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Monatsbuch

Suche ausgeführt.

Mit dem Stichwort "Kapitalismus" sind die folgenden Artikel markiert:


Links der Woche am 22.07.2017, 14:23 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 29/17

Affirmation statt Transformation

Vergangene Woche hielt Armin Nassehi die Linken für Phantasten mit Hang zum Autoritären, nun darf Stephan Lessenich sich in der ZEIT über die Pauschalisierungen und Vereinfachungen des Kollegen wundern und einiges über den Kapitalismus und die Linken klarstellen. (20.07.17)

Lukrez statt Frankenstein

Mary Shelleys Frankenstein gilt - sofern Faust nicht zählt - als das Buch über wissenschaftliche Hybris und nervt den Evolutionsbiologen Matt Ridley, wie er in der NZZ bekennt. Lieber ist ihm der nüchterne Optimismus des Lukrez, der en passant die moderne Physik, Chemie und Biologie vorwegnahm. (20.07.17)

Wann zu widerstehen ist

Anlässlich des 20. Juli hielt der frühere Innenminister Gerhart Baum eine Rede über Widerstandsrecht und -pflicht, die die FAZ abdruckt. Die junge Bundesrepublik behandelte den Widerstand als Verrat, schützte die Nazis, mit denen sich die meisten arrangiert hatten, und ignorierte die Opfer. Heute werden Grundrechte und Menschenwürde wieder in Frage gestellt. (20.07.17)

Spukhaus Amerika

H. P. Lovecrafts Werke sind längst gemeinfrei und ihr anhaltender Einfluss ist nicht zu unterschätzen, schreibt Adrian Daub in der NZZ und unterschlägt dabei nicht, welch ein unangenehmer Geselle Lovecraft war. Gerade seine Fremdenfeindlichkeit schlägt sich z.B. im Cthulhu-Mythos nieder, der darum in Trumps USA aktueller denn je ist. (21.07.17)

Das Weitere und Engere:

Jens Bisky rät in der SZ, die „Verfassungsschutzfolklore“ von der gemäßigten Mitte und den extremen Rändern links und rechts fahren zu lassen, da sie den Blick auf die politische Realität verstellt. +++ Die NZZ bespricht Fritz Breithaupts Buch über die dunklen Seiten der Empathie sowie Steffen Maus Buch wider die Quantifizierung des Sozialen. +++ Haben Sie eigentlich schon ein Lichtwolf-Abo?


Links der Woche am 15.07.2017, 14:17 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 28/17

Warum werden sie so gehasst?

Henrike Schirmacher widmet den oft als Flugratten verunglimpften Stadttauben in der FAZ einen sehr interessanten und bisweilen wenig mitfühlenden Text, in dem es u.a. über den Zusammenhang zwischen dem von Denkmalschützern gefürchteten Taubenkot und unserer Diät sowie über den zwischen urbaner Umgebung und Tierbild geht. (11.07.17)

Wo ist noch Intellektuellenbuch?

In der NZZ fragt sich Jan Söffner, warum immer weniger Menschen der Aufforderung eines gedruckten Buchs nachkommen, sich Zeit dafür zu nehmen, und lieber schnell das Internet bemühen. Söffner vermutet, die intellektuell hungrigen Leser seien einfach zu oft enttäuscht worden von Büchern, die bloß als Forschungsbeleg veröffentlicht wurden, und gibt Tipps, wie im 21. Jahrhundert Denkabenteuer zu schreiben wären. (12.07.17)

Du wirst, was du studierst.

Was macht das Studienfach aus einem Menschen? Das hat sich Samuel Kramer für das Uni-Blog der FAZ gefragt und mit drei jungen Studenten unterhalten: Die Medizin-, Jura- bzw. Soziologiestudenten bestätigen so manches Klischee über ihre Fächer und überlegen, woran das wohl liegt. (13.07.17)

Vor der Komplexität kapitulieren

Nach dem G20-Gipfel vorige Woche zeigt Armin Nassehi in der ZEIT Verständnis für die Polizei und denkt über die Atrraktivität politischer Gewalt nach. Die Linke hat es leicht, weil sie - anders als die Rechte - sympathische Forderungen stellt, darum nicht über den Weg zu ihrer Erfüllung nachdenken kann und ergo latent autoritär ist, während „es der globalisierten Welt noch nie so gut ging wie heute.“ (13.07.17)

Mit Trump gegen Trump?

Naomi Klein hat jüngst ein Buch darüber geschrieben, wie es zu Trump kam und was wir jetzt tun müssen. Tim Adams portraitiert im Freitag die prominente Vordenkerin der US-Linken, die den Aktivismus wieder cool machen will und aus deren früheren Veröffentlichungen Trump scheinbar viel gelernt hat. (14.07.17)

Was man so alles lesen kann

Die taz ist ziemlich enttäuscht von Peter Sloterdijks lieblos zusammengestellter Essaysammlung „Nach Gott“. +++ Bei Glanz & Elend werden besprochen sowohl Manfred Geiers Doppelbiographie „Wittgenstein und Heidegger“ als auch Andreas Urs Sommers Essay gegen den moralischen Relativismus. +++ Die NZZ zeigt sich sehr angetan von Ralf Konersmanns „Wörterbuch der Unruhe“, das diese als Zeitphänomen aus philosophischer Distanz analysiert. +++ Die SZ stellt Julian Nida-Rümelins Lob der Grenzziehung - im Privaten wie im Staatlichen - vor, dass da lautet: „Herzlich willkommen, aber...“ +++ Bini Adamczaks Büchlein „Communism for Kids“ gilt der Rechten in den USA als Beleg für die Perfidie ihrer imaginierten Feinde: Die SZ erklärt, worum es in der vermeintlichen Indoktrinationsfibel wirklich geht. +++ Uwe Justus Wenzel denkt in der NZZ anlässlich von Jason Brennans Buch „Against Democracy“ über die schillernde Vielfalt von Willensbekundungen nach, die in der Demokratie als vox populi laut wird.

Henry David Thoreau zum 200.

Die FR würdigt Henry David Thoreau zu seinem 200. Geburtstag und bringt neben einem Portrait auch eine Liste von Neuerscheinungen zu dem Waldgänger. Die taz bespricht Frank Schäfers Thoreau-Biographie und die WELT überlegt, wie Thoreau zu Obama und Trump stehen würde...

Et cetera:

Die Soziologie hat ein ähnliches Problem wie die Philosophie: Im Studium lernt man nur, wie man das Fach lehrt. Einige Soziologen wollen diejenigen Absolventen, die es nicht auf einen Lehrstuhl schaffen, als professionelle Gesprächspartner arbeitsmarktfähig machen, wie die FAZ meldet. +++ Die FAZ berichtet außerdem von einer Tagung in Jena über die linken Wurzeln des Faschismus und rechtspopulistische Erfolge unter Arbeitern und Arbeitslosen. +++ Kognitive Verzerrung: Telepolis schreibt über eine Studie, wonach in den USA über muslimische Attentäter fast fünf Mal so ausführlich berichtet wird wie über nicht-muslimische. +++ Womöglich kennen Sie das Selfie des Schopfmakaken-Weibchens auch aus Lichtwolf Nr. 51, wo es Marc Hieronimus’ Essay über die narzisstische Massenpsychose unserer Tage einleitete. Ebenso womöglich muss das Photo in den noch unverkauften Ausgaben bald geschwärzt werden, denn die Tierrechtsorganisation Peta will den Streit darum, wer das Urheberrecht an dem Bild hat - die Makakendame oder der Besitzer des Photoapparats - ein für alle Mal klären, wie die FAZ meldet. +++ Heute Abend ab 23:05 Uhr gibt es im Deutschlandfunk die Lange Nacht über Walter Benjamin.


Links der Woche am 08.07.2017, 12:58 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 27/17

Der Konvertiteneifer gewendeter Linker

Nicht selten werden Linke irgendwann zu besonders eifrigen Rechten, wie Georg Seeßlen bei Getidan an diversen Beispielen aufzeigt, um sodann in neun Thesen über diese „diskursive Binnenmigration“ und die Fluchtgründe nachzudenken: Männerphantasien vom heroischen Opfer-Status, völkische Altlasten, eine „Störung ihrer inneren Geschlechterordnung“, das Scheitern an einstigen Idealen, Aufmerksamkeitsökonomie... (01.07.17)

„Bocksgesang von links“

Thomas Assheuer blickt in der ZEIT auf die vielfältige Szene derer, die gerade in Hamburg gegen den G20-Gipfel demonstrieren. Er sieht die Kapitalismuskritik gespalten in Reformer und Apokalyptiker, deren Theorie-Helden Badiou und Žižek sind und deren (auch bei der Neuen Rechten beliebte) Dekadenzphantasien auf offene Ohren stoßen, weil der Liberalismus eisig schweigt. (05.07.17)

Auschwitz und das gar nicht ewige Deutschtum

Die FAZ bringt Navid Kermanis lange Rede darüber, dass eine Einbürgerung hierzulande auch bedeutet, die Verantwortung für den Holocaust mitzutragen, wie er es bei einem Besuch in Auschwitz als Deutscher erlebte. Von hier aus stellt er faszinierende Überlegungen dazu an, was die hiesige Erinnerungskultur in Wirklichkeit, d.h. im demographischen Wandel und vor ihrem historischen Hintergrund, heißt. (07.07.17)

Vergnügtes Kind des Sonnenaufgangs

Dieter Thomä würdigt in der NZZ Henry David Thoreau zum 200. Geburtstag und stellt ihn als schrägen Eigenbrötler, asexuelles Faktotum, Hoffnungsträger für Trumpistan und Begründer des „amerikanischen Transzendentalismus“ vor, der uns Hingabe an die Welt, zivilen Ungehorsam, Kommerzkritik und Extravaganz lehrt. (08.07.17)

Neue Bücher

Zu seinem 70. Geburtstag gönnt sich Peter Sloterdijk den Essayband „Nach Gott“, der laut der Rezension im Standard so elitär gehalten ist, wie der Titel verspricht. +++ Bruno Latour hat acht Vorträge über die Menschheitsaufgabe gehalten, den Klimawandel zu bewältigen; das Buch, in dem sie versammelt sind, wird im Freitag trotz seiner religiösen Untertöne gelobt. +++ Die NZZ weist auf den von den Wirtschaftsethikern Michael S. Assländer und Bernd Wagner besorgten Sammelband mit Texten zur Philosophie der Arbeit hin.

Außerdemos von Sonstnochos:

Philosophiegeschichtliche Überlegungen zum Wesen der Materie können auch heutige Chemiker noch viel lehren, glossiert Sibylle Anderl in der FAZ. +++ Andrian Kreye macht sich in der SZ Gedanken über die Innovationseuphorie Silicon Valleys im Gegensatz zur europäischen Skepsis gegenüber dem Internet als Weltverbesserungsmaschine, die ein besseres Internet hervorbringen könnte. +++ Komisch, aber unironisch: Marc Hieronimus’ Buch über die Décroissance-Bewegung und den Schritt zur Seite gibt es nun auch als E-Book. (Den aktuellen Lichtwolf über Wurst übrigens auch.)


Links der Woche am 25.02.2017, 17:22 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 08/17

Revolutionäre Zeiten

Revolution, du Donnerwort, ruft Gero von Randow in der ZEIT aus und überlegt, sogleich ernüchtert, was der Begriff - mit dem er Körperlichkeit, Depression und Enthusiasmus, Gewalt und Befreiung verbindet und dem er ein Buch gewidmet hat - heutzutage überhaupt noch bedeutet. (23.02.17)

Ein Leninist im Weißen Haus

In der NZZ fragt sich Uwe Justus Wenzel, was Trumps Chefberater Stephen Bannon mit seiner Selbstbeschreibung als Sun-Tzu lesender Leninist meint. Ist das Chaos im Weißen Haus vorgetäuscht oder gar erwünscht, um mittels Shock-and-Awe-Taktiken den Staat widerstandslos zerstören zu können? (25.02.17)

Außerdemchen:

Der Freitag bespricht das posthum veröffentlichte letzte Buch des Kulturwissenschaftlers und Begründers des (tödlich deprimierenden) kapitalistischen Realismus Mark Fisher. +++ Die NZZ stellt die dreibändige Edition der Briefwechsel von Karl Jaspers als publizistische Großtat vor, die u.a. den Abgrund von Heideggers Nationalsozialismus erhellen hilft. +++ Die FAZ berichtet über eine Studie, die untersucht, ob und wie wissenschaftliches Renommee von der Uni auf die Absolventen abfärbt. +++ Der Historiker Julien Reitzenstein hat wegen einer Rezension seines Buches den Anwalt auf das Fachblatt H-Soz-Kult gehetzt und es gezwungen, die Besprechung vom Netz zu nehmen. Auch die FAZ kommentiert den ziemlich unwissenschaftlichen Fall, der als Bumerang auf Reitzenstein zurückkommen könnte. +++ Jan Drees unterhält sich für den Tagesspiegel mit dem Kulturwissenschaftler Fritz Breithaupt über die dunkle Seite der Empathie von Nietzsche bis Trump.


Links der Woche am 14.01.2017, 15:40 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 02/17

Es geht bergab, nur noch schnelller.

Jochen Wegner hat sich für das ZEIT Magazin mit dem Science-Fiction-Halbgott und Schöpfer des Cyberpunk, William Gibson unterhalten. Es geht u.a. um den Blick künftiger Menschen auf uns, um Zeitreisen, um Ayn Rands schädlichen Einfluss und um die Dystopie aus Gibsons letztem Buch, die mit Trumps Wahlsieg von der Realität überholt worden ist. (11.01.17)

Oh, wie schön wäre Elite!

Der Konstanzer Evolutionsbiologe, Exzellenzfreund und Studentenbeschimpfer Axel Meyer fordert in der FAZ kurzum mehr Freiheit für Professoren. Die (also er) drohen von einer für „Governance und Profilbildung“ gestärkten Uni-Verwaltung gelähmt zu werden. Und im professoralen Wettbewerb gibt es aus politischen Gründen angeblich keine Verlierer, was aber genauso zur Elitenbildung nötig wäre wie Studiengebühren. (11.01.17)

Hauptsache Wahlfreiheit

Stuart Jeffries hat sich ausgiebig mit der Frankfurter Schule beschäftigt und erklärt im Freitag, warum Adorno et.al. alles schon immer geahnt haben - obwohl der heutige eindimensionale Konsumkapitalismus doch anders kam, als sich marxistisch geschulte Denker das vor Mauerfall und Ende der Geschichte hätten ausmalen können. (11.01.17)

Enteignet Zuckerberg!

Im Internet lässt sich mit Wahrheit und Originalität kein Geld verdienen. Paul Mason beschreibt im Freitag, unter welchen Bedingungen im Onlinekapitalismus produziert wird. Da die Politik unfähig oder nicht willens ist, die Monopole zu zerschlagen, müssen wir die sozialen Medien retten, d.h. vergesellschaften. (12.01.17)

Die Nation als Business

In einer Woche ist es soweit: Donald Trump wird US-Präsident. Dieter Thomä gibt in der NZZ einen Ausblick auf seine Amtszeit und überlegt, wie Trump in die Reihe seiner 44 Vorgänger passen soll. Als egofixierter Trickster macht er vor, dass der persönliche Triumph alles ist und dafür alles erlaubt ist. Vielleicht wird er aber bald an den Widersprüchen seiner opportunistischen Politik scheitern. (14.01.17)

Außerdemchen:

Die Technik wird immer sozialer, da muss die Technikfolgenabschätzung mitziehen, so empfiehlt ein Diskussionspapier, das in der FAZ vorgestellt wird. +++ Die taz ist ziemlich genervt von Byung-Chul Hans neuem Büchlein über die „Austreibung des Anderen“ und den „Terror des Gleichen“. +++ Die NZZ stellt Noam Chomskys neue Bücher vor, worin der 88-jährige Anarchosyndikalist einen Einblick in seine Anthropologie und in die globale US-Politik gibt.


Links der Woche am 03.12.2016, 14:21 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 49/16

SETI und Plethi

Francis Drake schüttelte 1960 eine nach ihm benannte Formel aus dem Ärmel, die die (ziemlich hohe) Wahrscheinlichkeit für außerirdisches Leben berechnet. Für Telepolis zeichnet Harald Zaun im ersten Teil seines Essays die Ideengeschichte der Suche nach E.T. bzw. zweiten Erden im Kosmos nach. (03.12.16)

500 Jahre Utopia

Vor einem halben Jahrtausend ist „Utopia“ von Thomas Morus erschienen. Die NZZ würdigt aus diesem Anlass das Werk, das Werner von Koppenfels als ironisch-philosophische Lehrfabel voller Sprachwitz vorstellt. Uwe Justus Wenzel betrachtet kurz die Geschichte und Entwicklung des Begriffs Utopie, die eine Verfallsgeschichte ist.

Außerdemchen:

Philosophie in postfaktischen Zeiten: Der Guardian hat ein zunächst überschaubar wirkendes philosophisches Entscheidungsproblem ganz demokratisch per Online-Abstimmung „gelöst“. +++ Die taz stellt Jörg Späters große Biographie Siegfried Kracauers vor, die zum 50. Todestag des Kulturkritikers und Adorno-Kumpels erschienen ist. +++ Morgen wird in Österreich ein neuer Präsident gewählt - und es könnte der Rechtspopulist Norbert Hofer werden. Die ZEIT unterhält sich mit dem Schriftsteller Robert Menasse über die Aussicht auf einen Alpen-Trump in seinem Land. +++ Mathias Greffrath bespricht für die ZEIT Stephan Lessenichs Studie über die kapitalistische Externalisierungsgesellschaft, die in der Ferne ausbeutet und kontaminiert, um in den reichen Staaten noch mehr Wohlstand zu schaffen; wenn Sie sich für diese Problematik interessieren, könnte auch Marc Hieronimus’ „Der Schritt zur Seite“ was für Sie bzw. für unter den Weihnachtsbaum sein. Es ist kein Ratgeberbuch!


Links der Woche am 23.07.2016, 15:20 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 30/16

Die Querfront am Beispiele von Compact

Für Telepolis unterhält sich Sascha Pommrenke ausführlich mit den Soziologen Kevin Culina und Jonas Fedders über Compact und wie Jürgen Elsässers Postille mittels Verschwörungsdenken, Kapitalismuskritik und struktureller Antisemitismus linke und rechte Wirrköpfe zur Querfront vereint. (16.07.16)

Lasst die Leute doch in Ruhe.

Patrick Spät hat ein Buch über die Generalverarsche im Kapitalismus geschrieben, aus dem ein Auszug bei Telepolis zu lesen ist. Darin dekonstruiert er den Mythos der Vollbeschäftigung, der trotz der immer umfassenderen Automatisierung der Arbeitswelt - die Leute unter die Knute des Jobcenters zwingt, anstatt sie von Mangel und Mühsal zu befreien - gepflegt wird. (17.07.16)

Besser als schnell fertig

Die Bologna-Reform sollte Bummelstudenten den garaus machen, aber es gibt sie noch: ZEIT Campus portraitiert eine angehende Luft- und Raumfahrttechnikerin im 19. Semester. Die Not, Geld zu verdienen, universitäre Ehrenämter und eigene Forschungsinitiativen haben das Zeitkorsett der Regelstudienzeit gesprengt. (19.07.16)

Das Denken spannend darstellen

Intellektuelle sind eigentlich keine Figuren, die fürs Kino gemacht sind, und doch gibt es gerade eine neue Schwemme von Filmen über Intellektuelle. Sabine Horst hat sie für die ZEIT gesichtet und macht sich Gedanken über die ästhetische Darstellung von Innerlichkeit im Kintopp. (20.07.16)

Politikverflechtungsfalle ECTS

Kürzlich haben sich Bildungspolitiker auf eine Reform der Bologna-Reform verständigt. Der Bielefelder Soziologe Stefan Kühl beobachtet in der FAZ, dass dabei klammheimlich das ECTS-Punktesystem beerdigt wird, und skizziert Sinn, Geschichte und Scheitern dieser Studienwährung mit hohem „Fiktionsgehalt“. (22.07.16)

Es bleibt zu laut in den Städten.

Großstadt heißt Lärm, und als beide im 19. Jahrhunderts miteinander wuchsen begann die Auseinandersetzung mit der sensorischen Überlastung. Peter Payer zeichnet sie in der NZZ nach und fährt dafür Stadtplaner, Soziologen, Musiker und andere Künstler auf, die nach einem menschlichen Umgang mit den „Betriebsgeräuschen der Moderne“ suchten. (22.07.16)

Das Weitere und Engere:

Die FAZ rekapituliert die Missbrauchsvorwürfe gegen den Ethiker Thomas Pogge und dessen verzweifelt-ungeschickten Umgang damit. +++ Nils Markwardt weist im Freitag darauf hin, dass der Hype um Pokémon Go auch ein Problem des Digitalkapitalismus offenbart. +++ Die ZEIT zeigt sich sehr angetan von dem impliziten Appell, der in Peter Wohllebens Bestseller „Das Seelenleben der Tiere“ enthalten ist. +++ Kunst ist scheiße und umgekehrt: Marie-Luise Goldmann schreibt in der WELT eine kleine Kunstgeschichte der Exkremente. +++ Die FAZ hat noch einmal die Studie gelesen, wonach die Bildungsexpansion zu sozialem Unfrieden (und Terrorismus) führt, wenn es nicht genug Jobs für die Hochqualifizierten gibt. +++ Hannes Vollmuth meditiert in der SZ über die verschiedenen Einsamkeiten des Romanlesers.


Links der Woche am 30.04.2016, 14:23 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 18/16

Digitalitur des Proletariats

Manche, schreibt die NZZ, feiern Paul Mason „bereits als neuen Marx“. René Scheu zeigt sich in seinem Portrait spürbar genervt vom linken Etatismus und der ständigen Herumkrittelei am Neoliberalismus, den Marx so übel nicht fände. Für Paul Mason aber steht dank Digitalisierung der Postkapitalismus vor der historischen Haustür. (27.04.16)

Sexistische Scheidungsopfer

In den Hass-Kloaken des Internet wächst sich mancher Spleen zur Bewegung aus. Simon Hurtz portraitiert für die SZ die „Maskulisten“, die hier der durch Genderismus unterdrückten Männlichkeit nachtrauern, dort hasserfüllt gegen Frauen und Homosexuelle hetzen oder sich als Männerrechtler einzumischen versuchen. (27.04.16)

Neue Bücher

Die NZZ blickt auf den Kapitalismus in aktueller Belletristik. +++ Die NZZ bespricht außerdem Christoph Markschies’ religionshistorische Studie über Gottes Körper; dazu könnte passen Lichtwolf Nr. 42 über den #@%*! Gottes. +++ Die FAZ weist auf Jörg Baberowskis neues Buch über Kulturen, Bedingungen und „Räume der Gewalt“ hin. +++ Ausführlich, mit Blick auf aktuelles Auarkie- und Krisendenken und reich an Links bespricht Xaver von Cranach in der ZEIT Philipp Schönthalers Buch „Survival in den 80er Jahren“.

Außerdemos von Sonstnochos:

Letzte Woche beklagten die Politologen Frank Decker und Eckhard Jesse den Zustand ihrer Disziplin. Nun antwortet Hannah Bethke ihnen in der FAZ, dass es nicht am akademischen Nachwuchs liegt. +++ Apropos: Die FAZ weist auch auf die aktuelle Sinus-Jugendstudie hin, welche die junge Generation so unrebellisch wie nie beschreibt. +++ Tilman Krause wirbt in der WELT für eine Wiedervorlage von Alain Finkielkrauts Essay „Niederlage des Denkens“, worin der Topos von „kultureller Identität“ als antiaufklärerischer Kampfbegriff erwiesen wird. +++ Die taz stellt eine südkoreanische Studie vor, wonach Wikipedia demnächst an dem zerbrechen könnte, was das Onlinelexikon so groß gemacht hat. +++ Prost: Michael Kohtes blickt im Freitag auf die Segnungen zurück, die die literarische Welt den Drogen verdankt.


Links der Woche am 19.03.2016, 15:09 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 12/16

Szientismus, Hoax und Bullshit

Vor 20 Jahren führte der Physiker Alan Sokal die Geisteswissenschaften vor, indem er ein unsinniges „Textgebräu aus physikalischen und philosophischen Versatzstücken“ in einer sozialwissenschaftlichen Fachzeitschrift unterbringen konnte. In der NZZ blickt Sven Titz auf die Sokal-Affäre zurück und den Bruch zwischen geistes- und naturwissenschaftlicher Kultur, der damit zu Tage trat. (13.03.16)

Frankfurt ist verstummt.

Joachim Güntner blickt in der NZZ wenig gnädig auf das, was bald ein halbes Jahrhundert nach den Studentenunruhen der 68er von der Frankfurter Schule übrig ist. So habe sie den (nicht unproblematischen) Wandel in Kultur und Gesellschaft mehr geprägt als andere Denkschulen - und sich totgesiegt. Die Negativität ihrer Kritik ist erloschen, die Vordenker sind vergessen, ihre Nachfolger übervorsichtig. (19.03.16)

Lebende und Tote

In der FAZ würdigt Jürgen Kaube den diese Woche verstorbenen Hilary Putnam als Wirklichkeitsphilosophen. +++ In der laufenden Sloterdijk-Debatte verteidigt Herfried Münkler seine Analytik strategischen Handelns in der Flüchtlingspolitik und sieht den „mit dunklen Metaphern Gedankenschwere“ simulierenden Intellektuellen abdanken. Auch die FR blickt auf den öffentlich inszenierten Streit zurück und findet, Schlotterdeik verlaufe sich mit seinem aktuellen Essayband im Metapherndschungel. Auch der Schriftsteller Rafik Schami stieg diese Woche in den Ring, um Sloti und anderen Rechtsdenkern Rassismus und Islamophobie vorzuwerfen, wie die SZ meldet.

Bücher, Bücher, Bücher

Zur Leipziger Buchmesse fragt sich die FAZ, warum es zur Zeit in so vielen Büchern um Tiere geht. +++ Die taz bespricht Félix Guattaris „Schriften zur Kunst“. +++ Der Freitag stellt Kamel Daouds Replik auf Camus’ „Fremden“ vor, die den Autor ins Visier von Islamisten geraten ließ; auch die NZZ rezensiert den Titel. +++ Die SZ zeigt sich enttäuscht vom Buch der Soziologin Saskia Sassen über den neuen, Armut produzierenden Kapitalismus. +++ In der NZZ stellt ein faszinierter Ludger Lütkehaus Ernst Peter Fischers Naturgeschichte der Dunkelheit vor. +++ Apropos: Ab morgen gibt es den neuen Lichtwolf hier im Einkaufszentrum oder für zum Abonnieren.


Links der Woche am 09.01.2016, 14:37 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 02/16

Simplicissimi

Gute Vorsätze und so: Katrin Hummel beschäftigt sich in der FAZ mit dem anhaltenden Trend zu einem minimalistischen Lebensstil. Sie portraitiert dazu einige Leute, die ihren Besitz und Konsum radikal eingeschränkt und damit neue Freiheit gewonnen haben, wie es auch der Soziologe Harald Welzer empfiehlt. (06.01.16)

Aggressiver Humanismus statt Onlinepetitionen

Für Telepolis unterhält sich Manuel Schumann mit dem jüngst wegen seines antimodernistischen Pathos in Verruf gekommenen Aktionskünstler Philipp Ruch vom Zentrum für politische Schönheit. Es geht u.a. um eine radikal neue Flüchtlingspolitik, die Notwendigkeit undifferenzierter Politikerschelte und den Unterschied in den Zwecken zu PEGIDA. (07.01.16)

Zwei Dinge...

...hielten diese Woche das Feu in Atem und nur eines davon ist ordentlich genug abgehangen, dass es jetzt schon schöngeistiger Erwägungen lohnt. Da aber zur kritischen Edition von Hitlers „Mein Kampf“ so viele Kommentare erschienen sind, sei hier lediglich auf den von Jürgen Kaube (FAZ) verwiesen, der sich eine solche Ausgabe schon 1948 gewünscht hätte. In der anderen Geschichte, den sexuellen Übergriffen in der Silvesternacht in Köln und anderswo, hat Frank Lübberding für die FAZ eine erstaunlich unaufgeregte Phoenix-Runde zum Thema gesehen. In der WELT ruft der britisch-ugandische Autor Musa Okwonga dazu auf, endlich gemeinsam gegen Rassismus und Sexismus vorzugehen.

Das Verschwinden des Menschen

Der Mensch ist fleißig dabei, sich überflüssig zu machen: Wenn die Arbeit erstmal komplett den Maschinen überlassen ist, braucht es uns nur noch als Konsumenten, wie Marco Metzler in der NZZ schreibt. Die taz portraitiert mit dem KI-Forscher Dirk Helbing jemanden, der an der technischen Realisierung eines „planetaren Nervensystems“ werkelt, in dem der Mensch wohl eher ein herauszurechnendes Störphänomen ist.

Et cetera:

Bei politik-digital.de findet man das Buch des „bekanntesten Online-Philosophen Deutschlands“, Florian Rötzer, über „Smart Cities im Cyberwar“ anstrengend weil zu philosophisch. +++ Die NZZ empfiehlt Richard Swartz' phänomenologischen Roman übers alltägliche Gelumpe und Gerödel. +++ Die topmoderne Uni Freiburg stellt Podacsts (Audio und Video) von der interdisziplinären Tagung über Heideggers „Schwarze Hefte“ und die Ideologieanfälligkeit der Intellektuellen zur Verfügung. +++ Die taz portraitiert das philosophische Wunderkind Marcus Steinweg, der als Vortragskünstler jenseits von Uni und Institutionen der Metaphysik nachgeht. +++ Der Kapitalismus gerät ins Stocken, schreibt Robert Misik in der taz und liest bei diversen Ökonomen nach, ob das jetzt der echte Niedergang des „Kaputtalismus“ ist und was danach kommen könnte.


Links der Woche am 07.11.2015, 14:37 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 45/15

Der Laplacesche Dämon wird Historiker.

Will man künftige Entwicklungen vorhersagen, muss man alle relevanten Elemente kennen, aber vor allem ihre Netzwerkbeziehungen untereinander. Der Physiker Silvio R. Dahmen zeigt in der FAZ, was solche Netzwerkanalysen in mythischen Erzählungen zutage fördern und wie sie vielleicht mal dazu taugen, die Zukunft von Populationen und Zeitgeist vorherzusagen. (04.11.2015)

Die neuen Totengräber

Bei Telepolis unterhält sich Hans-Arthur Marsiske mit dem Prekariatsforscher Guy Standing über die neue explosive Klasse. Denn das neoliberale Programm forciert Ungleichheit und Entsolidarisierung in einem gefährlichen Ausmaß, wie sich am deutlichsten am demoralisierten und entrechten Prekariat zeigt. (07.11.15)

Indiana Jones der Semiologie

Roland Barthes wird zu seinem 100. Geburtstag von Peter Geimer in der NZZ gewürdigt: Mit fast schon paranoischer Sensibilität ging Barthes der beredten „Allmacht der uns umgebenden Zeichen, Codes und Botschaften“ auf den Grund und erschütterte die von Alltagsmythen verursachte scheinbare Selbstverständlichkeit kultureller und historischer Phänomene. (07.11.15)

Zweimal Seeßlen

In seinem Blog hat Georg Seeßlen diese Woche zwei wichtige Texte veröffentlicht. Im ersten geht es um Unterschiede und Zusammenhang zwischen Protz, Prunk und Luxus und was diese Begriffe jeweils für die Verbindung von Haben und Sein bedeuten in einer kapitalistischen Kontrollgesellschaft, die nur noch Protz zulässt und Luxus verdammt. Im zweiten Text meditiert Seeßlen über das Wesen der Bibliothek: Wann wird aus einer Sammlung von Büchern ein magischer Ort und was hat die Bibliothek mit Bürgerlichkeit, Erotik und Revolution zu tun?

Außerdemchen:

Bei Hohe Luft legt Richard Wolin nach und bekräftigt, warum die von Vittorio Klostermann verantwortete Heidegger-Gesamtausgabe ein internationaler Wissenschaftsskandal ist. +++ Die FR unterhält sich mit dem Historiker Fritz Stern über die derzeitige Entwicklung in Deutschland, das über der Flüchtlingsfrage zerrissen ist. +++ Axel Honneth versucht sich in seinem neuen Buch an einer Aktualisierung der Idee des Sozialismus, der jedoch - so die taz - die richtigen Leute fehlen. +++ Im Telepolis-Interview gibt Hans-Christian Dany Auskunft über den Stillstand als verzögertes Ende des Kapitalismus. +++ Die NZZ zeigt sich fasziniert von der deutschen Ausgabe vom „Tagebuch eines Philosophen“, den präpotenten Notizen des jungen Alexandre Kojève. +++ Außerdem wünscht die NZZ der deutschen Neuausgabe von Lew Schestows „Apotheose der Grundlosigkeit“ die Aufmerksamkeit, die Schestows Denken in Frankreich längst zuteil geworden ist.


Links der Woche am 03.10.2015, 14:01 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 40/15

Kapitalismus als Fluchtursache

In der ZEIT schreibt uns Slavoj Žižek ins Stammbuch, dass die Flüchtlingskrise nicht zu lösen ist, ohne die große Gesamtscheiße in Angriff zu nehmen. Denn die Situation in den Herkunftsländern ist eine Folge der neoliberalen Kolonialpolitik. Es gibt viel zu tun und viel zu lernen, denn die großen Krisen kommen erst noch. (24.09.15)

Braune Ökos

Im Freitag beschäftigt sich Andreas Förster mit der rechtsextremen Öko-Bauernbewegung u.a. in der Gemeinde Lalendorf (!). Das ist auch Benjamin Piels Thema, der für die ZEIT über völkische Siedler und den Widerstand gegen sie im Wendland schreibt. Über die Übergänge zwischen Grün und Braun geht es übrigens auch im aktuellen Lichtwolf.

Kongresse & Bücher

Hannah Bethke berichtet für die FAZ vom Jahrestreffen der deutschen Politologen, wo zwischen Konflikt, Konsens und Knatsch diesmal alles dabei war. +++ Für die NZZ war Uwe Justus Wenzel auf dem Internationalen Kant-Kongress in Wien, wo der metaphysische Mindfuck Normalität ist. +++ Der Freitag stellt das Buch der Politologin Ellen Meiksins Wood über die historische Entstehung des Kapitalismus aus der Ideologie der „Verbesserung“. +++ Die FR lobt das Buch, in dem Otfried Höffe die Freiheit gegen ihre Skeptiker und als unverzichtbaren Teil des großen Ganzen verteidigt.

Jubiläum: Vor fünf Jahren gab es die ersten Links der Woche auf lichtwolf.de - hurra!


Links der Woche am 15.08.2015, 14:32 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 33/15

Das Leben kann so anders sein

Das ZEIT Magazin unterhält sich - schick bebildert - mit dem Kosmologen Ben Moore, der via Science-Fiction zu seiner Profession fand, über die Entstehung des Universums, außerirdisches Leben (mit Nerven aus Draht!) und welche große Rolle der Zufall bei alldem spielt. (11.08.15)

Einmischung und Synthese bringen nichts

Anreizsysteme können ziemlich nach hinten losgehen, wie Bernhard Pörksen in der ZEIT mit Blick auf Intellektuelle schreibt. Drittmitteleinwerbung und Publikationslisten sind für die Vertragsverlängerung wichtiger als „die aus intellektueller Leidenschaft geborene Faszination“ von einem Thema, womit sich die Geistes- und Sozialwissenschaften aus dem öffentlichen Diskurs verabschieden. (12.08.15)

Kooperation statt Konkurrenz

In der ZEIT stellt Annika Reich die Psychologin Tania Singer vor, die zu widerlegen versucht, dass es den homo oeconomicus, das kapitalistische Menschenbild, gibt. Ökonomen ahnen das natürlich längst, müssen aber dabeibleiben, weil sich der mitfühlende, wankelmütige Mensch nicht in Formeln fassen lässt. (12.08.15)

Neue Bücher:

Ausführlich bespricht die SZ den jüngsten Essayband der Soziologin Eva Illouz, worin sie mit dem Zionismus für ein säkulares Israel plädiert. +++ Nebenan bei Glanz & Elend stellt uns Patrick Wichmann den neuen Band mit Claude Lévi-Strauss’ Zeitungsessays vor, die den Mythos in damals tagesaktuellen Themen wie BSE oder Prinzessin Diana beleuchten. +++ Die NZZ rezensiert Harald Welzers und Michael Pauens Buch über Konformität, Autonomie und die Bedeutung der Privatheit im digitalen Zeitalter. +++ Besprochen wird ebd. auch der neue Band der Briefe Max Webers, die er auf Reisen u.a. nach Amerika verfasst hat. +++ Kann man in diesen Tagen gut gebrauchen: Der Standard stellt Nina Horaczeks und Sebastian Wieses Handbuch zur Online-Argumentation gegen allerhand Vorurteile vor.

Et cetera:

Das SZ-Magazin unterhält sich mit der Soziologin Cornelia Koppetsch darüber, wie sich der Kapitalismus gerade selbst abschafft und jeder in der ständigen Überbietungslogik bei der eigenen Abschaffung mitmacht. +++ Der Freitag meldet, dass man sich die verrauschten irdischen Aufnahmen auf der goldenen Schallplatte, die 1977 mit der Voyager-Sonde ins All geschossen wurde, nun auch als Terraner anhören kann. +++ Standard-Leser Thall Kausenmut spricht der Philosophie die Wissenschaftlichkeit ab mit den üblichen Argumenten: keine Empirie, keine falsifizierbaren Thesen, kein Ziel. (Platon sei Dank!) +++ Vertonte Gedankengebäude: Bei openculture.com gibt es nicht nur jede Menge Uni-Vorlesungen zum Nachhören, sondern auch Kenneth Goldsmiths musikalische Interpretation der Theorien von Benjamin, Wittgenstein und Freud sowie Brian J. Davis’ Postpunk-Einspielung von Adornos „Minima Moralia“ (alles halt leider in englischer Übersetzung). +++ In seinem Blog denkt Georg Seeßlen mit Roland Barthes über den gefräßigen Blick im Kino und den gesättigten Blick vorm Fernseher nach. +++ Dirk Schümer von der WELT wollte zu Heideggers Hütte, aber für einen längeren Text hat es nicht gereicht.


Intime Interna am 05.07.2015, 14:41 Uhr

Schotter im E-Book-Reader

Falls Sie es wegen der Hitze noch nicht mitgekriegt haben: Der aktuelle Lichtwolf zum Thema Schotter ist nun auch als E-Book verfügbar.

Lichtwolf – Zeitschrift trotz Philosophie. Ausgabe Nr. 50 (2/2015), Titelthema: Schotter

Lichtwolf Nr. 50 gibt es auch als preiswertes E-Book für Amazon Kindle und im offenen epub-Format.

Nach wie vor geht es in der 50. Ausgabe der Zeitschrift trotz Philosophie u.a. um synthetische Drogen, Straßenbeläge, Geld, Kunstwerke und Salafismus sowie um die Sabotage von Castor-Transporten, den Stand der Diskussionskultur am Beispiel Peter Singers, die Mainzer Minipressen-Messe und Pferde.

Erhältlich ist das Ding als Heft für 7,80 Euro (inkl. Versand) sowie eben als E-Book für Amazon Kindle und im offenen epub-Format - jeweils DRM-frei und mit 3,99 Euro bloß halb so unbezahlbar wie die Printausgabe.

Übrigens können Sie Lichtwolf-E-Books auch direkt beim catware.net Velag sowie in der E-Book-Boutique minimore.de herunterladen.


Intime Interna am 21.06.2015, 14:13 Uhr

Liwo fuffzich ist da.

Der neue Lichtwolf ist da. Das Titelbild sehen Sie hier:

Lichtwolf Nr. 50

Lichtwolf Nr. 50 zum Thema Schotter ist erschienen.

Es ist wieder gelb, weil es sich (trotz der Temperaturen) um die aktuelle Sommerausgabe handelt. Es ist auch die 50. Ausgabe der „Zeitschrift trotz Philosophie“. Das Titelthema lautet Schotter. Darin geht es u.a. um synthetische Drogen, Straßenbeläge, Geld, Kunstwerke und Salafismus sowie um die Sabotage von Castor-Transporten, den Stand der Diskussionskultur am Beispiel Peter Singers, die Mainzer Minipressen-Messe und Pferde. Online zu lesen gibt es die Einleitung, Prolegomena und Propädeutikum und den Anfang des Essays von Manuel Zabel. Die Leseprobe gibt es hier als PDF und hier im LichtwolfReader.

Das Heft hat 100 Seiten und kostet unverschämte 7,80 Euro. Es ist in wenigen Tagen auch als E-Book erhältlich. Bitte bestellen Sie es weder hier im Einkaufszentrum noch über den Buchhandel (ISBN 9783941921528), wir möchten die wenigen Exemplare der Auflage gern selbst behalten. Auch ein Abonnement würde uns nur Arbeit machen und Ihnen Lektürepflichten auferlegen, die dem Fun abträglich sind.


Links der Woche am 23.05.2015, 14:34 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 21/15

Konjunkturen der Religion

Joachim Frank führt für die FR ein Interview mit dem Religionssoziologen Detlef Pollack. Der verbindet das wechselvolle Maß an Säkularisierung in verschiedenen Gesellschaften mit dem Grad der Politisierung von Religion wie etwa im Fall des Islam. Wenn sich der Wind dreht, retten Freizeit- und Serviceangebote eine Kirche aber auch nicht mehr. (19.05.15)

Albernheit statt Ordnung!

Stuart Jeffries schreibt im Freitag, wie der Schuldenanthropologe David Graeber über Formulare, Bürokratie und Behördenwillkür sein neues Buchthema entdeckte („Die Utopie der Regeln: Über Technologie, Dummheit und die heimlichen Freuden der Bürokratie“), nämlich die sich selbst erhaltende Sinnlosigkeit der menschenunwürdigen Arbeitswelt. (20.05.15)

Das Weniger nichtet.

Nichts ist schlecht, weniger als nichts ist besser. In seinem Blog überlegt Georg Seeßlen, was es im Kapitalismus mit der Redewendung von „weniger als nichts“ auf sich hat - zum Beispiel in Bezug auf Geld, Menschen oder TV-Programm, mit deren Ver-Nichtung Mehrwert geschaffen wird. (20.05.15)

Wer eine Macke hat

In der FAZ unterhält sich Melanie Mühl mit dem Psychiater Frank Urbaniok darüber, wann ein Tick pathologisch wird, wie sich Situations- und Persönlichkeitstäter unterscheiden und warum unsere Gesellschaft Wutbürger produziert. (21.05.2015)

Zum Stand der Diskussionskultur

Kommende Woche soll Peter Singer in Berlin einen Preis für seinen Beitrag zur „Tierleidminderung“ entgegennehmen. Eine Gruppe kursorischer Leser_innen hält ihn für einen Befürworter der nationalsozialistischen Euthanasiemorde und ruft dazu auf, Leuten wie ihm keine Öffentlichkeit zuzugestehen. Glücklicherweise gibt es auch schon eine Initiative gegen die Hexenjagd auf Singer. Neu ist das alles nicht, schon bei der letzten Ehrung Peter Singers gab es große Aufregung. Überhaupt war das keine gute Woche für die Streitkultur in Germany: Hamed Abdel-Samad musste sich dafür rechtfertigen, ernsthaft und gründlich darüber nachgedacht zu haben, die Vortragseinladung einer Burschenschaft anzunehmen. Eine freie Autorin, die im Westfalen-Blatt einem Leser eher davon abriet, seine beiden kleinen Töchter als Blumenmädchen auf eine Schwulenhochzeit zu schicken, wurde der Homophobie geziehen und von ihrem Arbeitgeber im Shitstorm geopfert, worüber Don Alphonso in seinem FAZ-Blog den Kopf schüttelt.


Links der Woche am 02.05.2015, 14:30 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 18/15

Dein Staat liebt dich!

Martha Nussbaums Buch „Politische Emotionen“ beschäftigt sich mit dem emotionalen Unterfutter, das politische Prinzipien erst wirksam macht. Der Staat soll sich darum kümmern, Begeisterung und Abscheu in sozial nützliche Bahnen zu lenken. Nussbaums liberaler Etatismus wirft für Freitag-Leser Gunnar Kaiser aber gravierende Fragen nach der Legitimität von Staaten überhaupt auf. (26.04.15)

Das neue Dagegen

Mit dem Kapitalismus des 21. Jahrhunderts kann die Linke wenig anfangen, beobachtet Felix Stephan in der ZEIT, und mit seinen Gegnern erst recht nicht. Die machen sich lieber mit neoliberalen Mitteln an die Arbeit der Weltverbesserung. Das ist noch lange nicht Fluxus, wie ihn der Freitag am Künstler Bazon Brock exemplifiziert, der seit den 60ern Systemsabotage durch Überaffirmation vormacht. Und Lennart Laberenz portraitiert ebd. die neuen politischen Protestformen, die der verschnarchten Kundgebung alter Schule den Rang ablaufen.

Zwischenstand beim Untergang der Geisteswissenschaften

Wissenschaftsverlage stehen seit geraumer Zeit als Absahner öffentlich finanzierter Forschungsergebnisse in der Kritik. Joachim Müller-Jung berichtet in der FAZ von einer Studie der Max Planck Digital Library, die fordert, künftig mehr in frei zugänglichen Open-Access-Zeitschriften zu publizieren. Andrea Roedig stellt im Freitag dagegen Michael Hagners Analyse zum Verschwinden des Buchs vor, wonach die Geisteswissenschaften durch Open Access eher bedroht als beflügelt würden, da auch hier längst die Großverlage mitmischen. Julian Nida-Rümelin sieht in der ZEIT die Geisteswissenschaften auf dem absteigenden Ast. Schuld ist jedoch vor allem die Bologna-Reform mit ihrer Orientierung an Ökonomie und Naturwissenschaften. Und sonst? Anlässlich seines Buchs über Digitalisierung unterhält sich die taz mit dem Soziologen Christoph Kucklick darüber, wie die Technik u.a. unser rationalistisches Selbstbild herausfordert.


Links der Woche am 18.04.2015, 14:18 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 16/15

Gut für den Menschen ist gut fürs Geschäft

Mark Siemons von der FAZ fragt sich, wer da eigentlich wen tödlich umarmt: der Kapitalismus den Buddhismus oder umgekehrt? Die EZB-Architektur orientiert sich am Ying-Yang, auf dem World Economic Forum wird meditiert, im Silicon Valley ohnehin: Die neue Spritualität dient zur Linderung der seelischen Verheerungen der Leistungsgesellschaft. (12.04.15)

Kulturtechnik des Schweigens

„Reden und Mitreden [sei] unser Daseinsprinzip schlechthin geworden“, meint Wiebke Porombka in der ZEIT und fände das nicht so schlimm, wenn dem ständigen Meinungsagen auch mal Denken vorangehen würde. Die Literaturgeschichte hält zum Glück manch Vorbild dafür bereit, aus dem technisch bedingten Äußerungszwang mittels Maulhalten auszusteigen, bis sich alle an Twitter und Kommentarbereiche gewöhnt haben werden. (16.04.15)

Wissen Wissenschaft Unwissen

Der große Gottfried Schatz misst die heutigen Universitäten an ihrem einstigen Anspruch, die kritische Vernunft zu fördern, und denkt darüber nach, was Wissenschaft und Forschung sein sollten und sind in einem nur noch auf Verwaltung und Ausbildung ausgelegten akademischen Umfeld. (17.04.15)

Die wöchentliche Heidegger-Kritik

Peter Trawny, Herausgeber von Heideggers Schwarzen Heften, plaudert in der NZZ aus dem Nähkästchen der bisherigen editorischen Praxis, die Corporate Identity Heideggers vor sich selbst zu schützen. Drei Autoren - darunter Emmanuel Faye - fassen für die taz die Spielarten des Antisemitismus zusammen, die sich im jüngsten Band der Heidegger-Gesamtausgabe zeigen. Cord Riechelmann hat sich ebd. dann noch einmal solo mit Heideggers „dreckigem Denken“ und seinem Einfluss auf die französische Nachkriegsphilosophie beschäftigt.

Materialien zur Sozialphänomenologie

Freitag-Community-Mitglied Regine Beyß fragt sich, wie ein junger Mensch herauskriegen soll, was er/sie wirklich will, wenn der Konsumismus darauf ausgelegt ist, strukturelles Nachdenken zu sabotieren. +++ Dietmar Dath gratuliert in der FAZ mit Michel Foucault und Thomas Kuhn dem Räuber- und Laserpistolenerzähler Erich von Däniken zum Achtzigsten. Fnord. +++ Der Psychologe Thomas Grüter fragt sich bei den Scilogs, wie gefährlich Verschwörungstheorien sind, deren Struktur immer gleich ist.

Et cetera:

Für Ihren Terminkalender: Machen Sie auf der Rücktour von der dritten phil.COLOGNE vom 27. Mai bis 3. Juni 2015 doch einen Umweg über Mainz und besuchen Sie den Lichtwolf auf der 23. Mainzer Minipressen-Messe vom 4.- 7. Juni 2015. +++ In der taz meditiert Beate Seel über die Farbe Grau, ohne die sehr gute gleichnamige Kölner Band zu erwähnen. +++ Aus Gründen der Corporate Identity sei noch verwiesen auf Stefan Willekes lebhaften ZEIT-Beitrag zur Rückkehr der Wölfe in deutsche Lande.


Links der Woche am 04.04.2015, 13:54 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 14/15

Wiwi besser machen

Die Kolleginnen und Kollegen der Wirtschaftswissenschaften haben die Nase voll: Sebastian Puschner und Jonas Weyrosta schreiben im Freitag über den wachsenden Unmut über die theoretische und methodische Starre in der Disziplin, deren Nachwuchs bereits an einer „Pluralen Ökonomik“ arbeitet. (30.03.15)

Geisterbahn Kapitalismus

Der Kapitalismus hat mehr mit Erobern als Erwirtschaften zu tun, skizziert Georg Seeßlen skizziert in seinem Blog. Das Eroberte spukt als Gespenst durch die kapitalistische Kultur und wird in einem politischen Akt als Beute an die Integrierten verteilt. Am Ende sind selbst Menschen nur noch Beute und Gespenst. (02.04.15)

Weiter mit Heidegger

Helmuth Vetter, Vorsitzenden der Martin-Heidegger-Gesellschaft, gibt eine Stellungnahme zur Debatte um den Namenspatron ab, in der er auf die strikte Unterscheidung von Philosophie und Antisemitismus drängt. Uwe Justus Wenzel sieht in dem Drama um den fundamentalontologischen Nachlass den besten Grund, nun eine historisch-kritische Heidegger-Werkausgabe in Angriff zu nehmen. Der Baseler Philosoph Markus Wild schließlich versucht in der SZ, die Debatte um die Umwidmung des Heidegger-Lehrstuhls an der Uni Freiburg geradezurücken.

Unn sünst?

Harald Lemke hat laut Telepolis ein Buch zu einer vermeintlichen Leerstelle geschrieben, nämlich zur Philosophie der Ernährung. Lichtwolf Nr. 32 zum Thema Essen & Trinken von 2010 gibt es hier für fümpf Euro. +++ Der famose Ulrich Horstmann hat einen ganz schicken neuen Internetauftritt zu seiner Verherrlichung bekommen. Er sei gepriesen! +++ Der Freitag portraitiert die marxistische Feministin Frigga Haug, deren Lebensthema die insgeheime Zustimmung zu Kapitalismus und Unterdrückung ist. +++ Kann man immer gebrauchen: Wolf-Dietrich Plackenberg erklärt bei Telepolis am 1. April, wie man ruckizucki eine Zahl in Primfaktoren zerlegt. +++ Der Freitag-Leser Gunnar Kaiser widerspricht der These des österreichischen Philosophen Robert Pfaller, wir hätten uns den Genuss verboten: der Genussbegriff ist verquer und die Verallgemeinerung falsch. +++ Lichtwolf Nr. 49 zum Thema Blumenkraft gibt es seit dieser Woche auch als E-Book für Kindle und im epub-Format.


Links der Woche am 28.02.2015, 14:30 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 09/15

Das totale Subjekt seiner selbst

In der FAZ diagnostiziert Melanie Mühl die narzisstische Persönlichkeitsstörung als Pathologie der Moderne, auch wenn Christopher Lasch davon bereits 1979 sprach. Da heute allen Ernstes empfohlen wird, „die eigene Person als Marke zu definieren und etablieren“, habe die krankhafte Selbstbezogenheit mitsamt ihrer Wahrnehmungsdefizite beste Chancen, sich weiter auszubreiten. (24.02.15)

„Und was willst du damit später einmal machen?“

Andrea Roedig beschäftigt sich im Freitag damit, warum Leute Geisteswissenschaften - konkret: Philosophie - studieren und damit zuletzt an ihre Karriere denken. Geisteswissenschaftler haben es schwer auf dem Markt, weil sie dem Konsumenten einiges zumuten und nicht warenförmig sind, und darum eine Künstlerexistenz wählen und sich in Brotberufen verdingen (müssen?). (24.02.15)

Kein Heidegger ist auch keine Lösung

Nach der Edition von Heideggers Schwarzen Heften vor einem Jahr haben auch beinharte Apologeten Probleme, den antisemitischen Fundamentalontologen zu verteidigen. Jürgen Kaube berichtet in der FAZ von Plänen der Uni Freiburg, den Heidegger-Lehrstuhl abzuschaffen, der allerdings - vertrackte Historie! - auch der Husserl-Lehrstuhl ist. (27.02.15)

Außerdemos von Sonstnochos:

In seiner Reihe beim Freitag beklagt Klaus Fürst, dass sich heutige Philosophen in ihren Elfenbeinturm zurückzögen, statt über volksnahe Dinge nachzudenken. +++ Trotz manch spekulativen Überschwangs zeigt sich die NZZ recht zufrieden mit Hermann Parzingers Geschichte der Menschheit vor der Erfindung der Schrift. +++ Die taz bespricht die Kurzportraits früher Pioniere des Umweltschutzes aus der Feder des Soziologen Udo Simonis. +++ Die FR weist auf den Gesprächsband hin, in dem sich die Pop-Ökonomen Tomáš Sedlácek und David Graeber über Zukunft und Ende des Kapitalismus unterhalten.


Links der Woche am 24.01.2015, 14:20 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 04/15

Kann man Heideggerianer sein?

Für die FAZ berichtet Jürg Altwegg vom Pariser Kongress zum Thema „Heidegger und ,die Juden‘“. Er rekapituliert den merkwürdigen Einfluss, den der Todtnauberger auf das linksrheinische Denken hat, für welchen Aufruhr dort die Schwarzen Hefte vergangenes Jahr sorgten und wie deren Herausgeber Peter Trawny kritisiert wird. (21.01.15)

Das Studium als vortragbarer Verlust

Steuererklärungen sind nur was für die Zeit nach dem Studium? Mitnichten! Barbara Brandstetter rät in der FAZ mit diversen superspannenden Gerichtsurteilen und Beispielrechnungen, sich bereits in Aus- und Fortbildung mit Verlustvortrag, Werbungskosten und der „Anlage N“ zu beschäftigen. Sofern man damit rechnet, später überhaupt Steuerzahler zu werden. (24.01.15)

Unser schöner Planet

In der NZZ setzt sich Uwe Justus Wenzel anlässlich zweier Ausstellungen mit den Bildern auseinander, die Philosophen sich von unserem Planeten Erde gemacht haben und damit auch stets Menschheitsbilder lieferten. Bei Telepolis lesen wir von einer überfälligen Betriebsanleitung für den Planeten, aus der hervorgeht, wie man das Ding betreibt, ohne es kaputtzumachen. Wenn doch alles den Bach runtergehen bzw. die Menschheit von der Vogelgrippe dahingerafft sein sollte, dürfen sich die Überlebenden an Lewis Dartnells „Handbuch für den Neustart der Welt“ halten, das in der FAZ vorgestellt wird. Bis dahin teilen wir uns weiter den Planeten mit haufenweise Tieren, von deren Subjektivität wir keine Ahnung haben (können), wie Eduard Kaeser in der NZZ überlegt.

Weiteres zu Islam und Terrorismus

Zwei Wochen nach den mörderischen Anschlägen von Paris geht die intellektuelle Auseinandersetzung weiter. Nicht religiöser Wahn ist schuld am Terror, schreibt Guillaume Paoli in der FAZ, sondern der andere übliche Verdächtige: Computerspiele. Dass und wie deren Ästhetik in IS-Propaganda verwendet wird, erweist den Islamismus als blutrünstige Jugendrevolte. Mohammed Khallouk dagegen unterhält sich im Freitag mit dem Philosophen Rachid Boutayeb über Sexualität und sein Projekt eines islamischen Dekonstruktivismus.

Et cetera:

Die taz berichtet von einem Kongress der britischen Zeitschrift Radical Philosophy über den denkerischen Abbau des Kapitalismus. +++ Akademisierungswahn, Bologna, Kompetenzfimmel, doofe Studis: Die NZZ bespricht gleich vier Bücher über die Bildung in der Krise. +++ Die FAZ berichtet von einem Data-Mining-Projekt zur Analyse und Vorhersage politischer Unruhen in Kooperation mit Google. +++ Ulrike Baureithel erinnert im Freitag an den verstorbenen Soziologen Ulrich Beck und seine Verdienste um die Krisenanalytik.


Links der Woche am 20.12.2014, 14:26 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 51/14

Der Raum am Anfang von allem

Ein Gehirn ist für viele Dinge hilfreich, zuallererst für die (koordinierte) Bewegung. Für die Entdeckung der zuständigen Ortszellen im Hippocampus gibt es den diesjährigen Medizinnobelpreis und der Hirnforscher Peter Thier erklärt in der FAZ, warum die Verwaltung von Raum und Zeit Grundlage aller anderen Hirnfunktionen ist. (15.12.14)

Der wöchentliche Weltuntergang

Die Simpsons werden 25 und Georg Seeßlen betrachtet die gelbe Familie in der ZEIT als tragische Helden im Menschheitsdrama Kapitalismus. Springfield ist überall, und damit der brutale Zynismus, die „Dialektik von Menschen, die können, aber nicht wollen und anderen, die wollen, aber nicht können“, angesichts derer es nicht so viel zu lachen gibt. (17.12.14)

Was „Neger“ bedeutet

Elisabeth von Thadden portraitiert in der ZEIT den Philosophen Achille Mbembe, der in seiner „Kritik der schwarzen Vernunft“ die Ökonomisierung aller Lebensbereiche auf den Sklavenhandel zurückführt und für eine humanere Zukunft nicht nur in Afrika plädiert. (17.12.14)

Vom Urknall zur Epigenetik

Der großartige Gottfried Schatz schreibt in der NZZ, wie uns das moderne, wissenschaftliche Weltbild unsere Nichtigkeit vor Augen hält, aber eben auch das unwahrscheinliche Wunder des Lebens, dessen Geschichte vom Urknall bis zu Epigenetik und Mitsein der Biochemiker geschwind skizziert. (19.12.14)

Unn sünst?

Matthias Dell schreibt im Freitag eine kleine Begriffsgeschichte des Wortes „Ausländer“. +++ Die NZZ zeigt sich enthusiasmiert Martha Nussbaums „Einstein Lectures“ über Wut und Rache in der Politik. +++ Sophie Elmenthaler reagiert in der ZEIT auf den Vorwurf der Humorlosigkeit, der letzte Woche dem Feminismus gemacht wurde.

Bücher kaufen/lesen: Zum Fest fast zu knapp, aber vielleicht als Hilfe für gute Konsumvorsätze: Die taz bringt eine Liste mit Alternativen zu Amazon für Buchkonsument_innen mit sozialen, ökologischen oder anderen Ansprüchen. +++ Bei Glanz & Elend bespricht Jürgen Nielsen-Sikora das Buch, in dem sich Nick Bostrom hauptsächlich „im Konjunktiv“ mit autonomer, d.h. starker künstlicher Intelligenz beschäftigt. +++ Die NZZ stellt die spannende Biographie Paul Watzlawicks vor, dem wir den radikalen Konstruktivismus verdanken. +++ Im Freitag weist Florian Schmid auf das neue Buch von Slavoj Žižek hin, in dem es wie immer um Kapitalismus, Krise und Revolution geht.


Links der Woche am 29.11.2014, 14:23 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 48/14

Nicht neu, nur verschärft

In den Blättern beschäftigt sich Andreas Keller mit der Misere des „wissenschaftlichen Nachwuchses“, der an deutschen Unis in die Sackgasse Prekariat gerät. Die akademische Personalpolitik ist gewollt und beeinträchtigt ungewollt die Forschung. Reformkonzepte drohen eher „Verschlimmbesserungen“ zu werden.

Eigentum ist Diebstahl

Die gewaltsame Geburt des Kapitalismus aus Raub und Vertreibung ist in der südlichen Hemisphäre allerorts live zu beobachten. Patrick Spät blickt bei Telepolis zurück auf die Geschichte des Allmende-Raubs, der den Mythos von Robin Hood ebenso wie die protestantisch glorifizierte Not der Lohnarbeit hervorbrachte. (22.11.14)

Bessere Gesellschaften durch bessere Technologie

Andreas Exner äußert bei Telepolis einige Bedenken gegenüber der schönen neuen Welt der Shareconomy, die uns der 3D-Drucker eröffnen soll. Die Arbeit wird nicht überflüssig werden und der durch Technologie befreite „neue Mensch“ entspricht eher dem fordistischen Menschenbild. Mit dem Kapitalismus kann es aber auch so nicht weitergehen. (23.11.14)

Früchtchen des Kampfes

Hannelore Schlaffer blickt im Rahmen des NZZ-Podiums „Was will die Frau? Ortsbestimmungen der Gegenwart“ auf Geschichte und Stand der Frauenbewegung, beobachtet vor allem am Verhältnis zwischen einst aufständischer Mutter und emanzipierter Tochter. (28.11.14)

Das Weitere und Engere:

Ulrike Draesner war im Zoo und schreibt in der ZEIT, was wir von Affen über uns selbst lernen können. +++ Der Schweizer Schriftsteller Jens Steiner appelliert in der NZZ an das Ehrgefühl der erfindungsreichsten Spezies, sich nicht mehr aus Knappheit und Not freizukaufen. +++ Im Freitag unterhalten sich Thomas Piketty und Jürgen Trittin über Ungleichheit und den Fiskalstaat. +++ Die NZZ bespricht Bruno Latours neues Buch über „Existenzweisen“, deren Vielfalt das Anthropozän multiversal macht.


Links der Woche am 06.09.2014, 16:04 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 36/14

Früher, ja früher!

Im allsommerlichen Klagen über den Intellektuellen kommt nun der Einsatz des NZZ-Feuilletonchefs Martin Meyer: Anders als früher, wo noch mit Furor über Grundsätzliches öffentlich gestritten wurde, plantschen die Intellektuellen seit 1989 und erst recht seit dem Internet nur noch in der Ironiesuppe herum. (01.09.14)

Et cetera:

In seinem Blog denkt Georg Seeßlen über das Schwierige der Vereinfachung sowie über Sicherheit im Neoliberalismus nach. +++ In der Reihe Essay & Diskurs im DLF ging es letzten Sonntag um Epikur: Matthias Gronemeyer erklärt auf löbliche Weise, was Hedonismus wirklich bedeutet und wie man jenseits der Spaßgesellschaft schön, wahr und gut wohnt. +++ Martin Seel bespricht in der ZEIT ausgiebig und ausgewogen Michael Hampes Abrechnung mit der Systemphilosophie. +++ Lichtwolf Nr. 47 zum Thema „Mars“ ist in der Mache und schickt sich an, der dickste und roteste und besteste Lichtwolf überhaupt je zu werden; mit einem Abo haben Sie das Ding bis zum 20. September im Briefkasten.


Links der Woche am 23.08.2014, 14:30 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 34/14

Capitalism loves you (not)

Ökonom und Sozialforscher Meinhard Miegel fragt sich in der FAZ, warum dem Kapitalismus nicht beizukommen ist. Die Wirtschafts-, Sozial- und Denkordnung stellt das Individuum ins Zentrum, sie ist anspruchslos und doch schwer zu fassen. Der Kapitalismus ist verheerend und trotz aller Skepsis tief in der Bevölkerung verankert, weshalb die Politik die Systemfrage scheut. (17.08.14)

Vom Rechnen und Wissen

Mit der Mode, Wirtschaft und Politik mittels Wahrscheinlichkeitsrechnung zu betreiben, beschäftigt sich Dietmar Dath ebenfalls in der FAZ, indem er den Erkenntnis- und Gestaltungsoptimismus auf die 50er Jahre zurückführt und darüber hinaus bis zu Laplace und Leibniz zurückgeht, den Urvätern der heutigen Algorithmen zur Kundensteuerung und Kriminalitätsprävention. (21.08.14)

Außerdemchen:

„Abort it and try again“, ist Richard Dawkins’ Rat an eine Twitter-Nutzerin, die fragt, was zu tun wäre, wäre sie schwanger mit einem Kind, bei dem das Down-Syndrom diagnostiziert wird; ob das genauso menschenverachtend wie die Leistungsgesellschaft ist, fragt Melanie Mühl in der FAZ leider nicht. +++ „Studenten sind zu arm, um billig zu kaufen“, heißt es in der ZEIT, die daraufhin einigen Experten Spartipps für Studis entlockt. +++ Eine Möglichkeit, (noch mehr) Zeit zu sparen beim Studieren, präsentiert die FAZ in Form von Fast-Track-Studiengängen, die in Berlin und Dortmund binnen vier Jahren zur Promotion führen. +++ Franz Viohl zeigt sich in der WELT begeistert von Byung-Chul Hans Essay über das Wesen der digitalen Technik. +++ Die ZEIT empfiehlt die Globalgeschichte der Arbeit seit dem späten Mittelalter der Historikerin Andrea Komlosy. +++ Der Freitag portraitiert zum 300. Geburtstag - und zur unerwarteten Renaissance des „Diskursmaschinengewehrs“ (F. Kittler) - die Schreibmaschine; zum 290. Geburtstag gab es hier schon mal was über die Bedeutung der Schreibmaschine für den Lichtwolf. +++ Kyle Shire spielt sehr überzeugend in einer vierteiligen Clipreihe nach, wie Slavoj Žižek auf Internetphänomene reagieren würde - mit dekonstruktivistischem Geblubber und Nasegrabbeln und allem!


Links der Woche am 19.07.2014, 14:23 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 29/14

Ex Internet Lux

Wie jeden Sommer beschäftigen sich Feuilleton und Intellektuelle mit ihrem eigenen Fehlen in der Öffentlichkeit. Den Auftakt macht dieses Jahr Gundolf S. Freyermuth bei Telepolis, wo er auf Geschichte und Verfall des engagierten Gelehrten zurückblickt und die Rettung im Internet sieht. (13.07.14)

Fotzen und Arschlöcher

Im Freitag schreibt Jürgen Busche recht unterhaltsam darüber, warum vulgäre Sprache in der Politik so irritierend wirkt: Mit jener werden Grobheit und Bildungsmangel verbunden, die nicht zu dem Bild von dieser passen, das von aufgeräumten Lehrbüchern gezeichnet wird. (16.07.14)

Fußball als politische Metapher

Der Fußball des Jahres 1954 hat nichts mehr mit dem des Jahres 2014 zu tun, schreibt Georg Seeßlen im Freitag. In seiner Analyse schreibt er eine politisch-ökonomischen Analyse der deutschen Verhältnisse anhand der fußballhistorischen Wegmarken nationaler Identitätsbildung. (16.07.14)

Neue Bücher:

Michael Hampes neues Buch zur Rettung der Philosophie vor sich selbst wird auch bei Spektrum der Wissenschaft besprochen. +++ Lange nichts mehr aus Heideggers Nachlass gelesen? Ludger Lütkehaus stellt in der NZZ den ersten Band mit erstaunlich zivilen Briefwechseln der Familie Heidegger vor. +++ Marc Reichwein zeigt sich in der WELT skeptisch über Stefan Müller-Doohms Habermas-Biographie, weil dem Autor als Schüler des Portraitierten die nötige Distanz fehle. +++ Albert Camus’ Liebe zu seiner algerischen Heimat war stets schwierig; nun haben zwei algerische Autoren seinen als neo-kolonialistisch bezeichneten Roman „Der Fremde“ neu geschrieben. +++ Die Philosophin Rosi Braidotti hat ein mühsam zu lesendes Buch über posthumane Subjektivität geschrieben, das in der NZZ rezensiert wird und dessen Untertitel Lichtwolf-Lesern bekannt vorkommen dürfte.

Außerdemos von Sonstnochos:

Und noch was aus dem Heft-Archiv: Heute Abend ab 23:05 Uhr kommt im Deutschlandfunk die Lange Nacht über die Magie der Zahlen und dazu passt doch sehr gut Lichtwolf Nr. 40 über Zahlen, Ziffern und Nummern. +++ Der Kapitalismus hat sich selbst transzendiert und produziert nur noch negative Werte (Krisen und Elend), schreibt abermals Georg Seeßlen in seinem Blog und konstatiert als Modell dieses untoten Kapitalismus die „Supermarkt-Kassiererin, deren hungriger Blick zwischen den Waren und der Überwachungskamera hin und her geht“. +++ Die Berner Zeitung brachte diese Woche eine Serie zur Ethik von Menschenrechten und -würde. +++ Marcus Hammerschmitt berichtet bei Telepolis von einer Studie über die verbissene Ethik-Konkurrenz zwischen Veganern und Vegetariern. +++ Der Veganismus ist auch in der Schweiz längst „in aller Munde“, wie Nadine Jürgensen in der NZZ bedenkt. +++ Hans Ulrich Gumbrecht war in Lissabon und schreibt in seinem FAZ-Blog über die Authentizität des Fado und was Derrida davon hielte. +++ Ebenfalls in der FAZ beschweren sich sieben Autoren über die Studentenjugend von heute.


Links der Woche am 05.07.2014, 14:24 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 27/14

Denken ist unangenehm

...und dieser Verdacht, der sich beim Public Viewing schnell einstellt, ist nun auch wissenschaftlich belegt. Telepolis berichtet von einer Studie, bei der ein Großteil der Teilnehmer_innen einen Elektroschock dem Alleinsein mit den eigenen Gedanken vorzog. (03.07.14)

Imperialer Perfektionismus

Wenig sommerlichen Frohsinn verbreitet Wolfgang Streeck in der FAZ, wo er darüber schreibt, wie sich der Traum von der digitalen Teilhabe aller in den Albtraum der überwachten Postdemokratie verkehrte. Ziel der Datensammelei ist dabei weniger die Einschüchterung vorlauter Bürger als gesteigerte Konsumfähigkeit und asymmetrische Kriegsführung. (04.07.14)

Außerdemchen:

Jan Greve hat für den Freitag das Berliner Museum des Kapitalismus besucht, wo man in interaktiven Lernspielen die Formel G-W-G' erfahren kann. +++ Auch Martin Meyer von der NZZ war im Museum, und zwar im Guggenheim, wo gerade eine Ausstellung über den Futurismus läuft, die Pubertät des 20. Jahrhunderts. +++ Bei Telepolis blickt Kai Kleinwächter auf die bisherige und künftige Entwicklung des deutschen Bildungssystems, das seine US-amerikanische Prägung verliert und eine eher eurasische annimmt. +++ Thomas Macho bespricht in der NZZ Hilal Sezgins neues Buch zur Tierethik; in der FAZ spricht sich Sezgin gegen Zoo-Haltung aus, daneben denkt Hans Ulrich Gumbrecht darüber nach, was es heißt, im Namen der Tiere sprechen zu wollen. +++ Den aktuellen Lichtwolf zum Thema Perverse gibt es auch als E-Book.


Links der Woche am 28.06.2014, 19:25 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 26/14

Die ZEIT stellt Vittorio Hösles „Kurze Geschichte der deutschen Philosophie“ vor, worin er halb polemisch, halb ideengeschichtlich dem deutschen Geist nachsinnt. +++ Auch von Peter Sloterdijk gibt es ein neues Buch, „Die schrecklichen Kinder der Neuzeit“, welches in der taz besprochen wird. +++ Seit zwei Jahren sitzt Julian Assange in der ecuadorianischen Botschaft in London fest. Zum Jahrestag erinnert Slavoj Žižek im Freitag an die Wikileaks-Enthüllungen über den Wert der Freiheit im Westen. +++ Manfred Klimek von der ZEIT hat den einzigartigen Hermes Phettberg in Wien besucht und portraitiert den „schönen Menschen“. +++ Nachdem die Berliner HU erfolglos versuchte, eine Professur für „Reine Mathematik“ mit einer dieser im Fach unterrepräsentierten „Frauen“ zu besetzen, bleibt diese nun leer, wie das FAZ-Ressort Männerdiskriminierung meldet. +++ Zum 30. Todestag von Michel Foucault bringt die taz ein umfangreiches Portrait seiner Denk- und Wohnorte. +++ Der Kapitalismus produziert Dinge und Vorstellungen, schreibt Georg Seeßlen in seinem Blog und warnt: „Alles was man sich im Kapitalismus vorstellen darf, muss kapitalistisch sein.“


Links der Woche am 10.05.2014, 14:57 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 19/14

Philosophisch war nicht so viel los diese Woche: Das Subjekt hat sich im Objekt als Ware verloren, schreibt Georg Seeßlen in seinem Blog, und deshalb gilt dem denkenden Subjekt alle Verachtung im postdemokratischen Kapitalismus. +++ Apropos: BHL kauft nicht bei Kik und erklärt es uns in der FAZ. +++ Der Freitag unterhält sich mit dem Philosophen Sre?ko Horvat über eine nymphomanische Bewusstseinserkundung der Linken und Sponsorverträge für emanzipatorische Bewegungen.


Links der Woche am 26.04.2014, 14:21 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 17/14

Glauben, ohne es zu wissen

Ulrike Heitmüller findet bei Telepolis, Politik könne auch sowas wie Religion sein, etwa der Kommunismus. Nun müsste man erstmal klären, was Religion ist, um den Kommunismus daraufhin abzutasten, wie es der Philosoph Michail Ryklin tut; ähnlich untersucht die Theologin Karen Armstrong den Fundamentalismus. (20.04.14)

Grammatik und Ökonomie

Georg Seeßlen stellt in seinem Blog die Frage nach dem autonomen Subjekt als Maß und Bedingung demokratischer Verhältnisse. Es gibt nämlich auch politische Subjekte wie „den Markt“ oder „das Wachstum“, denen es wie jedem Subjekt um absolute Freiheit geht; in der Postdemokratie tummeln sich ungezählte Spielarten von Subjekterfahrung, -beziehungen, -kulten, -schmelzen und -verwandlungen. (23.04.14)

Unsere Philosophie ist die Philosophie

Und nochmal Seeßlen, der diese Woche unter dem Aufruf „Occupy Philosophy!“ über das Grundrecht auf das Darauflosdenken und die Gesamtlage der Philosophie nachdenkt. Weisheit, Humor und Schönheit finden alle toll, sind aber nichts für „die Leute“. Philosophie wird immer schwieriger, Berufsphilosoph ist ein Beruf und Nachdenken längst die Vorstufe der Dissidenz. (25.04.14)

Das Vermischte und Geschiedene:

Seeßlen zum Dritten bzw. Zweiten, das mit „Wetten, dass...?“ zugleich die Inszenierung der harmlosen Konsensgesellschaft beerdigt, wie er im Freitag schreibt. +++ Der Ökonom Thomas Piketty zeigt, dass die wachsende Kluft zwischen arm und reich den Kapitalismus zerstört, wie im Freitag zu lesen ist. +++ via der blinde Hund: Der ZEIT-Leser Martin Sand nimmt sich einiger (v.a. von Naturwissenschaftlern) gepflegter Vorurteile gegenüber dem Philosophie-Studium an. +++ Bei Glanz & Elend bespricht Dieter Kaltwasser die großen Neuerscheinungen zum 150. Geburtstag von Max Weber. +++ Ein neues Buch versammelt die besten Witze aus Slavoj Žižeks Schriften zum mitlachen und nachdenken. +++ Die Faszination und die ihr zugrunde liegende politische Persönlichkeits-Präsentation Putins lässt Hans Ulrich Gumbrecht in seinem FAZ-Blog an Mussolini denken. +++ Robert Spaemann hat ein eher religiöses als philosophisches Buch über die Psalmen 1–51, das in der NZZ vorgestellt wird. +++ Der Wissenschaftsrat fordert in einem Positionspapier mehr Wissenschaftsforschung, die aber bitte bloß rein empirisch bleiben soll, wie Jürgen Kaube stirnrunzelnd in der FAZ berichtet.


Links der Woche am 12.04.2014, 14:15 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 15/14

Selbstzensur im digitalen Zeitalter

Wer überwacht wird, ist nicht frei, so die Binse, die durch den seit bald einem Jahr schwelenden NSA-Skandal zu neuer Aktualität gekommen ist. Wie sehr die Massenüberwachung auch das Verhalten derer beeinflusst, die glauben, nichts zu verbergen zu haben, beschreibt Peter Galison in der FAZ unter Rückgriff auf Sigmund Freud. (07.04.14)

Die vorgemachte Mehrheit

Nach Sarrazin bedient nun auch Felidae-Autor Pirinçci den Markt der Endlich-sagts-mal-einer-Literatur. Über political correctness und Shitstorms als konstituierende Instrumente von (längst unmöglichen) Mehr- und Minderheiten und darüber, warum Markus Lanz dafür büßen muss, dass die Glotze nicht mehr einheits- und mehrheitsstiftend ist, schreibt Georg Seeßlen in seinem Blog. (07.04.14)

Kunstwerk im kapitalistischen Zeitalter

Nochmals Seeßlen: Diese Woche tastete er sich auch an das Wesen des Bildes als Kunstwerk heran. Es offenbart etwas und ist darin das Vorbild der reklamemäßigen Ware, doch je mehr diese entwertet wird, desto geheimnisvoller muss das Kunstwerk werden, bis es seinerseits zur wertlosen Ware in Oligarchenbesitz wird. (10.04.14)

Et cetera:

Uwe Justus Wenzel meldet in der NZZ den Tod des Religionskriminologen Karlheinz Deschner. +++ Bei Deutschlandradio Kultur stellt Matthias Dell den Sammelband „Der Tatort und die Philosophie“, der wie das Philosophie Magazin von Wolfram Eilenberger herausgegeben wird. +++ Christian Welzbacher bespricht im Freitag Sven Grzebetas Doktorarbeit und Insiderbericht, der sprachkritisch und ideengeschichtlich die „Ethik und Ästhetik der Börse“ herausfordert. +++ Der Musikkritiker und Poptheoretiker Mark Fisher hat einige seiner Aufsätze versammelt im Buch „Ghosts of my Life. Writings on Depression, Hauntology and Lost Futures“, das in der taz besprochen wird.


Links der Woche am 28.12.2013, 14:04 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 52/13

Commonismus - die ersten 30 Tage gratis!

Ein Artikel wie ein guter Film: Wer beide Hirnhälften beieinander hat, findet die Überfluss- und Wegwerfgesellschaft problematisch. So lesen wir wohlwollend, was Harald Staun in der FAZ über die entstehende Shareconomy schreibt, und gerade, als wir zu wissen glauben, wer die Guten sind, müssen wir lesen, wie der Kapitalismus mithilfe einiger Idealisten den Kommunismus monetarisiert! (22.12.13)

Alles ist so egal geworden

Pierre Rosanvallon hat mit „Die Gesellschaft der Gleichen“ ein epochales Werk vorgelegt, findet Maximilian Probst in der ZEIT. Die Krise der Gleichheitsidee, die politische Apathie und Distinktionsstreben befördert, wird darin historisch nachgezeichnet und soll mit einem zeitgemäßen Gleichheitsbegriff auf der Basis von Singularität, Reziprozität und Kommunalität gelöst werden. (23.12.13)

Der uninteressanteste Skandal 2013

NZZ-Feuilletonchef Martin Meyer macht den Schirrmacher: Mit Orwell und Foucault blickt er zurück auf die Geschichte der Überwachung von Ali Baba bis in die heutige Betreuungs- und Therapiekultur, die in Kombination mit einer zur Normalität gewordenen Transparenz vorauseilende Harmlosigkeit fördert. (24.12.13)

Zeit, zur Besinnung zu kommen

Der Zürcher Theologe Samuel Vollenweider schreibt in der NZZ über relative Zeit, etwa bei traumatischen Erfahrungen, während derer die verdichtete Zeit - anders als Jahre des Alltags - Spuren im Gedächtnis hinterlässt. Das erste Weihnachten war zumindest für Herodes ein solches Ereignis, für uns sind die Feiertage eine Unterbrechung im unspektakulären Verinnen der Zeit. (25.12.13)

Christen und Kapitalisten feiern getrennt

Tomasz Konicz hat die Feiertage genutzt, um für Telepolis in einer dreiteiligen Essayreihe die Kapitalismuskritik des Papstes (und die Reaktionen darauf) zu analysieren. Diese erweist er im ersten Teil als Manöver in einem Religionsstreit, wie schon an der Schnappatmung unter konservativen Kapitalismusgläubigen zu erkennen ist. Der von ihnen behaupteten Rationalität und Segensspende des Kapitalismus geht Konicz im zweiten Teil nach, worin vor allem die enge Verwandtschaft der beiden Glaubensrichtungen etwa an ihrem Arbeitsbegriff gezeigt wird. In Teil drei schließlich wird mit modernen Theologen und Walter Benjamin der Kapitalismus als fetischistische Gesellschaftsformation, i.e. als Religion beschrieben.

Materialismus und Visualisierung

Nur was unsichtbar (weil im Mikro- oder Makroskopischen) ist, halten wir den Naturwissenschaften sei dank für eigentlich wirklich, meint Hans Ulrich Gumbrecht in seinem FAZ-Blog, was sich im Alltag in allenfalls visualisierbaren „latenten Phänomenen“ und Stimmungen ausdrückt; Rettung verspricht die Heidegger-Lektüre. (27.12.13)

Das Weitere und Engere:

Apropos Heidegger: Jürgen Kaube von der FAZ tut mit Blick auf die Konkurrenz von der ZEIT die neulich berichtete Aufregung um Heideggers antisemitische Notizen mit großer Geste ab. +++ Schnellere Affirmation für frühere Revolution: Cord Riechelmann stellt in der linksradikalen FAZ das Manifest des Akzelerationismus vor, einen Sammelband zur technischen Überwindung des Kapitalismus. +++ Fritz J. Raddatz fordert in der WELT, das Recht auf Suizid als Teil der Menschenwürde anzuerkennen. +++ Immer noch nicht genug zu lesen aufm Schirm? Heiligabend wurde www.lichtwolf.de zehn Jahre alt und zu diesem Anlass wurden 14 Artikel aus vergangenen Lichtwolf-Ausgaben online gestellt.


Links der Woche am 10.08.2013, 14:56 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 32/13

Existiert nicht, ist aber ein Er

Marcus Hammerschmitt geht bei Telepolis der Frage nach, warum auf atheistischen Parties ein so eklatanter Männerüberschuss vorherrscht. Dabei stellt er die kürzlichen Antwortversuche von Soraya Chemaly vor, wonach auch der Atheismus seinen Sexismus erst noch zu bewältigen hat. (06.08.13)

Das innere Afrika hat WLAN und GPS

Nach Abschluss ihrer Reihe zur Volksherrschaft startet die NZZ diese Woche eine solche zur Technik. Eduard Kaeser eröffnet die neue Serie in der Forschungsbeilage mit einer Überlegung dazu, wie und wie sehr die ubiquitäre Technik ins Unbewusste eingesickert ist. (07.08.13)

Freiheit heißt Besitzstand

Bei Springer ist man not amused, wagt Jakob Augstein in seinem neuen Buch "Sabotage" doch die ungeheuerliche These, Demokratie und Kapitalismus würden einander nicht bedingen, sondern ausschließen. Karen Horn verteidigt die FDGO in der WELT tapfer gegen linke Farbbeutelschmeißer und verträumte Taugenichtse! (07.08.13)

Das Individuum als Ding im Internet der Dinge

We want some answers and all that we get
Some kind of shit about a terrorist threat
- Ministry, Lies Lies Lies (2006)

Seit zwei Monaten ist die großangelegte Bespitzelung der Bevölkerung mit immer neuen Enthüllungen Dauerthema, was die meisten Leute Spielarten der Resignation ausprobieren, andere umso mehr darüber schreiben lässt. Eine Auswahl:

Constanze Kurz und Frank Rieger vom CCC sehen in der FAZ darin, dass zwei E-Mail-Anbieter lieber ihr Unternehmen aufgeben als sich von Geheimdienste weiter nötigen zu lassen, einen Offenbarungseid der Post-9/11-USA. Ebenfalls in der FAZ erklärt Kulturtheoretiker Dirk Baecker, warum Informationen der Schlüssel zur Steuerung von Gesellschaften sind, aber alles halb so wild ist. Bei Telepolis schreibt Jascha Jaworski über die zehn Strategien zur Lenkung ganzer Bevölkerungen. Freilich geht es auch leichter, macht man sich den Herdentrieb zunutze, der laut taz bei Bewertungen im Internet zu beobachten ist.

Et cetera:

Magnus Klaue begutachtet im Freitag Ernst Jüngers akribische Sammlung von letzten Worten, die nun ediert worden ist. +++ Die ZEIT bespricht die jüngsten, vielleicht letzten Kleinen Politischen Schriften des Jürgen Habermas. +++ Telepolis bringt "Teil 2 des Interviews mit dem neuen Shooting Star der Philosophie", Markus Gabriel... +++ Das Institut für Polytoxikomanologie und Perspektivismus befindet sich zur Zeit auf Sommertour und trifft am morgigen Sonntag, 11.08.13 in Hannover ein, um in der niedersächsichen Landeshauptstadt den aufklärerisch performativen Kampf gegen die Verliebtheit vorzuführen, um 19 Uhr in der Sturmglocke.


Links der Woche am 18.05.2013, 14:30 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 20/13

Die zynische Vernunft buchstabiert

Wörterbücher und Enzyklopädien sind als aufklärerische Projekte auch Dokumentationen der menschlichen Einfalt und Niedertracht. Drum lobt Magnus Klaue im Freitag die bisher umfangreichste Neuübersetzung von Ambrose Bierces teuflischem Wörterbuch, ohne in seiner Begeisterung dessen massenkompatible Mängel zu übersehen. (15.05.13)

Seid umschlungen, ihr Millionen

Giorgio Agamben ist Europäer und Philosoph. Als solcher griff er kürzlich die alte Idee Alexandre Kojèves auf, Europa sei nur als Imperium romanisch-katholischer (statt germanisch-protestantischer) Lebensart sinnvoll. Jürgen Kaube schüttelt in der FAZ einigermaßen den Kopf über solche völkerpsychologischen Phantasien. (16.05.13)

Die Tücken der Conditio techno-humana

Philosophie als Problemlösen hat heutzutage (zu) viel zu tun, findet Eduard Kaeser in der NZZ. Am Beispiel der Klimapolitik zeigt er die Verzwicktheit zeitgenössischer Großprobleme auf, die nicht klar zu formulieren sind und deren Lösungen nur neue Probleme aufwerfen. Da könne jedes Engagement nur fatalistisch sein. (16.05.13)

Unn sünst?

Der Darmstädter Philosoph Gernot Böhme gibt in der taz Auskunft über die Bedeutung der vor allem akustischen Atmosphäre u.a. von Städten für das Bewusstsein. +++ In einer Rezension zeigt man sich beim Theorieblog angetan vom sozialwissenschaftlichen Krisennarrativ, das Wolfgang Streeck in seinem Buch "Gekaufte Zeit: Die vertagte Krise des demokratischen Kapitalismus" ausbreitet. +++ Das Rahmenprogramm der Mainzer Minipressen-Messe vom 30. Mai bis 2. Juni steht fest; den Messestand des Lichtwolfs finden Sie auf Platz Nr. A13 in der Rheingoldhalle und am 31. Mai lesen die Herren Hieronimus und Schneidegger ab 20 Uhr c.t. im Mainzer Antiquariat am Ballplatz; am 3. Juni im Kölner Café Duddel. +++ Und noch ein Veranstaltungstipp: Nach der lit.cologne gibt es ab sofort auch eine phil.cologne. Das "Internationale Festival der Philosophie" steigt vom 26. bis 30. Juni mit den üblichen Verdächtigen und einem Philosophy Slam, denn ohne geht es ja gar nicht mehr.


Links der Woche am 11.05.2013, 14:23 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 19/13

Herrschaftswissenschaftler

Schelsky, Springer et.al. warnten anno 68 noch vor der Machtergreifung der sozialwissenschaftlichen Priesterkaste. Die zeitgenössischen Protestbewegungen dagegen sind technokratisch geprägt, urteilt Franz Walter im Freitag. Das politische Medium ist den Sach- und Fachleuten zu schwammig, die Ingenieure und Ökonomen wollen Ergebnisse! (06.05.13) (Mehr über die Expertokratie übrigens im aktuellen Lichtwolf...)

Das Recht auf Pluralismus

Die Deutschen Islamkonferenz des Innenministeriums ist unbeliebt und vorbei, gerade findet unter dem Motto "Selbstbestimmung statt Gruppenzwang!" die sogenannte "Kritische Islamkonferenz" statt. Alexander Dill hat sich für Telepolis einige Fragen zu Kulturimperialismus, Gleichheit und Islamismus vom Mitorganisator und religionskritischen Philosophen Michael Schmidt-Salomon beantworten lassen. (07.05.13)

Georg Seeßlen...

...ist gerade wieder ungeheuer produktiv. Man möchte ihn fast schon den deutschen Žižek nennen. In seinem Blog gibt es eine Skizze über Demokratie und Postdemokratie, für die man ziemlich ausgeschlafen sein sollte. In der taz erklärt uns der Meister den Kapitalismus mittels des Salzstreuers und dann gibt es noch Kleinigkeiten zu Aigner und Verbriefungen.

Literaturkritik kaputt?

Alle Jahre wieder wird das Feuilleton als ganzes oder teilweise in Zweifel gezogen. Roman Bucheli sieht in der NZZ die feuilletonistische Paradedisziplin der Literaturkritik unter Druck. Aber das Schrumpfen ihres traditionellen Printmediums muss der Rezension nicht schaden, sie könnte durch Anpassung an die Spielregeln des digitalen Neulands reifen. Herbert Debes von Glanz & Elend erklärt, wie und wo die Literaturkritik im Internet zu neuer Blüte gelangen könnte und schon gelangt ist.


Links der Woche am 13.04.2013, 14:20 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 15/13

Zweimal Seeßlen

Wie so oft ergeht hier der nötige Hinweis auf Georg Seeßlens Blog, das diese Woche mindestesn zwei Lesenswürdigkeiten enthielt:

Die wunderbare Warenwelt ist weder das Paradies noch Trost über seinen Verlust, vielmehr vernichtet der Kapitalismus jedes Paradies, das er in der Welt und in den Vertriebenen findet. +++ Als Seeßlen vergangenen August in der taz forderte, das Feuilleton abzuschaffen, machte er u.a. die Bemerkung: "Im Kulturteil würde man sich dafür schämen, wozu man sich im Wirtschaftsteil anstandslos bekennt." In seinem Blog zeigt er nun am Beispiel eines "Unternehmergesprächs", wie diese bürgerliche Schizophrenie in der FAZ aussieht, deren Feuilleton sich entgeistert gäbe, verstünde es wirklich, was im Wirtschaftsteil steht.

Das Sein zum Tode

Der Ökologe Ludwig Trepl setzt sich seit einiger Zeit in den Scilogs kritisch mit der Gaia-Hypothese auseinander. Diese Woche dämpft er den szientifisch-naturalistischen Episteme-Optimismus, Leben auf Physik reduzieren zu können: Leben ist nicht rein kausal erklärbar, weil es nämlich den Tod gibt. (08.04.13)

Geschichte als Geschichte

Arno Widmann plaudert in der FR mit dem Heidelberger Mediävisten Johannes Fried ausführlich über Weltgeschichte als unmögliche Erzählung der Ursprünge und Wege des Menschen. Entweder werden Schlaglichter von Spezialisten zwischen zwei Buchdeckel gepresst oder ein einzelner Erzähler verschwindet im Dickicht historischer Verstrickungen. (08.04.13)

Das Gegebene und das Gezeigte

Im FAZ-Blog plädiert Sibylle Anderl für Vorsicht im Umgang mit Daten, die gerade in einem nie dagewesenen Ausmaß produziert und durchforstet werden. Dazu verweist sie auf Bogens und Woodwards Unterscheidung zwischen zwischen Daten und Phänomenen, denn so "gegeben", wie der Name sagt, sind nicht "Daten", sondern eher das, was sich zeigt. Das sollten sich auch Datenjournalisten hinter die Löffel schreiben. (11.04.13)

Das Weitere und Engere:

Nebenan bei Glanz & Elend stellt Dieter Kaltwasser zwei philosophische Neuerscheinungen vor: Schnädelbachs "Was Philosophen wissen und was man von ihnen lernen kann" sowie Hösles "kurze Geschichte der deutschen Philosophie". +++ Im Freitag bemerkt Slavoj Žižek angesichts des Zypern-Dilemmas, dass die tatsächlich nötige Regulierung wieder ausbleiben wird. +++ Nicht nur Erstis haben ihre liebe Not, bezahlbares Obdach zu finden, auch die Uni Bremen muss sich in Hotels einmieten, um Hörsäle zu haben, wie die taz berichtet. +++ Sophia Amalie Antoinette Infinitesimalia stellt im FAZ-Blog die mathematisch-modelltheoretische Konfliktforschung von Lewis P. Richardson vor. +++ Konsumkritik ist überholt, so die These von Wolfgang Ullrichs neuem Buch, das Andrea Roedig im Freitag vorstellt: Die postmoderne Konsumkritik betrachtet die Warenwelt als Bibliothek. +++ Der blinde Hund hat sich einen E-Reader besorgt und schreibt ausführlich und anleitend vom Nutzen und Nachteil des E-Book-Wesens für Geisteswissenschaftler.


Links der Woche am 16.03.2013, 14:49 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 11/13

Der Blick zurück

Die marxistische Geschichtsschreibung Anglophoniens hat mit Eric Hobsbawn und Tony Judt in den vergangenen Jahren zwei ihrer Ganzgroßen verloren. Michael Hesse räsoniert in der FR über Tony Judts und Timothy Snyders historiographische Dialoge übers 20. Jahrhundert. (13.03.13)

Europa beherrschen

Mit Merkel und Gauck herrscht in Deutschland eine postdemokratische Ideologie, die rundum mit Teflon beschichtet ist. Georg Seeßlen geht in seinem Blog dem Merkelismus nach, der nur scheinbar bräsig-wendehälsig ist, tatsächlich aber machiavellistisch und merkantilistisch (eben merkelistisch) seine Agenda in Europa durchsetzt. (09.03.13)

MOOCs

Da nur "online" es heutzutage über keine Aufmerksamkeitsschwelle mehr schafft, muss es schon auch "massive" sein: Massive Open Online Course (MOOC) ist kein neuer Spieletrend, sondern bietet den gebildeten Ständen und denen, die dazuzählen wollen, Content direkt aus den Hörsälen der berühmtesten Hochschulen. Seiten wie Cousera, Open Course World, edX oder Udacity bieten (auch deutschsprachige) Vorlesungen zum Download an, sind das Titelthema der aktuellen ZEIT und werden in der FAZ mit Lob und Anerkennung begutachtet.

Gesellschaft mal anders

Robert Misik stellt im Freitag Hans-Ulrich Wehlers und Michael Sandels Überlegungen zu Ungleichheit und Gerechtigkeit vor, die vor allem auf die richtige Formulierung von Fragen der Umverteilung zielen. In der FR denkt Schriftsteller Artur Becker russisch über die kommende Gesellschaft nach bzw. darüber, welche revolutionären Voraussetzungen die Hinwendung zu geistigem statt materiellen Wohlstand hat. Und die taz stellt die jüngste Occupy-Phänomenologie von Michael Hardt und Antonio Negri vor, die da heißt "Demokratie! Wofür wir kämpfen".

Auch das noch:

Das Institut für Polytoxikomanologie und Perspektivismus empfiehlt dieses Ratespiel: Wer hat's gesagt - Nietzsche oder Spongebob? +++ Na, haben Sie auf der gegenwärtigen Leipziger Buchmesse wieder keinen Preis abgekriegt? Trost finden Sie beim Laudatomaten, der schmucke Lobreden auf Sie (oder sonstwen) ausspuckt. Die einzig wahre Messe für Freunde des gedruckten Worts ist ohnehin die Mainzer Minipressen-Messe Ende Mai, an der übrigens auch der Lichtwolf teilnimmt.


Links der Woche am 23.02.2013, 14:23 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 08/13

Erbenlose Denkwende

Philip Bloms Buch "Böse Philosophen" erzählt von dem Pariser Salon, in dem Diderot, Hume, Laurence Sterne, Rousseau und andere Aufklärer miteinander debattierten. Goedart Palm nimmt das Buch bei Glanz & Elend zum Anlass, in einem Essay der Frage nachzugehen, was heute noch von der Aufklärung als bedenkenswert übrig geblieben ist. (16.02.13)

Die blöde kapriziöse Kuh von Verbraucher

Jens Friebe "ist Musiker, Autor und Vegetarier", wie es unter seinem FAZ-Beitrag zum aktuellen Pferdefleischskandal heißt, und hat als solcher einen besonders scharfen Einblick in die Ideenwelt der im wahrsten Sinne "Fleischverbraucher"; titeln tut der Text mit einem heißen Kandidaten für die "Überschrift des Jahres 2013": "Man hat uns Tier ins Fleisch gemischt!" (20.02.13)

Philosophie und Vertrauen

Die NZZ bringt die gekürzte Abschiedsvorlesung des Basler Philosophen Emil Angehrn, worin er beschreibt, wie die Philosophie Vertrauen und Misstrauen voraussetzt und selbst zum Gegenstand hat. Es ist nicht wenig, worauf sie so vertraut: die Intelligibilität der Welt, die Wahrheitsfähigkeit von Sprache und Ratio usw. - andererseits ist das sonst unmögliche Gespräch den Vertrauensvorschuss wert. (22.02.13)

Und sonst so?

Auch Uwe Justus Wenzel schreibt in der NZZ von Philosophie und Vertrauen, namentlich mit Blick auf den Universalhermeneutiker Paul Ricœur. +++ Kein Vertrauen mehr bzw. nie gehabt, sondern den vorige Woche dokumentierten Umgang mit Leiharbeitern zum Anlass genommen, die Zusammenarbeit mit Amazon zu beenden, haben Lichtwolf und catware.net Verlag. +++ In der FAZ bespricht Dietmar Dath den neuen Eckhard Henscheid und Thomas Assheuer bespricht für die ZEIT das neue Buch von Andreas Reckwitz, in dem dieser das Aufgehen der Kreativität im Kapitalismus beschreibt. +++ In Lichtwolf Nr. 39 ("Jenseits des Menschen") hat der Blinde Hund uns Peter Singers tierethische Argumentation vorgestellt - der Text ist nun auch im Blog vom blinden Hund zu lesen. +++ Eine Würdigung zum 100. Todestag erhält der rätselhafte Ferdinand de Saussure in der NZZ von Bernhard Dotzler. +++ Die ZEIT stellt einige der jungen, kleinen, kritischen Zeitschriften vor, die an der US-Ostküste wie Pilze aus dem Boden schießen.


Links der Woche am 07.10.2012, 14:26 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 40/12

Mit 24 Stunden lesetour-bedingter Verspätung...

Fremdheit und Gefahr

In seinem Blog macht Gunter Dueck eine Rechnung von Risiken und Gefahren auf, die mangels Hellsehen überall in der unbekannten Zukunft liegen. Im Schritt zurück beleuchtet Dueck sodann den Zusammenhang von Unvertrautheit und selbsterfüllender Furcht, um zu seiner Forderung "Aufklärung statt Haftungsausschlüsse!" zu gelangen. (29.09.12)

Dumm konsumiert gut

Georg Seeßlen und Markus Metz haben dieses Jahr wieder einen Doppelschlag vorgelegt, in dem sie die Tendenz des zeitgemäßen Dienstleistungskapitalismus zu Spektakel und Verblödung untersuchen. Besprochen werden die jüngsten Titel von Peter V. Brinkemper bei Glanz & Elend.

Kompetenzenkompetenz

An deutschen Unis wird nach Bologna jährlich millionenfach die "employability" der Studentenschaft geprüft, obschon keiner weiß, wie sie zu vermitteln und zu erheben ist. Peter Wex, ehemals leitender Verwaltungsdirektor der FU Berlin, vermutet in der FAZ, das Kompetenzgerede sei als Wissenschafts-PR gar nicht so ersnt gemeint. (03.10.12)

opulente Metametalektüre

Gregor Keuschning gibt einen Überblick über die Notizbücher von Sloterdijk, in denen der schnaufende Denker seine Leseeindrücke festhält (u.a. die Kollegen Jürgen Nielsen-Sikora nebst Glanz & Elend) und meist auf Reisen weiterdenkt. Darüber hinaus wird gelästert, beklagt, der eigene Ruhm protokolliert und die Politik kommentiert. (07.10.12)


Links der Woche am 14.04.2012, 14:48 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 15/12

Vorsorge gegen die Sorgen

Wenn nichts mehr hilft, hilft nur noch der Weltuntergang: Im US-Fernsehen starten zwei Reality-Dokus, in denen es um Leute geht, die sich auf die Apokalypse vorbereiten. Johannes Thumfahrt sieht das eschatologische Prinzip der Casting-Show darin auf die Spitze getrieben und berichtet in der taz über ein Land, in dem sich Bewohner bewaffnen und einbunkern, weil sie mit dem Weltuntergang besser umgehen können als mit der nächsten Tilgungszahlung. (11.04.12)

Quantentricks

Wer beeindruckt nicht gern eine fesche Erstsemesterin, einen feschen Erstsemester mit der modernen Physik entlehnten Paradoxa? Dieses geisteswissenschaftliche Balzritual könnte bald an sein Ende kommen, denn Physiker Joachim Schulz erklärt gerade in seinem Scilog "Quantenwelt" allgemein verständlich relativistische Paradoxa - und ihre schnöde Auflösung! (12.04.12)

Calvins Erbe

Malochen ist scheiße, aber es geht immer noch beschissener, wie der Doku-Film zeigt, der das Business-Punk-Motto "Work hard, play hard" als Titel hat und von der taz, der ZEIT und der der FAZ vorgestellt wird, die gar meint, der Film zeige, "wie die Betriebswirtschaft unser Leben zerstört und am Ende vielleicht auch den klassischen Kapitalismus". Zur positiven Stimulation des Fluchtreflexes sei abermals an die taz verwiesen, die ein Gespräch mit dem Aussteiger Tom Hodgkinson geführt hat.

Festival oder Kneipe?

In Hannover findet gerade das dritte Festival der Philosophie statt. +++ Das Panoptikum der Stammkneipenkultur, Adam Seides "ABC der Lähmungen" wurde neu aufgelegt, wie die ZEIT meldet.


Links der Woche am 03.03.2012, 14:05 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 09/12

Schaden und Nutzen

Falls Rot-grün, Occupy und NABU hierzulande noch ein Dokument zur Wiederbelebung und Blockbildung fehlte, liegt es nun aus der Feder von Naomi Klein in den Blättern für deutsche und internationale Politik vor: Die Rechte leugnet den Klimawandel, weil sie von dem System profitiert, das ihn forciert. Im Umkehrschluss sind der Kampf gegen den Klimawandel und der für eine gerechtere Wirtschaftsform derselbe.

Geistreich und bildungsarm

Bei uns wohnt die "Wissensgesellschaft" in der "Bildungsrepublik". Andrea Roedig hegt im Freitag allerdings Zweifel an den Segnungen einer Bildungsinflation, die sich darin äußert, dass ein hohes Bildungsniveau - zumindest den Geisteswissenschaftler - weder sicheren Job noch hohes Gehalt bescheren, und dass Wissen zur Ware wird, die um des Profits willen massenhaft und billig auf Halde produziert wird. (27.02.12) (Ein gutes altes Beispiel für das gebildete Prekariat gibt der Privatdozent ab, mit dem sich Stefan Laube in der FAZ beschäftigt. Auf Laubes "Versorgungsmentalität" antwortet ein mit dem Status quo sehr zufriedener Volker Rieble.)

Reiche nie aus den Augen lassen

Und wenn Sie jetzt noch immer keinen Hals auf die Besitzenden haben, tun Sie sich noch das rein: Die taz stellt via dpa eine der beliebten US-Studien vor, die Vorurteile bestätigen. Fahrer dicker Autos wirken demnach nicht nur rücksichtsloser, sie sind es auch, und Reiche greifen im Gegensatz zu Armen eher mal anderen in die Tasche. (28.02.12)

Aus Schaden klug

Trost finden die zu kurz Gekommenen in der FAZ, wo Christian Geyer (eher kritisch) Reinhart Kosellecks weitgehend psychologiefreie Erkenntnistheorie des Besiegten vorstellt. Demnach können Niederlagen zumindest die Historiker scharfsinniger machen. (21.02.12)

Ungenormter Sonnenumlauf

Na, haben Sie das Beste aus dem 29. Februar gemacht, den es dieses Jahr mal wieder als Dreingabe zu den üblichen 365 dazu gab? Wie und warum das mit den Schaltjahren bzw. -tagen so ist, erklärt Klaus Bartels in einem höchst lesenswerten NZZ-Beitrag zur globalen Kalendergeschichte. (01.03.12)

Zumutung Freiheit

Freiheit ist schön, macht aber viel Arbeit. Drum ist der Liberalismus wenig sexy, aber notwendig, so der Tenor des Aufsatzes von Gerhard Schwarz in der NZZ. (02.03.12)


Links der Woche am 14.01.2012, 14:18 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 02/12

Bloggen wie einst Dilthey

Das Culture-to-go-Blog meldet, im Netz werde unter Geisteswissenschaftlern debattiert, ob Bloggen unseriös sei und der Reputation schade. Die Debatte ist dort mit vielen Links dokumentiert. Auf digiwis.de gibt es eine aktuelle Liste von Historiker-Blogs. Die WELT verweist auf das Blog Münchner Theologe Gerd Häfner. Bei den BrainLogs hat Beatrice Lugger eine Liste der twitternden deutschen und internationalen Wissenschaftsinstitutionen zusammengestellt.

Für Hände voll Dollars

Seit mit Muhammad Yunus 2006 erstmals ein Banker den Friedensnobelpreis erhielt, ist die Kritik an den von ihm populär gemachten Mikrokrediten gewachsen. Kathrin Hartmann fasst sie in der FR zusammen und kommt zu dem Schluss, dass die Hilfe zur Selbsthilfe die Fortsetzung des Neoliberalismus mit den Mitteln der Entwicklungspolitik ist und nur den Banken nutzt. (10.01.12)

Nach oben geht es ins Netz

Statt Neugier sind Netzwerke heute das Kernmerkmal erfolgreicher Wissenschaftler. Germanist Peter-André Alt beschreibt in der FAZ, wie die Neugier aus ihrem kirchlichen Bann befreit wurde und heute vor akademischer Karriere-Taktik ins Hintertreffen gerät, bis die Selbstvermarktung unhinterfragt als wichtigstes Qualitätskriterium in der Wissenschaft gilt. (10.01.12)

Neue Sportpanzer für die Postdemokratie

Vor einem halben Jahr wurde hier auf Dieter Kaags lesenswerten Essay über SUVs hingewiesen. Diese Woche nun stand in der FAZ ebenfalls ein Artikel, der auch für unvierrädrige Verkehrsteilnehmer von Interesse sein dürfte: Niklas Maak berichtet von der internationalen Automesse in Detroit bzw. eher von der in Chrom gegossenen Sozialneurose. (12.01.12)

Ein Krieg muss her!

Der Schriftsteller Ingo Schulze hat bereits den Untergang eines Systems miterlebt und jahrelang mit der Faust in der Tasche zugesehen, wie Gewinne privatisiert und Verluste sozialisiert werden. Jetzt haut er in der SZ auf den Tisch und bringt seine Thesen gegen die selbstverständlich gewordene Ausplünderung der Gesellschaft vor. (12.01.12)

Unn sünst?

Eine Liste von 20 Filmen, die jedem Philosophie-Studenten ans Herz zu legen sind, gibt es bei Accredited Online Colleges: http://www.accreditedonlinecolleges.com/blog/2010/top-20-movies-for-philosophy-students +++ Apropos Film: Demnächst gibt es eine Doku über das Leben von William S. Burroughs. +++ Die Politologen sind alle durch, nun kommen die Ethiker dran: Martin Seel über die Angelegenheit Wulff.


Links der Woche am 07.01.2012, 14:05 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 01/12

Hannah: The Movie

Nicht Montana, sondern Arendt: Die "Information Philosophie" meldet den Beginn der Dreharbeiten von Margarete von Trothas Film über Hannah Arendt (gespielt von Barbara Sukowa, Axel Milberg als Heinrich Blücher, so das Luxemburger Tageblatt), der im Oktober in die Kinos kommen soll.

Das Durcheinander der Dinge

In der ZEIT referiert Elisabeth von Thadden über die Begriffsgeschichte der Ordnung, vom Kosmos der Vorsokratiker über die antike Physik und neuzeitliche Taxonomie bis zur Einsicht der Humboldt-Nachgeborenen, dass in der Welt ein heilloses Durcheinander herrscht und das einst gefürchtete Chaos als relative Ordnung in alle Wissenschaftsbereiche einzieht. (06.01.12)

Alles auf null

Mit der viel beschworenen Chancengleichheit wird es nichts, solange sich die Regierung nicht dazu durchringt, endlich einen richtigen Kapitalismus durchzusetzen. Darum plädiert der Wissenschaftsphilosoph Ulrich Kühne in der taz für eine 100-prozentige Besteuerung von Erbschaften, die ein gesellschaftlich schädliches Relikt des Feudalismus darstellen. (07.01.12)

Das Weitere

Umberto Eco wird 80, Stephen Hawking wird 70. +++ Die FAZ bespricht zwei inzwischen nicht mehr ganz so neue Bücher über Hegel von Robert Pippin und Susan Buck-Morss. +++ Medienphilosoph Peter Weibel würde laut WELT gerne Cyborg werden: Transhumanismus als letzte Chance, mit dem Internet klarzukommen.


Links der Woche am 20.08.2011, 13:31 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 33/11

Gute Geschäfte, schlechte Geschäfte

Frank Wiebe kennt sich mit Wirtschaft und Ethik aus, darum hat er nebenan das Blog "Gute Geschäfte" aufgemacht - "gut" wie in "gutes Leben". Zu Beginn erklärt er kurz und knapp das Geschäftsmodell der Deutschen Bank nach Ackermann ("Risiken transformieren"), unter welchen Umständen es ethisch wäre und warum es das nicht ist. (17.08.11)

Englische Zustände

Mit Blick auf die Kapitalismuskrawalle in England und die Proteste in süd-östlichen Mittelmeeranrainern unterscheidet Georg Seeßlen in der taz instruktiv zwischen guten Aufständen und schlechten Aufständen. Dagegen glaubt Elitenforscher Michael Hartmann im Freitag nicht, dass da bloß ein paar Proleten endlich mal an den Krempel aus der Reklame herankommen wollten. In der FAZ argumentiert Hans-Georg Soeffner mit Thomas Hobbes, dass ein Staat, der sich aus dem Gesellschaftsvertrag zurückzieht, über Naturzustände nicht klagen soll.

Gute Wissenschaft, schlechte Wissenschaft

Neben dem Experiment des Prof. Ulbricht, einen Staat einzumauern und zu gucken, was passiert, hat dieser Tage auch das Stanford Prison Experiment runden Geburtstag. Die BBC hat 40 Jahre danach mit Überlebenden Teilnehmern und dem Leiter über Powertrips und Menschenversuche gesprochen. (17.08.11)

Vom Casino zur Spielhalle

Abermals Georg Seeßlen, der im Freitag ausführlich den Wandel vom Casino- zum Medienjournalismus, also vom elitären Salonlöwentum zum vulgären Gezocke beschreibt: Das "Ecotainment" lädt den Zuschauer zum Mitmachen ein und saugt bloß frisches Kapital zum Verheizen an, bis die Telenovelisierung des Börsengeschehens die Frage aufwirft: "diesen unappetitlichen Vollidioten sollen wir unser Geld anvertrauen?" (18.08.11)

Boulevard für Bessere

Regelmäßig erinnert die WELT ihre Leser daran, dass auch sie ein Produkt aus dem Hause Springer ist. Die üblichen Grundlagen eines Artikels - "wie eine neue Studie der Universität XY zeigt" und irgendwas mit ficken - ließen sich diese Woche mit Platon verrühren: Der angebliche Erfinder der "platonischen Liebe" war in echt "bei weitem nicht prüde". Aber es kommt noch besser: Ein Geheimcode ist bei Platon auch noch entdeckt worden! Und wer jetzt nicht klickt, muss hirntot sein. (18.08.11)

Teilchen schauen nicht zurück

Am Large Hadron Collidor (LHC) am Cern versuchen Physiker, die Entstehung des Universums zu verstehen, und die Philosophin Arianna Borrelli versucht, die Entstehung von Weltbildern zu verstehen, indem sie die Physiker beobachtet und ihnen wissenschaftstheoretisch auflauert. Für die ZEIT hat Stefanie Schramm das epistemologische Metaexperiment beobachtet. (19.08.11)

Die Krise als Quell der Moral

Andreas Cremonini stellt in der NZZ den Philosophen Stanley Cavell vor, der einigen wegen seiner blumige Schreibe eher als Literat gilt. Anlass des Portraits ist die deutsche Übersetzung von Cavells Buch "Cities of Words. Ein moralisches Register in Philosophie, Film und Literatur.", das Philosophen mit Filmen erklärt und eine auf Emerson und Thoreau basierende Ethik darlegt. (20.08.11)


Links der Woche am 14.05.2011, 14:30 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 19/11

Kollektiv für das Individuum

Vor einer Weile hat sich u.a. die FAZ mit "Der kommende Aufstand" beschäftigt - eine Weckschrift, die von einem unbekannten Autorenkollektiv verfasst wurde. In der multitudinalen Autorschaft scheint linksrheinisch ein neuer Trend zu liegen, wie Niklas Maak mit Blick auf die in Paris veröffentlichten "Grundbausteine einer Theorie des Jungen-Mädchens" berichtet. Wieder ein Kollektiv - diesmal unter dem Signet "Tiqqun" - analysiert darin das durchkapitalisierte Individuum. (10.05.11)

not(Rezension)

Waldemar Kesler bespricht in der taz den/die "Logicomix" - einen philosophiegeschichtlichen Comic über Logik mit Bertrand Russell in der Hauptrolle -, allerdings ohne einen Eindruck vom Inhalt des Buchs in Wort oder Bild vermitteln zu können. (10.05.11)

Alle Fragen offen

Die FAZ hat ein neues Blog am Start: "Digital/Pausen" soll wohl Philosophie und Gegenwart behandeln. Das Blog wird beschickt von Hans Ulrich Gumbrecht, der zu Beginn von einem Seminar schwärmt, zu dem er Peter Sloterdijk nach Stanford eingeladen hatte. Gewohnt wolkig mythologisierte Schlotterdeik die Gegenwart des Astro-Terrors in mesopotamischer Stimmung. (11.05.11)

Linke, Liebe, Leiden

Raffael Fritz weist in/bei Ö1 Wissenschaft auf das neue Buch von Alain Badiou hin, das diese Woche erscheint: "Lob der Liebe. Im Gespräch mit Nicolas Truong" Darin wendet er sich gegen Partnerbörsen und Biologismen, die Badiou allesamt als Ausflüsse eines sicherheitsfanatischen Hedonismus gelten. Echte Liebe muss bereit sein, zu leiden und durchzuhalten. (13.05.11)

Und sonst so?

Sonst interessiert sich "Popküken" Lena Meyer-Landrut offenbar für ein Philosophie- oder Theologiestudium, im Philosophicum Lech wird nach einer Eröffnung von Schlotterdeik über das Glück nachgedacht und Hans-Jürgen Stöhr ist ein Berater für "gescheites Scheitern".




Intime Interna am 05.04.2009, 16:58 Uhr

Volle Kraft voraus, baby!

Der Hafer wird stechen.

Derweil die Frühlingssonne Mensch und Tier in die grünende Natur hinaustreibt, nimmt auch die Geschäftigkeit beim Lichtwolf zu. Und zwar im wahrsten Sinne, wenn auch unauffällig wie die Schanzarbeit der Ameisen, die im Sommer Picknickdecken zu erstürmen trachten.

Die Idee, mit gedruckter und hübsch illustrierter Philosophie die dicke Kohle zu machen, ist offenbar abwegig genug, um in Krisenzeiten wie der gegenwärtigen zu überzeugen. Schließlich waren es ja abwegige Ideen wie Glückspiel mit Geld, das einem nicht nur nicht gehört, sondern das auch durch nichts als Powerpoint-Präsentationen gedeckt ist, die wagemutige Unternehmer reich und nörgelnde Steuerzahler arm gemacht haben.

So ist es also inzwischen gelungen, Kassengift wie den Lichtwolf für eine warme Mahlzeit und einen Buchvertrag beim Kleinverlag catware.net unterzubringen, der die "Zeitschrift trotz Philosophie" künftig vom Nordwesten aus im großen Stil vertreibt.

Der Lichtwolf wird, wie an dieser Stelle bereits im Januar angekündigt, neben anderen Komparativen auch teurer sein als bisher. Schließlich muss er fortan nicht mehr bloß das Knäckebrot des Herausgebers finanzieren, sondern Firmenwagen, Boni und goldene Klobürsten der Unternehmensleitung, die das Potential des Lichtwolf erkannt hat: Eine mit Liebe (zu Weisheit, Wein, Weib und MP3) gemachte Zeitschrift ist ein Produkt, das unentbehrlich, selten und dank seiner eigentümlichen Schreibmaschinenaufmachung ungoogelbar ist. Da zeigt sich dann auch ein blutjunger Verlag bereit, sein Stammkapital in die Zeitschrift trotz Philosophie zu buttern und dem alten Lichtwolf-Motto "aurum ad excrementum" ein hoffnungsfrohes "ad aurum" anzuhängen.

Eine handliche Präsentation des künftigen Lichtwolf können Sie als zweiseitige PDF-Datei (675 KB) einsehen.

Nun geht es beim Lichtwolf also kapitalistischer zu. Mit dem kommenden Heft zum Thema "Werbung" haben Sie erstmals die Möglichkeit, im Lichtwolf zu inserieren! Und zwar bereits ab 13,96 Euro (netto!). Die Anzeigentarife sind so günstig und flexibel, dass es der nackte Wahnsinn wäre, diese einmalige Chance ungenutzt zu lassen! Man beachte die Mediadaten für Lichtwolf Nr. 26!


Hochschule am 10.05.2005, 14:25 Uhr

Freiburger Studentenproteste vom Mai 2005

Der Beitrag "Protestprogramm, Militanz und die da oben" von Timotheus Schneidegger wurde diesem Dossier hinzugefügt.



Hochschule am 06.05.2005, 12:05 Uhr

Freiburger Studentenproteste vom Mai 2005

Der Beitrag "Maiproteste - Galerie II: Stationen" von Timotheus Schneidegger wurde diesem Dossier hinzugefügt.








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