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Monatsbuch

Suche ausgeführt.

Mit dem Stichwort "Künstliche Intelligenz" sind die folgenden Artikel markiert:


Links der Woche am 29.07.2017, 15:05 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 30/17

Das Unbehagen in der Digitalkultur

Johan Schloemann hat für die SZ das Buch „Radical Technologies“ von Adam Greenfield gelesen, das ein unheimliches Bild von unserer Gegenwart zeichnet, die von Technologie gewordener Geheimwissenschaft durchdrungen ist. Und selbst die Fachleute und Netz-Utopisten haben keine Ahnung, was da passiert. (25.07.17)

Chancenungleichheit und Selektion

Ist die Idee der Meritokratie nur der Versuch einer ethischen Rechtfertigung der Ungleichheit? Das fragt sich Giorgio Fontana in der NZZ und erinnert bei aller Skepsis daran, dass es schon gut ist, wenn Aufgaben von denen übernommen werden, die die nötigen Fähigkeiten haben und darum eine gewisse Autorität genießen. (27.07.17)

Letzte Links der Woche

Die FR weist auf Hilal Sezgins Plädoyer für die Übernahme moralischer Verantwortung hin, das den schönen Titel hat: „Nichtstun ist keine Lösung“. +++ Abermals die FR zeigt sich fasziniert von Tom Theunissens philosophischem Dokumentarfilm-Essay über den „Menschen von morgen“, der heute Abend bei arte läuft. +++ In den USA wird an KIs gewerkelt, die Video- und Tonaufnahmen (noch bloß von Obama) beliebig verändern können, um den früheren US-Präsidenten mit „Videobeweis“ sagen zu lassen, was immer einem so einfällt. +++ Männer werden unter Stress eher prosozial, so eine Studie, über die im Wissensteil der FAZ glossiert wird. +++ Roman Bucheli schwärmt in der NZZ von der Lust, sich in Bücher zu verlieren und eben dadurch näher bei sich selbst zu sein.


Links der Woche am 03.06.2017, 14:39 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 22/17

Skynet rising

Beim Thema autonomes Fahren tun sich schon ethische Abgründe auf, wie „intelligente“ Technik z.B. mit dem Trolley-Problem umgehen soll. Florian Rötzer berichtet auf Telepolis vom aktuellen Sachstand im Pentagon, wo man glaubt, das Wesen des Krieges mittels Kampfmaschinen zu ändern, die im Übrigen nun vielleicht doch selbstständig über Leben und Tod entscheiden dürfen. (01.06.17)

Alles Kommunisten!

Manchmal hilft der Blick ins Ausland, um zu verstehen, was läuft: Der gebürtige Pole Matthias Nawrat schreibt in der ZEIT über den Rechtsruck in seinem Geburtsland nebenan. Den Siegeszug der Nationalkonservativen erklärt er mit dem besonderen Kapitalismus in Osteuropa, aber auch mit der Auseinandersetzung mit dem Kommunismus nach der Solidarno??. (02.06.17)

Bücher, Bücher, Bücher

Bei Spektrum wird Bernulf Kanitschneiders „Kleine Philosophie der Mathematik“ empfohlen, die zeigt, wie real und realistisch die Wunder der Mathematik sind. +++ Andreas Bummel und Jo Leinen fordern am Ende einer Geschichte der Demokratie von der Stoa bis Kant die demokratische Weltregierung - die taz ist von ihrem utopischen Sachbuch sehr angetan. +++ Die NZZ bespricht zwei Titel zum/über den „unzeitgenössischen“ Gegenwartskritiker Charles Péguy (1873–1914), auf den sich in Frankreich linke wie rechte Autoren gleichermaßen beziehen. +++ Außerdem findet die NZZ zumindest die erste Hälfte von Mathias Schreibers Essay über den Verrat, den Verräter und deren moralische Ambivalenz (von Prometheus bis Snowden) sehr lesenswert. +++ Ausführlich bespricht Bruno Heidlberger bei Glanz & Elend Volker Weiß’ Studie über die Neue Rechte und ihre autoritäre Revolte.

Das Weitere und Engere:

Von wegen „Skynet rising“ (s.o.): In der FAZ geht es um ein Frühwarnsystem der Bertelsmann-Stiftung, mit dem Künstliche Intelligenz darauf überprüft werden kann, ob und wie man ihr im Ernstfall Einhalt gebieten kann. +++ Reza Jafaris Theaterstück „Heiliger Krieg“ beschäftigt sich an einer Stelle damit, dass Islamisten und Rechte nicht akzeptieren wollen, wenn Menschen, anders sind; was einen lokalen AfD-Politiker Drohmails ans Ensemble schreiben lässt, wie die taz berichtet. +++ Der Biologe Peter Spork berichtet in der FAZ von Studien zur Epigenetik, die die umstrittene These von der Vererbbarkeit von Umweltanpassungen bestätigen. +++ Alain Claude Sulzer erzählt in der NZZ mit ungebrochener Begeisterung von seiner Bibliomanie. +++ Im Uniblog der FAZ geht es darum, wie schwer es trotz der hohen Abbrecherquoten ist, ein Studium, zu dem man nicht passt, vorzeitig zu beenden. +++ Lichtwolf Nr. 58 zum Thema Wurst (u.a. bibliomane Wurst) ist im Druck und für ein schönes Abonnement braucht man keinen Studienabschluss.


Links der Woche am 15.10.2016, 14:23 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 42/16

Angstkampagnen rocken mehr als Fakten

Überall weidet man sich beispielsweise an der Angstlust, Trump könne zum US-Präsidenten gewählt werden. Auch Susanne Berkenheger gibt sich diesem medialen life thrill hin und überlegt im Freitag mit einigen Psychologen und Soziologen, ob dem täglichen Apokalypsenporno nicht eigentlich resignative Wut auf die Zivilisation zugrunde liegt (09.10.16)

„Desaster deutscher Geistesgeschichte“

Die Demaskierung oder Demontage Heideggers geht weiter: Adam Soboczynski und Alexander Cammann haben für die ZEIT in den Briefwechsel zwischen den Gebrüdern Heidegger zwischen 1930 und 46 geblickt, in dem sich der Seinsdenker als profan antisemitischer, komplett uneinsichtiger Nazi-Anhänger äußert. (12.10.16)

Angst und Langeweile der Selbstbestätigung

Ronja von Rönne berichtet in der WELT, wie sie nach vollzogenem Onlinshopping den Reklame-Algorithmen sei dank im Internet mit nichts anderem mehr als ihren vermeintlichen Bedürfnissen konfrontiert wird. Sie sorgen dafür, „dass man noch mehr der Mensch wird, der man schon ist“ - ob nun Shopping Queen oder besorgter Bürger. (13.10.16)

Roboterrechte und -pflichten

Die ZEIT setzt ihre Reihe über Künstliche Intelligenz und die Arbeitswelt fort, diese Woche mit einem Text von Adrian Lobe über die ethischen und rechtlichen Fragen, die sich zum Beispiel ergeben, wenn ein Roboter einen Menschen oder einen anderen Roboter tötet. Auch in anderen Fällen wirft uns die KI manch harte Nuss in Sachen Willen, Gewissen und Verantwortung vor die Füße. (14.10.16)

Content- statt Kulturindustrie

Das, was drin ist, zählt nur noch mit Blick auf das, was hinten rauskommt: Mark Siemons schreibt in der FAZ über Content, in dem Unterhaltung, Journalismus und Werbung zusammenfließen und dessen instrumentelle Logik die gesamte Text- und Bild„produktion“ erfasst und erst zu einer solchen macht - die sich übrigens umso leichter automatisieren lässt. (15.10.16)

Das Weitere und Engere:

Die NZZ weist auf Pierre Bayles nicht ganz leicht zu lesenden Grundschrift der Toleranzphilosophie aus dem 17. Jahrhundert hin. +++ Michael Angele bespricht im Freitag Gisela von Wysockis Roman „Wiesengrund“, der der Faszination nachgehen will, die Adorno auf die Generation der 68er ausgeübt hat. +++ Um nicht schreiben zu müssen, er habe es ja immer schon gesagt, erklärt Gewaltforscher Wilhelm Heitmeyer im Freitag, warum er von der Brutalisierung der Gesellschaft nicht überrascht ist. +++ Das Jüdische Museum Berlin zeigt eine Ausstellung, in deren Zentrum laut FAZ der Golem und seine modernen technischen Nachfolger stehen. +++ In der FR ist von der Klage der Verbände über den stagnierenden E-Book-Markt in Deutschland zu lesen. Dem kann sich der catware.net Verlag mit seinen DRM-freien und halb so teuren E-Book-Fassungen des Lichtwolf nur anschließen.


Links der Woche am 02.10.2016, 15:05 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 40/16

weniger Akte X, mehr House of Cards

28 Prozent der US-Wähler glauben, dass eine verborgene Elite nach autoritärer Weltherrschaft strebt, schreibt Houssam Hamade im Freitag über den strukturell antisemitischen Trend, hinter allem eine große Verschwörung zu wittern. Das ist unter anderem darum problematisch, weil es ja wirklich Verschwörungen in der Politik gibt. (28.09.16)

Die Verteidiger des Abendlands

Die Islamwissenschaftlerin Lamya Kaddor schreibt in ihrem neuen Buch über die Bringschuld der Mehrheitsgesellschaft bei der Integration. Seither wird sie massiver denn je bedroht und gibt in der ZEIT selbsternannten konservativen Intellektuellen eine Mitschuld an der neuen Welle an Morddrohungen gegen sie. (30.09.16)

Dystopie der entgrenzten Systeme

In der ZEIT-Reihe über Künstliche Intelligenz in der Arbeitswelt nimmt uns Sci-Fi-Autor Marc Elsberg mit ins Jahr 2031, in dem moralische Werte quantifizierbar sind, eine KI die Legislative und die Kulturproduktion übernommen hat und auch sonst praktisch jeder (selbst die Programmierer) durch intelligente Systeme ersetzt worden ist. (30.09.16)

Keine Fakten, nur Interpretationen

Nach dem Rededuell der beiden US-Präsidentschaftskandidaten beschäftigt sich Thomas Assheuer in der ZEIT mit dem locker-verächtlichen Verhältnis zur Wahrheit, das Donald Trump und alle Rechtspopulisten auszeichnet. Sie ersetzen Ideale durch gefühlige Mythen, die autoritaristische Sehnsüchte bedienen. Schuld ist die Postmoderne. (01.10.16) [ Ums postfaktische Zeitalter ging es - ausführlich und mit Links zu Assheuers Quellen - auch nebenan bei Schwein & Zeit in drei Teilen. ]

Außerdemos von Sonstnochos:

Die taz berichtet kurz vom diesmal ziemlich gottlastigen 20. Philosophicum in Lech. +++ Der iranische Regisseur Amir Reza Koohestani bringt in München Kamel Daouds Roman „Der Fall Meursault – Eine Entgegnung“ auf die Bühne; der Standard zeigt sich von der Inszenierung begeistert, auch die FR kommt nachdenklich angeregt aus dem Theater. +++ Die NZZ bespricht Terry Eagletons dichten Essay über Optimismus, Pessimismus und Fatalismus sowie die Frage, was die Hoffnung in der Büchse der Pandora verloren hat. +++ Die SZ rezensiert das neue Buch des Historikers Timothy Garton Ash, der darin die Entstehung und Ordnung der Internet-Weltgesellschaft beschreibt - und mit welchen Grundregeln sich liberale Werte darin bewahren lassen.


Links der Woche am 25.09.2016, 15:21 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 39/16

Geschi geht es auch nicht gut

Diese Woche fand der Deutsche Historikertag statt und man ist nicht glücklich über den Zustand des Schulfachs Geschichte. Martin Schulze Wessel erklärt in der FAZ, wie das Fach durch Output- und Kompetenzorientierung sowie Überfüllung in Krisenzeiten ruiniert wird, die es nötiger denn je machen. (25.09.16)

Spielen Maschinen uns aus?

Zum Start einer neuen Serie der ZEIT über Künstliche Intelligenz (KI) und deren Folgen beschäftigt sich Lars Gaede mit der digitalen Revolution, die die Arbeitswelt ähnlich verändern wird wie die Industrialisierung. Dazu trifft er IT-Forscher, die zuversichtlich oder kritisch auf KIs blicken, die bald nahezu alle Jobs besser erledigen können werden als wir. Einen Spezialfall beim Stand der Technik betrachtet Georg Rüschemeyer für die FAZ: Es geht um die Cepheus-KI und wie sie lernt, das schwer berechenbare Poker-Spiel zu meistern.

Neue Bücher

Jürgen Nielsen-Sikora zeigt sich bei Glanz & Elend begeistert von John Higgs’ ungewöhnlicher Art, die Geschichte des 20. Jahrhunderts als die der neuen Unübersichtlichkeit zu erzählen. +++ Ebenfalls bei G&E bespricht Wolfram Schütte Bettina Stangneths Essay „Böses Denken“, der mit Kant Vernunft, Freiheit und Moral nach ihrer Entwertung im 20. Jahrhundert auslotet. +++ Die NZZ rezensiert Kerry Howleys Romandebut „Geworfen“, dessen Protagonistin eine Phänomenologin ist, die der Faszination von Mixed Martial Arts-Kämpfen erliegt.

Unn sünst?

Die Wuppertaler Campuszeitung blickfeld spricht mit Peter Trawny über sein Heidegger-Institut und den Privatdozenten als akademischen Tagelöhner. +++ Christian Schwägerl schreibt in der FAZ über das schwierige Ringen der Geologenzunft mit dem Begriff des Anthropozäns für das aktuelle Erdzeitalter. +++ Ludger Lütkehaus würdigt in der NZZ den Ethnopsychoanalytiker und Anarchisten Paul Parin zum 100. Geburtstag. +++ Die FAZ unterhält sich ausgiebig mit dem Psychologen Claus Koch darüber, warum die Zeit zwischen 18 und 30 die härteste des Lebens ist. +++ In der Jungle World betreibt Georg Seeßlen eine umfassende politisch-phänomenologische Bildanalyse eines Portraits der schrecklich netten Familie Trump. +++ Ohne erkennbaren Anlass widmet sich Olaf Velte in der FR dem Doyen der Grauen Literatur, Victor Otto Stomps, der auch Schutzpatron der Mainzer Minipressen-Messe ist, an der der Lichtwolf im Mai / Juni 2017 wieder teilnimmt.


Links der Woche am 27.08.2016, 14:14 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 35/16

Paradigmenwechsel oder Hype?

Markus C. Schulte von Drach erklärt in der SZ mal ausführlich, was es mit Epigenetik auf sich hat, also der Theorie, dass Erfahrungen sich in den Genen niederschlagen und weitergegeben werden. Diese Wiederkehr des von Darwin widerlegten Lamarckismus aus dem 19. Jahrhundert birgt faszinierende Forschungsergebnisse, ruft aber auch Skepsis hervor. (22.08.16)

Scheitern ist out

„Der gescheiterte Künstler hat seinen Glamour verloren“, schreibt Annette Weisser in der ZEIT und erinnert sich an das West-Berlin der 1980er Jahre sowie an Chris Kraus’ Roman „I Love Dick“: Die damals und dort praktizierte Verweigerung und das existenzielle Scheitern sind für die im Neoliberalismus Aufgewachsenen keine Option mehr. (24.08.16)

Gutes tun mit Hand und Fuß

Im Uni-Blog der FAZ portraitiert Henrike Wiemker zwei Anhänger des „effektiven Altruismus“, die beim Weltverbessern möglichst rational vorgehen wollen. Beide haben unter dem Gesichtspunkt ihre Karrierewege verändert, um z.B. als Besserverdiener mit Spenden einen größeren Beitrag zum Menschheitswohl zu leisten als es einem HNO-Arzt möglich wäre. (26.08.16)

Zwischen Hetze und Verwertung

Mit dem Rechtspopulismus breitet sich die Irrationalität in der Politik aus. Heike Schmoll schreibt in der FAZ über die EU-Forschungspolitik, die „real solutions“ für „real problems“ erwartet, sprich diejenigen Geistes- und Sozialwissenschaften marginalisiert, die weniger der Wirtschaft als den Ideen von Pluralismus und Toleranz dienen. (26.08.16)

Unverzagt an die große Aufgabe

Der Politologe Herfried Münkler hat mit seiner Frau Marina ein Buch geschrieben und beide werden deswegen von gleich drei FAZ-Redakteuren interviewt. Denn ihre Sozialutopie über die neuen Deutschen ist eine Absage an Identität und Leitkultur, ein Plädoyer für moralische Politik und richtet sich besonders an diejenigen, die Merkels „Wir schaffen das“ in der Flüchtlingspolitik mit Skepsis betrachten. (26.08.16)

Lektüre, die bleibt

Der Schriftsteller Rolf Dobelli empfiehlt in der NZZ eine neue Lesekultur: „Weniger lesen, dafür doppelt.“ Denn auch Dobelli hat wie so viele mehr Bücher, als er lesen kann, und konnte sich an die gelesenen kaum erinnern, bis er diese eher nutzenorientierte Form der Lektüre wählte. (27.08.16)

Die Maschine rettet Rotkäppchen

Christoph Drösser will wissen, ob Algorithmen Texte schreiben können, und hat mit einem Algorithmus einen Text darüber für ZEIT Wissen geschrieben. Darin erklärt er an einigen konkreten Beispielen, wie maschinelles Lernen funktioniert - mit neuronalen Netzen ähnlich wie im menschlichen Gehirn. (27.08.16)

Et cetera:

Markus Christen macht sich in der Huffington Post Gedanken darüber, wie Digitalisierung, Big Data und Künstliche Intelligenz das Kerngeschäft der Philosophie, philosophische Texte zu produzieren, verändern werden. +++ Der Freitag empfiehlt die Hörspielfassung von Victor Klemperers Analyse der Sprache des Nationalsozialismus. +++ Der Freitag-Leser Peter Nowak empfiehlt wiederum das Buch, in dem der Wiener Soziologe Alfred E. Noll nachweist, dass Heidegger lange vor der NSDAP-Mitgliedschaft ein Nazi war und es danach blieb. +++ Zwei Öko-Filme: Georg Seeßlen bespricht bei Glanz & Elend den angenehm ambivalenten Aussteigerfilm „Captain Fantastic“, Martin Schwickert weist in der ZEIT auf den modernen Märchenfilm „El Olivo“ hin, in dem es nur vordergründig um einen Olivenbaum geht.


Links der Woche am 02.07.2016, 14:29 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 27/16

Das lese ich später irgendwann

Prokrastination ist weit verbreitet und in Maßen nicht schlecht, schreibt Magnus Klaue in der FAZ, will damit aber nur darauf hinaus, dass sich längst ein arbeits- und motivationspsychologischer Markt zur Bekämpfung der Aufschieberitis etabliert hat - besonders im akademischen Kontext, wo Prokrastination wie eine Seuche um sich greift. (28.06.16)

Erasmus soll bleiben

Zu den vehementesten Brexit-Gegnern gehörten die britischen Hochschulen, deren Kampagne - wie die in Oxford lehrende Germanistin Henrike Lähnemann in der FAZ beschreibt - relativ erfolgreich war, d.h. nur in Universitätsstädten. Nun sind die Unis entschlossen, die europaweiten Kooperationen in Forschung und Lehre irgendwie trotzallem fortzusetzen. (29.06.16)

Kind kommt, Studium geht

Etwa fünf Prozent aller Studierenden kriegen vorm Abschluss ein Kind. Anne Armbrecht portraitiert in der FAZ einige studierende Eltern, die mit Kraft, Zeit und Geld gut haushalten müssen - was in den Fächern Medizin und Jura nicht zu funktionieren scheint. (02.07.16)

Künstliche Intelligenz

Diese Woche gab es den ersten Toten in einem autonomen Fahrzeug, kurz zuvor machte sich Ulf von Rauchhaupt in der FAZ noch Gedanken über utilitaristische Maschinenethik im Straßenverkehr und das „Trolley-Problem für Auto-Autos“. Manuela Lenzen berichtet ebd., dass nach 32 Jahren Entwicklungsarbeit eine programmierte KI alter Schule namens Cyc auf den Markt kommt. Rolf Dobelli legt in der NZZ ausführlich die evolutionären Gründe dar, warum wir uns nicht vor der Unterwerfung der Menschheit durch künstliche Intelligenz fürchten müssen.

Künstliches Leben

Volker Henn berichtet für Telepolis von einem Forschungsprojekt, welches das menschliche Genom sauber von Grund auf neu schreiben und dann ins Leben setzen will. In der ZEIT wundert sich Thea Dorn, warum das Crispr/Cas9-Verfahren, mit dem Gentechnikerinnen das Erbgut wie eine Textdatei bearbeiten können, weder Aufschrei noch Debatte auslöst - und warum die Leute „ihr Schicksal nicht mit Demut zu tragen bereit“ sind...

Unn sünst?

Die taz rapportiert den Monitoring-Bericht der Antonio Amadeu Stiftung zu rechter Hetze im Netz, die sich bis in die Mittelschicht verbreitet und mit Gewaltaufrufen, Querfront-Bestrebungen und Verschwörungstheorien vermengt. Wie unzurechnungsfähig diese Kundschaft ist, lässt Philipp Vetters WELT-Bericht über Strichcode-Entstörer und das Entgegenkommen der Industrie erahnen. +++ Nach dem Brexit wundert sich Robin Detje in der ZEIT: „Weiße Männer meines Jahrgangs zerstören die Welt, einfach nur so.“ Lorenz Jäger fühlt sich in der FAZ total fies als alter weißer Mann gehasst. :( +++ In ausgewählten Kinos ist das Biopic über Lou Andreas-Salomé zu sehen, das in der WELT und im Tagesspiegel besprochen wird. +++ Dieter Thomä bespricht in der NZZ zwei Neuerscheinungen zu Heidegger und seinem „metaphysischen Antisemitismus“ von Donatella Di Cesare und Reinhard Mehring. +++ Im Freitag ist eine ausführliche Rezension von Oliver Nachtweys „Die Abstiegsgesellschaft“ zu lesen, die u.a. erklärt, warum im Anstieg der Abiturientenquote sozialer Sprengstoff liegt. Nachtwey war kürzlich übrigens auch bei Deutschlandradio Kultur in einem Feature über die prekarisierte Mittelschicht zu hören. +++ Apropos Radio: In der sonntäglichen DLF-Sendung „Essay und Diskurs“ werden in den kommenden fünf Wochen sonntags um 9:30 Uhr die Herausgeber von Zeitschriften für die gebildeten Stände interviewt. Eine solche, die aber nicht im Radio vorkommt, kann man sich hier kaufen.


Links der Woche am 18.06.2016, 14:17 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 25/16

Die erste und die eine Sprache

Auch Atheisten ahnen, dass die vielen Sprachen der Menschheit sich auf wenige, vielleicht gar eine einzige vor Babel zurückführen lassen. Komparatistik und Spracharchäologie sind inzwischen bis in die Jungsteinzeit vorgedrungen. Ulf von Rauchhaupt beschreibt in der FAZ, wie die Disziplinen vorgehen, was daran kritisiert wird und was sie herausbekommen haben. (15.06.16)

Mut zur Subjektivität

Diese Woche ging Andreas Beckmann im Deutschlandfunk der Frage nach, ob die Naturwissenschaften eine zu dominierende - womöglich gar imperialistische - Rolle in unserem Weltbezug spielen. Demnach ist die Gleichung Rationalität = Aufklärung = Fortschritt = Wohlstand recht jung, verkennt aber die Komplexität der Welt. Hier könnten selbstbewusste Geisteswissenschaften ein Korrektiv bilden. (16.06.16)

Gebildet sein und allein leben dürfen

In der NZZ portraitiert die Romanistin Ursula Beitz die fast vergessene Femme de lettres Marie de Gournay (1565-1645), die als Autodidaktin das patriarchale Bildungsverbot ihrer Zeit umging, zu Montaignes einflussreicher Brieffreundin wurde und als eine der Ersten für die Gleichstellung argumentierte. (18.06.16)

Die Ersten und die Letzten, Anfang und Ende

Roman Bucheli meditiert in der NZZ über die Unfallphotos des Polizisten Arnold Odermatt aus den 1960ern, die gerade heutzutage eine Sehnsucht nach den guten, alten Tagen der Übersichtlichkeit und Beständigkeit auslösen - und nämliche Nostalgie ist mit einer gewissen Untergangslust verbunden, ganz wie beim Attentäter das Verlangen nach dem Paradies mit der Zerstörung des Irdischen. (18.06.16)

PEGIDA und AfD verstehen

Die taz bespricht eher skeptisch das als Standardwerk annoncierte Buch „Pegida: Warnsignale aus Dresden“, worin Werner Patzelt und Joachim Klose die Erfolge von PEGIDA und AfD erklären wollen. Politik und Gesellschaft müssten sich bemühen, diese Leute zu verstehen. Na denn: Die FAZ portraitiert ausgiebig den (früheren) Sloterdijk-Schüler und AfD-Hausphilosophen Marc Jongen als Schwanzlurch, der an Parteiprogramm und Manifest arbeitet, den Thymos zugunsten nationaler Wehrhaftigkeit über Logos und Eros stellen und zurück zur „konservativen Revolution“ will. Für die ZEIT haben sich Jens Jessen und Ijoma Mangold mit Jongen unterhalten über das metaphysische Volk, die 68er-Seuche, EUdSSR, den Lügenstaat und allerhand anderen Unfug.

Das Weitere und Engere:

Im Freitag geht es kurz um die Aussichten, die mit einer geplanten Notabschaltung für Künstliche Intelligenzen verbunden sind. +++ Der Tagesspiegel spricht mit Michael Sandel über die ethischen Fragen von Transparenz und Big Data. +++ Der Bildungsbericht 2016 zeigt laut FAZ-Bericht, dass allenorten die Klüfte wachsen und der soziale Sprengstoff wächst. +++ Die NZZ zeigt sich sehr angetan von Michael Pauens Buch „Die Natur des Geistes“, worin er wider die „Erklärungslückentheoretiker“ auf dem Unterschied zwischen Erfahrung und Erkenntnis in Bewusstseinsdingen beharrt. +++ Literaturautomaten gibt es schon länger, jetzt kommt mit „Sunspring“ - wie die FAZ meldet - der erste Film, dessen Drehbuch von einer Künstlichen Intelligenz geschrieben wurde. +++ Sehr schön: Die heute Show des ZDF hat den Verschwör-o-maten online gestellt, der auf Knopfdruck ausspuckt, was die Mainstream-Medien den Sheeple verschweigen! +++ Apropos Literaturautomat: Falls Sie mal eine Preisrede brauchen, nehmen Sie doch einfach den guten alten Laudat-o-mat! +++ Und abermals apropos Literatur und Technik: Die NZZ verweist auf eine Untersuchung, die in literarischen Werken fraktale Muster entdeckt hat, die solchen in Musik, Herzrhythmus und Hirnaktivität ähnlich sein sollen.


Links der Woche am 04.06.2016, 14:39 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 23/16

Maschinenintelligenz und Menschenmoral

Für die ZEIT portraitiert Stefan Schmitt den gruselig guckenden Philosophen Nick Bostrom, der u.a. in seinem Buch „Superintelligenz“ vor der Auslöschung der Menschheit durch autonome Maschinen warnt und dazu reichlich Konjunktive und das Bild der von uns abgehängten Schimpansen bemüht - und trotzallem Fortschrittsoptimist bleibt. (26.05.16)

Argumente gegen Exzellenz

An den Unis benutzt man für die Exzellenzinitiative ein Doppelsprech: Nach außen hui, intern pfui, schreibt der Mannheimer Germanist Jochen Hörisch in der FAZ. Eine wachsende Zahl von Wissenschaftler_innen hat die Nase voll vom schizoiden Antragswesen und traut sich, öffentlich dagegen zu argumentieren. (29.05.16)

Grundeinkommen für niemanden

Wenn nicht mehr genug Arbeit für alle da ist, könnte man ja mal übers bedingungslose Grundeinkommen nachdenken, über das die Schweiz morgen abstimmt. Vier mehr oder weniger gute Gründe gegen diese revolutionäre Umstellung des Sozialstaats und Arbeitslebens führt Alexandra Borchardt in der SZ an. (30.05.16)

Sloterdijks Megathemen

Für die FR unterhält sich Michael Hesse mit Thilo Sarrazins Parteifreund Peter Sloterdijk über den Zerfall der Linken und der Konservativen, die SPD als Aspirin, die Wiederkehr des 19. Jahrhunderts mit Internet und über progressive „Bewahrungs- und Abgrenzungsinteressen“. (01.06.16)

Von Snowden zu Eggers und Orwell

In der FAZ schreibt Bundesverfassungsrichter a.D. Udo Di Fabio Staat und EU hinter die Löffel, sich um die Regulierung von Big Data zu kümmern. Denn nicht der Überwachungsstaat ist das Problem, sondern die von Konzernen betriebene Vorratsdatenspeicherung in einer völlig volatilen Umgebung. (01.06.16)

Die Fehler sind meistens Absicht

Letzte Woche beklagt Rainer Moritz in der NZZ das schlampige Lektorat aktueller Neuerscheinungen. Nun antwortet ihm der Verleger Tom Kraushaar in der SZ, dass man nach den Urheberrechts- und VG-Wort-Urteilen die Verlage nicht noch schlechter reden sollte, als sie eh dastehen. (03.06.16)

Neues aus Deutschland

Der Tagesspiegel stellt das Buch „Böses Denken“ vor, in dem die Kantianerin Bettina Stangneth u.a. den „schwarzen Idealismus“ Eichmanns und den Eichmann im Jedermann untersucht. +++ Hannah Bethke berichtet für die FAZ von der einstweiligen Verfügung der NPD gegen den Politologen Steffen Kailitz vom Dresdner Hannah-Arendt-Institut. +++ A.a.O. erkennt Christian Geyer in der Bürgerwehr, der Dorfpolizei und einem CDU-Politiker des sächsischen Arnsdorf das wahre Ausmaß des Rassismus in Deutschland.

Außerdemos von Sonstnochos:

Der Standard ist recht angetan von der Doku „Tomorrow“ über kleine lokale Initiativen, die nach einer Lebensweise suchen, welche nicht den ökologischen Kollaps bewirkt. +++ Die FR berichtet von einem Weimarer Symposium über Teilen und Tauschen, Geben und Nehmen; dazu passt ganz gut der vorletzte Lichtwolf mit dem Titelthema „Bitte / danke“. +++ Charity und Solidarität sind zwei verschiedene Dinge und die FAZ weist auf eine Studie über den Zusammenhang von Sozialstaat, Ungleichheit und der Wertschätzung von Solidarität hin. +++ Die FAZ gibt außerdem einen kurzen Überblick über unsere Eigenart, Handlungsfähigkeit auf alles mögliche zu projizieren. +++ Alles Fake: Zum Dritten stellt die FAZ die Ausstellung von und über Kunstfälschungen in der Heidelberger Universitätsbibliothek vor. +++ Bei Glanz & Elend bespricht Wolfram Schütte die Erinnerungen an Ernst Bloch aus der Feder seines damaligen Tübinger Studenten Gert Ueding.


Links der Woche am 21.05.2016, 14:32 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 21/16

Schlechte Uni Bolognese

Unter der schönen Überschrift „Kleine Reform eines großen Irrtums“ berichtet Stefan Kühl in der FAZ über die Pläne der Wissenschaftsministerien, jetzt endlich mal die gröbsten Verheerungen durch die Bologna-Reform zu kitten und die Verschulung der Universitäten mitsamt Notenwahn und Prüfungsterror ein bisschen einzuhegen. (18.05.16)

Algorithmen oder Trump?

Die Watson 2016 Foundation hat (zum Spaß) vorgeschlagen, 2020 einen Supercomputer als US-Präsidentschaftskandidaten zu nominieren. In der FAZ zählt Adrian Lobe zunächst die Gründe auf, warum eine Künstliche Intelligenz gute Politik machen könnte, und endet dann mit den ethischen Erwägungen, die alles wieder zunichte machen. (20.05.16)

Wider die rot-grün-versiffte Kulturpampe

In der ZEIT denkt Thomas Assheuer über rechtspopulistische Kulturpolitik nach, die Teil der europaweiten Re-Nationalisierungs- und Abgrenzungsstrategie ist und der es um mehr als eine Leitkultur geht: Die Mytheme von Kultur, Volk, Nation brechen in der Krise gewaltsam hervor und streben einem vorpolitischen Naturzustand zu. (20.05.16)

Nicht alle, aber manche - und das reicht.

Ruud Koopmans wundert sich in der NZZ, wieso sich der Paris-Attentäter Salah Abdeslam so lange in seiner Heimatstadt Brüssel verstecken konnte. Dabei war jede Terrorgruppe der Geschichte auf Sympathisanten angewiesen, die sich hinreichend mit den Tätern identifizieren können. Erfolgreiche islamistische Anschläge weisen darauf hin, dass es unter Muslimen in Europa ein Unterstützerpotential gibt. (21.05.16)

Philosophie ist beliebt!

In Köln steigt wieder die phil.cologne. Lars Weisbrod vermutet in der ZEIT hinter der Popularität solcher Philosophie-Festivals die Sehnsucht nach gut gelüfteten Schutzräumen jenseits von Polarisierung, politischer Korrektheit und Shitstorm-Angst. Das hingegen passt: Das populärphilosophische Magazin Hohe Luft lässt den Heidegger-Schwarzheft-Herausgeber Peter Trawny vor der Selbstabschaffung der Philosophie durch ihre Popularisierung warnen. Denn der Trend zur Philosophie für Jedermann hängt zusammen mit der Ökonomisierung der Universitäten.

Altes vom Studentenpack

Studenten heißen längst Studierende, was konservative Kulturkritiker nervt. Dabei wollte es schon Johann Gottlieb Fichte so, wie der Historiker Philipp Felsch in der FAZ anmerkt, allerdings nicht aus Gender-Gründen. Sondern weil die Studenten nur Quatsch machten statt zu studieren. Aus diesen seligen Zeiten rührt noch manche heutige Wendung, wie Matthias Heine in der WELT über die Jugend- und Studentensprache des 18. und 19. Jahrhunderts schreibt: Der krasse Schwachmat versucht einen famosen Ulk und blamiert sich bierbass als Kümmeltürke.

Außerdemchen:

Die FAZ weist auf eine Studie hin, die am Beispiel Mexiko-USA zeigt, das Grenzsicherung Migration nicht nur nicht verhindert, sondern böse-ironische Nebenfolgen hat. +++ Jens Bisky berichtet für die SZ vom 31. Internationalen Hegel-Kongress in Bochum, wo man den Beinaheabschluss der Hegel-Gesamtausgabe zelebrierte. +++ Auf der phil.cologne zankte sich Axel Honneth mit Norbert Bolz über Sozialismus und deutsche Verhältnisse, wie die FR berichtet. +++ Die NZZ bespricht den in Buchform vorliegenden Briefwechsel zwischen Paul Celan und René Char. +++ Dem in Yale lehrenden Ethiker Thomas Pogge wird vorgeworfen, gegenüber seinen Doktorandinnen sexuell übergriffig geworden zu sein.


Links der Woche am 26.03.2016, 16:48 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 13/16

Immer noch fürs big picture da.

Für Telepolis unterhält sich Reinhard Jellen mit dem Wissenschaftsphilosophen Klaus Mainzer darüber, wie die Naturwissenschaften der Philosophie den Rang abliefen, warum diese aber immer noch allein für den Gesamtzusammenhang zuständig ist - insbesondere im Angesicht der Algorithmisierung der Welt. (19.03.16)

Erkennen, verstehen, verändern

Aufklärung hat es heutzutage schwer. Sie „geschieht nicht“, wie Georg Seeßlen in seinem Blog bemerkt. Sodann wirbt er für die soziale Praxis z.B. des Dialogs als Erkenntnisprozess, der seinen Gegenstand emanzipiert, nicht unterwirft; dies, indem Ursachen von Gründen unterschieden werden. Am Ende stünde ein Wissen, das zur Veränderung führt. (24.03.16)

Die Wahrheit muss draußen bleiben

Immer wieder mal geht es im Feuilleton ums Feuilleton. Diesmal legt René Scheu in der NZZ vor: Seit Kants Zeiten ist die Öffentlichkeit nicht zuletzt durch die Balkanisierung des digitalen Diskurses zersplittert, weshalb die paranoische Vernunft fröhlich Urständ feiert - obwohl wir es im Netz nur mit uns selbst zu tun haben. Nicht so die Feuilletonisten. (26.03.16)

Gutes Gedenke zur Flüchtlingsdebatte

Auch Mark Siemons befasst sich in der FAZ mit der neuen Ungewissheit über die gemeinsamen Grundlagen des politischen Zusammenlebens und den gegenseitigen Vorwurf der Verblendung in der Flüchtlingsdebatte, bei der Siemons Carl Schmitt, Hannah Arendt und Giorgio Agamben zu Rate zieht. Michael Angele blickt im Freitag auf Namen, Strukturen und Taktiken deutscher Rechtsintellektueller, die sich mit Ernst Jünger im Gepäck als Widerstandskämpfer gegen Merkels Flüchtlingspolitik inszenieren. Dem geistigen Junkertum à la Sloterdijk et.al. widmet auch Christoph Baumgarten eine taz-Kolumne. Alain Badiou gibt im Interview mit Nils Markwardt ebenfalls im Freitag zu Protokoll, dass die Krise ein gutes Beispiel für seinen Begriff des Ereignisses ist, Flüchtlingsströme notwendig zu unserem Kapitalismus gehören und Integration ohne Kommunismus keine Lösung ist.

Foucault ein Neoliberaler?

Seit nicht mehr allzu Neuestem wird erwogen, Michel Foucault z.B. wegen seines Begriffs der Gouvernementalität in die Reihe der Vordenker des Neoliberalismus zu stellen. Freitag-Community-Mitglied Georg Simmerl zeichnet in einem sechsseitigen Essay die Debatte nach, liefert Anhaltspunkte und Buchtipps sowie eine Diagnose, woran die Linke (wie in der Debatte zu erkennen) krankt. Im Theorieblog kann man den ganzen Essay am Stück lesen. Einer der erwähnten Autoren hat dem Jacobin vor zwei Jahren übrigens ein Interview zum Thema gegeben.

Weiteres und Engeres:

Die NZZ kommentiert den Sieg der Maschinen in einer Disziplin, in der sich der Mensch noch für länger sicher vor der Künstlichen Intelligenz wähnte: dem Go-Spiel. +++ Nietzsches Geburts- und Grabort Röcken in Sachsen-Anhalt tat sich stets schwer mit dem berühmten Sohn. Nun aber will die Gemeinde, wie die FAZ meldet, sich zum angemessenen Pilgerort für Nietzscheaner mausern. +++ Zum 500. Jubiläum würdigt die NZZ die griechisch-lateinische Ausgabe des Neuen Testaments von Erasmus von Rotterdam.

Papier zum Lesen:

Die FR stellt die beiden Philo-Zeitschriften „Orient und Okzident“ und „Konzepte“ vor, die sich der denkerischen Beziehung zwischen den beiden vertikalen Hemisphären verschreiben. +++ Alexander Wendt ist depressiv und Wissenschaftsjournalist, der über seine Erkrankung ein Buch geschrieben hat, auf das die FAZ hinweist. +++ Recht unentschieden rezensiert die FAZ Harry G. Frankfurts Buch „Ungleichheit“, das sich auf ein rein ökonomisches Verständnis des Begriffs und ein „Genug reicht.“ kapriziert, wie der Untertitel „Warum wir nicht alle gleich viel haben müssen“ verrät. +++ Auch die Jüdische Allgemeine bespricht Carlos Fraenkels Buch „Mit Platon in Palästina. Vom Nutzen der Philosophie in einer zerrissenen Welt“, findet den Ansatz sympathisch, aber auch idealistisch. +++ Neues aus Walden: Der Humanistische Pressedienst rezensiert den ersten von Thoreaus zwölf Tagebuchbänden, der Vögeln große Aufmerksamkeit schenkt. Nicht, was Sie jetzt wieder denken! „Die Wachholderdrossel ist ein modernerer Philosoph als Platon oder Aristoteles.“ +++ Ein Wiener Verlag legt Graham Greenes „Der dritte Mann“ neu auf, wie der Standard meldet. Warum die Hauptfigur Harry Lime ein ziemliches Schloch ist, erklärt Wolfgang Schröder im aktuellen Lichtwolf, den es seit dieser Woche übrigens auch als E-Book für Kindle und im epub-Format gibt.


Links der Woche am 05.12.2015, 14:01 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 49/15

Der verunsichernde Teil der Antwort

Nach den Anschlägen von Paris schien die französische Stadt ebenso wie Brüssel im Belagerungs- oder Ausnahmezustand zu sein. Dass dieser dem Sicherheitsapparat nicht unbequem ist, nimmt Harald Staun zum Anlass für die Warnung, Polizei und Geheimdienste könnten das Vertrauen in die freiheitliche Demokratie gefährden. (29.11.15)

Künstliche Kapuzineräffchen mit Exoskelett

Die FAZ unterhält sich mit dem KI-Entwickler Jürgen Schmidhuber, der nicht nur die körperliche Arbeit dem Roboter überlassen will, sondern auch Wissenschaft und Forschung. Dazu forscht er ausgiebig an selbstlernenden neuronalen Netzwerken und zeigt sich unbeeindruckt von den Aussichten, seine Spezies könne sich damit selbst marginalisieren. (01.12.15)

Et cetera:

Die NZZ berichtet von einer Bochumer Tagung über experimentelle Philosophie, die zurück zum erhellenden Gedankenexperiment als Empirie will und deren Logo ein brennender Lehnstuhl ist. +++ Die Deutsche Welle hat Migranten und Geflüchtete nach ihren liebsten Worten auf Deutsch gefragt, Hannes Klug und Michael Angele stellen im Freitag das Ergebnis vor: „ebenso klangvolles wie melancholisches Wörterbuch“. +++ Hätte der Sozialismus das iPad hervorbringen können?, fragt Zoe Williams im Freitag und beschäftigt sich mit der neoliberalen Überzeugung, nur giergetriebene Privatwirtschaft sei innovationsfähig. +++ Die NZZ bespricht den nun auch auf Deutsch vorliegenden Briefwechsel zwischen Descartes und Elisabeth von der Pfalz über Vernunft, Gefühl die politisch-religiösen Verhältnisse des 17. Jahrhunderts. +++ Die taz rezensiert Steffen Martus’ Buch über den politischen Hintergrund, vor dem im Deutschland des 18. Jahrhundert sich die Aufklärung entwickelte. +++ Björn Höcke, Deutschland-Aficionado der AfD, hat sich auf Heidegger berufen. Daniel-Pascal Zorn erklärt bei Hohe Luft, dass Höcke den von ihm bildungshuberisch herangezogenen Begriff der Seinsvergessenheit offensichtlich nicht kapiert hat. +++ Hannah Arendt ist wieder angesagt, weshalb Micha Brumlik in der taz auf zwei passende Neuerscheinungen - eine „Denkbiographie“ und einen Gedichtband - hinweist.


Links der Woche am 17.10.2015, 14:15 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 42/15

Skynet weiß, was du nächsten Sommer tun wirst

Bei Telepolis unterhält sich Marcus Klöckner mit Kai Schlieter über die Gefährdung der Demokratie durch Künstliche Intelligenz: Wenn selbstlernende Systeme gestützt auf Big Data ihre eigenen Modelle entwickeln, die von Menschen nicht mehr zu verstehen, aber Grundlage unseres Alltags sind, ist es mit dem autonomen Subjekt wohl vorbei. (12.10.15)

Das Feuer und die Asche

Vor einigen Wochen beklagte Manfred Frank in der FAZ die Lage der Kontinentalphilosophie. Nun antwortet ihm der analytische Philosoph Tobias Rosefeldt, dass die Philosophie sich ausdifferenziert und vom bloßen Interpretieren der Klassiker gelöst habe. (14.10.15)

Überschussproduktion innen wie außen

Der Freitag bringt ein Interview von Katja Kullmann mit der Wirtschaftssoziologin Saskia Sassen anlässlich ihres neuen Buchs über die neoliberale Ausgrenzungslogik: Mit Grenzzäunen und Austerität reagiert die wohlhabende Welt auf die Probleme, die sie mit ihren wesenhaften „räuberischen Formationen“ auch im Inneren verursacht. (16.10.15)

Neue Bücher:

Hans Magnus Enzensberger hat einen lustigen Bildungsroman über das Geld geschrieben, der laut FR den „Mehrwert eines Poesiealbums des Kapitalismus“ enthält. +++ Ernst Troeltsch war der große politische Kommentator der Weimarer Republik und die NZZ stellt ihn anhand der Edition seiner Briefe vor. +++ Der Freitag rezensiert das Buch, in dem Herfried Münkler die „Evolution der Gewalt im 20. und 21. Jahrhundert“ (Untertitel) und die Nachwirkungen des Ersten Weltkriegs bis in die Bilderkriege unseres postheroischen Zeitalters beschreibt. +++ Der Freitag stellt die politischen Essays vor, in denen Nina Power Kollektiv, Subjekt, Freiheit, Gerechtigkeit und Gleichheit in einem zeitgenössischen Marxismus denken will.

Politisches Denken:

Anlässlich der Verleihung des deutschen Friedenspreises an Navid Kermani würdigt Jürgen Nielsen-Sikora selbnämlichen bei Glanz & Elend als einen zutiefst europäischen Denker und Dichter; ein ähnliches Portrait aus gleicher Feder finden Sie übrigens auch in Lichtwolf Nr. 42. +++ Die FAZ berichtet, wie Google sich nun auch für Regierungsarbeit anbietet und dafür mit Daten aus Smart Cities bezahlen lässt. +++ Die FAZ schreibt auch über die Studie von Lionel Prouteau und Boguslawa Sardinha, die EU-weit der Frage nachgingen, ob die Säkularisierung zum Rückgang freiwilligen Engagements führt. +++ Thomas Borchert berichtet für die FR aus der Freistadt Christiania: Die Alternativ-Kommune in Kopenhagen droht zur Touristenattraktion zu verkommen und zwischen Drogenhändlern und Öko-Starköchen aufgerieben zu werden; mehr zum Kommunenwesen in Lichtwolf Nr. 48 („Häuser“), gell. +++ Im Nahen Osten herrscht in diesen Tag mal wieder die Logik der Rache. Die Schriftstellerin Zeruya Shalev schreibt in der FAZ über die Bedeutung von Zorn und Schmerz im Judentum.


Links der Woche am 29.08.2015, 14:29 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 35/15

Palaver übers Einzelne

Michael Pauen hat mit Harald Welzer ein Buch über Autonomie und Konformität geschrieben und unterhält sich auf Telepolis mit Manuel Schumann just darüber sowie über die Ableitungen wie Datenschutz und die nötigen Abgrenzungen zu Narzissmus, Chaos und digitalem Mobwesen. (23.08.15)

Nietzsche gefällt das (nicht mehr)

Antisemitische Wagnerianer werden von JHWE bestraft, indem sie nach jahrzehntelanger Warterei auf Tickets für die Bayreuther Festspiele ebendort neben dem fülligen, schnaufenden Peter Sloterdijk platziert werden. Der lässt sich in der ZEIT wiederum ausführlich und unnachahmlich über seinen Trip zum grünen Hügel aus. (25.08.15)

Menschheit aus Unruhe und Zwietracht

Hans Magnus Enzensberger hat es schon immer gewusst, schreibt Martin Meyer in der NZZ und empfiehlt daher die hellsichtigen Essays des HME zur Relektüre, für die sich die ergänzte Neuauflage seiner jahrzehntealten Essays über Migration, den molekularen Bürgerkrieg in Europas Städten und Gotteskrieger bestens eignet. (29.08.15)

Flucht und Fremdenfeindlichkeit

Michael Jäger empfiehlt im Freitag, in Dresden schleunigst Aischylos’ Tragödie „Die Schutzflehenden“ aufzuführen. In der taz beobachtet Georg Seeßlen die Rückkehr des hässlichen Deutschen, der von Demokratie, Aufklärung und Humanismus nichts mehr wissen will, wenn das Agambensche Dispositiv lockt. Die NZZ bespricht Achille Mbembes nun auch auf Deutsch vorliegende „Kritik der schwarzen Vernunft“, die den Residuen von Sklaverei, Kolonisierung und Apartheid im eurozentrischen Denken nachspürt.

Die Maschine denkt mit

Kürzlich hatten wir es schon einmal mit den juristischen und ethischen Herausforderungen, die eine zunehmend autonome Technologie u.a. im Straßenverkehr mit sich bringt. Hans-Arthur Marsiske fasst sie bei Telepolis zusammen, stellt einige Maschinenethiker sowie das Trolley-Problem und den guten alten Isaac Asimow als Ratgeber vor. In der NZZ befasst sich auch Eduard Kaeser mit denkenden Maschinen und der Berechnung von Phi, also dem Grad ihres Bewusstseins. Die Maschinen steuern unsere Autos, pflegen unsere Lieben und lösen unsere logisch-mathematischen Probleme, wie Markus Pössel in den Scilogs über automatisierte Beweisverfahren schreibt und dabei nicht außer acht lässt, dass sie auch von Experten kaum noch zu verstehen sind.

Außerdemos von Sonstnochos

Die SZ bespricht den jüngsten Essay von Byung-Chul Han, in dem dieser dem Schönen das disruptive Element jenseits von Gefälltmirbarkeit zurückgeben möchte. +++ Nebenan bei Glanz & Elend würdigt Wolfram Schütte zum 90. Geburtstag den Kulturpolitiker Hilmar Hoffmann, der - wie der jüngst verstorbene Egon Bahr - halt noch Sozialdemokrat im Wortsinn war. +++ Die NZZ stellt uns die Streitschrift vor, in der Rudolf Langthaler (u.a. mit Kant Thomas Nagel) den Naturalismus des Atheismuspapstes Richard Dawkins auseinandernimmt. +++ Unterwegs sein: Fast schon im Ton eines guten, vertrauenswürdigen Heidegger geht, denkt und schreibt Georg Seeßlen dem Pfad nach. (Nachdenken, nie folgen!)


Links der Woche am 08.08.2015, 14:16 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 32/15

Mit Irritation fängt alles an

Marion Detjen erklärt in der ZEIT, dass das Geschlecht genauso wie Nation, Volk, Geschichte, Gesellschaft einerseits objektive Grundlage hat und andererseits doch sozial konstruiert ist. Für Geisteswissenschaftler_innen sollte das keineswegs abstrus sein, weshalb Detjen deren mangelnde Solidarität gegenüber den Gender Studies verwunderlich und gefährlich findet. (07.08.2015)

Kim Kardashian besiegt Kant

Für ZEIT Campus unterhält sich Esther Göbel mit der Philosophin Susan Neiman übers Erwachsenwerden in einer Gesellschaft, die Frühvergreisung und Jugendwahn prima unter einen Hut kriegt. Wir lassen uns vom Ernst des Lebens und vom Selberdenken allzu gern ablenken, anstatt die Welt zu gestalten.

Autonome Auto-Wochen...

...in der FAZ, wo man sich geisteswissenschaftlich mit selbstbestimmenden Selbstfahrenden, also autonomen Automobilen beschäftigt. Rolf Schwartmann denkt darüber nach, was es für Würde, Freiheit und Verantwortung des Fahrers heißt, dem Gefährt Entscheidungen zu überlassen: Die KI könnte Opfer ohne rechtseigentliche Täter schaffen. Thomas Thiel berichtet, dass die Informatiker sich längst mit ethischen und juristischen Fragen beschäftigen, um programmierte Bonzenschüsseln im Ernstfall entscheiden zu lassen, wer überfahren und wem ausgewichen wird.


Links der Woche am 18.07.2015, 14:25 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 29/15

Ewiges Leben bis zum Stromausfall

Der Papst des Transhumanismus, Ray Kurzweil, sagt die technische Überwindung unserer Beschränktheiten in den nächsten Jahrzehnten voraus. Carolin Wiedemann beschäftigt sich in der FAZ mit der transhumanistischen Szene, ihren philosophischen Grundlagen sowie den Bedenken und Hoffnungen. (12.07.15)

Universitas in der Nische

Es gibt sie noch, die guten Dinge: Die FAZ portraitiert das Leibniz Kolleg in Tübingen, wo ohne Creditpoints gemeinsam unter einem Dach gelernt und gewohnt wird. Vom Reformeifer blieb das Kolleg bislang verschont, von Finanznöten allerdings nicht. (17.07.15)

Was ist der/die Mensch_in?

Catherine Newmark fragt sich in der ZEIT, was der Feminismus falsch gemacht habe, dass dermaßen geifernd wider den Gender-Fundamentalismus gehetzt wird. Bei Telepolis schildert Selma Mahlknecht anschaulich die Heterokalpyse, die uns allen droht.

Unn sünst?

Anhängsel der Maschine: Anlässlich des neuen Terminator-Films unterhält sich die SZ mit KI-Forscher Rolf Pfeifer darüber, was wir von den Maschinen zu befürchten (oder zu erhoffen) haben. +++ Die NZZ zeigt sich fasziniert von zwei Neuerscheinungen, die mit und gegen Heidegger über Nutzen und Nachteil des ewigen Lebens nachdenken. +++ Die Website The Taste of Cinema versammelt die zehn besten Film, die auf Heideggers „Sein und Zeit“ basieren - darunter manch eine Überraschung. +++ Die WELT lässt mäßig witzig Humboldt, Heidegger, Hegel, Marx und Freud über das Internet diskutieren, d.h. prägnante Stichworte unverbunden und ungenau herunterrattern. +++ Die NZZ erinnert an ihre ersten „Redaktoren“ Peter Philipp Wolf und Franz Xaver Bronner, die vor fast einem Vierteljahrtausend Zürich mit aufklärerischem Witz aufmischten.


Links der Woche am 25.04.2015, 14:17 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 17/15

Der Aufstand, der kam

2007 formulierte das Unsichtbare Komitee seine Thesen zum kommenden Aufstand, dann kam die Finanzkrise und jetzt zieht das anarchokommunistische Autorenkollektiv Bilanz, wie Florian Schmid im Freitag schreibt. Demnach hätten viele kleine Aufstände sich durch Kommunikation, Dezentralisierung und Solidarität ausgezeichnet, gleichwohl sei die große Revolution an ebenso vielfältigen Formen der Aufstandsbekämpfung gescheitert. (20.04.15)

Denken ohne Denker?

Ein vielleicht letztes Mal zu Heidegger, dessen Freiburger Lehrstuhl z.Zt. noch von Günter Figal besetzt ist, der in der NZZ schreibt, mit Abscheu und Beklemmung den kürzlich veröffentlichen Band der Gesamtausgabe gelesen zu haben, worin sich Heidegger als durch und durch eitler Altnazi zeigt. Bleibt die Frage: „Lassen sich die Gedanken von der Person des Denkers überhaupt trennen?“ (22.04.15)

Cyberwochen bei der ZEIT

Anlässlich von Alex Garlands Film „Ex Machina“ macht sich die ZEIT Gedanken über lebendige Technik. Theresia Enzensberger beschäftigt sich 30 Jahre nach Donna Haraways wegweisendem Aufsatz damit, warum weibliche Cyborgs in der Science Fiction durchweg sexualisiert daherkommen. Auf den aktuellen Forschungsstand in Sachen Künstlicher Intelligenz blickt Christoph Drösser und meint, dass Deep Learning der Schlüssel zum Erfolg ist - aber halt doch keine Cyborgs mit Geschlechtsteilen hervorbringen wird.

Bio- und Mathe-Interviews

Die ZEIT unterhält sich mit dem Biologen und Philosophen Andreas Weber darüber, was es heißt, lebendig zu sein und warum die sogenannten Lebenswissenschaften davon nichts wissen wollen. Mathematikprofessor Albrecht Beutelspacher gibt im FAZ-Gespräch einige Anregungen, wie seiner Disziplin im Schulunterricht der Ruch des Angstfachs genommen werden kann.

Bücher, Bücher, Bücher usw.

Die NZZ bespricht das Buch der Philosophin Susan Neiman, die der vom Konsumismus infantilisierten Gesellschaft mit Stoa, Kant und Rousseau das Erwachsenwerden lehren will. +++ Aus dem Göttinger Institut für Demokratieforschung kommt eine differenzierte, auf Interviews gestützte Analyse der PEGIDA-Bewegung, die im Freitag vorgestellt wird. +++ Andreas Wolf bespricht bei Glanz & Elend das neue Buch von Klaus Theweleit, das im Vernichtungslachen die Gemeinsamkeit von Breivik und den Mördern der SS sieht. +++ Die ZEIT rezensiert das Buch des Kulturhistorikers Peter Burke, der darin die Explosion des Wissens seit der Neuzeit plastisch nachzeichnet. +++ Das Anthropozän zeichnet sich durch ein menschgemachtes Massensterben aus, so die These von Elizabeth Kolberts Buch „Das sechste Sterben“, das in der WELT besprochen wird - ausnahmsweise mal ohne Rücksicht auf den BDI. +++ Apropos Biologie: Jürgen Kaube schreibt über die Folgen einer Polemik, die der Konstanzer Biologe Axel Meyer kürzlich in der FAZ wider seine faulen und betrügerischen Studenten gehalten hat.


Links der Woche am 14.03.2015, 14:20 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 11/15

Wider den Pathos der Freiheit

Im Standard veröffentlicht Bert Rebhandl einen Essay darüber, wie Gerechtigkeit nur mittels Perspektivwechsel hergestellt werden kann: An konkreten Fragen der Verteilungsgerechtigkeit exerziert er Begriffe wie Rawls’ „Schleier des Nichtwissens“ oder Sedmaks „Geburtslotterie“ durch. (14.03.15)

...zwischen Erklären und Verstehen

Mit dem wüsten Durcheinander von Meinungen und Standpunkten setzt sich Klaus Lüderssen in der FR auseinander. Dabei nimmt er Karl Jaspers’ „Psychologie der Weltanschauungen“ zur Hilfe, um zu ergründen, woher unsere Urteile und Wirklichkeiten kommen und welche Rolle dabei Mythen und Erzählungen spielen - nicht nur bei PEGIDA. (11.03.15)

Nichts außer Revolution oder Eskapismus

Der Literaturwissenschaftler Joseph Vogl hat mit „Der Souveränitätseffekt“ eine Geschichte des Finanzmarkts geschrieben. Demnach seien die Zentralbanken Quell des neoliberalen Ungeists, der sich die Demokratie nur noch als Fassade gefallen lässt. Die FAZ bespricht das Buch skeptisch, aber interessiert. (11.03.15)

Et cetera:

Auch der Freitag befasst sich eingehend, nämlich in einem Interview mit Vogls Thesen zu Finanzmarkt und Griechenlandpolitik. +++ Der Freitag-Leser Ernstchen beschäftigt sich in einem Nutzerbeitrag mit Künstlicher Intelligenz aus dem Schoß der destruktiven Intelligenz. +++ Die Uni Freiburg nimmt Stellung zu den Gerüchten um die Abschaffung des Heidegger-Lehrstuhls: „Husserl und Heidegger bleiben in Freiburg“. +++ Aram Lintzel bedauert in seiner taz-Kolumne, dass Vernunftkritik nicht mehr nur emanzipatorisch, sondern längst auch sehr rechts sein kann. +++ In der FAZ-Serie „Die Weltverbesserer“ würdigt Otfried Höffe Kant als Pionier von Eigentums- und Handelsgeist. +++ Die FR stellt Jan Assmanns neues Buch über die Entstehung des Monotheismus als Monument vor, an dem keiner vorbeikommt. +++ Die NZZ bespricht die Medientheorie des Bibliothekars Uwe Jochum, der kulturkritisch zwischen Wandmedien, Handmedien, Digitalia unterscheidet. +++ Dietmar Dath erklärt den Kindern in der FAZ, wie man Schriftsteller wird.


Links der Woche am 13.09.2014, 14:25 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 37/14

Stumm lärmendes Zeitalter

Niels Boeing und Andreas Lebert von der ZEIT haben es geschafft, den scheuen und beschäftigten Byung-Chul Han in ein Interview zu verwickeln. Darin gibt er Auskunft über das Schöne als das Glatte, über den Zwang als gefühlte Freiheit und das erschwerte und ausgebeutete Glück, das es zurückzuweisen gilt.

Prekariat im Mittelbau

Roland Preuß berichtet für die SZ am Beispiel eines promovierten Historikers vom Schicksal des wissenschaftlichen Nachwuchses, das von Zeitverträgen, Arbeitslosengeld und Existenzängsten geprägt ist. Die Verantwortlichen an der Universität verweisen auf die Politik und diese auf den Wettbewerbsdruck. (09.09.14)

Unn sünst?

Georg Seeßlen war wieder sehr fleißig: Er denkt mit Ibn Rushd und Levi ben Gershon über das Verhältnis von Religion, Macht und Terror nach sowie a.a.O. über das verhinderte tatsächlich Neue und über die vielfältigen Beziehungen und Analogien von Sprache und Gesellschaft. +++ Die ZEIT portraitiert die Informatikerin Yvonne Hofstetter, die fordert, Künstliche Intelligenz politisch zu reglementieren, solange dafür noch Gelegenheit ist. +++ Die NZZ bespricht das neue Buch des Theologen Friedrich Wilhelm Graf über Religionen in der Globalisierung. +++ Telepolis berichtet vom Briefwechsel von Einstein mit der Philosophin Ilse Rosenthal-Schneider über die Natur der Naturkonstanten. +++ Die Sendung „Sein und Streit“ im Deutschlandradio Kultur beschäftigte sich diese Woche mit dem Krieg und (seiner) Sprache. Unter anderem darum geht es auch in der neuen Lichtwolf-Ausgabe zum Thema „Mars“, die in einer Woche die Briefkästen der werten Abonnenten erreicht.


Links der Woche am 25.06.2011, 14:25 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 25/11

Robophilosopher

Im Freitag schaut Boris Hänßler mit Blade Runner und Ray Kurzweil nach, wie weit wir auf dem Weg zu lernender und fühlender Künstlicher Intelligenz sind und ab wann wir uns das Smartphone endlich direkt ins Stammhirn stecken können. Besonders ehrgeizig sind natürlich die Forscher, die Moral computerisieren wollen. (20.06.11)

Sie reden - und wie!

Alexander Kluge unterhält sich in der FR mit dem Politologen Claus Leggewie über die Ähnlichkeit von Politik und Schriftstellerei, über fehlende Leidenschaft, "Arabellion" und - wie bei den Herren üblich - über den ganzen Rest auch noch. (25.06.11)

Plagiatsfälle

Anfang März wurde die Debatte um den Plagiatsfall Guttenberg und seine Folgen recht abrupt durch Fukushima beendet. Gegessen war das Thema aber nicht, und so kehrt es in den Diskurs zurück, nachdem letzte Woche der EU-Politikerin Silvana Koch-Mehrin (FDP) ihr Doktortitel ebenfalls wegen Plagiaterie aberkannt wurde.

Besonders schön ist dieser Fall, weil Koch-Mehrin zwar ihre Spitzenämter aufgab, sich nun jedoch in den EU-Forschungssausschuss wählen ließ. Das kann man lustig finden wie die Opposition im EU-Parlament, oder empörend, wie es die bloggenden Wissenschaftler tun: Der Physiker Joachim Schulz und der Sprachwissenschaftler Anatol Stefanowitsch erklären noch einmal, was es mit wissenschaftlichem und politischem Anstand auf sich hat und fordern Koch-Mehrins kompletten Abgang (wie tags drauf geschehen). Elmar Diederichs argumentiert systematisch und stößt dabei bis in die Sphäre politischer Philosophie vor, die durchaus gefragt ist, wenn eine wissenschaftliche Hochstaplerin einem demokratischen Organ zur Forschungsförderung vorsitzt.

Oder man geht ganz anders ans Plagiieren ran, wie der Politikwissenschaftler Jörg Becker in der FAZ: Er freut sich zunächst über die Anerkennung, die Georgios Chatzimarkakis, ebenfalls FDP, ihm erbrachte, indem er in seiner Doktorarbeit von Becker abschrieb. Nach einem Exkurs darüber, was die Abschreiberei mit liberalen Werten zu tun haben soll bzw. über sie aussagt, ist die Freude schal geworden: Als wäre das Plagiieren nicht schon schlimm genug, Chatzimarkakis hat Beckers Thesen völlig aus dem Zusammenhang gerissen.

Das kreative Prekariat

Die Journalistin Katja Kullmann hat einen Lebenslauf voller toller Referenzen und ist dennoch bei Hartz IV gelandet. Also hat sie ein Buch geschrieben ("Echtleben"), das die Großmedien zum Anlass der Frage nehmen, ob sich Fleiß und Bildung überhaupt noch lohnen (FAZ).

Don Alphonso hat in den FAZ-Blogs wenig Mitgefühl mit den jungen Kreativen, die sich einst als new masters of the universe feierten und nun die Ernte ihrer Dynamik-Predigten einfahren. Die ZEIT unterhält sich mit Kullmann über ihren Absturz Ausflug ins Prekariat und stellt außerdem weitere Bücher zum Thema vor. Hier sind es besonders die schönen Kommentare der ZEIT-Leserschaft ("Selber schuld, geht halt arbeiten!"), die wir unserer Leserschaft zur Ermutigung und zum Stählen des Trotz-Reflexes anempfehlen.


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