Einige Funktionen dieser Website setzen die Speicherung von Cookies auf Ihrem Rechner voraus. Darüber hinaus verwenden wir Cookies von Google, um Anzeigen zu personalisieren und die Zugriffe auf unsere Website zu analysieren. Mehr erfahren Sie in den Datenschutzbestimmungen des catware.net Verlags.

Ok, einverstanden!

lichtwolf.de / Monatsbuch / Finden

Monatsbuch

Suche ausgeführt.

Mit dem Stichwort "Hans Ulrich Gumbrecht" sind die folgenden Artikel markiert:


Links der Woche am 28.01.2017, 15:05 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 04/17

Der Wolf ist dem Menschen ein Vorbild

Die Überheblichkeit des Menschen, sich für die Krone der Schöpfung zu halten, ließ ihn fest daran glauben, den Wolf zum Hund domestiziert zu haben, schreibt Florian Schwinn in seinem Buch, aus dem ein Auszug bei Telepolis zu lesen ist. Allerdings spricht einiges dafür, dass sich die frühen Menschen evolutionär an den Wolf angepasst haben. (22.01.17)

Der Geist der Leere

Politische Narrative waren immer solche von Arbeit und Mangel. In den saturierten Demokratien des Westens aber herrscht ein Überfluss, der keinen Sinn mehr ermöglicht - für die Abgehängten, die bei rechtspopulistischen Erzählungen Zuflucht suchen, eh nicht. Fritz Breithaupt und Martin Kolmar raten in der NZZ, sich bei den Narrativen der Religionen zu bedienen. (23.01.17)

Menschen, so unbequem wie das Gewissen

Der in der Schweiz lebende russische Schriftsteller Michail Schischkin erinnert an die 1968 im Ostblock niedergeschlagene Opposition, deren später Sieg sich als Illusion entpuppte. Dissidenten mussten sich zu allen Zeiten gegen staatliche Repression behaupten und dagegen, von der Mehrheit als Verräter und Spinner betrachtet zu werden. (27.01.17)

Aus der Gefahr seinen Beruf machen

Hans Ulrich Gumbrecht schreibt in seinem FAZ-Blog über den Nietzsche-Band, der den Weg in seine Bibliothek aus der Hermann Görings fand. Der dicke Obernazi unterstrich darin fleißig den Begriff „Übermensch“, den Gumbrecht allerdings in Verbindung mit Nietzsches Zusammenbruch in Turin und Zarathustras Seiltänzer bringt - und damit effektiv zu entnazifizieren versucht. (28.01.17)

Bücher, Bücher, Bücher

Die FR bespricht Jan Assmanns jüngste Auseinandersetzung mit Monotheismen und ihrer Gewaltneigung, bei der er u.a. Carl Schmitts Theorie des Politischen heranzieht. +++ Außerdem in der FR: Eine kurze Rezension der „Geschichte des politischen Denkens“ von Otfried Höffe. +++ Aus Anlass seines neuen Buchs „Was für Lebewesen sind wir?“ wird in der taz Noam Chomskys Bedeutung als letzter Linksintellektueller der USA betont. +++ Der Freitag stellt Domenico Losurdos Untersuchung des Konzepts des Klassenkampfs vor, in dem allzu oft ein unterkomplexer Linkspopulismus die eigentlichen Kämpfe um „Anerkennung“ verstellt.

Weiteres zum Trumpismus...

Bereits letzte Woche sind einige Artikel erschienen, die aus Trumps Sprachstil auf seine Denkungsart zu schließen versuchten. Adam Soboczynski konzediert diese Woche in der ZEIT, dass der neue US-Präsi in der Tat überhaupt nicht wie ein Politiker spricht, sondern wie ein stil-, disziplin- und schamloses Großmaul, das die Effekthascherei faschistischer Rhetorik für sich entdeckt hat. Die FAZ wiederum berichtet von einem geistreichen Vortrag des Kunsthistorikers W.J.T. Mitchell über die „amerikanische Psychose“. In der taz schließlich erklärt der Leipziger Politologe Robert Feustel, der das „Wörterbuch des besorgten Bürgers“ mit herausgegeben hat, wie rechtspopulistische Sprache auf den Diskurs einwirkt.

Außerdemos von Sonstnochos:

Die erste Woche von Trumps US-Präsidentschaft war von allerhand „umstrittenen“ Erlassen geprägt, unter denen die angekündigte Einstellung der Förderung der Geisteswissenschaften ein marginaler (aber politisch konsequenter) ist. +++ Im Uniblog der FAZ überlegt Adrian Schulz, was die Verwendung von „Proseminar“ als Schimpfwort der gebildeten Stände mit der marktkonformen Universität zu tun haben könnte - und setzt sich mal in eines hinein. +++ Wo er schon unterwegs war, hat sich Schulz in der Woche darauf auch einen Science Slam angeguckt - ein hippes Format, das bloß „auf Krach und Bumm und Darm mit Charme ausgelegt“ ist. +++ Der Tagesspiegel stellt eine nicht ganz unbefangene Studie vor, die das Sozialistische Patientenkollektiv (SPK) jenseits von linkem Freaktum und „Kaderschmiede der RAF“ darstellt; hoffentlich ist das liebe SPK auch dieses Jahr wieder bei der Mainzer Minipressen-Messe vom 29. Juni bis 2. Juli 2017 dabei!


Links der Woche am 13.08.2016, 14:23 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 33/16

Es ist fünf vor zwölf

Andreas Wirsching, Direktor des Instituts für Zeitgeschichte, schreibt in der SZ einen Essay als Warnruf: Nicht nur im europäischen Südosten ist die Demokratie gefährdet, sondern auch hierzulande. Terrorismus und Fremdenhass einerseits, konkurrierende Extremismen andererseits nehmen die politische Kultur der Menschenrechte in die Zange.

Die Linken und die Religion

Linkssein heißt mindestens religionsskpetisch zu sein, schreibt Michael Jäger im Freitag. Linke sind hin und hergerissen zwischen Solidarität mit Flüchtlingen und einer Reserviertheit gegenüber dem Islam. Jäger blickt dazu in die linke Ideengeschichte seit Marx zurück, die stets eine des Streits um das Verhältnis zur Religion im Kapitalismus und zum Kapitalismus als Religion war. (10.08.16)

Auch eine Art von Antidiskriminierung...

WASP-Männchen haben es nicht leicht unter dem Diktat der politischen Korrektheit, wie René Scheu in der NZZ schreibt. Ein bunter Strauß an Diskriminierungs-Vorwurf werde inflationär gebraucht, obwohl die Gesellschaft egalitär wie nie sei. Grund sei der ubiquitäre Narzissmus infantil-staatsgläubiger Egos, die sich andauernd verletzt fühlen. (12.08.16)

Trash wählt Trump?

Hans Ulrich Gumbrecht fragt von seinem FAZ-Blog aus nach dem revolutionären Potential, das im Trump-wählenden White Trash stecken mag. Dazu schaut er zunächst mal bei Marx, Bakunin und Fanon nach dem Lumpenproletariat. Mit einer ähnlichen Fragestellung, aber klügeren Ergebnissen hat Nils Markwardt für den Freitag neue Bücher von Didier Eribon und Daniele Giglioli gelesen, die der Linken einiges ins Stammbuch schreiben, um sich nicht vom Rechtspopulismus abhängen zu lassen.

Unn sünst?

Die ZEIT ist ganz fasziniert von dem Buch, in dem Roberto Calasso den abendländischen Menschen mit Fremdheit, Transzendenz und Metaphysik der vedischen Mythen konfrontiert. +++ Vor 25 Jahren ging die erste Website online - die taz gratuliert dem WWW zur Quarterlifecrisis. +++ In der NZZ zeigt sich Alain Claude Sulzer skeptisch, ob Intellektuelle immer die klügeren Kommentatoren sind, und lehnt darum deren Pflicht, sich einzumischen, ab.


Links der Woche am 16.01.2016, 15:05 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 03/16

Zeitreise mit der ZEIT

Nazischläger marodieren durch die Städte, politische Gegnerinnen werden bedroht, Schwimmbäder erteilen einer Bevölkerungsgruppe Zutrittsverbot, „Mein Kampf“ findet reißenden Absatz, die Schweiz knüpft Flüchtlingen an der Grenze Wertsachen ab - da macht die ZEIT doch lieber eine Zeitreise in die Zukunft und fragt einige Künstler_innen und Intellektuelle nach Deutschland anno 2036. (13.01.16)

Philosophie als Polyamorie

Die FAZ nimmt die Debatte um den vielleicht nur behaupteten Gegensatz zwischen analytischer und kontinentaler Denktradition wieder auf. Für Charles Taylor besteht er im Anspruch einer reinen Philosophie einerseits, die steril zu werden droht, und einem Denken, das keine Berührungsängste vor anderen Disziplinen hat. (16.01.16)

Mit Marx zur Charity-Gala

Hans Ulrich Gumbrecht hat in Stanford ein Doktoranden-Seminar darüber abgehalten, was vom Marxismus bleibt, und berichtet in seinem FAZ-Blog vom regen Interesse der Teilnehmer an wirtschaftlicher Gleichheit als ethischem Prinzip, um sich sogleich über Neid und Großzügigkeit auszulassen. (16.01.16)

16 days later

Ganz langsam legt sich der Pulverdampf nach der Kölner Silvesternacht. Die FR unterhält sich mit dem unvermeidlichen Richard David Precht übers Marokkanerverfrachten, kurzsichtige Politik und den Beitrag der Medien zum „Kippen der Stimmung“ im Land. Zum Ausgleich gibt es ebenda auch ein Interview mit dem Gewaltforscher Wilhelm Heitmeyer über Tätermassen, Aggression aus Hoffnungslosigkeit und politisches Parolentum. Und ansonsten sollte man zum Thema #koelnhbf (oder #ausnahmslos) vorrangig Leute fragen, die sich damit auskennen: Im Freitag plädiert Teresa Bücker dafür, die Debatte um sexualisierte Gewalt vor den Frauenrechtsextremisten zu schützen, und schildert persönliche Gewalterfahrungen, wie sie jenseits von Silvester schändlicher Alltag hierzulande sind. Bundesrichter Thomas Fischer zu guter Letzt liest in seiner ZEIT-Kolumne dem Bundesjustizminister, der CSU und anderen demonstrativen Härtefreunden die verfassungsrechtlichen Leviten zum Thema Köln, Zuwanderer und Gewalt gegen Frauen.

Außerdemchen:

Kürzlich ward hier ja bereits auf die Philosophie-Einführung der ZEIT hingewiesen, die Materialien und Anregungen für den Ethik-Unterricht oder nur so gibt. Auch das Schweizer Radio und Fernsehen hat sowas: Filosofix mit schick illustrierten Gedankenexperimenten und allem. +++ Die FAZ meldet, wie der Würzburger Hans Ulrich Gumbrecht (siehe oben) seine Heimatstadt auf die Idee brachte, Kants Hausdiener Lampe ein Denkmal zu widmen. +++ Die NZZ bespricht den jüngsten Band der Max-Weber-Gesamtausgabe mit den Briefen von 1895–1902, in denen es um Webers Probleme mit der Gesundheit und mit polnischen Landarbeitern geht. +++ Der Standard berichtet von einem Wiener Theaterabend mit dem Robert Pfaller, der zwei Karl Marxe (Märxe?) als Talkshow-Gäste hat.


Links der Woche am 21.11.2015, 14:14 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 47/15

Mit Popper nach Paris

Für den Wirtschaftsteil der FAZ hat Rainer Hank noch einmal Karl Poppers „Die offene Gesellschaft und ihre Feinde“ hervorgekramt. Hier ist zu lernen, dass die Barbarei nie endgültig von der Aufklärung besiegt, sondern gar eher angelockt wird. Trotzdem lohnt es ohne Sinn, ohne Utopie oder Gott für Demokratie und Recht zu kämpfen. (17.11.15)

Ratlosigkeit triumpiert über Geschichte

Auch Hans Ulrich Gumbrecht überlegt in seinem FAZ-Blog, was nach den Pariser Anschlägen noch mit Geschichte und Erinnerung anzufangen ist. Statt zu Popper greift er zu Karl Löwith. Ihm zufolge ist die christliche Geschichtsphilosophie durch die Schrecken von WKII widerlegt worden - und dass Löwiths Schrift vergessen bzw. verdrängt wurde, findet Gumbrecht bezeichnend. (21.11.15)

Unn sünst?

Zum Welttag der Philosophie unterhält sich Korbinian Frenzel für Deutschlandradio Kultur mit Stefan Gosepath über Philosophie in der Öffentlichkeit. +++ Die WELT berichtet über eine Kant-Studie von Steffen Martus, die den Königsberger bloß als den besten Werbetexter des damaligen Aufklärungsdiskurses charakterisiert; wie ja auch Hegel - oha! - kein glühender Demokrat war. +++ Apropos: Die taz weist ausführlich auf ein neues, knapp 3.000-seitiges Kant-Lexikon hin, das auch als E-Book für nur ein paar hundert Euro zu haben ist. +++ Nils Markwardt erinnert im Freitag (mit Jaspers, Popper und Badiou im Gepäck) mit Blick auf die Anschläge in Paris und das folgende Kriegsgerede an die norwegischen Reaktionen nach dem Anschlag in Oslo und auf der Insel Utøya 2011. +++ Ein Vierteljahrhundert lang wird man, wie die FR meldet, in Köln über den muslimischen Gelehrten Averroes, dem wir u.a. Aristoteles und das spannende Verhältnis zwischen Philosophie und Offenbarung verdanken, forschen und edieren. +++ Der französische Philosoph Michel Serres hat laut taz ein Buch darüber geschrieben, wie Sprache und Philosophie (und alles überhaupt) aus der Musik entstehen.


Links der Woche am 03.01.2015, 14:23 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 01/15

Uneinstellbare Employability

Die Bologna-Reformen sollten einen „europäischen Hochschulraum“ und vor allem die employability der Studierenden herstellen. Joachim Nettelbeck zeichnet in der FAZ das 15 Jahre währende verheerende Scheitern der Reform an ihren Grundübeln nach und rät den Universitäten, sich auf sich selbst im 21. Jahrhundert zu besinnen. (29.12.15)

Das gitarrenförmige Universum

Falls Ihnen Quantenphysik nicht kompliziert genug ist, gibt es ja noch die Stringtheorie. Matthias Matting gibt bei Telepolis einen Einstieg in die aus reiner Mathematik geborene Erklärung, warum nicht alles auseinanderfliegt, mit hilfreichen Analogien und good vibrations. (02.01.15)

Wissen, wie man’s macht(e)

In der FR unterhält sich der gute Arno Widmann mit dem Wissenschaftshistoriker Jürgen Renn, warum seine Disziplin nicht nur dokumentieren, sondern auch Fortschritt inspirieren kann, warum Planung die Triebfeder aller Wissenschaft ist und welche Rolle Macht und Freiheit darin spiel(t)en. (02.01.15)

Von Leonidas zu Themistokles, von Dionysos zu Apoll

Bei Glanz & Elend beschäftigt sich Peter V. Brinkemper mit den historischen und ästhetischen Grundlagen von Frank Millers blutrünstigen Comic-Opern „300“, die Friedrich Nietzsche mit seiner Vorliebe für tragisches Griechentum und als Illustration seiner Kritik am Athenertum gefallen hätten. (02.01.15)

Außerdemos von Sonstnochos:

Der Soziologe der Risikogesellschaft Ulrich Beck ist gestorben. Schade. +++ Leute knipsen sich selbst sogar im Kino. Hans Ulrich Gumbrecht überlegt in seinem FAZ-Blog, was hinter der „laufenden elektronischen Erinnerungsproduktion“ mittels Selfies steckt. +++ In Sachen Feminismus gibt es in der ZEIT ein Interview mit der Literaturwissenschaftlerin Barbara Vinken über mögliche weibliche Vorbilder in der Literatur, die Lust und Erfolg gedeichselt kriegen. +++ Die FR stellt zwei neue Bücher über Religion, Gewalt und Gesellschaft vor, deren Verhältnis doch wohl mehrere Bände bedarf. +++ Büschen Wirtschaftsethik zum neuen Jahr: Ulrike Herrmann stellt in der taz noch einmal fest, dass Wirtschaft nicht aus Zahlen, sondern aus Ängsten und Hoffnungen besteht. In der ZEIT fragt Maike Brzoska einige Leute vom Fach, ob es unethisch ist, als Anleger auf schlechte Nachrichten zu hoffen und von Leid und Elend zu profitieren. +++ Recht hymnisch bespricht unser alter Freund Günter Figal in der NZZ Gunnar Hindrichs’ phänomenologische Ontologie der Musik. Ob der Festvortrag, den Hindrichs letztes Jahr zu Figals Geburtstag hielt, ebenso hymnisch war, ist online nicht rauszukriegen.


Links der Woche am 06.12.2014, 14:32 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 49/14

Das große Warum

Religionswissenschaftler Michael Blume beschäftigt sich bei den Scilogs anhand eines Katzenvideos mit der Theodizee-Frage und wie sie mit der Anthropodizee und der Fruchtbarkeit zusammenhängt. (29.11.14)

Die Wächter des verlogenen Schatzes

Eggert Blum kommt in der ZEIT noch einmal auf Heideggers Antisemitismus zu sprechen, der zu Beginn des Jahres mit der Edition der Schwarzen Hefte Schlagzeilen machte. Blum schildert (ziemlich spannend), wie Heidegger und seine Erben zum Schutz der Marke und des Familienunternehmens jede historisch-kritische Erforschung des Nachlasses verhindern. (29.11.14)

Die Aura ist out

Die Zeiten, als keine Hausarbeit ohne ein Walter-Benjamin-Zitat auskam, sind vorbei, berichtet Hans Ulrich Gumbrecht in der NZZ und blickt zurück auf Leben, Werk und Rezeptionsgeschichte des Kulturkritikers im Schatten Adornos, um dann zu mutmaßen, was von Benjamin nach dem Hype bleiben wird. (05.12.14)

Zwischenbefund zum 21. Jahrhundert

Das 21. Jahrhundert hat erst neulich angefangen - und schon wird an seiner kulturhistorischen Einordnung gearbeitet. Martin Meyer von der NZZ sieht das laufende Jahrhundert von enttäuschten demokratischen Hoffnungen, vielfältigen Ängsten und den Eigentümlichkeiten der Netzzivilisation bestimmt. (06.12.14)


Links der Woche am 08.11.2014, 14:34 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 45/14

Bro für die Welt

Der Philosophy Bro ist bekanntlich zurück und kümmert sich auch wieder um seine Mailbag. Daraus entnahm er letzte Woche eine Zuschrift und erklärt am Beispiel Wittgenstein, wie man sich auch als Laie in Philosophie einfuchsen kann und warum das Ähnlichkeiten mit einem Philosophie-Studium hat.

DDR und Derrida

Nils Markwardt unterhält sich im Freitag mit dem Philosophen und Verleger Peter Engelmann über sein Leben in der DDR und den Mauerfall. Außerdem erfahren wir etwas über die Knasterfahrung des von Engelmann verlegten Derrida und warum Slavoj Žižek oder Alain Badiou so beliebt sind. (07.11.14)

Die untoten Texte

In seinem Blog betrachtet Georg Seeßlen den Text als lebendes System, das sich der Kontrolle des Autors entzieht. So, wie er lebt, kann er auch tot oder gar untot daherkommen, zumal wenn Laplacesche Dämonen datengestützt content produzieren... (01.11.14)

Et cetera:

Und nochmal der Seeßlen, der diese Woche auch über den Zusammenhang von Aristoteles und dem Mittelstand des Nachkriegskapitalismus nachdachte. +++ Auch die FAZ bespricht Birger Priddats Ratgeber, wie man gut durchs Bachelor-Studium kommt. +++ Hans Ulrich Gumbrecht erklärt in seinem FAZ-Blog, warum Friedrich Hölderlin gerade wegen seines Wahnsinns der Dichter für unsere verrückten Zeiten ist. +++ Sterbehilfe: Die Debatte um selbstbestimmtes Sterben geht weiter. Die FR weist auf die 3sat-Reportage „Wie wir sterben“ hin. Bettina Schöne-Seifert gibt in der FAZ eine Überblick über die politische und rechtliche Lage und plädiert für die Liberalisierung der Sterbehilfe.


Links der Woche am 20.09.2014, 14:00 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 38/14

Die Männerfreundin

Für den Freitag hat sich Nils Markwardt mit Hélène Cixous unterhalten, einer „Pionierin der feministischen Philosophie“. Gesprächsthemen sind u.a. Medusa als Queer-Mythos, Heidegger, Derrida und Lesen als freundschaftlicher Akt. (15.09.14)

Unerzogene Kinder

Peter Sloterdijk lässt sich anlässlich seines neuen Kinderbuchs von Michael Hesse für die FR befragen zur mangelnden Kontinuität der Moderne, zu Monstern heute und früher sowie Erbsünde und Korruption. Außerdem die gute Frage: „Ist die Welt im letzten Jahrhundert besser oder schlechter geworden?“ (18.09.14)

Zurück in die Zukunft

Und noch ein Interview: Paul Schreyer unterhält sich für Telepolis mit dem Geschichtsphilosophen Hauke Ritz über die Osterweiterung als Provokation Russlands und den Ukraine-Konflikt, aber vor allem über die bis heute wirksame religiöse Prägung von Kulturkreisen und die Wiederkehr des mythischen Denkens in der atheistischen Moderne. (17.09.14)

Die Macht antwortet ver

Die NZZ druckt einen Vortrag des Wiener Philosophen Konrad Paul Liessmann ab, in welchem dieser sich mit dem Wandel Verbrechen und Strafe, Verantwortung und Schuld beschäftigt. Zentral ist dabei die Frage nach der Urheberschaft und der Freiheit. (20.09.14)

Außerdemos von Sonstnochos:

Die NZZ erklärt, was es - von Herodot bis Thomas S. Kuhn - mit dem Stichwort „Paradigma“ auf sich hat. +++ Die FAZ bespricht das Buch „Sie wissen alles“, mit dem die Informatikerin Yvonne Hofstetter vor der Macht ihres Fachs warnt. +++ Nicht ganz überzeugt ist die taz von Byung-Chul Hans „Psychopolitik“ über die neoliberale Selbstausbeutung. +++ In seinem FAZ-Blog schreibt Hans Ulrich Gumbrecht einen Nachruf auf die Universität, die längst zum berufsbildenden Kindergarten verkommen sei. +++ Die FAZ berichtet von zwiespältigen Ergebnissen bei Umfragen zu Bildungspolitik und ihrer Finanzierung. +++ Noch was zum Aufregen: Jan Küveler von der WELT stellt einen lustig gemeinten Vergleich von U2s Bono mit Hegel und Herbert Grönemeyer mit Adorno an. +++ Viel weniger Quatsch, dafür viel mehr Mars steckt übrigens in der druckfrischen Herbstausgabe des Lichtwolf. Insbesondere sei hingewiesen auf den Essaywettbewerb, den der Lichtwolf gemeinsam mit Glanz & Elend veranstaltet.


Links der Woche am 19.07.2014, 14:23 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 29/14

Ex Internet Lux

Wie jeden Sommer beschäftigen sich Feuilleton und Intellektuelle mit ihrem eigenen Fehlen in der Öffentlichkeit. Den Auftakt macht dieses Jahr Gundolf S. Freyermuth bei Telepolis, wo er auf Geschichte und Verfall des engagierten Gelehrten zurückblickt und die Rettung im Internet sieht. (13.07.14)

Fotzen und Arschlöcher

Im Freitag schreibt Jürgen Busche recht unterhaltsam darüber, warum vulgäre Sprache in der Politik so irritierend wirkt: Mit jener werden Grobheit und Bildungsmangel verbunden, die nicht zu dem Bild von dieser passen, das von aufgeräumten Lehrbüchern gezeichnet wird. (16.07.14)

Fußball als politische Metapher

Der Fußball des Jahres 1954 hat nichts mehr mit dem des Jahres 2014 zu tun, schreibt Georg Seeßlen im Freitag. In seiner Analyse schreibt er eine politisch-ökonomischen Analyse der deutschen Verhältnisse anhand der fußballhistorischen Wegmarken nationaler Identitätsbildung. (16.07.14)

Neue Bücher:

Michael Hampes neues Buch zur Rettung der Philosophie vor sich selbst wird auch bei Spektrum der Wissenschaft besprochen. +++ Lange nichts mehr aus Heideggers Nachlass gelesen? Ludger Lütkehaus stellt in der NZZ den ersten Band mit erstaunlich zivilen Briefwechseln der Familie Heidegger vor. +++ Marc Reichwein zeigt sich in der WELT skeptisch über Stefan Müller-Doohms Habermas-Biographie, weil dem Autor als Schüler des Portraitierten die nötige Distanz fehle. +++ Albert Camus’ Liebe zu seiner algerischen Heimat war stets schwierig; nun haben zwei algerische Autoren seinen als neo-kolonialistisch bezeichneten Roman „Der Fremde“ neu geschrieben. +++ Die Philosophin Rosi Braidotti hat ein mühsam zu lesendes Buch über posthumane Subjektivität geschrieben, das in der NZZ rezensiert wird und dessen Untertitel Lichtwolf-Lesern bekannt vorkommen dürfte.

Außerdemos von Sonstnochos:

Und noch was aus dem Heft-Archiv: Heute Abend ab 23:05 Uhr kommt im Deutschlandfunk die Lange Nacht über die Magie der Zahlen und dazu passt doch sehr gut Lichtwolf Nr. 40 über Zahlen, Ziffern und Nummern. +++ Der Kapitalismus hat sich selbst transzendiert und produziert nur noch negative Werte (Krisen und Elend), schreibt abermals Georg Seeßlen in seinem Blog und konstatiert als Modell dieses untoten Kapitalismus die „Supermarkt-Kassiererin, deren hungriger Blick zwischen den Waren und der Überwachungskamera hin und her geht“. +++ Die Berner Zeitung brachte diese Woche eine Serie zur Ethik von Menschenrechten und -würde. +++ Marcus Hammerschmitt berichtet bei Telepolis von einer Studie über die verbissene Ethik-Konkurrenz zwischen Veganern und Vegetariern. +++ Der Veganismus ist auch in der Schweiz längst „in aller Munde“, wie Nadine Jürgensen in der NZZ bedenkt. +++ Hans Ulrich Gumbrecht war in Lissabon und schreibt in seinem FAZ-Blog über die Authentizität des Fado und was Derrida davon hielte. +++ Ebenfalls in der FAZ beschweren sich sieben Autoren über die Studentenjugend von heute.


Links der Woche am 05.07.2014, 14:24 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 27/14

Denken ist unangenehm

...und dieser Verdacht, der sich beim Public Viewing schnell einstellt, ist nun auch wissenschaftlich belegt. Telepolis berichtet von einer Studie, bei der ein Großteil der Teilnehmer_innen einen Elektroschock dem Alleinsein mit den eigenen Gedanken vorzog. (03.07.14)

Imperialer Perfektionismus

Wenig sommerlichen Frohsinn verbreitet Wolfgang Streeck in der FAZ, wo er darüber schreibt, wie sich der Traum von der digitalen Teilhabe aller in den Albtraum der überwachten Postdemokratie verkehrte. Ziel der Datensammelei ist dabei weniger die Einschüchterung vorlauter Bürger als gesteigerte Konsumfähigkeit und asymmetrische Kriegsführung. (04.07.14)

Außerdemchen:

Jan Greve hat für den Freitag das Berliner Museum des Kapitalismus besucht, wo man in interaktiven Lernspielen die Formel G-W-G' erfahren kann. +++ Auch Martin Meyer von der NZZ war im Museum, und zwar im Guggenheim, wo gerade eine Ausstellung über den Futurismus läuft, die Pubertät des 20. Jahrhunderts. +++ Bei Telepolis blickt Kai Kleinwächter auf die bisherige und künftige Entwicklung des deutschen Bildungssystems, das seine US-amerikanische Prägung verliert und eine eher eurasische annimmt. +++ Thomas Macho bespricht in der NZZ Hilal Sezgins neues Buch zur Tierethik; in der FAZ spricht sich Sezgin gegen Zoo-Haltung aus, daneben denkt Hans Ulrich Gumbrecht darüber nach, was es heißt, im Namen der Tiere sprechen zu wollen. +++ Den aktuellen Lichtwolf zum Thema Perverse gibt es auch als E-Book.


Links der Woche am 26.04.2014, 14:21 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 17/14

Glauben, ohne es zu wissen

Ulrike Heitmüller findet bei Telepolis, Politik könne auch sowas wie Religion sein, etwa der Kommunismus. Nun müsste man erstmal klären, was Religion ist, um den Kommunismus daraufhin abzutasten, wie es der Philosoph Michail Ryklin tut; ähnlich untersucht die Theologin Karen Armstrong den Fundamentalismus. (20.04.14)

Grammatik und Ökonomie

Georg Seeßlen stellt in seinem Blog die Frage nach dem autonomen Subjekt als Maß und Bedingung demokratischer Verhältnisse. Es gibt nämlich auch politische Subjekte wie „den Markt“ oder „das Wachstum“, denen es wie jedem Subjekt um absolute Freiheit geht; in der Postdemokratie tummeln sich ungezählte Spielarten von Subjekterfahrung, -beziehungen, -kulten, -schmelzen und -verwandlungen. (23.04.14)

Unsere Philosophie ist die Philosophie

Und nochmal Seeßlen, der diese Woche unter dem Aufruf „Occupy Philosophy!“ über das Grundrecht auf das Darauflosdenken und die Gesamtlage der Philosophie nachdenkt. Weisheit, Humor und Schönheit finden alle toll, sind aber nichts für „die Leute“. Philosophie wird immer schwieriger, Berufsphilosoph ist ein Beruf und Nachdenken längst die Vorstufe der Dissidenz. (25.04.14)

Das Vermischte und Geschiedene:

Seeßlen zum Dritten bzw. Zweiten, das mit „Wetten, dass...?“ zugleich die Inszenierung der harmlosen Konsensgesellschaft beerdigt, wie er im Freitag schreibt. +++ Der Ökonom Thomas Piketty zeigt, dass die wachsende Kluft zwischen arm und reich den Kapitalismus zerstört, wie im Freitag zu lesen ist. +++ via der blinde Hund: Der ZEIT-Leser Martin Sand nimmt sich einiger (v.a. von Naturwissenschaftlern) gepflegter Vorurteile gegenüber dem Philosophie-Studium an. +++ Bei Glanz & Elend bespricht Dieter Kaltwasser die großen Neuerscheinungen zum 150. Geburtstag von Max Weber. +++ Ein neues Buch versammelt die besten Witze aus Slavoj Žižeks Schriften zum mitlachen und nachdenken. +++ Die Faszination und die ihr zugrunde liegende politische Persönlichkeits-Präsentation Putins lässt Hans Ulrich Gumbrecht in seinem FAZ-Blog an Mussolini denken. +++ Robert Spaemann hat ein eher religiöses als philosophisches Buch über die Psalmen 1–51, das in der NZZ vorgestellt wird. +++ Der Wissenschaftsrat fordert in einem Positionspapier mehr Wissenschaftsforschung, die aber bitte bloß rein empirisch bleiben soll, wie Jürgen Kaube stirnrunzelnd in der FAZ berichtet.


Links der Woche am 19.04.2014, 14:13 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 16/14

Fragen, Antworten, Fragen

Lutz Hachmeisters Buch über die Hintergründe des SPIEGEL-Interviews mit Heidegger von 1966 kam gerade recht zur anhaltende Debatte um die NS-Verstrickung des Fundamentalontologen. Lothar Struck bespricht bei Glanz & Elend mit vielen nützlichen Links das Buch, das an seinem umfassenden Anspruch scheitert und dennoch zeigt, warum und wie gern sich der SPIEGEL für Heideggers Selbstinszenierung als Nazi-Opfer einließ.

Denken unterwegs zum Frieden

Jakob Huber hat Kants Aufsatz „Was heißt: Sich im Denken orientieren?“ wiedergelesen und stellt Text wie Rezeption im theorieblog vor. Zunächst verortet er den Aufsatz im Pantheismusstreit Ende des 18. Jahrhunderts und referiert dann Kants Idee einer Topographie der Vernunft, ehe er deren politische Lesart für die globalisierte Welt vorstellt. (14.04.14)

Es blieb mehr, als geschrieben ward

Zum 150. Geburtstag erinnert Hans-Martin Lohmann in der FR an Max Weber. Der erzbürgerliche Universalgelehrte und Gründungsvater der deutschen Soziologie lebte im wechselvollsten Teil der deutschen Geschichte, seine Politiktheorie und Analytik der kapitalistischen Gesellschaft wirkt bis heute nach. (18.04.14)

E provincia lux

Gerade in Deutschland wurde lange Zeit kraftvolles Denken mit der Provinz verbunden, schreibt Hans Ulrich Gumbrecht in seinem FAZ-Blog. Da muss natürlich abermals Heidegger als Kronzeuge denkerischer Heimeligkeit her, der allem intellektuellen Kitsch zum Trotz doch ahnen lässt, warum provinzielle Verhältnisse (und seien es die des Silicon Valley) der Kontemplation zuträglich sind. (19.04.14)

Außerdemchen:

Bei Telepolis setzt Matthias Becker seine Reihe zum „Unterricht im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit“ fort; auch im dritten Essay untersucht er, wie die digitale Rationalisierung des Lernens und Lehrens Pädagogik und Bildung umkrempeln wird. +++ Die ZEIT stellt das Buch vor, in dem Emmanuèle Bernheim nahezu psychothriller-artig von der Sterbehilfe für ihren Vater erzählt. +++ Der Sammelband „How Reason Almost Lost Its Mind“ rekapituliert den Kalten Krieg als Goldenes Zeitalter der maschinenhaft kalten Rationalität und wird in der von sowas faszinierten FAZ besprochen. +++ Mara Delius berichtet für die WELT von einer Tagung über politische Romantik, bei der diverse hochkarätige Intellektuelle über die Spaltung zwischen Politik, Gefühl und Ästhetik diskutierten.


Links der Woche am 28.12.2013, 14:04 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 52/13

Commonismus - die ersten 30 Tage gratis!

Ein Artikel wie ein guter Film: Wer beide Hirnhälften beieinander hat, findet die Überfluss- und Wegwerfgesellschaft problematisch. So lesen wir wohlwollend, was Harald Staun in der FAZ über die entstehende Shareconomy schreibt, und gerade, als wir zu wissen glauben, wer die Guten sind, müssen wir lesen, wie der Kapitalismus mithilfe einiger Idealisten den Kommunismus monetarisiert! (22.12.13)

Alles ist so egal geworden

Pierre Rosanvallon hat mit „Die Gesellschaft der Gleichen“ ein epochales Werk vorgelegt, findet Maximilian Probst in der ZEIT. Die Krise der Gleichheitsidee, die politische Apathie und Distinktionsstreben befördert, wird darin historisch nachgezeichnet und soll mit einem zeitgemäßen Gleichheitsbegriff auf der Basis von Singularität, Reziprozität und Kommunalität gelöst werden. (23.12.13)

Der uninteressanteste Skandal 2013

NZZ-Feuilletonchef Martin Meyer macht den Schirrmacher: Mit Orwell und Foucault blickt er zurück auf die Geschichte der Überwachung von Ali Baba bis in die heutige Betreuungs- und Therapiekultur, die in Kombination mit einer zur Normalität gewordenen Transparenz vorauseilende Harmlosigkeit fördert. (24.12.13)

Zeit, zur Besinnung zu kommen

Der Zürcher Theologe Samuel Vollenweider schreibt in der NZZ über relative Zeit, etwa bei traumatischen Erfahrungen, während derer die verdichtete Zeit - anders als Jahre des Alltags - Spuren im Gedächtnis hinterlässt. Das erste Weihnachten war zumindest für Herodes ein solches Ereignis, für uns sind die Feiertage eine Unterbrechung im unspektakulären Verinnen der Zeit. (25.12.13)

Christen und Kapitalisten feiern getrennt

Tomasz Konicz hat die Feiertage genutzt, um für Telepolis in einer dreiteiligen Essayreihe die Kapitalismuskritik des Papstes (und die Reaktionen darauf) zu analysieren. Diese erweist er im ersten Teil als Manöver in einem Religionsstreit, wie schon an der Schnappatmung unter konservativen Kapitalismusgläubigen zu erkennen ist. Der von ihnen behaupteten Rationalität und Segensspende des Kapitalismus geht Konicz im zweiten Teil nach, worin vor allem die enge Verwandtschaft der beiden Glaubensrichtungen etwa an ihrem Arbeitsbegriff gezeigt wird. In Teil drei schließlich wird mit modernen Theologen und Walter Benjamin der Kapitalismus als fetischistische Gesellschaftsformation, i.e. als Religion beschrieben.

Materialismus und Visualisierung

Nur was unsichtbar (weil im Mikro- oder Makroskopischen) ist, halten wir den Naturwissenschaften sei dank für eigentlich wirklich, meint Hans Ulrich Gumbrecht in seinem FAZ-Blog, was sich im Alltag in allenfalls visualisierbaren „latenten Phänomenen“ und Stimmungen ausdrückt; Rettung verspricht die Heidegger-Lektüre. (27.12.13)

Das Weitere und Engere:

Apropos Heidegger: Jürgen Kaube von der FAZ tut mit Blick auf die Konkurrenz von der ZEIT die neulich berichtete Aufregung um Heideggers antisemitische Notizen mit großer Geste ab. +++ Schnellere Affirmation für frühere Revolution: Cord Riechelmann stellt in der linksradikalen FAZ das Manifest des Akzelerationismus vor, einen Sammelband zur technischen Überwindung des Kapitalismus. +++ Fritz J. Raddatz fordert in der WELT, das Recht auf Suizid als Teil der Menschenwürde anzuerkennen. +++ Immer noch nicht genug zu lesen aufm Schirm? Heiligabend wurde www.lichtwolf.de zehn Jahre alt und zu diesem Anlass wurden 14 Artikel aus vergangenen Lichtwolf-Ausgaben online gestellt.


Links der Woche am 21.12.2013, 14:54 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 51/13

Naturalismus, Idealismus, Dualismus

Der Geist ist nicht Gegenstand der Physik, sie ist ja keine Geisteswissenschaft, schreibt Physiker Josef Honerkamp bei den Scilogs, um dann aber doch die verschiedenen Haltungen zum Leib-Seele-Problem durchzugehen, unter denen der Naturalismus die größte Aufmerksamkeit erhält. Am Ende bleibt die Hoffnung auf einen Maxwell des Geistes. (15.12.13)

Nelson Mandela Superstar

Slavoj Žižek hat im Guardian einen Nachruf auf Nelson Mandela geschrieben, der im Freitag auf Deutsch zu lesen ist. Obschon Mandela als Superstar gefeiert wird, ist auch bei ihm kein Rat zu finden, wie eine radikale emanzipatorische Politik totalitären Versuchungen widerstehen und eine Alternative zur herrschenden Ideologie durchsetzen kann. (16.12.13)

Filosofie beim Phußball

Die ZEIT unterhält sich mit Wolfram Eilenberger, FC-Bayern-Fan und Chefredakteur des Philosophie Magazins, über die Menschenrechtslage in Katar, wo demnächst wohl irgendwas mit Fußball stattfindet: Bayern-Trainer Pep Guardiola liest angeblich Kant und Hesse, sieht aber aus finanziellen Gründen keine ethischen Probleme in Katar. (17.12.13)

Das Historische muss das Bewährte bleiben

Der Churer Bischof Vitus Huonder sieht die Geschlechterdebatte von einem totalitären und widernatürlichen Genderismus beherrscht. In der NZZ erklärt Katrin Meyer, warum Wertkonservative vom dekonstruktivistischen Gender-Begriff so angefressen sind und warum nicht nur die Gender Studies mit dem restaurativen Gegenangriff gemeint sind. (18.12.13)

Da wäre noch eine Alternative

Alain Badiou war diese Woche als „gefährlichster Philosoph Mitteleuropas“ (weil er nach wie vor am Kommunismus als Alternative festhält) in Berlin. Peter Nowak berichtet für den Freitag von der Diskussion über Blöd-Medien, Demokratie- und Kommunismuskritik, die Badiou mit dem Verleger und ehemaligen DDR-Gefangenen Peter Engelmann führte. (19.12.13)

In Maßen maßlos

Edo Reents von der FAZ unterhält sich mit Martin Meyer von der NZZ über dessen Camus-Buch und darüber, was den diesjährigen Jubilar nach wie vor so faszinierend macht, nämlich dass er den späten Nietzsche konsequent u.a. mit den Begriffen des Absurden und des Maßes weiterentwickelte. (20.12.13)

Et cetera:

Hans Ulrich Gumbrecht beschäftigt sich mit Vögeln (nicht, was Sie jetzt wieder denken!) und fragt im FAZ-Blog, wie es sein mag, fliegen zu können. +++ Neulich schrieb das Mindener Tagblatt vom Detmolder Philosophen Sven Stemmer, der im Bauwagen sein Diogenes-Projekt des einfachen Lebens erprobt, das nun nach sechs Monaten beendet ist. +++ Im Freitag bespricht Seifert Markus Gabriels „Warum es die Welt nicht gibt“, erklärt dessen Neuen Realismus und macht sich Hoffnungen auf eine neue, debattenfähige Denkergeneration. +++ Aus aktuellem Anlass: Anna Katherina Ibeling weist beim Freitag darauf hin, dass auch zu Weihnachten die Maxime Sapere aude gilt.


Links der Woche am 30.11.2013, 14:47 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 48/13

Diderot, Wieland und Jean Paul, v.a. Sterne

Wolfgang Hörner feiert im Freitag die Väter der Moderne, deren Jahrestage 2013 strukturierten, und unter ihnen einen ganz besonders: Laurence Sterne erfand mit Tristram Shandy den modernen Roman und wirkte mit diesem Befreiungsschlag der schreibenden Freiheit bis in Diderots Enzyklopädie, Wielands Publizistik und Jean Pauls Wortuniversen hinein. (25.11.13)

Lernwiki statt Lerntagebuch

Hariolf Wenzler reagiert in der FAZ auf Frank Kelleters Philippika gegen Massive Open Online Courses (MOOCs), indem er der Verschwörungstheorie vom neoliberalen Digitalangriff auf die Bildung fünf Thesen entgegenstellt, die auf die didaktischen und finanziellen Chancen und Grenzen der Online-Bildung abzielen. (27.11.13)

Hoffnung für Internethasser

Die einen hoffen insgeheim, dieser ganze Digitalzauber werde eines Tages von selbst zusammenfallen, die anderen kämen gar nicht auf die Idee, es könnte noch einmal einen Zustand geben, den Psychologe Thomas Grüter als Titel seines Buchs "Offline" gewählt hat. Bei den Scilogs erklärt er, wie Dynamik, Vernetzung und Komplexität die globale Informationsgesellschaft langlebig machen und auf lange Sicht zum Untergang verurteilen. (27.11.13)

Endlich fragts mal einer

Hans Ulrich Gumbrecht fragt nicht nur, sondern plädiert gar in seinem FAZ-Blog für einen gerechten Krieg, scheint aber eher die USA in Schutz nehmen zu wollen, indem er darlegt, dass prinzipiell jeder Krieg einen Rechtsbruch darstellt, die pazifistischen Antiamerikaner Europas das aber nicht wahrhaben wollen. (29.11.13)

Für Studis und Studi-ähnliche:

Unter der zeitgemäßen ROI-Fragestellung "Lohnt sich das?" befragt ZEIT Campus die Doktorandenforscherin Anna Fräßdorf über Nutzen, Nachteil und Nährwert der Promotion. +++ Als großzügig EU-geförderten Spring Break stellt uns Leander Steinkopf in der FAZ das Erasmus-Austrinkenlandsstipendium vor. +++ Dieselbe FAZ nimmt aber auch den BA/MA-Bummelstudenten in Schutz. +++

Außerdemchen:

Ebenfalls die FAZ lobt die Neuübersetzung von Henri Bergsons „L’évolution créatrice“ als indiziertes existentialphilosophisches Märchenbuch. +++ Die US-Philosophin Debra Satz macht es sich nicht leicht, in ihrem Buch, das von der NZZ vorgestellt wird, Argumente für die intuitive Einsicht zu liefern, dass und warum nicht alles auf Märkten gehandelt werden sollte. +++ Falls Sie am heutigen Samstagabend nicht in Köln der Lesung von Johannes Witek im Café Duddel beiwohnen, schalten Sie doch den Deutschlandfunk ein, wo es in der heutigen Langen Nacht um das Staunen und Innehalten geht. +++ Die Blüten sind längst bestäubt, die Zweige neigen sich, je mehr die Früchte heranreifen: Lichtwolf Nr. 44 zum jahreszeitfernen Thema "Obst" ist in der Mache und wird vor Heiligabend in den Briefkästen liegen; man abonniere hier.


Links der Woche am 23.11.2013, 14:00 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 47/13

Für kluge Tiere

Andrea Roedig schreibt im Freitag über die Grenze zwischen Mensch und Tier, die von Tierethik und Ethologie immer mehr als einseitiger Willkürakt erwiesen wird. Markus Wild bespricht dazu passend in der NZZ das Buch "Zoopolis", in dem Sue Donaldson und Will Kymlicka "Eine politische Theorie der Tierrechte" entwerfen.

Burn-out als Lifestyle

Das Institut für Polytoxikomanologie und Perspektivismus beschäftigt sich diese Woche mit Burn-out und Depression. Ersterer ist nicht als Krankheit anerkannt und uneindeutig, aber ausgiebig beschrieben. Schon der Burn-out-Vorgänger, die Neurasthenie als erarbeitete Depression diente einer Reihe von Interessen, nicht zuletzt der Distinktion. (21.11.13)

Keine Zeit nirgends

Die Kosmologin Susanne M. Hoffmann war bei einer Lesung von Thomas de Padova und stellt sein Buch über die anhaltende Debatte um das Wesen von Raum und Zeit vor. Neben einer Technikgeschichte der Uhr geht es darin auch um die konträren Zeitvorstellungen von Newton und Leibniz. (22.11.13)

Abgründe sehen dich an

Selber denken war noch nie populär, heute noch weniger, weil wir Maschinen dafür haben. Hans Ulrich Gumbrecht überlegt im FAZ-Blog trotzdem, wieso sich dennoch fröhlich über die Außenseite des Universums oder eher abgründig schaudernd über das Nichts, in dem jeder herumsteht, spekulieren lässt. (22.11.13)

Et cetera:

Manuela Lenzen berichtet für die FAZ von einer Tagung über die Auswirkungen der Quantifizierung auf die Politik. +++ Die taz stellt den Ästhetiker Jacques Rancière und die Deterritorialsierungstendenzen in Kunst und Politik vor. +++ Im Internet geht es bekanntlich immer nur um Porno. Man sollte endlich mal was gegen diejenigen unternehmen, die die jungen Twitter-Freunde immer auf so schmutzige Ideen bringen. +++ Haben Sie am Wochenende schon was vor? Dann gucken Sie sich doch die kompletten 16 Stunden nachgemachtes Trash-TV an, aus denen das neue interaktive Video zu Bob Dylans "Like a Rolling Stone" besteht. Nie war Umschalten schöner und vergeblicher. +++ Und wie sieht es kommenden Samstag aus? Da liest ab 20 Uhr nämlich der großartige Kollege Johannes Witek im Kölner Café Duddel.


Links der Woche am 05.10.2013, 14:16 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 40/13

Einen Pfennig für alle

Rudolf Diesel hat nicht nur den feuerfesten Sprit erfunden, sondern sich auch Gedanken über ein besseres Zusammenleben und Wirtschaften gemacht. Rudolf Stumberger stellt uns bei Telepolis Diesel als sozialen Utopisten und Vordenker des Genossenschaftswesens vor. (29.09.13)

Alles scheiße außer Mutti

Ilija Trojanow ist gerade wieder angesagt, weil ihm womöglich als Reaktion auf seine Kritik an der Netzüberwachung die Einreise in die USA verweigert worden ist. Das Nachtwächterblog Bonaventura nimmt das zum Anlass, Trojanows Buch "Der überflüssige Mensch" zu besprechen und die Mankos (nicht nur) von dessen Kapitalismuskritik aufzuspießen. (03.10.13)

Karl Kraus à la Franzen

Letzte Woche rief die WELT Stefan Raab als neuen Karl Kraus aus, diese Woche meldet Patrick Bahners in der FAZ, Jonathan Franzen unternehme den unmöglichen Versuch, Karl Kraus ins Englische zu übersetzen. Denn wer Krausens unbedingte Polemiken gegen das "Preßwesen" kenne, sei gegen den techno-consumerism und Fortschrittsdusel des Internetzeitalters gewappnet, was Dietmar Dath ebenfalls in der FAZ dem Franzen nicht ganz durchgehen lässt. (04.10.13)

Der glückliche Tod

Macht es was aus, wenn die Geisteswissenschaften verschwänden? Nö, findet Hans Ulrich Gumbrecht in seinem FAZ-Blog, und hat in Stanford die Erfahrung gemacht, wo die Humanities auf den Rang geduldeter Nebenbeschäftigungen und der Geisteswissenschaftler auf den "des kultivierten und allerseits angesehenen Pausenclowns" zurücksinken. (04.10.13)

Et cetera:

Open Access gilt als neue Hoffnung für das akademische Publizieren, hat aber geschäftsmodellbedingt auch seine Schwächen, so berichtet Telepolis von einem neuen Fall, in dem ein Quatschartikel es durch jede zweite peer review geschafft hat. +++ Als Ethiker hat Klaus-Michael Kodalle das Verzeihen längst zur Grundlage humaner Verhältnisse erklärt; die NZZ bespricht Kodalles Summa zum Thema. +++ Dieter Kaltwasser würdigt Denis Diderot zu seinem 300. Geburtstag bei Glanz & Elend als Enzyklopädisten und Weltliteraten. +++ Ebenfalls bei Glanz & Elend stellt Lothar Struck zwei Neuerscheinungen über Albert Camus von Iris Radisch und Martin Meyer vor; Freunde des mittelmeerischen Denkens könnten sich zu Camus' 100. Geburtstag im November auch den E-Book-Essay "Metaphysik und Revolution" von Timotheus Schneidegger schenken. +++ In der NZZ zeigt sich Martin Meyer (s.o.) angetan vom Briefwechsel zwischen Ulrich Blumenberg und Jacob Taubes, der zeigt, wie operettenhaft es hinter akademischen Kulissen menscheln kann.


Links der Woche am 27.07.2013, 12:56 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 30/13

Du darfst auch Professor zu mir sagen

Kürzlich musste ja schon auf Indizien für die sexismusbedingt niedrige Frauenquote in der Philosophie hingewiesen werden. Nun schreibt Nina Marie Bust-Bartels im Freitag von Studien über Professoren, die ihre Machtposition nutzen, um routiniert Studentinnen belästigen. (23.07.13)

Ein ganz Böser

Friedrich Wilhelm Graf hält Giorgio Agamben in der WELT für einen Verschwörungstheoretiker. Im biographischen Abriss und der Werkkritik macht er aus, dass sich Agamben das politisch-philosophische Raunen von Heidegger und Carl Schmitt abgeguckt hat und seine foucaultsche Geistesarchäologie pseudotheologisch, antimodern und antiamerikanisch ist. (25.07.13)

Fragwürdige Gegenwart statt Sommerloch

Hans Ulrich Gumbrecht macht keinen Urlaub, Hans Ulrich Gumbrecht macht sich Gedanken, diesmal in seinem FAZ-Blog über die Gegenwart im Sinne von Moderne, deren jüngste Fassung am 11.09.2001 begann und in deren Unübersichtlichkeit HUG einige Grundlinien hineinskizziert: Balkanisierung politischer Bewegungen, weltweit wachsende Mittelschicht, unhistorische Zeithorizonte, ubiquitäre Öffentlichkeit, Wissensgesellschaft. (26.07.13)

Et cetera:

Harald Welzer erzählt bei der FAZ gern "Wahre Geschichten aus der wünschenswerten Zukunft", diese Woche etwa davon, wie Rimini Protokoll die Daimler-Hauptversammlung zum Theaterstück erklärte. +++ Hannah Lühmann (FAZ) ist auch ganz begeistert davon, wie Markus Gabriel mit seiner populären Epistemologie "das Heidegger-Vehikel aus der Garage geholt und es mit einer Frege-Carnap-Rilke-Goodman-Politur behandelt hat". +++ Die ZEIT macht Reklame für jüngste Konkurrenz, indem sie Die Epilog, Zeitschrift zur Alltagskultur bzw. zum Gesellschaftswandel vorstellt - mit Trailer!


Links der Woche am 27.04.2013, 15:30 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 17/13

Warum eigentlich nicht?

Maximilian Krämer wundert sich in der FAZ, warum Philosophie in ganz Europa selbstverständliches Schulfach ist, nur nicht in Deutschland, denn die philosophischen Zeitschriften, Praxen und Ratgeber belegen ja ein wachsendes Interesse an Philosophie. Dass es kein verbindliches Curriculum Philosophie gibt, lässt Krämer als Entschuldigung für die Schwundform Ethikunterricht nicht gelten. (21.04.13)

Elementarschere Einkommen

Seit Hans-Ulrich Wehler sein neues Buch über die soziale Ungleichheit in Deutschland vorgestellt hat, ist er damit auf allen Kanälen vertreten. In den "Blätter für deutsche und internationale Politik" hat er sein Buch in einem Artikel zusammengefasst. Bei der Polarisierung der Einkommen und Vermögen geht es vor allem um Macht und Herrschaft, wie er an der Arbeitsmarkt- und Steuerpolitik zeigt.

War Hitler neidisch auf Blondie?

Hans Ulrich Gumbrecht zieht in seinem FAZ-Blog den scharfsinnigen Schluss, dass Tierfreunden und Vegetariern nicht zu trauen ist, weil Hitler ein Tierfreund und Vegetarier war. Aber eigentlich geht es ihm (Gumbrecht) um tierethische Positionen (Singer, Hacking et.al.) und deren Mensch-Tier-Differenzierung. Übrigens: Hitler hat auch deutsch gesprochen, in Flachspüler gekackt, aber wenigstens war er nicht in der Waffen-SS. (26.04.13)

Rezensionen

Maximilian Probst zeigt sich in der ZEIT angetan und bewegt von der Biographie, die Benoît Peeters über den Zentristen und Zwiespalter Jacques Derrida geschrieben hat. +++ Prost: Die taz stellt zwei Bücher über Rausch und Revolution vor, nämlich "Das Ende der Enthaltsamkeit. Über Bars, Cocktails, Selbstermächtigung und die Schönheit des Niedergangs" und "Leben im Rausch. Evolution, Geschichte, Aufstand". +++ Die NZZ präsentiert Michael Sandel als modernen Sokrates, sieht dessen Versprechen mit Sandels Buch "Gerechtigkeit. Wie wir das Richtige tun." aber noch nicht ganz eingelöst.

Sonstiges

Der blinde Hund hat die Nominierungen gesammelt und ruft nun zur Abstimmung über das schlechteste Philosophie-Buch aller Zeiten auf. +++ Schöner Nachtrag zum aktuellen Lichtwolf über Experten: "Sprachexperte" (hihi) Joachim Scharloth hat den SPIEGEL ausgewertet und zeigt, dass der Triumph der Experten über die Wissenschaftler eine Folge von 1968 ist und welche Worte üblicherweise im Kontext von "Experten" gebraucht werden.


Links der Woche am 20.04.2013, 13:17 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 16/13

Mode des Selbstversorgens

"Die Selbstversorger sind auf dem Vormarsch", sei es aus Öko-Bewusstsein, sei es aus Misstrauen gegen die Fraßindustrie, so meldet die WELT. Cosima Lutz gibt einen Überblick inkl. gärtnernder Neonazis und Literaturempfehlungen. Wer mit der Selbstversorgung klein anfangen und was interessantes lesen möchte, während das Zeug wächst und das Internet abkackt, dem sei die aktuelle Lichtwolf-Aktion für Neu-Abonnenten empfohlen. (16.04.13)

Mode des Biographismus

Auch Biographien liegen voll im Trend, schreibt Hannelore Schlaffer in der NZZ - aber waren sie denn jemals out? Biopics jedenfalls dominieren das Kino und Biograph ist längst ein ordentlicher Brotberuf. Das Fernsehen hat es normal gemacht, sich an Berühmtheiten ranzuwanzen, um an ihrem Abglanz teilhaben und ihren Alltag als geadelt betrachten zu können. (17.04.13) (Wir hätten da übrigens auch noch einen kompletten Lichtwolf zum Thema Autobiographie...)

Bücher! Bücher!

Uwe Justus Wenzel bespricht in der NZZ Quentin Skinners "Die drei Körper des Staates", eine Meditation über den Frontispiz des Hobbesschen Leviathan. +++ Bei Glanz & Elend stellt Dieter Kaltwasser den zweiten Band "Nachmetaphysisches Denken" von Jürgen Habermas vor. +++ Der geistige Vater des Selbstversorgertums (s.o.),

Henry David Thoreau, hat einem Jünger Briefe geschrieben, die in einem neuen Buch versammelt sind und in der FAZ besprochen werden. +++ Auch die ZEIT rezensiert Thomas Strässles Buch zur Gelassenheit.

Außerdem:

Guter Datenjournalismus: Die ZEIT hat die Zahlen der Todesopfer rechter Gewalt 1990 - 2013 statistisch aufbereitet und visualisiert. +++ Hans Ulrich Gumbrecht erwägt in seinem FAZ-Blog, ob Politikverdrossenheit eine Folge des Endes der Ideologien ist. +++ via @theorieblog: das Foucault-Blog +++ Der blinde Hund will's wissen und ruft zur Wahl des schlechtesten philosophischen Buchs aller Zeiten auf, bei der z.Zt. noch nominiert werden kann.


Links der Woche am 08.12.2012, 14:22 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 49/12

Nachhaltige Mensa

An der Uni Basel wird eine vegetarische Mensa gefordert. Da dass einige eher so mittel finden, wird es politisch. Für das Theorieblog hat sich Susanne Schmetkamp mit zweien der Initiatoren der Kampagne über ihre Argumente und den Widerstand unterhalten, auf den sie treffen. (03.12.12)

Kritik der Kritik

In seinem Blog geht Kulturpessimist Georg Seeßlen der Kritik auf den Grund: Was sie bedeutet, was sie will und soll und warum sie im Spektakel nicht einfach an ihrem Anspruch scheitert, sondern ihn komplett aufgegeben hat. Die Lektüre sollte für alle, die rezensieren und nicht bloß Konsumtipps geben wollen, verpflichtend sein. (04.12.12)

Wozu Dr.?

Die Frage nach dem Sinn des Promovierens als Guttenberg und Schavan zum Trotz noch ungestellte beschäftigt diese Woche Hans Ulrich Gumbrecht in seinem FAZ-Blog. Die Doktor-Arbeit als Befähigungsnachweis für die akademische Karriere ist auch aus wissenschaftsfernen Motiven begehrt, die Gumbrecht auch im Namen eines erkrankten Doktorandenfreunds skeptisch sieht. (07.12.12)

Konkurrenz belebt das Geschäft

Niemand wisse alles, so hebt Michael Hampe in der NZZ an, dennoch tut die Wissenschaft gut daran, sich als auf dem Weg dorthin zu verkaufen. Sonst gibt es keine Fördergelder, ohne die wissenschaftlich nix mehr geht. Allerdings fördert die Ökonomisierung der Wissenschaft eher deren Ideologisierung. (08.12.12)

Außerdemos von Apropos:

Die NZZ weist auf die Neuedition der metaphysischen Schriften des vergessenen württembergischen Philosophen Nicolaus Taurellus hin. +++ via str0mgeist: ein schönes Interview mit John Searle übers Professorenwesen bzw. -dasein. +++ "Fuck happiness", scheint der Tenor diverser Unglücksratgeber zu sein, die die NZZ vorstellt. +++ Passt denn auch zum gegenwärtigen Jahresverabschieden, das mit diesen Photos des Jahres, die z.T. arg an die Nieren gehen, gut zu bewerkstelligen ist.


Links der Woche am 01.12.2012, 14:09 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 48/12

Konsum statt Kinder, Kirche, Küche

In Lichtwolf Nr. 37 bemerkte Marc Hieronimus bereits die ideologische Wiederkehr des Bundes Deutscher Mädel in Gestalt von Barbie's Doll World. Carolin Wiedemann zeigt sich nun in der FAZ einigermaßen erschüttert über die "Pinkifizierung der kindlichen Lebenswelt", dank der das von den Müttern eroberte Terrain bald verwildern dürfte. (24.11.12)

Elektrische Schafe träumen Sie

Wegen ihrer eigenen Virtualität bot die Twittersphäre diese Woche dem FAZ-Blog-Artikel von Sibylle Anderl die große Runde, in dem sie dem Hirn-im-Tank-Argument zu neuer Substanz verhilft. Physiker (wer sonst!) haben jetzt einen Klärungsansatz, ob die Wirklichkeit bloß vorgetäuscht ist. Es könnte sein, dass Sie mitsamt allem ringsum Teil einer Simulation sind, mit der eine post-humane Intelligenz ihren Ursprung rekonstruiert. (25.11.12)

Der doppelte Dath

Dietmar Dath hat gerade viel Zeit für die FAZ und drum gleich zwei Betrachtungen eingereicht: (1) Er dokumentiert Ambitionen zur Abschaffung des Bargelds mit dem Ziel der "Rekonstruktion der Zirkulationssphäre unter digitalen Vorzeichen". (2) An einer Milchbar hat Dath mit einem CGI-Experten eine ästhetische Unterhaltung über Computereffekte geführt, die längst zur eigenen Kunstgattung geworden sind.

Besprechungen

Die NZZ stellt Stefan Breuers Buch vor, das Carl Schmitt in den intellektuellen Diskurs des frühen 20. Jahrhunderts einsortiert. +++ Der Cicero hat die Tagebuchnotizen des Peter Sloterdijk besprochen und findet, "als Protokollant seines inneren Monologs ist er allemal besser als im Fernsehen".

Das Weitere und Engere:

Rüdiger Störkel weist in der FAZ auf die anhaltende Verelendung englischer Hochschulkultur hin. +++ Der blinde Hund hat ein total whackes Gespräch zwischen Alexander Kluge und Helge Schneider alias Igor Crantz über Nix aufgetan. +++ Hans Ulrich Gumbrecht macht sich Gedanken über das Überleben der Menschheit, die sich längst eine Zukunft ohne sie vorstellen kann (und Gründe dafür hat); radikaler: siehe aktueller Lichtwolf. +++ "Wir fürchten den Wolf, weil er uns ähnelt", resümiert Eckhard Fuhr in der WELT angesichts der wölfischen Rückeroberung Deutschlands (inkl. 4W3S0M3! Video aus Russland!). +++ Thomas Vašek, Chefredakteur von "Hohe Luft", stellte einst fest, dass es zwar viele Zeitschriften über Schusswaffen und Angeln gibt, aber keine über Philosophie.


Links der Woche am 24.11.2012, 14:27 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 47/12

Willkommen im Diskurs

Thomas Thiel berichtet für die FAZ von einer Marburger Tagung zum Stand der Dinge in Sachen Michel Foucault. Dessen Diskurstheorie ist längst als guter Ton im Diskurs verankert, bleibt die ideengeschichtliche Aufarbeitung in Form z.B. von Hegelkritikkritik, angewandter Psychiatriegeschichte und Aktivierung der Gouvernementalität. (20.11.12)

BHL mal wieder

Für die FAZ hat sich Feuilleton-Juniorchef Nils Minkmar mit Bernard-Henri Lévy, der früher was mit Philosophie gemacht hat, unterhalten, und zwar über François Hollandes Inneneinrichtung und den Untergang Europas. (20.11.12)

Sie ist immer schon ihre Geschichte

Nebenan ist bei Information Philosophie die Abschiedsvorlesung von Heinrich Niehues-Pröbsting vom letzten Jahr nachzulesen. Darin fragt der Erfurter Philoprof, wozu und mit welchem Philosophieverständnis wir Philosophiegeschichte studieren, anstatt die ollen Kamellen links liegen zu lassen und uns mit Besinnungsaufsätzen hurtig einen Platz in der Ethikkommission zu erschreiben. (24.11.12)

Et cetera:

Hegel ist wieder da, meldet der Freitag! +++ Das Institut für Polytoxikomanologie und Perspektivismus hat seit geraumer Zeit eine Forschungsstelle im Internet, wo u.a. philosophische Begriffe in 4.000 Zeichen erklärt werden, jüngst Horkheimer/Adornos "Fun ist ein Stahlbad". +++ Die Tage werden immer kürzer und Hans-Ulrich Gumbrecht denkt über Licht nach. +++ Joe Paul Kroll denkt dagegen beim CULTuRMAG über die Verfassung der Gattung Essay nach und darüber, was sie über die Verfassung des modernen Subjekts verrät.


Links der Woche am 17.11.2012, 14:11 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 46/12

Die Nacht ist nicht nur...

...zum Schlafen da, wie wir aus dem Nachtwolf Nr. 36 wissen. Martin Meyer macht in der NZZ eine sorgfältige Meditation über Schlaflosigkeit und die Nacht. Damit läuten die Schweizer die Reihe ein, in der "kluge Menschen" schreiben, was sie unter "schlaflos" verstehen. Die Zürcher Theaterintendantin Barbara Frey fängt an.

Für Lehrerinnen und Lehrer

Im FAZ-Blog Planckton schreibt Joachim Müller-Jung über Prüfungsangst und Black-outs, die nur die Spitze des Eisbergs sind. Angstforscher sehen in ihrem Forschungsgegenstand nämlich eine soziale Grundkraft, die vor Mathe-Tests am deutlichsten zum Vorschein kommt.

Aber anscheinend wird in den Geisteswissenschaft auch ein leer abgegebenes Blatt noch als Essay mit "ausreichend" bewertet: Jürgen Kaube findet die Inflation der Bestnoten auf Abschlusszeugnissen in der FAZ eher ungut. Für den Freitag hat sich Michael Angele darüber mit Heinz-Peter Meidinger vom Deutschen Philologenverband unterhalten, der seit langem die Noteninflation kritisiert.

Was dürfen wir mit Fischen machen?

Markus Wild von der Uni Fribourg hat ein ethisches Gutachten verfasst, demzufolge die kognitiven Fähigkeiten von Fischen gar nicht so verschieden von denen der Säugetiere sind, wie er in der NZZ im Gespräch mit Andrea Roedig erklärt. Pescetarismus ist somit auch keine moralisch einwandfreie Ernährungsweise. Wer die Auseinandersetzung des blinden Hundes mit Fischen, Peter Singer und dem Prinzip der gleichen Interessenabwägung aus dem aktuellen Lichtwolf gelesen hat, weiß das schon und hat nun einen Argumentationsweg extra.

Sozialphilosophie warmer Stuben

Hans Ulrich Gumbrecht denkt in seinem FAZ-Blog über Bewerbungen nach - und zwar aus Perspektive derer, die täglich Dutzenden von hochqualifizierten Prekariern alles Gute für ihre weitere berufliche Zukunft wünschen. Die Selbstdarstellungen von "Musterknaben" und "Alphamädchen" erregen halb Mitleid, halb Verachtung, weil sie von der mußevollen Beschäftigung mit "literarischen Losern" abhalten und anscheinend nur von der Suche nach sozialer Sicherheit motiviert sind. (16.11.12)

Unn sünst?

Sein heißt Gesehenwerden, das wissen auch die Lütten und so verstehen sie es, wenn sie sich die Augen zuhalten, ist in der ZEIT zu lesen. +++ Wer sich als Philosoph einen Hund zum Gefährten wählt, kann ihn nicht Rex, Hasso oder "Hund" nennen. @str0mgeist hat einen guten Tipp zur Benamsung aufgetan: Hundenamen im antiken Griechenland. +++ Apropos: @derblindehund hat sich am dieswöchigen Welttag der Philosophie nicht die Nase zugehalten und dieses Philosophie-Quiz bei der FAZ aufgestöbert.


Links der Woche am 20.10.2012, 14:05 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 42/12

Mit Adorno die Ohren spitzen

Das IPuP hat einen schönen Essay in der noch schöneren Onlinepostille Magenkrämpfe auf unwegsamem Gelände [M.A.U.G.] aufgetan. Darin wird solide in die psychosoziale Analytik des Jargons der Eigentlichkeit eingeführt, um es dann Leserin und Leser zu überlassen, nämlichen in den politischen Neujahrs- und Weihnachtsansprachen heutiger Zeit aufzuspüren. (13.10.12)

Heute ein Wunder, morgen ein Restposten

Boris Hänßler macht sich die Zeit bewusst, indem er sich mit Ray Kurzweil einen Sprung um 18 Jahre in die Zukunft vorstellt. Kurzweils Vorstellungen erscheinen weniger übertrieben, blickt man - wie Hänßler - auf den Stand der Technik vor 18 Jahren zurück. Passend dazu zeigt der britische Telegraph, wie einige populäre Websites anno tobak mal aussahen. (15.10.12)

Kurze Sprünge mit fremden Federn

Die Dissertation von Bundesbildungsministerin Annette Schavan wird nach Plagiatsvorwürfen jetzt so gründlich geprüft, wie das angeblich im Promotionsverfahren üblich ist. Mit angemessenem Rigor untersucht Wolfgang Bittner in der FAZ die Aporie der Bildungsministerin, um dann grundsätzlich zu werden über die Schlendriankultur in Urheberdingen. Nebenan bei Glanz & Elend erstellt Peter V. Brinkemper anhand ihrer Vorgehensweisen ein Psychogramm des ehemaligen Doktors zu Guttenberg und der noch-Doktorin Schavan - sowie der Wissenschaftskultur, die so was mehr als nur zulässt.

Dagegen aneseln

Nach seiner Essayreihe über Nietzsche und Jean Genet portraitiert Leopold Federmair im Begleitschreiben nun den Schriftsteller Gerd-Peter Eigner als Meister des konsequenten Querulantentums. Die Händel und Verwicklungen, die Eigner literarisch und persönlich provozierte, ergeben eine dicke Autobiographie und manche Feindschaft, auf die der Außenseiter aus gutem Geschmack stolz sein kann. (18.10.12)

Gumbrecht- / Technik-Woche

Hans Ulrich Gumbrecht fragt in seinem neuen Buch "Nach 1945 - Latenz als Ursprung der Gegenwart" wie wir wurden, was wir sind, und die taz unterhält sich mit dem Historiker darüber. In seinem FAZ-Blog nimmt sich Gumbrecht der Technikphilosophie Heideggers an und versucht, sie mit Friedrich Kittler an die zeitgenössische Informationstechnik anzuschließen, um zu fragen, ob und welches Sein sie entbirgt. Das erinnert ein bisschen an die Einleitung des aktuellen Lichtwolfs ("Jenseits des Menschen"). Da muss überhaupt irgendetwas los sein diese Woche, denn die NZZ bringt Thomas Machos Aufsatz über die Abgrenzung des Menschen von Nichtmenschen (Tiere, Maschinen), der wiederum an Marc Hieronimus' aktuelle Heft-Beiträge (von denen einer auch online steht) erinnert. Vielleicht liegt es an der sehr freundlichen Besprechung der Nr. 39 im "Blog Kultur oder Wissenschaft"; ebenso offen bleibt die Frage, ob Roy Batty wirklich "I want more life, fucker!" fordert oder nicht eher "I want more life, father!".

Aber auf jeden Fall gilt: Wer Gumbrechts und Machos aktuelle Aufsätze mag, wird auch den Herbstwolf jenseits des Menschen sehr schätzen.


Links der Woche am 11.08.2012, 14:33 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 32/12

Kultur

Kultur soll den Phantomschmerz des verlustig gegangenen Paradieses lindern, so Ralf Konersmanns Eingangsthese in der NZZ, weshalb sie aber immer auch als "Sinnbild der Seinsverfehlung" gilt; Konersmanns sodann folgende Begriffsgeschichte erweist diesen prothesenhaften Kulturbegriff als unangemessen für die menschliche Sphäre. Von deren Teilgebiet Feuilleton - der "Fortsetzung des Gymnasialunterrichts mit anderen Mitteln" - hat Georg Seeßlen die Schnauze voll: In der taz fordert er dessen Abschaffung, weil es die bürgerliche Persönlichkeit, deren Aufbau der des Feuilletons entsprach, nicht gibt. (Siehe direkt dazu Marc Reichweins Feuilletonkritikkritik in der WELT.)

Gewalt

Die Gewaltausbrüche inmitten vermeintlich zivilisierter Gebiete werden vielleicht objektiv nicht zahlreicher, aber doch immer spektakulärer. Ingeborg Harms sieht in der ZEIT einen Überbietungswettbewerb der Gewalt toben, der seine Wurzeln in der französischen Revolution hat und vom unerfüllbaren Heroenkult genährt wird. Dafür, sich damit nicht abzufinden, plädiert Andreas Herberg-Rothe in der FR. Seine Begriffsgeschichte der Gewalt und Moderne zeigt sich skeptisch in Bezug auf den zivilisierenden Fortschritt, aber auch in Bezug auf die auf dieser Skepsis beruhenden Versuche, der Moderne eine kämpferische Metaphysik zu geben.

Europa

Nicht nur in der aktuellen sonntaz der Streit der Woche, ach, des Jahres: Wie alternativlos ist "Europa"? Wer so fragt, ist blöd, urteilt Ottfried Höffe in der FAZ. Deutschland wird vom Süden ausgeplündert und das Volk von Nebelkerzen werfenden Politikern an der aufgeklärten Mitsprache gehindert. (Recht ähnlich der neuliche WELT-Kommentar nebst der Leserstimmen.) Auch Hans-Ulrich Gumbrecht denkt über Europa nach, wo die Nationen heterogen nebeneinander her leben und von einander sowie von einer die Exportökonomie ummäntelnden Idee Europa angeödet sind. Immerhin profitiert die deutsche Fußball-Nationalmannschaft. (Passend zum ganzen Euro-Elend nehmen die Pläne zum Einsatz der Bundeswehr im Innern Gestalt an.)

Leistungsschutz für die Öffentlichkeit

In der Urheberrechtsdebatte gilt es, die Bereiche Kunst und Wissenschaft zu unterscheiden, schreibt Wissenschaftsrat Wolfgang Marquardt in der FAZ. Das wissenschaftliche Publikationswesen ist zugunsten der Verlage und zuungunsten der Autoren und Nutzer durchkommerzialisiert. Hier gelte es, die Herrschaft der Wissenschaftsverlage durch eine Novelle des Urheberrechts zu brechen. (08.08.12)

Pröbchen und Tierchen

Von Klett-Cotta gibt es eine 12-seitige Leseprobe, in der Helmut König die Philosophiegeschichte der Bundesrepublik behandelt (Obacht, es kommt sofort ein PDF!) +++ Diese Woche war Weltkatzentag und damit auch alle anderen niedlichen Viecher ihre Würdigung erfahren, gibt's im SZ-Magazin eine Fotostrecke von Ed Panar mit Aufnahmen von Tieren, die ihn angucken.


Links der Woche am 14.07.2012, 14:25 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 28/12

Böse, böse, böse!

Zum 50. Todestag von George Bataille legt Glanz & Elend eine Verhandlung von Goedart Palm vor, die dem Bösen nachgeht: Seine ungeklärte Herkunft zwischen Instinkt und Freiheit, seine Erkenntnisfunktion, seine Personifikation und schließlich seine Konstruktion bei Bataille. Wer diesen profunden Aufsatz gelesen hat, sollte gewappnet sein.

God GTFO!

Die Philosophin Martha Nussbaum hält Blasphemie-Schutz und ähnliche Gesetze für eine schlechte Idee, wie sie im Interview mit der FR erklärt. Gott hat in der Politik nichts zu suchen und Toleranz ist höfliche Herablassung; außerdem geht es ums westliche Verhältnis zu chinesischen und muslimischen Menschenrechten. (13.07.12)

Zum Seelenklempner

Hans-Ulrich Gumbrecht blickt in seinem FAZ-Blog auf seine näheren Vorfahren zurück, die allesamt womöglich von der zeitgenössischen Psychoanalyse profitiert hätten, wenn diese ihnen nur finanzierbar gewesen oder seriös erschienen wäre. Der Argwohn gegenüber dem Fach und die heimliche Verachtung seiner hilfesuchenden Kunden als Schwächlinge wirkt bis heute fort. (13.07.12)

Schieflagen und Scheren

Robert Misik stellt in der FR das (erstaunlich preiswerte) "Occupy Handbook" vor, das interessanterweise Essays von Spitzenökonomen versammelt, die unter dem Eindruck der Proteste dem Neokeynesianismus das Wort reden. Wirtschaftswissenschaften und Millionäre haben jenseits des Atlantik ein Problembewusstsein für Ungleichheit entwickelt, dem hierzulande mit dieser Handreichung auf die Sprünge geholfen werden könnte. (13.07.12)

What makes the grass grow?

Es ist eine Binse, dass das gefährlichste Wesen auf Erden der untervögelte junge Mann ist. Karin Kneissl hat ein Buch über den destabilisierenden Faktor des adoleszenten Samenstaus geschrieben, "Testosteron macht Politik", und Fanny Jimenez stellt es in der WELT vor. (13.07.12)

Katzen würden CSU wählen

Die unter Tieren lebende Schriftstellerin Hilal Sezgin unterhält sich in der ZEIT anlässlich der Utrechter Konferenz "Minding Animals" mit dem kanadischen Philosophen Will Kymlicka über seine Forderung, Tieren Bürgerrechte zu verleihen. Dies wäre die moralische Konsequenz aus der Domestizierung und erst so richtig Multikulti. (13.07.12)

Unn sünst?

In der NZZ bespricht Lisa Herzog das Buch über die "Ökonomie von Gut und Böse" des Prager Philosophen Tomáš Sedlá?ek. +++ Thomas Fuchs eine neue neue Biographie über das Südstaaten-Landei Samuel Langhorne Clemens vorgelegt und die taz ist begeistert. +++ In der anhaltenden Urheberrechtsdebatte untersucht Yascha Mounk die philosophischen Grundlagen der Eigentums- und Diebstahlbegriffe. +++ Marc Reichwein meditiert in der WELT über den Ursprung des Feuilleton.


Links der Woche am 09.06.2012, 14:33 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 23/12

Degeisteswissenschaftlichkeitierung

Carsten Könneker bespricht in seinem Scilog "Gute Stube" das Buch "Wissenschaftssprache. Eine Gebrauchsanweisung." von Valentin Groebner. Dessen Kritik am geisteswissenschaftlichen Schreiben kommt Lichtwolf-Lesern nicht unbekannt vor: Stefan Schulze Beiering hat von Lichtwolf Nr. 31 bis 35 längst eine ausführliche Essayreihe zur Kritik der Geisteswissenschaften und ihres Duktus vorgelegt. (04.06.12)

tertium datur

Der Philosophy Bro erklärt an seinem Mailbag Monday den Dialethismus, also die relativ moderne Auffassung, wonach ein Satz durchaus gleichzeitig wahr und falsch sein kann. Das Lügnerparadoxon und andere selbstreferentielle Aussagen dienen ihm als Beispiel, logische Positivisten müssen sehr stark sein. (04.06.12)

Teddy, mach ma Bier!

Die ZEIT-Serie "Studenten von früher" informiert uns über die wilde Studizeit eines gewissen Theodor W. Adorno, komplett mit Rock'n'Roll, Frauengeschichten und Irrungen & Wirrungen. (06.06.12)

Geschickt

Schicksal ist das Gegenteil von Selbstbestimmung und deshalb seit der Aufklärung out, findet Hans Ulrich Gumbrecht in seinem FAZ-Blog "Digital/Pausen". Allerdings hat es sich als "Kontingenz" ganz gut im Denken gehalten. Attraktiver jedoch auch als Heidegger Schick-sals-Gewese findet Gumbrecht das stoische Schicksalsgewebe. (08.08.12)


Links der Woche am 02.06.2012, 14:30 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 22/12

Was von der Corporate Identity bleibt

Der Bielefelder Soziologe Stefan Kühl beschäftigt sich in der FAZ damit, warum das Leitbild der unternehmerischen Universität nach jahrelangem Vorbeten viel einzuebnen vermochte, aber den Wesensunterschied von Unternehmen und Unis nicht. Inzwischen würden Unis "viel dafür geben (und vielleicht auch bezahlen), um in der Öffentlichkeit nicht als an der Wirtschaft ausgerichtete Unternehmen, sondern als an der Wissenschaft ausgerichtete Universitäten wahrgenommen zu werden." (27.05.12)

An ihren Worten sollt ihr sie erkennen

Im Internet tummeln sich nicht nur die Koofmichs, es nützt auch der Vernetzung von Menschen mit ernsthaften psychischen Problemen. Damit sie sich in Selbsthilfeforen austauschen können, müssen diese zunächst zu Schutzräumen gemacht werden. Katrin Rönicke beschreibt im Freitag, wie das funktioniert und wie der Trend zur Triggerwarnung langsam auch den öffentlichen Raum zerteilt. (30.05.12)

Wasserköpfe

Christiane Florin lehrt Politikwissenschaft an der Uni Bonn und hat vorige Woche in der ZEIT einen Text über ihre Studenten geschrieben. Ihre Frage an die wassersaufenden Dumpfis, warum überhaupt sie Politik studieren, kippt in die Einsicht, deren erlebnis- und verwertungsorientierter Egozentrismus sei die neue Form politischen Interesses. Juliane Löffler will das als "Studierende von heute" nicht auf sich sitzen lassen und antwortet im Freitag auf Florins Anwurf, indem sie die Studien- und Arbeitsbedingungen beklagt.

Dasein als Teil der Welt

In seinem Blog "Digital/Pausen" fragt sich Hans Ulrich Gumbrecht, wie die Welt (als Beziehungsset zwischen den Dingen und dem Ich) seines Enkels Diego aussieht: Der Zweijährige ist begeistert von Baufahrzeugen, denen er in Büchern und bei jedem Spaziergang nachspürt. Bei ihrer Entdeckung begrüßt er sie mit ihrem entsprechenden Nomen, als wäre er ontisch ihresgleichen; Dasein, das sich noch nicht als solches begreift. (01.06.12)

Das Weitere und Engere:

Bernard-Henri Lévy fordert den französischen Präsidenten auf, militärisch in Syrien einzugreifen; die WELT bringt den offenen Brief auf Deutsch. +++ Judith Butler erhält den Theodor-W.-Adorno-Preis. +++ Rezensionen: Die NZZ bespricht Neuerscheinungen zu Thompson und Gonzo-Journalismus sowie Spaemanns Autobiographie "Über Gott und die Welt". +++ Nebenan bei Glanz & Elend bespricht Jürgen Nielsen-Sikora Michel Terestchenkos "Der dünne Putz der Menschlichkeit".


Links der Woche am 01.04.2012, 15:23 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 13/12

Glück auf beim Data Mining

Dietmar Dath glaubt nicht, dass früher alles besser war, aber auch nicht, dass in Zukunft alles besser wird. In der FAZ skizziert er die vier Paradigmen der exakten Wissenschaften, deren jüngstes viertes ein Kind der Möglichkeit ist, komplizierte Berechnungen mit einer Turingmaschine zu erledigen. Vernetzt man Millionen davon, schlägt die Quantität in eine neue Qualität um, in welcher Theorie, Experiment und Simulation ununterscheidbar sind. (28.03.12)

Der Unvermeidliche

Hans Ulrich Gumbrecht denkt in seinem philosophischen FAZ-Blog "Digital/Pausen" diese Woche über die Frage nach, ob Heidegger unvermeidlich sei. (In Freiburg: ja) Grund ist die Tatsache, dass Subjektphilosophie und Konstruktivismus abgewirtschaft sind und besonders Heideggers Spätwerk neue Impulse zur Gegenwartsanalyse geben könnte. Daneben setzt sich Gumbrecht noch mit seinen inzwischen abgelegten Vorbehalten gegen Heidegger wg. 1933/34 auseinander. (30.03.12)

Metametameta

Leonie Seng verweist in Ihrem Philosophie-Blog auf das Philolink-Blog, das seit einigen Tagen Links zu philosophischen Themen sammelt, und wir verweisen in unserer wöchentlichen Sammlung von Links zu philosophischen Themen auf den Verweis zur Verweissammlung. Deconstruct this, Poststrukturalismus! (30.03.12)

Weltwissen in 45-Minuten-Häppchen

Judith Schalansky hat mit "Der Hals der Giraffe" den wunderbaren Monolog einer verbitterten Bio-Paukerin verfasst und denkt nun in der FAZ über Schulbücher gestern, heute und morgen nach; sowie über das Rätsel, das über jeder Schulzeit hängt - gerade wenn Klausuren anstehen: Wofür soll man den ganzen Stoff später mal brauchen? (01.04.12)


Links der Woche am 14.05.2011, 14:30 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 19/11

Kollektiv für das Individuum

Vor einer Weile hat sich u.a. die FAZ mit "Der kommende Aufstand" beschäftigt - eine Weckschrift, die von einem unbekannten Autorenkollektiv verfasst wurde. In der multitudinalen Autorschaft scheint linksrheinisch ein neuer Trend zu liegen, wie Niklas Maak mit Blick auf die in Paris veröffentlichten "Grundbausteine einer Theorie des Jungen-Mädchens" berichtet. Wieder ein Kollektiv - diesmal unter dem Signet "Tiqqun" - analysiert darin das durchkapitalisierte Individuum. (10.05.11)

not(Rezension)

Waldemar Kesler bespricht in der taz den/die "Logicomix" - einen philosophiegeschichtlichen Comic über Logik mit Bertrand Russell in der Hauptrolle -, allerdings ohne einen Eindruck vom Inhalt des Buchs in Wort oder Bild vermitteln zu können. (10.05.11)

Alle Fragen offen

Die FAZ hat ein neues Blog am Start: "Digital/Pausen" soll wohl Philosophie und Gegenwart behandeln. Das Blog wird beschickt von Hans Ulrich Gumbrecht, der zu Beginn von einem Seminar schwärmt, zu dem er Peter Sloterdijk nach Stanford eingeladen hatte. Gewohnt wolkig mythologisierte Schlotterdeik die Gegenwart des Astro-Terrors in mesopotamischer Stimmung. (11.05.11)

Linke, Liebe, Leiden

Raffael Fritz weist in/bei Ö1 Wissenschaft auf das neue Buch von Alain Badiou hin, das diese Woche erscheint: "Lob der Liebe. Im Gespräch mit Nicolas Truong" Darin wendet er sich gegen Partnerbörsen und Biologismen, die Badiou allesamt als Ausflüsse eines sicherheitsfanatischen Hedonismus gelten. Echte Liebe muss bereit sein, zu leiden und durchzuhalten. (13.05.11)

Und sonst so?

Sonst interessiert sich "Popküken" Lena Meyer-Landrut offenbar für ein Philosophie- oder Theologiestudium, im Philosophicum Lech wird nach einer Eröffnung von Schlotterdeik über das Glück nachgedacht und Hans-Jürgen Stöhr ist ein Berater für "gescheites Scheitern".


Ähnliche Suchbegriffe:

Erneute Suchanfrage oder zum Stichwortverzeichnis.


Lektüreempfehlungen


Reklame


Die legendäre Comeback-Ausgabe: Dieses Heft (wie auch andere, nicht ganz so comebäckige) können Sie nur hier im Einkaufszentrum bestellen.



Im Einkaufszentrum »

Die aktuelle Ausgabe:

Lichtwolf Nr. 59 (3/2017), September 2017

Titelthema: Alte Berufe

vorherige Ausgabe

Lichtwolf Nr. 59 (3/2017)

nächste Ausgabe

51 alte Berufe im philosophischen Portrait, ausführlicher: Alchemist, Matador, Schuster, Schutzmann, Töpfer und Zensor. Außerdem Lachse, Jacques Ellul und Automobile.


Reklame


Laudatomat

Kennen Sie das? Sie müssen plötzlich eine Preisrede halten - doch woher nehmen? Der Laudatomat hilft und liefert Laudationes auf Knopfdruck!



Monatsbuch

Zeichenkette Stichwort

« Oktober 2017
So Mo Di Mi Do Fr Sa
1234567
891011121314
15161718192021
22232425262728
293031

Stichwortverzeichnis


Archiv


catware.net Verlag

Michael Helming: Fliegende Fische

Michael Helmings neuer Roman - ein Krimi im Stile des magischen Realismus: als Taschenbuch beim catware.net Verlag oder hier im Einkaufszentrum für nur 9,80 € - sowie als E-Book für Kindle oder im epub-Format für bloß 4,99 €.


Martin Gohlke: Im Bauch der Titanic

Da wird die Geschichte der westdeutschen Intelligenz lebendig: Martin Gohlkes Roman gibt es als Hardcover mit 394 Seiten beim catware.net Verlag oder hier im Einkaufszentrum für nur 19,80 €.


Marc Hieronimus: Der Schritt zur Seite

Die erste Gesamtdarstellung der Décroissance-Bewegung und ihrer Ursprünge, ihrer Motive, Denker und falschen Freunde: Das leidenschaftliche und fundierte Plädoyer für ein anderes Leben ist erhältlich direkt beim catware.net Verlag oder im Buchhandel (ISBN 9783941921634) erhältlich - auch als DRM-freies E-Book.



www.lichtwolf.de