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Monatsbuch

Suche ausgeführt.

Mit dem Stichwort "Martin Heidegger" sind die folgenden Artikel markiert:


Links der Woche am 15.07.2017, 14:17 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 28/17

Warum werden sie so gehasst?

Henrike Schirmacher widmet den oft als Flugratten verunglimpften Stadttauben in der FAZ einen sehr interessanten und bisweilen wenig mitfühlenden Text, in dem es u.a. über den Zusammenhang zwischen dem von Denkmalschützern gefürchteten Taubenkot und unserer Diät sowie über den zwischen urbaner Umgebung und Tierbild geht. (11.07.17)

Wo ist noch Intellektuellenbuch?

In der NZZ fragt sich Jan Söffner, warum immer weniger Menschen der Aufforderung eines gedruckten Buchs nachkommen, sich Zeit dafür zu nehmen, und lieber schnell das Internet bemühen. Söffner vermutet, die intellektuell hungrigen Leser seien einfach zu oft enttäuscht worden von Büchern, die bloß als Forschungsbeleg veröffentlicht wurden, und gibt Tipps, wie im 21. Jahrhundert Denkabenteuer zu schreiben wären. (12.07.17)

Du wirst, was du studierst.

Was macht das Studienfach aus einem Menschen? Das hat sich Samuel Kramer für das Uni-Blog der FAZ gefragt und mit drei jungen Studenten unterhalten: Die Medizin-, Jura- bzw. Soziologiestudenten bestätigen so manches Klischee über ihre Fächer und überlegen, woran das wohl liegt. (13.07.17)

Vor der Komplexität kapitulieren

Nach dem G20-Gipfel vorige Woche zeigt Armin Nassehi in der ZEIT Verständnis für die Polizei und denkt über die Atrraktivität politischer Gewalt nach. Die Linke hat es leicht, weil sie - anders als die Rechte - sympathische Forderungen stellt, darum nicht über den Weg zu ihrer Erfüllung nachdenken kann und ergo latent autoritär ist, während „es der globalisierten Welt noch nie so gut ging wie heute.“ (13.07.17)

Mit Trump gegen Trump?

Naomi Klein hat jüngst ein Buch darüber geschrieben, wie es zu Trump kam und was wir jetzt tun müssen. Tim Adams portraitiert im Freitag die prominente Vordenkerin der US-Linken, die den Aktivismus wieder cool machen will und aus deren früheren Veröffentlichungen Trump scheinbar viel gelernt hat. (14.07.17)

Was man so alles lesen kann

Die taz ist ziemlich enttäuscht von Peter Sloterdijks lieblos zusammengestellter Essaysammlung „Nach Gott“. +++ Bei Glanz & Elend werden besprochen sowohl Manfred Geiers Doppelbiographie „Wittgenstein und Heidegger“ als auch Andreas Urs Sommers Essay gegen den moralischen Relativismus. +++ Die NZZ zeigt sich sehr angetan von Ralf Konersmanns „Wörterbuch der Unruhe“, das diese als Zeitphänomen aus philosophischer Distanz analysiert. +++ Die SZ stellt Julian Nida-Rümelins Lob der Grenzziehung - im Privaten wie im Staatlichen - vor, dass da lautet: „Herzlich willkommen, aber...“ +++ Bini Adamczaks Büchlein „Communism for Kids“ gilt der Rechten in den USA als Beleg für die Perfidie ihrer imaginierten Feinde: Die SZ erklärt, worum es in der vermeintlichen Indoktrinationsfibel wirklich geht. +++ Uwe Justus Wenzel denkt in der NZZ anlässlich von Jason Brennans Buch „Against Democracy“ über die schillernde Vielfalt von Willensbekundungen nach, die in der Demokratie als vox populi laut wird.

Henry David Thoreau zum 200.

Die FR würdigt Henry David Thoreau zu seinem 200. Geburtstag und bringt neben einem Portrait auch eine Liste von Neuerscheinungen zu dem Waldgänger. Die taz bespricht Frank Schäfers Thoreau-Biographie und die WELT überlegt, wie Thoreau zu Obama und Trump stehen würde...

Et cetera:

Die Soziologie hat ein ähnliches Problem wie die Philosophie: Im Studium lernt man nur, wie man das Fach lehrt. Einige Soziologen wollen diejenigen Absolventen, die es nicht auf einen Lehrstuhl schaffen, als professionelle Gesprächspartner arbeitsmarktfähig machen, wie die FAZ meldet. +++ Die FAZ berichtet außerdem von einer Tagung in Jena über die linken Wurzeln des Faschismus und rechtspopulistische Erfolge unter Arbeitern und Arbeitslosen. +++ Kognitive Verzerrung: Telepolis schreibt über eine Studie, wonach in den USA über muslimische Attentäter fast fünf Mal so ausführlich berichtet wird wie über nicht-muslimische. +++ Womöglich kennen Sie das Selfie des Schopfmakaken-Weibchens auch aus Lichtwolf Nr. 51, wo es Marc Hieronimus’ Essay über die narzisstische Massenpsychose unserer Tage einleitete. Ebenso womöglich muss das Photo in den noch unverkauften Ausgaben bald geschwärzt werden, denn die Tierrechtsorganisation Peta will den Streit darum, wer das Urheberrecht an dem Bild hat - die Makakendame oder der Besitzer des Photoapparats - ein für alle Mal klären, wie die FAZ meldet. +++ Heute Abend ab 23:05 Uhr gibt es im Deutschlandfunk die Lange Nacht über Walter Benjamin.


Links der Woche am 17.06.2017, 20:06 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 24/17

Angst essen Demokratie auf

Bernhard Wiens hat bei Telepolis einige Betrachtungen zum Zusammenhang von Angst und Politik aus wahrlich unheimlichen Zeiten zusammengestellt. Allen voran Franz L. Neumann wies nachdrücklich darauf hin, dass Demagogen nur auf den richtigen Moment warten, um das neurotische Unbehagen des modernen Massemenschen in die blinde Tat umzusetzen. (15.06.17)

Digitale Erkenntnistheorie

Ein Roman über Platons Zeitreise ins Google-Hauptquartier und ein Essay über die unterschätzte Bedeutung von Information lassen Adrian Lobe in der NZZ darüber sinnieren, was Wahrheit, Ethik, Philosophie überhaupt im digitalen Zeitalter bedeuten. (16.06.17)

Antike Demagogen

Nochmal Demagogie: Der Althistoriker Stefan Rebenich blickt in der NZZ auf antike Vorbilder heutiger Populisten und Demagogen wie Kleon und die Gebrüder Gracchus zurück. Schon damals sorgten ökonomischen Unwuchten und eine doofe Plebs für den Aufstieg der Volkstribune, deren Amtsführung mehr Schaden als Nutzen anrichtete. (17.06.17)

Neue Bücher

Die FR bespricht die Edition von Victor Klemperers Briefen, die seinen Tagebücher manch zusätzlichen Farbtupfer verleihen. +++ Außerdem stellt die FR Manfred Geiers Doppelbiographie über Wittgenstein und Heidegger vor. +++ Die NZZ rezensiert Beate Rösslers Buch über das unerreichbare Ideal der Autonomie in der Moralphilosophie. +++ Die taz findet, dass man viele rhetorische Kniffe aus Daniel-Pascal Zorns Logikanleitung für Demokraten auch auf sie selbst anwenden kann. +++ Ulrich Brand und Markus Wissen gehen über die Kritik an Greenwashing und maßlosem Konsum hinaus, indem sie den Wahnsinn der imperialen Lebensweise aufzeigen. Der Freitag stellt ihr gleichnamiges Buch vor.

Sonstiges:

Tiere soll man nicht ärgern. Wem das mangels sittlicher Vernunft nicht einleuchtet, den mag überzeugen, wovon die SZ berichtet: Tiere merken sich, wer gemein zu ihnen ist. +++ Der gute alte Cyberspace ist längst auch Kampfzone des Militärs, friedensethische Fragestellungen bleiben hier aber noch unberücksichtigt, wie die taz moniert. +++ Serwus i bims! Was ist das für 1 Sprache vong Internet her? Die WELT erklärt es den stauenden Social-Media-Laien. +++ Marie Mohrmann (sic!) verteidigt im Freitag die zuletzt umstrittenen Critical-Whiteness-Ansätze, indem sie beschreibt, wo diese sinnvoll sind und wo sie eher im Hintergrund bleiben sollten. +++ In zwei Wochen ist Mainzer Minipressenmesse! Jetzt schon einmal die Zugfahrt planen und - um gebührenden Lesestoff zu haben - den Lichtwolf abonnieren, damit sie unterwegs das in drei Tagen in die Briefkästen kommende Heft zum Thema Wurst schmökern können.


Links der Woche am 06.05.2017, 13:53 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 18/17

„Entropie des Meinens“

In der NZZ beklagt Paul Jandl den Niedergang der Streitkultur in beschleunigten und unübersichtlichen Zeiten, in denen jeder eine Meinung und keine Ahnung hat. Die Intellektuellen machen es kaum besser, indem auch sie nur noch über ihr jeweiliges Steckenpferd monologisieren. Eine Entschleunigung der publizistischen Debattenräume tut Not. (03.05.17)

Frühjahr- statt Sommersemester, bitte!

Nirgendwo währt die vorlesungsfreie Zeit so lang wie an deutschen Unis, bloggt Niklas Záboji bei der FAZ und plädiert zum zehnten Jubiläum des gescheiterten Versuchs einer „Harmonisierung der Semesterzeiten“ für Vorlesungen ab Anfang März und Anfang September, wie sie überall im Ausland üblich sind. (04.05.17)

Was der Multikulturalismus übersieht

Bei Telepolis beschäftigt sich Karl Kollmann mit dem Soziologen Zygmunt Bauman und Begriffen wie Freund, Feind und Fremder vor dem Hintergrund der „Flüchtlingskrise“. Das tut nötig, weil schon der Begriff des „Sozialen“ im Alltagsdiskurs allenfalls schwammig verwendet wird; die Erfahrungen von Zugezogenen schärfen den Blick dafür, wie schwer es mit dem „Sozialen“ geht. (05.05.17)

Morgen in Frankreich

Am morgigen Sonntag findet in Frankreich die Stichwahl ums Präsidentenamt zwischen Emmanuel Macron und Marine Le Pen statt. Die WELT unterhält sich mit Tristan Garcia, „dem neuen Vordenker der jungen Franzosen“, darüber, wie schwer sich Linksintellektuelle mit dem „identitätspolitischen Backlash“ und mit Macron als kleinerem Übel tun. Auch die ZEIT bittet einen schlauen Franzosen zum Interview, nämlich den Philosophen und Mathematiker Denis Bonnay, der die ambivalente Wirkung von Meinungsumfragen und Wahlaufrufen erklärt.

Außerdemos von Sonstnochos:

Die NZZ sieht mit dem Band „Die grosse Regression“ das linke Denken auf den Hund gekommen und empfiehlt stattdessen Kaspar Villigers Kampfschrift gegen den „Sozialdemokratismus“, der uns alle so furchtbar erdrückt. +++ Der Freitag weist auf den Horrorfilm für Selbstoptimierer, „Erfolgreich Scheitern“ hin, der neulich auf 3sat lief. +++ In München werden, wie die FAZ meldet, wertvolle Bücher und Autographen versteigert - darunter ein Typoskript der Vortragsfassung von Heideggers Freiburger Antrittsvorlesung „Was ist Metaphysik?“. +++ Außerdem gratuliert die FAZ dem konservativ-katholischen Denker Robert Spaemann zum 90. Geburtstag. +++ Sibylle Anderl glossiert im Wissensteil der FAZ launig über eine Studie zur Ehrenrettung von Sorgen und Pessimismus. +++ In der WELT empfiehlt Denis Scheck Ovids „Metamorphosen“ für seinen Kanon. +++ Die NZZ stellt Heinrich Meiers Auseinandersetzung mit Nietzsches Zarathustra als philosophisches Experiment der Selbsterkenntnis und -verstellung vor. +++ Hazel Brugger macht im Magazin ihrem Unmut Luft, mit anderen jungen Frauen in einen Topf geworfen zu werden, und dem Feminismus darum in den Rücken fallen zu müssen.


Links der Woche am 22.04.2017, 12:38 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 16/17

Das sind doch wir!

Die „verallgemeinerte Logik aus Zeiten, als Neue Sozialen Bewegungen [...] gegen Staat und Atom-, Rüstungs- und Ölindustrie antraten, wiederholt das Motiv vom Verblendungszusammenhang, hinter dem finstere Mächte am Werk sind“, hieß es in LW51 über den seltsam vertrauten Sound rechtspopulistischer Medien- und Systemkritik. Auch die taz fühlt sich an ihre Anfänge erinnert, besteht aber darauf, dass sich Dutschke und Höcke nicht nur im Vokabular unterscheiden. (15.04.17)

Die Mauer als Grenze und Zeichen

Dominik Irtenkauf beschäftigt sich bei Telepolis mit dem Mauerbau in der Politik und der Geschichte. Populär ist und in ihrer Funktion gewandelt hat sich die Chinesische Mauer. Die Grenze zwischen den USA und Mexiko erinnert (noch) an den Limes statt an Berlin, dessen Mauer sich heute wiederum in Beton zwischen Israel und Palästina und in der Mentalität zwischen Ossis und Wessis wiederfindet. (17.04.17)

Diesen Relativismus haben „wir“ nicht gewollt

Nun muss auch noch Karl-Heinz Ott in der NZZ den linksliberalen Anhängern des postmodernen Denkens von Offenheit und Vielfalt vorhalten, sie seien für die Geringschätzung von Wahrheit verantwortlich, die Trump ins Weiße Haus brachte. Ganz so harmlos waren die relativistischen Gedankenspielchen mit Nietzsche und den ganzen Poststruktralisten anscheinend doch nicht... (19.04.17)

Les sciences marchent

Am heutigen Samstag gehen weltweit Menschen auf die Straße, um „dafür zu demonstrieren, dass wissenschaftliche Erkenntnisse als Grundlage des gesellschaftlichen Diskurses nicht verhandelbar sind“, wie es beim Science March Germany heißt. In der ZEIT erzählen fünf Wissenschaftler, warum sie mitmarschieren. Die FR schreibt über ein Facebookvideo, in dem der populäre Astrophysiker Neil DeGrasse Tyson erklärt, was wissenschaftliche Wahrheit ist, ob man nun daran glaubt oder nicht. Auch im Fall der Proteste gegen die geplante Schließung der Central European University in Budapest, über die die FAZ berichtet, geht es nicht nur um akademische Arbeitsplätze, sondern um die Verteidigung des Pluralismus in autoritären Zeiten.

Bücher und Wahlen

Seit Trumps Amtsantritt haben Bücher Konjunktur, die sich die USA literarisch als Fascho-Staat ausmalen und lange in den Regalen verstaubten. Jan Wilm stellt in der NZZ eine Auswahl vor; eine ausführliche Reise durch die Welten kontrafaktischer Nazi-Romane unternahm Bdolf bekanntlich in Lichtwolf Nr. 45 und Nr. 46. +++ Die ZEIT weist hin auf den jüngst edierten jahrzehntelangen Briefwechsel zwischen Martin Heidegger und seinem Schüler und frühen Kritiker Karl Löwith. +++ Die taz dagegen freut sich, dass kurz vor den französischen Präsidentschaftswahlen das komplette Werk Lacans auf Deutsch erhältlich ist. +++ Just über die Wahlen links des Rheins unterhält sich die NZZ mit dem „Frankreich-Kenner“ Peter Sloterdijk. +++ Gustav Seibt zeigt sich in der SZ unzufrieden mit dem Essayband „Die große Regression“, worin sich linke Denker mit der wachsenden Unruhe in diesen Zeiten beschäftigen - überheblich im Ton und unter Aussparung der Digitalisierung. +++ Der Tagesspiegel wiederum unterhält sich mit Jason Brennan, der in seinem neuen Buch dafür plädiert, das Wahlrecht auf informierte und rationale, also qualifizierte Bürger_innen zu beschränken. Um die Frage nach der Qualifikation für politische Teilhabe geht es übrigens auch im aktuellen Lichtwolf. +++ Rolf Dobelli rät in seiner NZZ-Kolumne, dem Handeln öfter mal den Vorzug vor dem Nachdenken zu geben.


Links der Woche am 25.02.2017, 17:22 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 08/17

Revolutionäre Zeiten

Revolution, du Donnerwort, ruft Gero von Randow in der ZEIT aus und überlegt, sogleich ernüchtert, was der Begriff - mit dem er Körperlichkeit, Depression und Enthusiasmus, Gewalt und Befreiung verbindet und dem er ein Buch gewidmet hat - heutzutage überhaupt noch bedeutet. (23.02.17)

Ein Leninist im Weißen Haus

In der NZZ fragt sich Uwe Justus Wenzel, was Trumps Chefberater Stephen Bannon mit seiner Selbstbeschreibung als Sun-Tzu lesender Leninist meint. Ist das Chaos im Weißen Haus vorgetäuscht oder gar erwünscht, um mittels Shock-and-Awe-Taktiken den Staat widerstandslos zerstören zu können? (25.02.17)

Außerdemchen:

Der Freitag bespricht das posthum veröffentlichte letzte Buch des Kulturwissenschaftlers und Begründers des (tödlich deprimierenden) kapitalistischen Realismus Mark Fisher. +++ Die NZZ stellt die dreibändige Edition der Briefwechsel von Karl Jaspers als publizistische Großtat vor, die u.a. den Abgrund von Heideggers Nationalsozialismus erhellen hilft. +++ Die FAZ berichtet über eine Studie, die untersucht, ob und wie wissenschaftliches Renommee von der Uni auf die Absolventen abfärbt. +++ Der Historiker Julien Reitzenstein hat wegen einer Rezension seines Buches den Anwalt auf das Fachblatt H-Soz-Kult gehetzt und es gezwungen, die Besprechung vom Netz zu nehmen. Auch die FAZ kommentiert den ziemlich unwissenschaftlichen Fall, der als Bumerang auf Reitzenstein zurückkommen könnte. +++ Jan Drees unterhält sich für den Tagesspiegel mit dem Kulturwissenschaftler Fritz Breithaupt über die dunkle Seite der Empathie von Nietzsche bis Trump.


Links der Woche am 15.10.2016, 14:23 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 42/16

Angstkampagnen rocken mehr als Fakten

Überall weidet man sich beispielsweise an der Angstlust, Trump könne zum US-Präsidenten gewählt werden. Auch Susanne Berkenheger gibt sich diesem medialen life thrill hin und überlegt im Freitag mit einigen Psychologen und Soziologen, ob dem täglichen Apokalypsenporno nicht eigentlich resignative Wut auf die Zivilisation zugrunde liegt (09.10.16)

„Desaster deutscher Geistesgeschichte“

Die Demaskierung oder Demontage Heideggers geht weiter: Adam Soboczynski und Alexander Cammann haben für die ZEIT in den Briefwechsel zwischen den Gebrüdern Heidegger zwischen 1930 und 46 geblickt, in dem sich der Seinsdenker als profan antisemitischer, komplett uneinsichtiger Nazi-Anhänger äußert. (12.10.16)

Angst und Langeweile der Selbstbestätigung

Ronja von Rönne berichtet in der WELT, wie sie nach vollzogenem Onlinshopping den Reklame-Algorithmen sei dank im Internet mit nichts anderem mehr als ihren vermeintlichen Bedürfnissen konfrontiert wird. Sie sorgen dafür, „dass man noch mehr der Mensch wird, der man schon ist“ - ob nun Shopping Queen oder besorgter Bürger. (13.10.16)

Roboterrechte und -pflichten

Die ZEIT setzt ihre Reihe über Künstliche Intelligenz und die Arbeitswelt fort, diese Woche mit einem Text von Adrian Lobe über die ethischen und rechtlichen Fragen, die sich zum Beispiel ergeben, wenn ein Roboter einen Menschen oder einen anderen Roboter tötet. Auch in anderen Fällen wirft uns die KI manch harte Nuss in Sachen Willen, Gewissen und Verantwortung vor die Füße. (14.10.16)

Content- statt Kulturindustrie

Das, was drin ist, zählt nur noch mit Blick auf das, was hinten rauskommt: Mark Siemons schreibt in der FAZ über Content, in dem Unterhaltung, Journalismus und Werbung zusammenfließen und dessen instrumentelle Logik die gesamte Text- und Bild„produktion“ erfasst und erst zu einer solchen macht - die sich übrigens umso leichter automatisieren lässt. (15.10.16)

Das Weitere und Engere:

Die NZZ weist auf Pierre Bayles nicht ganz leicht zu lesenden Grundschrift der Toleranzphilosophie aus dem 17. Jahrhundert hin. +++ Michael Angele bespricht im Freitag Gisela von Wysockis Roman „Wiesengrund“, der der Faszination nachgehen will, die Adorno auf die Generation der 68er ausgeübt hat. +++ Um nicht schreiben zu müssen, er habe es ja immer schon gesagt, erklärt Gewaltforscher Wilhelm Heitmeyer im Freitag, warum er von der Brutalisierung der Gesellschaft nicht überrascht ist. +++ Das Jüdische Museum Berlin zeigt eine Ausstellung, in deren Zentrum laut FAZ der Golem und seine modernen technischen Nachfolger stehen. +++ In der FR ist von der Klage der Verbände über den stagnierenden E-Book-Markt in Deutschland zu lesen. Dem kann sich der catware.net Verlag mit seinen DRM-freien und halb so teuren E-Book-Fassungen des Lichtwolf nur anschließen.


Links der Woche am 27.08.2016, 14:14 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 35/16

Paradigmenwechsel oder Hype?

Markus C. Schulte von Drach erklärt in der SZ mal ausführlich, was es mit Epigenetik auf sich hat, also der Theorie, dass Erfahrungen sich in den Genen niederschlagen und weitergegeben werden. Diese Wiederkehr des von Darwin widerlegten Lamarckismus aus dem 19. Jahrhundert birgt faszinierende Forschungsergebnisse, ruft aber auch Skepsis hervor. (22.08.16)

Scheitern ist out

„Der gescheiterte Künstler hat seinen Glamour verloren“, schreibt Annette Weisser in der ZEIT und erinnert sich an das West-Berlin der 1980er Jahre sowie an Chris Kraus’ Roman „I Love Dick“: Die damals und dort praktizierte Verweigerung und das existenzielle Scheitern sind für die im Neoliberalismus Aufgewachsenen keine Option mehr. (24.08.16)

Gutes tun mit Hand und Fuß

Im Uni-Blog der FAZ portraitiert Henrike Wiemker zwei Anhänger des „effektiven Altruismus“, die beim Weltverbessern möglichst rational vorgehen wollen. Beide haben unter dem Gesichtspunkt ihre Karrierewege verändert, um z.B. als Besserverdiener mit Spenden einen größeren Beitrag zum Menschheitswohl zu leisten als es einem HNO-Arzt möglich wäre. (26.08.16)

Zwischen Hetze und Verwertung

Mit dem Rechtspopulismus breitet sich die Irrationalität in der Politik aus. Heike Schmoll schreibt in der FAZ über die EU-Forschungspolitik, die „real solutions“ für „real problems“ erwartet, sprich diejenigen Geistes- und Sozialwissenschaften marginalisiert, die weniger der Wirtschaft als den Ideen von Pluralismus und Toleranz dienen. (26.08.16)

Unverzagt an die große Aufgabe

Der Politologe Herfried Münkler hat mit seiner Frau Marina ein Buch geschrieben und beide werden deswegen von gleich drei FAZ-Redakteuren interviewt. Denn ihre Sozialutopie über die neuen Deutschen ist eine Absage an Identität und Leitkultur, ein Plädoyer für moralische Politik und richtet sich besonders an diejenigen, die Merkels „Wir schaffen das“ in der Flüchtlingspolitik mit Skepsis betrachten. (26.08.16)

Lektüre, die bleibt

Der Schriftsteller Rolf Dobelli empfiehlt in der NZZ eine neue Lesekultur: „Weniger lesen, dafür doppelt.“ Denn auch Dobelli hat wie so viele mehr Bücher, als er lesen kann, und konnte sich an die gelesenen kaum erinnern, bis er diese eher nutzenorientierte Form der Lektüre wählte. (27.08.16)

Die Maschine rettet Rotkäppchen

Christoph Drösser will wissen, ob Algorithmen Texte schreiben können, und hat mit einem Algorithmus einen Text darüber für ZEIT Wissen geschrieben. Darin erklärt er an einigen konkreten Beispielen, wie maschinelles Lernen funktioniert - mit neuronalen Netzen ähnlich wie im menschlichen Gehirn. (27.08.16)

Et cetera:

Markus Christen macht sich in der Huffington Post Gedanken darüber, wie Digitalisierung, Big Data und Künstliche Intelligenz das Kerngeschäft der Philosophie, philosophische Texte zu produzieren, verändern werden. +++ Der Freitag empfiehlt die Hörspielfassung von Victor Klemperers Analyse der Sprache des Nationalsozialismus. +++ Der Freitag-Leser Peter Nowak empfiehlt wiederum das Buch, in dem der Wiener Soziologe Alfred E. Noll nachweist, dass Heidegger lange vor der NSDAP-Mitgliedschaft ein Nazi war und es danach blieb. +++ Zwei Öko-Filme: Georg Seeßlen bespricht bei Glanz & Elend den angenehm ambivalenten Aussteigerfilm „Captain Fantastic“, Martin Schwickert weist in der ZEIT auf den modernen Märchenfilm „El Olivo“ hin, in dem es nur vordergründig um einen Olivenbaum geht.


Links der Woche am 09.07.2016, 14:34 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 28/16

Pornographisches Verhältnis zur Macht

Den Rechtspopulisten überall nähert sich Nils Markwardt im Freitag mit der in Max Webers Vortrag „Politik als Beruf“ getroffenen Unterscheidung von Verantwortungs- und Gesinnungsethik. Letztere mag zu Webers Zeiten noch sympathisch gewesen sein, ruft in ihrer grotesken Überzeichnung durch Trump, Farage et.al. aber nach mehr bräsiger Verantwortungsethik. (06.07.16)

Deutsch als heimliche Weltsprache

In der Welt wird Deutsch gesprochen und in der WELT schreibt Matthias Heine darüber: Das Englische und Russische haben vor allem deutsche Begriffe aus Bergbau und Chemie übernommen, in anderen Sprachen verwendet man ein deutsches Wort, wo wir ein englisches benutzen. Diese und weitere interessante Sprachdinge trägt Heine bei seiner globalen Fahndung nach Germanizismen zusammen. (07.07.16)

„Ein Europa, das Sinn hätte, fragte nicht danach.“

Edo Reents versucht sich in der FAZ satirisch an einer rechtspopulistischen Ruckrede gegen Europa, um dann ganz ernsthaft nach den viel - seit dem Brexit umso lauter - beschworenen europäischen Werten zu fragen, die eine rein ökonomische, „nicht pathosfähige“ Zweckgemeinschaft mit Sinn aufladen sollen. (08.07.16)

esse est percipi

Claudia Mäder kriegt aus ihrem sozialen Nahbereich ständig Photos aufs Smartphone geschickt und wundert sich in der NZZ über den Hang, die Wirklichkeit mit Abbildern zu belegen. Die Verstärkung von Text durchs Bild ist historisch nichts Neues, mag aber in ihrem aktuellen Übermaß das Ende der Vorstellungskraft einläuten. (09.07.16)

Bücher, Bücher, Bücher

Die NZZ stellt Elmar Schenkels Buchessay „Keplers Dämon“ vor, das an vielen Beispielen die gegenseitige Befruchtung von Literatur und Wissenschaft zeigt. +++ Band 80 der Heidegger-Gesamtausgabe ist da und enthält die Vorträge des jungen Heidegger, die u.a. von Marcuse mitgeschrieben wurden, wie der Freitag anmerkt. +++ Bei Glanz & Elend zeigt sich Jürgen Nielsen-Sikora skeptisch, ob Paul Mason mit „Postkapitalismus“ tatsächlich ein geeignetes Modell zur Bewältigung der kommenden Endkrise entwickelt hat. +++ In der ZEIT ist Gastautor Dieter Thomä ganz und gar nicht angetan von der vagen Resonanz-Metapher, mit der Hartmut Rosa, Sloterdijks „netter Neffe“, eine Soziologie der Weltbeziehung entwirft. +++ Bei Telepolis gibt es einen netten Auszug aus dem Buch zu lesen, mit dem Sven Böttcher und Mathias Bröckers daran erinnern, dass die Menschheit bereits das nötige Wissen hat, um ihre Zukunft zu retten. +++ Immer wieder mal schön, aus der philosophischen Filterblase rauszugucken: Lesen Sie hier die irritierte Rezension aus der Feder eines Trekkies über ein Buch, das sich mit der Philosophie in der TV-Serie Raumschiff Enterprise beschäftigt.

Außerdemos von Sonstnochos:

Der traut sich was: Sebastian Leber bedankt sich im Tagesspiegel mit guten Gründen bei der Antifa für ihre tägliche Arbeit. +++ Die FR weist auf den biographischen Dokumentarfilm über Claude Lévi-Strauss hin, der in der arte-Mediathek ein paar Tage nachzugucken ist. +++ Die NZZ stellt kurz die utilitaristische Ethik des effektiven Altruismus mitsamt ihres Vordenkers Peter Singer vor. +++ Das wäre Descartes nicht passiert: Medizininformatiker haben laut Wired in der Software zur Analyse von MRT-Daten einen Fehler entdeckt, der 20 Jahre Hirnforschung mitsamt ihres großen Selbstbewusstseins in Frage stellt.


Links der Woche am 02.07.2016, 14:29 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 27/16

Das lese ich später irgendwann

Prokrastination ist weit verbreitet und in Maßen nicht schlecht, schreibt Magnus Klaue in der FAZ, will damit aber nur darauf hinaus, dass sich längst ein arbeits- und motivationspsychologischer Markt zur Bekämpfung der Aufschieberitis etabliert hat - besonders im akademischen Kontext, wo Prokrastination wie eine Seuche um sich greift. (28.06.16)

Erasmus soll bleiben

Zu den vehementesten Brexit-Gegnern gehörten die britischen Hochschulen, deren Kampagne - wie die in Oxford lehrende Germanistin Henrike Lähnemann in der FAZ beschreibt - relativ erfolgreich war, d.h. nur in Universitätsstädten. Nun sind die Unis entschlossen, die europaweiten Kooperationen in Forschung und Lehre irgendwie trotzallem fortzusetzen. (29.06.16)

Kind kommt, Studium geht

Etwa fünf Prozent aller Studierenden kriegen vorm Abschluss ein Kind. Anne Armbrecht portraitiert in der FAZ einige studierende Eltern, die mit Kraft, Zeit und Geld gut haushalten müssen - was in den Fächern Medizin und Jura nicht zu funktionieren scheint. (02.07.16)

Künstliche Intelligenz

Diese Woche gab es den ersten Toten in einem autonomen Fahrzeug, kurz zuvor machte sich Ulf von Rauchhaupt in der FAZ noch Gedanken über utilitaristische Maschinenethik im Straßenverkehr und das „Trolley-Problem für Auto-Autos“. Manuela Lenzen berichtet ebd., dass nach 32 Jahren Entwicklungsarbeit eine programmierte KI alter Schule namens Cyc auf den Markt kommt. Rolf Dobelli legt in der NZZ ausführlich die evolutionären Gründe dar, warum wir uns nicht vor der Unterwerfung der Menschheit durch künstliche Intelligenz fürchten müssen.

Künstliches Leben

Volker Henn berichtet für Telepolis von einem Forschungsprojekt, welches das menschliche Genom sauber von Grund auf neu schreiben und dann ins Leben setzen will. In der ZEIT wundert sich Thea Dorn, warum das Crispr/Cas9-Verfahren, mit dem Gentechnikerinnen das Erbgut wie eine Textdatei bearbeiten können, weder Aufschrei noch Debatte auslöst - und warum die Leute „ihr Schicksal nicht mit Demut zu tragen bereit“ sind...

Unn sünst?

Die taz rapportiert den Monitoring-Bericht der Antonio Amadeu Stiftung zu rechter Hetze im Netz, die sich bis in die Mittelschicht verbreitet und mit Gewaltaufrufen, Querfront-Bestrebungen und Verschwörungstheorien vermengt. Wie unzurechnungsfähig diese Kundschaft ist, lässt Philipp Vetters WELT-Bericht über Strichcode-Entstörer und das Entgegenkommen der Industrie erahnen. +++ Nach dem Brexit wundert sich Robin Detje in der ZEIT: „Weiße Männer meines Jahrgangs zerstören die Welt, einfach nur so.“ Lorenz Jäger fühlt sich in der FAZ total fies als alter weißer Mann gehasst. :( +++ In ausgewählten Kinos ist das Biopic über Lou Andreas-Salomé zu sehen, das in der WELT und im Tagesspiegel besprochen wird. +++ Dieter Thomä bespricht in der NZZ zwei Neuerscheinungen zu Heidegger und seinem „metaphysischen Antisemitismus“ von Donatella Di Cesare und Reinhard Mehring. +++ Im Freitag ist eine ausführliche Rezension von Oliver Nachtweys „Die Abstiegsgesellschaft“ zu lesen, die u.a. erklärt, warum im Anstieg der Abiturientenquote sozialer Sprengstoff liegt. Nachtwey war kürzlich übrigens auch bei Deutschlandradio Kultur in einem Feature über die prekarisierte Mittelschicht zu hören. +++ Apropos Radio: In der sonntäglichen DLF-Sendung „Essay und Diskurs“ werden in den kommenden fünf Wochen sonntags um 9:30 Uhr die Herausgeber von Zeitschriften für die gebildeten Stände interviewt. Eine solche, die aber nicht im Radio vorkommt, kann man sich hier kaufen.


Intime Interna am 20.06.2016, 18:50 Uhr

Der neue Lichtwolf ist da!

Schon wieder ist es das beste Heft aller Zeiten, innen und diesmal vor allem außen:

Lichtwolf Nr. 54 (Ekstase)

Lichtwolf Nr. 54 zum Titelthema Ekstase ist ab sofort erhältlich hier im Einkaufszentrum oder beim catware.net Verlag.

Die diesjährige Sommerausgabe beschäftigt sich mit Ekstase, d.h. mit Transzendenz und Trance, Rausch und Schwärmerei, Enthusiasmus und Orgasmus nebst aller Varianten: Romantische Poesie und Nationalwahn, auch Heideggers Ekstasen sowie die anders gearteten von Fritz „Dionysus“ Nietzsche sind dabei. Auch Besessenheit im Christentum und Himmelfahrten in islamischer Mystik, außerdem Drogenkonsum und Masturbation, und im hinteren Heftteil geht es u.a. um Ekel und Emanzipation, den Frosch als Viehlosovieh und Wittgensteins Kriegserlebnisse.

Bdolfs Propädeutikum und Prolegomena und die erste Hälfte des Essays von Hieronimus und Schneidegger über den rauschenden Alltag im falschen Leben können Sie online lesen oder als PDF-Leseprobe herunterladen.

Erhältlich ist Lichtwolf Nr. 54 zum neuen Preis von 8,50 Euro hier im Einkaufszentrum, beim catware.net Verlag, im Buchhandel (ISBN 9783941921627) oder - da kann man richtig Zeit und Geld sparen! - im Abonnement.

Die E-Book-Fassung folgt in den kommenden langen, heißen Tagen.

Da Sie zu Recht skeptisch sind bezüglich der Behauptung, diese Ausgabe sei außenrum besonders gelungen, und da Sie sich nicht selbst am Kiosk davon überzeugen können, gucken Sie doch mal hier:

LW54 Rückseite

Wun-der-schön! Und das könnte für bloß 8,50 Euro Ihnen gehören!


Links der Woche am 07.05.2016, 14:30 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 19/16

Nationalsozialismus für Philosophen erklärt

Geschichte ist beliebt, schreibt Per Leo im MERKUR, und das hat Vor- und Nachteile, die er ausführlich illustriert an einer „Begegnung von Historikern, die das 19. und 20. Jahrhundert erforschen, mit Philosophen, die eine Meinung zum Nationalsozialismus haben“. Klar: Es geht um Heidegger!

Et cetera:

Die WELT schreibt über den in Princeton lehrenden Psychologen Johannes Haushofer, der mit einem Lebenslauf seines Scheiterns mehr Aufmerksamkeit erregt als mit seiner Forschung. +++ Rachel Barney versucht im Journal of the American Philosophical Association eine aristotelische Definition des Internet-Trolls. +++ Apropos: Der Heidelberger Germanist Roland Reuß ist bekannt für seine Skepsis allem Digitalen gegenüber. In der NZZ wendet er sich jetzt gegen Pläne der EU-Kommission, einen wolkigen Server-Verbund für wissenschaftliches Publizieren zu finanzieren. +++ George Steiner hat sich für ein Interview-Buch, das die taz vorstellt, von einer Journalistin zu Heidegger, Todeslagern und zum Sterben befragen lassen. +++ Das Literaturarchiv Marbach will zum 50. Jahrestag das Wunderjahr 1968 aus globaler Perspektive betrachten, wie in der WELT zu lesen ist. +++ Seit Wochen protestieren in Paris junge Leute unter dem Motto „Nuit debout“; in der ZEIT beschäftigt sich Felix Stephan mit dem Vorwurf, es handele sich bloß um eine elitäre Nabelschau. Paul Mason kommt natürlich auch vor. Im ZEIT-Interview mit Elisabeth von Thadden erklärt dieser nochmal, warum es mit dem Kapitalismus zu Ende geht und Information das nächste große Ding wird.


Links der Woche am 24.04.2016, 12:50 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 17/16

Arbeiter- und Soldatendrähte

Kai Schlieter unterhält sich für die taz mit dem Cyberwar-Theoretiker Thomas Rid, der jüngst eine Ideengeschichte der Kybernetik vorgelegt hat - eine von Norbert Wiener begründete verführerische Interdisziplin, die „Militär-nahe Forschung mit Gegenkultur, Artilleriefeuer mit LSD“ vereint. (17.04.16)

Bleibt Philosophie Männersache?

Im theorieblog geht es Sabine Hohl um den Aufstieg der Frauen in der Philosophie, dessen Langsamkeit schon länger beklagt wird und beschleunigt werden soll. Als Ursache für den unterdurchschnittlichen Frauenanteil gelten der Diskussionsstil, Talent (!) und die hauptsächlich männlichen Leitsterne der Disziplin; hinzu kommen die übrigen Karrierehemmnisse für Frauen. (21.04.16)

Klassenkampf von oben

Ausführlich beschäftigt sich Marcus Klöckner bei Telepolis mit dem Umgang mit den Besitzlosen in unserer Gesellschaft. Armut greift um sich, der Reichtum auch und die Kluft dazwischen wird von Politik und Medien mit der Verachtung derer gefüllt, die „es“ nicht geschafft haben im Gegensatz zu den Heroen der Eigenverantwortung. (24.04.16)

Fächer in Not

Schon vor einem Weilchen schrieb Felix Lill in der ZEIT über den weltweiten Effizienz- und Rechtfertigungsdruck, der die Geisteswissenschaften marginalisiert. Die Politologen Frank Decker und Eckhard Jesse werden in der FAZ konkreter und beschreiben, wie und warum die Politikwissenschaft öffentlich nur noch mit Querelen, aber nicht mehr mit Expertisen zu aktuellen Streitthemen wahrgenommen wird.

zum Fall Böhmermann

Der Satiriker Jan Böhmermann hat bei ZDF Neo exemplifiziert, dass der Satire juristische Grenzen gesetzt sind, und Türkenpräsi Erdogan sprang gewohnheitsmäßig darauf an, seither: Debatte mit x Metaebenen. Daraus nur zwei ausgewählte: Andreas Frey hat den Text mit der höchsten Schimpfwortdichte der FAZ-Historie geschrieben, weil er darin juristisch und lebensweltlich über Ehre und Beleidigungen meditiert. Im Freitag erinnert der Literaturwissenschaftler Steffen Martus an die Geburt von Kritik und Humor aus dem Geiste der Aufklärung - und wie schwer deren Akteure es im 18. Jahrhundert mit klagewütigen Autoritäten hatten.

Bücher, Bücher, Bücher

Bei Glanz & Elend bespricht Lothar Struck zwei Bücher von Uwe Kolbe und Günther Rüther über das goldene Zeitalter des öffentlichen Intellektuellen in beiden Nachkriegsdeutschlanden. +++ Als die Welt noch endlich war: Die NZZ stellt Philipp Schönthalers kurzweilige Studie über Survival-Literatur der 80er und deren anhaltenden Geist vor. +++ Die NZZ bespricht außerdem Heinz Budes Stimmungsbuch, in dem Heidegger soziologisch wird. +++ Drittens rezensiert Politologe Hans Maier ebd. die voluminöse Dissertation von Ahmet Cavuldak über verschiedene Trennungssysteme von Politik und Religion in westlichen Demokratien.

Et cetera:

Heideggers Schwarze Hefte sind inzwischen gut abgehangen. Nils Heisterhagen widmet seine Kolumne im European den linken und liberalen Intellektuellen, die sich seither mit der Berufung auf Heidegger noch schwerer tun müssten als die neue Rechte. +++ Felix Philipp Ingold ist Experte für russische Avantgarde und beschreibt in der NZZ, wie der Dadaismus auch in der jungen Sowjetunion in Gestalt der „Nitschewoken“ sein Unwesen trieb. +++ Die FAZ stellt eine soziologische Studie über Bildungsaufsteiger vor und darüber, ob sie ihren Erfolg bzw. ihr Scheitern sich oder der Gesellschaft zuschreiben. +++ Joseph E. Stiglitz weiß jedenfalls, warum junge Leute im Westen so sauer sind: Soziale Ungerechtigkeit hat auch eine Altersdimension.


Links der Woche am 30.01.2016, 15:44 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 05/16

Philosophie und Wissenschaft

Für Telepolis unterhält sich Reinhard Jellen mit dem Münsteraner Philosophieprof Kurt Bayertz über Unterschiede und Ergänzungen zwischen Philosophie und Wissenschaften, die sich mehr oder weniger gut auseinanderhalten lassen. Die Philosophie könnte helfen, die allzu leicht ökonomisch ausgerichteten Wissenschaften wieder humanistisch anzubinden, außerdem geht es um Postmoderne und Ideologie. (24.01.16)

Žižeks Leitkultur

René Scheu setzt sich in einem langen NZZ-Interview mit Slavoj Žižek auseinander. Es geht um Altersmisanthropie, doofe Studenten, liberale Tabus, die deutsche Flüchtlingspolitik, Kulturrelativismus und die Kapitalistenschweine, die vom Chaos in der Welt profitieren. (30.01.16)

Grundlagen der bürgerlichen Gesellschaft

Nun, da Flüchtlingen an diversen europäischen Grenzen die Wertsachen abgenommen werden (sollen), überlegt Thomas Steinfeld in der SZ, was das bedeutet, wenn Person und Eigentum einander hegelianisch bedingen. Indem ihnen die Verfügungsgewalt über sich selbst genommen wird, sind Geflüchtete aufs nackte Menschsein reduziert und davon ausgeschlossen, Rechtssubjekte zu werden. (27.01.16)

Außerdemchen:

Peter Sloterdijk plappert im Cicero PEGIDA-Parolen nach, schreibt der Tagesspiegel, und in der WELT kommt ausgerechnet vom doofen Ulf Poschardt eine Gegenrede. +++ Christoph Drösser schreibt in der ZEIT einen hymnischen Nachruf auf Marvin Minsky: Der KI-Pionier und Hirn-Backupper ist diese Woche mit 88 gestorben. +++ Telepolis weist auf eine Studie hin, die ein mathematisches Modell dafür liefert, wann große Verschwörungen auffliegen. +++ Adornos „Erziehung nach Auschwitz“ wird in diesem Jahr ein halbes Jahrhundert alt, ist aber aktueller denn je, weshalb die Uni Frankfurt zum Symposium einlud, von dem Christian Füller für den Freitag berichtet. +++ Die NZZ bespricht Hans Peter Duerrs ebenso voluminöses wie trostfreies Kompendium der Nahtod-Erfahrungen. +++ In der taz wundert sich Micha Brumlik, warum noch immer so viele an Heidegger festhalten, obwohl die Schwarzen Hefte seinen Antisemitismus offenbart haben und er zum Stichwortgeber der Israelkritik geworden ist.


Links der Woche am 23.01.2016, 20:57 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 04/16

Nachkriegsfreundschaften

Der Politikwissenschaftler Ahlrich Meyer beschäftigt sich in der NZZ mit den Briefen, die von den Schwierigkeiten Siegfried Kracauers kündet, die sich im freundschaftlich-wissenschaftlichen Kreise von Hans Blumenberg und Hans Robert Jauss, Romanist mit SS-Vergangenheit, ergaben. (23.01.16)

Weitere Materialien zur Flüchtlingskrise

Theatermacher Milo Rau wendet sich in der ZEIT gegen den „zynischen Humanismus“, der sich in bloßer Betroffenheit äußert, obwohl doch alles auf den Zusammenhang hinweist, der zwischen dem Flüchtlingselend und unserer Lebens- bzw.- Konsumweise besteht, allbekannt ist und doch nie ernsthaft angegangen wird. In einem faszinierenden Text lässt die NZZ Wissenschaftler mit ethischen, ökonomischen und athropologischen Argumenten erklären, warum die Abschaffung aller Grenzen kein Chaos, sondern eine handfeste Utopie hervorbringen würde, wie es in der Vergangenheit schon mehrmals passiert ist. Apropos Utopie: Natürlich hat Slavoj Žižek auch weiterhin viel dazu zu sagen, wie der Kommunismus gegen Flüchtlingselend und Sex-Mob-Attacken hilft, so im schweizerischen Tagesanzeiger. Zu guter Letzt an die Schnittstelle von Ethik, Politik und Staatskunst: Das Verfassungsblog nimmt das Gutachten des ehemaligen Bundesverfassungsrichters Udo Di Fabio auseinander, das vermeintlich die Position der CSU zur Flüchtlingspolitik stützt.

Et cetera:

Für die FR bespricht Otto A. Böhme Axel Honneths Versuch, die diskreditierte Idee des Sozialismus in nüchtern-akademischem Ton als mögliche Lösung ökologischer und sozialer Probleme zu revitalisieren. +++ Die FAZ berichtet, wie sich die TU München darauf einstellt, dass die Studis immer mehr technische Geräte mit in die Uni schleppen. +++ In der SZ dagegen geht es darum, dass Studis viel zu brav sind - gelegentlichen Aufmüpigkeiten à la Münklerwatch zum Trotze. +++ Die taz meldet, dass ein großer Teil der zweiten „Marx-Engels-Gesamtausgabe“ der Einfachheit halber im Internet erscheinen soll, vor allem Briefwechsel, Exzerpte und Notizen. +++ Uwe Justus Wenzel berichtet für die NZZ von Günter Figals Tagung über Heideggers Schwarze Hefte in Freiburg.


Links der Woche am 09.01.2016, 14:37 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 02/16

Simplicissimi

Gute Vorsätze und so: Katrin Hummel beschäftigt sich in der FAZ mit dem anhaltenden Trend zu einem minimalistischen Lebensstil. Sie portraitiert dazu einige Leute, die ihren Besitz und Konsum radikal eingeschränkt und damit neue Freiheit gewonnen haben, wie es auch der Soziologe Harald Welzer empfiehlt. (06.01.16)

Aggressiver Humanismus statt Onlinepetitionen

Für Telepolis unterhält sich Manuel Schumann mit dem jüngst wegen seines antimodernistischen Pathos in Verruf gekommenen Aktionskünstler Philipp Ruch vom Zentrum für politische Schönheit. Es geht u.a. um eine radikal neue Flüchtlingspolitik, die Notwendigkeit undifferenzierter Politikerschelte und den Unterschied in den Zwecken zu PEGIDA. (07.01.16)

Zwei Dinge...

...hielten diese Woche das Feu in Atem und nur eines davon ist ordentlich genug abgehangen, dass es jetzt schon schöngeistiger Erwägungen lohnt. Da aber zur kritischen Edition von Hitlers „Mein Kampf“ so viele Kommentare erschienen sind, sei hier lediglich auf den von Jürgen Kaube (FAZ) verwiesen, der sich eine solche Ausgabe schon 1948 gewünscht hätte. In der anderen Geschichte, den sexuellen Übergriffen in der Silvesternacht in Köln und anderswo, hat Frank Lübberding für die FAZ eine erstaunlich unaufgeregte Phoenix-Runde zum Thema gesehen. In der WELT ruft der britisch-ugandische Autor Musa Okwonga dazu auf, endlich gemeinsam gegen Rassismus und Sexismus vorzugehen.

Das Verschwinden des Menschen

Der Mensch ist fleißig dabei, sich überflüssig zu machen: Wenn die Arbeit erstmal komplett den Maschinen überlassen ist, braucht es uns nur noch als Konsumenten, wie Marco Metzler in der NZZ schreibt. Die taz portraitiert mit dem KI-Forscher Dirk Helbing jemanden, der an der technischen Realisierung eines „planetaren Nervensystems“ werkelt, in dem der Mensch wohl eher ein herauszurechnendes Störphänomen ist.

Et cetera:

Bei politik-digital.de findet man das Buch des „bekanntesten Online-Philosophen Deutschlands“, Florian Rötzer, über „Smart Cities im Cyberwar“ anstrengend weil zu philosophisch. +++ Die NZZ empfiehlt Richard Swartz' phänomenologischen Roman übers alltägliche Gelumpe und Gerödel. +++ Die topmoderne Uni Freiburg stellt Podacsts (Audio und Video) von der interdisziplinären Tagung über Heideggers „Schwarze Hefte“ und die Ideologieanfälligkeit der Intellektuellen zur Verfügung. +++ Die taz portraitiert das philosophische Wunderkind Marcus Steinweg, der als Vortragskünstler jenseits von Uni und Institutionen der Metaphysik nachgeht. +++ Der Kapitalismus gerät ins Stocken, schreibt Robert Misik in der taz und liest bei diversen Ökonomen nach, ob das jetzt der echte Niedergang des „Kaputtalismus“ ist und was danach kommen könnte.


Links der Woche am 12.12.2015, 15:03 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 50/15

Heidegger-Schisma

Die Veröffentlichung von Heideggers Notizen aus den 1930er und 40er Jahren („Schwarze Hefte“) hat letztes Jahr unter Anhängern und Gegnern des Fundamentalontologen für Aufregung gesorgt. Nach einigen Rücktritten, Neupositionierungen und vielen Wortmeldungen finden gerade diverse Konferenzen zum Thema statt, die die Zersplitterung belegen. Thomas Thiel gibt in der FAZ eine Übersicht über Akteure und Frontlinien. Die Badische Zeitung unterhält sich mit Hermann und Arnulf Heidegger (Sohn und Enkel) darüber, warum der Nachlass weiterhin Familiensache bleibt und was in Freiburg los ist.

Facebook-Kritik herzlos bis antisemitisch?

Facebook-Gründer Mark Zuckerberg hat die Geburt seiner Tochter zum Anlass für die Ankündigung genommen, sein Vermögen in eine wohltätige Stiftung einzubringen. Michael Hanfeld gehörte zu denen, die darob nicht in Lobpreis ausbrachen, vielmehr zeigte sich Hanfeld in der FAZ kritisch gegenüber diesem Mediencoup. Götz Aly meinte in der allgemeinen Kritik, aber besonders in der Hanfelds, alte antisemitische Klischees zu erkennen, und bekommt wegen der Vorwürfe in seinem BZ-Artikel nun wiederum einen geharnischten Brief vom Feu-Chef der FAZ, Jürgen Kaube.

Neue Bücher

Der Freitag bespricht Jürgen Manemanns Buch, demzufolge Nihilismus und Furcht vor dem leeren Leben - und nicht Religion - junge Europäer zum Dschihadismus (oder Faschismus) hinziehen. +++ Die NZZ weist auf Manfred Franks Vorlesungen hin, die in einem Buch versammelt - gestützt auf Sartre, Fichte, Novalis und Bolzano - der Frage des Selbstbewusstseins nachgehen. +++ In ihrer Rezension von Axel Honneths Buch zur Aktualisierung des Sozialismus sieht die WELT den kommunikativen Liberalismus von Honneths Lehrer Habermas am Werk.


Links der Woche am 05.12.2015, 14:01 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 49/15

Der verunsichernde Teil der Antwort

Nach den Anschlägen von Paris schien die französische Stadt ebenso wie Brüssel im Belagerungs- oder Ausnahmezustand zu sein. Dass dieser dem Sicherheitsapparat nicht unbequem ist, nimmt Harald Staun zum Anlass für die Warnung, Polizei und Geheimdienste könnten das Vertrauen in die freiheitliche Demokratie gefährden. (29.11.15)

Künstliche Kapuzineräffchen mit Exoskelett

Die FAZ unterhält sich mit dem KI-Entwickler Jürgen Schmidhuber, der nicht nur die körperliche Arbeit dem Roboter überlassen will, sondern auch Wissenschaft und Forschung. Dazu forscht er ausgiebig an selbstlernenden neuronalen Netzwerken und zeigt sich unbeeindruckt von den Aussichten, seine Spezies könne sich damit selbst marginalisieren. (01.12.15)

Et cetera:

Die NZZ berichtet von einer Bochumer Tagung über experimentelle Philosophie, die zurück zum erhellenden Gedankenexperiment als Empirie will und deren Logo ein brennender Lehnstuhl ist. +++ Die Deutsche Welle hat Migranten und Geflüchtete nach ihren liebsten Worten auf Deutsch gefragt, Hannes Klug und Michael Angele stellen im Freitag das Ergebnis vor: „ebenso klangvolles wie melancholisches Wörterbuch“. +++ Hätte der Sozialismus das iPad hervorbringen können?, fragt Zoe Williams im Freitag und beschäftigt sich mit der neoliberalen Überzeugung, nur giergetriebene Privatwirtschaft sei innovationsfähig. +++ Die NZZ bespricht den nun auch auf Deutsch vorliegenden Briefwechsel zwischen Descartes und Elisabeth von der Pfalz über Vernunft, Gefühl die politisch-religiösen Verhältnisse des 17. Jahrhunderts. +++ Die taz rezensiert Steffen Martus’ Buch über den politischen Hintergrund, vor dem im Deutschland des 18. Jahrhundert sich die Aufklärung entwickelte. +++ Björn Höcke, Deutschland-Aficionado der AfD, hat sich auf Heidegger berufen. Daniel-Pascal Zorn erklärt bei Hohe Luft, dass Höcke den von ihm bildungshuberisch herangezogenen Begriff der Seinsvergessenheit offensichtlich nicht kapiert hat. +++ Hannah Arendt ist wieder angesagt, weshalb Micha Brumlik in der taz auf zwei passende Neuerscheinungen - eine „Denkbiographie“ und einen Gedichtband - hinweist.


Links der Woche am 07.11.2015, 14:37 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 45/15

Der Laplacesche Dämon wird Historiker.

Will man künftige Entwicklungen vorhersagen, muss man alle relevanten Elemente kennen, aber vor allem ihre Netzwerkbeziehungen untereinander. Der Physiker Silvio R. Dahmen zeigt in der FAZ, was solche Netzwerkanalysen in mythischen Erzählungen zutage fördern und wie sie vielleicht mal dazu taugen, die Zukunft von Populationen und Zeitgeist vorherzusagen. (04.11.2015)

Die neuen Totengräber

Bei Telepolis unterhält sich Hans-Arthur Marsiske mit dem Prekariatsforscher Guy Standing über die neue explosive Klasse. Denn das neoliberale Programm forciert Ungleichheit und Entsolidarisierung in einem gefährlichen Ausmaß, wie sich am deutlichsten am demoralisierten und entrechten Prekariat zeigt. (07.11.15)

Indiana Jones der Semiologie

Roland Barthes wird zu seinem 100. Geburtstag von Peter Geimer in der NZZ gewürdigt: Mit fast schon paranoischer Sensibilität ging Barthes der beredten „Allmacht der uns umgebenden Zeichen, Codes und Botschaften“ auf den Grund und erschütterte die von Alltagsmythen verursachte scheinbare Selbstverständlichkeit kultureller und historischer Phänomene. (07.11.15)

Zweimal Seeßlen

In seinem Blog hat Georg Seeßlen diese Woche zwei wichtige Texte veröffentlicht. Im ersten geht es um Unterschiede und Zusammenhang zwischen Protz, Prunk und Luxus und was diese Begriffe jeweils für die Verbindung von Haben und Sein bedeuten in einer kapitalistischen Kontrollgesellschaft, die nur noch Protz zulässt und Luxus verdammt. Im zweiten Text meditiert Seeßlen über das Wesen der Bibliothek: Wann wird aus einer Sammlung von Büchern ein magischer Ort und was hat die Bibliothek mit Bürgerlichkeit, Erotik und Revolution zu tun?

Außerdemchen:

Bei Hohe Luft legt Richard Wolin nach und bekräftigt, warum die von Vittorio Klostermann verantwortete Heidegger-Gesamtausgabe ein internationaler Wissenschaftsskandal ist. +++ Die FR unterhält sich mit dem Historiker Fritz Stern über die derzeitige Entwicklung in Deutschland, das über der Flüchtlingsfrage zerrissen ist. +++ Axel Honneth versucht sich in seinem neuen Buch an einer Aktualisierung der Idee des Sozialismus, der jedoch - so die taz - die richtigen Leute fehlen. +++ Im Telepolis-Interview gibt Hans-Christian Dany Auskunft über den Stillstand als verzögertes Ende des Kapitalismus. +++ Die NZZ zeigt sich fasziniert von der deutschen Ausgabe vom „Tagebuch eines Philosophen“, den präpotenten Notizen des jungen Alexandre Kojève. +++ Außerdem wünscht die NZZ der deutschen Neuausgabe von Lew Schestows „Apotheose der Grundlosigkeit“ die Aufmerksamkeit, die Schestows Denken in Frankreich längst zuteil geworden ist.


Links der Woche am 05.09.2015, 14:54 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 36/15

Von Hegel zu Bernd, dem Brot

Wer zu viele Nachrichten konsumiert, flieht vor dem eigenen Ich und bleibt gelangweilt und verwirrt zurück, so der Ausgangspunkt von Alain de Bottons neuem Buch, das Jan Pfaff im Freitag vorstellt. Es analysiert die persönlichen und gesellschaftlichen Bedingungen und Möglichkeiten der stets noch neueren Neuigkeit im vermittelten Vermittelnden. (31.08.15)

Ästhetik ohne Nutzeroberfläche

Die Konsumgesellschaft hat das Schöne markt- und smartphonefähig gemacht und damit zerstört. Davon geht Byung-Chul Han in seinem jüngsten Essay aus, um die (spirituelle) „Errettung des Schönen“ u.a. mit Hegel, Barthes, Baudrillard, Gadamer und Benjamin anzugehen. Peter V. Brinkemper bespricht den Essay bei Glanz & Elend. (31.08.15)

Was, wenn alles wie nie gewesen ist?

Samuel Scheffler hat aus einem Gedankenexperiment ein Buch gemacht: Was heißt es für die Überzeugungen eines Menschen, wenn er wüsste, dass die Menschheit dreißig Tage nach seinem Tod ausgelöscht wird? In der NZZ stellt Uwe Justus Wenzel uns Schefflers Variationen des Lebens nach dem Tod und die interessanten Schlüsse daraus vor. (01.09.15)

Der Argwohn des Sesshaften gegen den Nomaden

Der (nicht unumstrittene) Politologe Herfried Münkler erklärt in der NZZ, wie die Menschheit durch Migration zu dem wurde, was sie ist. Dabei waren es stets saturierte Gesellschaften (und in ihnen natürlich nur das Lumpenproletariat...), die sich von Wandel und Wanderung beunruhigen ließen. (05.09.15)

Heidegger immer weiter...

Die sauertöpfische Zuschrift des ehelichen, nicht leiblichen Heideggersohns Hermann an die ZEIT wurde hier bisher nicht verlinkt, weil wahrlich nicht jeder Kommentar zu Heideggers angeblichem oder tatsächlichem Antisemitismus teuren Strom wert ist. Bei literaturkritik.de nehmen Max Beck und Nicholas Coomann aber die familiäre Apologie so nett auseinander, dass der ganze Kram im Paket (mitsamt der Leserkommentare) zur Lektüre empfohlen sei.


Links der Woche am 18.07.2015, 14:25 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 29/15

Ewiges Leben bis zum Stromausfall

Der Papst des Transhumanismus, Ray Kurzweil, sagt die technische Überwindung unserer Beschränktheiten in den nächsten Jahrzehnten voraus. Carolin Wiedemann beschäftigt sich in der FAZ mit der transhumanistischen Szene, ihren philosophischen Grundlagen sowie den Bedenken und Hoffnungen. (12.07.15)

Universitas in der Nische

Es gibt sie noch, die guten Dinge: Die FAZ portraitiert das Leibniz Kolleg in Tübingen, wo ohne Creditpoints gemeinsam unter einem Dach gelernt und gewohnt wird. Vom Reformeifer blieb das Kolleg bislang verschont, von Finanznöten allerdings nicht. (17.07.15)

Was ist der/die Mensch_in?

Catherine Newmark fragt sich in der ZEIT, was der Feminismus falsch gemacht habe, dass dermaßen geifernd wider den Gender-Fundamentalismus gehetzt wird. Bei Telepolis schildert Selma Mahlknecht anschaulich die Heterokalpyse, die uns allen droht.

Unn sünst?

Anhängsel der Maschine: Anlässlich des neuen Terminator-Films unterhält sich die SZ mit KI-Forscher Rolf Pfeifer darüber, was wir von den Maschinen zu befürchten (oder zu erhoffen) haben. +++ Die NZZ zeigt sich fasziniert von zwei Neuerscheinungen, die mit und gegen Heidegger über Nutzen und Nachteil des ewigen Lebens nachdenken. +++ Die Website The Taste of Cinema versammelt die zehn besten Film, die auf Heideggers „Sein und Zeit“ basieren - darunter manch eine Überraschung. +++ Die WELT lässt mäßig witzig Humboldt, Heidegger, Hegel, Marx und Freud über das Internet diskutieren, d.h. prägnante Stichworte unverbunden und ungenau herunterrattern. +++ Die NZZ erinnert an ihre ersten „Redaktoren“ Peter Philipp Wolf und Franz Xaver Bronner, die vor fast einem Vierteljahrtausend Zürich mit aufklärerischem Witz aufmischten.


Links der Woche am 27.06.2015, 15:18 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 26/15

Heidegger-Ungemach, nächste Runde

Heidegger Großverweser Friedrich-Wilhelm von Herrmann will dem Herausgeber der „Schwarzen Hefte“, Peter Trawny, wegen ungebührlicher Selbstvermarktung die Editorenschaft entziehen, wie der KStA meldet. Das geht aber gar nicht, wie Michael Hesse in der FR klarstellt und den Gegenangriff auf von Herrmann (er „versuche, den Nachlass Heideggers rein zu halten“) dokumentiert.

Identitätsgeschäfte und -geschlechte

In seinem Blog überlegt Georg Seeßlen, was es für die Konstitution der (nicht zuletzt politischen) Identität heißt, als jemand zu handeln. Das Thema ist auch in den USA aktuell, seit sich eine Weiße als Schwarze ausgab und ein Spitzensportler sich via Magazin-Cover als transsexuell outete. Andrea Köhler untersucht diese und ähnliche Fälle in der NZZ darauf, was sie über das westliche Identitätskonstrukt verraten.

Außerdemchen:

Eva Berendsen befasst sich für die FAZ mit Laurie Penny und ihrem topmodernen Feminismus. +++ Die NZZ stellt den jüngsten Band der kleinen Schriften Jean-Paul Sartres vor sowie Hans Joachim Schädlichs Roman über Hofnarren aus dem 18. Jahrhundert. +++ Telepolis zu guter Letzt informiert über eine Studie, derzufolge positives Denken auf liberal eingestellte Studenten eher hemmend, auf konservative eher anspornend wirkt.


Links der Woche am 09.05.2015, 13:23 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 19/15

Schneller, höher, weiter

Jan Heinemann unterhält sich auf dem Blog Zeit.Räume mit dem Soziologen Hartmut Rosa über Identität, Zeit- und Raumwahrnehmung in der von ihm diagnostizierten Beschleunigungskrise - und wie diese mit der ökologischen Krise zusammenhängt. (21.04.15)

Mit Hegel gegen den Kapitalismus

Der Standard spricht mit Slavoj Žižek über die nötige Rückkehr von Marx zu Hegel, da dessen pessimistische Sicht auf die Zukunft viel besser in unsere krisenhafte Moderne passt als der Fortschrittsoptimismus Marxens. Revolution ist jedenfalls nicht in Sicht. Ansonsten lobt Žižek frohgemut und schamlos den Deutschen Idealismus und einen eurozentrischen Philosophiebegriff. (03.05.15)

Subtraktion, Blockade, Widerstand

Das Unsichtbare Komitee ist mit seinem Resümee über den kommenden Aufstand zurück in den Medien, diese Woche in einem ZEIT-Interview, das sehr schön daher kommt: Denn die Fragen wurden konsequent allein mit Zitaten aus der Revoltegeschichte beantwortet. (08.05.15)

„Was kann man damit werden?“

Die ZEIT begleitet die 17-jährige Schülerin Gesine Hagmeister bei ihrem Probestudium der „vollen geisteswissenschaftlichen Dröhnung“ an der Uni Bielefeld. Dokumentiert werden die Einstiegstipps ins philosophische Studentenleben, die der Tutor aus der Philosophie-Fachschaft so auf Lager hat. (06.05.15)

Wer ist Charlie?

Die SZ berichtet über die französischen Nachwehen der Pariser Anschläge vom Januar 2015. So streitet sich die Republik u.a. darüber, ob Voltaire oder Rousseau das geeignete gedankliche Rüstzeug für den Weltbürgerkrieg liefert, und ob wirklich alle Solidaritätsbekundungen für Charlie Hebdo einen humanistischen Hintergrund haben. (06.05.15)

„mit Heidegger gegen Heidegger“

Per Leo berichtet für die FAZ von einer kritischen Tagung zu den „Schwarzen Heften“ Martin Heideggers an der Uni Siegen. Allerdings scheint das habermassche Motto „mit Heidegger gegen Heidegger“ im Streit der Kritiker_innen nicht ganz aufgegangen zu sein - oder in diesem Sinne gerade doch. (06.05.15)

Et cetera:

Falls Sie einen Einstieg in die laufende Debatte um Heideggers Schwarze Hefte brauchen, sei nochmals auf die ausführliche Nachlese bei Glanz & Elend verwiesen: Teil 1 und Teil 2; kurz zusammengefasst in Lichtwolf Nr. 46. +++ Ebenda bei Glanz & Elend bespricht Jürgen Nielsen-Sikora den Briefwechsel Theodor W. Adorno und Gershom Scholem 1939-1969, über dem stets der abwesende Freund Walter Benjamin schwebt. +++ Die taz unterhält sich mit der Kulturwissenschaftlerin Karin Harrasser über den philosophischen Kern von Science Fiction. +++ Georg Seeßlen macht sich in seinem Blog ausführliche Gedanken über Geld (als Zeit) verdienen, haben und ausgeben im Spiegel der modernen Arbeitswelt und der Rhetorik der Niedertracht; außerdem geht es um Ästhetik, namentlich um Lesbarkeit und Differenz in der Bildkunst.


Links der Woche am 25.04.2015, 14:17 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 17/15

Der Aufstand, der kam

2007 formulierte das Unsichtbare Komitee seine Thesen zum kommenden Aufstand, dann kam die Finanzkrise und jetzt zieht das anarchokommunistische Autorenkollektiv Bilanz, wie Florian Schmid im Freitag schreibt. Demnach hätten viele kleine Aufstände sich durch Kommunikation, Dezentralisierung und Solidarität ausgezeichnet, gleichwohl sei die große Revolution an ebenso vielfältigen Formen der Aufstandsbekämpfung gescheitert. (20.04.15)

Denken ohne Denker?

Ein vielleicht letztes Mal zu Heidegger, dessen Freiburger Lehrstuhl z.Zt. noch von Günter Figal besetzt ist, der in der NZZ schreibt, mit Abscheu und Beklemmung den kürzlich veröffentlichen Band der Gesamtausgabe gelesen zu haben, worin sich Heidegger als durch und durch eitler Altnazi zeigt. Bleibt die Frage: „Lassen sich die Gedanken von der Person des Denkers überhaupt trennen?“ (22.04.15)

Cyberwochen bei der ZEIT

Anlässlich von Alex Garlands Film „Ex Machina“ macht sich die ZEIT Gedanken über lebendige Technik. Theresia Enzensberger beschäftigt sich 30 Jahre nach Donna Haraways wegweisendem Aufsatz damit, warum weibliche Cyborgs in der Science Fiction durchweg sexualisiert daherkommen. Auf den aktuellen Forschungsstand in Sachen Künstlicher Intelligenz blickt Christoph Drösser und meint, dass Deep Learning der Schlüssel zum Erfolg ist - aber halt doch keine Cyborgs mit Geschlechtsteilen hervorbringen wird.

Bio- und Mathe-Interviews

Die ZEIT unterhält sich mit dem Biologen und Philosophen Andreas Weber darüber, was es heißt, lebendig zu sein und warum die sogenannten Lebenswissenschaften davon nichts wissen wollen. Mathematikprofessor Albrecht Beutelspacher gibt im FAZ-Gespräch einige Anregungen, wie seiner Disziplin im Schulunterricht der Ruch des Angstfachs genommen werden kann.

Bücher, Bücher, Bücher usw.

Die NZZ bespricht das Buch der Philosophin Susan Neiman, die der vom Konsumismus infantilisierten Gesellschaft mit Stoa, Kant und Rousseau das Erwachsenwerden lehren will. +++ Aus dem Göttinger Institut für Demokratieforschung kommt eine differenzierte, auf Interviews gestützte Analyse der PEGIDA-Bewegung, die im Freitag vorgestellt wird. +++ Andreas Wolf bespricht bei Glanz & Elend das neue Buch von Klaus Theweleit, das im Vernichtungslachen die Gemeinsamkeit von Breivik und den Mördern der SS sieht. +++ Die ZEIT rezensiert das Buch des Kulturhistorikers Peter Burke, der darin die Explosion des Wissens seit der Neuzeit plastisch nachzeichnet. +++ Das Anthropozän zeichnet sich durch ein menschgemachtes Massensterben aus, so die These von Elizabeth Kolberts Buch „Das sechste Sterben“, das in der WELT besprochen wird - ausnahmsweise mal ohne Rücksicht auf den BDI. +++ Apropos Biologie: Jürgen Kaube schreibt über die Folgen einer Polemik, die der Konstanzer Biologe Axel Meyer kürzlich in der FAZ wider seine faulen und betrügerischen Studenten gehalten hat.


Links der Woche am 18.04.2015, 14:18 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 16/15

Gut für den Menschen ist gut fürs Geschäft

Mark Siemons von der FAZ fragt sich, wer da eigentlich wen tödlich umarmt: der Kapitalismus den Buddhismus oder umgekehrt? Die EZB-Architektur orientiert sich am Ying-Yang, auf dem World Economic Forum wird meditiert, im Silicon Valley ohnehin: Die neue Spritualität dient zur Linderung der seelischen Verheerungen der Leistungsgesellschaft. (12.04.15)

Kulturtechnik des Schweigens

„Reden und Mitreden [sei] unser Daseinsprinzip schlechthin geworden“, meint Wiebke Porombka in der ZEIT und fände das nicht so schlimm, wenn dem ständigen Meinungsagen auch mal Denken vorangehen würde. Die Literaturgeschichte hält zum Glück manch Vorbild dafür bereit, aus dem technisch bedingten Äußerungszwang mittels Maulhalten auszusteigen, bis sich alle an Twitter und Kommentarbereiche gewöhnt haben werden. (16.04.15)

Wissen Wissenschaft Unwissen

Der große Gottfried Schatz misst die heutigen Universitäten an ihrem einstigen Anspruch, die kritische Vernunft zu fördern, und denkt darüber nach, was Wissenschaft und Forschung sein sollten und sind in einem nur noch auf Verwaltung und Ausbildung ausgelegten akademischen Umfeld. (17.04.15)

Die wöchentliche Heidegger-Kritik

Peter Trawny, Herausgeber von Heideggers Schwarzen Heften, plaudert in der NZZ aus dem Nähkästchen der bisherigen editorischen Praxis, die Corporate Identity Heideggers vor sich selbst zu schützen. Drei Autoren - darunter Emmanuel Faye - fassen für die taz die Spielarten des Antisemitismus zusammen, die sich im jüngsten Band der Heidegger-Gesamtausgabe zeigen. Cord Riechelmann hat sich ebd. dann noch einmal solo mit Heideggers „dreckigem Denken“ und seinem Einfluss auf die französische Nachkriegsphilosophie beschäftigt.

Materialien zur Sozialphänomenologie

Freitag-Community-Mitglied Regine Beyß fragt sich, wie ein junger Mensch herauskriegen soll, was er/sie wirklich will, wenn der Konsumismus darauf ausgelegt ist, strukturelles Nachdenken zu sabotieren. +++ Dietmar Dath gratuliert in der FAZ mit Michel Foucault und Thomas Kuhn dem Räuber- und Laserpistolenerzähler Erich von Däniken zum Achtzigsten. Fnord. +++ Der Psychologe Thomas Grüter fragt sich bei den Scilogs, wie gefährlich Verschwörungstheorien sind, deren Struktur immer gleich ist.

Et cetera:

Für Ihren Terminkalender: Machen Sie auf der Rücktour von der dritten phil.COLOGNE vom 27. Mai bis 3. Juni 2015 doch einen Umweg über Mainz und besuchen Sie den Lichtwolf auf der 23. Mainzer Minipressen-Messe vom 4.- 7. Juni 2015. +++ In der taz meditiert Beate Seel über die Farbe Grau, ohne die sehr gute gleichnamige Kölner Band zu erwähnen. +++ Aus Gründen der Corporate Identity sei noch verwiesen auf Stefan Willekes lebhaften ZEIT-Beitrag zur Rückkehr der Wölfe in deutsche Lande.


Links der Woche am 11.04.2015, 14:25 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 15/15

Shitstorm philosophy-style

Nach wie vor beschäftigt Heidegger die Blätter. In der ZEIT nimmt sich Maximilian Probst der (weltweiten) Proteste gegen die Umwandlung des Freiburger Heidegger-Lehrstuhls an und führt die ganze Aufregung auf eine Verschwörungstheorie seines FAZ-Kollegen Jürgen Kaube zurück. (05.04.15)

Alles wird mehr oder gut

Die taz unterhält sich mit dem Politologen Claus Leggewie über Nutzen und Nachteil der ubiquitären Smartphones, an deren Verteuflung oder Anbetung sich ein antiquierter Fortschrittsbegriff zeigt. Stattdessen gilt es, Fortschritt auch moralisch jenseits der bloßen Quantität zu denken. (07.04.15)

Welt in Zahlen = Welt aus Zahlen

Noch ein interessantes Interview: Anlässlich seines neuen Buch unterhält sich die ZEIT mit dem Mathematiker und Physiker Max Tegmark, demzufolge „unser Universum eine mathematische Struktur ist“. Die Frage ist nur, ob das wirklich so ist, nur weil sich wirklich alles irgendwie mathematisch darstellen lässt... (08.04.15)

Alles Wichtige steht bei Ovid

Die globalisierte Bildungspolitik hält nichts mehr von alten Sprachen. Lateinisch und Alt-Griechisch seien aber nichts für ein paar Freaks, so Melanie Möllers Plädoyer in der FAZ, sondern zum einen Zugänge zum Grund des europäischen Selbstverständnisses, zum anderen Lehrmeister der Distanz und ihrer Überwindung mittels Geisteskraft. (09.04.15)

Außerdemchen:

Abermals Heidegger: Micha Brumlik hat für die taz auch den jüngsten Band der Schwarzen Hefte gelesen, in dem Heidegger den Holocaust relativiert und sich über Entnazifizierung, Christentum und Demokratie beklagt. +++ Und wieder ein praktischer Tipp für das rechnerische Wesen: Diesmal erfahren wir in der Mathe-Reihe der ZEIT, wie man auf die Schnelle die dritte Wurzel aus einer Zahl zieht. +++ Die NZZ resümiert einen Vortrag des Soziologen Heinz Bude über die Gesellschaft der Angst. +++ Die SZ stellt zwei Bücher von Marco Maurer und Julia Friedrichs zur sozialen Gerechtigkeit vor, die zum gleichen Schluss kommen: Es „ist egal, wie sehr man sich anstrengt. Am Ende zählt einzig die Herkunft.“ +++ Die WELT weist auf die Kasseler Ausstellung „Inhuman“ hin, auf der sich 15 „Post-Internet-Künstler“ mit dem Menschlichen und was davon übrig bleibt auseinandersetzen.


Links der Woche am 04.04.2015, 13:54 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 14/15

Wiwi besser machen

Die Kolleginnen und Kollegen der Wirtschaftswissenschaften haben die Nase voll: Sebastian Puschner und Jonas Weyrosta schreiben im Freitag über den wachsenden Unmut über die theoretische und methodische Starre in der Disziplin, deren Nachwuchs bereits an einer „Pluralen Ökonomik“ arbeitet. (30.03.15)

Geisterbahn Kapitalismus

Der Kapitalismus hat mehr mit Erobern als Erwirtschaften zu tun, skizziert Georg Seeßlen skizziert in seinem Blog. Das Eroberte spukt als Gespenst durch die kapitalistische Kultur und wird in einem politischen Akt als Beute an die Integrierten verteilt. Am Ende sind selbst Menschen nur noch Beute und Gespenst. (02.04.15)

Weiter mit Heidegger

Helmuth Vetter, Vorsitzenden der Martin-Heidegger-Gesellschaft, gibt eine Stellungnahme zur Debatte um den Namenspatron ab, in der er auf die strikte Unterscheidung von Philosophie und Antisemitismus drängt. Uwe Justus Wenzel sieht in dem Drama um den fundamentalontologischen Nachlass den besten Grund, nun eine historisch-kritische Heidegger-Werkausgabe in Angriff zu nehmen. Der Baseler Philosoph Markus Wild schließlich versucht in der SZ, die Debatte um die Umwidmung des Heidegger-Lehrstuhls an der Uni Freiburg geradezurücken.

Unn sünst?

Harald Lemke hat laut Telepolis ein Buch zu einer vermeintlichen Leerstelle geschrieben, nämlich zur Philosophie der Ernährung. Lichtwolf Nr. 32 zum Thema Essen & Trinken von 2010 gibt es hier für fümpf Euro. +++ Der famose Ulrich Horstmann hat einen ganz schicken neuen Internetauftritt zu seiner Verherrlichung bekommen. Er sei gepriesen! +++ Der Freitag portraitiert die marxistische Feministin Frigga Haug, deren Lebensthema die insgeheime Zustimmung zu Kapitalismus und Unterdrückung ist. +++ Kann man immer gebrauchen: Wolf-Dietrich Plackenberg erklärt bei Telepolis am 1. April, wie man ruckizucki eine Zahl in Primfaktoren zerlegt. +++ Der Freitag-Leser Gunnar Kaiser widerspricht der These des österreichischen Philosophen Robert Pfaller, wir hätten uns den Genuss verboten: der Genussbegriff ist verquer und die Verallgemeinerung falsch. +++ Lichtwolf Nr. 49 zum Thema Blumenkraft gibt es seit dieser Woche auch als E-Book für Kindle und im epub-Format.


Links der Woche am 28.03.2015, 14:27 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 13/15

Schicksalsgemeinschaft Mensch und Hund

Zum Ende einer dermaßen unerfreulichen Woche mal was Nettes: Christina Hucklenbroich setzt sich in der FAZ mit der Lage des Hundes auseinander, der keineswegs bloß als Ersatzkind fungiert, auch wenn um Hundeerziehung genauso wie um Kindererziehung gestritten wird und der Hund manches Herz zu öffnen vermag. (28.03.15)

Nochmal wg. Heidegger

Der jüngste Band der „Schwarzen Hefte“ Martin Heideggers hält das Feu weiterhin auf Trab. Für die WELT hat Markus Gabriel darin geblättert und schildert die Entschuldigung des Geschicks im „Wahnsystem[...] des Seynsdenkers Heidegger“. Adam Soboczynski geht in der ZEIT dem Verdacht nach, die bisherigen Bände der Heidegger-Gesamtausgabe könnten von den Herausgebern gesäubert worden sein, was den Klostermann Verlag nervös macht. Der Freiburger Emeritus Rainer Marten fordert ebenfalls in der ZEIT, endlich Heideggers Nachlass komplett freizugeben. Parapsychologisch fundiert beschäftigt sich Hannah Lühmann in der WELT mit Heideggers Geist und seinen Freiburger Ghostbustern.

Das Weitere und Engere:

Georg Seeßlen denkt über Diskriminierung nach. +++ Jürgen Nielsen-Sikora zeigt sich bei Glanz & Elend enttäuscht von Leo Schestows antiakademischem Denktagebuch „Apotheose der Grundlosigkeit“. +++ Die taz meldet den Tod von Barbara Emme, der Supermarkt-Kassiererin, die sich erfolgreich gegen ihre Kündigung wegen eines Pfandbons wehrte. +++ Die NZZ bespricht Herausgaben aus dem Nachlass Hans Blumenbergs u.a. zur Bedeutung des Mythos in der Politik. Auch der Freitag beschäftigt sich mit Blumenbergs nachgelassener Kritik an Hannah Arendts Entzauberung Eichmanns. +++ Klaus Theweleit hat seine „Männerphantasien“ fortgesetzt: Die FAZ bespricht sein Buch über die Lust am Töten von Breivik bis zur IS-Miliz. +++ Mit Frühling ist noch nicht so viel, aber die Frühlingsausgabe zum Thema Blumenkraft ist schon da.


Links der Woche am 21.03.2015, 14:02 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 12/15

Die SZ unterhält sich mit dem Rektor der Uni Freiburg, Hans-Jochen Schiewer, der die Aufregung nicht versteht, die die Ankündigung ausgelöst hat, man wolle den Heidegger-Lehrstuhl in eine Juniorprofessur für Logik umwandeln. Darüber kann Jürgen Kaube in der FAZ nur abermals kräftig den Kopf schütteln. +++ Die FAZ geht anscheinend davon aus, dass die Neuauflage der Exzellenzinitiative scheitern wird. +++ Die NZZ berichtet von den offengelegten Akten der schwedischen Akademie, die zeigen, wie schwer sie sich mit dem Nobelpreis für Jean-Paul Sartre tat, der ihn 1964 dann auch noch ablehnte. +++ In der ZEIT verteidigt Nicklas Baschek den Hip Hop gegen das kulturkritische Gerede vom Pop-Dschihad des IS. +++ Der Freitag unterhält sich mit dem Künstler Tucké Royale, der sich zum Ersten Sprecher des Zentralrats der Asozialen in Deutschland ernannt hat. +++ David Hugendick regt sich in der ZEIT über den Begriff des Abendlandes auf. +++ Nebenan bei Glanz & Elend ist der Siegertext unseres gemeinsamen Essaywettbewerbs zu lesen: „Der stolze weiße Schwan der Metaphysik“ von Ulrich Elsbroek. +++ In halb eigener Sache sei zum einen auf die taz hingewiesen, die den Wolf als den Moslem der Tierwelt decouvriert, zum anderen auf die Kölner Kapelle Grau feat. MC Hieronimus, von der es neue Tondokumente auf MP3 gibt. +++ Heute ist Indie-Book-Day. Also gehen Sie bitte in den Anderen Buchladen (in Köln) und kaufen Sie sich dort halt was Schönes.


Links der Woche am 28.02.2015, 14:30 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 09/15

Das totale Subjekt seiner selbst

In der FAZ diagnostiziert Melanie Mühl die narzisstische Persönlichkeitsstörung als Pathologie der Moderne, auch wenn Christopher Lasch davon bereits 1979 sprach. Da heute allen Ernstes empfohlen wird, „die eigene Person als Marke zu definieren und etablieren“, habe die krankhafte Selbstbezogenheit mitsamt ihrer Wahrnehmungsdefizite beste Chancen, sich weiter auszubreiten. (24.02.15)

„Und was willst du damit später einmal machen?“

Andrea Roedig beschäftigt sich im Freitag damit, warum Leute Geisteswissenschaften - konkret: Philosophie - studieren und damit zuletzt an ihre Karriere denken. Geisteswissenschaftler haben es schwer auf dem Markt, weil sie dem Konsumenten einiges zumuten und nicht warenförmig sind, und darum eine Künstlerexistenz wählen und sich in Brotberufen verdingen (müssen?). (24.02.15)

Kein Heidegger ist auch keine Lösung

Nach der Edition von Heideggers Schwarzen Heften vor einem Jahr haben auch beinharte Apologeten Probleme, den antisemitischen Fundamentalontologen zu verteidigen. Jürgen Kaube berichtet in der FAZ von Plänen der Uni Freiburg, den Heidegger-Lehrstuhl abzuschaffen, der allerdings - vertrackte Historie! - auch der Husserl-Lehrstuhl ist. (27.02.15)

Außerdemos von Sonstnochos:

In seiner Reihe beim Freitag beklagt Klaus Fürst, dass sich heutige Philosophen in ihren Elfenbeinturm zurückzögen, statt über volksnahe Dinge nachzudenken. +++ Trotz manch spekulativen Überschwangs zeigt sich die NZZ recht zufrieden mit Hermann Parzingers Geschichte der Menschheit vor der Erfindung der Schrift. +++ Die taz bespricht die Kurzportraits früher Pioniere des Umweltschutzes aus der Feder des Soziologen Udo Simonis. +++ Die FR weist auf den Gesprächsband hin, in dem sich die Pop-Ökonomen Tomáš Sedlácek und David Graeber über Zukunft und Ende des Kapitalismus unterhalten.


Links der Woche am 21.02.2015, 14:44 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 08/15

Spiegelwelt der islamisierten Dauerkriminalität

Für die ZEIT war Georg Seeßlens Exegese der Propaganda europäischer Dschihadisten so wichtig, dass sie den Essay auf Deutsch und Englisch veröffentlichte. Der Essay ist auch bei Getidan zu lesen und beschreibt, wie mit westlicher Gangster-Ästhetik ein Gegennarrativ zum westlichen Liberalismus geschaffen wird, der dem nichts für Betroffene ähnlich Attraktives entgegenzusetzen hat. (16.02.15)

Darüber lieber keinen Volksentscheid

Das Für und Wider der Todesstrafe gehört zu den Grundübungen der politischen Philosophie. In seiner ZEIT-Kolumne erklärte Bundesrichter Thomas Fischer diese Woche angenehm elaboriert, warum der Staat seine Bürger nicht töten darf und eine (womöglich gar lebenslange) Freiheitsstrafe für den Menschen als Bürger auch nicht ohne ist. (17.02.15)

Et cetera:

Die beiden Martins Altmeyer und Dornes sind in der FAZ nicht damit einverstanden, dass Slavoj Žižek und Byung-Chul Han die Schuld am IS nicht allein dem Araber in die Schuhe schieben, sondern Liberalismus und Kapitalismus für einen Teil des Problems halten. +++ Der Freitag portraitiert die britische Feministin Lynne Segal, die sich gegen Fokussierung des feministischen Sexualitätsdiskurses auf männliche Gewalt und für mehr Gemeinschaft ausspricht. +++ In Lichtwolf Nr. 45 und 46 hatte sich Bdolf mit kontrafaktischen (Nazi-)Romanen beschäftigt - ein Thema, das wohl in der Luft liegt: Richard J. Evans’ politisch-methodischer Essay „Veränderte Vergangenheiten“ wird in der FR besprochen. +++ Arno Widmann bespricht ebenfalls in der FR den neuen Essayband des Historikers Götz Aly, worin dieser gegen den Mythos von der Kaperung der Deutschen durch die Nazis anschreibt. Der Band heißt „Volk ohne Mitte“ und um die geht es auch im FR-Interview mit dem Soziologen Heinz Bude über Engherzigkeit und Antikapitalismus in Ost- und Westdeutschland. +++ Und noch eine Essaysammlung, nun von Martin Seel, der sich darin laut NZZ-Rezension mit seiner Frankfurter Schuldialektik mit Kunst und Freiheit beschäftigt. +++ Außerdem stellt die NZZ das Buch des Entwicklungspsychologen Thomas Suddendorf vor, worin dieser der Frage nachgeht, was den Menschen zum Menschen macht und ihn vom restlichen Tierreich unterscheidet: Sprache und Zeit. +++ Heidegger laufen die Freunde weg: Die Kollegen von Hohe Luft wissen vom Unbehagen, das den Herausgeber Peter Trawny vor dem nächsten Band der Schwarzen Hefte befällt, und der Freiburger Statthalter Günter Figal hat sich ohnehin längst vom Heideggerianertum losgesagt. +++ Heute Abend gibt es wieder Radio zum Mitdenken: Im Deutschlandfunk beginnt um 23:05 Uhr die Lange Nacht über Bösewichter (von Markus Metz und Georg Seeßlen). +++ Zum Schluss die wirklich gute Nachricht: Der Theologe Jürgen Öff Öff Wagner wohnt in einem Erdloch angeblich ohne Geld und Strom und ist nun tatsächlich von der Rundfunk-Haushaltspauschale befreit, wie Telepolis meldet.


Links der Woche am 24.01.2015, 14:20 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 04/15

Kann man Heideggerianer sein?

Für die FAZ berichtet Jürg Altwegg vom Pariser Kongress zum Thema „Heidegger und ,die Juden‘“. Er rekapituliert den merkwürdigen Einfluss, den der Todtnauberger auf das linksrheinische Denken hat, für welchen Aufruhr dort die Schwarzen Hefte vergangenes Jahr sorgten und wie deren Herausgeber Peter Trawny kritisiert wird. (21.01.15)

Das Studium als vortragbarer Verlust

Steuererklärungen sind nur was für die Zeit nach dem Studium? Mitnichten! Barbara Brandstetter rät in der FAZ mit diversen superspannenden Gerichtsurteilen und Beispielrechnungen, sich bereits in Aus- und Fortbildung mit Verlustvortrag, Werbungskosten und der „Anlage N“ zu beschäftigen. Sofern man damit rechnet, später überhaupt Steuerzahler zu werden. (24.01.15)

Unser schöner Planet

In der NZZ setzt sich Uwe Justus Wenzel anlässlich zweier Ausstellungen mit den Bildern auseinander, die Philosophen sich von unserem Planeten Erde gemacht haben und damit auch stets Menschheitsbilder lieferten. Bei Telepolis lesen wir von einer überfälligen Betriebsanleitung für den Planeten, aus der hervorgeht, wie man das Ding betreibt, ohne es kaputtzumachen. Wenn doch alles den Bach runtergehen bzw. die Menschheit von der Vogelgrippe dahingerafft sein sollte, dürfen sich die Überlebenden an Lewis Dartnells „Handbuch für den Neustart der Welt“ halten, das in der FAZ vorgestellt wird. Bis dahin teilen wir uns weiter den Planeten mit haufenweise Tieren, von deren Subjektivität wir keine Ahnung haben (können), wie Eduard Kaeser in der NZZ überlegt.

Weiteres zu Islam und Terrorismus

Zwei Wochen nach den mörderischen Anschlägen von Paris geht die intellektuelle Auseinandersetzung weiter. Nicht religiöser Wahn ist schuld am Terror, schreibt Guillaume Paoli in der FAZ, sondern der andere übliche Verdächtige: Computerspiele. Dass und wie deren Ästhetik in IS-Propaganda verwendet wird, erweist den Islamismus als blutrünstige Jugendrevolte. Mohammed Khallouk dagegen unterhält sich im Freitag mit dem Philosophen Rachid Boutayeb über Sexualität und sein Projekt eines islamischen Dekonstruktivismus.

Et cetera:

Die taz berichtet von einem Kongress der britischen Zeitschrift Radical Philosophy über den denkerischen Abbau des Kapitalismus. +++ Akademisierungswahn, Bologna, Kompetenzfimmel, doofe Studis: Die NZZ bespricht gleich vier Bücher über die Bildung in der Krise. +++ Die FAZ berichtet von einem Data-Mining-Projekt zur Analyse und Vorhersage politischer Unruhen in Kooperation mit Google. +++ Ulrike Baureithel erinnert im Freitag an den verstorbenen Soziologen Ulrich Beck und seine Verdienste um die Krisenanalytik.


Links der Woche am 27.12.2014, 14:20 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 52/14

Nobody expects the feminist inquisition!

In der aktuellen Debatte um Feminismus meldet sich Ekkehard Knörer vom Freitag zu Wort, rekapituliert (unterhaltsam) den Auslöser (den Wunsch einx Sprachwissenschaftlerx, „Profx“ genannt zu werden) und die schäumende Aufregung darüber bis hin zur Metafrage vom Nutzen und Nachteil des Humors in der ganzen Chose inkl. TV-Tipp. (17.12.14)

Politische Ökonomie des Potlatsch

Zu Weihnachten als sozialer Institution ist jeder gezwungen sich zu verhalten. Bei Getidan schreibt Zombie- und Klassenkampf-Experte Georg Seeßlen aus gegebenem Anlass über das Schenken als semiotischen Kriegsakt in einer Welt, in der nichts mehr zu gebrauchen ist. (22.12.14)

Surfen wie Walter Benjamin

Wie man im Internet Zeit verplempert kann man demnächst an der Uni Pennsylvania vom Künstler Kenneth Goldsmith lernen, der 2013 bereits das Internet ausgedruckt hat. Felix-Emeric Tota stellt uns den Konzeptkünstler, der es so todernst meint wie einst Breton und Debord, in der FAZ vor. (26.12.14)

Et cetera:

Thomas Hettche meditiert in der NZZ über Orpheus, Sprache und Viehtransporte. +++ Die taz unterhält sich mit dem philosophischen Superstar Markus Gabriel über Hoffnung in Anthropologie und Christentum. +++ In seinem neuesten Buch erklärt der Neurowissenschaftler Gerhard Roth Psychotherapie zur Parawissenschaft, meldet die WELT. +++ Viele philosophische Buchempfehlungen nebenan bei Glanz & Elend: Gregor Keuschnig bespricht das von Jens Kulenkampff herausgegebene Buch mit Aperçus von Kant. Schneidegger stellt Peter Trawnys essayistische Nachlese zu Heideggers Schwarzen Heften vor. Byung-Chul Hans digitale Foucaultiade „Psychopolitik“ wird gleich zweimal vorgestellt: mit Fokus auf Leistungsgesellschaft und Widerstand von Jürgen Nielsen-Sikora, deutlich ausführlicher von Peter V. Brinkemper, der die Dokumentation der Verheerungen durch den internalisierten Neoliberalismus mit der Gegenwartskritik von Hardt, Negri, Sloterdijk und Naomi Klein vergleicht. +++ In der SZ wird Byung-Chul Han übrigens praktisch und stellt eine psychopolitische Analyse der PEGIDA-Bewegung inkl. Helene-Fischer-Exegese an. +++ Der Freitag bespricht neue Bücher über den „Stadtraumphilosophen“ Le Corbusier, der natürlich auch im aktuellen Lichtwolf zum Thema „Häuser“ vorkommt, welchen es auch als E-Book gibt. Der Lichtwolf wünscht einen guten Rutsch!


Intime Interna am 22.12.2014, 10:00 Uhr

Das neue Heft ist da!

Hurra, hurra, das neue Heft ist da - gerade rechtzeitig zur besinnlichen Feiertagszeit!

Lichtwolf Nr. 48 (Häuser)

Der neue Lichtwolf zum Thema Häuser ist ab sofort hier im Einkaufszentrum erhältlich.

Das Titelthema von Lichtwolf Nr. 48 lautet „Häuser“ und es kommen zu Wort u.a. Heidegger, Kraus, Mauthner, Lafargue, Jean Paul, Louis Wirth, Paul Celan und diverse das Grundeigentum regelnde Gesetzbücher. Außerdem geht es u.a. um Landkommunen und Großstädte, um Architekturwunder und Bühnenbilder, um das Unheimliche und den Ponyhof. Geilo.

Zur kostenlosen Onlinelektüre stehen bereit die Einleitung ins Titelthema, Bdolfs Propädeutikum und Prolegomena und der Anfang von Michael Helmings Essay über das friedhöfliche Wohnwesen. Die ersten neun Seiten des 108-seitigen Winterbrummers können Sie hier als PDF herunterladen oder im LichtwolfReader durchblättern. Bestellen kann man das komplette Heft hier im Einkaufszentrum oder nebenan im schicken neuen Onlineshop des catware.net Verlags.

Spätestens nach dem Fest sollte das Winterheft - wie stets - auch als E-Book erhältlich sein. Besinnen Sie sich gut und erwägen Sie doch mal ein Abo - dann haben Sie die neuen Hefte im Briefkasten, wenn andere gerade erst auf Facebook davon erfahren, dass es sowas noch gibt!




Links der Woche am 06.12.2014, 14:32 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 49/14

Das große Warum

Religionswissenschaftler Michael Blume beschäftigt sich bei den Scilogs anhand eines Katzenvideos mit der Theodizee-Frage und wie sie mit der Anthropodizee und der Fruchtbarkeit zusammenhängt. (29.11.14)

Die Wächter des verlogenen Schatzes

Eggert Blum kommt in der ZEIT noch einmal auf Heideggers Antisemitismus zu sprechen, der zu Beginn des Jahres mit der Edition der Schwarzen Hefte Schlagzeilen machte. Blum schildert (ziemlich spannend), wie Heidegger und seine Erben zum Schutz der Marke und des Familienunternehmens jede historisch-kritische Erforschung des Nachlasses verhindern. (29.11.14)

Die Aura ist out

Die Zeiten, als keine Hausarbeit ohne ein Walter-Benjamin-Zitat auskam, sind vorbei, berichtet Hans Ulrich Gumbrecht in der NZZ und blickt zurück auf Leben, Werk und Rezeptionsgeschichte des Kulturkritikers im Schatten Adornos, um dann zu mutmaßen, was von Benjamin nach dem Hype bleiben wird. (05.12.14)

Zwischenbefund zum 21. Jahrhundert

Das 21. Jahrhundert hat erst neulich angefangen - und schon wird an seiner kulturhistorischen Einordnung gearbeitet. Martin Meyer von der NZZ sieht das laufende Jahrhundert von enttäuschten demokratischen Hoffnungen, vielfältigen Ängsten und den Eigentümlichkeiten der Netzzivilisation bestimmt. (06.12.14)


Links der Woche am 18.10.2014, 14:23 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 42/14

The solution to every problem ever

Lange gab es nichts mehr von ihm zu lesen, nun ist er mit einer aufgehübschten Website zurück: Der Philosophy Bro fasst in dieser Woche die ersten 25 Paragraphen von Leibnizens Monadology auf seine bro-hafte Weise zusammen. Fuck yeah! (14.10.14)

Krug vs. Plastikbecher, Ding vs. Zeug

In der NZZ pustet Eduard Kaeser den Staub von Heideggers Technikphilosophie, die sich dann als durchaus brauchbar erweist für ein Zeitalter, in dem der Mensch sich zum Datenbestand und Entfernung zum zurückzulegenden Zeug macht. Weiterentwickelt wurde die Besinnung auf Sein und Zeug vom weniger bekannten und kurz vorgestellten Heidegger-Schüler Albert Borgmann. (18.10.2014)

Weiter Inzest und Sterbehilfe

Es bleibt knifflig in zwei aktuellen Ethik-Debatten: Ulrike Baureithel würdigt im Freitag das Plädoyer des Deutschen Ethikrats zur Lockerung des Inzestverbots unter Geschwistern. Stefan Schirmer und Martin Machowecz nehmen in der ZEIT den Suizid des früheren MDR-Intendanten Udo Reiter (parallel zur Eröffnung einer Ausstellung der Deutschen Gesellschaft für Humanes Sterben) zum Anlass, über intensives Leben und selbstbestimmtes Sterben nachzusinnen.

Außerdemchen:

Otto A. Böhmer schreibt im Faust, wie Horkheimer gern mal ein realistisches Theaterstück über einen verheirateten Schopenhauer veröffentlicht hätte. +++ Herbert Marcuses Eindimensionaler Mensch wird 50, ist aber aktueller denn je. Drum würdigen Robert Stadlober, Andreas Spechtl und Thomas Ebermann das Werk mit einer Bühnenshow auf Tour, wie die ZEIT berichtet. +++ Im Gespräch mit Deutschlandradio Kultur erklärt Andreas Urs Sommer, warum Nietzsche vermöge seiner Irritationskraft immer noch aktuell und auf die gute Art politisch unkorrekt ist. +++ Jürgen Kaube berichtet für die FAZ von einem Germanistikartikel, der den Ursprung des Ranking-Wahns nicht im Neoliberalismus, sondern in der Kunst- und Literaturkritik des 18. Jahrhunderts ausfindig gemacht hat. +++ Früher war alles besser - auch die Religion: Die NZZ bespricht Harald Strohms Buch „Die Geburt des Monotheismus im alten Iran“ über die archaischen Ursprünge des griesgrämigen Demiurgen.


Links der Woche am 19.07.2014, 14:23 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 29/14

Ex Internet Lux

Wie jeden Sommer beschäftigen sich Feuilleton und Intellektuelle mit ihrem eigenen Fehlen in der Öffentlichkeit. Den Auftakt macht dieses Jahr Gundolf S. Freyermuth bei Telepolis, wo er auf Geschichte und Verfall des engagierten Gelehrten zurückblickt und die Rettung im Internet sieht. (13.07.14)

Fotzen und Arschlöcher

Im Freitag schreibt Jürgen Busche recht unterhaltsam darüber, warum vulgäre Sprache in der Politik so irritierend wirkt: Mit jener werden Grobheit und Bildungsmangel verbunden, die nicht zu dem Bild von dieser passen, das von aufgeräumten Lehrbüchern gezeichnet wird. (16.07.14)

Fußball als politische Metapher

Der Fußball des Jahres 1954 hat nichts mehr mit dem des Jahres 2014 zu tun, schreibt Georg Seeßlen im Freitag. In seiner Analyse schreibt er eine politisch-ökonomischen Analyse der deutschen Verhältnisse anhand der fußballhistorischen Wegmarken nationaler Identitätsbildung. (16.07.14)

Neue Bücher:

Michael Hampes neues Buch zur Rettung der Philosophie vor sich selbst wird auch bei Spektrum der Wissenschaft besprochen. +++ Lange nichts mehr aus Heideggers Nachlass gelesen? Ludger Lütkehaus stellt in der NZZ den ersten Band mit erstaunlich zivilen Briefwechseln der Familie Heidegger vor. +++ Marc Reichwein zeigt sich in der WELT skeptisch über Stefan Müller-Doohms Habermas-Biographie, weil dem Autor als Schüler des Portraitierten die nötige Distanz fehle. +++ Albert Camus’ Liebe zu seiner algerischen Heimat war stets schwierig; nun haben zwei algerische Autoren seinen als neo-kolonialistisch bezeichneten Roman „Der Fremde“ neu geschrieben. +++ Die Philosophin Rosi Braidotti hat ein mühsam zu lesendes Buch über posthumane Subjektivität geschrieben, das in der NZZ rezensiert wird und dessen Untertitel Lichtwolf-Lesern bekannt vorkommen dürfte.

Außerdemos von Sonstnochos:

Und noch was aus dem Heft-Archiv: Heute Abend ab 23:05 Uhr kommt im Deutschlandfunk die Lange Nacht über die Magie der Zahlen und dazu passt doch sehr gut Lichtwolf Nr. 40 über Zahlen, Ziffern und Nummern. +++ Der Kapitalismus hat sich selbst transzendiert und produziert nur noch negative Werte (Krisen und Elend), schreibt abermals Georg Seeßlen in seinem Blog und konstatiert als Modell dieses untoten Kapitalismus die „Supermarkt-Kassiererin, deren hungriger Blick zwischen den Waren und der Überwachungskamera hin und her geht“. +++ Die Berner Zeitung brachte diese Woche eine Serie zur Ethik von Menschenrechten und -würde. +++ Marcus Hammerschmitt berichtet bei Telepolis von einer Studie über die verbissene Ethik-Konkurrenz zwischen Veganern und Vegetariern. +++ Der Veganismus ist auch in der Schweiz längst „in aller Munde“, wie Nadine Jürgensen in der NZZ bedenkt. +++ Hans Ulrich Gumbrecht war in Lissabon und schreibt in seinem FAZ-Blog über die Authentizität des Fado und was Derrida davon hielte. +++ Ebenfalls in der FAZ beschweren sich sieben Autoren über die Studentenjugend von heute.


Links der Woche am 31.05.2014, 14:37 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 22/14

„Alles Lüge“ ist immer wahr

Bestimmt haben Sie schon von diesen neuen Montagsdemos gehört, bei denen weder ein demokratischer Sozialismus noch Solidarität statt Ausgrenzung gefordert wird, sondern allerhand: Schluss mit dem Blutdurst der EU, der Medien- und Weltverschwörung, Chemtrails, Genfood usw. Martin Ballaschk untersucht bei den SciLogs diese Verschwörungstheoretiker und Klimaskeptiker auf die gemeinsame Pathologie. (22.05.14)

Keine Finanz-, eine Ideenkrise

Statt Vertrauen erweckt die krisenhafte Demokratie Argwohn, schreibt Jan Schoenmakers bei Telepolis und sieht die Ursache vor allem in scheiternder Kommunikation. Der Rationalismus, aus dem unsere Institutionen hervorgegangen sind, ist heimlich dem weniger anspruchsvollen Pragmatismus gewichen; dazu sollte man stehen, anstatt auf Werten zu beharren, die längst der Funktion geopfert sind. (25.05.14)

Am Ende ist alles eins

Arno Widmann hat für die FR den koreanischen Religionswissenschaftler Hee Sung Keel portraitiert. Die religiöse Vielfalt scheint Korea zum idealen Ort zu machen, um hinter buddhistischer Mystik, Meister Eckhart und Christentum ohne Altes Testament Erlösung und den einen Glauben zu ergrübeln. (30.05.14)

Unn sünst?

Für die FAZ hat Luisa Maria Schulz notiert, auf welche Philosophen sich Wladimir Putin neuerdings so in seinen Reden bezieht. +++ Falls Sie noch nicht genug haben: noch ein Heidegger-Portrait über Leben, Fragen und Denken des Todtnaubergers, diesmal von Alfried Schmitz für den Deutschlandfunk. +++ Neulich wurde vermeldet, der Schweizerische Nationalfonds wolle künftig ganz auf Digital- statt Druckförderung setzen; nun schimpft auch Uwe Justus Wenzel in der NZZ über die vermeintlich neue Offenzugänglichkeit. +++ In der FAZ unterhält sich Nils Minkmar mit Jürgen Habermas über den Machtpoker in Brüssel und den exekutiven Angriff auf die Demokratie nach den Europawahlen. +++ Felix-Emeric Tota portraitiert im Freitag den geächteten Antisemiten und Nihilisten Louis-Ferdinand Céline, der „vor Camus, Sartre und Genet die Grundsteine der existentialistischen Literatur“ legte.


Links der Woche am 24.05.2014, 14:50 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 21/14

Der große Verkomplizierer

Nils Markwardt stellt im Freitag Pierre Bourdieus Vorlesungen am Collège de France von 1989 bis 1992 vor, in denen sich der engagierte Denker ganz an sein Motto hält: „Soziologie ist ein Kampfsport, den man zur Verteidigung gebraucht und in dem Fouls streng verboten sind.“ Innendrin weist er den modernen Staat u.a. als unübersichtliche Konzentration symbolischer Ressourcen auf. (22.05.14)

Auf der ganzen Welt eingeschrieben

Massive Open Online Courses (MOOCs) beschäftigen schon seit einer Weile das Feuilleton. Nun hat Friedemann Bieber für die FAZ mal den Selbstversuch gewagt und beschreibt, wie er ein Seminar des Historikers Bernard Cooperman digital besucht hat. (22.05.14)

Wer schreibt, der bleibt

Der Schweizerische Nationalfonds will künftig nur noch Digitalisate fördern. Michael Hagner wehrt sich in der NZZ dagegen, gedruckte geisteswissenschaftliche Bücher allen Unkenrufen zum Trotz grundsätzlich infrage zu stellen. Open Access eigne sich gut für Fachartikel, doch die aus guten Gründen gemächliche Geisteswissenschaft sei auch künftig besser zwischen Buchdeckeln aufgehoben. (23.05.14)

Wie man intelligente Kühlschränke anzeigt

Bei Telepolis schreibt der Technikjurist Eric Hilgendorf über Recht und Ethik angesichts der Maschinisierung des Menschen und des Fortschritts hin zu moralischen Maschinen. Deren wachsende Autonomie wirft nämlich neben Datenschutz- auch Haftungsfragen auf, die es vor dem blinden Sturm in den Transhumanismus zu behandeln gälte. (24.05.14)

Außerdemchen:

Michael Girke bespricht im Freitag Canettis Buch gegen den Tod. +++ In der NZZ bespricht Peter Geimer den Ästhetikband „Theorien der Gegenwartskunst zur Einführung“ von Juliane Rebentisch. +++ Ebendort stellt Roman Veressov eine Anthologie politischer Schriften von John Stuart Mill vor. +++ Da der Lichtwolf nach wie vor eng seinem Bethlehem im Breisgau verbunden ist, weisen wir hier gerne auf das hochinvestigative Lokalblog „Freiburg heute“ hin. +++ Im jüngsten Kuchensucher-Newsletter präsentiert Georg Seeßlen ein bajuwarisch-philosophisches Gedicht aus der Feder des postsituationistischen Lyrikers Edgar P. Kuchensucher. +++ Es sei hier noch einmal höflichst auf die ausführliche Nachlese zu Heideggers Schwarzen Heften hingewiesen, die in der kommenden Lichtwolf-Ausgabe (Titelthema: „Perverse“) in Kurzform enthalten sein wird.


Philosophistik & Misosophie am 18.05.2014, 16:10 Uhr

Was vom gekränkten Nationalontologen bleibt

Der oberste Lichtwolf-Verweser hat sich für einige Wochen in Klausur begeben mit Ostfriesentee, Spätzle und den Schwarzen Heften, deren Erscheinen in der Gesamtausgabe eine monatelange Debatte um Martin Heideggers nun endgültig bewiesenen Antisemitismus ausgelöst hatte. Die Nachlese mit Links und Textbelegen gibt es nebenan bei Glanz & Elend: einmal Teil 1 und einmal Teil 2; kann man dort auch als PDF runterladen.

Wem das viel zu viel Text ist, warte die kommende Lichtwolf-Ausgabe ab, in der eine Kurzfassung (ohne Links und Textbelege) stehen wird.

Auch sehr empfehlenswert, weil gewohnt differenziert und überdies zum bequemen Anhören, ist Walter van Rossums Exegese der Schwarzen Hefte im Deutschlandradio Kultur.


Links der Woche am 19.04.2014, 14:13 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 16/14

Fragen, Antworten, Fragen

Lutz Hachmeisters Buch über die Hintergründe des SPIEGEL-Interviews mit Heidegger von 1966 kam gerade recht zur anhaltende Debatte um die NS-Verstrickung des Fundamentalontologen. Lothar Struck bespricht bei Glanz & Elend mit vielen nützlichen Links das Buch, das an seinem umfassenden Anspruch scheitert und dennoch zeigt, warum und wie gern sich der SPIEGEL für Heideggers Selbstinszenierung als Nazi-Opfer einließ.

Denken unterwegs zum Frieden

Jakob Huber hat Kants Aufsatz „Was heißt: Sich im Denken orientieren?“ wiedergelesen und stellt Text wie Rezeption im theorieblog vor. Zunächst verortet er den Aufsatz im Pantheismusstreit Ende des 18. Jahrhunderts und referiert dann Kants Idee einer Topographie der Vernunft, ehe er deren politische Lesart für die globalisierte Welt vorstellt. (14.04.14)

Es blieb mehr, als geschrieben ward

Zum 150. Geburtstag erinnert Hans-Martin Lohmann in der FR an Max Weber. Der erzbürgerliche Universalgelehrte und Gründungsvater der deutschen Soziologie lebte im wechselvollsten Teil der deutschen Geschichte, seine Politiktheorie und Analytik der kapitalistischen Gesellschaft wirkt bis heute nach. (18.04.14)

E provincia lux

Gerade in Deutschland wurde lange Zeit kraftvolles Denken mit der Provinz verbunden, schreibt Hans Ulrich Gumbrecht in seinem FAZ-Blog. Da muss natürlich abermals Heidegger als Kronzeuge denkerischer Heimeligkeit her, der allem intellektuellen Kitsch zum Trotz doch ahnen lässt, warum provinzielle Verhältnisse (und seien es die des Silicon Valley) der Kontemplation zuträglich sind. (19.04.14)

Außerdemchen:

Bei Telepolis setzt Matthias Becker seine Reihe zum „Unterricht im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit“ fort; auch im dritten Essay untersucht er, wie die digitale Rationalisierung des Lernens und Lehrens Pädagogik und Bildung umkrempeln wird. +++ Die ZEIT stellt das Buch vor, in dem Emmanuèle Bernheim nahezu psychothriller-artig von der Sterbehilfe für ihren Vater erzählt. +++ Der Sammelband „How Reason Almost Lost Its Mind“ rekapituliert den Kalten Krieg als Goldenes Zeitalter der maschinenhaft kalten Rationalität und wird in der von sowas faszinierten FAZ besprochen. +++ Mara Delius berichtet für die WELT von einer Tagung über politische Romantik, bei der diverse hochkarätige Intellektuelle über die Spaltung zwischen Politik, Gefühl und Ästhetik diskutierten.


Links der Woche am 30.03.2014, 14:14 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 13/14

Demokratisierung des Wissens = neoliberal

Die FAZ setzt ihre Reihe zu Digitalisierung und Geisteswissenschaften fort. Diesmal denkt Philip Mirowski über das Konzept der Offenheit in und von Forschung und Lehre nach. Dabei zeigt er sich einigermaßen skeptisch, ob das Internet und sein neoliberaler Begleitgesang die Lösung oder das Problem ist. (29.03.14)

Heidegger im Freitag

Auch der Freitag nimmt sich der feuilletonistischen Neuentdeckung Martin Heidegger an. Jürgen Busche bespricht Lutz Hachmeisters Buch über die Hintergründe des SPIEGEL-Interviews und zeigt sich etwas enttäuscht. Michael Jäger stellt sich auf die Seite der Heidegger-Ankläger und führt als Beweisstücke die Schwarze Hefte an, in denen sich der Todtnauberger als ganz gewöhnlicher Nazi zeigt.

Gemeinsamkeit von Bombenkrieg und Finanzwirtschaft

Steuergelder retteten in der Finanzkrise Banker vor den Folgen ihrer Gier und halten Politiker via Wahlgeschenke im Amt. Diese politische und ökonomische Verantwortungslosigkeit hat der Psychoanalytiker Erich Fromm schon vor Jahrzehnten als pathologisch beschrieben, wie Dirk Schümer in der FAZ in Erinnerung ruft. (29.03.14)

Verflucht bis ins neunte Glied

NZZ-Philosoph Uwe Justus Wenzel hat von der medialen Taufe der „Generation Maybe“ gehört, die auf X und Y folgt und auf Zigarettenreklame zurückgeht. Die Maybes sind 20-35 Jahre, haben sonst aber kaum noch was gemein außer ihrer Indifferenz. Weit mehr jedoch wundert sich Wenzel über die Inflation solcher Generationsetiketten. (29.03.14)

Et cetera:

Die NZZ schreibt einen Nachruf auf den Religionsphilosophen Eugen Biser. +++ Die Greifswalder Politologin Hannah Bethke regt sich in der FAZ über ihre illiteraten Studierenden auf. +++ via der blinde Hund: Sarah Adams schreibt Gedicht über Philosophen. +++ Es gibt übrigens eine neue Lichtwolf-Ausgabe (Thema: Spielchen) und in der E-Book-Boutique minimore sind auch Lichtwölfe als epub erhältlich.


Links der Woche am 22.03.2014, 14:52 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 12/14

Leben und Liebe im Exil

Der Philosoph Michail Ryklin hat ein Buch über seine Frau Anna Altschuk geschrieben, die 2008 tot in der Spree aufgefunden und als Kreml-Kritikerin verkauft worden ist. Ryklin und Altschuk waren nach ihren religionskritischen Ausstellungen aus Russland exiliert, so ist das Buch eine persönliche und zugleich politische Entfremdungsgeschichte, wie Ekkehard Knörer im Freitag schreibt. (19.03.14)

Tor gegen Aristoteles

Demnächst ist wohl irgendwas mit Fußball - und damit auch die Zielgruppe mitreden kann, informiert uns Raúl Rojas bei Telepolis über Flugbahntheorien aus der Zeit, als Physik noch ein Teilgebiet der Philosophie war, und was die (post)aristotelische Impetustheorie für Torwart und Stürmer bedeutet. (19.03.14)

Chickengame auf der Krim

Joachim Müller-Jung von der FAZ unterhält sich mit dem Spieltheoretiker Manfred Milinski über Drohkulissen, Entscheidungen und Optionen in der Krim-Krise, für die Modell und Kalkül nur dann taugen, wenn Putin und der Westen tatsächlich rationale Spieler sind. (20.03.14)

Vernichtungskrieg zur Überwindung der Metaphysik

Heidegger hat seine seit Wochen umraunten Schwarzen Hefte absichtlich ans Ende der Gesamtausgabe platziert, schreibt Thomas Asshauer in der ZEIT und empört sich nicht zu knapp („philosophischer Wahnsinn“, „Gedankenverbrechen“). Denn Heidegger hatte sich den Notizen nach von allem mehr erhofft: von Hitler, vom Subjekt, vom Volkswillen, vom Untergang und von der Entjudung. (21.03.14)

Fragen des Fraggens

Hy Quan Quach informiert uns auf Gamona über Camper Killer Commentary, den Youtube-Kanal eines gewissen Mr. Siff, der darin den Fragen des Fraggens von Campern nachgeht - aber wohl auch philosophischen (oder was man in der Gamer-Szene dafür hält); allerdings wohl nicht der, ob und wann es moralisch vertretbar ist zu campen. (22.03.14)

Nachher gibt es hier noch den neuen Lichtwolf - also bleiben Sie dran oder abonnieren Sie das Ding prophylaktisch!


Links der Woche am 15.03.2014, 14:30 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 11/14

Der ewige Heidegger

Als „Dokumente der Niedertracht“ bezeichnet Jürgen Kaube, Weber-Biograph und Geisteswissenschaftler der FAZ, mit der Geste des letzten Worts die Schwarzen Hefte Heideggers. Zitatreich weist er den Antisemitismus, Nazismus und Narzissmus in den Notizen der 30er Jahre des 20. Jahrhunderts nach.

Im Zuge der seit Wochen anhaltenden Debatte ist nun auch ein Buch über das SPIEGEL-Interview mit Martin Heidegger von 1966 erschienen. Abermals Jürgen Kaube führt ein ins Gerede und Heideggers Egomanie und stellt das von Lutz Hachmeister herausgegebene Buch als Gruppenportrait einer unvollständig entnazifizierten Bundesrepublik vor. Auch Uwe Justus Wenzel von der NZZ hat es gelesen und staunt über den SS-Mann vom SPIEGEL im Gespräch mit dem NS-Rektor, die sich gegenseitig ihrer missverstandenen Unschuld versichern. Die taz zu guter Letzt unterhält sich mit dem Autor Lutz Hachmeister über die devote Haltung des SPIEGELs und Heideggers Internet-Kritik.

Die Elektrifizierung der freien Künste

Die FAZ hat eine neue Reihe zur Digitalisierung der/in den Geisteswissenschaften gestartet. Eröffnet wird sie von Hans Ulrich Gumbrecht, demzufolge Epistemologie schon immer technologisch überformt wurde, aber nun in einem epochalen Ausmaß, dem bloß mit „Digital Humanities“ nicht gerecht zu werden ist. Drum formuliert er vier Desiderata zum Bedenken der „Welterschließung unter elektronischen Bedingungen“. Sodann legt Claus Pias los, indem er der „Gegenwartsvergessenheit“ mit einer Ideengeschichte der Systemtheorie und Kybernetik beizukommen versucht. Deren Erkenntnisideal einer Vorhersage der Zukunft zum Zweck ihrer Kontrolle ist längst auch das von Politik und Wirtschaft (und Literaturbetrieb?).

Künftig alles (halb) im Netz

Matthias Becker schließt bei Telepolis an seinen Januar-Beitrag zum „Unterricht im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit“ an: Mit Blick auf die Situation in den USA beschreibt er, wie MOOCs das Bildungssystem umformen werden und welche Sorgen und Hoffnungen mit der digitalen Kommodifizierung von Bildung verbunden werden. (14.03.14)

Unn sünst?

Matt Russell und Nick Gibb machen Comics für die Zielgruppe: „Dead Philosophers in Heaven“ (Die Niveauhöhe kann produktionsbedingt variieren.) +++ Die Kollegen vom unabhängigen Muckemagazin De:Bug geben nach 16 Jahren auf. +++ Lohnt ein Studium?, fragt Florian Rötzer bei Telepolis natürlich rein egobetriebswirtschaftlich, betrachtet Angebot und Nachfrage auf dem Arbeitsmarkt und urteilt: Nö. +++ Jonathan Rée stellt im Freitag/Guardian das neue Buch von Terry Eagleton vor, in dem das philosophiehistorische Scheitern des Atheismus dargelegt wird. +++ Elias Canettis Aufzeichnungen und Notizen über Tod und Unsterblichkeit wurden zu einem „Buch gegen den Tod“ zusammengefasst, das Martin Meyer von der NZZ nicht gerade vom Hocker reißt. +++ Der neue Lichtwolf mit dem Titelthema Spielchen ist unterwegs und wird Ende kommender Woche in den Briefkästen der Abonnenten sein.


Links der Woche am 08.03.2014, 14:24 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 10/14

Non schola sed vitae

Studium fertig, aber erstmal was ganz anderes machen als man gelernt hat? Die ZEIT hat einige Uni-Absolventen aufgestöbert, die sich jenseits ihrer ECTS-Felder verdingen: Physiker auf dem Bau, Architektin hinter dem Tresen, Bioniker in der Grundschule, Politologe im Callcenter. Sehr hilfreich sind wie immer die Kommentare der ZEIT-Leserschaft.

„No pasarán!“

Der philosophische Lautsprecher Bernard-Henri Lévy ließ sich nicht lumpen, sondern seinem Boykottaufruf Taten folgen und hat sich auf den Euromaidan in Kiew begeben. Seine dort gehaltene Rede ist (inkl. des Hitlervergleichs, den Hillary Clinton plagiiert hat) in der FAZ nachzulesen. (03.03.14)

Mal eben kurz

Micha Brumlik schreibt in der taz über Heideggers Schwarze Hefte und Walter Mignolos Buch „Epistemischer Ungehorsam“ (2012). Beide Autoren verbinden ihre Kritik des westlich-instrumentellen Denkens mit fast bzw. ziemlich antisemitischen Gedanken über das Judentum und seinen (globalen) Einfluss auf die Weltgeschichte. (04.03.14)

Außerdemos von Sonstnochos:

Die taz unterhält sich mit dem Philosophen Nikos Dimou über sein seit Winckelmann in Europa idealisiertes Heimatland und die Krise. +++ Auch die ZEIT freut sich über Alain de Bottons Synthese von Tiefsinn und Boulevard auf The Philosopher’s Mail. +++ Maik Söhler von der taz hat mal wieder das gute, alte Civilization mit philosophischem Anspruch gespielt. +++ „Du sollst nicht funktionieren!“, fordert Ariadne von Schirach in ihrem neuen Buch, das von der taz eher kurz vorgestellt wird. Ziemlich hin- und hergerissen zeigt sich Antonia Baum in der FAZ von Schirachs Gegenwartskritik, während Tina Klopp in der ZEIT der Autorin Thesenarmut vorwirft. +++ Nebenan bei Glanz & Elend zeigt sich der gute Kollege Jürgen Nielsen-Sikora wenig überzeugt vom Neuen Realismus, den Markus Gabriel mit seinem Buch „Warum es die Welt nicht gibt“ begründen will.

Frauen

Anlässlich des heutigen Weltfrauentags wollen wir auch nur mal hallo sagen.


Links der Woche am 01.03.2014, 14:28 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 09/14

Land der Richter und Henker

Die großen deutschsprachigen Dichter und Denker waren alles Rassisten und Antisemiten, aber keiner will darüber sprechen, schimpft Patrick Spät bei Telepolis. Da auch Heideggers „Schwarze Hefte“ verharmlost werden, hat Spät eine List mit antisemitischen oder rassistischen Sentenzen von Luther, Kant, Hegel, Fichte, Wagner, Heidegger und - Trommelwirbel - Hannah Arendt zusammengestellt. (23.02.14)

Arschoffener Zugang

Wie die ZEIT meldet, sind seit 2008 120 computergenerierte Artikel in Fachzeitschriften gelandet, auch in solchen, die sich einer peer review rühmen und Uni-Bibliotheken stolze Summen für ein Abo abnehmen. Nun könnte man das als weiteres Indiz für die Überlebtheit des Wissenschaftsverlagswesens ansehen, doch nicht Roland Reuß: Der seit Jahren gegen Open Access kämpfende Germanist klagt in der FAZ die maoistischen Pläne Baden-Württembergs an, Open Access verbindlich für staatlich besoldete Wissenschaftler zu machen. Einen ganz anderen Zugang stellt uns die taz mit Alain de Bottons populärphilosophischem Web-Projekt vor, das über seine Yellow-Press-Aufmachung philosophische Erörterungen in die Birnen seiner gossip-geilen Leserschaft schmuggeln will: The Philosopher’s Mail.

Allein gegen eine Welt voller erfundener Feinde

Georg Seeßlen hat Thilo Sarrazins neues Buch gelesen und berichtet im Freitag, wie er darin auch etwas anderes als Rechtspopulismus zu finden versuchte. In der Tat lässt sich das Buch wie die Krankenakte eines Mannes (bzw. eines ganzen Landes) mit schwerer narzisstisch-paranoider Persönlichkeitsstörung lesen: einsam, unglücklich, egoman. (27.02.14)

Jüngere und jüngste Absolventen

Das Abi nach 12 Jahren ist überall auf dem Rückzug. Tilman Spreckelsen rekapituliert in der FAZ, wie im bildungsökonomischen Jugendwahn manche pädagogische Chance vertan wurde und warum die um ihre Kinder besorgten Eltern dem G9 den Vorzug vor Drillanstalten geben. (28.02.14)


Links der Woche am 22.02.2014, 14:21 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 08/14

Nachtrag zum Valentinstag

In der FAZ schreibt Stefan Niggemeier gewohnt klug über den Unterschied zwischen Toleranz und Akzeptanz: Auf letztere müssen Homosexuelle et.al. auch weiterhin warten. Denn der Mainstream meint, Toleranz müsse ausreichen, um das Tolerierte künftig wieder in Ruhe geringschätzen zu dürfen. (15.02.14) (Die gute Nachricht: Homophobie verkürzt die Lebenserwartung.)

Rosenkohlfressende Löwen mit Lätzchen

In Kopenhagen wurde eine Giraffe getötet und an Löwen verfüttert. Christina Hucklenbroich beschreibt in der FAZ, wie sich die Empörung darüber bald gegen die Empörten selbst richtete, aber auch, wie weit die von Zoosendungen und Reklame genährten Vorstellungen des Normalbürgers von Selbstverständlichkeiten der professionellen Tierhaltung entfernt sind. (19.02.14)

Et cetera:

Bernard-Henri Lévy findet Sotschi an sich schon schlimm genug, aber angesichts der von Polizisten ermorderten proeuropäischen Demonstranten in Kiew obszön: So ruft er via FAZ zum Boykott auf. +++ Im Tectum-Verlag erscheint der edierte Nachlass des Philosophen, Lektor und DZPhil-Herausgebers Wolfgang Harich. Die NZZ stellt Band 5 vor, aus dem Harichs Haltung im Hegel-Streit hervorgeht: Der Versuch einer Rettung Hegels vor dem Bannfluch Stalins trug mit zu Harichs Inhaftierung 1956 bei. Ein Portrait Wolfgang Harichs ist übrigens in Lichtwolf Nr. 28 zu lesen. +++ Nach langer Diskussion sind sie da und Jürgen Kaube hat sie für die FAZ gelesen: Heideggers „Schwarze Hefte“ mit Notizen von 1931 bis 38, deren erster Band weniger Antisemitismus als philosophischen Narzissmus offenbart; über Nutzen und Nachteil der Notizheftforschung generell denkt Tilman Spreckelsen ebenfalls in der FAZ nach. +++ Nochmals zur Erinnerung: Im Blog des Instituts für Polytoxikomanologie und Perspektivismus geht es weiterhin mit Debord und Marx um Ware und Spektakel.


Links der Woche am 25.01.2014, 14:34 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 04/14

Das alles wird die Bedeutung seines Werkes nicht schmälern

Für die ZEIT spricht Georg Blume mit dem französischen Philosophen François Fédier über Heideggers inzwischen auszugsweise vorliegende „Schwarze Hefte“ und den darin zum Ausdruck kommenden Antisemitismus. Entsprechende Passagen relativiert Fédier als absolut zeitgemäß oder allenfalls etwas doof und betont Heideggers Verachtung des Antisemitismus. (18.01.14)

Black Boxes in Uniform

Das Hamburger Gefahrengebiet ist offiziell keines mehr, hat aber Eindruck hinterlassen. Die FR unterhält sich mit dem Philosophen Daniel Loick über das Verhältnis von Recht und Exekutive, Polizei und Demokratie sowie über die Ambivalenz der bewaffneten Black Boxes in Uniform. (19.01.14)

Spinoza Reloaded

Weil sowohl Poststrukturalismus als auch Marxismus eine Renaissance erleben und sich trotz aller Unterschiede beide auf Spinoza beziehen, stellt Raul Zelik in der taz zwei Neuerscheinungen von Martin Saar und Christoph Dittrich über Spinozas Kompatibilität mit Materialismus und biopolitischer Kritik vor. (19.01.14)

Bremer Spektakelforschung

Das Institut für Polytoxikomanologie und Perspektivismus (IPuP) betreibt Spektakelforschung und veröffentlicht peu à peu die Untersuchung „Von der Ware zum Spektakel“ über Guy Debord Gesellschaft des Spektakels im Institutsblog: Vorwort, Einleitung und Von der politischen Ökonomie zur politischen Ästhetik. Heute Abend übrigens kann man spektakulärerweise das IPuP live in Bremen (Forschungsschwerpunkt: sexuelle Kuriositäten) erleben.

The cow says MOOC

Bei Telepolis nimmt sich Matthias Becker mit zahlreichen Links der „Massive Open Online Courses“ (MOOCs) an: Hinter dem Versprechen, jedem überall kostenlosen Bildfungszugang zu gewähren, wird schon fieberhaft nach tragfähigen Geschäftsmodellen gesucht, die den Charakter von Bildung allesamt verändern werden. Außerdem unterhält sich Becker mit LMU-Präsident Bernd Huber über MOOCs und die Zukunft der Lehre.

Totale - Körperöffnungen - „Minderjähriger“

Pornographie lässt sich nicht nur reimend mit Philosophie verbinden, wie Dietmar Dath in der FAZ vormacht: Er nimmt die ubiquitäre Netz-Pornographie und den Einsatz von Fick-Doubles in Lars von Triers „Nymphomaniac“ zum Anlass eines Essays über die tektonischen Ästhetik- und Moral-Verschiebungen zwischen Virtualität und Realität. (23.01.14)

Außerdemos von Sonstnochos:

Kann man immer wieder machen, solange man es noch machen kann: Michael Hesse unterhält sich für die FR mit dem 85-jährigen Noam Chomsky über das, worüber man sich mit Chomsky nunmal unterhält. +++ Warum ist nicht nichts?, frägt der Freitag und listet die 20 wichtigsten offenen Fragen der Menschheit auf. +++ Der Deutschlandfunk stellt uns Robert Gwisdek alias Käptn Peng und die Tentakel von Delphi als rappende Philosophen vor. +++ „Zwar herrschen im deutschen Hochschulsystem keine US-amerikanischen Zustände“ und Studi wird auch nicht so massiv wie anderswo vom Rektor ausgeplündert, gibt Ralf Klausnitzer im Freitag zu, beklagt aber die Schieflage in der Lehre, die durch den Exzellenz-Zirkus noch verschärft wurde. +++ Seit Tagen verbreitet sich ein altes Poetry-Slam-Video der 21-jährigen Julia Engelmann mit viraler Kraft in der Generation Y; David Hugendick wagt es in der ZEIT, den beliebten Besinnungsaufsatz als einreduziertes Hesse-Gesamtwerk nach dem Motto „LBS statt LSD“ abzukanzeln; da werden bestimmt einige ZEIT-Campusführer-Abos gekündigt worden sein.


Links der Woche am 11.01.2014, 15:14 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 02/14

Kritische Theorie - da geht was!

Sebastian Dörfler berichtet im Freitag dankenswerterweise ebenso ausführlich wie subjektiv von der dreitägigen Berliner Konferenz mit dem Titel „Kritische Theorie – Eine Erinnerung an die Zukunft“, die wie im ersten Teil berichtet wird auf ziemlich großes Bedürfnis nach Welterklärung stieß; außerdem ging es um Postmoderne, Feminismus und die Abgrenzungsstrategien innerhalb der kritischen bzw. Kritischen Theorie. Im zweiten Teil vom zweiten Tag werden Referate und Diskussionen zu Autoritarismus, Patriarchat, Freud und Thesen zur Reformierung kritischer Theorie behandelt. An Tag drei ging es schließlich um die Kulturindustrie, die iranische Bombe und antideutsche Schreie nach Liebe.

Bunte Wochen

...beim Freitag, der zu Neujahr auf rosa Papier erschien, auf dem manch Artikel zum Qualium Farbwahrnehmung stand. Nils Markwardt etwa stellt diverse philosophische Farbtheorien vor - von „Jean-Luc Godards cinematischer Phänomenologie der Chromatik“ über Newton, Goethe und Aristoteles bis zu den Vorsokratikern. Außerdem gibt es ein Gespräch mit Philosophie-Professor Alex Byrne über die Unsichtbarkeit von Farben in der Wahrnehmungstheorie, die Unsicherheit der Optik und den praktischen Nutzen der philosophischen Beschäftigung mit der Farbwahrnehmung.

Alles Leben will was

Der sagenwirmal: Evolutionstheologe Michael Blume widmet sich bei den Scilogs einem Exkurs in einer laufenden Debatte zur Frage, ob und inwieweit wissenschaftliche und gesellschaftliche Entwicklung in der Evolutionstheorie enthalten ist oder sein kann und ob die Zwecke in der Natur beobachtbar, kontingent, emergent oder hineingedeutet sind. (08.01.14)

Badiou, die alte Wolfseule

Abermals Nils Markwardt (s.o.) unterhält sich für den Freitag mit Alain Badiou über seine Beteiligung an der Kontroverse zwischen Sartre und Camus, über den Arbeitsmigranten aus marxistischer und reaktionärer Perspektive, über taktischen Wahlboykott, Feindschaft und die Vereinigung von Frankreich und Deutschland. (09.01.14)

Rezensionen

In der taz wird Hartmut Rosas neues Buch „Beschleunigung und Entfremdung“ besprochen. +++ Die NZZ stellt László F. Földényis Buch „Starke Augenblicke“ vor, in dem es um Mystik und Ekstase in einer atheistischen Metaphysik geht. +++ Der französische Star-Mathematiker Cédric Villani erklärt laut WELT in seinem neuen Buch, welche Rolle Intuition und Kreativität in der mathematischen Forschung spielen.

Et Cetera

Die ZEIT unterhält sich mit der Philosophin Julia Kristeva über Europa, seine Kultur, Identität und seine Mütter. +++ Yoav Sapir berichtet in den Scilogs wie letzte Wohe versprochen von seiner polizeilichen Vernehmung wegen Volksverhetzung. +++ Die Edition von Heideggers wohl antisemitischen Notizen in der Gesamtausgabe naht und damit wächst die mediale Aufmerksamkeit abermals, die dem fundamentalontologischen Antisemitismus gewidmet wird; auch die NZZ blickt auf das, was da noch kommen mag. +++ Das Institut für Polytoxikomanologie und Perspektivismus öffnet weiterhin seine Archive: Im dortigen Blog ist die Durch-die-Nacht-Adaption des IPuP aus Lichtwolf Nr. 36 (Nacht) zu lesen. +++ Die NZZ meldet, eine US-Studie habe diverse Argumente gegen das Aufräumen bestätigt, da Unordnung kreativ mache.


Links der Woche am 28.12.2013, 14:04 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 52/13

Commonismus - die ersten 30 Tage gratis!

Ein Artikel wie ein guter Film: Wer beide Hirnhälften beieinander hat, findet die Überfluss- und Wegwerfgesellschaft problematisch. So lesen wir wohlwollend, was Harald Staun in der FAZ über die entstehende Shareconomy schreibt, und gerade, als wir zu wissen glauben, wer die Guten sind, müssen wir lesen, wie der Kapitalismus mithilfe einiger Idealisten den Kommunismus monetarisiert! (22.12.13)

Alles ist so egal geworden

Pierre Rosanvallon hat mit „Die Gesellschaft der Gleichen“ ein epochales Werk vorgelegt, findet Maximilian Probst in der ZEIT. Die Krise der Gleichheitsidee, die politische Apathie und Distinktionsstreben befördert, wird darin historisch nachgezeichnet und soll mit einem zeitgemäßen Gleichheitsbegriff auf der Basis von Singularität, Reziprozität und Kommunalität gelöst werden. (23.12.13)

Der uninteressanteste Skandal 2013

NZZ-Feuilletonchef Martin Meyer macht den Schirrmacher: Mit Orwell und Foucault blickt er zurück auf die Geschichte der Überwachung von Ali Baba bis in die heutige Betreuungs- und Therapiekultur, die in Kombination mit einer zur Normalität gewordenen Transparenz vorauseilende Harmlosigkeit fördert. (24.12.13)

Zeit, zur Besinnung zu kommen

Der Zürcher Theologe Samuel Vollenweider schreibt in der NZZ über relative Zeit, etwa bei traumatischen Erfahrungen, während derer die verdichtete Zeit - anders als Jahre des Alltags - Spuren im Gedächtnis hinterlässt. Das erste Weihnachten war zumindest für Herodes ein solches Ereignis, für uns sind die Feiertage eine Unterbrechung im unspektakulären Verinnen der Zeit. (25.12.13)

Christen und Kapitalisten feiern getrennt

Tomasz Konicz hat die Feiertage genutzt, um für Telepolis in einer dreiteiligen Essayreihe die Kapitalismuskritik des Papstes (und die Reaktionen darauf) zu analysieren. Diese erweist er im ersten Teil als Manöver in einem Religionsstreit, wie schon an der Schnappatmung unter konservativen Kapitalismusgläubigen zu erkennen ist. Der von ihnen behaupteten Rationalität und Segensspende des Kapitalismus geht Konicz im zweiten Teil nach, worin vor allem die enge Verwandtschaft der beiden Glaubensrichtungen etwa an ihrem Arbeitsbegriff gezeigt wird. In Teil drei schließlich wird mit modernen Theologen und Walter Benjamin der Kapitalismus als fetischistische Gesellschaftsformation, i.e. als Religion beschrieben.

Materialismus und Visualisierung

Nur was unsichtbar (weil im Mikro- oder Makroskopischen) ist, halten wir den Naturwissenschaften sei dank für eigentlich wirklich, meint Hans Ulrich Gumbrecht in seinem FAZ-Blog, was sich im Alltag in allenfalls visualisierbaren „latenten Phänomenen“ und Stimmungen ausdrückt; Rettung verspricht die Heidegger-Lektüre. (27.12.13)

Das Weitere und Engere:

Apropos Heidegger: Jürgen Kaube von der FAZ tut mit Blick auf die Konkurrenz von der ZEIT die neulich berichtete Aufregung um Heideggers antisemitische Notizen mit großer Geste ab. +++ Schnellere Affirmation für frühere Revolution: Cord Riechelmann stellt in der linksradikalen FAZ das Manifest des Akzelerationismus vor, einen Sammelband zur technischen Überwindung des Kapitalismus. +++ Fritz J. Raddatz fordert in der WELT, das Recht auf Suizid als Teil der Menschenwürde anzuerkennen. +++ Immer noch nicht genug zu lesen aufm Schirm? Heiligabend wurde www.lichtwolf.de zehn Jahre alt und zu diesem Anlass wurden 14 Artikel aus vergangenen Lichtwolf-Ausgaben online gestellt.


Links der Woche am 14.12.2013, 15:43 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 50/13

Schwimmflügel in Korporaozeanen

Eva Bambach hat eine Konferenz zu Fragen der „Digital Humanities“ besucht und berichtet bei den Scilogs von den Möglichkeiten, die die Digitalisierung den Geisteswissenschaften bietet. Dabei wurde vor allem um die Begriffe digital, humanities, tools und content gerungen. (10.12.13)

Wahre Bildung schafft den Philosophen und Kybernetiker

In der FAZ wurde in den letzten Woche für und wider MOOCs („Massive Open Online Courses“) gestritten. Zum vorläufigen Ende der Debatte blickt Claus Pias zurück auf die lange Geschichte des automatisierten Unterrichts: vom Lehrfilm über den geduldigen Multiple-Choice-Automaten mitsamt Nebenerfindungen wie Chat und Minesweeper bis zu lernenden Lehrmaschinen. (10.12.13)

Le sol, la communauté, la race

Nicht nur, aber vor allem in Paris herrscht Aufregung über Neuigkeiten aus dem Nachlass Heideggers, dessen Denken mit der Wehrmacht Einzug hielt. Wie sehr die französische Nachkriegsphilosophie von Heidegger beeinflusst ist und wie man sich gegen die Veröffentlichung seiner antisemitisch geprägten Tagebücher wehr, beschreibt Jürg Altwegg in der FAZ. (13.12.13)

Schwarzgelbste BRD-Philosophie

Eine Tagung in Marbach ging der Aktualität Joachim Ritters und seiner Theorie der Moderne auf den Grund. Uwe Justus Wenzel erzählt in der NZZ von der Versammlung der Ritter-Schüler (unter denen mit Odo Marquard der prominenteste fehlte) und ihren Überlegungen zum Überwinden hegelscher Klüfte. (13.12.13)

Außerdemos von Sonstnochos:

Die NZZ bespricht das Buch „Selbst im Spiegel. Die soziale Konstruktion von Subjektivität“, welche Wolfgang Prinz darin als Ergebnis und Bedingung des Sozialen aufweist. +++ Im Freitag weist Ilija Trojanow noch einmal auf den Protest hunderter Schriftsteller gegen Überwachung und die Not hin, die Freiheit zu verteidigen. +++ Unser werter Kollege Vasile V. Poenaru hat Tellkamps Turm ins Rumänische übersetzt und hat dafür den Antoaneta-Ralian-Übersetzerpreis erhalten; was der Kollege in Kanada macht, erfahren Sie in einer Woche im kommenden Lichtwolf, worin Poenaru die Kulturgeschichte durchs Obstler-Glas betrachtet. +++ via Philosophy Bro: Im Wall Street Journal schreibt Mike Tyson über Philosophie. +++ Apropos: Der Delmenhorster Arschwackel-Export Sarah Connor besucht heimlich Philosophie-Vorlesungen.


Links der Woche am 09.02.2013, 14:26 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 06/13

Das Fast-Nachten der Fasnet

Aus aktuellem Anlass (Karneval) stellt uns Maximilian Krämer in der FAZ die Gebrüder Heidegger vor: Der eine, Martin, umstrittener Fundamentalontologe, der andere, Fritz, ein in der Schwabenprovinz gefeierter Fasnetprediger. Aus dem (Un)Vermögen der Sprache schenkt sich die Grenze zwischen Ernst und Komik und Philosophie und Fastnacht. (08.02.13) (Mehr Tiefsinn aus Frohsinn schürft Marc Hieronimus in seinem Aufsatz über Fastnacht und ihr revolutionäres und konterrevolutionäres Potential, siehe Lichtwolf Nr. 36.)

Wie man Dr. wird

Nachdem es nun doch ernst geworden ist mit dem Doktortitel der mutmaßlichen Plagiatorin Annette Schavan, fragt sich das staunende Publikum: Was ist das eigentlich, so eine Promotion - und wie ging und geht das vor sich? Ulrich M. Schmid, Professor in St. Gallen, erklärt in der NZZ den Promotionsprozess. (08.02.13) (Haben Sie den klugen Aufsatz von Peter V. Brinkemper zum Fall Schavan bei Glanz & Elend schon gelesen?)

Außerdemchen:

Micha Brumlik war wohl im Kino und hat für die taz mit Hannah Arendt "Lincoln" und mit Hegel "Django Unchained" geguckt. +++ Die NZZ stellt das neue Buch des Rechtsphilosophen Ronald Dworkin über/wider Metaethik vor. +++ Außerdem verweist die NZZ auf die in New York erscheinende neo-marxistische Revue "Jacobin". (Hier geht es direkt zu den US-Kollegen.)


Links der Woche am 20.10.2012, 14:05 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 42/12

Mit Adorno die Ohren spitzen

Das IPuP hat einen schönen Essay in der noch schöneren Onlinepostille Magenkrämpfe auf unwegsamem Gelände [M.A.U.G.] aufgetan. Darin wird solide in die psychosoziale Analytik des Jargons der Eigentlichkeit eingeführt, um es dann Leserin und Leser zu überlassen, nämlichen in den politischen Neujahrs- und Weihnachtsansprachen heutiger Zeit aufzuspüren. (13.10.12)

Heute ein Wunder, morgen ein Restposten

Boris Hänßler macht sich die Zeit bewusst, indem er sich mit Ray Kurzweil einen Sprung um 18 Jahre in die Zukunft vorstellt. Kurzweils Vorstellungen erscheinen weniger übertrieben, blickt man - wie Hänßler - auf den Stand der Technik vor 18 Jahren zurück. Passend dazu zeigt der britische Telegraph, wie einige populäre Websites anno tobak mal aussahen. (15.10.12)

Kurze Sprünge mit fremden Federn

Die Dissertation von Bundesbildungsministerin Annette Schavan wird nach Plagiatsvorwürfen jetzt so gründlich geprüft, wie das angeblich im Promotionsverfahren üblich ist. Mit angemessenem Rigor untersucht Wolfgang Bittner in der FAZ die Aporie der Bildungsministerin, um dann grundsätzlich zu werden über die Schlendriankultur in Urheberdingen. Nebenan bei Glanz & Elend erstellt Peter V. Brinkemper anhand ihrer Vorgehensweisen ein Psychogramm des ehemaligen Doktors zu Guttenberg und der noch-Doktorin Schavan - sowie der Wissenschaftskultur, die so was mehr als nur zulässt.

Dagegen aneseln

Nach seiner Essayreihe über Nietzsche und Jean Genet portraitiert Leopold Federmair im Begleitschreiben nun den Schriftsteller Gerd-Peter Eigner als Meister des konsequenten Querulantentums. Die Händel und Verwicklungen, die Eigner literarisch und persönlich provozierte, ergeben eine dicke Autobiographie und manche Feindschaft, auf die der Außenseiter aus gutem Geschmack stolz sein kann. (18.10.12)

Gumbrecht- / Technik-Woche

Hans Ulrich Gumbrecht fragt in seinem neuen Buch "Nach 1945 - Latenz als Ursprung der Gegenwart" wie wir wurden, was wir sind, und die taz unterhält sich mit dem Historiker darüber. In seinem FAZ-Blog nimmt sich Gumbrecht der Technikphilosophie Heideggers an und versucht, sie mit Friedrich Kittler an die zeitgenössische Informationstechnik anzuschließen, um zu fragen, ob und welches Sein sie entbirgt. Das erinnert ein bisschen an die Einleitung des aktuellen Lichtwolfs ("Jenseits des Menschen"). Da muss überhaupt irgendetwas los sein diese Woche, denn die NZZ bringt Thomas Machos Aufsatz über die Abgrenzung des Menschen von Nichtmenschen (Tiere, Maschinen), der wiederum an Marc Hieronimus' aktuelle Heft-Beiträge (von denen einer auch online steht) erinnert. Vielleicht liegt es an der sehr freundlichen Besprechung der Nr. 39 im "Blog Kultur oder Wissenschaft"; ebenso offen bleibt die Frage, ob Roy Batty wirklich "I want more life, fucker!" fordert oder nicht eher "I want more life, father!".

Aber auf jeden Fall gilt: Wer Gumbrechts und Machos aktuelle Aufsätze mag, wird auch den Herbstwolf jenseits des Menschen sehr schätzen.


Links der Woche am 04.08.2012, 14:04 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 31/12

Searle zum 80.

Diese Woche wurde der Sprechakt der Geburtstagsgratulation ausgiebig begangen. Anlässlich John Searles Achtzigstem vergleicht Hans Bernhard Schmid in der NZZ den Philosophen mit John Wayne und hat den Eindruck, Searle revidiere in seinem gleichfalls diese Woche auf Deutsch erschienenen Buch (Besprechung bei Deutschlandradio Kultur) seine Theorie der sozialen Konstruktion von Wirklichkeit. Für die SZ würdigt Willy Hochkeppel Leben und Werk des Gratulanden und Tim Caspar Boehme gibt in der taz einen Crash-Kurs Speech Acts wegen Geburtstag und Buchveröffentlichung.

Man ist auch Mensch

Der viel gerühmte Heribert Prantl hat in einem Porträt über Andreas Voßkuhle, den Präsidenten des Bundesverfassungsgerichts, den falschen Eindruck erweckt, dessen Kochgewohnheiten aus eigener Beobachtung zu kennen. In diesen unfassbaren Journalismusskandal schaltet sich Michael Angele via Freitag ein, indem er auf Prantls an Heidegger ("diesem vermutlich bedeutendsten Philosophen aller Zeiten") geschulten Gebrauch des Wörtchens "man" hinweist. (01.08.12)

Du bist AAA, aber mit Ausblick negativ.

Wirtschaftsthemen sind wg. Krise längst auch Feuilleton-Themen, zumal jeder schon einmal erleben musste, wie es ist, herabgestuft zu werden. Die FAZ hat einige Redakteure und Autoren aufschreiben lassen, wann und wie ihre Abwertung stattfand, begründet und empfunden wurde. Tröstliche Lektüre, denn trotzdem ist ja noch was aus ihnen geworden. (vgl. die taz-Rezension von Werner Rügemers Analytik der Rating-Agenturen)

Philosophie und Sex

Stefanie Voigt beleuchtet bei Telepolis die schummrigen Winkel der Philosophiegeschichte, in denen es um Sex geht. Dort ist aber nicht viel los und Voigt muss im ersten Teil ihres Essays erstmal klären, wie Philosophie und Sex sich bereits in der Antike auseinandergelebt haben. Im nun veröffentlichten zweiten Teil ihres Essays ist Voigts Philosophiegeschichte des Vögelns in der Neuzeit angekommen - und wir warten mit einer freien Hand auf den dritten Teil.

Unn sünst?

Thomas Stadler rekapituliert in seinem Blog die jüngsten Wortmeldungen zur Sommerdebatte um Blasphemie und Beschneidung. +++ Der große Biochemiker Gottfried Schatz sieht in der NZZ die Naturwissenschaften in fortschrittsbedingte Sprachverwirrung abgleiten. +++ Occupy Space: Bei Glanz & Elend denkt Peter V. Brinkemper über "Prometheus - Dunkle Zeichen" nach, den neuen Film von Ridley Scott ("Bladerunner", "Alien"). +++ Sigmar Gabriel - so steht's in der heutigen FAZ - lässt der SPD ein Parteiprogramm von Jürgen Habermas, Julian Nida-Rümelin und dem Ökonomen Peter Bofinger schreiben. (Nachtrag, 05.08.: Die europapolitische Denkschrift ist nun auch online bei der FAZ.)


Links der Woche am 01.04.2012, 15:23 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 13/12

Glück auf beim Data Mining

Dietmar Dath glaubt nicht, dass früher alles besser war, aber auch nicht, dass in Zukunft alles besser wird. In der FAZ skizziert er die vier Paradigmen der exakten Wissenschaften, deren jüngstes viertes ein Kind der Möglichkeit ist, komplizierte Berechnungen mit einer Turingmaschine zu erledigen. Vernetzt man Millionen davon, schlägt die Quantität in eine neue Qualität um, in welcher Theorie, Experiment und Simulation ununterscheidbar sind. (28.03.12)

Der Unvermeidliche

Hans Ulrich Gumbrecht denkt in seinem philosophischen FAZ-Blog "Digital/Pausen" diese Woche über die Frage nach, ob Heidegger unvermeidlich sei. (In Freiburg: ja) Grund ist die Tatsache, dass Subjektphilosophie und Konstruktivismus abgewirtschaft sind und besonders Heideggers Spätwerk neue Impulse zur Gegenwartsanalyse geben könnte. Daneben setzt sich Gumbrecht noch mit seinen inzwischen abgelegten Vorbehalten gegen Heidegger wg. 1933/34 auseinander. (30.03.12)

Metametameta

Leonie Seng verweist in Ihrem Philosophie-Blog auf das Philolink-Blog, das seit einigen Tagen Links zu philosophischen Themen sammelt, und wir verweisen in unserer wöchentlichen Sammlung von Links zu philosophischen Themen auf den Verweis zur Verweissammlung. Deconstruct this, Poststrukturalismus! (30.03.12)

Weltwissen in 45-Minuten-Häppchen

Judith Schalansky hat mit "Der Hals der Giraffe" den wunderbaren Monolog einer verbitterten Bio-Paukerin verfasst und denkt nun in der FAZ über Schulbücher gestern, heute und morgen nach; sowie über das Rätsel, das über jeder Schulzeit hängt - gerade wenn Klausuren anstehen: Wofür soll man den ganzen Stoff später mal brauchen? (01.04.12)



Links der Woche am 05.11.2011, 15:30 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 44/11

Ein-, Hin- und Weg-führung

In der ZEIT stellt Thomas Meyer zwei Neuerscheinungen zu Heidegger vor. Zum einen "Unterwegs in Sein und Zeit" - ein Buch, mit dem Alfred Denker einen kompakten Vorgeschmack auf seine geplante dreibändige Heidegger-Biographie gibt. (Übrigens hat nämlicher Denker Meßkirch mit einem Heidegger-Seminar über das Verhältnis von Dichtung und Denken beehrt.) Zum anderen Florian Grossers Dissertation "Revolution denken" über die Politisierung von Heideggers Denken seit 1919. (30.10.11)

Plastiken aus unendlichen Geraden

Für die SZ hat Joseph Hanimann die Pariser Ausstellung "Mathématiques - un dépaysement soudain" in der Fondation Cartier besucht. Hier trifft Mathematik auf Kunst, Elemente von Heraklit bis Turing schwirren durch die Gegend und die Installationen gehen der Frage nach, ob Mathematiker schöpferisch tätig sind oder ob sie entdecken, was immer schon da war. (01.11.11)

(Leser, die auf diesen Link klickten, könnten sich auch dafür interessieren: (1) Die NZZ bespricht die Übersetzung von "Gegen Null: Eine mathematische Phantasie", worin Lars Gustafsson seine mathematisch-logischen Gedankensplitter versammelt hat. (2) Das FAZ-Blog "Deus ex Machina" hat sich mit Gödels Unvollständigkeitstheorem beschäftigt.)

Pop und die Welt

Kulturtheoretiker Klaus Theweleit kann mit Pop und Retro nicht viel anfangen. Bei der ZEIT spricht er anlässlich der Pophistory-Konferenz an der Berliner Volksbühne über das ganz normale popkulturelle Recycling des Alten und wie sich die Balkanisierung der Gesellschaft in der Entwicklung des Pop abzeichnet. Verehrer von Amy Winehouse sollten weglesen. (02.11.11)

Charles Taylor zum Achtzigsten

Nicht der Diktator, sondern der Philosoph Charles Taylor wird dieser Tage 80 Jahre alt. Nicht nur zu diesem Anlass wird sein neues Buch "Laizität und Gewissensfreiheit" in der taz sowie in der NZZ besprochen.

Unn sünst?

Laut Matt Ridley ist Oswald Spenglers Kulturdefätismus gerade wieder en vogue, so die Presse. +++ In der ZEIT spricht sich Bernard-Henri Lévy für ein militärisches Eingreifen der NATO nun auch in Syrien aus. +++ Jürgen Habermas schimpft in der FAZ mit den EU-Chefs, die Volksabstimmungen in Marktnot doof finden. (vgl. dazu Tom Strohschneider beim Freitag)


Links der Woche am 01.10.2011, 14:00 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 39/11

Haitianische Hegelwochen

Das Buch "Hegel und Haiti" von Susan Buck-Morss wurde vor zwei Wochen bereits in der taz rezensiert. Nun weist auch Florian Schmid im Freitag auf das Werk hin, das Hegels Überlegenheit gegenüber Locke und Rousseau damit begründet, dass jener die politische Realität des haitianischen Sklavenaufstands in seiner Philosophie verarbeitet hat. Cord Riechelmann von der FAZ lässt sich nicht lumpen und bespricht neben Buck-Morss' Buch auch gleich noch Frank Rudas "Hegels Pöbel. Eine Untersuchung der 'Grundlinien der Philosophie des Rechts'" (mit Vorwort von Zizek). Demnach steht das Elend des armen Pöbels im Zusammenhang mit der Gier des reichen Pöbels.

Mein erstes E-Book

Barbara Schweizerhof vom Freitag hat sich ihr erstes E-Book gekauft und berichtet, wie so ein "Buch" binnen zweier Klicks eingekauft und ausgeliefert ist, wie auf dem iPad herumgefingert wird und was das E-Book verglichen mit dem Buch gestattet und verwehrt. Sehr gute E-Books gibt es übrigens vom catware.net Verlag, z.B. den Lichtwolf und Bücher seiner Autoren. (26.09.11)

Heidegger für Großrussland

Die Philosophie war in Russland "systembedingt" bis 1989 sehr "übersichtlich". Seither wird nachgearbeitet, wobei Spengler, Schmitt und Jünger den Vorzug gegenüber Adorno, Althusser, Bloch erhalten. Dieser Stoßrichtung zum Irrationalismus folgt Alexander Dugin mit seinem Manifest "Heidegger: Die Möglichkeit der russischen Philosophie". Felix Philipp Ingold bespricht das Buch für die NZZ. (27.09.11)

So nah, doch so fern

Der wunderbare Gottfried Schatz beschäftigt sich in der NZZ diesmal mit dem Blut - und zwar ohne ein einziges Mal auf Vampire Bezug nehmen zu müssen. Ohne "Faust"-Zitat geht es aber nicht. Sachkundig erklärt uns der humanistisch beschlagene Biochemiker das Blut als "Mikrokosmos, in dem sich Leben und Tod helfend die Hände reichen". (30.09.11)

Akademischer Schweinkram

Pete LeBar sammelt Campus-Romane, die auf dem Schwanitz entgegengesetzten Ende der Niveauskala stehen: Schundromane der 50er mit lüsternen Erstsemesterinnen vom Land, Gangbangs in der Burschenschaft, sexuell ausgedörrten Professorengattinnen, die Jagd auf die Hiwis des Gemahls machen usw. Henryk M. Broder portraitiert den Mann und sein schönes Genre in der WELT. (30.09.11)

Atheismuskrawall im Provinzidyll

Nach Schopenhauer kümmert sich Ludger Lütkehaus jetzt auch editorisch um Fritz Mauthner. Dessen "Der Atheismus und seine Geschichte im Abendlande" hat Lütkehaus in vier Bänden neu herausgegeben. Karlheinz Schiedel bespricht die Edition in der Badischen Zeitung und beschwört Mauthner genius loci am Bodensee. Ebendort ist übrigens Michael Helming hingewandert und berichtet im aktuellen Lichtwolf aus Mauthners Meersburg. (01.10.11)

Das Sonstige in Kürze

Der Tagespiegel rezensiert den biographischen Nietzsche-Comic von Michel Onfray und Maximilien Le Roy. +++ Die Kollegen von SuKuLTuR haben ihre Homepage aufgehübscht (und auch lichtwolf.de kriegt Montag ein Facelifting). +++ Die WELT spricht mit Robert Spaemann über den Papst. +++ Sibylle Lewitscharoff hat für die Buchmesse einen Roman über Hans Blumenberg und einen Löwen geschrieben. +++ Der ORF unterhält sich mit Peter Bieri über Selbstbestimmung.


Links der Woche am 16.07.2011, 14:07 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 28/11

Der ewige Fluss der Meinungen

Im Freitag empfiehlt Florian Schmid die Lektüre von "Der Hass der Demokratie" des französischen Philosophen Jacques Rancière, dessen Buch mit sechs Jahren Verspätung nun auch auf Deutsch erscheint. Darin geht er dem inflationären Demokratie-Begriff auf den Grund der Streitkultur, die nicht jedem geheuer oder gar teuer ist. (11.07.11)

Wissen, Welt, Wahrheit

Der genius malignus hat spätestens mit "Matrix" sein Comeback in der Philosophie gefeiert und wirft die Frage auf, woher wir eigentlich wissen wollen, was wir zu wissen glauben. Damit hebt auch Elmar Diederichs in den Brainlogs an, referiert sodann die verschiedenen Definitionen von Wissen und findet am Ende zwei Fäden, die er weiterverfolgen will: die Fragen der Wahrheit und der Außenwelt. (13.07.11)

Hauptsache, das eigene Kind kommt sicher in den Klavierunterricht

Die wenigen Autofahrer unter unseren Lesern haben es geahnt: Die SUVs sind unser Unglück. Geradezu amtlich wird der Befund über die geländegängigen Riesenautos, die sich durch die Innenstädte drängeln, dank Dieter Kaags Artikel in "Blätter für deutsche und internationale Politik". Er beleuchtet zunächst die Verkaufspsychologie, dann die ökologischen und sicherheitspolitischen Konsequenzen des SUV-Booms, und befragt schließlich die Statistik, auf wessen Kosten die erhöhte Sicherheit der Sportpanzerfahrer geht. (14.07.11)

Das Subjekt wird erst am Objekt Subjekt

Das OpenAccess-Magazin "Internationale Zeitschrift für Philosophie und Psychosomatik" hat Mitte Juni ihre aktuelle vierte Ausgabe online gestellt. Als PDFs verfügbar sind zahlreiche Beiträge zum Thema "Subjekt und Objekt" im Rahmen von Lebensgestaltung und Psychotherapie, u.a. in Form einer Filmexegese von "Shutter Island".

Kunst der Begegnung

Passend dazu der Artikel "Zweckrationalität und zwischenmenschliche Praxis in der Psychotherapie. Zu der Aktualität von Heideggers Wissenschaftskritik und der Notwendigkeit eines künstlerischen Umgangs mit der Biotechnologie" von Matthias Richter in der aktuellen Ausgabe des Journals für Philosophie und Psychiatrie.


Links der Woche am 12.03.2011, 19:00 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 10/11

Immer die anderen

Das nützt den Japanern gerade nichts, könnte aber erhellend sein für diejenigen, die auf der anderen Seite der Welt an der Katastrophe via Live-Ticker teilnehmen: Der Vortrag von Andrea Esser beschäftigt sich unter dem Titel "Übrigens sterben immer die Anderen" mit dem Tod als Problem der praktischen Philosophie. (06.03.11)

Godzilla vs. King Kong in Bad Bellingen

Die FR bringt ein "Dramolett" von Otto A. Böhmer, in dem sich Martin Heidegger fiktiverweise zu Theodor W. Adorno an den Tisch setzt (unter der falschen Prämisse, sie hätten einander nicht gekannt). Die zwei machen einen Abstrich von Raum und Zeit, mampfen Hubertustopf und gemischten Salat, hauen einander den Jargon um die Ohren und der Leser sollte bei der Lektüre mal lieber seinen Philosophieduden aufgeschlagen neben sich haben! (06.03.11)

No Lebensrisiko, no fun

Womöglich anlässlich der "närrischen Zeit" (würg) plädiert der Wiener Philosoph Robert Pfaller in der FAZ dafür, auch beim Maßhalten etwas maßzuhalten. Denn staatlicher Paternalismus und ökonomische Selbstoptimierung treiben der lebensweltlichen Vernunft den Spaß am Leben aus, der - so wird mit vielen Stoikern im Gepäck argumentiert - von der gelegentlichen vernünftigen Selbstbeschränkung der Vernunft ermöglicht wird. (07.03.11)

Besser geht immer

Der Druck nimmt zu: Jede ausgeschlagene Option der Selbstoptimierung gewährt der weniger zimperlichen Konkurrenz einen Vorteil - und Konkurrenz herrscht überall und um alles: Arbeitsplätze, Liebespartner, Versicherungsprämien, Kindergarten- und Grabplätze. Melanie Mühls Gedanken in der FAZ gehen vom Trend zum Zweitlifting aus, um den lebensweltlichen Opportunismus bis hin zur strategischen Abtreibung zu behandeln. (08.03.11)

Prost!

Peter Richter meditiert - womöglich auch wegen Fasnet - übers Saufen (und sei es auf Weingütern). Dazu gibt es historische Anekdoten über die innerdeutsche Schnapsdiplomatie der Neuzeit ("Man muß sich, so deuten es manche Historiker an, das Abendland bis ins 18. Jahrhundert als durchgängig und flächendeckend angeschickert vorstellen."), phänomenologische Betrachtungen über Bierflaschen und die soziale Aporie des Trinkens oder Nicht-Trinkens sowie düstere Zukunftsaussichten. Obacht, hier macht die FAZ plötzlich doch wieder alte Rechtschreibung, weil es sich um einen Auszug aus dem Buch "Über das Trinken" (Goldmann, 2011 - respect!) handelt! (08.03.11)

Unsere härteste Konkurrenz

Seit 15 Jahren gibt es den SuKuLTuR-Verlag und er hat viel erlebt und erreicht: Seine kleinen gelben Büchlein werden in Süßigkeiten-Automaten verkauft und letztes Jahr hat ein junges Ding ihren hochgelobten Debüt-Roman insbesondere bei Airen, einem der Autoren von SuKuLTuR, abgeschrieben. Nun bewirbt sich der Verlag um den Victor-Otto-Stomps-Preis der Stadt Mainz 2011 und der Lichtwolf sieht bei solcher Konkurrenz seine Chancen auf den Preis schwinden. (12.03.11)

Leichen treppauf

Es rumort nebenan: Offenbar hat Michael Helming ein neues Buch in der Mache, das am 1. April im catware.net Verlag erscheint, der auch den Lichtwolf vertreibt. Näheres weiß man wohl, aber es wird noch nichts verraten. Das Cover des Büchleins kann man sich schon angucken und in Vorfreude schwelgen. Mehr in einer Woche nach Erscheinen von Lichtwolf Nr. 33 ("Monster")!



Links der Woche am 23.10.2010, 15:01 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 42/10

Informationsethik

Die heutige Ausgabe der NZZ widmet sich ausführlich dem Internet und damit zusammenhängenden Kulturfragen. Früher dran und tiefer drin war die "International Review of Information Ethics", deren 13. Ausgabe vom September 2010 als PDF (1 MB) zur Verfügung steht. Unter dem Titel "Intercultural Infomation Ethics" werden u.a. P2P, MMORPGs, Nekama und das gute Leben im Netz behandelt.

Der Weg war Ziel

Stuttgart 21, wohin man blickt. In der taz nimmt Jörg Magenau das schwäbische Ringen um Oben oder Unten zum Anlass einer unterhaltsamen Überlegung zum Reisen und der darauf wirkenden Beschleunigung, die vom Fortschritt ausgeht. (17.10.10)

Dunkelheit schärft die Sinne

Karl Payer erkennt im Journal für Philosophie & Psychiatrie 2/09, dass Heideggers Angst-Begriff ziemlich genau eine Depression beschreibt, und überlegt mit "Sein und Zeit" und weiteren Klassikern im Gepäck, welchen Sinn und Nutzen für das Leben Depressionen haben.

Das Frühstück der Champions

Die Wirkungsweise von Ketamin, auch bekannt als "Special K", ist auch Jahrzehnte nach der Synthetisierung nicht gänzlich verstanden. Jörg Albrecht blickt in der FAZ auf die medizinische und psychedelische Geschichte des Narkotikums zurück, das dort helfen könnte, wo alle anderen Psychopharmaka versagen. (20.10.10)

Unergründliche Ratsschlüsse

Die ersten Studienjahrgänge verlassen mit Bachelor-Zeugnissen die Hochschulen - oftmals unfreiwillig, denn wie so oft hat die Politik mit der Bologna-Reform erstmal kräftig flexibilisiert und gehofft, der Markt werde die Verteilungslogik schon irgendwie regeln. Das "Master-Desaster" ist Wochenthema beim Freitag. (21.10.10)


Philosophistik & Misosophie am 06.07.2010, 11:43 Uhr

Philosophen im Straßenverkehr

Zum Ende des Dunklen Zeitalters hin gab es im Lichtwolf eine kurzlebige Serie, in der Philosophen im Straßenverkehr dargestellt wurden. Da die entsprechenden Ausgaben kaum noch oder gar nicht mehr lieferbar sind, gibt es die Kleinode nun online.

Erleben Sie folgende "Philosophen im Straßenverkehr": George Berkeley, Martin Heidegger, Friedrich Nietzsche und Carl Gustav Platon.






Philosophistik & Misosophie am 13.12.2005, 17:20 Uhr

Heidegger in Teheran

..lautete (übrigens) eine Überschrift vom Wochenende. Im dazugehörigen Artikel von Dieter Thomä geht es um eine in Teheran vom Iranischen Institut für Philosophie und der dortigen Schweizer Botschaft veranstaltete Tagung über den Todtnauberger. Dessen Technikkritik erfreut sich im nachrevolutionären Iran schon länger großer Beliebtheit, bemerkenswerter jedoch findet Thomä, wie Heideggers Philosophie als "westliche Selbstkritik" in die Pflicht genommen wird, wenn mal wieder vor der Gharbzadegi, der "Vergiftung (aber auch: Machenschaften (!)) des/durch den Westen", gewarnt werden muß. Andererseits wiederum scheint Heidegger als politisch kompromittierter und doch tiefsinnig geltender Denker eine Leitfigur für die iranische Philosophie zu sein, in der zwischen den beiden Polen "Magd der Theologie" und Dissidententum nicht mehr viel übrig ist.

Lesenswert allemal in unseren heutigen Zeiten:

-"Heidegger in Teheran", Dieter Thomä. NZZ 10.12.05, S.26.

-Bericht über den Iranbesuch von Habermas und seine Eindrücke von der dortigen Philosophie (aus der FAZ vom 13.06.02).











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