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Lichtwolf Nr. 58 (2/2017)

Erschienen im Juni 2017, Titelthema: Wurst


Lichtwolf Nr. 58 (2/2017)

Würste und Wurschtigkeit, konkret, metaphorisch, vegetarisch und in zweiendlichen Redewendungen, sowie Bienen, Lammert und V. O. Stomps.

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In mancher Redewendung geht es um die Wurst, wie Bdolf in seinem einleitenden Propädeutikum aufzeigt. Man springt wie der Hund nach der Wurst oder wirft mit der Wurst nach dem Schinken. In der häufigsten wird das beliebte Nahrungsmittel – das aus einer Masse von zerkleinertem Fleisch, Salz und Gewürzen, manchmal unter Zugabe von Blut und Innereien, besteht, die in Därme, Blasen oder Mägen gefüllt wird, welche mit Garn oder Klammern verschlossen und dann gegart oder durch Trocknen oder Räuchern konserviert werden – als Synonym zu „gleichgültig“ verwendet. Auf diese Weise Wurst ist uns Heutigen unser Wurst- bzw. Fleischkonsum, zu dessen metabolischen und planetaren Folgen Bernhard Horwatitsch die Zahlen liefert. Anders als Horwatitsch sieht Marc Hieronimus keine Hoffnung in neuer Fleischproduktionstechnik, kann aber erklären, warum die meisten Leute nicht einsehen wollen, dass es in der Systemfrage um die Wurst geht. Die Senfproduzenten schweigen ohnehin lautstark zu den Vorgängen rund um die Wurstproduktion, wie Martin Köhler in seiner Kolumne resümiert. Schneidegger wiederum zeigt an einigen Beispielen die neurechte Strategie des instrumentellen Relativismus, deren Ziel allgemeine Gleichgültigkeit zum Zwecke der Machtergreifung ist. Aber sind die Neofaschos doch nicht nur arme Würstchen wie das aus Würselen, dem Bdolf eine spannende Fabel widmet?
Hülfe es wiederum der Welt, die Ernährung auf Tofuwürste umzustellen? Falsch gefragt, findet Stefan Rode und untersucht die Forderung des Bundesagrarministers, vegetarische Würste sollten nicht „Würste“ heißen, mit Platons Kratylos-Dialog.

Ist die gute Wurst nicht eine viel zu schöne Sache, um zum Symbol eines planetenverheerenden Konsumismus herabzusinken? Wenn es die gute Wurst denn noch gibt: Martin Köhler berichtet von einem befreundeten Dorfmetzger, der sich nur noch auf muslimische Kunden verlassen kann. Michael Helming steht auf der Kinderseite „Lichtwelpe“ einem jungen Leser zur Seite, der statt Würstchenketten nun Pumpernickel futtern soll. Helming selbst liebt Würste und Bücher so sehr, dass er erstaunliche Gemeinsamkeiten zwischen den beiden Hungerstillern ausmacht. Von einem Himmel voller Würste träumt er und bekommt ihn in der Bild/Gedicht-Montage von BALAVAT über „Zweier Engel Tischgespräch“. Und wo wir schon in transzendenten Regionen sind: Osman Hajjar wundert sich, wieso Alexander der Große und Aristoteles in der Höhlensure des Korans „verwurstet“ werden. Ganz konkret wird es dagegen im Kurz & Klein Spezial: Auf vier im Heft verteilten Seiten werden Würste aller Art rezensiert.

Oder läuft am Ende das ganze Titelthema auf einen Wurstbegleiter hinaus, der in LW56 schon prominent vorkam? „Bei irgend einem Glase Bier wird einem die ohne Liebe genossene Frau, der überflüssig ausgegebene Gulden und das ganze Martyrium des Daseins wurst!“ (Kraus, Die Fackel Nr. 160, 23.04.1904, S. 18.)

Den hinteren Heftteil eröffnen der tragbare Gedanke sowie der „Sommer“ aus dem Jahreszeitenzyklus von Renate von Charlottenburg. Es folgt in der Reihe Viehlosovieh das Portrait der Biene als fliegende Polis von Marc Hieronimus und die Entgegnung von Schorsch Hambargen auf Helmings Kritik an seinem Lammert-Verriss aus dem letzten Heft. Rüdiger Spiegel stellt in der Reihe „Die unbedeutendsten Denker der Geschichte“ den Antikünstler Artstar Midvej und seine sozio-ästhetische Philosophie aus dem Jahr 1902 vor. Herausgeber Schneidegger erklärt im Editorial, wie er an seine erste Abmahnung kam, und Michael Helming erinnert an V. O. Stomps und an dessen Bruchbude, in der die Kleinverlegerlegende ihre Eremitenpresse betrieb und Schnaps trank. Dazwischen wieder Kurzrezensionen, Illus, Aphorismen und Fundstücke aus dem „Antirüpel“.

aus dem Inhaltsverzeichnis:

S. 000 (Intime Interna):
Illustrationen

Zusätzliche Illustrationen in dieser Ausgabe
von Andy Singer, Georg Frost, Marc Hieronimus, Renate von Charlottenburg, Tristam

S. 005 (Lebenswelt):
Propädeutikum und Prolegomena zum Thema Wurst

Hinleitung zum Titelthema in acht Thesen.
von Bdolf

S. 006 (Kultur(terrorismus)):
Literatur is’ mir Wurscht

Ist die Liebe zu Büchern genauso groß wie zur Wurst, tun sich erstaunliche Unterschiede und Gemeinsamkeiten zwischen beiden Hungerstillern und Genussmitteln auf.
von Michael Helming

S. 015 (Kurz und Klein):
Kurz und Klein Spezial: Würste

Übers ganze Heft verteilt finden sich diese Kurzrezensionen von weltweiten Wurstwaren in unter 800 Zeichen.
von Bdolf, Filbinger, Jean-Baptiste O´Lebigmac, Marc Hieronimus, Osman Hajjar, Timotheus Schneidegger

S. 016 (Lebenswelt):
Alles hat ein Ende

Nicht der Vegetarismus, sondern der Kapitalismus setzt dem traditions- und qualitätsbewussten Handwerk zu. Oder ist es am Ende die ignorante Kundschaft?
von Martin Köhler

S. 019 (Politik):
Wurstizee

Etwas Besseres als den Tod meint das Würstchen Martin (SPD) überall zu finden...
von Bdolf

S. 020 (Lebenswelt):
Klonen statt schlachten

Die Fleischindustrie gibt immer mehr Menschen ihre täglich Wurst. Geht es genauso weiter, wird Wohlstand zu Unvernunft.
von Bernhard Horwatitsch

S. 030 (Sozialphänomenologie):
Stufen zum Nichts: Wurst

Wer von der Wurst sprechen will, soll vom Senf nicht schweigen (wie dieser vom Tier).
von Martin Köhler

S. 032 (Der Lichtwelpe):
Der Lichtwelpe: Grundrecht auf Geschmack

Gegen seine Natur zwingt man den urwüchsigen Xaver (10) in einen Konflikt zwischen Vernunft und Ästhetik, Pumpernickel und Würstchenkette. Rat kommt
von Michael Helming

S. 036 (Lebenswelt):
Es geht um die Wurst

Evolution schreibt sich mit R: 1966 sagte Heidegger, nur ein Gott könne uns noch retten. Der Meinung sind heute wieder viel zu viele.
von Marc Hieronimus

S. 046 (Hochschule):
Die Wurst an sich

Vegetarische Wurst soll nicht mehr Wurst heißen, schlug der Bundesagrarminister vor, und hätte gut daran getan, sich vorher noch einmal den Kratylos-Dialog durchzulesen.
von Stefan Rode

S. 050 (Politik):
Egal ist 88

Die Neue Rechte legt in einigen Angelegenheiten scheinbaren Elan an den Tag. In Wahrheit geht es ihr darum, dass uns am Ende einer falsch verstandenen Postmoderne alles Wurst ist.
von Timotheus Schneidegger

S. 060 (Phosphoriszierende Prosa & Lyrik):
Zweier Engel Tischgespräch

oder: Die Grenze der Heiligkeit. Ein Wurstkunstwerk aus Lyrik und Graphik.
von BALAVAT

S. 062 (Philosophistik & Misosophie):
Wurst ist Götterspeise

In der Höhlensure kommt Alexander als Moses vor und trifft Aristoteles. Was hat diese „Verwurstung“ antiker Gestalten im Koran zu bedeuten?
von Osman Hajjar

S. 072 (Philosophistik & Misosophie):
Der tragbare Gedanke 58

Kleine Texte zum langen Nachdenken nach kurzem Lesen.
von Bdolf, Filbinger, Jean-Baptiste O´Lebigmac, Marc Hieronimus, Michael Helming, Wolfgang Schröder

S. 075 (Lebenswelt):
„Sommer“

Großformatige Zeichnung aus der Edition „Die vier Jahreszeiten“
von Renate von Charlottenburg

S. 076 (Lebenswelt):
Viehlosovieh: Biene

Der Bien ist ein Organismus zwischen Staat und Lebewesen, die Bienen sind seine Zellen und Gesellschaft.
von Marc Hieronimus

S. 079 (Kurz und Klein):
Kurz und Klein 58

Rezensionen aktueller und älterer Bücher und Zeitschriften in unter 800 Zeichen.
von Bdolf, Marc Hieronimus, Timotheus Schneidegger

S. 081 (Politik):
Moderne Menschenopfer

Unseren US-amerikanischen Freunden gewidmet: Ein Text zum 4. Juli aus Der Antirüpel, Organ des deutschen Antilärmvereins, Nr. 5, 3. Jg, Mai 1911.
von Theodor Lessing

S. 082 (Politik):
„…die Wüste wächst“

Im vergangenen verteidigte Michael Helming ein Schopenhauerzitat des Bundestagspräsidenten. Zum Abschluss der internen Debatte eine unvollständige Replik auf die Entgegnungen des Herrn H.
von Schorsch Hambargen

S. 092 (Philosophistik & Misosophie):
Die Kunst, kein Künstler zu sein

Aus der Reihe „Die unbedeutendsten Denker der Geschichte“: Artstar Midvejs sozio-ästhetische Philosophie aus dem Jahr 1902...
von Rüdiger Spiegel

S. 095 (Intime Interna):
Aus der Offizin 58

Anmerkungen des Herausgebers zur aktuellen Sachlage der „Zeitschrift trotz Philosophie“ inkl. erster Abmahnung.
von Timotheus Schneidegger

S. 096 (Irgendwas mit Medien):
Schlosserinnerungen

Flüchtige Gedanken zur Kleinverlegerei, anlässlich einer Visite in Stierstadt, wo vor einem halben Jahrhundert Victor Otto Stomps die von ihm gegründete Eremitenpresse verließ…
von Michael Helming

S. 105 (Philosophistik & Misosophie):
Pro Domo et Mundo 58

Sentenzen für Latrinentür und Rasierspiegel
von Michael Helming, Timotheus Schneidegger, Wolfgang Schröder


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