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Monatsbuch

Suche ausgeführt.

Mit dem Stichwort "Populismus" sind die folgenden Artikel markiert:


Links der Woche am 10.06.2017, 15:32 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 23/17

Universalistisch oder autoritär?

Es ist still geworden um den Akzelerationismus, der vor einer Weile als neuer heißer Scheiß der Philosophie gefeiert wurde. Hannes Stein malt sich in der WELT einen Film über die Cybernetic Culture Unit aus, der diese Denkbewegung entsprang, die ihren Marx schon ganz richtig verstanden hat und heute in einen linken und rechten Flügel zerfallen ist. (05.06.17)

Selbst ist die Frau!

Was macht frau, wenn die Umwelt mit Fragen nach dem Hochzeitstermin nervt, man aber niemanden zum Heiraten findet? Frau ehelicht sich selbst! Über die seltsamen Motive hinter einer Hochzeit und über die „Sologamie“ zwischen Hashtag-Feminismus und Kampf um Selbstliebe schreibt Elvia Wilk in der ZEIT. (07.06.17)

E falso sequitur evaluatio

Für Telepolis unterhält sich Ulrich Herb mit der Wissenschaftsforscherin Terje Tüür-Fröhlich über Zitationsdatenbanken, die als objektives Maß für gute Forschung gelten, aber voller banaler Namensfehler sind, wie sie am eigenen Leib erfahren musste und ein in Anbetracht der Evalutionswut überraschend spannendes Dissertationsthema darin fand. (08.06.17)

Brexit als antiker Hoffnungsschimmer

Wankelmütig sei die Gunst des Volkes, ob nun im antiken Griechenland oder beim Brexit, die der Althistoriker Egon Flaig in einem Vortrag zusammendenkt, wie Patrick Bahners in der FAZ schreibt. Volkssouveränität sei gut und schön, wenn sich die Leute denn tatsächlich als die Verantwortlichen für ihre Gesetzgebung empfinden könnten. (08.06.17)

Für einen Patriotismus neuer Art

Die NZZ beschäftigt sich an diesem Samstag ausgiebig mit dem Thema Migration. Johan Rochel lädt zu einem Rawlschen Gedankenexperiment ein, das von Joseph Carens adaptiert wurde: Welche Migrationsregeln würden wir wählen, wenn wir nicht wüssten, in welchem Land wir leben werden? Die bestehende Politik jedenfalls nicht und schon gar nicht ohne Rechtfertigungsdruck. (10.06.17)

(Mehr zum Argument für offene Grenzen nach Rawls gibt es mit vielen interessanten Links hier.)

Meinung triumphiert über Expertise

Zur populistischen Wissenschaftskritik formiert sich Widerstand in Form einer neopositivistischen Wissenschaftshörigkeit, beobachtet Klaus Benesch bei Telepolis. Besonders der geisteswissenschaftliche Relativismus wird von Wissenschafts- und Expertenfeinden instrumentalisiert, während auf der anderen Seite neoliberale Hochschulpolitik die Glaubwürdigkeit von Wissenschaft und Forschung untergräbt. (05.06.17)

Außerdemchen:

Bei Glanz & Elend bespricht Jürgen Nielsen-Sikora ein philosophisches Lesebuch mit Texten über die Arbeit von Hesiod über Hegel bis Honneth. +++ Tobias Albrecht weist im theorieblog auf Grit Straßenbergers nicht mehr ganz neue Einführung in Hannah Arendts Denken hin und macht sich dabei Gedanken über die schwierige Rezeption ihres philosophischen Werks. +++ Die NZZ stellt Daniel-Pascal Zorns Anleitung „Logik für Demokraten“ dem Klassiker „Wie man mit Fundamentalisten diskutiert, ohne den Verstand zu verlieren“ von Hubert Schleichert gegenüber. +++ Vom 29. Juni bis 2. Juli 2017 findet in der Mainzer Rheingoldhalle die 24. Internationale Buchmesse der Kleinverlage und Handpressen statt. Der Eintritt ist frei und der Lichtwolf ist auch am Start. Also planen Sie ruhig schon mal Ihren Mainztrip!


Links der Woche am 03.06.2017, 14:39 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 22/17

Skynet rising

Beim Thema autonomes Fahren tun sich schon ethische Abgründe auf, wie „intelligente“ Technik z.B. mit dem Trolley-Problem umgehen soll. Florian Rötzer berichtet auf Telepolis vom aktuellen Sachstand im Pentagon, wo man glaubt, das Wesen des Krieges mittels Kampfmaschinen zu ändern, die im Übrigen nun vielleicht doch selbstständig über Leben und Tod entscheiden dürfen. (01.06.17)

Alles Kommunisten!

Manchmal hilft der Blick ins Ausland, um zu verstehen, was läuft: Der gebürtige Pole Matthias Nawrat schreibt in der ZEIT über den Rechtsruck in seinem Geburtsland nebenan. Den Siegeszug der Nationalkonservativen erklärt er mit dem besonderen Kapitalismus in Osteuropa, aber auch mit der Auseinandersetzung mit dem Kommunismus nach der Solidarno??. (02.06.17)

Bücher, Bücher, Bücher

Bei Spektrum wird Bernulf Kanitschneiders „Kleine Philosophie der Mathematik“ empfohlen, die zeigt, wie real und realistisch die Wunder der Mathematik sind. +++ Andreas Bummel und Jo Leinen fordern am Ende einer Geschichte der Demokratie von der Stoa bis Kant die demokratische Weltregierung - die taz ist von ihrem utopischen Sachbuch sehr angetan. +++ Die NZZ bespricht zwei Titel zum/über den „unzeitgenössischen“ Gegenwartskritiker Charles Péguy (1873–1914), auf den sich in Frankreich linke wie rechte Autoren gleichermaßen beziehen. +++ Außerdem findet die NZZ zumindest die erste Hälfte von Mathias Schreibers Essay über den Verrat, den Verräter und deren moralische Ambivalenz (von Prometheus bis Snowden) sehr lesenswert. +++ Ausführlich bespricht Bruno Heidlberger bei Glanz & Elend Volker Weiß’ Studie über die Neue Rechte und ihre autoritäre Revolte.

Das Weitere und Engere:

Von wegen „Skynet rising“ (s.o.): In der FAZ geht es um ein Frühwarnsystem der Bertelsmann-Stiftung, mit dem Künstliche Intelligenz darauf überprüft werden kann, ob und wie man ihr im Ernstfall Einhalt gebieten kann. +++ Reza Jafaris Theaterstück „Heiliger Krieg“ beschäftigt sich an einer Stelle damit, dass Islamisten und Rechte nicht akzeptieren wollen, wenn Menschen, anders sind; was einen lokalen AfD-Politiker Drohmails ans Ensemble schreiben lässt, wie die taz berichtet. +++ Der Biologe Peter Spork berichtet in der FAZ von Studien zur Epigenetik, die die umstrittene These von der Vererbbarkeit von Umweltanpassungen bestätigen. +++ Alain Claude Sulzer erzählt in der NZZ mit ungebrochener Begeisterung von seiner Bibliomanie. +++ Im Uniblog der FAZ geht es darum, wie schwer es trotz der hohen Abbrecherquoten ist, ein Studium, zu dem man nicht passt, vorzeitig zu beenden. +++ Lichtwolf Nr. 58 zum Thema Wurst (u.a. bibliomane Wurst) ist im Druck und für ein schönes Abonnement braucht man keinen Studienabschluss.


Links der Woche am 29.04.2017, 14:23 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 17/17

Masseneffekte statt Ideologien

Nicht nur in Frankreich zeigt sich die seit 1990 erwartete Auflösung der Ideologien, schreibt Adrian Lobe in der ZEIT: Die Populisten dieser Welt brauchen weder Visionen noch Weltbild, um an die Macht zu kommen, sondern die zynische Bereitschaft, jedes der vervielfältigten Weltbilder in ihrer Anhängerschaft rhetorisch zu bedienen. (25.04.17)

Krimis und Verschwörungstheorien

Der Wahn wird mit Bildern von außen möbliert. Der Schriftsteller Guido Eckert fragt sich (und einige Kollegen) im Freitag, ob u.a. seine Zunft dazu beigetragen hat, dass anscheinend immer mehr Leute ernsthaft glauben, in einem Thriller voller Verschwörungen und dunkler Machenschaften zu leben. (26.04.17)

Friedensschrift ohne Leser

Christian Thomas portraitiert in der FR den Humanisten und Aufklärer Erasmus von Rotterdam, der vor 500 Jahren gegen den Krieg anschrieb und damit scheiterte, weil er einfach zu früh dran war: Pazifismus war im kriegerischen Europa des Mittelalters und seinen Lautsprechern wie Luther verpönt. (28.04.17)

Gendermüdes Neobiedermeier

Die 68er wollten alles sein, nur nicht Spießer, wurden damit aber auch nicht glücklich. Cora Stephan versucht in der NZZ darum eine Ehrenrettung spießiger Tugenden wie Ernst, Manieren und Monogamie, die gerade eine Renaissance erfahren, auch wenn oder gerade weil ihre Anhänger von der bösen „Gender-Elite“ gemaßregelt werden. (29.04.17)

(Eine schönere Verteidigung des Spießertums lieferte Marc Hieronimus in Lichtwolf Nr. 53 („Schloch“)...

Unn sünst?

Die taz weist auf Jeanette­Erazo Heufelders Biographie des Mäzens der Frankfurter Schule, Felix Weil hin. +++ Christoph Egger hat sich im Antiquariat ein Schriftsteller-Lexikon von 1882 gekauft und schwärmt in der NZZ von einer literarischen Welt vor unserer Zeit. Freunde vergessener Autoren schätzen die Lichtwolf-Reihe „Lebende & Leichen“, aus der Michael Helmings „Leichen treppauf“ ausgekoppelt worden ist. +++ Claus Leggewie zeigt sich in der SZ wenig überzeugt von Jason Brennans Argumenten dafür, dass regiert zu werden den meisten Leute besser tut als politische Teilhabe, für die ihnen die Kompetenz fehlt. +++ Im Freitag bekundet Ulrike Baureithel, bei den Science Marches der letzten Woche einen (selbst-)kritischen Blick auf den Wissenschaftsbetrieb vermisst zu haben.


Links der Woche am 22.04.2017, 12:38 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 16/17

Das sind doch wir!

Die „verallgemeinerte Logik aus Zeiten, als Neue Sozialen Bewegungen [...] gegen Staat und Atom-, Rüstungs- und Ölindustrie antraten, wiederholt das Motiv vom Verblendungszusammenhang, hinter dem finstere Mächte am Werk sind“, hieß es in LW51 über den seltsam vertrauten Sound rechtspopulistischer Medien- und Systemkritik. Auch die taz fühlt sich an ihre Anfänge erinnert, besteht aber darauf, dass sich Dutschke und Höcke nicht nur im Vokabular unterscheiden. (15.04.17)

Die Mauer als Grenze und Zeichen

Dominik Irtenkauf beschäftigt sich bei Telepolis mit dem Mauerbau in der Politik und der Geschichte. Populär ist und in ihrer Funktion gewandelt hat sich die Chinesische Mauer. Die Grenze zwischen den USA und Mexiko erinnert (noch) an den Limes statt an Berlin, dessen Mauer sich heute wiederum in Beton zwischen Israel und Palästina und in der Mentalität zwischen Ossis und Wessis wiederfindet. (17.04.17)

Diesen Relativismus haben „wir“ nicht gewollt

Nun muss auch noch Karl-Heinz Ott in der NZZ den linksliberalen Anhängern des postmodernen Denkens von Offenheit und Vielfalt vorhalten, sie seien für die Geringschätzung von Wahrheit verantwortlich, die Trump ins Weiße Haus brachte. Ganz so harmlos waren die relativistischen Gedankenspielchen mit Nietzsche und den ganzen Poststruktralisten anscheinend doch nicht... (19.04.17)

Les sciences marchent

Am heutigen Samstag gehen weltweit Menschen auf die Straße, um „dafür zu demonstrieren, dass wissenschaftliche Erkenntnisse als Grundlage des gesellschaftlichen Diskurses nicht verhandelbar sind“, wie es beim Science March Germany heißt. In der ZEIT erzählen fünf Wissenschaftler, warum sie mitmarschieren. Die FR schreibt über ein Facebookvideo, in dem der populäre Astrophysiker Neil DeGrasse Tyson erklärt, was wissenschaftliche Wahrheit ist, ob man nun daran glaubt oder nicht. Auch im Fall der Proteste gegen die geplante Schließung der Central European University in Budapest, über die die FAZ berichtet, geht es nicht nur um akademische Arbeitsplätze, sondern um die Verteidigung des Pluralismus in autoritären Zeiten.

Bücher und Wahlen

Seit Trumps Amtsantritt haben Bücher Konjunktur, die sich die USA literarisch als Fascho-Staat ausmalen und lange in den Regalen verstaubten. Jan Wilm stellt in der NZZ eine Auswahl vor; eine ausführliche Reise durch die Welten kontrafaktischer Nazi-Romane unternahm Bdolf bekanntlich in Lichtwolf Nr. 45 und Nr. 46. +++ Die ZEIT weist hin auf den jüngst edierten jahrzehntelangen Briefwechsel zwischen Martin Heidegger und seinem Schüler und frühen Kritiker Karl Löwith. +++ Die taz dagegen freut sich, dass kurz vor den französischen Präsidentschaftswahlen das komplette Werk Lacans auf Deutsch erhältlich ist. +++ Just über die Wahlen links des Rheins unterhält sich die NZZ mit dem „Frankreich-Kenner“ Peter Sloterdijk. +++ Gustav Seibt zeigt sich in der SZ unzufrieden mit dem Essayband „Die große Regression“, worin sich linke Denker mit der wachsenden Unruhe in diesen Zeiten beschäftigen - überheblich im Ton und unter Aussparung der Digitalisierung. +++ Der Tagesspiegel wiederum unterhält sich mit Jason Brennan, der in seinem neuen Buch dafür plädiert, das Wahlrecht auf informierte und rationale, also qualifizierte Bürger_innen zu beschränken. Um die Frage nach der Qualifikation für politische Teilhabe geht es übrigens auch im aktuellen Lichtwolf. +++ Rolf Dobelli rät in seiner NZZ-Kolumne, dem Handeln öfter mal den Vorzug vor dem Nachdenken zu geben.


Links der Woche am 08.04.2017, 13:55 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 14/17

Von der kritischen zur paranoischen Vernunft

René Scheu denkt in der NZZ über den paranoischen Politstil (Richard Hofstadter) nach, wie er in der Türkei und in den USA gepflegt wird. Establishment, tiefer Staat und andere verschwörungstheoretische Signalwörter sind Ausfluss einer Haltung, die Kant auf eine „rasende Vernunft“ zurückführte. (05.04.17)

Kaum Gärtner in wuchernden Textwelten

Der Germanist Jochen Hörisch bemerkt in der NZZ ein Phänomen, das einer Zeitschrift wohlvertraut ist, die bald mehr Autoren als Abonnenten hat: Dass alle schreiben wollen und keiner mehr lesen mag, nimmt Hörisch zum Anlass einer Meditation über das Verhältnis von Sprache und Sein, über Fundamentalismus und automatische Textverarbeitung. (06.04.17)

Vom Affen sprechen lernen

Tom Appleton geht bei Telepolis in einem zweiteiligen Essay der Frage nach dem Ursprung der Sprache nach - davor kommt aber gründliche Affenkunde. In Teil I begibt er sich zunächst in die Literaturgeschichte, um zu sehen, wie etwa Edgar Allen Poe sich unsere affige Verwandtschaft vorstellte. In Teil II geht es darum, dass uns die Menschenaffen - an denen die Entstehung unserer Sprache zu studieren wäre - heute fremder denn je sind. Weitere Teile folgen.

Außerdemchen:

Zum 1. April erwog die FAZ die ganz und gar nicht alberne Frage, ob Katholiken, die beim Gottesdienst ganz unsymbolisch den Leib Christi zu sich nehmen, Veganer sein können. +++ Der Freitag stellt die von Mathias Greffrath herausgegebene Essaysammlung über Marxens Kapital im 21. Jahrhundert vor. Die Beiträge waren (und sind) auch in der Reihe „Essay und Diskurs“ des Deutschlandfunks zu hören. +++ Die NZZ wundert sich über den Erfolg von Oliver Nachtweys Abstiegsgesellschaftsdiagnose über das „Aufbegehren in der regressiven Moderne“. +++ Claus Leggewie hat für die SZ einige aktuelle Bücher über die AfD, die neue Rechte, die autoritäre Revolte und konservative Revolution gelesen. +++ Die FAZ weist auf Pascal Bruckners bislang nur auf Französisch vorliegende Auseinandersetzung mit dem Vorwurf der „Islamophobie“ hin, der jede Kritik an der Religion unterbinde. +++ Die WELT freut sich über die Digitalisierung der Reise-Tagebücher Alexander von Humboldts durch die Staatsbibliothek zu Berlin. +++ Die FAZ stellt die Studie des Soziologen Andrew Abbott zu möglichen Reaktionen auf die Akademikerschwemme in den Industrienationen vor.


Links der Woche am 25.03.2017, 11:36 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 12/17

Früher war alles gut.

Der politische Erfolg rückwärtsgewandter Populisten ist auch dem menschlichen Hang zur Nostalgie verschuldet, mit dem sich Mohsin Hamid im Freitag beschäftigt. Der Mensch ist einerseits äußerst anpassungsfähig, andererseits stressen ihn Veränderungen. Ohne gibt es aber keine Zukunft, und für deren Ankunft helfen Phantasie und Träume eher als die Idealisierung des Vergangenen. (22.03.17)

Laaangweilig!

Matthias Kalle, stellvertretender Chefredakteur des ZEITmagazins, hat ein Buch über die bzw. seine Jugend geschrieben. In seinem Magazin fragt er sich, ob seine Jugend wirklich von in heutigen Tagen geradezu erholsam wirkender Langeweile geprägt war und was Langeweile überhaupt ist (physiologisch und philosophisch)... (22.03.17)

Populisten auf Logik festlegen

Der Populismus immunisiert sich mit seiner Krawallform gegen Widerspruch, da sich besonnene Demokraten erst auf ihn einlassen müssten. Wie man das macht, beschreibt Daniel-Pascal Zorn in seiner Anleitung „Logik für Demokraten“, die von Harald Staun in der FAZ ausführlich vorgestellt wird. (24.03.17)

Raus aus der Komfortzone

In den USA ist das „Affirmative Consent Kit“ beliebt, das die Einvernehmlichkeit des Geschlechtsverkehrs dokumentiert - worüber Slavoj Žižek in der NZZ den Kopf schüttelt: Statt durch Kontrollverlust ist Sex nun durch Bürokratie und Schutzklauseln geprägt. Und das ist nicht der einzige Auswuchs einer politischen Korrektheit, die Probleme, Ambiguitäten und Konflikte zum Verstummen, aber nicht zum Verschwinden bringt. (25.03.17)

Et cetera:

Der Standard unterhält sich mit Raoul Peck, dem Regisseur von „Der junge Marx“ über das Kapital und Marxens Europa. +++ Matthias Heine hat für die WELT fleißig zusammengetragen: Zum einen die von David Tripolina aufgestellt Liste von 333 (angeblich) unübersetzbaren Wörtern, zum anderen die schönsten Nazivergleiche von Kurt Schumacher über Reinhard Mey bis zu Erdo?an. +++ Gute Nachrichten für unsere Leserschaft: Der Trend geht zur Sapiosexualität, schreibt Nora Belghaus im Freitag, hält aber manche Enttäuschung für diejenigen bereit, die auf Clickbaiting mit Intelligenz reinfallen. +++ Lucas Vogelsang ist in den Wedding gezogen, den die meisten Deutschen als „Problembezirk“ meiden, und hat darüber geschrieben, was in solchen und anderen bunten Stadtteilen eigentlich deutsch ist; der Freitag stellt das Buch „Heimaterde“ vor.

Der neue Lichtwolf

Lichtwolf Nr. 57

Lichtwolf Nr. 57 zum Thema „Der Adel und du“ ist diese Woche erschienen. Es ist wieder ein sehr schönes Heft mit 112 dicht beschriebenen Seiten im A4-Paperback ohne Werbung geworden, das inkl. Versand 8,50 Euro kostet. Alternativ gibt es die Frühlingsnummer auch als DRM-freies E-Book für Kindle und im epub-Format, was bloß 3,99 Euro kostet. Reingucken kann man in Bdolfs Propädeutikum und Schneideggers Analyse der neofeudalen Pöbelherrschaft in den USA, das alles gern auch als PDF-Leseprobe. Das ist eine gute Gelegenheit, sich für nicht mal 30 Klötze ein Jahr lang Lichtwölfe nach Hause kommen zu lassen!



Links der Woche am 18.03.2017, 13:09 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 11/17

Sie machen sich die Welt, ...

...wie sie ihnen gefällt: In der ZEIT (und zuvor auf der Münchner Sicherheitskonferenz) macht sich der israelische Schriftsteller David Grossman Gedanken über das kindliche Verhältnis von Rechtspopulisten zu Wahrheit und Realität, das, wenn es zum herrschenden wird, alle anderen verrückt wirken lässt. Literatur jedoch kann in einer solchen aus den Fugen geratenen Welt das Menschliche noch zusammenhalten. (13.03.17)

Komplexitätsreduktion durch Lärm

Für die NZZ unterhält sich Peer Teuwsen mit dem Psychoanalytiker und Schriftsteller Jürg Acklin über die gegenwärtige Wiederkehr des autoritären Charakters (nach Fromm, Mann und Adorno) allenorts. Dessen offen zur Schau gestellte Schamlosigkeit rührt an antizivilisatorische Reflexe der existentiell überforderten und zugleich gelangweilten Narzissten. (17.03.17)

Außerdemos von Sonstnochos:

Auch die NZZ bespricht Lorenz Jägers Walter-Benjamin-Biographie und zeigt sich ganz begeistert von dem Werk über „den Unvollendeten“. +++ Die NZZ stellt außerdem Karlheinz Stierles Buch über das Entstehen der Moralistik als Dialog mit dem Leser bei Montaigne vor. +++ Der Wissenschaftsverlag De Gruyter will Philosophie unter Altertumswissenschaften subsumieren, was Jürgen Busche im Freitag zu einer Kolumne über Alt-Griechisch und harmloses Studieren veranlasst. Und inzwischen hat De Gruyter nach Protesten klargestellt, den Bereich Philosophie doch erhalten und weiterentwickeln zu wollen. +++ Der Hegelianer und Donaldist Franz Schuh bringt zu seinem 70. Geburtstag ein Buch über das Glück heraus, das genauso essayistisch, autobiographisch, fragmentarisch und aphoristisch geraten ist wie seine diversen Vorgänger und das von der NZZ mitsamt des Autors portraitiert wird. +++ Professionen wie Arzt, Lehrer oder Anwältin leben von Vertrauen und Standesethos; die neoliberalen Versuche, sie zu bloßen Dienstleister zu reduzieren, scheitern an der Weigerung der Klienten, sich als bloße Kunden zu verstehen, wie die FAZ berichtet.


Links der Woche am 11.03.2017, 14:25 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 10/17

Die Last mit dem Lesen und Schreiben

Für die FAZ wägt Thomas Thiel Nutzen und Nachteil des Reformplans zum Wissenschaftsurheberrecht ab, der Forschung und Lehre die weitgehend kostenlose Nutzung von Texten einräumen soll. Verlags- und Wissenschaftsinteressen kollidieren auf der einen Seite, auf der anderen machen Sparzwang und Publikationsflut eine Reform des universitären Bibliothekswesens nötig. (08.03.17)

Humor, Distinktion und Identität

Im Uniblog der FAZ weist Felix Simon auf unterhaltsame Internet-Angebote hin, die mitnichten bloß der studentischen Prokrastination dienen: „Shit Academics Say“, „Research Wahlberg“ und „Lego Grad Student“ sind bei großen und kleinen Wissenschaftlern beliebt, weil ihr Humor nur Insidern des absurden akademischen Betriebs verständlich ist und jene so ihrer Zugehörigkeit zu dieser versichert. (10.03.17)

„Awkwardness, confusion and contradiction“

Andrea Köhler portraitiert in der NZZ den umtriebigen Agenten und Herausgeber John Brockman als „kulturellen Impresario“, der - geprägt von der Hippie-Bewegung - auf seinem „Cyber-Portal“ edge.org Geistes- und Naturwissenschaft sowie Kunst und Technologie zu einer „dritten Kultur“ zusammenschweißt. (11.03.17)

Demokratisches Denken im globalen Trumpistan

In der NZZ denkt Christine Abbt mit Harriet Taylor und John Stuart Mill über das Verhältnis von demokratischer Mehrheitsherrschaft und individueller Freiheit nach - und welche Rolle die Identität dabei spielt. In der ZEIT beobachtet der Schriftsteller Norbert Niemann dieselbe „Verbindung einer marktschreierischen Öffentlichkeit mit skrupelloser Bereicherung und opportunistischer Demagogie“, gegen die Karl Kraus vor 100 Jahren anschrieb. In der ZEIT erklärt Nils Markwardt den Aufstieg des Aufschneiders Trump mit dem Boom des konservativen Talk-Radios, die in den USA die Speerspitze im zynischen Kampf gegen die Relevanz von Vernunft und Tatsachen waren. Uwe Justus Wenzel fragt sich in der NZZ, ob Trump nur ein nützlicher Idiot des rechtsradikalen Chefstrategen Stephen Bannon ist. Thomas Assheuer schließlich hat in der ZEIT ein Wörterbuch rechtspopulistischen Sprechens und Denkens angelegt.

Unn sünst?

Im Gespräch mit Telepolis erklärt der Soziologe Robert Schmidt, was „symbolische Gewalt“ nach Bourdieu ist und welche Rolle sie dabei spielt, sich das Beherrschtwerden gefallen zu lassen. +++ Die SZ unterhält sich mit August Diehl, der im Kino den jungen Marx spielt (Georg Seeßlen bespricht den Film bei Glanz & Elend.), darüber, wo der echte Marx richtig und wo er falsch lag. +++ Die FAZ berichtet von einem sozialwissenschaftlichen Experiment, das nahelegt: Menschen sind durchaus bereit, auf etwas zu verzichten, um eine von ihnen angerichtete Sauerei aufzuräumen. +++ Apropos: Marc Hieronimus erklärt auf postwachstum.de, worum es in seinem Buch „Der Schritt zur Seite“ geht, das sie direkt beim catware.net Verlag bestellen können.


Links der Woche am 11.02.2017, 17:55 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 06/17

Die Sehnsucht nach dem Ausnahmezustand

Der Wahlkampf und die blitzartige reaktionäre Agenda Trumps folgen der machiavellistischen „Dialektik von Verehrung und Furcht“, wie Nils Markwardt in der ZEIT beobachtet und sich fragt, wie mit dieser disruptiven Angstpolitik umzugehen sei, noch dazu wenn diese auf eine unter Rechtspopulisten und Islamisten verbreitete Angstlust trifft. (09.02.17)

Gegen Fundamentalismus und Barbarei

Sowohl die Geistes- als auch die Naturwissenschaften sind unter Trumps Präsidentschaft bedroht, meldet Michael Hagner in der NZZ. Wissenschaft und Demokratie sind eng verknüpft, und so zeitigt die Beschädigung erster durch das jahrzehntelange Nützlichkeitsdiktat auch Folgen für die Demokratie, die selbst manchen Technokraten alarmieren. (10.02.17)

Platzhalter fürs Originalwort

Die Übersetzung von Texten ist schwierig, von philosophischen Texten sogar unmöglich, schreibt Joachim Schulte in der NZZ. Er zeigt dies am Beispiel von Descartes’ Wendung der „klaren und deutlichen Ideen“ und des englischen Wortes „experience“, das sowohl Erfahrung als auch Erlebnis heißen kann. (11.02.17)

Et cetera:

Der Standard stellt in kurzen Stichworten Giorgio Agambens neues Buch „Stasis – Der Bürgerkrieg als politisches Paradigma“ vor. +++ Robert Stockhammer zeigt sich im Freitag unzufrieden mit der Verteidigung von „Wahrheit“ und „Wirklichkeit“ in den Medien. +++ Ebenfalls im Freitag bespricht Tom Wohlfarth den gegenwartskritischen Essay „Miamification“, den der Akzelerationist Armen Avanessian unter Palmen verfasst hat. +++ Noch mehr, aber kürzere gegenwartskritische Essays gibt es übrigens alle drei Monate im Lichtwolf, den man für lumpige 29,80 Euro gerne abonniert.


Links der Woche am 28.01.2017, 15:05 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 04/17

Der Wolf ist dem Menschen ein Vorbild

Die Überheblichkeit des Menschen, sich für die Krone der Schöpfung zu halten, ließ ihn fest daran glauben, den Wolf zum Hund domestiziert zu haben, schreibt Florian Schwinn in seinem Buch, aus dem ein Auszug bei Telepolis zu lesen ist. Allerdings spricht einiges dafür, dass sich die frühen Menschen evolutionär an den Wolf angepasst haben. (22.01.17)

Der Geist der Leere

Politische Narrative waren immer solche von Arbeit und Mangel. In den saturierten Demokratien des Westens aber herrscht ein Überfluss, der keinen Sinn mehr ermöglicht - für die Abgehängten, die bei rechtspopulistischen Erzählungen Zuflucht suchen, eh nicht. Fritz Breithaupt und Martin Kolmar raten in der NZZ, sich bei den Narrativen der Religionen zu bedienen. (23.01.17)

Menschen, so unbequem wie das Gewissen

Der in der Schweiz lebende russische Schriftsteller Michail Schischkin erinnert an die 1968 im Ostblock niedergeschlagene Opposition, deren später Sieg sich als Illusion entpuppte. Dissidenten mussten sich zu allen Zeiten gegen staatliche Repression behaupten und dagegen, von der Mehrheit als Verräter und Spinner betrachtet zu werden. (27.01.17)

Aus der Gefahr seinen Beruf machen

Hans Ulrich Gumbrecht schreibt in seinem FAZ-Blog über den Nietzsche-Band, der den Weg in seine Bibliothek aus der Hermann Görings fand. Der dicke Obernazi unterstrich darin fleißig den Begriff „Übermensch“, den Gumbrecht allerdings in Verbindung mit Nietzsches Zusammenbruch in Turin und Zarathustras Seiltänzer bringt - und damit effektiv zu entnazifizieren versucht. (28.01.17)

Bücher, Bücher, Bücher

Die FR bespricht Jan Assmanns jüngste Auseinandersetzung mit Monotheismen und ihrer Gewaltneigung, bei der er u.a. Carl Schmitts Theorie des Politischen heranzieht. +++ Außerdem in der FR: Eine kurze Rezension der „Geschichte des politischen Denkens“ von Otfried Höffe. +++ Aus Anlass seines neuen Buchs „Was für Lebewesen sind wir?“ wird in der taz Noam Chomskys Bedeutung als letzter Linksintellektueller der USA betont. +++ Der Freitag stellt Domenico Losurdos Untersuchung des Konzepts des Klassenkampfs vor, in dem allzu oft ein unterkomplexer Linkspopulismus die eigentlichen Kämpfe um „Anerkennung“ verstellt.

Weiteres zum Trumpismus...

Bereits letzte Woche sind einige Artikel erschienen, die aus Trumps Sprachstil auf seine Denkungsart zu schließen versuchten. Adam Soboczynski konzediert diese Woche in der ZEIT, dass der neue US-Präsi in der Tat überhaupt nicht wie ein Politiker spricht, sondern wie ein stil-, disziplin- und schamloses Großmaul, das die Effekthascherei faschistischer Rhetorik für sich entdeckt hat. Die FAZ wiederum berichtet von einem geistreichen Vortrag des Kunsthistorikers W.J.T. Mitchell über die „amerikanische Psychose“. In der taz schließlich erklärt der Leipziger Politologe Robert Feustel, der das „Wörterbuch des besorgten Bürgers“ mit herausgegeben hat, wie rechtspopulistische Sprache auf den Diskurs einwirkt.

Außerdemos von Sonstnochos:

Die erste Woche von Trumps US-Präsidentschaft war von allerhand „umstrittenen“ Erlassen geprägt, unter denen die angekündigte Einstellung der Förderung der Geisteswissenschaften ein marginaler (aber politisch konsequenter) ist. +++ Im Uniblog der FAZ überlegt Adrian Schulz, was die Verwendung von „Proseminar“ als Schimpfwort der gebildeten Stände mit der marktkonformen Universität zu tun haben könnte - und setzt sich mal in eines hinein. +++ Wo er schon unterwegs war, hat sich Schulz in der Woche darauf auch einen Science Slam angeguckt - ein hippes Format, das bloß „auf Krach und Bumm und Darm mit Charme ausgelegt“ ist. +++ Der Tagesspiegel stellt eine nicht ganz unbefangene Studie vor, die das Sozialistische Patientenkollektiv (SPK) jenseits von linkem Freaktum und „Kaderschmiede der RAF“ darstellt; hoffentlich ist das liebe SPK auch dieses Jahr wieder bei der Mainzer Minipressen-Messe vom 29. Juni bis 2. Juli 2017 dabei!


Links der Woche am 24.12.2016, 15:04 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 52/16

Die Politischkorrekten wollten das so!

Michael Hampe widmet sich in der ZEIT der kulturwissenschaftlichen Linken (KWL), für die Pippi-Langstrumpf-Leser Rassisten sind und für die der Nordpol genauso relativ, konstruiert und historisch ist wie Hampes Oma. Nun, da rechte Verschwörungstheoretiker an die Macht kommen, wendet sich ihr Vulgärkonstruktivismus gegen sie und die KWL hat dem in Theorie und Praxis nichts entgegenzusetzen. (19.12.16)

Von Nietzsche zu Brexit und Trump

vox.com unterhält sich mit Hugo Drochon, der Nietzsche als transnationalistischen politischen Denker liest, der ausgehend vom Tod Gottes die aktuellen Populismus-Krisen der Demokratie und die Relativismus-Krise der Philosophie schon zu Bismarcks Zeiten vorhergesagt hat. (20.12.16)

Optionen und Willkür

In der ZEIT (und seinem neuen Buch) beklagt Maximilian Probst das Aussterben der Verbindlichkeit. Die undurchschaubare Vielfalt der Wahlmöglichkeiten macht es schwer, sich festzulegen, und überfordert die Rechtswähler. Dem versucht Probst eine Verbindlichkeit entgegenzusetzen, die nicht nach Biedermeier riecht, sondern der Zukunft zugewandt, liberal und autonom ist. (21.12.16)

Philosophie war schon immer globalisiert

Philosophie ist nicht nur das, was die Griechen gemacht und ihre Erben fortgesetzt haben, erinnert Heiner Roetz in der FR und plädiert für eine globalisierte Perspektive auf die Diziplin. Dazu gibt er nachahmungswürdige Beispiele für die gegenseitige kulturelle Beeinflussung in und Bereicherung der Philosophiegeschichte. (22.12.16)

„Die Grausamkeit massakrierter Körper.“

Vor über 100 Jahren ging es auch nicht friedlicher zu, dafür aber inszenierte sich die Avantgarde schwer kulturterroristisch, schreibt Stefan Zweifel in der NZZ. Heute sind Terroristen Meister der Inszenierung, die von Nietzsche über Breton und Artaud bis Debord die Starre lösen sollte, die nun von ganz realer Gewalt erschüttert wird. (22.12.16)

Alles nichts Neues

Nils Markwardt zweifelt im Freitag an der Rede vom „postfaktischen Zeitalter“, denn die darunter subsumierten politischen und sozialpsychologischen Phänomene wurden von Le Bon und Adorno längst beschrieben. Tatsächlich profitieren Rechtspopulisten von einem Vertrauensdefizit, das wiederum von Luhmann ausgiebig beschrieben wurde. (27.12.16 - aus der Zukunft!)

Kann man mal lesen

Iris Radisch stellt in der ZEIT das unvollendete letzte Büchlein Roger Willemsens vor, worin dieser als enttäuschter Moralist mit unserer Gegenwart abrechnet. +++ Hans Hütt zeigt sich im Freitag ganz begeistert von Dieter Thomäs Philosophie des Störenfrieds, einer Studie, die gerade zur rechten Zeit (nämlich zu der des „Orangenmanns“)kommt. +++ Diese Woche ist bekanntlich Lichtwolf Nr. 56 zum Thema Gebäck erschienen: Das Heft gibt es im Abo oder für 8,50 Euro einzeln sowie als DRM-freies E-Book im epub-Format oder für Kindle.

Schöne Feiertage!


Links der Woche am 29.10.2016, 20:06 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 44/16

No alarms and no surprises

Manuela Lenzen schreibt in der NZZ über eine neue alte Theorie, derzufolge das Gehirn faul ist und nur in Unruhe gerät, wenn irgendetwas nicht seinen Erwartungen entspricht. Der Neurowissenschafter Karl Friston hat sozusagen Heideggers Zeugganzes in eine mathematische Theorie überführt, die sich gerade zum neuen großen Ding in der Philosophie des Geistes entwickelt. (27.10.16)

Arendt, Butler und der Volkskörper

Für die ZEIT unterhält sich Rina Soloveitchik mit Judith Butler über ihr neues Buch, das sich mit Versammlungen, Körpern und Raum beschäftigt. Das verkörperte Leben findet hier seinen demokratischen Ausdruck. Außerdem geht es um den Zusammenhang von Prekariät und Populismus. (28.10.16)

Pfeife und Tweedjacket sind aus

Im FAZ-Uniblog geht es diese Woche um das angebrochene Wintersemester und die Professorin der jüngsten Generation als Darstellerin ihrer selbst, die mit spannenden Stoffen zu überzeugen hat. Wie viele popkulturelle Referenzen gehören in die Heine-Vorlesung? Und wie sieht das professorale Facebook-Profil heutzutage aus? (29.10.16)

Unn sünst?

Die NZZ bespricht Tamás Miklós’ Geschichte der Geschichtsphilosophie, die nach dem Sinn und der Freiheit im Weltgeschehen fragte. +++ Pseudologen aufgepasst: Die SZ berichtet über eine Studie, die die Lust am und Fähigkeit zum Lügen untersucht hat. +++ Fangen Sie schon mal an zu sparen: Marc Hieronimus’ wunderbares Buch über die Décroissance ist ab Montag u.a. hier erhältlich; bis dahin könnten Sie ja auch einen Lichtwolf bestellen - oder gar abonnieren?


Links der Woche am 13.08.2016, 14:23 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 33/16

Es ist fünf vor zwölf

Andreas Wirsching, Direktor des Instituts für Zeitgeschichte, schreibt in der SZ einen Essay als Warnruf: Nicht nur im europäischen Südosten ist die Demokratie gefährdet, sondern auch hierzulande. Terrorismus und Fremdenhass einerseits, konkurrierende Extremismen andererseits nehmen die politische Kultur der Menschenrechte in die Zange.

Die Linken und die Religion

Linkssein heißt mindestens religionsskpetisch zu sein, schreibt Michael Jäger im Freitag. Linke sind hin und hergerissen zwischen Solidarität mit Flüchtlingen und einer Reserviertheit gegenüber dem Islam. Jäger blickt dazu in die linke Ideengeschichte seit Marx zurück, die stets eine des Streits um das Verhältnis zur Religion im Kapitalismus und zum Kapitalismus als Religion war. (10.08.16)

Auch eine Art von Antidiskriminierung...

WASP-Männchen haben es nicht leicht unter dem Diktat der politischen Korrektheit, wie René Scheu in der NZZ schreibt. Ein bunter Strauß an Diskriminierungs-Vorwurf werde inflationär gebraucht, obwohl die Gesellschaft egalitär wie nie sei. Grund sei der ubiquitäre Narzissmus infantil-staatsgläubiger Egos, die sich andauernd verletzt fühlen. (12.08.16)

Trash wählt Trump?

Hans Ulrich Gumbrecht fragt von seinem FAZ-Blog aus nach dem revolutionären Potential, das im Trump-wählenden White Trash stecken mag. Dazu schaut er zunächst mal bei Marx, Bakunin und Fanon nach dem Lumpenproletariat. Mit einer ähnlichen Fragestellung, aber klügeren Ergebnissen hat Nils Markwardt für den Freitag neue Bücher von Didier Eribon und Daniele Giglioli gelesen, die der Linken einiges ins Stammbuch schreiben, um sich nicht vom Rechtspopulismus abhängen zu lassen.

Unn sünst?

Die ZEIT ist ganz fasziniert von dem Buch, in dem Roberto Calasso den abendländischen Menschen mit Fremdheit, Transzendenz und Metaphysik der vedischen Mythen konfrontiert. +++ Vor 25 Jahren ging die erste Website online - die taz gratuliert dem WWW zur Quarterlifecrisis. +++ In der NZZ zeigt sich Alain Claude Sulzer skeptisch, ob Intellektuelle immer die klügeren Kommentatoren sind, und lehnt darum deren Pflicht, sich einzumischen, ab.


Links der Woche am 09.07.2016, 14:34 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 28/16

Pornographisches Verhältnis zur Macht

Den Rechtspopulisten überall nähert sich Nils Markwardt im Freitag mit der in Max Webers Vortrag „Politik als Beruf“ getroffenen Unterscheidung von Verantwortungs- und Gesinnungsethik. Letztere mag zu Webers Zeiten noch sympathisch gewesen sein, ruft in ihrer grotesken Überzeichnung durch Trump, Farage et.al. aber nach mehr bräsiger Verantwortungsethik. (06.07.16)

Deutsch als heimliche Weltsprache

In der Welt wird Deutsch gesprochen und in der WELT schreibt Matthias Heine darüber: Das Englische und Russische haben vor allem deutsche Begriffe aus Bergbau und Chemie übernommen, in anderen Sprachen verwendet man ein deutsches Wort, wo wir ein englisches benutzen. Diese und weitere interessante Sprachdinge trägt Heine bei seiner globalen Fahndung nach Germanizismen zusammen. (07.07.16)

„Ein Europa, das Sinn hätte, fragte nicht danach.“

Edo Reents versucht sich in der FAZ satirisch an einer rechtspopulistischen Ruckrede gegen Europa, um dann ganz ernsthaft nach den viel - seit dem Brexit umso lauter - beschworenen europäischen Werten zu fragen, die eine rein ökonomische, „nicht pathosfähige“ Zweckgemeinschaft mit Sinn aufladen sollen. (08.07.16)

esse est percipi

Claudia Mäder kriegt aus ihrem sozialen Nahbereich ständig Photos aufs Smartphone geschickt und wundert sich in der NZZ über den Hang, die Wirklichkeit mit Abbildern zu belegen. Die Verstärkung von Text durchs Bild ist historisch nichts Neues, mag aber in ihrem aktuellen Übermaß das Ende der Vorstellungskraft einläuten. (09.07.16)

Bücher, Bücher, Bücher

Die NZZ stellt Elmar Schenkels Buchessay „Keplers Dämon“ vor, das an vielen Beispielen die gegenseitige Befruchtung von Literatur und Wissenschaft zeigt. +++ Band 80 der Heidegger-Gesamtausgabe ist da und enthält die Vorträge des jungen Heidegger, die u.a. von Marcuse mitgeschrieben wurden, wie der Freitag anmerkt. +++ Bei Glanz & Elend zeigt sich Jürgen Nielsen-Sikora skeptisch, ob Paul Mason mit „Postkapitalismus“ tatsächlich ein geeignetes Modell zur Bewältigung der kommenden Endkrise entwickelt hat. +++ In der ZEIT ist Gastautor Dieter Thomä ganz und gar nicht angetan von der vagen Resonanz-Metapher, mit der Hartmut Rosa, Sloterdijks „netter Neffe“, eine Soziologie der Weltbeziehung entwirft. +++ Bei Telepolis gibt es einen netten Auszug aus dem Buch zu lesen, mit dem Sven Böttcher und Mathias Bröckers daran erinnern, dass die Menschheit bereits das nötige Wissen hat, um ihre Zukunft zu retten. +++ Immer wieder mal schön, aus der philosophischen Filterblase rauszugucken: Lesen Sie hier die irritierte Rezension aus der Feder eines Trekkies über ein Buch, das sich mit der Philosophie in der TV-Serie Raumschiff Enterprise beschäftigt.

Außerdemos von Sonstnochos:

Der traut sich was: Sebastian Leber bedankt sich im Tagesspiegel mit guten Gründen bei der Antifa für ihre tägliche Arbeit. +++ Die FR weist auf den biographischen Dokumentarfilm über Claude Lévi-Strauss hin, der in der arte-Mediathek ein paar Tage nachzugucken ist. +++ Die NZZ stellt kurz die utilitaristische Ethik des effektiven Altruismus mitsamt ihres Vordenkers Peter Singer vor. +++ Das wäre Descartes nicht passiert: Medizininformatiker haben laut Wired in der Software zur Analyse von MRT-Daten einen Fehler entdeckt, der 20 Jahre Hirnforschung mitsamt ihres großen Selbstbewusstseins in Frage stellt.


Links der Woche am 09.04.2016, 14:23 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 15/16

„Die wahre Utopie ist, zu glauben, dass es so weitergehen kann.“

Für die ZEIT unterhält sich Daniel Erk mit dem Krisendeuter-wider-Willen Slavoj Žižek über den Traum von einer Insel und darüber, wie man in einer komplizierten Welt nach Durchblick, Orientierung und der Chance zur Veränderung sucht. Anstatt auf die Weltrevolution zu warten, sollte man sich einige Kämpfe aussuchen und hineinstürzen. (08.04.16)

Suizid als symbolischer Akt

Computerpionier Alan Turing nahm sich das Leben, indem er in einen vergifteten Apfel biss. Martin Burckhardt beschäftigt sich in der FAZ mit diesem „märchenhaften“ Freitod, was ihm mehr oder weniger tiefenpsychologisch vorausging und was Turing uns damit sagen wollte. (09.04.16)

Außerdemchen:

Die FAZ hat ein unappetitliches Wörterbuch des Rechtspopulismus zusammengestellt, von Genderwahn bis Lügenpresse ist alles dabei, auch der von Sloterdijk der Antike entlehnte Begriff des Thymos. (Dazu und zum Hausphilosophen der AfD siehe auch Nils Heisterhagens Kolumne im European.) +++ Außerdem berichtet die FAZ vom Streit innerhalb der Volkswirtschaftslehre über den eindimensionalen Tunnelblick der Disziplin, die dadurch ihr kritisches Potential einbüßt. +++ Apropos: Die taz berichtet von einem Auftritt Paul Masons, bei dem dieser sein Buch „Postkapitalismus“ (über die Überwindung des Neoliberalismus vermittels seiner selbst) vorstellte. +++ Bliebe noch die Verwaltung: Die FR vermeldet kurz ein Streitgespräch zwischen David Graeber und Axel Honneth über Bürokratie und Sozialismus. +++ Das „Recht auf Stadt“ wurde erstmals 1968 von Henri Lefebvre formuliert, dessen marxistische Analyse der „Urbanisierung“ nun auch auf Deutsch erscheint, wie Florian Schmid im Freitag schreibt. +++ Die NZZ stellt den auf 40 Bände (!) ausgelegten „Grundriss der Geschichte der Philosophie“ vor, dessen fünf Bände zur Philosophie der Aufklärung im 18. Jahrhundert nun vorliegen. +++ Deutlich kürzer und preiswerter ist der aktuelle Lichtwolf zum Thema „Schloch“, den es auch als E-Book für Kindle und im epub-Format gibt.


Links der Woche am 19.12.2015, 15:57 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 51/15

Bedingung einer Poesie

Bedauernd schreibt Birgit Schmid in der NZZ über das Aussterben eines noblen Gefühls, nämlich der Schüchternheit. Die gilt in Zeiten der digitalen Dauerselbstdarstellung als Defizit, dem mit Medikamenten und Ratgebern zu Leibe gerückt wird - obwohl die scheue Innerlichkeit doch viel zu bieten hat. (12.12.15)

Kompromiss statt Kampf

Im Freitag wird über die Möglichkeit oder Notwendigkeit eines linken Populismus diskutiert. Albrecht von Lucke warnt in seinem Beitrag vor Weimarer Verhältnissen, da linker und rechter Populismus nicht zu unterscheiden sind, und plädiert vielmehr für eine kompromissfähige Linke ohne Feindbilder. (15.12.15)

Remythologisierung des Alltags

Der säkulare Liberalismus und die rationale Wissenschaft sind nicht so gesetzt, wie man gemeinhin glaubt, schreibt Anton Hügli in der NZZ. Wenn sich die Religion sinnvoll einbringen will, um das Bedürfnis nach Transzendenz zu bedienen, sollte sie sich an die Religionsphilosophie von Karl Jaspers halten. (19.12.15)

Neue Bücher:

Ausführlich und fasziniert bespricht die FAZ „Die Möglichkeit der Normen“, worin der Jurist Christoph Möllers die Begriffe von Norm und Normativität sowie ihre Bedeutung für den demokratischen Alltag klärt. +++ Dieter Thomä, Ulrich Schmid und Vincent Kaufmann haben ein Buch geschrieben über die Bedeutung der Biographie für das Denken von Philosophen, die NZZ rezensiert das Werk. +++ Die FR zeigt sich fasziniert von David George Haskells Buch über „Das verborgene Leben des Waldes“. +++ Nicolas Mahler hat eine Philosophiegeschichte in Comicform gezeichnet, der Standard stellt „Partyspaß mit Kant“ vor.

Außerdemchen:

Freitag-Community-Mitglied TobiT unternimmt einen politisch-philosophischen Jahresrückblick und schaut nach, wie sich Slavoj Žižeks „Jahr der gefährlichen Träume“ in Griechenland und anderen europäischen Krisenländern ausnahm. +++ Georg Blume unterhält sich für die ZEIT mit dem Philosophen Alain Finkielkraut über das deutsch-französische Verhältnis in Zeiten des Terrors und des Krieges, den man hier nicht so nennen mag. +++ Bei Getidan findet sich der Hinweis auf Ben G. Fodors Photokunst zum Absurden; weitere Performances, die die Zweckhaftigkeit des ganzen menschlichen Strebens dokumentieren, gibt es auf Fodors Homepage. +++ Lichtwolf Nr. 52 (Titelthema: „Bitte / danke“) ist bereits auf dem Postweg in die Briefkästen unserer Abonnent_innen - und ganz ohne jeden Hinweis auf bevorstehende Konsumfeierlichkeiten sei hier auf die Möglichkeit hingewiesen, Abos und Einzelhefte der „Zeitschrift trotz Philosophie“ zu verschenken.


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