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Monatsbuch

Suche ausgeführt.

Mit dem Stichwort "Peter Sloterdijk" sind die folgenden Artikel markiert:


Links der Woche am 15.07.2017, 14:17 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 28/17

Warum werden sie so gehasst?

Henrike Schirmacher widmet den oft als Flugratten verunglimpften Stadttauben in der FAZ einen sehr interessanten und bisweilen wenig mitfühlenden Text, in dem es u.a. über den Zusammenhang zwischen dem von Denkmalschützern gefürchteten Taubenkot und unserer Diät sowie über den zwischen urbaner Umgebung und Tierbild geht. (11.07.17)

Wo ist noch Intellektuellenbuch?

In der NZZ fragt sich Jan Söffner, warum immer weniger Menschen der Aufforderung eines gedruckten Buchs nachkommen, sich Zeit dafür zu nehmen, und lieber schnell das Internet bemühen. Söffner vermutet, die intellektuell hungrigen Leser seien einfach zu oft enttäuscht worden von Büchern, die bloß als Forschungsbeleg veröffentlicht wurden, und gibt Tipps, wie im 21. Jahrhundert Denkabenteuer zu schreiben wären. (12.07.17)

Du wirst, was du studierst.

Was macht das Studienfach aus einem Menschen? Das hat sich Samuel Kramer für das Uni-Blog der FAZ gefragt und mit drei jungen Studenten unterhalten: Die Medizin-, Jura- bzw. Soziologiestudenten bestätigen so manches Klischee über ihre Fächer und überlegen, woran das wohl liegt. (13.07.17)

Vor der Komplexität kapitulieren

Nach dem G20-Gipfel vorige Woche zeigt Armin Nassehi in der ZEIT Verständnis für die Polizei und denkt über die Atrraktivität politischer Gewalt nach. Die Linke hat es leicht, weil sie - anders als die Rechte - sympathische Forderungen stellt, darum nicht über den Weg zu ihrer Erfüllung nachdenken kann und ergo latent autoritär ist, während „es der globalisierten Welt noch nie so gut ging wie heute.“ (13.07.17)

Mit Trump gegen Trump?

Naomi Klein hat jüngst ein Buch darüber geschrieben, wie es zu Trump kam und was wir jetzt tun müssen. Tim Adams portraitiert im Freitag die prominente Vordenkerin der US-Linken, die den Aktivismus wieder cool machen will und aus deren früheren Veröffentlichungen Trump scheinbar viel gelernt hat. (14.07.17)

Was man so alles lesen kann

Die taz ist ziemlich enttäuscht von Peter Sloterdijks lieblos zusammengestellter Essaysammlung „Nach Gott“. +++ Bei Glanz & Elend werden besprochen sowohl Manfred Geiers Doppelbiographie „Wittgenstein und Heidegger“ als auch Andreas Urs Sommers Essay gegen den moralischen Relativismus. +++ Die NZZ zeigt sich sehr angetan von Ralf Konersmanns „Wörterbuch der Unruhe“, das diese als Zeitphänomen aus philosophischer Distanz analysiert. +++ Die SZ stellt Julian Nida-Rümelins Lob der Grenzziehung - im Privaten wie im Staatlichen - vor, dass da lautet: „Herzlich willkommen, aber...“ +++ Bini Adamczaks Büchlein „Communism for Kids“ gilt der Rechten in den USA als Beleg für die Perfidie ihrer imaginierten Feinde: Die SZ erklärt, worum es in der vermeintlichen Indoktrinationsfibel wirklich geht. +++ Uwe Justus Wenzel denkt in der NZZ anlässlich von Jason Brennans Buch „Against Democracy“ über die schillernde Vielfalt von Willensbekundungen nach, die in der Demokratie als vox populi laut wird.

Henry David Thoreau zum 200.

Die FR würdigt Henry David Thoreau zu seinem 200. Geburtstag und bringt neben einem Portrait auch eine Liste von Neuerscheinungen zu dem Waldgänger. Die taz bespricht Frank Schäfers Thoreau-Biographie und die WELT überlegt, wie Thoreau zu Obama und Trump stehen würde...

Et cetera:

Die Soziologie hat ein ähnliches Problem wie die Philosophie: Im Studium lernt man nur, wie man das Fach lehrt. Einige Soziologen wollen diejenigen Absolventen, die es nicht auf einen Lehrstuhl schaffen, als professionelle Gesprächspartner arbeitsmarktfähig machen, wie die FAZ meldet. +++ Die FAZ berichtet außerdem von einer Tagung in Jena über die linken Wurzeln des Faschismus und rechtspopulistische Erfolge unter Arbeitern und Arbeitslosen. +++ Kognitive Verzerrung: Telepolis schreibt über eine Studie, wonach in den USA über muslimische Attentäter fast fünf Mal so ausführlich berichtet wird wie über nicht-muslimische. +++ Womöglich kennen Sie das Selfie des Schopfmakaken-Weibchens auch aus Lichtwolf Nr. 51, wo es Marc Hieronimus’ Essay über die narzisstische Massenpsychose unserer Tage einleitete. Ebenso womöglich muss das Photo in den noch unverkauften Ausgaben bald geschwärzt werden, denn die Tierrechtsorganisation Peta will den Streit darum, wer das Urheberrecht an dem Bild hat - die Makakendame oder der Besitzer des Photoapparats - ein für alle Mal klären, wie die FAZ meldet. +++ Heute Abend ab 23:05 Uhr gibt es im Deutschlandfunk die Lange Nacht über Walter Benjamin.


Links der Woche am 08.07.2017, 12:58 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 27/17

Der Konvertiteneifer gewendeter Linker

Nicht selten werden Linke irgendwann zu besonders eifrigen Rechten, wie Georg Seeßlen bei Getidan an diversen Beispielen aufzeigt, um sodann in neun Thesen über diese „diskursive Binnenmigration“ und die Fluchtgründe nachzudenken: Männerphantasien vom heroischen Opfer-Status, völkische Altlasten, eine „Störung ihrer inneren Geschlechterordnung“, das Scheitern an einstigen Idealen, Aufmerksamkeitsökonomie... (01.07.17)

„Bocksgesang von links“

Thomas Assheuer blickt in der ZEIT auf die vielfältige Szene derer, die gerade in Hamburg gegen den G20-Gipfel demonstrieren. Er sieht die Kapitalismuskritik gespalten in Reformer und Apokalyptiker, deren Theorie-Helden Badiou und Žižek sind und deren (auch bei der Neuen Rechten beliebte) Dekadenzphantasien auf offene Ohren stoßen, weil der Liberalismus eisig schweigt. (05.07.17)

Auschwitz und das gar nicht ewige Deutschtum

Die FAZ bringt Navid Kermanis lange Rede darüber, dass eine Einbürgerung hierzulande auch bedeutet, die Verantwortung für den Holocaust mitzutragen, wie er es bei einem Besuch in Auschwitz als Deutscher erlebte. Von hier aus stellt er faszinierende Überlegungen dazu an, was die hiesige Erinnerungskultur in Wirklichkeit, d.h. im demographischen Wandel und vor ihrem historischen Hintergrund, heißt. (07.07.17)

Vergnügtes Kind des Sonnenaufgangs

Dieter Thomä würdigt in der NZZ Henry David Thoreau zum 200. Geburtstag und stellt ihn als schrägen Eigenbrötler, asexuelles Faktotum, Hoffnungsträger für Trumpistan und Begründer des „amerikanischen Transzendentalismus“ vor, der uns Hingabe an die Welt, zivilen Ungehorsam, Kommerzkritik und Extravaganz lehrt. (08.07.17)

Neue Bücher

Zu seinem 70. Geburtstag gönnt sich Peter Sloterdijk den Essayband „Nach Gott“, der laut der Rezension im Standard so elitär gehalten ist, wie der Titel verspricht. +++ Bruno Latour hat acht Vorträge über die Menschheitsaufgabe gehalten, den Klimawandel zu bewältigen; das Buch, in dem sie versammelt sind, wird im Freitag trotz seiner religiösen Untertöne gelobt. +++ Die NZZ weist auf den von den Wirtschaftsethikern Michael S. Assländer und Bernd Wagner besorgten Sammelband mit Texten zur Philosophie der Arbeit hin.

Außerdemos von Sonstnochos:

Philosophiegeschichtliche Überlegungen zum Wesen der Materie können auch heutige Chemiker noch viel lehren, glossiert Sibylle Anderl in der FAZ. +++ Andrian Kreye macht sich in der SZ Gedanken über die Innovationseuphorie Silicon Valleys im Gegensatz zur europäischen Skepsis gegenüber dem Internet als Weltverbesserungsmaschine, die ein besseres Internet hervorbringen könnte. +++ Komisch, aber unironisch: Marc Hieronimus’ Buch über die Décroissance-Bewegung und den Schritt zur Seite gibt es nun auch als E-Book. (Den aktuellen Lichtwolf über Wurst übrigens auch.)


Links der Woche am 22.04.2017, 12:38 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 16/17

Das sind doch wir!

Die „verallgemeinerte Logik aus Zeiten, als Neue Sozialen Bewegungen [...] gegen Staat und Atom-, Rüstungs- und Ölindustrie antraten, wiederholt das Motiv vom Verblendungszusammenhang, hinter dem finstere Mächte am Werk sind“, hieß es in LW51 über den seltsam vertrauten Sound rechtspopulistischer Medien- und Systemkritik. Auch die taz fühlt sich an ihre Anfänge erinnert, besteht aber darauf, dass sich Dutschke und Höcke nicht nur im Vokabular unterscheiden. (15.04.17)

Die Mauer als Grenze und Zeichen

Dominik Irtenkauf beschäftigt sich bei Telepolis mit dem Mauerbau in der Politik und der Geschichte. Populär ist und in ihrer Funktion gewandelt hat sich die Chinesische Mauer. Die Grenze zwischen den USA und Mexiko erinnert (noch) an den Limes statt an Berlin, dessen Mauer sich heute wiederum in Beton zwischen Israel und Palästina und in der Mentalität zwischen Ossis und Wessis wiederfindet. (17.04.17)

Diesen Relativismus haben „wir“ nicht gewollt

Nun muss auch noch Karl-Heinz Ott in der NZZ den linksliberalen Anhängern des postmodernen Denkens von Offenheit und Vielfalt vorhalten, sie seien für die Geringschätzung von Wahrheit verantwortlich, die Trump ins Weiße Haus brachte. Ganz so harmlos waren die relativistischen Gedankenspielchen mit Nietzsche und den ganzen Poststruktralisten anscheinend doch nicht... (19.04.17)

Les sciences marchent

Am heutigen Samstag gehen weltweit Menschen auf die Straße, um „dafür zu demonstrieren, dass wissenschaftliche Erkenntnisse als Grundlage des gesellschaftlichen Diskurses nicht verhandelbar sind“, wie es beim Science March Germany heißt. In der ZEIT erzählen fünf Wissenschaftler, warum sie mitmarschieren. Die FR schreibt über ein Facebookvideo, in dem der populäre Astrophysiker Neil DeGrasse Tyson erklärt, was wissenschaftliche Wahrheit ist, ob man nun daran glaubt oder nicht. Auch im Fall der Proteste gegen die geplante Schließung der Central European University in Budapest, über die die FAZ berichtet, geht es nicht nur um akademische Arbeitsplätze, sondern um die Verteidigung des Pluralismus in autoritären Zeiten.

Bücher und Wahlen

Seit Trumps Amtsantritt haben Bücher Konjunktur, die sich die USA literarisch als Fascho-Staat ausmalen und lange in den Regalen verstaubten. Jan Wilm stellt in der NZZ eine Auswahl vor; eine ausführliche Reise durch die Welten kontrafaktischer Nazi-Romane unternahm Bdolf bekanntlich in Lichtwolf Nr. 45 und Nr. 46. +++ Die ZEIT weist hin auf den jüngst edierten jahrzehntelangen Briefwechsel zwischen Martin Heidegger und seinem Schüler und frühen Kritiker Karl Löwith. +++ Die taz dagegen freut sich, dass kurz vor den französischen Präsidentschaftswahlen das komplette Werk Lacans auf Deutsch erhältlich ist. +++ Just über die Wahlen links des Rheins unterhält sich die NZZ mit dem „Frankreich-Kenner“ Peter Sloterdijk. +++ Gustav Seibt zeigt sich in der SZ unzufrieden mit dem Essayband „Die große Regression“, worin sich linke Denker mit der wachsenden Unruhe in diesen Zeiten beschäftigen - überheblich im Ton und unter Aussparung der Digitalisierung. +++ Der Tagesspiegel wiederum unterhält sich mit Jason Brennan, der in seinem neuen Buch dafür plädiert, das Wahlrecht auf informierte und rationale, also qualifizierte Bürger_innen zu beschränken. Um die Frage nach der Qualifikation für politische Teilhabe geht es übrigens auch im aktuellen Lichtwolf. +++ Rolf Dobelli rät in seiner NZZ-Kolumne, dem Handeln öfter mal den Vorzug vor dem Nachdenken zu geben.


Links der Woche am 18.02.2017, 14:33 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 07/17

Schluss mit dem Wohlfühldiskurs!

René Scheu hat sich durch die Lektüre von Carlo Strenger an die Historizität des Liberalismus erinnert. In der NZZ ruft er nicht ohne elitären Gestus dazu auf, das bisherige Zivilisationsmodell nicht für selbstverständlich zu halten und damit aufs Spiel zu setzen, sondern es durch tätigen Einsatz gegen politisch-korrekte „Denk“verbote am Leben zu erhalten. (14.02.17)

Machiavelli als Berufsbild

Ohne Stephen Bannon und Kellyanne Conway beim Namen zu nennen, weil er sich nämlich ganz auf die Renaissance konzentriert, schreibt Peter Sloterdijk elendslang in der NZZ über Kunst und Macht des Sophisten. Schon in der Antike hatten Mächtige gern solche Leute im Mitarbeiterstab - bis es aber um das interessante Verhältnis zwischen ihnen geht, sind einige Abschweifungen zu durchlesen. (18.02.17)

Gegenwehr im Krieg gegen die Wahrheit

Schon im Wahlkampf und mehr noch im Amt versucht Donald Trump die Idee von Wahrheit lächerlich zu machen. Sein daraus entstehender Hauptfeind, die Presse, hat bereits mobil gemacht, nun folgen die Wissenschaftler, wie Christoph Drösser für die ZEIT aus den USA berichtet, wo evidenzfreie Gefühlspolitik ja schon länger angesagt ist. (17.02.17)

Das Weitere und Engere:

Nebenan bei Glanz & Elend wird Michael Tomasellos „Naturgeschichte der menschlichen Moral“ recht ausführlich besprochen. +++ Die WELT stellt Lorenz Jägers Biographie Walter Benjamins vor, die „Das Leben eines Unvollendeten“ von seinem Suizid auf der Flucht vor den Nazis aus schildert. +++ Im Dezember machte ein Artikel des Schweizer Magazin auch hier die Runde, der den Beitrag einer Big-Data-gestützten Politikberatungsfirma zu den Siegen der Brexit- und Trumpkampagne darstellte. Erste Zweifel tauchten schnell auf, inzwischen ist das ganze zum bloßen Marketingtrick der betreffenden Firma reduziert, wie BuzzFeed meldet. +++ Bei Telepolis erklärt der Mailänder Philosoph Diego Fusaro, warum die Universität 150 Jahre nach John Stuart Mills Rektoratsrede tot ist.


Links der Woche am 10.12.2016, 14:16 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 50/16

Der Wahn als Politikum

Für die ZEIT unterhalten sich Ulrich Schnabel und Martin Spiewak mit Michael Butter, der über Verschwörungstheorien und ihre Anhänger forscht. Das Internet hat ihnen, ihren Wahnlieferanten und politischen Profiteuren ganz neue Möglichkeiten erschlossen. Grund für die wachsende Massenhysterie ist die Aufklärung und die Verunsicherung insbesondere weißer Männer. (01.12.16)

Die große Regression

2016 ist ein Erfolgsjahr für Hetzer und ihre Anhänger. Für die ZEIT hat Gero von Randow u.a. seinen Adorno hervorgeholt, um sich einen Reim auf das Comeback des autoritären Charakters zu machen. Damals wie heute ist es die Freude an Regression und Entzivilisierung, die Agitatoren und Demagogen beflügelt, weshalb es nicht an Globalisierung und Internet liegen kann. (01.12.16)

Black Box Wähler

Dieser Text machte diese Woche die große Runde: Mikael Krogerus und Hannes Grassegger portraitieren für Das Magazin den Big-Data-Forscher Michal Kosinski, der eine psychometrische Methode entwickelt hat, um Botschaften passgenau an den jeweiligen Mann zu bringen, welche von einer Politberatungsfirma benutzt worden sein soll, um die Siege der Brexiteers und Trumps zu befördern. (03.12.16)

Demokratie oder Leitkultur

Martin Seel weist in der FR den populistischen Begriff der „Leitkultur“ zurück, der eine suggestive Chiffre ohne vernünftige Grundlage ist. Der Inhalt des Begriffs - Christentum, Demokratie, Sprache oder gemeinsame Werte? - ist unklar bis widersprüchlich. Sinnvoller wäre es, Tugenden und das Recht einzuüben. (04.12.16)

Die demütige Elite

Kein Geringerer als Stephen Hawking schreibt im Guardian bzw. Freitag gegen die zunehmende Ungleichheit in der Welt an, schließlich empfindet er sich als Teil der verhassten Elite. Der Fortschritt geht weiter und mit ihm die sozialen Verwerfungen. Um sie im In- und Ausland abzufedern und die großen Herausforderungen zu meistern, vor denen die Menschheit steht, ist Zusammenarbeit gefragt. (05.12.16)

Erlösung von der Staatsidee durch Inkompetenz

In der ZEIT plaudert Peter Sloterdijk von einem Abendessen mit Condoleezza Rice. Den Trump-Schock hatte man schon verdaut, aber das Unbehagen in der Demokratie, die nicht sicher vor der Selbstabschaffung ist, bleibt. Sloti denkt über Idioten und Populismus nach und sagt ein Attentat auf Trump voraus. (07.12.16)

Es ist okay, bedürftig und hilflos zu sein.

Für ZEIT Campus führt Silke Weber ein Interview mit Martha Nussbaum über die politische Bedeutung von Gefühlen. Liebe und Mitgefühl sind notwendig für das Funktionieren einer Gesellschaft und Triebkraft liberaler und emanzipatorischer Bewegungen, während Rechtspopulisten vor allem Hass und Angst für sich instrumentalisieren. (08.12.16)

Neue Bücher

Der Soziologe Frank Adloff bespricht im Freitag Judith Butlers Utopie politischer Versammlungen. +++ Die NZZ zeigt sich hin und hergerissen von Peter-André Alts kiloschwerer Biographie Sigmund Freuds. +++ Die taz stellt den Essayband „Kosmopolitismus ohne Illusionen“ vor, in dem Seyla Benhabib Hoffnung macht, dass es mit Menschenrechten und Liberalismus doch noch nicht ganz zu Ende geht.

Unn sünst?

Reinhard Jellen unterhält sich für Telepolis mit Oliver Nachtwey über sein Buch „Abstiegsgesellschaft“ und wie der Kapitalismus vom Wachstum zum Ausschluss übergegangen ist. +++ Die FAZ weist auf einen soziologischen Aufsatz von Bettina Heintz hin, der untersucht, was und wie wir Dinge miteinander vergleichen können, sollen und dürfen. +++ Jeder kennt und schätzt das „Des Teufels Wörterbuch“ von Ambrose Bierce, so auch die Kollegen von The Verge. Die haben eine Fortsetzung der Sarkasmusbibel für das 21. Jahrhundert verfasst, die inhaltlich okay ist, aber vor allem zeigt, dass schöne Typographie im Internet doch möglich ist. +++ So lachen die Kartoffeln: David Hugendick hat sich für die ZEIT bei einem Auftritt Mario Barths in Dresden umgesehen. +++ Die NZZ wiederum berichtet von einem Auftritt Alain Badious in Zürich. +++ In gut einer Woche erscheint Lichtwolf Nr. 56 zum saisonal passenden Titelthema Gebäck: Drinnen geht es u.a. um Brot und Bier, Tortenverbot, Spinnen, Postfaktizität und Sokrates im Krieg. Vielleicht möchten Sie ja abonnieren - oder ein Abo verschenken...?


Links der Woche am 10.09.2016, 14:22 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 37/16

Die Realität der Bildungsrepublik

Bei Telepolis gibt es einen langen, sehr guten Text von Britta Ohm über das neue akademische Prekariat, der im Jobcenter beginnt, wo man nichts mit promovierten Akademikern anzufangen weiß, obwohl der Staat viel Geld in sie investiert hat und sich als Bildungsstandort inszeniert. Die deutsche Bildungspolitik allerdings ist, wie Ohm an der Exzellenzinitiative zeigt, wissenschaftsfeindlich. (06.09.16)

Hobby wider die Verflachung

Im Uniblog der FAZ wendet sich Michael G. Gromotka gegen das Bild von Geisteswissenschaftlern als „fehlgeleitete Schwärmer, deren Hobby [vom Staat] zu finanzieren ist“. Die Realität sieht ähnlich wie bei Britta Ohm aus: Die Universität lässt ihren geisteswissenschaftlichen Nachwuchs am ausgestreckten Arm verhungern, was durch die Bologna-Reformen noch verschärft wurde. Dem stellt Gromotka seine Ideen für eine akademische Zukunft der Geistis entgegen. (09.09.16)

Balkanisierung des Diskurses

Philip Faigle und Sascha Venohr unterhalten sich für die ZEIT mit dem Medienjournalisten Gerret von Nordheim über Bestätigungsfehler und Filterblasen, die er nach dem Amoklauf von München anhand von Twitter-Nachrichten messen und visualisieren konnte. Poppers Traum von der kritisch-rationalen offenen Gesellschaft sieht er demnach in Gefahr. (09.09.16)

Mikro-Aggression und Trigger-Warnungen

In der NZZ überlegt der um keine originelle These verlegene Hans Ulrich Gumbrecht, ob politische Korrektheit eine neue Jugendbewegung à la 1968 sein könnte. Anlass ist ein Rüffel, den sich Gumbrecht eingehandelt hat, und derartig motiviert betrachtet er - trotzdem sine ira et studio - den modernen Moralismus seiner Studenten, dessen Vorzüge in globalisierten Zeiten er einsieht. (10.09.16)

Bücher, Bücher, Bücher

Star Trek wird in diesen Tagen 50 und aus diesem Anlass wird im Wissenteil der FAZ Metin Tolans Buch über die Physik des Raumschiffs Enterprise und ihren Einfluss auf weltliche Wissenschaftler besprochen. +++ In der NZZ findet sich weniger eine Besprechung als eine Meditation über das Anthropozän, für das Andreas Weber in seinem Buch „Enlivenment“ eine neue poetisch-philosophische Kultur des Lebens sucht. +++ Die ZEIT stellt das Buch von Svenja Flaßpöhler vor, in dem sie anhand konkreter Biographien über das Verzeihen und den Umgang mit Schuld schreibt. +++ Die FAZ rezensiert Oliver Nachtweys „Die Abstiegsgesellschaft“, worin der Autor u.a. eine fatale Komplizenschaft des 68er-Postmaterialismus mit dem Neoliberalismus ausmacht und auf ein „Aufbegehren in der regressiven Moderne“ (Untertitel) hofft. +++ Hilal Sezgin bespricht für die ZEIT Valentin Becks Theorie der globalen Verantwortung, worin er eine Moralphilosophie für das Verhältnis des Westens zu ärmeren Weltteilen vorlegt. +++ Bei Glanz & Elend rezensiert Peter V. Brinkemper ausführlich Michel Foucaults soziologisch-philosophische Vorlesungen 1972/73, die unter dem Titel „Die Strafgesellschaft“ erschienen sind. +++ Peter Sloterdijk hat übrigens auch wieder ein Buch geschrieben, und zwar einen Roman über die Naturphilosophie des weiblichen Orgasmus. Kein Link.

Das Weitere und Engere:

David Spencer schildert im Freitag mit vielen links die individuellen und gesellschaftlichen Vorzüge einer Verkürzung der Arbeitszeit. +++ Der Freitag weist außerdem auf die Theaterfassung von Kamel Daouds Roman „Der Fall Meursault – eine Gegendarstellung“ bei der Ruhrtriennale hin. +++ Georg Seeßlen schreibt bei Getidan über die Mittelschicht, die AfD wählt aus Sorge, ihren Status (und damit ihre Identität) als umhegtes und tonangebendes Ideal im „Wohlfühlkapitalismus“ zu verlieren. +++ Andrea Köhler beschreibt in der NZZ mit Sigmund Freud die Katze mit ihren Ritualen als das konservative Tier schlechthin.


Links der Woche am 16.07.2016, 14:23 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 29/16

Die unsterbliche Alternative

Die Jugend von heute ist so unpolitisch nicht: Laura Meschede schreibt für ZEIT Campus auf, warum sie an eine kommunistische Alternative für Europa glaubt, die weniger wie eine Casting-Show und mehr wie Star Trek funktioniert. Die Zeit nach Geld und Privateigentum werden das Internet und Supercomputer regeln, wie Meschede an einigen Beispielen skizziert. (11.07.16)

Tod und Jugend

Die meisten Kinder werden durch den Tod eines Haustiers auf den Tod der Großeltern und den insgesamt vorbereitet, schreibt Ursula Kals in der FAZ und plädiert dafür, die Trauer der Kinder ernst zu nehmen und mit ihnen ehrlich über das Unvermeidliche zu sprechen; angeschlossen ist ein instruktives Interview mit der Notfallseelsorgerin Maria Pirch. (11.07.16)

Putin wird euch helfen.

Jörg Himmelreich schreibt in der NZZ anlässlich der Eröffnung einer russischen Think-Tank-Zentrale in Berlin über die Desinformationskampagnen des Kremls. Diese können sich u.a. auf Russlanddeutsche, von Arbeitslosigkeit bedrohte Militärs und Politiker und den verbreiteten Antiamerikanismus stützen, „um Putins Weltsicht und seine Bedrohungspsychose zu propagieren“. (11.07.16) (Florian Rötzer dokumentiert auf Telepolis an einem Beispiel, wie das russische Nachrichtenportal Sputnik in der Flüchtlingsdebatte Stimmung macht.)

Et cetera:

Gestern Abend erklärte Walter van Rossum in einem hörenswerten DLF-Feature, wie es der politischen Rechten nach den Vorfällen der Kölner Silvesternacht gelang, ihr Narrativ vom muslimischen Grabscher-Mob durchzusetzen. Vor ein paar Jährchen hat van Rossum übrigens ein ebenso hörenswertes Feature darüber gemacht, wie ungerecht Putins Russland (im Gegensatz zu Obamas USA) in deutschen Medien behandelt wird. +++ Die Kultusminister- und Hochschulrektorenkonferenz wollen das Bachelorstudium reformieren, damit endlich mal alles gut werde. +++ Peter Sloterdijk will nun doch kein Stichwortgeber der AfD sein, wie der Tagesspiegel meldet und Slotis jüngste Kapriolen rekapituliert. +++ Die ZEIT weist auf Anja Meyerroses 400-seitige Geschichte des Herrenanzugs als Uniform der demokratisch-kapitalistischen Moderne hin. +++ Die WELT dagegen berichtet nach dem Einstieg „Brüste gegen Kopftuch“ von einer Berliner Tagung zu islamischem Feminismus. +++ Die FAZ hat fasziniert Thomas Rids „kurze Geschichte der Kybernetik“ - eine Disziplin, die vom Militär über LSD-Phantasien in die Science Fiction abgewandert ist - gelesen. +++ Die NZZ bespricht David Gelernters Abrechnung mit dem Computermodell des Geistes, dem er mit einigen Künstlern eher ein Gezeitenmodell des Bewusstseins entgegenstellt. +++ Nebenan bei Glanz & Elend gibt es eine wenig begeisterte Besprechung von Heinz Budes Stimmungsbuch „Das Gefühl der Welt“. +++ Anlässlich des Kinostarts von Roland Emmerichs jüngstem Alien-Spektakels unterhält sich die SZ mit dem Mediävisten Johannes Fried über die (christliche) Lust an der Apokalypse und ihre lebensweltlichen Vorzüge.


Links der Woche am 04.06.2016, 14:39 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 23/16

Maschinenintelligenz und Menschenmoral

Für die ZEIT portraitiert Stefan Schmitt den gruselig guckenden Philosophen Nick Bostrom, der u.a. in seinem Buch „Superintelligenz“ vor der Auslöschung der Menschheit durch autonome Maschinen warnt und dazu reichlich Konjunktive und das Bild der von uns abgehängten Schimpansen bemüht - und trotzallem Fortschrittsoptimist bleibt. (26.05.16)

Argumente gegen Exzellenz

An den Unis benutzt man für die Exzellenzinitiative ein Doppelsprech: Nach außen hui, intern pfui, schreibt der Mannheimer Germanist Jochen Hörisch in der FAZ. Eine wachsende Zahl von Wissenschaftler_innen hat die Nase voll vom schizoiden Antragswesen und traut sich, öffentlich dagegen zu argumentieren. (29.05.16)

Grundeinkommen für niemanden

Wenn nicht mehr genug Arbeit für alle da ist, könnte man ja mal übers bedingungslose Grundeinkommen nachdenken, über das die Schweiz morgen abstimmt. Vier mehr oder weniger gute Gründe gegen diese revolutionäre Umstellung des Sozialstaats und Arbeitslebens führt Alexandra Borchardt in der SZ an. (30.05.16)

Sloterdijks Megathemen

Für die FR unterhält sich Michael Hesse mit Thilo Sarrazins Parteifreund Peter Sloterdijk über den Zerfall der Linken und der Konservativen, die SPD als Aspirin, die Wiederkehr des 19. Jahrhunderts mit Internet und über progressive „Bewahrungs- und Abgrenzungsinteressen“. (01.06.16)

Von Snowden zu Eggers und Orwell

In der FAZ schreibt Bundesverfassungsrichter a.D. Udo Di Fabio Staat und EU hinter die Löffel, sich um die Regulierung von Big Data zu kümmern. Denn nicht der Überwachungsstaat ist das Problem, sondern die von Konzernen betriebene Vorratsdatenspeicherung in einer völlig volatilen Umgebung. (01.06.16)

Die Fehler sind meistens Absicht

Letzte Woche beklagt Rainer Moritz in der NZZ das schlampige Lektorat aktueller Neuerscheinungen. Nun antwortet ihm der Verleger Tom Kraushaar in der SZ, dass man nach den Urheberrechts- und VG-Wort-Urteilen die Verlage nicht noch schlechter reden sollte, als sie eh dastehen. (03.06.16)

Neues aus Deutschland

Der Tagesspiegel stellt das Buch „Böses Denken“ vor, in dem die Kantianerin Bettina Stangneth u.a. den „schwarzen Idealismus“ Eichmanns und den Eichmann im Jedermann untersucht. +++ Hannah Bethke berichtet für die FAZ von der einstweiligen Verfügung der NPD gegen den Politologen Steffen Kailitz vom Dresdner Hannah-Arendt-Institut. +++ A.a.O. erkennt Christian Geyer in der Bürgerwehr, der Dorfpolizei und einem CDU-Politiker des sächsischen Arnsdorf das wahre Ausmaß des Rassismus in Deutschland.

Außerdemos von Sonstnochos:

Der Standard ist recht angetan von der Doku „Tomorrow“ über kleine lokale Initiativen, die nach einer Lebensweise suchen, welche nicht den ökologischen Kollaps bewirkt. +++ Die FR berichtet von einem Weimarer Symposium über Teilen und Tauschen, Geben und Nehmen; dazu passt ganz gut der vorletzte Lichtwolf mit dem Titelthema „Bitte / danke“. +++ Charity und Solidarität sind zwei verschiedene Dinge und die FAZ weist auf eine Studie über den Zusammenhang von Sozialstaat, Ungleichheit und der Wertschätzung von Solidarität hin. +++ Die FAZ gibt außerdem einen kurzen Überblick über unsere Eigenart, Handlungsfähigkeit auf alles mögliche zu projizieren. +++ Alles Fake: Zum Dritten stellt die FAZ die Ausstellung von und über Kunstfälschungen in der Heidelberger Universitätsbibliothek vor. +++ Bei Glanz & Elend bespricht Wolfram Schütte die Erinnerungen an Ernst Bloch aus der Feder seines damaligen Tübinger Studenten Gert Ueding.


Links der Woche am 09.04.2016, 14:23 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 15/16

„Die wahre Utopie ist, zu glauben, dass es so weitergehen kann.“

Für die ZEIT unterhält sich Daniel Erk mit dem Krisendeuter-wider-Willen Slavoj Žižek über den Traum von einer Insel und darüber, wie man in einer komplizierten Welt nach Durchblick, Orientierung und der Chance zur Veränderung sucht. Anstatt auf die Weltrevolution zu warten, sollte man sich einige Kämpfe aussuchen und hineinstürzen. (08.04.16)

Suizid als symbolischer Akt

Computerpionier Alan Turing nahm sich das Leben, indem er in einen vergifteten Apfel biss. Martin Burckhardt beschäftigt sich in der FAZ mit diesem „märchenhaften“ Freitod, was ihm mehr oder weniger tiefenpsychologisch vorausging und was Turing uns damit sagen wollte. (09.04.16)

Außerdemchen:

Die FAZ hat ein unappetitliches Wörterbuch des Rechtspopulismus zusammengestellt, von Genderwahn bis Lügenpresse ist alles dabei, auch der von Sloterdijk der Antike entlehnte Begriff des Thymos. (Dazu und zum Hausphilosophen der AfD siehe auch Nils Heisterhagens Kolumne im European.) +++ Außerdem berichtet die FAZ vom Streit innerhalb der Volkswirtschaftslehre über den eindimensionalen Tunnelblick der Disziplin, die dadurch ihr kritisches Potential einbüßt. +++ Apropos: Die taz berichtet von einem Auftritt Paul Masons, bei dem dieser sein Buch „Postkapitalismus“ (über die Überwindung des Neoliberalismus vermittels seiner selbst) vorstellte. +++ Bliebe noch die Verwaltung: Die FR vermeldet kurz ein Streitgespräch zwischen David Graeber und Axel Honneth über Bürokratie und Sozialismus. +++ Das „Recht auf Stadt“ wurde erstmals 1968 von Henri Lefebvre formuliert, dessen marxistische Analyse der „Urbanisierung“ nun auch auf Deutsch erscheint, wie Florian Schmid im Freitag schreibt. +++ Die NZZ stellt den auf 40 Bände (!) ausgelegten „Grundriss der Geschichte der Philosophie“ vor, dessen fünf Bände zur Philosophie der Aufklärung im 18. Jahrhundert nun vorliegen. +++ Deutlich kürzer und preiswerter ist der aktuelle Lichtwolf zum Thema „Schloch“, den es auch als E-Book für Kindle und im epub-Format gibt.


Links der Woche am 02.04.2016, 20:10 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 14/16

Unutopisches Utopia

In diesen Tagen wird Thomas Morus’ „Utopia“ ein halbes Jahrtausend alt. Aus diesem Anlass beschäftigt sich Joe Dramiga bei den Scilogs mit dem genrebegründende Opus, dessen Gemeinwesen Dramiga zwar für einen Albtraum hält, aber dennoch oder darum einige Auszüge zur Lektüre zusammengestellt hat, die die Tücken des Begriffes „Gemeinwesen“ deutlich machen. (26.03.16)

Fusselbart und Samenstau, ich studier’ Maschinenbau!

Jürgen Kaube als Chef des FAZ-Feu und oberster Geisteswissenschaftler beschäftigt sich mit biographischen Studien über Islamisten, die ungewöhnlich oft ein technisches Studium absolviert haben - wie übrigens auch eine überdurchschnittliche Zahl von Rechtsextremisten. Religion erklärt demnach gar nichts. (29.03.16)

US-Hegelianer erklärt die Weltlage

In der ZEIT führen Michael Thumann und Thomas Assheuer ein ausführliches Interview mit dem Politikwissenschaftler Francis Fukuyama, der 1992 das Ende der Geschichte ausrief. Nun erklärt er, wie er das im Sinne von Hegel und Marx meinte, außerdem geht es u.a. um populistisches Ressentiment als Reaktion auf Ungleichheit und als Gefahr für die liberale Demokratie. (31.03.16)

Das eigene Leben im Ererbten

Andrea Köhler fragt im Rahmen der Reihe „Wie wir wurden, was wir sind“ in der NZZ, was es heißt, ein Kind seiner Eltern und seiner Zeit zu sein. In jeder Genealogie stecken Geschichte und Traditionen, die von Generation zu Generation wörtlich und im übertragenen Sinne vererbt werden - was das eigene Leben erschwert. (02.04.16)

Pegidisten haben keinen Bock mehr.

In der Begeisterung der Pegidisten für Putin, Orban & Co. zeigt sich mal wieder die Sehnsucht des Volkes nach dem „starken Führer“ durch demokratische Aufhebung der Demokratie, wie sie seit deren griechischen Anfängen bekannt und gefürchtet ist. Im Tagesspiegel führt der Politologe Herfried Münkler das Phänomen mit Étienne de La Boétie und Oswald Spengler auf politische Überforderung des Wahlvolks zurück. (02.04.16)

Außerdemos von Sonstnochos:

Nicht ganz überzeugt bespricht der Freitag Heinz Budes neues Buch „Das Gefühl der Welt“, worin der Soziologe u.a. von Heideggers Begriff der „Gestimmtheit“ ausgehend „der erotischen Musikalität der gesellschaftlichen Verhältnisse“ auf den Grund geht. Die WELT unterhält sich mit Bude über die gereizte Stimmung insbesondere in Ostdeutschland und die politische Hasskultur der USA. +++ Der Standard rezensiert nicht nur Peter Sloterdijks „Was geschah im 20. Jahrhundert?“, sondern versucht das Buch auch in den Kontext von Slotis jüngstem „Lob der Grenze“ zu setzen. +++ Telepolis stellt kurz Giorgio Agambens Essay über die eschatologische Signalwirkung des Rücktritts von Papst Benedikt XVI. vor. +++ Der Freitag zeigt sich ob des reaktionären Tons und einer fehlenden Vision verstört vom Buch „Lehrerdämmerung: Was die neue Lernkultur in Schulen anrichtet“ aus der Feder Christoph Türckes. +++ Die FAZ ist schwer enttäuscht wegen editorischer Fehler im ersten Band von Henry David Thoreaus übersetzten Tagebüchern. +++ Die FAZ stellt einige transdisziplinäre Denker vor, die sich um die wissenschaftliche Aufarbeitung des schwierigen Verhältnisses zwischen Geopolitik und Völkerrecht verdient gemacht haben. +++ Im Freitag würdigt Nils Markwardt die „Zeitschrift für Ideengeschichte“ zum 10. Geburtstag für ihre Titelthemen Altgier und Party.


Links der Woche am 26.03.2016, 16:48 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 13/16

Immer noch fürs big picture da.

Für Telepolis unterhält sich Reinhard Jellen mit dem Wissenschaftsphilosophen Klaus Mainzer darüber, wie die Naturwissenschaften der Philosophie den Rang abliefen, warum diese aber immer noch allein für den Gesamtzusammenhang zuständig ist - insbesondere im Angesicht der Algorithmisierung der Welt. (19.03.16)

Erkennen, verstehen, verändern

Aufklärung hat es heutzutage schwer. Sie „geschieht nicht“, wie Georg Seeßlen in seinem Blog bemerkt. Sodann wirbt er für die soziale Praxis z.B. des Dialogs als Erkenntnisprozess, der seinen Gegenstand emanzipiert, nicht unterwirft; dies, indem Ursachen von Gründen unterschieden werden. Am Ende stünde ein Wissen, das zur Veränderung führt. (24.03.16)

Die Wahrheit muss draußen bleiben

Immer wieder mal geht es im Feuilleton ums Feuilleton. Diesmal legt René Scheu in der NZZ vor: Seit Kants Zeiten ist die Öffentlichkeit nicht zuletzt durch die Balkanisierung des digitalen Diskurses zersplittert, weshalb die paranoische Vernunft fröhlich Urständ feiert - obwohl wir es im Netz nur mit uns selbst zu tun haben. Nicht so die Feuilletonisten. (26.03.16)

Gutes Gedenke zur Flüchtlingsdebatte

Auch Mark Siemons befasst sich in der FAZ mit der neuen Ungewissheit über die gemeinsamen Grundlagen des politischen Zusammenlebens und den gegenseitigen Vorwurf der Verblendung in der Flüchtlingsdebatte, bei der Siemons Carl Schmitt, Hannah Arendt und Giorgio Agamben zu Rate zieht. Michael Angele blickt im Freitag auf Namen, Strukturen und Taktiken deutscher Rechtsintellektueller, die sich mit Ernst Jünger im Gepäck als Widerstandskämpfer gegen Merkels Flüchtlingspolitik inszenieren. Dem geistigen Junkertum à la Sloterdijk et.al. widmet auch Christoph Baumgarten eine taz-Kolumne. Alain Badiou gibt im Interview mit Nils Markwardt ebenfalls im Freitag zu Protokoll, dass die Krise ein gutes Beispiel für seinen Begriff des Ereignisses ist, Flüchtlingsströme notwendig zu unserem Kapitalismus gehören und Integration ohne Kommunismus keine Lösung ist.

Foucault ein Neoliberaler?

Seit nicht mehr allzu Neuestem wird erwogen, Michel Foucault z.B. wegen seines Begriffs der Gouvernementalität in die Reihe der Vordenker des Neoliberalismus zu stellen. Freitag-Community-Mitglied Georg Simmerl zeichnet in einem sechsseitigen Essay die Debatte nach, liefert Anhaltspunkte und Buchtipps sowie eine Diagnose, woran die Linke (wie in der Debatte zu erkennen) krankt. Im Theorieblog kann man den ganzen Essay am Stück lesen. Einer der erwähnten Autoren hat dem Jacobin vor zwei Jahren übrigens ein Interview zum Thema gegeben.

Weiteres und Engeres:

Die NZZ kommentiert den Sieg der Maschinen in einer Disziplin, in der sich der Mensch noch für länger sicher vor der Künstlichen Intelligenz wähnte: dem Go-Spiel. +++ Nietzsches Geburts- und Grabort Röcken in Sachsen-Anhalt tat sich stets schwer mit dem berühmten Sohn. Nun aber will die Gemeinde, wie die FAZ meldet, sich zum angemessenen Pilgerort für Nietzscheaner mausern. +++ Zum 500. Jubiläum würdigt die NZZ die griechisch-lateinische Ausgabe des Neuen Testaments von Erasmus von Rotterdam.

Papier zum Lesen:

Die FR stellt die beiden Philo-Zeitschriften „Orient und Okzident“ und „Konzepte“ vor, die sich der denkerischen Beziehung zwischen den beiden vertikalen Hemisphären verschreiben. +++ Alexander Wendt ist depressiv und Wissenschaftsjournalist, der über seine Erkrankung ein Buch geschrieben hat, auf das die FAZ hinweist. +++ Recht unentschieden rezensiert die FAZ Harry G. Frankfurts Buch „Ungleichheit“, das sich auf ein rein ökonomisches Verständnis des Begriffs und ein „Genug reicht.“ kapriziert, wie der Untertitel „Warum wir nicht alle gleich viel haben müssen“ verrät. +++ Auch die Jüdische Allgemeine bespricht Carlos Fraenkels Buch „Mit Platon in Palästina. Vom Nutzen der Philosophie in einer zerrissenen Welt“, findet den Ansatz sympathisch, aber auch idealistisch. +++ Neues aus Walden: Der Humanistische Pressedienst rezensiert den ersten von Thoreaus zwölf Tagebuchbänden, der Vögeln große Aufmerksamkeit schenkt. Nicht, was Sie jetzt wieder denken! „Die Wachholderdrossel ist ein modernerer Philosoph als Platon oder Aristoteles.“ +++ Ein Wiener Verlag legt Graham Greenes „Der dritte Mann“ neu auf, wie der Standard meldet. Warum die Hauptfigur Harry Lime ein ziemliches Schloch ist, erklärt Wolfgang Schröder im aktuellen Lichtwolf, den es seit dieser Woche übrigens auch als E-Book für Kindle und im epub-Format gibt.


Links der Woche am 19.03.2016, 15:09 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 12/16

Szientismus, Hoax und Bullshit

Vor 20 Jahren führte der Physiker Alan Sokal die Geisteswissenschaften vor, indem er ein unsinniges „Textgebräu aus physikalischen und philosophischen Versatzstücken“ in einer sozialwissenschaftlichen Fachzeitschrift unterbringen konnte. In der NZZ blickt Sven Titz auf die Sokal-Affäre zurück und den Bruch zwischen geistes- und naturwissenschaftlicher Kultur, der damit zu Tage trat. (13.03.16)

Frankfurt ist verstummt.

Joachim Güntner blickt in der NZZ wenig gnädig auf das, was bald ein halbes Jahrhundert nach den Studentenunruhen der 68er von der Frankfurter Schule übrig ist. So habe sie den (nicht unproblematischen) Wandel in Kultur und Gesellschaft mehr geprägt als andere Denkschulen - und sich totgesiegt. Die Negativität ihrer Kritik ist erloschen, die Vordenker sind vergessen, ihre Nachfolger übervorsichtig. (19.03.16)

Lebende und Tote

In der FAZ würdigt Jürgen Kaube den diese Woche verstorbenen Hilary Putnam als Wirklichkeitsphilosophen. +++ In der laufenden Sloterdijk-Debatte verteidigt Herfried Münkler seine Analytik strategischen Handelns in der Flüchtlingspolitik und sieht den „mit dunklen Metaphern Gedankenschwere“ simulierenden Intellektuellen abdanken. Auch die FR blickt auf den öffentlich inszenierten Streit zurück und findet, Schlotterdeik verlaufe sich mit seinem aktuellen Essayband im Metapherndschungel. Auch der Schriftsteller Rafik Schami stieg diese Woche in den Ring, um Sloti und anderen Rechtsdenkern Rassismus und Islamophobie vorzuwerfen, wie die SZ meldet.

Bücher, Bücher, Bücher

Zur Leipziger Buchmesse fragt sich die FAZ, warum es zur Zeit in so vielen Büchern um Tiere geht. +++ Die taz bespricht Félix Guattaris „Schriften zur Kunst“. +++ Der Freitag stellt Kamel Daouds Replik auf Camus’ „Fremden“ vor, die den Autor ins Visier von Islamisten geraten ließ; auch die NZZ rezensiert den Titel. +++ Die SZ zeigt sich enttäuscht vom Buch der Soziologin Saskia Sassen über den neuen, Armut produzierenden Kapitalismus. +++ In der NZZ stellt ein faszinierter Ludger Lütkehaus Ernst Peter Fischers Naturgeschichte der Dunkelheit vor. +++ Apropos: Ab morgen gibt es den neuen Lichtwolf hier im Einkaufszentrum oder für zum Abonnieren.


Links der Woche am 12.03.2016, 14:33 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 11/16

Müll als Sinnbild

Für die NZZ hat sich Roman Bucheli recht poetisch mit dem Zeichen unserer Zeit befasst, nämlich dem Müll und unserem Umgang damit: „Wir mögen zwar immer mehr davon hervorbringen, aber wir sehen trotzdem (oder vielleicht gerade darum) immer weniger davon.“ Philosophisch wäre es, genau hinzusehen. (12.03.16)

Sloterdijk rettet Deutschland

Im Februar gab Peter Sloterdijk dem Cicero ein Interview zur deutschen Flüchtlingspolitik, mit dem er sich („Souveränitätsverzicht“, „Überrollung Deutschlands“, „Lügenäther“) in die Riege der nationalkonservativen Denker einreihte. Dafür erhielt er mächtig Flak, u.a. von Herfried Münkler, gegen die er sich nun in der ZEIT zur Wehr setzt, indem er den Sozialkrisengewinnlern (Journalisten, Politologen und Soziologen) vorwirft, in pawlowscher Art reflexdressiert zu sein, und auf seiner Skepsis gegenüber der Willkommenskultur beharrt. Daraufhin meldet sich ebd. der Soziologe Armin Nassehi mit einer Gegenrede zur Gegenrede als gleichfalls Gemeinter zu Wort und liefert noch einmal Belege für seinen Vorwurf, Sloti und Safranski bedienten „genau jene Semantik, von der rechte und rechtsintellektuelle Invektiven derzeit leben.“ Nebenbei sind einige von Schlotterdeiks Essays unter dem irreführenden Titel „Was geschah im 20. Jahrhundert?“ als Buch erschienen, das Andreas Rödder in der FAZ nicht so überzeugt, während Ingo Arend bei Getidan Sloterdijk durch seine Essays gar vom Ruch des Nationalkonservativismus befreit sieht. Florian Rötzer hat sich für Telepolis mit dem Sloterdijk-Schüler Marc Jongen beschäftigt, der in Götz Kubitscheks rechtsnationaler Zeitschrift gefeiert wird als derjenige, der dem AfD-Wutbürgertum die philosophischen Weihen verpasst.

Was ist bloß los mit den Leuten?

...wollte die FR vom Soziologen Heinz Bude wissen, der im Interview erklärt, warum die Deutschen gerade so mega unentspannt sind. (Ihnen fehlt eine positive Zukunuftsvision.) André Kieserling guckt in der FAZ darauf, wie wichtig es in der Konkurrenzgesellschaft ist, Eindruck zu machen, und was mit den Verlierern dieses Dauerspielchens wird. Und ginge es auch anders als mit Aufwallungen innerhalb der eigenen Filterblase? Fridtjof Küchemann stellt ebenfalls in der FAZ das litauische Start-up-Netzwerk „Plag“ vor, das es nur als App gibt und dessen „unsozialer“ Ansatz („Deine Meinung ist nichts wert.“) eine ungeahnte Debattenkultur hervorbringt. Bei Netz gegen Nazis gibt es übrigens für alle, die weiter in den klassischen asozialen Netzwerken unterwegs sind, eine nützliche Übersicht über rechtspopulistische Gesprächsstrategien.

Et cetera:

Die NZZ stellt das Buch von Carlos Fraenkel vor, der mit altem philosophischen Kopfwerkzeug u.a. im Nahostkonflikt und anderen Krisengebieten vermittelt hat. +++ Apropos: Heute Abend ab 23:05 Uhr geht es im DLF in der Langen Nacht um Konflikt, Mediation und Dialog. +++ Und weil Radio halt generell gut ist, seien hier auch mal die Sendungen Essay und Diskurs (sonntags, 9:30 Uhr, DLF) und Sein und Streit (samstags, 13:05 Uhr, Deutschlandradio Kultur) live oder als Podcast empfohlen. +++ Mindestens so gut übrigens wird der neue Lichtwolf, der in einer Woche zum Titelthema „Schloch“ erscheint. Als Abonnentin können Sie ganz vorne mit dabei sein beim unwahrscheinlichsten Magazin der Welt.

Und wenn Sie in einem Bundesland mit Bindestrich leben: Morgen wählen gehen!, auch wenn in Ihrem Bindestrichland gerade keine Wahl sein sollte!


Links der Woche am 20.02.2016, 16:46 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 08/16

Hannah Arendt über Sokrates

Im Freitag würdigt Jürgen Busche Hannah Arendts Vorlesung über Sokrates als Buch der Stunde. Darin geht es um die Verachtung der Sophisterei, das Lob des Meinungspluralismus und warum das Denken nicht im Relativismus endet, sondern erst anfängt - und als Philosophie keine Realisierung braucht, um zu wirken. (17.02.16)

Peterchens Mondfahrt

Peter Sloterdijk schreibt in der NZZ einen langen Essay über den „dramatischen Zuwachs“ an Möglichkeiten, die die Technik uns eröffnet. Im Falle der Raumfahrt hat das jedoch eine neue Qualität: Raumstationen als ontologische Implantate im Nichts bringen ein In-der-Welt-Sein und eine Zwei-Wege-Transzendenz neuer Art hervor. (20.02.16)

„Stunde der politischen Terribles Simplificateurs“

Der Psychologe Carlo Strenger appelliert in der NZZ an die Citoyens, in den einander durchdringenden Krisen mutig und vernünftig zu bleiben, also nicht auf Polarisierungen, Populismen und vermeintlich einfache Lösungen hereinzufallen. Stattdessen sollten sie ihre Werte ohne falsche Scheu verteidigen und sich in etwas üben, was Strenger „zivilisierte Verachtung“ nennt. (20.02.16)

Camus reloaded

Kamel Daoud hat Albert Camus’ Romandebut neu verfasst, und zwar aus der Perspektive des Bruders des Arabers, der von Meursault erschossen wird. Für die FAZ unterhält sich Annabelle Hirsch mit Daoud über aktuelle Konflikte zwischen der arabischen und der westlichen Welt. Tobias Lehmkuhl zeigt sich in der SZ ziemlich enttäuscht von dem Roman, dessen Autor die Originalvorlage wohl nicht recht verstanden hat.

Neue deutsche Lautstärke

In der taz schlägt Tilman Baumgärtel nach, was sich vom Soziologen Gustave Le Bon lernen lässt über massenhafte Schreihälse on- wie offline; übrigens auch eines der Themen im nächsten Lichtwolf zum Oberthema „Schloch“. Für die ZEIT beschäftigt sich Volker Weiß mit dem öffentlichen Intellektuellen und streitbaren Soziologen Armin Nassehi, der sich jüngst in einem Briefwechsel mit dem Neurechten Götz Kubitschek auseinandersetzte. In der ZEIT schreibt Marion Detjen über ehrgeizige, junge Flüchtlinge, die über die hiesigen völkischen Diskurse den Glauben an Europa verlieren und sich zum Schaden des Kontinents lieber weiter gen Übersee aufmachen. Noch eine Drehung weiter machen Ulrike Guérot und Robert Menasse: In Le monde diplomatique schreiben sie über die Utopie eines wahrlich grenzenlosen Europas, in dem Platz für Städte wie Neu-Kundus oder Damaskus am Neckar ist.

Et cetera:

Das beste Wimmelbild der Welt: In einer „interactive documentary“ kann man sich den Garten der Gelüste von Hieronymus Bosch bis ins Detail begucken - und erklären lassen. +++ Im FAZ-Lesesaal beugt man sich gerade gemeinsam über Melvilles „Bartleby, der Schreiber“, und zwar übers gesamte (gemeinfreie) Buch. +++ Seit den 60ern ist alles irgendwie komplex. Die FAZ bespricht das Buch der Zeithistorikerin Ariane Leendertz über die semantische Karriere des Begriffs. +++ Der Freitag stellt drei Neuerscheinungen über Philologie und Philosophie in Afrika vor.


Links der Woche am 30.01.2016, 15:44 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 05/16

Philosophie und Wissenschaft

Für Telepolis unterhält sich Reinhard Jellen mit dem Münsteraner Philosophieprof Kurt Bayertz über Unterschiede und Ergänzungen zwischen Philosophie und Wissenschaften, die sich mehr oder weniger gut auseinanderhalten lassen. Die Philosophie könnte helfen, die allzu leicht ökonomisch ausgerichteten Wissenschaften wieder humanistisch anzubinden, außerdem geht es um Postmoderne und Ideologie. (24.01.16)

Žižeks Leitkultur

René Scheu setzt sich in einem langen NZZ-Interview mit Slavoj Žižek auseinander. Es geht um Altersmisanthropie, doofe Studenten, liberale Tabus, die deutsche Flüchtlingspolitik, Kulturrelativismus und die Kapitalistenschweine, die vom Chaos in der Welt profitieren. (30.01.16)

Grundlagen der bürgerlichen Gesellschaft

Nun, da Flüchtlingen an diversen europäischen Grenzen die Wertsachen abgenommen werden (sollen), überlegt Thomas Steinfeld in der SZ, was das bedeutet, wenn Person und Eigentum einander hegelianisch bedingen. Indem ihnen die Verfügungsgewalt über sich selbst genommen wird, sind Geflüchtete aufs nackte Menschsein reduziert und davon ausgeschlossen, Rechtssubjekte zu werden. (27.01.16)

Außerdemchen:

Peter Sloterdijk plappert im Cicero PEGIDA-Parolen nach, schreibt der Tagesspiegel, und in der WELT kommt ausgerechnet vom doofen Ulf Poschardt eine Gegenrede. +++ Christoph Drösser schreibt in der ZEIT einen hymnischen Nachruf auf Marvin Minsky: Der KI-Pionier und Hirn-Backupper ist diese Woche mit 88 gestorben. +++ Telepolis weist auf eine Studie hin, die ein mathematisches Modell dafür liefert, wann große Verschwörungen auffliegen. +++ Adornos „Erziehung nach Auschwitz“ wird in diesem Jahr ein halbes Jahrhundert alt, ist aber aktueller denn je, weshalb die Uni Frankfurt zum Symposium einlud, von dem Christian Füller für den Freitag berichtet. +++ Die NZZ bespricht Hans Peter Duerrs ebenso voluminöses wie trostfreies Kompendium der Nahtod-Erfahrungen. +++ In der taz wundert sich Micha Brumlik, warum noch immer so viele an Heidegger festhalten, obwohl die Schwarzen Hefte seinen Antisemitismus offenbart haben und er zum Stichwortgeber der Israelkritik geworden ist.


Links der Woche am 29.08.2015, 14:29 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 35/15

Palaver übers Einzelne

Michael Pauen hat mit Harald Welzer ein Buch über Autonomie und Konformität geschrieben und unterhält sich auf Telepolis mit Manuel Schumann just darüber sowie über die Ableitungen wie Datenschutz und die nötigen Abgrenzungen zu Narzissmus, Chaos und digitalem Mobwesen. (23.08.15)

Nietzsche gefällt das (nicht mehr)

Antisemitische Wagnerianer werden von JHWE bestraft, indem sie nach jahrzehntelanger Warterei auf Tickets für die Bayreuther Festspiele ebendort neben dem fülligen, schnaufenden Peter Sloterdijk platziert werden. Der lässt sich in der ZEIT wiederum ausführlich und unnachahmlich über seinen Trip zum grünen Hügel aus. (25.08.15)

Menschheit aus Unruhe und Zwietracht

Hans Magnus Enzensberger hat es schon immer gewusst, schreibt Martin Meyer in der NZZ und empfiehlt daher die hellsichtigen Essays des HME zur Relektüre, für die sich die ergänzte Neuauflage seiner jahrzehntealten Essays über Migration, den molekularen Bürgerkrieg in Europas Städten und Gotteskrieger bestens eignet. (29.08.15)

Flucht und Fremdenfeindlichkeit

Michael Jäger empfiehlt im Freitag, in Dresden schleunigst Aischylos’ Tragödie „Die Schutzflehenden“ aufzuführen. In der taz beobachtet Georg Seeßlen die Rückkehr des hässlichen Deutschen, der von Demokratie, Aufklärung und Humanismus nichts mehr wissen will, wenn das Agambensche Dispositiv lockt. Die NZZ bespricht Achille Mbembes nun auch auf Deutsch vorliegende „Kritik der schwarzen Vernunft“, die den Residuen von Sklaverei, Kolonisierung und Apartheid im eurozentrischen Denken nachspürt.

Die Maschine denkt mit

Kürzlich hatten wir es schon einmal mit den juristischen und ethischen Herausforderungen, die eine zunehmend autonome Technologie u.a. im Straßenverkehr mit sich bringt. Hans-Arthur Marsiske fasst sie bei Telepolis zusammen, stellt einige Maschinenethiker sowie das Trolley-Problem und den guten alten Isaac Asimow als Ratgeber vor. In der NZZ befasst sich auch Eduard Kaeser mit denkenden Maschinen und der Berechnung von Phi, also dem Grad ihres Bewusstseins. Die Maschinen steuern unsere Autos, pflegen unsere Lieben und lösen unsere logisch-mathematischen Probleme, wie Markus Pössel in den Scilogs über automatisierte Beweisverfahren schreibt und dabei nicht außer acht lässt, dass sie auch von Experten kaum noch zu verstehen sind.

Außerdemos von Sonstnochos

Die SZ bespricht den jüngsten Essay von Byung-Chul Han, in dem dieser dem Schönen das disruptive Element jenseits von Gefälltmirbarkeit zurückgeben möchte. +++ Nebenan bei Glanz & Elend würdigt Wolfram Schütte zum 90. Geburtstag den Kulturpolitiker Hilmar Hoffmann, der - wie der jüngst verstorbene Egon Bahr - halt noch Sozialdemokrat im Wortsinn war. +++ Die NZZ stellt uns die Streitschrift vor, in der Rudolf Langthaler (u.a. mit Kant Thomas Nagel) den Naturalismus des Atheismuspapstes Richard Dawkins auseinandernimmt. +++ Unterwegs sein: Fast schon im Ton eines guten, vertrauenswürdigen Heidegger geht, denkt und schreibt Georg Seeßlen dem Pfad nach. (Nachdenken, nie folgen!)


Links der Woche am 16.11.2014, 14:23 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 46/14

Titten aus Beton

Das SZ-Magazin unterhält sich ausführlichst mit Peter Sloterdijk über sein Leben - von Geburtstraumata über die Schulzeit und grenzdebiles Rammeln bis hin zu der Habermas-Feindschaft und dem Selbstbewusstsein als Bestseller-Großdenker.

Unn sünst?

Dass an den Unis nur eine Minderheit gut verdient, ist bekannt. Die FAZ berichtet vom wachsenden Unmut über die prekäre Situation von Lehrbeauftragten. +++ Apropos: Die ZEIT beschäftigt sich mit Ratgebern für den gutgelaunten Unternehmer seiner Selbst, der wir alle sein sollen. +++ Die WELT bespricht Bettina Suleimans Roman über Verhaltensforschung und die Dialektik von Wildnis und Kultur. +++ Carl Schmitts Tagebücher aus den Jahren 1921-24 führen uns einen liebeskranken Neurotiker vor, wie die NZZ in ihrer Besprechung bemerkt.


Links der Woche am 11.10.2014, 14:23 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 41/14

Pazifistisches Dilemma

Der evangelische Bischof Wolfgang Huber setzt sich in der FAZ fundiert mit der Nähe von Religion und Gewalt auseinander. Anlass ist der anhaltende Terror der IS-Miliz und die Unsicherheit, wie ihm zu begegnen wäre. Darf oder muss man töten, um das Tötungsverbot durchzusetzen? (07.10.14)

Gemeinsam gegen den Rest der Welt

Affen arbeiten nicht so eng zusammen wie Menschen, schlachten einander aber nicht so massenorganisiert ab wie diese, urteilt der Verhaltensforscher Michael Tomasello. Im Gespräch mit der ZEIT erklärt er die Geburt von Denken und Moral aus dem Geist der Kooperation, warum Hegel recht hat und was das für den Umgang mit IS und Klimawandel bedeutet. (10.10.14)

Keine Zeit für Freiheit

Überall ist gern die Rede von Freiheit, was Georg Seeßlen dazu veranlasst, über den Begriff nachzudenken. Freiheit braucht wie die Wahlfreiheit, in der sie empfunden und gedacht wird, Zeit und Raum. Die Freiheit der Bewegung, der Politik und des Denkens geht stets in der Entscheidung auf, was sich immer weniger Leute zumuten wollen. (10.10.14)

Übrigens haben Seeßlen und Markus Metz vergangenen Sonntag im DLF einen Radioessay über die Dialektik von Freiheit und Kontrolle zu Gehör gebracht; kommenden Sonntag um 9:30 Uhr wird sich Walter von Rossum in der Reihe „Essay und Diskurs“ damit befassen.)

Unn sünst?

William Deresiewicz warnt davor, den Nachwuchs auf US-Elite-Unis zu schicken, wo sie zu Exzellenzschafen zombifiziert würden, wie die WELT berichtet. +++ Ausführlichst bespricht die NZZ Peter Sloterdijks nicht mehr ganz so neues Buch „Die schrecklichen Kinder der Neuzeit“ und vergleicht es gar mit Albert Camus' „Der Mensch in der Revolte“. +++ Na, sind Sie schon fleißig am Lesen, Nachdenken und Schreiben für den Essaywettbewerb von Glanz & Elend und Lichtwolf? Bis Silvester ist noch Zeit, um die Preisfrage zu beantworten: Warum gibt es etwas und nicht vielmehr nichts?


Links der Woche am 20.09.2014, 14:00 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 38/14

Die Männerfreundin

Für den Freitag hat sich Nils Markwardt mit Hélène Cixous unterhalten, einer „Pionierin der feministischen Philosophie“. Gesprächsthemen sind u.a. Medusa als Queer-Mythos, Heidegger, Derrida und Lesen als freundschaftlicher Akt. (15.09.14)

Unerzogene Kinder

Peter Sloterdijk lässt sich anlässlich seines neuen Kinderbuchs von Michael Hesse für die FR befragen zur mangelnden Kontinuität der Moderne, zu Monstern heute und früher sowie Erbsünde und Korruption. Außerdem die gute Frage: „Ist die Welt im letzten Jahrhundert besser oder schlechter geworden?“ (18.09.14)

Zurück in die Zukunft

Und noch ein Interview: Paul Schreyer unterhält sich für Telepolis mit dem Geschichtsphilosophen Hauke Ritz über die Osterweiterung als Provokation Russlands und den Ukraine-Konflikt, aber vor allem über die bis heute wirksame religiöse Prägung von Kulturkreisen und die Wiederkehr des mythischen Denkens in der atheistischen Moderne. (17.09.14)

Die Macht antwortet ver

Die NZZ druckt einen Vortrag des Wiener Philosophen Konrad Paul Liessmann ab, in welchem dieser sich mit dem Wandel Verbrechen und Strafe, Verantwortung und Schuld beschäftigt. Zentral ist dabei die Frage nach der Urheberschaft und der Freiheit. (20.09.14)

Außerdemos von Sonstnochos:

Die NZZ erklärt, was es - von Herodot bis Thomas S. Kuhn - mit dem Stichwort „Paradigma“ auf sich hat. +++ Die FAZ bespricht das Buch „Sie wissen alles“, mit dem die Informatikerin Yvonne Hofstetter vor der Macht ihres Fachs warnt. +++ Nicht ganz überzeugt ist die taz von Byung-Chul Hans „Psychopolitik“ über die neoliberale Selbstausbeutung. +++ In seinem FAZ-Blog schreibt Hans Ulrich Gumbrecht einen Nachruf auf die Universität, die längst zum berufsbildenden Kindergarten verkommen sei. +++ Die FAZ berichtet von zwiespältigen Ergebnissen bei Umfragen zu Bildungspolitik und ihrer Finanzierung. +++ Noch was zum Aufregen: Jan Küveler von der WELT stellt einen lustig gemeinten Vergleich von U2s Bono mit Hegel und Herbert Grönemeyer mit Adorno an. +++ Viel weniger Quatsch, dafür viel mehr Mars steckt übrigens in der druckfrischen Herbstausgabe des Lichtwolf. Insbesondere sei hingewiesen auf den Essaywettbewerb, den der Lichtwolf gemeinsam mit Glanz & Elend veranstaltet.


Links der Woche am 30.08.2014, 15:30 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 35/14

Carl Schmitt für Ökos?

Für die ZEIT hat sich Elisabeth von Thadden mit dem Soziologen Bruno Latour anlässlich seiner neuen Anthropologie der Moderne getroffen. Ende der 70er erledigte er den Glauben an wissenschaftliche Objektivität, heute mahnt er, pfleglich mit Gaia umzugehen, was weder mit Esoterik noch mit Notstandsgesetzen zu tun hat; Latours neues Buch ist interaktiv und wird online kollaborativ fortgeschrieben. (22.08.14)

Der Wille zur Macht als Krankheitsbild

Von Macht und Geld kann man nie genug haben, weshalb beide Einfallstore für Neurosen aller Art sind und ihrerseits der Triebfeder Neurose bedürfen, bemerkt Georg Seeßlen in seinem Blog. Stellt sich also die Frage, ob es jenseits der Fiktion vernünftige Macht (also Ordnung) ohne Neurose oder Paranoia geben kann. (23.08.14)

Studierenden zur Mahnung

Simona Pfister schreibt den Studis in NZZ Campus hinter die Ohren, nicht immer Bologna die Schuld zu geben, sondern sich durch Wahrheit frei zu machen. Die SZ interviewt Christiane Florin, die sich in einem Buch über die mangelnde Streitkultur der Facebook-Generation an den Unis beklagt.

Bücher, Bücher, Bücher:

Im Freitag verteidigt Nils Markwardt den Peter Sloterdijk gegen linke Reflexkritik, indem er ihn kritisch portraitiert als „Lehrer für Psychogymnastik“, der „den methodischen Kurzschluss zwischen Sokrates und Jürgen Klopp“ vollziehe. +++ Die Politologin Judith Shklar hatte eine kluge Methode, gesellschaftliche Werte zu analysieren: Sie untersuchte, welche Laster wie sehr verachtet werden; die ZEIT freut sich, dass Shklars Essays besser spät als nie ins Deutsche übersetzt wurden. +++ Ebenfalls in der ZEIT wird Mark Rowlands Buch „Der Läufer und der Wolf“ besprochen, demzufolge Laufen wie Philosophie glücklich-existentieller Selbstzweck sei. +++ Die NZZ stellt das Buch des Medientheoretikers Douglas Rushkoff vor, in dem er der Gegenwart eine schockartige Überforderung durch Echtzeit, Gleichzeit, Wahlmöglichkeiten und Beschleunigung attestiert.


Links der Woche am 16.08.2014, 14:23 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 33/14

Forschungs- und Transferleistungen

Remigius Bunia untersucht in der FAZ, ob wirklich das Wissenschaftszeitvertragsgesetz Schuld an der strukturellen Misere von Nachwuchswissenschaftlern in Deutschland ist. Planungsunsicherheit ist demnach der eigentliche Grund, warum die meisten akademischen Karrieren sich als Sackgasse erweisen. Also lieber gar nicht erst promovieren? Leonie Achtnich nimmt sich in der ZEIT fünf Mythen zum geisteswissenschaftlichen Doktor vor und findet dann doch ein paar Gründe für eine Dissertation. Zur Vorbeugung von Hochmut erzählt René Korth im Freitag, wie er nach dem Uni-Abschluss in Hartz IV landete.

Komm, wir sprengen einen Staudamm!

Elena Meilicke bespricht für den Freitag Kelly Reichardts Film „Night Moves“, der sachlich-kühl von jungen Ötoterroristen und von der „Desillusionierung mit der linken Öko-Alternativ-Szene“ erzählt. Julia Dettke von der ZEIT ist begeistert von den moralischen Dilemmata, die der Film aufwirft. Auch Daniel Kothenschulte von der FR ist fasziniert vom Verbrechen aus guter Absicht und dem „vergifteten Urgrund des amerikanischen Patriotismus“, nur Cosima Lutz von der WELT hätte sich mehr Action gewünscht.

Die Reste:

Atheismus-Papst Richard Dawkins bleibt unnachgiebig: Telepolis berichtet von seinem Argument, warum auch gemäßigte Gläubige den religiösen Extremismus stärken. +++ Byung-Chul Han wird hochgelobt als Gegenwartskritiker, aber Klaus Birnstiel vom Freitag findet in Hans jüngstem Essay „Psychopolitik“ nur haltloses Oberseminar-Geraune. +++ Nochmal Kulturkritik der Karlsruher Schule: Ralf Fücks bespricht in der WELT Peter Sloterdijks Buch, demzufolge die Moderne aus den Fugen ist, weil das Neue immerzu das Alte auffrisst. +++ Die FAZ zeigt sich angetan von Eva Horns literaturwissenschaftliche Studie über die Lust am Weltuntergang. +++ Heute ab 23:05 Uhr gibt es im Deutschlandfunk die Lange Nacht über Elias Canetti.


Links der Woche am 12.07.2014, 14:23 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 28/14

Das totale Management

In der FAZ nimmt Dietmar Dath u.a. den Roman „The Circle“ von Dave Eggers zum Anlass für einige Betrachtungen über die nächste Zukunft der Ausbeutung, die im digitalen Business zur sektenartig verzückten Code-Fron wird. Scheinbar abgeschaffte Hierarchien und Stimmung wie auf dem Kindergeburtstag prägen den jüngsten Kreis der Hölle des Erwerbslebens zwopunktnull. (06.07.14)

ZEIT und Neuer Realismus

Seit einem Weilchen feiert die ZEIT eine Reihe zum Thema Neuer Realismus ab, dem Schlagwort Markus Gabriels. Bislang haben sich dazu einige geäußert, diese Woche war Iris Radisch dran. Sie nimmt die Annäherung des digitalen Alltags an die Science-Fiction zum Anlass, über den philosophischen Realitätsverlust nachzudenken. (09.07.14)

Unn sünst?

Die taz stellt Michael Hampes Buch vor, das zur Rettung der Philosophie durch argumentative Rationalität aufruft. +++ Anlässlich des WM-Finales denket Georg Seeßlen in der taz über nationale Identität als Konsumprodukt nach. +++ Slavoj Žižek wird vorgeworfen, aus einem Rassistenblatt abgeschrieben zu haben. +++ Zum Tod seines Freunds und Kollegen Hans-Ulrich Wehler schreibt Jürgen Habermas in der FAZ. +++ Apropos: Bei Glanz & Elend bespricht Dieter Kaltwasser die bislang umfassendste Habermas-Biographie. +++ Eine Leipziger Ausstellung blickt zurück auf die seit 100 Jahren im Meiner Verlag erscheinende Philosophische Bibliothek, wie das Börsenblatt meldet. +++ Die ZEIT ist total begeistert von Peter Sloterdijks neuem Hauptwerk, das kulturkritisch von Madame de Pompadour bis zu virtuellem Geld mäandert. +++ Die FR stellt das Buch „Zukunft als Katastrophe“ vor, in dem die Germanistin Eva Horn der Dystopie in Film und Literatur nachgeht.


Links der Woche am 28.06.2014, 19:25 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 26/14

Die ZEIT stellt Vittorio Hösles „Kurze Geschichte der deutschen Philosophie“ vor, worin er halb polemisch, halb ideengeschichtlich dem deutschen Geist nachsinnt. +++ Auch von Peter Sloterdijk gibt es ein neues Buch, „Die schrecklichen Kinder der Neuzeit“, welches in der taz besprochen wird. +++ Seit zwei Jahren sitzt Julian Assange in der ecuadorianischen Botschaft in London fest. Zum Jahrestag erinnert Slavoj Žižek im Freitag an die Wikileaks-Enthüllungen über den Wert der Freiheit im Westen. +++ Manfred Klimek von der ZEIT hat den einzigartigen Hermes Phettberg in Wien besucht und portraitiert den „schönen Menschen“. +++ Nachdem die Berliner HU erfolglos versuchte, eine Professur für „Reine Mathematik“ mit einer dieser im Fach unterrepräsentierten „Frauen“ zu besetzen, bleibt diese nun leer, wie das FAZ-Ressort Männerdiskriminierung meldet. +++ Zum 30. Todestag von Michel Foucault bringt die taz ein umfangreiches Portrait seiner Denk- und Wohnorte. +++ Der Kapitalismus produziert Dinge und Vorstellungen, schreibt Georg Seeßlen in seinem Blog und warnt: „Alles was man sich im Kapitalismus vorstellen darf, muss kapitalistisch sein.“


Links der Woche am 14.06.2014, 14:47 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 24/14

Leben und Sterben eines Gangsters

Im Freitag portraitiert der Gefängnispsychologe Götz Eisenberg den Räuber Thomas S., dessen Herkunft ihn nicht gerade zu dem Schwerkriminellen prädisponierte, dessen Tod er nach Einsicht und Buße starb. Ein interessanter Essay über das ganz andere Leben der schweren Jungs - u.a. mit Hegel, Marcuse und Theweleit. (05.06.14)

Turing oder nicht Turing

In dieser Woche meldete die Universität Reading, einer ihrer Computer habe pünktlich zum 60. Todestag Alan Turings den Turing-Test bestanden. Die taz interviewte daraufhin testweise den eigenen Medienticker, die NZZ fasste die einhellige Skepsis gegenüber dem angeblich geglückten Versuch zusammen und TechDirt hat eine Liste mit Gründen zusammengestellt, warum die Meldung völliger Quatsch ist.

Renaissance der Renaissance

Der Baseler Philoprof Arno Schubbach stellt in der NZZ den Begründer der Ästhetik, Alexander Gottlieb Baumgarten anlässlich seines 300. Geburtstags vor. Der pietistische Wolff-Schüler sann - wenn auch in dunkler Sprache - als Erster der eigenen Wahrheit der schönen Künste nach, die bis heute bekniffelt wird. (13.06.14)

Et cetera:

Jürgen Kaube weist in der FAZ mit seiner üblichen Suffisanz auf Studien zu Psychologie-Studien hin, welche von jenen recht oft als halbseiden bis hanebüchen entlarvt werden. +++ Gerade ist Fußball und wer standesgemäß klug mitreden will, der lese die kosmologische Exegese diverser Nationalflaggen des Astronomen Florian Freistetter. +++ Die WELT stellt Peter Sloterdijks neues Buch vor, in dem er der Frage nachgeht, warum so schlechte Stimmung herrscht und der Vatermord die Triebfeder der Geschichte ist. +++ Für den Freitag unterhält sich Helena Neumann mit der ungarischen Philosophin Ágnes Heller über die Lage in ihrem Heimatland sowie über Hannah Arendt und das Subjekt. +++ Im Freitag lesen wir außerdem ein Portrait des Philosophen, Literaturwissenschaftlers und Hipsters Armen Avanessian, der als Herausgeber des Akzelerationismus-Sammelbands bekannt geworden ist. +++ Kommende Woche erscheint der neue Lichtwolf (diesmal über „Perverse“) - hier kriegen Sie das Abo, das Ihnen noch fehlt!


Links der Woche am 15.02.2014, 14:15 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 07/14

Unser Universum gehört uns nicht

Vor einem Weilchen ging es schon mal um die Indizien, unsere komplette Welt könne bloß simuliert sein. Der leidenschaftliche Atheist Michael Szameit hat in einem Telepolis-Artikel die Wahrscheinlichkeitsrechnungen für die neueste Variante eines transzendentalen Demiurgen versammelt. (09.02.14)

Futurismus Reloaded

Bei Telepolis unterhält sich Peter Mühlbauer mit Armen Avanessian, der den seit Wochen diskutierten Sammelband zum Akzelerationismus herausgegeben hat. Da geht es um den Unterschied zwischen katastrophischer und epistemischer Beschleunigung, den affirmativen Hang des neo-primitivistischen Lokalismus und um die Bedeutung von Science Fiction für den Akzelerationismus als technophile Utopie. (10.02.14)

Gutes Chaos in allen Straßen

In Bosnien-Herzegowina wird quer durch alle Ethnien und Schichten gegen die Regierung demonstriert. Slavoj Žižek beschreibt im Guardian/Freitag die Unruhen als überfällige „Revolte gegen die nationalistischen Eliten“ und sieht - womöglich etwas voreilig - „etwas wirklich Emanzipatorisches“ in Gang kommen. (11.02.14)

Burschis allein zuhaus

Matthias Stickler schreibt in der FAZ über die Krise der Deutschen Burschenschaft: Der Dachverband ist vor allem mit ideologischen Grabenkämpfen beschäftigt, dabei ging es nach 1945 doch so gut los mit FDGO-treuen akademischen Männerbünden, die sich 1968 auch politisierten, wie Stickler in seinem Rückblick auf die Geschichte der Studentenverbindungen schreibt. (14.02.14)

Natur wird durch Messung gemacht

Physik befasst sich damit, was wir über die Natur sagen können: Was den Kantianer wenig wundert, bringt Physikphilosophen den Vorwurf des Mystizismus ein, schreibt Ulf von Rauchhaupt in der FAZ. Die neue Lehre des QBismus scheint die Absurditäten der Quantenwelt mit einem offenen Bekenntnis zu Subjektivität und Wahrscheinlichkeit allerdings überzeugend in den Griff zu kriegen. (15.02.14)

Bücher, Bücher, Bücher

Nebenan bei Glanz & Elend gibt es einige Rezensionen aus unserem Lach-, Sach- und Fachgebiet zu lesen: Gregor Keuschnig ist wenig überzeugt von Sloterdijks sozial- und medienphänomenologischer Börnepreisrede „Reflexionen eines nicht mehr Unpolitischen“; Georg Patzer stellt die Neuübersetzung von Montaignes Reisetagebuch vor und Schneidegger bespricht Andreas Steffens’ „Ontoanthropologie“.


Links der Woche am 14.09.2013, 14:19 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 37/13

Kosmopolitismus vs. Kosmopolitisierung

Ulrich Beck fordert in der FAZ, mehr Weltbürgertum zu wagen bzw. sich einzugestehen, denn wenn der arme Süden Organe an den reichen Norden verhökern muss, wächst die Menschheit auf neue Art zusammen. Dabei ist die globale Biopolitik des Transplantationswesens nur der radikalste Ausdruck des allgemeinen In- und Durcheinanders, dem nicht mit nationalistischer Verdrängung beizukommen ist. (08.09.13)

Innovation und Revolution

Freiheit und revolutionäre Neuerungen sind zum Alltag geworden, befindet Konrad Paul Liessmann in der NZZ und warnt vor solchen Selbstverständlichkeiten. Dazu geht er zunächst auf Hegels Verständnis der Französischen Revolution zurück und steigt dann voll in die Revolutionstheorie ein, derzufolge die Freiheit und das Neue einschließlich ihrer bösen Seiten und enttäuschten Hoffnungen den Wesenskern echter Revolution ausmachen. (09.09.13)

Reich und Sexy

Thomas Barth hat sich bei Telepolis eingehend mit Wilhelm Reich (im Kino) beschäftigt und inzwischen liegen alle vier Teile seiner Essayreihe vor: über Reichs Fall, Reichs Psychoanalyse, Reichs Sexualpolitik und Reichs Orgon.

Der unfassbare Dr. Ghostwriter

In der FAZ spricht sich Miloš Vec gegen die Einführung der Straftatbestände Doping und Wissenschaftsbetrug aus. Vor allem letzterer ist vom Strafrecht - allem Getöse um Plagiate und Doktormacher zum Trotz - bereits hinreichend abgedeckt, wie Vec durchdekliniert. (12.09.13)

Jesus zum Fressen gern haben

Hans Ulrich Gumbrecht denkt in seinem FAZ-Blog über Menschenfresser nach. Um die Possierlichkeit des Wortes zu meiden, hebt er mit dem Kulturgrund des Anthropophagie-Tabus an, das in Krieg, Not und Film schon mal gebrochen wird - wie auch in Religion und Erotik. (13.09.13)

Et cetera:

Die FAZ bespricht Otfried Höffes Einführung in die Ethik. +++ Die Meldung, Apple wolle sich um die Rettung Suhrkamps bemühen, greift Stefan Prombka für Glanz & Elend auf. +++ Jeden Sommer wird gefragt, wo denn eigentlich die Intellektuellen seien, die sich für die und in der Öffentlichkeit engagieren. Kurz darauf meldeten sich u.a. Peter Sloterdijk und der Sozialpsychologe Harald Welzer zu Wort und erklärten, wie die NZZ bedenkt, nicht zur Bundestagswahl gehen zu wollen. "Die Stadt der Sehenden" von José Saramago haben die wohl nicht gelesen. +++ Bock auf Philosophie und Slam? Dann mal ab in die Schweiz!


Links der Woche am 29.06.2013, 14:35 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 26/13

Philosophie ohne innen

Sibylle Anderl bloggt bei der FAZ über den geringen Frauenanteil in der Philosophie und die möglichen Gründe dafür. Selbst wenn es schlichtes Desinteresse der Damenwelt an Fundamentalontologie wäre, ist zu fragen, wo dieses herrührt. Anderl präsentiert Diagramme, Befragungen und mit einem aktuellen Skandal ein Indiz für Sexismus auch in der Philosophie. (22.06.13)

Börne und Thiel Sloterdijk

Peter Sloterdijk hat letzte Woche den Ludwig-Börne-Preis gekriegt und dabei wie es sich gehört eine Rede gehalten. Diese wird von Richard Kämmerlings (WELT) ausgiebig als "überheblich und voller antidemokratischer Affekte" erledigt, weil sie dem Springerschen Leitbild uneingeschränkten Post-9/11-Blutrauschs widerspricht.

Geld ist Zeit ist Geld

Der Neoliberalismus hat die Zeitlichkeit des Daseins pervertiert, meint Byung-Chul Han in der ZEIT und hebt mit einem Nietzsche-Zitat an, dass die Hektik freilich nicht erst als Kollateralschaden der spätkapitalistischen Moderne ausweist. Dauer jedenfalls ist unmöglich gemacht und Entschleunigung wird nicht helfen. (23.06.13)

Die da oben ticken anders

Politikverdrossenheit ist ein Zeichen der Entfremdung zwischen politischer und bürgerlicher Sphäre, so der wenig überraschende Befund des Elitenforschers Michael Hartmann, der bei Telepolis Auskunft gibt darüber, was die "Kernelite" von sozialer Ungleichheit hält. (24.06.13)

Wo sind sie geblieben (Folge XIII)

Jeden Sommer beklagt irgendeine große Zeitung das Fehlen der Intellektuellen. Annabelle Seubert seufzt in der taz, frühere Generationen hätten Adorno, Böll, Arendt gehabt, wir bloß Richard David Precht. Das ist denn auch gleich das Thema der taz.am wochenende vom 29./30. Juni 2013 (mit brutaler Titelseite). Wo sind denn die liberalen Intellektuellen, frug wohl auch Gerhart Baum laut FAZ bei einer Filmvorführung und wird im Bericht als letzte noch lebende Antwort auf die Frage präsentiert.

Außerdem:

Der blinde Hund weist auf eine Gesetzesnovelle hin, die Wissenschaftlern die Zweitveröffentlichung ihrer Artikel aus Fachzeitschriften erleichtern soll. +++ Wie man als Dozent Arbeiterkinder behandeln sollte, lernt man laut Telepolis an der FU Berlin und Dr. Dr. Peter Riedlberger urteilt: Gut gemeint ist das Gegenteil von gut. +++ Über Recht und Moral, Gehorsam und Widerstand, Treue und Verrat im Falle des Whistleblowers Edward Snowden gibt Reinhard Merkel in der ZEIT Auskunft.


Links der Woche am 15.06.2013, 14:23 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 24/13

Das Imperium schlägt zurück

An dieser Stelle wurde vor einem Monat auf Giorgio Agambens bei Alexandre Kojève entlehnte Europa-Kritik hingewiesen. Rudolf Maresch hat sich für Telepolis die Mühe gemacht, die Debatte um den Traum von einem lateinischen Imperium mit Links (also Verweisen) zu den einschlägigen Wortmeldungen und ursprünglichen Ideen nachzuzeichnen. (09.06.13)

In Nachbarschaften

Peter Sloterdijk hat zum 50. Jahrestag der Unterzeichnung des Elysée-Vertrags ein Buch über "Mein Frankreich" (also seins) vorgelegt, das Dieter Kaltwasser bei Glanz & Elend vorstellt. Von rheinübergreifender politischer Entfremdung und philosophisch-literarischer Faszination (besonders Derrida hat es ihm angetan) handeln die versammelten Essays und Notizen. (10.06.13)

Gedanken über Gedanken

Christian Hoppe widmet sich bei den Scilogs der "Hirnforschung und Theologie" und machte sich diese Woche ausdrücklich "Gedanken über Gedanken": vom schlichten aber gewissen Denken-an über daraus gewonnene Urteile und den Zusammenhang von Sprache und Denken bis zur Frage nach der Wirklichkeit von Gedanken und der Möglichkeit von Metaphysik. (12.06.13)

S weiß, dass p.

Passend dazu das Thema ein Blog weiter: Leonie Seng stellt uns zu seinem 50. Jubiläum den Gettier-Fall vor, der das Verhältnis von Glauben und Wissen auf logische Weise problematisiert. In Erlangen wurde dazu getagt und Seng stellt uns einige Einsichten vor, ob und wenn ja was das Problem mit Gettier ist. (13.06.13)

Die Welt ist nicht genug

Metaphysik auch in der NZZ, wo Uwe Justus Wenzel den popularphilosophischen Erstling von Markus Gabriel, "Deutschlands jüngstem Philosophieprofessor", zwar im Marktsegment der Sinnstiftung verortet, es aber ob des systematischen Ehrgeizes (der "Neue Realismus" klingt dabei nach altem Königsberg) vom Ruch der Precht-Epigonie freispricht. (11.06.13)

Geschäftsmodell und Gesinnung offenbart

Die Hochschulreformen unter dem Kürzel Bologna sind nicht arm an Kuriositäten, die selbst die irrsten Schwarzmalereien der Reformkritiker übertreffen. Eine solche stellt Jürgen Kaube in der FAZ vor: Akkreditierungsagenturen entscheiden über die Zulassung von Studiengängen und bieten jetzt selbst Seminare zur Antragsstellung an. (12.06.13)


Links der Woche am 01.12.2012, 14:09 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 48/12

Konsum statt Kinder, Kirche, Küche

In Lichtwolf Nr. 37 bemerkte Marc Hieronimus bereits die ideologische Wiederkehr des Bundes Deutscher Mädel in Gestalt von Barbie's Doll World. Carolin Wiedemann zeigt sich nun in der FAZ einigermaßen erschüttert über die "Pinkifizierung der kindlichen Lebenswelt", dank der das von den Müttern eroberte Terrain bald verwildern dürfte. (24.11.12)

Elektrische Schafe träumen Sie

Wegen ihrer eigenen Virtualität bot die Twittersphäre diese Woche dem FAZ-Blog-Artikel von Sibylle Anderl die große Runde, in dem sie dem Hirn-im-Tank-Argument zu neuer Substanz verhilft. Physiker (wer sonst!) haben jetzt einen Klärungsansatz, ob die Wirklichkeit bloß vorgetäuscht ist. Es könnte sein, dass Sie mitsamt allem ringsum Teil einer Simulation sind, mit der eine post-humane Intelligenz ihren Ursprung rekonstruiert. (25.11.12)

Der doppelte Dath

Dietmar Dath hat gerade viel Zeit für die FAZ und drum gleich zwei Betrachtungen eingereicht: (1) Er dokumentiert Ambitionen zur Abschaffung des Bargelds mit dem Ziel der "Rekonstruktion der Zirkulationssphäre unter digitalen Vorzeichen". (2) An einer Milchbar hat Dath mit einem CGI-Experten eine ästhetische Unterhaltung über Computereffekte geführt, die längst zur eigenen Kunstgattung geworden sind.

Besprechungen

Die NZZ stellt Stefan Breuers Buch vor, das Carl Schmitt in den intellektuellen Diskurs des frühen 20. Jahrhunderts einsortiert. +++ Der Cicero hat die Tagebuchnotizen des Peter Sloterdijk besprochen und findet, "als Protokollant seines inneren Monologs ist er allemal besser als im Fernsehen".

Das Weitere und Engere:

Rüdiger Störkel weist in der FAZ auf die anhaltende Verelendung englischer Hochschulkultur hin. +++ Der blinde Hund hat ein total whackes Gespräch zwischen Alexander Kluge und Helge Schneider alias Igor Crantz über Nix aufgetan. +++ Hans Ulrich Gumbrecht macht sich Gedanken über das Überleben der Menschheit, die sich längst eine Zukunft ohne sie vorstellen kann (und Gründe dafür hat); radikaler: siehe aktueller Lichtwolf. +++ "Wir fürchten den Wolf, weil er uns ähnelt", resümiert Eckhard Fuhr in der WELT angesichts der wölfischen Rückeroberung Deutschlands (inkl. 4W3S0M3! Video aus Russland!). +++ Thomas Vašek, Chefredakteur von "Hohe Luft", stellte einst fest, dass es zwar viele Zeitschriften über Schusswaffen und Angeln gibt, aber keine über Philosophie.


Links der Woche am 07.10.2012, 14:26 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 40/12

Mit 24 Stunden lesetour-bedingter Verspätung...

Fremdheit und Gefahr

In seinem Blog macht Gunter Dueck eine Rechnung von Risiken und Gefahren auf, die mangels Hellsehen überall in der unbekannten Zukunft liegen. Im Schritt zurück beleuchtet Dueck sodann den Zusammenhang von Unvertrautheit und selbsterfüllender Furcht, um zu seiner Forderung "Aufklärung statt Haftungsausschlüsse!" zu gelangen. (29.09.12)

Dumm konsumiert gut

Georg Seeßlen und Markus Metz haben dieses Jahr wieder einen Doppelschlag vorgelegt, in dem sie die Tendenz des zeitgemäßen Dienstleistungskapitalismus zu Spektakel und Verblödung untersuchen. Besprochen werden die jüngsten Titel von Peter V. Brinkemper bei Glanz & Elend.

Kompetenzenkompetenz

An deutschen Unis wird nach Bologna jährlich millionenfach die "employability" der Studentenschaft geprüft, obschon keiner weiß, wie sie zu vermitteln und zu erheben ist. Peter Wex, ehemals leitender Verwaltungsdirektor der FU Berlin, vermutet in der FAZ, das Kompetenzgerede sei als Wissenschafts-PR gar nicht so ersnt gemeint. (03.10.12)

opulente Metametalektüre

Gregor Keuschning gibt einen Überblick über die Notizbücher von Sloterdijk, in denen der schnaufende Denker seine Leseeindrücke festhält (u.a. die Kollegen Jürgen Nielsen-Sikora nebst Glanz & Elend) und meist auf Reisen weiterdenkt. Darüber hinaus wird gelästert, beklagt, der eigene Ruhm protokolliert und die Politik kommentiert. (07.10.12)


Links der Woche am 08.09.2012, 14:23 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 36/12

Das Humanoide als Ende jeder Evolution?

Als Prolegomenon zum in zwei Wochen erscheinenden Lichtwolf mit dem Titelthema "Jenseits des Menschen" empfohlen: Ulf von Rauchhaupt schreibt in der FAZ eine kleine Geschichte des Anthropomorphismus von Aliens, die für Kulturhistoriker und Evolutionstheoretiker weder nach Star Wars noch nach kleine grüne Blobs aussehen sollten. (03.09.12)

Weiter Streit um Butler

Nun bekommt Judith Butler dieser Tage doch den Adorno-Preis, trotz aller Proteste; Ulrike Baureithel hat im Freitag ein kleines Portrait von Butler als Philosophin gezeichnet. Stephan J. Kramer vom Zentralrat der Juden erklärt in der FR, warum die Israelkritikerin den Preis nicht verdient und Micha Brumlik beleuchtet die Motive der Angriffe auf Butler.

Spezialisten statt Intellektuelle

Lange wurde das Aussterben des Intellektuellen nicht mehr beklagt. Hans-Ulrich Gumbrecht zeichnet seine Entwicklung aus dem französischen "philosophe" der Aufklärung zum Engagierten des 20. Jahrhunderts nach, dessen große Erzählung in Zeiten der allgemeinen Ausdifferenzierung nicht mehr nachgefragt wird. (07.09.12)

Unn sünst?

In der NZZ wird Manfred Kochs Ehrenrettung der Faulheit besprochen (im kommenden Lichtwolf übrigens auch; Abo?). +++ Gleichfalls in der NZZ werden Sloterdijks Notizbücher besprochen - von Ludger Lütkehaus, dessen neues Buch auch im kommenden Lichtwolf besprochen wird! (Abo?!) +++ Im Freitag wird das nicht mehr ganz taufrische Buch besprochen, mit dem Alain Badiou die Liebe gegen den Kapitalismus verteidigt. +++ Teil III von Leopold Federmairs Essay über Nietzsche und Genet ist im Begleitschreiben erschienen. +++ Bin ich ein Asi, wenn ich gerne Asi-TV gucke? Dr. Dr. Rainer Erlinger meint mit Kant: ja.


Links der Woche am 18.08.2012, 14:27 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 33/12

Denver Clan Feuilleton

Sommerloch im Feuilleton? Von wegen! Der Forderung aus der letzten Woche, die bourgeoise Geisteswichserei abzuschaffen, schließt sich Johannes Kuhn nicht an, weiß aber, dass die berühmte Digitalisierung "das Feu" zur Erneuerung zwingt. Auch Tim Klimeš stimmt nicht ganz zu, aber anders: Für ihn gehört der feuilletonistische Stil auf die komplette Zeitung ausgedehnt. Und Lena Baetz verlangt im Freitag weniger Klagen und mehr Besinnung auf die F-Tugenden wie Stil und Haltung. Vollends erwies sich das Getue im feuilletonistischen Schrumpfolymp als Seifenoper, nachdem Richard "Sherlock" Kämmerlings in der WELT aufgedeckt hat, bei dem Autor des Schweden-Krimis, in dem unverkennbar Frank Schirrmacher zerfleischt wird, könne es sich nur um den Schirrmacher-Rivalen Thomas Steinfeld von der SZ handeln. Die literarische Exekution verleitet Jakob Augstein bei der Motivsuche dazu, Schirrmacher zum Übervater des Feuilleton hochzuschreiben, auf den sich patrizidale Ohnmacht fokussieren muss. Oh, it's fun to watch rich people be naughty!

Nochmals: Europa

Derweil wird in Schirrmachers Firma weiterhin eine europapolitische Debatte geführt. Nachdem die Skeptiker zuletzt ein wenig die Medien beherrschten, plädiert Nils Minkmar dafür, die deutsch-französische Freundschaft zum Grundmuster für den innereuropäischen Umgang zu machen. Sodann erinnert Hans-Gert Pöttering in einem Gastbeitrag daran, dass das Grundgesetz die weitere europäische Integration nicht etwa verhindert, sondern ausdrücklich vorsieht.

Summa C L

Max Webers Briefe von 1918–1920 sind frisch ediert, schreibt Joachim Radkau in der ZEIT, und darin scheint der Chefsoziologe u.a. seiner einen Geliebten akademisiert von Cunnilingus und Analverkehr vorzuschwärmen und es überhaupt ganz unpuritanisch angehen zu lassen. Daneben erfahren wir reichlich über Webers Selbstbild und seine Korrespondenzen über den Ersten Weltkrieg. (16.08.12)

Objektives Recht

In der ZEIT stellt Felix Stephan - anlässlich von Paul Ryans Nominierung zum republikanischen Kandidaten für das Amt des US-Vizepräsidenten - dessen liebste Kapitalismusdenkerin Ayn Rand vor. Ihre Bücher - allen voran "Atlas Shrugged" - verkaufen sich von Jahr zu Jahr besser und prägen das Denken - jedenfalls in den USA. Das Erfolgsgeheimnis ist der High Society Telenovela-Stil der ökonomischen Apokalypse, die durch Steuern und Arbeitnehmerrechte ausgelöst wird. (17.08.12)

Aufsätze

Nebenan bei Information Philosophie gibt es drei neue Aufsätze auf einen Schlag, nämlich: Levinas und die Jüdische Philosophie von Rachid Boutayeb, Philosophisches zum "So-Tun-als-ob" in der Schule von Markus Waldvogel und Kritische Neurowissenschaft von Jan Slaby ("unveröffentlichtes Manuskript – bitte nicht ohne Erlaubnis des Verfassers zitieren oder verbreiten!").

The Schlotterdeik Diaries

Peter Sloterdijks Notizbücher der Jahre 2008 bis 2011 ("Zeilen und Tage") sind da und Thomas Kapielski hat sich beim Rezensieren für die FAZ bereits mit dem Schwurbelstil angesteckt. Mit nahezu identischem Einstieg, aber nüchterner referiert Andreas Rosenfelder in der WELT, wie Sloterdijk sich selbst beim Denken und Gucken dokumentiert; auch Dirk Pilz in der FR findet das alles sehr okay. Sloterdijk ist übrigens in der Titanic-Reihe Premiumdenker der Gegenwart der Erste; Nr. 2: Robert Spaemann.

Noch mehr Rezensionen

Rolf Hosfelds Tucholsky-Biographie wird in der NZZ von Manfred Koch als Introspektive des Weimarer Feuilleton (s.o.) vorgestellt. +++ Ebenfalls in der NZZ weist Karl-Markus Gauss auf Arthur Schnitzlers Traumtagebuch hin. +++ Tim Caspar Boehme bespricht in der taz zwei Bücher, die sich mit Lacans Axiom beschäftigen, es gäbe keinen Geschlechtsverkehr (sondern Reis?).


Links der Woche am 12.05.2012, 10:12 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 19/12

Du bist nichts

"Der Kampf um die Urheberrechte im Internet ist mehr als nur ein Streit um die Vergütung", ahnt Thomas Assheuer in der ZEIT. Nicht nur der Urheber, sondern gleich das ganze bürgerliche Subjekt sei qua Digitalrevolution im Verschwinden begriffen, so denkt Assheuer das Piraten-Programm weiter bzw. zurück in die philosophische Debatte des 20. Jahrhunderts über Bedeutung und Bedeutungslosigkeit der philosophischen Gewohnheit "Subjekt". (05.05.12)

Was nun, was tun?

Wer kennt das nicht: Man spaziert am Bahndamm entlang und wird eines führerlosen Frachtzugs gewahr, der auf ein Kind zurast. Die einzige Chance, es zu retten, besteht darin, den Zug auf ein Nebengleis umzuleiten, wo er fünf Bahnarbeiter überfahren würde, oder darin, einen Adipösen auf die Gleise zu stoßen, um den Zug zum Entgleisen zu bringen. Der Philosophy Bro dröselt die Doktrin des Doppeleffekts auf. Fucking A. (07.05.12)

nomm nomm nomm

Die FR unterhält sich mit der Philosophin Agnes Heller über Marx, ihr Heimatland Ungarn und die Zukunft Europas. Darin kommt Heller zu dem plakativen Urteil, Philosophen gäben uns "spirituelle Nahrung". Mehr von Frau Heller ist heute Abend im Radio zu hören: Der Deutschlandfunk bringt ab 23:05 Uhr die Lange Nacht über Ágnes Heller. (08.05.12)

Voll in die Augenklappe

Die Piraten-Partei hat es gerade nicht leicht: Nach Sven Regener und 51 "Tatort"-Autoren rotten sich jetzt Tausende von Künstlern gegen ihre Vorstellungen vom Urheberrecht im Zeitalter technischer Reproduzierbarkeit zusammen! Zu allem Überfluss haut Johannes Thumfart in der taz der piratischen Ideologie vom rhizomischen Bürgerschwarm auch noch die philosophischen Füße weg. Ein Glück für die Piraten, dass Parteien erst mit als absurd entlarvten Ideologien bei Bundestagswahlen über 14 Prozent kriegen! (10.05.12)

Das Weitere:

Apropos Piraten-Partei & Urheberrechte: Ganz schön differenziert (und arriviert) für ADHS! +++ Die taz meldet das Erscheinen einer Derrida-DVD. +++ Schlotterdeik lästert über seinen TV-Nachfolger Precht, wie SPON kolportiert, dagegen verteidigt Barbara Bleisch Philosophie in der Glotze und besonders Precht. +++ via Der blinde Hund (wo man übrigens häufiger vorbeigucken sollte): Auf Tumblr ist zu sehen, wie Philosophen aussehen.


Links der Woche am 10.03.2012, 14:03 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 10/12

Sei empowert und sei froh, und putz' nochmal das Kunden-Klo!

Schon gewusst? "Kik" ist ein Akronym für "Kunde ist König". Thomas Ebermann hat die Steigerung des Psychoterrors für Arbeitnehmer, nämlich firmeninterne Motivationshymnen, für die Theaterbühne aufbereitet und lässt sie dort u.a. von Schorsch Kamerun (Goldene Zitronen) zu Gehör bringen, so erzählt die taz. (05.03.12)

Comedia dell’Arte in unserer Gesellschaft

Markus Metz und Georg Seeßlen hauen pro Jahr mindestens ein profundes Buch zur Seelen- und/oder Popkultur-Lage heraus. 2012 eröffnen sie dieser Tage mit "Bürger erhebt euch!", die taz bringt einen begriffsklärenden Vorabdruck aus dem Buch, das eine gefährliche Spannung zwischen progressivem Citoyen und konservativem Bourgeois diagnostiziert. (06.03.12)

Langsamkeit und Verbrauch

Sophia Amalie Antoinette Infinitesimalia rechnet in ihrem FAZ-Blog die Theorie Ivan Illichs durch, man sei unter Berücksichtigung aller Kosten mit dem Auto kaum schneller als mit dem Fahrrad. Nicht nur das Ergebnis ist faszinierend, auch der Gedankenrahmen, demzufolge "power" korrumpiert - politische wie elektrische "power". Illich empfahl darum schon anno 1973 eine gesellschaftliche Energiediät. (06.03.12)

cf. Wachowski, A. & L.: "Matrix" (1999)

Vor zwei Wochen ging es um die Art, wie Philosophen - namentlich Axel Honneth - in Film und Literatur Quellen zur Illustration ihrer Theorien finden. Susanne Schmetkamp führt im Theorieblog die Diskussion über das rechte Verhältnis weiter und kommt zu dem Schluss, Philosophie und Narration bereicherten einander. (07.03.12)

Schwarmintelligenz statt Fürstengeist?

Die Ansicht, Netzwerke und Moral seien affirmative Scheiße, die einzig den Herrschenden zum Machterhalt dient, scheint schon etwas älter zu sein. Sie nämlich hat Machiavelli zur Suche nach einer neuen Ordnung zwischen Volk und Herrscher getrieben, so der Tenor von Volker Reinhardts biographischem Buch "Machiavelli oder Die Kunst der Macht", das Cord Riechelmann in der FAZ bespricht. (08.03.2012)

Nicht zurückblicken

Das Wortspiel macht's nicht falsch: "In Würdigung seiner kapitalen Geschichte hat Europa Griechenland stets hohen Kredit eingeräumt." Unter dieser Prämisse untersucht Manuel Gogos in der NZZ das krasse Verhältnis zwischen dem Griechenland als Wiege abendländischer Kultur und dem Griechenland unterm Joch der Sparkommissare. (09.03.12)

Das Weitere und Engere

In der ZEIT weist Frank Schäfer auf ein neues Buch voller Interviews mit Hunter S. Thompson hin. +++ Genf hat sich mit seinem wohl berühmtesten Citoyen ausgesöhnt und wird Rousseau zu seinem diesjährigen 300. Geburtstag mächtig feiern, meldet die NZZ. +++ Suhrkamp zögert, die Übersetzung einer Trotzki-Biographie von 2009 herauszubringen - weil sie mit liebgewonnenen Mythen aufräumt, wie Lorenz Jäger in der FAZ spekuliert? +++ Gleich zwei Nervensägen in einer Meldung? Das geht: Schlotterdeik weiß schon jetzt, Gauck werde "uns" pastoral auf die Klötze gehen.


Links der Woche am 08.10.2011, 13:59 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 40/11

Nicht nur geistige Masturbation

In der Badischen Zeitung bespricht Michael Braun den biographischen Roman "Wintzenried" von Karl-Heinz Ott. Darin lernen wir Jean Jacques Rousseau als manisch onanierenden Jüngling kennen, aus dem ein "triebgesteuerter Eiferer" wird. Der Weg dahin führt von sexuellem Ungemach über Größenwahn in die Paranoia. (01.10.11)

Ich glaube an die Deutsche Bank, denn die zahlt aus in bar

Michael Blume bloggt über Religion und Evolution und hat sich in den Chronologs mit der Rede beschäftigt, mit der der Papst vorige Woche im Bundestag am Positivismus zweifelte. Gott ist demnach so wenig beweisbar wie die Gültigkeit der Menschenrechte. An beide muss man glauben - und das ist evolutionär sehr nützlich. (05.10.11)

iGott? iGitt!

Über Tote nichts Schlechtes, gewiss. Doch so schnell, wie Apple-Gründer, freelancer-Messias und Internetpapst Steve Jobs nach seinem Tod in dieser Woche heiliggetweetet wurde, ist Misstrauen angebracht. ("Er kam, den Menschen die Angst zu nehmen." Geht's noch, SZ?!) Arno Frank wagt in der taz einen kritischen Nachruf und begründet das Guruhafte von Jobs biographisch; Jobs' Erbe besteht aus einem glänzenden, neuen Verblendungszusammenhang. Auch Stefan Kuzmany nimmt sich bei Spon den quasireligiösen Umgang mit Apple, Jobs und ihren Produkten vor. Bequem ist schließlich besonders ein - schon wieder - Verblendungszusammenhang. (06.10.11)

Schlotterdeik als Kasperle

Das Karlsruher Staatstheater bringt eine zweistündige Adaption von Peter Sloterdijks 700-Seiten-Essay "Du musst dein Leben ändern" unter der Regie von Patrick Wengenroth auf die Bühne - mit einer Sloterdijk-Handpuppe als Cameo. Für das TITEL-Magazin bespricht ein vom Halb-halb aus Theater und Proseminar enttäuschter Hans-Klaus Jungheinrich die Premiere. Für die FAZ beurteilt Martin Halter den Einstand des neuen Intendanten Peter Spuhler am Staatstheater - inmitten der Materialschlacht auch die Schlotterdeik-Verwurstung aus "Trash und Diskurs".

Übrigens: Vor einem Jahr gab es die ersten "Links der Woche" bei lichtwolf.de - Schampus für alle!


Links der Woche am 03.09.2011, 13:51 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 35/11

Mit der Freiheit etwas anfangen

Axel Honneth schreibt mit seinem Buch "Das Recht der Freiheit" gegen die "Verhunzung der Freiheit zur asozialen Attitüde" an, so Christian Schlüter in seiner Besprechung bei der FR. Gestützt auf die Rechtsphilosophie des preußischen Staatsdenkers Hegel stellt Honneth die Freiheit als subjektives und soziales Phänomen dar, das - vor allem mit der Würde eng verbunden - von der Liebe bis hin zur Politik wirkt. (30.08.11)

Passend dazu berichtet der Tagesspiegel von einer Podiumsdiskussion mit Honneth und dem ehemaligen Verfassungsrichter Udo Di Fabio.

Haufenweise Scheiße

Alexander Schimmelbusch weist im Freitag auf den Artikel von Michael Lewis in Vanity Fair hin, der die deutsche Politik während der Finanzkrise sowie den Holocaust mit der germanischen Analfixierung erklärt: "Lewis argumentiert derart unsachlich, als hätte ihm der Sänger von Rammstein die Ehefrau ausgespannt, um mit ihr streng reglementierten Fäkalspielchen zu frönen." Aber lustig. (31.08.11)

Platon und Prada

Die Verwurstungsmaschinerie läuft auf Hochtouren: Nachdem vorletzte Woche die Sex- & Mystery-Sensation vermeldet wurde, dass Platon gar nicht prüde war und einen Geheimcode hinterlassen hat, geht es nun um Platon und Prada. Rebekka Reinhard hat nämlich ein Buch namens "Würde Platon Prada tragen? - Philosophische Überlebenstipps für den Lifestyle-Dschungel" geschrieben und news.de liefert die passende Klickstrecke. Es wäre zum Auswandern, schleppte man das System nicht wie einen Bazillus noch in den menschenleersten Erdwinkel. (31.08.11)

Der Größte Denker Aller Zeiten

Den Einzug der PR in den Philosophiebetrieb vermeldet die Wiener Zeitung. Dort schreibt Otto A. Böhmer anlässlich des 15. Philosophicums in Lech am Arlberg vom 21. bis 25. September ein wohlwollendes Portrait von Peter Sloterdijk, der da eröffnungsredet. Hier nun darf er sich als Sommelier der Philosophie loben und erklären, warum er alles besser macht: Grammatik, Aufklärung, Bibel. (02.09.11)

Willkommen im Club

Popküken Lena Meyer-Landrut gehört nun offiziell zu unserer Zielgruppe: Sie hat sich für Afrikanistik und Philosophie in Köln eingeschrieben. (03.09.11)


Links der Woche am 21.05.2011, 14:35 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 20/11

Fiskalphilosophie

Man erinnere sich an die Fiskaldebatte, die Peter Sloterdijk mit seinem Aufruf zum Boykott des Finanzamts ausgelöst hatte. Lothar Struck lässt sie Revue passieren und hat sich für Glanz & Elend durch das Buch "Die nehmende Hand die gebende Seite" gekämpft, in dem Schlotterdeik auf seine übliche Weise über Westerwelle, Sozialstaat und Steuern nachdenkt. (16.05.11)

Steht wie eine V1!

In der taz meditiert Helmut Höge über den offensichtlichen Zusammenhang zwischen militärischen Zerstörungs- und männlichen Fortpflanzungssehnsüchten am Beispiel des Kawumm-Phallus, auch bekannt als Rakete: "Die glatte, kühle Erotik eines für den einmaligen Abschuss in den Himmel vorgesehenen Stahlkörpers macht ost- wie westdeutsche Männer gleich kirre." (17.05.11)

Wo sind sie geblieben?

Offenbar hat Kultursoziologe Stephan Moebius lange nicht mehr im Fäuleton geblättert. Sonst wüsste er, dass es zu Fukushima, Libyen und bin Laden (aber auch zu von Trier, DSK und jedem anderen Scheiß) mehr als genug bis ins Groteske schöngeistige Kommentare gab und gibt. Doch eine Debatte will entfacht werden, und so fragt er in der ZEIT, wo die Intellektuellen als Weltdeuter vom Rang eines Émile Zola geblieben sind. (19.05.11)

Wittgenstein in Berlin

Nach wie vor jährt sich Wittgensteins Tod zum 60. Mal und im Schwulen Museum in Berlin-Kreuzberg gibt es eine Ausstellung zum österreichischen downsizing-Logiker. Helmut Mayer hat sie sich für die FAZ angesehen und findet die gezeigten Funde aus Cambridge und Innsbruck geschmackvoll in Szene gesetzt. (19.05.11)

Ein Prost dem Pessimismus

Der Hessische Rundfunk gratuliert dem früheren Frankfurter Professor und Adorno-Assi Alfred Schmidt zum 80. Geburtstag mit einem Portrait. Mit Schoppen, Schopenhauer und Materialismus findet er: "Eine Philosophie darf keine süßliche Metaphysik sein. Sie muss gnadenlos das Negative aussprechen." (19.05.11)

Man sprach Deutsch

Axel Honneth beklagte diese Woche gegenüber der dpa, dass die Philosophie selbst in Deutschland immer seltener auch auf Deutsch behandelt wird. Darüber hinaus wird sie an den Unis zwischen der Neurowissenschaft hier und dem Nützlichkeitsdenken da zerrieben. Johannes Seibel kommentiert in der Tagespost den Sieg der angelsächsisch analytischen Tradition und den "Ausverkauf einer ganzen Disziplin an die bloße Meinung". (18.05.11)

Was sich gehört

Apropos "Schwundform von Ratgeber-Kolumnen der Alltagsmoral": In der taz unterhält sich Kai Schlieter mit dem als "Moral-Experten" annoncierten Rainer Erlinger darüber, was sich alles gehört und was nicht: Freude über fremde Tode, Nothilfe für Personen und für Völker, Atomkraft und Massentierhaltung. Daneben werden alle Fragen aus dem Ethik-Duden durchgenommen. (21.05.11)

Und sie gehören doch dazu!

Die Badische Zeitung spricht mit dem Philosophen und Übersetzer Franz Schupp über den Islam, genauer: die arabische Kultur, die nicht nur die griechischen Klassiker bewahrte, sondern mit Averroes - so Schupps These - gar die europäische Aufklärung einleitete. (21.05.11)


Links der Woche am 14.05.2011, 14:30 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 19/11

Kollektiv für das Individuum

Vor einer Weile hat sich u.a. die FAZ mit "Der kommende Aufstand" beschäftigt - eine Weckschrift, die von einem unbekannten Autorenkollektiv verfasst wurde. In der multitudinalen Autorschaft scheint linksrheinisch ein neuer Trend zu liegen, wie Niklas Maak mit Blick auf die in Paris veröffentlichten "Grundbausteine einer Theorie des Jungen-Mädchens" berichtet. Wieder ein Kollektiv - diesmal unter dem Signet "Tiqqun" - analysiert darin das durchkapitalisierte Individuum. (10.05.11)

not(Rezension)

Waldemar Kesler bespricht in der taz den/die "Logicomix" - einen philosophiegeschichtlichen Comic über Logik mit Bertrand Russell in der Hauptrolle -, allerdings ohne einen Eindruck vom Inhalt des Buchs in Wort oder Bild vermitteln zu können. (10.05.11)

Alle Fragen offen

Die FAZ hat ein neues Blog am Start: "Digital/Pausen" soll wohl Philosophie und Gegenwart behandeln. Das Blog wird beschickt von Hans Ulrich Gumbrecht, der zu Beginn von einem Seminar schwärmt, zu dem er Peter Sloterdijk nach Stanford eingeladen hatte. Gewohnt wolkig mythologisierte Schlotterdeik die Gegenwart des Astro-Terrors in mesopotamischer Stimmung. (11.05.11)

Linke, Liebe, Leiden

Raffael Fritz weist in/bei Ö1 Wissenschaft auf das neue Buch von Alain Badiou hin, das diese Woche erscheint: "Lob der Liebe. Im Gespräch mit Nicolas Truong" Darin wendet er sich gegen Partnerbörsen und Biologismen, die Badiou allesamt als Ausflüsse eines sicherheitsfanatischen Hedonismus gelten. Echte Liebe muss bereit sein, zu leiden und durchzuhalten. (13.05.11)

Und sonst so?

Sonst interessiert sich "Popküken" Lena Meyer-Landrut offenbar für ein Philosophie- oder Theologiestudium, im Philosophicum Lech wird nach einer Eröffnung von Schlotterdeik über das Glück nachgedacht und Hans-Jürgen Stöhr ist ein Berater für "gescheites Scheitern".



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