zerrissenen Welt“, findet den Ansatz sympathisch, aber auch idealistisch. +++ Neues aus Walden: Der Humanistische Pressedienst rezensiert den ersten von Thoreaus zwölf Tagebuchbänden, der Vögeln große Aufmerksamkeit schenkt. Nicht, was Sie jetzt wieder denken! „Die Wachholderdrossel ist ein modernerer Philosoph als Platon oder Aristoteles.“ +++ Ein Wiener Verlag legt Graham Greenes „Der dritte Mann“ neu auf, wie der Standard meldet. Warum die Hauptfigur Harry Lime ein ziemliches Schloch ist, erklärt Wolfgang Schröder im aktuellen Lichtwolf, den es seit dieser Woche übrigens auch als E-Book für Kindle und im epub-Format gibt.


Intime Interna am 20.03.2016, 11:49 Uhr

Der Schlochwolf ist da!

Pünktlich zur Equinox 2016 ist Lichtwolf Nr. 53 zum Thema „Schloch“ erschienen.

LW53

Lichtwolf Nr. 53 ist das Frühlingsheft anno 2016 zum Thema „Schloch“.

Das aktuelle Frühlingsheft nimmt Sie mit auf eine Reise vom Ar zum Loch in 94 Seiten: Anale Charaktere, Deutsche, Franzosen, Trolle, innere Schweinehunde sowie Eulen, Feuerland-Indianer und Kryptographie. Die geneigte Leserin bekommt es innendrin u.a. mit ARno SCHmidt, Diogenes, Graham Greene, Giordano Bruno, Augustinus, Kant, Kurt Tucholsky und Sigmund Freud zu tun. Im unentbehrlichen Serviceteil erfahren Sie, wie Sie mit PGP kostenlos und sicher Mails verschlüsseln und wie Sie mit Kant links und rechts unterscheiden.

Die ersten Seiten gibt es hier als PDF-Leseprobe zum Herunterladen. Online lesen kann man Bdolfs Propädeutikum und Prolegomena und den ersten Teil des Essays über den Deutschen als analen Charakter von Marc Hieronimus.

Das aktuelle Heft zum Thema „Schloch“ ist hier im Einkaufszentrum für lumpige 7,80 Euro inklusive Versand bestellbar. Mit einem Abonnement gibt es ein Jahr lang zu jeder neuen Saison einen frischen Lichtwolf. Die E-Book-Fassung folgt wie immer in den nächsten Tagen.


Links der Woche am 19.03.2016, 15:09 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 12/16

Szientismus, Hoax und Bullshit

Vor 20 Jahren führte der Physiker Alan Sokal die Geisteswissenschaften vor, indem er ein unsinniges „Textgebräu aus physikalischen und philosophischen Versatzstücken“ in einer sozialwissenschaftlichen Fachzeitschrift unterbringen konnte. In der NZZ blickt Sven Titz auf die Sokal-Affäre zurück und den Bruch zwischen geistes- und naturwissenschaftlicher Kultur, der damit zu Tage trat. (13.03.16)

Frankfurt ist verstummt.

Joachim Güntner blickt in der NZZ wenig gnädig auf das, was bald ein halbes Jahrhundert nach den Studentenunruhen der 68er von der Frankfurter Schule übrig ist. So habe sie den (nicht unproblematischen) Wandel in Kultur und Gesellschaft mehr geprägt als andere Denkschulen - und sich totgesiegt. Die Negativität ihrer Kritik ist erloschen, die Vordenker sind vergessen, ihre Nachfolger übervorsichtig. (19.03.16)

Lebende und Tote

In der FAZ würdigt Jürgen Kaube den diese Woche verstorbenen Hilary Putnam als Wirklichkeitsphilosophen. +++ In der laufenden Sloterdijk-Debatte verteidigt Herfried Münkler seine Analytik strategischen Handelns in der Flüchtlingspolitik und sieht den „mit dunklen Metaphern Gedankenschwere“ simulierenden Intellektuellen abdanken. Auch die FR blickt auf den öffentlich inszenierten Streit zurück und findet, Schlotterdeik verlaufe sich mit seinem aktuellen Essayband im Metapherndschungel. Auch der Schriftsteller Rafik Schami stieg diese Woche in den Ring, um Sloti und anderen Rechtsdenkern Rassismus und Islamophobie vorzuwerfen, wie die SZ meldet.

Bücher, Bücher, Bücher

Zur Leipziger Buchmesse fragt sich die FAZ, warum es zur Zeit in so vielen Büchern um Tiere geht. +++ Die taz bespricht Félix Guattaris „Schriften zur Kunst“. +++ Der Freitag stellt Kamel Daouds Replik auf Camus’ „Fremden“ vor, die den Autor ins Visier von Islamisten geraten ließ; auch die NZZ rezensiert den Titel. +++ Die SZ zeigt sich enttäuscht vom Buch der Soziologin Saskia Sassen über den neuen, Armut produzierenden Kapitalismus. +++ In der NZZ stellt ein faszinierter Ludger Lütkehaus Ernst Peter Fischers Naturgeschichte der Dunkelheit vor. +++ Apropos: Ab morgen gibt es den neuen Lichtwolf hier im Einkaufszentrum oder für zum Abonnieren.


Links der Woche am 12.03.2016, 14:33 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 11/16

Müll als Sinnbild

Für die NZZ hat sich Roman Bucheli recht poetisch mit dem Zeichen unserer Zeit befasst, nämlich dem Müll und unserem Umgang damit: „Wir mögen zwar immer mehr davon hervorbringen, aber wir sehen trotzdem (oder vielleicht gerade darum) immer weniger davon.“ Philosophisch wäre es, genau hinzusehen. (12.03.16)

Sloterdijk rettet Deutschland

Im Februar gab Peter Sloterdijk dem Cicero ein Interview zur deutschen Flüchtlingspolitik, mit dem er sich („Souveränitätsverzicht“, „Überrollung Deutschlands“, „Lügenäther“) in die Riege der nationalkonservativen Denker einreihte. Dafür erhielt er mächtig Flak, u.a. von Herfried Münkler, gegen die er sich nun in der ZEIT zur Wehr setzt, indem er den Sozialkrisengewinnlern (Journalisten, Politologen und Soziologen) vorwirft, in pawlowscher Art reflexdressiert zu sein, und auf seiner Skepsis gegenüber der Willkommenskultur beharrt. Daraufhin meldet sich ebd. der Soziologe Armin Nassehi mit einer Gegenrede zur Gegenrede als gleichfalls Gemeinter zu Wort und liefert noch einmal Belege für seinen Vorwurf, Sloti und Safranski bedienten „genau jene Semantik, von der rechte und rechtsintellektuelle Invektiven derzeit leben.“ Nebenbei sind einige von Schlotterdeiks Essays unter dem irreführenden Titel „Was geschah im 20. Jahrhundert?“ als Buch erschienen, das Andreas Rödder in der FAZ nicht so überzeugt, während Ingo Arend bei Getidan Sloterdijk durch seine Essays gar vom Ruch des Nationalkonservativismus befreit sieht. Florian Rötzer hat sich für Telepolis mit dem Sloterdijk-Schüler Marc Jongen beschäftigt, der in Götz Kubitscheks rechtsnationaler Zeitschrift gefeiert wird als derjenige, der dem AfD-Wutbürgertum die philosophischen Weihen verpasst.

Was ist bloß los mit den Leuten?

...wollte die FR vom Soziologen Heinz Bude wissen, der im Interview erklärt, warum die Deutschen gerade so mega unentspannt sind. (Ihnen fehlt eine positive Zukunuftsvision.) André Kieserling guckt in der FAZ darauf, wie wichtig es in der Konkurrenzgesellschaft ist, Eindruck zu machen, und was mit den Verlierern dieses Dauerspielchens wird. Und ginge es auch anders als mit Aufwallungen innerhalb der eigenen Filterblase? Fridtjof Küchemann stellt ebenfalls in der FAZ das litauische Start-up-Netzwerk „Plag“ vor, das es nur als App gibt und dessen „unsozialer“ Ansatz („Deine Meinung ist nichts wert.“) eine ungeahnte Debattenkultur hervorbringt. Bei Netz gegen Nazis gibt es übrigens für alle, die weiter in den klassischen asozialen Netzwerken unterwegs sind, eine nützliche Übersicht über rechtspopulistische Gesprächsstrategien.

Et cetera:

Die NZZ stellt das Buch von Carlos Fraenkel vor, der mit altem philosophischen Kopfwerkzeug u.a. im Nahostkonflikt und anderen Krisengebieten vermittelt hat. +++ Apropos: Heute Abend ab 23:05 Uhr geht es im DLF in der Langen Nacht um Konflikt, Mediation und Dialog. +++ Und weil Radio halt generell gut ist, seien hier auch mal die Sendungen Essay und Diskurs (sonntags, 9:30 Uhr, DLF) und Sein und Streit (samstags, 13:05 Uhr, Deutschlandradio Kultur) live oder als Podcast empfohlen. +++ Mindestens so gut übrigens wird der neue Lichtwolf, der in einer Woche zum Titelthema „Schloch“ erscheint. Als Abonnentin können Sie ganz vorne mit dabei sein beim unwahrscheinlichsten Magazin der Welt.

Und wenn Sie in einem Bundesland mit Bindestrich leben: Morgen wählen gehen!, auch wenn in Ihrem Bindestrichland gerade keine Wahl sein sollte!


Links der Woche am 05.03.2016, 14:25 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 10/16

Alles für das Ranking

Hubertus Breuer schreibt in der SZ über den Druck auf Wissenschaftler_innen, möglichst oft in Fachzeitschriften mit möglichst hohem „Journal Impact Factor“ (JIF) zitiert zu werden, der (wie so vieles heutzutage) sogar neurobiologisch nachweisbar ist. Sodann geht es um bibliometrische Ursprünge und ökonomische Perversion des JIF. (02.03.16)

Körper, Geist und Volkswille

Brigitte Hilmer portraitiert in der NZZ zum 150. Todestag den vielseitigen Hegel- und Schellingschüler Ignaz Paul Vital Troxler, der u.a. als Augenarzt, Essayist, Flüchtling und politisches Idol der Schweizer glänzte und in seiner „Philosophie des ganzen Menschen“ prophetischer Solitär war. (05.03.16)

Special Agent Scully gefällt das.

Thomas Kuhn und Foucault haben das Entstehen der Anomalistik begünstigt, schreibt Andreas Kilcher in der NZZ. Dort stellt er das neue Handbuch der Disziplin vor, an dem u.a. das Freiburger Institut für Grenzgebiete der Psychologie und Psychohygiene beteiligt ist. Die Anomalistik will die Grenzen der Erkenntnis ausloten und paranormale Phänomene wie Geister und Spuk wissenschaftlich untersuchen, also nicht Esoterik sein. (05.03.16)

Alles ist ein Text.

Paul Cobley wundert sich im Freitag, warum niemand sonst das eigentlich Projekt des verstorbenen Umberto Eco auf dem Schirm hatte: Mit Ecos Semiotik als „Verstehen von Zeichensystemen“ und ihrer Wirkung nämlich scheinen viele Nachrufer nichts anfangen zu können, weshalb Cobley Nachhilfe gibt. (05.03.16)

Der Fall Meursault

Die FR bespricht recht begeistert Kamel Daouds romanhafte Gegendarstellung zu Camus’ „Der Fremde“; auch die ZEIT stellt das Buch und seinen Autoren vor, der sich mit seinen Äußerungen zu Islam, Kolonialismus und Colognialismus viele Feinde macht.

Auch das noch:

Es gibt ein neues, noch dunkleres Schwarz („Vantablack“), wie WELT und SZ melden, aber nicht jeder kann es benutzen. +++ Die NZZ lobt das neue Buch des Philosophiehistorikers Kurt Flasch über den Teufel - seine Funktion, Person und Rezeption. +++ Die NZZ bespricht auch Markus Gabriels neues Buch wider den Neurokram als Universalerklärung für alles Menschliche. +++ Die FR zeigt sich schwer begeistert vom illustrierten Jugendbuch des Chemikers und Philosophen Jens Soentgen, das die Kulturgeschichte von Feuer, Alchemie und Neugier erzählt. +++ Doomsday Prepper aufgepasst: Die ZEIT listet 29 Anzeichen des Weltuntergangs auf! +++ Taugliche Vorbereitung auf den anstehenden neuen Lichtwolf zum Thema „Schloch“: Andreas Frey schreibt in der FAZ über spontane Erdfälle. Schwups und weg!


Links der Woche am 27.02.2016, 12:02 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 09/16

Alleinsein und Einsamkeit

Konrad Lehmann befasst sich bei Telepolis mit diesen zwei ganz und gar nicht synonymen Zuständen bzw. Gefühlen. Londoner Neurobiologen haben gerade entdeckt, was Isolation mit dem Gehirn macht, woraus Lehmann folgert, dass Einsamkeit nun auch zu den anthropologischen Grundemotionen gezählt werden müsste. (23.02.16)

Das automatische Subjekt

Adrian Lobe hat für die FAZ einen Artikel des Rechtswissenschaftlers Brett Frischmann und des Philosophen Evan Selinger gelesen, die für eine Anpassung des Turing-Tests plädieren, da einiges darauf hinweist, dass Menschen in ihrer digital geprägten Umwelt immer maschinenähnlicher werden. (27.02.16)

Außerdemchen:

Die FR bespricht das neue Buch des Occupy-Vordenkers David Graeber, worin dieser Webers Lob der Bürokratie zurückweist, um auch hinter ihr den Neoliberalismus am Werk zu sehen. +++ Letzte Woche wurde es ringsum besprochen, nun liegt Kamel Daouds Buch „Der Fall Meursault – eine Gegendarstellung“ im FAZ-Lesesaal zur gemeinsamen Lektüre aus. +++ Telepolis stellt eine Studie über das Handlungs-Bewusstsein vor - über die neuronalen Grundlagen böser Taten auf Befehl. +++ Die FAZ berichtet von einem Auftritt des Informatikers David Gelernter in Berlin, wo er über den Wandel von Rationalität und Weltbezug durch die Digitalisierung sprach.


Links der Woche am 20.02.2016, 16:46 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 08/16

Hannah Arendt über Sokrates

Im Freitag würdigt Jürgen Busche Hannah Arendts Vorlesung über Sokrates als Buch der Stunde. Darin geht es um die Verachtung der Sophisterei, das Lob des Meinungspluralismus und warum das Denken nicht im Relativismus endet, sondern erst anfängt - und als Philosophie keine Realisierung braucht, um zu wirken. (17.02.16)

Peterchens Mondfahrt

Peter Sloterdijk schreibt in der NZZ einen langen Essay über den „dramatischen Zuwachs“ an Möglichkeiten, die die Technik uns eröffnet. Im Falle der Raumfahrt hat das jedoch eine neue Qualität: Raumstationen als ontologische Implantate im Nichts bringen ein In-der-Welt-Sein und eine Zwei-Wege-Transzendenz neuer Art hervor. (20.02.16)

„Stunde der politischen Terribles Simplificateurs“

Der Psychologe Carlo Strenger appelliert in der NZZ an die Citoyens, in den einander durchdringenden Krisen mutig und vernünftig zu bleiben, also nicht auf Polarisierungen, Populismen und vermeintlich einfache Lösungen hereinzufallen. Stattdessen sollten sie ihre Werte ohne falsche Scheu verteidigen und sich in etwas üben, was Strenger „zivilisierte Verachtung“ nennt. (20.02.16)

Camus reloaded

Kamel Daoud hat Albert Camus’ Romandebut neu verfasst, und zwar aus der Perspektive des Bruders des Arabers, der von Meursault erschossen wird. Für die FAZ unterhält sich Annabelle Hirsch mit Daoud über aktuelle Konflikte zwischen der arabischen und der westlichen Welt. Tobias Lehmkuhl zeigt sich in der SZ ziemlich enttäuscht von dem Roman, dessen Autor die Originalvorlage wohl nicht recht verstanden hat.

Neue deutsche Lautstärke

In der taz schlägt Tilman Baumgärtel nach, was sich vom Soziologen Gustave Le Bon lernen lässt über massenhafte Schreihälse on- wie offline; übrigens auch eines der Themen im nächsten Lichtwolf zum Oberthema „Schloch“. Für die ZEIT beschäftigt sich Volker Weiß mit dem öffentlichen Intellektuellen und streitbaren Soziologen Armin Nassehi, der sich jüngst in einem Briefwechsel mit dem Neurechten Götz Kubitschek auseinandersetzte. In der ZEIT schreibt Marion Detjen über ehrgeizige, junge Flüchtlinge, die über die hiesigen völkischen Diskurse den Glauben an Europa verlieren und sich zum Schaden des Kontinents lieber weiter gen Übersee aufmachen. Noch eine Drehung weiter machen Ulrike Guérot und Robert Menasse: In Le monde diplomatique schreiben sie über die Utopie eines wahrlich grenzenlosen Europas, in dem Platz für Städte wie Neu-Kundus oder Damaskus am Neckar ist.

Et cetera:

Das beste Wimmelbild der Welt: In einer „interactive documentary“ kann man sich den Garten der Gelüste von Hieronymus Bosch bis ins Detail begucken - und erklären lassen. +++ Im FAZ-Lesesaal beugt man sich gerade gemeinsam über Melvilles „Bartleby, der Schreiber“, und zwar übers gesamte (gemeinfreie) Buch. +++ Seit den 60ern ist alles irgendwie komplex. Die FAZ bespricht das Buch der Zeithistorikerin Ariane Leendertz über die semantische Karriere des Begriffs. +++ Der Freitag stellt drei Neuerscheinungen über Philologie und Philosophie in Afrika vor.


Links der Woche am 13.02.2016, 14:20 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 07/16

Banalität des Guten

Das Fremde verweist auf die Möglichkeiten, die das Eigene einst hatte, und wird darum gehasst, so in etwa die These des an Horkheimer, Adornos und Arendt geschulten Eike Geisel, der der „Wiedergutwerdung der Deutschen“ zeitlebens misstraute. Für die taz bespricht Ulrich Gutmair einen posthumen Sammelband mit Essays und Polemiken. (10.02.16)

Das Sein neoreligiös denken

Für The European unterhält sich Stefan Groß mit „einem der bekanntesten deutschen Philosophen, [Prof. Dr. mult.] Robert Spaeman[n]“. Es geht um philosophische Ein- und Verstellungen der Zugänge zu Gott und Sein, Gefahren und Chancen der Postmoderne, die Unmöglichkeit relativer Moral sowie um Auschwitz und Spaemanns „letzten Gottesbeweis“. (12.02.16)

E-Books als Simulation des Lesens

In der NZZ schreibt der Wissenschaftstheoretiker Michael Hagner über die rein digitale Bibliothek, wie man sie an der ETH Zürich erwägt, als unwahrscheinliche Dystopie. Dem gedruckten Buch ist nicht beizukommen, auch wenn Digitalisierung und Sparzwang den Bibliotheken das Leben weiter schwer machen werden. (12.02.16)

Analysen zur schlechten Stimmung

Mit Europa, der Demokratie und dem großen Tumult seit Silvester befasst sich Wolfram Schütte ausführlich bei Glanz & Elend. Auch Georg Seeßlen macht sich in seinem Blog Gedanken, wie die Zivilgesellschaft ihren Jammer über das Erstarken der Neurechten allüberall für einen humanen Gegenentwurf nutzen könnte. Der Krisen- und Katastrophenessayist Wolfgang Sofsky denkt in der NZZ darüber nach, was so alles erschüttert wird, wenn - wie jetzt gerade - die Dinge lärmend in Bewegung geraten, und um wie viel mehr sich die Menschen dann an Hoffnungen und Versprechen klammern. Daraus resultiert das hysterische Geschrei, mit dem sich die Schriftstellerin Sabine Bergk in der ZEIT beschäftigt: Hierzulande wird gebrüllt oder geschwiegen. Warum es auch zwischen Apokalypse oder Triumph nichts zu geben scheint, ist Dirk Pilz’ Thema in der FR. Eine Antwort findet er in diversen Büchern über christliche Gewaltlegitimation, deren Motive sich im Flüchtlingsdiskurs und bei George W. Bush genauso wie bei der RAF wiederfinden.

Unn sünst?

Letzte Woche besprochen, diese Woche widersprochen: Robert Nef kann die eher positive Rezension von Axel Honneths Sozialismusbuch in der NZZ so nicht stehenlassen, weil es die behauptete soziale Freiheit nicht geben kann. +++ Die NZZ bespricht auch Wolfgang Wills Doppelportrait von Herodot und Thukydides, die das abendländische Verständnis von Geschichte und Geschichten begründeten. +++ Außerdem würdigt die NZZ die in ihrem 10. Jahrgang stehende Zeitschrift für Ideengeschichte - harte Konkurrenz für unser kleines Weltmagazin? +++ Der Irrationalismus greift ja gerade wieder mächtig um sich. Die WELT berichtet von Popmusikern, die öffentlich den Satz des Pythagoras und die Kugelgestalt der Erde ablehnen. +++ Dada wird nach wie vor 100, darum hat die NZZ eine ganze Reihe von Texten zur Würdigung von Ball, Hennings, Schwitters et.al. zusammengestellt; im Deutschlandfunk kommt heute Abend ab 23:05 Uhr die Lange Nacht über Dada.


Links der Woche am 06.02.2016, 14:38 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 06/16

Männer können alles sein

Kluge Frauen betonen es seit Jahrzehnten, ihre Gegner wollen es nicht kapieren: Feminismus ist nicht männerfeindlich. Selma Mahlknecht zeigt bei Telepolis, dass vor allem Männer eine männerfeindliche Atmosphäre schaffen und von der Gleichberechtigung nur profitieren können, wenn sie denn schon keine ethische Einsicht in ihre Notwendigkeit haben wollen. (30.01.16)

Kooperation statt Konkurrenz

Die ZEIT führt ein langes Interview mit Martin Nowak, der - für einen Evolutionsbiologen eher ungewöhnlich - gläubiger Katholik ist, und natürlich erstmal erklären muss, wie das zusammenpasst, worüber er auch manchen Vortrag hält. Für die Vereinbarkeit von Religion und Wissenschaft spreche etwa die Mathematik. (04.02.16)

Dada wird 100

Diese Woche jährte sich Hugo Balls Einladung ins Cabaret Voltaire zum 100. Mal und Christian Schröder lässt im Tagesspiegel ein Jahrhundert Dada Revue passieren: Von den Zürcher Anfängen der Erz-Avantgarde im WK I bis zu den baldigen Niedergängen und Wiedergeburten. (05.02.16)

Piraten in Gerichten

2015 war für deutsche Verlage ein „annus horribilis“, schreibt der Slawist Urs Heftrich in der FAZ, und begründet das mit zwei Gerichtsurteilen, die Bibliotheken das digitale Bereitstellen von eingescannten Büchern erlauben und Verlage von VG-Wort-Tantiemen ausschließen sollen. Den Todesstoß fürs deutsche Verlagswesen sieht Heftrich in staatlich forcierten Open-Access-Publikationen. (05.02.16)

There's something in the Air

Georg Seeßlen beschäftigt sich im Freitag mit der erfundenen Geschichte von einem Syrer, der in der Warteschlange vorm Berliner Lageso verstorben sein soll, und damit, warum der Fake so „erfolgreich“ war. Die Hyperinformationsgesellschaft hat keine Vielfalt, sondern neuen Mainstream hervorgebracht, und verhält sich darin ähnlich hysterisch-irrational wie der spekulative Finanzmarkt. (05.02.16)

Ab in den Orkus!

Da simma dabei: Ulf von Rauchhaupt beschreibt in der FAZ ausführlich, was beim Sturz in ein schwarzes Loch vor sich geht. Dazu führt er zunächst in die faszinierende Wissenschaftsgeschichte dieser astronomischen Objekte ein, ehe es um die verschiedenen Möglichkeiten geht, unter einem krassen Sternenhimmel von einer solchen Raumzeitverzerrung in auf Nimmerwiedersehen verschwindende Stücke gerissen zu werden. (06.02.16)

Schamloser Hass

Im Netz spricht der Hass und bringt eine neue deutsche Hasskultur hervor, wie Hans-Jürgen Krug bei Telepolis rekapituliert, während (und wie) PEGIDA gerade europaweit demonstriert. In der FAZ unterhält sich Andrea Diener mit der Sozialpsychologin Catarina Katzer darüber, warum es so verführerisch ist, im Netz z.B. die Fascho-Sau rauszulassen (und warum das Internet uns durcheinander und Beziehungen oberflächlich macht). In der SZ schließlich setzt sich Till Briegleb aus aktuellem Anlass mit dem Gefühl der Scham auseinander - und welche Rolle Moralvorstellungen, Privatsphäre und „Gefühlspolitik“ dabei spielen.

Außerdemos von Sonstnochos:

Fnord-Report in groß: Auf dem Wiki psiram.com kann man sich über Esoterik, Verschwörungstheorien und den ganzen anderen Quark informieren und staunen, was es außerhalb der Psychiatrie so alles gibt. +++ Guy Debord hat nicht nur übers Spektakel geschrieben, sondern war auch Praktiker: Das Österreichische Filmmuseum zeigt, wie der Standard meldet, die Filme Debords. +++ Mal ein paar Bilderbücher? Der Tagesspiegel verweist auf Kirsten Boies deutsch-arabisches Bilderbuch über die Flucht einer syrischen Familie; die NZZ stellt Kathrin Schärers traurig-schönes Bilderbuch über den Tod, den Fuchs und einen Apfelbaum vor. +++ Die NZZ bespricht auch Lambert Wiesings philosophische Abhandlung über Luxus als ästhetischen Widerstand gegen die Zweckrationalität - sowie Axel Honneths Sozialismusrehabilitation, die von einem links-liberalen Freiheitsbegriff getragen werde. +++ Der Buchautor Patrick Spät bekennt sich bei den Krautreportern mit Link dazu, die Links der Woche zu lesen. Das ist sehr nett!


Links der Woche am 30.01.2016, 15:44 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 05/16

Philosophie und Wissenschaft

Für Telepolis unterhält sich Reinhard Jellen mit dem Münsteraner Philosophieprof Kurt Bayertz über Unterschiede und Ergänzungen zwischen Philosophie und Wissenschaften, die sich mehr oder weniger gut auseinanderhalten lassen. Die Philosophie könnte helfen, die allzu leicht ökonomisch ausgerichteten Wissenschaften wieder humanistisch anzubinden, außerdem geht es um Postmoderne und Ideologie. (24.01.16)

Žižeks Leitkultur

René Scheu setzt sich in einem langen NZZ-Interview mit Slavoj Žižek auseinander. Es geht um Altersmisanthropie, doofe Studenten, liberale Tabus, die deutsche Flüchtlingspolitik, Kulturrelativismus und die Kapitalistenschweine, die vom Chaos in der Welt profitieren. (30.01.16)

Grundlagen der bürgerlichen Gesellschaft

Nun, da Flüchtlingen an diversen europäischen Grenzen die Wertsachen abgenommen werden (sollen), überlegt Thomas Steinfeld in der SZ, was das bedeutet, wenn Person und Eigentum einander hegelianisch bedingen. Indem ihnen die Verfügungsgewalt über sich selbst genommen wird, sind Geflüchtete aufs nackte Menschsein reduziert und davon ausgeschlossen, Rechtssubjekte zu werden. (27.01.16)

Außerdemchen:

Peter Sloterdijk plappert im Cicero PEGIDA-Parolen nach, schreibt der Tagesspiegel, und in der WELT kommt ausgerechnet vom doofen Ulf Poschardt eine Gegenrede. +++ Christoph Drösser schreibt in der ZEIT einen hymnischen Nachruf auf Marvin Minsky: Der KI-Pionier und Hirn-Backupper ist diese Woche mit 88 gestorben. +++ Telepolis weist auf eine Studie hin, die ein mathematisches Modell dafür liefert, wann große Verschwörungen auffliegen. +++ Adornos „Erziehung nach Auschwitz“ wird in diesem Jahr ein halbes Jahrhundert alt, ist aber aktueller denn je, weshalb die Uni Frankfurt zum Symposium einlud, von dem Christian Füller für den Freitag berichtet. +++ Die NZZ bespricht Hans Peter Duerrs ebenso voluminöses wie trostfreies Kompendium der Nahtod-Erfahrungen. +++ In der taz wundert sich Micha Brumlik, warum noch immer so viele an Heidegger festhalten, obwohl die Schwarzen Hefte seinen Antisemitismus offenbart haben und er zum Stichwortgeber der Israelkritik geworden ist.


Links der Woche am 23.01.2016, 20:57 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 04/16

Nachkriegsfreundschaften

Der Politikwissenschaftler Ahlrich Meyer beschäftigt sich in der NZZ mit den Briefen, die von den Schwierigkeiten Siegfried Kracauers kündet, die sich im freundschaftlich-wissenschaftlichen Kreise von Hans Blumenberg und Hans Robert Jauss, Romanist mit SS-Vergangenheit, ergaben. (23.01.16)

Weitere Materialien zur Flüchtlingskrise

Theatermacher Milo Rau wendet sich in der ZEIT gegen den „zynischen Humanismus“, der sich in bloßer Betroffenheit äußert, obwohl doch alles auf den Zusammenhang hinweist, der zwischen dem Flüchtlingselend und unserer Lebens- bzw.- Konsumweise besteht, allbekannt ist und doch nie ernsthaft angegangen wird. In einem faszinierenden Text lässt die NZZ Wissenschaftler mit ethischen, ökonomischen und athropologischen Argumenten erklären, warum die Abschaffung aller Grenzen kein Chaos, sondern eine handfeste Utopie hervorbringen würde, wie es in der Vergangenheit schon mehrmals passiert ist. Apropos Utopie: Natürlich hat Slavoj Žižek auch weiterhin viel dazu zu sagen, wie der Kommunismus gegen Flüchtlingselend und Sex-Mob-Attacken hilft, so im schweizerischen Tagesanzeiger. Zu guter Letzt an die Schnittstelle von Ethik, Politik und Staatskunst: Das Verfassungsblog nimmt das Gutachten des ehemaligen Bundesverfassungsrichters Udo Di Fabio auseinander, das vermeintlich die Position der CSU zur Flüchtlingspolitik stützt.

Et cetera:

Für die FR bespricht Otto A. Böhme Axel Honneths Versuch, die diskreditierte Idee des Sozialismus in nüchtern-akademischem Ton als mögliche Lösung ökologischer und sozialer Probleme zu revitalisieren. +++ Die FAZ berichtet, wie sich die TU München darauf einstellt, dass die Studis immer mehr technische Geräte mit in die Uni schleppen. +++ In der SZ dagegen geht es darum, dass Studis viel zu brav sind - gelegentlichen Aufmüpigkeiten à la Münklerwatch zum Trotze. +++ Die taz meldet, dass ein großer Teil der zweiten „Marx-Engels-Gesamtausgabe“ der Einfachheit halber im Internet erscheinen soll, vor allem Briefwechsel, Exzerpte und Notizen. +++ Uwe Justus Wenzel berichtet für die NZZ von Günter Figals Tagung über Heideggers Schwarze Hefte in Freiburg.


Links der Woche am 16.01.2016, 15:05 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 03/16

Zeitreise mit der ZEIT

Nazischläger marodieren durch die Städte, politische Gegnerinnen werden bedroht, Schwimmbäder erteilen einer Bevölkerungsgruppe Zutrittsverbot, „Mein Kampf“ findet reißenden Absatz, die Schweiz knüpft Flüchtlingen an der Grenze Wertsachen ab - da macht die ZEIT doch lieber eine Zeitreise in die Zukunft und fragt einige Künstler_innen und Intellektuelle nach Deutschland anno 2036. (13.01.16)

Philosophie als Polyamorie

Die FAZ nimmt die Debatte um den vielleicht nur behaupteten Gegensatz zwischen analytischer und kontinentaler Denktradition wieder auf. Für Charles Taylor besteht er im Anspruch einer reinen Philosophie einerseits, die steril zu werden droht, und einem Denken, das keine Berührungsängste vor anderen Disziplinen hat. (16.01.16)

Mit Marx zur Charity-Gala

Hans Ulrich Gumbrecht hat in Stanford ein Doktoranden-Seminar darüber abgehalten, was vom Marxismus bleibt, und berichtet in seinem FAZ-Blog vom regen Interesse der Teilnehmer an wirtschaftlicher Gleichheit als ethischem Prinzip, um sich sogleich über Neid und Großzügigkeit auszulassen. (16.01.16)

16 days later

Ganz langsam legt sich der Pulverdampf nach der Kölner Silvesternacht. Die FR unterhält sich mit dem unvermeidlichen Richard David Precht übers Marokkanerverfrachten, kurzsichtige Politik und den Beitrag der Medien zum „Kippen der Stimmung“ im Land. Zum Ausgleich gibt es ebenda auch ein Interview mit dem Gewaltforscher Wilhelm Heitmeyer über Tätermassen, Aggression aus Hoffnungslosigkeit und politisches Parolentum. Und ansonsten sollte man zum Thema #koelnhbf (oder #ausnahmslos) vorrangig Leute fragen, die sich damit auskennen: Im Freitag plädiert Teresa Bücker dafür, die Debatte um sexualisierte Gewalt vor den Frauenrechtsextremisten zu schützen, und schildert persönliche Gewalterfahrungen, wie sie jenseits von Silvester schändlicher Alltag hierzulande sind. Bundesrichter Thomas Fischer zu guter Letzt liest in seiner ZEIT-Kolumne dem Bundesjustizminister, der CSU und anderen demonstrativen Härtefreunden die verfassungsrechtlichen Leviten zum Thema Köln, Zuwanderer und Gewalt gegen Frauen.

Außerdemchen:

Kürzlich ward hier ja bereits auf die Philosophie-Einführung der ZEIT hingewiesen, die Materialien und Anregungen für den Ethik-Unterricht oder nur so gibt. Auch das Schweizer Radio und Fernsehen hat sowas: Filosofix mit schick illustrierten Gedankenexperimenten und allem. +++ Die FAZ meldet, wie der Würzburger Hans Ulrich Gumbrecht (siehe oben) seine Heimatstadt auf die Idee brachte, Kants Hausdiener Lampe ein Denkmal zu widmen. +++ Die NZZ bespricht den jüngsten Band der Max-Weber-Gesamtausgabe mit den Briefen von 1895–1902, in denen es um Webers Probleme mit der Gesundheit und mit polnischen Landarbeitern geht. +++ Der Standard berichtet von einem Wiener Theaterabend mit dem Robert Pfaller, der zwei Karl Marxe (Märxe?) als Talkshow-Gäste hat.


Links der Woche am 09.01.2016, 14:37 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 02/16

Simplicissimi

Gute Vorsätze und so: Katrin Hummel beschäftigt sich in der FAZ mit dem anhaltenden Trend zu einem minimalistischen Lebensstil. Sie portraitiert dazu einige Leute, die ihren Besitz und Konsum radikal eingeschränkt und damit neue Freiheit gewonnen haben, wie es auch der Soziologe Harald Welzer empfiehlt. (06.01.16)

Aggressiver Humanismus statt Onlinepetitionen

Für Telepolis unterhält sich Manuel Schumann mit dem jüngst wegen seines antimodernistischen Pathos in Verruf gekommenen Aktionskünstler Philipp Ruch vom Zentrum für politische Schönheit. Es geht u.a. um eine radikal neue Flüchtlingspolitik, die Notwendigkeit undifferenzierter Politikerschelte und den Unterschied in den Zwecken zu PEGIDA. (07.01.16)

Zwei Dinge...

...hielten diese Woche das Feu in Atem und nur eines davon ist ordentlich genug abgehangen, dass es jetzt schon schöngeistiger Erwägungen lohnt. Da aber zur kritischen Edition von Hitlers „Mein Kampf“ so viele Kommentare erschienen sind, sei hier lediglich auf den von Jürgen Kaube (FAZ) verwiesen, der sich eine solche Ausgabe schon 1948 gewünscht hätte. In der anderen Geschichte, den sexuellen Übergriffen in der Silvesternacht in Köln und anderswo, hat Frank Lübberding für die FAZ eine erstaunlich unaufgeregte Phoenix-Runde zum Thema gesehen. In der WELT ruft der britisch-ugandische Autor Musa Okwonga dazu auf, endlich gemeinsam gegen Rassismus und Sexismus vorzugehen.

Das Verschwinden des Menschen

Der Mensch ist fleißig dabei, sich überflüssig zu machen: Wenn die Arbeit erstmal komplett den Maschinen überlassen ist, braucht es uns nur noch als Konsumenten, wie Marco Metzler in der NZZ schreibt. Die taz portraitiert mit dem KI-Forscher Dirk Helbing jemanden, der an der technischen Realisierung eines „planetaren Nervensystems“ werkelt, in dem der Mensch wohl eher ein herauszurechnendes Störphänomen ist.

Et cetera:

Bei politik-digital.de findet man das Buch des „bekanntesten Online-Philosophen Deutschlands“, Florian Rötzer, über „Smart Cities im Cyberwar“ anstrengend weil zu philosophisch. +++ Die NZZ empfiehlt Richard Swartz' phänomenologischen Roman übers alltägliche Gelumpe und Gerödel. +++ Die topmoderne Uni Freiburg stellt Podacsts (Audio und Video) von der interdisziplinären Tagung über Heideggers „Schwarze Hefte“ und die Ideologieanfälligkeit der Intellektuellen zur Verfügung. +++ Die taz portraitiert das philosophische Wunderkind Marcus Steinweg, der als Vortragskünstler jenseits von Uni und Institutionen der Metaphysik nachgeht. +++ Der Kapitalismus gerät ins Stocken, schreibt Robert Misik in der taz und liest bei diversen Ökonomen nach, ob das jetzt der echte Niedergang des „Kaputtalismus“ ist und was danach kommen könnte.


Links der Woche am 02.01.2016, 14:33 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 01/16

Zusammen liest man weniger allein

Heideggers „Sein & Zeit“ zu lesen ist anstrengend. Leichter wird es in Gemeinschaft und wer niemanden hat, mit dem die Lektüre dialogisch zu verarbeiten wäre, sei an Ralf und Philipp verwiesen: Sie lesen die Bibel der Fundamentalontologie paragraphenweise und sprechen anschließend in einem wöchentlichen Podcast darüber. Inzwischen sind sie bei § 16 („Die sich meldende Weltmäßigkeit der Umwelt“) angekommen.

Gemeinsame Lektüre ja, aber bloß nicht Heidegger? Dann gucken Sie halt in den Lesesaal der FAZ rein, dort wird gerade kollaborativ das Buch „Reich und Arm“ des Ökonomen Joseph Stiglitz gelesen.

Helikopterelternabend an den Unis

Eine Folge der Bildungsreformen zugunsten einer im Schweinsgalopp herzustellenden employability sind Elternabende an Universitäten. Für die FAZ nimmt sich Birgitta vom Lehn des Phänomens an, das auch mit einem anderen Verhältnis zwischen den Generationen sowie dem elterlichen Trend zur Überbehütung zusammenhängt und mit dem Unis verschieden umzugehen lernen. (29.12.15)

Gefallen und Unverletzbarsein

In der WELT beschäftigt sich Byung-Chul Han unter der fetzigen Überschrift „Narzissmus ist der Grund für Selfies und Terror“ mit der inneren Leere und ihren Symptomen bzw. Folgen sowie ihren Gründen (das unternehmerische Selbst und soziale Medien). Dazu erklärt er den Unterschied zwischen Narzissmus und Eigenliebe sowie die Notwendigkeit von Konflikten. (30.12.15)

Noch sind wir nicht tot.

Otto A. Böhmer empfiehlt in der taz, mit Schopenhauer ins neue Jahr zu starten. Das macht nicht glücklich, aber gelassen; es schärft den Sinn für die Gegenwart und für die Vorzüge des Alterns und es bereitet aufs unvermeidliche Auspusten der Laterne vor, das für den alten Pessimisten nicht das Ende bedeuten konnte. (01.01.16)

Neue Bücher:

Der Freitag stellt das Buch seines Community-Mitglieds Helder Yurén vor, worin dieser in Kleinbuchstaben die Expertokratie als Weg aus der kritikwürdigen Gegenwart hin zu einer herrschaftsfreien Utopie empfiehlt. +++ In seinem jüngsten Buch behauptet Markus Gabriel wider den „Neurozentrismus“, ich sei nicht Gehirn; das können Sie sich auf 256 Seiten für 18 Euro erklären lassen - oder sich die kurze und knackige Einlassung Rüdiger Spiegels zum gleichen Thema im aktuellen Lichtwolf gönnen. +++ Die NZZ bespricht des Juristen Michael Stolleis Sammlung von Anekdoten und Erzählungen, die ein anschauliches Bild von Rechtsphilosophie und -geschichte zeichnen. +++ Arno Widmann hat sich für die FR aus Slavoj Žižeks manischem Jahres-Output das kleine Pamphlet „Der neue Klassenkampf – Die wahren Gründe für Flucht und Terror“ vorgenommen und ist wenig überzeugt von der Art, wie Žižek auch darin für den Kommunismus als Lösung aller Probleme wirbt.

Unn sünst?

Der Freitag portraitiert die Philosophische Praxis von Ute Gahlings und Christian Hellweg in Frankfurt, wo man Leuten für 75 Euro die Stunde beim Gelingen des Lebens weiterhilft. +++ Die ZEIT führt bereits seit 2013 mit einer Einführung in die Philosophie denkinteressierte Jungmenschen mit knackigen Erläuterungen und Hausaufgaben an die schönste Wissenschaft heran; in der aktuellen Folge geht es um Platon bzw. Sokrates und ihre Ideenlehre, Dialogtechnik und Wissensbegriff. +++ In der Physik streitet man sich, ob man mit Stringtheorie und Multiversen den Bereich falsifizierbarer Wissenschaft verlassen habe, und rief die Philosophie zu einem Workshop herbei, von dem Spektrum der Wissenschaft berichtet. +++ Thomas Sautner fragt im Standard, wie man glücklich sein könne angesichts des traurigen Zustands unserer Gegenwart. Die Taktik „Verdrängen plus ein wenig Engagement“ ist ebenso beliebt wie der modern-eremitische Rückzug, der Trotz aber das einzig Wahre!


Links der Woche am 26.12.2015, 17:21 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 52/15

Hoppla, es ist ja schon wieder Samstag und damit Zeit für die Links der Woche!

Trigger-Warnung

Damit es nicht zu besinnlich wird: Für Telepolis hat sich Marcus Stiglegger ausgiebig mit beim westlichen Kino entlehnten Narrativen, Dramaturgie und Ästhetik der Snuff-Videos beschäftigt, mit denen die IS-Miliz im Internet zugleich Gegner einschüchtern und neue Anhänger gewinnen will. (20.12.15)

Zeitungen und Ewigungen

Der Feu-Chef der NZZ, Martin Meyer, befasst sich in seinem nostalgischen Weihnachtsessay mit Ohnmacht und Beschleunigung, die die moderne Lebenswelt verheeren. Ein überfälliger Beilagen-Beitrag, der von Gadamer in letzter Minute via Aeroplan geliefert wurde, wird zum Sinnbild dafür, was der Fortschritt seit den 1980ern nicht nur in Redaktionen obsolet gemacht hat. (24.12.15)

Bekenntnisse auf Knien

Die FAZ bringt einen Auszug aus des Althistorikers Robin Lane Fox’ umjubelter Studie über die Confessiones des Augustinus. Als (wie auch immer) zu Papier gebrachter innerer Monolog zwischen Ich und Vernunft begründeten sie eine bis heute beliebte Gattung, deren Themen und Textbezüge nach wie vor faszinieren. (26.12.15)

Kant und ZEIT

Der gute Immanuel Kant hat es jüngst auf die Titelseite der ZEIT geschafft, für die sich Thomas Assheuer mit dem Frankfurter Kantianer Rainer Forst über den Königsberger unterhalten hat, an dessen aus dem Denken gewonnenen Überzeugungen Forst festhält - obwohl jede Nachrichtensendung sie zu widerlegen scheint. Die ZEIT hat darum weitere „Philosophinnen und Philosophen aus aller Welt“ nach der Aktualität von Kants Denken befragt, die darauf sehr unterschiedlich antworten. Wie sehr unsere großen Denker wie Kant, Nietzsche und Til Schweiger in der Flüchtlingskrise missverstanden werden, ist übrigens eines der Themen im aktuellen Lichtwolf; neben der papiernen Ausgabe gibt es das Ding auch als preiswertes E-Book für Kindle oder im epub-Format.

Außerdemos von Sonstnochos:

Passend zur Jahreszeit erklärt Bad Santa Slavoj Žižek in der FAZ auf seine unnachahmliche Art, warum wir Weihnachten feiern obwohl wir selbst an den Zinnober gar nicht mehr glauben (und was das z.B. mit dem Demokratiebegriff zu tun hat). +++ Arno Kleinebeckel zeigt sich bei Telepolis sehr unzufrieden mit den Reaktionen auf die Anschläge von Paris und vermisst den Citoyen Rousseaus. +++ Unzufrieden ist auch Pankaj Mishra, der in der SZ die auch künftig immer wiederkehrende Notwendigkeit zu trauern mit der im Westen geleisteten Verblödungsarbeit in Zusammenhang bringt. +++ Auch die ZEIT bespricht Herfried Münklers kühle Analyse moderner Gewaltformen und ihrer Kriegsethik. +++ Philipp Ruch vom Zentrum für politische Schönheit hat sich für sein politisches Manifest den Vorwurf eingehandelt, ein antimodernistischer Schwurbelpathetiker zu sein, was er in der ZEIT zurückweist. +++ Die FAZ meldet, die Universität Salzburg habe dem Biologen Konrad Lorenz jüngst die Ehrendoktorwürde entzogen, weil der sich für den Nationalsozialismus engagiert hatte.

Das war also das insgesamt wenig erquickliche 2015, guten Rutsch und bis nächstes Jahr - und keine Hemmungen: Unser Einkaufszentrum ist natürlich auch zwischen den Jahren in voller Stärke besetzt, um ihre Bestellungen zu verschicken!


Intime Interna am 21.12.2015, 12:30 Uhr

Bitte Lichtwolf, danke Lichtwolf

Das neue Heft ist da, hurra, hurra. Worum geht es dieses Mal? Darum:

LW52

Lichtwolf Nr. 52 ist die aktuelle Winternummer zum Thema „Bitte / danke“.

In Lichtwolf Nr. 52 geht es auf 100 werbefreien Seiten um Höflichkeit und Dankbarkeit, Schenken und Schulden, Benehmen und Vergeben. Mit an Bord sind Max Frisch, Nietzsche, Cioran, Lord Chesterfield, Gorgias, Novalis, Scheler und Derrida sowie natürlich Kant, der dieses Heft eindeutig dominiert. Das tut auch die Politik: Flüchtlingskrise, Klimagipfel, Antideutsche, Wiedervereinigung und der Amtsantritt Justin Trudeaus sind ebenfalls Themen der Nummer 52, mit der sie nun für jede Woche im Jahr einen Lichtwolf haben.

Die ersten Seiten gibt es wie üblich hier als PDF-Leseprobe zum Herunterladen. Zur Online-Lektüre stehen bereit zum einen Bdolfs Propädeutikum und Prolegomena, zum anderen die erste Hälfte von Georg Frosts Essay über das Höflichkeitsverständnis des späten Adels und frühen Bürgertums.

Die Winterausgabe zum Thema „Bitte / danke“ ist hier im Einkaufszentrum für bloß 7,80 Euro inklusive Versand bestellbar oder halt gleich im Abonnement, dann gibt es ein Jahr Lichtwolf. Die E-Book-Fassung folgt wie immer in den nächsten Tagen.


Links der Woche am 19.12.2015, 15:57 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 51/15

Bedingung einer Poesie

Bedauernd schreibt Birgit Schmid in der NZZ über das Aussterben eines noblen Gefühls, nämlich der Schüchternheit. Die gilt in Zeiten der digitalen Dauerselbstdarstellung als Defizit, dem mit Medikamenten und Ratgebern zu Leibe gerückt wird - obwohl die scheue Innerlichkeit doch viel zu bieten hat. (12.12.15)

Kompromiss statt Kampf

Im Freitag wird über die Möglichkeit oder Notwendigkeit eines linken Populismus diskutiert. Albrecht von Lucke warnt in seinem Beitrag vor Weimarer Verhältnissen, da linker und rechter Populismus nicht zu unterscheiden sind, und plädiert vielmehr für eine kompromissfähige Linke ohne Feindbilder. (15.12.15)

Remythologisierung des Alltags

Der säkulare Liberalismus und die rationale Wissenschaft sind nicht so gesetzt, wie man gemeinhin glaubt, schreibt Anton Hügli in der NZZ. Wenn sich die Religion sinnvoll einbringen will, um das Bedürfnis nach Transzendenz zu bedienen, sollte sie sich an die Religionsphilosophie von Karl Jaspers halten. (19.12.15)

Neue Bücher:

Ausführlich und fasziniert bespricht die FAZ „Die Möglichkeit der Normen“, worin der Jurist Christoph Möllers die Begriffe von Norm und Normativität sowie ihre Bedeutung für den demokratischen Alltag klärt. +++ Dieter Thomä, Ulrich Schmid und Vincent Kaufmann haben ein Buch geschrieben über die Bedeutung der Biographie für das Denken von Philosophen, die NZZ rezensiert das Werk. +++ Die FR zeigt sich fasziniert von David George Haskells Buch über „Das verborgene Leben des Waldes“. +++ Nicolas Mahler hat eine Philosophiegeschichte in Comicform gezeichnet, der Standard stellt „Partyspaß mit Kant“ vor.

Außerdemchen:

Freitag-Community-Mitglied TobiT unternimmt einen politisch-philosophischen Jahresrückblick und schaut nach, wie sich Slavoj Žižeks „Jahr der gefährlichen Träume“ in Griechenland und anderen europäischen Krisenländern ausnahm. +++ Georg Blume unterhält sich für die ZEIT mit dem Philosophen Alain Finkielkraut über das deutsch-französische Verhältnis in Zeiten des Terrors und des Krieges, den man hier nicht so nennen mag. +++ Bei Getidan findet sich der Hinweis auf Ben G. Fodors Photokunst zum Absurden; weitere Performances, die die Zweckhaftigkeit des ganzen menschlichen Strebens dokumentieren, gibt es auf Fodors Homepage. +++ Lichtwolf Nr. 52 (Titelthema: „Bitte / danke“) ist bereits auf dem Postweg in die Briefkästen unserer Abonnent_innen - und ganz ohne jeden Hinweis auf bevorstehende Konsumfeierlichkeiten sei hier auf die Möglichkeit hingewiesen, Abos und Einzelhefte der „Zeitschrift trotz Philosophie“ zu verschenken.


Links der Woche am 12.12.2015, 15:03 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 50/15

Heidegger-Schisma

Die Veröffentlichung von Heideggers Notizen aus den 1930er und 40er Jahren („Schwarze Hefte“) hat letztes Jahr unter Anhängern und Gegnern des Fundamentalontologen für Aufregung gesorgt. Nach einigen Rücktritten, Neupositionierungen und vielen Wortmeldungen finden gerade diverse Konferenzen zum Thema statt, die die Zersplitterung belegen. Thomas Thiel gibt in der FAZ eine Übersicht über Akteure und Frontlinien. Die Badische Zeitung unterhält sich mit Hermann und Arnulf Heidegger (Sohn und Enkel) darüber, warum der Nachlass weiterhin Familiensache bleibt und was in Freiburg los ist.

Facebook-Kritik herzlos bis antisemitisch?

Facebook-Gründer Mark Zuckerberg hat die Geburt seiner Tochter zum Anlass für die Ankündigung genommen, sein Vermögen in eine wohltätige Stiftung einzubringen. Michael Hanfeld gehörte zu denen, die darob nicht in Lobpreis ausbrachen, vielmehr zeigte sich Hanfeld in der FAZ kritisch gegenüber diesem Mediencoup. Götz Aly meinte in der allgemeinen Kritik, aber besonders in der Hanfelds, alte antisemitische Klischees zu erkennen, und bekommt wegen der Vorwürfe in seinem BZ-Artikel nun wiederum einen geharnischten Brief vom Feu-Chef der FAZ, Jürgen Kaube.

Neue Bücher

Der Freitag bespricht Jürgen Manemanns Buch, demzufolge Nihilismus und Furcht vor dem leeren Leben - und nicht Religion - junge Europäer zum Dschihadismus (oder Faschismus) hinziehen. +++ Die NZZ weist auf Manfred Franks Vorlesungen hin, die in einem Buch versammelt - gestützt auf Sartre, Fichte, Novalis und Bolzano - der Frage des Selbstbewusstseins nachgehen. +++ In ihrer Rezension von Axel Honneths Buch zur Aktualisierung des Sozialismus sieht die WELT den kommunikativen Liberalismus von Honneths Lehrer Habermas am Werk.


Links der Woche am 05.12.2015, 14:01 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 49/15

Der verunsichernde Teil der Antwort

Nach den Anschlägen von Paris schien die französische Stadt ebenso wie Brüssel im Belagerungs- oder Ausnahmezustand zu sein. Dass dieser dem Sicherheitsapparat nicht unbequem ist, nimmt Harald Staun zum Anlass für die Warnung, Polizei und Geheimdienste könnten das Vertrauen in die freiheitliche Demokratie gefährden. (29.11.15)

Künstliche Kapuzineräffchen mit Exoskelett

Die FAZ unterhält sich mit dem KI-Entwickler Jürgen Schmidhuber, der nicht nur die körperliche Arbeit dem Roboter überlassen will, sondern auch Wissenschaft und Forschung. Dazu forscht er ausgiebig an selbstlernenden neuronalen Netzwerken und zeigt sich unbeeindruckt von den Aussichten, seine Spezies könne sich damit selbst marginalisieren. (01.12.15)

Et cetera:

Die NZZ berichtet von einer Bochumer Tagung über experimentelle Philosophie, die zurück zum erhellenden Gedankenexperiment als Empirie will und deren Logo ein brennender Lehnstuhl ist. +++ Die Deutsche Welle hat Migranten und Geflüchtete nach ihren liebsten Worten auf Deutsch gefragt, Hannes Klug und Michael Angele stellen im Freitag das Ergebnis vor: „ebenso klangvolles wie melancholisches Wörterbuch“. +++ Hätte der Sozialismus das iPad hervorbringen können?, fragt Zoe Williams im Freitag und beschäftigt sich mit der neoliberalen Überzeugung, nur giergetriebene Privatwirtschaft sei innovationsfähig. +++ Die NZZ bespricht den nun auch auf Deutsch vorliegenden Briefwechsel zwischen Descartes und Elisabeth von der Pfalz über Vernunft, Gefühl die politisch-religiösen Verhältnisse des 17. Jahrhunderts. +++ Die taz rezensiert Steffen Martus’ Buch über den politischen Hintergrund, vor dem im Deutschland des 18. Jahrhundert sich die Aufklärung entwickelte. +++ Björn Höcke, Deutschland-Aficionado der AfD, hat sich auf Heidegger berufen. Daniel-Pascal Zorn erklärt bei Hohe Luft, dass Höcke den von ihm bildungshuberisch herangezogenen Begriff der Seinsvergessenheit offensichtlich nicht kapiert hat. +++ Hannah Arendt ist wieder angesagt, weshalb Micha Brumlik in der taz auf zwei passende Neuerscheinungen - eine „Denkbiographie“ und einen Gedichtband - hinweist.


Links der Woche am 28.11.2015, 15:46 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 48/15

Weltuntergang aus Kartoffelpüree

Bundesrichter Thomas Fischer schreibt in der ZEIT regelmäßig über Grenzfragen zwischen Recht und Moral. Diese Woche nahm er sich das Böse vor. Das hat im Strafrecht nichts verloren und ist auch philosophisch knifflig. Der leicht erratische Schreibstil passt zur eigentlichen Frage: der Abgrenzung vom Bösen zum Verrückten und zur schuldunfähigen Abartigkeit. (24.11.15)

Zurück zur Schönheit als Erdbeben

Wolfgang Ullrich sieht in der ZEIT das Zentrum für politische Schönheit durch Philipp Ruchs Manifest des Images links-alternativer Politkünstler beraubt. Denn Ruch beklagt ziemlich altmodisch, dass der Mensch im modern-reduktionistischen Weltbild entzaubert bis degradiert wird, und reiht sich in die Tradition des eher nicht so linken Antimodernismus ein. (26.11.15)

Außerdemos von Sonstnochos:

Vier Jahre nach dem Tode Friedrich Kittlers, der weder ganz Frankfurter noch ganz Freiburger war, beginnt die Edition seiner Werkausgabe mit unveröffentlichten Texten des noch jungen Medienphilosophen; sowohl die NZZ als auch die FAZ (diese ausführlicher) besprechen die Frühschriften. +++ Noch mehr Nachlässe: Ludger Lütkehaus weist in der NZZ auf die Neuausgabe von Schopenhauers nachgelassenen Texten aus den Jahren 1837 bis 1852 hin. +++ Die NZZ bespricht auch die Studie von Manfred Clauss, die das Frühchristentum als Fundamentalismus mit „Gewaltproblem“ erweist. +++ Die FAZ weist auf Julian Hamanns Studie über die Geisteswissenschaften und ihre Bedeutung für den Bildungsbegriff hin. +++ Der Freitag bespricht Axel Honneths „Die Idee des Sozialismus“, worin er unter Rückgriff auf die Frühsozialisten nach einer Utopie jenseits der Kapitallogik sucht. +++ Nach den Anschlägen von Paris hat Oliver Jungen für die FAZ zu Klaus Theweleits „Das Lachen der Täter“ als Buch der Stunde gegriffen, fand darin aber wenig Neues. +++ Der Tagesspiegel stellt Herfried Münklers Buch „Kriegssplitter“ über die Entwicklung organisierter Gewalt im 20. Jahrhundert vor. +++ Marcus Meier plädiert bei Telepolis für eine neue Drogenpolitik, die das Recht auf Rausch und den Staat als vertrauenswürdigsten Dealer anerkennt. +++ In Wien wird gerade Philosophie getanzt - und Jostein Gaarders „Sofies Welt“ gibt es kostenlos in der Fußgängerzone, wie der Standard meldet.


Links der Woche am 21.11.2015, 14:14 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 47/15

Mit Popper nach Paris

Für den Wirtschaftsteil der FAZ hat Rainer Hank noch einmal Karl Poppers „Die offene Gesellschaft und ihre Feinde“ hervorgekramt. Hier ist zu lernen, dass die Barbarei nie endgültig von der Aufklärung besiegt, sondern gar eher angelockt wird. Trotzdem lohnt es ohne Sinn, ohne Utopie oder Gott für Demokratie und Recht zu kämpfen. (17.11.15)

Ratlosigkeit triumpiert über Geschichte

Auch Hans Ulrich Gumbrecht überlegt in seinem FAZ-Blog, was nach den Pariser Anschlägen noch mit Geschichte und Erinnerung anzufangen ist. Statt zu Popper greift er zu Karl Löwith. Ihm zufolge ist die christliche Geschichtsphilosophie durch die Schrecken von WKII widerlegt worden - und dass Löwiths Schrift vergessen bzw. verdrängt wurde, findet Gumbrecht bezeichnend. (21.11.15)

Unn sünst?

Zum Welttag der Philosophie unterhält sich Korbinian Frenzel für Deutschlandradio Kultur mit Stefan Gosepath über Philosophie in der Öffentlichkeit. +++ Die WELT berichtet über eine Kant-Studie von Steffen Martus, die den Königsberger bloß als den besten Werbetexter des damaligen Aufklärungsdiskurses charakterisiert; wie ja auch Hegel - oha! - kein glühender Demokrat war. +++ Apropos: Die taz weist ausführlich auf ein neues, knapp 3.000-seitiges Kant-Lexikon hin, das auch als E-Book für nur ein paar hundert Euro zu haben ist. +++ Nils Markwardt erinnert im Freitag (mit Jaspers, Popper und Badiou im Gepäck) mit Blick auf die Anschläge in Paris und das folgende Kriegsgerede an die norwegischen Reaktionen nach dem Anschlag in Oslo und auf der Insel Utøya 2011. +++ Ein Vierteljahrhundert lang wird man, wie die FR meldet, in Köln über den muslimischen Gelehrten Averroes, dem wir u.a. Aristoteles und das spannende Verhältnis zwischen Philosophie und Offenbarung verdanken, forschen und edieren. +++ Der französische Philosoph Michel Serres hat laut taz ein Buch darüber geschrieben, wie Sprache und Philosophie (und alles überhaupt) aus der Musik entstehen.


Links der Woche am 14.11.2015, 14:59 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 46/15

Wer oder was ist das Volk?

Der Freitag feierte diese Woche 25. Geburtstag und holte aus diesem Anlass manches aus dem Archiv hervor. So diesen Text aus dem November 1990, in dem Georg Seeßlen sich über die vielen Bedeutungen Gedanken macht, die der Begriff „Volk“ im Slogan „Wir sind das Volk“ hat - und was das für Begriffe wie Herrschaft oder Nation bedeutet. (09.11.90)

Zwischen allen Stühlen

André Thiele erinnert in der ZEIT an den Berliner Philosophen Saul Ascher, der gegen den Antisemitismus und die nationalistische „Germanomanie“ des 19. Jahrhunderts anschrieb. Seine Überlegungen zu einem heterogenen Deutschland ohne Reinheitsfanatismus sind heute wieder aktuell. (09.11.15)

Hoffnung für die Assis überall

Ein neues Wissenschaftzeitvertragsgesetz soll das personelle Elend an deutschen Hochschulen beheben. Thomas Thiel blickt in der FAZ zurück auf die systematische Prekarisierung des wissenschaftlichen Nachwuchses im universitären Mittelbau. Die Bildungspolitik kennt das Problem, nun solle sie es lösen. (11.11.15)

Historiker vs. Systematiker

Vor einigen Woche begann in der FAZ eine kleine Debatte über analytische Philosophie vs. Kontinentalphilosophie. Nun ist Rolf-Peter Horstmann an der Reihe. Zunächst wehrt er sich gegen die Idee, historische Forschung habe in der Philosophie nichts mit Selberdenken zu tun. Dann beklagt er noch die Beliebigkeit philosophischer Fragestellungen und deren Vokabular. (11.11.15)

Den Toten dieser Woche

Zwei Verstorbene wurden diese Woche von den Feuilletons gewürdigt (und nach den gestrigen Anschlägen in Paris sind es noch viel mehr). Zu Beginn der Woche starb mit dem französischen Philosophen André Glucksmann ein Vertreter des Denkens jenseits des Rheins, der im Maoismus loslegte, die Friedensbewegung kritisierte und schließlich für Sarkozy Wahlkampf machte. Hierzulande starb der Bundeskanzler a.D. der Herzen und Lungen, Helmut Schmidt. Patrick Bahners von der FAZ erinnert sich, wie sich Schmidt einmal weigerte, ein Kant-Zitat zu kommentieren, ohne vorher den Textbeleg zu Gesicht zu bekommen. Außerdem hat dei FAZ noch ein Interview auf Lager, das Bahners und Jürgen Kaube 2011 mit Schmidt über Rauchverbote, Atheismus, Liberalismus und Islam führten.

Flucht und Fremdenfeindlichkeit

Für die FR unterhält sich Arno Widmann mit dem Historiker Michael Borgolte darüber, wie Europa durch Migration zu dem wurde, was es heute ist, und warum die Lage nicht im Mindesten mit der Roms zu Zeiten der Völkerwanderung zu vergleichen ist. Die abwehrende Haltung gegenüber Menschen, die hier Schutz suchen, wird im Feu längst auch analysiert. Caroline Fetscher macht sich im Tagesspiegel Gedanken über die menschliche Fähigkeit zur Empathie und was dazu führen kann, dass einige Menschen in der Flüchtlingskrise damit sehr haushalten. Sibylle Hamann hat bei diepresse.com eine andere Theorie: Wilde Gerüchte übers süße Flüchtlingsleben zu verbreiten dient der Repression des Reflexes, Menschen in Not zu helfen.

Et cetera:

Martin Walser teilt in der FAZ seine lebenslange Begeisterung von Nietzsches Zarathustra mit. +++ Till Hahn erinnert im Freitag an den depressiven Marxisten Louis Althusser, der als überholt gilt und dennoch die französische Philosophie bis heute prägt. +++ Als wäre die Kreiszahl Pi nicht schon faszinierend genug: Britische Mathematiker haben einen Zusammenhang zwischen Quantenphysik und Pi entdeckt, wie Telepolis meldet. +++ Raoul Schrott empfiehlt in der NZZ die Lektüre von „Die Inseln“ aus der Feder Jean Greniers, der ein prägender Einfluss für Albert Camus war. +++ Jürgen Kaube stellt in der FAZ drei Neuerscheinungen zum 100. Geburtstag von Roland Barthes vor. +++ Außerdem lädt Kaube zu einer Leseprobe aus dem Sammelband ein, in dem philosophische Probleme anhand der TV-Serie „The Big Bang Theory“ erörtert werden. +++ Die Jüdische Allgemeine weist auf einen neu erschienenen Band mit Gedichten von Hannah Arendt hin.


Links der Woche am 07.11.2015, 14:37 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 45/15

Der Laplacesche Dämon wird Historiker.

Will man künftige Entwicklungen vorhersagen, muss man alle relevanten Elemente kennen, aber vor allem ihre Netzwerkbeziehungen untereinander. Der Physiker Silvio R. Dahmen zeigt in der FAZ, was solche Netzwerkanalysen in mythischen Erzählungen zutage fördern und wie sie vielleicht mal dazu taugen, die Zukunft von Populationen und Zeitgeist vorherzusagen. (04.11.2015)

Die neuen Totengräber

Bei Telepolis unterhält sich Hans-Arthur Marsiske mit dem Prekariatsforscher Guy Standing über die neue explosive Klasse. Denn das neoliberale Programm forciert Ungleichheit und Entsolidarisierung in einem gefährlichen Ausmaß, wie sich am deutlichsten am demoralisierten und entrechten Prekariat zeigt. (07.11.15)

Indiana Jones der Semiologie

Roland Barthes wird zu seinem 100. Geburtstag von Peter Geimer in der NZZ gewürdigt: Mit fast schon paranoischer Sensibilität ging Barthes der beredten „Allmacht der uns umgebenden Zeichen, Codes und Botschaften“ auf den Grund und erschütterte die von Alltagsmythen verursachte scheinbare Selbstverständlichkeit kultureller und historischer Phänomene. (07.11.15)

Zweimal Seeßlen

In seinem Blog hat Georg Seeßlen diese Woche zwei wichtige Texte veröffentlicht. Im ersten geht es um Unterschiede und Zusammenhang zwischen Protz, Prunk und Luxus und was diese Begriffe jeweils für die Verbindung von Haben und Sein bedeuten in einer kapitalistischen Kontrollgesellschaft, die nur noch Protz zulässt und Luxus verdammt. Im zweiten Text meditiert Seeßlen über das Wesen der Bibliothek: Wann wird aus einer Sammlung von Büchern ein magischer Ort und was hat die Bibliothek mit Bürgerlichkeit, Erotik und Revolution zu tun?

Außerdemchen:

Bei Hohe Luft legt Richard Wolin nach und bekräftigt, warum die von Vittorio Klostermann verantwortete Heidegger-Gesamtausgabe ein internationaler Wissenschaftsskandal ist. +++ Die FR unterhält sich mit dem Historiker Fritz Stern über die derzeitige Entwicklung in Deutschland, das über der Flüchtlingsfrage zerrissen ist. +++ Axel Honneth versucht sich in seinem neuen Buch an einer Aktualisierung der Idee des Sozialismus, der jedoch - so die taz - die richtigen Leute fehlen. +++ Im Telepolis-Interview gibt Hans-Christian Dany Auskunft über den Stillstand als verzögertes Ende des Kapitalismus. +++ Die NZZ zeigt sich fasziniert von der deutschen Ausgabe vom „Tagebuch eines Philosophen“, den präpotenten Notizen des jungen Alexandre Kojève. +++ Außerdem wünscht die NZZ der deutschen Neuausgabe von Lew Schestows „Apotheose der Grundlosigkeit“ die Aufmerksamkeit, die Schestows Denken in Frankreich längst zuteil geworden ist.


Links der Woche am 31.10.2015, 14:15 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 44/15

Das Auto ist schuld

Nun nimmt sich auch die ZEIT der ethischen Implikationen des autonomen Fahrens an, denn: „Ein Roboter-Auto ist keine Utopie mehr.“ Niels Boeing (!) schreibt über die Aussichten, selbstlernende Maschinen als juristische Person mit eigenem Vermögen oder als Rechtssubjekt ganz eigener Art einzustufen. (26.10.15)

Der kleine große Unterschied

Der Homer-Neuübersetzer und Dichter Raoul Schrott hat in der „Ilias“ einen Übersetzungsfehler entdeckt, der die bisherige Rezeptionsgeschichte des Epos in Frage stellt. Zu Beginn wird nämlich, wie er in der FAZ erklärt, weder eine Göttin noch Muse angerufen, sondern die Titanin Themis. (27.10.15)

Zwei Neuerscheinungen zum Thema Sterbehilfe: Zwei Ärzte und Robert Spaemann diskutieren in ihrem Buch, das die FAZ vorstellt, über assistierten Suizid und kommen zu einem eindeutigen Urteil. Methodisch und im Urteil komplementär dazu steht Georg Diezens Buch über selbstbestimmtes Sterben, das im Freitag besprochen wird.

Weitere Rezensionen: Die NZZ ist fasziniert von Alexander Demandts Kulturgeschichte des westlichen Zeitbegriffs, der im (Ein-)Teilen und im Kalender wurzelt. +++ Außerdem stellt die NZZ die gesammelten politischen Reden des pointiert-essayistisch formulierenden Historikers Fritz Stern über Totalitarismus, Widerstand und US-Politik vor.

Et cetera:

Diese Woche bereits getwittert, für die Akten hier noch einmal: Georg Seeßlens großartiger Essay in der ZEIT über den Horrorfilm als Gradmesser des Zeitgeistes. +++ Wenn Sie schon dabei sind, seien Ihnen auch Seeßlens aristotelische Meditationen über Freiheit empfohlen, für die man sich trotz oder wegen ihrer Kürze Zeit nehmen sollte. +++ Die FAZ berichtet von den allen voran demographischen Fragen, anhand derer man beim Münchner Hochschulsymposium über zukünftige Herausforderungen für deutsche Universitäten nachgrübelte. +++ Das Ludwig-Boltzmann-Institut und die Wienbibliothek haben den ersten Teil des „Karl-Kraus-Projekts" online gestellt, wo man Kraus als Vorleser hören kann. Weiteres biographisches Material folgt.


Links der Woche am 25.10.2015, 08:58 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 43/15

Schwärme, was sonst.

Diese Woche wurde erstmals der Frank-Schirrmacher-Preis verliehen, und zwar an Hans Magnus Enzensberger, der sich in seiner Dankesrede dem letzten Lieblingsthema des Namensgebers widmet: Der Schwarm ist die neue Daseinsform des nach wie vor nomadischen Menschen, mit der eine „Konjunktur der Verbarrikadierung“ einhergeht. (22.10.2015)

Wie im neuen Asterix!

Stefan Rebenich widerlegt schon mit seinem Texteinstieg in der NZZ das Vorurteil, Papyrologie sei so staubig und öde wie ihr Untersuchungsgegenstand. Ohne Papyrusfragmente wären Theologie, Philosophie und Mythologie nicht das, was sie sind, und womöglich harrt im Wüstensand noch eine Schrift ihrer Entdeckung, die unser Weltbild - wie mehrfach geschehen - umwirft. (24.10.15)

Der doppelte Žižek

Slavoj Žižek ist bekanntlich fleißig und so nimmt es nicht wunder, ihn mehrmals pro Woche in der Zeitung zu finden. In der SZ lässt er sich zur deutschen Flüchtlingspolitik befragen, von der er positiv überrascht ist, sich aber mehr Plan und Soldaten wünscht; den Linken rät er, weniger offene Grenzen und mehr Leitkultur zu fordern. Für den Standard berichtet Michael Freund über einen Hegel-Abend mit Žižek (bzw. Žižek-Abend ohne Hegel) in New York, wo er sich wohl mal wieder sehr exzentrisch zum „Rockstar der Kulturtheorie“ spreizte und vom Hölzchen aufs Stöckchen kam.

Unn sünst?

Vor einer Weile hat Jan Drees sich für den Freitag mit Peter Trawny, dem Herausgeber von Heideggers Schwarzen Heften, über die ausgelöste Debatte, Prekarität und die Probleme der Gegenwart unterhalten. In Drees’ Blog „Lesen mit Links“ gibt es das ungekürzte Trawny-Interview nachzulesen. +++ Die Deutsche Gesellschaft für Soziologie meldet, dass das Innenministerium auf Druck der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA) der Bundeszentrale für politische Bildung (bpb) den Vertrieb der Sammelpublikation „Ökonomie und Gesellschaft“ untersagt hat. +++ Oleg Jurjew beschwört uns in der FR, die die Essays und Polemiken des kompromisslosen Linken Eike Geisel gegen die „Wiedergutwerdung der Deutschen“ zu lesen. +++ Apropos lesen: Der einzig vernünftige Text zur Bedeutung des Lesens dieser Buchmessensaison stammt von Stefan Gärtner. +++ Die FAZ berichtet von einer US-Studie über die Korrelation von politischer Einstellung und Lebensstilpräferenzen. +++ Außerdem schmunzelt die FAZ über die photo-optischen Tücken der neuen Uni-Bibliothek in Freiburg. +++ Wolfram Eilenberger portraitiert in der WELT den Datenphilosophen Luciano Floridi anlässlich seines Buchs „Die 4. Revolution. Wie die Infosphäre unser Leben verändert.“, ohne dabei die „große Wanderung muslimischer Jungmänner von Osten nach Westen“ außen vor lassen zu können.


Links der Woche am 17.10.2015, 14:15 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 42/15

Skynet weiß, was du nächsten Sommer tun wirst

Bei Telepolis unterhält sich Marcus Klöckner mit Kai Schlieter über die Gefährdung der Demokratie durch Künstliche Intelligenz: Wenn selbstlernende Systeme gestützt auf Big Data ihre eigenen Modelle entwickeln, die von Menschen nicht mehr zu verstehen, aber Grundlage unseres Alltags sind, ist es mit dem autonomen Subjekt wohl vorbei. (12.10.15)

Das Feuer und die Asche

Vor einigen Wochen beklagte Manfred Frank in der FAZ die Lage der Kontinentalphilosophie. Nun antwortet ihm der analytische Philosoph Tobias Rosefeldt, dass die Philosophie sich ausdifferenziert und vom bloßen Interpretieren der Klassiker gelöst habe. (14.10.15)

Überschussproduktion innen wie außen

Der Freitag bringt ein Interview von Katja Kullmann mit der Wirtschaftssoziologin Saskia Sassen anlässlich ihres neuen Buchs über die neoliberale Ausgrenzungslogik: Mit Grenzzäunen und Austerität reagiert die wohlhabende Welt auf die Probleme, die sie mit ihren wesenhaften „räuberischen Formationen“ auch im Inneren verursacht. (16.10.15)

Neue Bücher:

Hans Magnus Enzensberger hat einen lustigen Bildungsroman über das Geld geschrieben, der laut FR den „Mehrwert eines Poesiealbums des Kapitalismus“ enthält. +++ Ernst Troeltsch war der große politische Kommentator der Weimarer Republik und die NZZ stellt ihn anhand der Edition seiner Briefe vor. +++ Der Freitag rezensiert das Buch, in dem Herfried Münkler die „Evolution der Gewalt im 20. und 21. Jahrhundert“ (Untertitel) und die Nachwirkungen des Ersten Weltkriegs bis in die Bilderkriege unseres postheroischen Zeitalters beschreibt. +++ Der Freitag stellt die politischen Essays vor, in denen Nina Power Kollektiv, Subjekt, Freiheit, Gerechtigkeit und Gleichheit in einem zeitgenössischen Marxismus denken will.

Politisches Denken:

Anlässlich der Verleihung des deutschen Friedenspreises an Navid Kermani würdigt Jürgen Nielsen-Sikora selbnämlichen bei Glanz & Elend als einen zutiefst europäischen Denker und Dichter; ein ähnliches Portrait aus gleicher Feder finden Sie übrigens auch in Lichtwolf Nr. 42. +++ Die FAZ berichtet, wie Google sich nun auch für Regierungsarbeit anbietet und dafür mit Daten aus Smart Cities bezahlen lässt. +++ Die FAZ schreibt auch über die Studie von Lionel Prouteau und Boguslawa Sardinha, die EU-weit der Frage nachgingen, ob die Säkularisierung zum Rückgang freiwilligen Engagements führt. +++ Thomas Borchert berichtet für die FR aus der Freistadt Christiania: Die Alternativ-Kommune in Kopenhagen droht zur Touristenattraktion zu verkommen und zwischen Drogenhändlern und Öko-Starköchen aufgerieben zu werden; mehr zum Kommunenwesen in Lichtwolf Nr. 48 („Häuser“), gell. +++ Im Nahen Osten herrscht in diesen Tag mal wieder die Logik der Rache. Die Schriftstellerin Zeruya Shalev schreibt in der FAZ über die Bedeutung von Zorn und Schmerz im Judentum.


Links der Woche am 10.10.2015, 13:58 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 41/15

Eigenarten der Philosophie

Bei Telepolis unterhält sich Reinhard Jellen mit dem Medienwissenschaftler Joseph Vogl über das Verhältnis zwischen Philosophie und Wissenschaft und welche Vielfalt von Wissensformen dem entspringt. Außerdem geht es um Ideologie, Systemdenken und die Sehnsucht nach Komplexitätsreduktion. (04.10.15)

Freiheit und Anpassung

Jan Drees unterhält sich im Freitag mit dem Heidegger-Editor Peter Trawny, der dem Jobcenter erstmal erklären musste, was es mit den Schwarzen Heften auf sich hat. Aus der Freiheit des Prekariats heraus hat Trawny jüngst eine Theorie der Freiheiten, Orte und Universale unter dem Eindruck von Technik, Kapital und Medium vorgelegt. (05.10.15)

Freiheit, Gleichheit, Bürgerlichkeit

Für die NZZ bespricht Michael Schefczyk Philip Pettits Buch „Gerechte Freiheit. Ein moralischer Kompass für eine komplexe Welt“. Es beschäftigt sich mit dem stetigen Konflikt zwischen Liberalismus und republikanischer Verfasstheit, in dem das bürgerliche Individuum frei und zugleich beteiligt sein will. (06.10.15)

Stromdenken

Was es alles gibt: Die FAZ portraitiert den Datenphilosophen Luciano Floridi in einem Interview über Technophobie, Autonomie, Anthropozentrismus und die Verantwortung des Menschen, einerseits die Realität zu pflegen und zu hegen, andererseits ein neues Denken zu entwickeln, das der vernetzten Wirklichkeit entspricht. (06.10.15)

Politik von jenseits der Ränder her

In Anbetracht der Flüchtlingskrise wurde zuletzt oft an Kants Weltbürgerrecht erinnert. Nils Markwardt wendet sich im Freitag dagegegn Jacques Rancière zu und Giorgio Agambens Homo sacer, der - gleichzeitig vogelfrei und heilig ist und den rechtsfreien Raum bewohnend - für den Geflüchteten stehen und so den Weg weisen kann. (07.10.15)


Links der Woche am 03.10.2015, 14:01 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 40/15

Kapitalismus als Fluchtursache

In der ZEIT schreibt uns Slavoj Žižek ins Stammbuch, dass die Flüchtlingskrise nicht zu lösen ist, ohne die große Gesamtscheiße in Angriff zu nehmen. Denn die Situation in den Herkunftsländern ist eine Folge der neoliberalen Kolonialpolitik. Es gibt viel zu tun und viel zu lernen, denn die großen Krisen kommen erst noch. (24.09.15)

Braune Ökos

Im Freitag beschäftigt sich Andreas Förster mit der rechtsextremen Öko-Bauernbewegung u.a. in der Gemeinde Lalendorf (!). Das ist auch Benjamin Piels Thema, der für die ZEIT über völkische Siedler und den Widerstand gegen sie im Wendland schreibt. Über die Übergänge zwischen Grün und Braun geht es übrigens auch im aktuellen Lichtwolf.

Kongresse & Bücher

Hannah Bethke berichtet für die FAZ vom Jahrestreffen der deutschen Politologen, wo zwischen Konflikt, Konsens und Knatsch diesmal alles dabei war. +++ Für die NZZ war Uwe Justus Wenzel auf dem Internationalen Kant-Kongress in Wien, wo der metaphysische Mindfuck Normalität ist. +++ Der Freitag stellt das Buch der Politologin Ellen Meiksins Wood über die historische Entstehung des Kapitalismus aus der Ideologie der „Verbesserung“. +++ Die FR lobt das Buch, in dem Otfried Höffe die Freiheit gegen ihre Skeptiker und als unverzichtbaren Teil des großen Ganzen verteidigt.

Jubiläum: Vor fünf Jahren gab es die ersten Links der Woche auf lichtwolf.de - hurra!


Links der Woche am 26.09.2015, 14:21 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 39/15

„Künstlichkeit ist die Natur des Menschen“

Die NZZ bringt den Vortrag, den Konrad Paul Liessmann beim diesjährigen Philosophicum Lech über Transhumanismus gehalten hat. Der Mensch ist wie von Nietzsche vorhergesagt das nicht festgestellte Tier, das sich technisch selbst optimiert, um zu werden, was es ist - weshalb den Zukunftstechnologien uralte Sehnsüchte zugrunde liegen. (20.09.15)

Analyse vor Ideal

Der Tübinger Emeritus Manfred Frank zeigt sich in der FAZ unzufrieden mit der philosophischen Landschaft: Die analytische Philosophie habe kontinentale Denktraditionen fast vollständig verdrängt sowie - im Verbund mit den Bologna-Reformen - Kleinteiligkeit, Nabelschau und Hektik befördert. (24.09.15)

Meinung und Freiheit

Nicht erst die Flüchtlingskrise hat manchen aufheulen lassen, man dürfe ja gar nicht alles sagen. Katja Thorwarth macht sich in der FR Gedanken über die wahre Bedeutung der in Online-Kommentarspalten angeblich eingeschränkten Meinungsfreiheit. In Frankreich herrscht ein bisschen Zoff: Dem Philosophen Michel Onfray wird vorgeworfen, mit seinen Äußerungen zu Flüchtlingen und Gleichstellung dem Rechtsextremismus Vorschub zu leisten, wie die NZZ berichtet. Die SZ dagegen unterhält sich mit Alexander Filipovic über die Gründe der Empörung, die Charlie Hebdo mit einer Karikatur des toten syrischen Jungen Aylan Kurdi ausgelöst hat.

Außerdemchen:

Die NZZ stellt zwei Neuerscheinungen vor, die psychedelische Drogen z.B. in der Sterbebegleitung und Zeitforschung konsumistisch rehabilitieren. +++ Der Freitag berichtet über die interne Ratgeber-Kolumne des NSA-Sokrates, der die Geheimdienstmitarbeiter - aber nicht zu sehr! - zum Nachdenken bringen soll. +++ Die aktuelle Herbstausgabe des Lichtwolf ist erschienen.


Intime Interna am 24.09.2015, 10:13 Uhr

Lichtwolf Nr. 51 ist da!

Die Gerüchte stimmen: Der Herbst hat begonnen und Lichtwolf Nr. 51 ist seit ein paar Tagen bereits zum Beispiel hier im Einkaufszentrum erhältlich.

LW51

Lichtwolf Nr. 51 ist die aktuelle Herbstausgabe zum Thema „Ego Null“.

Das Titelthema der aktuellen Ausgabe lautet „Ego Null“. Wenn Sie also Bock haben auf lange Texte ohne Werbeunterbrechungen und sich Tiefsinn rund um Identität und Nullität, Individualität und Kollektiv, Authentizität und Inszenierung reinziehen wollen, ist das was für Sie!

Die ersten paar Seiten können Sie sich hier als PDF-Leseprobe herunterladen. Zur Lektüre am Bildschirm stehen zur Verfügung die Einleitung und Bdolfs Propädeutikum und Prolegomena zum Titelthema.

Außerdem können Sie in Marc Hieronimus’ Essay hineinlesen, worin er der Menschheit nahelegt, sich mit der narzisstischen Kränkung ihrer Unwichtigkeit zu arrangieren. Bebildert ist das Ding im Heft mit Illustrationen von Andy Singer und einem Makaken-Selfie, um das die Tierrechtsorganisation PETA gerade einen Rechtsstreit führt.

Greifen Sie also ruhig zu: Das Heft hat 104 Seiten im DIN A4-Paperback, wiegt um die 350 Gramm und kostet bloß 7,80 Euro inklusive Versand. Die E-Book-Fassung folgt wie immer in den nächsten Tagen.



Links der Woche am 19.09.2015, 14:06 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 38/15

Literatur des außerirdischen Menschen

In der Science-Fiction-Literatur ist Posthumanismus ein alter Hut. Philipp Theisohn denkt für die ZEIT anlässlich der Kinofilme „The Martian“ und „Interstellar“ darüber nach, was aus dem Menschen jenseits der Erde würde, was der digitale mit dem Weltraum gemeinsam hat und wie wichtig Bücher für diese Fragen sind - weshalb auch gleich mal einige posthumane Klassiker vorgestellt werden. (15.09.15)

Reiz-Reaktions-Professoren

Mit Blick auf die leistungsorientierte Mittelvergabe in der Wissenschaft empfiehlt Stefan Kühl in der FAZ den Hochschulmanagern die Lektüre von Motivationsratgebern. In der Wirtschaft habe man nämlich längst verstanden, mit Anreizsystemen lediglich das Frisieren maßgeblicher Kennzahlen zu befördern, wie Kühl es an Universitäten und Lehrstühlen beobachtet. (17.09.15)

Vom Wissen zum Dispositiv

In seinem Blog denkt Georg Seeßlen mit Foucault und Agamben über Wissen als narratives Gut, Funktion der Macht und Objekt des Marktes nach. Er greift dabei seine Dichtomie von Beute und Gespenst und das Dispotiv auf, in dem Wissen und Macht als Mythos aufgehen. (19.09.15)

Et cetera:

Der Politologe Claus Leggewie bespricht in der FR das neue Buch von Armin Nassehi und ist froh, dass es seine These, rechts und links seien als politische Verortungen obsolet, selbst widerlegt. +++ Die NZZ stellt die Biographie des Kirchenvaters und Frühmetaphysikers Augustinus aus der Feder von Klaus Rosen vor. +++ Lichtwolf Nr. 51 ist unterwegs zu den Abonnenten - wenn Sie auch einen haben möchte, bekommen Sie hier Ihr schönes Liwo-Abo.


Links der Woche am 13.09.2015, 11:17 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 37/15

Alles aus dem Ungeraden

Bei satt.org bespricht Andreas Jacke das „Das Andere der Natur“, worin der Physiker und Philosoph Jan Cornelius Schmidt „neue Wege zur Naturphilosophie“ jenseits von Idealismus und naturwissenschaftlichem Reduktionismus sucht. Zentraler Begriff ist dabei die Instabilität, die das Ganze in Gang hält und zugleich unberechenbar macht. (08.09.15)

Europa muss sterm, damit wir leben könne

Die ZEIT unterhält sich ausführlich mit Giorgio Agamben über die Lage Europas, die Agamden als beschissen beurteilt: Da die europäische Idee auf Wirtschaftszone und Biopolitik reduziert worden ist, ist die Krise eine Chance, „erstmals das zu leben, was [...] ungelebt blieb“. Die Zukunft liegt also in der Vergangenheit, die es nicht gab. (27.08.15)

Unn sünst?

Die taz portraitiert den Soziologen und Kursbuch-Herausgeber Armin Nassehi, der vormacht, wie man als überflüssiger Linksintellektueller heutzutage klarkommt. +++ Die FR stellt kurz den Bilder-Philosophen Georges Didi-Huberman vor, der den diesjährigen Adorno-Preis erhält. +++ Die NZZ befasst sich diese Woche ausgiebig mit dem Antisemitismus-Vordenker Houston Stewart Chamberlain. Anlass war zum einen die Edition seiner Briefwechsel mit jüdischen Intellektuellen, zum anderen Udo Bermbachs ausführliche biographische Chamberlain-Studie. +++ Anlässlich der Wiederkehr des 11. Septembers unterhält sich die FR mit Noam Chomsky über Obamas Drohnenkrieg, Edward Snowden, subtile Repression und die Revolution gegen den Neoliberalismus. +++ Ende der Woche gibt es den neuen Lichtwolf (Titelthema: „Ego Null“) - vielleicht haben Sie ja Interesse an einem Abo, das den Preis wert ist?


Links der Woche am 05.09.2015, 14:54 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 36/15

Von Hegel zu Bernd, dem Brot

Wer zu viele Nachrichten konsumiert, flieht vor dem eigenen Ich und bleibt gelangweilt und verwirrt zurück, so der Ausgangspunkt von Alain de Bottons neuem Buch, das Jan Pfaff im Freitag vorstellt. Es analysiert die persönlichen und gesellschaftlichen Bedingungen und Möglichkeiten der stets noch neueren Neuigkeit im vermittelten Vermittelnden. (31.08.15)

Ästhetik ohne Nutzeroberfläche

Die Konsumgesellschaft hat das Schöne markt- und smartphonefähig gemacht und damit zerstört. Davon geht Byung-Chul Han in seinem jüngsten Essay aus, um die (spirituelle) „Errettung des Schönen“ u.a. mit Hegel, Barthes, Baudrillard, Gadamer und Benjamin anzugehen. Peter V. Brinkemper bespricht den Essay bei Glanz & Elend. (31.08.15)

Was, wenn alles wie nie gewesen ist?

Samuel Scheffler hat aus einem Gedankenexperiment ein Buch gemacht: Was heißt es für die Überzeugungen eines Menschen, wenn er wüsste, dass die Menschheit dreißig Tage nach seinem Tod ausgelöscht wird? In der NZZ stellt Uwe Justus Wenzel uns Schefflers Variationen des Lebens nach dem Tod und die interessanten Schlüsse daraus vor. (01.09.15)

Der Argwohn des Sesshaften gegen den Nomaden

Der (nicht unumstrittene) Politologe Herfried Münkler erklärt in der NZZ, wie die Menschheit durch Migration zu dem wurde, was sie ist. Dabei waren es stets saturierte Gesellschaften (und in ihnen natürlich nur das Lumpenproletariat...), die sich von Wandel und Wanderung beunruhigen ließen. (05.09.15)

Heidegger immer weiter...

Die sauertöpfische Zuschrift des ehelichen, nicht leiblichen Heideggersohns Hermann an die ZEIT wurde hier bisher nicht verlinkt, weil wahrlich nicht jeder Kommentar zu Heideggers angeblichem oder tatsächlichem Antisemitismus teuren Strom wert ist. Bei literaturkritik.de nehmen Max Beck und Nicholas Coomann aber die familiäre Apologie so nett auseinander, dass der ganze Kram im Paket (mitsamt der Leserkommentare) zur Lektüre empfohlen sei.


Links der Woche am 29.08.2015, 14:29 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 35/15

Palaver übers Einzelne

Michael Pauen hat mit Harald Welzer ein Buch über Autonomie und Konformität geschrieben und unterhält sich auf Telepolis mit Manuel Schumann just darüber sowie über die Ableitungen wie Datenschutz und die nötigen Abgrenzungen zu Narzissmus, Chaos und digitalem Mobwesen. (23.08.15)

Nietzsche gefällt das (nicht mehr)

Antisemitische Wagnerianer werden von JHWE bestraft, indem sie nach jahrzehntelanger Warterei auf Tickets für die Bayreuther Festspiele ebendort neben dem fülligen, schnaufenden Peter Sloterdijk platziert werden. Der lässt sich in der ZEIT wiederum ausführlich und unnachahmlich über seinen Trip zum grünen Hügel aus. (25.08.15)

Menschheit aus Unruhe und Zwietracht

Hans Magnus Enzensberger hat es schon immer gewusst, schreibt Martin Meyer in der NZZ und empfiehlt daher die hellsichtigen Essays des HME zur Relektüre, für die sich die ergänzte Neuauflage seiner jahrzehntealten Essays über Migration, den molekularen Bürgerkrieg in Europas Städten und Gotteskrieger bestens eignet. (29.08.15)

Flucht und Fremdenfeindlichkeit

Michael Jäger empfiehlt im Freitag, in Dresden schleunigst Aischylos’ Tragödie „Die Schutzflehenden“ aufzuführen. In der taz beobachtet Georg Seeßlen die Rückkehr des hässlichen Deutschen, der von Demokratie, Aufklärung und Humanismus nichts mehr wissen will, wenn das Agambensche Dispositiv lockt. Die NZZ bespricht Achille Mbembes nun auch auf Deutsch vorliegende „Kritik der schwarzen Vernunft“, die den Residuen von Sklaverei, Kolonisierung und Apartheid im eurozentrischen Denken nachspürt.

Die Maschine denkt mit

Kürzlich hatten wir es schon einmal mit den juristischen und ethischen Herausforderungen, die eine zunehmend autonome Technologie u.a. im Straßenverkehr mit sich bringt. Hans-Arthur Marsiske fasst sie bei Telepolis zusammen, stellt einige Maschinenethiker sowie das Trolley-Problem und den guten alten Isaac Asimow als Ratgeber vor. In der NZZ befasst sich auch Eduard Kaeser mit denkenden Maschinen und der Berechnung von Phi, also dem Grad ihres Bewusstseins. Die Maschinen steuern unsere Autos, pflegen unsere Lieben und lösen unsere logisch-mathematischen Probleme, wie Markus Pössel in den Scilogs über automatisierte Beweisverfahren schreibt und dabei nicht außer acht lässt, dass sie auch von Experten kaum noch zu verstehen sind.

Außerdemos von Sonstnochos

Die SZ bespricht den jüngsten Essay von Byung-Chul Han, in dem dieser dem Schönen das disruptive Element jenseits von Gefälltmirbarkeit zurückgeben möchte. +++ Nebenan bei Glanz & Elend würdigt Wolfram Schütte zum 90. Geburtstag den Kulturpolitiker Hilmar Hoffmann, der - wie der jüngst verstorbene Egon Bahr - halt noch Sozialdemokrat im Wortsinn war. +++ Die NZZ stellt uns die Streitschrift vor, in der Rudolf Langthaler (u.a. mit Kant Thomas Nagel) den Naturalismus des Atheismuspapstes Richard Dawkins auseinandernimmt. +++ Unterwegs sein: Fast schon im Ton eines guten, vertrauenswürdigen Heidegger geht, denkt und schreibt Georg Seeßlen dem Pfad nach. (Nachdenken, nie folgen!)


Links der Woche am 22.08.2015, 14:23 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 34/15

Die Abschaffung des Menschen

Karl Kollmann sieht in seinem Essay auf Telepolis das transhumanistische Zeitalter längst angebrochen: All die elektronischen Helferlein ringsum machen das Leben leichter und ent-lernen ihre Nutzer, bis die ohne Technik völlig aufgeschmissen sind. (16.08.15)

Das agonale Europa

Die Idee Europas ist für Hegel identisch mit der Idee der Freiheit, schreiben Byung-Chul Han und Christian Schüle in der FAZ. Grund genug, sich in der Griechenlandkrise und den sich darin auftuenden Abgründen darum zu sorgen, aber auch für Streit und Empörung, Ethik und Kultur zu werben. (18.08.15)

Einfach leben

Freitag-Leser Sandro Abbate portraitiert Henry David Thoreau als Vordenker aller, denen die moderne Hektik und das reine Nützlichkeitsdenken zuwider sind: Gandhi, Greenpeace, Martin Luther King und Occupy haben ihre Lehren aus Thoreaus Werk gezogen. (19.08.15)

Neue Bücher:

Die NZZ bespricht Giorgio Agambens Essay über den Rücktritt Benedikts XVI., welcher manche Lehren für die Postdemokratie enthält. +++ Die FAZ stellt Angela Grafs Studie über die wenig überraschend sozial überaus homogene „Wissenschaftselite Deutschlands“ vor. +++ Umgekehrt weist die NZZ kurz auf die „ernsten Scherze“ des FAZ-Feu-Chefs Jürgen Kaube zum Bildungssystem hin.


Links der Woche am 15.08.2015, 14:32 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 33/15

Das Leben kann so anders sein

Das ZEIT Magazin unterhält sich - schick bebildert - mit dem Kosmologen Ben Moore, der via Science-Fiction zu seiner Profession fand, über die Entstehung des Universums, außerirdisches Leben (mit Nerven aus Draht!) und welche große Rolle der Zufall bei alldem spielt. (11.08.15)

Einmischung und Synthese bringen nichts

Anreizsysteme können ziemlich nach hinten losgehen, wie Bernhard Pörksen in der ZEIT mit Blick auf Intellektuelle schreibt. Drittmitteleinwerbung und Publikationslisten sind für die Vertragsverlängerung wichtiger als „die aus intellektueller Leidenschaft geborene Faszination“ von einem Thema, womit sich die Geistes- und Sozialwissenschaften aus dem öffentlichen Diskurs verabschieden. (12.08.15)

Kooperation statt Konkurrenz

In der ZEIT stellt Annika Reich die Psychologin Tania Singer vor, die zu widerlegen versucht, dass es den homo oeconomicus, das kapitalistische Menschenbild, gibt. Ökonomen ahnen das natürlich längst, müssen aber dabeibleiben, weil sich der mitfühlende, wankelmütige Mensch nicht in Formeln fassen lässt. (12.08.15)

Neue Bücher:

Ausführlich bespricht die SZ den jüngsten Essayband der Soziologin Eva Illouz, worin sie mit dem Zionismus für ein säkulares Israel plädiert. +++ Nebenan bei Glanz & Elend stellt uns Patrick Wichmann den neuen Band mit Claude Lévi-Strauss’ Zeitungsessays vor, die den Mythos in damals tagesaktuellen Themen wie BSE oder Prinzessin Diana beleuchten. +++ Die NZZ rezensiert Harald Welzers und Michael Pauens Buch über Konformität, Autonomie und die Bedeutung der Privatheit im digitalen Zeitalter. +++ Besprochen wird ebd. auch der neue Band der Briefe Max Webers, die er auf Reisen u.a. nach Amerika verfasst hat. +++ Kann man in diesen Tagen gut gebrauchen: Der Standard stellt Nina Horaczeks und Sebastian Wieses Handbuch zur Online-Argumentation gegen allerhand Vorurteile vor.

Et cetera:

Das SZ-Magazin unterhält sich mit der Soziologin Cornelia Koppetsch darüber, wie sich der Kapitalismus gerade selbst abschafft und jeder in der ständigen Überbietungslogik bei der eigenen Abschaffung mitmacht. +++ Der Freitag meldet, dass man sich die verrauschten irdischen Aufnahmen auf der goldenen Schallplatte, die 1977 mit der Voyager-Sonde ins All geschossen wurde, nun auch als Terraner anhören kann. +++ Standard-Leser Thall Kausenmut spricht der Philosophie die Wissenschaftlichkeit ab mit den üblichen Argumenten: keine Empirie, keine falsifizierbaren Thesen, kein Ziel. (Platon sei Dank!) +++ Vertonte Gedankengebäude: Bei openculture.com gibt es nicht nur jede Menge Uni-Vorlesungen zum Nachhören, sondern auch Kenneth Goldsmiths musikalische Interpretation der Theorien von Benjamin, Wittgenstein und Freud sowie Brian J. Davis’ Postpunk-Einspielung von Adornos „Minima Moralia“ (alles halt leider in englischer Übersetzung). +++ In seinem Blog denkt Georg Seeßlen mit Roland Barthes über den gefräßigen Blick im Kino und den gesättigten Blick vorm Fernseher nach. +++ Dirk Schümer von der WELT wollte zu Heideggers Hütte, aber für einen längeren Text hat es nicht gereicht.


Links der Woche am 08.08.2015, 14:16 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 32/15

Mit Irritation fängt alles an

Marion Detjen erklärt in der ZEIT, dass das Geschlecht genauso wie Nation, Volk, Geschichte, Gesellschaft einerseits objektive Grundlage hat und andererseits doch sozial konstruiert ist. Für Geisteswissenschaftler_innen sollte das keineswegs abstrus sein, weshalb Detjen deren mangelnde Solidarität gegenüber den Gender Studies verwunderlich und gefährlich findet. (07.08.2015)

Kim Kardashian besiegt Kant

Für ZEIT Campus unterhält sich Esther Göbel mit der Philosophin Susan Neiman übers Erwachsenwerden in einer Gesellschaft, die Frühvergreisung und Jugendwahn prima unter einen Hut kriegt. Wir lassen uns vom Ernst des Lebens und vom Selberdenken allzu gern ablenken, anstatt die Welt zu gestalten.

Autonome Auto-Wochen...

...in der FAZ, wo man sich geisteswissenschaftlich mit selbstbestimmenden Selbstfahrenden, also autonomen Automobilen beschäftigt. Rolf Schwartmann denkt darüber nach, was es für Würde, Freiheit und Verantwortung des Fahrers heißt, dem Gefährt Entscheidungen zu überlassen: Die KI könnte Opfer ohne rechtseigentliche Täter schaffen. Thomas Thiel berichtet, dass die Informatiker sich längst mit ethischen und juristischen Fragen beschäftigen, um programmierte Bonzenschüsseln im Ernstfall entscheiden zu lassen, wer überfahren und wem ausgewichen wird.


Links der Woche am 01.08.2015, 14:28 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 31/15

Cyborg for President!

Freitag-Community-Mitglied Jan Rebuschat unterhält sich mit Zoltan Istvan, der dem Transhumanismus - der technischen Überwindung von Arbeit, Alter und Tod - mit einer Kandidatur für die US-Präsidenschaftswahlen 2016 zum diskursiven Durchbruch verhelfen möchte. (25.07.15)

Beunruhigende Unruhe in allem

Die nomadische Unruhe steckt uns seit biblischen Tagen in den Knochen, schreibt Christian Thomas in der FR nach der Lektüre von Ralf Konersmanns Studie über „Die Unruhe der Welt“. Der Blumenbergschüler analysiert Mythos und Begriffsgeschichte von Hektik, Elan und Veränderung, anstatt sich ratgeberhaft zu tagesaktuellen Syndromen auszulassen. (31.07.2015)

Neue Bücher:

Die FR bespricht auch zwei Bücher über den Glauben an das Geld, seine wechselvolle Geschichte und die Hoffnung, die in der Poesie liegt. +++ Die FAZ stellt die Untersuchung von Nikolai Wehrs vor, wie sich anno 1968ff. Professoren gegen die Studentenbewegung verbündeten. +++ Bei Glanz & Elend bespricht Peter V. Brinkemper Wilhelm Schmids Ratgeberphilosophie, die sich nach dem Schnelldreher zur Gelassenheit nun dem Sexfrust widmet. +++ Für ein Springerblatt überraschend wohlwollend rezensiert die WELT Paul-Philipp Hanskes und Benedikt Sarreiters neues Buch, das zu einer entspannteren Drogenpolitik aufruft.


Intime Interna am 29.07.2015, 11:03 Uhr

lichtwolf.de nun auch für Smartphones

Nur mal kurz: Der Kollege und metteur en pages Georg Frost hat das Geheimnis des „responsive CSS designs“ entdeckt und gleich mal angewandt. Entsprechend passt sich die Optik von lichtwolf.de nun automatisch an ihren Bildschirm an und kann ganz ohne abweichende URL auf Smartphones, Tablets und 30-Zoll-Plasmabildschirmen gleichermaßen (halbwegs) übersichtlich dargestellt werden. Da nich’ für.


Links der Woche am 25.07.2015, 14:01 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 30/15

Platon im Hirnscanner

In der FAZ erklärt der Biopsychologe Stefan Treue ausführlich, wie unsere Wahrnehmung funktioniert. Mit den entsprechenden biologischen Grundlagen geht es sodann um die Frage, was wir wissen (können), und was evolutionäre Erkenntnistheorie mit ein bisschen Neurowissenschaft darauf antworten. (20.07.15)

Sex? Ja, gerne!

Houellebecq-Leser wissen, dass die 68er den Sex kaputt gemacht haben. Einer dieser (damals wahrscheinlich) langhaarigen Schwerverbrecher ist Arno Widmann von der FR, der sich ebendort mit Faramerz Dabhoiwala über die unterschiedlichen kulturell-historischen Prägungen von Sexualität und Selbstbestimmung unterhält. Nebenan in der FAZ schafft Georg Rüschemeyer den tollen Texteinstieg „Etwas muss dran sein am Sex.“ und geht sodann der (noch eher unklaren) Frage nach, warum fast alle Lebewesen sich das ewige Hin und Her, Rein und Raus, Auf und Ab zur Fortpflanzung antun.

Außerdemchen:

Die NZZ bespricht Slavoj Žižeks neues Buch darüber, was ein Ereignis ist. +++ Hermeneutik des Shitstorms: Im FAZ-Interview erklärt Bernhard Pörksen, was die ständige Eskalation von Wut, Hass und Empörung über unser Wertesystem verrät. +++ Lange gab es kein Manifest mehr für irgendwas, nun haben die Kolleg_innen vom Hohe-Luft-Magazin eines „für eine Philosophie, die uns bewegt“ ans digitale Tor genagelt. Und alle so: yeah! +++ Die unternehmerische Universität ist schon okay, meint der Finanzwissenschaftler Berthold Wigger in der FAZ, sofern man nicht die ungeeigneten Maßstäbe des produzierenden Gewerbes anlegt.


Links der Woche am 18.07.2015, 14:25 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 29/15

Ewiges Leben bis zum Stromausfall

Der Papst des Transhumanismus, Ray Kurzweil, sagt die technische Überwindung unserer Beschränktheiten in den nächsten Jahrzehnten voraus. Carolin Wiedemann beschäftigt sich in der FAZ mit der transhumanistischen Szene, ihren philosophischen Grundlagen sowie den Bedenken und Hoffnungen. (12.07.15)

Universitas in der Nische

Es gibt sie noch, die guten Dinge: Die FAZ portraitiert das Leibniz Kolleg in Tübingen, wo ohne Creditpoints gemeinsam unter einem Dach gelernt und gewohnt wird. Vom Reformeifer blieb das Kolleg bislang verschont, von Finanznöten allerdings nicht. (17.07.15)

Was ist der/die Mensch_in?

Catherine Newmark fragt sich in der ZEIT, was der Feminismus falsch gemacht habe, dass dermaßen geifernd wider den Gender-Fundamentalismus gehetzt wird. Bei Telepolis schildert Selma Mahlknecht anschaulich die Heterokalpyse, die uns allen droht.

Unn sünst?

Anhängsel der Maschine: Anlässlich des neuen Terminator-Films unterhält sich die SZ mit KI-Forscher Rolf Pfeifer darüber, was wir von den Maschinen zu befürchten (oder zu erhoffen) haben. +++ Die NZZ zeigt sich fasziniert von zwei Neuerscheinungen, die mit und gegen Heidegger über Nutzen und Nachteil des ewigen Lebens nachdenken. +++ Die Website The Taste of Cinema versammelt die zehn besten Film, die auf Heideggers „Sein und Zeit“ basieren - darunter manch eine Überraschung. +++ Die WELT lässt mäßig witzig Humboldt, Heidegger, Hegel, Marx und Freud über das Internet diskutieren, d.h. prägnante Stichworte unverbunden und ungenau herunterrattern. +++ Die NZZ erinnert an ihre ersten „Redaktoren“ Peter Philipp Wolf und Franz Xaver Bronner, die vor fast einem Vierteljahrtausend Zürich mit aufklärerischem Witz aufmischten.


Links der Woche am 11.07.2015, 14:30 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 28/15

Griechenland...

...hält die Welt weiter in Atem. Und ja: die Welt, denn es geht nicht bloß um Staatsfinanzen oder ein Währungssystem. Das findet auch Slavoj Žižek in der ZEIT anlässlich des griechischen Referendums über Pest oder Cholera: Die Griechen beharren damit auf den demokratischen Sozialstaat europäischer Prägung, den sich im technokratisch durchgesetzten Schuldenkapitalismus niemand mehr leisten kann. Ganz ähnlich beobachtet auch Georg Seeßlen in seinem Blog die innere und äußere Abschaffung der Demokratie nicht zuletzt durch marktförmige Medien. Kapitalismuskritik hat es in diesen Tagen leicht - und macht es sich zu leicht, merkt Armin Nassehi in der ZEIT an. Denn die Kritik reduziert die unbehagliche Komplexität auf die negativen Folgen des maßlosen Kapitals und so einfach ist es dann - wie im Fall Griechenland - doch nicht. Das ist ja das Problem! Vielleicht hilft es, in der Vergangenheit nach Ähnlichkeiten und Unterschieden zu suchen, wie Arno Widmann es in der FR mit einem Rückblick auf die Londoner Schuldenkonferenz 1953 tut, bei der Deutschland seine Kriegsschulden erlassen wurden.

Philosophie & Zeitschriften

Was hat Philosophie (als Ethik) im technischen Zeitalter noch zu melden? Darüber hat sich Reinhard Jellen mit zehn Philosophen unterhalten, die einen Computer bedienen können, und ein E-Book daraus gemacht, wie Telepolis meldet. Maxi Leinkauf feiert im Freitag das Philosophiemagazin Hohe Luft so hymnisch ab, dass es auch Satire sein könnte: Denn da entpuppt sich Derek Parfit als „der größte Gegenwartsphilosoph unserer Zeit“ und es gibt „Lektürevorschläge, sogar Henryk M. Broder kann dort vorkommen“, sowie „ganz praktische Ratschläge, zum Beispiel: Niemals per App seinen Freund orten!“ Eine vollkommen andere Zeitschrift (trotz Philosophie) gibt es übrigens auch als E-Book. Und warum? Gute Frage, die Stephen Burt im New Yorker mit Blick auf die kleinen unabhängigen Magazine stellt, die es trotzallem immer noch und immer wieder gibt.

Außerdemos von Sonstnochos:

Der Wirtschaftswissenschaftler Thomas Ehrmann gibt in der FAZ einen Einblick in die schöne neue Universität mit ihrer Fixierung auf Kundenzufriedenheit und staatliche Kopfgelder. +++ Nebenan bei Glanz & Elend lotet Peter V. Brinkemper die politische Dimension von „Jurassic World“ aus; außerdem stellt er ebd. Hunter S. Thompsons Gonzo-Briefe aus den Jahren 1958 bis 1976 vor. +++ Arno Widmann hat für die FR in den Bänden der Tagungsreihe „Communism: A New Beginning“ geblättert und darin Alain Badious „Idee des Kommunismus“ entdeckt, von der er sich zugleich angezogen und befremdet zeigt. +++ Die NZZ ist nicht so ganz zufrieden mit Otfried Höffes Studie zur Idee der Freiheit, die eher Rundreise als Tiefenexpedition ist.


Intime Interna am 05.07.2015, 14:41 Uhr

Schotter im E-Book-Reader

Falls Sie es wegen der Hitze noch nicht mitgekriegt haben: Der aktuelle Lichtwolf zum Thema Schotter ist nun auch als E-Book verfügbar.

Lichtwolf – Zeitschrift trotz Philosophie. Ausgabe Nr. 50 (2/2015), Titelthema: Schotter

Lichtwolf Nr. 50 gibt es auch als preiswertes E-Book für Amazon Kindle und im offenen epub-Format.

Nach wie vor geht es in der 50. Ausgabe der Zeitschrift trotz Philosophie u.a. um synthetische Drogen, Straßenbeläge, Geld, Kunstwerke und Salafismus sowie um die Sabotage von Castor-Transporten, den Stand der Diskussionskultur am Beispiel Peter Singers, die Mainzer Minipressen-Messe und Pferde.

Erhältlich ist das Ding als Heft für 7,80 Euro (inkl. Versand) sowie eben als E-Book für Amazon Kindle und im offenen epub-Format - jeweils DRM-frei und mit 3,99 Euro bloß halb so unbezahlbar wie die Printausgabe.

Übrigens können Sie Lichtwolf-E-Books auch direkt beim catware.net Velag sowie in der E-Book-Boutique minimore.de herunterladen.


Links der Woche am 04.07.2015, 14:33 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 27/15

Armer Geistesadel

Lukas Latz befasst sich im Freitag anlässlich einer Diskussionsrunde mit den prekären Beschäftigungsverhältnissen an Hochschulen. Für jene sind vor allem diese verantwortlich. Da hilft es nicht viel, wenn die Regierung eine Novelle des Wissenschaftszeitvertragsgesetzes plant, wie die FAZ meldet.

(Un)gleiches

In der FR lesen wir ein Interview mit Michael Sandel über die Gefährdung der Demokratie durch einen Kapitalismus, dessen Wachstum zu steigender Ungleichheit führt. In der FAZ beschäftigt sich Gerald Wagner mit aktuellen Beispielen dafür, wie schwer sich die Sozialforschung mit dem Begriff sozialer Ungleichheit tut.

Et cetera:

Die FAZ weist auf die langsam einsetzende wissenschaftliche Beschäftigung mit Flucht und Asyl hin. +++ In chinesischen Labors wird munter und weitgehend kritiklos am menschlichen Erbgut herumgebastelt, schreibt Finn Mayer-Kuckuk im Freitag. +++ Micha Brumlik setzt sich in der FR mit Jan Assmanns Epos über den revolutionären Monotheismus auseinander. +++ Manfred Koch stellt uns in der NZZ den Dichter und Moralphilosophen Christian Fürchtegott Gellert vor, der hierzulande Empfindsamkeit, Sturm und Drang die Bahn ebnete. +++ Außerdem weist die NZZ auf die Buchreihe „Platon & Co“ hin, die kindgerechte Denkerinnenportraits serviert.


Links der Woche am 27.06.2015, 15:18 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 26/15

Heidegger-Ungemach, nächste Runde

Heidegger Großverweser Friedrich-Wilhelm von Herrmann will dem Herausgeber der „Schwarzen Hefte“, Peter Trawny, wegen ungebührlicher Selbstvermarktung die Editorenschaft entziehen, wie der KStA meldet. Das geht aber gar nicht, wie Michael Hesse in der FR klarstellt und den Gegenangriff auf von Herrmann (er „versuche, den Nachlass Heideggers rein zu halten“) dokumentiert.

Identitätsgeschäfte und -geschlechte

In seinem Blog überlegt Georg Seeßlen, was es für die Konstitution der (nicht zuletzt politischen) Identität heißt, als jemand zu handeln. Das Thema ist auch in den USA aktuell, seit sich eine Weiße als Schwarze ausgab und ein Spitzensportler sich via Magazin-Cover als transsexuell outete. Andrea Köhler untersucht diese und ähnliche Fälle in der NZZ darauf, was sie über das westliche Identitätskonstrukt verraten.

Außerdemchen:

Eva Berendsen befasst sich für die FAZ mit Laurie Penny und ihrem topmodernen Feminismus. +++ Die NZZ stellt den jüngsten Band der kleinen Schriften Jean-Paul Sartres vor sowie Hans Joachim Schädlichs Roman über Hofnarren aus dem 18. Jahrhundert. +++ Telepolis zu guter Letzt informiert über eine Studie, derzufolge positives Denken auf liberal eingestellte Studenten eher hemmend, auf konservative eher anspornend wirkt.


Intime Interna am 21.06.2015, 14:13 Uhr

Liwo fuffzich ist da.

Der neue Lichtwolf ist da. Das Titelbild sehen Sie hier:

Lichtwolf Nr. 50

Lichtwolf Nr. 50 zum Thema Schotter ist erschienen.

Es ist wieder gelb, weil es sich (trotz der Temperaturen) um die aktuelle Sommerausgabe handelt. Es ist auch die 50. Ausgabe der „Zeitschrift trotz Philosophie“. Das Titelthema lautet Schotter. Darin geht es u.a. um synthetische Drogen, Straßenbeläge, Geld, Kunstwerke und Salafismus sowie um die Sabotage von Castor-Transporten, den Stand der Diskussionskultur am Beispiel Peter Singers, die Mainzer Minipressen-Messe und Pferde. Online zu lesen gibt es die Einleitung, Prolegomena und Propädeutikum und den Anfang des Essays von Manuel Zabel. Die Leseprobe gibt es hier als PDF und hier im LichtwolfReader.

Das Heft hat 100 Seiten und kostet unverschämte 7,80 Euro. Es ist in wenigen Tagen auch als E-Book erhältlich. Bitte bestellen Sie es weder hier im Einkaufszentrum noch über den Buchhandel (ISBN 9783941921528), wir möchten die wenigen Exemplare der Auflage gern selbst behalten. Auch ein Abonnement würde uns nur Arbeit machen und Ihnen Lektürepflichten auferlegen, die dem Fun abträglich sind.


Links der Woche am 20.06.2015, 16:57 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 25/15

„verblindet“ und „verblendet“

Reinhart Kosellecks „Kritik und Krise“ über Aufklärung und Politik im 18. Jahrhundert belehrte die Intellektuellen, ihre moralischen Kriterien seien dem politischen Krisenalltag fremd. 60 Jahre später sieht Caspar Hirschi in der FAZ Kosellecks Traum von der unkritisierbaren Realpolitik in der Dauerkrise verwirklicht. (13.06.15)

Schluss mit lustig!

Michael Ebmeyer denkt in der ZEIT mit E.T.A. Hoffmann, Jan Philipp Reemtsma und Flann O’Brien über die verschiedenen Weisen des Lachens nach. Das ist weniger beliebt als man denkt, insbesondere dasjenige Lachen, das Autorität zersetzt - im Gegensatz zum unfreien, hämischen Gelächter. (19.06.15)

The Internet is not only for Porn

Für Telepolis unterhält sich Reinhard Jellen ausführlich mit Georg Seeßlen über Eros und Information. Dank des Internets kann man sich vom Schreibtisch aus Sexualkontakte organisieren - was allerdings die Begriffe von Partnerschaft und Liebe hin zur Marktförmigkeit verändert. (20.06.15)

„Einzeltätervolk“

Anlässlich der jüngsten rassistisch motivierten Morde in den USA beschäftigt sich Dietmar Dath in der FAZ damit, wie in God’s own Country die Hautfarbe darüber entscheidet, ob jemand Opfer einer Tragödie oder des Terrorismus ist, und was Nudelteig mit der liberal-emanzipatorischen Unterdrückung des weißen Mannes zu tun hat. (20.06.15)

Neues vom Papst

Die NZZ zeigt sich angetan von der „Öko-Enzyklica“ des Papstes, die diese Woche erschien und zur Schonung des Oikos aufruft. Für die FAZ berichtet Patrick Bahners von den eher nicht so begeisterten Reaktionen „klimaskeptischer“ US-Konservativer auf die lyrisch-wissenschaftliche Mahnung zur Umkehr.



Intime Interna am 17.06.2015, 20:09 Uhr

Frost, Thriller, Afghanistan

Lichtwolf-Leser kennen ihn als Schöpfer von knollennasigen Comicfiguren und anderen Behelfsillustrationen in unserem fröhlichen Wissenschaftsmagazin: Georg Frost ist daneben auch unsichtbar tätig als metteur en pages (also der Setzer) und hat eine dunkle Vergangenheit in der Automobilindustrie - sowie bei der Bundeswehr.

Georg Frost: Hartes Land

Teil I der Thriller-Reihe um Spionage, Drogen, Korruption und das neue große Spiel der Mächte am Hindukusch ist erhältlich als Taschenbuch sowie als E-Book.

Sie (die Bundeswehr als Einsatzarmee) spielt auch in Georg Frosts erstem Roman eine nicht unwichtige Rolle. Denn es geht darin um Spionage, Drogen, Korruption und das neue große Spiel der Mächte am Hindukusch. Falls Sie sich also gefragt haben, warum der Kollege Frost in der Rezensionsrubrik „Kurz und Klein“ seit Jahren Bücher über den Afghanistan-Einsatz bespricht: Das war Teil der ausgiebigen Recherche.

Näheres entnehmen Sie bitte der Produktbeschreibung beim catware.net Verlag, wo es den voraussetzungsreichen und ziemlich komplexen (also nicht für Doofe geeigneten) Thriller auch schon als E-Book (epub, DRM-frei) zum Herunterladen (wie üblich gegen weniger Geld) gibt.

Georg Frost hat also ein Buch geschrieben und er plant, noch weitere zu schreiben. Seien Sie als potentielle Leserin also schon einmal vorgewarnt: Nicht alle eröffneten Handlungsstränge werden bis zur letzten Seite zu Ende geführt, der Roman „Hartes Land“ eröffnet vielmehr eine auf mehrere Teile ausgelegte Reihe. Die Fortsetzung wird bereits Ende 2015 erscheinen - und noch spannender, komplexer, brutaler, schneller, härter, voraussetzungsreicher sein.


Links der Woche am 14.06.2015, 14:30 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 24/15

Zwischen den Fronten

Für die FAZ berichtet Jürg Altwegg von den journalistischen Arbeiten des Albert Camus aus der Résistance-Zeitung Combat, die nun auch auf Deutsch vorliegen. Wir lesen darin nach wie vor aktuelle Erwägungen über Journalismus und Ethik in der maßlos polarisierten (Nach-)Kriegsgesellschaft. (07.06.15)

Gedankenfreiheit und Marktdiktatur

Der Schriftsteller Norbert Niemann beschäftigt sich in der FAZ zunächst damit, wie die digitale Ökonomisierung die bayrische Provinz vor der Verödung bewahrte, um sodann auf die politischen und sozialen Verheerungen der Marktideologie am Beispiel der literarischen Landschaft zu sprechen zu kommen. (07.06.15)

Der kidult als politisches Riesenbaby

Warum flippen die Leute neuerdings eigentlich wegen jeder Lappalie aus?, fragt sich Ursula März in der ZEIT und hat auch gleich eine Antwort parat: Der Wutbürger ist wie das Emoji-Unwesen ein Nebeneffekt der konsumistischen Infantilisierung, die Benjamin R. Barber und Susan Neiman diagnostiziert haben. (13.06.15)

Zufall und Geschichte

Die FR beschäftigte sich diese Woche damit, wie das Prinzip Zufall die Welt regiert. Arno Widmann überlegt in seinem einleitenden Essay, wie sehr die Geschichte auch all das ist, was nicht passiert und unentdeckt bleibt. Es folgt ein Interview mit dem Medienwissenschaftler Jochen Hörisch über die religiöse Dimension der Ökonomie.

Unn sünst?

In der FR werden in ungewöhnlichem Ton die frühen Tagebücher von Alexandre Kojève, dem französischen Wirtschaftsbeamten sowie Hegel- und Stalin-Propagandeur, vorgestellt. +++ Die taz berichtet vom Festival „The Power of Powerlessness“ in Berlin, das sich mit unserem Alltag in Kontrollsystemen und Ohnmachtserfahrungen beschäftigt. +++ Die NZZ bespricht das Buch des Theologen Karl-Josef Kuschel über Martin Buber, dessen Herausforderung das Christentum wohl bereichert habe. +++ In seinem Blog geht Georg Seeßlen mit fünf Fragen der einen nach, was es ist, das ein Bild ausmacht. +++ Felix Werdermann portraitiert im Freitag anlässlich ihrer 400. Ausgabe Graswurzelrevolution, die anarchistische „Zeitung ohne Chef“. +++ Bei Telepolis lesen wir ein Interview mit Ferdinand Lassalle zur geplanten Rettung der SPD durch Neugründung - und Duellierung mit dem Parteivorsitzenden. +++ Dürfen wir Sie darauf hinweisen, dass in einer Woche der neue Lichtwolf in den Briefkästen unserer Abonnenten landet?


Links der Woche am 06.06.2015, 14:03 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 23/15

Wegen Mainzer Minipressen-Messe (wir sind noch bis Sonntag da, also kommen Sie in die schön klimatisierte Mainzer Rheingoldhalle) diese Woche nur ganz eiliges Gelinke: Wilhelm Schmid empfiehlt im ZEIT-Interview Sex und Sauna zwecks Kreativität. +++ Die taz versucht, Kant und Bier auf/unter einen Deckel zu bringen. +++ Der Philosophy Bro beantwortet wieder Leserpost, diesmal zur Furcht vorm Sterben und was u.a. Camus und Heidegger dazu zu sagen haben. +++ Marie Mohrmann bespricht im Freitag zwei Bücher über den freien Willen im Neoliberalismus. +++ Vor einer Weile sah Nikita Dhawan in der taz mit Derrida das kantische Weltbürgertum bedroht - und zwar durch die EU-Flüchtlingspolitik. Jüngst antwortete Christoph Brendel im theorieblog auf Dhawan mit der Klarstellung, dass es sich mit Kants Weltbürgerrecht etwas komplizierter verhält. +++ Letzte Woche hatte die phil.Cologne den Bioethiker Peter Singer nach einem NZZ-Interview ausgeladen, was nun harsche Kritik einiger Philo-Profs nach sich zieht. Unter anderem um das Ungemach in Sachen Singer geht es im nächsten Lichtwolf (Titelthema: Schotter), der in zwei Wochen erscheint. Ein Abo können Sie hier abschließen oder noch bis morgen Nachmittag auf der eingangs erwähnten Mainzer Minipressen-Messe, wo wir an Stand E7 mit Kaffee, Bier und Keksen auf Sie warten.


Links der Woche am 30.05.2015, 14:23 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 22/15

keine Freiheit jenseits des Marktes

Georg Seeßlen ist unzufrieden mit dem Begriff „Neoliberalismus“, mit der damit bezeichneten Sache ohnehin, aber um welche es sich dabei eigentlich handelt, war diese Woche Thema im Seeßlen-Blog. Das Präfix Neo- zeigt ähnlich wie das Post- etwas an, das sich zu einem Teil überlebt, zu einem anderen übersteigert hat - und das hat durchaus etwas Religiöses. (25.05.15)

Andere Neuronen, andere Sitten

Mensch lernt in jungen Jahren von seiner jeweiligen kulturellen Umwelt, was sich gehört und was nicht. Aber gibt es auch angeborene, kulturell unabhängige Normen? Dem geht Steve Ayan in der ZEIT nach, indem er erstmal wie inzwischen üblich Leute in Magnetröhren steckt, und sodann den Anteil des Gefühls (allen voran des Ekels) am Gewissen und damit an der Ethik bemisst. (26.05.15)

Das Ich als Balkan-Landschaft

Die FAZ bringt den gekürzten Vortrag, den Klaus Theweleit auf der Jahrestagung der Deutschen Psychoanalytischen Gesellschaft in Berlin gehalten hat. Darin beschreibt er, warum das Ich nie eine Einheit sondern eine Erfindung des europäischen Romans ist, was das mit seiner Figur des „Nicht-zu-Ende-Geborenen“ zu tun hat und warum das segmentierte Ich zur segmentierten Gesellschaft passt. (26.05.15)

Eklat um Peter Singer

Letzte Woche ging es bereits um das Ungemach, das sich rund um eine geplante Preisverleihung an Peter Singer entspann. Diese Woche fand die phil.Cologne mal wieder ohne Lichtwolf statt - aber auch ohne Peter Singer. Der wurde nämlich wieder ausgeladen, wie SZ und FAZ berichten, denn er habe im Interview mit der NZZ (wahrlich nicht neue) „Standpunkte geäußert, die im Widerspruch zu dem humanistisch-emanzipatorischen Selbstverständnis stehen, das die phil.COLOGNE leitet.“

Wolfram Eilenberger, der sowohl das Programm der phil.Cologne als auch das Philosophie Magazin verantwortet (aktuell mit dem Titelthema „Bin ich, was ich esse?“; lol), betrachtet die Einladung des Bioethikers nach Köln a posteriori „als Fehler“ und gab zu Protokoll: „Der deutsche kulturelle Raum ist ein anderer als der, in dem Singer sich bewegt.“ In nämlichem scheint auch die sachorientierte Diskussion noch möglich zu sein, weshalb der Ausgeladene durchaus zu Recht fragen darf: „Wie können sie sich als Philosophie-Festival bezeichnen, wenn sie zu ängstlich sind, Fragen zu diskutieren, die einige Menschen stören?“

Michael Schmidt-Salomon von der Giordano Bruno Stiftung hat ebenfalls in Reaktion auf das lesenswerte NZZ-Gespräch sogar seine Laudatio auf Singer abgesagt.

Et cetera:

Michael Girke bespricht im Freitag Klaus Theweleits Psychogramm des lachenden Massenmörders. +++ Jan Drees beschäftigt sich im Freitag mit Literaturkritik im Internet jenseits des Feuilletons - vorbildlich mit vielen Links versehen, allerdings ohne einen zu Glanz & Elend, wo genau das schon seit Jahren betrieben wird. +++ Eduard Kaeser denkt in der NZZ über die verschwimmende Grenze zwischen Laien und Experten nach; dazu gibt es übrigens eine eigene Lichtwolf-Ausgabe! +++ Bei Telepolis beobachtet Christian Meier, wie wir in die Welt der Science Fiction hineinwachsen, und rät dazu, Computer und Roboter vernünftig ins Mitsein aufzunehmen. +++ Die NZZ bespricht den neuen Essay des Politikphilosophen Jean-Claude Michéa, der die auf Recht und Ökonomie gestützte liberale Gesellschaft als das „Reich des kleineren Übels“ beschreibt. +++ Von Donnerstag bis Sonntag findet in Mainz die 23. Minipressen-Messe statt - den Lichtwolf finden Sie an Stand Nummer E07 in der Rheingoldhalle.


Links der Woche am 23.05.2015, 14:34 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 21/15

Konjunkturen der Religion

Joachim Frank führt für die FR ein Interview mit dem Religionssoziologen Detlef Pollack. Der verbindet das wechselvolle Maß an Säkularisierung in verschiedenen Gesellschaften mit dem Grad der Politisierung von Religion wie etwa im Fall des Islam. Wenn sich der Wind dreht, retten Freizeit- und Serviceangebote eine Kirche aber auch nicht mehr. (19.05.15)

Albernheit statt Ordnung!

Stuart Jeffries schreibt im Freitag, wie der Schuldenanthropologe David Graeber über Formulare, Bürokratie und Behördenwillkür sein neues Buchthema entdeckte („Die Utopie der Regeln: Über Technologie, Dummheit und die heimlichen Freuden der Bürokratie“), nämlich die sich selbst erhaltende Sinnlosigkeit der menschenunwürdigen Arbeitswelt. (20.05.15)

Das Weniger nichtet.

Nichts ist schlecht, weniger als nichts ist besser. In seinem Blog überlegt Georg Seeßlen, was es im Kapitalismus mit der Redewendung von „weniger als nichts“ auf sich hat - zum Beispiel in Bezug auf Geld, Menschen oder TV-Programm, mit deren Ver-Nichtung Mehrwert geschaffen wird. (20.05.15)

Wer eine Macke hat

In der FAZ unterhält sich Melanie Mühl mit dem Psychiater Frank Urbaniok darüber, wann ein Tick pathologisch wird, wie sich Situations- und Persönlichkeitstäter unterscheiden und warum unsere Gesellschaft Wutbürger produziert. (21.05.2015)

Zum Stand der Diskussionskultur

Kommende Woche soll Peter Singer in Berlin einen Preis für seinen Beitrag zur „Tierleidminderung“ entgegennehmen. Eine Gruppe kursorischer Leser_innen hält ihn für einen Befürworter der nationalsozialistischen Euthanasiemorde und ruft dazu auf, Leuten wie ihm keine Öffentlichkeit zuzugestehen. Glücklicherweise gibt es auch schon eine Initiative gegen die Hexenjagd auf Singer. Neu ist das alles nicht, schon bei der letzten Ehrung Peter Singers gab es große Aufregung. Überhaupt war das keine gute Woche für die Streitkultur in Germany: Hamed Abdel-Samad musste sich dafür rechtfertigen, ernsthaft und gründlich darüber nachgedacht zu haben, die Vortragseinladung einer Burschenschaft anzunehmen. Eine freie Autorin, die im Westfalen-Blatt einem Leser eher davon abriet, seine beiden kleinen Töchter als Blumenmädchen auf eine Schwulenhochzeit zu schicken, wurde der Homophobie geziehen und von ihrem Arbeitgeber im Shitstorm geopfert, worüber Don Alphonso in seinem FAZ-Blog den Kopf schüttelt.


Links der Woche am 16.05.2015, 14:06 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 20/15

Akademische Hybris: Von den soliden Altvorderen auf die Uni geschickt, kommt sich Janosch Siepen nun klüger als seine Eltern vor, wie er in der ZEIT gesteht. +++ Apropos Verwandtschaft: Die FAZ zeigt sich fasziniert von der Berliner Ausstellung „Kultur der Affen“, die mit Theorie und Kunst unser darwinistisches Selbstbild herausfordert. +++ Auch die NZZ beschäftigt sich näher mit der kartographischen Methodik von Emmanuel Todds Analyse der Franzosen, die im Januar bekannten, Charlie und also der Unterschicht überlegen zu sein. +++ Im Freitag reagiert Andrea Roedig auf die Sorgen des Literaturwissenschaftlers Manfred Schneider, die Geisteswissenschaften könnten durch den wachsenden Frauenanteil Schaden nehmen. +++ Der Spieltheoretiker Eyal Winter zeigt laut WELT in seinem neuen Buch, wie rational und effektiv sich das Gefühlswirrwarr von Liebe und Hass im Spiel des Lebens auswirkt. +++ Am 9. Mai ist der Begründer der Inkompetenzkompensationskompetenz Odo Marquard gestorben; der amtliche Nachruf kommt von Jürgen Kaube (FAZ), auch die NZZ lässt ihren Feu-Chef Martin Meyer auf Leben und Werk des Gießener Philosophen zurückblicken. +++ Unterwegs mit Michael Helming durch Königgrätz: Die Essayreihe ist auch eine Wanderung durch die Antiquariate und damit durch die Geistesgeschichte - und seit dieser Woche erhältlich als E-Book für 99 Cent.


Irgendwas mit Medien am 11.05.2015, 10:07 Uhr

Exklusiv und elektrisch: „Böhmische Meditationen“

„Traue keinem Gedanken, der dir im Sitzen gekommen ist“, riet Nietzsche und getreu diesem Motto hat sich Michael Helming zum Handelsreisenden in Gedankendingen gemausert.

Michael Helming: Böhmische Meditationen

Das neue E-Book ist für 99 Cent erhältlich, und zwar für Amazon Kindle, im offenen epub-Format

sowie direkt beim catware.net Verlag (gleichfalls als DRM-freies epub).

Nach seiner physisch-literarischen Bodensee-Umrundung „Sprech / Blasen / Laufen“, die exklusiv in der E-Book-Reihe Lichtwolf Short Circuits („große Essayreihen für kleines Geld“) erschienen ist, gibt es nun ebendort auch seine „Böhmischen Meditationen“ zum Herunterladen und Mitspazieren.

Michael Helmings Wanderung durch Königgrätz ist auch eine durch die Antiquariate und damit durch die Geistesgeschichte, die überall in der tschechischen Provinz ihre Spuren hinterlassen hat. Die Kanonen und Schlachtfelder rufen Überlegungen dazu auf, was Schopenhauers Wille mit der damaligen „Kriegsgeilheit“ (im Wortsinne) zu tun hat und was Fritz Mauthner zu Kriegsgöttern und Schlachtrufen herausgefunden hat. Mauthners Geburtshaus wird ebenso zum Anlass für Meditationen über Herkunft und Biographie von Wortgewaltigen wie das von Karl Kraus, der quasi um die Ecke geboren wurde. Mit dem Erblühen des Frühlings wird es Zeit, derer zu gedenken, die nicht wandern können: Pflanzen, allen voran der Linden, die das tschechische Nationalsymbol sind und in vielen Dörfern als Kneipe, Gerichts- und Rathaus zugleich dienten.

In dem E-Book „Böhmische Meditationen“ sind vier Lichtwolf-Essays versammelt - ungekürzt, mit einem Vorwort und zusätzlichen Photos versehen. Das E-Book ist für lumpige 99 Cent erhältlich, und zwar für Amazon Kindle, im offenen epub-Format sowie direkt beim catware.net Verlag (gleichfalls als DRM-freies epub).


Links der Woche am 09.05.2015, 13:23 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 19/15

Schneller, höher, weiter

Jan Heinemann unterhält sich auf dem Blog Zeit.Räume mit dem Soziologen Hartmut Rosa über Identität, Zeit- und Raumwahrnehmung in der von ihm diagnostizierten Beschleunigungskrise - und wie diese mit der ökologischen Krise zusammenhängt. (21.04.15)

Mit Hegel gegen den Kapitalismus

Der Standard spricht mit Slavoj Žižek über die nötige Rückkehr von Marx zu Hegel, da dessen pessimistische Sicht auf die Zukunft viel besser in unsere krisenhafte Moderne passt als der Fortschrittsoptimismus Marxens. Revolution ist jedenfalls nicht in Sicht. Ansonsten lobt Žižek frohgemut und schamlos den Deutschen Idealismus und einen eurozentrischen Philosophiebegriff. (03.05.15)

Subtraktion, Blockade, Widerstand

Das Unsichtbare Komitee ist mit seinem Resümee über den kommenden Aufstand zurück in den Medien, diese Woche in einem ZEIT-Interview, das sehr schön daher kommt: Denn die Fragen wurden konsequent allein mit Zitaten aus der Revoltegeschichte beantwortet. (08.05.15)

„Was kann man damit werden?“

Die ZEIT begleitet die 17-jährige Schülerin Gesine Hagmeister bei ihrem Probestudium der „vollen geisteswissenschaftlichen Dröhnung“ an der Uni Bielefeld. Dokumentiert werden die Einstiegstipps ins philosophische Studentenleben, die der Tutor aus der Philosophie-Fachschaft so auf Lager hat. (06.05.15)

Wer ist Charlie?

Die SZ berichtet über die französischen Nachwehen der Pariser Anschläge vom Januar 2015. So streitet sich die Republik u.a. darüber, ob Voltaire oder Rousseau das geeignete gedankliche Rüstzeug für den Weltbürgerkrieg liefert, und ob wirklich alle Solidaritätsbekundungen für Charlie Hebdo einen humanistischen Hintergrund haben. (06.05.15)

„mit Heidegger gegen Heidegger“

Per Leo berichtet für die FAZ von einer kritischen Tagung zu den „Schwarzen Heften“ Martin Heideggers an der Uni Siegen. Allerdings scheint das habermassche Motto „mit Heidegger gegen Heidegger“ im Streit der Kritiker_innen nicht ganz aufgegangen zu sein - oder in diesem Sinne gerade doch. (06.05.15)

Et cetera:

Falls Sie einen Einstieg in die laufende Debatte um Heideggers Schwarze Hefte brauchen, sei nochmals auf die ausführliche Nachlese bei Glanz & Elend verwiesen: Teil 1 und Teil 2; kurz zusammengefasst in Lichtwolf Nr. 46. +++ Ebenda bei Glanz & Elend bespricht Jürgen Nielsen-Sikora den Briefwechsel Theodor W. Adorno und Gershom Scholem 1939-1969, über dem stets der abwesende Freund Walter Benjamin schwebt. +++ Die taz unterhält sich mit der Kulturwissenschaftlerin Karin Harrasser über den philosophischen Kern von Science Fiction. +++ Georg Seeßlen macht sich in seinem Blog ausführliche Gedanken über Geld (als Zeit) verdienen, haben und ausgeben im Spiegel der modernen Arbeitswelt und der Rhetorik der Niedertracht; außerdem geht es um Ästhetik, namentlich um Lesbarkeit und Differenz in der Bildkunst.


Irgendwas mit Medien am 07.05.2015, 16:54 Uhr

Philosophie auf der Walz

Liebe Zielgruppe,

vielleicht ist bei Ihnen der Studienabschluss in der besten aller Wissenschaften absehbar oder noch nicht allzu lange her. Wenn Sie darüber hinaus auch noch reisefreudig, halbwegs sozialisiert und ein bisschen telegen sind, interessieren Sie sich doch für ein vielversprechendes Filmprojekt mit dem Arbeitstitel „Mit Kant über’s Land“.

Darin begeben sich Philosophie-Absolvent_innen im Sommer auf die philosophische Walz, um gemeinsam mit einer netten, jungen Filmcrew denkend und fragend durchs Land zu tingeln. Nähere Informationen zum Filmprojekt und Kontaktmöglichkeiten gibt es in dieser Ausschreibung (PDF) und auch ganz kurz und knapp in diesem Flyer (PDF).

Dem Lichtwolf gefällt das!


Links der Woche am 02.05.2015, 14:30 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 18/15

Dein Staat liebt dich!

Martha Nussbaums Buch „Politische Emotionen“ beschäftigt sich mit dem emotionalen Unterfutter, das politische Prinzipien erst wirksam macht. Der Staat soll sich darum kümmern, Begeisterung und Abscheu in sozial nützliche Bahnen zu lenken. Nussbaums liberaler Etatismus wirft für Freitag-Leser Gunnar Kaiser aber gravierende Fragen nach der Legitimität von Staaten überhaupt auf. (26.04.15)

Das neue Dagegen

Mit dem Kapitalismus des 21. Jahrhunderts kann die Linke wenig anfangen, beobachtet Felix Stephan in der ZEIT, und mit seinen Gegnern erst recht nicht. Die machen sich lieber mit neoliberalen Mitteln an die Arbeit der Weltverbesserung. Das ist noch lange nicht Fluxus, wie ihn der Freitag am Künstler Bazon Brock exemplifiziert, der seit den 60ern Systemsabotage durch Überaffirmation vormacht. Und Lennart Laberenz portraitiert ebd. die neuen politischen Protestformen, die der verschnarchten Kundgebung alter Schule den Rang ablaufen.

Zwischenstand beim Untergang der Geisteswissenschaften

Wissenschaftsverlage stehen seit geraumer Zeit als Absahner öffentlich finanzierter Forschungsergebnisse in der Kritik. Joachim Müller-Jung berichtet in der FAZ von einer Studie der Max Planck Digital Library, die fordert, künftig mehr in frei zugänglichen Open-Access-Zeitschriften zu publizieren. Andrea Roedig stellt im Freitag dagegen Michael Hagners Analyse zum Verschwinden des Buchs vor, wonach die Geisteswissenschaften durch Open Access eher bedroht als beflügelt würden, da auch hier längst die Großverlage mitmischen. Julian Nida-Rümelin sieht in der ZEIT die Geisteswissenschaften auf dem absteigenden Ast. Schuld ist jedoch vor allem die Bologna-Reform mit ihrer Orientierung an Ökonomie und Naturwissenschaften. Und sonst? Anlässlich seines Buchs über Digitalisierung unterhält sich die taz mit dem Soziologen Christoph Kucklick darüber, wie die Technik u.a. unser rationalistisches Selbstbild herausfordert.


Links der Woche am 25.04.2015, 14:17 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 17/15

Der Aufstand, der kam

2007 formulierte das Unsichtbare Komitee seine Thesen zum kommenden Aufstand, dann kam die Finanzkrise und jetzt zieht das anarchokommunistische Autorenkollektiv Bilanz, wie Florian Schmid im Freitag schreibt. Demnach hätten viele kleine Aufstände sich durch Kommunikation, Dezentralisierung und Solidarität ausgezeichnet, gleichwohl sei die große Revolution an ebenso vielfältigen Formen der Aufstandsbekämpfung gescheitert. (20.04.15)

Denken ohne Denker?

Ein vielleicht letztes Mal zu Heidegger, dessen Freiburger Lehrstuhl z.Zt. noch von Günter Figal besetzt ist, der in der NZZ schreibt, mit Abscheu und Beklemmung den kürzlich veröffentlichen Band der Gesamtausgabe gelesen zu haben, worin sich Heidegger als durch und durch eitler Altnazi zeigt. Bleibt die Frage: „Lassen sich die Gedanken von der Person des Denkers überhaupt trennen?“ (22.04.15)

Cyberwochen bei der ZEIT

Anlässlich von Alex Garlands Film „Ex Machina“ macht sich die ZEIT Gedanken über lebendige Technik. Theresia Enzensberger beschäftigt sich 30 Jahre nach Donna Haraways wegweisendem Aufsatz damit, warum weibliche Cyborgs in der Science Fiction durchweg sexualisiert daherkommen. Auf den aktuellen Forschungsstand in Sachen Künstlicher Intelligenz blickt Christoph Drösser und meint, dass Deep Learning der Schlüssel zum Erfolg ist - aber halt doch keine Cyborgs mit Geschlechtsteilen hervorbringen wird.

Bio- und Mathe-Interviews

Die ZEIT unterhält sich mit dem Biologen und Philosophen Andreas Weber darüber, was es heißt, lebendig zu sein und warum die sogenannten Lebenswissenschaften davon nichts wissen wollen. Mathematikprofessor Albrecht Beutelspacher gibt im FAZ-Gespräch einige Anregungen, wie seiner Disziplin im Schulunterricht der Ruch des Angstfachs genommen werden kann.

Bücher, Bücher, Bücher usw.

Die NZZ bespricht das Buch der Philosophin Susan Neiman, die der vom Konsumismus infantilisierten Gesellschaft mit Stoa, Kant und Rousseau das Erwachsenwerden lehren will. +++ Aus dem Göttinger Institut für Demokratieforschung kommt eine differenzierte, auf Interviews gestützte Analyse der PEGIDA-Bewegung, die im Freitag vorgestellt wird. +++ Andreas Wolf bespricht bei Glanz & Elend das neue Buch von Klaus Theweleit, das im Vernichtungslachen die Gemeinsamkeit von Breivik und den Mördern der SS sieht. +++ Die ZEIT rezensiert das Buch des Kulturhistorikers Peter Burke, der darin die Explosion des Wissens seit der Neuzeit plastisch nachzeichnet. +++ Das Anthropozän zeichnet sich durch ein menschgemachtes Massensterben aus, so die These von Elizabeth Kolberts Buch „Das sechste Sterben“, das in der WELT besprochen wird - ausnahmsweise mal ohne Rücksicht auf den BDI. +++ Apropos Biologie: Jürgen Kaube schreibt über die Folgen einer Polemik, die der Konstanzer Biologe Axel Meyer kürzlich in der FAZ wider seine faulen und betrügerischen Studenten gehalten hat.


Links der Woche am 18.04.2015, 14:18 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 16/15

Gut für den Menschen ist gut fürs Geschäft

Mark Siemons von der FAZ fragt sich, wer da eigentlich wen tödlich umarmt: der Kapitalismus den Buddhismus oder umgekehrt? Die EZB-Architektur orientiert sich am Ying-Yang, auf dem World Economic Forum wird meditiert, im Silicon Valley ohnehin: Die neue Spritualität dient zur Linderung der seelischen Verheerungen der Leistungsgesellschaft. (12.04.15)

Kulturtechnik des Schweigens

„Reden und Mitreden [sei] unser Daseinsprinzip schlechthin geworden“, meint Wiebke Porombka in der ZEIT und fände das nicht so schlimm, wenn dem ständigen Meinungsagen auch mal Denken vorangehen würde. Die Literaturgeschichte hält zum Glück manch Vorbild dafür bereit, aus dem technisch bedingten Äußerungszwang mittels Maulhalten auszusteigen, bis sich alle an Twitter und Kommentarbereiche gewöhnt haben werden. (16.04.15)

Wissen Wissenschaft Unwissen

Der große Gottfried Schatz misst die heutigen Universitäten an ihrem einstigen Anspruch, die kritische Vernunft zu fördern, und denkt darüber nach, was Wissenschaft und Forschung sein sollten und sind in einem nur noch auf Verwaltung und Ausbildung ausgelegten akademischen Umfeld. (17.04.15)

Die wöchentliche Heidegger-Kritik

Peter Trawny, Herausgeber von Heideggers Schwarzen Heften, plaudert in der NZZ aus dem Nähkästchen der bisherigen editorischen Praxis, die Corporate Identity Heideggers vor sich selbst zu schützen. Drei Autoren - darunter Emmanuel Faye - fassen für die taz die Spielarten des Antisemitismus zusammen, die sich im jüngsten Band der Heidegger-Gesamtausgabe zeigen. Cord Riechelmann hat sich ebd. dann noch einmal solo mit Heideggers „dreckigem Denken“ und seinem Einfluss auf die französische Nachkriegsphilosophie beschäftigt.

Materialien zur Sozialphänomenologie

Freitag-Community-Mitglied Regine Beyß fragt sich, wie ein junger Mensch herauskriegen soll, was er/sie wirklich will, wenn der Konsumismus darauf ausgelegt ist, strukturelles Nachdenken zu sabotieren. +++ Dietmar Dath gratuliert in der FAZ mit Michel Foucault und Thomas Kuhn dem Räuber- und Laserpistolenerzähler Erich von Däniken zum Achtzigsten. Fnord. +++ Der Psychologe Thomas Grüter fragt sich bei den Scilogs, wie gefährlich Verschwörungstheorien sind, deren Struktur immer gleich ist.

Et cetera:

Für Ihren Terminkalender: Machen Sie auf der Rücktour von der dritten phil.COLOGNE vom 27. Mai bis 3. Juni 2015 doch einen Umweg über Mainz und besuchen Sie den Lichtwolf auf der 23. Mainzer Minipressen-Messe vom 4.- 7. Juni 2015. +++ In der taz meditiert Beate Seel über die Farbe Grau, ohne die sehr gute gleichnamige Kölner Band zu erwähnen. +++ Aus Gründen der Corporate Identity sei noch verwiesen auf Stefan Willekes lebhaften ZEIT-Beitrag zur Rückkehr der Wölfe in deutsche Lande.


Links der Woche am 11.04.2015, 14:25 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 15/15

Shitstorm philosophy-style

Nach wie vor beschäftigt Heidegger die Blätter. In der ZEIT nimmt sich Maximilian Probst der (weltweiten) Proteste gegen die Umwandlung des Freiburger Heidegger-Lehrstuhls an und führt die ganze Aufregung auf eine Verschwörungstheorie seines FAZ-Kollegen Jürgen Kaube zurück. (05.04.15)

Alles wird mehr oder gut

Die taz unterhält sich mit dem Politologen Claus Leggewie über Nutzen und Nachteil der ubiquitären Smartphones, an deren Verteuflung oder Anbetung sich ein antiquierter Fortschrittsbegriff zeigt. Stattdessen gilt es, Fortschritt auch moralisch jenseits der bloßen Quantität zu denken. (07.04.15)

Welt in Zahlen = Welt aus Zahlen

Noch ein interessantes Interview: Anlässlich seines neuen Buch unterhält sich die ZEIT mit dem Mathematiker und Physiker Max Tegmark, demzufolge „unser Universum eine mathematische Struktur ist“. Die Frage ist nur, ob das wirklich so ist, nur weil sich wirklich alles irgendwie mathematisch darstellen lässt... (08.04.15)

Alles Wichtige steht bei Ovid

Die globalisierte Bildungspolitik hält nichts mehr von alten Sprachen. Lateinisch und Alt-Griechisch seien aber nichts für ein paar Freaks, so Melanie Möllers Plädoyer in der FAZ, sondern zum einen Zugänge zum Grund des europäischen Selbstverständnisses, zum anderen Lehrmeister der Distanz und ihrer Überwindung mittels Geisteskraft. (09.04.15)

Außerdemchen:

Abermals Heidegger: Micha Brumlik hat für die taz auch den jüngsten Band der Schwarzen Hefte gelesen, in dem Heidegger den Holocaust relativiert und sich über Entnazifizierung, Christentum und Demokratie beklagt. +++ Und wieder ein praktischer Tipp für das rechnerische Wesen: Diesmal erfahren wir in der Mathe-Reihe der ZEIT, wie man auf die Schnelle die dritte Wurzel aus einer Zahl zieht. +++ Die NZZ resümiert einen Vortrag des Soziologen Heinz Bude über die Gesellschaft der Angst. +++ Die SZ stellt zwei Bücher von Marco Maurer und Julia Friedrichs zur sozialen Gerechtigkeit vor, die zum gleichen Schluss kommen: Es „ist egal, wie sehr man sich anstrengt. Am Ende zählt einzig die Herkunft.“ +++ Die WELT weist auf die Kasseler Ausstellung „Inhuman“ hin, auf der sich 15 „Post-Internet-Künstler“ mit dem Menschlichen und was davon übrig bleibt auseinandersetzen.


Links der Woche am 04.04.2015, 13:54 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 14/15

Wiwi besser machen

Die Kolleginnen und Kollegen der Wirtschaftswissenschaften haben die Nase voll: Sebastian Puschner und Jonas Weyrosta schreiben im Freitag über den wachsenden Unmut über die theoretische und methodische Starre in der Disziplin, deren Nachwuchs bereits an einer „Pluralen Ökonomik“ arbeitet. (30.03.15)

Geisterbahn Kapitalismus

Der Kapitalismus hat mehr mit Erobern als Erwirtschaften zu tun, skizziert Georg Seeßlen skizziert in seinem Blog. Das Eroberte spukt als Gespenst durch die kapitalistische Kultur und wird in einem politischen Akt als Beute an die Integrierten verteilt. Am Ende sind selbst Menschen nur noch Beute und Gespenst. (02.04.15)

Weiter mit Heidegger

Helmuth Vetter, Vorsitzenden der Martin-Heidegger-Gesellschaft, gibt eine Stellungnahme zur Debatte um den Namenspatron ab, in der er auf die strikte Unterscheidung von Philosophie und Antisemitismus drängt. Uwe Justus Wenzel sieht in dem Drama um den fundamentalontologischen Nachlass den besten Grund, nun eine historisch-kritische Heidegger-Werkausgabe in Angriff zu nehmen. Der Baseler Philosoph Markus Wild schließlich versucht in der SZ, die Debatte um die Umwidmung des Heidegger-Lehrstuhls an der Uni Freiburg geradezurücken.

Unn sünst?

Harald Lemke hat laut Telepolis ein Buch zu einer vermeintlichen Leerstelle geschrieben, nämlich zur Philosophie der Ernährung. Lichtwolf Nr. 32 zum Thema Essen & Trinken von 2010 gibt es hier für fümpf Euro. +++ Der famose Ulrich Horstmann hat einen ganz schicken neuen Internetauftritt zu seiner Verherrlichung bekommen. Er sei gepriesen! +++ Der Freitag portraitiert die marxistische Feministin Frigga Haug, deren Lebensthema die insgeheime Zustimmung zu Kapitalismus und Unterdrückung ist. +++ Kann man immer gebrauchen: Wolf-Dietrich Plackenberg erklärt bei Telepolis am 1. April, wie man ruckizucki eine Zahl in Primfaktoren zerlegt. +++ Der Freitag-Leser Gunnar Kaiser widerspricht der These des österreichischen Philosophen Robert Pfaller, wir hätten uns den Genuss verboten: der Genussbegriff ist verquer und die Verallgemeinerung falsch. +++ Lichtwolf Nr. 49 zum Thema Blumenkraft gibt es seit dieser Woche auch als E-Book für Kindle und im epub-Format.


Intime Interna am 02.04.2015, 14:57 Uhr

Das E-Book zum Frühling ist da

Obacht, ab morgen haben dank Jesu Engagement wider den Einzelhandel für ein paar Tage die Geschäfte zu, auch die Buchläden. Doch nicht so in diesem famosen Internet, das fortan um ein monstergutes E-Book stärker ist.

Lichtwolf Nr. 49 als E-Book

Die Frühlingsausgabe des Lichtwolf zum Thema Blumenkraft ist durchgehend vierfarbig illustriert und jetzt auch als E-Book verfügbar.

Denn die aktuelle Lichtwolf-Ausgabe zum Thema Blumenkraft gibt es nun auch für Amazon Kindle und im offenen epub-Format. Apple-Kunden gucken mal bitte im von außen unzugänglichen iBookStore, ob die elektrische Version von Lichtwolf Nr. 49 dort bereits eingetroffen ist. Man kann sie aber schon längst als DRM-freies epub in der E-Book-Boutique minimore.de sowie direkt beim catware.net Verlag für 4,99 Euro herunterladen. Weil es sich bei der Nummer um den ersten und einzigen farbigen Lichtwolf handelt, ist das E-Book natürlich auch einige Megabyte groß, also abermals obacht! (Nicht dass der Reader platzt!)

Schöne Feiertage!


Links der Woche am 28.03.2015, 14:27 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 13/15

Schicksalsgemeinschaft Mensch und Hund

Zum Ende einer dermaßen unerfreulichen Woche mal was Nettes: Christina Hucklenbroich setzt sich in der FAZ mit der Lage des Hundes auseinander, der keineswegs bloß als Ersatzkind fungiert, auch wenn um Hundeerziehung genauso wie um Kindererziehung gestritten wird und der Hund manches Herz zu öffnen vermag. (28.03.15)

Nochmal wg. Heidegger

Der jüngste Band der „Schwarzen Hefte“ Martin Heideggers hält das Feu weiterhin auf Trab. Für die WELT hat Markus Gabriel darin geblättert und schildert die Entschuldigung des Geschicks im „Wahnsystem[...] des Seynsdenkers Heidegger“. Adam Soboczynski geht in der ZEIT dem Verdacht nach, die bisherigen Bände der Heidegger-Gesamtausgabe könnten von den Herausgebern gesäubert worden sein, was den Klostermann Verlag nervös macht. Der Freiburger Emeritus Rainer Marten fordert ebenfalls in der ZEIT, endlich Heideggers Nachlass komplett freizugeben. Parapsychologisch fundiert beschäftigt sich Hannah Lühmann in der WELT mit Heideggers Geist und seinen Freiburger Ghostbustern.

Das Weitere und Engere:

Georg Seeßlen denkt über Diskriminierung nach. +++ Jürgen Nielsen-Sikora zeigt sich bei Glanz & Elend enttäuscht von Leo Schestows antiakademischem Denktagebuch „Apotheose der Grundlosigkeit“. +++ Die taz meldet den Tod von Barbara Emme, der Supermarkt-Kassiererin, die sich erfolgreich gegen ihre Kündigung wegen eines Pfandbons wehrte. +++ Die NZZ bespricht Herausgaben aus dem Nachlass Hans Blumenbergs u.a. zur Bedeutung des Mythos in der Politik. Auch der Freitag beschäftigt sich mit Blumenbergs nachgelassener Kritik an Hannah Arendts Entzauberung Eichmanns. +++ Klaus Theweleit hat seine „Männerphantasien“ fortgesetzt: Die FAZ bespricht sein Buch über die Lust am Töten von Breivik bis zur IS-Miliz. +++ Mit Frühling ist noch nicht so viel, aber die Frühlingsausgabe zum Thema Blumenkraft ist schon da.


Intime Interna am 22.03.2015, 14:32 Uhr

Es werde Frühling!

Hurra, hurra, das neue Heft ist da und es ist wieder usw.usf., Sie kennen ja das Pipapo, das an dieser Stelle alle drei Monate ertönt, um Sie erfolglos zum Heftkauf zu bewegen.

Dieses Mal ist es aber nicht bloß der neueste und besteste Lichtwolf überhaupt je, der im Einkaufszentrum Einzug gehalten hat: Die Frühlingsausgabe ist mit 124 Seiten auch dicker denn je und überdies komplett bunt! (Und darum zwo Euro teurer.)

Denn das Titelthema lautet Blumenkraft. Behandelt wird konkrete und abstrakte Flower Power, nämlich Erbe, geistige Ahnen und Militanz der Hippie- bzw. 68er-Bewegung (von Lebensreform über Bommi Baumann bis Charlie Hebdo). Darüber hinaus geht es u.a. um Mao, Arbeiterbewegung, Ansteckblumen und Grabschmuck sowie um das Nichts. Gucken Sie halt mal rein: Hier gibt es Leseproben als PDF, im LichtwolfReader kann man durchs Heft klicken und es hier bestellen.

Online zu lesen gibt es die Einleitung sowie Bdolfs Propädeutikum zum Titelthema und den Anfang von Filbingers Essay über Pflanzengifte in der Hopfenkaltschale; außerdem Ulrich Elsbroeks Siegertext des Essaywettbewerbs.

Die gedruckte Ausgabe bietet übrigens auch ein schickes Daumenkino - nehmt das, ihr E-Book-Spacken! Apropos: Die elektronische Fassung des Hefts für die hochgeschätzten Freunde modernen Lesens folgt wie üblich in den nächsten Tagen als E-Book für Kindle und im epub-Format. Nur halt ohne Daumenkino.

Hier gibt es ein Abonnement. Schönen Frühling!


Links der Woche am 21.03.2015, 14:02 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 12/15

Die SZ unterhält sich mit dem Rektor der Uni Freiburg, Hans-Jochen Schiewer, der die Aufregung nicht versteht, die die Ankündigung ausgelöst hat, man wolle den Heidegger-Lehrstuhl in eine Juniorprofessur für Logik umwandeln. Darüber kann Jürgen Kaube in der FAZ nur abermals kräftig den Kopf schütteln. +++ Die FAZ geht anscheinend davon aus, dass die Neuauflage der Exzellenzinitiative scheitern wird. +++ Die NZZ berichtet von den offengelegten Akten der schwedischen Akademie, die zeigen, wie schwer sie sich mit dem Nobelpreis für Jean-Paul Sartre tat, der ihn 1964 dann auch noch ablehnte. +++ In der ZEIT verteidigt Nicklas Baschek den Hip Hop gegen das kulturkritische Gerede vom Pop-Dschihad des IS. +++ Der Freitag unterhält sich mit dem Künstler Tucké Royale, der sich zum Ersten Sprecher des Zentralrats der Asozialen in Deutschland ernannt hat. +++ David Hugendick regt sich in der ZEIT über den Begriff des Abendlandes auf. +++ Nebenan bei Glanz & Elend ist der Siegertext unseres gemeinsamen Essaywettbewerbs zu lesen: „Der stolze weiße Schwan der Metaphysik“ von Ulrich Elsbroek. +++ In halb eigener Sache sei zum einen auf die taz hingewiesen, die den Wolf als den Moslem der Tierwelt decouvriert, zum anderen auf die Kölner Kapelle Grau feat. MC Hieronimus, von der es neue Tondokumente auf MP3 gibt. +++ Heute ist Indie-Book-Day. Also gehen Sie bitte in den Anderen Buchladen (in Köln) und kaufen Sie sich dort halt was Schönes.



Links der Woche am 14.03.2015, 14:20 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 11/15

Wider den Pathos der Freiheit

Im Standard veröffentlicht Bert Rebhandl einen Essay darüber, wie Gerechtigkeit nur mittels Perspektivwechsel hergestellt werden kann: An konkreten Fragen der Verteilungsgerechtigkeit exerziert er Begriffe wie Rawls’ „Schleier des Nichtwissens“ oder Sedmaks „Geburtslotterie“ durch. (14.03.15)

...zwischen Erklären und Verstehen

Mit dem wüsten Durcheinander von Meinungen und Standpunkten setzt sich Klaus Lüderssen in der FR auseinander. Dabei nimmt er Karl Jaspers’ „Psychologie der Weltanschauungen“ zur Hilfe, um zu ergründen, woher unsere Urteile und Wirklichkeiten kommen und welche Rolle dabei Mythen und Erzählungen spielen - nicht nur bei PEGIDA. (11.03.15)

Nichts außer Revolution oder Eskapismus

Der Literaturwissenschaftler Joseph Vogl hat mit „Der Souveränitätseffekt“ eine Geschichte des Finanzmarkts geschrieben. Demnach seien die Zentralbanken Quell des neoliberalen Ungeists, der sich die Demokratie nur noch als Fassade gefallen lässt. Die FAZ bespricht das Buch skeptisch, aber interessiert. (11.03.15)

Et cetera:

Auch der Freitag befasst sich eingehend, nämlich in einem Interview mit Vogls Thesen zu Finanzmarkt und Griechenlandpolitik. +++ Der Freitag-Leser Ernstchen beschäftigt sich in einem Nutzerbeitrag mit Künstlicher Intelligenz aus dem Schoß der destruktiven Intelligenz. +++ Die Uni Freiburg nimmt Stellung zu den Gerüchten um die Abschaffung des Heidegger-Lehrstuhls: „Husserl und Heidegger bleiben in Freiburg“. +++ Aram Lintzel bedauert in seiner taz-Kolumne, dass Vernunftkritik nicht mehr nur emanzipatorisch, sondern längst auch sehr rechts sein kann. +++ In der FAZ-Serie „Die Weltverbesserer“ würdigt Otfried Höffe Kant als Pionier von Eigentums- und Handelsgeist. +++ Die FR stellt Jan Assmanns neues Buch über die Entstehung des Monotheismus als Monument vor, an dem keiner vorbeikommt. +++ Die NZZ bespricht die Medientheorie des Bibliothekars Uwe Jochum, der kulturkritisch zwischen Wandmedien, Handmedien, Digitalia unterscheidet. +++ Dietmar Dath erklärt den Kindern in der FAZ, wie man Schriftsteller wird.


Links der Woche am 07.03.2015, 14:26 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 10/15

Angst und Schrecken in Österreich

Österreich hat Angst, so schreibt Marlene Streeruwitz im Standard. In diversen Krisen übernehmen Staatsleute weder Führung noch Verantwortung, und recht eigentlich haben die Leute Furcht, nicht Angst. Außerdem geht es um Exogamie, Inzest und Integration. (01.03.15)

Mit Humboldt gegen die OECD

Der Standard hat sich mit Julian Nida-Rümelin über die Steigerung der Akademikerquote, die zugrundeliegenden Denkfehler und die wirtschaftlichen Folgen unterhalten. Hinter dem Akademisierungswahn stecke u.a. das Bestreben der Wirtschaft, den Selbstzweck von Bildung zugunsten von employability zurückzudrängen. (04.03.15)

Subjekt und die ganze Realität

Der „der Shooting-Star der Deutschen Philosophie“ Markus Gabriel hat sich Slavoj Žižeks Hegelschwarte für die ZEIT vorgenommen und zeigt sich etwas enttäuscht, darin lediglich eine Summe der bisherigen Denkarbeit zu finden. Auch die Verteidigung seiner Lesart des Idealismus als Materialismus überzeugt den Rezensenten ebenso wenig die Selbstpositionierung durch Auseinandersetzung mit den Klassikern. (06.03.15)

Der Heidegger-Stuhl

Uwe Justus Wenzel äußert sich in der NZZ zu den letzte Woche bekannt gewordenen Überlegungen der Uni Freiburg, den Heidegger-Lehrstuhl in eine Juniorprofessur für Logik (Welch wunderbare Ironie!) umzuwandeln. Darüber, aber besonders über mögliche Motive - Animositäten, Kostensparen, Personalentwicklung, Exorzismus - schüttelt Wenzel wortreich den Kopf. (07.03.15)


Links der Woche am 28.02.2015, 14:30 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 09/15

Das totale Subjekt seiner selbst

In der FAZ diagnostiziert Melanie Mühl die narzisstische Persönlichkeitsstörung als Pathologie der Moderne, auch wenn Christopher Lasch davon bereits 1979 sprach. Da heute allen Ernstes empfohlen wird, „die eigene Person als Marke zu definieren und etablieren“, habe die krankhafte Selbstbezogenheit mitsamt ihrer Wahrnehmungsdefizite beste Chancen, sich weiter auszubreiten. (24.02.15)

„Und was willst du damit später einmal machen?“

Andrea Roedig beschäftigt sich im Freitag damit, warum Leute Geisteswissenschaften - konkret: Philosophie - studieren und damit zuletzt an ihre Karriere denken. Geisteswissenschaftler haben es schwer auf dem Markt, weil sie dem Konsumenten einiges zumuten und nicht warenförmig sind, und darum eine Künstlerexistenz wählen und sich in Brotberufen verdingen (müssen?). (24.02.15)

Kein Heidegger ist auch keine Lösung

Nach der Edition von Heideggers Schwarzen Heften vor einem Jahr haben auch beinharte Apologeten Probleme, den antisemitischen Fundamentalontologen zu verteidigen. Jürgen Kaube berichtet in der FAZ von Plänen der Uni Freiburg, den Heidegger-Lehrstuhl abzuschaffen, der allerdings - vertrackte Historie! - auch der Husserl-Lehrstuhl ist. (27.02.15)

Außerdemos von Sonstnochos:

In seiner Reihe beim Freitag beklagt Klaus Fürst, dass sich heutige Philosophen in ihren Elfenbeinturm zurückzögen, statt über volksnahe Dinge nachzudenken. +++ Trotz manch spekulativen Überschwangs zeigt sich die NZZ recht zufrieden mit Hermann Parzingers Geschichte der Menschheit vor der Erfindung der Schrift. +++ Die taz bespricht die Kurzportraits früher Pioniere des Umweltschutzes aus der Feder des Soziologen Udo Simonis. +++ Die FR weist auf den Gesprächsband hin, in dem sich die Pop-Ökonomen Tomáš Sedlácek und David Graeber über Zukunft und Ende des Kapitalismus unterhalten.


Links der Woche am 21.02.2015, 14:44 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 08/15

Spiegelwelt der islamisierten Dauerkriminalität

Für die ZEIT war Georg Seeßlens Exegese der Propaganda europäischer Dschihadisten so wichtig, dass sie den Essay auf Deutsch und Englisch veröffentlichte. Der Essay ist auch bei Getidan zu lesen und beschreibt, wie mit westlicher Gangster-Ästhetik ein Gegennarrativ zum westlichen Liberalismus geschaffen wird, der dem nichts für Betroffene ähnlich Attraktives entgegenzusetzen hat. (16.02.15)

Darüber lieber keinen Volksentscheid

Das Für und Wider der Todesstrafe gehört zu den Grundübungen der politischen Philosophie. In seiner ZEIT-Kolumne erklärte Bundesrichter Thomas Fischer diese Woche angenehm elaboriert, warum der Staat seine Bürger nicht töten darf und eine (womöglich gar lebenslange) Freiheitsstrafe für den Menschen als Bürger auch nicht ohne ist. (17.02.15)

Et cetera:

Die beiden Martins Altmeyer und Dornes sind in der FAZ nicht damit einverstanden, dass Slavoj Žižek und Byung-Chul Han die Schuld am IS nicht allein dem Araber in die Schuhe schieben, sondern Liberalismus und Kapitalismus für einen Teil des Problems halten. +++ Der Freitag portraitiert die britische Feministin Lynne Segal, die sich gegen Fokussierung des feministischen Sexualitätsdiskurses auf männliche Gewalt und für mehr Gemeinschaft ausspricht. +++ In Lichtwolf Nr. 45 und 46 hatte sich Bdolf mit kontrafaktischen (Nazi-)Romanen beschäftigt - ein Thema, das wohl in der Luft liegt: Richard J. Evans’ politisch-methodischer Essay „Veränderte Vergangenheiten“ wird in der FR besprochen. +++ Arno Widmann bespricht ebenfalls in der FR den neuen Essayband des Historikers Götz Aly, worin dieser gegen den Mythos von der Kaperung der Deutschen durch die Nazis anschreibt. Der Band heißt „Volk ohne Mitte“ und um die geht es auch im FR-Interview mit dem Soziologen Heinz Bude über Engherzigkeit und Antikapitalismus in Ost- und Westdeutschland. +++ Und noch eine Essaysammlung, nun von Martin Seel, der sich darin laut NZZ-Rezension mit seiner Frankfurter Schuldialektik mit Kunst und Freiheit beschäftigt. +++ Außerdem stellt die NZZ das Buch des Entwicklungspsychologen Thomas Suddendorf vor, worin dieser der Frage nachgeht, was den Menschen zum Menschen macht und ihn vom restlichen Tierreich unterscheidet: Sprache und Zeit. +++ Heidegger laufen die Freunde weg: Die Kollegen von Hohe Luft wissen vom Unbehagen, das den Herausgeber Peter Trawny vor dem nächsten Band der Schwarzen Hefte befällt, und der Freiburger Statthalter Günter Figal hat sich ohnehin längst vom Heideggerianertum losgesagt. +++ Heute Abend gibt es wieder Radio zum Mitdenken: Im Deutschlandfunk beginnt um 23:05 Uhr die Lange Nacht über Bösewichter (von Markus Metz und Georg Seeßlen). +++ Zum Schluss die wirklich gute Nachricht: Der Theologe Jürgen Öff Öff Wagner wohnt in einem Erdloch angeblich ohne Geld und Strom und ist nun tatsächlich von der Rundfunk-Haushaltspauschale befreit, wie Telepolis meldet.


Links der Woche am 14.02.2015, 14:34 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 07/15

Literarische Debattenbegleitung

In Deutschland hadert die Literatur noch mit dem, was in Frankreich längst Konjunktur hat: Sterbehilfe in der Literatur. Marc Keller stellt in der NZZ einige der modernen Variationen von Liedestod, Suizid und würdevollem Sterbetourismus vor. (07.02.15)

Kleine akademische Karriereberatung

Die prekäre Lage des akademischen Nachwuchses ist seit einem Weilchen wieder Thema. Der Philoprof Tobias Rosefeldt rechnet in der FAZ den Zynismus des universitären Mittelbaumodells vor und plädiert für dessen Abschaffung. Eine neue Studie belegt, was wir Bourdieu-Leserinnen ohnehin ahnten, nämlich dass vor allem die soziale Herkunft darüber entscheidet, ob man einen Lehrstuhl ergattert. Rudolf Stumberger unterhält sich bei Telepolis mit Christina Möller, Autorin der Studie. Einen Einblick in das Leben jenseits des Lehrstuhls gibt die taz: Dort erzählt Stefanie Schmidt von ihren verzweifelten Versuchen, als promovierte Historikerin überhaupt irgendeinen Job zu bekommen. Ob man also besser Intellektueller werden soll, erwägt Jan Grossarth unter besonderer Berücksichtigung des Arbeitsmarkts in der FAZ.

Blumendenkkraft

Der Neurobiologe Stefano Mancuso vertritt in seinem neuen Buch die Theorie von der „vegetativen Intelligenz“. Arno Widmann unterhält sich in der FR mit ihm darüber, wie Pflanzen denken und kommunizieren und raffinierter auf die Umwelt reagieren als Mensch und Tier. (13.02.15)

Unn sünst?

Nils Markwardt hat im Freitag ein kleines ABC der Neuen Philosophie zusammengestellt - von Akzelerationismus bis Slavoj Žižek. Dessen neue Hegelschwarte „Weniger als nichts“ wird in der FR von Otto A. Böhmer besprochen und könnte eine Renaissance des Idealismus anschubsen. Aram Lintzel in der taz dagegen schimpft eher mit Žižek wegen dessen Überzeugung, nur eine radikale Linke könne Europa vor dem Fundamentalismus retten - mit eisenharter Disziplin und Organisation.


Links der Woche am 07.02.2015, 14:14 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 06/15

Dr. Hoffnungslos in die Arena!

Nüchtern blickt Daniel Hornuff in der FAZ auf die schlechten Perspektiven habilitierter Geisteswissenschaftler. Statt sich davon entmutigen zu lassen, sollten sie sich mit Agilität und Streitlust öffentlich sichtbar machen, indem sieden Zeitgeist mitgestalten. (31.01.15)

Postdocs in Nöten

Mit dem Russisch Roulette der akademischen Karriereabsicht beschäftigt sich Sibylle Anderl in der FAZ. Denn auch wer Mobilitätszwang und Prekarisierung hinzunehmen bereit ist, muss in existentieller Unsicherheit hoffen und bangen - nicht nur am Wissenschaftsstandort Deutschland. (01.02.15)

Das Gehirn des Angsthasen

Der Münsteraner Physiologe Hans-Christian Paper setzt sich in der FAZ ausführlich mit Angst und Furcht auseinander. Neben der genauen Unterscheidung von Emotionen und Gefühlen widmet er sich insbesondere der, die in der Hirnforschung zwischen überlebenswichtig und pathologisch gezogen wird. (01.02.15)

Gegen Neoliberalismus und Fundamentalismus

Unter anderem in der ZEIT hatte Slavoj Žižek in einer radikalen Linken die Rettung vorm Islamismus gesehen. Nun korrigiert Byung-Chul Han ebendort Žižeks Buddhismus-Bild und Nietzsche-Interpretation. Insbesondere aber sei gegenwärtig eher Carl Schmitt als Karl Marx gefragt. (01.02.15)

Antimilitaristische Psychologie

Bei Telepolis unterhält sich Jens Wernicke mit dem Psychologen Klaus-Jürgen Bruder über die ideologische Mobilmachung, die deutschen Köpfen den Pazifismus austreiben soll und in Form von PEGIDA erste Früchte trägt, aber auch über die politische Bedeutung seiner Disziplin allgemein. (04.02.15)

Der Schein als einzig lebbare Seinsweise

Entweder man ist ein Erfolgsmensch oder man geht unter in der modernen Leistungsgesellschaft. Wie sie das Subjekt ethisch und anthropologisch deformiert ist Robert Misiks Thema in der NZZ. Demnach seufzt inzwischen selbst die Wirtschaftswoche: „Der Zwang zum Erfolg macht uns fertig.“ (06.02.15)

Plädoyer für einen Dummheits-Lehrstuhl

So aufgeklärt die Postmoderne auch sein mag, so sehr greifen Irrationalismus und Aberglaube um sich, konstatiert Jürgen Kaube in der FAZ. Als mögliche Gründe sieht er die Balkanisierung des Wissens, den neoliberalen Perfektionismus, der hinter jedem Fehler Absicht vermutet, und das Internet. (07.02.15)


Links der Woche am 31.01.2015, 14:19 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 05/15

Auf der Suche nach dem Narrativ

In der Woche des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus überlegt Anja Reiter in der FAZ, wie der Holocaust noch im Geschichtsunterricht vermittelt werden kann - 70 Jahre nach Befreiung des KZ Auschwitz und für eine wachsende Zahl von Schülern, zu deren Geschichte der Holocaust qua Migrationshintergrund nicht zu gehören scheint. (29.01.15)

Außerdemchen:

Die FAZ meldet, dass die Mainzer „Open Mind“-Gruppe um Thomas Metzinger eine ganze Textsammlung zu Geist, Gehirn und Bewusstsein ins Netz gestellt hat: Unter open-mind.net gibt es den Lesestoff als PDF oder im .epub-Format. +++ Die taz weist auf eine zweibändige Ausgabe mit Albert Camus’ journalistischen Arbeiten hin, die ihn einmal mehr als politischen Denker zeigen. +++ Im Interview mit dem Standard erklärt Slavoj Žižek, was den Macht-Begriff der IS-Miliz vom westlichen unterscheidet und warum nur eine radikale Linke die Rettung vor Islamismus und letzten Menschen bietet. +++ Heute Abend gibt es ab 23:05 Uhr im Deutschlandfunk die Lange Nacht über Else Lasker-Schüler, Gertrud Kolmar und Simone Weil. +++ Der hübsche RDP diskutiert in seiner ZDF-Sendung am Sonntag mit dem Cicero-Chef Christoph Schwennicke über konservatives Denken.


Links der Woche am 24.01.2015, 14:20 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 04/15

Kann man Heideggerianer sein?

Für die FAZ berichtet Jürg Altwegg vom Pariser Kongress zum Thema „Heidegger und ,die Juden‘“. Er rekapituliert den merkwürdigen Einfluss, den der Todtnauberger auf das linksrheinische Denken hat, für welchen Aufruhr dort die Schwarzen Hefte vergangenes Jahr sorgten und wie deren Herausgeber Peter Trawny kritisiert wird. (21.01.15)

Das Studium als vortragbarer Verlust

Steuererklärungen sind nur was für die Zeit nach dem Studium? Mitnichten! Barbara Brandstetter rät in der FAZ mit diversen superspannenden Gerichtsurteilen und Beispielrechnungen, sich bereits in Aus- und Fortbildung mit Verlustvortrag, Werbungskosten und der „Anlage N“ zu beschäftigen. Sofern man damit rechnet, später überhaupt Steuerzahler zu werden. (24.01.15)

Unser schöner Planet

In der NZZ setzt sich Uwe Justus Wenzel anlässlich zweier Ausstellungen mit den Bildern auseinander, die Philosophen sich von unserem Planeten Erde gemacht haben und damit auch stets Menschheitsbilder lieferten. Bei Telepolis lesen wir von einer überfälligen Betriebsanleitung für den Planeten, aus der hervorgeht, wie man das Ding betreibt, ohne es kaputtzumachen. Wenn doch alles den Bach runtergehen bzw. die Menschheit von der Vogelgrippe dahingerafft sein sollte, dürfen sich die Überlebenden an Lewis Dartnells „Handbuch für den Neustart der Welt“ halten, das in der FAZ vorgestellt wird. Bis dahin teilen wir uns weiter den Planeten mit haufenweise Tieren, von deren Subjektivität wir keine Ahnung haben (können), wie Eduard Kaeser in der NZZ überlegt.

Weiteres zu Islam und Terrorismus

Zwei Wochen nach den mörderischen Anschlägen von Paris geht die intellektuelle Auseinandersetzung weiter. Nicht religiöser Wahn ist schuld am Terror, schreibt Guillaume Paoli in der FAZ, sondern der andere übliche Verdächtige: Computerspiele. Dass und wie deren Ästhetik in IS-Propaganda verwendet wird, erweist den Islamismus als blutrünstige Jugendrevolte. Mohammed Khallouk dagegen unterhält sich im Freitag mit dem Philosophen Rachid Boutayeb über Sexualität und sein Projekt eines islamischen Dekonstruktivismus.

Et cetera:

Die taz berichtet von einem Kongress der britischen Zeitschrift Radical Philosophy über den denkerischen Abbau des Kapitalismus. +++ Akademisierungswahn, Bologna, Kompetenzfimmel, doofe Studis: Die NZZ bespricht gleich vier Bücher über die Bildung in der Krise. +++ Die FAZ berichtet von einem Data-Mining-Projekt zur Analyse und Vorhersage politischer Unruhen in Kooperation mit Google. +++ Ulrike Baureithel erinnert im Freitag an den verstorbenen Soziologen Ulrich Beck und seine Verdienste um die Krisenanalytik.


Links der Woche am 17.01.2015, 16:25 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 03/15

Zeugnisse des Verlusts

Ob man nun schlussmacht oder stirbt, nie ist man so richtig weg. Sven Stillich schreibt in der ZEIT, was so alles von jedem übrig bleibt (Kleinigkeiten und Abfall), was manch einer auf keinen Fall zurücklassen will und wie wir wichtige Dinge und Momente (auch unabsichtlich) bewahren.

Der nächste US-Präsident ist ein Cyborg

Bei Telepolis gibt Zukunftsforscher Roland Benedikter im Interview einen Überblick über die drei Schritte, die 2014 auf dem Weg zur transhumanistischen Gesellschaft gemacht worden sind und welche ethischen Herausforderungen in der technischen Zukunft warten. (11.01.15)

Die Anschläge von Paris

Die Wut und Trauer nach den Anschlägen von Paris legen sich langsam und die gedankliche Aufarbeitung geht los. Im New Statesman fragt Slavoj Žižek mit etwas Nietzsche nach dem Minderwertigkeitskomplex islamistischer Fundamentalisten. In der FAZ untersucht der Soziologe Jens Alber den scheinbaren Zusammenhang zwischen „dem“ Islam und dem Terrorismus in seinem Namen. Michel Houellebecqs Roman über die Wahl eines Muslim zum französischen Präsidenten erschien am Tag der Anschläge. Cord Riechelmann untersucht in der FAZ die Parallelen zu „Untergang des Abendlandes“ und was Spengler tatsächlich darunter verstand. Die ZEIT bringt Navid Kermanis Trauerrede für die Opfer der Pariser Anschläge, in der er die Werte des Islam und der Französischen Revolution betont.


Links der Woche am 10.01.2015, 14:23 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 02/15

Das Wissen ums Sterben

Einige Tiere bekommen gepflegte Gräber, andere werden zu Fischmehl oder Festtagsbraten verarbeitet. Ronald Roggen besucht für die NZZ einen Schweizer Tierfriedhof und überlegt, welche vielfältigen Schlaglichter der Tod von Tieren auf ihre Verhältnisse zum Menschen wirft. (03.01.15)

Stränge und Häute

Matthias Matting setzt bei Telepolis seinen letzte Woche begonnenen Einstieg in die Stringtheorie fort. In Teil 2 erfahren wir, warum das Universum supersymmetrisch sein und jedes Teilchen einen Partner haben sollte, wie man mathematisch nötige zusätzliche Dimensionen aufwickelt und warum Gravitation die coolste Naturkraft ist. (06.01.15)

back that shit up

Der Philosophy Bro hat diese Woche wieder Post bekommen und nimmt sich der kniffligen Frage an, warum Kant sich trotz des kategorischen Imperativs für die Todesstrafe aussprach. Dieser Widerspruch ist nur ein scheinbarer, nämlich sogar eine Folgerung, aber das heißt weder, dass Kant widerlegt wäre, noch dass er unwiderlegbar wäre. (06.01.15)

Das wohlverwaltete Prekariat

Um wissenschaftliche Mitarbeiter durch Verunsicherung und Kontrolle zur Exzellenz zu treiben, braucht es Personal. Björn Brembs und Axel Brennicke - beide selbst Uni-Wissenschaftler - beschreiben in der FAZ, wie die Prekarisierung des akademischen Nachwuchses mit einem Wuchern unbefristeter Verwaltungsstellen einhergeht. (07.01.15)

Die eigentlichen Märtyrer von „Charlie Hebdo“

Unter den vielen Reaktionen auf die Morde in Paris sei an dieser Stelle des Filters wegen lediglich auf die von Bernard-Henri Lévy verwiesen, die in der FAZ nachzulesen ist. Darin rechnet er die ermordeten „Charlie Hebdo“-Mitarbeiter zu den Helden der Aufklärung und ruft mit republikanischem Pathos zu „Nationaler Einheit“ und zur Befreiung des Islam vom Islamismus auf. (09.01.15)

Das Weitere und Engere:

In dieser Woche wäre Kurt Tucholsky 125 geworden. +++ Der Freitag weist auf den neuen Zukunftsalmanach aus Harald Welzers Stiftung Futurzwei hin, der statt Apokalyptik zu betreiben lieber erfolgreiche soziale und ökologische Alternativen portraitiert. +++ Mega-Žižek: Für Glanz & Elend überlegt Peter V. Brinkemper, was es mit dem Büchlein „Žižek’s Jokes, Treffen sich zwei Hegelianer“ auf sich hat, und bespricht zudem - aber viel kürzer - das knapp zehnmal so dicke Opus Žižeks über Hegel und einen rekonstruierten Idealismus. Einmal in Fahrt gekommen, nimmt er sich auch noch Žižeks jüngstes Buch vor, das mit Heidegger, Hawking usw. fragt, was ein Ereignis sei, und selbst eines ist. +++ Telepolis weist auf das Alan-Turing-Biopic hin, das mit Benedict Cumberbatch in der Hauptrolle in die Kinos kommt. +++ Im Freitag unterhält sich Nora Zaremba mit dem Neurobiologen Gerald Hüther über seine Flucht aus der DDR, Mut, Glück und die lebenslange Freiheit zur neuen Erfahrung.


Links der Woche am 03.01.2015, 14:23 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 01/15

Uneinstellbare Employability

Die Bologna-Reformen sollten einen „europäischen Hochschulraum“ und vor allem die employability der Studierenden herstellen. Joachim Nettelbeck zeichnet in der FAZ das 15 Jahre währende verheerende Scheitern der Reform an ihren Grundübeln nach und rät den Universitäten, sich auf sich selbst im 21. Jahrhundert zu besinnen. (29.12.15)

Das gitarrenförmige Universum

Falls Ihnen Quantenphysik nicht kompliziert genug ist, gibt es ja noch die Stringtheorie. Matthias Matting gibt bei Telepolis einen Einstieg in die aus reiner Mathematik geborene Erklärung, warum nicht alles auseinanderfliegt, mit hilfreichen Analogien und good vibrations. (02.01.15)

Wissen, wie man’s macht(e)

In der FR unterhält sich der gute Arno Widmann mit dem Wissenschaftshistoriker Jürgen Renn, warum seine Disziplin nicht nur dokumentieren, sondern auch Fortschritt inspirieren kann, warum Planung die Triebfeder aller Wissenschaft ist und welche Rolle Macht und Freiheit darin spiel(t)en. (02.01.15)

Von Leonidas zu Themistokles, von Dionysos zu Apoll

Bei Glanz & Elend beschäftigt sich Peter V. Brinkemper mit den historischen und ästhetischen Grundlagen von Frank Millers blutrünstigen Comic-Opern „300“, die Friedrich Nietzsche mit seiner Vorliebe für tragisches Griechentum und als Illustration seiner Kritik am Athenertum gefallen hätten. (02.01.15)

Außerdemos von Sonstnochos:

Der Soziologe der Risikogesellschaft Ulrich Beck ist gestorben. Schade. +++ Leute knipsen sich selbst sogar im Kino. Hans Ulrich Gumbrecht überlegt in seinem FAZ-Blog, was hinter der „laufenden elektronischen Erinnerungsproduktion“ mittels Selfies steckt. +++ In Sachen Feminismus gibt es in der ZEIT ein Interview mit der Literaturwissenschaftlerin Barbara Vinken über mögliche weibliche Vorbilder in der Literatur, die Lust und Erfolg gedeichselt kriegen. +++ Die FR stellt zwei neue Bücher über Religion, Gewalt und Gesellschaft vor, deren Verhältnis doch wohl mehrere Bände bedarf. +++ Büschen Wirtschaftsethik zum neuen Jahr: Ulrike Herrmann stellt in der taz noch einmal fest, dass Wirtschaft nicht aus Zahlen, sondern aus Ängsten und Hoffnungen besteht. In der ZEIT fragt Maike Brzoska einige Leute vom Fach, ob es unethisch ist, als Anleger auf schlechte Nachrichten zu hoffen und von Leid und Elend zu profitieren. +++ Recht hymnisch bespricht unser alter Freund Günter Figal in der NZZ Gunnar Hindrichs’ phänomenologische Ontologie der Musik. Ob der Festvortrag, den Hindrichs letztes Jahr zu Figals Geburtstag hielt, ebenso hymnisch war, ist online nicht rauszukriegen.


Links der Woche am 27.12.2014, 14:20 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 52/14

Nobody expects the feminist inquisition!

In der aktuellen Debatte um Feminismus meldet sich Ekkehard Knörer vom Freitag zu Wort, rekapituliert (unterhaltsam) den Auslöser (den Wunsch einx Sprachwissenschaftlerx, „Profx“ genannt zu werden) und die schäumende Aufregung darüber bis hin zur Metafrage vom Nutzen und Nachteil des Humors in der ganzen Chose inkl. TV-Tipp. (17.12.14)

Politische Ökonomie des Potlatsch

Zu Weihnachten als sozialer Institution ist jeder gezwungen sich zu verhalten. Bei Getidan schreibt Zombie- und Klassenkampf-Experte Georg Seeßlen aus gegebenem Anlass über das Schenken als semiotischen Kriegsakt in einer Welt, in der nichts mehr zu gebrauchen ist. (22.12.14)

Surfen wie Walter Benjamin

Wie man im Internet Zeit verplempert kann man demnächst an der Uni Pennsylvania vom Künstler Kenneth Goldsmith lernen, der 2013 bereits das Internet ausgedruckt hat. Felix-Emeric Tota stellt uns den Konzeptkünstler, der es so todernst meint wie einst Breton und Debord, in der FAZ vor. (26.12.14)

Et cetera:

Thomas Hettche meditiert in der NZZ über Orpheus, Sprache und Viehtransporte. +++ Die taz unterhält sich mit dem philosophischen Superstar Markus Gabriel über Hoffnung in Anthropologie und Christentum. +++ In seinem neuesten Buch erklärt der Neurowissenschaftler Gerhard Roth Psychotherapie zur Parawissenschaft, meldet die WELT. +++ Viele philosophische Buchempfehlungen nebenan bei Glanz & Elend: Gregor Keuschnig bespricht das von Jens Kulenkampff herausgegebene Buch mit Aperçus von Kant. Schneidegger stellt Peter Trawnys essayistische Nachlese zu Heideggers Schwarzen Heften vor. Byung-Chul Hans digitale Foucaultiade „Psychopolitik“ wird gleich zweimal vorgestellt: mit Fokus auf Leistungsgesellschaft und Widerstand von Jürgen Nielsen-Sikora, deutlich ausführlicher von Peter V. Brinkemper, der die Dokumentation der Verheerungen durch den internalisierten Neoliberalismus mit der Gegenwartskritik von Hardt, Negri, Sloterdijk und Naomi Klein vergleicht. +++ In der SZ wird Byung-Chul Han übrigens praktisch und stellt eine psychopolitische Analyse der PEGIDA-Bewegung inkl. Helene-Fischer-Exegese an. +++ Der Freitag bespricht neue Bücher über den „Stadtraumphilosophen“ Le Corbusier, der natürlich auch im aktuellen Lichtwolf zum Thema „Häuser“ vorkommt, welchen es auch als E-Book gibt. Der Lichtwolf wünscht einen guten Rutsch!


Intime Interna am 26.12.2014, 10:39 Uhr

Elektrischer Häuserwolf

Na, Feiertage fast überstanden? War schön gewesen? Und vom Christkind irgendeine Leuchtschrippe bekommen, auf der man auch E-Books lesen kann?

Bevor Sie sich damit nun in die Hände irgendeines Datenstaubsaugers begeben, nehmen Sie doch lieber erstmal diese unverbindliche Produktinformation zur Kenntnis: Der aktuelle Lichtwolf zum Thema Häuser ist auch als DRM-freies E-Book verfügbar, und zwar sowohl für Amazon Kindle als auch im offenen epub-Format. Handgeklöppelt und frei von Leserüberwachung. Die ganz Harten kaufen sich die Datei direkt beim catware.net Verlag, wo es auch alle anderen Hefte seit der Nr. 34 für jeweils 3,99 Euro zum Download gibt.

Goil? Goil!


Intime Interna am 22.12.2014, 10:00 Uhr

Das neue Heft ist da!

Hurra, hurra, das neue Heft ist da - gerade rechtzeitig zur besinnlichen Feiertagszeit!

Lichtwolf Nr. 48 (Häuser)

Der neue Lichtwolf zum Thema Häuser ist ab sofort hier im Einkaufszentrum erhältlich.

Das Titelthema von Lichtwolf Nr. 48 lautet „Häuser“ und es kommen zu Wort u.a. Heidegger, Kraus, Mauthner, Lafargue, Jean Paul, Louis Wirth, Paul Celan und diverse das Grundeigentum regelnde Gesetzbücher. Außerdem geht es u.a. um Landkommunen und Großstädte, um Architekturwunder und Bühnenbilder, um das Unheimliche und den Ponyhof. Geilo.

Zur kostenlosen Onlinelektüre stehen bereit die Einleitung ins Titelthema, Bdolfs Propädeutikum und Prolegomena und der Anfang von Michael Helmings Essay über das friedhöfliche Wohnwesen. Die ersten neun Seiten des 108-seitigen Winterbrummers können Sie hier als PDF herunterladen oder im LichtwolfReader durchblättern. Bestellen kann man das komplette Heft hier im Einkaufszentrum oder nebenan im schicken neuen Onlineshop des catware.net Verlags.

Spätestens nach dem Fest sollte das Winterheft - wie stets - auch als E-Book erhältlich sein. Besinnen Sie sich gut und erwägen Sie doch mal ein Abo - dann haben Sie die neuen Hefte im Briefkasten, wenn andere gerade erst auf Facebook davon erfahren, dass es sowas noch gibt!



Links der Woche am 20.12.2014, 14:26 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 51/14

Der Raum am Anfang von allem

Ein Gehirn ist für viele Dinge hilfreich, zuallererst für die (koordinierte) Bewegung. Für die Entdeckung der zuständigen Ortszellen im Hippocampus gibt es den diesjährigen Medizinnobelpreis und der Hirnforscher Peter Thier erklärt in der FAZ, warum die Verwaltung von Raum und Zeit Grundlage aller anderen Hirnfunktionen ist. (15.12.14)

Der wöchentliche Weltuntergang

Die Simpsons werden 25 und Georg Seeßlen betrachtet die gelbe Familie in der ZEIT als tragische Helden im Menschheitsdrama Kapitalismus. Springfield ist überall, und damit der brutale Zynismus, die „Dialektik von Menschen, die können, aber nicht wollen und anderen, die wollen, aber nicht können“, angesichts derer es nicht so viel zu lachen gibt. (17.12.14)

Was „Neger“ bedeutet

Elisabeth von Thadden portraitiert in der ZEIT den Philosophen Achille Mbembe, der in seiner „Kritik der schwarzen Vernunft“ die Ökonomisierung aller Lebensbereiche auf den Sklavenhandel zurückführt und für eine humanere Zukunft nicht nur in Afrika plädiert. (17.12.14)

Vom Urknall zur Epigenetik

Der großartige Gottfried Schatz schreibt in der NZZ, wie uns das moderne, wissenschaftliche Weltbild unsere Nichtigkeit vor Augen hält, aber eben auch das unwahrscheinliche Wunder des Lebens, dessen Geschichte vom Urknall bis zu Epigenetik und Mitsein der Biochemiker geschwind skizziert. (19.12.14)

Unn sünst?

Matthias Dell schreibt im Freitag eine kleine Begriffsgeschichte des Wortes „Ausländer“. +++ Die NZZ zeigt sich enthusiasmiert Martha Nussbaums „Einstein Lectures“ über Wut und Rache in der Politik. +++ Sophie Elmenthaler reagiert in der ZEIT auf den Vorwurf der Humorlosigkeit, der letzte Woche dem Feminismus gemacht wurde.

Bücher kaufen/lesen: Zum Fest fast zu knapp, aber vielleicht als Hilfe für gute Konsumvorsätze: Die taz bringt eine Liste mit Alternativen zu Amazon für Buchkonsument_innen mit sozialen, ökologischen oder anderen Ansprüchen. +++ Bei Glanz & Elend bespricht Jürgen Nielsen-Sikora das Buch, in dem sich Nick Bostrom hauptsächlich „im Konjunktiv“ mit autonomer, d.h. starker künstlicher Intelligenz beschäftigt. +++ Die NZZ stellt die spannende Biographie Paul Watzlawicks vor, dem wir den radikalen Konstruktivismus verdanken. +++ Im Freitag weist Florian Schmid auf das neue Buch von Slavoj Žižek hin, in dem es wie immer um Kapitalismus, Krise und Revolution geht.



Links der Woche am 14.12.2014, 09:38 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 50/14

1789, 1814, 1914, 1945

Im Völkerrecht ist der Krieg die längste Zeit eine gerechte Sache gewesen, schreibt der Fachmann Miloš Vec in der FR. Da das Völkerrecht sich auf immer mehr Lebensbereiche auswirkt, versucht Vec herauszukriegen, welche Gerechtigkeitsvorstellungen darin wirksam sind und woher sie stammen. (12.12.14)

Töten und sterbenlassen

In der Sterbehilfedebatte erinnert Manfred Lütz in der FAZ an die Euthanasieprogramme der Nazis: „Was vor siebzig Jahren der Begriff ‚Volksgesundheit‘ war, ist heute der Begriff ‚Selbstbestimmung‘.“ Statt die Menschenwürde und hippokratischen Eid weiter in Frage zu stellen, solle man sich lieber auf das Hospiz besinnen. (12.12.14)

Führungsfigur statt Katzen-Memes

In der ZEIT beschwert sich Hannah Lühmann über die neue Ästhetik bzw. die Humorlosigkeit des Feminismus bzw. Netzfeminismus, dem bestenfalls angestrengte Albernheit gelingt. Das macht ihn unattraktiv und erschwert es, mit einigen weit verbreiteten Missverständnissen aufzuräumen. (12.12.14)

In Sachen Kraus: In Journalistenschulen wird mit Karl Kraus gelehrt, wie man „Menschen erledigt“, behaupten Niklas Maak und Volker Weidermann in der FAZ und machen sich anlässlich von Jonathan Franzens Buch „Das Kraus-Projekt“ daran, den Mythos vom humanen Stilisten Kraus zu zerstreuen. Im Freitag zeigt sich Lukas Latz wenig überzeugt von Franzens Art, Kraus’ Texte u.a. gegen das Internet zu wenden. Et cetera: Günter Riederer erinnert im Freitag daran, wie der als Pressecoup gedachte Besuch von Sartre anno 1974 beim inhaftierten Andreas Baader in Stammheim scheiterte. +++ Ebenfalls im Freitag wird Andy Weirs Roman über die kapitalistische Eroberung des Mars durch einen gestrandeten Astronauten besprochen. +++ Apropos Mars: Der ist ja auch Titelthema der aktuellen Lichtwolf-Ausgabe, die Sie ja bestimmt schon haben. Was, schon durchgelesen? Gut dass kommende Woche das neue Heft (diesmal zum Thema Häuser) kommt! Schon abonniert?


Links der Woche am 06.12.2014, 14:32 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 49/14

Das große Warum

Religionswissenschaftler Michael Blume beschäftigt sich bei den Scilogs anhand eines Katzenvideos mit der Theodizee-Frage und wie sie mit der Anthropodizee und der Fruchtbarkeit zusammenhängt. (29.11.14)

Die Wächter des verlogenen Schatzes

Eggert Blum kommt in der ZEIT noch einmal auf Heideggers Antisemitismus zu sprechen, der zu Beginn des Jahres mit der Edition der Schwarzen Hefte Schlagzeilen machte. Blum schildert (ziemlich spannend), wie Heidegger und seine Erben zum Schutz der Marke und des Familienunternehmens jede historisch-kritische Erforschung des Nachlasses verhindern. (29.11.14)

Die Aura ist out

Die Zeiten, als keine Hausarbeit ohne ein Walter-Benjamin-Zitat auskam, sind vorbei, berichtet Hans Ulrich Gumbrecht in der NZZ und blickt zurück auf Leben, Werk und Rezeptionsgeschichte des Kulturkritikers im Schatten Adornos, um dann zu mutmaßen, was von Benjamin nach dem Hype bleiben wird. (05.12.14)

Zwischenbefund zum 21. Jahrhundert

Das 21. Jahrhundert hat erst neulich angefangen - und schon wird an seiner kulturhistorischen Einordnung gearbeitet. Martin Meyer von der NZZ sieht das laufende Jahrhundert von enttäuschten demokratischen Hoffnungen, vielfältigen Ängsten und den Eigentümlichkeiten der Netzzivilisation bestimmt. (06.12.14)


Links der Woche am 29.11.2014, 14:23 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 48/14

Nicht neu, nur verschärft

In den Blättern beschäftigt sich Andreas Keller mit der Misere des „wissenschaftlichen Nachwuchses“, der an deutschen Unis in die Sackgasse Prekariat gerät. Die akademische Personalpolitik ist gewollt und beeinträchtigt ungewollt die Forschung. Reformkonzepte drohen eher „Verschlimmbesserungen“ zu werden.

Eigentum ist Diebstahl

Die gewaltsame Geburt des Kapitalismus aus Raub und Vertreibung ist in der südlichen Hemisphäre allerorts live zu beobachten. Patrick Spät blickt bei Telepolis zurück auf die Geschichte des Allmende-Raubs, der den Mythos von Robin Hood ebenso wie die protestantisch glorifizierte Not der Lohnarbeit hervorbrachte. (22.11.14)

Bessere Gesellschaften durch bessere Technologie

Andreas Exner äußert bei Telepolis einige Bedenken gegenüber der schönen neuen Welt der Shareconomy, die uns der 3D-Drucker eröffnen soll. Die Arbeit wird nicht überflüssig werden und der durch Technologie befreite „neue Mensch“ entspricht eher dem fordistischen Menschenbild. Mit dem Kapitalismus kann es aber auch so nicht weitergehen. (23.11.14)

Früchtchen des Kampfes

Hannelore Schlaffer blickt im Rahmen des NZZ-Podiums „Was will die Frau? Ortsbestimmungen der Gegenwart“ auf Geschichte und Stand der Frauenbewegung, beobachtet vor allem am Verhältnis zwischen einst aufständischer Mutter und emanzipierter Tochter. (28.11.14)

Das Weitere und Engere:

Ulrike Draesner war im Zoo und schreibt in der ZEIT, was wir von Affen über uns selbst lernen können. +++ Der Schweizer Schriftsteller Jens Steiner appelliert in der NZZ an das Ehrgefühl der erfindungsreichsten Spezies, sich nicht mehr aus Knappheit und Not freizukaufen. +++ Im Freitag unterhalten sich Thomas Piketty und Jürgen Trittin über Ungleichheit und den Fiskalstaat. +++ Die NZZ bespricht Bruno Latours neues Buch über „Existenzweisen“, deren Vielfalt das Anthropozän multiversal macht.


Links der Woche am 22.11.2014, 14:23 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 47/14

Wirkliche Wirklichkeit

Wie wir uns Bilder von der Wirklichkeit machen, das war diese Woche das Thema in Georg Seeßlens Blog. Denn nur mit objektiver und subjektiver Wahrnehmung ist es nicht getan, auch die Bilder und die Sprache beziehen sich aufeinander und produzieren so Wirklichkeit. (17.11.14)

Sterbehilfe

Auch bei der ZEIT wird weiter über Sterbehilfe diskutiert. Nils Markwardt gibt zunächst eine Übersicht der philosophischen, politischen und rechtlichen Positionen in der Debatte, die eben auch eine um den Suizid als biopolitischen Widerstandsakt ist. Dagegen sieht Hanno Rauterberg die Sterbehilfe-Diskussion als Symptom einer Epoche, die vom Unverfügbaren gekränkt ist wie keine zuvor.

Außerdemchen:

Passend zum unerfreulichen Thema und November meditiert die WELT über die Unfarbe grau und in der ZEIT feiert Nora Bossong die Melancholie. +++ Die ZEIT erklärt ganz kurz, was beim Jobben neben dem Studium zu beachten ist. +++ Die NZZ bespricht Franco Morettis Studie über den Bourgeois in der Literatur. +++ Bei Deutschlandradio Kultur wurde heute diskutiert, wozu wir die Philosophie brauchen. (Und demnächst diskutieren ein Pinguin und eine Amsel, wozu Vögel Flügel brauchen.) +++ In gut einem Monat ist Weihnachten und dann haben Sie noch eine Woche, um Ihren Essay zur Wettbewerbsfrage einzureichen, warum es etwas gibt und nicht vielmehr nichts.


Links der Woche am 16.11.2014, 14:23 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 46/14

Titten aus Beton

Das SZ-Magazin unterhält sich ausführlichst mit Peter Sloterdijk über sein Leben - von Geburtstraumata über die Schulzeit und grenzdebiles Rammeln bis hin zu der Habermas-Feindschaft und dem Selbstbewusstsein als Bestseller-Großdenker.

Unn sünst?

Dass an den Unis nur eine Minderheit gut verdient, ist bekannt. Die FAZ berichtet vom wachsenden Unmut über die prekäre Situation von Lehrbeauftragten. +++ Apropos: Die ZEIT beschäftigt sich mit Ratgebern für den gutgelaunten Unternehmer seiner Selbst, der wir alle sein sollen. +++ Die WELT bespricht Bettina Suleimans Roman über Verhaltensforschung und die Dialektik von Wildnis und Kultur. +++ Carl Schmitts Tagebücher aus den Jahren 1921-24 führen uns einen liebeskranken Neurotiker vor, wie die NZZ in ihrer Besprechung bemerkt.


Links der Woche am 08.11.2014, 14:34 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 45/14

Bro für die Welt

Der Philosophy Bro ist bekanntlich zurück und kümmert sich auch wieder um seine Mailbag. Daraus entnahm er letzte Woche eine Zuschrift und erklärt am Beispiel Wittgenstein, wie man sich auch als Laie in Philosophie einfuchsen kann und warum das Ähnlichkeiten mit einem Philosophie-Studium hat.

DDR und Derrida

Nils Markwardt unterhält sich im Freitag mit dem Philosophen und Verleger Peter Engelmann über sein Leben in der DDR und den Mauerfall. Außerdem erfahren wir etwas über die Knasterfahrung des von Engelmann verlegten Derrida und warum Slavoj Žižek oder Alain Badiou so beliebt sind. (07.11.14)

Die untoten Texte

In seinem Blog betrachtet Georg Seeßlen den Text als lebendes System, das sich der Kontrolle des Autors entzieht. So, wie er lebt, kann er auch tot oder gar untot daherkommen, zumal wenn Laplacesche Dämonen datengestützt content produzieren... (01.11.14)

Et cetera:

Und nochmal der Seeßlen, der diese Woche auch über den Zusammenhang von Aristoteles und dem Mittelstand des Nachkriegskapitalismus nachdachte. +++ Auch die FAZ bespricht Birger Priddats Ratgeber, wie man gut durchs Bachelor-Studium kommt. +++ Hans Ulrich Gumbrecht erklärt in seinem FAZ-Blog, warum Friedrich Hölderlin gerade wegen seines Wahnsinns der Dichter für unsere verrückten Zeiten ist. +++ Sterbehilfe: Die Debatte um selbstbestimmtes Sterben geht weiter. Die FR weist auf die 3sat-Reportage „Wie wir sterben“ hin. Bettina Schöne-Seifert gibt in der FAZ eine Überblick über die politische und rechtliche Lage und plädiert für die Liberalisierung der Sterbehilfe.


Links der Woche am 01.11.2014, 14:23 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 44/14

Zufälliger Anfang, unspektakuläres Ende

Roman Ehrlich schreibt in der Reihe „Freitext“ bei der ZEIT von einem Besuch bei den Zeugen Jehovas und der Lust am Untergang der Welt. Deren Sinnlosigkeit können Fundamentalisten jeglicher Richtung nicht ertragen. (29.10.14)

Fühl die Politik

In der ZEIT nimmt Eva Illouz negative Gefühle wie Angst und Neid gegen das neue Buch „Politische Emotionen“ der Philosophin Martha Nussbaum in Schutz. Nussbaum kritisiere die Position, Gefühle hätten in der Politik nichts verloren, weil dadurch übersehen wird, wie allgegenwärtig sie dort sind. Doch den Schluss daraus kann Illouz nicht teilen. (29.10.14)

Außerdemos von Sonstnochos:

Die Studierenden sind ganz zufrieden mit dem Bachelor, sagt eine Umfrage, aber Jürgen Kaube warnt in der FAZ, die Befragten hätten vielleicht keine Ahnung, was das heißt. +++ Apropos keine Ahnung: Das Datablog des Guardian belegt mit einer Statistik, wie falsch Schätzungen in politischen Streitfragen der Einwanderung, Arbeitslosigkeit usw. sind. +++ In der Arbeitswelt hat Selbstausbeutung die Disziplinierung abgelöst, schreibt Patrick Spät bei Telepolis (und Byung-Chul Han etwas ausführlicher in „Psychopolitik“). +++ Die FAZ berichtet über die bildungspolitische Revolution, die die TU Dresden mit der Einrichtung von Open-Topic-Professuren vollzieht. +++ Die NZZ stellt Daniel Heller-Roazens Buch „Der fünfte Hammer“ vor, in dem der pythagoräischen Harmonielehre die Verantwortung für die Unordnung der Welt zugeschrieben wird.


Links der Woche am 25.10.2014, 14:29 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 43/14

Antiintellektualismus aktuell

In der konkret blickt Georg Seeßlen am eigenen Beispiel zurück auf den Linksintellektuellen und wie dieser von rechts als abgehoben stereotypisiert wurde, um heute wie alles und jeder dem Ent- und Verwertungsprozess unterworfen zu sein. (22.10.14)

Und noch einmal Seeßlen: In seinem Blog schreibt er eine Begriffsgeschichte von Ökonomie und Politik und was Markt, Gott und Natur darin verloren haben. +++ Die taz bespricht die Studie „Die Ambivalenz des Guten“, in der Jan Eckel sich an einer Geschichte der Menschenrechte und ihrer Praxis versucht. +++ Neues aus der Maschinenwelt: Die NZZ bespricht George Dysons Buch über die Ursprünge und Großeltern des digitalen Zeitalters. Am vorläufigen Ende seiner Entwicklung steht Big-Data-Expertin Yvonne Hofstetter, die sich im Freitag mit Jakob Augstein über Algorithmen und Friedrich Dürrenmatt unterhält. Und die ZEIT frägt allen Ernstes: Werden wir irgendwann alle zu Cyborgs? Wohl nicht, aber Günter Hack brauchte bloß einen Aufhänger für seine Meditation über unser zwischen Furcht und Verinnerlichung schwankendes Technikverhältnis.


Links der Woche am 18.10.2014, 14:23 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 42/14

The solution to every problem ever

Lange gab es nichts mehr von ihm zu lesen, nun ist er mit einer aufgehübschten Website zurück: Der Philosophy Bro fasst in dieser Woche die ersten 25 Paragraphen von Leibnizens Monadology auf seine bro-hafte Weise zusammen. Fuck yeah! (14.10.14)

Krug vs. Plastikbecher, Ding vs. Zeug

In der NZZ pustet Eduard Kaeser den Staub von Heideggers Technikphilosophie, die sich dann als durchaus brauchbar erweist für ein Zeitalter, in dem der Mensch sich zum Datenbestand und Entfernung zum zurückzulegenden Zeug macht. Weiterentwickelt wurde die Besinnung auf Sein und Zeug vom weniger bekannten und kurz vorgestellten Heidegger-Schüler Albert Borgmann. (18.10.2014)

Weiter Inzest und Sterbehilfe

Es bleibt knifflig in zwei aktuellen Ethik-Debatten: Ulrike Baureithel würdigt im Freitag das Plädoyer des Deutschen Ethikrats zur Lockerung des Inzestverbots unter Geschwistern. Stefan Schirmer und Martin Machowecz nehmen in der ZEIT den Suizid des früheren MDR-Intendanten Udo Reiter (parallel zur Eröffnung einer Ausstellung der Deutschen Gesellschaft für Humanes Sterben) zum Anlass, über intensives Leben und selbstbestimmtes Sterben nachzusinnen.

Außerdemchen:

Otto A. Böhmer schreibt im Faust, wie Horkheimer gern mal ein realistisches Theaterstück über einen verheirateten Schopenhauer veröffentlicht hätte. +++ Herbert Marcuses Eindimensionaler Mensch wird 50, ist aber aktueller denn je. Drum würdigen Robert Stadlober, Andreas Spechtl und Thomas Ebermann das Werk mit einer Bühnenshow auf Tour, wie die ZEIT berichtet. +++ Im Gespräch mit Deutschlandradio Kultur erklärt Andreas Urs Sommer, warum Nietzsche vermöge seiner Irritationskraft immer noch aktuell und auf die gute Art politisch unkorrekt ist. +++ Jürgen Kaube berichtet für die FAZ von einem Germanistikartikel, der den Ursprung des Ranking-Wahns nicht im Neoliberalismus, sondern in der Kunst- und Literaturkritik des 18. Jahrhunderts ausfindig gemacht hat. +++ Früher war alles besser - auch die Religion: Die NZZ bespricht Harald Strohms Buch „Die Geburt des Monotheismus im alten Iran“ über die archaischen Ursprünge des griesgrämigen Demiurgen.


Links der Woche am 11.10.2014, 14:23 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 41/14

Pazifistisches Dilemma

Der evangelische Bischof Wolfgang Huber setzt sich in der FAZ fundiert mit der Nähe von Religion und Gewalt auseinander. Anlass ist der anhaltende Terror der IS-Miliz und die Unsicherheit, wie ihm zu begegnen wäre. Darf oder muss man töten, um das Tötungsverbot durchzusetzen? (07.10.14)

Gemeinsam gegen den Rest der Welt

Affen arbeiten nicht so eng zusammen wie Menschen, schlachten einander aber nicht so massenorganisiert ab wie diese, urteilt der Verhaltensforscher Michael Tomasello. Im Gespräch mit der ZEIT erklärt er die Geburt von Denken und Moral aus dem Geist der Kooperation, warum Hegel recht hat und was das für den Umgang mit IS und Klimawandel bedeutet. (10.10.14)

Keine Zeit für Freiheit

Überall ist gern die Rede von Freiheit, was Georg Seeßlen dazu veranlasst, über den Begriff nachzudenken. Freiheit braucht wie die Wahlfreiheit, in der sie empfunden und gedacht wird, Zeit und Raum. Die Freiheit der Bewegung, der Politik und des Denkens geht stets in der Entscheidung auf, was sich immer weniger Leute zumuten wollen. (10.10.14)

Übrigens haben Seeßlen und Markus Metz vergangenen Sonntag im DLF einen Radioessay über die Dialektik von Freiheit und Kontrolle zu Gehör gebracht; kommenden Sonntag um 9:30 Uhr wird sich Walter von Rossum in der Reihe „Essay und Diskurs“ damit befassen.)

Unn sünst?

William Deresiewicz warnt davor, den Nachwuchs auf US-Elite-Unis zu schicken, wo sie zu Exzellenzschafen zombifiziert würden, wie die WELT berichtet. +++ Ausführlichst bespricht die NZZ Peter Sloterdijks nicht mehr ganz so neues Buch „Die schrecklichen Kinder der Neuzeit“ und vergleicht es gar mit Albert Camus' „Der Mensch in der Revolte“. +++ Na, sind Sie schon fleißig am Lesen, Nachdenken und Schreiben für den Essaywettbewerb von Glanz & Elend und Lichtwolf? Bis Silvester ist noch Zeit, um die Preisfrage zu beantworten: Warum gibt es etwas und nicht vielmehr nichts?


Links der Woche am 04.10.2014, 14:23 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 40/14

Tag der Historiker - Historiker des Tages

Jürgen Kaube berichtet für die FAZ vom Deutschen Historikertag in Göttingen. Stimmung wie auf einem Stammestreffen und der traditionell alberne Titel „Gewinnen und Verlieren“ nervte Kaube ebenso spürbar wie die Diskussionen über Emotionsgeschichte, den deutschen Sonderweg oder Helden. (28.09.14)

Prototypen des Partisanischen

Die Bilder aus Konfliktregionen zeigen immer mehr Maskierte mit Waffen, was Nils Markwardt in der ZEIT zu Carl Schmitts „Theorie des Partisanen“ und Ernst Jüngers „Der Waldgang“ greifen lässt. Die darin dargelegten Charakteristika des irregulären Kämpfers und seiner Unterstützer zeigen sich nicht nur in der Ostukraine und in Syrien, sondern auch in westlichen Demokratien. (02.10.14)

Physik hat sich längst von den Gleichungen emanzipiert und der datenbasierten Simulation als Erkenntnismittel zugewandt, schreibt Eduard Kaeser in der NZZ. In der ZEIT erklärt Stefan Schmitt, warum wir im Escherversum leben.

Ethik: Die NZZ stellt das Buch vor, in dem der katholische Theologe Hans Küng das selbstbestimmte Sterben erwägt; eine Ecke komplizierter ist die Frage der Sterbehilfe geworden, nachdem diese Woche einem belgischen Sexualstraftäter der assistierte Suizid wegen unerträglicher psychischer Qualen eingeräumt wurde. Als wäre das noch nicht knifflig genug, hat der Ethik-Rat empfohlen, die Strafbarkeit von Inzest aufzuheben.

Bücher: Der Freitag zeigt sich am Ende nicht ganz überzeugt von Eva Horns Studie über Narrative des Weltuntergangs. +++ Die NZZ bespricht Mark Schwedas philosophische Biographie des heute fast vergessenen Modernetheoretikers Joachim Ritter. +++ Ein philosophisches Bilderbuch? Antje Damm hat eins gemacht und die NZZ findet auf jeder illustrierten Seite Anlässe zum nachdenken und diskutieren. +++ Nicht bloß der CO2-Ausstoß, sondern der Kapitalismus selbst treibt die Welt in die Klimakatastrophe, schreibt Naomi Klein in ihrem neuen Buch, über das der Freitag ebenfalls berichtet.

Reste: Die Schriftstellerin Bettina Suleiman berichtet in der ZEIT vom chronobiologisch idealen Tagesablauf, der sehr übersichtlich ist. +++ Liane von Billerbeck unterhält sich für Deutschlandradio Kultur mit dem Präsidenten der Deutschen Gesellschaft für Philosophie, Michael Quante, der für Philosophie als Grundschulfach plädiert. +++ Die ZEIT hat einige Statistiken schick visualisiert, die die deutsche Teilung auch 25 Jahre nach dem Mauerfall belegen.


Links der Woche am 27.09.2014, 14:41 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 39/14

Zurück auf die Marktplätze!

Für Telepolis unterhält sich Reinhard Jellen mit Michael Hampe, der jüngst in einem Buch mit der doktrinären Philosophie abgerechnet hat. Im Gespräch geht es um den gesellschaftlichen Einfluss von Philosophen und Philosophie, der größer und heilsamer wäre, besönne man sich wieder mehr auf Sokrates. (21.09.14)

Zur Kritik des besseren Lebens

Zwanghafter Konsum und Wachstumsmanie sind nicht gut, ganz besonders wenn es um Lebewesen in der „Fleischproduktion“ geht. Im Freitag schreibt Felix Werdermann den Wachstumskritiker jedoch hinter die Ohren, dass grünes Wachstum möglich und nötig ist. Christina Hucklenbroich schreibt in der FAZ über Akteure und Schriften des Veganismus als Lifestyle-Trend, der stellenweise nicht mehr ist als das.

Funktionaler Analphabetismus durch funktionale Sprache

Konrad Paul Liessmann ist Philosoph, schreibt „Orthographie“ wie es sich gehört mit ph und hat einen Nachnamen, der allen neuen Rechtschreibregeln Hohn spricht. Dies der Hintergrund, vor dem er in der FAZ furios die (nicht unbeabsichtigten) kulturellen Folgen des wohlmeinenden Laissez-faire im Schreibunterricht beklagt. (24.09.14)

Wirksamer als die Wirklichkeit

In der ZEIT macht sich Clemens Setz Gedanken über die Rezeption der Enthauptungsvideos aus dem Irak. Diese seien von den islamistischen Milizen dermaßen auf westliche Sehgewohnheiten hin optimiert und in Szene gesetzt, dass die Morde hyperrealen Charakter erhalten. (25.09.14)

Et cetera:

Die ZEIT macht Reklame für das Buch, in dem Birger Priddat dazu aufruft, sich durch die Bologna-Uni durchzuschlawinern. +++ Es sei noch einmal daran erinnert, dass es den aktuellen Lichtwolf zum Thema Mars als DIN-A4-Paperback sowie als preiswerteres E-Book für Kindle sowie im offenen epub-Format und in der E-Book-Boutique minimore.de gibt; nämliche wurde für den diesjährigen Virenschleuderpreis nominiert und erhält ihn für das Sammeln möglichst vieler Facebook-Likes. +++ „Was denkst du gerade?“ „Nichts.“ Ideale Ausgangsbedingungen für die Teilnahme an dem Essaywettbewerb, den Lichtwolf und Glanz & Elend zur ontologischen Grundfrage ausgeschrieben haben!


Intime Interna am 25.09.2014, 13:26 Uhr

Marswolf elektrisch

Sehr geehrte Damen und Herren,

Lichtwolf Nr. 47 als E-Book

Die Herbstausgabe zum Thema Mars gibt es auch als E-Book für Kindle sowie im offenen epub-Format und in der E-Book-Boutique minimore.de.

hiermit beehren wir uns, Ihnen die Verfügbarkeit der E-Book-Fassung der aktuellen Ausgabe des Lichtwolf mit dem Titelthema „Mars“ zur Anzeige zu bringen. Genanntes Leitmedium des gehobenen Schabernacks ist in seiner elektrischen Ausführung wie gewohnt DRM-frei und für knappe vier Euronen erhältlich:

Primum für Lesegeräte des einbrüstigen Onlinehändlers Marke Kindle,

deinde für alle anderen Lesegeräte, die das offene epub-Format unterstützen

tum wie das zuvorgenannte, jedoch bezogen von der E-Book-Boutique minimore.de ...

Just genanntes Etablissement wurde übrigens für den diesjährigen Virenschleuderpreis nominiert. Die Geschäftsleitung würde es begrüßen, klickten Sie auf der Gesichtsbuchseite von minimore.de fleißig auf den Knopf mit der Aufschrift „Gefällt mir“, damit die Kollegen vom elektrischen Vertrieb den Wettbewerb um die meisten Likes gewinnen und mit Bild in der Zeitung stehen.


Links der Woche am 20.09.2014, 14:00 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 38/14

Die Männerfreundin

Für den Freitag hat sich Nils Markwardt mit Hélène Cixous unterhalten, einer „Pionierin der feministischen Philosophie“. Gesprächsthemen sind u.a. Medusa als Queer-Mythos, Heidegger, Derrida und Lesen als freundschaftlicher Akt. (15.09.14)

Unerzogene Kinder

Peter Sloterdijk lässt sich anlässlich seines neuen Kinderbuchs von Michael Hesse für die FR befragen zur mangelnden Kontinuität der Moderne, zu Monstern heute und früher sowie Erbsünde und Korruption. Außerdem die gute Frage: „Ist die Welt im letzten Jahrhundert besser oder schlechter geworden?“ (18.09.14)

Zurück in die Zukunft

Und noch ein Interview: Paul Schreyer unterhält sich für Telepolis mit dem Geschichtsphilosophen Hauke Ritz über die Osterweiterung als Provokation Russlands und den Ukraine-Konflikt, aber vor allem über die bis heute wirksame religiöse Prägung von Kulturkreisen und die Wiederkehr des mythischen Denkens in der atheistischen Moderne. (17.09.14)

Die Macht antwortet ver

Die NZZ druckt einen Vortrag des Wiener Philosophen Konrad Paul Liessmann ab, in welchem dieser sich mit dem Wandel Verbrechen und Strafe, Verantwortung und Schuld beschäftigt. Zentral ist dabei die Frage nach der Urheberschaft und der Freiheit. (20.09.14)

Außerdemos von Sonstnochos:

Die NZZ erklärt, was es - von Herodot bis Thomas S. Kuhn - mit dem Stichwort „Paradigma“ auf sich hat. +++ Die FAZ bespricht das Buch „Sie wissen alles“, mit dem die Informatikerin Yvonne Hofstetter vor der Macht ihres Fachs warnt. +++ Nicht ganz überzeugt ist die taz von Byung-Chul Hans „Psychopolitik“ über die neoliberale Selbstausbeutung. +++ In seinem FAZ-Blog schreibt Hans Ulrich Gumbrecht einen Nachruf auf die Universität, die längst zum berufsbildenden Kindergarten verkommen sei. +++ Die FAZ berichtet von zwiespältigen Ergebnissen bei Umfragen zu Bildungspolitik und ihrer Finanzierung. +++ Noch was zum Aufregen: Jan Küveler von der WELT stellt einen lustig gemeinten Vergleich von U2s Bono mit Hegel und Herbert Grönemeyer mit Adorno an. +++ Viel weniger Quatsch, dafür viel mehr Mars steckt übrigens in der druckfrischen Herbstausgabe des Lichtwolf. Insbesondere sei hingewiesen auf den Essaywettbewerb, den der Lichtwolf gemeinsam mit Glanz & Elend veranstaltet.


Intime Interna am 20.09.2014, 13:24 Uhr

Das neue Heft ist da...

...und es handelt sich um den dicksten, rotesten und bestesten Lichtwolf überhaupt je, aber vor allem zum Titelthema Mars.

Lichtwolf Nr. 47 (Mars)

Lichtwolf Nr. 47 (Titelthema: „Mars“) ist ab sofort hier im Einkaufszentrum erhältlich.

Online können Sie ja schon mal reinschmökern in die Einleitung mit den astrologischen und astronautischen Grundlagen zum Titelthema sowie in Bdolfs Propädeutikum oder den Anfang von Michael Helmings Essay über Kriegsgötter und deren Anrufungen; den Rest wie überhaupt den größten Teil der Herbstausgabe müssen Sie natürlich bezahlen, aber mit 7,80 Euro gar nicht teuer.

Auszüge aus der Nr. 47 können Sie auch im LichtwolfReader durchblättern oder Sie laden sich eine Leseprobe als PDF-Datei herunter. Alles Weitere zu Inhalt und Bezug dieses feinen Heftchens steht hier im Einkaufszentrum.

Die E-Book-Fassung folgt wie gewohnt in wenigen Tagen.




Links der Woche am 13.09.2014, 14:25 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 37/14

Stumm lärmendes Zeitalter

Niels Boeing und Andreas Lebert von der ZEIT haben es geschafft, den scheuen und beschäftigten Byung-Chul Han in ein Interview zu verwickeln. Darin gibt er Auskunft über das Schöne als das Glatte, über den Zwang als gefühlte Freiheit und das erschwerte und ausgebeutete Glück, das es zurückzuweisen gilt.

Prekariat im Mittelbau

Roland Preuß berichtet für die SZ am Beispiel eines promovierten Historikers vom Schicksal des wissenschaftlichen Nachwuchses, das von Zeitverträgen, Arbeitslosengeld und Existenzängsten geprägt ist. Die Verantwortlichen an der Universität verweisen auf die Politik und diese auf den Wettbewerbsdruck. (09.09.14)

Unn sünst?

Georg Seeßlen war wieder sehr fleißig: Er denkt mit Ibn Rushd und Levi ben Gershon über das Verhältnis von Religion, Macht und Terror nach sowie a.a.O. über das verhinderte tatsächlich Neue und über die vielfältigen Beziehungen und Analogien von Sprache und Gesellschaft. +++ Die ZEIT portraitiert die Informatikerin Yvonne Hofstetter, die fordert, Künstliche Intelligenz politisch zu reglementieren, solange dafür noch Gelegenheit ist. +++ Die NZZ bespricht das neue Buch des Theologen Friedrich Wilhelm Graf über Religionen in der Globalisierung. +++ Telepolis berichtet vom Briefwechsel von Einstein mit der Philosophin Ilse Rosenthal-Schneider über die Natur der Naturkonstanten. +++ Die Sendung „Sein und Streit“ im Deutschlandradio Kultur beschäftigte sich diese Woche mit dem Krieg und (seiner) Sprache. Unter anderem darum geht es auch in der neuen Lichtwolf-Ausgabe zum Thema „Mars“, die in einer Woche die Briefkästen der werten Abonnenten erreicht.


Links der Woche am 06.09.2014, 16:04 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 36/14

Früher, ja früher!

Im allsommerlichen Klagen über den Intellektuellen kommt nun der Einsatz des NZZ-Feuilletonchefs Martin Meyer: Anders als früher, wo noch mit Furor über Grundsätzliches öffentlich gestritten wurde, plantschen die Intellektuellen seit 1989 und erst recht seit dem Internet nur noch in der Ironiesuppe herum. (01.09.14)

Et cetera:

In seinem Blog denkt Georg Seeßlen über das Schwierige der Vereinfachung sowie über Sicherheit im Neoliberalismus nach. +++ In der Reihe Essay & Diskurs im DLF ging es letzten Sonntag um Epikur: Matthias Gronemeyer erklärt auf löbliche Weise, was Hedonismus wirklich bedeutet und wie man jenseits der Spaßgesellschaft schön, wahr und gut wohnt. +++ Martin Seel bespricht in der ZEIT ausgiebig und ausgewogen Michael Hampes Abrechnung mit der Systemphilosophie. +++ Lichtwolf Nr. 47 zum Thema „Mars“ ist in der Mache und schickt sich an, der dickste und roteste und besteste Lichtwolf überhaupt je zu werden; mit einem Abo haben Sie das Ding bis zum 20. September im Briefkasten.


Links der Woche am 30.08.2014, 15:30 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 35/14

Carl Schmitt für Ökos?

Für die ZEIT hat sich Elisabeth von Thadden mit dem Soziologen Bruno Latour anlässlich seiner neuen Anthropologie der Moderne getroffen. Ende der 70er erledigte er den Glauben an wissenschaftliche Objektivität, heute mahnt er, pfleglich mit Gaia umzugehen, was weder mit Esoterik noch mit Notstandsgesetzen zu tun hat; Latours neues Buch ist interaktiv und wird online kollaborativ fortgeschrieben. (22.08.14)

Der Wille zur Macht als Krankheitsbild

Von Macht und Geld kann man nie genug haben, weshalb beide Einfallstore für Neurosen aller Art sind und ihrerseits der Triebfeder Neurose bedürfen, bemerkt Georg Seeßlen in seinem Blog. Stellt sich also die Frage, ob es jenseits der Fiktion vernünftige Macht (also Ordnung) ohne Neurose oder Paranoia geben kann. (23.08.14)

Studierenden zur Mahnung

Simona Pfister schreibt den Studis in NZZ Campus hinter die Ohren, nicht immer Bologna die Schuld zu geben, sondern sich durch Wahrheit frei zu machen. Die SZ interviewt Christiane Florin, die sich in einem Buch über die mangelnde Streitkultur der Facebook-Generation an den Unis beklagt.

Bücher, Bücher, Bücher:

Im Freitag verteidigt Nils Markwardt den Peter Sloterdijk gegen linke Reflexkritik, indem er ihn kritisch portraitiert als „Lehrer für Psychogymnastik“, der „den methodischen Kurzschluss zwischen Sokrates und Jürgen Klopp“ vollziehe. +++ Die Politologin Judith Shklar hatte eine kluge Methode, gesellschaftliche Werte zu analysieren: Sie untersuchte, welche Laster wie sehr verachtet werden; die ZEIT freut sich, dass Shklars Essays besser spät als nie ins Deutsche übersetzt wurden. +++ Ebenfalls in der ZEIT wird Mark Rowlands Buch „Der Läufer und der Wolf“ besprochen, demzufolge Laufen wie Philosophie glücklich-existentieller Selbstzweck sei. +++ Die NZZ stellt das Buch des Medientheoretikers Douglas Rushkoff vor, in dem er der Gegenwart eine schockartige Überforderung durch Echtzeit, Gleichzeit, Wahlmöglichkeiten und Beschleunigung attestiert.


Links der Woche am 23.08.2014, 14:30 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 34/14

Capitalism loves you (not)

Ökonom und Sozialforscher Meinhard Miegel fragt sich in der FAZ, warum dem Kapitalismus nicht beizukommen ist. Die Wirtschafts-, Sozial- und Denkordnung stellt das Individuum ins Zentrum, sie ist anspruchslos und doch schwer zu fassen. Der Kapitalismus ist verheerend und trotz aller Skepsis tief in der Bevölkerung verankert, weshalb die Politik die Systemfrage scheut. (17.08.14)

Vom Rechnen und Wissen

Mit der Mode, Wirtschaft und Politik mittels Wahrscheinlichkeitsrechnung zu betreiben, beschäftigt sich Dietmar Dath ebenfalls in der FAZ, indem er den Erkenntnis- und Gestaltungsoptimismus auf die 50er Jahre zurückführt und darüber hinaus bis zu Laplace und Leibniz zurückgeht, den Urvätern der heutigen Algorithmen zur Kundensteuerung und Kriminalitätsprävention. (21.08.14)

Außerdemchen:

„Abort it and try again“, ist Richard Dawkins’ Rat an eine Twitter-Nutzerin, die fragt, was zu tun wäre, wäre sie schwanger mit einem Kind, bei dem das Down-Syndrom diagnostiziert wird; ob das genauso menschenverachtend wie die Leistungsgesellschaft ist, fragt Melanie Mühl in der FAZ leider nicht. +++ „Studenten sind zu arm, um billig zu kaufen“, heißt es in der ZEIT, die daraufhin einigen Experten Spartipps für Studis entlockt. +++ Eine Möglichkeit, (noch mehr) Zeit zu sparen beim Studieren, präsentiert die FAZ in Form von Fast-Track-Studiengängen, die in Berlin und Dortmund binnen vier Jahren zur Promotion führen. +++ Franz Viohl zeigt sich in der WELT begeistert von Byung-Chul Hans Essay über das Wesen der digitalen Technik. +++ Die ZEIT empfiehlt die Globalgeschichte der Arbeit seit dem späten Mittelalter der Historikerin Andrea Komlosy. +++ Der Freitag portraitiert zum 300. Geburtstag - und zur unerwarteten Renaissance des „Diskursmaschinengewehrs“ (F. Kittler) - die Schreibmaschine; zum 290. Geburtstag gab es hier schon mal was über die Bedeutung der Schreibmaschine für den Lichtwolf. +++ Kyle Shire spielt sehr überzeugend in einer vierteiligen Clipreihe nach, wie Slavoj Žižek auf Internetphänomene reagieren würde - mit dekonstruktivistischem Geblubber und Nasegrabbeln und allem!


Links der Woche am 16.08.2014, 14:23 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 33/14

Forschungs- und Transferleistungen

Remigius Bunia untersucht in der FAZ, ob wirklich das Wissenschaftszeitvertragsgesetz Schuld an der strukturellen Misere von Nachwuchswissenschaftlern in Deutschland ist. Planungsunsicherheit ist demnach der eigentliche Grund, warum die meisten akademischen Karrieren sich als Sackgasse erweisen. Also lieber gar nicht erst promovieren? Leonie Achtnich nimmt sich in der ZEIT fünf Mythen zum geisteswissenschaftlichen Doktor vor und findet dann doch ein paar Gründe für eine Dissertation. Zur Vorbeugung von Hochmut erzählt René Korth im Freitag, wie er nach dem Uni-Abschluss in Hartz IV landete.

Komm, wir sprengen einen Staudamm!

Elena Meilicke bespricht für den Freitag Kelly Reichardts Film „Night Moves“, der sachlich-kühl von jungen Ötoterroristen und von der „Desillusionierung mit der linken Öko-Alternativ-Szene“ erzählt. Julia Dettke von der ZEIT ist begeistert von den moralischen Dilemmata, die der Film aufwirft. Auch Daniel Kothenschulte von der FR ist fasziniert vom Verbrechen aus guter Absicht und dem „vergifteten Urgrund des amerikanischen Patriotismus“, nur Cosima Lutz von der WELT hätte sich mehr Action gewünscht.

Die Reste:

Atheismus-Papst Richard Dawkins bleibt unnachgiebig: Telepolis berichtet von seinem Argument, warum auch gemäßigte Gläubige den religiösen Extremismus stärken. +++ Byung-Chul Han wird hochgelobt als Gegenwartskritiker, aber Klaus Birnstiel vom Freitag findet in Hans jüngstem Essay „Psychopolitik“ nur haltloses Oberseminar-Geraune. +++ Nochmal Kulturkritik der Karlsruher Schule: Ralf Fücks bespricht in der WELT Peter Sloterdijks Buch, demzufolge die Moderne aus den Fugen ist, weil das Neue immerzu das Alte auffrisst. +++ Die FAZ zeigt sich angetan von Eva Horns literaturwissenschaftliche Studie über die Lust am Weltuntergang. +++ Heute ab 23:05 Uhr gibt es im Deutschlandfunk die Lange Nacht über Elias Canetti.


Links der Woche am 09.08.2014, 14:30 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 32/14

„Nicht was, sondern wie man glaubt“

Aus gegebenen traurigen Anlässen schreibt der Theologe Friedrich Wilhelm Graf in der FAZ über religiös motivierte Gewalt. Lange Zeit konnte sich die Religion ihrer integrierenden und stabilisierenden Wirkung rühmen, zugleich dient sie, genauer: ihre strukturierende Symbolsprache mehr denn je der Brutalisierung und Enthemmung. (07.08.14)

Unn sünst?

Der Freitag empfiehlt die hegel-lastige Sci-Fi-Schnurre „Alpha & Omega“ von Markus Orth über eine Zeitreise ins Jahr 2000. +++ Ebenfalls im Freitag portraitiert Evi Lemberger die Front Deutscher Äpfel zum zehnten Fest ihres Bestehens. +++ Apropos: Der Literaturwissenschaftler Helmuth Kiesel hat für die FAZ Hitlers „Mein Kampf“ im Urlaub gelesen, sieht das Urteil vom literarischen Dilettanten widerlegt und plädiert drum für eine kritische Ausgabe. +++ Diese Woche war Weltkatzentag und heute Abend kommt im Deutschlandfunk die Lange Nacht der Katzen. Miausi! +++ Passt total ins Sommerloch: Der aktuelle Lichtwolf zum Thema Perverse. Als Heft mit Saugkraft ebenso erhältlich wie als leicht abwaschbares E-Book.


Intime Interna am 05.08.2014, 17:48 Uhr

Münchner! Es denkt!

Die Studierendenschaft Philosophie in München gibt seit geraumer Zeit eine Zeitschrift namens „cog!to“ heraus, die zweimal im Jahr „schön, gut und wahr“ erscheint.

Die aktuelle Ausgabe 04 ist vergangenen Monat veröffentlicht worden und beschäftigt sich auf 84 durchweg vierfarbigen Seiten u.a. mit der Person, ihrer Identität und Authentizität sowie mit Heideggers Nationalsozialismus und dem Briefwechsel zwischen Paul Auster und J. M. Coetzee. Mit dabei sind u.a. Volker Gerhardt als Gastautor und Christof Rapp im Interview ohne Worte.

Um die jungen Münchner Kolleginnen und Kollegen bei ihrem Kampfpreis von einem 1 Euro (!) zu unterstützen, haben viele Fachverlage inseriert. Und der Lichtwolf:

Lichtwolf in Cogito

Online findet man „cog!to“ bei der Müncher Philosophie-Fachschaft, wo die aktuelle Ausgabe gewiss bald auch als Download zu haben ist.


Links der Woche am 02.08.2014, 14:12 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 31/14

todesmutig oder verrückt

Im Freitag schreibt Ulrike Baureithel anlässlich des aufgehobenen Kooperationsverbot zwischen Bund und Ländern im Bildungsbereich, dessen Arbeitsbedingungen bekanntermaßen nichts für Leute sind, die auf ein geregeltes Einkommen angewiesen sind. (28.07.14)

Außerdem:

Die taz bespricht Alexander Kluges jüngstes Opus Magnum über den Buch „30. April 1945“. +++ In der ZEIT streiten sich ein Jura-Professor und ein Student über die universitäre Pflicht zum Latinum. +++ Die FAZ (und viele andere) würdigt den Sozialphilosophen und 68er Oskar Negt zum 80. Geburtstag. +++ Urs Hafner berichtet in der NZZ an einem Beispiel, was Big Data in den Kulturwissenschaften zu Tage fördern kann. +++ Ehrfurcht vorm Leben geht auch ohne Gott, so lautet eine der Lehren, die Uwe Justus Wenzel von der NZZ aus Ronald Dworkins letztem Buch „Religion ohne Gott“ herausgelesen hat. +++ In ihrer Reihe „Studenten von früher“ portraitiert die ZEIT den Philostudi Albert Camus.


Links der Woche am 26.07.2014, 14:29 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 30/14

Atomkrieg und Klangtapete

Wer Listen des Unglücks und Unheils in der Geschichte anlegt, ist weniger leicht zu verunsichern und kommt doch nie aus dem Staunen heraus. Arno Widmann von der FR unterhält sich mit Alexander Kluge auf typische Weise darüber, wie man die Welt und ihre Monströsitäten als Geschichte erzählt. (22.07.14)

Wissenschaftlicher Generationsschrott

Beim Wissenschaftszeitvertragsgesetz, welches das up-or-out-Prinzip an den Unis durchsetzte, hat sich die Politik angeblich was gedacht, erklärt Stefan Kühl in der FAZ. Sodann zählt er die Denkfehler und offenen Fragen der befristeten Akademikerexistenz auf, die die Rechts- und Personalabteilungen der Hochschulen auf Trab halten. (25.07.14)

Unleserliche Zeiten

Die neue Unübersichtlichkeit seit 1989 ist nicht nur politischen Komplexitäten zu verdanken, schreibt Martin Meyer in der NZZ. Dem Philosophen Mark Lilla folgend hat auch die Analysefähigkeit abgenommen, seit das libertäre Denken keine Systemalternative mehr ernst nimmt und nur noch im eigenen Saft sintert. (26.07.14)

Bildung und Wissenschaft

Die FAZ berichtet von einem Workshop der VW-Stiftung über Werbung und Kommunikation in der Wissenschaft. +++ Die NZZ stellt Valentin Groebners Essay über den Geisteswissenschaftler im digitalen Zeitalter vor. +++ Die FAZ greift die Klagen über mangelnde Reife wegen G8 und Bachelor auf. +++ Jürgen Kaube von der FAZ hat eine Studie gelesen, die den scheinbaren Zusammenhang von sozialer Herkunft und Bildungserfolg nach wie vor unklar lässt. +++ Im Freitag schreibt Achtermann über Geschichte und Gesetzeslage von Religions- und Ethikunterricht in Deutschland.

Et cetera:

In seinem Blog denkt Georg Seeßlen über das Ideogramm als Mittel des bürgerlichen Subjekts gegen moralisch-intellektuelle Dilemmata nach. +++ Der Freitag stellt ein Lesebuch mit weniger bekannten Texten Erich Mühsams vor, der vor 80 Jahren von der SS ermordet wurde. +++ Hannes Stein von der WELT hat sich mit Jim Holt unterhalten, der über die Grundfrage einen humorigen Metaphysik-Bestseller geschrieben hat.


Links der Woche am 19.07.2014, 14:23 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 29/14

Ex Internet Lux

Wie jeden Sommer beschäftigen sich Feuilleton und Intellektuelle mit ihrem eigenen Fehlen in der Öffentlichkeit. Den Auftakt macht dieses Jahr Gundolf S. Freyermuth bei Telepolis, wo er auf Geschichte und Verfall des engagierten Gelehrten zurückblickt und die Rettung im Internet sieht. (13.07.14)

Fotzen und Arschlöcher

Im Freitag schreibt Jürgen Busche recht unterhaltsam darüber, warum vulgäre Sprache in der Politik so irritierend wirkt: Mit jener werden Grobheit und Bildungsmangel verbunden, die nicht zu dem Bild von dieser passen, das von aufgeräumten Lehrbüchern gezeichnet wird. (16.07.14)

Fußball als politische Metapher

Der Fußball des Jahres 1954 hat nichts mehr mit dem des Jahres 2014 zu tun, schreibt Georg Seeßlen im Freitag. In seiner Analyse schreibt er eine politisch-ökonomischen Analyse der deutschen Verhältnisse anhand der fußballhistorischen Wegmarken nationaler Identitätsbildung. (16.07.14)

Neue Bücher:

Michael Hampes neues Buch zur Rettung der Philosophie vor sich selbst wird auch bei Spektrum der Wissenschaft besprochen. +++ Lange nichts mehr aus Heideggers Nachlass gelesen? Ludger Lütkehaus stellt in der NZZ den ersten Band mit erstaunlich zivilen Briefwechseln der Familie Heidegger vor. +++ Marc Reichwein zeigt sich in der WELT skeptisch über Stefan Müller-Doohms Habermas-Biographie, weil dem Autor als Schüler des Portraitierten die nötige Distanz fehle. +++ Albert Camus’ Liebe zu seiner algerischen Heimat war stets schwierig; nun haben zwei algerische Autoren seinen als neo-kolonialistisch bezeichneten Roman „Der Fremde“ neu geschrieben. +++ Die Philosophin Rosi Braidotti hat ein mühsam zu lesendes Buch über posthumane Subjektivität geschrieben, das in der NZZ rezensiert wird und dessen Untertitel Lichtwolf-Lesern bekannt vorkommen dürfte.

Außerdemos von Sonstnochos:

Und noch was aus dem Heft-Archiv: Heute Abend ab 23:05 Uhr kommt im Deutschlandfunk die Lange Nacht über die Magie der Zahlen und dazu passt doch sehr gut Lichtwolf Nr. 40 über Zahlen, Ziffern und Nummern. +++ Der Kapitalismus hat sich selbst transzendiert und produziert nur noch negative Werte (Krisen und Elend), schreibt abermals Georg Seeßlen in seinem Blog und konstatiert als Modell dieses untoten Kapitalismus die „Supermarkt-Kassiererin, deren hungriger Blick zwischen den Waren und der Überwachungskamera hin und her geht“. +++ Die Berner Zeitung brachte diese Woche eine Serie zur Ethik von Menschenrechten und -würde. +++ Marcus Hammerschmitt berichtet bei Telepolis von einer Studie über die verbissene Ethik-Konkurrenz zwischen Veganern und Vegetariern. +++ Der Veganismus ist auch in der Schweiz längst „in aller Munde“, wie Nadine Jürgensen in der NZZ bedenkt. +++ Hans Ulrich Gumbrecht war in Lissabon und schreibt in seinem FAZ-Blog über die Authentizität des Fado und was Derrida davon hielte. +++ Ebenfalls in der FAZ beschweren sich sieben Autoren über die Studentenjugend von heute.


Links der Woche am 12.07.2014, 14:23 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 28/14

Das totale Management

In der FAZ nimmt Dietmar Dath u.a. den Roman „The Circle“ von Dave Eggers zum Anlass für einige Betrachtungen über die nächste Zukunft der Ausbeutung, die im digitalen Business zur sektenartig verzückten Code-Fron wird. Scheinbar abgeschaffte Hierarchien und Stimmung wie auf dem Kindergeburtstag prägen den jüngsten Kreis der Hölle des Erwerbslebens zwopunktnull. (06.07.14)

ZEIT und Neuer Realismus

Seit einem Weilchen feiert die ZEIT eine Reihe zum Thema Neuer Realismus ab, dem Schlagwort Markus Gabriels. Bislang haben sich dazu einige geäußert, diese Woche war Iris Radisch dran. Sie nimmt die Annäherung des digitalen Alltags an die Science-Fiction zum Anlass, über den philosophischen Realitätsverlust nachzudenken. (09.07.14)

Unn sünst?

Die taz stellt Michael Hampes Buch vor, das zur Rettung der Philosophie durch argumentative Rationalität aufruft. +++ Anlässlich des WM-Finales denket Georg Seeßlen in der taz über nationale Identität als Konsumprodukt nach. +++ Slavoj Žižek wird vorgeworfen, aus einem Rassistenblatt abgeschrieben zu haben. +++ Zum Tod seines Freunds und Kollegen Hans-Ulrich Wehler schreibt Jürgen Habermas in der FAZ. +++ Apropos: Bei Glanz & Elend bespricht Dieter Kaltwasser die bislang umfassendste Habermas-Biographie. +++ Eine Leipziger Ausstellung blickt zurück auf die seit 100 Jahren im Meiner Verlag erscheinende Philosophische Bibliothek, wie das Börsenblatt meldet. +++ Die ZEIT ist total begeistert von Peter Sloterdijks neuem Hauptwerk, das kulturkritisch von Madame de Pompadour bis zu virtuellem Geld mäandert. +++ Die FR stellt das Buch „Zukunft als Katastrophe“ vor, in dem die Germanistin Eva Horn der Dystopie in Film und Literatur nachgeht.


Links der Woche am 05.07.2014, 14:24 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 27/14

Denken ist unangenehm

...und dieser Verdacht, der sich beim Public Viewing schnell einstellt, ist nun auch wissenschaftlich belegt. Telepolis berichtet von einer Studie, bei der ein Großteil der Teilnehmer_innen einen Elektroschock dem Alleinsein mit den eigenen Gedanken vorzog. (03.07.14)

Imperialer Perfektionismus

Wenig sommerlichen Frohsinn verbreitet Wolfgang Streeck in der FAZ, wo er darüber schreibt, wie sich der Traum von der digitalen Teilhabe aller in den Albtraum der überwachten Postdemokratie verkehrte. Ziel der Datensammelei ist dabei weniger die Einschüchterung vorlauter Bürger als gesteigerte Konsumfähigkeit und asymmetrische Kriegsführung. (04.07.14)

Außerdemchen:

Jan Greve hat für den Freitag das Berliner Museum des Kapitalismus besucht, wo man in interaktiven Lernspielen die Formel G-W-G' erfahren kann. +++ Auch Martin Meyer von der NZZ war im Museum, und zwar im Guggenheim, wo gerade eine Ausstellung über den Futurismus läuft, die Pubertät des 20. Jahrhunderts. +++ Bei Telepolis blickt Kai Kleinwächter auf die bisherige und künftige Entwicklung des deutschen Bildungssystems, das seine US-amerikanische Prägung verliert und eine eher eurasische annimmt. +++ Thomas Macho bespricht in der NZZ Hilal Sezgins neues Buch zur Tierethik; in der FAZ spricht sich Sezgin gegen Zoo-Haltung aus, daneben denkt Hans Ulrich Gumbrecht darüber nach, was es heißt, im Namen der Tiere sprechen zu wollen. +++ Den aktuellen Lichtwolf zum Thema Perverse gibt es auch als E-Book.


Intime Interna am 03.07.2014, 22:44 Uhr

Perverse elektrisch

Zum Sommerbeginn ist bekanntlich Lichtwolf Nr. 46 zum Thema Perverse erschienen.

Lichtwolf Nr. 46 (Perverse) als E-Book

Treue Stalker Follower unseres minderjährigen Weltmagazins haben es schon geahnt, denn niemand wird uns jemals so kennen und lieben wie sie: Das Heft ist auch erhältlich als E-Book! In der elektronischen Fassung kostet die Sommerausgabe bloß 3,99 Euro. Wie billig. Zu haben ist sie wie üblich für Amazon Kindle, im offenen epub-Format und in der E-Book-Boutique minimore.de.

Das Ding zu kaufen fühlt sich total schön an!


Links der Woche am 28.06.2014, 19:25 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 26/14

Die ZEIT stellt Vittorio Hösles „Kurze Geschichte der deutschen Philosophie“ vor, worin er halb polemisch, halb ideengeschichtlich dem deutschen Geist nachsinnt. +++ Auch von Peter Sloterdijk gibt es ein neues Buch, „Die schrecklichen Kinder der Neuzeit“, welches in der taz besprochen wird. +++ Seit zwei Jahren sitzt Julian Assange in der ecuadorianischen Botschaft in London fest. Zum Jahrestag erinnert Slavoj Žižek im Freitag an die Wikileaks-Enthüllungen über den Wert der Freiheit im Westen. +++ Manfred Klimek von der ZEIT hat den einzigartigen Hermes Phettberg in Wien besucht und portraitiert den „schönen Menschen“. +++ Nachdem die Berliner HU erfolglos versuchte, eine Professur für „Reine Mathematik“ mit einer dieser im Fach unterrepräsentierten „Frauen“ zu besetzen, bleibt diese nun leer, wie das FAZ-Ressort Männerdiskriminierung meldet. +++ Zum 30. Todestag von Michel Foucault bringt die taz ein umfangreiches Portrait seiner Denk- und Wohnorte. +++ Der Kapitalismus produziert Dinge und Vorstellungen, schreibt Georg Seeßlen in seinem Blog und warnt: „Alles was man sich im Kapitalismus vorstellen darf, muss kapitalistisch sein.“


Links der Woche am 21.06.2014, 14:16 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 25/14

Die Formel für alles und Fußball

Bei Telepolis unterhält sich Harald Zaun mit dem Bonner Mathematiker Christian Blohmann über Ruf und Rang seiner Disziplin, über die Frage, ob mathematische Wahrheit im Universum immer und überall gleich ist, und vor allem über Orakelei und Statistik im Fußball. (13.06.14)

Keine Zeit für Fragen

Die Astronomin Sibylle Anderl schreibt in der FAZ über eine Initiative, Wissenschaftstheoretiker und Astrophysiker zusammenzubringen, nachdem die Philosophie der Physik zuletzt als fortschrittsfeindlicher Quatsch galt. Nun erweist sie sich zwischen kleinsten und größten Skalen als erkenntnistheoretisch hilfreich. (16.06.14)

Bis zum Morgengrauen

Nils Markwardt berichtet für den Freitag von der ersten „Nacht der Philosophie“ mit über siebzig Philosophen und Künstlern aus Deutschland und Frankreich im Berliner Institut français. Die Referenten - darunter Étienne Balibar und der unvermeidliche Markus Gabriel - sprachen bis in die Puppen über Zombies, Übermenschen und Fußball. (17.06.14)

Die Zeit der Irren und Idioten

Für die FAZ hat sich Christian Geyer mit einigen Psychologen und Psychiatern über die Pathologisierung jeder Regung und die junge Gegenbewegung zu dem Trend unterhalten, der die nützlichen Aspekte von Abweichung, Albträumen oder Trauer sowie die Fragwürdigkeiten des Anstiegs psychiatrischer Diagnosen unterschlägt. (18.06.14)

Fremdsprachen machen cool

In der Ethik-Grundausbildung wird man u.a. an einen Weichenhebel gestellt, mit dem man einen auf fünf Leute zurasenden Zug auf ein Gleis umleiten kann, auf dem nur eine Person läuft. Florian Rötzer berichtet bei Telepolis von einigen Untersuchungen dieses Trolley-Problems; bei einer solchen zeigte sich, „dass die Menschen, wenn sie eine Fremdsprache benutzen, weniger emotional seien und dann eher utilitaristisch entscheiden.“ (19.06.14)

Rezensionen

Uwe Justus Wenzel ist in der NZZ wenig begeistert von Wolfram Eilenbergers et.al. Lehnstuhlphilosophie des „Tatort“. +++ Andrea Roedig bespricht im Freitag eine neue bzw. die maßgebliche Biographie zum 85. Geburtstag von Jürgen Habermas. +++ Andreas Kilcher (NZZ) geht in seiner Rezension von „Band 2.1: Mythos und Mystik“ der Werkausgabe des Religionsphilosophen Martin Buber auch auf das Gezänk im Hintergrund des Editionsprojekts ein.

Übrigens: Seit gestern gibt es einen neuen Lichtwolf. Thema sind diesmal Perverse. Es ist Sommer, also ziehen Sie sich mal aus!


Intime Interna am 20.06.2014, 10:20 Uhr

Fuck, das neue Heft ist da!

Und es ist ein versauter Wonneproppen von 118 Seiten im DIN-A4-Paperback geworden, auf denen es um das geht, was wir alle gern waren und immer noch wären: Perverse.

Lichtwolf Nr. 46 (Perverse)

Lichtwolf Nr. 46 (Titelthema: „Perverse“) neigt dazu, sich ab sofort von Fremden im Einkaufszentrum bestellen zu lassen.

Allerhand Persönlichkeitsstörungen, Paraphilien und abartige Zeitgeistphänomene werden darin be- und durchdacht sowie veralbert. Reingucken können Sie ins Heftle entweder hier im LichtwolfReader oder Sie laden sich eine Leseprobe als PDF herunter. Doch Obacht: Das Heft ist themenbedingt very NSFW. Aber keine Sorge, wie immer verschicken wir auch die Sommerausgabe im neutralen Umschlag, sollten Sie sich zu einem Abo oder zur Bestellung im Einkaufszentrum überwinden können.

Einige Beiträge aus dem aktuellen Lichtwolf sind auch online, und zwar die triebtheoretische Einleitung und Bdolfs Prolegomena und Propädeutikum zum Titelthema „Perverse“; außerdem untersucht Jonis Hartmann die Monetarisierung des Perversen in Exploitationfilmen. Michael Helming spaziert über das Schlachtfeld von Königgrätz und denkt über Kriegsgeilheit und Pädophilie von Platon bis Schopenhauer nach. Alles weitere über Pädo- und Zoophilie, Bestialität, Narzissmus, Heideggers Schwarze Hefte, Postmoderne, Kellerasseln und islamische Mystik steht halt nur im neuen Heft, dessen Bestellung mit Lustgewinn verbunden ist.

In den kommenden Tagen folgen wie üblich die E-Book-Fassungen für Kindle und im epub-Format, erhältlich u.a. bei den Kollegen der E-Book-Boutique minimore.de - wo man überhaupt sehr gut Elektroliteratur shoppen kann!



Links der Woche am 14.06.2014, 14:47 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 24/14

Leben und Sterben eines Gangsters

Im Freitag portraitiert der Gefängnispsychologe Götz Eisenberg den Räuber Thomas S., dessen Herkunft ihn nicht gerade zu dem Schwerkriminellen prädisponierte, dessen Tod er nach Einsicht und Buße starb. Ein interessanter Essay über das ganz andere Leben der schweren Jungs - u.a. mit Hegel, Marcuse und Theweleit. (05.06.14)

Turing oder nicht Turing

In dieser Woche meldete die Universität Reading, einer ihrer Computer habe pünktlich zum 60. Todestag Alan Turings den Turing-Test bestanden. Die taz interviewte daraufhin testweise den eigenen Medienticker, die NZZ fasste die einhellige Skepsis gegenüber dem angeblich geglückten Versuch zusammen und TechDirt hat eine Liste mit Gründen zusammengestellt, warum die Meldung völliger Quatsch ist.

Renaissance der Renaissance

Der Baseler Philoprof Arno Schubbach stellt in der NZZ den Begründer der Ästhetik, Alexander Gottlieb Baumgarten anlässlich seines 300. Geburtstags vor. Der pietistische Wolff-Schüler sann - wenn auch in dunkler Sprache - als Erster der eigenen Wahrheit der schönen Künste nach, die bis heute bekniffelt wird. (13.06.14)

Et cetera:

Jürgen Kaube weist in der FAZ mit seiner üblichen Suffisanz auf Studien zu Psychologie-Studien hin, welche von jenen recht oft als halbseiden bis hanebüchen entlarvt werden. +++ Gerade ist Fußball und wer standesgemäß klug mitreden will, der lese die kosmologische Exegese diverser Nationalflaggen des Astronomen Florian Freistetter. +++ Die WELT stellt Peter Sloterdijks neues Buch vor, in dem er der Frage nachgeht, warum so schlechte Stimmung herrscht und der Vatermord die Triebfeder der Geschichte ist. +++ Für den Freitag unterhält sich Helena Neumann mit der ungarischen Philosophin Ágnes Heller über die Lage in ihrem Heimatland sowie über Hannah Arendt und das Subjekt. +++ Im Freitag lesen wir außerdem ein Portrait des Philosophen, Literaturwissenschaftlers und Hipsters Armen Avanessian, der als Herausgeber des Akzelerationismus-Sammelbands bekannt geworden ist. +++ Kommende Woche erscheint der neue Lichtwolf (diesmal über „Perverse“) - hier kriegen Sie das Abo, das Ihnen noch fehlt!


Links der Woche am 07.06.2014, 14:22 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 23/14

Baldurians Esel vorm Shampoo-Regal

Jede Entscheidung vernichtet unzählige von Möglichkeiten und weil wir damit nicht zurecht kommen, pflegen wir eine „Kultur der Unentschiedenheit“, wie sie die Philosophin Renata Salecl (Ex-Frau von Slavoj Žižek) in ihrem neuen Buch beschreibt. Andrea Roedig stellt es im Freitag vor und hätte sich präzisere psychoanalytische Kapitalismuskritik gewünscht. (03.06.14)

Überall automatisch ausgebildet

Im vierten Teil seiner Essayreihe „Der Unterricht im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit“ kommt Matthias Becker bei Telepolis auf die ökonomischen Bedingungen der industrialisierten (digitalisierten?) Pädagogik zu sprechen. Mit Milton Friedman müsste die globalisierte Bildungswelt im Internet der feuchte Traum eines jeden Neoliberalen sein. (03.06.14)

Transnewtonianische Wunderwelten

Ulf von Rauchhaupt portraitiert für die FAZ den Kosmologen „Mad Max“ Tegmark. Dessen mehrstufige Multiversum-Theorie gilt längst nicht mehr als irrer Scheiß, sondern lässt sich aus einem unendlich großen Universum und der Quantentheorie folgern. Wenn Sie hier nicht darauf klicken, klicken Sie anderswo ganz bestimmt darauf. (06.06.14)

Außerdemos von Sonstnochos:

Christoph Borgans erklärt in der FAZ die kafkaeske Verwendung des Adjektivs „kafkaesk“. +++ Zum D-Day-Jahrestag erklärt Christian Hesse im ZEIT-Blog, was Wichteln mit Kryptographie zu tun hat und wie Alan Turing den Zweiten Weltkrieg gewann. +++ Die FR vergleicht Ronald Dworkins neues Buch, in dem er das Programm eines religiösen Atheismus entwirft, mit ähnlichen Schriften. +++ Apropos: Der Papst hat in der Jerusalemer Gedenkstätte Yad Vashem die Theodizee-Frage gestellt, worüber der Theologe Jan-Heiner Tück in der NZZ nachdenkt. +++ Bald ist Fußball-WM und wie in den Vorjahren versuchen sich manche an der Versöhnung von Denk- und Ballsport: Lothar Struck bespricht bei Glanz & Elend Martin Gessmanns vielversprechenden Essayband „Mit Nietzsche im Stadion“.


Links der Woche am 31.05.2014, 14:37 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 22/14

„Alles Lüge“ ist immer wahr

Bestimmt haben Sie schon von diesen neuen Montagsdemos gehört, bei denen weder ein demokratischer Sozialismus noch Solidarität statt Ausgrenzung gefordert wird, sondern allerhand: Schluss mit dem Blutdurst der EU, der Medien- und Weltverschwörung, Chemtrails, Genfood usw. Martin Ballaschk untersucht bei den SciLogs diese Verschwörungstheoretiker und Klimaskeptiker auf die gemeinsame Pathologie. (22.05.14)

Keine Finanz-, eine Ideenkrise

Statt Vertrauen erweckt die krisenhafte Demokratie Argwohn, schreibt Jan Schoenmakers bei Telepolis und sieht die Ursache vor allem in scheiternder Kommunikation. Der Rationalismus, aus dem unsere Institutionen hervorgegangen sind, ist heimlich dem weniger anspruchsvollen Pragmatismus gewichen; dazu sollte man stehen, anstatt auf Werten zu beharren, die längst der Funktion geopfert sind. (25.05.14)

Am Ende ist alles eins

Arno Widmann hat für die FR den koreanischen Religionswissenschaftler Hee Sung Keel portraitiert. Die religiöse Vielfalt scheint Korea zum idealen Ort zu machen, um hinter buddhistischer Mystik, Meister Eckhart und Christentum ohne Altes Testament Erlösung und den einen Glauben zu ergrübeln. (30.05.14)

Unn sünst?

Für die FAZ hat Luisa Maria Schulz notiert, auf welche Philosophen sich Wladimir Putin neuerdings so in seinen Reden bezieht. +++ Falls Sie noch nicht genug haben: noch ein Heidegger-Portrait über Leben, Fragen und Denken des Todtnaubergers, diesmal von Alfried Schmitz für den Deutschlandfunk. +++ Neulich wurde vermeldet, der Schweizerische Nationalfonds wolle künftig ganz auf Digital- statt Druckförderung setzen; nun schimpft auch Uwe Justus Wenzel in der NZZ über die vermeintlich neue Offenzugänglichkeit. +++ In der FAZ unterhält sich Nils Minkmar mit Jürgen Habermas über den Machtpoker in Brüssel und den exekutiven Angriff auf die Demokratie nach den Europawahlen. +++ Felix-Emeric Tota portraitiert im Freitag den geächteten Antisemiten und Nihilisten Louis-Ferdinand Céline, der „vor Camus, Sartre und Genet die Grundsteine der existentialistischen Literatur“ legte.


Links der Woche am 24.05.2014, 14:50 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 21/14

Der große Verkomplizierer

Nils Markwardt stellt im Freitag Pierre Bourdieus Vorlesungen am Collège de France von 1989 bis 1992 vor, in denen sich der engagierte Denker ganz an sein Motto hält: „Soziologie ist ein Kampfsport, den man zur Verteidigung gebraucht und in dem Fouls streng verboten sind.“ Innendrin weist er den modernen Staat u.a. als unübersichtliche Konzentration symbolischer Ressourcen auf. (22.05.14)

Auf der ganzen Welt eingeschrieben

Massive Open Online Courses (MOOCs) beschäftigen schon seit einer Weile das Feuilleton. Nun hat Friedemann Bieber für die FAZ mal den Selbstversuch gewagt und beschreibt, wie er ein Seminar des Historikers Bernard Cooperman digital besucht hat. (22.05.14)

Wer schreibt, der bleibt

Der Schweizerische Nationalfonds will künftig nur noch Digitalisate fördern. Michael Hagner wehrt sich in der NZZ dagegen, gedruckte geisteswissenschaftliche Bücher allen Unkenrufen zum Trotz grundsätzlich infrage zu stellen. Open Access eigne sich gut für Fachartikel, doch die aus guten Gründen gemächliche Geisteswissenschaft sei auch künftig besser zwischen Buchdeckeln aufgehoben. (23.05.14)

Wie man intelligente Kühlschränke anzeigt

Bei Telepolis schreibt der Technikjurist Eric Hilgendorf über Recht und Ethik angesichts der Maschinisierung des Menschen und des Fortschritts hin zu moralischen Maschinen. Deren wachsende Autonomie wirft nämlich neben Datenschutz- auch Haftungsfragen auf, die es vor dem blinden Sturm in den Transhumanismus zu behandeln gälte. (24.05.14)

Außerdemchen:

Michael Girke bespricht im Freitag Canettis Buch gegen den Tod. +++ In der NZZ bespricht Peter Geimer den Ästhetikband „Theorien der Gegenwartskunst zur Einführung“ von Juliane Rebentisch. +++ Ebendort stellt Roman Veressov eine Anthologie politischer Schriften von John Stuart Mill vor. +++ Da der Lichtwolf nach wie vor eng seinem Bethlehem im Breisgau verbunden ist, weisen wir hier gerne auf das hochinvestigative Lokalblog „Freiburg heute“ hin. +++ Im jüngsten Kuchensucher-Newsletter präsentiert Georg Seeßlen ein bajuwarisch-philosophisches Gedicht aus der Feder des postsituationistischen Lyrikers Edgar P. Kuchensucher. +++ Es sei hier noch einmal höflichst auf die ausführliche Nachlese zu Heideggers Schwarzen Heften hingewiesen, die in der kommenden Lichtwolf-Ausgabe (Titelthema: „Perverse“) in Kurzform enthalten sein wird.


Philosophistik & Misosophie am 18.05.2014, 16:10 Uhr

Was vom gekränkten Nationalontologen bleibt

Der oberste Lichtwolf-Verweser hat sich für einige Wochen in Klausur begeben mit Ostfriesentee, Spätzle und den Schwarzen Heften, deren Erscheinen in der Gesamtausgabe eine monatelange Debatte um Martin Heideggers nun endgültig bewiesenen Antisemitismus ausgelöst hatte. Die Nachlese mit Links und Textbelegen gibt es nebenan bei Glanz & Elend: einmal Teil 1 und einmal Teil 2; kann man dort auch als PDF runterladen.

Wem das viel zu viel Text ist, warte die kommende Lichtwolf-Ausgabe ab, in der eine Kurzfassung (ohne Links und Textbelege) stehen wird.

Auch sehr empfehlenswert, weil gewohnt differenziert und überdies zum bequemen Anhören, ist Walter van Rossums Exegese der Schwarzen Hefte im Deutschlandradio Kultur.


Links der Woche am 17.05.2014, 15:13 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 20/14

Digital Humanities are here, everywhere

Ulrike Heitmüller unterhält sich bei Telepolis mit Gregor Horstkemper, einem der Koordinatoren des Zentrums für digitale Geisteswissenschaften darüber, wie in Bayern und anderswo elektronische Ressourcen künftig und zurück bis ins Mittelalter angelegt, vernetzt und erschlossen werden. (10.05.14)

Neues für die Massen-Universität

Für die FAZ hat Jürgen Kaube die Hamburger Streitschrift gegen die Bologna-Reform und die Amerikanisierung des deutschen Hochschulwesens gelesen. Ihr Autor Dieter Lenzen will statt employability zurück zur Persönlichkeitsbildung, die aber - so Kaube - nicht zu haben ist, ohne dass die im Massenbildungsbetrieb vernachlässigte Allgemeinbildung nachgeholt wird, wie es eben in angloamerikanischen Colleges üblich ist. Telepolis übrigens stellt eine Studie des Deutschen Zentrums für Hochschul- und Wissenschaftsforschung vor, derzufolge die weiter steigende Studienanfängerquote die Wirtschaftsentwicklung Deutschlands bedrohen könnte. (Vor allem, wenn die alle Philosophie studieren statt Fachkraft zu werden!)

Beckmesserei

Der Soziologe und Gegenwartsdiagnostiker Ulrich Beck ist diese Woche 70 geworden (Glückwunsch!) und wird in der NZZ für seine kosmopolitische Weltrisikoanalytik gewürdigt. Nebenan in der FAZ führt er ein interessantes Gespräch mit seinem Kollegen Bruno Latour über die politische Ohnmacht gegenüber der Erderwärmung und ihren Folgen, in dem Carl Schmitts Denken die Rettung in der Not verspricht.

Et cetera:

Thomas Pikettys Buch über den Kapitalismus im 21. Jahrhundert verkauft sich trotz (oder wegen) seiner Forderung nach höheren Spitzensteuersätzen wie geschnitten Brot. Robert Misik zeigt sich in der taz genauso begeistert von Pikettys Problematisierung des Reichtums wie Will Hutton im Freitag. +++ Bei Getidan/im EPD denkt Georg Seeßlen darüber nach, wie Kriegsfilme auf die neue Unübersichtlichkeit der Kriegsführung im 21. Jahrhundert reagieren. +++ Rudolf Walther runzelt in der taz kräftig die Stirn angesichts Alain Finkielkrauts konservativ-kulturpessimistischem Lamento über Dekolonialisierung, Migranten und Frauen in Jeans.


Links der Woche am 10.05.2014, 14:57 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 19/14

Philosophisch war nicht so viel los diese Woche: Das Subjekt hat sich im Objekt als Ware verloren, schreibt Georg Seeßlen in seinem Blog, und deshalb gilt dem denkenden Subjekt alle Verachtung im postdemokratischen Kapitalismus. +++ Apropos: BHL kauft nicht bei Kik und erklärt es uns in der FAZ. +++ Der Freitag unterhält sich mit dem Philosophen Sre?ko Horvat über eine nymphomanische Bewusstseinserkundung der Linken und Sponsorverträge für emanzipatorische Bewegungen.


Links der Woche am 03.05.2014, 13:00 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 18/14

Keine Freiheit nirgends

Hannah Arendts Buch „Über die Revolution“ ist während des arabischen Frühlings im Nahen Osten fleißig rezipiert worden, berichtet Wolf Lepenies in der WELT. Es zeigt allerdings vor allem das Scheitern der Revolten an dem Ziel, eine freiheitliche Ordnung (und eine Lösung des Nahost-Konflikts) zu erringen. (27.04.14)

Feindbild Handelspartner

Georg Seeßlen blickt in seinem Blog auf den Ukraine-Konflikt und die Rolle der ökonomischen und medialen Eliten hüben wie drüben. Die haben es nämlich nicht leicht, einerseits populistische Sündenböcke vorzuführen, mit denen trotzdem weiterhin lukrative Geschäftsbeziehungen laufen sollen. Bezahlen werden die, die eigentlich ihre Freiheit wollten. (30.04.14)

Unn sünst?

Die taz befragt den französischen Philosophen Étienne Balibar zur linken Perspektive auf Europa. +++ Christiane Gaethgens (Gründungsmitglied des deutschen Akkreditierungsrates) nimmt in der FAZ die Akkreditierung von Studiengängen in Schutz - wenn die Verfahren rechtssicher und weniger bürokratisch gestaltet wären, kämen sie der Autonomie der Hochschulen zugute. +++ Bei Glanz & Elend bespricht Goedart Palm den Nietzsche-Roman „Bis dass der Tod uns meidet“ von Alexander Peer.


Links der Woche am 26.04.2014, 14:21 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 17/14

Glauben, ohne es zu wissen

Ulrike Heitmüller findet bei Telepolis, Politik könne auch sowas wie Religion sein, etwa der Kommunismus. Nun müsste man erstmal klären, was Religion ist, um den Kommunismus daraufhin abzutasten, wie es der Philosoph Michail Ryklin tut; ähnlich untersucht die Theologin Karen Armstrong den Fundamentalismus. (20.04.14)

Grammatik und Ökonomie

Georg Seeßlen stellt in seinem Blog die Frage nach dem autonomen Subjekt als Maß und Bedingung demokratischer Verhältnisse. Es gibt nämlich auch politische Subjekte wie „den Markt“ oder „das Wachstum“, denen es wie jedem Subjekt um absolute Freiheit geht; in der Postdemokratie tummeln sich ungezählte Spielarten von Subjekterfahrung, -beziehungen, -kulten, -schmelzen und -verwandlungen. (23.04.14)

Unsere Philosophie ist die Philosophie

Und nochmal Seeßlen, der diese Woche unter dem Aufruf „Occupy Philosophy!“ über das Grundrecht auf das Darauflosdenken und die Gesamtlage der Philosophie nachdenkt. Weisheit, Humor und Schönheit finden alle toll, sind aber nichts für „die Leute“. Philosophie wird immer schwieriger, Berufsphilosoph ist ein Beruf und Nachdenken längst die Vorstufe der Dissidenz. (25.04.14)

Das Vermischte und Geschiedene:

Seeßlen zum Dritten bzw. Zweiten, das mit „Wetten, dass...?“ zugleich die Inszenierung der harmlosen Konsensgesellschaft beerdigt, wie er im Freitag schreibt. +++ Der Ökonom Thomas Piketty zeigt, dass die wachsende Kluft zwischen arm und reich den Kapitalismus zerstört, wie im Freitag zu lesen ist. +++ via der blinde Hund: Der ZEIT-Leser Martin Sand nimmt sich einiger (v.a. von Naturwissenschaftlern) gepflegter Vorurteile gegenüber dem Philosophie-Studium an. +++ Bei Glanz & Elend bespricht Dieter Kaltwasser die großen Neuerscheinungen zum 150. Geburtstag von Max Weber. +++ Ein neues Buch versammelt die besten Witze aus Slavoj Žižeks Schriften zum mitlachen und nachdenken. +++ Die Faszination und die ihr zugrunde liegende politische Persönlichkeits-Präsentation Putins lässt Hans Ulrich Gumbrecht in seinem FAZ-Blog an Mussolini denken. +++ Robert Spaemann hat ein eher religiöses als philosophisches Buch über die Psalmen 1–51, das in der NZZ vorgestellt wird. +++ Der Wissenschaftsrat fordert in einem Positionspapier mehr Wissenschaftsforschung, die aber bitte bloß rein empirisch bleiben soll, wie Jürgen Kaube stirnrunzelnd in der FAZ berichtet.


Links der Woche am 19.04.2014, 14:13 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 16/14

Fragen, Antworten, Fragen

Lutz Hachmeisters Buch über die Hintergründe des SPIEGEL-Interviews mit Heidegger von 1966 kam gerade recht zur anhaltende Debatte um die NS-Verstrickung des Fundamentalontologen. Lothar Struck bespricht bei Glanz & Elend mit vielen nützlichen Links das Buch, das an seinem umfassenden Anspruch scheitert und dennoch zeigt, warum und wie gern sich der SPIEGEL für Heideggers Selbstinszenierung als Nazi-Opfer einließ.

Denken unterwegs zum Frieden

Jakob Huber hat Kants Aufsatz „Was heißt: Sich im Denken orientieren?“ wiedergelesen und stellt Text wie Rezeption im theorieblog vor. Zunächst verortet er den Aufsatz im Pantheismusstreit Ende des 18. Jahrhunderts und referiert dann Kants Idee einer Topographie der Vernunft, ehe er deren politische Lesart für die globalisierte Welt vorstellt. (14.04.14)

Es blieb mehr, als geschrieben ward

Zum 150. Geburtstag erinnert Hans-Martin Lohmann in der FR an Max Weber. Der erzbürgerliche Universalgelehrte und Gründungsvater der deutschen Soziologie lebte im wechselvollsten Teil der deutschen Geschichte, seine Politiktheorie und Analytik der kapitalistischen Gesellschaft wirkt bis heute nach. (18.04.14)

E provincia lux

Gerade in Deutschland wurde lange Zeit kraftvolles Denken mit der Provinz verbunden, schreibt Hans Ulrich Gumbrecht in seinem FAZ-Blog. Da muss natürlich abermals Heidegger als Kronzeuge denkerischer Heimeligkeit her, der allem intellektuellen Kitsch zum Trotz doch ahnen lässt, warum provinzielle Verhältnisse (und seien es die des Silicon Valley) der Kontemplation zuträglich sind. (19.04.14)

Außerdemchen:

Bei Telepolis setzt Matthias Becker seine Reihe zum „Unterricht im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit“ fort; auch im dritten Essay untersucht er, wie die digitale Rationalisierung des Lernens und Lehrens Pädagogik und Bildung umkrempeln wird. +++ Die ZEIT stellt das Buch vor, in dem Emmanuèle Bernheim nahezu psychothriller-artig von der Sterbehilfe für ihren Vater erzählt. +++ Der Sammelband „How Reason Almost Lost Its Mind“ rekapituliert den Kalten Krieg als Goldenes Zeitalter der maschinenhaft kalten Rationalität und wird in der von sowas faszinierten FAZ besprochen. +++ Mara Delius berichtet für die WELT von einer Tagung über politische Romantik, bei der diverse hochkarätige Intellektuelle über die Spaltung zwischen Politik, Gefühl und Ästhetik diskutierten.


Links der Woche am 12.04.2014, 14:15 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 15/14

Selbstzensur im digitalen Zeitalter

Wer überwacht wird, ist nicht frei, so die Binse, die durch den seit bald einem Jahr schwelenden NSA-Skandal zu neuer Aktualität gekommen ist. Wie sehr die Massenüberwachung auch das Verhalten derer beeinflusst, die glauben, nichts zu verbergen zu haben, beschreibt Peter Galison in der FAZ unter Rückgriff auf Sigmund Freud. (07.04.14)

Die vorgemachte Mehrheit

Nach Sarrazin bedient nun auch Felidae-Autor Pirinçci den Markt der Endlich-sagts-mal-einer-Literatur. Über political correctness und Shitstorms als konstituierende Instrumente von (längst unmöglichen) Mehr- und Minderheiten und darüber, warum Markus Lanz dafür büßen muss, dass die Glotze nicht mehr einheits- und mehrheitsstiftend ist, schreibt Georg Seeßlen in seinem Blog. (07.04.14)

Kunstwerk im kapitalistischen Zeitalter

Nochmals Seeßlen: Diese Woche tastete er sich auch an das Wesen des Bildes als Kunstwerk heran. Es offenbart etwas und ist darin das Vorbild der reklamemäßigen Ware, doch je mehr diese entwertet wird, desto geheimnisvoller muss das Kunstwerk werden, bis es seinerseits zur wertlosen Ware in Oligarchenbesitz wird. (10.04.14)

Et cetera:

Uwe Justus Wenzel meldet in der NZZ den Tod des Religionskriminologen Karlheinz Deschner. +++ Bei Deutschlandradio Kultur stellt Matthias Dell den Sammelband „Der Tatort und die Philosophie“, der wie das Philosophie Magazin von Wolfram Eilenberger herausgegeben wird. +++ Christian Welzbacher bespricht im Freitag Sven Grzebetas Doktorarbeit und Insiderbericht, der sprachkritisch und ideengeschichtlich die „Ethik und Ästhetik der Börse“ herausfordert. +++ Der Musikkritiker und Poptheoretiker Mark Fisher hat einige seiner Aufsätze versammelt im Buch „Ghosts of my Life. Writings on Depression, Hauntology and Lost Futures“, das in der taz besprochen wird.


Links der Woche am 06.04.2014, 12:21 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 14/14

Markus Metz und Georg Seeßlen gehen ja berufsmäßig u.a. ins Kino, wo sie den Bibel-Fantasy-Kracher „Noah“ geguckt haben. Im Freitag wundern sie sich über die Rückkehr des Monumentalfilms als „Religiotainment“. +++ Harry Nutt bespricht in der FR Elias Canettis „Buch gegen den Tod“, das aus dem Nachlass des Todfeinds stammt. +++ Kant und Einstein hätten unter den heutigen Bedingungen nichts an den durchökonomisierten Unis werden können, erinnert Klaus Peter Weinert im Deutschlandradio Kultur. +++ Der Salem-Direx a.D. Bernhard Bueb hat ein neues Buch geschrieben, das pathetisch von der Macht der Ehrlichen schwärmt und für Michael Schefczyk (NZZ) an den entscheidenden Stellen schweigt. +++ Vor 20 Jahren nahm sich Kurt Cobain das Leben. Jens-Christian Rabe (SZ) schreibt, dass die letzte große Botschaft, die Cobain mittels Schrotflinte in die Welt brachte, bis heute nicht verstanden worden ist. Michael Pilz (WELT) schimpft dagegen über Popmärtyrertum und Gedenkpornographie. +++ Den aktuellen Lichtwolf Nr. 45 gibt es nun auch als E-Book für Kindle und im epub-Format.


Intime Interna am 05.04.2014, 11:30 Uhr

Lichtwolf Nr. 45 elektrisch

Die Frühlingsausgabe des Lichtwolf mit dem Titelthema „Spielchen“ ist jetze nicht allein als Heftsche im Einkaufszentrum und im Abo erhältlich, sondern auch als E-Book.

Lichtwolf Nr. 45 (Spielchen) E-Book

Lichtwolf Nr. 45 (Titelthema: „Spielchen“) ist ab sofort auch als E-Book für Amazon Kindle und im epub-Format erhältlich.

Wie gewohnt wird die elektrifizierte Fassung in zwei Farben angeboten, diesmal allerdings mit einem neuen Dreh. Lichtwolf Nr. 45 gibt es als E-Book

-für Amazon Kindle,

-im offenen .epub-Format via Libreka und

-neuerdings auch in der E-Book-Boutique minimore.de.

Ebendort bei minimore gibt es inzwischen auch alle elektrifizierten Lichtwölfe seit der Nr. 34 für kleines Geld.

E-Book-Ausgaben des Lichtwolf wurden (wahrscheinlich) gewaltfrei hergestellt, sind DRM-frei und kosten bloß 3,99 Euro, so auch die aktuelle Frühlingsnummer über den homo ludens und das Spiel des Lebens sowie Adorno, Katzen, Nazi-Romane und Svatopluk Turek.


Links der Woche am 30.03.2014, 14:14 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 13/14

Demokratisierung des Wissens = neoliberal

Die FAZ setzt ihre Reihe zu Digitalisierung und Geisteswissenschaften fort. Diesmal denkt Philip Mirowski über das Konzept der Offenheit in und von Forschung und Lehre nach. Dabei zeigt er sich einigermaßen skeptisch, ob das Internet und sein neoliberaler Begleitgesang die Lösung oder das Problem ist. (29.03.14)

Heidegger im Freitag

Auch der Freitag nimmt sich der feuilletonistischen Neuentdeckung Martin Heidegger an. Jürgen Busche bespricht Lutz Hachmeisters Buch über die Hintergründe des SPIEGEL-Interviews und zeigt sich etwas enttäuscht. Michael Jäger stellt sich auf die Seite der Heidegger-Ankläger und führt als Beweisstücke die Schwarze Hefte an, in denen sich der Todtnauberger als ganz gewöhnlicher Nazi zeigt.

Gemeinsamkeit von Bombenkrieg und Finanzwirtschaft

Steuergelder retteten in der Finanzkrise Banker vor den Folgen ihrer Gier und halten Politiker via Wahlgeschenke im Amt. Diese politische und ökonomische Verantwortungslosigkeit hat der Psychoanalytiker Erich Fromm schon vor Jahrzehnten als pathologisch beschrieben, wie Dirk Schümer in der FAZ in Erinnerung ruft. (29.03.14)

Verflucht bis ins neunte Glied

NZZ-Philosoph Uwe Justus Wenzel hat von der medialen Taufe der „Generation Maybe“ gehört, die auf X und Y folgt und auf Zigarettenreklame zurückgeht. Die Maybes sind 20-35 Jahre, haben sonst aber kaum noch was gemein außer ihrer Indifferenz. Weit mehr jedoch wundert sich Wenzel über die Inflation solcher Generationsetiketten. (29.03.14)

Et cetera:

Die NZZ schreibt einen Nachruf auf den Religionsphilosophen Eugen Biser. +++ Die Greifswalder Politologin Hannah Bethke regt sich in der FAZ über ihre illiteraten Studierenden auf. +++ via der blinde Hund: Sarah Adams schreibt Gedicht über Philosophen. +++ Es gibt übrigens eine neue Lichtwolf-Ausgabe (Thema: Spielchen) und in der E-Book-Boutique minimore sind auch Lichtwölfe als epub erhältlich.


Intime Interna am 23.03.2014, 11:52 Uhr

Das neue Heft ist da!

Fun and Games zur Frühlingszeit.

Die Frühlingsausgabe des Lichtwolf beschäftigt sich mit dem Titelthema „Spielchen“ und ist ab sofort im Einkaufszentrum und im Abo erhältlich.

Lichtwolf Nr. 45 (Spielchen)

Lichtwolf Nr. 45 (Titelthema: „Spielchen“) darf ab sofort im Einkaufszentrum bestellt werden.

Innendrin im Heft geht es um den homo ludens und das Spiel des Lebens, um Rollen-, Beziehungs-, Kriegs- und Sprachspiele, um Spieltheorie, Räuber und Gendarm. Außerdem behandelt die Nr. 45 der „Zeitschrift trotz Philosophie“: Fun mit Adorno (der gleich mehrfach vertreten ist), Katzen, kontrafaktische Nazi-Romane und den vergessenen tschechischen Arbeiterschriftsteller Svatopluk Turek.

Zu Recht sind Sie skeptisch, ob 96 Seiten im DIN-A4-Paperback mit handgemachten Illustrationen wirklich die 7,80 Euro (inkl. Versand) wert sind, wenn das so ostentativ in diesem Bescheißer-Internet angepriesen wird. Wenn Sie mögen, können Sie sich also erstmal die Leseprobe (Lichtwolf Nr. 45 (Frühling 2014), S. 2-11) als PDF-Datei herunterladen (1,63 MB). Oder Sie blättern durch Auszüge aus der Nr. 45 im LichtwolfReader. Online verfügbar sind die folgenden Beiträge:

-die Einleitung ins Titelthema,

-Bdolfs „Propädeutikum und Prolegomena zum Thema“,

-Gina Reimanns „Wenn nichts mehr geht“ sowie

-der Anfang von Michael Helmings spieltheoretischer Borges-Krimi-Exegese.

Wurde schon erwähnt, dass man den Lichtwolf abonnieren kann?



Links der Woche am 22.03.2014, 14:52 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 12/14

Leben und Liebe im Exil

Der Philosoph Michail Ryklin hat ein Buch über seine Frau Anna Altschuk geschrieben, die 2008 tot in der Spree aufgefunden und als Kreml-Kritikerin verkauft worden ist. Ryklin und Altschuk waren nach ihren religionskritischen Ausstellungen aus Russland exiliert, so ist das Buch eine persönliche und zugleich politische Entfremdungsgeschichte, wie Ekkehard Knörer im Freitag schreibt. (19.03.14)

Tor gegen Aristoteles

Demnächst ist wohl irgendwas mit Fußball - und damit auch die Zielgruppe mitreden kann, informiert uns Raúl Rojas bei Telepolis über Flugbahntheorien aus der Zeit, als Physik noch ein Teilgebiet der Philosophie war, und was die (post)aristotelische Impetustheorie für Torwart und Stürmer bedeutet. (19.03.14)

Chickengame auf der Krim

Joachim Müller-Jung von der FAZ unterhält sich mit dem Spieltheoretiker Manfred Milinski über Drohkulissen, Entscheidungen und Optionen in der Krim-Krise, für die Modell und Kalkül nur dann taugen, wenn Putin und der Westen tatsächlich rationale Spieler sind. (20.03.14)

Vernichtungskrieg zur Überwindung der Metaphysik

Heidegger hat seine seit Wochen umraunten Schwarzen Hefte absichtlich ans Ende der Gesamtausgabe platziert, schreibt Thomas Asshauer in der ZEIT und empört sich nicht zu knapp („philosophischer Wahnsinn“, „Gedankenverbrechen“). Denn Heidegger hatte sich den Notizen nach von allem mehr erhofft: von Hitler, vom Subjekt, vom Volkswillen, vom Untergang und von der Entjudung. (21.03.14)

Fragen des Fraggens

Hy Quan Quach informiert uns auf Gamona über Camper Killer Commentary, den Youtube-Kanal eines gewissen Mr. Siff, der darin den Fragen des Fraggens von Campern nachgeht - aber wohl auch philosophischen (oder was man in der Gamer-Szene dafür hält); allerdings wohl nicht der, ob und wann es moralisch vertretbar ist zu campen. (22.03.14)

Nachher gibt es hier noch den neuen Lichtwolf - also bleiben Sie dran oder abonnieren Sie das Ding prophylaktisch!


Links der Woche am 15.03.2014, 14:30 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 11/14

Der ewige Heidegger

Als „Dokumente der Niedertracht“ bezeichnet Jürgen Kaube, Weber-Biograph und Geisteswissenschaftler der FAZ, mit der Geste des letzten Worts die Schwarzen Hefte Heideggers. Zitatreich weist er den Antisemitismus, Nazismus und Narzissmus in den Notizen der 30er Jahre des 20. Jahrhunderts nach.

Im Zuge der seit Wochen anhaltenden Debatte ist nun auch ein Buch über das SPIEGEL-Interview mit Martin Heidegger von 1966 erschienen. Abermals Jürgen Kaube führt ein ins Gerede und Heideggers Egomanie und stellt das von Lutz Hachmeister herausgegebene Buch als Gruppenportrait einer unvollständig entnazifizierten Bundesrepublik vor. Auch Uwe Justus Wenzel von der NZZ hat es gelesen und staunt über den SS-Mann vom SPIEGEL im Gespräch mit dem NS-Rektor, die sich gegenseitig ihrer missverstandenen Unschuld versichern. Die taz zu guter Letzt unterhält sich mit dem Autor Lutz Hachmeister über die devote Haltung des SPIEGELs und Heideggers Internet-Kritik.

Die Elektrifizierung der freien Künste

Die FAZ hat eine neue Reihe zur Digitalisierung der/in den Geisteswissenschaften gestartet. Eröffnet wird sie von Hans Ulrich Gumbrecht, demzufolge Epistemologie schon immer technologisch überformt wurde, aber nun in einem epochalen Ausmaß, dem bloß mit „Digital Humanities“ nicht gerecht zu werden ist. Drum formuliert er vier Desiderata zum Bedenken der „Welterschließung unter elektronischen Bedingungen“. Sodann legt Claus Pias los, indem er der „Gegenwartsvergessenheit“ mit einer Ideengeschichte der Systemtheorie und Kybernetik beizukommen versucht. Deren Erkenntnisideal einer Vorhersage der Zukunft zum Zweck ihrer Kontrolle ist längst auch das von Politik und Wirtschaft (und Literaturbetrieb?).

Künftig alles (halb) im Netz

Matthias Becker schließt bei Telepolis an seinen Januar-Beitrag zum „Unterricht im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit“ an: Mit Blick auf die Situation in den USA beschreibt er, wie MOOCs das Bildungssystem umformen werden und welche Sorgen und Hoffnungen mit der digitalen Kommodifizierung von Bildung verbunden werden. (14.03.14)

Unn sünst?

Matt Russell und Nick Gibb machen Comics für die Zielgruppe: „Dead Philosophers in Heaven“ (Die Niveauhöhe kann produktionsbedingt variieren.) +++ Die Kollegen vom unabhängigen Muckemagazin De:Bug geben nach 16 Jahren auf. +++ Lohnt ein Studium?, fragt Florian Rötzer bei Telepolis natürlich rein egobetriebswirtschaftlich, betrachtet Angebot und Nachfrage auf dem Arbeitsmarkt und urteilt: Nö. +++ Jonathan Rée stellt im Freitag/Guardian das neue Buch von Terry Eagleton vor, in dem das philosophiehistorische Scheitern des Atheismus dargelegt wird. +++ Elias Canettis Aufzeichnungen und Notizen über Tod und Unsterblichkeit wurden zu einem „Buch gegen den Tod“ zusammengefasst, das Martin Meyer von der NZZ nicht gerade vom Hocker reißt. +++ Der neue Lichtwolf mit dem Titelthema Spielchen ist unterwegs und wird Ende kommender Woche in den Briefkästen der Abonnenten sein.


Links der Woche am 08.03.2014, 14:24 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 10/14

Non schola sed vitae

Studium fertig, aber erstmal was ganz anderes machen als man gelernt hat? Die ZEIT hat einige Uni-Absolventen aufgestöbert, die sich jenseits ihrer ECTS-Felder verdingen: Physiker auf dem Bau, Architektin hinter dem Tresen, Bioniker in der Grundschule, Politologe im Callcenter. Sehr hilfreich sind wie immer die Kommentare der ZEIT-Leserschaft.

„No pasarán!“

Der philosophische Lautsprecher Bernard-Henri Lévy ließ sich nicht lumpen, sondern seinem Boykottaufruf Taten folgen und hat sich auf den Euromaidan in Kiew begeben. Seine dort gehaltene Rede ist (inkl. des Hitlervergleichs, den Hillary Clinton plagiiert hat) in der FAZ nachzulesen. (03.03.14)

Mal eben kurz

Micha Brumlik schreibt in der taz über Heideggers Schwarze Hefte und Walter Mignolos Buch „Epistemischer Ungehorsam“ (2012). Beide Autoren verbinden ihre Kritik des westlich-instrumentellen Denkens mit fast bzw. ziemlich antisemitischen Gedanken über das Judentum und seinen (globalen) Einfluss auf die Weltgeschichte. (04.03.14)

Außerdemos von Sonstnochos:

Die taz unterhält sich mit dem Philosophen Nikos Dimou über sein seit Winckelmann in Europa idealisiertes Heimatland und die Krise. +++ Auch die ZEIT freut sich über Alain de Bottons Synthese von Tiefsinn und Boulevard auf The Philosopher’s Mail. +++ Maik Söhler von der taz hat mal wieder das gute, alte Civilization mit philosophischem Anspruch gespielt. +++ „Du sollst nicht funktionieren!“, fordert Ariadne von Schirach in ihrem neuen Buch, das von der taz eher kurz vorgestellt wird. Ziemlich hin- und hergerissen zeigt sich Antonia Baum in der FAZ von Schirachs Gegenwartskritik, während Tina Klopp in der ZEIT der Autorin Thesenarmut vorwirft. +++ Nebenan bei Glanz & Elend zeigt sich der gute Kollege Jürgen Nielsen-Sikora wenig überzeugt vom Neuen Realismus, den Markus Gabriel mit seinem Buch „Warum es die Welt nicht gibt“ begründen will.

Frauen

Anlässlich des heutigen Weltfrauentags wollen wir auch nur mal hallo sagen.


Links der Woche am 01.03.2014, 14:28 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 09/14

Land der Richter und Henker

Die großen deutschsprachigen Dichter und Denker waren alles Rassisten und Antisemiten, aber keiner will darüber sprechen, schimpft Patrick Spät bei Telepolis. Da auch Heideggers „Schwarze Hefte“ verharmlost werden, hat Spät eine List mit antisemitischen oder rassistischen Sentenzen von Luther, Kant, Hegel, Fichte, Wagner, Heidegger und - Trommelwirbel - Hannah Arendt zusammengestellt. (23.02.14)

Arschoffener Zugang

Wie die ZEIT meldet, sind seit 2008 120 computergenerierte Artikel in Fachzeitschriften gelandet, auch in solchen, die sich einer peer review rühmen und Uni-Bibliotheken stolze Summen für ein Abo abnehmen. Nun könnte man das als weiteres Indiz für die Überlebtheit des Wissenschaftsverlagswesens ansehen, doch nicht Roland Reuß: Der seit Jahren gegen Open Access kämpfende Germanist klagt in der FAZ die maoistischen Pläne Baden-Württembergs an, Open Access verbindlich für staatlich besoldete Wissenschaftler zu machen. Einen ganz anderen Zugang stellt uns die taz mit Alain de Bottons populärphilosophischem Web-Projekt vor, das über seine Yellow-Press-Aufmachung philosophische Erörterungen in die Birnen seiner gossip-geilen Leserschaft schmuggeln will: The Philosopher’s Mail.

Allein gegen eine Welt voller erfundener Feinde

Georg Seeßlen hat Thilo Sarrazins neues Buch gelesen und berichtet im Freitag, wie er darin auch etwas anderes als Rechtspopulismus zu finden versuchte. In der Tat lässt sich das Buch wie die Krankenakte eines Mannes (bzw. eines ganzen Landes) mit schwerer narzisstisch-paranoider Persönlichkeitsstörung lesen: einsam, unglücklich, egoman. (27.02.14)

Jüngere und jüngste Absolventen

Das Abi nach 12 Jahren ist überall auf dem Rückzug. Tilman Spreckelsen rekapituliert in der FAZ, wie im bildungsökonomischen Jugendwahn manche pädagogische Chance vertan wurde und warum die um ihre Kinder besorgten Eltern dem G9 den Vorzug vor Drillanstalten geben. (28.02.14)


Links der Woche am 22.02.2014, 14:21 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 08/14

Nachtrag zum Valentinstag

In der FAZ schreibt Stefan Niggemeier gewohnt klug über den Unterschied zwischen Toleranz und Akzeptanz: Auf letztere müssen Homosexuelle et.al. auch weiterhin warten. Denn der Mainstream meint, Toleranz müsse ausreichen, um das Tolerierte künftig wieder in Ruhe geringschätzen zu dürfen. (15.02.14) (Die gute Nachricht: Homophobie verkürzt die Lebenserwartung.)

Rosenkohlfressende Löwen mit Lätzchen

In Kopenhagen wurde eine Giraffe getötet und an Löwen verfüttert. Christina Hucklenbroich beschreibt in der FAZ, wie sich die Empörung darüber bald gegen die Empörten selbst richtete, aber auch, wie weit die von Zoosendungen und Reklame genährten Vorstellungen des Normalbürgers von Selbstverständlichkeiten der professionellen Tierhaltung entfernt sind. (19.02.14)

Et cetera:

Bernard-Henri Lévy findet Sotschi an sich schon schlimm genug, aber angesichts der von Polizisten ermorderten proeuropäischen Demonstranten in Kiew obszön: So ruft er via FAZ zum Boykott auf. +++ Im Tectum-Verlag erscheint der edierte Nachlass des Philosophen, Lektor und DZPhil-Herausgebers Wolfgang Harich. Die NZZ stellt Band 5 vor, aus dem Harichs Haltung im Hegel-Streit hervorgeht: Der Versuch einer Rettung Hegels vor dem Bannfluch Stalins trug mit zu Harichs Inhaftierung 1956 bei. Ein Portrait Wolfgang Harichs ist übrigens in Lichtwolf Nr. 28 zu lesen. +++ Nach langer Diskussion sind sie da und Jürgen Kaube hat sie für die FAZ gelesen: Heideggers „Schwarze Hefte“ mit Notizen von 1931 bis 38, deren erster Band weniger Antisemitismus als philosophischen Narzissmus offenbart; über Nutzen und Nachteil der Notizheftforschung generell denkt Tilman Spreckelsen ebenfalls in der FAZ nach. +++ Nochmals zur Erinnerung: Im Blog des Instituts für Polytoxikomanologie und Perspektivismus geht es weiterhin mit Debord und Marx um Ware und Spektakel.


Links der Woche am 15.02.2014, 14:15 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 07/14

Unser Universum gehört uns nicht

Vor einem Weilchen ging es schon mal um die Indizien, unsere komplette Welt könne bloß simuliert sein. Der leidenschaftliche Atheist Michael Szameit hat in einem Telepolis-Artikel die Wahrscheinlichkeitsrechnungen für die neueste Variante eines transzendentalen Demiurgen versammelt. (09.02.14)

Futurismus Reloaded

Bei Telepolis unterhält sich Peter Mühlbauer mit Armen Avanessian, der den seit Wochen diskutierten Sammelband zum Akzelerationismus herausgegeben hat. Da geht es um den Unterschied zwischen katastrophischer und epistemischer Beschleunigung, den affirmativen Hang des neo-primitivistischen Lokalismus und um die Bedeutung von Science Fiction für den Akzelerationismus als technophile Utopie. (10.02.14)

Gutes Chaos in allen Straßen

In Bosnien-Herzegowina wird quer durch alle Ethnien und Schichten gegen die Regierung demonstriert. Slavoj Žižek beschreibt im Guardian/Freitag die Unruhen als überfällige „Revolte gegen die nationalistischen Eliten“ und sieht - womöglich etwas voreilig - „etwas wirklich Emanzipatorisches“ in Gang kommen. (11.02.14)

Burschis allein zuhaus

Matthias Stickler schreibt in der FAZ über die Krise der Deutschen Burschenschaft: Der Dachverband ist vor allem mit ideologischen Grabenkämpfen beschäftigt, dabei ging es nach 1945 doch so gut los mit FDGO-treuen akademischen Männerbünden, die sich 1968 auch politisierten, wie Stickler in seinem Rückblick auf die Geschichte der Studentenverbindungen schreibt. (14.02.14)

Natur wird durch Messung gemacht

Physik befasst sich damit, was wir über die Natur sagen können: Was den Kantianer wenig wundert, bringt Physikphilosophen den Vorwurf des Mystizismus ein, schreibt Ulf von Rauchhaupt in der FAZ. Die neue Lehre des QBismus scheint die Absurditäten der Quantenwelt mit einem offenen Bekenntnis zu Subjektivität und Wahrscheinlichkeit allerdings überzeugend in den Griff zu kriegen. (15.02.14)

Bücher, Bücher, Bücher

Nebenan bei Glanz & Elend gibt es einige Rezensionen aus unserem Lach-, Sach- und Fachgebiet zu lesen: Gregor Keuschnig ist wenig überzeugt von Sloterdijks sozial- und medienphänomenologischer Börnepreisrede „Reflexionen eines nicht mehr Unpolitischen“; Georg Patzer stellt die Neuübersetzung von Montaignes Reisetagebuch vor und Schneidegger bespricht Andreas Steffens’ „Ontoanthropologie“.


Links der Woche am 08.02.2014, 14:08 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 06/14

Bologna hat Tutoren zu Mentoren gemacht, steht in der FAZ, die auf Geschichte und Wandel der studentischen Lehrkraft zurückblickt.

Die taz unterhält sich mit Daniel Strassberg über das Irrationale in der Vernunft und das Verhältnis von Philosophie und Wahnsinn.

Ebenfalls in der taz wird die Debatte um den Akzelerationismus fortgesetzt, ob und wie das technologische Potential einzusetzen wäre, um über den Kapitalismus hinauszugelangen.

Das PR in Professor: FAZ-Autorin Birgitta vom Lehn hat eine Uni angerufen und wundert sich, wie wenig sich die dortigen Wissenschaftler ohne Presseabteilung zu sagen trauen.

Ein Gesetzentwurf für Baden-Württembergs Hochschulen will die Wissenschaftler zu Open Access zwingen, meldet Jürgen Kaube in der FAZ und rekapituliert die Argumente von Befürwortern und Gegnern.

MOOCs aus den USA unterliegen fortan den Exportrestriktionen im Namen des Kriegs gegen den Terror, wie Telepolis kabelt.


Links der Woche am 01.02.2014, 14:20 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 05/14

Evolutionärer Überschwang

Der Naturalismus kommt den naturwissenschaftlich geprägten Scilogs-Lesern entgegen, weshalb der Biologe Ludwig Trepl es unternimmt, statt der üblichen geisteswissenschaftlichen Einwände dem Naturalismus mit eigenen Mitteln die Sicherheit zu nehmen: Ethik und Mathematik mögen evolutionär bedingt sein, können aber nicht darauf reduziert werden. (29.01.14)

Herr K. und die NSA

Der Germanist Reiner Stach schreibt in der WELT, wie aktuell Kafkas Schloss und Process heute sind. Dabei hat Herr K. aus P. keineswegs prophetisch die umfassende Überwachung durch Staat und Wirtschaft vorausgeahnt, sondern als Versicherungsangestellter das Prinzip von Daten, Macht und einem daran angepassten Bewusstsein verstanden. (31.01.14)

Rezensionen

Die taz bespricht eine der letzten Schriften des längst verstorbenen Medientheorikers Friedrich Kittler, die „Philosophien der Literatur“ als Teil seiner „Austreibung des Geistes aus den Geisteswissenschaften“. +++ Jürgen Kaube (FAZ) hat zum 150. Geburtstag von Max Weber dessen Biographie vorgelegt, die im Freitag sowie in der NZZ recht begeistert besprochen wird. +++ Akzelerationisten wollen die technologische Evolution beschleunigen, um den mit ihr verbundenen emanzipatorischen Fortschritt aus den Fesseln des Kapitalismus ausbrechen zu lassen: Das akzelerationistische Manifest hat inzwischen auch die Schweiz erreicht und wird in der NZZ vorgestellt. +++ Auch besprechen tut die NZZ Martin Saars Politische Theorie nach Spinoza: „Die Immanenz der Macht“.


Links der Woche am 25.01.2014, 14:34 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 04/14

Das alles wird die Bedeutung seines Werkes nicht schmälern

Für die ZEIT spricht Georg Blume mit dem französischen Philosophen François Fédier über Heideggers inzwischen auszugsweise vorliegende „Schwarze Hefte“ und den darin zum Ausdruck kommenden Antisemitismus. Entsprechende Passagen relativiert Fédier als absolut zeitgemäß oder allenfalls etwas doof und betont Heideggers Verachtung des Antisemitismus. (18.01.14)

Black Boxes in Uniform

Das Hamburger Gefahrengebiet ist offiziell keines mehr, hat aber Eindruck hinterlassen. Die FR unterhält sich mit dem Philosophen Daniel Loick über das Verhältnis von Recht und Exekutive, Polizei und Demokratie sowie über die Ambivalenz der bewaffneten Black Boxes in Uniform. (19.01.14)

Spinoza Reloaded

Weil sowohl Poststrukturalismus als auch Marxismus eine Renaissance erleben und sich trotz aller Unterschiede beide auf Spinoza beziehen, stellt Raul Zelik in der taz zwei Neuerscheinungen von Martin Saar und Christoph Dittrich über Spinozas Kompatibilität mit Materialismus und biopolitischer Kritik vor. (19.01.14)

Bremer Spektakelforschung

Das Institut für Polytoxikomanologie und Perspektivismus (IPuP) betreibt Spektakelforschung und veröffentlicht peu à peu die Untersuchung „Von der Ware zum Spektakel“ über Guy Debord Gesellschaft des Spektakels im Institutsblog: Vorwort, Einleitung und Von der politischen Ökonomie zur politischen Ästhetik. Heute Abend übrigens kann man spektakulärerweise das IPuP live in Bremen (Forschungsschwerpunkt: sexuelle Kuriositäten) erleben.

The cow says MOOC

Bei Telepolis nimmt sich Matthias Becker mit zahlreichen Links der „Massive Open Online Courses“ (MOOCs) an: Hinter dem Versprechen, jedem überall kostenlosen Bildfungszugang zu gewähren, wird schon fieberhaft nach tragfähigen Geschäftsmodellen gesucht, die den Charakter von Bildung allesamt verändern werden. Außerdem unterhält sich Becker mit LMU-Präsident Bernd Huber über MOOCs und die Zukunft der Lehre.

Totale - Körperöffnungen - „Minderjähriger“

Pornographie lässt sich nicht nur reimend mit Philosophie verbinden, wie Dietmar Dath in der FAZ vormacht: Er nimmt die ubiquitäre Netz-Pornographie und den Einsatz von Fick-Doubles in Lars von Triers „Nymphomaniac“ zum Anlass eines Essays über die tektonischen Ästhetik- und Moral-Verschiebungen zwischen Virtualität und Realität. (23.01.14)

Außerdemos von Sonstnochos:

Kann man immer wieder machen, solange man es noch machen kann: Michael Hesse unterhält sich für die FR mit dem 85-jährigen Noam Chomsky über das, worüber man sich mit Chomsky nunmal unterhält. +++ Warum ist nicht nichts?, frägt der Freitag und listet die 20 wichtigsten offenen Fragen der Menschheit auf. +++ Der Deutschlandfunk stellt uns Robert Gwisdek alias Käptn Peng und die Tentakel von Delphi als rappende Philosophen vor. +++ „Zwar herrschen im deutschen Hochschulsystem keine US-amerikanischen Zustände“ und Studi wird auch nicht so massiv wie anderswo vom Rektor ausgeplündert, gibt Ralf Klausnitzer im Freitag zu, beklagt aber die Schieflage in der Lehre, die durch den Exzellenz-Zirkus noch verschärft wurde. +++ Seit Tagen verbreitet sich ein altes Poetry-Slam-Video der 21-jährigen Julia Engelmann mit viraler Kraft in der Generation Y; David Hugendick wagt es in der ZEIT, den beliebten Besinnungsaufsatz als einreduziertes Hesse-Gesamtwerk nach dem Motto „LBS statt LSD“ abzukanzeln; da werden bestimmt einige ZEIT-Campusführer-Abos gekündigt worden sein.


Links der Woche am 18.01.2014, 14:09 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 03/14

Vom logischen zum magischen Denken

Im August hieß es, ein Computer habe die Existenz Gottes via Gödels Theorem bewiesen. Der Physiker Josef Honerkamp hat das auch gelesen, hebt in den Scilogs erstmal mit einer Geschichte der Logik an, um sich sodann in einigen logischen Denkgebäuden umzusehen und in ihnen eher Geschichten als computerisierbare Modelle zu entdecken. (15.01.14)

Arno-Schmidt-Woche

Aus Eigensinn gestorben: Zum 100. Geburtstag Arno Schmidts erinnert sich der Künstler Wolfgang Müller im Freitag, wie es sich wenige Kilometer vom monströsen Genie entfernt in der niedersächsischen Provinz aufwachsen ließ. Sodann blickt er noch auf Schmidts Jugendhass und auf die frühe Rezeptionsgeschichte von Schmidts Monumentalbuch „Zettel’s Traum“. Auch sehr gut: die dieswöchige Arno-Schmidt-Doku auf arte; außerdem, heute Abend im Radio: Die lange Nacht über Arno Schmidt im DLF.

Außerdemchen:

Für die taz würdigt Detlev Claussen Herbert Marcuses „Der eindimensionale Mensch“, das vor 50 Jahren erschien und Soziologie mit Revolte verband. +++ Die Standard unterhält sich mit Rahel Jaeggi über ihre Kritik der Lebensformen und was alles nicht Privatsache ist. +++ Eine Mehrheit der Deutschen ist für die Legalisierung der aktiven Sterbehilfe, meldet Telepolis, trotzdem soll selbst Beihilfe zum Suizid strafbar sein. +++ „Scheiß drauf!“: Thomas Mießgangs Kulturgeschichte der Unhöflichkeit von Punk bis Hiphop wird in der taz vorgestellt. +++ Burkhard Müller bespricht in der SZ das Buch „Krieg. Wozu er gut ist“, in dem Ian Morris - für Müller (der Edwin Starr offensichtlich nicht kennt) zu spekulativ - die organisierte Gewalt als Triebkraft zivilisatorischen Fortschritts ausmacht.


Links der Woche am 11.01.2014, 15:14 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 02/14

Kritische Theorie - da geht was!

Sebastian Dörfler berichtet im Freitag dankenswerterweise ebenso ausführlich wie subjektiv von der dreitägigen Berliner Konferenz mit dem Titel „Kritische Theorie – Eine Erinnerung an die Zukunft“, die wie im ersten Teil berichtet wird auf ziemlich großes Bedürfnis nach Welterklärung stieß; außerdem ging es um Postmoderne, Feminismus und die Abgrenzungsstrategien innerhalb der kritischen bzw. Kritischen Theorie. Im zweiten Teil vom zweiten Tag werden Referate und Diskussionen zu Autoritarismus, Patriarchat, Freud und Thesen zur Reformierung kritischer Theorie behandelt. An Tag drei ging es schließlich um die Kulturindustrie, die iranische Bombe und antideutsche Schreie nach Liebe.

Bunte Wochen

...beim Freitag, der zu Neujahr auf rosa Papier erschien, auf dem manch Artikel zum Qualium Farbwahrnehmung stand. Nils Markwardt etwa stellt diverse philosophische Farbtheorien vor - von „Jean-Luc Godards cinematischer Phänomenologie der Chromatik“ über Newton, Goethe und Aristoteles bis zu den Vorsokratikern. Außerdem gibt es ein Gespräch mit Philosophie-Professor Alex Byrne über die Unsichtbarkeit von Farben in der Wahrnehmungstheorie, die Unsicherheit der Optik und den praktischen Nutzen der philosophischen Beschäftigung mit der Farbwahrnehmung.

Alles Leben will was

Der sagenwirmal: Evolutionstheologe Michael Blume widmet sich bei den Scilogs einem Exkurs in einer laufenden Debatte zur Frage, ob und inwieweit wissenschaftliche und gesellschaftliche Entwicklung in der Evolutionstheorie enthalten ist oder sein kann und ob die Zwecke in der Natur beobachtbar, kontingent, emergent oder hineingedeutet sind. (08.01.14)

Badiou, die alte Wolfseule

Abermals Nils Markwardt (s.o.) unterhält sich für den Freitag mit Alain Badiou über seine Beteiligung an der Kontroverse zwischen Sartre und Camus, über den Arbeitsmigranten aus marxistischer und reaktionärer Perspektive, über taktischen Wahlboykott, Feindschaft und die Vereinigung von Frankreich und Deutschland. (09.01.14)

Rezensionen

In der taz wird Hartmut Rosas neues Buch „Beschleunigung und Entfremdung“ besprochen. +++ Die NZZ stellt László F. Földényis Buch „Starke Augenblicke“ vor, in dem es um Mystik und Ekstase in einer atheistischen Metaphysik geht. +++ Der französische Star-Mathematiker Cédric Villani erklärt laut WELT in seinem neuen Buch, welche Rolle Intuition und Kreativität in der mathematischen Forschung spielen.

Et Cetera

Die ZEIT unterhält sich mit der Philosophin Julia Kristeva über Europa, seine Kultur, Identität und seine Mütter. +++ Yoav Sapir berichtet in den Scilogs wie letzte Wohe versprochen von seiner polizeilichen Vernehmung wegen Volksverhetzung. +++ Die Edition von Heideggers wohl antisemitischen Notizen in der Gesamtausgabe naht und damit wächst die mediale Aufmerksamkeit abermals, die dem fundamentalontologischen Antisemitismus gewidmet wird; auch die NZZ blickt auf das, was da noch kommen mag. +++ Das Institut für Polytoxikomanologie und Perspektivismus öffnet weiterhin seine Archive: Im dortigen Blog ist die Durch-die-Nacht-Adaption des IPuP aus Lichtwolf Nr. 36 (Nacht) zu lesen. +++ Die NZZ meldet, eine US-Studie habe diverse Argumente gegen das Aufräumen bestätigt, da Unordnung kreativ mache.


Links der Woche am 04.01.2014, 14:20 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 01/14

Vom Werden und Gemacht-werden

Margarete Stokowski hat „Das andere Geschlecht“ von Simone de Beauvoir ausgiebiger und genauer gelesen als die vielen, die den berühmten Satz aus dem Klassiker des Feminismus falsch zitieren. In der taz informiert sie über die feinen Unterschiede zwischen „werden“ und „gemacht werden“ sowie über Beauvoirs persönliche Haltung zum Gender. (31.12.13)

Tier, Mensch und Maschine

Die FR stellt die vom Schweizer Philosophen Georg Brunold herausgegebene Anthologie vor, in der 2.500 Jahre Beschäftigung des Menschen mit sich selbst, dem interessantesten Tier aufgehoben sind. Über das Verhältnis von Tier- und Maschinenethik schreibt Oliver Bendel bei Telepolis im Stile einer Hausarbeit: Da Menschen, Tiere und Maschinen einander immer häufiger als Subjekte und Objekte begegnen, tut eine entsprechende Ethik nötig.

Hanns Heinz Ewers is back!

Lichtwolf-Leser kennen und lieben die Reihe „Lebende & Leichen“, in der zu Unrecht vergessene Dichter und Denkerinnen portraitiert werden. Michael Helmings Portrait des Dunkelpoeten Hanns Heinz Ewers ist (neben denen von Kurt Münzer, Hermann Rauschning und Alexander M. Frey) weiland im Büchlein „Leichen treppauf“ versammelt worden und nun auch in der von Lino Wirag und Andreas Schumacher besorgten Neuausgabe einiger Ewers-Erzählungen (hier bei Google Books) als Nachwort enthalten. Das sehr schick im Jugendstil illustrierte Buch ist auch als E-Book (Kindle) zu haben und sei hiermit dringendst empfohlen.

Öffentlichkeit überall und nirgends

Recht skeptisch blickt Rudolf Maresch bei Telepolis auf die Karriere, die der normative Begriff der Öffentlichkeit im Politischen seit Jürgen Habermas gemacht hat. Er kritisiert dessen Ableitung aus der Geschichte und das Passepartout des Strukturwandels, den es so, wie von Habermas behauptet, nie gegeben hat - außer als Zerfall ins „Mitmach-Web zum Ablästern und Verleumden“. (03.01.14)

Alles für die Wissenschaft!

Yoav Sapir kritisiert die Kriminalisierung von Holocaustleugnung. Im September frug er bei den Scilogs, ob auch er als Sohn eines Holocaustüberlebenden nicht schreiben dürfe, den Holocaust hätte es nicht gegeben, schrieb es aus methodischen Gründen hin, hat pünktlich zum neuen Jahr dafür eine polizeiliche Vorladung wegen Volksverhetzung bekommen und wird von seinem juristischen Selbstversuch weiter berichten. (03.01.14)

Unn sünst?

Ziemlich kundig nimmt Wolfgang Neuhaus bei Telepolis eine Neuerscheinung zum Anlass eines Essays über Stanislaw Lem, Science Fiction und Phantastik. +++ In Lichtwolf Nr. 43 (Bürgerpflicht) erörterte das Institut für Polytoxikomanologie und Perspektivismus mit Slavoj Žižek die Illusionen und Effekte des sog. ethischen Konsums; der Essay ist nun nebenan im IPuP-Blog nachzulesen. +++ Summing up years of work in one sentence: Abteilung Philosophie. +++ Nichts ist so dauerhaft wie Provisorien: Sandra Danicke schreibt zum niegelnagelneuen Jahr in der FR über notdürftige Reparaturen, Flickschusterei und Provisorien als das Gegenteil der Norm.


Intime Interna am 01.01.2014, 22:14 Uhr

Elektro-Obst

Lichtwolf Nr. 44 als E-Book

Den aktuellen Lichtwolf zum Thema Obst gibt es ab sofort auch als E-Book für Amazon Kindle und im offenen epub-Format.

Na, haben Sie zu Weihnachten einen E-Book-Reader, ein Tablet, ein Smartphone oder einen PC bekommen, auf dem Sie kostenlose E-Book-Lesesoftware wie Calibre installieren können? Nein, aber Sie haben sowas trotzdem? Und nichts Vernünftiges zu lesen darauf?

Dann empfehlen wir Ihnen dringend den aktuellen Lichtwolf zum Thema Obst. Den gibt es nicht nur auf Papier (und im Abo, sondern ab sofort auch als E-Book für Amazon Kindle und im offenen epub-Format.

Kostet bloß 3,99 Euro und sorgt für eine gesunde und vollwertige Kopfernährung - gerade nach einem Jahreswechselbesäufnis unentbehrlich lecker!

Frohes Neues.


Links der Woche am 28.12.2013, 14:04 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 52/13

Commonismus - die ersten 30 Tage gratis!

Ein Artikel wie ein guter Film: Wer beide Hirnhälften beieinander hat, findet die Überfluss- und Wegwerfgesellschaft problematisch. So lesen wir wohlwollend, was Harald Staun in der FAZ über die entstehende Shareconomy schreibt, und gerade, als wir zu wissen glauben, wer die Guten sind, müssen wir lesen, wie der Kapitalismus mithilfe einiger Idealisten den Kommunismus monetarisiert! (22.12.13)

Alles ist so egal geworden

Pierre Rosanvallon hat mit „Die Gesellschaft der Gleichen“ ein epochales Werk vorgelegt, findet Maximilian Probst in der ZEIT. Die Krise der Gleichheitsidee, die politische Apathie und Distinktionsstreben befördert, wird darin historisch nachgezeichnet und soll mit einem zeitgemäßen Gleichheitsbegriff auf der Basis von Singularität, Reziprozität und Kommunalität gelöst werden. (23.12.13)

Der uninteressanteste Skandal 2013

NZZ-Feuilletonchef Martin Meyer macht den Schirrmacher: Mit Orwell und Foucault blickt er zurück auf die Geschichte der Überwachung von Ali Baba bis in die heutige Betreuungs- und Therapiekultur, die in Kombination mit einer zur Normalität gewordenen Transparenz vorauseilende Harmlosigkeit fördert. (24.12.13)

Zeit, zur Besinnung zu kommen

Der Zürcher Theologe Samuel Vollenweider schreibt in der NZZ über relative Zeit, etwa bei traumatischen Erfahrungen, während derer die verdichtete Zeit - anders als Jahre des Alltags - Spuren im Gedächtnis hinterlässt. Das erste Weihnachten war zumindest für Herodes ein solches Ereignis, für uns sind die Feiertage eine Unterbrechung im unspektakulären Verinnen der Zeit. (25.12.13)

Christen und Kapitalisten feiern getrennt

Tomasz Konicz hat die Feiertage genutzt, um für Telepolis in einer dreiteiligen Essayreihe die Kapitalismuskritik des Papstes (und die Reaktionen darauf) zu analysieren. Diese erweist er im ersten Teil als Manöver in einem Religionsstreit, wie schon an der Schnappatmung unter konservativen Kapitalismusgläubigen zu erkennen ist. Der von ihnen behaupteten Rationalität und Segensspende des Kapitalismus geht Konicz im zweiten Teil nach, worin vor allem die enge Verwandtschaft der beiden Glaubensrichtungen etwa an ihrem Arbeitsbegriff gezeigt wird. In Teil drei schließlich wird mit modernen Theologen und Walter Benjamin der Kapitalismus als fetischistische Gesellschaftsformation, i.e. als Religion beschrieben.

Materialismus und Visualisierung

Nur was unsichtbar (weil im Mikro- oder Makroskopischen) ist, halten wir den Naturwissenschaften sei dank für eigentlich wirklich, meint Hans Ulrich Gumbrecht in seinem FAZ-Blog, was sich im Alltag in allenfalls visualisierbaren „latenten Phänomenen“ und Stimmungen ausdrückt; Rettung verspricht die Heidegger-Lektüre. (27.12.13)

Das Weitere und Engere:

Apropos Heidegger: Jürgen Kaube von der FAZ tut mit Blick auf die Konkurrenz von der ZEIT die neulich berichtete Aufregung um Heideggers antisemitische Notizen mit großer Geste ab. +++ Schnellere Affirmation für frühere Revolution: Cord Riechelmann stellt in der linksradikalen FAZ das Manifest des Akzelerationismus vor, einen Sammelband zur technischen Überwindung des Kapitalismus. +++ Fritz J. Raddatz fordert in der WELT, das Recht auf Suizid als Teil der Menschenwürde anzuerkennen. +++ Immer noch nicht genug zu lesen aufm Schirm? Heiligabend wurde www.lichtwolf.de zehn Jahre alt und zu diesem Anlass wurden 14 Artikel aus vergangenen Lichtwolf-Ausgaben online gestellt.


Intime Interna am 24.12.2013, 15:23 Uhr

10 Jahre lichtwolf.de

Der Lichtwolf beweist sich auch als Organ alter Schule, weil sein Internetauftritt jünger ist als das Periodikum selbst. Letztes Jahr durften wir die Lichtwolf-Gründung im Sommer 2002 mit dem Jubiläumsband feiern, in dem das Beste aus den ersten zehn Jahrgängen enthalten ist sowie u.a. die halsbrecherische Geschichte von www.lichtwolf.de erzählt wird.

An diesem Heiligabend 2013 zelebrieren wir also den zehnten Jahrestag des Auszugs von der Seite der Freiburger Philosophie-Fachschaft (Grüße!) und den Start von www.lichtwolf.de mit einigen Artikeln aus vergangenen Ausgaben, die nun dem Internet zur Gratislektüre übergeben seien.

Und zwar:

Lichtwolf Nr. 30Ein Fallbeispiel für ausgewachsene Geisteswissenschaft
von Stefan Schulze Beiering
aus Lichtwolf Nr. 30 (Erwachsene), Sommer 2010

Lichtwolf Nr. 31Von der Kunst, den Menschen zu schaffen
von IPuP-Press
Der Lichtwelpe: Dreck
von Timotheus Schneidegger
aus Lichtwolf Nr. 31 (Steinzeit), Herbst 2010

Lichtwolf Nr. 32Grützendämmerung
von Stefan Rode
Leviathan frisst
von Georg Frost
aus Lichtwolf Nr. 32 (Essen und Trinken), Winter 2010/11

Lichtwolf Nr. 33Die größte Bratwurst der Welt: Welches Monster sollte Berlin heimsuchen?
von Bdolf, Magister Maier, Michael Helming, Timotheus Schneidegger und Tina Wirtz
aus Lichtwolf Nr. 33 (Monster), Frühling 2011

Lichtwolf Nr. 34Arbeitslos und Spaß dabei
von Marc Hieronimus
Die Grenzen der Insel
von Vasile V. Poenaru
aus Lichtwolf Nr. 34 (Urlaub), Sommer 2011

Lichtwolf Nr. 35Don’t worry, I know you’ll never understand it.
von Stefan Rode
Woran wir reden, wenn wir an einer „Kultur des Herzens
von Michael Helming
aus Lichtwolf Nr. 35 (Sprache), Herbst 2011

Lichtwolf Nr. 36Fiat Nox
von Jürgen Nielsen-Sikora
Die lange (ewige) Nacht von Wuppertal
von Bdolf
aus Lichtwolf Nr. 36 (Nacht), Winter 2011/12

Lichtwolf Nr. 37Das ist die Wahrheit: Konsens, Kuchen und Kaffee
von Filbinger, dem Praktikanten des Jahres
Schöne Hände
von Timotheus Schneidegger
aus Lichtwolf Nr. 37 (Tittenhitler), Frühling 2012

Damit sollten Sie erstmal genug Material für die Feiertage haben. Zur Not können Sie sich ja den aktuellen Lichtwolf zum Thema Obst holen oder gleich das komplette Heftarchiv aufkaufen. Sie täten damit auch was für Ihre Gesundheit, denn solange man liest, stirbt man bekanntlich nicht. (Abo?)

Schöne Feiertage!


Intime Interna am 21.12.2013, 15:45 Uhr

Das neue Heft ist da!

Die beste Vorbeugung gegen die jahreszeitlich bedingte Erkältung ist eine vitaminreiche Ernährung. Wem das ganze Abwaschen, Schälen, Portionieren und klebrige-Finger-waschen zu umständlich ist, kann sich auch den aktuellen Lichtwolf reintun, der ist nämlich wegen des Titelthemas "Obst" genauso gut wie zwei Liter Ananassaft intravenös. (Klinisch getestet am Redaktionspraktikanten!)

Lichtwolf Nr. 44 (Obst)

Das sehr gute Lichtwolf-Winterheft handelt auf knapp 100 unbunt illustrierten Seiten DIN A4 von Früchten und Fürchten.

Hinter dem schicken Titelbild, das man sich am besten mal in Originalgröße ankiekt, stecken knapp 100 Seiten mit gleichfalls schicken Illus und einer geistigen Vitaminsplitterbombe nach der anderen: Essays und Geschichtchen über freche Früchtchen, Fallobst, Früchte des Zorns, Cioran, den Sündenfall, Stadt und Land, Still-Leben, die Kulturgeschichte und den Obstler sowie über Brecht, Machiavelli, den zu Unrecht vergessenen Kabarettisten Karl Schnog und den Wolf als Viehlosovieh.

Was alles im Winterheft steht, erfahren Sie in der Auslage des Einkaufszentrums, wo die Ausgabe auch zu bestellen ist (alternativ im Buchhandel: ISBN 9783941921351). Man kann auch mal hineingucken, sei es in die Leseprobe als PDF oder im LichtwolfReader, worin ebenfalls die ersten Seiten der Nr. 44 zum Durchklicken bereit stehen. Die Einleitung ins Titelthema, Bdolfs Propädeutikum und Prolegomena sowie das erste Drittel von Wolfgang Schröders kunsthistorischer und lebenskünstlerischer Meditation über obstreiche Stillleben sind auch online zu lesen. Die E-Book-Fassung des Obstwolfs folgt in den nächsten Tagen.

Wir wünschen recht schöne Feiertage nicht ohne den Hinweis, dass hier wg. Säkularisierung auch während der Weihnachtstage alle verlorenen Posten besetzt sind, Sie also ruhig weiterhin bzw. mehr denn je (Weihnachtsgeld verjubeln!) Abos abschließen und Themenhefte bestellen sollen.

Spätestens an Heiligabend müssen Sie übrigens noch einmal auf www.lichtwolf.de reinschauen, denn dann jährt sich der Start der Weltnetztröte trotz Philosophie zum zehnten Mal und ein Haufen Beiträge aus den vergangenen Heften wird zu diesem freudigen Anlass in den Online-Orbit hochgewuchtet.


Links der Woche am 21.12.2013, 14:54 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 51/13

Naturalismus, Idealismus, Dualismus

Der Geist ist nicht Gegenstand der Physik, sie ist ja keine Geisteswissenschaft, schreibt Physiker Josef Honerkamp bei den Scilogs, um dann aber doch die verschiedenen Haltungen zum Leib-Seele-Problem durchzugehen, unter denen der Naturalismus die größte Aufmerksamkeit erhält. Am Ende bleibt die Hoffnung auf einen Maxwell des Geistes. (15.12.13)

Nelson Mandela Superstar

Slavoj Žižek hat im Guardian einen Nachruf auf Nelson Mandela geschrieben, der im Freitag auf Deutsch zu lesen ist. Obschon Mandela als Superstar gefeiert wird, ist auch bei ihm kein Rat zu finden, wie eine radikale emanzipatorische Politik totalitären Versuchungen widerstehen und eine Alternative zur herrschenden Ideologie durchsetzen kann. (16.12.13)

Filosofie beim Phußball

Die ZEIT unterhält sich mit Wolfram Eilenberger, FC-Bayern-Fan und Chefredakteur des Philosophie Magazins, über die Menschenrechtslage in Katar, wo demnächst wohl irgendwas mit Fußball stattfindet: Bayern-Trainer Pep Guardiola liest angeblich Kant und Hesse, sieht aber aus finanziellen Gründen keine ethischen Probleme in Katar. (17.12.13)

Das Historische muss das Bewährte bleiben

Der Churer Bischof Vitus Huonder sieht die Geschlechterdebatte von einem totalitären und widernatürlichen Genderismus beherrscht. In der NZZ erklärt Katrin Meyer, warum Wertkonservative vom dekonstruktivistischen Gender-Begriff so angefressen sind und warum nicht nur die Gender Studies mit dem restaurativen Gegenangriff gemeint sind. (18.12.13)

Da wäre noch eine Alternative

Alain Badiou war diese Woche als „gefährlichster Philosoph Mitteleuropas“ (weil er nach wie vor am Kommunismus als Alternative festhält) in Berlin. Peter Nowak berichtet für den Freitag von der Diskussion über Blöd-Medien, Demokratie- und Kommunismuskritik, die Badiou mit dem Verleger und ehemaligen DDR-Gefangenen Peter Engelmann führte. (19.12.13)

In Maßen maßlos

Edo Reents von der FAZ unterhält sich mit Martin Meyer von der NZZ über dessen Camus-Buch und darüber, was den diesjährigen Jubilar nach wie vor so faszinierend macht, nämlich dass er den späten Nietzsche konsequent u.a. mit den Begriffen des Absurden und des Maßes weiterentwickelte. (20.12.13)

Et cetera:

Hans Ulrich Gumbrecht beschäftigt sich mit Vögeln (nicht, was Sie jetzt wieder denken!) und fragt im FAZ-Blog, wie es sein mag, fliegen zu können. +++ Neulich schrieb das Mindener Tagblatt vom Detmolder Philosophen Sven Stemmer, der im Bauwagen sein Diogenes-Projekt des einfachen Lebens erprobt, das nun nach sechs Monaten beendet ist. +++ Im Freitag bespricht Seifert Markus Gabriels „Warum es die Welt nicht gibt“, erklärt dessen Neuen Realismus und macht sich Hoffnungen auf eine neue, debattenfähige Denkergeneration. +++ Aus aktuellem Anlass: Anna Katherina Ibeling weist beim Freitag darauf hin, dass auch zu Weihnachten die Maxime Sapere aude gilt.



Links der Woche am 14.12.2013, 15:43 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 50/13

Schwimmflügel in Korporaozeanen

Eva Bambach hat eine Konferenz zu Fragen der „Digital Humanities“ besucht und berichtet bei den Scilogs von den Möglichkeiten, die die Digitalisierung den Geisteswissenschaften bietet. Dabei wurde vor allem um die Begriffe digital, humanities, tools und content gerungen. (10.12.13)

Wahre Bildung schafft den Philosophen und Kybernetiker

In der FAZ wurde in den letzten Woche für und wider MOOCs („Massive Open Online Courses“) gestritten. Zum vorläufigen Ende der Debatte blickt Claus Pias zurück auf die lange Geschichte des automatisierten Unterrichts: vom Lehrfilm über den geduldigen Multiple-Choice-Automaten mitsamt Nebenerfindungen wie Chat und Minesweeper bis zu lernenden Lehrmaschinen. (10.12.13)

Le sol, la communauté, la race

Nicht nur, aber vor allem in Paris herrscht Aufregung über Neuigkeiten aus dem Nachlass Heideggers, dessen Denken mit der Wehrmacht Einzug hielt. Wie sehr die französische Nachkriegsphilosophie von Heidegger beeinflusst ist und wie man sich gegen die Veröffentlichung seiner antisemitisch geprägten Tagebücher wehr, beschreibt Jürg Altwegg in der FAZ. (13.12.13)

Schwarzgelbste BRD-Philosophie

Eine Tagung in Marbach ging der Aktualität Joachim Ritters und seiner Theorie der Moderne auf den Grund. Uwe Justus Wenzel erzählt in der NZZ von der Versammlung der Ritter-Schüler (unter denen mit Odo Marquard der prominenteste fehlte) und ihren Überlegungen zum Überwinden hegelscher Klüfte. (13.12.13)

Außerdemos von Sonstnochos:

Die NZZ bespricht das Buch „Selbst im Spiegel. Die soziale Konstruktion von Subjektivität“, welche Wolfgang Prinz darin als Ergebnis und Bedingung des Sozialen aufweist. +++ Im Freitag weist Ilija Trojanow noch einmal auf den Protest hunderter Schriftsteller gegen Überwachung und die Not hin, die Freiheit zu verteidigen. +++ Unser werter Kollege Vasile V. Poenaru hat Tellkamps Turm ins Rumänische übersetzt und hat dafür den Antoaneta-Ralian-Übersetzerpreis erhalten; was der Kollege in Kanada macht, erfahren Sie in einer Woche im kommenden Lichtwolf, worin Poenaru die Kulturgeschichte durchs Obstler-Glas betrachtet. +++ via Philosophy Bro: Im Wall Street Journal schreibt Mike Tyson über Philosophie. +++ Apropos: Der Delmenhorster Arschwackel-Export Sarah Connor besucht heimlich Philosophie-Vorlesungen.


Links der Woche am 07.12.2013, 15:20 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 49/13

Wirklichkeitsmaschinen

In seinem Blog denkt Georg Seeßlen über die Wirklichkeit nach, die so unwahrscheinlich wie unentbehrlich ist - vor allem für die kapitalistische Praxis. Die für ihre Konstruktion Zuständigen haben Macht und sind zugleich von der produzierten Wirklichkeit - Krieg, Terror und Leid - geschützt; zum Glück gibt es Alternativen zur Wirklichkeit. (01.12.13)

Die heimlichste Gesellschaft

John Cacioppo wird von Fanny Jimenez in der WELT als "der versierteste Einsamkeitsforscher der Welt" vorgestellt. Unter anderem am Silvesterklassiker "Dinner for One" wird der Unterschied zwischen Alleinsein und Einsamkeit erklärt, welche sich noch einmal in soziale und emotionale scheidet, und natürlich dürfen dabei auch Neurokram und Steinzeitpsychologismen nicht fehlen. (01.12.13)

Philosophie, Pädophilie, Pornographie und Prostitution

Leonie Seng hat sich bei den Scilogs die Mühe gemacht, Kants Argumente gegen Pornographie zusammenzutragen. So unterscheidet der Königsberger zwischen Liebe und objektivierender Geschlechtsneigung, weshalb seine ethischen Schlussfolgerungen auch gegen Prostitution eingewandt werden könnten. Die Widerlegung des kantischen Pornographiebegriffs stand freilich schon vor sechs Jahren im Lichtwolf und derselbe Augušt Maria Neander verteidigte Vertragsfreiheit und Selbstbestimmung der Huren 2009 gegen eine moralisierende Politik, was in der gegenwärtigen Debatte ums Prostitutionsverbot, in der Alice Schwarzer Parallelen zwischen Prostitution und Pädophilie zieht, auch mal ein Hinweis ist. Apropos: Georg Seeßlen erzählt in der taz von den in den 70ern geschaffenen Grauzonen der sexuelle Ausbeutung und Ökonomisierung des Sexes und von Moral, der Besessenheit vom bösen Onkel, den es nicht gibt, und der Macht der bösen Onkels, die es gibt.

Was niemand weiß

Während ringsum die Geheimnisse schwinden, schreiben Sven Stillich und Claudia Wüstenhagen in der ZEIT über "eine der größten geistigen Errungenschaften der Menschheit" (Georg Simmel): Heimlichkeit und Verschleierung nützen der Macht, ermöglichen aber auch persönliche Autonomie, Neugier, Argwohn und Vertrauen. (03.12.13)

Unn sünst?

Erfindet euch: Die ZEIT stellt Michel Serres' Liebeserklärung an die Digital Natives als etwas zu kulturoptimistisches Sehnsuchtswerk vor. +++ Im Freitag bespricht Seifert Alain Badious "Das Erwachen der Geschichte" als Rück- und Ausblick auf den Aufstand. +++ Bei Welzers gibt es dieses Jahr Zeitstattzeug zu Weihnachten: Harald Welzer empfiehlt in der FAZ, wie man einem Artgenossen, aber nicht dem Wachstumskapitalismus eine warenästhetische Freude machen kann. +++ Der blinde Hund muss es ja wissen und hat eine Liste von Philosophen, die wie Käse und Schnaps klingen, angelegt.


Links der Woche am 30.11.2013, 14:47 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 48/13

Diderot, Wieland und Jean Paul, v.a. Sterne

Wolfgang Hörner feiert im Freitag die Väter der Moderne, deren Jahrestage 2013 strukturierten, und unter ihnen einen ganz besonders: Laurence Sterne erfand mit Tristram Shandy den modernen Roman und wirkte mit diesem Befreiungsschlag der schreibenden Freiheit bis in Diderots Enzyklopädie, Wielands Publizistik und Jean Pauls Wortuniversen hinein. (25.11.13)

Lernwiki statt Lerntagebuch

Hariolf Wenzler reagiert in der FAZ auf Frank Kelleters Philippika gegen Massive Open Online Courses (MOOCs), indem er der Verschwörungstheorie vom neoliberalen Digitalangriff auf die Bildung fünf Thesen entgegenstellt, die auf die didaktischen und finanziellen Chancen und Grenzen der Online-Bildung abzielen. (27.11.13)

Hoffnung für Internethasser

Die einen hoffen insgeheim, dieser ganze Digitalzauber werde eines Tages von selbst zusammenfallen, die anderen kämen gar nicht auf die Idee, es könnte noch einmal einen Zustand geben, den Psychologe Thomas Grüter als Titel seines Buchs "Offline" gewählt hat. Bei den Scilogs erklärt er, wie Dynamik, Vernetzung und Komplexität die globale Informationsgesellschaft langlebig machen und auf lange Sicht zum Untergang verurteilen. (27.11.13)

Endlich fragts mal einer

Hans Ulrich Gumbrecht fragt nicht nur, sondern plädiert gar in seinem FAZ-Blog für einen gerechten Krieg, scheint aber eher die USA in Schutz nehmen zu wollen, indem er darlegt, dass prinzipiell jeder Krieg einen Rechtsbruch darstellt, die pazifistischen Antiamerikaner Europas das aber nicht wahrhaben wollen. (29.11.13)

Für Studis und Studi-ähnliche:

Unter der zeitgemäßen ROI-Fragestellung "Lohnt sich das?" befragt ZEIT Campus die Doktorandenforscherin Anna Fräßdorf über Nutzen, Nachteil und Nährwert der Promotion. +++ Als großzügig EU-geförderten Spring Break stellt uns Leander Steinkopf in der FAZ das Erasmus-Austrinkenlandsstipendium vor. +++ Dieselbe FAZ nimmt aber auch den BA/MA-Bummelstudenten in Schutz. +++

Außerdemchen:

Ebenfalls die FAZ lobt die Neuübersetzung von Henri Bergsons „L’évolution créatrice“ als indiziertes existentialphilosophisches Märchenbuch. +++ Die US-Philosophin Debra Satz macht es sich nicht leicht, in ihrem Buch, das von der NZZ vorgestellt wird, Argumente für die intuitive Einsicht zu liefern, dass und warum nicht alles auf Märkten gehandelt werden sollte. +++ Falls Sie am heutigen Samstagabend nicht in Köln der Lesung von Johannes Witek im Café Duddel beiwohnen, schalten Sie doch den Deutschlandfunk ein, wo es in der heutigen Langen Nacht um das Staunen und Innehalten geht. +++ Die Blüten sind längst bestäubt, die Zweige neigen sich, je mehr die Früchte heranreifen: Lichtwolf Nr. 44 zum jahreszeitfernen Thema "Obst" ist in der Mache und wird vor Heiligabend in den Briefkästen liegen; man abonniere hier.


Links der Woche am 23.11.2013, 14:00 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 47/13

Für kluge Tiere

Andrea Roedig schreibt im Freitag über die Grenze zwischen Mensch und Tier, die von Tierethik und Ethologie immer mehr als einseitiger Willkürakt erwiesen wird. Markus Wild bespricht dazu passend in der NZZ das Buch "Zoopolis", in dem Sue Donaldson und Will Kymlicka "Eine politische Theorie der Tierrechte" entwerfen.

Burn-out als Lifestyle

Das Institut für Polytoxikomanologie und Perspektivismus beschäftigt sich diese Woche mit Burn-out und Depression. Ersterer ist nicht als Krankheit anerkannt und uneindeutig, aber ausgiebig beschrieben. Schon der Burn-out-Vorgänger, die Neurasthenie als erarbeitete Depression diente einer Reihe von Interessen, nicht zuletzt der Distinktion. (21.11.13)

Keine Zeit nirgends

Die Kosmologin Susanne M. Hoffmann war bei einer Lesung von Thomas de Padova und stellt sein Buch über die anhaltende Debatte um das Wesen von Raum und Zeit vor. Neben einer Technikgeschichte der Uhr geht es darin auch um die konträren Zeitvorstellungen von Newton und Leibniz. (22.11.13)

Abgründe sehen dich an

Selber denken war noch nie populär, heute noch weniger, weil wir Maschinen dafür haben. Hans Ulrich Gumbrecht überlegt im FAZ-Blog trotzdem, wieso sich dennoch fröhlich über die Außenseite des Universums oder eher abgründig schaudernd über das Nichts, in dem jeder herumsteht, spekulieren lässt. (22.11.13)

Et cetera:

Manuela Lenzen berichtet für die FAZ von einer Tagung über die Auswirkungen der Quantifizierung auf die Politik. +++ Die taz stellt den Ästhetiker Jacques Rancière und die Deterritorialsierungstendenzen in Kunst und Politik vor. +++ Im Internet geht es bekanntlich immer nur um Porno. Man sollte endlich mal was gegen diejenigen unternehmen, die die jungen Twitter-Freunde immer auf so schmutzige Ideen bringen. +++ Haben Sie am Wochenende schon was vor? Dann gucken Sie sich doch die kompletten 16 Stunden nachgemachtes Trash-TV an, aus denen das neue interaktive Video zu Bob Dylans "Like a Rolling Stone" besteht. Nie war Umschalten schöner und vergeblicher. +++ Und wie sieht es kommenden Samstag aus? Da liest ab 20 Uhr nämlich der großartige Kollege Johannes Witek im Kölner Café Duddel.


Links der Woche am 16.11.2013, 14:12 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 46/13

Nicht viel los diese Woche, drum nur so: Die ZEIT (für die Schule) hat eine kleine Reihe zur Einführung in die Philosophie mit Artikeln (für die Schule) zu Epochen und Denkern online gestellt. +++ Georg Seeßlen macht weitere Bemerkungen zur Abschaffung der Demokratie, diesmal mit Blick auf das transzendente Partisanentum der Kultur. +++ Post von Pussy Riot: Iris Radisch meldet in der ZEIT, Slavoj Žižek stehe mit der inhaftierten Pussy-Riot-Sängerin Nadeschda Tolokonnikowa in Briefkontakt; nämliche Post ist im aktuellen Philosophie Magazin sowie im Guardian nachzulesen. +++ Kaufen Sie sich ruhig mal die aktuelle Titanic, um sich die sehr gute Reklame auf Seite 10 zu Herzen zu nehmen! +++ Wenn es unbedingt sein muss, können Sie sich natürlich auch den aktuellen Lichtwolf zum Thema Bürgerpflicht holen.


Links der Woche am 09.11.2013, 14:02 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 45/13

Billig und sparwillig

Alexander Dill von Telepolis spart nicht gern oder findet zumindest, man übertreibe es damit längst so sehr, dass für nichts mehr angemessene Preise verlangt werden dürfen. Mehr noch: Die protestantische Freude an demonstrativer Finanzdisziplin in privaten und öffentlichen Haushalten hat einen unerwartet hohen Preis. (04.11.13)

Auf Phoenix nur Wahlwiederholungen

Demokratie ist eine zivilisierte Form des Bürgerkriegs, schreibt Georg Seeßlen in seinem Blog. Leider ist es um die nötige Streitkultur schlecht bestellt: Wenn überhaupt, so hat das harmoniesüchtige Volk den Streit am liebsten als ausgelagerten Teil der rituellen Inszenierung von Demokratie, die von ihren Darstellern durch die Darstellung zerstört wird. (05.11.13)

Camus weiterhin Jubilar

Am 7. November hätte Albert Camus seinen 100. Geburtstag feiern können und inzwischen liegen neben den Schnellschüssen auch von allen anderen Buchstabenmedien die Glückwünsche und Erinnerungen vor. Bei Glanz und Elend schreibt Dieter Kaltwasser über die Prägung, die Camus durch seine Herkunft aus bescheidenen Verhältnissen erhielt. Wilhelm von Sternburg stellt in der FR Camus als Denker der Menschlichkeit in unmenschlichen Zeiten und den Konflikt mit Sartre vor. Eine der drei Neuerscheinungen zu Camus stammt aus der Feder Martin Meyers, der sich in der Würdigung seines NZZ-Feuilleton auf Privatleben und Stil des Denkers konzentriert. Bei der taz dreht sich Christof Forderers Geburtstagsgruß an Camus vor allem um Genuss, Nacktheit und Schlichtheit im körperlichen und übertragenen Sinne.

Für die WELT hat sich Martina Meister ausgiebig mit Catherine Camus über ihren Vater, seine mangelnde Verehrung in Frankreich und seine Erziehungsmethoden unterhalten. Vor Ort war auch Iris Radisch von der ZEIT und schreibt zum 100. von den Landschaften und Menschen in Leben und Werk des verunfallten Jubilars. Im Freitag sieht Sabine Kebir den Philosophen Camus durch 08/15-Totalitarismuskritik und Kolonialkitsch erledigt. Auch Nils Minkmar konzentriert sich in der FAZ auf den Camus zu Zeiten des Algerienkriegs und überlegt, was er zu Lampedusa und Guantanamo sagen würde. Und sogar die Blätter für deutsche und internationale Politik schicken Geburtstagsgrüße: Dort schreibt Patrick Spät über politische und metaphysische Essenz und Existenz bei Sartre und Camus, den er mit Michel Onfray gegen den Vorwurf des lauen Sozialdemokratismus in Schutz nimmt.

Konditor humana

Das Institut für Polytoxikomanologie und Perspektivismus hat jetzt auch einen Youtube-Kanal. In der ersten Folge erklärt das IPuP mit Deleuze/Guattari, warum Philosophie dem Konditorenhandwerk ähnelt: aus heterogenen Komponenten Konsistenz schaffen bis hin zum cartesianischen Ich-denke-also-bin-ich-Torte. Lecker!


Links der Woche am 02.11.2013, 14:14 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 44/13

Die Coolness zum Tode

Ein wahres Bild unserer Verhältnisse kommt nur noch in Form der Satire und Ethik nur noch in launigen Kolumnen vor, schreibt Georg Seeßlen in seinem Blog und fährt vor: Die politische Kultur des Unernstes kann den Verhältnissen nur noch mit Sarkasmus begegnen und Alternativen sind nicht in Sicht. (29.10.13)

Der Eigennutz des Nutztiers

Patrick Spät wagt es bei Telepolis, trotz des Meinungskampfs zur Verteidigung des täglichen XXL-Schnitzels ein paar ethische Überlegungen zum Tier anzustellen. Mit Albert Schweitzer und Hans Jonas denkt er über die allen Tieren innewohnenden Zwecke und ihre sich daraus ergebende Würde nach; außerdem stellt er eine Soll-Ist-Beschreibung der juristischen Folgerungen daraus auf. (29.10.13)

Durchgangssymptom mit der Betonung auf Durchgang

Verknallt? Das gibt sich. Die Psychologin Katja Schwab denkt bei den Scilogs über Verliebtheit und Traumvorstellungen nach, vor allem über das, was dabei herauskommt (Scheidung), und stellt ein Plädoyer für die Vernunftehe vor. Um den Alltag auch nach Abklingen der Verliebtheit gemeinsam bewältigen zu können, hilft (wie immer) ein Bewusstsein der eigenen Subjektivität. (30.10.13)

Camus zum Hundertsten

Am 7. November würde Albert Camus hundert Jahre alt werden und ist damit längst auf allen Kanälen präsent. Jürg Altwegg unterhält sich für die FAZ mit dem Sartre-Kenner Vincent von Wroblewsky über den Bruch, die Unterschiede aber auch Gemeinsamkeiten zwischen Camus und Sartre sowie über ihre Rezeption in der DDR. Außerdem bespricht Jochen Schimmang ebenda die inzwischen drei biographischen Neuerscheinungen zu Camus von Iris Radisch, Martin Meyer und Michel Onfray ("parteiisch bis zur Schmerzgrenze", meint Deutschlandradio Kultur) sowie die Neuausgabe von Camus' „Hochzeit des Lichts“. Zuletzt dürfen wir noch ganz besonders auf den Essay aus unserer E-Book-Essayreihe "Lichtwolf Short Circuits" hinweisen: In Schneideggers "Metaphysik und Revolution" wird eine Revolutionstheorie nach Camus entwickelt und auf die Islamische Revolution im Iran angewandt; erhältlich als E-Book für Amazon Kindle oder im offenen epub-Format für alle anderen Lesegeräte.

Bücher von drüben:

Auch die NZZ stellt Thomas Nagels Buch "Geist und Kosmos" vor; Uwe Justus Wenzel lässt dabei Nagels antireduktionistische, existentialistische Objektivitätskritik Revue passieren. Auch bei Saul Kripke wird die analytische Philosophie existentialistisch: Die FAZ bespricht Kripkes neues Buch über Namen und Existenz in der Logik und darüber hinaus.

Et cetera:

30 zu werden war noch nie schön, aber auch noch nie so aufreibend wie heute, schreibt Tomasz Kurianowicz (mit Ingeborg Bachmann) in der NZZ. +++ Und weil's so schön traurig, aber wahr ist, noch einmal Seeßlen: Im Freitag schreibt er über Andrea Berg als Diva der auch sexualökonomisch eingeschüchterten Mittelschicht. +++ Es geht auch mit weniger: Das Mindener Tagblatt stellt den Detmolder Philosophen Sven Stemmer vor, der ein halbes Jahr lang in einem Bauwagen mit dem Allernötigsten auszukommen gedenkt.


Links der Woche am 26.10.2013, 14:31 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 43/13

Sein und Zeit des Digitalen

Bei Glanz und Elend setzt sich Gregor Keuschnig mit Byung-Chul Han und Botho Strauß und deren Blick auf die digitale Leistungsgesellschaft auseinander. Mit unterschiedlich begründeter Skepsis bis Abscheu blicken Han und Strauß in ihren Büchern auf Verschwarmung des Menschen, seine Affektabfuhr in Shitstürmen, die Ameisenhaufigkeit und den Transparenzwahn. (21.10.13)

Willkommen im Nichts

Zum Start des Wintersemesters schreibt die Freiburger Romanistin Eva Erdmann (feat. Walter Benjamin) im Freitag den Erstis sieben Sachen hinter die grünen Löffel, um nicht nur dem akademischen Jungvolk (sondern auch der Bildungspolitik) klarzumachen, dass die Uni kein Schule für Große und die Wissenschaft besser als ihr Ruf ist. (25.10.13)

Das Fremde als Angebot und Nachfrage

Clan- und Stammesgesellschaften kannten noch die Bedrohung durchs totaliter aliter, schreibt Jörg Räwel fast bedauernd bei Telepolis. Der Moderne sind Bedrohung und Fremdheit vertraut geworden. So sind alle Großkonflikte im Weltbürgerkrieg und ausufernde Überwachung nur autoaggressive Allergien einer überaufgeklärten Gesellschaft. (26.10.13)

Et cetera:

Slavoj Žižek erklärt uns im Freitag die reaktionären Botschaften der 2011-Filme The King’s Speech und Black Swan: In Hollywoods Ideologie ist das traditionelle Familienleben Sinn, Ziel und Maßstab aller Leinwandhelden. +++ Viele neue Bücher: Im Freitag wird Ulrike Herrmanns neues Buch besprochen, dass der besorgten Mittelschicht die Augen über Probleme und Chancen des Kapitalismus öffnen soll. +++ Ebendort wird auch "Das Jahr der gefährlichen Träume" besprochen, worin Slavoj Žižek sich mit dem Jahr 2011 als Phänomen und Hoffnungsschimmer beschäftigt. +++ Manfred Geiers Buch "Geistesblitze" über Eingebungen in der Ideengeschichte der Philosophie wird von der WELT vorgestellt. +++ Aus der NZZ erfahren wir, dass Ludwig Klages' Öko-Rede "Mensch und Erde" von 1913 neu ediert worden ist.


Links der Woche am 19.10.2013, 15:02 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 42/13

Naturphilologie

Der Physiker Josef Honerkamp thematisiert in den Scilogs das seit Leibniz und Kant scheinbar klare Verhältnis von Mathematik und Wissenschaft(lichkeit). Auch Beobachtung, Sachkunde und Begriffsbildung gehören zur Wissenschaft; darin erweist sich die mathematische Sprache als günstig, auch wenn sie vielen wie Esoterik vorkommt und - wie jede Sprache - auch zum Bluff taugt. (15.10.13)

Nichts als Werbung

In den vergangenen Wochen sorgte der Verdacht, auch Frank-Walter Steinmeier (SPD) habe in seiner Doktorarbeit abgekupfert, für milde Aufregung. Nach wachsender Skepsis gegenüber den Plagiatsjägern hat sich der Bremer Politologe Stephan Leibfried für die FAZ die Mühe gemacht, alle von einer Software inkriminierten Stellen in Steinmeiers Diss manuell zu prüfen. (16.10.13)

Distinktion ist der Zweck aller Bildung

Georg Seeßlen und Markus Metz haben 2011 in ihrem Buch "Blödmaschinen" die postdemokratischen Spektakelgesellschaft ergründet. In seinem Blog liefert Seeßlen gelegentliche Nachschriften dazu und diese Woche denkt er über Wissen und Geschmack als Verbindungsfunktionen von Subjekt und Gesellschaft nach. (17.10.13)

Die Freiheit der Masters of the Universe

Der abermalige US-Haushaltsstreit taugt nicht unbedingt als Philosophem, doch das hat Slavoj Žižek noch nie von etwas abgehalten, und so wundert er sich in der ZEIT über die scheinbare Ähnlichkeit zwischen Alt-Linken und der ultrarechten Tea-Party-Bewegung und über den Erfolg ihrer irrationalen Ideologie, ehe er auf die verschiedenen Freiheitsbegriffe zu sprechen kommt. (17.10.13)

Das bessere Leben im Smartphone

In der NZZ erklärt der Literaturwissenschafter Tomasz Kurianowicz, warum Facebook unglücklich macht: Die Überforderung, die konstante Flut an Statusmeldungen kritisch zu bewältigen, führt zu Angst- und Einsamkeitsgefühlen, weil zudem alle auf Facebook viel interessantere Leben haben als das eigene, dem man via Smartphone leicht zu entfremden ist. (18.10.13)

Außerdemchen:

Französische Woche im Freitag: Dort gibt es zum einen ein ausführliches Portrait von Alain Badiou, zum anderen noch eine Beschwerde, dass Sartre in den beiden Biographien zu Camus' 100. von Radisch und Meyer nicht gut wegkommt. +++ Gewichtige Roman zu lesen steigert die Menschenkenntnis, haben laut FAZ die Sozialpsychologen Emanuel Castano und David Kidd herausgefunden. +++ Und noch eine neue Open-Access-Zeitschrift aus dem schönsten Fach der Welt: Die Zeitschrift für Praktische Philosophie. +++ via @philomagde: Die "Kollegen" vom Focus haben einen superschweren Philosophie-Test im Angebot.


Links der Woche am 12.10.2013, 14:44 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 41/13

Politik nach Zahlen

In der FAZ beklagt Lena Schipper den Sieg der angewandten Empirie über die normative Theorie in der Politikwissenschaft. Nicht nur die Methodik leidet unter vermeintlicher Praxisorientierung und dem Zwang, quantifizierte und verwertbare Ergebnisse zu produzieren. (08.10.13)

Alle Fragen offen

Letzte Woche war an dieser Stelle auf einen Telepolis-Artikel hinzuweisen, demzufolge jede zweite Open-Access-Zeitschrift Unfug annimmt. Ebenfalls bei Telepolis geht Ulrich Herb zum Gegenangriff über, indem er dem der Meldung zugrunde liegenden Versuch methodische Schwächen nachweist und über die verschiedenen review-Modelle nicht nur bei Open Access informiert. Apropos: Mit der Zeitschrift für philosophische Literatur gibt es eine neue "begutachtete Open-Access-Zeitschrift für deutschsprachige Besprechungen philosophischer Fachliteratur". Apropos die Zweite: Im Freitag gibt Ralf Klausnitzer einen Branchenüberblick der Wissenschaftsverlage, die nicht alle in Geld schwimmen und mit unterschiedlichen Strategien auf die Digitalisierung reagieren.

Auf der Jagd nach Dr. Dings

Auch Frank-Walter Steinmeier hat seine Doktorarbeit abgeschrieben? Die Unis wollen Plagiatsvorwürfe nur noch in Geheimausschüssen behandeln, um sie leichter unter den Tisch kehren zu können? Frederic Hanusch und Claus Leggewie machen in der FAZ auf die Gefahren aufmerksam, die von der grassierenden Plagiatsparanoia nicht zuletzt für Promovierende ausgehen. (09.10.13)

Was geschrieben steht:

Georg Seeßlen hat mal nachgesehen, welchen Menschen sich die Presse erzeugt, indem er deren Werbung beachtet. +++ Die taz bespricht drei Neuerscheinungen von Martin Meyer, Iris Radisch und Lou Marin zu Albert Camus', der nächsten Monat 100 würde. +++ In der FAZ richtet Markus Gabriel über das neue Buch von Thomas Nagel, das die idealistische Metaphysik der Intelligibilität ins 21. Jahrhundert aktualisiert. +++ Judith N. Shklars Buch "Der Liberalismus der Furcht" wird in der NZZ als negativ-konkrete politische Philosophie einer Freiheit von Furcht vorgestellt.


Links der Woche am 05.10.2013, 14:16 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 40/13

Einen Pfennig für alle

Rudolf Diesel hat nicht nur den feuerfesten Sprit erfunden, sondern sich auch Gedanken über ein besseres Zusammenleben und Wirtschaften gemacht. Rudolf Stumberger stellt uns bei Telepolis Diesel als sozialen Utopisten und Vordenker des Genossenschaftswesens vor. (29.09.13)

Alles scheiße außer Mutti

Ilija Trojanow ist gerade wieder angesagt, weil ihm womöglich als Reaktion auf seine Kritik an der Netzüberwachung die Einreise in die USA verweigert worden ist. Das Nachtwächterblog Bonaventura nimmt das zum Anlass, Trojanows Buch "Der überflüssige Mensch" zu besprechen und die Mankos (nicht nur) von dessen Kapitalismuskritik aufzuspießen. (03.10.13)

Karl Kraus à la Franzen

Letzte Woche rief die WELT Stefan Raab als neuen Karl Kraus aus, diese Woche meldet Patrick Bahners in der FAZ, Jonathan Franzen unternehme den unmöglichen Versuch, Karl Kraus ins Englische zu übersetzen. Denn wer Krausens unbedingte Polemiken gegen das "Preßwesen" kenne, sei gegen den techno-consumerism und Fortschrittsdusel des Internetzeitalters gewappnet, was Dietmar Dath ebenfalls in der FAZ dem Franzen nicht ganz durchgehen lässt. (04.10.13)

Der glückliche Tod

Macht es was aus, wenn die Geisteswissenschaften verschwänden? Nö, findet Hans Ulrich Gumbrecht in seinem FAZ-Blog, und hat in Stanford die Erfahrung gemacht, wo die Humanities auf den Rang geduldeter Nebenbeschäftigungen und der Geisteswissenschaftler auf den "des kultivierten und allerseits angesehenen Pausenclowns" zurücksinken. (04.10.13)

Et cetera:

Open Access gilt als neue Hoffnung für das akademische Publizieren, hat aber geschäftsmodellbedingt auch seine Schwächen, so berichtet Telepolis von einem neuen Fall, in dem ein Quatschartikel es durch jede zweite peer review geschafft hat. +++ Als Ethiker hat Klaus-Michael Kodalle das Verzeihen längst zur Grundlage humaner Verhältnisse erklärt; die NZZ bespricht Kodalles Summa zum Thema. +++ Dieter Kaltwasser würdigt Denis Diderot zu seinem 300. Geburtstag bei Glanz & Elend als Enzyklopädisten und Weltliteraten. +++ Ebenfalls bei Glanz & Elend stellt Lothar Struck zwei Neuerscheinungen über Albert Camus von Iris Radisch und Martin Meyer vor; Freunde des mittelmeerischen Denkens könnten sich zu Camus' 100. Geburtstag im November auch den E-Book-Essay "Metaphysik und Revolution" von Timotheus Schneidegger schenken. +++ In der NZZ zeigt sich Martin Meyer (s.o.) angetan vom Briefwechsel zwischen Ulrich Blumenberg und Jacob Taubes, der zeigt, wie operettenhaft es hinter akademischen Kulissen menscheln kann.


Intime Interna am 03.10.2013, 11:48 Uhr

Bürgerpflicht elektrisch

Den aktuellen Lichtwolf zum Thema Bürgerpflicht kann, nein: soll man (gerade heute) auch als E-Book erwerben.

Lichtwolf Nr. 43 (Bürgerpflicht) als E-Book

Lichtwolf Nr. 43 (Bürgerpflicht) ist jetzt auch als E-Book für Kindle und im .epub-Format erhältlich.

Wie die bisherigen Ausgaben (jedenfalls alle seit Lichtwolf Nr. 34) gibt es auch die jüngste Herbstausgabe zu Pflichtethik und Citoyenwesen in zwei Geschmacksrichtungen für je 3,99 Euro: Einmal als Kindle-Ausgabe (ASIN: B00FFHH5JW, 5.398 KB) und auch im offenen .epub-Format (ISBN 9783941921306); diese Elektrofassung sollte auch in allen anderen Elektrobuchläden erhältlich sein, was vor Ort allerdings mangels E-Book- und Apple-Geräten nicht überprüfbar ist. Gucken Sie halt mal nach und lassen Sie uns wissen, ob und welche unserer vielen schönen E-Books es durch die Zugangskontrollen in die Regale des Elektrobuchladens Ihrer Wahl geschafft haben.

Merci und schönen Feiertag!

(Das Herbstheft gibt es natürlich auch weiterhin als 100-seitiges DIN-A4-Paperback hier im Einkaufszentrum.)


Links der Woche am 28.09.2013, 14:04 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 39/13

Angela Christdemokrat Superstar

Alle vier Jahre dürfen die Statisten auf die Bühne des Polittheaters und ihren Star küren. Wie und warum die popkulturelle Kategorie des Stars auf Angela Merkel zutrifft und wie wohl sich das Wahlvolk in seiner Quantifizierung fühlt, analysiert Georg Seeßlen im Freitag. (22.09.13)

Pastaliban

Der Religionswissenschaftler Michael Blume interessiert sich für alle Formen der Religiosität, auch satirische. In den Scilogs berichtet er, wie er in einer Facebook-Gemeinde zu Ehren des Fliegenden Spaghettimonsters (FSM) als Ungläubiger aufflog und auf just den Fundamentalismus stieß, zu dessen Veräppelung das FSM einst dem Urnudelsieb entstieg. (27.09.13)

Überall zu Hause im Schaum

Mobile Technologien verändern den Alltag, die Öffentlichkeit und damit auch unser Gesellschaftsverständnis, schreibt Danja Ulrich im Freitag und führt das am Beispiel Walkman und iPod vor: Der Kulturpessimismus der frühen 80er warnte vor dem autistischen Ohrstöpsler, heute erlaubt die Technologie Rückzug und Vergemeinschaftung zugleich. (27.09.13)

Unn sünst:

Schreibt um euer Leben: Telepolis meldet, die Zahl der Publikationen bis zur Promotion sei einer Studie zufolge ein Indikator für den späteren akademischen Erfolg. +++ Die FAZ bespricht den "Entwurf einer Kritischen Theorie spätmoderner Zeitlichkeit" des Soziologen Hartmut Rosa. +++ Alles von Walter Benjamin gibt es bei archive.org - und anderes wohl auch. +++ Stefan Raab ist der neue Karl Kraus, behauptet Joseph Wälzholz in der WELT nicht einfach nur, er gibt auch acht Gründe für die Wahrheit des Undenkbaren.


Intime Interna am 21.09.2013, 15:26 Uhr

Das neue Heft ist da!

Zack, die Herbstausgabe zum Thema Bürgerpflicht ist ab sofort im Einkaufszentrum erhältlich, ob nun einzeln oder im Abonnement.

Lichtwolf Nr. 43 (Bürgerpflicht)

Der aktuelle Lichtwolf beschäftigt sich mit Bürgerpflicht und ist für maue 7,80 Euro inkl. Versand zu haben.

Ein Lesefest der Pflicht- und Widerstandsethik mit der Extraportion Preußen, Fichte, Stirner, Kant, Georg Seeßlen und Žižek - Pflichtlektüre im wahrsten Sinne! Der neugierige oder argwöhnische Pflichtenbürger in spe kann sich natürlich wie stets vorab übers Heftinnere informieren: Die ersten neun Seiten des 100-seitigen DIN-A4-Paperbacks stehen als PDF-Datei zur Verfügung sowie im LichtwolfReader zum Durchblättern am Bildschirm. Einige Artikel sind auch online zu lesen, und zwar die Einleitung ins Thema über die Citoyenne und Bourgeoise in uns allen, Bdolfs Propädeutikum und Prolegomena und Immanuel Kants entscheidende Stelle über die Imperative sowie Michael Helmings Essay darüber, was Mauthner, Fichte und Stirner vom Bürger verlangen (alles bzw. nichts).

Die E-Book-Ausgabe von Lichtwolf Nr. 43 folgt wie gewohnt in den kommenden Tagen, die unsere elektrische Leserschaft nutzen möge, die bisherigen Lichtwolf-E-Books durchzuarbeiten.



Links der Woche am 21.09.2013, 14:15 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 38/13

Humanismus in der Überwachung

Das eigene Leben ist ein marketingbedürftiges Produkt, so lautet die Diagnose des Ökonomen Philip Mirowski in der FAZ: Die Verinnerlichung des Neoliberalismus lässt sich im Internet studieren, wo man die Gestaltwandlerei der unternehmerischen Identität trainiert, die wiederum handfeste Überwachung und Bewertung nötig macht. Dabei helfen wir alle nur zu gerne mit, urteilt Roberto Simanowski in der NZZ und fängt mit wahrscheinlicher Science Fiction an, die klarmacht: Der gläserne Bürger unterwirft sich vor allem aus Bequemlichkeit und Ignoranz den Algorithmen. David Gelernter wendet sich in der FAZ gegen die "soziale Krankheit" des "Robotismus", die via Hirnforschung und Ökonomie das subjektive Bewusstsein undenkbar gemacht hat.

Der nächste Michel Foucault

Yuji Nawata war der letzte Habilitant des verstorbenen Medienphilosophen Friedrich Kittler, aus dessen Nachlass Freund und Kollege Hans Ulrich Gumbrecht noch diverse Bücher herausgeben wird. Im Freitag stellt Nawata die drei jüngsten Bände über Kittlers europäische Literatur- und Kulturgeschichte vor. (19.09.13)

Lesetipps zur Bundestagswahl 2013

In der FAZ gibt Egon Flaig einen Überblick über die Geschichte des Mehrheitsentscheids und die Folgen dieser Institution bis hin zur Krise des modernen Parlamentarismus. Kürzlich mokierte sich Timo Stukenberg im Freitag über die Partei Die PARTEI des früheren Titanic-Chefs Martin Sonneborn, sie ziehe jedes politische Engagement ins Lächerliche. Schmiddy antwortet gleichfalls im Freitag darauf, die politische Realsatire sei Marcuses Rache an der repressiven Toleranz. Und in der ZEIT verzichten 48 Intellektuelle auf das Wahlgeheimnis und erklären, ob und wem sie am Sonntag ihre Stimme geben.

Außerdemos von Sonstnochos:

Die NZZ bespricht Bernd Roecks Buch über die Verwissenschaftlichung der Künste in der Renaissance und Cornelia Koppetschs Buch über den Zerfall der bürgerlichen Mitte. +++ Diese Woche kam die neue E-Book-Reihe Lichtwolf Short Circuits auf den Markt: große Essayreihen aus dem Lichtwolf für kleines Geld als E-Books (Kindle und epub); in ein paar Stunden ist auch der neue Lichtwolf online zu haben. +++ Wer den rheinischen Meisterdenker des melancholischen Utopismus Marc Hieronimus nicht bloß im Lichtwolf lesen, sondern auch mal mit Mucke hören möchte, darf sich freuen: Der Internetauftritt seiner Band "Grau" mitsamt MP3s steht (falls ein MP3-Link nicht funktionieren sollte: einfach die in der Adresszeile durch / ersetzen).


Intime Interna am 19.09.2013, 09:10 Uhr

Lichtwolf Short Circuits

Neben der elektrischen Kurzgeschichtenreihe "Le chat sans papier" hat der catware.net Verlag jetzt was neues im E-Book-Regal: Lichtwolf Short Circuits - große Essayreihen aus dem Lichtwolf für kleines Geld als E-Books. Denn wer kennt das nicht: Da erstreckt sich ein Essay über mehrere Lichtwolf-Ausgaben und mittendrin ist das Abo zu Ende!

Zum Start der jüngsten E-Book-Kollektion sind folgende gelahrte Abhandlungen erhältlich:

Sprech / Blasen / Laufen

Sprech / Blasen / Laufen

von Michael Helming

Eine literarische Wanderung rund um den Bodenseee: Michael Helming begibt sich mit einem Rucksack voller Bücher auf die Spuren Augustin Sumsers, besucht Fritz Mauthner und Franz Anton Mesmer. Er liest, denkt und wandert durch Tage und Nächte, von Lindau, Friedrichshafen, Meersburg bis zur Höri.

Kindle-Ausgabe Kindle-Ausgabe, ASIN: B00F9KO304, 4.641 KB, 2,99 EUR

epub-Format E-Book im .epub-Format, ISBN 9783941921313, 2,99 EUR

Zur Wortphilosophie

Zur Wortphilosophie

von Stefan Schulze Beiering

Worte sind in lebendiger Sprache mehrdeutig und stets einmalig und erweisen sich als mindestens weltbewegend. Es ist nicht selbstverständlich, dass Worte selbstverständlich zu sein scheinen, und macht es nötig, auch von Glauben und Wissen, Erkenntnis und Verstand zu sprechen.

Kindle-Ausgabe Kindle-Ausgabe, ASIN: B00F9KO8JK, 243 KB, 2,99 EUR

epub-Format E-Book im .epub-Format, ISBN 9783941921320, 2,99 EUR

Metaphysik und Revolution

Metaphysik und Revolution

von Timotheus Schneidegger

Albert Camus konnte nicht erleben, wie die Islamische Revolution im Iran 1979 das Schah-Regime durch einen Gottesstaat ersetzte. Umso interessanter die Frage, was Camus' Begriff der metaphysischen Revolte über dieses Ereignis lehrt. Bonustrack: „Subtraktion statt Subversion“ – politisches Grundrechnen mit Slavoj Žižek und Alain Badiou.

Kindle-Ausgabe Kindle-Ausgabe, ASIN: B00F9KR6QW, 324 KB, 2,99 EUR

epub-Format E-Book im .epub-Format, ISBN 9783941921337, 2,99 EUR

Kritik der Geisteswissenschaft

Kritik der Geisteswissenschaft

von Stefan Schulze Beiering

Ein ausführlich begründetes Plädoyer für einen Bruch mit aller bisherigen Geisteswissenschaft, die in Methodik, Gehalt und Zurichtung ihren Ansprüchen zuwider läuft, sich auf bloßen Argumentationsbluff verlässt und den Geist tötet. Inklusive einer Erwiderung von Timotheus Schneidegger.

Kindle-Ausgabe Kindle-Ausgabe, ASIN: B00F9KRPRC, 1.020 KB, 2,99 EUR

epub-Format E-Book im .epub-Format, ISBN 9783941921344, 2,99 EUR




Links der Woche am 14.09.2013, 14:19 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 37/13

Kosmopolitismus vs. Kosmopolitisierung

Ulrich Beck fordert in der FAZ, mehr Weltbürgertum zu wagen bzw. sich einzugestehen, denn wenn der arme Süden Organe an den reichen Norden verhökern muss, wächst die Menschheit auf neue Art zusammen. Dabei ist die globale Biopolitik des Transplantationswesens nur der radikalste Ausdruck des allgemeinen In- und Durcheinanders, dem nicht mit nationalistischer Verdrängung beizukommen ist. (08.09.13)

Innovation und Revolution

Freiheit und revolutionäre Neuerungen sind zum Alltag geworden, befindet Konrad Paul Liessmann in der NZZ und warnt vor solchen Selbstverständlichkeiten. Dazu geht er zunächst auf Hegels Verständnis der Französischen Revolution zurück und steigt dann voll in die Revolutionstheorie ein, derzufolge die Freiheit und das Neue einschließlich ihrer bösen Seiten und enttäuschten Hoffnungen den Wesenskern echter Revolution ausmachen. (09.09.13)

Reich und Sexy

Thomas Barth hat sich bei Telepolis eingehend mit Wilhelm Reich (im Kino) beschäftigt und inzwischen liegen alle vier Teile seiner Essayreihe vor: über Reichs Fall, Reichs Psychoanalyse, Reichs Sexualpolitik und Reichs Orgon.

Der unfassbare Dr. Ghostwriter

In der FAZ spricht sich Miloš Vec gegen die Einführung der Straftatbestände Doping und Wissenschaftsbetrug aus. Vor allem letzterer ist vom Strafrecht - allem Getöse um Plagiate und Doktormacher zum Trotz - bereits hinreichend abgedeckt, wie Vec durchdekliniert. (12.09.13)

Jesus zum Fressen gern haben

Hans Ulrich Gumbrecht denkt in seinem FAZ-Blog über Menschenfresser nach. Um die Possierlichkeit des Wortes zu meiden, hebt er mit dem Kulturgrund des Anthropophagie-Tabus an, das in Krieg, Not und Film schon mal gebrochen wird - wie auch in Religion und Erotik. (13.09.13)

Et cetera:

Die FAZ bespricht Otfried Höffes Einführung in die Ethik. +++ Die Meldung, Apple wolle sich um die Rettung Suhrkamps bemühen, greift Stefan Prombka für Glanz & Elend auf. +++ Jeden Sommer wird gefragt, wo denn eigentlich die Intellektuellen seien, die sich für die und in der Öffentlichkeit engagieren. Kurz darauf meldeten sich u.a. Peter Sloterdijk und der Sozialpsychologe Harald Welzer zu Wort und erklärten, wie die NZZ bedenkt, nicht zur Bundestagswahl gehen zu wollen. "Die Stadt der Sehenden" von José Saramago haben die wohl nicht gelesen. +++ Bock auf Philosophie und Slam? Dann mal ab in die Schweiz!


Links der Woche am 07.09.2013, 10:18 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 36/13

Der Konsumismus ist ein Idealismus

William James war noch überzeugt, mit Besitztümern wüchse auch das Ich, was Konsumforscher Russell Belk 100 Jahre später aufgriff, als Madonna noch von der material world sang. Bernd Graff berichtet in der SZ, Belk habe seine Marketing-Theorie vom Besitz als Ich-Erweiterung nun für das digitale Zeitalter der immateriellen Güterwirtschaft revidieren müssen. (01.09.13)

Quell der Verschwörungstheorien

Dieser Tage kommt ein Film über Wilhelm Reich ins Kino, was Thomas Barth bei Telepolis zum Anlass nimmt für ein vierteiliges Portrait des verfemten Freud-Schülers und Justizopfers. Im vorliegenden ersten Teil betrachtet er den Rufmord an Reich sowie seine mögliche Beteiligung am MKULTRA-Projekt, die den Kinofilm massentauglich machen soll. (04.09.13)

Der rechnende Souverän und der schwitzende Bürger

Bei Telepolis unterhält sich Jörg Auf dem Hövel mit Hans-Christian Dany über selbstregulierende Systeme als ideologisches Vorbild des Panoptikums der Selbstoptimierung, zu dem die Gesellschaft herabgesunken ist. In den letzten Wochen war ja viel die Reden von Algorithmen und Big Data, allerdings war selten etwas so Unaufgeregtes und Instruktives zu lesen wie das Interview, das die taz mit der Informatikerin Yvonne Hofstetter führte, die automatisierte Systeme für Hochfinanz und Militär konzipiert. Edward Snowden hat den Whistleblower-Preis 2013 erhalten und Joachim Güntner berichtet für die NZZ von der Verleihung in Abwesenheit und den Reden über den ausgelieferten Bürger. Auch Slavoj Žižek hebt im Freitag zu einem Lob der Whistleblower mit Marx und Kant an.

Schaffe, schaffe, Leben bauen

Der Chefredakteur des Philosophiemagazins "Hohe Luft", Thomas Vašek glaubt nicht, dass das Leben erst nach Feierabend beginnt, und hat mit "Work-Life-Bullshit" ein Buch sowohl gegen das fordistische Arbeitszeitmodell als auch das bedingungslose Grundeinkommen geschrieben. Im Interview erklärt er bei Cicero, warum Arbeit zu wichtig ist, um sie anderen zu überlassen. (04.09.13)

Außerdemchen:

Das Büchergeld für Begabtengeförderte wurde pünktlich zur Bundestagswahl erhöht, was - wie der Freitag kommentiert - nur Stipendiaten aus Akademikerfamilien nützt. +++ Die NZZ bespricht Odo Marquards Philosophie des Alterns. +++ HUG plädiert in der FAZ für eine neue dem Internet angemessene Oberflächlichkeit und Jürgen Kaube schüttelt den Kopf über die Freudenschreie angesichts steigender Studierendenzahlen. +++ Georg Seeßlen bloggt über Kleinigkeiten wie Börsenberichterstattung, Gramsci und Verspargelung.


Links der Woche am 01.09.2013, 10:48 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 35/13

"Hegel ist doch nicht Auguste Comte!"

Herbert Schnädelbach wird bei Telepolis "über den Stand der Dinge in der Philosophie" befragt: Mit dem Systemdenken hätte man gleich nach Hegel seinen Frieden machen sollen, die Logik kann nicht alles richten, Marx hätte nicht so kokett sein sollen und der kategorische Imperativ ist allgemeingültig oder gar nicht. (25.08.13)

Noch reaktionär oder schon faschistisch?

Oswald Spengler war "der philosophische Shooting-Star der Weimarer Republik", wie Dietmar Gottfried in seinem Telepolis-Portrait verrät. Der Untergang des Abendlands traf damals wie heute den Nerv konservativer Kulturpessimisten und wird mitsamt der unappetitlichen Stellen exzerpiert. (25.08.13)

Angewandte Mathematik

Nobelpreisträger Paul Krugman hat mit einem Blogpost über Staus eine kleine Mathematiker-Debatte ausgelöst, die auch für Logik-Freunde ohne Auto interessant sein könnte. Christoph Drösser dröselt in der ZEIT auf, wie Krugman die Frage beantwortet, ob es im Stau durch Spurwechsel oder Spurhalten schneller vorangeht, und welche Kritik er damit auf sich zog. (26.08.13)

Gödel is for "god"

Raul Rojas prägt bei Telepolis den schönen Begriff "computer-assistierte Metaphysik" in einem Gespräch mit dem Informatiker Christoph Benzmüller über den erfolgreichen Rechenbeweis von Kurt Gödels Gottestheorem. Gödel hat eine an Leibniz angelehnte formale Argumentationskette hinterlassen, die allerdings wegen ihrer modallogischen Elemente erst kürzlich durch die Rechner zu bewältigen war. (26.08.13)

Postdemokratie als untote Demokratie

Stillschweigend lassen wir die Demokratie sterben, weil wir davon profitieren - die Kulturarbeiter ebenso wie die Geheimdienstexperten, so Georg Seeßlens Diagnose. Das neue Miteinander heißt Verachtung, Freiheit reduziert sich auf Freiräume und insgesamt herrscht große Verwirrung, denn auch das Subjekt wird groß transformiert. (31.08.13)

Kleinigkeiten: Die ZEIT stellt uns den "Twitter-Star" und Deutschprofessor Eric Jarosinski vor, der als @NeinQuarterly melancholischen Zeitgeist und negative Utopie voller Germanizismen herauszwitschert. +++ Sein und Mahlzeit und nichts übrig lassen: Jean-Paul Sartres Kochbuch. +++ Wir empfehlen dieses Mal ganz besonders und vorerst begründungslos den Kauf der aktuellen Titanic.


Links der Woche am 24.08.2013, 17:13 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 34/13

Diese Woche - weil ja alles immer schneller wird - ganz viele Links zu ganz (relativ) kurzen Texten. Und los! +++ Die NZZ berichtet, Stanislaw Lem habe es schon immer gewusst: In seinem Sci-Fi-Spionageroman "Memoiren, gefunden in der Badewanne" hat er die NSA-Datensammelei und deren Informationsimplosion vorweggenommen. +++ Apropos Sci-Fi: Florian Schmid beklagt im Freitag, das einst utopische Genre sei heute nur noch reaktionär und vergleicht aktuelle Kinofilme mit klassischen Sci-Fi-Romanen der 70er bis Nuller-Jahre. +++ Steven Pinker hat laut Telepolis die Schnauze voll vom tranigen Obskurantismus der Postmoderne und fordert die Geisteswissenschaften auf, aus dem Quark zu kommen und sich an den MINT-Fächern zu orientieren. +++ Über soziale Ungleichheit sind noch nicht genug Bücher geschrieben worden: Die taz stellt das des Sozialrichters Jürgen Borchert vor, das eine strukturelle Benachteiligung sozial Schwacher nachweist. +++ Die NZZ bespricht das neue Buch des Münsteraner Ethikers Kurt Bayertz, der darin das anthropozentrische Selbstbild des Menschen unter dem Gesichtspunkt von Raumvorstellungen und aufrechtem Gang analysiert. +++ Melanie Mühl hat sich für die FAZ die Nase zugehalten und durch Regalmeter von Frauen-Ratgebern gekämpft: Wie frau Kind und Karriere oder auch allein letztere schaukelt, sich zur Menstruation bekennt, als Mutter die Brüste in Form hält und generell die Lebensunsicherheit mit dem Verfassen eines Ratgebers besiegt. +++ Interessant: Unser liebster US-Bundesstaat Texas führt penibel Buch über seine Hingerichteten und listet online deren Herkunft, ethnische Zugehörigkeit und letzte Worte auf. (Evtl. mehrmals neuladen, die transatlantischen Leitungen sind so löchrig.) +++ Der Lichtwolf zum Thema "Bürgerpflicht" erscheint in weniger als einem Monat und wird nach jetzigem Stand ein ziemlich, ziemlich gutes Heft. Das Abonnement der überhaupt sehr guten Zeitschrift trotz Philosophie erhalten Sie hier.


Links der Woche am 17.08.2013, 14:01 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 33/13

Der Flug der Helikoptereltern

Melanie Mühl bemüht sich um die neue Generation von FAZ-Leserinnen, indem sie die Bachelorstudentenschaft als überbehütete Riesenbabys und ihre Unis als Hochleistungs-Kitas kritisiert. Schuld sind die besorgten Eltern, die "von ihrem eigenen Leben derart angeödet sind, dass sie sich lieber auf das ihrer Kinder stürzen." (12.08.13)

Am Anfang war der Regress

Der Physiker Josef Honerkamp geht in den Scilogs der leibnizschen Frage nach, warum es eigentlich etwas gibt und nicht nichts. Dabei macht er die Letztbegründung als Grundproblem der Urgrundsuche aus und plädiert auch in dieser alten Frage für kritischen Rationalismus und Quantengravitationstheorie. (15.08.13)

Honneth ist kein Horkheimer

Bei Telepolis berichtet Rudolf Maresch vom Kriegseinsatz der Frankfurter Schule, die im Exil gemeinsam mit dem CIA-Vorgänger OSS Strategien zur Entnazifizierung der Deutschen nach deren Niederlage entwarf. Die Hauptsache ist aber das Schaffen von Fallhöhe, um den heutigen Zustand des Instituts für Sozialforschung unter Axel Honneths Leitung zu beklagen. (15.08.13)

Ohne Grenzen kein Genug

Die Grünen wollen die Steuern erhöhen und uns das Schnitzel verbieten, so die kümmerliche Schnappatmung in Wahlkampfzeiten. Lorenz Graf lässt Paternalismusvorwurf und Liberalismusverteidigung bei Telepolis mal beiseite und erwägt mit Odysseus und etwas Spieltheorie den Nutzen und Nachteil von Selbstbeschränkung. (15.08.13)

Rezensionen: Die ZEIT bespricht das zur Lage passende Buch der Soziologen Zygmunt Bauman und David Lyon über Überwachung von Bentham über Foucault bis zur datensaugenden bewaffneten Drohne. +++ Alain Badiou hat Platons Politeia neu übersetzt bzw. eher oberflächlich nacherzählt, wie die NZZ findet.


Links der Woche am 10.08.2013, 14:56 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 32/13

Existiert nicht, ist aber ein Er

Marcus Hammerschmitt geht bei Telepolis der Frage nach, warum auf atheistischen Parties ein so eklatanter Männerüberschuss vorherrscht. Dabei stellt er die kürzlichen Antwortversuche von Soraya Chemaly vor, wonach auch der Atheismus seinen Sexismus erst noch zu bewältigen hat. (06.08.13)

Das innere Afrika hat WLAN und GPS

Nach Abschluss ihrer Reihe zur Volksherrschaft startet die NZZ diese Woche eine solche zur Technik. Eduard Kaeser eröffnet die neue Serie in der Forschungsbeilage mit einer Überlegung dazu, wie und wie sehr die ubiquitäre Technik ins Unbewusste eingesickert ist. (07.08.13)

Freiheit heißt Besitzstand

Bei Springer ist man not amused, wagt Jakob Augstein in seinem neuen Buch "Sabotage" doch die ungeheuerliche These, Demokratie und Kapitalismus würden einander nicht bedingen, sondern ausschließen. Karen Horn verteidigt die FDGO in der WELT tapfer gegen linke Farbbeutelschmeißer und verträumte Taugenichtse! (07.08.13)

Das Individuum als Ding im Internet der Dinge

We want some answers and all that we get
Some kind of shit about a terrorist threat
- Ministry, Lies Lies Lies (2006)

Seit zwei Monaten ist die großangelegte Bespitzelung der Bevölkerung mit immer neuen Enthüllungen Dauerthema, was die meisten Leute Spielarten der Resignation ausprobieren, andere umso mehr darüber schreiben lässt. Eine Auswahl:

Constanze Kurz und Frank Rieger vom CCC sehen in der FAZ darin, dass zwei E-Mail-Anbieter lieber ihr Unternehmen aufgeben als sich von Geheimdienste weiter nötigen zu lassen, einen Offenbarungseid der Post-9/11-USA. Ebenfalls in der FAZ erklärt Kulturtheoretiker Dirk Baecker, warum Informationen der Schlüssel zur Steuerung von Gesellschaften sind, aber alles halb so wild ist. Bei Telepolis schreibt Jascha Jaworski über die zehn Strategien zur Lenkung ganzer Bevölkerungen. Freilich geht es auch leichter, macht man sich den Herdentrieb zunutze, der laut taz bei Bewertungen im Internet zu beobachten ist.

Et cetera:

Magnus Klaue begutachtet im Freitag Ernst Jüngers akribische Sammlung von letzten Worten, die nun ediert worden ist. +++ Die ZEIT bespricht die jüngsten, vielleicht letzten Kleinen Politischen Schriften des Jürgen Habermas. +++ Telepolis bringt "Teil 2 des Interviews mit dem neuen Shooting Star der Philosophie", Markus Gabriel... +++ Das Institut für Polytoxikomanologie und Perspektivismus befindet sich zur Zeit auf Sommertour und trifft am morgigen Sonntag, 11.08.13 in Hannover ein, um in der niedersächsichen Landeshauptstadt den aufklärerisch performativen Kampf gegen die Verliebtheit vorzuführen, um 19 Uhr in der Sturmglocke.


Links der Woche am 03.08.2013, 09:21 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 31/13

Lustig ist das arme Studentenleben

Auch ohne die kommendes Jahr komplett beerdigten Studiengebühren bedarf es weiterhin diverser Stipendien - deren Zahl steigt -, um den Lotterstudenten à la Lenz und Jean Paul hierzulande nicht zum Regelfall werden zu lassen, schreibt Alexander Košenina in der FAZ. Förderungswürdig waren und sind demnach geistige Freiheit und Originalität statt Karrierismus. (28.07.13)

Feuchte Zettelträume

An der Bologna-Uni geht es um nichts als Noten, meint die Romanistin Eva Erdmann in einem Beitrag, den sie dem Freitag zwischen dem Abstempeln von ECTS-Formularen geschickt hat. Die Relativierung des Notenwahns käme der Betreuung zugute und ist jenseits der Uni längst vollzogen, wo man um die bildungsferne Verbindung von Bestnoten und Korruption weiß. (29.07.13)

Peinlichkeit, Geschmack, Kontrolle

Peinlichkeit ist vor allem eine Frage des Klassenbewusstseins, überlegt Georg Seeßlen in seinem Blog. Ob Fototapete, Fernsehen oder Malle - der höheren Mittelschicht ist alles peinlich, was die Sehnsucht ungelenk zum Ausdruck bringt. Das Fremdschämen zeigt, dass es nicht nur um Geschmack und Distinktion, sondern auch um Kontrolle geht. (29.07.13)

Demokraten kontrollieren und verhaften sich selbst

Seit über einem Jahr hat die NZZ in ihrem Feuilleton eine Beitragsserie zum Thema Demokratie und Volksherrschaft gepflegt, in der alle üblichen Verdächtigen zu Wort kamen und alle zeitgenössichen Aspekte besprochen wurden. Zum Abschluss der Reihe blickt Uwe Justus Wenzel zurück in Zeiten, in denen der Souverän sich von seinen Geheimdiensten selbst überwachen lässt. (29.07.13)

Denken und Schreiben im Kollektiv

Philosophie muss kein einsames Geschäft sein. Schon Horkheimer und Adorno zeigten, dass sich auch zu zweit ausgezeichnet denken und schreiben lässt. Antonio Negri ist mit 80 der ältere Teil des neomarxistischen Denkerduos, dessen jüngere Hälfte Michael Hardt seinem Kompagnon in der taz mit einem freundschaftlichen Portrait zum Geburtstag gratuliert. (01.08.13)

Außerdemos von Sonstnochos:

Im Interview mit Telepolis erklärt Markus Gabriel, warum es die Welt nicht gibt, den Liberalismus und Steuern aber wohl. +++ Die NZZ bespricht die Neuauflage von Jeremy Benthams "Das Panoptikum oder Das Kontrollhaus". Michel Foucault gefällt das. +++ Shereen El Feki hat ein Buch über Sexualität in der islamischen Welt mit dem famosen Originaltitel "Sex and the Citadel" geschrieben und gibt bei Telepolis Auskunft über das Sexuelle, das Politische und das Religiöse.


Links der Woche am 27.07.2013, 12:56 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 30/13

Du darfst auch Professor zu mir sagen

Kürzlich musste ja schon auf Indizien für die sexismusbedingt niedrige Frauenquote in der Philosophie hingewiesen werden. Nun schreibt Nina Marie Bust-Bartels im Freitag von Studien über Professoren, die ihre Machtposition nutzen, um routiniert Studentinnen belästigen. (23.07.13)

Ein ganz Böser

Friedrich Wilhelm Graf hält Giorgio Agamben in der WELT für einen Verschwörungstheoretiker. Im biographischen Abriss und der Werkkritik macht er aus, dass sich Agamben das politisch-philosophische Raunen von Heidegger und Carl Schmitt abgeguckt hat und seine foucaultsche Geistesarchäologie pseudotheologisch, antimodern und antiamerikanisch ist. (25.07.13)

Fragwürdige Gegenwart statt Sommerloch

Hans Ulrich Gumbrecht macht keinen Urlaub, Hans Ulrich Gumbrecht macht sich Gedanken, diesmal in seinem FAZ-Blog über die Gegenwart im Sinne von Moderne, deren jüngste Fassung am 11.09.2001 begann und in deren Unübersichtlichkeit HUG einige Grundlinien hineinskizziert: Balkanisierung politischer Bewegungen, weltweit wachsende Mittelschicht, unhistorische Zeithorizonte, ubiquitäre Öffentlichkeit, Wissensgesellschaft. (26.07.13)

Et cetera:

Harald Welzer erzählt bei der FAZ gern "Wahre Geschichten aus der wünschenswerten Zukunft", diese Woche etwa davon, wie Rimini Protokoll die Daimler-Hauptversammlung zum Theaterstück erklärte. +++ Hannah Lühmann (FAZ) ist auch ganz begeistert davon, wie Markus Gabriel mit seiner populären Epistemologie "das Heidegger-Vehikel aus der Garage geholt und es mit einer Frege-Carnap-Rilke-Goodman-Politur behandelt hat". +++ Die ZEIT macht Reklame für jüngste Konkurrenz, indem sie Die Epilog, Zeitschrift zur Alltagskultur bzw. zum Gesellschaftswandel vorstellt - mit Trailer!


Links der Woche am 20.07.2013, 12:48 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 29/13

Keine Höhle ohne Schatten

Bernard-Henri Lévy fragt mit einer Kunstausstellung, ob die bildenden Künstler mehr Ahnung von der Wahrheit haben als die Philosophen, so berichtet ein gut erholter Sascha Lehnartz in der WELT. Traditionell werden Gemälde erkenntnistheoretisch aller Mimesis zum Trotz als Scheinbilder gemobbt, wogegen BHL u.a. mit Beuys' Fettfleck als Heidegger-Kommentar antritt. (14.07.13)

Deutsches Denken in Frankreich

Zum Geburtstag des toten Jacques Derrida bringt die taz ein unveröffentlichtes Interview, das Klaus Englert 2001 mit dem französischen Philosophen geführt hat. Darin versucht Derrida zu erklären, warum Hegel, Marx, Nietzsche und Heidegger in Frankreich ganz anders rezipiert wurden als in Deutschland, und warum er Benjamin lieber als Adorno mag. (15.07.13)

"Es gibt keinen Geschlechtsverkehr"

Slavoj Žižek denkt in der WELT mit der üblichen Portion Lacan über das europäische Kino nach, das er als Mix aus Komödie und Melancholie wahrnimmt, insbesondere in den Topoi Sexualität und Kriminalität. Allerdings sollte man die Schinken, die Žižek analysiert, selbst gesehen haben, um sich einen Reim auf seine These machen zu können. (15.07.13)

Nicht nur draußen lauert die Gefahr

Soziologe Ulrich Beck gibt im FAZ-Gespräch Auskunft über die jüngste Gefahr im Portfolio der Weltrisikogesellschaft: den staatlich betriebenen Wandel von digitaler Freiheit zu digitaler Kontrolle. Vom Staat ist da keine Hilfe zu erwarten, noch dazu wenn es der bloße Nationalstaat ist, sondern ein digitaler Humanismus muss her. (19.07.13)

Das Weitere und Engere:

Die NZZ stellt Jürgen Habermasens jüngste Sammlung politischer Schriften vor. +++ In einer laufenden Moraldebatte im Cicero warnen die Philosophen Edith und Rolf W. Puster vor Bescheidenheit und Großzügigkeit: Das würde nur unseren schönen Wohlstandsmotor abwürgen. +++ Zal Batmanglij, Regisseur des vielversprechenden Post-Occupy-Thrillers "The East" gibt im Gespräch mit der taz Auskunft über Frustration, Aktivismus und Güte.


Links der Woche am 13.07.2013, 13:00 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 28/13

Geisteswissenschaften: SNAFU

Vor einem Jahr hat die Uni Freiburg ihren Elite-Status verloren. Jürgen Kaube kolportiert in der FAZ von einer kleinen Tagung zur Lage der Geisteswissenschaften, welche Begründungen der Freiburger Historiker Ulrich Herbert dafür von der DFG erhalten hatte: Der geförderte Exzellenzapparillo sei "eine Ansammlung von Spitzenintellektuellen" und zu elitär (!) gewesen. Auch Markus A. Dahlem macht sich bei den SciLogs Gedanken zur Lage nicht nur in den Geisteswissenschaften, sondern in der Personalstruktur deutscher Universitäten (04.07.13)

Sterben ist Gemeinschaftssache

Die taz bringt diese Woche ein neues laaanges, aber grandioooses Portrait aus der Feder Gabriele Goettles, das wie zum Tod des dementen Walter Jens verfasst zu sein scheint. Goettle stellt uns also den Medizinhistoriker Gerhard Baader vor, indem sie ihn erzählen lässt: von seinem langen Leben, von der Medizingeschichte und von der Sterbehilfe. (05.07.13)

Leer wie Schnittlauch. Aber lecker.

Das Leben hat keinen Sinn. Sagt zumindest der bei Telepolis veröffentlichte Auszug (Reklame?) aus Patrick Späts Buch zum Thema. Demnach sind wir digitalen Eingeborenen und Migranten der hemingwayschen Lost Generation darin ähnlich, dass unserer Orientierung im Absurden auch kein Gott nützt - was alles ganz gut ist. (09.07.13)

Echo im Kinosaal

In seinem Blog geht Filmkritiker Georg Seeßlen diese Woche mal wieder auf die Metaebene hoch, indem er u.a. im Mythos von Narziss und Echo die Beziehung von Kino-Figur und Zuschauer vorgezeichnet sieht. Sein eigentliches Thema ist jedoch die Dynamik der erotischen Mythologie (im Kontrast zur pornographischen Inszenierung) in der Filmgeschichte. (10.07.13)

Careful what you wish for

Jeden Sommer wird in Feuilletown das Fehlen der Intellektuellen beklagt, so auch von Peter von Matt in der NZZ. Auf dessen Wunschliste reagiert Gregor Keuschning im Begleitschreiben mit dem pointierten Hinweis, dass der ersehnten Art von Intellektuellen stets von denen der Prozess gemacht wird, die sich den öffentlichen Gegendenstrichdenker nur solange wünschen, bis er mit seiner Aufgabe ernst macht. (11.07.13)


Links der Woche am 06.07.2013, 15:08 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 27/13

Wie entsteht Atheismus?

In den Scilogs beschäftigt sich Michael Blume mit Religiosität unter dem Gesichtspunkt der Evolution und stellt eine Studie vor, welche den blinden Fleck der Evolution von/zum Atheismus auskundschaftet: Fehlende "soziale Kognition", existentielle Sicherheit, Traditionsbruch und Nachdenken könnten Atheismus begünstigen, der aber kein evolutionärer Vorteil zu sein scheint. (30.06.13)

Avanti Dilettanti

In einem Gastbeitrag bei den Scilogs erörtert die Kognitionswissenschaftlerin Katharina Müller "das Treffen von Entscheidungen im Spannungsfeld zwischen Rationalität und Intuition". Die meisten unserer Entscheidungen sind Heuristiken, dank derer wir schnell, aber meist falsch urteilen können, ohne es mitzukriegen, wie Müller an einigen Beispielen zeigt. (01.07.13)

Dicke denken

Hans Ulrich Gumbrecht fragt sich in seinem FAZ-Blog, wieso es noch keine Philosophie des Übergewichts gibt, obwohl sich der Anteil der Adipösen an der Weltbevölkerung binnen einer Generation verdoppelt hat. Bedenkenswert ist immerhin, dass die Gesellschaften zwar toleranter und immer dicker werden, Übergewicht jedoch mehr Stigma denn je ist. (05.07.13)

Der unwahrscheinliche Dr. Dr. Arbeiterkind

Letzte Woche nahm Dr. Dr. Peter Riedlberger den Berliner Dozentenleitfaden zur akademischen Behandlung von Arbeiterkinder auseinander. Diese Woche ließ er seiner Polemik einige Ratschläge für die "Diversitätler" folgen, mit denen er bloß ein sozial ungerechtes Bildungssystem schief argumentierend verteidigt, so der Kommentar von Stephan Schleim ("wuchs im Haushalt eines Anlagenwärters und einer Sekretärin auf.") gleichfalls auf Telepolis.

O Tempora, o mores

Die US-amerikanischen und britischen Abhörprogramme haben manchem die Lust an Internet und Demokratie verdorben. Daniel Martienssen sieht im Freitag das Hobbessche Staatskonzept als Sieger der Geschichte: Mit der Allgegenwart des Internet wacht der Leviathan der Geheimdienste über jeden ihm unterworfenen Bürger. In der NZZ erinnert Tilman Baumgärtel an die früheren Utopien, die mit dem Internet verbunden waren, das sich nun im Gegenteil als perfektes Open-Source-Instrument staatlicher Überwachung erweist.

Et cetera:

Odo Marquard ist im besten Alter für einen Essay- und Gesprächsband über die Endlichkeit, so der Tenor der FAZ-Besprechung seiner Neuerscheinung. +++ Die FAZ interpretiert außerdem Nietzsches Gedicht "Nach neuen Meeren". +++ Vorige Woche stieg in Köln das große RDP-Verherrlichungsfest phil.cologne, weshalb im Freitag einige Autorinnen und Autoren den Boom der Philosophie feiern, als wäre es das erste Feuerwerk, das nicht irgendwann in Rauch und Sondermüll endet. +++ Das Soziologiemagazin weist via Twitter auf Titus Stahls kostenlose PDF-Sammlung der Hegel-, Marx-, Benjamin- und Freud-Gesamtausgaben hin.


Links der Woche am 29.06.2013, 14:35 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 26/13

Philosophie ohne innen

Sibylle Anderl bloggt bei der FAZ über den geringen Frauenanteil in der Philosophie und die möglichen Gründe dafür. Selbst wenn es schlichtes Desinteresse der Damenwelt an Fundamentalontologie wäre, ist zu fragen, wo dieses herrührt. Anderl präsentiert Diagramme, Befragungen und mit einem aktuellen Skandal ein Indiz für Sexismus auch in der Philosophie. (22.06.13)

Börne und Thiel Sloterdijk

Peter Sloterdijk hat letzte Woche den Ludwig-Börne-Preis gekriegt und dabei wie es sich gehört eine Rede gehalten. Diese wird von Richard Kämmerlings (WELT) ausgiebig als "überheblich und voller antidemokratischer Affekte" erledigt, weil sie dem Springerschen Leitbild uneingeschränkten Post-9/11-Blutrauschs widerspricht.

Geld ist Zeit ist Geld

Der Neoliberalismus hat die Zeitlichkeit des Daseins pervertiert, meint Byung-Chul Han in der ZEIT und hebt mit einem Nietzsche-Zitat an, dass die Hektik freilich nicht erst als Kollateralschaden der spätkapitalistischen Moderne ausweist. Dauer jedenfalls ist unmöglich gemacht und Entschleunigung wird nicht helfen. (23.06.13)

Die da oben ticken anders

Politikverdrossenheit ist ein Zeichen der Entfremdung zwischen politischer und bürgerlicher Sphäre, so der wenig überraschende Befund des Elitenforschers Michael Hartmann, der bei Telepolis Auskunft gibt darüber, was die "Kernelite" von sozialer Ungleichheit hält. (24.06.13)

Wo sind sie geblieben (Folge XIII)

Jeden Sommer beklagt irgendeine große Zeitung das Fehlen der Intellektuellen. Annabelle Seubert seufzt in der taz, frühere Generationen hätten Adorno, Böll, Arendt gehabt, wir bloß Richard David Precht. Das ist denn auch gleich das Thema der taz.am wochenende vom 29./30. Juni 2013 (mit brutaler Titelseite). Wo sind denn die liberalen Intellektuellen, frug wohl auch Gerhart Baum laut FAZ bei einer Filmvorführung und wird im Bericht als letzte noch lebende Antwort auf die Frage präsentiert.

Außerdem:

Der blinde Hund weist auf eine Gesetzesnovelle hin, die Wissenschaftlern die Zweitveröffentlichung ihrer Artikel aus Fachzeitschriften erleichtern soll. +++ Wie man als Dozent Arbeiterkinder behandeln sollte, lernt man laut Telepolis an der FU Berlin und Dr. Dr. Peter Riedlberger urteilt: Gut gemeint ist das Gegenteil von gut. +++ Über Recht und Moral, Gehorsam und Widerstand, Treue und Verrat im Falle des Whistleblowers Edward Snowden gibt Reinhard Merkel in der ZEIT Auskunft.


Intime Interna am 25.06.2013, 11:09 Uhr

Gottes E-Book-Reader

Lichtwolf Nr. 42 als E-Book

Der aktuelle Lichtwolf Nr. 42 (Titelthema: Der #@%*! Gottes) ist nun auch als E-Book erhältlich.

...kriegt frisches Material, dass ER aber gar nicht braucht, kennt Er sich doch ohnehin mit allem, vor allem mit seinem #@%*! aus, der ja bekanntlich das Titelthema der aktuellen Sommerausgabe ist.

Eben nämliche ist eine Woche nach Veröffentlichung des 92-seitigen DIN-A4-Paperbacks auch als E-Book erhältlich (wie alle Lichtwölfe seit der Nr. 34 auch). Wie gewohnt gibt es auch das Heft über den #@%*! Gottes einmal als E-Book für Amazon Kindle sowie im offenen .epub-Format bei unserem Vertriebspartner Libreka!, der das E-Book auch an Apple weiterreicht; so die Apfelzensoren sich nicht zu sehr am nackerten Weihnachtsmann auf dem Cover stören, könnte der #@%*! Gottes also bald auch die virtuellen Regale im iBookstore verunstalten.

Sind Ihnen bei der Elektrolektüre zu viel Unternehmen im Spiel? Dann nehmen Sie bitte gern ein schönes Lichtwolf-Abo - da kommt zu jeder Jahreszeit ein von Hand verumschlagtes neues Heft mit der guten alten Post.


Links der Woche am 22.06.2013, 14:35 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 25/13

Der Arier hält sich für eine Buche

In den Scilogs ergründet Ludwig Trepl sehr ausführlich den Naturbegriff des Nationalsozialismus. Dabei fällt ihm auf, dass der darwinistische Konkurrenzkampf sowohl in der NS-Ideologie wie im Liberalismus als natürlich gilt. Allerdings haben die faschistischen Sozialdarwinisten Darwins Theorie nicht verstanden. (17.06.13)

Die Hälfte ist geschafft

Sage noch einer, in der Mathematik gäbe es keine Fortschritte: Heinrich Hemme informiert uns in der FAZ, dass nach 40.000 Rechenstunden die schwache Goldbachsche Vermutung (jede Zahl größer 5 ist die Summe dreier Primzahlen) zumindest für alle ungerade Zahlen bewiesen wurde. (19.06.13)

Der Sex von morgen schon heute

Martin Kurthen lässt sich nicht lumpen und legt bei Telepolis seine Gedanken zum posthumanen Sex vor: Mit der platonischen Aristophanes-Rede erweist er zunächst die Kopulation als künstlichen Notbehelf, den er sodann mit Lacan und Freud untersucht, um die Begriffe "künstlich" und "natürlich" zu revidieren. Posthumanismus wird dann zur Wiederherstellung prähumaner Funktionalität; auch und besonders bei der Fortpflanzung. (16.06.13)

Es war einmal in Regensburg

Rudolf Maresch erinnert bei Telepolis an den vor zwei Jahren verstorbenen Medienwissenschaftler Friedrich Kittler und die gemeinsame Ahnung vom digitalen Strukturwandel und seinen Folgen für die Öffentlichkeit. An vielen Beispielen wie Goethes Portokasse zeigen sich die diskursformenden medialen Effekte, denen Kittler pionierhaft nachspürte. (16.06.13)

Armut und Anarchismus

Im Freitag hat Nina Marie Bust-Bartels ein Portrait des baskischen Anarchisten Lucio Urtubia geschrieben: Bankräuber, Fälscher und Proletarier in der Franco-Diktatur, Bekanntschaft mit Camus und Breton, Familiengründung im Untergrund, ein gigantischer Scheckbetrug zugunsten revolutionärer Bewegungen, heute unterwegs als Lehrer für Utopie. (20.06.13)

Und Weiteres:

Die NZZ stellt Christina Wesselys Buch "Welteis" vor, das Hanns Hörbigers Welteislehre als wissenschaftshistorischen Coup beschreibt. +++ Wer den Lichtwolf kennt und schätzt, weiß um die Bedeutung der Wurst im aktuellen wie in jedem Heft. Auch anderswo wird dem Kulturgut des gefüllten Darms mit Achtung begegnet: Zeichnungen von Eugen Egner taugen nur was, wenn eine Wurst drin vorkommt, Bloggerin Patsy Jones sieht in der Wurst ein Antidot zum Sexismus und die taz stellt uns Constantin Alexander vor, der Bilder von wurstessenden Politikern sammelt.


Intime Interna am 20.06.2013, 10:09 Uhr

Das neue Heft ist #@%*!

Hallöchen, Popöchen: Die passende Lektüre zum längsten Tag im Jahre des Herrn 2013 liegt für Sie bereit. Die 42. Lichtwolf-Ausgabe seit Gründung der Welt beschäftigt sich im Titelthema mit dem #@%*! Gottes.

Lichtwolf Nr. 42 (Sommer 2013)

Lichtwolf Nr. 42 vom Sommer 2013 mit dem Titelthema "Der #@%*! Gottes" ist ab sofort als Einzelheft sowie im Abo erhältlich.

Neben grammato-theologischen Klärungen, was der #@%*! Gottes sei, werden die besten Gottesbeweise behandelt, Zoolatrie, Renaissance des Totgesagten und Transzendenzverbote. Außerdem kommt die Essayreihe darüber, was ein Wort ist, zu ihrem Abschluss, die Selbstaufgabe Ulrich Horstmanns wird behandelt und in der Reihe "Lebende & Leichen" wird die argentinische Schriftstellerin und Dichtermuse Norah Lange portraitiert.

Eine PDF-Leseprobe zum Ausdrucken und Selbstkleben können Sie hier herunterladen, wo es auch PDFs früherer Ausgaben gibt. Alternativ können Sie im LichtwolfReader ins neue Heft reingucken. Abonnenten sollten ihr Exemplar der Sommerausgabe spätestens morgen im Briefkasten haben. Wenn auch Sie zu dieser philo-literarischen Elite gehören möchten, beantragen Sie Ihr Abo an dieser Stelle. Oder Sie bestellen sich den aktuellen Lichtwolf im Einkaufszentrum, wo Näheres zum Inhalt des Hefts zu erfahren ist.

Die E-Book-Fassung folgt wie üblich in den kommenden Tagen (Haben Sie die bisherigen Lichtwolf-E-Books denn schon durch?).

Möge Gottes #@%*! mit Ihnen sein!



Links der Woche am 15.06.2013, 14:23 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 24/13

Das Imperium schlägt zurück

An dieser Stelle wurde vor einem Monat auf Giorgio Agambens bei Alexandre Kojève entlehnte Europa-Kritik hingewiesen. Rudolf Maresch hat sich für Telepolis die Mühe gemacht, die Debatte um den Traum von einem lateinischen Imperium mit Links (also Verweisen) zu den einschlägigen Wortmeldungen und ursprünglichen Ideen nachzuzeichnen. (09.06.13)

In Nachbarschaften

Peter Sloterdijk hat zum 50. Jahrestag der Unterzeichnung des Elysée-Vertrags ein Buch über "Mein Frankreich" (also seins) vorgelegt, das Dieter Kaltwasser bei Glanz & Elend vorstellt. Von rheinübergreifender politischer Entfremdung und philosophisch-literarischer Faszination (besonders Derrida hat es ihm angetan) handeln die versammelten Essays und Notizen. (10.06.13)

Gedanken über Gedanken

Christian Hoppe widmet sich bei den Scilogs der "Hirnforschung und Theologie" und machte sich diese Woche ausdrücklich "Gedanken über Gedanken": vom schlichten aber gewissen Denken-an über daraus gewonnene Urteile und den Zusammenhang von Sprache und Denken bis zur Frage nach der Wirklichkeit von Gedanken und der Möglichkeit von Metaphysik. (12.06.13)

S weiß, dass p.

Passend dazu das Thema ein Blog weiter: Leonie Seng stellt uns zu seinem 50. Jubiläum den Gettier-Fall vor, der das Verhältnis von Glauben und Wissen auf logische Weise problematisiert. In Erlangen wurde dazu getagt und Seng stellt uns einige Einsichten vor, ob und wenn ja was das Problem mit Gettier ist. (13.06.13)

Die Welt ist nicht genug

Metaphysik auch in der NZZ, wo Uwe Justus Wenzel den popularphilosophischen Erstling von Markus Gabriel, "Deutschlands jüngstem Philosophieprofessor", zwar im Marktsegment der Sinnstiftung verortet, es aber ob des systematischen Ehrgeizes (der "Neue Realismus" klingt dabei nach altem Königsberg) vom Ruch der Precht-Epigonie freispricht. (11.06.13)

Geschäftsmodell und Gesinnung offenbart

Die Hochschulreformen unter dem Kürzel Bologna sind nicht arm an Kuriositäten, die selbst die irrsten Schwarzmalereien der Reformkritiker übertreffen. Eine solche stellt Jürgen Kaube in der FAZ vor: Akkreditierungsagenturen entscheiden über die Zulassung von Studiengängen und bieten jetzt selbst Seminare zur Antragsstellung an. (12.06.13)


Links der Woche am 08.06.2013, 14:28 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 23/13

Der Exzess als Frage

Dafür, dass es "Erste Skizzen zu einem Konfliktfeld" sein sollen, wird es schon recht umfassend: Georg Seeßlen denkt in seinem Blog über den "Exzess" nach, der nicht bloß ein Zuviel oder Ausnahmefall, sondern wesentlicher Teil aller Gesellschaftsformen ist. Damit ist der Boden bereitet für den Exzess im Film - Seeßlens eigentliche Domäne. (26.05.13)

Der letzte Systemphilosoph

Michael Hesse unterhält sich in der FR mit John Searle über die immerwährende Krise, den engagierten Philosophen, die Occupy-Bewegung und den philosophischen Fortschritt. In summa gibt das Gespräch einen kompletten Überblick in Searles systematisches Schaffen. (01.06.13)

Die generischen Enten

Die Soziologin Paula-Irene Villa gibt bei Telepolis ausführlich Auskunft über Gender Studies. In Teil I geht es um die Entstehung aus der Frauenforschung, die regionalen Eigenarten und die Nähe zur Wissenschaftssoziologie. In Teil II erklärt Villa, was die großen Forschungsergebnisse und -perspektiven sowie praktischen Folgen des Fachs sind und dass seine Themen so schwierig weil scheinbar selbstverständlich sind.

Das Interview kann das Gender-Unkundige ruhig als Einstieg in die junge Disziplin nehmen, die derzeit wieder sehr gefragt ist: Die Entscheidung der Uni Leipzig, in ihrer Grundordnung statt der üblichen Schrägtiefstrich-Binnen-I-Partizip-Hampelei durchweg das generische Femininum zu gebrauchen (was man bei Springer mal wieder überhaupt nicht versteht, d.h. als "Sprach-Opfer im Namen des Feminismus"), sorgt für Aufregung; desgleichen der Wechsel, den die Heidelberger Kolleginnen und Kollegen vom ruprecht im Untertitel - von "Studierendenzeitung" zu "Studentenzeitung" - vorgenommen haben (vgl. einige Leserbriefe).

Shitstorm wegen Urschleim

Der Fledermausantiempiriker Thomas Nagel hat ein neues Buch geschrieben, in dem er die naturwissenschaftliche Erklärbarkeit vieler geistiger Phänomene, aber auch der Entstehung des Lebens in Zweifel zieht. Das hat in den USA einen Sturm der Entrüstung ausgelöst, den Malte Lehming im Tagesspiegel vorbildlich mit Links nachzeichnet und mit dem deutschen Historikerstreit vergleicht. (07.06.13)

Außerdemchen:

Für die NZZ bespricht Ludger Lütkehaus ein neues Buch über deutsche Philosophen zwischen Kaiserreich und Nationalsozialismus. +++ Hihi: Arno Frank hat für die taz aus Hitlers Tischgesprächen einige Forderungen der Grünen exzerpiert. +++ Horst Hippler, Chef der HRK, verteidigt in der FAZ Open Access gegen die Interessen der Wissenschaftsverlage. +++ Die Kollegen von der Philosophie-Zeitschrift Hohe Luft veranstalten einen Schreibwettbewerb: 8.000 Zeichen zur Frage, was Gerechtigkeit ist.


Links der Woche am 25.05.2013, 14:40 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 21/13

Retweets und Likes statt Citation Index

Im Web 2.0 kann bekanntlich jeder mit jedem, aber (auch und gerade) junge Wissenschaftler schrecken noch vor dem Dauerkontakt mit der Netzöffentlichkeit zurück, bloggt Sibylle Anderl bei der FAZ. Dabei kommt die Wissenschaft nicht mehr lang am Dialog via Social Media als Chance und Pflicht vorbei. (20.05.13)

Gottlobs Werk und Bertrands Beitrag

Wolfgang Krischke berichtet für die FAZ von der dritten internationalen Tagung zum Werk Gottlob Freges in Wismar. Wir lesen über Freges Drittmitteleignung und sein idealistisches Logikverständnis, über die Wunder der Selbstbezüglichkeit und Freges schwierige Wittgensteinlektüre. (24.05.13)

Supermenschen aus der Petrischale

Bei Telepolis unterhält sich Christoph Mann mit dem Technikphilosophen Armin Grunwald über Human Enhancement. Im ersten Teil erklärt Grunwald, womit man als Technikfolgenabschätzer zu zu tun hat, etwa mit synthetischer Biologie, die auch zum Aufrüsten von Menschen dienen kann. Das ist in der Leistungsgesellschaft sehr willkommen, so geht es im zweiten Teil weiter, drum gilt es, Öffentlichkeit und Politik zu beraten. Möchten Sie mehr darüber erfahren, was hinter Ihrer Spezies liegt? Lichtwolf Nr. 39 behandelt das Thema "Jenseits des Menschen". (18./19.05.13)

Noch ein Hochschulrant

Der Jurist Bernd Rüthers sieht die Universitas in Gefahr. Die Gründe, die er in der FAZ aus eigener Anschauung aufführt, sind altbekannt: 68er-Mitbestimmungschaos, Überbevölkerung, soziale Selektion, Trennung von Forschung und Lehre, Reformwut, Ökonomisierung, Bologna und Exzellenzquark. Die Folge: Untergang des deutschen Bildungswesens. (24.05.13)

Et cetera

Die NZZ stellt Harald Welzers Aufruf zur Beseitigung der herrschenden Ordnung vor, "Selbst denken. Eine Anleitung zum Widerstand". +++ In einer Woche erwartet Sie der Lichtwolf auf der Mainzer Minipressen-Messe vom 30.05. bis 02.06. - dort erhalten Sie Ihre Links der Woche mündlich und eigenontisch.


Intime Interna am 22.05.2013, 20:00 Uhr

Lichtwolf in Mainz und Köln

Kommende Woche steht (zumindest in katholischen Landen) zum letzten Mal für eine Weile ein feiertagsbedingtes langes Wochenende an: Donnerstag ist Fronleichnam (Volksmund: happy cadaver), Freitag Brückentag, dann Wochenende. An eben diesen vier Tagen vom 30. Mai bis zum 2. Juni nimmt das freidenkerische Jugendmagazin Lichtwolf an der Mainzer Minipressen-Messe teil. (Wir hatten es ja schon mal erwähnt.)

Besuchen Sie doch den Lichtwolf an Standnummer A13 in der Rheingoldhalle beim malerischen Mainzer Rathaus. Und gucken Sie sich überhaupt mal auf der MMPM um: Alle zwei Jahre treffen sich Kleinverlage, Untergrundzeitschriften und Buchkünstler in der Gutenberg-Stadt, um ihre Arbeiten einer größeren Öffentlichkeit vorzustellen.

Lichtwolf MMPM 2007
Ein Bild aus schwarzweißen Tagen: Herr Ausgeber Schneidegger am Lichtwolf-Stand auf der MMPM 2007, damals noch im Zelt, dieses Jahr farbig und in der Rheingoldhalle - sowie mit weniger Haaren und viel mehr Lichtwolf-Ausgaben als damals. (Photo: Michael Helming)

Der Herausgeber wird zum Herr Ausgeber, denn für jedes neue Abo, das auf der MMPM abgeschlossen wird, gebe ich (also der Schneidegger) ein Bier oder einen Kaffee aus! (Wer stattdessen lieber Saatgut aus dem Lichtwolf-Garten haben möchte, abonniert online bis zum 30. Mai und profitiert von der Frühlingsaktion für Neuabonnenten) Diverse berühmte und beliebte Autorinnen und Autoren der Zeitschrift trotz Philosophie werden am Stand weilen, um Ausgaben zu signieren und Streit zu suchen.

Für noch mehr Kontakt sind zwei Lesungen anberaumt, bei denen Sie erfahren, wie man mit Philosophie reich und berühmt wird, wie sich in der Kartoffel die drei Zeithorizonte vereinen und warum wir uns vor Klaus und Barbie in acht nehmen sollten: Am Rande der Mainzer Minipressen-Messe lesen Schneidegger und die rheinische Edelfeder Marc Hieronimus am 31. Mai um 20:00 Uhr im Antiquariat am Ballplatz das Beste aus nun schon elf Jahrgängen des fröhlichen Wissenschaftsmagazins, das es im Kapitalismus gar nicht geben dürfte. Die nächste Lesung folgt drei Tage später und findet am 3. Juni um 20:00 Uhr im Café Duddel in Köln statt.

Und hier noch einmal alle anstehenden Termine zum Mitschreiben:

Mainzer Minipressen-Messe: vom 30. Mai bis 2. Juni 2013 (Öffnungszeiten); in der Rheingoldhalle am Mainzer Rathaus (Lichtwolf an Standnr. A13); Eintritt frei

Lichtwolf-Lesung: 31.05.2013, 20:00 Uhr; im Antiquariat am Ballplatz, 55116 Mainz; Eintritt: 5 EUR

Lichtwolf-Lesung: 03.06.2013, 20:00 Uhr; im Café Duddel, Zülpicher Wall 8, 50674 Köln; Eintritt frei


Links der Woche am 18.05.2013, 14:30 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 20/13

Die zynische Vernunft buchstabiert

Wörterbücher und Enzyklopädien sind als aufklärerische Projekte auch Dokumentationen der menschlichen Einfalt und Niedertracht. Drum lobt Magnus Klaue im Freitag die bisher umfangreichste Neuübersetzung von Ambrose Bierces teuflischem Wörterbuch, ohne in seiner Begeisterung dessen massenkompatible Mängel zu übersehen. (15.05.13)

Seid umschlungen, ihr Millionen

Giorgio Agamben ist Europäer und Philosoph. Als solcher griff er kürzlich die alte Idee Alexandre Kojèves auf, Europa sei nur als Imperium romanisch-katholischer (statt germanisch-protestantischer) Lebensart sinnvoll. Jürgen Kaube schüttelt in der FAZ einigermaßen den Kopf über solche völkerpsychologischen Phantasien. (16.05.13)

Die Tücken der Conditio techno-humana

Philosophie als Problemlösen hat heutzutage (zu) viel zu tun, findet Eduard Kaeser in der NZZ. Am Beispiel der Klimapolitik zeigt er die Verzwicktheit zeitgenössischer Großprobleme auf, die nicht klar zu formulieren sind und deren Lösungen nur neue Probleme aufwerfen. Da könne jedes Engagement nur fatalistisch sein. (16.05.13)

Unn sünst?

Der Darmstädter Philosoph Gernot Böhme gibt in der taz Auskunft über die Bedeutung der vor allem akustischen Atmosphäre u.a. von Städten für das Bewusstsein. +++ In einer Rezension zeigt man sich beim Theorieblog angetan vom sozialwissenschaftlichen Krisennarrativ, das Wolfgang Streeck in seinem Buch "Gekaufte Zeit: Die vertagte Krise des demokratischen Kapitalismus" ausbreitet. +++ Das Rahmenprogramm der Mainzer Minipressen-Messe vom 30. Mai bis 2. Juni steht fest; den Messestand des Lichtwolfs finden Sie auf Platz Nr. A13 in der Rheingoldhalle und am 31. Mai lesen die Herren Hieronimus und Schneidegger ab 20 Uhr c.t. im Mainzer Antiquariat am Ballplatz; am 3. Juni im Kölner Café Duddel. +++ Und noch ein Veranstaltungstipp: Nach der lit.cologne gibt es ab sofort auch eine phil.cologne. Das "Internationale Festival der Philosophie" steigt vom 26. bis 30. Juni mit den üblichen Verdächtigen und einem Philosophy Slam, denn ohne geht es ja gar nicht mehr.


Links der Woche am 11.05.2013, 14:23 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 19/13

Herrschaftswissenschaftler

Schelsky, Springer et.al. warnten anno 68 noch vor der Machtergreifung der sozialwissenschaftlichen Priesterkaste. Die zeitgenössischen Protestbewegungen dagegen sind technokratisch geprägt, urteilt Franz Walter im Freitag. Das politische Medium ist den Sach- und Fachleuten zu schwammig, die Ingenieure und Ökonomen wollen Ergebnisse! (06.05.13) (Mehr über die Expertokratie übrigens im aktuellen Lichtwolf...)

Das Recht auf Pluralismus

Die Deutschen Islamkonferenz des Innenministeriums ist unbeliebt und vorbei, gerade findet unter dem Motto "Selbstbestimmung statt Gruppenzwang!" die sogenannte "Kritische Islamkonferenz" statt. Alexander Dill hat sich für Telepolis einige Fragen zu Kulturimperialismus, Gleichheit und Islamismus vom Mitorganisator und religionskritischen Philosophen Michael Schmidt-Salomon beantworten lassen. (07.05.13)

Georg Seeßlen...

...ist gerade wieder ungeheuer produktiv. Man möchte ihn fast schon den deutschen Žižek nennen. In seinem Blog gibt es eine Skizze über Demokratie und Postdemokratie, für die man ziemlich ausgeschlafen sein sollte. In der taz erklärt uns der Meister den Kapitalismus mittels des Salzstreuers und dann gibt es noch Kleinigkeiten zu Aigner und Verbriefungen.

Literaturkritik kaputt?

Alle Jahre wieder wird das Feuilleton als ganzes oder teilweise in Zweifel gezogen. Roman Bucheli sieht in der NZZ die feuilletonistische Paradedisziplin der Literaturkritik unter Druck. Aber das Schrumpfen ihres traditionellen Printmediums muss der Rezension nicht schaden, sie könnte durch Anpassung an die Spielregeln des digitalen Neulands reifen. Herbert Debes von Glanz & Elend erklärt, wie und wo die Literaturkritik im Internet zu neuer Blüte gelangen könnte und schon gelangt ist.


Links der Woche am 04.05.2013, 14:23 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 18/13

Die Welt zum Guten ändern

Norman Birnbaum gehört der großen Generation linker Intellektueller an, die - anders als ihre (Zeit-)Genossen im Ostblock - für ihre Sozialutopien belächelt oder als nützliche Idioten der herrschenden Ordnung verachtet wurden. Ihre Nachfolger und Studenten sorgten für wachsende Ungleichheit, Krieg gegen den Terror und Finanzkrise. So fällt Birnbaums Bilanz der Weltverbesserung in der FAZ eher bitter aus. (03.05.13)

Lebensweltliches:

Beim Cicero wird über den Zusammenhang von Krisen und Kreativität nachgedacht - am Beispiel von Wittgenstein und WK I; und "Wer mehr über das Leiden der „Geistesgrößen“ erfahren will, kann in der aktuellen INDES nachlesen." +++ Georg Seeßlen hat diese Woche wieder über Kleinigkeiten gebloggt - von Schaufensterpuppen über Ästhetisierung und moralische Urteile bis zum Dauerbrenner Flugzeugsitzbauer. +++ Nicht schlafen zu wollen ist kindisch und ein Zeichen von Lebenshunger, schreibt Peter Bürger in der NZZ-Reihe über Schlaflosigkeit. +++ In der ZEIT unterhält sich Susanne Mayer recht engagiert mit Naomi Wolf über deren neues Buch "Vagina", in dem sie Männlein und Weiblein zu mehr Masturbation und Ritterlichkeit rät.

Persönliches:

Nach der obligatorischen Kapital-Lektüre meint jeder, eine (schlechte) Meinung zu Jeremy Bentham haben zu müssen; im Freitag versucht sich Magnus Klaue an einer Rehabilitation des Sozialreformers und Panoptikers. +++ David Foster Wallace war Tennisprofi und Logiker und wurde als Schriftsteller bekannt, ehe er 2008 Selbstmord beging; nun ist seine Abschlussarbeit "Schicksal, Zeit und Sprache. Über Willensfreiheit" auf Deutsch erschienen, wie der Deutschlandfunk meldete. +++ Ein anderes manisch-depressives Multitalent feiert am Sonntag seinen 200. Geburtstag: Kierkegaard. Bei Glanz & Elend würdigt Dieter Kaltwasser aus diesem Anlass den dänischen Hosenträger.

Abschließendes:

Wenn Sie sich mit psychoanalytischer Textkritik noch nicht so auskennen und erstmal an was Leichtem üben wollen, hätte man Sie früher auf die Katholiban von kreuz.net verwiesen; nun, da die von der homosexuellen Weltverschwörung abgeschaltet nach Österreich deportiert wurden, bleibt immer noch das von den Jugendverderbern des IPuP herzlich empfohlene www.eltern-im-netz.net, wo der Tötungs- und Geschlechtstrieb dermaßen wegsublimiert ist, dass es nur so rauscht. (Könnte Satire sein!)


Links der Woche am 27.04.2013, 15:30 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 17/13

Warum eigentlich nicht?

Maximilian Krämer wundert sich in der FAZ, warum Philosophie in ganz Europa selbstverständliches Schulfach ist, nur nicht in Deutschland, denn die philosophischen Zeitschriften, Praxen und Ratgeber belegen ja ein wachsendes Interesse an Philosophie. Dass es kein verbindliches Curriculum Philosophie gibt, lässt Krämer als Entschuldigung für die Schwundform Ethikunterricht nicht gelten. (21.04.13)

Elementarschere Einkommen

Seit Hans-Ulrich Wehler sein neues Buch über die soziale Ungleichheit in Deutschland vorgestellt hat, ist er damit auf allen Kanälen vertreten. In den "Blätter für deutsche und internationale Politik" hat er sein Buch in einem Artikel zusammengefasst. Bei der Polarisierung der Einkommen und Vermögen geht es vor allem um Macht und Herrschaft, wie er an der Arbeitsmarkt- und Steuerpolitik zeigt.

War Hitler neidisch auf Blondie?

Hans Ulrich Gumbrecht zieht in seinem FAZ-Blog den scharfsinnigen Schluss, dass Tierfreunden und Vegetariern nicht zu trauen ist, weil Hitler ein Tierfreund und Vegetarier war. Aber eigentlich geht es ihm (Gumbrecht) um tierethische Positionen (Singer, Hacking et.al.) und deren Mensch-Tier-Differenzierung. Übrigens: Hitler hat auch deutsch gesprochen, in Flachspüler gekackt, aber wenigstens war er nicht in der Waffen-SS. (26.04.13)

Rezensionen

Maximilian Probst zeigt sich in der ZEIT angetan und bewegt von der Biographie, die Benoît Peeters über den Zentristen und Zwiespalter Jacques Derrida geschrieben hat. +++ Prost: Die taz stellt zwei Bücher über Rausch und Revolution vor, nämlich "Das Ende der Enthaltsamkeit. Über Bars, Cocktails, Selbstermächtigung und die Schönheit des Niedergangs" und "Leben im Rausch. Evolution, Geschichte, Aufstand". +++ Die NZZ präsentiert Michael Sandel als modernen Sokrates, sieht dessen Versprechen mit Sandels Buch "Gerechtigkeit. Wie wir das Richtige tun." aber noch nicht ganz eingelöst.

Sonstiges

Der blinde Hund hat die Nominierungen gesammelt und ruft nun zur Abstimmung über das schlechteste Philosophie-Buch aller Zeiten auf. +++ Schöner Nachtrag zum aktuellen Lichtwolf über Experten: "Sprachexperte" (hihi) Joachim Scharloth hat den SPIEGEL ausgewertet und zeigt, dass der Triumph der Experten über die Wissenschaftler eine Folge von 1968 ist und welche Worte üblicherweise im Kontext von "Experten" gebraucht werden.


Links der Woche am 20.04.2013, 13:17 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 16/13

Mode des Selbstversorgens

"Die Selbstversorger sind auf dem Vormarsch", sei es aus Öko-Bewusstsein, sei es aus Misstrauen gegen die Fraßindustrie, so meldet die WELT. Cosima Lutz gibt einen Überblick inkl. gärtnernder Neonazis und Literaturempfehlungen. Wer mit der Selbstversorgung klein anfangen und was interessantes lesen möchte, während das Zeug wächst und das Internet abkackt, dem sei die aktuelle Lichtwolf-Aktion für Neu-Abonnenten empfohlen. (16.04.13)

Mode des Biographismus

Auch Biographien liegen voll im Trend, schreibt Hannelore Schlaffer in der NZZ - aber waren sie denn jemals out? Biopics jedenfalls dominieren das Kino und Biograph ist längst ein ordentlicher Brotberuf. Das Fernsehen hat es normal gemacht, sich an Berühmtheiten ranzuwanzen, um an ihrem Abglanz teilhaben und ihren Alltag als geadelt betrachten zu können. (17.04.13) (Wir hätten da übrigens auch noch einen kompletten Lichtwolf zum Thema Autobiographie...)

Bücher! Bücher!

Uwe Justus Wenzel bespricht in der NZZ Quentin Skinners "Die drei Körper des Staates", eine Meditation über den Frontispiz des Hobbesschen Leviathan. +++ Bei Glanz & Elend stellt Dieter Kaltwasser den zweiten Band "Nachmetaphysisches Denken" von Jürgen Habermas vor. +++ Der geistige Vater des Selbstversorgertums (s.o.),

Henry David Thoreau, hat einem Jünger Briefe geschrieben, die in einem neuen Buch versammelt sind und in der FAZ besprochen werden. +++ Auch die ZEIT rezensiert Thomas Strässles Buch zur Gelassenheit.

Außerdem:

Guter Datenjournalismus: Die ZEIT hat die Zahlen der Todesopfer rechter Gewalt 1990 - 2013 statistisch aufbereitet und visualisiert. +++ Hans Ulrich Gumbrecht erwägt in seinem FAZ-Blog, ob Politikverdrossenheit eine Folge des Endes der Ideologien ist. +++ via @theorieblog: das Foucault-Blog +++ Der blinde Hund will's wissen und ruft zur Wahl des schlechtesten philosophischen Buchs aller Zeiten auf, bei der z.Zt. noch nominiert werden kann.


Links der Woche am 13.04.2013, 14:20 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 15/13

Zweimal Seeßlen

Wie so oft ergeht hier der nötige Hinweis auf Georg Seeßlens Blog, das diese Woche mindestesn zwei Lesenswürdigkeiten enthielt:

Die wunderbare Warenwelt ist weder das Paradies noch Trost über seinen Verlust, vielmehr vernichtet der Kapitalismus jedes Paradies, das er in der Welt und in den Vertriebenen findet. +++ Als Seeßlen vergangenen August in der taz forderte, das Feuilleton abzuschaffen, machte er u.a. die Bemerkung: "Im Kulturteil würde man sich dafür schämen, wozu man sich im Wirtschaftsteil anstandslos bekennt." In seinem Blog zeigt er nun am Beispiel eines "Unternehmergesprächs", wie diese bürgerliche Schizophrenie in der FAZ aussieht, deren Feuilleton sich entgeistert gäbe, verstünde es wirklich, was im Wirtschaftsteil steht.

Das Sein zum Tode

Der Ökologe Ludwig Trepl setzt sich seit einiger Zeit in den Scilogs kritisch mit der Gaia-Hypothese auseinander. Diese Woche dämpft er den szientifisch-naturalistischen Episteme-Optimismus, Leben auf Physik reduzieren zu können: Leben ist nicht rein kausal erklärbar, weil es nämlich den Tod gibt. (08.04.13)

Geschichte als Geschichte

Arno Widmann plaudert in der FR mit dem Heidelberger Mediävisten Johannes Fried ausführlich über Weltgeschichte als unmögliche Erzählung der Ursprünge und Wege des Menschen. Entweder werden Schlaglichter von Spezialisten zwischen zwei Buchdeckel gepresst oder ein einzelner Erzähler verschwindet im Dickicht historischer Verstrickungen. (08.04.13)

Das Gegebene und das Gezeigte

Im FAZ-Blog plädiert Sibylle Anderl für Vorsicht im Umgang mit Daten, die gerade in einem nie dagewesenen Ausmaß produziert und durchforstet werden. Dazu verweist sie auf Bogens und Woodwards Unterscheidung zwischen zwischen Daten und Phänomenen, denn so "gegeben", wie der Name sagt, sind nicht "Daten", sondern eher das, was sich zeigt. Das sollten sich auch Datenjournalisten hinter die Löffel schreiben. (11.04.13)

Das Weitere und Engere:

Nebenan bei Glanz & Elend stellt Dieter Kaltwasser zwei philosophische Neuerscheinungen vor: Schnädelbachs "Was Philosophen wissen und was man von ihnen lernen kann" sowie Hösles "kurze Geschichte der deutschen Philosophie". +++ Im Freitag bemerkt Slavoj Žižek angesichts des Zypern-Dilemmas, dass die tatsächlich nötige Regulierung wieder ausbleiben wird. +++ Nicht nur Erstis haben ihre liebe Not, bezahlbares Obdach zu finden, auch die Uni Bremen muss sich in Hotels einmieten, um Hörsäle zu haben, wie die taz berichtet. +++ Sophia Amalie Antoinette Infinitesimalia stellt im FAZ-Blog die mathematisch-modelltheoretische Konfliktforschung von Lewis P. Richardson vor. +++ Konsumkritik ist überholt, so die These von Wolfgang Ullrichs neuem Buch, das Andrea Roedig im Freitag vorstellt: Die postmoderne Konsumkritik betrachtet die Warenwelt als Bibliothek. +++ Der blinde Hund hat sich einen E-Reader besorgt und schreibt ausführlich und anleitend vom Nutzen und Nachteil des E-Book-Wesens für Geisteswissenschaftler.


Links der Woche am 06.04.2013, 14:28 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 14/13

Die Wirtschaftsweisen

Einen Interviewband zum globalen Aktivismus stellt uns Florian Schmid im Freitag vor. Darin finden sich (nicht mehr ganz frische) Gespräche mit u.a. Slavoj Žižek, Stéphane Hessel, Tariq Ali, Francis Fukuyama und Michael Hardt über die globalen Krisen, Anlässe zum Protest und die Notwendigkeit seiner Organisation und Vernetzung. (02.04.13)

Nach Bologna kein Bologna mehr

Kulturwissenschaftler Klaus P. Hansen beschreibt in einem Gastbeitrag für Spon, "wie Unis Genialität verhindern", nämlich u.a. mit Wettbewerbszirkus und Dauerbefristungen. Bologna und Exzellenzwahn machen Gelehrte zu Verwaltungsangestellten und geben PR den Vorrang vor ernsthafter Forschung (insbesondere der einsamen Lektüre). (03.04.13)

Unn sünst?

Das ganz Kleine und das ganz Große: Cary Huang macht mit einer Flash-Animation die Größenverhältnisse im Universum anschaulich. +++ Georg Seeßlen bloggt 12 Thesen über Sprache, die auch im Lichtwolf Nr. 35 zum gleichen Thema hätten stehen können. +++ Apropos Lichtwolf: Die aktuelle Ausgabe ist seit dieser Woche auch als E-Book erhältlich. +++ Christian Wiese schreibt in der Jüdischen Allgemeinen - als hätte er die plötzliche Fahndung nach 50 NS-Verbrechern geahnt - darüber, was von Hannah Arendts "Eichmann in Jerusalem" nach einem halben Jahrhundert noch bleibt. +++ Die taz stellt das neue Waffenrecht an einer Uni in Lynchburg (!) vor, die so US-amerikanisch zu sein scheint wie Apple Pie und auch was für Taliban wäre. +++ Der blinde Hund hat seine Link-Liste mit Philosophie im Internet aktualisiert und um Open-Access-Zeitschriften erweitert. +++ Radio-Tipp: Heute kommt ab 23:05 Uhr im Deutschlandfunk die Lange Nacht über Erich Mühsam.


Intime Interna am 04.04.2013, 21:12 Uhr

Elektrische Experten und Samenbomben

Nein, in dieser Nachricht geht es weder um Cumshot-Legende Peter North noch um E-Book-Experten, die überraschend verkünden, ihr Fachgebiet sei zufällig die krasseste Neuheit seit Erfindung des Netzwerkkabels.

Lichtwolf Nr. 41 als E-Book

Den aktuellen Lichtwolf gibt es als E-Book fürs Kindle sowie im offenen .epub-Format oder wie früher auf Papier.

Stattdessen möchten wir darauf aufmerksam machen, dass der aktuelle Lichtwolf zum Thema "Experten" nun auch - wie die alle Ausgaben seit der Nr. 34 - als E-Book erhältlich ist.

Ganz nach geübtem Gebrauch gibt es die elektronische Fassung der Nr. 41 in zwei Geschmacksrichtungen: Einmal für Kunden des einbrüstigen Onlineriesen und Inhaber seines Lesegeräts Kindle; den aktuellen Lichtwolf fürs Kindle darf man ruhig bestellen, schließlich werden bei der Auslieferung nur Bits getrietzt, bis sie quietschen. Wer dagegen nicht dem Amazonen auf den Leim gegangen ist und irgendeinen anderen E-Book-Reader hat (oder ein kostenloses Programm, mit dem sich E-Books am Computer lesen lassen) sowie lieber eine Datei kauft, über die er und sie frei verfügen dürfen, der wählt die Nr. 41 im offenen .epub-Format - erhältlich bei Libreka und den E-Book-Shops, die ihre Titel von Libreka übernehmen. Der von Apple - noch so einem in der Region verwurzelten Familienbetrieb, bei dem die Wirtschaft nicht nur in Osterreden für den Menschen da ist - tut das meist nur, wenn Sonne, Mond und Jobs-Planet in einer obskuren Konstellation stehen.

Punkt 2: Der Samenstau in der Redaktion. Im Editorial der aktuellen Ausgabe heißt es, wir böten den Frühling über eine zusätzliche Gratifikation für alle, die Lichtwolf-Kram direkt beim Lichtwolf (oder beim Verlag) bestellen: Jedem neuen Abo, das bis zum 31. Mai via www.lichtwolf.de neu abgeschlossen wird, legt der Herausgeber höchstselbst ein Tütchen Saatgut aus der Vorjahresernte bei: Wicken, Ringelblumen und der von der Leserschaft besonders geschätzte Senf – vom Herausgeber persönlich auf Heimaterde gezogene Munition für guerilla gardener! Robust, schnell wachsend und mit Betriebsanleitung versehen! Einige Neuabonnenten haben ihr erstes Heft im Abo bereits erhalten, aber noch ohne Saatgut. Dies wird in den kommenden Tagen, da der Frühling ja nun doch noch kommt, mit der Post nachgeschickt. Alle anderen, die es mit dem Lichtwolf in Regal und Vorgarten besonders grün haben möchten, bekommen ihr Abo hier.

Oder Sie warten bis Ende Mai: Dann ist Mainzer Minipressen-Messe und wer am Stand des Lichtwolf ein Abo ordert, kriegt ein Freibier. Das kann man nicht aussähen, aber sofort austrinken.


Links der Woche am 30.03.2013, 14:25 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 13/13

Ein paar Menschheitsfragen

M. Laaff & D. Schulz geben in der taz anlässlich von Googles Datenbrille einen kurzen Überblick, wie weit Mensch und Maschine bereits verschmolzen sind. Wie es weitergeht behandelt u.a. Lichtwolf Nr. 39 ("Jenseits des Menschen"). +++ Die Kollegen vom theorieblog.de verweisen auf ein Joint Venture des Schweizer Tagesanzeigers mit dem Portal philosophie.ch, das die ganz großen Fragen behandelt. +++ Der Nachbar von Michael Krüger notierte in schlaflosen Nächten sorgfältig, was mit der Schöpfung im Allgemeinen und der Menschheit im Speziellen schiefgelaufen ist, wie Krüger in einem rührenden Nachruf in der NZZ berichtet.

Schwanzvergleich für Akademiker

Was der Uni das Hochschul-Ranking ist dem Wissenschaftler das Publikationsranking. Sophia Amalie Antoinette Infinitesimalia stellt im FAZ-Blog die zugrundeliegende Methodik der Auswertung von Veröffentlichungen und Querverweisen vor, um sodann linkreich von den Wundern und Problemen der Bibliometrie zu künden. (27.03.13)

Das Spiel des Herausgeberlebens

Frank Schirrmacher hat gerade ein Buch über Spieltheorie veröffentlicht und will das Thema den Lesern der von ihm mitherausgegebenen FAZ nicht vorenthalten. Neulich erklärte dort ein Informatiker, wie mit Spieltheorie und Big Data menschliches Verhalten vorhergesagt werden kann. (Wenn Sie sich dafür interessieren: Im aktuellen Lichtwolf geht es im Beitrag über Expertensysteme auch um das Thema.) Diese Woche kommt Schirrmacher auf den Kern seines Buchs zu sprechen, nämlich die spieltheoretische Verheerung der Finanzmärkte, womit er die Bühne frei macht für den Mathematiker und Ökonomen Ariel Rubinstein, der uns erstmal erklärt, was Spieltheorie überhaupt ist.

Zwei fürs 20. Jahrhundert

Michael Jäger unternimmt im Freitag den Versuch einer Gegenüberstellung der Zeitgenossen Richard Wagner und Karl Marx. Beide weisen um 1848 erstaunliche gedankliche Parallelen auf und es ist interessant zu sehen, wie Wagner und Marx mit dem Vorzug der Sinnlichkeit vor dem Geld, den sie von Feuerbach haben, hernach in Denken und Werk umgehen. (28.03.13)

Bücher, Bücher, Bücher!

Da muss irgendwo ein Nest sein. Der NZZ-Fachphilosoph Uwe Justus Wenzel hat Frühlingsgefühle bekommen - und zwar durch das neue Buch von Antonio Negri und Michael Hardt, das Tauflecken im Eispanzer der Globalisierung ausmacht; übrigens gibt Michael Hardt im Interview beim Freitag Auskunft über den neuen Papst, globale Widerstandsbewegungen und Liebe. +++ Auch Arno Widmann bespricht Band 10 von Karlheinz Deschners "Kriminalgeschichte des Christentums" sowie die antiquarisch auf CD-ROM erhältlichen Bände 1-9. +++ Noch eine Besprechung eines Buchs, auf das an dieser Stelle bereits hingewiesen wurde: Hans Bernhard Schmid vergleicht in der NZZ Heideggers Handwerkerphänomenologie mit der in Richard Sennetts Neuerscheinung "Zusammenarbeit". +++ Ludger Lütkehaus zitiert Wittgensteins guten Vorschlag für eine bündische Grußformel unter Philosophen und stellt in der NZZ Thomas Strässles Essay über die Gelassenheit vor. +++ Statt einer Rezension schreibt Franz Viohl im Freitag einen offenen Brief an den Sozialpsychologen Harald Welzer, in dem er seine zwiespältigen Gefühle nach der Lektüre von Welzers Aufruf zum Widerstand ("Selbst denken") darlegt.


Links der Woche am 23.03.2013, 14:30 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 12/13

Sozialpolitik in Historikers Sicht

Vergangene Woche wurde an dieser Stelle bereits auf die neuerliche Debatte um Ungleichheit und Gerechtigkeit hingewiesen. Anlass war Hans-Ulrich Wehlers Buch "Die neue Umverteilung", das Klaus Harpprecht in der ZEIT vorstellt. Der Historiker hatte sich ebenda vergangenen Monat ausführlich zum geschönten Armutsbericht der Bundesregierung geäußert und sich insbesondere darüber gewundert, dass der soziale Frieden immer noch hält. Im Gespräch mit der FR gibt Wehler Auskunft über die Umverteilung von unten nach oben und die kalte Wut.

Opa erzählt vom Krieg

Der 68er Helmut Wietz hat einen Comic über das wilde Berlin Ende der 60er gemacht - eine Art bebilderte Selbstkritik der Generation, die (ob bekifft oder nüchtern) Mao und Adorno verehrte, auch ohne viel lesen zu müssen. Marcel Malachowski stellt Buch und Mindset im Freitag vor. (21.03.13)

Wissenschaftsphilosophiewochen bei der FAZ

Sibylle Anderl berichtet von einem Hannoveraner Treffen von Wissenschaftsphilosophen, die zwischen den Stühlen von Physik und Philosophie tagten. In der Klimaforschung führt mehr Wissen zu mehr Unsicherheit - Schuld ist die Komplexität der Materie, erklärt Joachim Müller-Jung. Abermals Sibylle Anderl schlägt von Hannover aus vor, bei solchen Problemen mal den Wissenschaftsphilosophen zu fragen.

Eingeführt bleiben!

Klaus Watzka unterrichtet in Jena BWL und beobachtet mit Sorge, wie nun auch die letzten Bundesländer die mit ordentlich Sachzwang eingeführten Studiengebühren wieder abschaffen. In der FAZ macht er ein Tabu aus, um es wacker zu brechen, indem er nämlich dafür plädiert, die Studentenschaft an den Kosten ihrer Bildung zu beteiligen. (21.03.13)

Außerdemos von Sonstnochos:

Nebenan bei Glanz & Elend bespricht Jürgen Nielsen-Sikora zwei Bücher zur Verschwarmung des Menschen im Netz von Nicholas A. Christakis und James H. Fowler sowie von Jean Baudrillard (!). +++ Mit den Piraten wurde nicht nur der Insiderwitz als politisches Kommunikationsmittel "salonfähig", wir verdanken der Partei auch Klarheit darüber, ob Berlin auf die Zombie-Apokalypse vorbereitet ist. +++ Pünktlich zum neuen Papst ist Karlheinz Deschners "Kriminalgeschichte des Christentums" abgeschlossen, wie Ludger Lütkehaus in der NZZ meldet. +++ Der Frühling lässt noch auf sich warten, der Lichtwolf zur Jahreszeit ist aber schon da: Titelthema Experten.


Intime Interna am 21.03.2013, 11:30 Uhr

Das neue Heft ist da!

Experten sollten in den entscheidenden Gremien mitreden. Warum werden das deutsche Steuer- und Rechtssystem für Laien ewig undurchschaubar bleiben? Weil jeder sechste Abgeordnete im gegenwärtigen Deutschen Bundestag Angehöriger der steuer- oder rechtsberatenden Berufe ist und Arbeitsmarktpolitik nicht am eigenen Leib erfahren möchte.

Lichtwolf Nr. 41, Experten

Die Frühlingsausgabe 2013 beschäftigt sich mit Experten und ist ab sofort im Einkaufszentrum oder per Abo erhältlich. Die E-Book-Ausgabe folgt kommende Woche.

Könnte man so sagen. Kann man aber auch sagen, ob es zu viele oder zu wenige Experten in Politik und Medien gibt? Sind die richtigen Experten diejenigen, die unsere dilettantischen Ahnungen bestätigen, oder sind das gerade die falschen? Und wie reden die eigentlich mit uns?

Dies sind einige der Themen, die in der aktuellen Frühlingsausgabe des Lichtwolf mit dem Titelthema Experten behandelt werden. Expertenherrschaft von Platon bis Chomeini, verschiedene Fachleute in Bild und Detailkritik, Kunstfeinde als Kunstexperten, Fachwissen als Herrschaftswissen, Vogelhausbau, Marslandkarten und Expertensysteme. Außerdem erörtern wir die Fragen, ob und wie man als Philosoph leben soll, was ein Wort ist und warum die Kurzgeschichte dem Roman wohl doch vorzuziehen ist.

Gucken Sie ruhig erstmal ganz unverbindlich in den Expertenwolf rein: Im LichtwolfReader können Sie die ersten Seiten des Hefts durchklicken, Sie können eine Leseprobe als PDF herunterladen und die Einleitung ins Titelthema, der (halbe) Lichtwelpe für Kinder mit Nobelpreis-Ambitionen sowie Bdolfs Experten-Propädeutikum stehen zur Lektüre online bereit.

Ausführlichere Infos zum knollennasig illustrierten Inhalt der Frühlingsausgabe erhalten Sie im Einkaufszentrum, wo Sie das Heft auch gleich für schnöde 7,80 Euro (inkl. Versand) bestellen oder zum Anlass für ein bequemes Jahres-Abonnement nehmen können. Denn bei Amazon ist der Lichtwolf ab dieser Ausgabe aus Gründen nicht mehr zu haben.

P.S.: Im Editorial dieser Ausgabe heißt es, nun sei dieser Winter überstanden. Wir bitten diesen Irrtum zu entschuldigen.


Intime Interna am 19.03.2013, 12:58 Uhr

Mainzer Rheingold

Immer, wenn das Jahr ungerade ist, treffen sich die Buchkünstler, Kleinverlage und Untergrundzeitschriften in Mainz zur Minipressen-Messe (MMPM). 2013 ist ein ungerades Jahr und Ende Mai ist es wieder soweit: Die 22. MMPM findet vom vom 30. Mai bis 2. Juni 2013 statt - und der Lichtwolf ist wieder mit einem Stand zwischen den letzten Mohikanern der Grauen Literatur vertreten. Der Eintritt ist frei und wer auf der Messe ein Abo abschließt, kriegt vom Herausgeber einen ausgegeben (deswegen heißt das ja Herr Ausgeber).

Anders als die Reklame in der Frühlingsausgabe behauptet, die unsere Abonnenten diese Woche im Briefkasten finden sollten, wird der Lichtwolf nicht im Messezelt am Rheinufer Daueraudienz halten. Wie die Organisatoren mitteilten, wird die diesjährige MMPM die erste sein, die nicht im ewig provisorischen Großraumzelt, sondern komplett in der nahegelegenen, für wagnersche Ewigkeit gebauten Rheingoldhalle stattfindet. Damit haben Sie noch einen guten Grund, Ende Mai / Anfang Juni mal nach Mainz zu kommen, um nämlich die sicherlich ungewohnte Atmosphäre einer MMPM auf Marmorboden zu erspüren.

Lichtwolf auf der MMPM 2013

Und noch einen guten Grund gibt es, die MMPM 2013 zu besuchen: Am Rande der Messe lesen die Herren Hieronimus und Schneidegger am 31. Mai, 20 Uhr im Mainzer Antiquariat am Ballplatz aus 1.000 Jahren Lichtwolf vor. Gegen einen Eintrittspreis von 5 Euro erfahren Sie hier u.a., warum Sie Klaus fürchten sollten und wie man mit Philosophie reich und berühmt wird.



Links der Woche am 16.03.2013, 14:49 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 11/13

Der Blick zurück

Die marxistische Geschichtsschreibung Anglophoniens hat mit Eric Hobsbawn und Tony Judt in den vergangenen Jahren zwei ihrer Ganzgroßen verloren. Michael Hesse räsoniert in der FR über Tony Judts und Timothy Snyders historiographische Dialoge übers 20. Jahrhundert. (13.03.13)

Europa beherrschen

Mit Merkel und Gauck herrscht in Deutschland eine postdemokratische Ideologie, die rundum mit Teflon beschichtet ist. Georg Seeßlen geht in seinem Blog dem Merkelismus nach, der nur scheinbar bräsig-wendehälsig ist, tatsächlich aber machiavellistisch und merkantilistisch (eben merkelistisch) seine Agenda in Europa durchsetzt. (09.03.13)

MOOCs

Da nur "online" es heutzutage über keine Aufmerksamkeitsschwelle mehr schafft, muss es schon auch "massive" sein: Massive Open Online Course (MOOC) ist kein neuer Spieletrend, sondern bietet den gebildeten Ständen und denen, die dazuzählen wollen, Content direkt aus den Hörsälen der berühmtesten Hochschulen. Seiten wie Cousera, Open Course World, edX oder Udacity bieten (auch deutschsprachige) Vorlesungen zum Download an, sind das Titelthema der aktuellen ZEIT und werden in der FAZ mit Lob und Anerkennung begutachtet.

Gesellschaft mal anders

Robert Misik stellt im Freitag Hans-Ulrich Wehlers und Michael Sandels Überlegungen zu Ungleichheit und Gerechtigkeit vor, die vor allem auf die richtige Formulierung von Fragen der Umverteilung zielen. In der FR denkt Schriftsteller Artur Becker russisch über die kommende Gesellschaft nach bzw. darüber, welche revolutionären Voraussetzungen die Hinwendung zu geistigem statt materiellen Wohlstand hat. Und die taz stellt die jüngste Occupy-Phänomenologie von Michael Hardt und Antonio Negri vor, die da heißt "Demokratie! Wofür wir kämpfen".

Auch das noch:

Das Institut für Polytoxikomanologie und Perspektivismus empfiehlt dieses Ratespiel: Wer hat's gesagt - Nietzsche oder Spongebob? +++ Na, haben Sie auf der gegenwärtigen Leipziger Buchmesse wieder keinen Preis abgekriegt? Trost finden Sie beim Laudatomaten, der schmucke Lobreden auf Sie (oder sonstwen) ausspuckt. Die einzig wahre Messe für Freunde des gedruckten Worts ist ohnehin die Mainzer Minipressen-Messe Ende Mai, an der übrigens auch der Lichtwolf teilnimmt.


Links der Woche am 09.03.2013, 14:46 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 10/13

Post Humanum

In seinem Blog ging Georg Seeßlen diese Woche u.a. dem Posthumanismus nach. Dabei orientiert er sich an Colin Crouchs These von der Postdemokratie und wird zunächst einmal diskursanalytisch, ehe er auf die Konsequenzen für posthumane Identität, Erkenntnis usw. zu sprechen kommt. Zur Vertiefung empfehlen wir den Lichtwolf Nr. 39 zum Thema "Jenseits des Menschen". (02.03.13)

Küss die Hand!

Buprä Gauck hat sich mit seinem Abtun der #aufschrei-Debatte diese Woche wieder unangenehm in Erinnerung gerufen, aber vielleicht gibt es auch sachdienlichere Beiträge: Der Philosoph Robert Pfaller erinnert im Gespräch mit der FAZ an Galanterie, Prüderie und die Waffen der Frauen, die allesamt nicht mehr sind, was sie mal waren. (02.03.13)

Markt der Tugenden

Noch ein Gespräch, noch ein Philosoph, noch einmal die Frage nach dem Zusammenleben: In der FR erteilt Tugendethiker Martin Seel Ratschläge dazu, wie wir armen Sünder in der verschränkten Krise von Kapitalismus und Moral miteinander auskommen sollen und können. (06.03.13)

Die akademische Familie

Nach 1945 wurde manche Chance auf Neuanfang in der BRD vertan. So erinnert Jürgen Kaube in der FAZ an die Pläne, in Deutschland Colleges nach angloamerikanischem Vorbild zu gründen. Sie kämen der geisteswissenschaftlichen Lehre zugute und dem intellektuellen Stand der immer jüngeren Studienanfänger entgegen. (07.03.13)

Transparenz überall

Der Feuilleton-Philosoph der NZZ, Uwe Justus Wenzel, blickt auf die Geschichte der Transparenz-Bewegungen zurück bis hin zur Aufklärung, um sodann die Idee selbst zu erörtern. Schafft oder zerstört Transparenz Vertrauen, was ist mit der Privatsphäre und wie lässt sich Transparenz überhaupt herstellen? (09.03.13)

Unn sünst:

Raphael Enthoven, der Precht Frankreichs und Lochschwager von Nicolas Sarkozy, hat Mitleid mit der Philosophie in Deutschland, so erklärt er im Gespräch mit dem Cicero. +++ Die Tagebücher des Anarchisten und philosophischen Schwerenöters Erich Mühsam sind seit einer Weile online und im Verbrecher Verlag zu haben; die NZZ stellt den jüngsten zwoten Band vor.


Links der Woche am 02.03.2013, 14:45 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 09/13

Das Analoge zwischen 0 und 1

Quantenphysiker sind es gewohnt, das tertium non datur der klassischen Logik zu strapazieren. Joachim Schulz als Vertreter der Zunft erklärt in den Scilogs, warum der Welle-Teilchen-Dualismus kein logischer Widerspruch ist und wie ein Quantencomputer funktioniert. (23.02.13)

Der kleine Fürst

Großes politis