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Monatsbuch

Suche ausgeführt.

Mit dem Stichwort "Slavoj Žižek" sind die folgenden Artikel markiert:


Links der Woche am 08.07.2017, 12:58 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 27/17

Der Konvertiteneifer gewendeter Linker

Nicht selten werden Linke irgendwann zu besonders eifrigen Rechten, wie Georg Seeßlen bei Getidan an diversen Beispielen aufzeigt, um sodann in neun Thesen über diese „diskursive Binnenmigration“ und die Fluchtgründe nachzudenken: Männerphantasien vom heroischen Opfer-Status, völkische Altlasten, eine „Störung ihrer inneren Geschlechterordnung“, das Scheitern an einstigen Idealen, Aufmerksamkeitsökonomie... (01.07.17)

„Bocksgesang von links“

Thomas Assheuer blickt in der ZEIT auf die vielfältige Szene derer, die gerade in Hamburg gegen den G20-Gipfel demonstrieren. Er sieht die Kapitalismuskritik gespalten in Reformer und Apokalyptiker, deren Theorie-Helden Badiou und Žižek sind und deren (auch bei der Neuen Rechten beliebte) Dekadenzphantasien auf offene Ohren stoßen, weil der Liberalismus eisig schweigt. (05.07.17)

Auschwitz und das gar nicht ewige Deutschtum

Die FAZ bringt Navid Kermanis lange Rede darüber, dass eine Einbürgerung hierzulande auch bedeutet, die Verantwortung für den Holocaust mitzutragen, wie er es bei einem Besuch in Auschwitz als Deutscher erlebte. Von hier aus stellt er faszinierende Überlegungen dazu an, was die hiesige Erinnerungskultur in Wirklichkeit, d.h. im demographischen Wandel und vor ihrem historischen Hintergrund, heißt. (07.07.17)

Vergnügtes Kind des Sonnenaufgangs

Dieter Thomä würdigt in der NZZ Henry David Thoreau zum 200. Geburtstag und stellt ihn als schrägen Eigenbrötler, asexuelles Faktotum, Hoffnungsträger für Trumpistan und Begründer des „amerikanischen Transzendentalismus“ vor, der uns Hingabe an die Welt, zivilen Ungehorsam, Kommerzkritik und Extravaganz lehrt. (08.07.17)

Neue Bücher

Zu seinem 70. Geburtstag gönnt sich Peter Sloterdijk den Essayband „Nach Gott“, der laut der Rezension im Standard so elitär gehalten ist, wie der Titel verspricht. +++ Bruno Latour hat acht Vorträge über die Menschheitsaufgabe gehalten, den Klimawandel zu bewältigen; das Buch, in dem sie versammelt sind, wird im Freitag trotz seiner religiösen Untertöne gelobt. +++ Die NZZ weist auf den von den Wirtschaftsethikern Michael S. Assländer und Bernd Wagner besorgten Sammelband mit Texten zur Philosophie der Arbeit hin.

Außerdemos von Sonstnochos:

Philosophiegeschichtliche Überlegungen zum Wesen der Materie können auch heutige Chemiker noch viel lehren, glossiert Sibylle Anderl in der FAZ. +++ Andrian Kreye macht sich in der SZ Gedanken über die Innovationseuphorie Silicon Valleys im Gegensatz zur europäischen Skepsis gegenüber dem Internet als Weltverbesserungsmaschine, die ein besseres Internet hervorbringen könnte. +++ Komisch, aber unironisch: Marc Hieronimus’ Buch über die Décroissance-Bewegung und den Schritt zur Seite gibt es nun auch als E-Book. (Den aktuellen Lichtwolf über Wurst übrigens auch.)


Links der Woche am 25.03.2017, 11:36 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 12/17

Früher war alles gut.

Der politische Erfolg rückwärtsgewandter Populisten ist auch dem menschlichen Hang zur Nostalgie verschuldet, mit dem sich Mohsin Hamid im Freitag beschäftigt. Der Mensch ist einerseits äußerst anpassungsfähig, andererseits stressen ihn Veränderungen. Ohne gibt es aber keine Zukunft, und für deren Ankunft helfen Phantasie und Träume eher als die Idealisierung des Vergangenen. (22.03.17)

Laaangweilig!

Matthias Kalle, stellvertretender Chefredakteur des ZEITmagazins, hat ein Buch über die bzw. seine Jugend geschrieben. In seinem Magazin fragt er sich, ob seine Jugend wirklich von in heutigen Tagen geradezu erholsam wirkender Langeweile geprägt war und was Langeweile überhaupt ist (physiologisch und philosophisch)... (22.03.17)

Populisten auf Logik festlegen

Der Populismus immunisiert sich mit seiner Krawallform gegen Widerspruch, da sich besonnene Demokraten erst auf ihn einlassen müssten. Wie man das macht, beschreibt Daniel-Pascal Zorn in seiner Anleitung „Logik für Demokraten“, die von Harald Staun in der FAZ ausführlich vorgestellt wird. (24.03.17)

Raus aus der Komfortzone

In den USA ist das „Affirmative Consent Kit“ beliebt, das die Einvernehmlichkeit des Geschlechtsverkehrs dokumentiert - worüber Slavoj Žižek in der NZZ den Kopf schüttelt: Statt durch Kontrollverlust ist Sex nun durch Bürokratie und Schutzklauseln geprägt. Und das ist nicht der einzige Auswuchs einer politischen Korrektheit, die Probleme, Ambiguitäten und Konflikte zum Verstummen, aber nicht zum Verschwinden bringt. (25.03.17)

Et cetera:

Der Standard unterhält sich mit Raoul Peck, dem Regisseur von „Der junge Marx“ über das Kapital und Marxens Europa. +++ Matthias Heine hat für die WELT fleißig zusammengetragen: Zum einen die von David Tripolina aufgestellt Liste von 333 (angeblich) unübersetzbaren Wörtern, zum anderen die schönsten Nazivergleiche von Kurt Schumacher über Reinhard Mey bis zu Erdo?an. +++ Gute Nachrichten für unsere Leserschaft: Der Trend geht zur Sapiosexualität, schreibt Nora Belghaus im Freitag, hält aber manche Enttäuschung für diejenigen bereit, die auf Clickbaiting mit Intelligenz reinfallen. +++ Lucas Vogelsang ist in den Wedding gezogen, den die meisten Deutschen als „Problembezirk“ meiden, und hat darüber geschrieben, was in solchen und anderen bunten Stadtteilen eigentlich deutsch ist; der Freitag stellt das Buch „Heimaterde“ vor.

Der neue Lichtwolf

Lichtwolf Nr. 57

Lichtwolf Nr. 57 zum Thema „Der Adel und du“ ist diese Woche erschienen. Es ist wieder ein sehr schönes Heft mit 112 dicht beschriebenen Seiten im A4-Paperback ohne Werbung geworden, das inkl. Versand 8,50 Euro kostet. Alternativ gibt es die Frühlingsnummer auch als DRM-freies E-Book für Kindle und im epub-Format, was bloß 3,99 Euro kostet. Reingucken kann man in Bdolfs Propädeutikum und Schneideggers Analyse der neofeudalen Pöbelherrschaft in den USA, das alles gern auch als PDF-Leseprobe. Das ist eine gute Gelegenheit, sich für nicht mal 30 Klötze ein Jahr lang Lichtwölfe nach Hause kommen zu lassen!


Links der Woche am 05.02.2017, 12:25 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 05/17

Möglich ist alles

Das Verhältnis zwischen Philosophie und Wissenschaft ist weiterhin Reinhard Jellens Thema bei Telepolis. Diese Woche sprach er mit Petra Gehring über die besonderen Eigenschaften der Philosophie als Wissenschaft, über die gleichzeitige Spezialisierung und Konvergenz der Fächer und die mögliche Absorbtion der Philosophie von den Sozialwissenschaften. (29.01.17)

Die Dinge machen ihr Ding

Algorithmen handeln präziser und wissen mehr über uns als wir selbst, weshalb - so Christopher Wimmer im Freitag - ein neuer Materialismus an der Schnittstelle zwischen Geistes- und Naturwissenschaften in der Philosophie Einzug hält, um das Verhältnis zwischen dem Anhängsel der Maschine und dem autonomen Artefakt auszuleuchten. Wimmer stellt einige Vor- und Nachdenker vor. (30.01.17)

Subversion auf Umwegen

Alles muss heute ASAP und ganz zielorientiert gehen, kommentiert Roman Bucheli in der NZZ anlässlich einer Schweizer Debatte um die zwecklose Schönschrift. Dabei sind Krakel und Schnörkel doch der schönste, weil abschweifende Widerstand gegen die allseits gepredigte geometrische Lebenskunde! (04.02.17)

Der Idealismus heute

Für die FAZ unterhält sich Ulf von Rauchhaupt mit dem Philosophen Vittorio Hösle über den Idealismus in ökonomisch-technischen Zeiten. Hösle erklärt darin erstmal den Unterschied zu Realismus, Materialismus usw. - und woran diese Positionen scheitern; außerdem sind Kreise besser als Pferde und moralische Urteile so real wie mathematische. (05.02.17)

Vom Radikalismus zum Terrorismus

Wer noch keine rechte Vorstellung davon hat, wie Radikalisierung ganz normaler Bürger infolge eines fraglich gewordenen Sicherheitsempfinden funktioniert, dem erklärt es der Psychologe Ernst-Dieter Lantermann in der NZZ. Für Glanz & Elend wiederum hat Jürgen Nielsen-Sikora „Die Erfindung des Terrorismus“ gelesen: Carola Dietze erklärt darin an fünf Beispielen, wie der moderne Terrorismus zwischen 1858 und 1866 entstand.

Two weeks in...

Zwei Wochen Trump sind geschafft, mindestens 206 liegen noch vor uns. Slavoj Žižek verlangt in der NZZ von der globalen Linken, zu lernen, lernen, lernen: Statt weiterhin die politisch korrekte Sprachpolizei zu spielen sollte sie darauf reagieren, dass sich der Milliardär Trump erfolgreich als Rächer der Unterdrückten aufspielen konnte.

Georg Seeßlen denkt im Freitag über die auf einen Kulturkampf hinauslaufenden Beziehungen zwischen dem eher liberalen Hollywood und dem Weißen Haus nach - und inwiefern sie als Fieberthermometer der demokratischen Kultur taugen.

Der Schriftsteller Norbert Niemann zeigt sich in der ZEIT fassungslos über den schamlosem Kampf gegen Wahrheit und Dialog, wie er sich in Trumps You-Are-Fake-News-Gestus ausdrückt.

Außerdem bringt die ZEIT zum 30. Januar von Volker Ullrich zusammengestellte abwartende Reaktionen von Zeitgenossen auf Hitlers Amtsantritt vor 84 Jahren - auch auf Englisch erhältlich.


Links der Woche am 19.11.2016, 14:26 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 47/16

Philosophie blüht in der Krise

Die wachsende Popularität der Philosophie ist ein Symptom für Umbruchzeiten, wie Richard David Precht im NZZ-Interview erklärt - und sich freut: Bald werden Maschinen die ganze Arbeit machen und noch mehr Menschen noch mehr Zeit für Philosophie haben! Dann werden auch immer mehr Leute sich fundiert jenseits der Politik einmischen können. (19.11.16)

Die Woche danach

Eine Woche nach dem Wahlsieg Donald Trumps stellt dieser sein Regierungsteam aus apokalyptischen Reitern zusammen. Thomas Thiel hat sich für die FAZ im traditionell liberalen US-Wissenschaftsbetrieb umgehört, der sich nach Trumps Wahlsieg mit seiner Abkapselung und Wählerferne auseinandersetzen muss. Die US-Philosophin Susan Neiman zeigt sich in der FR (nur im Abo) entsetzt über Trumps Personalentscheidungen und sucht eine vernunftorientierte Politik anderswo (z.B. in Deutschland). Slavoj Žižek zuletzt freut sich in der ZEIT (mit Badiou und Mao) über Trump, der die drohende Katastrophe sein könnte, die (anders als Hitler) die liberalen Kräfte eint und mobilisiert.

Et cetera:

Zum Welttag der Philosophie hat sich Deutschlandradio Kultur mit Andreas Urs Sommer über die sozipolitische Rolle und Bedeutung der Disziplin zwischen Marktplatz und Elfenbeinturm unterhalten. +++ Die taz bespricht das neue Buch des Historikers Timothy Garton Ash, der verschiedene Positionen zum Verhältnis zwischen Meinungsfreiheit und dem Kampf gegen Hate Speech gegen einander abwägt. +++ An der Uni Glasgow stehen „Die Simpsons“ laut WELT im Mittelpunkt eines Philosophieseminars. +++ Der Freitag stellt den aufwiegelnden Essay „Versuch, die Jugend zu verderben“ vor, in dem sich Alain Badiou als kommunistischer Sokrates inszeniert.


Links der Woche am 13.11.2016, 13:20 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 46/16

Ach, Amerika...

Das waren noch Zeiten: Die uralte NZZ hat in ihrem Archiv ihren damaligen Bericht über die US-Wahlen von 1789 gefunden. Das Ergebnis der Wahlen dieser Woche könnte kaum kurioser sein: Gewonnen hat entgegen aller Erwartungen Slavoj Žižeks Wunschkandidat Trump, den Brian Leiter als US-Präsidenten mit narzisstischer Persönlichkeitsstörung analysiert. Die SZ sammelt die schockierten Reaktion von US-Intellektuellen wie Judith Butler oder Saskia Sassen, die sich fragen, wie das passieren konnte. Auch bei Schwein & Zeit geht es - neben einem Ausblick mit Platon - um die Frage, wer die ganzen Trump-Wähler eigentlich sind: alles dumme Nazis?! Hannes Stein portraitiert in der WELT die alternative Rechte („alt right“), die am lautesten und voller Fremdenhass für Trump geworben hatte; auch Meike Laaff blickt für die taz auf die unheilige Allianz der Enthemmung zwischen der Ultrarechten und Internet-Trollen.

300 Jahre ohne Leibniz

Zu seinem 300. Todestag wird Gottfried Wilhelm Leibniz von der NZZ ausgiebig geehrt: Michael Kempe blickt auf Leibniz’ fleißiges Leben und vielfältiges Wirken zurück, Uwe Justus Wenzel erzählt, wie Arthur Schopenhauer Leibnizens Auffassung von der besten aller möglichen Welten zu widerlegen versuchte (ein Projekt, das in diesen Tagen eine Renaissance erfahren dürfte...) und der Schriftsteller Karl-Heinz Ott würdigt die große Bedeutung von Phantasie und Inspiration für das Schaffen des großen Rationalisten Leibniz. Dem war gestern Abend auch die lange Nacht im Deutschlandfunk gewidmet, die man hier nachhören kann.


Links der Woche am 05.11.2016, 13:51 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 45/16

Was will Slavoj Žižek?

Bernhard Wiens war für Telepolis (wo man die Website aufgehübscht hat) bei einem Auftritt Slavoj Žižeks in Berlin und wundert sich über dessen Zickzackkurs in Sachen Zuwanderung. Wiens steigt zur Erklärung tiefer in Žižeks Biographie und Begriffsinventar ein und findet darin den Grund, wie man Merkel, Stalin und Menschenrechte zugleich gut finden kann. (31.10.16)

Kinder zum Volk erziehen

Russlands Hochschulen leiden unter einem brain drain. Kerstin Holm berichtet für die FAZ über die dortige Bildungspolitik und spricht mit Vertretern der philosophischen Fakultät der Moskauer Staatsuniversität über Verschulung, Niveauverlust und Isolation in schwierigen Zeiten. (02.11.16)

Außerdemos von Sonstnochos:

Stephan Hebel hat sich für die FR durch drei kapitalismuskritische Neuerscheiungen von Sahra Wagenknecht, Yanis Varoufakis und Robert Reich gekämpft. +++ Außerdem zeigt sich Otto A. Böhmer in der FR begeistert von Gisela von Wysockis Adorno-Roman „Wiesengrund“. +++ Hilde Weeg berichtet für Deutschlandradio Kultur vom Philosophie-Festival in Hannover. +++ Die FAZ berichtet über eine Studie, die untersucht hat, ob der bekannte Zusammenhang zwischen Herkunft und Karriere auch in der Wissenschaft besteht. +++ Das Buch von Marc Hieronimus über die Décroissance-Bewegung und den nötigen Schritt zur Seite ist erschienen.


Links der Woche am 09.04.2016, 14:23 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 15/16

„Die wahre Utopie ist, zu glauben, dass es so weitergehen kann.“

Für die ZEIT unterhält sich Daniel Erk mit dem Krisendeuter-wider-Willen Slavoj Žižek über den Traum von einer Insel und darüber, wie man in einer komplizierten Welt nach Durchblick, Orientierung und der Chance zur Veränderung sucht. Anstatt auf die Weltrevolution zu warten, sollte man sich einige Kämpfe aussuchen und hineinstürzen. (08.04.16)

Suizid als symbolischer Akt

Computerpionier Alan Turing nahm sich das Leben, indem er in einen vergifteten Apfel biss. Martin Burckhardt beschäftigt sich in der FAZ mit diesem „märchenhaften“ Freitod, was ihm mehr oder weniger tiefenpsychologisch vorausging und was Turing uns damit sagen wollte. (09.04.16)

Außerdemchen:

Die FAZ hat ein unappetitliches Wörterbuch des Rechtspopulismus zusammengestellt, von Genderwahn bis Lügenpresse ist alles dabei, auch der von Sloterdijk der Antike entlehnte Begriff des Thymos. (Dazu und zum Hausphilosophen der AfD siehe auch Nils Heisterhagens Kolumne im European.) +++ Außerdem berichtet die FAZ vom Streit innerhalb der Volkswirtschaftslehre über den eindimensionalen Tunnelblick der Disziplin, die dadurch ihr kritisches Potential einbüßt. +++ Apropos: Die taz berichtet von einem Auftritt Paul Masons, bei dem dieser sein Buch „Postkapitalismus“ (über die Überwindung des Neoliberalismus vermittels seiner selbst) vorstellte. +++ Bliebe noch die Verwaltung: Die FR vermeldet kurz ein Streitgespräch zwischen David Graeber und Axel Honneth über Bürokratie und Sozialismus. +++ Das „Recht auf Stadt“ wurde erstmals 1968 von Henri Lefebvre formuliert, dessen marxistische Analyse der „Urbanisierung“ nun auch auf Deutsch erscheint, wie Florian Schmid im Freitag schreibt. +++ Die NZZ stellt den auf 40 Bände (!) ausgelegten „Grundriss der Geschichte der Philosophie“ vor, dessen fünf Bände zur Philosophie der Aufklärung im 18. Jahrhundert nun vorliegen. +++ Deutlich kürzer und preiswerter ist der aktuelle Lichtwolf zum Thema „Schloch“, den es auch als E-Book für Kindle und im epub-Format gibt.


Links der Woche am 30.01.2016, 15:44 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 05/16

Philosophie und Wissenschaft

Für Telepolis unterhält sich Reinhard Jellen mit dem Münsteraner Philosophieprof Kurt Bayertz über Unterschiede und Ergänzungen zwischen Philosophie und Wissenschaften, die sich mehr oder weniger gut auseinanderhalten lassen. Die Philosophie könnte helfen, die allzu leicht ökonomisch ausgerichteten Wissenschaften wieder humanistisch anzubinden, außerdem geht es um Postmoderne und Ideologie. (24.01.16)

Žižeks Leitkultur

René Scheu setzt sich in einem langen NZZ-Interview mit Slavoj Žižek auseinander. Es geht um Altersmisanthropie, doofe Studenten, liberale Tabus, die deutsche Flüchtlingspolitik, Kulturrelativismus und die Kapitalistenschweine, die vom Chaos in der Welt profitieren. (30.01.16)

Grundlagen der bürgerlichen Gesellschaft

Nun, da Flüchtlingen an diversen europäischen Grenzen die Wertsachen abgenommen werden (sollen), überlegt Thomas Steinfeld in der SZ, was das bedeutet, wenn Person und Eigentum einander hegelianisch bedingen. Indem ihnen die Verfügungsgewalt über sich selbst genommen wird, sind Geflüchtete aufs nackte Menschsein reduziert und davon ausgeschlossen, Rechtssubjekte zu werden. (27.01.16)

Außerdemchen:

Peter Sloterdijk plappert im Cicero PEGIDA-Parolen nach, schreibt der Tagesspiegel, und in der WELT kommt ausgerechnet vom doofen Ulf Poschardt eine Gegenrede. +++ Christoph Drösser schreibt in der ZEIT einen hymnischen Nachruf auf Marvin Minsky: Der KI-Pionier und Hirn-Backupper ist diese Woche mit 88 gestorben. +++ Telepolis weist auf eine Studie hin, die ein mathematisches Modell dafür liefert, wann große Verschwörungen auffliegen. +++ Adornos „Erziehung nach Auschwitz“ wird in diesem Jahr ein halbes Jahrhundert alt, ist aber aktueller denn je, weshalb die Uni Frankfurt zum Symposium einlud, von dem Christian Füller für den Freitag berichtet. +++ Die NZZ bespricht Hans Peter Duerrs ebenso voluminöses wie trostfreies Kompendium der Nahtod-Erfahrungen. +++ In der taz wundert sich Micha Brumlik, warum noch immer so viele an Heidegger festhalten, obwohl die Schwarzen Hefte seinen Antisemitismus offenbart haben und er zum Stichwortgeber der Israelkritik geworden ist.


Links der Woche am 23.01.2016, 20:57 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 04/16

Nachkriegsfreundschaften

Der Politikwissenschaftler Ahlrich Meyer beschäftigt sich in der NZZ mit den Briefen, die von den Schwierigkeiten Siegfried Kracauers kündet, die sich im freundschaftlich-wissenschaftlichen Kreise von Hans Blumenberg und Hans Robert Jauss, Romanist mit SS-Vergangenheit, ergaben. (23.01.16)

Weitere Materialien zur Flüchtlingskrise

Theatermacher Milo Rau wendet sich in der ZEIT gegen den „zynischen Humanismus“, der sich in bloßer Betroffenheit äußert, obwohl doch alles auf den Zusammenhang hinweist, der zwischen dem Flüchtlingselend und unserer Lebens- bzw.- Konsumweise besteht, allbekannt ist und doch nie ernsthaft angegangen wird. In einem faszinierenden Text lässt die NZZ Wissenschaftler mit ethischen, ökonomischen und athropologischen Argumenten erklären, warum die Abschaffung aller Grenzen kein Chaos, sondern eine handfeste Utopie hervorbringen würde, wie es in der Vergangenheit schon mehrmals passiert ist. Apropos Utopie: Natürlich hat Slavoj Žižek auch weiterhin viel dazu zu sagen, wie der Kommunismus gegen Flüchtlingselend und Sex-Mob-Attacken hilft, so im schweizerischen Tagesanzeiger. Zu guter Letzt an die Schnittstelle von Ethik, Politik und Staatskunst: Das Verfassungsblog nimmt das Gutachten des ehemaligen Bundesverfassungsrichters Udo Di Fabio auseinander, das vermeintlich die Position der CSU zur Flüchtlingspolitik stützt.

Et cetera:

Für die FR bespricht Otto A. Böhme Axel Honneths Versuch, die diskreditierte Idee des Sozialismus in nüchtern-akademischem Ton als mögliche Lösung ökologischer und sozialer Probleme zu revitalisieren. +++ Die FAZ berichtet, wie sich die TU München darauf einstellt, dass die Studis immer mehr technische Geräte mit in die Uni schleppen. +++ In der SZ dagegen geht es darum, dass Studis viel zu brav sind - gelegentlichen Aufmüpigkeiten à la Münklerwatch zum Trotze. +++ Die taz meldet, dass ein großer Teil der zweiten „Marx-Engels-Gesamtausgabe“ der Einfachheit halber im Internet erscheinen soll, vor allem Briefwechsel, Exzerpte und Notizen. +++ Uwe Justus Wenzel berichtet für die NZZ von Günter Figals Tagung über Heideggers Schwarze Hefte in Freiburg.


Links der Woche am 02.01.2016, 14:33 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 01/16

Zusammen liest man weniger allein

Heideggers „Sein & Zeit“ zu lesen ist anstrengend. Leichter wird es in Gemeinschaft und wer niemanden hat, mit dem die Lektüre dialogisch zu verarbeiten wäre, sei an Ralf und Philipp verwiesen: Sie lesen die Bibel der Fundamentalontologie paragraphenweise und sprechen anschließend in einem wöchentlichen Podcast darüber. Inzwischen sind sie bei § 16 („Die sich meldende Weltmäßigkeit der Umwelt“) angekommen.

Gemeinsame Lektüre ja, aber bloß nicht Heidegger? Dann gucken Sie halt in den Lesesaal der FAZ rein, dort wird gerade kollaborativ das Buch „Reich und Arm“ des Ökonomen Joseph Stiglitz gelesen.

Helikopterelternabend an den Unis

Eine Folge der Bildungsreformen zugunsten einer im Schweinsgalopp herzustellenden employability sind Elternabende an Universitäten. Für die FAZ nimmt sich Birgitta vom Lehn des Phänomens an, das auch mit einem anderen Verhältnis zwischen den Generationen sowie dem elterlichen Trend zur Überbehütung zusammenhängt und mit dem Unis verschieden umzugehen lernen. (29.12.15)

Gefallen und Unverletzbarsein

In der WELT beschäftigt sich Byung-Chul Han unter der fetzigen Überschrift „Narzissmus ist der Grund für Selfies und Terror“ mit der inneren Leere und ihren Symptomen bzw. Folgen sowie ihren Gründen (das unternehmerische Selbst und soziale Medien). Dazu erklärt er den Unterschied zwischen Narzissmus und Eigenliebe sowie die Notwendigkeit von Konflikten. (30.12.15)

Noch sind wir nicht tot.

Otto A. Böhmer empfiehlt in der taz, mit Schopenhauer ins neue Jahr zu starten. Das macht nicht glücklich, aber gelassen; es schärft den Sinn für die Gegenwart und für die Vorzüge des Alterns und es bereitet aufs unvermeidliche Auspusten der Laterne vor, das für den alten Pessimisten nicht das Ende bedeuten konnte. (01.01.16)

Neue Bücher:

Der Freitag stellt das Buch seines Community-Mitglieds Helder Yurén vor, worin dieser in Kleinbuchstaben die Expertokratie als Weg aus der kritikwürdigen Gegenwart hin zu einer herrschaftsfreien Utopie empfiehlt. +++ In seinem jüngsten Buch behauptet Markus Gabriel wider den „Neurozentrismus“, ich sei nicht Gehirn; das können Sie sich auf 256 Seiten für 18 Euro erklären lassen - oder sich die kurze und knackige Einlassung Rüdiger Spiegels zum gleichen Thema im aktuellen Lichtwolf gönnen. +++ Die NZZ bespricht des Juristen Michael Stolleis Sammlung von Anekdoten und Erzählungen, die ein anschauliches Bild von Rechtsphilosophie und -geschichte zeichnen. +++ Arno Widmann hat sich für die FR aus Slavoj Žižeks manischem Jahres-Output das kleine Pamphlet „Der neue Klassenkampf – Die wahren Gründe für Flucht und Terror“ vorgenommen und ist wenig überzeugt von der Art, wie Žižek auch darin für den Kommunismus als Lösung aller Probleme wirbt.

Unn sünst?

Der Freitag portraitiert die Philosophische Praxis von Ute Gahlings und Christian Hellweg in Frankfurt, wo man Leuten für 75 Euro die Stunde beim Gelingen des Lebens weiterhilft. +++ Die ZEIT führt bereits seit 2013 mit einer Einführung in die Philosophie denkinteressierte Jungmenschen mit knackigen Erläuterungen und Hausaufgaben an die schönste Wissenschaft heran; in der aktuellen Folge geht es um Platon bzw. Sokrates und ihre Ideenlehre, Dialogtechnik und Wissensbegriff. +++ In der Physik streitet man sich, ob man mit Stringtheorie und Multiversen den Bereich falsifizierbarer Wissenschaft verlassen habe, und rief die Philosophie zu einem Workshop herbei, von dem Spektrum der Wissenschaft berichtet. +++ Thomas Sautner fragt im Standard, wie man glücklich sein könne angesichts des traurigen Zustands unserer Gegenwart. Die Taktik „Verdrängen plus ein wenig Engagement“ ist ebenso beliebt wie der modern-eremitische Rückzug, der Trotz aber das einzig Wahre!


Links der Woche am 26.12.2015, 17:21 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 52/15

Hoppla, es ist ja schon wieder Samstag und damit Zeit für die Links der Woche!

Trigger-Warnung

Damit es nicht zu besinnlich wird: Für Telepolis hat sich Marcus Stiglegger ausgiebig mit beim westlichen Kino entlehnten Narrativen, Dramaturgie und Ästhetik der Snuff-Videos beschäftigt, mit denen die IS-Miliz im Internet zugleich Gegner einschüchtern und neue Anhänger gewinnen will. (20.12.15)

Zeitungen und Ewigungen

Der Feu-Chef der NZZ, Martin Meyer, befasst sich in seinem nostalgischen Weihnachtsessay mit Ohnmacht und Beschleunigung, die die moderne Lebenswelt verheeren. Ein überfälliger Beilagen-Beitrag, der von Gadamer in letzter Minute via Aeroplan geliefert wurde, wird zum Sinnbild dafür, was der Fortschritt seit den 1980ern nicht nur in Redaktionen obsolet gemacht hat. (24.12.15)

Bekenntnisse auf Knien

Die FAZ bringt einen Auszug aus des Althistorikers Robin Lane Fox’ umjubelter Studie über die Confessiones des Augustinus. Als (wie auch immer) zu Papier gebrachter innerer Monolog zwischen Ich und Vernunft begründeten sie eine bis heute beliebte Gattung, deren Themen und Textbezüge nach wie vor faszinieren. (26.12.15)

Kant und ZEIT

Der gute Immanuel Kant hat es jüngst auf die Titelseite der ZEIT geschafft, für die sich Thomas Assheuer mit dem Frankfurter Kantianer Rainer Forst über den Königsberger unterhalten hat, an dessen aus dem Denken gewonnenen Überzeugungen Forst festhält - obwohl jede Nachrichtensendung sie zu widerlegen scheint. Die ZEIT hat darum weitere „Philosophinnen und Philosophen aus aller Welt“ nach der Aktualität von Kants Denken befragt, die darauf sehr unterschiedlich antworten. Wie sehr unsere großen Denker wie Kant, Nietzsche und Til Schweiger in der Flüchtlingskrise missverstanden werden, ist übrigens eines der Themen im aktuellen Lichtwolf; neben der papiernen Ausgabe gibt es das Ding auch als preiswertes E-Book für Kindle oder im epub-Format.

Außerdemos von Sonstnochos:

Passend zur Jahreszeit erklärt Bad Santa Slavoj Žižek in der FAZ auf seine unnachahmliche Art, warum wir Weihnachten feiern obwohl wir selbst an den Zinnober gar nicht mehr glauben (und was das z.B. mit dem Demokratiebegriff zu tun hat). +++ Arno Kleinebeckel zeigt sich bei Telepolis sehr unzufrieden mit den Reaktionen auf die Anschläge von Paris und vermisst den Citoyen Rousseaus. +++ Unzufrieden ist auch Pankaj Mishra, der in der SZ die auch künftig immer wiederkehrende Notwendigkeit zu trauern mit der im Westen geleisteten Verblödungsarbeit in Zusammenhang bringt. +++ Auch die ZEIT bespricht Herfried Münklers kühle Analyse moderner Gewaltformen und ihrer Kriegsethik. +++ Philipp Ruch vom Zentrum für politische Schönheit hat sich für sein politisches Manifest den Vorwurf eingehandelt, ein antimodernistischer Schwurbelpathetiker zu sein, was er in der ZEIT zurückweist. +++ Die FAZ meldet, die Universität Salzburg habe dem Biologen Konrad Lorenz jüngst die Ehrendoktorwürde entzogen, weil der sich für den Nationalsozialismus engagiert hatte.

Das war also das insgesamt wenig erquickliche 2015, guten Rutsch und bis nächstes Jahr - und keine Hemmungen: Unser Einkaufszentrum ist natürlich auch zwischen den Jahren in voller Stärke besetzt, um ihre Bestellungen zu verschicken!


Links der Woche am 19.12.2015, 15:57 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 51/15

Bedingung einer Poesie

Bedauernd schreibt Birgit Schmid in der NZZ über das Aussterben eines noblen Gefühls, nämlich der Schüchternheit. Die gilt in Zeiten der digitalen Dauerselbstdarstellung als Defizit, dem mit Medikamenten und Ratgebern zu Leibe gerückt wird - obwohl die scheue Innerlichkeit doch viel zu bieten hat. (12.12.15)

Kompromiss statt Kampf

Im Freitag wird über die Möglichkeit oder Notwendigkeit eines linken Populismus diskutiert. Albrecht von Lucke warnt in seinem Beitrag vor Weimarer Verhältnissen, da linker und rechter Populismus nicht zu unterscheiden sind, und plädiert vielmehr für eine kompromissfähige Linke ohne Feindbilder. (15.12.15)

Remythologisierung des Alltags

Der säkulare Liberalismus und die rationale Wissenschaft sind nicht so gesetzt, wie man gemeinhin glaubt, schreibt Anton Hügli in der NZZ. Wenn sich die Religion sinnvoll einbringen will, um das Bedürfnis nach Transzendenz zu bedienen, sollte sie sich an die Religionsphilosophie von Karl Jaspers halten. (19.12.15)

Neue Bücher:

Ausführlich und fasziniert bespricht die FAZ „Die Möglichkeit der Normen“, worin der Jurist Christoph Möllers die Begriffe von Norm und Normativität sowie ihre Bedeutung für den demokratischen Alltag klärt. +++ Dieter Thomä, Ulrich Schmid und Vincent Kaufmann haben ein Buch geschrieben über die Bedeutung der Biographie für das Denken von Philosophen, die NZZ rezensiert das Werk. +++ Die FR zeigt sich fasziniert von David George Haskells Buch über „Das verborgene Leben des Waldes“. +++ Nicolas Mahler hat eine Philosophiegeschichte in Comicform gezeichnet, der Standard stellt „Partyspaß mit Kant“ vor.

Außerdemchen:

Freitag-Community-Mitglied TobiT unternimmt einen politisch-philosophischen Jahresrückblick und schaut nach, wie sich Slavoj Žižeks „Jahr der gefährlichen Träume“ in Griechenland und anderen europäischen Krisenländern ausnahm. +++ Georg Blume unterhält sich für die ZEIT mit dem Philosophen Alain Finkielkraut über das deutsch-französische Verhältnis in Zeiten des Terrors und des Krieges, den man hier nicht so nennen mag. +++ Bei Getidan findet sich der Hinweis auf Ben G. Fodors Photokunst zum Absurden; weitere Performances, die die Zweckhaftigkeit des ganzen menschlichen Strebens dokumentieren, gibt es auf Fodors Homepage. +++ Lichtwolf Nr. 52 (Titelthema: „Bitte / danke“) ist bereits auf dem Postweg in die Briefkästen unserer Abonnent_innen - und ganz ohne jeden Hinweis auf bevorstehende Konsumfeierlichkeiten sei hier auf die Möglichkeit hingewiesen, Abos und Einzelhefte der „Zeitschrift trotz Philosophie“ zu verschenken.


Links der Woche am 25.10.2015, 08:58 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 43/15

Schwärme, was sonst.

Diese Woche wurde erstmals der Frank-Schirrmacher-Preis verliehen, und zwar an Hans Magnus Enzensberger, der sich in seiner Dankesrede dem letzten Lieblingsthema des Namensgebers widmet: Der Schwarm ist die neue Daseinsform des nach wie vor nomadischen Menschen, mit der eine „Konjunktur der Verbarrikadierung“ einhergeht. (22.10.2015)

Wie im neuen Asterix!

Stefan Rebenich widerlegt schon mit seinem Texteinstieg in der NZZ das Vorurteil, Papyrologie sei so staubig und öde wie ihr Untersuchungsgegenstand. Ohne Papyrusfragmente wären Theologie, Philosophie und Mythologie nicht das, was sie sind, und womöglich harrt im Wüstensand noch eine Schrift ihrer Entdeckung, die unser Weltbild - wie mehrfach geschehen - umwirft. (24.10.15)

Der doppelte Žižek

Slavoj Žižek ist bekanntlich fleißig und so nimmt es nicht wunder, ihn mehrmals pro Woche in der Zeitung zu finden. In der SZ lässt er sich zur deutschen Flüchtlingspolitik befragen, von der er positiv überrascht ist, sich aber mehr Plan und Soldaten wünscht; den Linken rät er, weniger offene Grenzen und mehr Leitkultur zu fordern. Für den Standard berichtet Michael Freund über einen Hegel-Abend mit Žižek (bzw. Žižek-Abend ohne Hegel) in New York, wo er sich wohl mal wieder sehr exzentrisch zum „Rockstar der Kulturtheorie“ spreizte und vom Hölzchen aufs Stöckchen kam.

Unn sünst?

Vor einer Weile hat Jan Drees sich für den Freitag mit Peter Trawny, dem Herausgeber von Heideggers Schwarzen Heften, über die ausgelöste Debatte, Prekarität und die Probleme der Gegenwart unterhalten. In Drees’ Blog „Lesen mit Links“ gibt es das ungekürzte Trawny-Interview nachzulesen. +++ Die Deutsche Gesellschaft für Soziologie meldet, dass das Innenministerium auf Druck der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA) der Bundeszentrale für politische Bildung (bpb) den Vertrieb der Sammelpublikation „Ökonomie und Gesellschaft“ untersagt hat. +++ Oleg Jurjew beschwört uns in der FR, die die Essays und Polemiken des kompromisslosen Linken Eike Geisel gegen die „Wiedergutwerdung der Deutschen“ zu lesen. +++ Apropos lesen: Der einzig vernünftige Text zur Bedeutung des Lesens dieser Buchmessensaison stammt von Stefan Gärtner. +++ Die FAZ berichtet von einer US-Studie über die Korrelation von politischer Einstellung und Lebensstilpräferenzen. +++ Außerdem schmunzelt die FAZ über die photo-optischen Tücken der neuen Uni-Bibliothek in Freiburg. +++ Wolfram Eilenberger portraitiert in der WELT den Datenphilosophen Luciano Floridi anlässlich seines Buchs „Die 4. Revolution. Wie die Infosphäre unser Leben verändert.“, ohne dabei die „große Wanderung muslimischer Jungmänner von Osten nach Westen“ außen vor lassen zu können.


Links der Woche am 03.10.2015, 14:01 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 40/15

Kapitalismus als Fluchtursache

In der ZEIT schreibt uns Slavoj Žižek ins Stammbuch, dass die Flüchtlingskrise nicht zu lösen ist, ohne die große Gesamtscheiße in Angriff zu nehmen. Denn die Situation in den Herkunftsländern ist eine Folge der neoliberalen Kolonialpolitik. Es gibt viel zu tun und viel zu lernen, denn die großen Krisen kommen erst noch. (24.09.15)

Braune Ökos

Im Freitag beschäftigt sich Andreas Förster mit der rechtsextremen Öko-Bauernbewegung u.a. in der Gemeinde Lalendorf (!). Das ist auch Benjamin Piels Thema, der für die ZEIT über völkische Siedler und den Widerstand gegen sie im Wendland schreibt. Über die Übergänge zwischen Grün und Braun geht es übrigens auch im aktuellen Lichtwolf.

Kongresse & Bücher

Hannah Bethke berichtet für die FAZ vom Jahrestreffen der deutschen Politologen, wo zwischen Konflikt, Konsens und Knatsch diesmal alles dabei war. +++ Für die NZZ war Uwe Justus Wenzel auf dem Internationalen Kant-Kongress in Wien, wo der metaphysische Mindfuck Normalität ist. +++ Der Freitag stellt das Buch der Politologin Ellen Meiksins Wood über die historische Entstehung des Kapitalismus aus der Ideologie der „Verbesserung“. +++ Die FR lobt das Buch, in dem Otfried Höffe die Freiheit gegen ihre Skeptiker und als unverzichtbaren Teil des großen Ganzen verteidigt.

Jubiläum: Vor fünf Jahren gab es die ersten Links der Woche auf lichtwolf.de - hurra!


Links der Woche am 25.07.2015, 14:01 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 30/15

Platon im Hirnscanner

In der FAZ erklärt der Biopsychologe Stefan Treue ausführlich, wie unsere Wahrnehmung funktioniert. Mit den entsprechenden biologischen Grundlagen geht es sodann um die Frage, was wir wissen (können), und was evolutionäre Erkenntnistheorie mit ein bisschen Neurowissenschaft darauf antworten. (20.07.15)

Sex? Ja, gerne!

Houellebecq-Leser wissen, dass die 68er den Sex kaputt gemacht haben. Einer dieser (damals wahrscheinlich) langhaarigen Schwerverbrecher ist Arno Widmann von der FR, der sich ebendort mit Faramerz Dabhoiwala über die unterschiedlichen kulturell-historischen Prägungen von Sexualität und Selbstbestimmung unterhält. Nebenan in der FAZ schafft Georg Rüschemeyer den tollen Texteinstieg „Etwas muss dran sein am Sex.“ und geht sodann der (noch eher unklaren) Frage nach, warum fast alle Lebewesen sich das ewige Hin und Her, Rein und Raus, Auf und Ab zur Fortpflanzung antun.

Außerdemchen:

Die NZZ bespricht Slavoj Žižeks neues Buch darüber, was ein Ereignis ist. +++ Hermeneutik des Shitstorms: Im FAZ-Interview erklärt Bernhard Pörksen, was die ständige Eskalation von Wut, Hass und Empörung über unser Wertesystem verrät. +++ Lange gab es kein Manifest mehr für irgendwas, nun haben die Kolleg_innen vom Hohe-Luft-Magazin eines „für eine Philosophie, die uns bewegt“ ans digitale Tor genagelt. Und alle so: yeah! +++ Die unternehmerische Universität ist schon okay, meint der Finanzwissenschaftler Berthold Wigger in der FAZ, sofern man nicht die ungeeigneten Maßstäbe des produzierenden Gewerbes anlegt.


Links der Woche am 11.07.2015, 14:30 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 28/15

Griechenland...

...hält die Welt weiter in Atem. Und ja: die Welt, denn es geht nicht bloß um Staatsfinanzen oder ein Währungssystem. Das findet auch Slavoj Žižek in der ZEIT anlässlich des griechischen Referendums über Pest oder Cholera: Die Griechen beharren damit auf den demokratischen Sozialstaat europäischer Prägung, den sich im technokratisch durchgesetzten Schuldenkapitalismus niemand mehr leisten kann. Ganz ähnlich beobachtet auch Georg Seeßlen in seinem Blog die innere und äußere Abschaffung der Demokratie nicht zuletzt durch marktförmige Medien. Kapitalismuskritik hat es in diesen Tagen leicht - und macht es sich zu leicht, merkt Armin Nassehi in der ZEIT an. Denn die Kritik reduziert die unbehagliche Komplexität auf die negativen Folgen des maßlosen Kapitals und so einfach ist es dann - wie im Fall Griechenland - doch nicht. Das ist ja das Problem! Vielleicht hilft es, in der Vergangenheit nach Ähnlichkeiten und Unterschieden zu suchen, wie Arno Widmann es in der FR mit einem Rückblick auf die Londoner Schuldenkonferenz 1953 tut, bei der Deutschland seine Kriegsschulden erlassen wurden.

Philosophie & Zeitschriften

Was hat Philosophie (als Ethik) im technischen Zeitalter noch zu melden? Darüber hat sich Reinhard Jellen mit zehn Philosophen unterhalten, die einen Computer bedienen können, und ein E-Book daraus gemacht, wie Telepolis meldet. Maxi Leinkauf feiert im Freitag das Philosophiemagazin Hohe Luft so hymnisch ab, dass es auch Satire sein könnte: Denn da entpuppt sich Derek Parfit als „der größte Gegenwartsphilosoph unserer Zeit“ und es gibt „Lektürevorschläge, sogar Henryk M. Broder kann dort vorkommen“, sowie „ganz praktische Ratschläge, zum Beispiel: Niemals per App seinen Freund orten!“ Eine vollkommen andere Zeitschrift (trotz Philosophie) gibt es übrigens auch als E-Book. Und warum? Gute Frage, die Stephen Burt im New Yorker mit Blick auf die kleinen unabhängigen Magazine stellt, die es trotzallem immer noch und immer wieder gibt.

Außerdemos von Sonstnochos:

Der Wirtschaftswissenschaftler Thomas Ehrmann gibt in der FAZ einen Einblick in die schöne neue Universität mit ihrer Fixierung auf Kundenzufriedenheit und staatliche Kopfgelder. +++ Nebenan bei Glanz & Elend lotet Peter V. Brinkemper die politische Dimension von „Jurassic World“ aus; außerdem stellt er ebd. Hunter S. Thompsons Gonzo-Briefe aus den Jahren 1958 bis 1976 vor. +++ Arno Widmann hat für die FR in den Bänden der Tagungsreihe „Communism: A New Beginning“ geblättert und darin Alain Badious „Idee des Kommunismus“ entdeckt, von der er sich zugleich angezogen und befremdet zeigt. +++ Die NZZ ist nicht so ganz zufrieden mit Otfried Höffes Studie zur Idee der Freiheit, die eher Rundreise als Tiefenexpedition ist.


Links der Woche am 09.05.2015, 13:23 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 19/15

Schneller, höher, weiter

Jan Heinemann unterhält sich auf dem Blog Zeit.Räume mit dem Soziologen Hartmut Rosa über Identität, Zeit- und Raumwahrnehmung in der von ihm diagnostizierten Beschleunigungskrise - und wie diese mit der ökologischen Krise zusammenhängt. (21.04.15)

Mit Hegel gegen den Kapitalismus

Der Standard spricht mit Slavoj Žižek über die nötige Rückkehr von Marx zu Hegel, da dessen pessimistische Sicht auf die Zukunft viel besser in unsere krisenhafte Moderne passt als der Fortschrittsoptimismus Marxens. Revolution ist jedenfalls nicht in Sicht. Ansonsten lobt Žižek frohgemut und schamlos den Deutschen Idealismus und einen eurozentrischen Philosophiebegriff. (03.05.15)

Subtraktion, Blockade, Widerstand

Das Unsichtbare Komitee ist mit seinem Resümee über den kommenden Aufstand zurück in den Medien, diese Woche in einem ZEIT-Interview, das sehr schön daher kommt: Denn die Fragen wurden konsequent allein mit Zitaten aus der Revoltegeschichte beantwortet. (08.05.15)

„Was kann man damit werden?“

Die ZEIT begleitet die 17-jährige Schülerin Gesine Hagmeister bei ihrem Probestudium der „vollen geisteswissenschaftlichen Dröhnung“ an der Uni Bielefeld. Dokumentiert werden die Einstiegstipps ins philosophische Studentenleben, die der Tutor aus der Philosophie-Fachschaft so auf Lager hat. (06.05.15)

Wer ist Charlie?

Die SZ berichtet über die französischen Nachwehen der Pariser Anschläge vom Januar 2015. So streitet sich die Republik u.a. darüber, ob Voltaire oder Rousseau das geeignete gedankliche Rüstzeug für den Weltbürgerkrieg liefert, und ob wirklich alle Solidaritätsbekundungen für Charlie Hebdo einen humanistischen Hintergrund haben. (06.05.15)

„mit Heidegger gegen Heidegger“

Per Leo berichtet für die FAZ von einer kritischen Tagung zu den „Schwarzen Heften“ Martin Heideggers an der Uni Siegen. Allerdings scheint das habermassche Motto „mit Heidegger gegen Heidegger“ im Streit der Kritiker_innen nicht ganz aufgegangen zu sein - oder in diesem Sinne gerade doch. (06.05.15)

Et cetera:

Falls Sie einen Einstieg in die laufende Debatte um Heideggers Schwarze Hefte brauchen, sei nochmals auf die ausführliche Nachlese bei Glanz & Elend verwiesen: Teil 1 und Teil 2; kurz zusammengefasst in Lichtwolf Nr. 46. +++ Ebenda bei Glanz & Elend bespricht Jürgen Nielsen-Sikora den Briefwechsel Theodor W. Adorno und Gershom Scholem 1939-1969, über dem stets der abwesende Freund Walter Benjamin schwebt. +++ Die taz unterhält sich mit der Kulturwissenschaftlerin Karin Harrasser über den philosophischen Kern von Science Fiction. +++ Georg Seeßlen macht sich in seinem Blog ausführliche Gedanken über Geld (als Zeit) verdienen, haben und ausgeben im Spiegel der modernen Arbeitswelt und der Rhetorik der Niedertracht; außerdem geht es um Ästhetik, namentlich um Lesbarkeit und Differenz in der Bildkunst.


Links der Woche am 07.03.2015, 14:26 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 10/15

Angst und Schrecken in Österreich

Österreich hat Angst, so schreibt Marlene Streeruwitz im Standard. In diversen Krisen übernehmen Staatsleute weder Führung noch Verantwortung, und recht eigentlich haben die Leute Furcht, nicht Angst. Außerdem geht es um Exogamie, Inzest und Integration. (01.03.15)

Mit Humboldt gegen die OECD

Der Standard hat sich mit Julian Nida-Rümelin über die Steigerung der Akademikerquote, die zugrundeliegenden Denkfehler und die wirtschaftlichen Folgen unterhalten. Hinter dem Akademisierungswahn stecke u.a. das Bestreben der Wirtschaft, den Selbstzweck von Bildung zugunsten von employability zurückzudrängen. (04.03.15)

Subjekt und die ganze Realität

Der „der Shooting-Star der Deutschen Philosophie“ Markus Gabriel hat sich Slavoj Žižeks Hegelschwarte für die ZEIT vorgenommen und zeigt sich etwas enttäuscht, darin lediglich eine Summe der bisherigen Denkarbeit zu finden. Auch die Verteidigung seiner Lesart des Idealismus als Materialismus überzeugt den Rezensenten ebenso wenig die Selbstpositionierung durch Auseinandersetzung mit den Klassikern. (06.03.15)

Der Heidegger-Stuhl

Uwe Justus Wenzel äußert sich in der NZZ zu den letzte Woche bekannt gewordenen Überlegungen der Uni Freiburg, den Heidegger-Lehrstuhl in eine Juniorprofessur für Logik (Welch wunderbare Ironie!) umzuwandeln. Darüber, aber besonders über mögliche Motive - Animositäten, Kostensparen, Personalentwicklung, Exorzismus - schüttelt Wenzel wortreich den Kopf. (07.03.15)


Links der Woche am 21.02.2015, 14:44 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 08/15

Spiegelwelt der islamisierten Dauerkriminalität

Für die ZEIT war Georg Seeßlens Exegese der Propaganda europäischer Dschihadisten so wichtig, dass sie den Essay auf Deutsch und Englisch veröffentlichte. Der Essay ist auch bei Getidan zu lesen und beschreibt, wie mit westlicher Gangster-Ästhetik ein Gegennarrativ zum westlichen Liberalismus geschaffen wird, der dem nichts für Betroffene ähnlich Attraktives entgegenzusetzen hat. (16.02.15)

Darüber lieber keinen Volksentscheid

Das Für und Wider der Todesstrafe gehört zu den Grundübungen der politischen Philosophie. In seiner ZEIT-Kolumne erklärte Bundesrichter Thomas Fischer diese Woche angenehm elaboriert, warum der Staat seine Bürger nicht töten darf und eine (womöglich gar lebenslange) Freiheitsstrafe für den Menschen als Bürger auch nicht ohne ist. (17.02.15)

Et cetera:

Die beiden Martins Altmeyer und Dornes sind in der FAZ nicht damit einverstanden, dass Slavoj Žižek und Byung-Chul Han die Schuld am IS nicht allein dem Araber in die Schuhe schieben, sondern Liberalismus und Kapitalismus für einen Teil des Problems halten. +++ Der Freitag portraitiert die britische Feministin Lynne Segal, die sich gegen Fokussierung des feministischen Sexualitätsdiskurses auf männliche Gewalt und für mehr Gemeinschaft ausspricht. +++ In Lichtwolf Nr. 45 und 46 hatte sich Bdolf mit kontrafaktischen (Nazi-)Romanen beschäftigt - ein Thema, das wohl in der Luft liegt: Richard J. Evans’ politisch-methodischer Essay „Veränderte Vergangenheiten“ wird in der FR besprochen. +++ Arno Widmann bespricht ebenfalls in der FR den neuen Essayband des Historikers Götz Aly, worin dieser gegen den Mythos von der Kaperung der Deutschen durch die Nazis anschreibt. Der Band heißt „Volk ohne Mitte“ und um die geht es auch im FR-Interview mit dem Soziologen Heinz Bude über Engherzigkeit und Antikapitalismus in Ost- und Westdeutschland. +++ Und noch eine Essaysammlung, nun von Martin Seel, der sich darin laut NZZ-Rezension mit seiner Frankfurter Schuldialektik mit Kunst und Freiheit beschäftigt. +++ Außerdem stellt die NZZ das Buch des Entwicklungspsychologen Thomas Suddendorf vor, worin dieser der Frage nachgeht, was den Menschen zum Menschen macht und ihn vom restlichen Tierreich unterscheidet: Sprache und Zeit. +++ Heidegger laufen die Freunde weg: Die Kollegen von Hohe Luft wissen vom Unbehagen, das den Herausgeber Peter Trawny vor dem nächsten Band der Schwarzen Hefte befällt, und der Freiburger Statthalter Günter Figal hat sich ohnehin längst vom Heideggerianertum losgesagt. +++ Heute Abend gibt es wieder Radio zum Mitdenken: Im Deutschlandfunk beginnt um 23:05 Uhr die Lange Nacht über Bösewichter (von Markus Metz und Georg Seeßlen). +++ Zum Schluss die wirklich gute Nachricht: Der Theologe Jürgen Öff Öff Wagner wohnt in einem Erdloch angeblich ohne Geld und Strom und ist nun tatsächlich von der Rundfunk-Haushaltspauschale befreit, wie Telepolis meldet.


Links der Woche am 14.02.2015, 14:34 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 07/15

Literarische Debattenbegleitung

In Deutschland hadert die Literatur noch mit dem, was in Frankreich längst Konjunktur hat: Sterbehilfe in der Literatur. Marc Keller stellt in der NZZ einige der modernen Variationen von Liedestod, Suizid und würdevollem Sterbetourismus vor. (07.02.15)

Kleine akademische Karriereberatung

Die prekäre Lage des akademischen Nachwuchses ist seit einem Weilchen wieder Thema. Der Philoprof Tobias Rosefeldt rechnet in der FAZ den Zynismus des universitären Mittelbaumodells vor und plädiert für dessen Abschaffung. Eine neue Studie belegt, was wir Bourdieu-Leserinnen ohnehin ahnten, nämlich dass vor allem die soziale Herkunft darüber entscheidet, ob man einen Lehrstuhl ergattert. Rudolf Stumberger unterhält sich bei Telepolis mit Christina Möller, Autorin der Studie. Einen Einblick in das Leben jenseits des Lehrstuhls gibt die taz: Dort erzählt Stefanie Schmidt von ihren verzweifelten Versuchen, als promovierte Historikerin überhaupt irgendeinen Job zu bekommen. Ob man also besser Intellektueller werden soll, erwägt Jan Grossarth unter besonderer Berücksichtigung des Arbeitsmarkts in der FAZ.

Blumendenkkraft

Der Neurobiologe Stefano Mancuso vertritt in seinem neuen Buch die Theorie von der „vegetativen Intelligenz“. Arno Widmann unterhält sich in der FR mit ihm darüber, wie Pflanzen denken und kommunizieren und raffinierter auf die Umwelt reagieren als Mensch und Tier. (13.02.15)

Unn sünst?

Nils Markwardt hat im Freitag ein kleines ABC der Neuen Philosophie zusammengestellt - von Akzelerationismus bis Slavoj Žižek. Dessen neue Hegelschwarte „Weniger als nichts“ wird in der FR von Otto A. Böhmer besprochen und könnte eine Renaissance des Idealismus anschubsen. Aram Lintzel in der taz dagegen schimpft eher mit Žižek wegen dessen Überzeugung, nur eine radikale Linke könne Europa vor dem Fundamentalismus retten - mit eisenharter Disziplin und Organisation.


Links der Woche am 07.02.2015, 14:14 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 06/15

Dr. Hoffnungslos in die Arena!

Nüchtern blickt Daniel Hornuff in der FAZ auf die schlechten Perspektiven habilitierter Geisteswissenschaftler. Statt sich davon entmutigen zu lassen, sollten sie sich mit Agilität und Streitlust öffentlich sichtbar machen, indem sieden Zeitgeist mitgestalten. (31.01.15)

Postdocs in Nöten

Mit dem Russisch Roulette der akademischen Karriereabsicht beschäftigt sich Sibylle Anderl in der FAZ. Denn auch wer Mobilitätszwang und Prekarisierung hinzunehmen bereit ist, muss in existentieller Unsicherheit hoffen und bangen - nicht nur am Wissenschaftsstandort Deutschland. (01.02.15)

Das Gehirn des Angsthasen

Der Münsteraner Physiologe Hans-Christian Paper setzt sich in der FAZ ausführlich mit Angst und Furcht auseinander. Neben der genauen Unterscheidung von Emotionen und Gefühlen widmet er sich insbesondere der, die in der Hirnforschung zwischen überlebenswichtig und pathologisch gezogen wird. (01.02.15)

Gegen Neoliberalismus und Fundamentalismus

Unter anderem in der ZEIT hatte Slavoj Žižek in einer radikalen Linken die Rettung vorm Islamismus gesehen. Nun korrigiert Byung-Chul Han ebendort Žižeks Buddhismus-Bild und Nietzsche-Interpretation. Insbesondere aber sei gegenwärtig eher Carl Schmitt als Karl Marx gefragt. (01.02.15)

Antimilitaristische Psychologie

Bei Telepolis unterhält sich Jens Wernicke mit dem Psychologen Klaus-Jürgen Bruder über die ideologische Mobilmachung, die deutschen Köpfen den Pazifismus austreiben soll und in Form von PEGIDA erste Früchte trägt, aber auch über die politische Bedeutung seiner Disziplin allgemein. (04.02.15)

Der Schein als einzig lebbare Seinsweise

Entweder man ist ein Erfolgsmensch oder man geht unter in der modernen Leistungsgesellschaft. Wie sie das Subjekt ethisch und anthropologisch deformiert ist Robert Misiks Thema in der NZZ. Demnach seufzt inzwischen selbst die Wirtschaftswoche: „Der Zwang zum Erfolg macht uns fertig.“ (06.02.15)

Plädoyer für einen Dummheits-Lehrstuhl

So aufgeklärt die Postmoderne auch sein mag, so sehr greifen Irrationalismus und Aberglaube um sich, konstatiert Jürgen Kaube in der FAZ. Als mögliche Gründe sieht er die Balkanisierung des Wissens, den neoliberalen Perfektionismus, der hinter jedem Fehler Absicht vermutet, und das Internet. (07.02.15)


Links der Woche am 31.01.2015, 14:19 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 05/15

Auf der Suche nach dem Narrativ

In der Woche des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus überlegt Anja Reiter in der FAZ, wie der Holocaust noch im Geschichtsunterricht vermittelt werden kann - 70 Jahre nach Befreiung des KZ Auschwitz und für eine wachsende Zahl von Schülern, zu deren Geschichte der Holocaust qua Migrationshintergrund nicht zu gehören scheint. (29.01.15)

Außerdemchen:

Die FAZ meldet, dass die Mainzer „Open Mind“-Gruppe um Thomas Metzinger eine ganze Textsammlung zu Geist, Gehirn und Bewusstsein ins Netz gestellt hat: Unter open-mind.net gibt es den Lesestoff als PDF oder im .epub-Format. +++ Die taz weist auf eine zweibändige Ausgabe mit Albert Camus’ journalistischen Arbeiten hin, die ihn einmal mehr als politischen Denker zeigen. +++ Im Interview mit dem Standard erklärt Slavoj Žižek, was den Macht-Begriff der IS-Miliz vom westlichen unterscheidet und warum nur eine radikale Linke die Rettung vor Islamismus und letzten Menschen bietet. +++ Heute Abend gibt es ab 23:05 Uhr im Deutschlandfunk die Lange Nacht über Else Lasker-Schüler, Gertrud Kolmar und Simone Weil. +++ Der hübsche RDP diskutiert in seiner ZDF-Sendung am Sonntag mit dem Cicero-Chef Christoph Schwennicke über konservatives Denken.


Links der Woche am 17.01.2015, 16:25 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 03/15

Zeugnisse des Verlusts

Ob man nun schlussmacht oder stirbt, nie ist man so richtig weg. Sven Stillich schreibt in der ZEIT, was so alles von jedem übrig bleibt (Kleinigkeiten und Abfall), was manch einer auf keinen Fall zurücklassen will und wie wir wichtige Dinge und Momente (auch unabsichtlich) bewahren.

Der nächste US-Präsident ist ein Cyborg

Bei Telepolis gibt Zukunftsforscher Roland Benedikter im Interview einen Überblick über die drei Schritte, die 2014 auf dem Weg zur transhumanistischen Gesellschaft gemacht worden sind und welche ethischen Herausforderungen in der technischen Zukunft warten. (11.01.15)

Die Anschläge von Paris

Die Wut und Trauer nach den Anschlägen von Paris legen sich langsam und die gedankliche Aufarbeitung geht los. Im New Statesman fragt Slavoj Žižek mit etwas Nietzsche nach dem Minderwertigkeitskomplex islamistischer Fundamentalisten. In der FAZ untersucht der Soziologe Jens Alber den scheinbaren Zusammenhang zwischen „dem“ Islam und dem Terrorismus in seinem Namen. Michel Houellebecqs Roman über die Wahl eines Muslim zum französischen Präsidenten erschien am Tag der Anschläge. Cord Riechelmann untersucht in der FAZ die Parallelen zu „Untergang des Abendlandes“ und was Spengler tatsächlich darunter verstand. Die ZEIT bringt Navid Kermanis Trauerrede für die Opfer der Pariser Anschläge, in der er die Werte des Islam und der Französischen Revolution betont.


Links der Woche am 10.01.2015, 14:23 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 02/15

Das Wissen ums Sterben

Einige Tiere bekommen gepflegte Gräber, andere werden zu Fischmehl oder Festtagsbraten verarbeitet. Ronald Roggen besucht für die NZZ einen Schweizer Tierfriedhof und überlegt, welche vielfältigen Schlaglichter der Tod von Tieren auf ihre Verhältnisse zum Menschen wirft. (03.01.15)

Stränge und Häute

Matthias Matting setzt bei Telepolis seinen letzte Woche begonnenen Einstieg in die Stringtheorie fort. In Teil 2 erfahren wir, warum das Universum supersymmetrisch sein und jedes Teilchen einen Partner haben sollte, wie man mathematisch nötige zusätzliche Dimensionen aufwickelt und warum Gravitation die coolste Naturkraft ist. (06.01.15)

back that shit up

Der Philosophy Bro hat diese Woche wieder Post bekommen und nimmt sich der kniffligen Frage an, warum Kant sich trotz des kategorischen Imperativs für die Todesstrafe aussprach. Dieser Widerspruch ist nur ein scheinbarer, nämlich sogar eine Folgerung, aber das heißt weder, dass Kant widerlegt wäre, noch dass er unwiderlegbar wäre. (06.01.15)

Das wohlverwaltete Prekariat

Um wissenschaftliche Mitarbeiter durch Verunsicherung und Kontrolle zur Exzellenz zu treiben, braucht es Personal. Björn Brembs und Axel Brennicke - beide selbst Uni-Wissenschaftler - beschreiben in der FAZ, wie die Prekarisierung des akademischen Nachwuchses mit einem Wuchern unbefristeter Verwaltungsstellen einhergeht. (07.01.15)

Die eigentlichen Märtyrer von „Charlie Hebdo“

Unter den vielen Reaktionen auf die Morde in Paris sei an dieser Stelle des Filters wegen lediglich auf die von Bernard-Henri Lévy verwiesen, die in der FAZ nachzulesen ist. Darin rechnet er die ermordeten „Charlie Hebdo“-Mitarbeiter zu den Helden der Aufklärung und ruft mit republikanischem Pathos zu „Nationaler Einheit“ und zur Befreiung des Islam vom Islamismus auf. (09.01.15)

Das Weitere und Engere:

In dieser Woche wäre Kurt Tucholsky 125 geworden. +++ Der Freitag weist auf den neuen Zukunftsalmanach aus Harald Welzers Stiftung Futurzwei hin, der statt Apokalyptik zu betreiben lieber erfolgreiche soziale und ökologische Alternativen portraitiert. +++ Mega-Žižek: Für Glanz & Elend überlegt Peter V. Brinkemper, was es mit dem Büchlein „Žižek’s Jokes, Treffen sich zwei Hegelianer“ auf sich hat, und bespricht zudem - aber viel kürzer - das knapp zehnmal so dicke Opus Žižeks über Hegel und einen rekonstruierten Idealismus. Einmal in Fahrt gekommen, nimmt er sich auch noch Žižeks jüngstes Buch vor, das mit Heidegger, Hawking usw. fragt, was ein Ereignis sei, und selbst eines ist. +++ Telepolis weist auf das Alan-Turing-Biopic hin, das mit Benedict Cumberbatch in der Hauptrolle in die Kinos kommt. +++ Im Freitag unterhält sich Nora Zaremba mit dem Neurobiologen Gerald Hüther über seine Flucht aus der DDR, Mut, Glück und die lebenslange Freiheit zur neuen Erfahrung.


Links der Woche am 20.12.2014, 14:26 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 51/14

Der Raum am Anfang von allem

Ein Gehirn ist für viele Dinge hilfreich, zuallererst für die (koordinierte) Bewegung. Für die Entdeckung der zuständigen Ortszellen im Hippocampus gibt es den diesjährigen Medizinnobelpreis und der Hirnforscher Peter Thier erklärt in der FAZ, warum die Verwaltung von Raum und Zeit Grundlage aller anderen Hirnfunktionen ist. (15.12.14)

Der wöchentliche Weltuntergang

Die Simpsons werden 25 und Georg Seeßlen betrachtet die gelbe Familie in der ZEIT als tragische Helden im Menschheitsdrama Kapitalismus. Springfield ist überall, und damit der brutale Zynismus, die „Dialektik von Menschen, die können, aber nicht wollen und anderen, die wollen, aber nicht können“, angesichts derer es nicht so viel zu lachen gibt. (17.12.14)

Was „Neger“ bedeutet

Elisabeth von Thadden portraitiert in der ZEIT den Philosophen Achille Mbembe, der in seiner „Kritik der schwarzen Vernunft“ die Ökonomisierung aller Lebensbereiche auf den Sklavenhandel zurückführt und für eine humanere Zukunft nicht nur in Afrika plädiert. (17.12.14)

Vom Urknall zur Epigenetik

Der großartige Gottfried Schatz schreibt in der NZZ, wie uns das moderne, wissenschaftliche Weltbild unsere Nichtigkeit vor Augen hält, aber eben auch das unwahrscheinliche Wunder des Lebens, dessen Geschichte vom Urknall bis zu Epigenetik und Mitsein der Biochemiker geschwind skizziert. (19.12.14)

Unn sünst?

Matthias Dell schreibt im Freitag eine kleine Begriffsgeschichte des Wortes „Ausländer“. +++ Die NZZ zeigt sich enthusiasmiert Martha Nussbaums „Einstein Lectures“ über Wut und Rache in der Politik. +++ Sophie Elmenthaler reagiert in der ZEIT auf den Vorwurf der Humorlosigkeit, der letzte Woche dem Feminismus gemacht wurde.

Bücher kaufen/lesen: Zum Fest fast zu knapp, aber vielleicht als Hilfe für gute Konsumvorsätze: Die taz bringt eine Liste mit Alternativen zu Amazon für Buchkonsument_innen mit sozialen, ökologischen oder anderen Ansprüchen. +++ Bei Glanz & Elend bespricht Jürgen Nielsen-Sikora das Buch, in dem sich Nick Bostrom hauptsächlich „im Konjunktiv“ mit autonomer, d.h. starker künstlicher Intelligenz beschäftigt. +++ Die NZZ stellt die spannende Biographie Paul Watzlawicks vor, dem wir den radikalen Konstruktivismus verdanken. +++ Im Freitag weist Florian Schmid auf das neue Buch von Slavoj Žižek hin, in dem es wie immer um Kapitalismus, Krise und Revolution geht.


Links der Woche am 23.08.2014, 14:30 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 34/14

Capitalism loves you (not)

Ökonom und Sozialforscher Meinhard Miegel fragt sich in der FAZ, warum dem Kapitalismus nicht beizukommen ist. Die Wirtschafts-, Sozial- und Denkordnung stellt das Individuum ins Zentrum, sie ist anspruchslos und doch schwer zu fassen. Der Kapitalismus ist verheerend und trotz aller Skepsis tief in der Bevölkerung verankert, weshalb die Politik die Systemfrage scheut. (17.08.14)

Vom Rechnen und Wissen

Mit der Mode, Wirtschaft und Politik mittels Wahrscheinlichkeitsrechnung zu betreiben, beschäftigt sich Dietmar Dath ebenfalls in der FAZ, indem er den Erkenntnis- und Gestaltungsoptimismus auf die 50er Jahre zurückführt und darüber hinaus bis zu Laplace und Leibniz zurückgeht, den Urvätern der heutigen Algorithmen zur Kundensteuerung und Kriminalitätsprävention. (21.08.14)

Außerdemchen:

„Abort it and try again“, ist Richard Dawkins’ Rat an eine Twitter-Nutzerin, die fragt, was zu tun wäre, wäre sie schwanger mit einem Kind, bei dem das Down-Syndrom diagnostiziert wird; ob das genauso menschenverachtend wie die Leistungsgesellschaft ist, fragt Melanie Mühl in der FAZ leider nicht. +++ „Studenten sind zu arm, um billig zu kaufen“, heißt es in der ZEIT, die daraufhin einigen Experten Spartipps für Studis entlockt. +++ Eine Möglichkeit, (noch mehr) Zeit zu sparen beim Studieren, präsentiert die FAZ in Form von Fast-Track-Studiengängen, die in Berlin und Dortmund binnen vier Jahren zur Promotion führen. +++ Franz Viohl zeigt sich in der WELT begeistert von Byung-Chul Hans Essay über das Wesen der digitalen Technik. +++ Die ZEIT empfiehlt die Globalgeschichte der Arbeit seit dem späten Mittelalter der Historikerin Andrea Komlosy. +++ Der Freitag portraitiert zum 300. Geburtstag - und zur unerwarteten Renaissance des „Diskursmaschinengewehrs“ (F. Kittler) - die Schreibmaschine; zum 290. Geburtstag gab es hier schon mal was über die Bedeutung der Schreibmaschine für den Lichtwolf. +++ Kyle Shire spielt sehr überzeugend in einer vierteiligen Clipreihe nach, wie Slavoj Žižek auf Internetphänomene reagieren würde - mit dekonstruktivistischem Geblubber und Nasegrabbeln und allem!


Links der Woche am 12.07.2014, 14:23 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 28/14

Das totale Management

In der FAZ nimmt Dietmar Dath u.a. den Roman „The Circle“ von Dave Eggers zum Anlass für einige Betrachtungen über die nächste Zukunft der Ausbeutung, die im digitalen Business zur sektenartig verzückten Code-Fron wird. Scheinbar abgeschaffte Hierarchien und Stimmung wie auf dem Kindergeburtstag prägen den jüngsten Kreis der Hölle des Erwerbslebens zwopunktnull. (06.07.14)

ZEIT und Neuer Realismus

Seit einem Weilchen feiert die ZEIT eine Reihe zum Thema Neuer Realismus ab, dem Schlagwort Markus Gabriels. Bislang haben sich dazu einige geäußert, diese Woche war Iris Radisch dran. Sie nimmt die Annäherung des digitalen Alltags an die Science-Fiction zum Anlass, über den philosophischen Realitätsverlust nachzudenken. (09.07.14)

Unn sünst?

Die taz stellt Michael Hampes Buch vor, das zur Rettung der Philosophie durch argumentative Rationalität aufruft. +++ Anlässlich des WM-Finales denket Georg Seeßlen in der taz über nationale Identität als Konsumprodukt nach. +++ Slavoj Žižek wird vorgeworfen, aus einem Rassistenblatt abgeschrieben zu haben. +++ Zum Tod seines Freunds und Kollegen Hans-Ulrich Wehler schreibt Jürgen Habermas in der FAZ. +++ Apropos: Bei Glanz & Elend bespricht Dieter Kaltwasser die bislang umfassendste Habermas-Biographie. +++ Eine Leipziger Ausstellung blickt zurück auf die seit 100 Jahren im Meiner Verlag erscheinende Philosophische Bibliothek, wie das Börsenblatt meldet. +++ Die ZEIT ist total begeistert von Peter Sloterdijks neuem Hauptwerk, das kulturkritisch von Madame de Pompadour bis zu virtuellem Geld mäandert. +++ Die FR stellt das Buch „Zukunft als Katastrophe“ vor, in dem die Germanistin Eva Horn der Dystopie in Film und Literatur nachgeht.


Links der Woche am 28.06.2014, 19:25 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 26/14

Die ZEIT stellt Vittorio Hösles „Kurze Geschichte der deutschen Philosophie“ vor, worin er halb polemisch, halb ideengeschichtlich dem deutschen Geist nachsinnt. +++ Auch von Peter Sloterdijk gibt es ein neues Buch, „Die schrecklichen Kinder der Neuzeit“, welches in der taz besprochen wird. +++ Seit zwei Jahren sitzt Julian Assange in der ecuadorianischen Botschaft in London fest. Zum Jahrestag erinnert Slavoj Žižek im Freitag an die Wikileaks-Enthüllungen über den Wert der Freiheit im Westen. +++ Manfred Klimek von der ZEIT hat den einzigartigen Hermes Phettberg in Wien besucht und portraitiert den „schönen Menschen“. +++ Nachdem die Berliner HU erfolglos versuchte, eine Professur für „Reine Mathematik“ mit einer dieser im Fach unterrepräsentierten „Frauen“ zu besetzen, bleibt diese nun leer, wie das FAZ-Ressort Männerdiskriminierung meldet. +++ Zum 30. Todestag von Michel Foucault bringt die taz ein umfangreiches Portrait seiner Denk- und Wohnorte. +++ Der Kapitalismus produziert Dinge und Vorstellungen, schreibt Georg Seeßlen in seinem Blog und warnt: „Alles was man sich im Kapitalismus vorstellen darf, muss kapitalistisch sein.“


Links der Woche am 26.04.2014, 14:21 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 17/14

Glauben, ohne es zu wissen

Ulrike Heitmüller findet bei Telepolis, Politik könne auch sowas wie Religion sein, etwa der Kommunismus. Nun müsste man erstmal klären, was Religion ist, um den Kommunismus daraufhin abzutasten, wie es der Philosoph Michail Ryklin tut; ähnlich untersucht die Theologin Karen Armstrong den Fundamentalismus. (20.04.14)

Grammatik und Ökonomie

Georg Seeßlen stellt in seinem Blog die Frage nach dem autonomen Subjekt als Maß und Bedingung demokratischer Verhältnisse. Es gibt nämlich auch politische Subjekte wie „den Markt“ oder „das Wachstum“, denen es wie jedem Subjekt um absolute Freiheit geht; in der Postdemokratie tummeln sich ungezählte Spielarten von Subjekterfahrung, -beziehungen, -kulten, -schmelzen und -verwandlungen. (23.04.14)

Unsere Philosophie ist die Philosophie

Und nochmal Seeßlen, der diese Woche unter dem Aufruf „Occupy Philosophy!“ über das Grundrecht auf das Darauflosdenken und die Gesamtlage der Philosophie nachdenkt. Weisheit, Humor und Schönheit finden alle toll, sind aber nichts für „die Leute“. Philosophie wird immer schwieriger, Berufsphilosoph ist ein Beruf und Nachdenken längst die Vorstufe der Dissidenz. (25.04.14)

Das Vermischte und Geschiedene:

Seeßlen zum Dritten bzw. Zweiten, das mit „Wetten, dass...?“ zugleich die Inszenierung der harmlosen Konsensgesellschaft beerdigt, wie er im Freitag schreibt. +++ Der Ökonom Thomas Piketty zeigt, dass die wachsende Kluft zwischen arm und reich den Kapitalismus zerstört, wie im Freitag zu lesen ist. +++ via der blinde Hund: Der ZEIT-Leser Martin Sand nimmt sich einiger (v.a. von Naturwissenschaftlern) gepflegter Vorurteile gegenüber dem Philosophie-Studium an. +++ Bei Glanz & Elend bespricht Dieter Kaltwasser die großen Neuerscheinungen zum 150. Geburtstag von Max Weber. +++ Ein neues Buch versammelt die besten Witze aus Slavoj Žižeks Schriften zum mitlachen und nachdenken. +++ Die Faszination und die ihr zugrunde liegende politische Persönlichkeits-Präsentation Putins lässt Hans Ulrich Gumbrecht in seinem FAZ-Blog an Mussolini denken. +++ Robert Spaemann hat ein eher religiöses als philosophisches Buch über die Psalmen 1–51, das in der NZZ vorgestellt wird. +++ Der Wissenschaftsrat fordert in einem Positionspapier mehr Wissenschaftsforschung, die aber bitte bloß rein empirisch bleiben soll, wie Jürgen Kaube stirnrunzelnd in der FAZ berichtet.


Links der Woche am 15.02.2014, 14:15 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 07/14

Unser Universum gehört uns nicht

Vor einem Weilchen ging es schon mal um die Indizien, unsere komplette Welt könne bloß simuliert sein. Der leidenschaftliche Atheist Michael Szameit hat in einem Telepolis-Artikel die Wahrscheinlichkeitsrechnungen für die neueste Variante eines transzendentalen Demiurgen versammelt. (09.02.14)

Futurismus Reloaded

Bei Telepolis unterhält sich Peter Mühlbauer mit Armen Avanessian, der den seit Wochen diskutierten Sammelband zum Akzelerationismus herausgegeben hat. Da geht es um den Unterschied zwischen katastrophischer und epistemischer Beschleunigung, den affirmativen Hang des neo-primitivistischen Lokalismus und um die Bedeutung von Science Fiction für den Akzelerationismus als technophile Utopie. (10.02.14)

Gutes Chaos in allen Straßen

In Bosnien-Herzegowina wird quer durch alle Ethnien und Schichten gegen die Regierung demonstriert. Slavoj Žižek beschreibt im Guardian/Freitag die Unruhen als überfällige „Revolte gegen die nationalistischen Eliten“ und sieht - womöglich etwas voreilig - „etwas wirklich Emanzipatorisches“ in Gang kommen. (11.02.14)

Burschis allein zuhaus

Matthias Stickler schreibt in der FAZ über die Krise der Deutschen Burschenschaft: Der Dachverband ist vor allem mit ideologischen Grabenkämpfen beschäftigt, dabei ging es nach 1945 doch so gut los mit FDGO-treuen akademischen Männerbünden, die sich 1968 auch politisierten, wie Stickler in seinem Rückblick auf die Geschichte der Studentenverbindungen schreibt. (14.02.14)

Natur wird durch Messung gemacht

Physik befasst sich damit, was wir über die Natur sagen können: Was den Kantianer wenig wundert, bringt Physikphilosophen den Vorwurf des Mystizismus ein, schreibt Ulf von Rauchhaupt in der FAZ. Die neue Lehre des QBismus scheint die Absurditäten der Quantenwelt mit einem offenen Bekenntnis zu Subjektivität und Wahrscheinlichkeit allerdings überzeugend in den Griff zu kriegen. (15.02.14)

Bücher, Bücher, Bücher

Nebenan bei Glanz & Elend gibt es einige Rezensionen aus unserem Lach-, Sach- und Fachgebiet zu lesen: Gregor Keuschnig ist wenig überzeugt von Sloterdijks sozial- und medienphänomenologischer Börnepreisrede „Reflexionen eines nicht mehr Unpolitischen“; Georg Patzer stellt die Neuübersetzung von Montaignes Reisetagebuch vor und Schneidegger bespricht Andreas Steffens’ „Ontoanthropologie“.


Links der Woche am 04.01.2014, 14:20 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 01/14

Vom Werden und Gemacht-werden

Margarete Stokowski hat „Das andere Geschlecht“ von Simone de Beauvoir ausgiebiger und genauer gelesen als die vielen, die den berühmten Satz aus dem Klassiker des Feminismus falsch zitieren. In der taz informiert sie über die feinen Unterschiede zwischen „werden“ und „gemacht werden“ sowie über Beauvoirs persönliche Haltung zum Gender. (31.12.13)

Tier, Mensch und Maschine

Die FR stellt die vom Schweizer Philosophen Georg Brunold herausgegebene Anthologie vor, in der 2.500 Jahre Beschäftigung des Menschen mit sich selbst, dem interessantesten Tier aufgehoben sind. Über das Verhältnis von Tier- und Maschinenethik schreibt Oliver Bendel bei Telepolis im Stile einer Hausarbeit: Da Menschen, Tiere und Maschinen einander immer häufiger als Subjekte und Objekte begegnen, tut eine entsprechende Ethik nötig.

Hanns Heinz Ewers is back!

Lichtwolf-Leser kennen und lieben die Reihe „Lebende & Leichen“, in der zu Unrecht vergessene Dichter und Denkerinnen portraitiert werden. Michael Helmings Portrait des Dunkelpoeten Hanns Heinz Ewers ist (neben denen von Kurt Münzer, Hermann Rauschning und Alexander M. Frey) weiland im Büchlein „Leichen treppauf“ versammelt worden und nun auch in der von Lino Wirag und Andreas Schumacher besorgten Neuausgabe einiger Ewers-Erzählungen (hier bei Google Books) als Nachwort enthalten. Das sehr schick im Jugendstil illustrierte Buch ist auch als E-Book (Kindle) zu haben und sei hiermit dringendst empfohlen.

Öffentlichkeit überall und nirgends

Recht skeptisch blickt Rudolf Maresch bei Telepolis auf die Karriere, die der normative Begriff der Öffentlichkeit im Politischen seit Jürgen Habermas gemacht hat. Er kritisiert dessen Ableitung aus der Geschichte und das Passepartout des Strukturwandels, den es so, wie von Habermas behauptet, nie gegeben hat - außer als Zerfall ins „Mitmach-Web zum Ablästern und Verleumden“. (03.01.14)

Alles für die Wissenschaft!

Yoav Sapir kritisiert die Kriminalisierung von Holocaustleugnung. Im September frug er bei den Scilogs, ob auch er als Sohn eines Holocaustüberlebenden nicht schreiben dürfe, den Holocaust hätte es nicht gegeben, schrieb es aus methodischen Gründen hin, hat pünktlich zum neuen Jahr dafür eine polizeiliche Vorladung wegen Volksverhetzung bekommen und wird von seinem juristischen Selbstversuch weiter berichten. (03.01.14)

Unn sünst?

Ziemlich kundig nimmt Wolfgang Neuhaus bei Telepolis eine Neuerscheinung zum Anlass eines Essays über Stanislaw Lem, Science Fiction und Phantastik. +++ In Lichtwolf Nr. 43 (Bürgerpflicht) erörterte das Institut für Polytoxikomanologie und Perspektivismus mit Slavoj Žižek die Illusionen und Effekte des sog. ethischen Konsums; der Essay ist nun nebenan im IPuP-Blog nachzulesen. +++ Summing up years of work in one sentence: Abteilung Philosophie. +++ Nichts ist so dauerhaft wie Provisorien: Sandra Danicke schreibt zum niegelnagelneuen Jahr in der FR über notdürftige Reparaturen, Flickschusterei und Provisorien als das Gegenteil der Norm.


Links der Woche am 21.12.2013, 14:54 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 51/13

Naturalismus, Idealismus, Dualismus

Der Geist ist nicht Gegenstand der Physik, sie ist ja keine Geisteswissenschaft, schreibt Physiker Josef Honerkamp bei den Scilogs, um dann aber doch die verschiedenen Haltungen zum Leib-Seele-Problem durchzugehen, unter denen der Naturalismus die größte Aufmerksamkeit erhält. Am Ende bleibt die Hoffnung auf einen Maxwell des Geistes. (15.12.13)

Nelson Mandela Superstar

Slavoj Žižek hat im Guardian einen Nachruf auf Nelson Mandela geschrieben, der im Freitag auf Deutsch zu lesen ist. Obschon Mandela als Superstar gefeiert wird, ist auch bei ihm kein Rat zu finden, wie eine radikale emanzipatorische Politik totalitären Versuchungen widerstehen und eine Alternative zur herrschenden Ideologie durchsetzen kann. (16.12.13)

Filosofie beim Phußball

Die ZEIT unterhält sich mit Wolfram Eilenberger, FC-Bayern-Fan und Chefredakteur des Philosophie Magazins, über die Menschenrechtslage in Katar, wo demnächst wohl irgendwas mit Fußball stattfindet: Bayern-Trainer Pep Guardiola liest angeblich Kant und Hesse, sieht aber aus finanziellen Gründen keine ethischen Probleme in Katar. (17.12.13)

Das Historische muss das Bewährte bleiben

Der Churer Bischof Vitus Huonder sieht die Geschlechterdebatte von einem totalitären und widernatürlichen Genderismus beherrscht. In der NZZ erklärt Katrin Meyer, warum Wertkonservative vom dekonstruktivistischen Gender-Begriff so angefressen sind und warum nicht nur die Gender Studies mit dem restaurativen Gegenangriff gemeint sind. (18.12.13)

Da wäre noch eine Alternative

Alain Badiou war diese Woche als „gefährlichster Philosoph Mitteleuropas“ (weil er nach wie vor am Kommunismus als Alternative festhält) in Berlin. Peter Nowak berichtet für den Freitag von der Diskussion über Blöd-Medien, Demokratie- und Kommunismuskritik, die Badiou mit dem Verleger und ehemaligen DDR-Gefangenen Peter Engelmann führte. (19.12.13)

In Maßen maßlos

Edo Reents von der FAZ unterhält sich mit Martin Meyer von der NZZ über dessen Camus-Buch und darüber, was den diesjährigen Jubilar nach wie vor so faszinierend macht, nämlich dass er den späten Nietzsche konsequent u.a. mit den Begriffen des Absurden und des Maßes weiterentwickelte. (20.12.13)

Et cetera:

Hans Ulrich Gumbrecht beschäftigt sich mit Vögeln (nicht, was Sie jetzt wieder denken!) und fragt im FAZ-Blog, wie es sein mag, fliegen zu können. +++ Neulich schrieb das Mindener Tagblatt vom Detmolder Philosophen Sven Stemmer, der im Bauwagen sein Diogenes-Projekt des einfachen Lebens erprobt, das nun nach sechs Monaten beendet ist. +++ Im Freitag bespricht Seifert Markus Gabriels „Warum es die Welt nicht gibt“, erklärt dessen Neuen Realismus und macht sich Hoffnungen auf eine neue, debattenfähige Denkergeneration. +++ Aus aktuellem Anlass: Anna Katherina Ibeling weist beim Freitag darauf hin, dass auch zu Weihnachten die Maxime Sapere aude gilt.


Links der Woche am 16.11.2013, 14:12 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 46/13

Nicht viel los diese Woche, drum nur so: Die ZEIT (für die Schule) hat eine kleine Reihe zur Einführung in die Philosophie mit Artikeln (für die Schule) zu Epochen und Denkern online gestellt. +++ Georg Seeßlen macht weitere Bemerkungen zur Abschaffung der Demokratie, diesmal mit Blick auf das transzendente Partisanentum der Kultur. +++ Post von Pussy Riot: Iris Radisch meldet in der ZEIT, Slavoj Žižek stehe mit der inhaftierten Pussy-Riot-Sängerin Nadeschda Tolokonnikowa in Briefkontakt; nämliche Post ist im aktuellen Philosophie Magazin sowie im Guardian nachzulesen. +++ Kaufen Sie sich ruhig mal die aktuelle Titanic, um sich die sehr gute Reklame auf Seite 10 zu Herzen zu nehmen! +++ Wenn es unbedingt sein muss, können Sie sich natürlich auch den aktuellen Lichtwolf zum Thema Bürgerpflicht holen.


Links der Woche am 26.10.2013, 14:31 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 43/13

Sein und Zeit des Digitalen

Bei Glanz und Elend setzt sich Gregor Keuschnig mit Byung-Chul Han und Botho Strauß und deren Blick auf die digitale Leistungsgesellschaft auseinander. Mit unterschiedlich begründeter Skepsis bis Abscheu blicken Han und Strauß in ihren Büchern auf Verschwarmung des Menschen, seine Affektabfuhr in Shitstürmen, die Ameisenhaufigkeit und den Transparenzwahn. (21.10.13)

Willkommen im Nichts

Zum Start des Wintersemesters schreibt die Freiburger Romanistin Eva Erdmann (feat. Walter Benjamin) im Freitag den Erstis sieben Sachen hinter die grünen Löffel, um nicht nur dem akademischen Jungvolk (sondern auch der Bildungspolitik) klarzumachen, dass die Uni kein Schule für Große und die Wissenschaft besser als ihr Ruf ist. (25.10.13)

Das Fremde als Angebot und Nachfrage

Clan- und Stammesgesellschaften kannten noch die Bedrohung durchs totaliter aliter, schreibt Jörg Räwel fast bedauernd bei Telepolis. Der Moderne sind Bedrohung und Fremdheit vertraut geworden. So sind alle Großkonflikte im Weltbürgerkrieg und ausufernde Überwachung nur autoaggressive Allergien einer überaufgeklärten Gesellschaft. (26.10.13)

Et cetera:

Slavoj Žižek erklärt uns im Freitag die reaktionären Botschaften der 2011-Filme The King’s Speech und Black Swan: In Hollywoods Ideologie ist das traditionelle Familienleben Sinn, Ziel und Maßstab aller Leinwandhelden. +++ Viele neue Bücher: Im Freitag wird Ulrike Herrmanns neues Buch besprochen, dass der besorgten Mittelschicht die Augen über Probleme und Chancen des Kapitalismus öffnen soll. +++ Ebendort wird auch "Das Jahr der gefährlichen Träume" besprochen, worin Slavoj Žižek sich mit dem Jahr 2011 als Phänomen und Hoffnungsschimmer beschäftigt. +++ Manfred Geiers Buch "Geistesblitze" über Eingebungen in der Ideengeschichte der Philosophie wird von der WELT vorgestellt. +++ Aus der NZZ erfahren wir, dass Ludwig Klages' Öko-Rede "Mensch und Erde" von 1913 neu ediert worden ist.


Links der Woche am 19.10.2013, 15:02 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 42/13

Naturphilologie

Der Physiker Josef Honerkamp thematisiert in den Scilogs das seit Leibniz und Kant scheinbar klare Verhältnis von Mathematik und Wissenschaft(lichkeit). Auch Beobachtung, Sachkunde und Begriffsbildung gehören zur Wissenschaft; darin erweist sich die mathematische Sprache als günstig, auch wenn sie vielen wie Esoterik vorkommt und - wie jede Sprache - auch zum Bluff taugt. (15.10.13)

Nichts als Werbung

In den vergangenen Wochen sorgte der Verdacht, auch Frank-Walter Steinmeier (SPD) habe in seiner Doktorarbeit abgekupfert, für milde Aufregung. Nach wachsender Skepsis gegenüber den Plagiatsjägern hat sich der Bremer Politologe Stephan Leibfried für die FAZ die Mühe gemacht, alle von einer Software inkriminierten Stellen in Steinmeiers Diss manuell zu prüfen. (16.10.13)

Distinktion ist der Zweck aller Bildung

Georg Seeßlen und Markus Metz haben 2011 in ihrem Buch "Blödmaschinen" die postdemokratischen Spektakelgesellschaft ergründet. In seinem Blog liefert Seeßlen gelegentliche Nachschriften dazu und diese Woche denkt er über Wissen und Geschmack als Verbindungsfunktionen von Subjekt und Gesellschaft nach. (17.10.13)

Die Freiheit der Masters of the Universe

Der abermalige US-Haushaltsstreit taugt nicht unbedingt als Philosophem, doch das hat Slavoj Žižek noch nie von etwas abgehalten, und so wundert er sich in der ZEIT über die scheinbare Ähnlichkeit zwischen Alt-Linken und der ultrarechten Tea-Party-Bewegung und über den Erfolg ihrer irrationalen Ideologie, ehe er auf die verschiedenen Freiheitsbegriffe zu sprechen kommt. (17.10.13)

Das bessere Leben im Smartphone

In der NZZ erklärt der Literaturwissenschafter Tomasz Kurianowicz, warum Facebook unglücklich macht: Die Überforderung, die konstante Flut an Statusmeldungen kritisch zu bewältigen, führt zu Angst- und Einsamkeitsgefühlen, weil zudem alle auf Facebook viel interessantere Leben haben als das eigene, dem man via Smartphone leicht zu entfremden ist. (18.10.13)

Außerdemchen:

Französische Woche im Freitag: Dort gibt es zum einen ein ausführliches Portrait von Alain Badiou, zum anderen noch eine Beschwerde, dass Sartre in den beiden Biographien zu Camus' 100. von Radisch und Meyer nicht gut wegkommt. +++ Gewichtige Roman zu lesen steigert die Menschenkenntnis, haben laut FAZ die Sozialpsychologen Emanuel Castano und David Kidd herausgefunden. +++ Und noch eine neue Open-Access-Zeitschrift aus dem schönsten Fach der Welt: Die Zeitschrift für Praktische Philosophie. +++ via @philomagde: Die "Kollegen" vom Focus haben einen superschweren Philosophie-Test im Angebot.


Intime Interna am 21.09.2013, 15:26 Uhr

Das neue Heft ist da!

Zack, die Herbstausgabe zum Thema Bürgerpflicht ist ab sofort im Einkaufszentrum erhältlich, ob nun einzeln oder im Abonnement.

Lichtwolf Nr. 43 (Bürgerpflicht)

Der aktuelle Lichtwolf beschäftigt sich mit Bürgerpflicht und ist für maue 7,80 Euro inkl. Versand zu haben.

Ein Lesefest der Pflicht- und Widerstandsethik mit der Extraportion Preußen, Fichte, Stirner, Kant, Georg Seeßlen und Žižek - Pflichtlektüre im wahrsten Sinne! Der neugierige oder argwöhnische Pflichtenbürger in spe kann sich natürlich wie stets vorab übers Heftinnere informieren: Die ersten neun Seiten des 100-seitigen DIN-A4-Paperbacks stehen als PDF-Datei zur Verfügung sowie im LichtwolfReader zum Durchblättern am Bildschirm. Einige Artikel sind auch online zu lesen, und zwar die Einleitung ins Thema über die Citoyenne und Bourgeoise in uns allen, Bdolfs Propädeutikum und Prolegomena und Immanuel Kants entscheidende Stelle über die Imperative sowie Michael Helmings Essay darüber, was Mauthner, Fichte und Stirner vom Bürger verlangen (alles bzw. nichts).

Die E-Book-Ausgabe von Lichtwolf Nr. 43 folgt wie gewohnt in den kommenden Tagen, die unsere elektrische Leserschaft nutzen möge, die bisherigen Lichtwolf-E-Books durchzuarbeiten.


Links der Woche am 20.07.2013, 12:48 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 29/13

Keine Höhle ohne Schatten

Bernard-Henri Lévy fragt mit einer Kunstausstellung, ob die bildenden Künstler mehr Ahnung von der Wahrheit haben als die Philosophen, so berichtet ein gut erholter Sascha Lehnartz in der WELT. Traditionell werden Gemälde erkenntnistheoretisch aller Mimesis zum Trotz als Scheinbilder gemobbt, wogegen BHL u.a. mit Beuys' Fettfleck als Heidegger-Kommentar antritt. (14.07.13)

Deutsches Denken in Frankreich

Zum Geburtstag des toten Jacques Derrida bringt die taz ein unveröffentlichtes Interview, das Klaus Englert 2001 mit dem französischen Philosophen geführt hat. Darin versucht Derrida zu erklären, warum Hegel, Marx, Nietzsche und Heidegger in Frankreich ganz anders rezipiert wurden als in Deutschland, und warum er Benjamin lieber als Adorno mag. (15.07.13)

"Es gibt keinen Geschlechtsverkehr"

Slavoj Žižek denkt in der WELT mit der üblichen Portion Lacan über das europäische Kino nach, das er als Mix aus Komödie und Melancholie wahrnimmt, insbesondere in den Topoi Sexualität und Kriminalität. Allerdings sollte man die Schinken, die Žižek analysiert, selbst gesehen haben, um sich einen Reim auf seine These machen zu können. (15.07.13)

Nicht nur draußen lauert die Gefahr

Soziologe Ulrich Beck gibt im FAZ-Gespräch Auskunft über die jüngste Gefahr im Portfolio der Weltrisikogesellschaft: den staatlich betriebenen Wandel von digitaler Freiheit zu digitaler Kontrolle. Vom Staat ist da keine Hilfe zu erwarten, noch dazu wenn es der bloße Nationalstaat ist, sondern ein digitaler Humanismus muss her. (19.07.13)

Das Weitere und Engere:

Die NZZ stellt Jürgen Habermasens jüngste Sammlung politischer Schriften vor. +++ In einer laufenden Moraldebatte im Cicero warnen die Philosophen Edith und Rolf W. Puster vor Bescheidenheit und Großzügigkeit: Das würde nur unseren schönen Wohlstandsmotor abwürgen. +++ Zal Batmanglij, Regisseur des vielversprechenden Post-Occupy-Thrillers "The East" gibt im Gespräch mit der taz Auskunft über Frustration, Aktivismus und Güte.


Links der Woche am 13.04.2013, 14:20 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 15/13

Zweimal Seeßlen

Wie so oft ergeht hier der nötige Hinweis auf Georg Seeßlens Blog, das diese Woche mindestesn zwei Lesenswürdigkeiten enthielt:

Die wunderbare Warenwelt ist weder das Paradies noch Trost über seinen Verlust, vielmehr vernichtet der Kapitalismus jedes Paradies, das er in der Welt und in den Vertriebenen findet. +++ Als Seeßlen vergangenen August in der taz forderte, das Feuilleton abzuschaffen, machte er u.a. die Bemerkung: "Im Kulturteil würde man sich dafür schämen, wozu man sich im Wirtschaftsteil anstandslos bekennt." In seinem Blog zeigt er nun am Beispiel eines "Unternehmergesprächs", wie diese bürgerliche Schizophrenie in der FAZ aussieht, deren Feuilleton sich entgeistert gäbe, verstünde es wirklich, was im Wirtschaftsteil steht.

Das Sein zum Tode

Der Ökologe Ludwig Trepl setzt sich seit einiger Zeit in den Scilogs kritisch mit der Gaia-Hypothese auseinander. Diese Woche dämpft er den szientifisch-naturalistischen Episteme-Optimismus, Leben auf Physik reduzieren zu können: Leben ist nicht rein kausal erklärbar, weil es nämlich den Tod gibt. (08.04.13)

Geschichte als Geschichte

Arno Widmann plaudert in der FR mit dem Heidelberger Mediävisten Johannes Fried ausführlich über Weltgeschichte als unmögliche Erzählung der Ursprünge und Wege des Menschen. Entweder werden Schlaglichter von Spezialisten zwischen zwei Buchdeckel gepresst oder ein einzelner Erzähler verschwindet im Dickicht historischer Verstrickungen. (08.04.13)

Das Gegebene und das Gezeigte

Im FAZ-Blog plädiert Sibylle Anderl für Vorsicht im Umgang mit Daten, die gerade in einem nie dagewesenen Ausmaß produziert und durchforstet werden. Dazu verweist sie auf Bogens und Woodwards Unterscheidung zwischen zwischen Daten und Phänomenen, denn so "gegeben", wie der Name sagt, sind nicht "Daten", sondern eher das, was sich zeigt. Das sollten sich auch Datenjournalisten hinter die Löffel schreiben. (11.04.13)

Das Weitere und Engere:

Nebenan bei Glanz & Elend stellt Dieter Kaltwasser zwei philosophische Neuerscheinungen vor: Schnädelbachs "Was Philosophen wissen und was man von ihnen lernen kann" sowie Hösles "kurze Geschichte der deutschen Philosophie". +++ Im Freitag bemerkt Slavoj Žižek angesichts des Zypern-Dilemmas, dass die tatsächlich nötige Regulierung wieder ausbleiben wird. +++ Nicht nur Erstis haben ihre liebe Not, bezahlbares Obdach zu finden, auch die Uni Bremen muss sich in Hotels einmieten, um Hörsäle zu haben, wie die taz berichtet. +++ Sophia Amalie Antoinette Infinitesimalia stellt im FAZ-Blog die mathematisch-modelltheoretische Konfliktforschung von Lewis P. Richardson vor. +++ Konsumkritik ist überholt, so die These von Wolfgang Ullrichs neuem Buch, das Andrea Roedig im Freitag vorstellt: Die postmoderne Konsumkritik betrachtet die Warenwelt als Bibliothek. +++ Der blinde Hund hat sich einen E-Reader besorgt und schreibt ausführlich und anleitend vom Nutzen und Nachteil des E-Book-Wesens für Geisteswissenschaftler.


Links der Woche am 29.09.2012, 14:32 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 39/12

Die, wo es um Ficken geht

Hans-Martin Schönherr-Mann guckt für den Büchermarkt im Deutschlandfunk, welche Philosophie- und Psychologie-Magazine es gibt, und stellt eigentlich alle wichtigen vor - abgesehen natürlich von Der blaue Reiter, Juventas, Merkur, Widerspruch und dieser einen komischen Postille, die früher mit Schreibmaschine getippt worden ist und immer so viele Schimpfworte enthält. (24.09.12)

Schlaue Tiere reden über Tiere

In der NZZ berichtet Andrea Roedig vom 16. Philosophicum Lech, wo es um Tiere ging - im Speziellen um Montaignes Katze und den Hund Argos - und was sie vom Menschen unterscheidet. Abgesehen davon, keine Tagungen abzuhalten und den Bericht darüber mit einem herzallerliebsten Menschenphoto zu eröffnen. (26.09.12) (Ums Tier-werden und um Tierrechte geht es übrigens auch im aktuellen Lichtwolf "Jenseits des Menschen".)

Dem Gender-Yeti auf der Spur

Ist geschlechtsspezifische Diskriminierung in den Wissenschaften so was wie ein "Gender-Yeti", also bloßes Hörensagen, fragt sich die Physikerin Sibylle Anderl im Planckton-Blog bei der FAZ. Eine Yale-Studie hat auf ebenso simple wie eindrückliche Weise gezeigt, dass Frauen (wohl nicht nur in den Naturwissenschaften) selbst von Frauen weniger Karrierekompetenz unterstellt wird. (26.09.12)

Was wirklich zählt

Wider den relativistischen Schlendrian lässt die FAZ sieben Bürger aus Feuilletown antreten, die unter "Widerstand" und roter Faust schreiben, was ihnen wichtig ist: Hausmeister, Empirismus, Beständigkeit, Zynismus, Stille, Aufklärung und Zeitungslektüre. Vom aktuellen Armutsbericht kein Wort. (26.09.12)

Unser Freund Hegel

Stefan Dornuf reiht in der NZZ Slavoj Žižeks neues Hegel-Buch zwischen den großen Hegel-Deutungen von Kojève und Ritter ein. Žižek verteidigt Hegel darin sowohl gegen seine Vereinnahmung durch den Diamat als auch seine Verdammung durch den Strukturalismus, um ihn als besten Denker für das 21. Jahrhundert zu retten. (27.09.12)

Noch mehr zu lesen...

... gibt es seit dieser Woche dank des lichtwölfischen Doppelschlags: die Herbstausgabe und das Best-of der ersten zehn Jahre sind erhältlich. Daraus wird kommende Woche fleißig vorgetragen, und zwar bei den Lesungen in Zürich, Freiburg und Köln. Das könnte besser sein als Precht und Sloterdijk beim Schlammcatchen!


Links der Woche am 28.07.2012, 14:30 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 30/12

Humboldtscher Dämon

Ein Text, der diese Woche große Aufmerksamkeit in der denkenden Blogosphäre fand, beschäftigt sich mit der Digitalisierung der Geisteswissenschaften. Thomas Thiel berichtet in der FAZ vom Hamburger Treffen der Digital Humanities, die sich der Pflege der elektronischen Infrastruktur und informationellen Methodik verschrieben haben. (24.07.12)

Der Penis Gottes

Die Sommerdebatte um Blasphemie und Beschneidung ist inzwischen selbsterhaltend geworden. In der FAZ blickt Robert Spaemann, der früher mal Philosoph war, mit Neid auf den islamistischen Rigor und fordert die Unterstützung der christlichen Minderheit hierzulande durch weltliche Gesetzgebung. Den Katholiban reichen Hiob und Psalme nicht mehr, Jesu Mutter erkennt Geschlechtskrankheiten am Geschmack und so viel Penis war nie: Während Facebook das Titelbild des aktuellen ZEIT-Magazins sperrt, weil der Pimmel darauf gegen Facebooks AGB verstößt, stellen Unbekannte mitten in Bremen einen Pappmaché-Penis auf, und Elisabeth Raether fragt in der ZEIT: Wieso das alles? Denn sogar Hans-Ulrich Gumbrecht nimmt sich in seinem FAZ-Blog der Penisse an.

Weiteres zur Demokratie

Die Demokratie hat sich unter den Selbstbezeichnungen von Staaten als beliebteste durchgesetzt, aber - so Hans Maiers Überlegung in der NZZ-Reihe zur Volksherrschaft - entwertet das den Begriff nicht? Vielerorts ist er kaum mehr als ein solcher und ruft ansonsten weder die Begeisterung noch die Skepsis früherer Tage hervor. Die enge Verbindung von Kapitalismus und Demokratie hat sich jedenfalls als Trugschluss erwiesen, führt Slavoj Žižek im Cicero aus. Wladimir Putin und Silvio Berlusconi haben/hatten Macht einzig, weil sie sie von einem demoralisierten Wahlvolk forderten, dem jede Vulgarität zuzumuten ist. Dagegen sieht Ludger Schwarte die Demokratie hierzulande von Gesetzen erstickt.

Langeweile ist, was man draus macht

In der NZZ weist Psychiater Daniel Hell auf philosophische und religiöse Umgangstraditionen mit dem Schreckgespenst der Moderne hin, der Langeweile nämlich. Ihr zu entrinnen ist für Pascal und Kierkegaard anthropologische Konstante, ihr standzuhalten für frühchristliche Eremiten eine Herausforderung, der Heidegger Eigentlichkeit abgewinnt. (27.07.12)

Außerdemos:

Die Rechtssoziologin und Hegelianerin Gertrude Lübbe-Wolff ist mit dem Hegel-Preis ausgezeichnet worden (nicht mit dem Hegel-Preis). +++ Björn Vedder gibt im Titel-Magazin einen kurzen Überblick über Bücher von feuilletontauglichen Denkern zu feuilletontauglichen Themen. +++ Die taz stellt den Kurzfilm „Greece, Year Zero“ vor, in dem Sokrates mit der aktuellen Verelendung Athens konfrontiert wird, die ihm bekannt vorkommt. +++ Falls Sie jetzt schon von Olympia 2012 genervt sind - der taz-Schreckschraube Deniz Yücel geht's aus Gründen genauso.


Links der Woche am 30.06.2012, 14:23 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 26/12

Er so: flach!, Columbus so: rund!

Der Bayreuther Soziologe Georg Kamphausen hat seinem Bachelor-Studiengang eine Karikatur zur Interpretation vorgelegt und dokumentiert in der FAZ auszugsweise die Ergebnisse. Diese sind "mit dem bekannten Begriffsapparat des Kulturpessimismus nicht zu beschreiben" und das glorreiche Resultat des zurückliegenden Bildungsreformjahrzehnts. (24.06.12)

Skandalmaschine überhitzt?

Letzte Woche hat Martin Mosebach in der FR für die Strafbarkeit von Blasphemie plädiert und obwohl die Zutaten für einen ordentlichen Aufreger stimmen - bekannte Persönlichkeit, von der man "so was" nicht gedacht hätte, plus steile These -, kommt die Debatte nicht in Schwung. Mit bemühter Ironie "verteidigt" Ingo Schulze in der FR den Mosebach, indem er auf den für Kunst nötigen Leidensdruck und den großen Segen verweist, den Salman Rushdie durch die Fatwa erhielt. Haha. Ausgerechnet Cicero winkt müde ab, obwohl dort regelmäßig Udo di Fabios restaurative Feudalphantasien verbreitet werden.

Rousseau überall

Zu seinem 300. Geburtstag finden wir Rousseau auf allen Kanälen, darum hier nur eine Auswahl. In der NZZ skizziert Heinrich Meier Rousseaus philosophisches Gesamtwerk. Die taz belegt ihn mit dem sympathischen Doppeletikett Aufklärer und Taugenichts. Im Freitag portraitiert Karl-Heinz Ott den Philosophen nicht unkritisch als Fortschritts- und Menschheitsskeptiker. Die ZEIT lässt Slavoj Žižek psychoanalytisch über Rousseaus Begriff der Selbstliebe meditieren und bietet - durchaus nicht unpassend - einen langen Essay von Axel Honneth über den vernachlässigten Zusammenhang von politischer Philosophie und Pädagogik.

Nachsitzen für Manager

Im theorieblog nimmt Lisa Herzog die Debatte um die Finanztransaktionssteuer zum Anlass, Hegels Ökonomiebegriff vorzustellen. Demnach dichtet diese Disziplin Gesetzmäßigkeiten in eine Masse von Zufälligkeiten hinein, allerdings sind Gesellschaft und Marktgeschehen auch regulierbar, und zwar nicht nur mit Steuern und Staatsanwalt, sondern vor allem durch Aufklärung. (25.06.12)

Ruhm ohne h ist auch was

Kaum haben die geschätzten Kollegen vom Institut für Polytoxikomanologie und Perspektivismus repräsentative Räumlichkeiten mit 4000 Quadratmeter Nutzfläche bezogen, schickt die taz Nord einen Volontär vorbei, um völlig falsch und unsachlich (u.a.) über die "Philosophie-Studenten" zu berichten. (24.06.12)

Das Übrige und Übliche

Die taz zeigt sich sehr angetan von der Friedrich-Engels-Biographie, in der der Historiker Tristram Hunt die Dokumente und Briefe des Ur-Kommunisten auswertet. +++ Ist Ethik nicht immer völlig subjektiv begründet und drum auf tönernen Füßen?, wird der Philosophy Bro am Mailbag Monday gefragt. Und antwortet. +++ Der blinde Hund weist auf Beschäftigungs- und Konsummöglichkeiten für arbeitslose Philosophie-Absolventen hin. +++ In eigener Sache: Seit gestern hat lichtwolf.de ein neues Layout - bitte laden Sie ein, zwei Mal neu und teilen Sie uns mit, ob alles funktioniert und schön ist. Die verspätete Sommerausgabe ist gedruckt und sollte, so Gott will, Anfang kommender Woche endlich in die Briefkästen kommen. Derweil könnten Sie schon einmal die Rabatte im Einkaufszentrum ausnutzen. Es wird Sie niemand deshalb verurteilen.


Links der Woche am 23.06.2012, 14:41 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 25/12

So why don't you kill me

Stets den Erfolg vor Augen zu haben ist das Mantra unserer Zeit. Oliver Burkeman dagegen erwägt im Guardian, ob es nicht zeitgemäßer wäre, ein Bewusstsein des eigenen Loser-Status zu entwickeln. Begehbares Monument dieses Denkens ist der Supermarkt der gescheiterten Produkte in Michigan. Der Stoizismus mit seinem Hang zum worst case scenario kommt mit dem Scheitern, das nun einmal die Regel ist, aber auch mit den seltenen Erfolgserlebnissen besser klar. (15.06.12)

Gegensäkularisierung

Was für den Blutdruck gefällig? Schriftsteller und Katholizismus-Afficionado Martin Mosebach findet in der FR, auch ein säkularer Staat sollte Blasphemie unter Strafe stellen. Das Grundgesetz sei schließlich aus dem Christentum abgeleitet und der Kunst tut etwas Zensur nur gut. Im Übrigen kann sich Mosebach nicht empören, "wenn in ihrem Glauben beleidigte Muslime blasphemischen Künstlern – wenn wir sie einmal so nennen wollen – einen gewaltigen Schrecken einjagen." (18.06.12)

Die 99 Prozent sind Idioten.

Der Freitag bringt ein Portrait, das The Guardian über Slavoj Žižek, den alten Philosophie-Schlawiner angefertigt hat, unter der Überschrift "Der Borat der Philosophie". In Žižeks Butze hängen ein Call-of-Duty- und Stalin-Poster, die Klamotten sind im Küchenschrank, dem es wohl an Tassen fehlt, der Rest ist voller Bücher und DVDs. Ansonsten viele "total verrückte Sachen". (19.06.12)

Alan Turing zum CSD

Alan Turing würde dieser Tage ein Jahrhundert alt werden und bekommt zum runden Geburtstag von Uwe Justus Wenzel in der NZZ die frühe Erfindung des Chatrooms zugesprochen, in dem die Intelligenz des Gesprächspartners ja auch oft fraglich ist. Oder dessen wahres Geschlecht, wahres Alter, was auch immer. In der FAZ schreibt Dietmar Dath dem Geburtstagskind eine ausführliche Würdigung.

Zum Einzigen hin

Zurück auf die Bäume? Dann geht doch!, so riet Rousseau denen, die ihn partout als Idealisten eines Naturzustands missverstehen wollen, den er ähnlich wie Hobbes nur als methodische Fiktion verwendete. Mit ihr erkennt er, so erklärt Ulrich Kronauer in der NZZ, den Menschen als wesenhaft solitär, was nicht zuletzt in der Erziehung zu berücksichtigen ist. (23.06.12)

Außerdemchen:

Chefethiker Martin Seel referiert in der ZEIT wieder über den Extremsport des Gratwandels zwischen Tugend und Laster. +++ Der Philosophy Bro erklärt am Mailbag Monday den Witz von Paradoxien. +++ Das ZDF räumt weiter auf: Nach dem Philosophischen Quartett wird nun auch das Nachtstudio mit Volker Panzer abgesetzt; der wird drum im Tagesspiegel interviewt. +++ André Glucksmann wird 75, Deutschlandradio Kultur gratuliert dem Engagierten. +++ Die ZEIT würdigt Kurt Schwitters zum 125. Geburtszui090999aaaaaaaaack#&/!


Links der Woche am 24.12.2011, 14:01 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 51/11

Sandel Superstar

Die ZEIT stellt den in Harvard lehrenden Philosophen Michael Sandel vor. Seine Vorlesungen zum Thema Gerechtigkeit sind eher öffentliche Seminare und so beliebt, dass der Zutritt ausgelost werden muss. In Fernost werden die Mitschnitte seiner Sokratiaden millionenfach herunterladen. (19.12.11)

Was vom Hype bleibt

In Wien lehrt der Archtitekt Georg Franck, der in der NZZ erklärt, wie ein Klassiker zustande kommt: Entgegen aller Verschwörungstheorien über "den Betrieb" ist die Ochsentour - ob in bildender Kunst, Architektur oder Literatur - immer die gleiche und durchaus kritisch-rationalistische: Neu sein, bei Experten bekannt werden, Mainstream werden, nachgeahmt werden, nach der Inflationsbereinigung übrig bleiben. (19.12.11)

Festlektüre

Sollten Sie unterm Baum den Geschenkklassiker Büchergutschein finden, so seien Sie vertrauensvoll verwiesen auf zwei Rezensionen von Stefan Geyer bei Glanz & Elend, die ganz hervorragende Lektüre versprechen: Besprochen werden der letzte Roman von Tristan Egolf unter dem Motto "All hail Discordia" (indeed!) sowie "Ignaz oder Die Verschwörung der Idioten" von quasi outsider artist John Kennedy Toole.

Akademisches Gezwitscher

via @jluebeck und falls Sie Folge-Bedarf haben: Die Wissenswerkstatt hat im Rahmen einer Studie zwei Listen zusammengestellt, einmal eine der Wissenschaftler und einmal eine der Universitäten bei Twitter.

Nun doch Historikerstreit?

Und das zum Fest der Liebe: Tom Strohschneider referiert im Freitag, wie sich zwei Historiker streiten. Denn in der FAZ hat Götz Aly bereits auf die Generalkritik reagiert, die Hans-Ulrich Wehler letzte Woche an seinem Buch über die Geburt des Antisemitismus aus dem Sozialneid geübt hat.

Er nu wieder!

Slavoj Zizek hat es geschafft, trotz oder wegen diverser Zwangsneurosen Schlotterdeik den Rang als feuilletontauglicher Philosoph abzulaufen. In der FR führt Arno Widmann ein ausführliches Festtagsgespräch mit ihm, das sich - wie üblich! - liest, als wären schon einige Tässchen Glühwein im Gedankenspiel gewesen. (23.12.11)

Die Aporie ist die Lösung

Der Besinnungsaufsatz zum "Fest der Liebe" steht in der taz. Helmut Höge denkt dort mit Foucaults sozialer Lebenskunst und acht Anführungszeichen pro Satz über Liebe und Freundschaft nach und warum es immer nur bei Sex bleibt, Moral aber auch keine Lösung ist. (23.12.11)

Zu guter Letzt:

Heute vor acht Jahren ist lichtwolf.de ans Netz gegangen und zu diesem Anlass ist wieder eine Reihe von Artikeln aus vergangenen Ausgaben (und der aktuellen) onlinegestellt worden. +++ Stipendium gefällig? Philosophen und Schriftsteller für vier Wochen ins Nietzsche-Haus nach Sils-Maria. +++ Ey: Schöne Feiertage!


Links der Woche am 03.12.2011, 14:05 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 48/11

Gottgefällige Evolution

Religion und Evolution sind Michael Blumes Blog-Themen. In seinem aktuellen Beitrag geht er wieder dem Selektionsvorteil Religiosität nach und der Frage, welche Rolle Gebote dabei spielen: Sie dienen den Gläubigen dazu, einander zu erkennen und unter den Augen "überempirischer Akteure" zusammenzuhalten. (26.11.11)

Honneth-Lesekreis

Das Theorieblog hat einen Online-Lesekreis zu Axel Honneths neuem Buch "Das Recht der Freiheit" gestartet, an dem sich alle Interessierten beteiligen können. Binnen zwölf Wochen soll das Buch in zwölf Portionen gelesen und diskutiert worden sein. Zwei Sitzungen unter der Überschrift "Historische Vergegenwärtigung: Das Recht der Freiheit" sind bereits online.

Handydisplays statt Feuerzeuge im Konzert

Sloterdijk sagt, den Moment für einen Teil des Alltags zu halten sei kein guter Umgang mit dem "Angebot des Moments". Diesen Gedanken greift Stefan Schulz in der FAZ auf: Er sieht im Telephon das erste Gerät, das die Momentvergessenheit förderte, die gemeinsam mit dem Apparat um sich griff, sodass wir heute die schönsten Momente verpassen, weil wir mit ihrer Dokumentation für später und Andere beschäftigt sind. (27.11.11)

Mehr als nur vernünftig

In der SZ erklärt Dirk Lüddecke die Geschichte der Menschenrechte, was er einleitend bereits als praktische Relativierung der Menschenwürde kenntlich macht. Anlass ist das Buch "Die Sakralität der Person. Eine neue Genealogie der Menschenrechte." des Freiburger Soziologen Hans Joas, der mit Troeltsch und Durkheim hinter den Menschenrechten eine nicht nur rein rationale Begründung stehen sieht. (29.11.11)

Aussterbende Orchideen

An der Bonner Uni bedrohen Sparmaßnahmen die Philosophische Fakultät, wie Jürgen Kaube in der FAZ berichtet. 10 Prozent der Stellen sollen gestrichen d.h. nicht mehr neu besetzt werden. Neben den wie üblich besonders bedrohten kleinen Fächern wie Mongolistik und Keltologie verschwindet dann auch die ohnehin kleingesparte Slawistik. (29.11.11)

Kulturkaffer

Beim Titel-Magazin schreibt Thor Kunkel eine vorbildliche Polemik gegen den Literaturbetrieb, besonders gegen seinen PR-Fortsatz, das querverfilzte Feuilleton: "Das funktioniert in etwa wie die Marktwirtschaft, die auch schon lange keine freie mehr ist und in der lauter Versager einander decken." (30.11.11)

Žižek im People-Journalismus

Bei der ZEIT riecht es im Moment ja ohnehin etwas streng nach Männerschweiß und diversen Gels. Da fällt es kaum weiter auf, dass der Ostzonensafarist Moritz von Uslar mit Slavoj Žižek, "dem Superstar der Kapitalismuskritik" (warum nicht "die/der Lady Gaga der Philosophie"?) unterwegs war. Dabei geht es nur am Rande um Žižeks Bücher, hauptsächlich werden sein Äußeres und seine Popularität behandelt. (02.12.11)

Ansonsten noch:

Die ZEIT bespricht das neue Buch "Tunguska" von Michael Hampe, in dem vier Auffassungen vom Wesen der Natur aufeinandertreffen. +++ Im Gespräch mit der taz erklärt Steven Pinker, warum die Welt allen Nachrichteneindrücken zum Trotz heute so gewaltfrei ist wie nie zuvor. +++ Die WELT meldet den Einzug der Philosophie in Münchner Upper-class-Kitas. +++ Radiotipp: Heute Abend ab 23:05 Uhr ist im Deutschlandfunk die lange Nacht über Kierkegaard, Wittgenstein und Kafka zu hören.


Links der Woche am 29.10.2011, 14:09 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 43/11

Entspannte Verleger

Vor einem Monat ging es schon einmal um Wissenschaftsverlage. Biologieblogger Martin Ballaschk greift das Thema auf und fasst noch einmal zusammen, wie die Fachverlage von Uni-Bibliotheken Mondpreise für Publikationen verlangen, die von ebenfalls aus Steuermitteln entlohnten Wissenschaftlern verfasst und geprüft wurden. Logisch, dass dabei astronomische Renditen eingefahren werden. (Achtung, enthält ekliges Zeckenbild!) (26.10.11)

Nothilfe? Nein danke!

Warum hilft man Menschen in Not? Die Theologen sagen wegen Gott, die Neurologen wegen Spiegelneuronen, die Spieltheoretiker wegen der Spekulation auf Gegenseitigkeit, die Ethiker überlegen noch. Zum Beispiel in China, wo - wie Mark Siemons in der ZEIT schildert - die Umstände derart sind, dass sich die Todesfälle wegen unterlassener Hilfeleistung auf offener Straße häufen. (26.10.11)

Tragische Helden vs. mythische Helden

Der Literaturwissenschaftler Wolfram Ette hat ein Buch geschrieben, das der aristotelischen Theorie nachweist, nichts mit der griechischen Praxis der Tragödie zu tun zu haben. Mit und in ihr übt der Mensch die Loslösung (und nicht etwa die Verklärung) von Göttern und Schicksal und erhebt sich über den gewalttätigen Mythos. Thomas Assheuer stellt das Buch, das seine These an Tragödien aus allen Zeitaltern beweist, in der ZEIT vor. (26.10.11)

Wo Opa noch okkupierte

Zwei ältere Semester schreiben den Demonstranten von Occupy Wall Street was ins Stammbuch. In der SZ setzt sich Slavoj Žižek (vgl. die aktuelle Titanic, S. 60-62) mit den Vorwürfen an die Bewegung auseinander. Außerdem rät er, den Protest nicht zum Event verkommen und sich nicht von falschen Freunden zu konkreten Forderungen verleiten zu lassen, anstatt eine andere Welt zu fordern. In der taz wägt Ulrich Beck das Potential der globalen Bewegung ab, die gegen "das System" in seiner Weltrisikogesellschaft ist und von der Beck so überwältigt ist wie damals, als sich am "9. September 2001 die Twin Towers in New York in Staub auflösten". (So steht's geschrieben.)

Nie so werden, wie man ist.

Nina Pauer hat in der ZEIT einen Besinnungsaufsatz über den zeitgenössischen Ironiezwang veröffentlicht: Warum delektieren sich junge Anwärter der verspannten Mittel- und Oberschicht an der Fremdscham, die das Privatfernsehen mit Casting-, Proll- und Bauern-Shows beliefert? In seinem Blog greift Lukas Heinser Pauers Text auf und verfasst eine sehr weise Abhandlung über unvermeidliche Peinlichkeit und angebrachte Ironie. (27.10.11)

Die Ganzen und ihr Eigentum

Für die FR portraitiert Christian Schlüter den Philosophen Thomas Pogge, der an einem neuen Eigentumsbegriff und einer Ökonomie ohne Wachstum arbeitet. Das scheint durch Eurokrise und Internet ohnehin "alternativlos" zu sein. Pogges "Health Impact Fund" bringt - vorerst nur im Pharma-Bereich - so disparate und krisenhafte Konzepte wie Gemeinwohl, Wettbewerb und (geistiges) Eigentum unter einen Hut. (28.10.11)

Zum Mitreden:

Unsere Kommilitonin der Herzen Lena Meyer-Landrut würde lieber Pädagogik statt Philosophie studieren und Richard David Precht hat diese Woche seine Antrittsvorlesung an der Uni Lüneburg gehalten. Es geht aufwärts!


Links der Woche am 15.10.2011, 14:34 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 41/11

Occupy the World

Für den heutigen Samstag haben zahlreiche kapitalismuskritische Gruppen zu weltweiten Protesten aufgerufen. Die taz zeigt sich bei aller Sympathie skeptisch, sind die Unterschiede zwischen dem Potsdamer Platz und dem Tahrir Platz, sogar auf dem "Liberty Place", doch zu groß. Slavoj Žižek war in New York und der Standard bringt einen Auszug aus der Rede, die er vor den Aktivisten von "Occupy Wall Street" gehalten hat.

Gartenphilosophie

Jasper von Altenbockum hat einen Maulwurf im Garten und resümiert in der FAZ die vielen grausamen bis lächerlichen, jedoch durchweg nutzlosen Methoden der Maulwurfsvergrämung. Am Ende seiner Meditation kommt er auf Hegel, denn für den "war der Maulwurf die Erkenntnis, die ans Licht drängt, aber dann doch nicht wirklich kommt, weil er ja fast blind ist und nur Schwarzweiß erkennt." (09.10.11)

Komorbidität

Philosophiestudenten haben ja gerne mal was Autistisches. Jan Pfaff jedoch stellt uns in der ZEIT die Zwillinge Konstantin und Kornelius vor, bei denen wirklich Philosophie diagnostiziert wurde. Sie studieren in Potsdam Autismus und verblüffen ihren Professor mit neuen Ansätzen und präzisen Schlüssen. (14.10.11)

Außerdem:

Schon letzte Woche ging es um Karl-Heinz Otts Rousseau-Kolportage "Wintzenried", die nun auch in der NZZ gepriesen wird. +++ Leonie Seng hat sich für ihr Blog mit Julian Nida-Rümelin über Philosophie-Kongresse und Bologna unterhalten.


Links der Woche am 27.08.2011, 14:33 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 34/11

Auf die Mobilitätsbarrikaden!

Mit der Integrationskraft der Linken ist es nicht mehr weit her, konstatiert Franz Walter im Freitag. Er sieht den vorindustriellen Mob zurückkehren, dessen Zorn sich unkanalisiert entlädt, vor allem in Gesellschaften, in denen "Aufwärtsmobilitäten durch massenhafte innergenerationale Konkurrenz in fiskalisch schwierigen Zeiten fraglich sind". (23.08.11)

Das Versmaß aller Dinge

Wer zwar nicht die Welt, aber doch ein Land, ein Volk, eine Nation beherrscht - und zwar total - kann seinen Machthunger und Geltungsdrang immerhin noch in die Welt der Buchstaben ausdehnen. Thomas Schmid blickt in der WELT auf den Zusammenhang von Macht und Lyrik sowie auf das dichterische Werk von Goebbels, Mao und Stalin. (23.08.11)

Born to kill yourself

Rein (bio)logisch kann Selbstmord keine genetische Sache sein, es sei denn, die entsprechenden Gen-Träger bringen sich erst nach der Fortpflanzung um. In der NZZ berichtet Fabienne Hübener vom Stand der Wissenschaft, wonach ein ganzes Gen-Netzwerk die Suizidalität erhöhen soll - und auch die neuerdings populäre Epigenetik hat ihre Finger im Spiel. (24.08.11)

Die Gesetze der Anomie

Der Pädagoge und Gewaltforscher Wilhelm Heitmeyer hat in der taz einen luziden Essay über die Krawalle in England geschrieben. Darin beleuchtet er im Allgemeinen und Speziellen die Hintergründe, die Rolle der Eliten und unter welchen Bedingungen es zu welcher Art von Gewaltausbrüchen kommt. (25.08.11)

Sein Senf darf nicht fehlen

Die Proteste in London haben nichts mit denen in Madrid zu tun, mit denen in Israel, Syrien, Libyen eh nicht und das Ende des Kapitalismus läuten sie schon dreimal nicht ein. Denn obwohl der Kapitalismus nicht mehr weiter weiß, ist weit und breit außer Protestcamps und eingeschmissenen Schaufenstern keine Alternative zu sehen. Natürlich darf Slavoj Žižeks Meinung in heutigen Endzeiten nicht fehlen; Johannes Thumfart lockt sie für die ZEIT hervor. (25.08.11)

Das auch noch:

Ballermannbarde und Gaddafi-Double Costa Cordalis kommt nach Stade und hat einstmals stolze drei Semester Philosophie studiert. Grund genug fürs Hamburger Abendblatt, ihm lauter küchenphilosophische Fragen zu stellen. Das ZDF macht 2012 womöglich eine Philo-Show mit Richard Dingens Precht. Und die FR unterhält sich mal eben mit Wilhelm Schmid über Glück im Ranking und Unzufriedenheit als Motiv.


Links der Woche am 23.04.2011, 15:06 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 16/11

Ich ist out, wir ist in

Die populärwissenschaftlichen Weltbildhauer haben einen Schwenk vollzogen, so beobachtet Uwe Justus Wenzel in der NZZ am Sachbuchmarkt. Statt ökonomistischer und biologistischer Apologien des Egoismus beherrschen nun die Vorbeter eines neuen Wir-Gefühls den Diskurs, der das Wozu des Dazugehörens aber noch nicht recht zu bedeuten vermag. (18.04.11)

Nietzsches bester Freund

Henning Ritter bespricht in der FAZ die Neuausgabe der "Erinnerungen an Friedrich Nietzsche" vom besten Kumpel des Schnauzbartträgers, also von Franz Overbeck. Mit den aus dem Nachlass edierten Notizen sollte das Fascho-Bild korrigiert werden, dass Schwester Nietzsche von ihrem Bruder schon bald nach seinem Zusammenbruch entwarf. Die umfangreichere Neuedition räumt gar noch mit manch anderer Imagekomponente auf. (20.04.11)

Isegrimms Rückkehr

Der Wolf kehrt zurück in den deutschen Forst und natürlich gibt das Probleme, wenn die Leute "alle Grimm gelesen haben" - diese Beutegreiferverleumder! Iris Hilberth schildert in der FR, wo genau der Wolf auf dem Vormarsch ist, warum der gemeine Wanderer nichts zu fürchten hat und wie die gewohnt zuwandererfreundliche CSU damit umzugehen gedenkt. (22.04.11)

Die Jahreszeit der Nerds

In der FR weist der Gießener Mathematik-Professor Albrecht Beutelspacher auf die Fibonacci-Reihe und den Goldenen Schnitt hin. Diese beiden mathematischen Muster, die sich zur Frühlingszeit besonders zahlreich in der aufblühenden Natur finden lassen, stecken übrigens auch im Lichtwolf-Layout, siehe Lichtwolf Nr. 30, S. 34f. (22.04.11)

Das frustrierte Subjekt

Goedart Palm bespricht bei Glanz & Elend Slavoj Žižeks und Jacques Rancières Bemühungen der Wiedergeburt des Subjekts aus dem Frust der Theorie, namentlich das Buch "Die Tücke des Subjekts" über die verwischte Grenze zwischen dem Privaten und Politischen.


Links der Woche am 02.04.2011, 14:47 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 13/11

Klasse Klassen

"Bierologe" Philipp Bayer hat in einem Geistesblitz festgestellt, dass Platons Ideenlehre offenbar auch ihren Niederschlag in der objektorientierten Programmierung (OOP) gefunden hat. In ihr werden Klassen definiert, nach deren Muster dann Objekte geschaffen werden. (28.03.11)

Na, wie geht's?

Man hat es immer schon geahnt, jetzt fasst Margit Mertens es in der FR zusammen: Small Talk ist sozial. Affen entlausen einander, um den Zusammenhalt zu stärken, wir labern übers Wetter und stellen Fragen, die nicht mehr als solche zu erkennen sind. Interessant: Das Gerede muss nicht einmal Sinn machen, geschweige denn gehaltvoll sein. (28.03.11)

Fieslinge und Fiesitäten

Das Böse ist gerade unheimlich angesagt. In der FR bespricht Oliver Pfohlmann zwei aktuelle Bücher zum Thema. Zum einen Terry Eagletons sprachphilosophisch beschlagene Studie "Das Böse"; zum anderen "Die Lust am Bösen. Warum Gewalt nicht heilbar ist." von Eugen Sorg, der sich als IKRK-Delegierter und Kriegsreporter ein Bild vom Bösen machen konnte/musste. (31.03.11)

Die schöne, weise Grüne

Jeder in der Zielgruppe hat einen der charakteristischen grünen Bände schon mal zumindest gesehen: Die "Philosophische Bibliothek" erscheint seit 100 Jahren im Felix Meiner Verlag. Doch die Reihe ist noch viel älter: Uwe Justus Wenzel stellt in der NZZ ihre Ursprünge und ihren Begründer Julius Hermann von Kirchmann vor. (02.04.11)

Unn sünst?

Dass ein Philosophie-Studium sich negativ auf die Lebenstüchtigkeit auswirken kannt, ist bekannt und wurde abermals in Köln bestätigt, als ein abgebrannter Philo-Student seinen Banküberfall wegen Zweifel abbrechen musste. Die SZ berichtet von Slavoj Žižeks jüngstem Auftritt in Berlin und säkulare Humanisten kriegen auch eine Bibel.


Links der Woche am 27.11.2010, 11:43 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 47/10

Thema der Woche: Die Debatte um "Der kommende Aufstand"

Es adelt einen Text, wenn Glenn Beck (FOX News) darüber meint: "Dies ist möglicherweise das Böseste, was ich jemals gelesen habe." Zum Erscheinen der damit beworbenen deutschen Ausgabe des Manifests "Der kommende Aufstand" in der Edition Nautilus ist im Föjetong eine Debatte mit seltsam verkehrten Vorzeichen ausgebrochen: Nach den Besprechungen der FAZ und SZ kam von der taz der Vorwurf, die großen alten Tanten würden den Terrorismus befürworten und das Manifest selbst sei kryptofaschistisch. FAZ und SZ legten alsbald nach.

FAZ, 08.11.10 Nils Minkmar erklärt den Aufruf und die Anleitung zu Subtraktion statt Subversion mit einer Spur von Anerkennung und einem zielgruppenaffinen Tadel zum Schluss.

SZ, 11.11.10 Alex Rühle liest das Manifest als Ausdruck des diffusen Unbehagens in der spätkapitalistischen Zivilisation und findet, es treffe einen Nerv.

taz, 23.11.10: Johannes Thumfart zeigt sich fassungslos über die wohlwollende Aufnahme des Manifests bei FAZ und SZ, erkennt er darin doch die antimodernen Handschriften von Carl Schmitt und Martin Heidegger.

´SZ, 25.11.10: Marc Felix Serrao findet das Manifest bzw. seine Autoren und Anhänger so wenig rechts oder links wie den Joker aus Batman. Es ist schließlich spätkapitalistischer (oder jüngerscher) Nihilismus, der da (noch lediglich) spricht.

FAZ, 26.11.10: Jürgen Kaube resümiert das Manifest als weniger rechtes denn jugendliches (und gerechtfertigtes) Protestschreiben, das allerdings unbedacht auf Somalia als Ideal zielt.

taz, 26.11.10: Andreas Fanizadeh legt nach und erkennt zumindest in der Reaktion der FAZ ein Gegensteuern; viele jedoch übersähen noch immer die rechtsradikalen Elemente des defätistischen Manifests.

Nachtrag, 30.01.11: Weitere Besprechungen von "Der kommende Aufstand" gab es in der 50. Kalenderwoche 2010.


Weitere Links der Woche

Grüner Klassenkampf

Goedart Palm stellt in Glanz & Elend schlagwortreich "Die Monkey Wrench Gang" von Edward Abbey (illustriert von Robert Crumb) vor. Ausführlich bedacht werden dabei die literarischen und philosophischen Hintergründe und Aporien des Ökoterrorismus. Dazu empfehlen die Kollegen die Lektüre von "From Herbert Marcuse to the Earth Liberation Front: Considerations for Revolutionary Ecopedagogy" (PDF). Ein Gewinnspiel zum Buch gibt es auch! (21.11.10)

Schön ja, aber warum?

Mit Kunst verhält es sich fast so wie mit der Zeit: Wir wissen, was das ist, solange uns keiner danach fragt. Elmar Diederichs denkt in den Brainlogs über unseren intuitiven Zugang zu Ästhetik und Geschmacksurteilen nach. (21.11.10)

Holldrio im Menschenzoo

Blogger wwalkie hat Grégoire Chamayous bislang nur auf Französisch vorliegendes Buch "Les chasses à l'homme. Histoire et philosophie du pouvoir cynégétique" (Paris 2010) gelesen. Beim Freitag gibt er einen Einblick in die Geschichte der Menschenjagd und den Wandel ihrer Formen und Rechtfertigungen. (21.11.10)

Moralisches Gewicht und finanzielle Macht

Nicht nur Karstadt-Mitarbeiter sehen in ihm einen Heiligen: Ist Nicolas Berggruen ein philanthropischer Investor neuen Typs, der sich in seinem Handeln von existentialistischer Lektüre leiten lässt? Im FAZ-Interview gibt er Auskunft, wie er mit politischer Philosophie das bankrotte Kalifornien retten will. (22.11.10)

Der Balkan ist überall

Andreas Ernst unterhält sich für die NZZ mit Slavoj Žižek u.a. über den krisengeschüttelten Balkan, dessen einzige Rettung - trotz beidseitiger Enttäuschung - die EU wäre. Nebenbei zeigt sich, dass man sich als Linker neuerdings immer öfter auf Seiten des Staates wiederfindet. (22.11.10)


Links der Woche am 16.10.2010, 14:02 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 41/10

Zwei Nachträge zur KW 40/10:

Das Selbst, der Geist und der Markt

Für J.M. Bernstein war Hegel der Philosoph, der den Punkt im Blick hatte, an dem Individualismus und gesellschaftliche Insitutionen auf einander treffen. In der New York Times argumentiert Bernstein mit Hegels "Phänomenologie des Geistes" für eine stärkere Bankenregulierung. (03.10.10)

Geht doch bitte da drüben spielen!

Der Freitag hat die Übersetzung eines Guardian-Artikels, in dem Slavoj Žižek der offenen, der weichgespülten und der sich selbst unbewussten Fremdenfeindlichkeit nachspürt. Sie hat mehr mit der vorchristlichen Angst um den eigenen Stamm zu tun als mit christlich-jüdischen Werten. (08.10.10)

Empfehlungen aus der KW 41/10:

Never Forget

Das Internet vergisst nichts, lehren Medienpädagogik und Erfahrung. Chanchal Biswas überlegt in der NZZ, was es für die Ethik des Vergebens und Vergessens bedeutet, wenn über nichts mehr Gras wachsen kann, sondern jede Jugendsünde nur eine Googlesuche entfernt ist. (10.10.10)

Je Bildungsgrad, desto Kinderzahl

Alard von Kittlitz beleuchtet in der FAZ anlässlich des aktuellen Welthunger-Indicis den Zusammenhang zwischen Bildungsgrad und Kinderzahl und blickt dabei weder auf die Unterschicht noch auf das Schrumpfgermanentum, sondern auf die Überbevölkerung als unterschätzte Umweltkatastrophe. (11.10.10)

Sozialismus oder Barbarei

Am 3. Oktober starb der französische Philosoph Claude Lefort - von der deutschen Presse weitgehend unbeachtet, wie die taz in einem nur wenige Absätze kurzen Nachruf schreibt. Ein ausführlicheres, wenn auch ziemlich akademisches Portrait des libertären Merleau-Ponty-Schülers ist im Therorieblog zu lesen. (12.10.10)

Survival of the Fickest

Lars Fischer stellt (und beantwortet) im Fischblog die gute Frage, warum so viele Lebewesen Sex haben (oder gerne hätten) und nicht viel mehr den bequemen Weg der Jungfernzeugung beschreiten, sich also mit Zellteilung oder Selbstbefruchtung den ganzen Ärger von Partnersuche und -erhalt sparen. (15.10.10)

Alles in Unordnung

Lutker Lütkehaus zeichnet in der NZZ wissenschaftshistorisch die Karriere des Entropiebegriffs nach - von der Physik des optimistischen 19. Jahrhunderts bis zu den Nichtungen von Schopenhauer und Nietzsche. (16.10.10)


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