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Lichtwolf Nr. 57 (1/2017)

Erschienen im März 2017, Titelthema: Der Adel und du


Lichtwolf Nr. 57 (1/2017)

Aristokratie und die bessere Gesellschaft vergangener, heutiger und künftiger Tage: Herrschaft, Genealogie, Königswege, Distinktion und Manieren sowie Elephanten, Ökoko und Graf Uxkull.

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Die Beiträge in diesem Heft behandeln unter der Überschrift „Der Adel und du“ zwei Fragen: Ist es wahr und gerecht, den Adel für etwas Besseres zu halten? Und was hieß und heißt Aristokratie als Herrschaft der Besten, Tüchtigsten, Edelsten?

Yellow-Press-Leserinnen nehmen Anteil am skandalträchtigen Leben der Royals Europas. Kinder wiederum träumen sich als Ritter oder Prinzessin. Beides kündet vom Reiz eines Lebens von Sorglosigkeit, Ruhm und Macht qua Geburt. Aber leicht hat es der Adel nie gehabt, stellt Michael Helming bei seiner Meditation über den Königsweg fest.
Bdolf stellt neben seinem Propädeutikum ein A bis Z des Adels zusammen und Marc Hieronimus hat den Begriff in der „Morpho-etymologische Enzyklopädie der deutschen Alltagsprache“ nachgeschlagen.
Durch Adelsgeschlechter ist die Vergangenheit in der Gegenwart präsent. So reicht das vorliegende Heft auch vom alten Adel und seinen politischen, kulturellen sowie ökonomischen Hinterlassenschaften bis zum Neofeudalismus unserer Tage und gar bis in die Zukunft, aus der Bdolf berichtet, wenn er ab über Feudalismus in der Science Fiction schreibt. Eher dünn sieht es mit den Kulturbeiträgen des Adels aus, wie Marc Hieronimus resümiert.

Eliten gab es schon immer wie auch den Drang nach Distinktion. Damit befasst sich die Kinderseite, auf der ebenfalls Kollege Hieronimus eine Zuschrift zum Thema beantwortet. Martin Köhler geht in seiner Kolumne dem Phänomen nach, sich etwas auf Begegnungen mit Berühmtheiten einzubilden.
Der Adel lässt sich definieren als „exklusive, privilegierte Gruppe, die ihren Herrschaftsanspruch familiär tradiert“. Allerdings ist selbst innerhalb eines Landes unklar, wer dazugehört und wer nicht. Jenseits des „Abendlands“ wird es noch komplizierter. Einen Eindruck davon, welche ernste Angelegenheit die spirituelle Ahnenforschung in der muslimischen Welt ist, gibt Osman Hajjar.
Angeblich leben in Deutschland 80.000 Angehörige adliger Familien. Darüber, was die den ganzen Tag treiben, kann man oft nur spekulieren, wie Bdolf es mit einem aristokratischen Hobbyermittler tut.

Hat der Adel noch etwas zu melden? Ist sein Habitus als Relikt auf die Bourgeoisie übergegangen, die ihn ablöste? Mit der Aristokratie-Frage, wer zur Herrschaft geeignet ist und wodurch, befassen sich die übrigen Beiträge. Timotheus Schneidegger betrachtet mit Platon den Verfall der Trump-USA in eine neofeudale Pöbelherrschaft. Bernhard Horwatitsch stellt fest, dass Herrschaft bedeutet, den willigen Untertanen mit einer Erzählung die Lebensangst zu nehmen. Schorsch Hambargen sieht in Bundestagspräsident Norbert Lammert einen Vertreter des heutigen Wissensadels, der sich ungerechtfertigt Schopenhauers bemächtigt. Michael Helming widerspricht direkt im Anschluss und klärt auf, dass der Monarchist Schopenhauer mit einem Rechtsstaat auch hätte leben können.

Der tragbare Gedanke eröffnet den hinteren Heftteil mit Miniaturen zur Lage der Dinge und gleich darauf befasst sich Michael Helming für die Reihe „Viehlosovieh“ mit dem Elephanten. Wolfgang Schröder untersucht, wie sich des Annihilisten Ulrich Horstmann Blick auf Natur und Kultur und mithin den Umweltschutz im Laufe der Jahrzehnte gewandelt hat. Renate von Charlottenburg eröffnet ihren Zyklus „Die vier Jahreszeiten“ passenderweise mit der Monumentalzeichnung des Frühlings und Redaktionspraktikant Filbinger portraitiert in der Reihe „Die unbedeutendsten Denker der Geschichte“ den einsiedlerischen Sprach- und Seelenkundler Asbjørn Rune Skram (1804–1891). Etwas bekannter, doch ein großer Fall für die Rubrik „Lebende & Leichen“ ist Graf Bernhard Uxkull (1899–1918), der trotz seines frühen Selbstmords nachhaltigen Eindruck auf Stefan George machte, wie Stefan Rode beschreibt. Zwischen all diesen schönen Dingen finden sich das Editorial, Aphorismen pro domo et mundo sowie die Rezensionen in unter 800 Zeichen und manche schicke Illustration.

aus dem Inhaltsverzeichnis:

S. 000 (Intime Interna):
Illustrationen

Zusätzliche Illustrationen in dieser Ausgabe
von Brent Debecker, Georg Frost, Patrick McGrath Muñiz

S. 005 (Lebenswelt):
Propädeutikum und Prolegomena zum Thema Der Adel und du

Elf noble Thesen über den Adel und sein Verhältnis zu dir, der Jugend zum Geleit gegeben.
von Bdolf

S. 006 (Politik):
Der Pöbel, die Plebs, das Pack

Populisten sind weltweit dabei, die Art von Demokratie wiederherzustellen, vor der Platon eindringlich warnte. Das Staatswesen ist nämlich nur was für den dazu berufenen Geistesadel.
von Timotheus Schneidegger

S. 017 (Sozialphänomenologie):
Stufen zum Nichts: Der Adel und du

Kennste wen, biste wer: Über die allzumenschliche Neigung, sich im Glanze berühmter Persönlichkeiten zu sonnen.
von Martin Köhler

S. 018 (Lebenswelt):
Ins Lexikon geschaut

Am Beginn jeder amtlich-geisteswissenschaftlichen Auseinandersetzung steht der Blick ins Lexikon. Das gilt auch im Falle des Adels, dessen enzyklopädische Einträge in GOTHA und MEEDA hier wiedergegeben werden.
von Bdolf & Marc Hieronimus

S. 022 (Lebenswelt):
Im Tal der Königswege?

Die Gegenwart adelt anscheinend den Einzelnen. Jeder kann sein eigener Fürst sein. Man darf nur nicht klagen, wenn das nicht immer ein Zuckerschlecken ist.
von Michael Helming

S. 032 (Phosphoriszierende Prosa & Lyrik):
Graf Yoster ermittelt

Mord ist sein Hobby: Der Adel sitzt nur faul rum? Von wegen! Ein aristokratischer Kurzkrimi
von Bdolf

S. 034 (Der Lichtwelpe):
Der Lichtwelpe: Distinktion

Die kleine Moina sucht Orientierung in dem Distinktionshändel zwischen ihrem mutmaßlich verbeamteten Erziehungsberechtigten und einem adeligen Promovierten.
von Marc Hieronimus

S. 036 (Kultur(terrorismus)):
Grünes Blut

In der muslimischen Welt stammt man gern von Kalifen oder gar dem Propheten höchstselbst ab. Ahnenforschung ist eine Auseinandersetzung mit dem ewigen persönlichen Platz in der Welt.
von Osman Hajjar

S. 046 (Kultur(terrorismus)):
Der kommende Adel

Blaublütige Herrscher sind keine Sache der Vergangenheit, sie tummeln sich auch in der Science Fiction.
von Bdolf

S. 050 (Politik):
Despoten, Wahn und Fiktion

Fanatiker und Despoten wissen, dass Herrschaft vor allem heißt, den Beherrschten ein kohärentes Gefühl von Wirklichkeit zu geben.
von Bernhard Horwatitsch

S. 054 (Politik):
Anmerkungen zu einem Zitat

Der Adel von heute feiert schöne Feste, hält aber schlechte Reden – wie Bundestagspräsident Norbert Lammert, der sich am Tag der Deutschen Einheit Schopenhauers bemächtigte.
von Schorsch Hambargen

S. 064 (Politik):
Anmerkungen zu gewissen „Anmerkungen“

Gedanken und Richtigstellungen, unter anderem zum Stil der Polemik, zur Güte von Argumenten sowie zum Verständnis von Pessimismus, Recht und Staat im Werk Schopenhauers
von Michael Helming

S. 073 (Kultur(terrorismus)):
Erblich, aber heilbar

Was sollen die da oben? Aus den Privilegien und der Verkommenheit des Erbadels folgt nicht zwangsläufig die Schlechtigkeit des Einzelnen, aber nur sehr Wenige sind zu wahrer Größe aufgestiegen.
von Marc Hieronimus

S. 076 (Philosophistik & Misosophie):
Der tragbare Gedanke 57

Kleine Texte zum langen Nachdenken nach kurzem Lesen.
von Bdolf, Filbinger, Jean-Baptiste O´Lebigmac, Michael Helming, Timotheus Schneidegger, Wolfgang Schröder

S. 080 (Lebenswelt):
Viehlosovieh: Elephant

Sie sind traditionelle Symboltiere des Gehirns, stehen für Erfahrung und Erinnerung. Trotzdem hatte man in Europa lange kaum eine rechte Vorstellung von ihnen.
von Michael Helming

S. 082 (Philosophistik & Misosophie):
Apokalypse im Ökoko

Die Schönheit der Natur ist eng mit ihrer Wildheit verbunden und die bedeutet für das Kulturwesen Mensch den Tod. Was also hat der Umweltschutz da zu schützen? Über Verrohungsverdacht und Vergrämungskunst bei Ulrich Horstmann
von Wolfgang Schröder

S. 092 (Kurz und Klein):
Kurz und Klein 57

Rezensionen aktueller und älterer Bücher und Zeitschriften in unter 800 Zeichen.
von Bdolf, Marc Hieronimus, Martin Köhler, Michael Helming, Timotheus Schneidegger, Wolfgang Schröder

S. 095 (Lebenswelt):
„Frühling“

Großformatige Zeichnung aus der Edition „Die vier Jahreszeiten“
von Renate von Charlottenburg

S. 096 (Philosophistik & Misosophie):
Der einsame Greis aus dem nordischen Eis

Die unbedeutendsten Denker der Geschichte: Am Gratangsfjord schrieb Asbjørn Rune Skram (1804–1891) Briefe und Essays, übersetzte in die eben entstehende norwegische Schriftsprache und wollte Seelen wiegen.
von Filbinger

S. 099 (Intime Interna):
Aus der Offizin 57

Editorial LVII: Warten auf Besserung. Anmerkungen des Herausgebers zur aktuellen Sachlage der „Zeitschrift trotz Philosophie“
von Timotheus Schneidegger

S. 100 (Kultur(terrorismus)):
Sternenwandler und Sternengucker

Lebende & Leichen: Bernhard Maria Victor Graf von Uxkull-Gyllenband (1899–1918) findet schon als Kind Aufnahme in den Kreis um Stefan George und begeht recht bald Selbstmord. Gleichwohl macht der dichtende Soldat bleibenden Eindruck auf den „Meister“...
von Stefan Rode

S. 109 (Philosophistik & Misosophie):
Pro Domo et Mundo 57

Sentenzen für Latrinentür und Rasierspiegel
von Marc Hieronimus, Michael Helming, Timotheus Schneidegger, Wolfgang Schröder


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