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Monatsbuch

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Mit dem Stichwort "Georg Seeßlen" sind die folgenden Artikel markiert:


Links der Woche am 08.07.2017, 12:58 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 27/17

Der Konvertiteneifer gewendeter Linker

Nicht selten werden Linke irgendwann zu besonders eifrigen Rechten, wie Georg Seeßlen bei Getidan an diversen Beispielen aufzeigt, um sodann in neun Thesen über diese „diskursive Binnenmigration“ und die Fluchtgründe nachzudenken: Männerphantasien vom heroischen Opfer-Status, völkische Altlasten, eine „Störung ihrer inneren Geschlechterordnung“, das Scheitern an einstigen Idealen, Aufmerksamkeitsökonomie... (01.07.17)

„Bocksgesang von links“

Thomas Assheuer blickt in der ZEIT auf die vielfältige Szene derer, die gerade in Hamburg gegen den G20-Gipfel demonstrieren. Er sieht die Kapitalismuskritik gespalten in Reformer und Apokalyptiker, deren Theorie-Helden Badiou und Žižek sind und deren (auch bei der Neuen Rechten beliebte) Dekadenzphantasien auf offene Ohren stoßen, weil der Liberalismus eisig schweigt. (05.07.17)

Auschwitz und das gar nicht ewige Deutschtum

Die FAZ bringt Navid Kermanis lange Rede darüber, dass eine Einbürgerung hierzulande auch bedeutet, die Verantwortung für den Holocaust mitzutragen, wie er es bei einem Besuch in Auschwitz als Deutscher erlebte. Von hier aus stellt er faszinierende Überlegungen dazu an, was die hiesige Erinnerungskultur in Wirklichkeit, d.h. im demographischen Wandel und vor ihrem historischen Hintergrund, heißt. (07.07.17)

Vergnügtes Kind des Sonnenaufgangs

Dieter Thomä würdigt in der NZZ Henry David Thoreau zum 200. Geburtstag und stellt ihn als schrägen Eigenbrötler, asexuelles Faktotum, Hoffnungsträger für Trumpistan und Begründer des „amerikanischen Transzendentalismus“ vor, der uns Hingabe an die Welt, zivilen Ungehorsam, Kommerzkritik und Extravaganz lehrt. (08.07.17)

Neue Bücher

Zu seinem 70. Geburtstag gönnt sich Peter Sloterdijk den Essayband „Nach Gott“, der laut der Rezension im Standard so elitär gehalten ist, wie der Titel verspricht. +++ Bruno Latour hat acht Vorträge über die Menschheitsaufgabe gehalten, den Klimawandel zu bewältigen; das Buch, in dem sie versammelt sind, wird im Freitag trotz seiner religiösen Untertöne gelobt. +++ Die NZZ weist auf den von den Wirtschaftsethikern Michael S. Assländer und Bernd Wagner besorgten Sammelband mit Texten zur Philosophie der Arbeit hin.

Außerdemos von Sonstnochos:

Philosophiegeschichtliche Überlegungen zum Wesen der Materie können auch heutige Chemiker noch viel lehren, glossiert Sibylle Anderl in der FAZ. +++ Andrian Kreye macht sich in der SZ Gedanken über die Innovationseuphorie Silicon Valleys im Gegensatz zur europäischen Skepsis gegenüber dem Internet als Weltverbesserungsmaschine, die ein besseres Internet hervorbringen könnte. +++ Komisch, aber unironisch: Marc Hieronimus’ Buch über die Décroissance-Bewegung und den Schritt zur Seite gibt es nun auch als E-Book. (Den aktuellen Lichtwolf über Wurst übrigens auch.)


Links der Woche am 11.03.2017, 14:25 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 10/17

Die Last mit dem Lesen und Schreiben

Für die FAZ wägt Thomas Thiel Nutzen und Nachteil des Reformplans zum Wissenschaftsurheberrecht ab, der Forschung und Lehre die weitgehend kostenlose Nutzung von Texten einräumen soll. Verlags- und Wissenschaftsinteressen kollidieren auf der einen Seite, auf der anderen machen Sparzwang und Publikationsflut eine Reform des universitären Bibliothekswesens nötig. (08.03.17)

Humor, Distinktion und Identität

Im Uniblog der FAZ weist Felix Simon auf unterhaltsame Internet-Angebote hin, die mitnichten bloß der studentischen Prokrastination dienen: „Shit Academics Say“, „Research Wahlberg“ und „Lego Grad Student“ sind bei großen und kleinen Wissenschaftlern beliebt, weil ihr Humor nur Insidern des absurden akademischen Betriebs verständlich ist und jene so ihrer Zugehörigkeit zu dieser versichert. (10.03.17)

„Awkwardness, confusion and contradiction“

Andrea Köhler portraitiert in der NZZ den umtriebigen Agenten und Herausgeber John Brockman als „kulturellen Impresario“, der - geprägt von der Hippie-Bewegung - auf seinem „Cyber-Portal“ edge.org Geistes- und Naturwissenschaft sowie Kunst und Technologie zu einer „dritten Kultur“ zusammenschweißt. (11.03.17)

Demokratisches Denken im globalen Trumpistan

In der NZZ denkt Christine Abbt mit Harriet Taylor und John Stuart Mill über das Verhältnis von demokratischer Mehrheitsherrschaft und individueller Freiheit nach - und welche Rolle die Identität dabei spielt. In der ZEIT beobachtet der Schriftsteller Norbert Niemann dieselbe „Verbindung einer marktschreierischen Öffentlichkeit mit skrupelloser Bereicherung und opportunistischer Demagogie“, gegen die Karl Kraus vor 100 Jahren anschrieb. In der ZEIT erklärt Nils Markwardt den Aufstieg des Aufschneiders Trump mit dem Boom des konservativen Talk-Radios, die in den USA die Speerspitze im zynischen Kampf gegen die Relevanz von Vernunft und Tatsachen waren. Uwe Justus Wenzel fragt sich in der NZZ, ob Trump nur ein nützlicher Idiot des rechtsradikalen Chefstrategen Stephen Bannon ist. Thomas Assheuer schließlich hat in der ZEIT ein Wörterbuch rechtspopulistischen Sprechens und Denkens angelegt.

Unn sünst?

Im Gespräch mit Telepolis erklärt der Soziologe Robert Schmidt, was „symbolische Gewalt“ nach Bourdieu ist und welche Rolle sie dabei spielt, sich das Beherrschtwerden gefallen zu lassen. +++ Die SZ unterhält sich mit August Diehl, der im Kino den jungen Marx spielt (Georg Seeßlen bespricht den Film bei Glanz & Elend.), darüber, wo der echte Marx richtig und wo er falsch lag. +++ Die FAZ berichtet von einem sozialwissenschaftlichen Experiment, das nahelegt: Menschen sind durchaus bereit, auf etwas zu verzichten, um eine von ihnen angerichtete Sauerei aufzuräumen. +++ Apropos: Marc Hieronimus erklärt auf postwachstum.de, worum es in seinem Buch „Der Schritt zur Seite“ geht, das sie direkt beim catware.net Verlag bestellen können.


Links der Woche am 05.02.2017, 12:25 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 05/17

Möglich ist alles

Das Verhältnis zwischen Philosophie und Wissenschaft ist weiterhin Reinhard Jellens Thema bei Telepolis. Diese Woche sprach er mit Petra Gehring über die besonderen Eigenschaften der Philosophie als Wissenschaft, über die gleichzeitige Spezialisierung und Konvergenz der Fächer und die mögliche Absorbtion der Philosophie von den Sozialwissenschaften. (29.01.17)

Die Dinge machen ihr Ding

Algorithmen handeln präziser und wissen mehr über uns als wir selbst, weshalb - so Christopher Wimmer im Freitag - ein neuer Materialismus an der Schnittstelle zwischen Geistes- und Naturwissenschaften in der Philosophie Einzug hält, um das Verhältnis zwischen dem Anhängsel der Maschine und dem autonomen Artefakt auszuleuchten. Wimmer stellt einige Vor- und Nachdenker vor. (30.01.17)

Subversion auf Umwegen

Alles muss heute ASAP und ganz zielorientiert gehen, kommentiert Roman Bucheli in der NZZ anlässlich einer Schweizer Debatte um die zwecklose Schönschrift. Dabei sind Krakel und Schnörkel doch der schönste, weil abschweifende Widerstand gegen die allseits gepredigte geometrische Lebenskunde! (04.02.17)

Der Idealismus heute

Für die FAZ unterhält sich Ulf von Rauchhaupt mit dem Philosophen Vittorio Hösle über den Idealismus in ökonomisch-technischen Zeiten. Hösle erklärt darin erstmal den Unterschied zu Realismus, Materialismus usw. - und woran diese Positionen scheitern; außerdem sind Kreise besser als Pferde und moralische Urteile so real wie mathematische. (05.02.17)

Vom Radikalismus zum Terrorismus

Wer noch keine rechte Vorstellung davon hat, wie Radikalisierung ganz normaler Bürger infolge eines fraglich gewordenen Sicherheitsempfinden funktioniert, dem erklärt es der Psychologe Ernst-Dieter Lantermann in der NZZ. Für Glanz & Elend wiederum hat Jürgen Nielsen-Sikora „Die Erfindung des Terrorismus“ gelesen: Carola Dietze erklärt darin an fünf Beispielen, wie der moderne Terrorismus zwischen 1858 und 1866 entstand.

Two weeks in...

Zwei Wochen Trump sind geschafft, mindestens 206 liegen noch vor uns. Slavoj Žižek verlangt in der NZZ von der globalen Linken, zu lernen, lernen, lernen: Statt weiterhin die politisch korrekte Sprachpolizei zu spielen sollte sie darauf reagieren, dass sich der Milliardär Trump erfolgreich als Rächer der Unterdrückten aufspielen konnte.

Georg Seeßlen denkt im Freitag über die auf einen Kulturkampf hinauslaufenden Beziehungen zwischen dem eher liberalen Hollywood und dem Weißen Haus nach - und inwiefern sie als Fieberthermometer der demokratischen Kultur taugen.

Der Schriftsteller Norbert Niemann zeigt sich in der ZEIT fassungslos über den schamlosem Kampf gegen Wahrheit und Dialog, wie er sich in Trumps You-Are-Fake-News-Gestus ausdrückt.

Außerdem bringt die ZEIT zum 30. Januar von Volker Ullrich zusammengestellte abwartende Reaktionen von Zeitgenossen auf Hitlers Amtsantritt vor 84 Jahren - auch auf Englisch erhältlich.


Links der Woche am 31.12.2016, 15:23 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 53/16

Anderswo ist’s auch scheiße.

Nach wie vor jährt sich die Veröffentlichung von Thomas Morus’ „Utopia“ zum 500. Mal. Für die ZEIT hat sich Thomas Assheuer darum ausführlich mit dem revolutionären Traum von einer besseren Welt im Irgendwo befasst, der eigentlich eine Sozialkritik des Frühkapitalismus ist und zu ihm ein auf den zweiten Blick genauso beklemmendes Gegenbild entwirft. Dennoch gibt es was zu lernen. (29.12.16)

Destillat aller Science Fiction

Stanislaw Lems Technikphilosophie kulminierte 1964 in der „Summa technologiae“. Für Telepolis hat Wolfgang Neuhaus das halbvergessene Werk noch einmal zur Hand genommen, das systematisch künftige Existenzmöglichkeiten aufzuzählen versucht und mit vielen Vorhersagen zur technologischen Entwicklung richtig lag. (29.12.16)

Niemand ängstigt sich wie die Deutschen

Was es alles gibt! Gefühlshistoriker zum Beispiel - mit zweien von ihnen, Frank Biess und Bettina Hitzer, unterhält sich der Tagesspiegel über die spezifisch deutsche Gefühlswelt, namentlich die German Angst, deren historisch-philosophische Wurzeln die beiden untersucht haben. (30.12.16)

Mal was ganz anderes lesen?

Eva Lüdi Kong hat in jahrelanger Arbeit den 1.200-seitigen chinesischen Klassiker „Reise in den Westen“ (=zu Buddha nach Indien) ins Deutsche übersetzt. Mark Siemons zeigt sich in der FAZ fasziniert und begeistert von dem fremdartigen Epos mit seinen philosophisch-religiösen Ausschweifungen und seinem anarchischen Witz. (30.12.16)

Das Jahr des Hiob

Was soll man nur vom zu Ende gehenden Jahr 2016 halten, fragt sich Dirk Gieselmann in der ZEIT. Es hat uns die Rechnung für unser bisher so sorgloses Leben hingeknallt und damit zutiefst gekränkt und verunsichert. Nun gilt es, die passende Musik zu suchen, um damit klarzukommen, dass der nächste Tiefpunkt folgt. (30.12.16)

Neue Bücher:

Die NZZ bespricht Kurt Steinmanns neue Übersetzung der Orestie von Aischylos - mit spürbarer Wehmut nach der alljährlichen Selbstvergewisserung der Polis im Theater. +++ Die FR empfiehlt Sarah Bakewells unterhaltsamen Spaziergang durch die Philosophie des 20. Jahrhunderts, „Das Café der Existenzialisten“. +++ Tal Sterngast blickt in der taz mit der liebevoll gestalteten Neuausgabe von Salvador Dalís unappetitlich-surrealistischem Kochbuch „Die Diners mit Gala“ auch zurück auf das Jahr 2016.

Kommentare zu Berlin

Der Psychologe Ahmad Mansour kommentiert im Tagesspiegel die Verschwörungstheorie-Gläubigkeit rund um die Papiere des Attentäters, die am Anschlagsort gefunden wurden. Der Politologe Herfried Münkler rät in der ZEIT, die Sicherheitsorgane ihre stille Arbeit machen zu lassen und Angstpolitiker nicht weiter mit Wahlerfolgen zu unprofessionellem Gerede zu ermuntern.

Et cetera:

Zu den wenigen Prominenten, die 2016 nicht gestorben sind, gehört Hermann Lübbe, den die NZZ zu seinem heutigen 90. Geburtstag würdigt. +++ Gina Thomas empfiehlt in der FAZ einen Besuch der neuen Mathematik-Galerie im Londoner Science Museum, das auch für Mathe-Allergiker faszinierend sein dürfte. +++ Endlich mal wieder was von Georg Seeßlen! Im Freitag setzt er sich gewohnt klug mit der Intrige als Werkzeug der Macht auseinander. +++ Denken Sie dran: Ein Lichtwolf-Abo ist nur noch heute für 26,80 Euro zu haben, sobald das elende Scheißjahr vorbei ist, kostet ein Jahr „Zeitschrift trotz Philosophie“ 29,80 Euro!

Guten Rutsch!


Links der Woche am 25.09.2016, 15:21 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 39/16

Geschi geht es auch nicht gut

Diese Woche fand der Deutsche Historikertag statt und man ist nicht glücklich über den Zustand des Schulfachs Geschichte. Martin Schulze Wessel erklärt in der FAZ, wie das Fach durch Output- und Kompetenzorientierung sowie Überfüllung in Krisenzeiten ruiniert wird, die es nötiger denn je machen. (25.09.16)

Spielen Maschinen uns aus?

Zum Start einer neuen Serie der ZEIT über Künstliche Intelligenz (KI) und deren Folgen beschäftigt sich Lars Gaede mit der digitalen Revolution, die die Arbeitswelt ähnlich verändern wird wie die Industrialisierung. Dazu trifft er IT-Forscher, die zuversichtlich oder kritisch auf KIs blicken, die bald nahezu alle Jobs besser erledigen können werden als wir. Einen Spezialfall beim Stand der Technik betrachtet Georg Rüschemeyer für die FAZ: Es geht um die Cepheus-KI und wie sie lernt, das schwer berechenbare Poker-Spiel zu meistern.

Neue Bücher

Jürgen Nielsen-Sikora zeigt sich bei Glanz & Elend begeistert von John Higgs’ ungewöhnlicher Art, die Geschichte des 20. Jahrhunderts als die der neuen Unübersichtlichkeit zu erzählen. +++ Ebenfalls bei G&E bespricht Wolfram Schütte Bettina Stangneths Essay „Böses Denken“, der mit Kant Vernunft, Freiheit und Moral nach ihrer Entwertung im 20. Jahrhundert auslotet. +++ Die NZZ rezensiert Kerry Howleys Romandebut „Geworfen“, dessen Protagonistin eine Phänomenologin ist, die der Faszination von Mixed Martial Arts-Kämpfen erliegt.

Unn sünst?

Die Wuppertaler Campuszeitung blickfeld spricht mit Peter Trawny über sein Heidegger-Institut und den Privatdozenten als akademischen Tagelöhner. +++ Christian Schwägerl schreibt in der FAZ über das schwierige Ringen der Geologenzunft mit dem Begriff des Anthropozäns für das aktuelle Erdzeitalter. +++ Ludger Lütkehaus würdigt in der NZZ den Ethnopsychoanalytiker und Anarchisten Paul Parin zum 100. Geburtstag. +++ Die FAZ unterhält sich ausgiebig mit dem Psychologen Claus Koch darüber, warum die Zeit zwischen 18 und 30 die härteste des Lebens ist. +++ In der Jungle World betreibt Georg Seeßlen eine umfassende politisch-phänomenologische Bildanalyse eines Portraits der schrecklich netten Familie Trump. +++ Ohne erkennbaren Anlass widmet sich Olaf Velte in der FR dem Doyen der Grauen Literatur, Victor Otto Stomps, der auch Schutzpatron der Mainzer Minipressen-Messe ist, an der der Lichtwolf im Mai / Juni 2017 wieder teilnimmt.


Links der Woche am 10.09.2016, 14:22 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 37/16

Die Realität der Bildungsrepublik

Bei Telepolis gibt es einen langen, sehr guten Text von Britta Ohm über das neue akademische Prekariat, der im Jobcenter beginnt, wo man nichts mit promovierten Akademikern anzufangen weiß, obwohl der Staat viel Geld in sie investiert hat und sich als Bildungsstandort inszeniert. Die deutsche Bildungspolitik allerdings ist, wie Ohm an der Exzellenzinitiative zeigt, wissenschaftsfeindlich. (06.09.16)

Hobby wider die Verflachung

Im Uniblog der FAZ wendet sich Michael G. Gromotka gegen das Bild von Geisteswissenschaftlern als „fehlgeleitete Schwärmer, deren Hobby [vom Staat] zu finanzieren ist“. Die Realität sieht ähnlich wie bei Britta Ohm aus: Die Universität lässt ihren geisteswissenschaftlichen Nachwuchs am ausgestreckten Arm verhungern, was durch die Bologna-Reformen noch verschärft wurde. Dem stellt Gromotka seine Ideen für eine akademische Zukunft der Geistis entgegen. (09.09.16)

Balkanisierung des Diskurses

Philip Faigle und Sascha Venohr unterhalten sich für die ZEIT mit dem Medienjournalisten Gerret von Nordheim über Bestätigungsfehler und Filterblasen, die er nach dem Amoklauf von München anhand von Twitter-Nachrichten messen und visualisieren konnte. Poppers Traum von der kritisch-rationalen offenen Gesellschaft sieht er demnach in Gefahr. (09.09.16)

Mikro-Aggression und Trigger-Warnungen

In der NZZ überlegt der um keine originelle These verlegene Hans Ulrich Gumbrecht, ob politische Korrektheit eine neue Jugendbewegung à la 1968 sein könnte. Anlass ist ein Rüffel, den sich Gumbrecht eingehandelt hat, und derartig motiviert betrachtet er - trotzdem sine ira et studio - den modernen Moralismus seiner Studenten, dessen Vorzüge in globalisierten Zeiten er einsieht. (10.09.16)

Bücher, Bücher, Bücher

Star Trek wird in diesen Tagen 50 und aus diesem Anlass wird im Wissenteil der FAZ Metin Tolans Buch über die Physik des Raumschiffs Enterprise und ihren Einfluss auf weltliche Wissenschaftler besprochen. +++ In der NZZ findet sich weniger eine Besprechung als eine Meditation über das Anthropozän, für das Andreas Weber in seinem Buch „Enlivenment“ eine neue poetisch-philosophische Kultur des Lebens sucht. +++ Die ZEIT stellt das Buch von Svenja Flaßpöhler vor, in dem sie anhand konkreter Biographien über das Verzeihen und den Umgang mit Schuld schreibt. +++ Die FAZ rezensiert Oliver Nachtweys „Die Abstiegsgesellschaft“, worin der Autor u.a. eine fatale Komplizenschaft des 68er-Postmaterialismus mit dem Neoliberalismus ausmacht und auf ein „Aufbegehren in der regressiven Moderne“ (Untertitel) hofft. +++ Hilal Sezgin bespricht für die ZEIT Valentin Becks Theorie der globalen Verantwortung, worin er eine Moralphilosophie für das Verhältnis des Westens zu ärmeren Weltteilen vorlegt. +++ Bei Glanz & Elend rezensiert Peter V. Brinkemper ausführlich Michel Foucaults soziologisch-philosophische Vorlesungen 1972/73, die unter dem Titel „Die Strafgesellschaft“ erschienen sind. +++ Peter Sloterdijk hat übrigens auch wieder ein Buch geschrieben, und zwar einen Roman über die Naturphilosophie des weiblichen Orgasmus. Kein Link.

Das Weitere und Engere:

David Spencer schildert im Freitag mit vielen links die individuellen und gesellschaftlichen Vorzüge einer Verkürzung der Arbeitszeit. +++ Der Freitag weist außerdem auf die Theaterfassung von Kamel Daouds Roman „Der Fall Meursault – eine Gegendarstellung“ bei der Ruhrtriennale hin. +++ Georg Seeßlen schreibt bei Getidan über die Mittelschicht, die AfD wählt aus Sorge, ihren Status (und damit ihre Identität) als umhegtes und tonangebendes Ideal im „Wohlfühlkapitalismus“ zu verlieren. +++ Andrea Köhler beschreibt in der NZZ mit Sigmund Freud die Katze mit ihren Ritualen als das konservative Tier schlechthin.


Links der Woche am 26.03.2016, 16:48 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 13/16

Immer noch fürs big picture da.

Für Telepolis unterhält sich Reinhard Jellen mit dem Wissenschaftsphilosophen Klaus Mainzer darüber, wie die Naturwissenschaften der Philosophie den Rang abliefen, warum diese aber immer noch allein für den Gesamtzusammenhang zuständig ist - insbesondere im Angesicht der Algorithmisierung der Welt. (19.03.16)

Erkennen, verstehen, verändern

Aufklärung hat es heutzutage schwer. Sie „geschieht nicht“, wie Georg Seeßlen in seinem Blog bemerkt. Sodann wirbt er für die soziale Praxis z.B. des Dialogs als Erkenntnisprozess, der seinen Gegenstand emanzipiert, nicht unterwirft; dies, indem Ursachen von Gründen unterschieden werden. Am Ende stünde ein Wissen, das zur Veränderung führt. (24.03.16)

Die Wahrheit muss draußen bleiben

Immer wieder mal geht es im Feuilleton ums Feuilleton. Diesmal legt René Scheu in der NZZ vor: Seit Kants Zeiten ist die Öffentlichkeit nicht zuletzt durch die Balkanisierung des digitalen Diskurses zersplittert, weshalb die paranoische Vernunft fröhlich Urständ feiert - obwohl wir es im Netz nur mit uns selbst zu tun haben. Nicht so die Feuilletonisten. (26.03.16)

Gutes Gedenke zur Flüchtlingsdebatte

Auch Mark Siemons befasst sich in der FAZ mit der neuen Ungewissheit über die gemeinsamen Grundlagen des politischen Zusammenlebens und den gegenseitigen Vorwurf der Verblendung in der Flüchtlingsdebatte, bei der Siemons Carl Schmitt, Hannah Arendt und Giorgio Agamben zu Rate zieht. Michael Angele blickt im Freitag auf Namen, Strukturen und Taktiken deutscher Rechtsintellektueller, die sich mit Ernst Jünger im Gepäck als Widerstandskämpfer gegen Merkels Flüchtlingspolitik inszenieren. Dem geistigen Junkertum à la Sloterdijk et.al. widmet auch Christoph Baumgarten eine taz-Kolumne. Alain Badiou gibt im Interview mit Nils Markwardt ebenfalls im Freitag zu Protokoll, dass die Krise ein gutes Beispiel für seinen Begriff des Ereignisses ist, Flüchtlingsströme notwendig zu unserem Kapitalismus gehören und Integration ohne Kommunismus keine Lösung ist.

Foucault ein Neoliberaler?

Seit nicht mehr allzu Neuestem wird erwogen, Michel Foucault z.B. wegen seines Begriffs der Gouvernementalität in die Reihe der Vordenker des Neoliberalismus zu stellen. Freitag-Community-Mitglied Georg Simmerl zeichnet in einem sechsseitigen Essay die Debatte nach, liefert Anhaltspunkte und Buchtipps sowie eine Diagnose, woran die Linke (wie in der Debatte zu erkennen) krankt. Im Theorieblog kann man den ganzen Essay am Stück lesen. Einer der erwähnten Autoren hat dem Jacobin vor zwei Jahren übrigens ein Interview zum Thema gegeben.

Weiteres und Engeres:

Die NZZ kommentiert den Sieg der Maschinen in einer Disziplin, in der sich der Mensch noch für länger sicher vor der Künstlichen Intelligenz wähnte: dem Go-Spiel. +++ Nietzsches Geburts- und Grabort Röcken in Sachsen-Anhalt tat sich stets schwer mit dem berühmten Sohn. Nun aber will die Gemeinde, wie die FAZ meldet, sich zum angemessenen Pilgerort für Nietzscheaner mausern. +++ Zum 500. Jubiläum würdigt die NZZ die griechisch-lateinische Ausgabe des Neuen Testaments von Erasmus von Rotterdam.

Papier zum Lesen:

Die FR stellt die beiden Philo-Zeitschriften „Orient und Okzident“ und „Konzepte“ vor, die sich der denkerischen Beziehung zwischen den beiden vertikalen Hemisphären verschreiben. +++ Alexander Wendt ist depressiv und Wissenschaftsjournalist, der über seine Erkrankung ein Buch geschrieben hat, auf das die FAZ hinweist. +++ Recht unentschieden rezensiert die FAZ Harry G. Frankfurts Buch „Ungleichheit“, das sich auf ein rein ökonomisches Verständnis des Begriffs und ein „Genug reicht.“ kapriziert, wie der Untertitel „Warum wir nicht alle gleich viel haben müssen“ verrät. +++ Auch die Jüdische Allgemeine bespricht Carlos Fraenkels Buch „Mit Platon in Palästina. Vom Nutzen der Philosophie in einer zerrissenen Welt“, findet den Ansatz sympathisch, aber auch idealistisch. +++ Neues aus Walden: Der Humanistische Pressedienst rezensiert den ersten von Thoreaus zwölf Tagebuchbänden, der Vögeln große Aufmerksamkeit schenkt. Nicht, was Sie jetzt wieder denken! „Die Wachholderdrossel ist ein modernerer Philosoph als Platon oder Aristoteles.“ +++ Ein Wiener Verlag legt Graham Greenes „Der dritte Mann“ neu auf, wie der Standard meldet. Warum die Hauptfigur Harry Lime ein ziemliches Schloch ist, erklärt Wolfgang Schröder im aktuellen Lichtwolf, den es seit dieser Woche übrigens auch als E-Book für Kindle und im epub-Format gibt.


Links der Woche am 13.02.2016, 14:20 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 07/16

Banalität des Guten

Das Fremde verweist auf die Möglichkeiten, die das Eigene einst hatte, und wird darum gehasst, so in etwa die These des an Horkheimer, Adornos und Arendt geschulten Eike Geisel, der der „Wiedergutwerdung der Deutschen“ zeitlebens misstraute. Für die taz bespricht Ulrich Gutmair einen posthumen Sammelband mit Essays und Polemiken. (10.02.16)

Das Sein neoreligiös denken

Für The European unterhält sich Stefan Groß mit „einem der bekanntesten deutschen Philosophen, [Prof. Dr. mult.] Robert Spaeman[n]“. Es geht um philosophische Ein- und Verstellungen der Zugänge zu Gott und Sein, Gefahren und Chancen der Postmoderne, die Unmöglichkeit relativer Moral sowie um Auschwitz und Spaemanns „letzten Gottesbeweis“. (12.02.16)

E-Books als Simulation des Lesens

In der NZZ schreibt der Wissenschaftstheoretiker Michael Hagner über die rein digitale Bibliothek, wie man sie an der ETH Zürich erwägt, als unwahrscheinliche Dystopie. Dem gedruckten Buch ist nicht beizukommen, auch wenn Digitalisierung und Sparzwang den Bibliotheken das Leben weiter schwer machen werden. (12.02.16)

Analysen zur schlechten Stimmung

Mit Europa, der Demokratie und dem großen Tumult seit Silvester befasst sich Wolfram Schütte ausführlich bei Glanz & Elend. Auch Georg Seeßlen macht sich in seinem Blog Gedanken, wie die Zivilgesellschaft ihren Jammer über das Erstarken der Neurechten allüberall für einen humanen Gegenentwurf nutzen könnte. Der Krisen- und Katastrophenessayist Wolfgang Sofsky denkt in der NZZ darüber nach, was so alles erschüttert wird, wenn - wie jetzt gerade - die Dinge lärmend in Bewegung geraten, und um wie viel mehr sich die Menschen dann an Hoffnungen und Versprechen klammern. Daraus resultiert das hysterische Geschrei, mit dem sich die Schriftstellerin Sabine Bergk in der ZEIT beschäftigt: Hierzulande wird gebrüllt oder geschwiegen. Warum es auch zwischen Apokalypse oder Triumph nichts zu geben scheint, ist Dirk Pilz’ Thema in der FR. Eine Antwort findet er in diversen Büchern über christliche Gewaltlegitimation, deren Motive sich im Flüchtlingsdiskurs und bei George W. Bush genauso wie bei der RAF wiederfinden.

Unn sünst?

Letzte Woche besprochen, diese Woche widersprochen: Robert Nef kann die eher positive Rezension von Axel Honneths Sozialismusbuch in der NZZ so nicht stehenlassen, weil es die behauptete soziale Freiheit nicht geben kann. +++ Die NZZ bespricht auch Wolfgang Wills Doppelportrait von Herodot und Thukydides, die das abendländische Verständnis von Geschichte und Geschichten begründeten. +++ Außerdem würdigt die NZZ die in ihrem 10. Jahrgang stehende Zeitschrift für Ideengeschichte - harte Konkurrenz für unser kleines Weltmagazin? +++ Der Irrationalismus greift ja gerade wieder mächtig um sich. Die WELT berichtet von Popmusikern, die öffentlich den Satz des Pythagoras und die Kugelgestalt der Erde ablehnen. +++ Dada wird nach wie vor 100, darum hat die NZZ eine ganze Reihe von Texten zur Würdigung von Ball, Hennings, Schwitters et.al. zusammengestellt; im Deutschlandfunk kommt heute Abend ab 23:05 Uhr die Lange Nacht über Dada.


Links der Woche am 06.02.2016, 14:38 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 06/16

Männer können alles sein

Kluge Frauen betonen es seit Jahrzehnten, ihre Gegner wollen es nicht kapieren: Feminismus ist nicht männerfeindlich. Selma Mahlknecht zeigt bei Telepolis, dass vor allem Männer eine männerfeindliche Atmosphäre schaffen und von der Gleichberechtigung nur profitieren können, wenn sie denn schon keine ethische Einsicht in ihre Notwendigkeit haben wollen. (30.01.16)

Kooperation statt Konkurrenz

Die ZEIT führt ein langes Interview mit Martin Nowak, der - für einen Evolutionsbiologen eher ungewöhnlich - gläubiger Katholik ist, und natürlich erstmal erklären muss, wie das zusammenpasst, worüber er auch manchen Vortrag hält. Für die Vereinbarkeit von Religion und Wissenschaft spreche etwa die Mathematik. (04.02.16)

Dada wird 100

Diese Woche jährte sich Hugo Balls Einladung ins Cabaret Voltaire zum 100. Mal und Christian Schröder lässt im Tagesspiegel ein Jahrhundert Dada Revue passieren: Von den Zürcher Anfängen der Erz-Avantgarde im WK I bis zu den baldigen Niedergängen und Wiedergeburten. (05.02.16)

Piraten in Gerichten

2015 war für deutsche Verlage ein „annus horribilis“, schreibt der Slawist Urs Heftrich in der FAZ, und begründet das mit zwei Gerichtsurteilen, die Bibliotheken das digitale Bereitstellen von eingescannten Büchern erlauben und Verlage von VG-Wort-Tantiemen ausschließen sollen. Den Todesstoß fürs deutsche Verlagswesen sieht Heftrich in staatlich forcierten Open-Access-Publikationen. (05.02.16)

There's something in the Air

Georg Seeßlen beschäftigt sich im Freitag mit der erfundenen Geschichte von einem Syrer, der in der Warteschlange vorm Berliner Lageso verstorben sein soll, und damit, warum der Fake so „erfolgreich“ war. Die Hyperinformationsgesellschaft hat keine Vielfalt, sondern neuen Mainstream hervorgebracht, und verhält sich darin ähnlich hysterisch-irrational wie der spekulative Finanzmarkt. (05.02.16)

Ab in den Orkus!

Da simma dabei: Ulf von Rauchhaupt beschreibt in der FAZ ausführlich, was beim Sturz in ein schwarzes Loch vor sich geht. Dazu führt er zunächst in die faszinierende Wissenschaftsgeschichte dieser astronomischen Objekte ein, ehe es um die verschiedenen Möglichkeiten geht, unter einem krassen Sternenhimmel von einer solchen Raumzeitverzerrung in auf Nimmerwiedersehen verschwindende Stücke gerissen zu werden. (06.02.16)

Schamloser Hass

Im Netz spricht der Hass und bringt eine neue deutsche Hasskultur hervor, wie Hans-Jürgen Krug bei Telepolis rekapituliert, während (und wie) PEGIDA gerade europaweit demonstriert. In der FAZ unterhält sich Andrea Diener mit der Sozialpsychologin Catarina Katzer darüber, warum es so verführerisch ist, im Netz z.B. die Fascho-Sau rauszulassen (und warum das Internet uns durcheinander und Beziehungen oberflächlich macht). In der SZ schließlich setzt sich Till Briegleb aus aktuellem Anlass mit dem Gefühl der Scham auseinander - und welche Rolle Moralvorstellungen, Privatsphäre und „Gefühlspolitik“ dabei spielen.

Außerdemos von Sonstnochos:

Fnord-Report in groß: Auf dem Wiki psiram.com kann man sich über Esoterik, Verschwörungstheorien und den ganzen anderen Quark informieren und staunen, was es außerhalb der Psychiatrie so alles gibt. +++ Guy Debord hat nicht nur übers Spektakel geschrieben, sondern war auch Praktiker: Das Österreichische Filmmuseum zeigt, wie der Standard meldet, die Filme Debords. +++ Mal ein paar Bilderbücher? Der Tagesspiegel verweist auf Kirsten Boies deutsch-arabisches Bilderbuch über die Flucht einer syrischen Familie; die NZZ stellt Kathrin Schärers traurig-schönes Bilderbuch über den Tod, den Fuchs und einen Apfelbaum vor. +++ Die NZZ bespricht auch Lambert Wiesings philosophische Abhandlung über Luxus als ästhetischen Widerstand gegen die Zweckrationalität - sowie Axel Honneths Sozialismusrehabilitation, die von einem links-liberalen Freiheitsbegriff getragen werde. +++ Der Buchautor Patrick Spät bekennt sich bei den Krautreportern mit Link dazu, die Links der Woche zu lesen. Das ist sehr nett!


Links der Woche am 14.11.2015, 14:59 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 46/15

Wer oder was ist das Volk?

Der Freitag feierte diese Woche 25. Geburtstag und holte aus diesem Anlass manches aus dem Archiv hervor. So diesen Text aus dem November 1990, in dem Georg Seeßlen sich über die vielen Bedeutungen Gedanken macht, die der Begriff „Volk“ im Slogan „Wir sind das Volk“ hat - und was das für Begriffe wie Herrschaft oder Nation bedeutet. (09.11.90)

Zwischen allen Stühlen

André Thiele erinnert in der ZEIT an den Berliner Philosophen Saul Ascher, der gegen den Antisemitismus und die nationalistische „Germanomanie“ des 19. Jahrhunderts anschrieb. Seine Überlegungen zu einem heterogenen Deutschland ohne Reinheitsfanatismus sind heute wieder aktuell. (09.11.15)

Hoffnung für die Assis überall

Ein neues Wissenschaftzeitvertragsgesetz soll das personelle Elend an deutschen Hochschulen beheben. Thomas Thiel blickt in der FAZ zurück auf die systematische Prekarisierung des wissenschaftlichen Nachwuchses im universitären Mittelbau. Die Bildungspolitik kennt das Problem, nun solle sie es lösen. (11.11.15)

Historiker vs. Systematiker

Vor einigen Woche begann in der FAZ eine kleine Debatte über analytische Philosophie vs. Kontinentalphilosophie. Nun ist Rolf-Peter Horstmann an der Reihe. Zunächst wehrt er sich gegen die Idee, historische Forschung habe in der Philosophie nichts mit Selberdenken zu tun. Dann beklagt er noch die Beliebigkeit philosophischer Fragestellungen und deren Vokabular. (11.11.15)

Den Toten dieser Woche

Zwei Verstorbene wurden diese Woche von den Feuilletons gewürdigt (und nach den gestrigen Anschlägen in Paris sind es noch viel mehr). Zu Beginn der Woche starb mit dem französischen Philosophen André Glucksmann ein Vertreter des Denkens jenseits des Rheins, der im Maoismus loslegte, die Friedensbewegung kritisierte und schließlich für Sarkozy Wahlkampf machte. Hierzulande starb der Bundeskanzler a.D. der Herzen und Lungen, Helmut Schmidt. Patrick Bahners von der FAZ erinnert sich, wie sich Schmidt einmal weigerte, ein Kant-Zitat zu kommentieren, ohne vorher den Textbeleg zu Gesicht zu bekommen. Außerdem hat dei FAZ noch ein Interview auf Lager, das Bahners und Jürgen Kaube 2011 mit Schmidt über Rauchverbote, Atheismus, Liberalismus und Islam führten.

Flucht und Fremdenfeindlichkeit

Für die FR unterhält sich Arno Widmann mit dem Historiker Michael Borgolte darüber, wie Europa durch Migration zu dem wurde, was es heute ist, und warum die Lage nicht im Mindesten mit der Roms zu Zeiten der Völkerwanderung zu vergleichen ist. Die abwehrende Haltung gegenüber Menschen, die hier Schutz suchen, wird im Feu längst auch analysiert. Caroline Fetscher macht sich im Tagesspiegel Gedanken über die menschliche Fähigkeit zur Empathie und was dazu führen kann, dass einige Menschen in der Flüchtlingskrise damit sehr haushalten. Sibylle Hamann hat bei diepresse.com eine andere Theorie: Wilde Gerüchte übers süße Flüchtlingsleben zu verbreiten dient der Repression des Reflexes, Menschen in Not zu helfen.

Et cetera:

Martin Walser teilt in der FAZ seine lebenslange Begeisterung von Nietzsches Zarathustra mit. +++ Till Hahn erinnert im Freitag an den depressiven Marxisten Louis Althusser, der als überholt gilt und dennoch die französische Philosophie bis heute prägt. +++ Als wäre die Kreiszahl Pi nicht schon faszinierend genug: Britische Mathematiker haben einen Zusammenhang zwischen Quantenphysik und Pi entdeckt, wie Telepolis meldet. +++ Raoul Schrott empfiehlt in der NZZ die Lektüre von „Die Inseln“ aus der Feder Jean Greniers, der ein prägender Einfluss für Albert Camus war. +++ Jürgen Kaube stellt in der FAZ drei Neuerscheinungen zum 100. Geburtstag von Roland Barthes vor. +++ Außerdem lädt Kaube zu einer Leseprobe aus dem Sammelband ein, in dem philosophische Probleme anhand der TV-Serie „The Big Bang Theory“ erörtert werden. +++ Die Jüdische Allgemeine weist auf einen neu erschienenen Band mit Gedichten von Hannah Arendt hin.


Links der Woche am 07.11.2015, 14:37 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 45/15

Der Laplacesche Dämon wird Historiker.

Will man künftige Entwicklungen vorhersagen, muss man alle relevanten Elemente kennen, aber vor allem ihre Netzwerkbeziehungen untereinander. Der Physiker Silvio R. Dahmen zeigt in der FAZ, was solche Netzwerkanalysen in mythischen Erzählungen zutage fördern und wie sie vielleicht mal dazu taugen, die Zukunft von Populationen und Zeitgeist vorherzusagen. (04.11.2015)

Die neuen Totengräber

Bei Telepolis unterhält sich Hans-Arthur Marsiske mit dem Prekariatsforscher Guy Standing über die neue explosive Klasse. Denn das neoliberale Programm forciert Ungleichheit und Entsolidarisierung in einem gefährlichen Ausmaß, wie sich am deutlichsten am demoralisierten und entrechten Prekariat zeigt. (07.11.15)

Indiana Jones der Semiologie

Roland Barthes wird zu seinem 100. Geburtstag von Peter Geimer in der NZZ gewürdigt: Mit fast schon paranoischer Sensibilität ging Barthes der beredten „Allmacht der uns umgebenden Zeichen, Codes und Botschaften“ auf den Grund und erschütterte die von Alltagsmythen verursachte scheinbare Selbstverständlichkeit kultureller und historischer Phänomene. (07.11.15)

Zweimal Seeßlen

In seinem Blog hat Georg Seeßlen diese Woche zwei wichtige Texte veröffentlicht. Im ersten geht es um Unterschiede und Zusammenhang zwischen Protz, Prunk und Luxus und was diese Begriffe jeweils für die Verbindung von Haben und Sein bedeuten in einer kapitalistischen Kontrollgesellschaft, die nur noch Protz zulässt und Luxus verdammt. Im zweiten Text meditiert Seeßlen über das Wesen der Bibliothek: Wann wird aus einer Sammlung von Büchern ein magischer Ort und was hat die Bibliothek mit Bürgerlichkeit, Erotik und Revolution zu tun?

Außerdemchen:

Bei Hohe Luft legt Richard Wolin nach und bekräftigt, warum die von Vittorio Klostermann verantwortete Heidegger-Gesamtausgabe ein internationaler Wissenschaftsskandal ist. +++ Die FR unterhält sich mit dem Historiker Fritz Stern über die derzeitige Entwicklung in Deutschland, das über der Flüchtlingsfrage zerrissen ist. +++ Axel Honneth versucht sich in seinem neuen Buch an einer Aktualisierung der Idee des Sozialismus, der jedoch - so die taz - die richtigen Leute fehlen. +++ Im Telepolis-Interview gibt Hans-Christian Dany Auskunft über den Stillstand als verzögertes Ende des Kapitalismus. +++ Die NZZ zeigt sich fasziniert von der deutschen Ausgabe vom „Tagebuch eines Philosophen“, den präpotenten Notizen des jungen Alexandre Kojève. +++ Außerdem wünscht die NZZ der deutschen Neuausgabe von Lew Schestows „Apotheose der Grundlosigkeit“ die Aufmerksamkeit, die Schestows Denken in Frankreich längst zuteil geworden ist.


Links der Woche am 31.10.2015, 14:15 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 44/15

Das Auto ist schuld

Nun nimmt sich auch die ZEIT der ethischen Implikationen des autonomen Fahrens an, denn: „Ein Roboter-Auto ist keine Utopie mehr.“ Niels Boeing (!) schreibt über die Aussichten, selbstlernende Maschinen als juristische Person mit eigenem Vermögen oder als Rechtssubjekt ganz eigener Art einzustufen. (26.10.15)

Der kleine große Unterschied

Der Homer-Neuübersetzer und Dichter Raoul Schrott hat in der „Ilias“ einen Übersetzungsfehler entdeckt, der die bisherige Rezeptionsgeschichte des Epos in Frage stellt. Zu Beginn wird nämlich, wie er in der FAZ erklärt, weder eine Göttin noch Muse angerufen, sondern die Titanin Themis. (27.10.15)

Zwei Neuerscheinungen zum Thema Sterbehilfe: Zwei Ärzte und Robert Spaemann diskutieren in ihrem Buch, das die FAZ vorstellt, über assistierten Suizid und kommen zu einem eindeutigen Urteil. Methodisch und im Urteil komplementär dazu steht Georg Diezens Buch über selbstbestimmtes Sterben, das im Freitag besprochen wird.

Weitere Rezensionen: Die NZZ ist fasziniert von Alexander Demandts Kulturgeschichte des westlichen Zeitbegriffs, der im (Ein-)Teilen und im Kalender wurzelt. +++ Außerdem stellt die NZZ die gesammelten politischen Reden des pointiert-essayistisch formulierenden Historikers Fritz Stern über Totalitarismus, Widerstand und US-Politik vor.

Et cetera:

Diese Woche bereits getwittert, für die Akten hier noch einmal: Georg Seeßlens großartiger Essay in der ZEIT über den Horrorfilm als Gradmesser des Zeitgeistes. +++ Wenn Sie schon dabei sind, seien Ihnen auch Seeßlens aristotelische Meditationen über Freiheit empfohlen, für die man sich trotz oder wegen ihrer Kürze Zeit nehmen sollte. +++ Die FAZ berichtet von den allen voran demographischen Fragen, anhand derer man beim Münchner Hochschulsymposium über zukünftige Herausforderungen für deutsche Universitäten nachgrübelte. +++ Das Ludwig-Boltzmann-Institut und die Wienbibliothek haben den ersten Teil des „Karl-Kraus-Projekts" online gestellt, wo man Kraus als Vorleser hören kann. Weiteres biographisches Material folgt.


Links der Woche am 19.09.2015, 14:06 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 38/15

Literatur des außerirdischen Menschen

In der Science-Fiction-Literatur ist Posthumanismus ein alter Hut. Philipp Theisohn denkt für die ZEIT anlässlich der Kinofilme „The Martian“ und „Interstellar“ darüber nach, was aus dem Menschen jenseits der Erde würde, was der digitale mit dem Weltraum gemeinsam hat und wie wichtig Bücher für diese Fragen sind - weshalb auch gleich mal einige posthumane Klassiker vorgestellt werden. (15.09.15)

Reiz-Reaktions-Professoren

Mit Blick auf die leistungsorientierte Mittelvergabe in der Wissenschaft empfiehlt Stefan Kühl in der FAZ den Hochschulmanagern die Lektüre von Motivationsratgebern. In der Wirtschaft habe man nämlich längst verstanden, mit Anreizsystemen lediglich das Frisieren maßgeblicher Kennzahlen zu befördern, wie Kühl es an Universitäten und Lehrstühlen beobachtet. (17.09.15)

Vom Wissen zum Dispositiv

In seinem Blog denkt Georg Seeßlen mit Foucault und Agamben über Wissen als narratives Gut, Funktion der Macht und Objekt des Marktes nach. Er greift dabei seine Dichtomie von Beute und Gespenst und das Dispotiv auf, in dem Wissen und Macht als Mythos aufgehen. (19.09.15)

Et cetera:

Der Politologe Claus Leggewie bespricht in der FR das neue Buch von Armin Nassehi und ist froh, dass es seine These, rechts und links seien als politische Verortungen obsolet, selbst widerlegt. +++ Die NZZ stellt die Biographie des Kirchenvaters und Frühmetaphysikers Augustinus aus der Feder von Klaus Rosen vor. +++ Lichtwolf Nr. 51 ist unterwegs zu den Abonnenten - wenn Sie auch einen haben möchte, bekommen Sie hier Ihr schönes Liwo-Abo.


Links der Woche am 29.08.2015, 14:29 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 35/15

Palaver übers Einzelne

Michael Pauen hat mit Harald Welzer ein Buch über Autonomie und Konformität geschrieben und unterhält sich auf Telepolis mit Manuel Schumann just darüber sowie über die Ableitungen wie Datenschutz und die nötigen Abgrenzungen zu Narzissmus, Chaos und digitalem Mobwesen. (23.08.15)

Nietzsche gefällt das (nicht mehr)

Antisemitische Wagnerianer werden von JHWE bestraft, indem sie nach jahrzehntelanger Warterei auf Tickets für die Bayreuther Festspiele ebendort neben dem fülligen, schnaufenden Peter Sloterdijk platziert werden. Der lässt sich in der ZEIT wiederum ausführlich und unnachahmlich über seinen Trip zum grünen Hügel aus. (25.08.15)

Menschheit aus Unruhe und Zwietracht

Hans Magnus Enzensberger hat es schon immer gewusst, schreibt Martin Meyer in der NZZ und empfiehlt daher die hellsichtigen Essays des HME zur Relektüre, für die sich die ergänzte Neuauflage seiner jahrzehntealten Essays über Migration, den molekularen Bürgerkrieg in Europas Städten und Gotteskrieger bestens eignet. (29.08.15)

Flucht und Fremdenfeindlichkeit

Michael Jäger empfiehlt im Freitag, in Dresden schleunigst Aischylos’ Tragödie „Die Schutzflehenden“ aufzuführen. In der taz beobachtet Georg Seeßlen die Rückkehr des hässlichen Deutschen, der von Demokratie, Aufklärung und Humanismus nichts mehr wissen will, wenn das Agambensche Dispositiv lockt. Die NZZ bespricht Achille Mbembes nun auch auf Deutsch vorliegende „Kritik der schwarzen Vernunft“, die den Residuen von Sklaverei, Kolonisierung und Apartheid im eurozentrischen Denken nachspürt.

Die Maschine denkt mit

Kürzlich hatten wir es schon einmal mit den juristischen und ethischen Herausforderungen, die eine zunehmend autonome Technologie u.a. im Straßenverkehr mit sich bringt. Hans-Arthur Marsiske fasst sie bei Telepolis zusammen, stellt einige Maschinenethiker sowie das Trolley-Problem und den guten alten Isaac Asimow als Ratgeber vor. In der NZZ befasst sich auch Eduard Kaeser mit denkenden Maschinen und der Berechnung von Phi, also dem Grad ihres Bewusstseins. Die Maschinen steuern unsere Autos, pflegen unsere Lieben und lösen unsere logisch-mathematischen Probleme, wie Markus Pössel in den Scilogs über automatisierte Beweisverfahren schreibt und dabei nicht außer acht lässt, dass sie auch von Experten kaum noch zu verstehen sind.

Außerdemos von Sonstnochos

Die SZ bespricht den jüngsten Essay von Byung-Chul Han, in dem dieser dem Schönen das disruptive Element jenseits von Gefälltmirbarkeit zurückgeben möchte. +++ Nebenan bei Glanz & Elend würdigt Wolfram Schütte zum 90. Geburtstag den Kulturpolitiker Hilmar Hoffmann, der - wie der jüngst verstorbene Egon Bahr - halt noch Sozialdemokrat im Wortsinn war. +++ Die NZZ stellt uns die Streitschrift vor, in der Rudolf Langthaler (u.a. mit Kant Thomas Nagel) den Naturalismus des Atheismuspapstes Richard Dawkins auseinandernimmt. +++ Unterwegs sein: Fast schon im Ton eines guten, vertrauenswürdigen Heidegger geht, denkt und schreibt Georg Seeßlen dem Pfad nach. (Nachdenken, nie folgen!)


Links der Woche am 15.08.2015, 14:32 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 33/15

Das Leben kann so anders sein

Das ZEIT Magazin unterhält sich - schick bebildert - mit dem Kosmologen Ben Moore, der via Science-Fiction zu seiner Profession fand, über die Entstehung des Universums, außerirdisches Leben (mit Nerven aus Draht!) und welche große Rolle der Zufall bei alldem spielt. (11.08.15)

Einmischung und Synthese bringen nichts

Anreizsysteme können ziemlich nach hinten losgehen, wie Bernhard Pörksen in der ZEIT mit Blick auf Intellektuelle schreibt. Drittmitteleinwerbung und Publikationslisten sind für die Vertragsverlängerung wichtiger als „die aus intellektueller Leidenschaft geborene Faszination“ von einem Thema, womit sich die Geistes- und Sozialwissenschaften aus dem öffentlichen Diskurs verabschieden. (12.08.15)

Kooperation statt Konkurrenz

In der ZEIT stellt Annika Reich die Psychologin Tania Singer vor, die zu widerlegen versucht, dass es den homo oeconomicus, das kapitalistische Menschenbild, gibt. Ökonomen ahnen das natürlich längst, müssen aber dabeibleiben, weil sich der mitfühlende, wankelmütige Mensch nicht in Formeln fassen lässt. (12.08.15)

Neue Bücher:

Ausführlich bespricht die SZ den jüngsten Essayband der Soziologin Eva Illouz, worin sie mit dem Zionismus für ein säkulares Israel plädiert. +++ Nebenan bei Glanz & Elend stellt uns Patrick Wichmann den neuen Band mit Claude Lévi-Strauss’ Zeitungsessays vor, die den Mythos in damals tagesaktuellen Themen wie BSE oder Prinzessin Diana beleuchten. +++ Die NZZ rezensiert Harald Welzers und Michael Pauens Buch über Konformität, Autonomie und die Bedeutung der Privatheit im digitalen Zeitalter. +++ Besprochen wird ebd. auch der neue Band der Briefe Max Webers, die er auf Reisen u.a. nach Amerika verfasst hat. +++ Kann man in diesen Tagen gut gebrauchen: Der Standard stellt Nina Horaczeks und Sebastian Wieses Handbuch zur Online-Argumentation gegen allerhand Vorurteile vor.

Et cetera:

Das SZ-Magazin unterhält sich mit der Soziologin Cornelia Koppetsch darüber, wie sich der Kapitalismus gerade selbst abschafft und jeder in der ständigen Überbietungslogik bei der eigenen Abschaffung mitmacht. +++ Der Freitag meldet, dass man sich die verrauschten irdischen Aufnahmen auf der goldenen Schallplatte, die 1977 mit der Voyager-Sonde ins All geschossen wurde, nun auch als Terraner anhören kann. +++ Standard-Leser Thall Kausenmut spricht der Philosophie die Wissenschaftlichkeit ab mit den üblichen Argumenten: keine Empirie, keine falsifizierbaren Thesen, kein Ziel. (Platon sei Dank!) +++ Vertonte Gedankengebäude: Bei openculture.com gibt es nicht nur jede Menge Uni-Vorlesungen zum Nachhören, sondern auch Kenneth Goldsmiths musikalische Interpretation der Theorien von Benjamin, Wittgenstein und Freud sowie Brian J. Davis’ Postpunk-Einspielung von Adornos „Minima Moralia“ (alles halt leider in englischer Übersetzung). +++ In seinem Blog denkt Georg Seeßlen mit Roland Barthes über den gefräßigen Blick im Kino und den gesättigten Blick vorm Fernseher nach. +++ Dirk Schümer von der WELT wollte zu Heideggers Hütte, aber für einen längeren Text hat es nicht gereicht.


Links der Woche am 11.07.2015, 14:30 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 28/15

Griechenland...

...hält die Welt weiter in Atem. Und ja: die Welt, denn es geht nicht bloß um Staatsfinanzen oder ein Währungssystem. Das findet auch Slavoj Žižek in der ZEIT anlässlich des griechischen Referendums über Pest oder Cholera: Die Griechen beharren damit auf den demokratischen Sozialstaat europäischer Prägung, den sich im technokratisch durchgesetzten Schuldenkapitalismus niemand mehr leisten kann. Ganz ähnlich beobachtet auch Georg Seeßlen in seinem Blog die innere und äußere Abschaffung der Demokratie nicht zuletzt durch marktförmige Medien. Kapitalismuskritik hat es in diesen Tagen leicht - und macht es sich zu leicht, merkt Armin Nassehi in der ZEIT an. Denn die Kritik reduziert die unbehagliche Komplexität auf die negativen Folgen des maßlosen Kapitals und so einfach ist es dann - wie im Fall Griechenland - doch nicht. Das ist ja das Problem! Vielleicht hilft es, in der Vergangenheit nach Ähnlichkeiten und Unterschieden zu suchen, wie Arno Widmann es in der FR mit einem Rückblick auf die Londoner Schuldenkonferenz 1953 tut, bei der Deutschland seine Kriegsschulden erlassen wurden.

Philosophie & Zeitschriften

Was hat Philosophie (als Ethik) im technischen Zeitalter noch zu melden? Darüber hat sich Reinhard Jellen mit zehn Philosophen unterhalten, die einen Computer bedienen können, und ein E-Book daraus gemacht, wie Telepolis meldet. Maxi Leinkauf feiert im Freitag das Philosophiemagazin Hohe Luft so hymnisch ab, dass es auch Satire sein könnte: Denn da entpuppt sich Derek Parfit als „der größte Gegenwartsphilosoph unserer Zeit“ und es gibt „Lektürevorschläge, sogar Henryk M. Broder kann dort vorkommen“, sowie „ganz praktische Ratschläge, zum Beispiel: Niemals per App seinen Freund orten!“ Eine vollkommen andere Zeitschrift (trotz Philosophie) gibt es übrigens auch als E-Book. Und warum? Gute Frage, die Stephen Burt im New Yorker mit Blick auf die kleinen unabhängigen Magazine stellt, die es trotzallem immer noch und immer wieder gibt.

Außerdemos von Sonstnochos:

Der Wirtschaftswissenschaftler Thomas Ehrmann gibt in der FAZ einen Einblick in die schöne neue Universität mit ihrer Fixierung auf Kundenzufriedenheit und staatliche Kopfgelder. +++ Nebenan bei Glanz & Elend lotet Peter V. Brinkemper die politische Dimension von „Jurassic World“ aus; außerdem stellt er ebd. Hunter S. Thompsons Gonzo-Briefe aus den Jahren 1958 bis 1976 vor. +++ Arno Widmann hat für die FR in den Bänden der Tagungsreihe „Communism: A New Beginning“ geblättert und darin Alain Badious „Idee des Kommunismus“ entdeckt, von der er sich zugleich angezogen und befremdet zeigt. +++ Die NZZ ist nicht so ganz zufrieden mit Otfried Höffes Studie zur Idee der Freiheit, die eher Rundreise als Tiefenexpedition ist.


Links der Woche am 27.06.2015, 15:18 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 26/15

Heidegger-Ungemach, nächste Runde

Heidegger Großverweser Friedrich-Wilhelm von Herrmann will dem Herausgeber der „Schwarzen Hefte“, Peter Trawny, wegen ungebührlicher Selbstvermarktung die Editorenschaft entziehen, wie der KStA meldet. Das geht aber gar nicht, wie Michael Hesse in der FR klarstellt und den Gegenangriff auf von Herrmann (er „versuche, den Nachlass Heideggers rein zu halten“) dokumentiert.

Identitätsgeschäfte und -geschlechte

In seinem Blog überlegt Georg Seeßlen, was es für die Konstitution der (nicht zuletzt politischen) Identität heißt, als jemand zu handeln. Das Thema ist auch in den USA aktuell, seit sich eine Weiße als Schwarze ausgab und ein Spitzensportler sich via Magazin-Cover als transsexuell outete. Andrea Köhler untersucht diese und ähnliche Fälle in der NZZ darauf, was sie über das westliche Identitätskonstrukt verraten.

Außerdemchen:

Eva Berendsen befasst sich für die FAZ mit Laurie Penny und ihrem topmodernen Feminismus. +++ Die NZZ stellt den jüngsten Band der kleinen Schriften Jean-Paul Sartres vor sowie Hans Joachim Schädlichs Roman über Hofnarren aus dem 18. Jahrhundert. +++ Telepolis zu guter Letzt informiert über eine Studie, derzufolge positives Denken auf liberal eingestellte Studenten eher hemmend, auf konservative eher anspornend wirkt.


Links der Woche am 20.06.2015, 16:57 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 25/15

„verblindet“ und „verblendet“

Reinhart Kosellecks „Kritik und Krise“ über Aufklärung und Politik im 18. Jahrhundert belehrte die Intellektuellen, ihre moralischen Kriterien seien dem politischen Krisenalltag fremd. 60 Jahre später sieht Caspar Hirschi in der FAZ Kosellecks Traum von der unkritisierbaren Realpolitik in der Dauerkrise verwirklicht. (13.06.15)

Schluss mit lustig!

Michael Ebmeyer denkt in der ZEIT mit E.T.A. Hoffmann, Jan Philipp Reemtsma und Flann O’Brien über die verschiedenen Weisen des Lachens nach. Das ist weniger beliebt als man denkt, insbesondere dasjenige Lachen, das Autorität zersetzt - im Gegensatz zum unfreien, hämischen Gelächter. (19.06.15)

The Internet is not only for Porn

Für Telepolis unterhält sich Reinhard Jellen ausführlich mit Georg Seeßlen über Eros und Information. Dank des Internets kann man sich vom Schreibtisch aus Sexualkontakte organisieren - was allerdings die Begriffe von Partnerschaft und Liebe hin zur Marktförmigkeit verändert. (20.06.15)

„Einzeltätervolk“

Anlässlich der jüngsten rassistisch motivierten Morde in den USA beschäftigt sich Dietmar Dath in der FAZ damit, wie in God’s own Country die Hautfarbe darüber entscheidet, ob jemand Opfer einer Tragödie oder des Terrorismus ist, und was Nudelteig mit der liberal-emanzipatorischen Unterdrückung des weißen Mannes zu tun hat. (20.06.15)

Neues vom Papst

Die NZZ zeigt sich angetan von der „Öko-Enzyklica“ des Papstes, die diese Woche erschien und zur Schonung des Oikos aufruft. Für die FAZ berichtet Patrick Bahners von den eher nicht so begeisterten Reaktionen „klimaskeptischer“ US-Konservativer auf die lyrisch-wissenschaftliche Mahnung zur Umkehr.


Links der Woche am 14.06.2015, 14:30 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 24/15

Zwischen den Fronten

Für die FAZ berichtet Jürg Altwegg von den journalistischen Arbeiten des Albert Camus aus der Résistance-Zeitung Combat, die nun auch auf Deutsch vorliegen. Wir lesen darin nach wie vor aktuelle Erwägungen über Journalismus und Ethik in der maßlos polarisierten (Nach-)Kriegsgesellschaft. (07.06.15)

Gedankenfreiheit und Marktdiktatur

Der Schriftsteller Norbert Niemann beschäftigt sich in der FAZ zunächst damit, wie die digitale Ökonomisierung die bayrische Provinz vor der Verödung bewahrte, um sodann auf die politischen und sozialen Verheerungen der Marktideologie am Beispiel der literarischen Landschaft zu sprechen zu kommen. (07.06.15)

Der kidult als politisches Riesenbaby

Warum flippen die Leute neuerdings eigentlich wegen jeder Lappalie aus?, fragt sich Ursula März in der ZEIT und hat auch gleich eine Antwort parat: Der Wutbürger ist wie das Emoji-Unwesen ein Nebeneffekt der konsumistischen Infantilisierung, die Benjamin R. Barber und Susan Neiman diagnostiziert haben. (13.06.15)

Zufall und Geschichte

Die FR beschäftigte sich diese Woche damit, wie das Prinzip Zufall die Welt regiert. Arno Widmann überlegt in seinem einleitenden Essay, wie sehr die Geschichte auch all das ist, was nicht passiert und unentdeckt bleibt. Es folgt ein Interview mit dem Medienwissenschaftler Jochen Hörisch über die religiöse Dimension der Ökonomie.

Unn sünst?

In der FR werden in ungewöhnlichem Ton die frühen Tagebücher von Alexandre Kojève, dem französischen Wirtschaftsbeamten sowie Hegel- und Stalin-Propagandeur, vorgestellt. +++ Die taz berichtet vom Festival „The Power of Powerlessness“ in Berlin, das sich mit unserem Alltag in Kontrollsystemen und Ohnmachtserfahrungen beschäftigt. +++ Die NZZ bespricht das Buch des Theologen Karl-Josef Kuschel über Martin Buber, dessen Herausforderung das Christentum wohl bereichert habe. +++ In seinem Blog geht Georg Seeßlen mit fünf Fragen der einen nach, was es ist, das ein Bild ausmacht. +++ Felix Werdermann portraitiert im Freitag anlässlich ihrer 400. Ausgabe Graswurzelrevolution, die anarchistische „Zeitung ohne Chef“. +++ Bei Telepolis lesen wir ein Interview mit Ferdinand Lassalle zur geplanten Rettung der SPD durch Neugründung - und Duellierung mit dem Parteivorsitzenden. +++ Dürfen wir Sie darauf hinweisen, dass in einer Woche der neue Lichtwolf in den Briefkästen unserer Abonnenten landet?


Links der Woche am 30.05.2015, 14:23 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 22/15

keine Freiheit jenseits des Marktes

Georg Seeßlen ist unzufrieden mit dem Begriff „Neoliberalismus“, mit der damit bezeichneten Sache ohnehin, aber um welche es sich dabei eigentlich handelt, war diese Woche Thema im Seeßlen-Blog. Das Präfix Neo- zeigt ähnlich wie das Post- etwas an, das sich zu einem Teil überlebt, zu einem anderen übersteigert hat - und das hat durchaus etwas Religiöses. (25.05.15)

Andere Neuronen, andere Sitten

Mensch lernt in jungen Jahren von seiner jeweiligen kulturellen Umwelt, was sich gehört und was nicht. Aber gibt es auch angeborene, kulturell unabhängige Normen? Dem geht Steve Ayan in der ZEIT nach, indem er erstmal wie inzwischen üblich Leute in Magnetröhren steckt, und sodann den Anteil des Gefühls (allen voran des Ekels) am Gewissen und damit an der Ethik bemisst. (26.05.15)

Das Ich als Balkan-Landschaft

Die FAZ bringt den gekürzten Vortrag, den Klaus Theweleit auf der Jahrestagung der Deutschen Psychoanalytischen Gesellschaft in Berlin gehalten hat. Darin beschreibt er, warum das Ich nie eine Einheit sondern eine Erfindung des europäischen Romans ist, was das mit seiner Figur des „Nicht-zu-Ende-Geborenen“ zu tun hat und warum das segmentierte Ich zur segmentierten Gesellschaft passt. (26.05.15)

Eklat um Peter Singer

Letzte Woche ging es bereits um das Ungemach, das sich rund um eine geplante Preisverleihung an Peter Singer entspann. Diese Woche fand die phil.Cologne mal wieder ohne Lichtwolf statt - aber auch ohne Peter Singer. Der wurde nämlich wieder ausgeladen, wie SZ und FAZ berichten, denn er habe im Interview mit der NZZ (wahrlich nicht neue) „Standpunkte geäußert, die im Widerspruch zu dem humanistisch-emanzipatorischen Selbstverständnis stehen, das die phil.COLOGNE leitet.“

Wolfram Eilenberger, der sowohl das Programm der phil.Cologne als auch das Philosophie Magazin verantwortet (aktuell mit dem Titelthema „Bin ich, was ich esse?“; lol), betrachtet die Einladung des Bioethikers nach Köln a posteriori „als Fehler“ und gab zu Protokoll: „Der deutsche kulturelle Raum ist ein anderer als der, in dem Singer sich bewegt.“ In nämlichem scheint auch die sachorientierte Diskussion noch möglich zu sein, weshalb der Ausgeladene durchaus zu Recht fragen darf: „Wie können sie sich als Philosophie-Festival bezeichnen, wenn sie zu ängstlich sind, Fragen zu diskutieren, die einige Menschen stören?“

Michael Schmidt-Salomon von der Giordano Bruno Stiftung hat ebenfalls in Reaktion auf das lesenswerte NZZ-Gespräch sogar seine Laudatio auf Singer abgesagt.

Et cetera:

Michael Girke bespricht im Freitag Klaus Theweleits Psychogramm des lachenden Massenmörders. +++ Jan Drees beschäftigt sich im Freitag mit Literaturkritik im Internet jenseits des Feuilletons - vorbildlich mit vielen Links versehen, allerdings ohne einen zu Glanz & Elend, wo genau das schon seit Jahren betrieben wird. +++ Eduard Kaeser denkt in der NZZ über die verschwimmende Grenze zwischen Laien und Experten nach; dazu gibt es übrigens eine eigene Lichtwolf-Ausgabe! +++ Bei Telepolis beobachtet Christian Meier, wie wir in die Welt der Science Fiction hineinwachsen, und rät dazu, Computer und Roboter vernünftig ins Mitsein aufzunehmen. +++ Die NZZ bespricht den neuen Essay des Politikphilosophen Jean-Claude Michéa, der die auf Recht und Ökonomie gestützte liberale Gesellschaft als das „Reich des kleineren Übels“ beschreibt. +++ Von Donnerstag bis Sonntag findet in Mainz die 23. Minipressen-Messe statt - den Lichtwolf finden Sie an Stand Nummer E07 in der Rheingoldhalle.


Links der Woche am 23.05.2015, 14:34 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 21/15

Konjunkturen der Religion

Joachim Frank führt für die FR ein Interview mit dem Religionssoziologen Detlef Pollack. Der verbindet das wechselvolle Maß an Säkularisierung in verschiedenen Gesellschaften mit dem Grad der Politisierung von Religion wie etwa im Fall des Islam. Wenn sich der Wind dreht, retten Freizeit- und Serviceangebote eine Kirche aber auch nicht mehr. (19.05.15)

Albernheit statt Ordnung!

Stuart Jeffries schreibt im Freitag, wie der Schuldenanthropologe David Graeber über Formulare, Bürokratie und Behördenwillkür sein neues Buchthema entdeckte („Die Utopie der Regeln: Über Technologie, Dummheit und die heimlichen Freuden der Bürokratie“), nämlich die sich selbst erhaltende Sinnlosigkeit der menschenunwürdigen Arbeitswelt. (20.05.15)

Das Weniger nichtet.

Nichts ist schlecht, weniger als nichts ist besser. In seinem Blog überlegt Georg Seeßlen, was es im Kapitalismus mit der Redewendung von „weniger als nichts“ auf sich hat - zum Beispiel in Bezug auf Geld, Menschen oder TV-Programm, mit deren Ver-Nichtung Mehrwert geschaffen wird. (20.05.15)

Wer eine Macke hat

In der FAZ unterhält sich Melanie Mühl mit dem Psychiater Frank Urbaniok darüber, wann ein Tick pathologisch wird, wie sich Situations- und Persönlichkeitstäter unterscheiden und warum unsere Gesellschaft Wutbürger produziert. (21.05.2015)

Zum Stand der Diskussionskultur

Kommende Woche soll Peter Singer in Berlin einen Preis für seinen Beitrag zur „Tierleidminderung“ entgegennehmen. Eine Gruppe kursorischer Leser_innen hält ihn für einen Befürworter der nationalsozialistischen Euthanasiemorde und ruft dazu auf, Leuten wie ihm keine Öffentlichkeit zuzugestehen. Glücklicherweise gibt es auch schon eine Initiative gegen die Hexenjagd auf Singer. Neu ist das alles nicht, schon bei der letzten Ehrung Peter Singers gab es große Aufregung. Überhaupt war das keine gute Woche für die Streitkultur in Germany: Hamed Abdel-Samad musste sich dafür rechtfertigen, ernsthaft und gründlich darüber nachgedacht zu haben, die Vortragseinladung einer Burschenschaft anzunehmen. Eine freie Autorin, die im Westfalen-Blatt einem Leser eher davon abriet, seine beiden kleinen Töchter als Blumenmädchen auf eine Schwulenhochzeit zu schicken, wurde der Homophobie geziehen und von ihrem Arbeitgeber im Shitstorm geopfert, worüber Don Alphonso in seinem FAZ-Blog den Kopf schüttelt.


Links der Woche am 09.05.2015, 13:23 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 19/15

Schneller, höher, weiter

Jan Heinemann unterhält sich auf dem Blog Zeit.Räume mit dem Soziologen Hartmut Rosa über Identität, Zeit- und Raumwahrnehmung in der von ihm diagnostizierten Beschleunigungskrise - und wie diese mit der ökologischen Krise zusammenhängt. (21.04.15)

Mit Hegel gegen den Kapitalismus

Der Standard spricht mit Slavoj Žižek über die nötige Rückkehr von Marx zu Hegel, da dessen pessimistische Sicht auf die Zukunft viel besser in unsere krisenhafte Moderne passt als der Fortschrittsoptimismus Marxens. Revolution ist jedenfalls nicht in Sicht. Ansonsten lobt Žižek frohgemut und schamlos den Deutschen Idealismus und einen eurozentrischen Philosophiebegriff. (03.05.15)

Subtraktion, Blockade, Widerstand

Das Unsichtbare Komitee ist mit seinem Resümee über den kommenden Aufstand zurück in den Medien, diese Woche in einem ZEIT-Interview, das sehr schön daher kommt: Denn die Fragen wurden konsequent allein mit Zitaten aus der Revoltegeschichte beantwortet. (08.05.15)

„Was kann man damit werden?“

Die ZEIT begleitet die 17-jährige Schülerin Gesine Hagmeister bei ihrem Probestudium der „vollen geisteswissenschaftlichen Dröhnung“ an der Uni Bielefeld. Dokumentiert werden die Einstiegstipps ins philosophische Studentenleben, die der Tutor aus der Philosophie-Fachschaft so auf Lager hat. (06.05.15)

Wer ist Charlie?

Die SZ berichtet über die französischen Nachwehen der Pariser Anschläge vom Januar 2015. So streitet sich die Republik u.a. darüber, ob Voltaire oder Rousseau das geeignete gedankliche Rüstzeug für den Weltbürgerkrieg liefert, und ob wirklich alle Solidaritätsbekundungen für Charlie Hebdo einen humanistischen Hintergrund haben. (06.05.15)

„mit Heidegger gegen Heidegger“

Per Leo berichtet für die FAZ von einer kritischen Tagung zu den „Schwarzen Heften“ Martin Heideggers an der Uni Siegen. Allerdings scheint das habermassche Motto „mit Heidegger gegen Heidegger“ im Streit der Kritiker_innen nicht ganz aufgegangen zu sein - oder in diesem Sinne gerade doch. (06.05.15)

Et cetera:

Falls Sie einen Einstieg in die laufende Debatte um Heideggers Schwarze Hefte brauchen, sei nochmals auf die ausführliche Nachlese bei Glanz & Elend verwiesen: Teil 1 und Teil 2; kurz zusammengefasst in Lichtwolf Nr. 46. +++ Ebenda bei Glanz & Elend bespricht Jürgen Nielsen-Sikora den Briefwechsel Theodor W. Adorno und Gershom Scholem 1939-1969, über dem stets der abwesende Freund Walter Benjamin schwebt. +++ Die taz unterhält sich mit der Kulturwissenschaftlerin Karin Harrasser über den philosophischen Kern von Science Fiction. +++ Georg Seeßlen macht sich in seinem Blog ausführliche Gedanken über Geld (als Zeit) verdienen, haben und ausgeben im Spiegel der modernen Arbeitswelt und der Rhetorik der Niedertracht; außerdem geht es um Ästhetik, namentlich um Lesbarkeit und Differenz in der Bildkunst.


Links der Woche am 04.04.2015, 13:54 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 14/15

Wiwi besser machen

Die Kolleginnen und Kollegen der Wirtschaftswissenschaften haben die Nase voll: Sebastian Puschner und Jonas Weyrosta schreiben im Freitag über den wachsenden Unmut über die theoretische und methodische Starre in der Disziplin, deren Nachwuchs bereits an einer „Pluralen Ökonomik“ arbeitet. (30.03.15)

Geisterbahn Kapitalismus

Der Kapitalismus hat mehr mit Erobern als Erwirtschaften zu tun, skizziert Georg Seeßlen skizziert in seinem Blog. Das Eroberte spukt als Gespenst durch die kapitalistische Kultur und wird in einem politischen Akt als Beute an die Integrierten verteilt. Am Ende sind selbst Menschen nur noch Beute und Gespenst. (02.04.15)

Weiter mit Heidegger

Helmuth Vetter, Vorsitzenden der Martin-Heidegger-Gesellschaft, gibt eine Stellungnahme zur Debatte um den Namenspatron ab, in der er auf die strikte Unterscheidung von Philosophie und Antisemitismus drängt. Uwe Justus Wenzel sieht in dem Drama um den fundamentalontologischen Nachlass den besten Grund, nun eine historisch-kritische Heidegger-Werkausgabe in Angriff zu nehmen. Der Baseler Philosoph Markus Wild schließlich versucht in der SZ, die Debatte um die Umwidmung des Heidegger-Lehrstuhls an der Uni Freiburg geradezurücken.

Unn sünst?

Harald Lemke hat laut Telepolis ein Buch zu einer vermeintlichen Leerstelle geschrieben, nämlich zur Philosophie der Ernährung. Lichtwolf Nr. 32 zum Thema Essen & Trinken von 2010 gibt es hier für fümpf Euro. +++ Der famose Ulrich Horstmann hat einen ganz schicken neuen Internetauftritt zu seiner Verherrlichung bekommen. Er sei gepriesen! +++ Der Freitag portraitiert die marxistische Feministin Frigga Haug, deren Lebensthema die insgeheime Zustimmung zu Kapitalismus und Unterdrückung ist. +++ Kann man immer gebrauchen: Wolf-Dietrich Plackenberg erklärt bei Telepolis am 1. April, wie man ruckizucki eine Zahl in Primfaktoren zerlegt. +++ Der Freitag-Leser Gunnar Kaiser widerspricht der These des österreichischen Philosophen Robert Pfaller, wir hätten uns den Genuss verboten: der Genussbegriff ist verquer und die Verallgemeinerung falsch. +++ Lichtwolf Nr. 49 zum Thema Blumenkraft gibt es seit dieser Woche auch als E-Book für Kindle und im epub-Format.


Links der Woche am 28.03.2015, 14:27 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 13/15

Schicksalsgemeinschaft Mensch und Hund

Zum Ende einer dermaßen unerfreulichen Woche mal was Nettes: Christina Hucklenbroich setzt sich in der FAZ mit der Lage des Hundes auseinander, der keineswegs bloß als Ersatzkind fungiert, auch wenn um Hundeerziehung genauso wie um Kindererziehung gestritten wird und der Hund manches Herz zu öffnen vermag. (28.03.15)

Nochmal wg. Heidegger

Der jüngste Band der „Schwarzen Hefte“ Martin Heideggers hält das Feu weiterhin auf Trab. Für die WELT hat Markus Gabriel darin geblättert und schildert die Entschuldigung des Geschicks im „Wahnsystem[...] des Seynsdenkers Heidegger“. Adam Soboczynski geht in der ZEIT dem Verdacht nach, die bisherigen Bände der Heidegger-Gesamtausgabe könnten von den Herausgebern gesäubert worden sein, was den Klostermann Verlag nervös macht. Der Freiburger Emeritus Rainer Marten fordert ebenfalls in der ZEIT, endlich Heideggers Nachlass komplett freizugeben. Parapsychologisch fundiert beschäftigt sich Hannah Lühmann in der WELT mit Heideggers Geist und seinen Freiburger Ghostbustern.

Das Weitere und Engere:

Georg Seeßlen denkt über Diskriminierung nach. +++ Jürgen Nielsen-Sikora zeigt sich bei Glanz & Elend enttäuscht von Leo Schestows antiakademischem Denktagebuch „Apotheose der Grundlosigkeit“. +++ Die taz meldet den Tod von Barbara Emme, der Supermarkt-Kassiererin, die sich erfolgreich gegen ihre Kündigung wegen eines Pfandbons wehrte. +++ Die NZZ bespricht Herausgaben aus dem Nachlass Hans Blumenbergs u.a. zur Bedeutung des Mythos in der Politik. Auch der Freitag beschäftigt sich mit Blumenbergs nachgelassener Kritik an Hannah Arendts Entzauberung Eichmanns. +++ Klaus Theweleit hat seine „Männerphantasien“ fortgesetzt: Die FAZ bespricht sein Buch über die Lust am Töten von Breivik bis zur IS-Miliz. +++ Mit Frühling ist noch nicht so viel, aber die Frühlingsausgabe zum Thema Blumenkraft ist schon da.


Links der Woche am 21.02.2015, 14:44 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 08/15

Spiegelwelt der islamisierten Dauerkriminalität

Für die ZEIT war Georg Seeßlens Exegese der Propaganda europäischer Dschihadisten so wichtig, dass sie den Essay auf Deutsch und Englisch veröffentlichte. Der Essay ist auch bei Getidan zu lesen und beschreibt, wie mit westlicher Gangster-Ästhetik ein Gegennarrativ zum westlichen Liberalismus geschaffen wird, der dem nichts für Betroffene ähnlich Attraktives entgegenzusetzen hat. (16.02.15)

Darüber lieber keinen Volksentscheid

Das Für und Wider der Todesstrafe gehört zu den Grundübungen der politischen Philosophie. In seiner ZEIT-Kolumne erklärte Bundesrichter Thomas Fischer diese Woche angenehm elaboriert, warum der Staat seine Bürger nicht töten darf und eine (womöglich gar lebenslange) Freiheitsstrafe für den Menschen als Bürger auch nicht ohne ist. (17.02.15)

Et cetera:

Die beiden Martins Altmeyer und Dornes sind in der FAZ nicht damit einverstanden, dass Slavoj Žižek und Byung-Chul Han die Schuld am IS nicht allein dem Araber in die Schuhe schieben, sondern Liberalismus und Kapitalismus für einen Teil des Problems halten. +++ Der Freitag portraitiert die britische Feministin Lynne Segal, die sich gegen Fokussierung des feministischen Sexualitätsdiskurses auf männliche Gewalt und für mehr Gemeinschaft ausspricht. +++ In Lichtwolf Nr. 45 und 46 hatte sich Bdolf mit kontrafaktischen (Nazi-)Romanen beschäftigt - ein Thema, das wohl in der Luft liegt: Richard J. Evans’ politisch-methodischer Essay „Veränderte Vergangenheiten“ wird in der FR besprochen. +++ Arno Widmann bespricht ebenfalls in der FR den neuen Essayband des Historikers Götz Aly, worin dieser gegen den Mythos von der Kaperung der Deutschen durch die Nazis anschreibt. Der Band heißt „Volk ohne Mitte“ und um die geht es auch im FR-Interview mit dem Soziologen Heinz Bude über Engherzigkeit und Antikapitalismus in Ost- und Westdeutschland. +++ Und noch eine Essaysammlung, nun von Martin Seel, der sich darin laut NZZ-Rezension mit seiner Frankfurter Schuldialektik mit Kunst und Freiheit beschäftigt. +++ Außerdem stellt die NZZ das Buch des Entwicklungspsychologen Thomas Suddendorf vor, worin dieser der Frage nachgeht, was den Menschen zum Menschen macht und ihn vom restlichen Tierreich unterscheidet: Sprache und Zeit. +++ Heidegger laufen die Freunde weg: Die Kollegen von Hohe Luft wissen vom Unbehagen, das den Herausgeber Peter Trawny vor dem nächsten Band der Schwarzen Hefte befällt, und der Freiburger Statthalter Günter Figal hat sich ohnehin längst vom Heideggerianertum losgesagt. +++ Heute Abend gibt es wieder Radio zum Mitdenken: Im Deutschlandfunk beginnt um 23:05 Uhr die Lange Nacht über Bösewichter (von Markus Metz und Georg Seeßlen). +++ Zum Schluss die wirklich gute Nachricht: Der Theologe Jürgen Öff Öff Wagner wohnt in einem Erdloch angeblich ohne Geld und Strom und ist nun tatsächlich von der Rundfunk-Haushaltspauschale befreit, wie Telepolis meldet.


Links der Woche am 27.12.2014, 14:20 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 52/14

Nobody expects the feminist inquisition!

In der aktuellen Debatte um Feminismus meldet sich Ekkehard Knörer vom Freitag zu Wort, rekapituliert (unterhaltsam) den Auslöser (den Wunsch einx Sprachwissenschaftlerx, „Profx“ genannt zu werden) und die schäumende Aufregung darüber bis hin zur Metafrage vom Nutzen und Nachteil des Humors in der ganzen Chose inkl. TV-Tipp. (17.12.14)

Politische Ökonomie des Potlatsch

Zu Weihnachten als sozialer Institution ist jeder gezwungen sich zu verhalten. Bei Getidan schreibt Zombie- und Klassenkampf-Experte Georg Seeßlen aus gegebenem Anlass über das Schenken als semiotischen Kriegsakt in einer Welt, in der nichts mehr zu gebrauchen ist. (22.12.14)

Surfen wie Walter Benjamin

Wie man im Internet Zeit verplempert kann man demnächst an der Uni Pennsylvania vom Künstler Kenneth Goldsmith lernen, der 2013 bereits das Internet ausgedruckt hat. Felix-Emeric Tota stellt uns den Konzeptkünstler, der es so todernst meint wie einst Breton und Debord, in der FAZ vor. (26.12.14)

Et cetera:

Thomas Hettche meditiert in der NZZ über Orpheus, Sprache und Viehtransporte. +++ Die taz unterhält sich mit dem philosophischen Superstar Markus Gabriel über Hoffnung in Anthropologie und Christentum. +++ In seinem neuesten Buch erklärt der Neurowissenschaftler Gerhard Roth Psychotherapie zur Parawissenschaft, meldet die WELT. +++ Viele philosophische Buchempfehlungen nebenan bei Glanz & Elend: Gregor Keuschnig bespricht das von Jens Kulenkampff herausgegebene Buch mit Aperçus von Kant. Schneidegger stellt Peter Trawnys essayistische Nachlese zu Heideggers Schwarzen Heften vor. Byung-Chul Hans digitale Foucaultiade „Psychopolitik“ wird gleich zweimal vorgestellt: mit Fokus auf Leistungsgesellschaft und Widerstand von Jürgen Nielsen-Sikora, deutlich ausführlicher von Peter V. Brinkemper, der die Dokumentation der Verheerungen durch den internalisierten Neoliberalismus mit der Gegenwartskritik von Hardt, Negri, Sloterdijk und Naomi Klein vergleicht. +++ In der SZ wird Byung-Chul Han übrigens praktisch und stellt eine psychopolitische Analyse der PEGIDA-Bewegung inkl. Helene-Fischer-Exegese an. +++ Der Freitag bespricht neue Bücher über den „Stadtraumphilosophen“ Le Corbusier, der natürlich auch im aktuellen Lichtwolf zum Thema „Häuser“ vorkommt, welchen es auch als E-Book gibt. Der Lichtwolf wünscht einen guten Rutsch!


Links der Woche am 20.12.2014, 14:26 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 51/14

Der Raum am Anfang von allem

Ein Gehirn ist für viele Dinge hilfreich, zuallererst für die (koordinierte) Bewegung. Für die Entdeckung der zuständigen Ortszellen im Hippocampus gibt es den diesjährigen Medizinnobelpreis und der Hirnforscher Peter Thier erklärt in der FAZ, warum die Verwaltung von Raum und Zeit Grundlage aller anderen Hirnfunktionen ist. (15.12.14)

Der wöchentliche Weltuntergang

Die Simpsons werden 25 und Georg Seeßlen betrachtet die gelbe Familie in der ZEIT als tragische Helden im Menschheitsdrama Kapitalismus. Springfield ist überall, und damit der brutale Zynismus, die „Dialektik von Menschen, die können, aber nicht wollen und anderen, die wollen, aber nicht können“, angesichts derer es nicht so viel zu lachen gibt. (17.12.14)

Was „Neger“ bedeutet

Elisabeth von Thadden portraitiert in der ZEIT den Philosophen Achille Mbembe, der in seiner „Kritik der schwarzen Vernunft“ die Ökonomisierung aller Lebensbereiche auf den Sklavenhandel zurückführt und für eine humanere Zukunft nicht nur in Afrika plädiert. (17.12.14)

Vom Urknall zur Epigenetik

Der großartige Gottfried Schatz schreibt in der NZZ, wie uns das moderne, wissenschaftliche Weltbild unsere Nichtigkeit vor Augen hält, aber eben auch das unwahrscheinliche Wunder des Lebens, dessen Geschichte vom Urknall bis zu Epigenetik und Mitsein der Biochemiker geschwind skizziert. (19.12.14)

Unn sünst?

Matthias Dell schreibt im Freitag eine kleine Begriffsgeschichte des Wortes „Ausländer“. +++ Die NZZ zeigt sich enthusiasmiert Martha Nussbaums „Einstein Lectures“ über Wut und Rache in der Politik. +++ Sophie Elmenthaler reagiert in der ZEIT auf den Vorwurf der Humorlosigkeit, der letzte Woche dem Feminismus gemacht wurde.

Bücher kaufen/lesen: Zum Fest fast zu knapp, aber vielleicht als Hilfe für gute Konsumvorsätze: Die taz bringt eine Liste mit Alternativen zu Amazon für Buchkonsument_innen mit sozialen, ökologischen oder anderen Ansprüchen. +++ Bei Glanz & Elend bespricht Jürgen Nielsen-Sikora das Buch, in dem sich Nick Bostrom hauptsächlich „im Konjunktiv“ mit autonomer, d.h. starker künstlicher Intelligenz beschäftigt. +++ Die NZZ stellt die spannende Biographie Paul Watzlawicks vor, dem wir den radikalen Konstruktivismus verdanken. +++ Im Freitag weist Florian Schmid auf das neue Buch von Slavoj Žižek hin, in dem es wie immer um Kapitalismus, Krise und Revolution geht.


Links der Woche am 22.11.2014, 14:23 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 47/14

Wirkliche Wirklichkeit

Wie wir uns Bilder von der Wirklichkeit machen, das war diese Woche das Thema in Georg Seeßlens Blog. Denn nur mit objektiver und subjektiver Wahrnehmung ist es nicht getan, auch die Bilder und die Sprache beziehen sich aufeinander und produzieren so Wirklichkeit. (17.11.14)

Sterbehilfe

Auch bei der ZEIT wird weiter über Sterbehilfe diskutiert. Nils Markwardt gibt zunächst eine Übersicht der philosophischen, politischen und rechtlichen Positionen in der Debatte, die eben auch eine um den Suizid als biopolitischen Widerstandsakt ist. Dagegen sieht Hanno Rauterberg die Sterbehilfe-Diskussion als Symptom einer Epoche, die vom Unverfügbaren gekränkt ist wie keine zuvor.

Außerdemchen:

Passend zum unerfreulichen Thema und November meditiert die WELT über die Unfarbe grau und in der ZEIT feiert Nora Bossong die Melancholie. +++ Die ZEIT erklärt ganz kurz, was beim Jobben neben dem Studium zu beachten ist. +++ Die NZZ bespricht Franco Morettis Studie über den Bourgeois in der Literatur. +++ Bei Deutschlandradio Kultur wurde heute diskutiert, wozu wir die Philosophie brauchen. (Und demnächst diskutieren ein Pinguin und eine Amsel, wozu Vögel Flügel brauchen.) +++ In gut einem Monat ist Weihnachten und dann haben Sie noch eine Woche, um Ihren Essay zur Wettbewerbsfrage einzureichen, warum es etwas gibt und nicht vielmehr nichts.


Links der Woche am 08.11.2014, 14:34 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 45/14

Bro für die Welt

Der Philosophy Bro ist bekanntlich zurück und kümmert sich auch wieder um seine Mailbag. Daraus entnahm er letzte Woche eine Zuschrift und erklärt am Beispiel Wittgenstein, wie man sich auch als Laie in Philosophie einfuchsen kann und warum das Ähnlichkeiten mit einem Philosophie-Studium hat.

DDR und Derrida

Nils Markwardt unterhält sich im Freitag mit dem Philosophen und Verleger Peter Engelmann über sein Leben in der DDR und den Mauerfall. Außerdem erfahren wir etwas über die Knasterfahrung des von Engelmann verlegten Derrida und warum Slavoj Žižek oder Alain Badiou so beliebt sind. (07.11.14)

Die untoten Texte

In seinem Blog betrachtet Georg Seeßlen den Text als lebendes System, das sich der Kontrolle des Autors entzieht. So, wie er lebt, kann er auch tot oder gar untot daherkommen, zumal wenn Laplacesche Dämonen datengestützt content produzieren... (01.11.14)

Et cetera:

Und nochmal der Seeßlen, der diese Woche auch über den Zusammenhang von Aristoteles und dem Mittelstand des Nachkriegskapitalismus nachdachte. +++ Auch die FAZ bespricht Birger Priddats Ratgeber, wie man gut durchs Bachelor-Studium kommt. +++ Hans Ulrich Gumbrecht erklärt in seinem FAZ-Blog, warum Friedrich Hölderlin gerade wegen seines Wahnsinns der Dichter für unsere verrückten Zeiten ist. +++ Sterbehilfe: Die Debatte um selbstbestimmtes Sterben geht weiter. Die FR weist auf die 3sat-Reportage „Wie wir sterben“ hin. Bettina Schöne-Seifert gibt in der FAZ eine Überblick über die politische und rechtliche Lage und plädiert für die Liberalisierung der Sterbehilfe.


Links der Woche am 25.10.2014, 14:29 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 43/14

Antiintellektualismus aktuell

In der konkret blickt Georg Seeßlen am eigenen Beispiel zurück auf den Linksintellektuellen und wie dieser von rechts als abgehoben stereotypisiert wurde, um heute wie alles und jeder dem Ent- und Verwertungsprozess unterworfen zu sein. (22.10.14)

Und noch einmal Seeßlen: In seinem Blog schreibt er eine Begriffsgeschichte von Ökonomie und Politik und was Markt, Gott und Natur darin verloren haben. +++ Die taz bespricht die Studie „Die Ambivalenz des Guten“, in der Jan Eckel sich an einer Geschichte der Menschenrechte und ihrer Praxis versucht. +++ Neues aus der Maschinenwelt: Die NZZ bespricht George Dysons Buch über die Ursprünge und Großeltern des digitalen Zeitalters. Am vorläufigen Ende seiner Entwicklung steht Big-Data-Expertin Yvonne Hofstetter, die sich im Freitag mit Jakob Augstein über Algorithmen und Friedrich Dürrenmatt unterhält. Und die ZEIT frägt allen Ernstes: Werden wir irgendwann alle zu Cyborgs? Wohl nicht, aber Günter Hack brauchte bloß einen Aufhänger für seine Meditation über unser zwischen Furcht und Verinnerlichung schwankendes Technikverhältnis.


Links der Woche am 11.10.2014, 14:23 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 41/14

Pazifistisches Dilemma

Der evangelische Bischof Wolfgang Huber setzt sich in der FAZ fundiert mit der Nähe von Religion und Gewalt auseinander. Anlass ist der anhaltende Terror der IS-Miliz und die Unsicherheit, wie ihm zu begegnen wäre. Darf oder muss man töten, um das Tötungsverbot durchzusetzen? (07.10.14)

Gemeinsam gegen den Rest der Welt

Affen arbeiten nicht so eng zusammen wie Menschen, schlachten einander aber nicht so massenorganisiert ab wie diese, urteilt der Verhaltensforscher Michael Tomasello. Im Gespräch mit der ZEIT erklärt er die Geburt von Denken und Moral aus dem Geist der Kooperation, warum Hegel recht hat und was das für den Umgang mit IS und Klimawandel bedeutet. (10.10.14)

Keine Zeit für Freiheit

Überall ist gern die Rede von Freiheit, was Georg Seeßlen dazu veranlasst, über den Begriff nachzudenken. Freiheit braucht wie die Wahlfreiheit, in der sie empfunden und gedacht wird, Zeit und Raum. Die Freiheit der Bewegung, der Politik und des Denkens geht stets in der Entscheidung auf, was sich immer weniger Leute zumuten wollen. (10.10.14)

Übrigens haben Seeßlen und Markus Metz vergangenen Sonntag im DLF einen Radioessay über die Dialektik von Freiheit und Kontrolle zu Gehör gebracht; kommenden Sonntag um 9:30 Uhr wird sich Walter von Rossum in der Reihe „Essay und Diskurs“ damit befassen.)

Unn sünst?

William Deresiewicz warnt davor, den Nachwuchs auf US-Elite-Unis zu schicken, wo sie zu Exzellenzschafen zombifiziert würden, wie die WELT berichtet. +++ Ausführlichst bespricht die NZZ Peter Sloterdijks nicht mehr ganz so neues Buch „Die schrecklichen Kinder der Neuzeit“ und vergleicht es gar mit Albert Camus' „Der Mensch in der Revolte“. +++ Na, sind Sie schon fleißig am Lesen, Nachdenken und Schreiben für den Essaywettbewerb von Glanz & Elend und Lichtwolf? Bis Silvester ist noch Zeit, um die Preisfrage zu beantworten: Warum gibt es etwas und nicht vielmehr nichts?


Links der Woche am 13.09.2014, 14:25 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 37/14

Stumm lärmendes Zeitalter

Niels Boeing und Andreas Lebert von der ZEIT haben es geschafft, den scheuen und beschäftigten Byung-Chul Han in ein Interview zu verwickeln. Darin gibt er Auskunft über das Schöne als das Glatte, über den Zwang als gefühlte Freiheit und das erschwerte und ausgebeutete Glück, das es zurückzuweisen gilt.

Prekariat im Mittelbau

Roland Preuß berichtet für die SZ am Beispiel eines promovierten Historikers vom Schicksal des wissenschaftlichen Nachwuchses, das von Zeitverträgen, Arbeitslosengeld und Existenzängsten geprägt ist. Die Verantwortlichen an der Universität verweisen auf die Politik und diese auf den Wettbewerbsdruck. (09.09.14)

Unn sünst?

Georg Seeßlen war wieder sehr fleißig: Er denkt mit Ibn Rushd und Levi ben Gershon über das Verhältnis von Religion, Macht und Terror nach sowie a.a.O. über das verhinderte tatsächlich Neue und über die vielfältigen Beziehungen und Analogien von Sprache und Gesellschaft. +++ Die ZEIT portraitiert die Informatikerin Yvonne Hofstetter, die fordert, Künstliche Intelligenz politisch zu reglementieren, solange dafür noch Gelegenheit ist. +++ Die NZZ bespricht das neue Buch des Theologen Friedrich Wilhelm Graf über Religionen in der Globalisierung. +++ Telepolis berichtet vom Briefwechsel von Einstein mit der Philosophin Ilse Rosenthal-Schneider über die Natur der Naturkonstanten. +++ Die Sendung „Sein und Streit“ im Deutschlandradio Kultur beschäftigte sich diese Woche mit dem Krieg und (seiner) Sprache. Unter anderem darum geht es auch in der neuen Lichtwolf-Ausgabe zum Thema „Mars“, die in einer Woche die Briefkästen der werten Abonnenten erreicht.


Links der Woche am 06.09.2014, 16:04 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 36/14

Früher, ja früher!

Im allsommerlichen Klagen über den Intellektuellen kommt nun der Einsatz des NZZ-Feuilletonchefs Martin Meyer: Anders als früher, wo noch mit Furor über Grundsätzliches öffentlich gestritten wurde, plantschen die Intellektuellen seit 1989 und erst recht seit dem Internet nur noch in der Ironiesuppe herum. (01.09.14)

Et cetera:

In seinem Blog denkt Georg Seeßlen über das Schwierige der Vereinfachung sowie über Sicherheit im Neoliberalismus nach. +++ In der Reihe Essay & Diskurs im DLF ging es letzten Sonntag um Epikur: Matthias Gronemeyer erklärt auf löbliche Weise, was Hedonismus wirklich bedeutet und wie man jenseits der Spaßgesellschaft schön, wahr und gut wohnt. +++ Martin Seel bespricht in der ZEIT ausgiebig und ausgewogen Michael Hampes Abrechnung mit der Systemphilosophie. +++ Lichtwolf Nr. 47 zum Thema „Mars“ ist in der Mache und schickt sich an, der dickste und roteste und besteste Lichtwolf überhaupt je zu werden; mit einem Abo haben Sie das Ding bis zum 20. September im Briefkasten.


Links der Woche am 30.08.2014, 15:30 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 35/14

Carl Schmitt für Ökos?

Für die ZEIT hat sich Elisabeth von Thadden mit dem Soziologen Bruno Latour anlässlich seiner neuen Anthropologie der Moderne getroffen. Ende der 70er erledigte er den Glauben an wissenschaftliche Objektivität, heute mahnt er, pfleglich mit Gaia umzugehen, was weder mit Esoterik noch mit Notstandsgesetzen zu tun hat; Latours neues Buch ist interaktiv und wird online kollaborativ fortgeschrieben. (22.08.14)

Der Wille zur Macht als Krankheitsbild

Von Macht und Geld kann man nie genug haben, weshalb beide Einfallstore für Neurosen aller Art sind und ihrerseits der Triebfeder Neurose bedürfen, bemerkt Georg Seeßlen in seinem Blog. Stellt sich also die Frage, ob es jenseits der Fiktion vernünftige Macht (also Ordnung) ohne Neurose oder Paranoia geben kann. (23.08.14)

Studierenden zur Mahnung

Simona Pfister schreibt den Studis in NZZ Campus hinter die Ohren, nicht immer Bologna die Schuld zu geben, sondern sich durch Wahrheit frei zu machen. Die SZ interviewt Christiane Florin, die sich in einem Buch über die mangelnde Streitkultur der Facebook-Generation an den Unis beklagt.

Bücher, Bücher, Bücher:

Im Freitag verteidigt Nils Markwardt den Peter Sloterdijk gegen linke Reflexkritik, indem er ihn kritisch portraitiert als „Lehrer für Psychogymnastik“, der „den methodischen Kurzschluss zwischen Sokrates und Jürgen Klopp“ vollziehe. +++ Die Politologin Judith Shklar hatte eine kluge Methode, gesellschaftliche Werte zu analysieren: Sie untersuchte, welche Laster wie sehr verachtet werden; die ZEIT freut sich, dass Shklars Essays besser spät als nie ins Deutsche übersetzt wurden. +++ Ebenfalls in der ZEIT wird Mark Rowlands Buch „Der Läufer und der Wolf“ besprochen, demzufolge Laufen wie Philosophie glücklich-existentieller Selbstzweck sei. +++ Die NZZ stellt das Buch des Medientheoretikers Douglas Rushkoff vor, in dem er der Gegenwart eine schockartige Überforderung durch Echtzeit, Gleichzeit, Wahlmöglichkeiten und Beschleunigung attestiert.


Links der Woche am 26.07.2014, 14:29 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 30/14

Atomkrieg und Klangtapete

Wer Listen des Unglücks und Unheils in der Geschichte anlegt, ist weniger leicht zu verunsichern und kommt doch nie aus dem Staunen heraus. Arno Widmann von der FR unterhält sich mit Alexander Kluge auf typische Weise darüber, wie man die Welt und ihre Monströsitäten als Geschichte erzählt. (22.07.14)

Wissenschaftlicher Generationsschrott

Beim Wissenschaftszeitvertragsgesetz, welches das up-or-out-Prinzip an den Unis durchsetzte, hat sich die Politik angeblich was gedacht, erklärt Stefan Kühl in der FAZ. Sodann zählt er die Denkfehler und offenen Fragen der befristeten Akademikerexistenz auf, die die Rechts- und Personalabteilungen der Hochschulen auf Trab halten. (25.07.14)

Unleserliche Zeiten

Die neue Unübersichtlichkeit seit 1989 ist nicht nur politischen Komplexitäten zu verdanken, schreibt Martin Meyer in der NZZ. Dem Philosophen Mark Lilla folgend hat auch die Analysefähigkeit abgenommen, seit das libertäre Denken keine Systemalternative mehr ernst nimmt und nur noch im eigenen Saft sintert. (26.07.14)

Bildung und Wissenschaft

Die FAZ berichtet von einem Workshop der VW-Stiftung über Werbung und Kommunikation in der Wissenschaft. +++ Die NZZ stellt Valentin Groebners Essay über den Geisteswissenschaftler im digitalen Zeitalter vor. +++ Die FAZ greift die Klagen über mangelnde Reife wegen G8 und Bachelor auf. +++ Jürgen Kaube von der FAZ hat eine Studie gelesen, die den scheinbaren Zusammenhang von sozialer Herkunft und Bildungserfolg nach wie vor unklar lässt. +++ Im Freitag schreibt Achtermann über Geschichte und Gesetzeslage von Religions- und Ethikunterricht in Deutschland.

Et cetera:

In seinem Blog denkt Georg Seeßlen über das Ideogramm als Mittel des bürgerlichen Subjekts gegen moralisch-intellektuelle Dilemmata nach. +++ Der Freitag stellt ein Lesebuch mit weniger bekannten Texten Erich Mühsams vor, der vor 80 Jahren von der SS ermordet wurde. +++ Hannes Stein von der WELT hat sich mit Jim Holt unterhalten, der über die Grundfrage einen humorigen Metaphysik-Bestseller geschrieben hat.


Links der Woche am 19.07.2014, 14:23 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 29/14

Ex Internet Lux

Wie jeden Sommer beschäftigen sich Feuilleton und Intellektuelle mit ihrem eigenen Fehlen in der Öffentlichkeit. Den Auftakt macht dieses Jahr Gundolf S. Freyermuth bei Telepolis, wo er auf Geschichte und Verfall des engagierten Gelehrten zurückblickt und die Rettung im Internet sieht. (13.07.14)

Fotzen und Arschlöcher

Im Freitag schreibt Jürgen Busche recht unterhaltsam darüber, warum vulgäre Sprache in der Politik so irritierend wirkt: Mit jener werden Grobheit und Bildungsmangel verbunden, die nicht zu dem Bild von dieser passen, das von aufgeräumten Lehrbüchern gezeichnet wird. (16.07.14)

Fußball als politische Metapher

Der Fußball des Jahres 1954 hat nichts mehr mit dem des Jahres 2014 zu tun, schreibt Georg Seeßlen im Freitag. In seiner Analyse schreibt er eine politisch-ökonomischen Analyse der deutschen Verhältnisse anhand der fußballhistorischen Wegmarken nationaler Identitätsbildung. (16.07.14)

Neue Bücher:

Michael Hampes neues Buch zur Rettung der Philosophie vor sich selbst wird auch bei Spektrum der Wissenschaft besprochen. +++ Lange nichts mehr aus Heideggers Nachlass gelesen? Ludger Lütkehaus stellt in der NZZ den ersten Band mit erstaunlich zivilen Briefwechseln der Familie Heidegger vor. +++ Marc Reichwein zeigt sich in der WELT skeptisch über Stefan Müller-Doohms Habermas-Biographie, weil dem Autor als Schüler des Portraitierten die nötige Distanz fehle. +++ Albert Camus’ Liebe zu seiner algerischen Heimat war stets schwierig; nun haben zwei algerische Autoren seinen als neo-kolonialistisch bezeichneten Roman „Der Fremde“ neu geschrieben. +++ Die Philosophin Rosi Braidotti hat ein mühsam zu lesendes Buch über posthumane Subjektivität geschrieben, das in der NZZ rezensiert wird und dessen Untertitel Lichtwolf-Lesern bekannt vorkommen dürfte.

Außerdemos von Sonstnochos:

Und noch was aus dem Heft-Archiv: Heute Abend ab 23:05 Uhr kommt im Deutschlandfunk die Lange Nacht über die Magie der Zahlen und dazu passt doch sehr gut Lichtwolf Nr. 40 über Zahlen, Ziffern und Nummern. +++ Der Kapitalismus hat sich selbst transzendiert und produziert nur noch negative Werte (Krisen und Elend), schreibt abermals Georg Seeßlen in seinem Blog und konstatiert als Modell dieses untoten Kapitalismus die „Supermarkt-Kassiererin, deren hungriger Blick zwischen den Waren und der Überwachungskamera hin und her geht“. +++ Die Berner Zeitung brachte diese Woche eine Serie zur Ethik von Menschenrechten und -würde. +++ Marcus Hammerschmitt berichtet bei Telepolis von einer Studie über die verbissene Ethik-Konkurrenz zwischen Veganern und Vegetariern. +++ Der Veganismus ist auch in der Schweiz längst „in aller Munde“, wie Nadine Jürgensen in der NZZ bedenkt. +++ Hans Ulrich Gumbrecht war in Lissabon und schreibt in seinem FAZ-Blog über die Authentizität des Fado und was Derrida davon hielte. +++ Ebenfalls in der FAZ beschweren sich sieben Autoren über die Studentenjugend von heute.


Links der Woche am 12.07.2014, 14:23 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 28/14

Das totale Management

In der FAZ nimmt Dietmar Dath u.a. den Roman „The Circle“ von Dave Eggers zum Anlass für einige Betrachtungen über die nächste Zukunft der Ausbeutung, die im digitalen Business zur sektenartig verzückten Code-Fron wird. Scheinbar abgeschaffte Hierarchien und Stimmung wie auf dem Kindergeburtstag prägen den jüngsten Kreis der Hölle des Erwerbslebens zwopunktnull. (06.07.14)

ZEIT und Neuer Realismus

Seit einem Weilchen feiert die ZEIT eine Reihe zum Thema Neuer Realismus ab, dem Schlagwort Markus Gabriels. Bislang haben sich dazu einige geäußert, diese Woche war Iris Radisch dran. Sie nimmt die Annäherung des digitalen Alltags an die Science-Fiction zum Anlass, über den philosophischen Realitätsverlust nachzudenken. (09.07.14)

Unn sünst?

Die taz stellt Michael Hampes Buch vor, das zur Rettung der Philosophie durch argumentative Rationalität aufruft. +++ Anlässlich des WM-Finales denket Georg Seeßlen in der taz über nationale Identität als Konsumprodukt nach. +++ Slavoj Žižek wird vorgeworfen, aus einem Rassistenblatt abgeschrieben zu haben. +++ Zum Tod seines Freunds und Kollegen Hans-Ulrich Wehler schreibt Jürgen Habermas in der FAZ. +++ Apropos: Bei Glanz & Elend bespricht Dieter Kaltwasser die bislang umfassendste Habermas-Biographie. +++ Eine Leipziger Ausstellung blickt zurück auf die seit 100 Jahren im Meiner Verlag erscheinende Philosophische Bibliothek, wie das Börsenblatt meldet. +++ Die ZEIT ist total begeistert von Peter Sloterdijks neuem Hauptwerk, das kulturkritisch von Madame de Pompadour bis zu virtuellem Geld mäandert. +++ Die FR stellt das Buch „Zukunft als Katastrophe“ vor, in dem die Germanistin Eva Horn der Dystopie in Film und Literatur nachgeht.


Links der Woche am 28.06.2014, 19:25 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 26/14

Die ZEIT stellt Vittorio Hösles „Kurze Geschichte der deutschen Philosophie“ vor, worin er halb polemisch, halb ideengeschichtlich dem deutschen Geist nachsinnt. +++ Auch von Peter Sloterdijk gibt es ein neues Buch, „Die schrecklichen Kinder der Neuzeit“, welches in der taz besprochen wird. +++ Seit zwei Jahren sitzt Julian Assange in der ecuadorianischen Botschaft in London fest. Zum Jahrestag erinnert Slavoj Žižek im Freitag an die Wikileaks-Enthüllungen über den Wert der Freiheit im Westen. +++ Manfred Klimek von der ZEIT hat den einzigartigen Hermes Phettberg in Wien besucht und portraitiert den „schönen Menschen“. +++ Nachdem die Berliner HU erfolglos versuchte, eine Professur für „Reine Mathematik“ mit einer dieser im Fach unterrepräsentierten „Frauen“ zu besetzen, bleibt diese nun leer, wie das FAZ-Ressort Männerdiskriminierung meldet. +++ Zum 30. Todestag von Michel Foucault bringt die taz ein umfangreiches Portrait seiner Denk- und Wohnorte. +++ Der Kapitalismus produziert Dinge und Vorstellungen, schreibt Georg Seeßlen in seinem Blog und warnt: „Alles was man sich im Kapitalismus vorstellen darf, muss kapitalistisch sein.“


Links der Woche am 24.05.2014, 14:50 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 21/14

Der große Verkomplizierer

Nils Markwardt stellt im Freitag Pierre Bourdieus Vorlesungen am Collège de France von 1989 bis 1992 vor, in denen sich der engagierte Denker ganz an sein Motto hält: „Soziologie ist ein Kampfsport, den man zur Verteidigung gebraucht und in dem Fouls streng verboten sind.“ Innendrin weist er den modernen Staat u.a. als unübersichtliche Konzentration symbolischer Ressourcen auf. (22.05.14)

Auf der ganzen Welt eingeschrieben

Massive Open Online Courses (MOOCs) beschäftigen schon seit einer Weile das Feuilleton. Nun hat Friedemann Bieber für die FAZ mal den Selbstversuch gewagt und beschreibt, wie er ein Seminar des Historikers Bernard Cooperman digital besucht hat. (22.05.14)

Wer schreibt, der bleibt

Der Schweizerische Nationalfonds will künftig nur noch Digitalisate fördern. Michael Hagner wehrt sich in der NZZ dagegen, gedruckte geisteswissenschaftliche Bücher allen Unkenrufen zum Trotz grundsätzlich infrage zu stellen. Open Access eigne sich gut für Fachartikel, doch die aus guten Gründen gemächliche Geisteswissenschaft sei auch künftig besser zwischen Buchdeckeln aufgehoben. (23.05.14)

Wie man intelligente Kühlschränke anzeigt

Bei Telepolis schreibt der Technikjurist Eric Hilgendorf über Recht und Ethik angesichts der Maschinisierung des Menschen und des Fortschritts hin zu moralischen Maschinen. Deren wachsende Autonomie wirft nämlich neben Datenschutz- auch Haftungsfragen auf, die es vor dem blinden Sturm in den Transhumanismus zu behandeln gälte. (24.05.14)

Außerdemchen:

Michael Girke bespricht im Freitag Canettis Buch gegen den Tod. +++ In der NZZ bespricht Peter Geimer den Ästhetikband „Theorien der Gegenwartskunst zur Einführung“ von Juliane Rebentisch. +++ Ebendort stellt Roman Veressov eine Anthologie politischer Schriften von John Stuart Mill vor. +++ Da der Lichtwolf nach wie vor eng seinem Bethlehem im Breisgau verbunden ist, weisen wir hier gerne auf das hochinvestigative Lokalblog „Freiburg heute“ hin. +++ Im jüngsten Kuchensucher-Newsletter präsentiert Georg Seeßlen ein bajuwarisch-philosophisches Gedicht aus der Feder des postsituationistischen Lyrikers Edgar P. Kuchensucher. +++ Es sei hier noch einmal höflichst auf die ausführliche Nachlese zu Heideggers Schwarzen Heften hingewiesen, die in der kommenden Lichtwolf-Ausgabe (Titelthema: „Perverse“) in Kurzform enthalten sein wird.


Links der Woche am 17.05.2014, 15:13 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 20/14

Digital Humanities are here, everywhere

Ulrike Heitmüller unterhält sich bei Telepolis mit Gregor Horstkemper, einem der Koordinatoren des Zentrums für digitale Geisteswissenschaften darüber, wie in Bayern und anderswo elektronische Ressourcen künftig und zurück bis ins Mittelalter angelegt, vernetzt und erschlossen werden. (10.05.14)

Neues für die Massen-Universität

Für die FAZ hat Jürgen Kaube die Hamburger Streitschrift gegen die Bologna-Reform und die Amerikanisierung des deutschen Hochschulwesens gelesen. Ihr Autor Dieter Lenzen will statt employability zurück zur Persönlichkeitsbildung, die aber - so Kaube - nicht zu haben ist, ohne dass die im Massenbildungsbetrieb vernachlässigte Allgemeinbildung nachgeholt wird, wie es eben in angloamerikanischen Colleges üblich ist. Telepolis übrigens stellt eine Studie des Deutschen Zentrums für Hochschul- und Wissenschaftsforschung vor, derzufolge die weiter steigende Studienanfängerquote die Wirtschaftsentwicklung Deutschlands bedrohen könnte. (Vor allem, wenn die alle Philosophie studieren statt Fachkraft zu werden!)

Beckmesserei

Der Soziologe und Gegenwartsdiagnostiker Ulrich Beck ist diese Woche 70 geworden (Glückwunsch!) und wird in der NZZ für seine kosmopolitische Weltrisikoanalytik gewürdigt. Nebenan in der FAZ führt er ein interessantes Gespräch mit seinem Kollegen Bruno Latour über die politische Ohnmacht gegenüber der Erderwärmung und ihren Folgen, in dem Carl Schmitts Denken die Rettung in der Not verspricht.

Et cetera:

Thomas Pikettys Buch über den Kapitalismus im 21. Jahrhundert verkauft sich trotz (oder wegen) seiner Forderung nach höheren Spitzensteuersätzen wie geschnitten Brot. Robert Misik zeigt sich in der taz genauso begeistert von Pikettys Problematisierung des Reichtums wie Will Hutton im Freitag. +++ Bei Getidan/im EPD denkt Georg Seeßlen darüber nach, wie Kriegsfilme auf die neue Unübersichtlichkeit der Kriegsführung im 21. Jahrhundert reagieren. +++ Rudolf Walther runzelt in der taz kräftig die Stirn angesichts Alain Finkielkrauts konservativ-kulturpessimistischem Lamento über Dekolonialisierung, Migranten und Frauen in Jeans.


Links der Woche am 10.05.2014, 14:57 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 19/14

Philosophisch war nicht so viel los diese Woche: Das Subjekt hat sich im Objekt als Ware verloren, schreibt Georg Seeßlen in seinem Blog, und deshalb gilt dem denkenden Subjekt alle Verachtung im postdemokratischen Kapitalismus. +++ Apropos: BHL kauft nicht bei Kik und erklärt es uns in der FAZ. +++ Der Freitag unterhält sich mit dem Philosophen Sre?ko Horvat über eine nymphomanische Bewusstseinserkundung der Linken und Sponsorverträge für emanzipatorische Bewegungen.


Links der Woche am 26.04.2014, 14:21 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 17/14

Glauben, ohne es zu wissen

Ulrike Heitmüller findet bei Telepolis, Politik könne auch sowas wie Religion sein, etwa der Kommunismus. Nun müsste man erstmal klären, was Religion ist, um den Kommunismus daraufhin abzutasten, wie es der Philosoph Michail Ryklin tut; ähnlich untersucht die Theologin Karen Armstrong den Fundamentalismus. (20.04.14)

Grammatik und Ökonomie

Georg Seeßlen stellt in seinem Blog die Frage nach dem autonomen Subjekt als Maß und Bedingung demokratischer Verhältnisse. Es gibt nämlich auch politische Subjekte wie „den Markt“ oder „das Wachstum“, denen es wie jedem Subjekt um absolute Freiheit geht; in der Postdemokratie tummeln sich ungezählte Spielarten von Subjekterfahrung, -beziehungen, -kulten, -schmelzen und -verwandlungen. (23.04.14)

Unsere Philosophie ist die Philosophie

Und nochmal Seeßlen, der diese Woche unter dem Aufruf „Occupy Philosophy!“ über das Grundrecht auf das Darauflosdenken und die Gesamtlage der Philosophie nachdenkt. Weisheit, Humor und Schönheit finden alle toll, sind aber nichts für „die Leute“. Philosophie wird immer schwieriger, Berufsphilosoph ist ein Beruf und Nachdenken längst die Vorstufe der Dissidenz. (25.04.14)

Das Vermischte und Geschiedene:

Seeßlen zum Dritten bzw. Zweiten, das mit „Wetten, dass...?“ zugleich die Inszenierung der harmlosen Konsensgesellschaft beerdigt, wie er im Freitag schreibt. +++ Der Ökonom Thomas Piketty zeigt, dass die wachsende Kluft zwischen arm und reich den Kapitalismus zerstört, wie im Freitag zu lesen ist. +++ via der blinde Hund: Der ZEIT-Leser Martin Sand nimmt sich einiger (v.a. von Naturwissenschaftlern) gepflegter Vorurteile gegenüber dem Philosophie-Studium an. +++ Bei Glanz & Elend bespricht Dieter Kaltwasser die großen Neuerscheinungen zum 150. Geburtstag von Max Weber. +++ Ein neues Buch versammelt die besten Witze aus Slavoj Žižeks Schriften zum mitlachen und nachdenken. +++ Die Faszination und die ihr zugrunde liegende politische Persönlichkeits-Präsentation Putins lässt Hans Ulrich Gumbrecht in seinem FAZ-Blog an Mussolini denken. +++ Robert Spaemann hat ein eher religiöses als philosophisches Buch über die Psalmen 1–51, das in der NZZ vorgestellt wird. +++ Der Wissenschaftsrat fordert in einem Positionspapier mehr Wissenschaftsforschung, die aber bitte bloß rein empirisch bleiben soll, wie Jürgen Kaube stirnrunzelnd in der FAZ berichtet.


Links der Woche am 12.04.2014, 14:15 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 15/14

Selbstzensur im digitalen Zeitalter

Wer überwacht wird, ist nicht frei, so die Binse, die durch den seit bald einem Jahr schwelenden NSA-Skandal zu neuer Aktualität gekommen ist. Wie sehr die Massenüberwachung auch das Verhalten derer beeinflusst, die glauben, nichts zu verbergen zu haben, beschreibt Peter Galison in der FAZ unter Rückgriff auf Sigmund Freud. (07.04.14)

Die vorgemachte Mehrheit

Nach Sarrazin bedient nun auch Felidae-Autor Pirinçci den Markt der Endlich-sagts-mal-einer-Literatur. Über political correctness und Shitstorms als konstituierende Instrumente von (längst unmöglichen) Mehr- und Minderheiten und darüber, warum Markus Lanz dafür büßen muss, dass die Glotze nicht mehr einheits- und mehrheitsstiftend ist, schreibt Georg Seeßlen in seinem Blog. (07.04.14)

Kunstwerk im kapitalistischen Zeitalter

Nochmals Seeßlen: Diese Woche tastete er sich auch an das Wesen des Bildes als Kunstwerk heran. Es offenbart etwas und ist darin das Vorbild der reklamemäßigen Ware, doch je mehr diese entwertet wird, desto geheimnisvoller muss das Kunstwerk werden, bis es seinerseits zur wertlosen Ware in Oligarchenbesitz wird. (10.04.14)

Et cetera:

Uwe Justus Wenzel meldet in der NZZ den Tod des Religionskriminologen Karlheinz Deschner. +++ Bei Deutschlandradio Kultur stellt Matthias Dell den Sammelband „Der Tatort und die Philosophie“, der wie das Philosophie Magazin von Wolfram Eilenberger herausgegeben wird. +++ Christian Welzbacher bespricht im Freitag Sven Grzebetas Doktorarbeit und Insiderbericht, der sprachkritisch und ideengeschichtlich die „Ethik und Ästhetik der Börse“ herausfordert. +++ Der Musikkritiker und Poptheoretiker Mark Fisher hat einige seiner Aufsätze versammelt im Buch „Ghosts of my Life. Writings on Depression, Hauntology and Lost Futures“, das in der taz besprochen wird.


Links der Woche am 06.04.2014, 12:21 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 14/14

Markus Metz und Georg Seeßlen gehen ja berufsmäßig u.a. ins Kino, wo sie den Bibel-Fantasy-Kracher „Noah“ geguckt haben. Im Freitag wundern sie sich über die Rückkehr des Monumentalfilms als „Religiotainment“. +++ Harry Nutt bespricht in der FR Elias Canettis „Buch gegen den Tod“, das aus dem Nachlass des Todfeinds stammt. +++ Kant und Einstein hätten unter den heutigen Bedingungen nichts an den durchökonomisierten Unis werden können, erinnert Klaus Peter Weinert im Deutschlandradio Kultur. +++ Der Salem-Direx a.D. Bernhard Bueb hat ein neues Buch geschrieben, das pathetisch von der Macht der Ehrlichen schwärmt und für Michael Schefczyk (NZZ) an den entscheidenden Stellen schweigt. +++ Vor 20 Jahren nahm sich Kurt Cobain das Leben. Jens-Christian Rabe (SZ) schreibt, dass die letzte große Botschaft, die Cobain mittels Schrotflinte in die Welt brachte, bis heute nicht verstanden worden ist. Michael Pilz (WELT) schimpft dagegen über Popmärtyrertum und Gedenkpornographie. +++ Den aktuellen Lichtwolf Nr. 45 gibt es nun auch als E-Book für Kindle und im epub-Format.


Links der Woche am 01.03.2014, 14:28 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 09/14

Land der Richter und Henker

Die großen deutschsprachigen Dichter und Denker waren alles Rassisten und Antisemiten, aber keiner will darüber sprechen, schimpft Patrick Spät bei Telepolis. Da auch Heideggers „Schwarze Hefte“ verharmlost werden, hat Spät eine List mit antisemitischen oder rassistischen Sentenzen von Luther, Kant, Hegel, Fichte, Wagner, Heidegger und - Trommelwirbel - Hannah Arendt zusammengestellt. (23.02.14)

Arschoffener Zugang

Wie die ZEIT meldet, sind seit 2008 120 computergenerierte Artikel in Fachzeitschriften gelandet, auch in solchen, die sich einer peer review rühmen und Uni-Bibliotheken stolze Summen für ein Abo abnehmen. Nun könnte man das als weiteres Indiz für die Überlebtheit des Wissenschaftsverlagswesens ansehen, doch nicht Roland Reuß: Der seit Jahren gegen Open Access kämpfende Germanist klagt in der FAZ die maoistischen Pläne Baden-Württembergs an, Open Access verbindlich für staatlich besoldete Wissenschaftler zu machen. Einen ganz anderen Zugang stellt uns die taz mit Alain de Bottons populärphilosophischem Web-Projekt vor, das über seine Yellow-Press-Aufmachung philosophische Erörterungen in die Birnen seiner gossip-geilen Leserschaft schmuggeln will: The Philosopher’s Mail.

Allein gegen eine Welt voller erfundener Feinde

Georg Seeßlen hat Thilo Sarrazins neues Buch gelesen und berichtet im Freitag, wie er darin auch etwas anderes als Rechtspopulismus zu finden versuchte. In der Tat lässt sich das Buch wie die Krankenakte eines Mannes (bzw. eines ganzen Landes) mit schwerer narzisstisch-paranoider Persönlichkeitsstörung lesen: einsam, unglücklich, egoman. (27.02.14)

Jüngere und jüngste Absolventen

Das Abi nach 12 Jahren ist überall auf dem Rückzug. Tilman Spreckelsen rekapituliert in der FAZ, wie im bildungsökonomischen Jugendwahn manche pädagogische Chance vertan wurde und warum die um ihre Kinder besorgten Eltern dem G9 den Vorzug vor Drillanstalten geben. (28.02.14)


Links der Woche am 07.12.2013, 15:20 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 49/13

Wirklichkeitsmaschinen

In seinem Blog denkt Georg Seeßlen über die Wirklichkeit nach, die so unwahrscheinlich wie unentbehrlich ist - vor allem für die kapitalistische Praxis. Die für ihre Konstruktion Zuständigen haben Macht und sind zugleich von der produzierten Wirklichkeit - Krieg, Terror und Leid - geschützt; zum Glück gibt es Alternativen zur Wirklichkeit. (01.12.13)

Die heimlichste Gesellschaft

John Cacioppo wird von Fanny Jimenez in der WELT als "der versierteste Einsamkeitsforscher der Welt" vorgestellt. Unter anderem am Silvesterklassiker "Dinner for One" wird der Unterschied zwischen Alleinsein und Einsamkeit erklärt, welche sich noch einmal in soziale und emotionale scheidet, und natürlich dürfen dabei auch Neurokram und Steinzeitpsychologismen nicht fehlen. (01.12.13)

Philosophie, Pädophilie, Pornographie und Prostitution

Leonie Seng hat sich bei den Scilogs die Mühe gemacht, Kants Argumente gegen Pornographie zusammenzutragen. So unterscheidet der Königsberger zwischen Liebe und objektivierender Geschlechtsneigung, weshalb seine ethischen Schlussfolgerungen auch gegen Prostitution eingewandt werden könnten. Die Widerlegung des kantischen Pornographiebegriffs stand freilich schon vor sechs Jahren im Lichtwolf und derselbe Augušt Maria Neander verteidigte Vertragsfreiheit und Selbstbestimmung der Huren 2009 gegen eine moralisierende Politik, was in der gegenwärtigen Debatte ums Prostitutionsverbot, in der Alice Schwarzer Parallelen zwischen Prostitution und Pädophilie zieht, auch mal ein Hinweis ist. Apropos: Georg Seeßlen erzählt in der taz von den in den 70ern geschaffenen Grauzonen der sexuelle Ausbeutung und Ökonomisierung des Sexes und von Moral, der Besessenheit vom bösen Onkel, den es nicht gibt, und der Macht der bösen Onkels, die es gibt.

Was niemand weiß

Während ringsum die Geheimnisse schwinden, schreiben Sven Stillich und Claudia Wüstenhagen in der ZEIT über "eine der größten geistigen Errungenschaften der Menschheit" (Georg Simmel): Heimlichkeit und Verschleierung nützen der Macht, ermöglichen aber auch persönliche Autonomie, Neugier, Argwohn und Vertrauen. (03.12.13)

Unn sünst?

Erfindet euch: Die ZEIT stellt Michel Serres' Liebeserklärung an die Digital Natives als etwas zu kulturoptimistisches Sehnsuchtswerk vor. +++ Im Freitag bespricht Seifert Alain Badious "Das Erwachen der Geschichte" als Rück- und Ausblick auf den Aufstand. +++ Bei Welzers gibt es dieses Jahr Zeitstattzeug zu Weihnachten: Harald Welzer empfiehlt in der FAZ, wie man einem Artgenossen, aber nicht dem Wachstumskapitalismus eine warenästhetische Freude machen kann. +++ Der blinde Hund muss es ja wissen und hat eine Liste von Philosophen, die wie Käse und Schnaps klingen, angelegt.


Links der Woche am 16.11.2013, 14:12 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 46/13

Nicht viel los diese Woche, drum nur so: Die ZEIT (für die Schule) hat eine kleine Reihe zur Einführung in die Philosophie mit Artikeln (für die Schule) zu Epochen und Denkern online gestellt. +++ Georg Seeßlen macht weitere Bemerkungen zur Abschaffung der Demokratie, diesmal mit Blick auf das transzendente Partisanentum der Kultur. +++ Post von Pussy Riot: Iris Radisch meldet in der ZEIT, Slavoj Žižek stehe mit der inhaftierten Pussy-Riot-Sängerin Nadeschda Tolokonnikowa in Briefkontakt; nämliche Post ist im aktuellen Philosophie Magazin sowie im Guardian nachzulesen. +++ Kaufen Sie sich ruhig mal die aktuelle Titanic, um sich die sehr gute Reklame auf Seite 10 zu Herzen zu nehmen! +++ Wenn es unbedingt sein muss, können Sie sich natürlich auch den aktuellen Lichtwolf zum Thema Bürgerpflicht holen.


Links der Woche am 09.11.2013, 14:02 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 45/13

Billig und sparwillig

Alexander Dill von Telepolis spart nicht gern oder findet zumindest, man übertreibe es damit längst so sehr, dass für nichts mehr angemessene Preise verlangt werden dürfen. Mehr noch: Die protestantische Freude an demonstrativer Finanzdisziplin in privaten und öffentlichen Haushalten hat einen unerwartet hohen Preis. (04.11.13)

Auf Phoenix nur Wahlwiederholungen

Demokratie ist eine zivilisierte Form des Bürgerkriegs, schreibt Georg Seeßlen in seinem Blog. Leider ist es um die nötige Streitkultur schlecht bestellt: Wenn überhaupt, so hat das harmoniesüchtige Volk den Streit am liebsten als ausgelagerten Teil der rituellen Inszenierung von Demokratie, die von ihren Darstellern durch die Darstellung zerstört wird. (05.11.13)

Camus weiterhin Jubilar

Am 7. November hätte Albert Camus seinen 100. Geburtstag feiern können und inzwischen liegen neben den Schnellschüssen auch von allen anderen Buchstabenmedien die Glückwünsche und Erinnerungen vor. Bei Glanz und Elend schreibt Dieter Kaltwasser über die Prägung, die Camus durch seine Herkunft aus bescheidenen Verhältnissen erhielt. Wilhelm von Sternburg stellt in der FR Camus als Denker der Menschlichkeit in unmenschlichen Zeiten und den Konflikt mit Sartre vor. Eine der drei Neuerscheinungen zu Camus stammt aus der Feder Martin Meyers, der sich in der Würdigung seines NZZ-Feuilleton auf Privatleben und Stil des Denkers konzentriert. Bei der taz dreht sich Christof Forderers Geburtstagsgruß an Camus vor allem um Genuss, Nacktheit und Schlichtheit im körperlichen und übertragenen Sinne.

Für die WELT hat sich Martina Meister ausgiebig mit Catherine Camus über ihren Vater, seine mangelnde Verehrung in Frankreich und seine Erziehungsmethoden unterhalten. Vor Ort war auch Iris Radisch von der ZEIT und schreibt zum 100. von den Landschaften und Menschen in Leben und Werk des verunfallten Jubilars. Im Freitag sieht Sabine Kebir den Philosophen Camus durch 08/15-Totalitarismuskritik und Kolonialkitsch erledigt. Auch Nils Minkmar konzentriert sich in der FAZ auf den Camus zu Zeiten des Algerienkriegs und überlegt, was er zu Lampedusa und Guantanamo sagen würde. Und sogar die Blätter für deutsche und internationale Politik schicken Geburtstagsgrüße: Dort schreibt Patrick Spät über politische und metaphysische Essenz und Existenz bei Sartre und Camus, den er mit Michel Onfray gegen den Vorwurf des lauen Sozialdemokratismus in Schutz nimmt.

Konditor humana

Das Institut für Polytoxikomanologie und Perspektivismus hat jetzt auch einen Youtube-Kanal. In der ersten Folge erklärt das IPuP mit Deleuze/Guattari, warum Philosophie dem Konditorenhandwerk ähnelt: aus heterogenen Komponenten Konsistenz schaffen bis hin zum cartesianischen Ich-denke-also-bin-ich-Torte. Lecker!


Links der Woche am 02.11.2013, 14:14 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 44/13

Die Coolness zum Tode

Ein wahres Bild unserer Verhältnisse kommt nur noch in Form der Satire und Ethik nur noch in launigen Kolumnen vor, schreibt Georg Seeßlen in seinem Blog und fährt vor: Die politische Kultur des Unernstes kann den Verhältnissen nur noch mit Sarkasmus begegnen und Alternativen sind nicht in Sicht. (29.10.13)

Der Eigennutz des Nutztiers

Patrick Spät wagt es bei Telepolis, trotz des Meinungskampfs zur Verteidigung des täglichen XXL-Schnitzels ein paar ethische Überlegungen zum Tier anzustellen. Mit Albert Schweitzer und Hans Jonas denkt er über die allen Tieren innewohnenden Zwecke und ihre sich daraus ergebende Würde nach; außerdem stellt er eine Soll-Ist-Beschreibung der juristischen Folgerungen daraus auf. (29.10.13)

Durchgangssymptom mit der Betonung auf Durchgang

Verknallt? Das gibt sich. Die Psychologin Katja Schwab denkt bei den Scilogs über Verliebtheit und Traumvorstellungen nach, vor allem über das, was dabei herauskommt (Scheidung), und stellt ein Plädoyer für die Vernunftehe vor. Um den Alltag auch nach Abklingen der Verliebtheit gemeinsam bewältigen zu können, hilft (wie immer) ein Bewusstsein der eigenen Subjektivität. (30.10.13)

Camus zum Hundertsten

Am 7. November würde Albert Camus hundert Jahre alt werden und ist damit längst auf allen Kanälen präsent. Jürg Altwegg unterhält sich für die FAZ mit dem Sartre-Kenner Vincent von Wroblewsky über den Bruch, die Unterschiede aber auch Gemeinsamkeiten zwischen Camus und Sartre sowie über ihre Rezeption in der DDR. Außerdem bespricht Jochen Schimmang ebenda die inzwischen drei biographischen Neuerscheinungen zu Camus von Iris Radisch, Martin Meyer und Michel Onfray ("parteiisch bis zur Schmerzgrenze", meint Deutschlandradio Kultur) sowie die Neuausgabe von Camus' „Hochzeit des Lichts“. Zuletzt dürfen wir noch ganz besonders auf den Essay aus unserer E-Book-Essayreihe "Lichtwolf Short Circuits" hinweisen: In Schneideggers "Metaphysik und Revolution" wird eine Revolutionstheorie nach Camus entwickelt und auf die Islamische Revolution im Iran angewandt; erhältlich als E-Book für Amazon Kindle oder im offenen epub-Format für alle anderen Lesegeräte.

Bücher von drüben:

Auch die NZZ stellt Thomas Nagels Buch "Geist und Kosmos" vor; Uwe Justus Wenzel lässt dabei Nagels antireduktionistische, existentialistische Objektivitätskritik Revue passieren. Auch bei Saul Kripke wird die analytische Philosophie existentialistisch: Die FAZ bespricht Kripkes neues Buch über Namen und Existenz in der Logik und darüber hinaus.

Et cetera:

30 zu werden war noch nie schön, aber auch noch nie so aufreibend wie heute, schreibt Tomasz Kurianowicz (mit Ingeborg Bachmann) in der NZZ. +++ Und weil's so schön traurig, aber wahr ist, noch einmal Seeßlen: Im Freitag schreibt er über Andrea Berg als Diva der auch sexualökonomisch eingeschüchterten Mittelschicht. +++ Es geht auch mit weniger: Das Mindener Tagblatt stellt den Detmolder Philosophen Sven Stemmer vor, der ein halbes Jahr lang in einem Bauwagen mit dem Allernötigsten auszukommen gedenkt.


Links der Woche am 19.10.2013, 15:02 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 42/13

Naturphilologie

Der Physiker Josef Honerkamp thematisiert in den Scilogs das seit Leibniz und Kant scheinbar klare Verhältnis von Mathematik und Wissenschaft(lichkeit). Auch Beobachtung, Sachkunde und Begriffsbildung gehören zur Wissenschaft; darin erweist sich die mathematische Sprache als günstig, auch wenn sie vielen wie Esoterik vorkommt und - wie jede Sprache - auch zum Bluff taugt. (15.10.13)

Nichts als Werbung

In den vergangenen Wochen sorgte der Verdacht, auch Frank-Walter Steinmeier (SPD) habe in seiner Doktorarbeit abgekupfert, für milde Aufregung. Nach wachsender Skepsis gegenüber den Plagiatsjägern hat sich der Bremer Politologe Stephan Leibfried für die FAZ die Mühe gemacht, alle von einer Software inkriminierten Stellen in Steinmeiers Diss manuell zu prüfen. (16.10.13)

Distinktion ist der Zweck aller Bildung

Georg Seeßlen und Markus Metz haben 2011 in ihrem Buch "Blödmaschinen" die postdemokratischen Spektakelgesellschaft ergründet. In seinem Blog liefert Seeßlen gelegentliche Nachschriften dazu und diese Woche denkt er über Wissen und Geschmack als Verbindungsfunktionen von Subjekt und Gesellschaft nach. (17.10.13)

Die Freiheit der Masters of the Universe

Der abermalige US-Haushaltsstreit taugt nicht unbedingt als Philosophem, doch das hat Slavoj Žižek noch nie von etwas abgehalten, und so wundert er sich in der ZEIT über die scheinbare Ähnlichkeit zwischen Alt-Linken und der ultrarechten Tea-Party-Bewegung und über den Erfolg ihrer irrationalen Ideologie, ehe er auf die verschiedenen Freiheitsbegriffe zu sprechen kommt. (17.10.13)

Das bessere Leben im Smartphone

In der NZZ erklärt der Literaturwissenschafter Tomasz Kurianowicz, warum Facebook unglücklich macht: Die Überforderung, die konstante Flut an Statusmeldungen kritisch zu bewältigen, führt zu Angst- und Einsamkeitsgefühlen, weil zudem alle auf Facebook viel interessantere Leben haben als das eigene, dem man via Smartphone leicht zu entfremden ist. (18.10.13)

Außerdemchen:

Französische Woche im Freitag: Dort gibt es zum einen ein ausführliches Portrait von Alain Badiou, zum anderen noch eine Beschwerde, dass Sartre in den beiden Biographien zu Camus' 100. von Radisch und Meyer nicht gut wegkommt. +++ Gewichtige Roman zu lesen steigert die Menschenkenntnis, haben laut FAZ die Sozialpsychologen Emanuel Castano und David Kidd herausgefunden. +++ Und noch eine neue Open-Access-Zeitschrift aus dem schönsten Fach der Welt: Die Zeitschrift für Praktische Philosophie. +++ via @philomagde: Die "Kollegen" vom Focus haben einen superschweren Philosophie-Test im Angebot.


Links der Woche am 12.10.2013, 14:44 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 41/13

Politik nach Zahlen

In der FAZ beklagt Lena Schipper den Sieg der angewandten Empirie über die normative Theorie in der Politikwissenschaft. Nicht nur die Methodik leidet unter vermeintlicher Praxisorientierung und dem Zwang, quantifizierte und verwertbare Ergebnisse zu produzieren. (08.10.13)

Alle Fragen offen

Letzte Woche war an dieser Stelle auf einen Telepolis-Artikel hinzuweisen, demzufolge jede zweite Open-Access-Zeitschrift Unfug annimmt. Ebenfalls bei Telepolis geht Ulrich Herb zum Gegenangriff über, indem er dem der Meldung zugrunde liegenden Versuch methodische Schwächen nachweist und über die verschiedenen review-Modelle nicht nur bei Open Access informiert. Apropos: Mit der Zeitschrift für philosophische Literatur gibt es eine neue "begutachtete Open-Access-Zeitschrift für deutschsprachige Besprechungen philosophischer Fachliteratur". Apropos die Zweite: Im Freitag gibt Ralf Klausnitzer einen Branchenüberblick der Wissenschaftsverlage, die nicht alle in Geld schwimmen und mit unterschiedlichen Strategien auf die Digitalisierung reagieren.

Auf der Jagd nach Dr. Dings

Auch Frank-Walter Steinmeier hat seine Doktorarbeit abgeschrieben? Die Unis wollen Plagiatsvorwürfe nur noch in Geheimausschüssen behandeln, um sie leichter unter den Tisch kehren zu können? Frederic Hanusch und Claus Leggewie machen in der FAZ auf die Gefahren aufmerksam, die von der grassierenden Plagiatsparanoia nicht zuletzt für Promovierende ausgehen. (09.10.13)

Was geschrieben steht:

Georg Seeßlen hat mal nachgesehen, welchen Menschen sich die Presse erzeugt, indem er deren Werbung beachtet. +++ Die taz bespricht drei Neuerscheinungen von Martin Meyer, Iris Radisch und Lou Marin zu Albert Camus', der nächsten Monat 100 würde. +++ In der FAZ richtet Markus Gabriel über das neue Buch von Thomas Nagel, das die idealistische Metaphysik der Intelligibilität ins 21. Jahrhundert aktualisiert. +++ Judith N. Shklars Buch "Der Liberalismus der Furcht" wird in der NZZ als negativ-konkrete politische Philosophie einer Freiheit von Furcht vorgestellt.


Intime Interna am 21.09.2013, 15:26 Uhr

Das neue Heft ist da!

Zack, die Herbstausgabe zum Thema Bürgerpflicht ist ab sofort im Einkaufszentrum erhältlich, ob nun einzeln oder im Abonnement.

Lichtwolf Nr. 43 (Bürgerpflicht)

Der aktuelle Lichtwolf beschäftigt sich mit Bürgerpflicht und ist für maue 7,80 Euro inkl. Versand zu haben.

Ein Lesefest der Pflicht- und Widerstandsethik mit der Extraportion Preußen, Fichte, Stirner, Kant, Georg Seeßlen und Žižek - Pflichtlektüre im wahrsten Sinne! Der neugierige oder argwöhnische Pflichtenbürger in spe kann sich natürlich wie stets vorab übers Heftinnere informieren: Die ersten neun Seiten des 100-seitigen DIN-A4-Paperbacks stehen als PDF-Datei zur Verfügung sowie im LichtwolfReader zum Durchblättern am Bildschirm. Einige Artikel sind auch online zu lesen, und zwar die Einleitung ins Thema über die Citoyenne und Bourgeoise in uns allen, Bdolfs Propädeutikum und Prolegomena und Immanuel Kants entscheidende Stelle über die Imperative sowie Michael Helmings Essay darüber, was Mauthner, Fichte und Stirner vom Bürger verlangen (alles bzw. nichts).

Die E-Book-Ausgabe von Lichtwolf Nr. 43 folgt wie gewohnt in den kommenden Tagen, die unsere elektrische Leserschaft nutzen möge, die bisherigen Lichtwolf-E-Books durchzuarbeiten.


Links der Woche am 07.09.2013, 10:18 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 36/13

Der Konsumismus ist ein Idealismus

William James war noch überzeugt, mit Besitztümern wüchse auch das Ich, was Konsumforscher Russell Belk 100 Jahre später aufgriff, als Madonna noch von der material world sang. Bernd Graff berichtet in der SZ, Belk habe seine Marketing-Theorie vom Besitz als Ich-Erweiterung nun für das digitale Zeitalter der immateriellen Güterwirtschaft revidieren müssen. (01.09.13)

Quell der Verschwörungstheorien

Dieser Tage kommt ein Film über Wilhelm Reich ins Kino, was Thomas Barth bei Telepolis zum Anlass nimmt für ein vierteiliges Portrait des verfemten Freud-Schülers und Justizopfers. Im vorliegenden ersten Teil betrachtet er den Rufmord an Reich sowie seine mögliche Beteiligung am MKULTRA-Projekt, die den Kinofilm massentauglich machen soll. (04.09.13)

Der rechnende Souverän und der schwitzende Bürger

Bei Telepolis unterhält sich Jörg Auf dem Hövel mit Hans-Christian Dany über selbstregulierende Systeme als ideologisches Vorbild des Panoptikums der Selbstoptimierung, zu dem die Gesellschaft herabgesunken ist. In den letzten Wochen war ja viel die Reden von Algorithmen und Big Data, allerdings war selten etwas so Unaufgeregtes und Instruktives zu lesen wie das Interview, das die taz mit der Informatikerin Yvonne Hofstetter führte, die automatisierte Systeme für Hochfinanz und Militär konzipiert. Edward Snowden hat den Whistleblower-Preis 2013 erhalten und Joachim Güntner berichtet für die NZZ von der Verleihung in Abwesenheit und den Reden über den ausgelieferten Bürger. Auch Slavoj Žižek hebt im Freitag zu einem Lob der Whistleblower mit Marx und Kant an.

Schaffe, schaffe, Leben bauen

Der Chefredakteur des Philosophiemagazins "Hohe Luft", Thomas Vašek glaubt nicht, dass das Leben erst nach Feierabend beginnt, und hat mit "Work-Life-Bullshit" ein Buch sowohl gegen das fordistische Arbeitszeitmodell als auch das bedingungslose Grundeinkommen geschrieben. Im Interview erklärt er bei Cicero, warum Arbeit zu wichtig ist, um sie anderen zu überlassen. (04.09.13)

Außerdemchen:

Das Büchergeld für Begabtengeförderte wurde pünktlich zur Bundestagswahl erhöht, was - wie der Freitag kommentiert - nur Stipendiaten aus Akademikerfamilien nützt. +++ Die NZZ bespricht Odo Marquards Philosophie des Alterns. +++ HUG plädiert in der FAZ für eine neue dem Internet angemessene Oberflächlichkeit und Jürgen Kaube schüttelt den Kopf über die Freudenschreie angesichts steigender Studierendenzahlen. +++ Georg Seeßlen bloggt über Kleinigkeiten wie Börsenberichterstattung, Gramsci und Verspargelung.


Links der Woche am 01.09.2013, 10:48 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 35/13

"Hegel ist doch nicht Auguste Comte!"

Herbert Schnädelbach wird bei Telepolis "über den Stand der Dinge in der Philosophie" befragt: Mit dem Systemdenken hätte man gleich nach Hegel seinen Frieden machen sollen, die Logik kann nicht alles richten, Marx hätte nicht so kokett sein sollen und der kategorische Imperativ ist allgemeingültig oder gar nicht. (25.08.13)

Noch reaktionär oder schon faschistisch?

Oswald Spengler war "der philosophische Shooting-Star der Weimarer Republik", wie Dietmar Gottfried in seinem Telepolis-Portrait verrät. Der Untergang des Abendlands traf damals wie heute den Nerv konservativer Kulturpessimisten und wird mitsamt der unappetitlichen Stellen exzerpiert. (25.08.13)

Angewandte Mathematik

Nobelpreisträger Paul Krugman hat mit einem Blogpost über Staus eine kleine Mathematiker-Debatte ausgelöst, die auch für Logik-Freunde ohne Auto interessant sein könnte. Christoph Drösser dröselt in der ZEIT auf, wie Krugman die Frage beantwortet, ob es im Stau durch Spurwechsel oder Spurhalten schneller vorangeht, und welche Kritik er damit auf sich zog. (26.08.13)

Gödel is for "god"

Raul Rojas prägt bei Telepolis den schönen Begriff "computer-assistierte Metaphysik" in einem Gespräch mit dem Informatiker Christoph Benzmüller über den erfolgreichen Rechenbeweis von Kurt Gödels Gottestheorem. Gödel hat eine an Leibniz angelehnte formale Argumentationskette hinterlassen, die allerdings wegen ihrer modallogischen Elemente erst kürzlich durch die Rechner zu bewältigen war. (26.08.13)

Postdemokratie als untote Demokratie

Stillschweigend lassen wir die Demokratie sterben, weil wir davon profitieren - die Kulturarbeiter ebenso wie die Geheimdienstexperten, so Georg Seeßlens Diagnose. Das neue Miteinander heißt Verachtung, Freiheit reduziert sich auf Freiräume und insgesamt herrscht große Verwirrung, denn auch das Subjekt wird groß transformiert. (31.08.13)

Kleinigkeiten: Die ZEIT stellt uns den "Twitter-Star" und Deutschprofessor Eric Jarosinski vor, der als @NeinQuarterly melancholischen Zeitgeist und negative Utopie voller Germanizismen herauszwitschert. +++ Sein und Mahlzeit und nichts übrig lassen: Jean-Paul Sartres Kochbuch. +++ Wir empfehlen dieses Mal ganz besonders und vorerst begründungslos den Kauf der aktuellen Titanic.


Links der Woche am 13.07.2013, 13:00 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 28/13

Geisteswissenschaften: SNAFU

Vor einem Jahr hat die Uni Freiburg ihren Elite-Status verloren. Jürgen Kaube kolportiert in der FAZ von einer kleinen Tagung zur Lage der Geisteswissenschaften, welche Begründungen der Freiburger Historiker Ulrich Herbert dafür von der DFG erhalten hatte: Der geförderte Exzellenzapparillo sei "eine Ansammlung von Spitzenintellektuellen" und zu elitär (!) gewesen. Auch Markus A. Dahlem macht sich bei den SciLogs Gedanken zur Lage nicht nur in den Geisteswissenschaften, sondern in der Personalstruktur deutscher Universitäten (04.07.13)

Sterben ist Gemeinschaftssache

Die taz bringt diese Woche ein neues laaanges, aber grandioooses Portrait aus der Feder Gabriele Goettles, das wie zum Tod des dementen Walter Jens verfasst zu sein scheint. Goettle stellt uns also den Medizinhistoriker Gerhard Baader vor, indem sie ihn erzählen lässt: von seinem langen Leben, von der Medizingeschichte und von der Sterbehilfe. (05.07.13)

Leer wie Schnittlauch. Aber lecker.

Das Leben hat keinen Sinn. Sagt zumindest der bei Telepolis veröffentlichte Auszug (Reklame?) aus Patrick Späts Buch zum Thema. Demnach sind wir digitalen Eingeborenen und Migranten der hemingwayschen Lost Generation darin ähnlich, dass unserer Orientierung im Absurden auch kein Gott nützt - was alles ganz gut ist. (09.07.13)

Echo im Kinosaal

In seinem Blog geht Filmkritiker Georg Seeßlen diese Woche mal wieder auf die Metaebene hoch, indem er u.a. im Mythos von Narziss und Echo die Beziehung von Kino-Figur und Zuschauer vorgezeichnet sieht. Sein eigentliches Thema ist jedoch die Dynamik der erotischen Mythologie (im Kontrast zur pornographischen Inszenierung) in der Filmgeschichte. (10.07.13)

Careful what you wish for

Jeden Sommer wird in Feuilletown das Fehlen der Intellektuellen beklagt, so auch von Peter von Matt in der NZZ. Auf dessen Wunschliste reagiert Gregor Keuschning im Begleitschreiben mit dem pointierten Hinweis, dass der ersehnten Art von Intellektuellen stets von denen der Prozess gemacht wird, die sich den öffentlichen Gegendenstrichdenker nur solange wünschen, bis er mit seiner Aufgabe ernst macht. (11.07.13)


Links der Woche am 08.06.2013, 14:28 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 23/13

Der Exzess als Frage

Dafür, dass es "Erste Skizzen zu einem Konfliktfeld" sein sollen, wird es schon recht umfassend: Georg Seeßlen denkt in seinem Blog über den "Exzess" nach, der nicht bloß ein Zuviel oder Ausnahmefall, sondern wesentlicher Teil aller Gesellschaftsformen ist. Damit ist der Boden bereitet für den Exzess im Film - Seeßlens eigentliche Domäne. (26.05.13)

Der letzte Systemphilosoph

Michael Hesse unterhält sich in der FR mit John Searle über die immerwährende Krise, den engagierten Philosophen, die Occupy-Bewegung und den philosophischen Fortschritt. In summa gibt das Gespräch einen kompletten Überblick in Searles systematisches Schaffen. (01.06.13)

Die generischen Enten

Die Soziologin Paula-Irene Villa gibt bei Telepolis ausführlich Auskunft über Gender Studies. In Teil I geht es um die Entstehung aus der Frauenforschung, die regionalen Eigenarten und die Nähe zur Wissenschaftssoziologie. In Teil II erklärt Villa, was die großen Forschungsergebnisse und -perspektiven sowie praktischen Folgen des Fachs sind und dass seine Themen so schwierig weil scheinbar selbstverständlich sind.

Das Interview kann das Gender-Unkundige ruhig als Einstieg in die junge Disziplin nehmen, die derzeit wieder sehr gefragt ist: Die Entscheidung der Uni Leipzig, in ihrer Grundordnung statt der üblichen Schrägtiefstrich-Binnen-I-Partizip-Hampelei durchweg das generische Femininum zu gebrauchen (was man bei Springer mal wieder überhaupt nicht versteht, d.h. als "Sprach-Opfer im Namen des Feminismus"), sorgt für Aufregung; desgleichen der Wechsel, den die Heidelberger Kolleginnen und Kollegen vom ruprecht im Untertitel - von "Studierendenzeitung" zu "Studentenzeitung" - vorgenommen haben (vgl. einige Leserbriefe).

Shitstorm wegen Urschleim

Der Fledermausantiempiriker Thomas Nagel hat ein neues Buch geschrieben, in dem er die naturwissenschaftliche Erklärbarkeit vieler geistiger Phänomene, aber auch der Entstehung des Lebens in Zweifel zieht. Das hat in den USA einen Sturm der Entrüstung ausgelöst, den Malte Lehming im Tagesspiegel vorbildlich mit Links nachzeichnet und mit dem deutschen Historikerstreit vergleicht. (07.06.13)

Außerdemchen:

Für die NZZ bespricht Ludger Lütkehaus ein neues Buch über deutsche Philosophen zwischen Kaiserreich und Nationalsozialismus. +++ Hihi: Arno Frank hat für die taz aus Hitlers Tischgesprächen einige Forderungen der Grünen exzerpiert. +++ Horst Hippler, Chef der HRK, verteidigt in der FAZ Open Access gegen die Interessen der Wissenschaftsverlage. +++ Die Kollegen von der Philosophie-Zeitschrift Hohe Luft veranstalten einen Schreibwettbewerb: 8.000 Zeichen zur Frage, was Gerechtigkeit ist.


Links der Woche am 11.05.2013, 14:23 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 19/13

Herrschaftswissenschaftler

Schelsky, Springer et.al. warnten anno 68 noch vor der Machtergreifung der sozialwissenschaftlichen Priesterkaste. Die zeitgenössischen Protestbewegungen dagegen sind technokratisch geprägt, urteilt Franz Walter im Freitag. Das politische Medium ist den Sach- und Fachleuten zu schwammig, die Ingenieure und Ökonomen wollen Ergebnisse! (06.05.13) (Mehr über die Expertokratie übrigens im aktuellen Lichtwolf...)

Das Recht auf Pluralismus

Die Deutschen Islamkonferenz des Innenministeriums ist unbeliebt und vorbei, gerade findet unter dem Motto "Selbstbestimmung statt Gruppenzwang!" die sogenannte "Kritische Islamkonferenz" statt. Alexander Dill hat sich für Telepolis einige Fragen zu Kulturimperialismus, Gleichheit und Islamismus vom Mitorganisator und religionskritischen Philosophen Michael Schmidt-Salomon beantworten lassen. (07.05.13)

Georg Seeßlen...

...ist gerade wieder ungeheuer produktiv. Man möchte ihn fast schon den deutschen Žižek nennen. In seinem Blog gibt es eine Skizze über Demokratie und Postdemokratie, für die man ziemlich ausgeschlafen sein sollte. In der taz erklärt uns der Meister den Kapitalismus mittels des Salzstreuers und dann gibt es noch Kleinigkeiten zu Aigner und Verbriefungen.

Literaturkritik kaputt?

Alle Jahre wieder wird das Feuilleton als ganzes oder teilweise in Zweifel gezogen. Roman Bucheli sieht in der NZZ die feuilletonistische Paradedisziplin der Literaturkritik unter Druck. Aber das Schrumpfen ihres traditionellen Printmediums muss der Rezension nicht schaden, sie könnte durch Anpassung an die Spielregeln des digitalen Neulands reifen. Herbert Debes von Glanz & Elend erklärt, wie und wo die Literaturkritik im Internet zu neuer Blüte gelangen könnte und schon gelangt ist.


Links der Woche am 04.05.2013, 14:23 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 18/13

Die Welt zum Guten ändern

Norman Birnbaum gehört der großen Generation linker Intellektueller an, die - anders als ihre (Zeit-)Genossen im Ostblock - für ihre Sozialutopien belächelt oder als nützliche Idioten der herrschenden Ordnung verachtet wurden. Ihre Nachfolger und Studenten sorgten für wachsende Ungleichheit, Krieg gegen den Terror und Finanzkrise. So fällt Birnbaums Bilanz der Weltverbesserung in der FAZ eher bitter aus. (03.05.13)

Lebensweltliches:

Beim Cicero wird über den Zusammenhang von Krisen und Kreativität nachgedacht - am Beispiel von Wittgenstein und WK I; und "Wer mehr über das Leiden der „Geistesgrößen“ erfahren will, kann in der aktuellen INDES nachlesen." +++ Georg Seeßlen hat diese Woche wieder über Kleinigkeiten gebloggt - von Schaufensterpuppen über Ästhetisierung und moralische Urteile bis zum Dauerbrenner Flugzeugsitzbauer. +++ Nicht schlafen zu wollen ist kindisch und ein Zeichen von Lebenshunger, schreibt Peter Bürger in der NZZ-Reihe über Schlaflosigkeit. +++ In der ZEIT unterhält sich Susanne Mayer recht engagiert mit Naomi Wolf über deren neues Buch "Vagina", in dem sie Männlein und Weiblein zu mehr Masturbation und Ritterlichkeit rät.

Persönliches:

Nach der obligatorischen Kapital-Lektüre meint jeder, eine (schlechte) Meinung zu Jeremy Bentham haben zu müssen; im Freitag versucht sich Magnus Klaue an einer Rehabilitation des Sozialreformers und Panoptikers. +++ David Foster Wallace war Tennisprofi und Logiker und wurde als Schriftsteller bekannt, ehe er 2008 Selbstmord beging; nun ist seine Abschlussarbeit "Schicksal, Zeit und Sprache. Über Willensfreiheit" auf Deutsch erschienen, wie der Deutschlandfunk meldete. +++ Ein anderes manisch-depressives Multitalent feiert am Sonntag seinen 200. Geburtstag: Kierkegaard. Bei Glanz & Elend würdigt Dieter Kaltwasser aus diesem Anlass den dänischen Hosenträger.

Abschließendes:

Wenn Sie sich mit psychoanalytischer Textkritik noch nicht so auskennen und erstmal an was Leichtem üben wollen, hätte man Sie früher auf die Katholiban von kreuz.net verwiesen; nun, da die von der homosexuellen Weltverschwörung abgeschaltet nach Österreich deportiert wurden, bleibt immer noch das von den Jugendverderbern des IPuP herzlich empfohlene www.eltern-im-netz.net, wo der Tötungs- und Geschlechtstrieb dermaßen wegsublimiert ist, dass es nur so rauscht. (Könnte Satire sein!)


Links der Woche am 13.04.2013, 14:20 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 15/13

Zweimal Seeßlen

Wie so oft ergeht hier der nötige Hinweis auf Georg Seeßlens Blog, das diese Woche mindestesn zwei Lesenswürdigkeiten enthielt:

Die wunderbare Warenwelt ist weder das Paradies noch Trost über seinen Verlust, vielmehr vernichtet der Kapitalismus jedes Paradies, das er in der Welt und in den Vertriebenen findet. +++ Als Seeßlen vergangenen August in der taz forderte, das Feuilleton abzuschaffen, machte er u.a. die Bemerkung: "Im Kulturteil würde man sich dafür schämen, wozu man sich im Wirtschaftsteil anstandslos bekennt." In seinem Blog zeigt er nun am Beispiel eines "Unternehmergesprächs", wie diese bürgerliche Schizophrenie in der FAZ aussieht, deren Feuilleton sich entgeistert gäbe, verstünde es wirklich, was im Wirtschaftsteil steht.

Das Sein zum Tode

Der Ökologe Ludwig Trepl setzt sich seit einiger Zeit in den Scilogs kritisch mit der Gaia-Hypothese auseinander. Diese Woche dämpft er den szientifisch-naturalistischen Episteme-Optimismus, Leben auf Physik reduzieren zu können: Leben ist nicht rein kausal erklärbar, weil es nämlich den Tod gibt. (08.04.13)

Geschichte als Geschichte

Arno Widmann plaudert in der FR mit dem Heidelberger Mediävisten Johannes Fried ausführlich über Weltgeschichte als unmögliche Erzählung der Ursprünge und Wege des Menschen. Entweder werden Schlaglichter von Spezialisten zwischen zwei Buchdeckel gepresst oder ein einzelner Erzähler verschwindet im Dickicht historischer Verstrickungen. (08.04.13)

Das Gegebene und das Gezeigte

Im FAZ-Blog plädiert Sibylle Anderl für Vorsicht im Umgang mit Daten, die gerade in einem nie dagewesenen Ausmaß produziert und durchforstet werden. Dazu verweist sie auf Bogens und Woodwards Unterscheidung zwischen zwischen Daten und Phänomenen, denn so "gegeben", wie der Name sagt, sind nicht "Daten", sondern eher das, was sich zeigt. Das sollten sich auch Datenjournalisten hinter die Löffel schreiben. (11.04.13)

Das Weitere und Engere:

Nebenan bei Glanz & Elend stellt Dieter Kaltwasser zwei philosophische Neuerscheinungen vor: Schnädelbachs "Was Philosophen wissen und was man von ihnen lernen kann" sowie Hösles "kurze Geschichte der deutschen Philosophie". +++ Im Freitag bemerkt Slavoj Žižek angesichts des Zypern-Dilemmas, dass die tatsächlich nötige Regulierung wieder ausbleiben wird. +++ Nicht nur Erstis haben ihre liebe Not, bezahlbares Obdach zu finden, auch die Uni Bremen muss sich in Hotels einmieten, um Hörsäle zu haben, wie die taz berichtet. +++ Sophia Amalie Antoinette Infinitesimalia stellt im FAZ-Blog die mathematisch-modelltheoretische Konfliktforschung von Lewis P. Richardson vor. +++ Konsumkritik ist überholt, so die These von Wolfgang Ullrichs neuem Buch, das Andrea Roedig im Freitag vorstellt: Die postmoderne Konsumkritik betrachtet die Warenwelt als Bibliothek. +++ Der blinde Hund hat sich einen E-Reader besorgt und schreibt ausführlich und anleitend vom Nutzen und Nachteil des E-Book-Wesens für Geisteswissenschaftler.


Links der Woche am 06.04.2013, 14:28 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 14/13

Die Wirtschaftsweisen

Einen Interviewband zum globalen Aktivismus stellt uns Florian Schmid im Freitag vor. Darin finden sich (nicht mehr ganz frische) Gespräche mit u.a. Slavoj Žižek, Stéphane Hessel, Tariq Ali, Francis Fukuyama und Michael Hardt über die globalen Krisen, Anlässe zum Protest und die Notwendigkeit seiner Organisation und Vernetzung. (02.04.13)

Nach Bologna kein Bologna mehr

Kulturwissenschaftler Klaus P. Hansen beschreibt in einem Gastbeitrag für Spon, "wie Unis Genialität verhindern", nämlich u.a. mit Wettbewerbszirkus und Dauerbefristungen. Bologna und Exzellenzwahn machen Gelehrte zu Verwaltungsangestellten und geben PR den Vorrang vor ernsthafter Forschung (insbesondere der einsamen Lektüre). (03.04.13)

Unn sünst?

Das ganz Kleine und das ganz Große: Cary Huang macht mit einer Flash-Animation die Größenverhältnisse im Universum anschaulich. +++ Georg Seeßlen bloggt 12 Thesen über Sprache, die auch im Lichtwolf Nr. 35 zum gleichen Thema hätten stehen können. +++ Apropos Lichtwolf: Die aktuelle Ausgabe ist seit dieser Woche auch als E-Book erhältlich. +++ Christian Wiese schreibt in der Jüdischen Allgemeinen - als hätte er die plötzliche Fahndung nach 50 NS-Verbrechern geahnt - darüber, was von Hannah Arendts "Eichmann in Jerusalem" nach einem halben Jahrhundert noch bleibt. +++ Die taz stellt das neue Waffenrecht an einer Uni in Lynchburg (!) vor, die so US-amerikanisch zu sein scheint wie Apple Pie und auch was für Taliban wäre. +++ Der blinde Hund hat seine Link-Liste mit Philosophie im Internet aktualisiert und um Open-Access-Zeitschriften erweitert. +++ Radio-Tipp: Heute kommt ab 23:05 Uhr im Deutschlandfunk die Lange Nacht über Erich Mühsam.


Links der Woche am 09.03.2013, 14:46 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 10/13

Post Humanum

In seinem Blog ging Georg Seeßlen diese Woche u.a. dem Posthumanismus nach. Dabei orientiert er sich an Colin Crouchs These von der Postdemokratie und wird zunächst einmal diskursanalytisch, ehe er auf die Konsequenzen für posthumane Identität, Erkenntnis usw. zu sprechen kommt. Zur Vertiefung empfehlen wir den Lichtwolf Nr. 39 zum Thema "Jenseits des Menschen". (02.03.13)

Küss die Hand!

Buprä Gauck hat sich mit seinem Abtun der #aufschrei-Debatte diese Woche wieder unangenehm in Erinnerung gerufen, aber vielleicht gibt es auch sachdienlichere Beiträge: Der Philosoph Robert Pfaller erinnert im Gespräch mit der FAZ an Galanterie, Prüderie und die Waffen der Frauen, die allesamt nicht mehr sind, was sie mal waren. (02.03.13)

Markt der Tugenden

Noch ein Gespräch, noch ein Philosoph, noch einmal die Frage nach dem Zusammenleben: In der FR erteilt Tugendethiker Martin Seel Ratschläge dazu, wie wir armen Sünder in der verschränkten Krise von Kapitalismus und Moral miteinander auskommen sollen und können. (06.03.13)

Die akademische Familie

Nach 1945 wurde manche Chance auf Neuanfang in der BRD vertan. So erinnert Jürgen Kaube in der FAZ an die Pläne, in Deutschland Colleges nach angloamerikanischem Vorbild zu gründen. Sie kämen der geisteswissenschaftlichen Lehre zugute und dem intellektuellen Stand der immer jüngeren Studienanfänger entgegen. (07.03.13)

Transparenz überall

Der Feuilleton-Philosoph der NZZ, Uwe Justus Wenzel, blickt auf die Geschichte der Transparenz-Bewegungen zurück bis hin zur Aufklärung, um sodann die Idee selbst zu erörtern. Schafft oder zerstört Transparenz Vertrauen, was ist mit der Privatsphäre und wie lässt sich Transparenz überhaupt herstellen? (09.03.13)

Unn sünst:

Raphael Enthoven, der Precht Frankreichs und Lochschwager von Nicolas Sarkozy, hat Mitleid mit der Philosophie in Deutschland, so erklärt er im Gespräch mit dem Cicero. +++ Die Tagebücher des Anarchisten und philosophischen Schwerenöters Erich Mühsam sind seit einer Weile online und im Verbrecher Verlag zu haben; die NZZ stellt den jüngsten zwoten Band vor.


Links der Woche am 26.01.2013, 14:23 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 04/13

Vom Dazwischensein zum Bewusstsein

Interesse wirkt nicht harmlos zwischen Subjekt und Objekt, diagnostiziert Georg Seeßlen in seinem Blog, sondern hängt mit Neugier, Begierde und nackter Gier zusammen. Drum ist es in der Warenwelt hochwillkommen, aber auch die Politik kennt Interessen, die lieber im Verborgenen verfolgt werden, und am Ende kommt im Wettbewerb negatives Interesse heraus. (20.01.13)

Wie ein Fisch im Wasser

Bei "Information Philosophie" ist ein Vortrag von Ekkehard Martens über "Philosophie in der Öffentlichkeit heute" zu lesen. Philo-Absolventen könnten ihren Lebensunterhalt mit Vorträgen vor und Gesprächen mit Laien bestreiten. Zur Umsetzung dieser sokratischen Sitte auf den heutigen "Marktplätzen" gibt Martens vier Varianten mit einem Anwendungsfall. (21.01.13)

Piiiiiiiiiiiiiiiiiiii

Rousseau hatte ihn, Luther auch: Der Tinnitus ist, so überlegt Uwe Justus Wenzel in der NZZ, Begleiter, wenn nicht gar Mitauslöser des Subjektivitätsgedanken in der frühen Neuzeit. Das legt zumindest die Lektüre von Uwe C. Steiners Essay zur vollständigen Kulturgeschichte des Tinnitus nahe. (22.01.13)

Die Beuys-Prophezeiung

Entsteht ein Kunstwerk, wenn man ein Kunstwerk nachmacht? Hanno Rauterberg sieht in der gegenwärtigen Kunstszene wenig Willen zum Neuen, stattdessen Recycling und Remix. Sein ZEIT-Essay verschwendet keine Zeilen aufs Beklagen, sondern gibt einen Überblick über die Originalitätsbegriffe der heutigen Kunsttheorie. (25.01.13)

Außerdemos von Sonstnochos:

Die taz lobt Felix Haslers "Neuromythologie", eine Streitschrift gegen die Deutungsmacht der Hirnforschung. +++ Suhrkamp hat die Kracauer-Werkausgabe mit "Von Caligari zu Hitler" abgeschlossen, meldet die NZZ. +++ Noch einmal Anthropozän: Reinhold Leinfelder erklärt als einer der Ausstellungsorganisatoren in den Scilogs, warum er sich über die Diskussion um das aktuelle Erdzeitalter freut. +++ Sind Forschung und Lehre frei oder dienen sie Unternehmensinteressen? Transparency International, der fzs und die taz haben Hochschulwatch gestartet, "ein Nachschlagewerk über die Verbindungen der Wirtschaft zur Wissenschaft." (Betrifft unseren Fachbereich ja eher selten.)


Links der Woche am 19.01.2013, 14:25 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 03/13

Das Eigene als das Andere

In der NZZ bespricht Andreas Cremonini das neue Buch von Maria-Sibylla Lotter (u.a. Übersetzerin von Stanley Cavell), "Scham, Schuld, Verantwortung. Über die kulturellen Grundlagen der Moral". Darin geht es vor allem erstmal um Metamoral, also das Verhältnis zu eigenen und fremden Moralvorstellungen. (16.01.13)

Philosophie-Schabernack

Ein Hashtag bei Twitter kann schnell ein Eigenleben annehmen, wie es diese Woche passiert ist, als im Gefolge des zuletzt eher schweigsamen Philosophy Bro Business-Bücher der Philosophie unter dem Hashtag #philobusinesspitches ersonnen wurden. Außerdem hat das Institut für Polytoxikomanologie und Perspektivismus eine Seite mit tanzenden Philosophen aufgetan.

Der Bürger in der Wehr

Nach dem Massaker an einer Grundschule in Newtown wird in den USA wieder um eine Verschärfung des Waffenrechts gerungen. Eduard Kaeser macht sich in der NZZ Gedanken über das staatliche Gewaltmonopol und das dafür nötige Grundvertrauen, das durch allgemeine Bewaffnung zersetzt wird. (18.01.13)

Das kalte Auge der Macht

Zwei Arten von Kamera gibt es: Die Filmkamera - idealerweise im Namen der Kunst, aber auf jeden Fall von Menschen geführt - und die Überwachungskamera - die als Apparat eines Apparats Angst und Macht ausstrahlt. Georg Seeßlen bringt als Medienphänomenologe in seinem Blog mal eben Walter Benjamins "Das Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit" auf den neuesten zwiespältigen Stand der Technik. (18.01.13)

Unn sünst?

Letzte Woche wurde bereits auf eine Ausstellung zum Anthropozän in Berlin hingewiesen, die uns Uwe Justus Wenzel in der NZZ mit Schopenhauerschem Selbstekel nahelegt. +++ Die taz berichtet vom Lehrer Arne Ulbricht, der im Namen der Freiheit seine Verbeamtung auflösen ließ. +++ Schneideggers Aufsatz über die Subtraktion nach Alain Badiou und Slavoj Žižek aus dem aktuellen Lichtwolf ist nebenan bei Glanz & Elend in Überlänge zu lesen.


Links der Woche am 12.01.2013, 14:30 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 02/13

Die Raststättenmenschen

Georg Seeßlen erzählt in seinem Blog nach einer nächtlichen Begegnung im SB-Restaurant an der Autobahn ein wunderbares modernes Märchen von den Menschen, die am Rande des rasenden Güter- und Personenfernverkehrs leben. (04.01.13)

Hannah Arendt im Kino

Margarethe von Trottas Film über Hannah Arendt (gespielt von Barbara Sukova) ist diese Woche in rauchfreien Kinos angelaufen und wird ringsum besprochen, von der WELT über die FAZ bis hin zur taz.

Es vorher gewusst haben werden

Der Laplacesche Dämon wird gerade an der ETH Zürich konstruiert: Carolin Wiedemann und Benjamin Seibel berichten in der FAZ von einem Datenprojekt, das alle künftigen Staus, Krisen und Katastrophen vorausberechnen und sie verhindern soll, indem es die zur Selbstorganisation nötigen Infos liefert. (07.01.13)

Maschinen, die Maschinen machen

Computerkapazität auf der Überholspur ist das eine, 3D-Drucker sind das andere: Dietmar Dath stellt in der FAZ einige solche Projekte vor, die - irgendwo zwischen Kunst und Maschinenbau - computergenerierte Objekte in der handgreiflichen Welt materialisieren. Bald womöglich auch in jedem Wohnzimmer. (07.01.13)

Manufaktumzeitgeist

FAZ zum Dritten: Henning Ritter legt einen Essay über das Verlernen vor, das Raum für Neues schafft und zugleich Teil der Sehnsucht nach Ursprung und Eigentlichkeit ist. Perfektion ist erreicht, wenn nichts mehr weggelassen werden kann, Wahrheit, wenn alles bis aufs Wesentliche verlernt ist, und Gegenwart, wenn die Tradition gründlich vergessen ist. (11.01.13)

Das Weitere und Engere:

Ein Haufen ZEIT-Redakteurinnen und -Redakteure macht sich Gedanken, wo und wie sich die Welt verbessern ließe in postutopischen Zeiten. +++ Wirtschaftsethiker Frank Wiebe bemerkt in den Scilogs, dass sich ethische Fragen immer an die anderen richten, aber selten wie es sich gehört an den Fragenden selbst. +++ Im Berliner Haus der Kulturen läuft gerade ein Projekt, das das Anthropozän als erdgeschichtliches Zeitalter rechtfertigen will, berichtet die FR. +++ Vor einem Monat wurde an dieser Stelle auf den Kampf für eine vegetarische Mensa an der Uni Basel hingewiesen; die FAZ berichtet nun von der ersten vegetarischen Mensa in Berlin. +++ In der WELT blicken Alexander Kluge und Florian Illies voraus ins Jahr 2013. +++ Richard Dawkins hat ein neues Buch geschrieben, in dem er von Dave McKean illustriert die Welt erklärt, so heißt es in der WELT (Großbuchstaben).


Links der Woche am 08.12.2012, 14:22 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 49/12

Nachhaltige Mensa

An der Uni Basel wird eine vegetarische Mensa gefordert. Da dass einige eher so mittel finden, wird es politisch. Für das Theorieblog hat sich Susanne Schmetkamp mit zweien der Initiatoren der Kampagne über ihre Argumente und den Widerstand unterhalten, auf den sie treffen. (03.12.12)

Kritik der Kritik

In seinem Blog geht Kulturpessimist Georg Seeßlen der Kritik auf den Grund: Was sie bedeutet, was sie will und soll und warum sie im Spektakel nicht einfach an ihrem Anspruch scheitert, sondern ihn komplett aufgegeben hat. Die Lektüre sollte für alle, die rezensieren und nicht bloß Konsumtipps geben wollen, verpflichtend sein. (04.12.12)

Wozu Dr.?

Die Frage nach dem Sinn des Promovierens als Guttenberg und Schavan zum Trotz noch ungestellte beschäftigt diese Woche Hans Ulrich Gumbrecht in seinem FAZ-Blog. Die Doktor-Arbeit als Befähigungsnachweis für die akademische Karriere ist auch aus wissenschaftsfernen Motiven begehrt, die Gumbrecht auch im Namen eines erkrankten Doktorandenfreunds skeptisch sieht. (07.12.12)

Konkurrenz belebt das Geschäft

Niemand wisse alles, so hebt Michael Hampe in der NZZ an, dennoch tut die Wissenschaft gut daran, sich als auf dem Weg dorthin zu verkaufen. Sonst gibt es keine Fördergelder, ohne die wissenschaftlich nix mehr geht. Allerdings fördert die Ökonomisierung der Wissenschaft eher deren Ideologisierung. (08.12.12)

Außerdemos von Apropos:

Die NZZ weist auf die Neuedition der metaphysischen Schriften des vergessenen württembergischen Philosophen Nicolaus Taurellus hin. +++ via str0mgeist: ein schönes Interview mit John Searle übers Professorenwesen bzw. -dasein. +++ "Fuck happiness", scheint der Tenor diverser Unglücksratgeber zu sein, die die NZZ vorstellt. +++ Passt denn auch zum gegenwärtigen Jahresverabschieden, das mit diesen Photos des Jahres, die z.T. arg an die Nieren gehen, gut zu bewerkstelligen ist.


Links der Woche am 13.10.2012, 14:28 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 41/12

Unser täglich Seeßlen

Die Sensation der Woche ist nicht etwa der Nobelpreis für die EU, sondern dass Georg Seeßlen ja ein Blog hat, das er nahezu täglich beschickt! Der Essay der Woche ist eine etymologisch-historische Meditation über das Wort und die Institution "Nachrichten", an der auch die Frankfurter Schule ihre Freude gehabt hätte. (10.10.12)

Wir werden alle sterben!

Astronomieblogger Florian Freistetter hat in der Vergangenheit aus zukünftigem Anlass ausgiebig und tapfer gegen die Vulgärpanik wegen des in zweieinhalb Monaten vermeintlich endenden Maya-Kalenders gekämpft. Doch er sieht sein aufklärerisches Werk in Scherben, hat er selbst doch nun einen mysteriösen Kalender entdeckt, der gleichfalls in der zweiten Dezemberhälfte jäh endet. (10.10.12)

Solidarität. Macht. Gerechtigkeit.

Was für Affen gilt, muss in höherem Maße doch auch für Menschen gelten, fand Adolf Hitler und mit ihm der ganze spätmoderne Biologismus. Andrea Roedig schreibt im Freitag über (menschliche) Experimente mit Kapuzineräffchen, die im Gegensatz zu Pavianen einen Sinn für Gerechtigkeit haben. Den hat auch der Mensch, er kann sogar dicke Bücher und lange Artikel darüber schreiben. (11.10.12)

Habituelle Obdachlosigkeit

Wer sich gefragt hat, was es mit dieser Frankfurter Buchmesse auf sich hat, von der diese Woche im Feuilleton so oft die Rede ist, für den hat Klaus Bittermann, Verleger und Autor (u.a. das "Who's who peinlicher Personen") in der FAZ mal seine Erfahrungen aufgeschrieben; und genau so haben wir uns das auch vorgestellt. (11.10.12)

Das Weitere:

Einen wichtigen Beitrag zum Perspektivismus leistet Blogger(in?) Resubefra im Freitag, wo er/sie den Unterschied zwischen westlichem und asiatischen Webdesign erklärt. +++ Richard Senett hat wieder ein Buch darüber geschrieben, was die Gesellschaft zusammenhält und was sie zerstört (u.a. Banken), die taz unterhält sich mit dem Soziologen. +++ Viele Besprechungen diese Woche in der NZZ: eine Neuedition der Reden in drei Fassungen, mit denen Platonübersetzer Friedrich Schleiermacher die Religion verteidigt, das "Spanische Testament", in dem der illustre Arthur Koestler seine Zeit in Francos Todeszelle dokumentiert, und soziologisch wird es mit Max Webers letzten Briefen sowie einer Erinnerung an Helmut Schelskys Pamphlet wider den SPIEGEL und die linken Intellektuellen.


Links der Woche am 07.10.2012, 14:26 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 40/12

Mit 24 Stunden lesetour-bedingter Verspätung...

Fremdheit und Gefahr

In seinem Blog macht Gunter Dueck eine Rechnung von Risiken und Gefahren auf, die mangels Hellsehen überall in der unbekannten Zukunft liegen. Im Schritt zurück beleuchtet Dueck sodann den Zusammenhang von Unvertrautheit und selbsterfüllender Furcht, um zu seiner Forderung "Aufklärung statt Haftungsausschlüsse!" zu gelangen. (29.09.12)

Dumm konsumiert gut

Georg Seeßlen und Markus Metz haben dieses Jahr wieder einen Doppelschlag vorgelegt, in dem sie die Tendenz des zeitgemäßen Dienstleistungskapitalismus zu Spektakel und Verblödung untersuchen. Besprochen werden die jüngsten Titel von Peter V. Brinkemper bei Glanz & Elend.

Kompetenzenkompetenz

An deutschen Unis wird nach Bologna jährlich millionenfach die "employability" der Studentenschaft geprüft, obschon keiner weiß, wie sie zu vermitteln und zu erheben ist. Peter Wex, ehemals leitender Verwaltungsdirektor der FU Berlin, vermutet in der FAZ, das Kompetenzgerede sei als Wissenschafts-PR gar nicht so ersnt gemeint. (03.10.12)

opulente Metametalektüre

Gregor Keuschning gibt einen Überblick über die Notizbücher von Sloterdijk, in denen der schnaufende Denker seine Leseeindrücke festhält (u.a. die Kollegen Jürgen Nielsen-Sikora nebst Glanz & Elend) und meist auf Reisen weiterdenkt. Darüber hinaus wird gelästert, beklagt, der eigene Ruhm protokolliert und die Politik kommentiert. (07.10.12)


Links der Woche am 10.03.2012, 14:03 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 10/12

Sei empowert und sei froh, und putz' nochmal das Kunden-Klo!

Schon gewusst? "Kik" ist ein Akronym für "Kunde ist König". Thomas Ebermann hat die Steigerung des Psychoterrors für Arbeitnehmer, nämlich firmeninterne Motivationshymnen, für die Theaterbühne aufbereitet und lässt sie dort u.a. von Schorsch Kamerun (Goldene Zitronen) zu Gehör bringen, so erzählt die taz. (05.03.12)

Comedia dell’Arte in unserer Gesellschaft

Markus Metz und Georg Seeßlen hauen pro Jahr mindestens ein profundes Buch zur Seelen- und/oder Popkultur-Lage heraus. 2012 eröffnen sie dieser Tage mit "Bürger erhebt euch!", die taz bringt einen begriffsklärenden Vorabdruck aus dem Buch, das eine gefährliche Spannung zwischen progressivem Citoyen und konservativem Bourgeois diagnostiziert. (06.03.12)

Langsamkeit und Verbrauch

Sophia Amalie Antoinette Infinitesimalia rechnet in ihrem FAZ-Blog die Theorie Ivan Illichs durch, man sei unter Berücksichtigung aller Kosten mit dem Auto kaum schneller als mit dem Fahrrad. Nicht nur das Ergebnis ist faszinierend, auch der Gedankenrahmen, demzufolge "power" korrumpiert - politische wie elektrische "power". Illich empfahl darum schon anno 1973 eine gesellschaftliche Energiediät. (06.03.12)

cf. Wachowski, A. & L.: "Matrix" (1999)

Vor zwei Wochen ging es um die Art, wie Philosophen - namentlich Axel Honneth - in Film und Literatur Quellen zur Illustration ihrer Theorien finden. Susanne Schmetkamp führt im Theorieblog die Diskussion über das rechte Verhältnis weiter und kommt zu dem Schluss, Philosophie und Narration bereicherten einander. (07.03.12)

Schwarmintelligenz statt Fürstengeist?

Die Ansicht, Netzwerke und Moral seien affirmative Scheiße, die einzig den Herrschenden zum Machterhalt dient, scheint schon etwas älter zu sein. Sie nämlich hat Machiavelli zur Suche nach einer neuen Ordnung zwischen Volk und Herrscher getrieben, so der Tenor von Volker Reinhardts biographischem Buch "Machiavelli oder Die Kunst der Macht", das Cord Riechelmann in der FAZ bespricht. (08.03.2012)

Nicht zurückblicken

Das Wortspiel macht's nicht falsch: "In Würdigung seiner kapitalen Geschichte hat Europa Griechenland stets hohen Kredit eingeräumt." Unter dieser Prämisse untersucht Manuel Gogos in der NZZ das krasse Verhältnis zwischen dem Griechenland als Wiege abendländischer Kultur und dem Griechenland unterm Joch der Sparkommissare. (09.03.12)

Das Weitere und Engere

In der ZEIT weist Frank Schäfer auf ein neues Buch voller Interviews mit Hunter S. Thompson hin. +++ Genf hat sich mit seinem wohl berühmtesten Citoyen ausgesöhnt und wird Rousseau zu seinem diesjährigen 300. Geburtstag mächtig feiern, meldet die NZZ. +++ Suhrkamp zögert, die Übersetzung einer Trotzki-Biographie von 2009 herauszubringen - weil sie mit liebgewonnenen Mythen aufräumt, wie Lorenz Jäger in der FAZ spekuliert? +++ Gleich zwei Nervensägen in einer Meldung? Das geht: Schlotterdeik weiß schon jetzt, Gauck werde "uns" pastoral auf die Klötze gehen.


Links der Woche am 17.12.2011, 15:37 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 50/11

Exotisch denken

Für die taz bespricht Frank Schäfer das neue Buch "Orangen! Erdnüsse!", in dem Globaldenker Eliot Weinberger einige seiner lyrischen (oder auch erratischen) Essays zusammengefasst hat. Sie behandeln auf ungewöhnliche Weise u.a. Polizisten mit Lippenstift und den gar nicht so offensichtlichen postmodernen Zusammenhang von Foucault und George W. Bush. (12.12.11)

Kampf um Anerkennung

Serdar Somuncu ist aggro, lustig und klug, wie er im ZEIT-Interview mit Marcus Staiger zeigt. Darin geht es vor allem um die öffentlichen Lesungen aus "Mein Kampf", mit denen Somuncu auch durch national befreite Zonen getourt war und sich nur wundern kann, warum man sich jetzt über ein rechtsradikales Terrornetzwerk wundert. (12.12.11)

Holz und Hitchens

Diese Woche starb Philosoph und DKP-Mitglied Hans Heinz Holz mit 84 Jahren. Für den Freitag würdigt ihn Tom Strohschneider ausführlich, in der FAZ schreibt Dietmar Dath einen knappen Nachruf auf den Linksdialektiker, der auf Kapitalismusverächter Eindruck macht, die im Feinkostladen einkaufen.

Am 15. Dezember ist der eigensinnige Polemiker und entschlossene Antitheist Christopher Hitchens an Krebs gestorben. Nachgerufen wird in der FR recht kurz von Harry Nutt, in der SZ auch nicht viel länger von Jannis Brühl, in der taz mit angemessener Zurückhaltung von Doris Akrap und in der ZEIT von Jessica Braun.

Streiten sich zwei Historiker

Einen neuen Historikerstreit, wie ihn sich die FAZ erhofft, wird das nicht abgeben, aber vielleicht eine Debatte eröffnen, die keineswegs zur Unzeit kommt. Denn Götz Aly erklärt in seinem Buch "Warum die Deutschen? Warum die Juden?" den Antisemitismus mit Sozialneid. Hans-Ulrich Wehler wirft ihm nun vor, die Empirie der "sozialen Mobilität" seit 1800 entweder ignoriert oder falsch interpretiert zu haben. (12.12.11)

(In der FR übrigens wird Wehler zur wachsenden Ungleichheit in Deutschland befragt. Und wo wir schon dabei sind: Die taz unterhält sich über Krise & Kampf mit Empire-Autor Michael Hardt)

Die neuen Förderreizwörter

Außer Datenbanken gibt es nicht viel Forschungsarchitektur, die sich Geisteswissenschaftler fördern lassen können, ist in der FAZ zu lesen. Weil das "Europäische Strategieforum für Forschungsinfrastrukturen" (ESFRI) aber seine Mittel abregnen lassen will, tun Ideen Not, wo und wie die Geisteswissenschaften sich ihre Digitalisierung und Vernetzung fördern lassen können, um zu applied content management und Digital Humanities aufzusteigen. (13.12.11)

Einfach nur töten

Gewohnt klug denkt Georg Seeßlen im Freitag über die Verbindung zwischen Terror und Medien, genauer: zwischen Terror und Pop nach. Anlass ist die erstaunliche Einsicht, dass der "Nationalsozialistische Untergrund" auf jede Kommunikationsroutine des Terrors verzichtet hat und damit ein popkulturelles und gewalthistorisches Unikum darstellt. (15.12.11)

Ihre Stimme wird gebraucht!

Nicht nur FDP-Mitglieder- und Russen konnten zuletzt herumdemokraten, auch das gemeine Volk ist gefragt: Nebenan bei Keule's Welt wird der Vollpfosten 2011 gewählt. Hier vor Ort haben Sie die Möglichkeit, diejenigen Beiträge aus der ersten Dekade "Zeitschrift trotz Philosophie" zu wählen, die unbedingt im Jubiläumsbuch enthalten sein müssen, das zum 10. Geburtstag im Sommer 2012 erscheint.


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