Einige Funktionen dieser Website setzen die Speicherung von Cookies auf Ihrem Rechner voraus. Darüber hinaus verwenden wir Cookies von Google, um Anzeigen zu personalisieren und die Zugriffe auf unsere Website zu analysieren. Mehr erfahren Sie in den Datenschutzbestimmungen des catware.net Verlags.

Ok, einverstanden!

lichtwolf.de / Monatsbuch / Finden

Monatsbuch

Suche ausgeführt.

Mit dem Stichwort "Donald Trump" sind die folgenden Artikel markiert:


Links der Woche am 15.07.2017, 14:17 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 28/17

Warum werden sie so gehasst?

Henrike Schirmacher widmet den oft als Flugratten verunglimpften Stadttauben in der FAZ einen sehr interessanten und bisweilen wenig mitfühlenden Text, in dem es u.a. über den Zusammenhang zwischen dem von Denkmalschützern gefürchteten Taubenkot und unserer Diät sowie über den zwischen urbaner Umgebung und Tierbild geht. (11.07.17)

Wo ist noch Intellektuellenbuch?

In der NZZ fragt sich Jan Söffner, warum immer weniger Menschen der Aufforderung eines gedruckten Buchs nachkommen, sich Zeit dafür zu nehmen, und lieber schnell das Internet bemühen. Söffner vermutet, die intellektuell hungrigen Leser seien einfach zu oft enttäuscht worden von Büchern, die bloß als Forschungsbeleg veröffentlicht wurden, und gibt Tipps, wie im 21. Jahrhundert Denkabenteuer zu schreiben wären. (12.07.17)

Du wirst, was du studierst.

Was macht das Studienfach aus einem Menschen? Das hat sich Samuel Kramer für das Uni-Blog der FAZ gefragt und mit drei jungen Studenten unterhalten: Die Medizin-, Jura- bzw. Soziologiestudenten bestätigen so manches Klischee über ihre Fächer und überlegen, woran das wohl liegt. (13.07.17)

Vor der Komplexität kapitulieren

Nach dem G20-Gipfel vorige Woche zeigt Armin Nassehi in der ZEIT Verständnis für die Polizei und denkt über die Atrraktivität politischer Gewalt nach. Die Linke hat es leicht, weil sie - anders als die Rechte - sympathische Forderungen stellt, darum nicht über den Weg zu ihrer Erfüllung nachdenken kann und ergo latent autoritär ist, während „es der globalisierten Welt noch nie so gut ging wie heute.“ (13.07.17)

Mit Trump gegen Trump?

Naomi Klein hat jüngst ein Buch darüber geschrieben, wie es zu Trump kam und was wir jetzt tun müssen. Tim Adams portraitiert im Freitag die prominente Vordenkerin der US-Linken, die den Aktivismus wieder cool machen will und aus deren früheren Veröffentlichungen Trump scheinbar viel gelernt hat. (14.07.17)

Was man so alles lesen kann

Die taz ist ziemlich enttäuscht von Peter Sloterdijks lieblos zusammengestellter Essaysammlung „Nach Gott“. +++ Bei Glanz & Elend werden besprochen sowohl Manfred Geiers Doppelbiographie „Wittgenstein und Heidegger“ als auch Andreas Urs Sommers Essay gegen den moralischen Relativismus. +++ Die NZZ zeigt sich sehr angetan von Ralf Konersmanns „Wörterbuch der Unruhe“, das diese als Zeitphänomen aus philosophischer Distanz analysiert. +++ Die SZ stellt Julian Nida-Rümelins Lob der Grenzziehung - im Privaten wie im Staatlichen - vor, dass da lautet: „Herzlich willkommen, aber...“ +++ Bini Adamczaks Büchlein „Communism for Kids“ gilt der Rechten in den USA als Beleg für die Perfidie ihrer imaginierten Feinde: Die SZ erklärt, worum es in der vermeintlichen Indoktrinationsfibel wirklich geht. +++ Uwe Justus Wenzel denkt in der NZZ anlässlich von Jason Brennans Buch „Against Democracy“ über die schillernde Vielfalt von Willensbekundungen nach, die in der Demokratie als vox populi laut wird.

Henry David Thoreau zum 200.

Die FR würdigt Henry David Thoreau zu seinem 200. Geburtstag und bringt neben einem Portrait auch eine Liste von Neuerscheinungen zu dem Waldgänger. Die taz bespricht Frank Schäfers Thoreau-Biographie und die WELT überlegt, wie Thoreau zu Obama und Trump stehen würde...

Et cetera:

Die Soziologie hat ein ähnliches Problem wie die Philosophie: Im Studium lernt man nur, wie man das Fach lehrt. Einige Soziologen wollen diejenigen Absolventen, die es nicht auf einen Lehrstuhl schaffen, als professionelle Gesprächspartner arbeitsmarktfähig machen, wie die FAZ meldet. +++ Die FAZ berichtet außerdem von einer Tagung in Jena über die linken Wurzeln des Faschismus und rechtspopulistische Erfolge unter Arbeitern und Arbeitslosen. +++ Kognitive Verzerrung: Telepolis schreibt über eine Studie, wonach in den USA über muslimische Attentäter fast fünf Mal so ausführlich berichtet wird wie über nicht-muslimische. +++ Womöglich kennen Sie das Selfie des Schopfmakaken-Weibchens auch aus Lichtwolf Nr. 51, wo es Marc Hieronimus’ Essay über die narzisstische Massenpsychose unserer Tage einleitete. Ebenso womöglich muss das Photo in den noch unverkauften Ausgaben bald geschwärzt werden, denn die Tierrechtsorganisation Peta will den Streit darum, wer das Urheberrecht an dem Bild hat - die Makakendame oder der Besitzer des Photoapparats - ein für alle Mal klären, wie die FAZ meldet. +++ Heute Abend ab 23:05 Uhr gibt es im Deutschlandfunk die Lange Nacht über Walter Benjamin.


Links der Woche am 08.04.2017, 13:55 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 14/17

Von der kritischen zur paranoischen Vernunft

René Scheu denkt in der NZZ über den paranoischen Politstil (Richard Hofstadter) nach, wie er in der Türkei und in den USA gepflegt wird. Establishment, tiefer Staat und andere verschwörungstheoretische Signalwörter sind Ausfluss einer Haltung, die Kant auf eine „rasende Vernunft“ zurückführte. (05.04.17)

Kaum Gärtner in wuchernden Textwelten

Der Germanist Jochen Hörisch bemerkt in der NZZ ein Phänomen, das einer Zeitschrift wohlvertraut ist, die bald mehr Autoren als Abonnenten hat: Dass alle schreiben wollen und keiner mehr lesen mag, nimmt Hörisch zum Anlass einer Meditation über das Verhältnis von Sprache und Sein, über Fundamentalismus und automatische Textverarbeitung. (06.04.17)

Vom Affen sprechen lernen

Tom Appleton geht bei Telepolis in einem zweiteiligen Essay der Frage nach dem Ursprung der Sprache nach - davor kommt aber gründliche Affenkunde. In Teil I begibt er sich zunächst in die Literaturgeschichte, um zu sehen, wie etwa Edgar Allen Poe sich unsere affige Verwandtschaft vorstellte. In Teil II geht es darum, dass uns die Menschenaffen - an denen die Entstehung unserer Sprache zu studieren wäre - heute fremder denn je sind. Weitere Teile folgen.

Außerdemchen:

Zum 1. April erwog die FAZ die ganz und gar nicht alberne Frage, ob Katholiken, die beim Gottesdienst ganz unsymbolisch den Leib Christi zu sich nehmen, Veganer sein können. +++ Der Freitag stellt die von Mathias Greffrath herausgegebene Essaysammlung über Marxens Kapital im 21. Jahrhundert vor. Die Beiträge waren (und sind) auch in der Reihe „Essay und Diskurs“ des Deutschlandfunks zu hören. +++ Die NZZ wundert sich über den Erfolg von Oliver Nachtweys Abstiegsgesellschaftsdiagnose über das „Aufbegehren in der regressiven Moderne“. +++ Claus Leggewie hat für die SZ einige aktuelle Bücher über die AfD, die neue Rechte, die autoritäre Revolte und konservative Revolution gelesen. +++ Die FAZ weist auf Pascal Bruckners bislang nur auf Französisch vorliegende Auseinandersetzung mit dem Vorwurf der „Islamophobie“ hin, der jede Kritik an der Religion unterbinde. +++ Die WELT freut sich über die Digitalisierung der Reise-Tagebücher Alexander von Humboldts durch die Staatsbibliothek zu Berlin. +++ Die FAZ stellt die Studie des Soziologen Andrew Abbott zu möglichen Reaktionen auf die Akademikerschwemme in den Industrienationen vor.


Links der Woche am 01.04.2017, 13:53 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 13/17

Der Poststrukturalismus kommt zurück

Die Marxisten und Existentialisten dominierten Frankreichs intellektuelle Szene etwa bis 1968 - dann übernahmen die Poststrukturalisten das Ruder. Klaus Birnstiel, der das Standardwerk zum Poststrukturalismus geschrieben hat, erklärt im Freitag, wie das ablief und zu einem kleinlichen Ende kam, auf das gerade die Renaissance zu folgen scheint. (29.03.17)

Die große Weigerung des Problemgeschlechts

An den US-Präsidenten Trump und Obama macht Walter Hollstein in der FAZ fest, dass der Mann überhaupt in Verruf geraten ist. In der Bildung und auf dem Arbeitsmarkt ist er der große Emanzipationsverlierer und droht - abgehängt und orientierungslos - zu einem sozialen und politischen Problem zu werden, das auch schon einige Feministinnen bemerken. (29.03.17)

Neue Bücher

Wie auf den Poetry-Slam-Trend die witzigen Bücher folgten, ist es auch nach dem Science-Slam-Trend: Die NZZ stellt die Versuche vor, einen zweiten „Darm mit Charme“ in die Bestsellerlisten zu stellen. +++ Der Freitag bespricht diese Woche eine ganze Reihe von Sachbüchern, unter denen zwei empfohlen seien: ZEIT-Journalist Gero von Randow versucht in seinem Buch, den Pathos der Revolution zu bewahren - vom Pariser Mai 1968 bis zum Arabischen Frühling. Die Ethnologin Jeanette Erazo Heufelder wiederum geht in ihrer „Wirtschaftsgeschichte der Frankfurter Schule“ der Frage nach, woher eigentlich das Geld für Horkheimer, Adorno und Co. kam. +++ Vergessen Sie nicht, den aktuellen Lichtwolf zu bestellen und zu besprechen!

Das Weitere und Engere:

Botho Strauß gibt sich mal wieder kulturkritisch, worin man bei der FR aber nur Ressentiment zu erkennen vermag. +++ In der taz ist zu lesen, wie Aktivisten in Köln via Adbusting öffentliche Litfaßsäulen zurückerobern wollen. +++ Noam Chomsky glaubt, dass Donald Trump seine Wähler im Stich lassen wird, meldet die FAZ. Ausführlich erklärt Chomsky das im Interview mit Alternet. +++ In Skandinavien verzichten viele Medien auf Aprilscherze und die SZ erklärt, dass es die traditionellen Falschmeldungen in Zeiten von Fake News und „Lügenpresse“-Geschrei schwer haben.



Links der Woche am 11.03.2017, 14:25 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 10/17

Die Last mit dem Lesen und Schreiben

Für die FAZ wägt Thomas Thiel Nutzen und Nachteil des Reformplans zum Wissenschaftsurheberrecht ab, der Forschung und Lehre die weitgehend kostenlose Nutzung von Texten einräumen soll. Verlags- und Wissenschaftsinteressen kollidieren auf der einen Seite, auf der anderen machen Sparzwang und Publikationsflut eine Reform des universitären Bibliothekswesens nötig. (08.03.17)

Humor, Distinktion und Identität

Im Uniblog der FAZ weist Felix Simon auf unterhaltsame Internet-Angebote hin, die mitnichten bloß der studentischen Prokrastination dienen: „Shit Academics Say“, „Research Wahlberg“ und „Lego Grad Student“ sind bei großen und kleinen Wissenschaftlern beliebt, weil ihr Humor nur Insidern des absurden akademischen Betriebs verständlich ist und jene so ihrer Zugehörigkeit zu dieser versichert. (10.03.17)

„Awkwardness, confusion and contradiction“

Andrea Köhler portraitiert in der NZZ den umtriebigen Agenten und Herausgeber John Brockman als „kulturellen Impresario“, der - geprägt von der Hippie-Bewegung - auf seinem „Cyber-Portal“ edge.org Geistes- und Naturwissenschaft sowie Kunst und Technologie zu einer „dritten Kultur“ zusammenschweißt. (11.03.17)

Demokratisches Denken im globalen Trumpistan

In der NZZ denkt Christine Abbt mit Harriet Taylor und John Stuart Mill über das Verhältnis von demokratischer Mehrheitsherrschaft und individueller Freiheit nach - und welche Rolle die Identität dabei spielt. In der ZEIT beobachtet der Schriftsteller Norbert Niemann dieselbe „Verbindung einer marktschreierischen Öffentlichkeit mit skrupelloser Bereicherung und opportunistischer Demagogie“, gegen die Karl Kraus vor 100 Jahren anschrieb. In der ZEIT erklärt Nils Markwardt den Aufstieg des Aufschneiders Trump mit dem Boom des konservativen Talk-Radios, die in den USA die Speerspitze im zynischen Kampf gegen die Relevanz von Vernunft und Tatsachen waren. Uwe Justus Wenzel fragt sich in der NZZ, ob Trump nur ein nützlicher Idiot des rechtsradikalen Chefstrategen Stephen Bannon ist. Thomas Assheuer schließlich hat in der ZEIT ein Wörterbuch rechtspopulistischen Sprechens und Denkens angelegt.

Unn sünst?

Im Gespräch mit Telepolis erklärt der Soziologe Robert Schmidt, was „symbolische Gewalt“ nach Bourdieu ist und welche Rolle sie dabei spielt, sich das Beherrschtwerden gefallen zu lassen. +++ Die SZ unterhält sich mit August Diehl, der im Kino den jungen Marx spielt (Georg Seeßlen bespricht den Film bei Glanz & Elend.), darüber, wo der echte Marx richtig und wo er falsch lag. +++ Die FAZ berichtet von einem sozialwissenschaftlichen Experiment, das nahelegt: Menschen sind durchaus bereit, auf etwas zu verzichten, um eine von ihnen angerichtete Sauerei aufzuräumen. +++ Apropos: Marc Hieronimus erklärt auf postwachstum.de, worum es in seinem Buch „Der Schritt zur Seite“ geht, das sie direkt beim catware.net Verlag bestellen können.


Links der Woche am 25.02.2017, 17:22 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 08/17

Revolutionäre Zeiten

Revolution, du Donnerwort, ruft Gero von Randow in der ZEIT aus und überlegt, sogleich ernüchtert, was der Begriff - mit dem er Körperlichkeit, Depression und Enthusiasmus, Gewalt und Befreiung verbindet und dem er ein Buch gewidmet hat - heutzutage überhaupt noch bedeutet. (23.02.17)

Ein Leninist im Weißen Haus

In der NZZ fragt sich Uwe Justus Wenzel, was Trumps Chefberater Stephen Bannon mit seiner Selbstbeschreibung als Sun-Tzu lesender Leninist meint. Ist das Chaos im Weißen Haus vorgetäuscht oder gar erwünscht, um mittels Shock-and-Awe-Taktiken den Staat widerstandslos zerstören zu können? (25.02.17)

Außerdemchen:

Der Freitag bespricht das posthum veröffentlichte letzte Buch des Kulturwissenschaftlers und Begründers des (tödlich deprimierenden) kapitalistischen Realismus Mark Fisher. +++ Die NZZ stellt die dreibändige Edition der Briefwechsel von Karl Jaspers als publizistische Großtat vor, die u.a. den Abgrund von Heideggers Nationalsozialismus erhellen hilft. +++ Die FAZ berichtet über eine Studie, die untersucht, ob und wie wissenschaftliches Renommee von der Uni auf die Absolventen abfärbt. +++ Der Historiker Julien Reitzenstein hat wegen einer Rezension seines Buches den Anwalt auf das Fachblatt H-Soz-Kult gehetzt und es gezwungen, die Besprechung vom Netz zu nehmen. Auch die FAZ kommentiert den ziemlich unwissenschaftlichen Fall, der als Bumerang auf Reitzenstein zurückkommen könnte. +++ Jan Drees unterhält sich für den Tagesspiegel mit dem Kulturwissenschaftler Fritz Breithaupt über die dunkle Seite der Empathie von Nietzsche bis Trump.


Links der Woche am 18.02.2017, 14:33 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 07/17

Schluss mit dem Wohlfühldiskurs!

René Scheu hat sich durch die Lektüre von Carlo Strenger an die Historizität des Liberalismus erinnert. In der NZZ ruft er nicht ohne elitären Gestus dazu auf, das bisherige Zivilisationsmodell nicht für selbstverständlich zu halten und damit aufs Spiel zu setzen, sondern es durch tätigen Einsatz gegen politisch-korrekte „Denk“verbote am Leben zu erhalten. (14.02.17)

Machiavelli als Berufsbild

Ohne Stephen Bannon und Kellyanne Conway beim Namen zu nennen, weil er sich nämlich ganz auf die Renaissance konzentriert, schreibt Peter Sloterdijk elendslang in der NZZ über Kunst und Macht des Sophisten. Schon in der Antike hatten Mächtige gern solche Leute im Mitarbeiterstab - bis es aber um das interessante Verhältnis zwischen ihnen geht, sind einige Abschweifungen zu durchlesen. (18.02.17)

Gegenwehr im Krieg gegen die Wahrheit

Schon im Wahlkampf und mehr noch im Amt versucht Donald Trump die Idee von Wahrheit lächerlich zu machen. Sein daraus entstehender Hauptfeind, die Presse, hat bereits mobil gemacht, nun folgen die Wissenschaftler, wie Christoph Drösser für die ZEIT aus den USA berichtet, wo evidenzfreie Gefühlspolitik ja schon länger angesagt ist. (17.02.17)

Das Weitere und Engere:

Nebenan bei Glanz & Elend wird Michael Tomasellos „Naturgeschichte der menschlichen Moral“ recht ausführlich besprochen. +++ Die WELT stellt Lorenz Jägers Biographie Walter Benjamins vor, die „Das Leben eines Unvollendeten“ von seinem Suizid auf der Flucht vor den Nazis aus schildert. +++ Im Dezember machte ein Artikel des Schweizer Magazin auch hier die Runde, der den Beitrag einer Big-Data-gestützten Politikberatungsfirma zu den Siegen der Brexit- und Trumpkampagne darstellte. Erste Zweifel tauchten schnell auf, inzwischen ist das ganze zum bloßen Marketingtrick der betreffenden Firma reduziert, wie BuzzFeed meldet. +++ Bei Telepolis erklärt der Mailänder Philosoph Diego Fusaro, warum die Universität 150 Jahre nach John Stuart Mills Rektoratsrede tot ist.


Links der Woche am 11.02.2017, 17:55 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 06/17

Die Sehnsucht nach dem Ausnahmezustand

Der Wahlkampf und die blitzartige reaktionäre Agenda Trumps folgen der machiavellistischen „Dialektik von Verehrung und Furcht“, wie Nils Markwardt in der ZEIT beobachtet und sich fragt, wie mit dieser disruptiven Angstpolitik umzugehen sei, noch dazu wenn diese auf eine unter Rechtspopulisten und Islamisten verbreitete Angstlust trifft. (09.02.17)

Gegen Fundamentalismus und Barbarei

Sowohl die Geistes- als auch die Naturwissenschaften sind unter Trumps Präsidentschaft bedroht, meldet Michael Hagner in der NZZ. Wissenschaft und Demokratie sind eng verknüpft, und so zeitigt die Beschädigung erster durch das jahrzehntelange Nützlichkeitsdiktat auch Folgen für die Demokratie, die selbst manchen Technokraten alarmieren. (10.02.17)

Platzhalter fürs Originalwort

Die Übersetzung von Texten ist schwierig, von philosophischen Texten sogar unmöglich, schreibt Joachim Schulte in der NZZ. Er zeigt dies am Beispiel von Descartes’ Wendung der „klaren und deutlichen Ideen“ und des englischen Wortes „experience“, das sowohl Erfahrung als auch Erlebnis heißen kann. (11.02.17)

Et cetera:

Der Standard stellt in kurzen Stichworten Giorgio Agambens neues Buch „Stasis – Der Bürgerkrieg als politisches Paradigma“ vor. +++ Robert Stockhammer zeigt sich im Freitag unzufrieden mit der Verteidigung von „Wahrheit“ und „Wirklichkeit“ in den Medien. +++ Ebenfalls im Freitag bespricht Tom Wohlfarth den gegenwartskritischen Essay „Miamification“, den der Akzelerationist Armen Avanessian unter Palmen verfasst hat. +++ Noch mehr, aber kürzere gegenwartskritische Essays gibt es übrigens alle drei Monate im Lichtwolf, den man für lumpige 29,80 Euro gerne abonniert.


Links der Woche am 05.02.2017, 12:25 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 05/17

Möglich ist alles

Das Verhältnis zwischen Philosophie und Wissenschaft ist weiterhin Reinhard Jellens Thema bei Telepolis. Diese Woche sprach er mit Petra Gehring über die besonderen Eigenschaften der Philosophie als Wissenschaft, über die gleichzeitige Spezialisierung und Konvergenz der Fächer und die mögliche Absorbtion der Philosophie von den Sozialwissenschaften. (29.01.17)

Die Dinge machen ihr Ding

Algorithmen handeln präziser und wissen mehr über uns als wir selbst, weshalb - so Christopher Wimmer im Freitag - ein neuer Materialismus an der Schnittstelle zwischen Geistes- und Naturwissenschaften in der Philosophie Einzug hält, um das Verhältnis zwischen dem Anhängsel der Maschine und dem autonomen Artefakt auszuleuchten. Wimmer stellt einige Vor- und Nachdenker vor. (30.01.17)

Subversion auf Umwegen

Alles muss heute ASAP und ganz zielorientiert gehen, kommentiert Roman Bucheli in der NZZ anlässlich einer Schweizer Debatte um die zwecklose Schönschrift. Dabei sind Krakel und Schnörkel doch der schönste, weil abschweifende Widerstand gegen die allseits gepredigte geometrische Lebenskunde! (04.02.17)

Der Idealismus heute

Für die FAZ unterhält sich Ulf von Rauchhaupt mit dem Philosophen Vittorio Hösle über den Idealismus in ökonomisch-technischen Zeiten. Hösle erklärt darin erstmal den Unterschied zu Realismus, Materialismus usw. - und woran diese Positionen scheitern; außerdem sind Kreise besser als Pferde und moralische Urteile so real wie mathematische. (05.02.17)

Vom Radikalismus zum Terrorismus

Wer noch keine rechte Vorstellung davon hat, wie Radikalisierung ganz normaler Bürger infolge eines fraglich gewordenen Sicherheitsempfinden funktioniert, dem erklärt es der Psychologe Ernst-Dieter Lantermann in der NZZ. Für Glanz & Elend wiederum hat Jürgen Nielsen-Sikora „Die Erfindung des Terrorismus“ gelesen: Carola Dietze erklärt darin an fünf Beispielen, wie der moderne Terrorismus zwischen 1858 und 1866 entstand.

Two weeks in...

Zwei Wochen Trump sind geschafft, mindestens 206 liegen noch vor uns. Slavoj Žižek verlangt in der NZZ von der globalen Linken, zu lernen, lernen, lernen: Statt weiterhin die politisch korrekte Sprachpolizei zu spielen sollte sie darauf reagieren, dass sich der Milliardär Trump erfolgreich als Rächer der Unterdrückten aufspielen konnte.

Georg Seeßlen denkt im Freitag über die auf einen Kulturkampf hinauslaufenden Beziehungen zwischen dem eher liberalen Hollywood und dem Weißen Haus nach - und inwiefern sie als Fieberthermometer der demokratischen Kultur taugen.

Der Schriftsteller Norbert Niemann zeigt sich in der ZEIT fassungslos über den schamlosem Kampf gegen Wahrheit und Dialog, wie er sich in Trumps You-Are-Fake-News-Gestus ausdrückt.

Außerdem bringt die ZEIT zum 30. Januar von Volker Ullrich zusammengestellte abwartende Reaktionen von Zeitgenossen auf Hitlers Amtsantritt vor 84 Jahren - auch auf Englisch erhältlich.


Links der Woche am 28.01.2017, 15:05 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 04/17

Der Wolf ist dem Menschen ein Vorbild

Die Überheblichkeit des Menschen, sich für die Krone der Schöpfung zu halten, ließ ihn fest daran glauben, den Wolf zum Hund domestiziert zu haben, schreibt Florian Schwinn in seinem Buch, aus dem ein Auszug bei Telepolis zu lesen ist. Allerdings spricht einiges dafür, dass sich die frühen Menschen evolutionär an den Wolf angepasst haben. (22.01.17)

Der Geist der Leere

Politische Narrative waren immer solche von Arbeit und Mangel. In den saturierten Demokratien des Westens aber herrscht ein Überfluss, der keinen Sinn mehr ermöglicht - für die Abgehängten, die bei rechtspopulistischen Erzählungen Zuflucht suchen, eh nicht. Fritz Breithaupt und Martin Kolmar raten in der NZZ, sich bei den Narrativen der Religionen zu bedienen. (23.01.17)

Menschen, so unbequem wie das Gewissen

Der in der Schweiz lebende russische Schriftsteller Michail Schischkin erinnert an die 1968 im Ostblock niedergeschlagene Opposition, deren später Sieg sich als Illusion entpuppte. Dissidenten mussten sich zu allen Zeiten gegen staatliche Repression behaupten und dagegen, von der Mehrheit als Verräter und Spinner betrachtet zu werden. (27.01.17)

Aus der Gefahr seinen Beruf machen

Hans Ulrich Gumbrecht schreibt in seinem FAZ-Blog über den Nietzsche-Band, der den Weg in seine Bibliothek aus der Hermann Görings fand. Der dicke Obernazi unterstrich darin fleißig den Begriff „Übermensch“, den Gumbrecht allerdings in Verbindung mit Nietzsches Zusammenbruch in Turin und Zarathustras Seiltänzer bringt - und damit effektiv zu entnazifizieren versucht. (28.01.17)

Bücher, Bücher, Bücher

Die FR bespricht Jan Assmanns jüngste Auseinandersetzung mit Monotheismen und ihrer Gewaltneigung, bei der er u.a. Carl Schmitts Theorie des Politischen heranzieht. +++ Außerdem in der FR: Eine kurze Rezension der „Geschichte des politischen Denkens“ von Otfried Höffe. +++ Aus Anlass seines neuen Buchs „Was für Lebewesen sind wir?“ wird in der taz Noam Chomskys Bedeutung als letzter Linksintellektueller der USA betont. +++ Der Freitag stellt Domenico Losurdos Untersuchung des Konzepts des Klassenkampfs vor, in dem allzu oft ein unterkomplexer Linkspopulismus die eigentlichen Kämpfe um „Anerkennung“ verstellt.

Weiteres zum Trumpismus...

Bereits letzte Woche sind einige Artikel erschienen, die aus Trumps Sprachstil auf seine Denkungsart zu schließen versuchten. Adam Soboczynski konzediert diese Woche in der ZEIT, dass der neue US-Präsi in der Tat überhaupt nicht wie ein Politiker spricht, sondern wie ein stil-, disziplin- und schamloses Großmaul, das die Effekthascherei faschistischer Rhetorik für sich entdeckt hat. Die FAZ wiederum berichtet von einem geistreichen Vortrag des Kunsthistorikers W.J.T. Mitchell über die „amerikanische Psychose“. In der taz schließlich erklärt der Leipziger Politologe Robert Feustel, der das „Wörterbuch des besorgten Bürgers“ mit herausgegeben hat, wie rechtspopulistische Sprache auf den Diskurs einwirkt.

Außerdemos von Sonstnochos:

Die erste Woche von Trumps US-Präsidentschaft war von allerhand „umstrittenen“ Erlassen geprägt, unter denen die angekündigte Einstellung der Förderung der Geisteswissenschaften ein marginaler (aber politisch konsequenter) ist. +++ Im Uniblog der FAZ überlegt Adrian Schulz, was die Verwendung von „Proseminar“ als Schimpfwort der gebildeten Stände mit der marktkonformen Universität zu tun haben könnte - und setzt sich mal in eines hinein. +++ Wo er schon unterwegs war, hat sich Schulz in der Woche darauf auch einen Science Slam angeguckt - ein hippes Format, das bloß „auf Krach und Bumm und Darm mit Charme ausgelegt“ ist. +++ Der Tagesspiegel stellt eine nicht ganz unbefangene Studie vor, die das Sozialistische Patientenkollektiv (SPK) jenseits von linkem Freaktum und „Kaderschmiede der RAF“ darstellt; hoffentlich ist das liebe SPK auch dieses Jahr wieder bei der Mainzer Minipressen-Messe vom 29. Juni bis 2. Juli 2017 dabei!


Links der Woche am 21.01.2017, 14:36 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 03/17

Wie Trump spricht und denkt

Seit gestern ist Donald Trump amtierender US-Präsident. Ursula Scheer hat für die FAZ eine sprachkritische Analyse seiner erratischen Rhetorik angestrengt. Jakob Biazza nimmt sich in der SZ auf ähnliche Weise Trumps Inaugurationsrede vor, die mit einer effektiven Holzhammersprache vernebelt und emotionalisiert, ohne etwas zu sagen. Da die Rede nicht - wie angekündigt - philosophisch, sondern einfach dumm war, versucht Josh Groeneveld für Huffington Post wenigstens Trumps Tweets einen philosophischen Gehalt abzuringen oder anzudichten.

Unn sünst?

Antirassisten in Greifswald freuen sich: Die dortige Uni hat sich von ihrem Namenspatron Ernst Moritz Arndt getrennt, wie die WELT meldet. +++ Den antiliberale Strömungen unserer Zeit kann man nicht mit Toleranz begegnen, schrieb Carlo Strenger 2015; der Freitag bespricht sein jüngstes Buch, einen „Wegweiser für unsichere Zeiten“. +++ Der Freitag stellt außerdem Wieland Elfferdings Einführung in die „Fragen der Philosophie“ vor.


Links der Woche am 14.01.2017, 15:40 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 02/17

Es geht bergab, nur noch schnelller.

Jochen Wegner hat sich für das ZEIT Magazin mit dem Science-Fiction-Halbgott und Schöpfer des Cyberpunk, William Gibson unterhalten. Es geht u.a. um den Blick künftiger Menschen auf uns, um Zeitreisen, um Ayn Rands schädlichen Einfluss und um die Dystopie aus Gibsons letztem Buch, die mit Trumps Wahlsieg von der Realität überholt worden ist. (11.01.17)

Oh, wie schön wäre Elite!

Der Konstanzer Evolutionsbiologe, Exzellenzfreund und Studentenbeschimpfer Axel Meyer fordert in der FAZ kurzum mehr Freiheit für Professoren. Die (also er) drohen von einer für „Governance und Profilbildung“ gestärkten Uni-Verwaltung gelähmt zu werden. Und im professoralen Wettbewerb gibt es aus politischen Gründen angeblich keine Verlierer, was aber genauso zur Elitenbildung nötig wäre wie Studiengebühren. (11.01.17)

Hauptsache Wahlfreiheit

Stuart Jeffries hat sich ausgiebig mit der Frankfurter Schule beschäftigt und erklärt im Freitag, warum Adorno et.al. alles schon immer geahnt haben - obwohl der heutige eindimensionale Konsumkapitalismus doch anders kam, als sich marxistisch geschulte Denker das vor Mauerfall und Ende der Geschichte hätten ausmalen können. (11.01.17)

Enteignet Zuckerberg!

Im Internet lässt sich mit Wahrheit und Originalität kein Geld verdienen. Paul Mason beschreibt im Freitag, unter welchen Bedingungen im Onlinekapitalismus produziert wird. Da die Politik unfähig oder nicht willens ist, die Monopole zu zerschlagen, müssen wir die sozialen Medien retten, d.h. vergesellschaften. (12.01.17)

Die Nation als Business

In einer Woche ist es soweit: Donald Trump wird US-Präsident. Dieter Thomä gibt in der NZZ einen Ausblick auf seine Amtszeit und überlegt, wie Trump in die Reihe seiner 44 Vorgänger passen soll. Als egofixierter Trickster macht er vor, dass der persönliche Triumph alles ist und dafür alles erlaubt ist. Vielleicht wird er aber bald an den Widersprüchen seiner opportunistischen Politik scheitern. (14.01.17)

Außerdemchen:

Die Technik wird immer sozialer, da muss die Technikfolgenabschätzung mitziehen, so empfiehlt ein Diskussionspapier, das in der FAZ vorgestellt wird. +++ Die taz ist ziemlich genervt von Byung-Chul Hans neuem Büchlein über die „Austreibung des Anderen“ und den „Terror des Gleichen“. +++ Die NZZ stellt Noam Chomskys neue Bücher vor, worin der 88-jährige Anarchosyndikalist einen Einblick in seine Anthropologie und in die globale US-Politik gibt.


Links der Woche am 07.01.2017, 15:29 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 01/17

Wie die neue Aufklärung aussehen müsste

Aus mehreren Gründen, die er in der ZEIT ausführlich darlegt, hält der Medienwissenschaftler Bernhard Pörksen den Begriff „postfaktisch“ für problematisch. Dahinter stecke die herablassende Kapitulation vor den Kräften der Gegenaufklärung, denen stattdessen mit mehr Diskurs und Transparenz begegnet werden müsste. (29.12.16)

Der neue Humanismus aus den USA

Geisteswissenschaftler pflegen eine traditionelle Geringschätzung für die Naturwissenschaften. Das empfand John Brockman als Irrweg, rief eine dritte Kultur aus und gründete edge.org, wo alljährlich Preisfragen ausgegeben werden, wie René Scheu in der NZZ schreibt und eine Auswahl der Antworten auf die diesjährige Frage bringt, welche wissenschaftlichen Begriffe oder Ideen breiter bekannt sein sollten. (05.01.17)

Produktion von Sinn und Schönheit

Für den Wissensteil der FAZ hat Ulf von Rauchhaupt den Dichter Raoul Schrott und den Jesuiten Stefan Bauberger zum Gespräch gebeten. Es geht um das schwierige Verhältnis von Kunst bzw. Religion zu den Naturwissenschaften, das von Berührungangst und Missverständnissen geprägt ist. (06.01.17)

Das Weitere und Engere:

Auf Facebook sammelt Der goldene Aluhut die schrägste Äußerungen aus den paranoiden Filterblasen der Verschwörungstheoretiker und Eso-Spinner. Um sich in deren abgefahrene Konstrukte einzuarbeiten, kann man sich das Lexikon „gängiger Welterklärungsversuche“ reinziehen, das der Freitag zusammengestellt hat. FNORD. +++ In der FR wendet sich der Philosoph Markus Tiedemann seit einiger Zeit mit offenen Briefen an Fanatiker aller Art. +++ Telepolis informiert über den Versuch des Kulturhistorikers Christopher Goodey, den Transhumanismus auf konservativ-christliches Denken zurückzuführen. +++ Die NZZ würdigt den Philosophen Dieter Henrich zu seinem 90. Geburtstag. +++ Ein harter Spaß für den Hobby-Medienmacher: Auf archive.org sind 520 Stunden Bild- und Tonmaterial von Donald Trump versammelt - mitsamt Such- und Schnittfunktion, um zu dokumentieren, dass der nächste US-Präsident sich gar nicht darum schert, was er so daherquatscht, und trotzdem oder deswegen gewählt worden ist.


Links der Woche am 24.12.2016, 15:04 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 52/16

Die Politischkorrekten wollten das so!

Michael Hampe widmet sich in der ZEIT der kulturwissenschaftlichen Linken (KWL), für die Pippi-Langstrumpf-Leser Rassisten sind und für die der Nordpol genauso relativ, konstruiert und historisch ist wie Hampes Oma. Nun, da rechte Verschwörungstheoretiker an die Macht kommen, wendet sich ihr Vulgärkonstruktivismus gegen sie und die KWL hat dem in Theorie und Praxis nichts entgegenzusetzen. (19.12.16)

Von Nietzsche zu Brexit und Trump

vox.com unterhält sich mit Hugo Drochon, der Nietzsche als transnationalistischen politischen Denker liest, der ausgehend vom Tod Gottes die aktuellen Populismus-Krisen der Demokratie und die Relativismus-Krise der Philosophie schon zu Bismarcks Zeiten vorhergesagt hat. (20.12.16)

Optionen und Willkür

In der ZEIT (und seinem neuen Buch) beklagt Maximilian Probst das Aussterben der Verbindlichkeit. Die undurchschaubare Vielfalt der Wahlmöglichkeiten macht es schwer, sich festzulegen, und überfordert die Rechtswähler. Dem versucht Probst eine Verbindlichkeit entgegenzusetzen, die nicht nach Biedermeier riecht, sondern der Zukunft zugewandt, liberal und autonom ist. (21.12.16)

Philosophie war schon immer globalisiert

Philosophie ist nicht nur das, was die Griechen gemacht und ihre Erben fortgesetzt haben, erinnert Heiner Roetz in der FR und plädiert für eine globalisierte Perspektive auf die Diziplin. Dazu gibt er nachahmungswürdige Beispiele für die gegenseitige kulturelle Beeinflussung in und Bereicherung der Philosophiegeschichte. (22.12.16)

„Die Grausamkeit massakrierter Körper.“

Vor über 100 Jahren ging es auch nicht friedlicher zu, dafür aber inszenierte sich die Avantgarde schwer kulturterroristisch, schreibt Stefan Zweifel in der NZZ. Heute sind Terroristen Meister der Inszenierung, die von Nietzsche über Breton und Artaud bis Debord die Starre lösen sollte, die nun von ganz realer Gewalt erschüttert wird. (22.12.16)

Alles nichts Neues

Nils Markwardt zweifelt im Freitag an der Rede vom „postfaktischen Zeitalter“, denn die darunter subsumierten politischen und sozialpsychologischen Phänomene wurden von Le Bon und Adorno längst beschrieben. Tatsächlich profitieren Rechtspopulisten von einem Vertrauensdefizit, das wiederum von Luhmann ausgiebig beschrieben wurde. (27.12.16 - aus der Zukunft!)

Kann man mal lesen

Iris Radisch stellt in der ZEIT das unvollendete letzte Büchlein Roger Willemsens vor, worin dieser als enttäuschter Moralist mit unserer Gegenwart abrechnet. +++ Hans Hütt zeigt sich im Freitag ganz begeistert von Dieter Thomäs Philosophie des Störenfrieds, einer Studie, die gerade zur rechten Zeit (nämlich zu der des „Orangenmanns“)kommt. +++ Diese Woche ist bekanntlich Lichtwolf Nr. 56 zum Thema Gebäck erschienen: Das Heft gibt es im Abo oder für 8,50 Euro einzeln sowie als DRM-freies E-Book im epub-Format oder für Kindle.

Schöne Feiertage!


Links der Woche am 10.12.2016, 14:16 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 50/16

Der Wahn als Politikum

Für die ZEIT unterhalten sich Ulrich Schnabel und Martin Spiewak mit Michael Butter, der über Verschwörungstheorien und ihre Anhänger forscht. Das Internet hat ihnen, ihren Wahnlieferanten und politischen Profiteuren ganz neue Möglichkeiten erschlossen. Grund für die wachsende Massenhysterie ist die Aufklärung und die Verunsicherung insbesondere weißer Männer. (01.12.16)

Die große Regression

2016 ist ein Erfolgsjahr für Hetzer und ihre Anhänger. Für die ZEIT hat Gero von Randow u.a. seinen Adorno hervorgeholt, um sich einen Reim auf das Comeback des autoritären Charakters zu machen. Damals wie heute ist es die Freude an Regression und Entzivilisierung, die Agitatoren und Demagogen beflügelt, weshalb es nicht an Globalisierung und Internet liegen kann. (01.12.16)

Black Box Wähler

Dieser Text machte diese Woche die große Runde: Mikael Krogerus und Hannes Grassegger portraitieren für Das Magazin den Big-Data-Forscher Michal Kosinski, der eine psychometrische Methode entwickelt hat, um Botschaften passgenau an den jeweiligen Mann zu bringen, welche von einer Politberatungsfirma benutzt worden sein soll, um die Siege der Brexiteers und Trumps zu befördern. (03.12.16)

Demokratie oder Leitkultur

Martin Seel weist in der FR den populistischen Begriff der „Leitkultur“ zurück, der eine suggestive Chiffre ohne vernünftige Grundlage ist. Der Inhalt des Begriffs - Christentum, Demokratie, Sprache oder gemeinsame Werte? - ist unklar bis widersprüchlich. Sinnvoller wäre es, Tugenden und das Recht einzuüben. (04.12.16)

Die demütige Elite

Kein Geringerer als Stephen Hawking schreibt im Guardian bzw. Freitag gegen die zunehmende Ungleichheit in der Welt an, schließlich empfindet er sich als Teil der verhassten Elite. Der Fortschritt geht weiter und mit ihm die sozialen Verwerfungen. Um sie im In- und Ausland abzufedern und die großen Herausforderungen zu meistern, vor denen die Menschheit steht, ist Zusammenarbeit gefragt. (05.12.16)

Erlösung von der Staatsidee durch Inkompetenz

In der ZEIT plaudert Peter Sloterdijk von einem Abendessen mit Condoleezza Rice. Den Trump-Schock hatte man schon verdaut, aber das Unbehagen in der Demokratie, die nicht sicher vor der Selbstabschaffung ist, bleibt. Sloti denkt über Idioten und Populismus nach und sagt ein Attentat auf Trump voraus. (07.12.16)

Es ist okay, bedürftig und hilflos zu sein.

Für ZEIT Campus führt Silke Weber ein Interview mit Martha Nussbaum über die politische Bedeutung von Gefühlen. Liebe und Mitgefühl sind notwendig für das Funktionieren einer Gesellschaft und Triebkraft liberaler und emanzipatorischer Bewegungen, während Rechtspopulisten vor allem Hass und Angst für sich instrumentalisieren. (08.12.16)

Neue Bücher

Der Soziologe Frank Adloff bespricht im Freitag Judith Butlers Utopie politischer Versammlungen. +++ Die NZZ zeigt sich hin und hergerissen von Peter-André Alts kiloschwerer Biographie Sigmund Freuds. +++ Die taz stellt den Essayband „Kosmopolitismus ohne Illusionen“ vor, in dem Seyla Benhabib Hoffnung macht, dass es mit Menschenrechten und Liberalismus doch noch nicht ganz zu Ende geht.

Unn sünst?

Reinhard Jellen unterhält sich für Telepolis mit Oliver Nachtwey über sein Buch „Abstiegsgesellschaft“ und wie der Kapitalismus vom Wachstum zum Ausschluss übergegangen ist. +++ Die FAZ weist auf einen soziologischen Aufsatz von Bettina Heintz hin, der untersucht, was und wie wir Dinge miteinander vergleichen können, sollen und dürfen. +++ Jeder kennt und schätzt das „Des Teufels Wörterbuch“ von Ambrose Bierce, so auch die Kollegen von The Verge. Die haben eine Fortsetzung der Sarkasmusbibel für das 21. Jahrhundert verfasst, die inhaltlich okay ist, aber vor allem zeigt, dass schöne Typographie im Internet doch möglich ist. +++ So lachen die Kartoffeln: David Hugendick hat sich für die ZEIT bei einem Auftritt Mario Barths in Dresden umgesehen. +++ Die NZZ wiederum berichtet von einem Auftritt Alain Badious in Zürich. +++ In gut einer Woche erscheint Lichtwolf Nr. 56 zum saisonal passenden Titelthema Gebäck: Drinnen geht es u.a. um Brot und Bier, Tortenverbot, Spinnen, Postfaktizität und Sokrates im Krieg. Vielleicht möchten Sie ja abonnieren - oder ein Abo verschenken...?


Links der Woche am 03.12.2016, 14:21 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 49/16

SETI und Plethi

Francis Drake schüttelte 1960 eine nach ihm benannte Formel aus dem Ärmel, die die (ziemlich hohe) Wahrscheinlichkeit für außerirdisches Leben berechnet. Für Telepolis zeichnet Harald Zaun im ersten Teil seines Essays die Ideengeschichte der Suche nach E.T. bzw. zweiten Erden im Kosmos nach. (03.12.16)

500 Jahre Utopia

Vor einem halben Jahrtausend ist „Utopia“ von Thomas Morus erschienen. Die NZZ würdigt aus diesem Anlass das Werk, das Werner von Koppenfels als ironisch-philosophische Lehrfabel voller Sprachwitz vorstellt. Uwe Justus Wenzel betrachtet kurz die Geschichte und Entwicklung des Begriffs Utopie, die eine Verfallsgeschichte ist.

Außerdemchen:

Philosophie in postfaktischen Zeiten: Der Guardian hat ein zunächst überschaubar wirkendes philosophisches Entscheidungsproblem ganz demokratisch per Online-Abstimmung „gelöst“. +++ Die taz stellt Jörg Späters große Biographie Siegfried Kracauers vor, die zum 50. Todestag des Kulturkritikers und Adorno-Kumpels erschienen ist. +++ Morgen wird in Österreich ein neuer Präsident gewählt - und es könnte der Rechtspopulist Norbert Hofer werden. Die ZEIT unterhält sich mit dem Schriftsteller Robert Menasse über die Aussicht auf einen Alpen-Trump in seinem Land. +++ Mathias Greffrath bespricht für die ZEIT Stephan Lessenichs Studie über die kapitalistische Externalisierungsgesellschaft, die in der Ferne ausbeutet und kontaminiert, um in den reichen Staaten noch mehr Wohlstand zu schaffen; wenn Sie sich für diese Problematik interessieren, könnte auch Marc Hieronimus’ „Der Schritt zur Seite“ was für Sie bzw. für unter den Weihnachtsbaum sein. Es ist kein Ratgeberbuch!


Links der Woche am 26.11.2016, 14:45 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 48/16

Der Pragmatismus ist schuld an Trump

Der Pragmatismus hatte es in Europa schon immer schwer, weshalb der Pragmatiker Trump hier ein größeres Rätsel ist als in den USA, schreibt Andrian Kreye in der SZ. Er blickt darum in die US-Ideengeschichte und darauf, wie Dewey, James und Peirce die Politik und Kultur des USA geprägt haben, aus der der künftige Präsident hervorging. (18.11.16)

Die Eierköpfe sind schuld an Trump

Die linksliberale Elite in den USA drehe sich nur um sich selbst und habe mit ihrer Political Correctness den kleinen Mann zum Trump-Wähler gemacht, heißt es. Dem widerspricht Katja Kullmann im Freitag vehement, warnt vor dem Antiintellektualismus der neuen Rechten und ruft zur Solidarität der Prekarisierten mit und ohne Uni-Abschluss auf. (21.11.16)

Sie nannten ihn Krac

In der FR wird Siegfried Kracauer zu seinem 50. Todestag von Christian Thomas als metaphysischer Sinnsucher und Kulturkritiker gewürdigt, der sich mit Ernst Bloch und Georg Lukács anlegte und eine schwierige Beziehung zu Adorno pflegte. (25.11.16)

Geisteswissenschaftler sind die besseren Chefs

Für ihr Uni-Blog unterhält sich die FAZ mit dem Psychologen Nico Rose, der seines Zeichens Head of Corporate Employer Branding, University Relations & Recruiting Programs bei Bertelsmann ist und als solcher speziell Geisteswissenschaftler zu kreativen und leidenschaftlichen Führungskräften heranzieht. (25.11.16)

Das Weitere und Engere:

Rüdiger Suchsland weist bei Telepolis auf den Kinofilm „The Arrival“ hin, der Sprachspiele mit Außerirdischen zeigt, die nicht nur Wittgenstein gefallen würden. +++ Der Freitag bespricht Botho Straußens jüngstes antimodernes Lamento über die aussterbende deutsche Leit- und Altherrenkultur. +++ Die NZZ stellt Dieter Thomäs Philosophiegeschichte der bösen Jungs und Störenfriede vor. +++ Die FAZ rezensiert ausführlich, doch ein wenig ratlos Judith Butlers „Anmerkungen zu einer performativen Theorie der Versammlung“. +++ Ebenfalls in der FAZ darf Uwe Jochum einmal mehr gegen Open Access wettern und Sibylle Anderl blickt in eine Zukunft, in der Algorithmen für uns die wichtigsten Stellen aus dicken Büchern heraussuchen.


Links der Woche am 19.11.2016, 14:26 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 47/16

Philosophie blüht in der Krise

Die wachsende Popularität der Philosophie ist ein Symptom für Umbruchzeiten, wie Richard David Precht im NZZ-Interview erklärt - und sich freut: Bald werden Maschinen die ganze Arbeit machen und noch mehr Menschen noch mehr Zeit für Philosophie haben! Dann werden auch immer mehr Leute sich fundiert jenseits der Politik einmischen können. (19.11.16)

Die Woche danach

Eine Woche nach dem Wahlsieg Donald Trumps stellt dieser sein Regierungsteam aus apokalyptischen Reitern zusammen. Thomas Thiel hat sich für die FAZ im traditionell liberalen US-Wissenschaftsbetrieb umgehört, der sich nach Trumps Wahlsieg mit seiner Abkapselung und Wählerferne auseinandersetzen muss. Die US-Philosophin Susan Neiman zeigt sich in der FR (nur im Abo) entsetzt über Trumps Personalentscheidungen und sucht eine vernunftorientierte Politik anderswo (z.B. in Deutschland). Slavoj Žižek zuletzt freut sich in der ZEIT (mit Badiou und Mao) über Trump, der die drohende Katastrophe sein könnte, die (anders als Hitler) die liberalen Kräfte eint und mobilisiert.

Et cetera:

Zum Welttag der Philosophie hat sich Deutschlandradio Kultur mit Andreas Urs Sommer über die sozipolitische Rolle und Bedeutung der Disziplin zwischen Marktplatz und Elfenbeinturm unterhalten. +++ Die taz bespricht das neue Buch des Historikers Timothy Garton Ash, der verschiedene Positionen zum Verhältnis zwischen Meinungsfreiheit und dem Kampf gegen Hate Speech gegen einander abwägt. +++ An der Uni Glasgow stehen „Die Simpsons“ laut WELT im Mittelpunkt eines Philosophieseminars. +++ Der Freitag stellt den aufwiegelnden Essay „Versuch, die Jugend zu verderben“ vor, in dem sich Alain Badiou als kommunistischer Sokrates inszeniert.


Links der Woche am 13.11.2016, 13:20 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 46/16

Ach, Amerika...

Das waren noch Zeiten: Die uralte NZZ hat in ihrem Archiv ihren damaligen Bericht über die US-Wahlen von 1789 gefunden. Das Ergebnis der Wahlen dieser Woche könnte kaum kurioser sein: Gewonnen hat entgegen aller Erwartungen Slavoj Žižeks Wunschkandidat Trump, den Brian Leiter als US-Präsidenten mit narzisstischer Persönlichkeitsstörung analysiert. Die SZ sammelt die schockierten Reaktion von US-Intellektuellen wie Judith Butler oder Saskia Sassen, die sich fragen, wie das passieren konnte. Auch bei Schwein & Zeit geht es - neben einem Ausblick mit Platon - um die Frage, wer die ganzen Trump-Wähler eigentlich sind: alles dumme Nazis?! Hannes Stein portraitiert in der WELT die alternative Rechte („alt right“), die am lautesten und voller Fremdenhass für Trump geworben hatte; auch Meike Laaff blickt für die taz auf die unheilige Allianz der Enthemmung zwischen der Ultrarechten und Internet-Trollen.

300 Jahre ohne Leibniz

Zu seinem 300. Todestag wird Gottfried Wilhelm Leibniz von der NZZ ausgiebig geehrt: Michael Kempe blickt auf Leibniz’ fleißiges Leben und vielfältiges Wirken zurück, Uwe Justus Wenzel erzählt, wie Arthur Schopenhauer Leibnizens Auffassung von der besten aller möglichen Welten zu widerlegen versuchte (ein Projekt, das in diesen Tagen eine Renaissance erfahren dürfte...) und der Schriftsteller Karl-Heinz Ott würdigt die große Bedeutung von Phantasie und Inspiration für das Schaffen des großen Rationalisten Leibniz. Dem war gestern Abend auch die lange Nacht im Deutschlandfunk gewidmet, die man hier nachhören kann.


Links der Woche am 23.10.2016, 14:51 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 43/16

Auf einige Zigaretten mit Wolf Wondratschek

Falls Sie mit dem Rauchen aufhören wollen oder das schon geschafft haben oder andere Probleme damit haben, ist das Interview, das Timo Frasch für die FAZ mit Schriftsteller und leidenschaftlichen Raucher Wolf Wondratschek genau darüber geführt hat, eher nichts für sie. Alle anderen können staunen, dass so etwas in gesundheitsbewussten Zeiten wie der unseren überhaupt noch erscheinen darf. (16.10.16)

Der Zuschauer als absolutistischer Monarch

Am Montag zeigte die ARD eine TV-Adaption von Schirachs „Terror“ und ließ die Zuschauer darüber befinden, ob der Pilot, der ein entführtes Passagierflugzeug abgeschossen hat, um 70.000 Leute in einem Stadion zu retten, schuldig sei. Für Matthias Dell (Freitag) markiert das „Fernsehevent“ einen neuen Tiefpunkt in Sachen Medienkompetenz. Bundesrichter Thomas Fischer liest in seiner ZEIT-Kolumne den Machern die Leviten und erklärt ihnen mit seiner üblichen Wortgewalt, wie grundfalsch ihr Umgang mit Grundfragen des Grundgesetzes ist.

Soziologie als Problematisierungsdisziplin

Die SZ spricht mit dem Soziologen Stephan Lessenich über Ausbeutung, Konsumrebellion und wie unsere Gesellschaft die Kosten ihres Lebensstils auf andere Regionen abwälzt. Marcus Klöckner unterhält sich für Telepolis ebenfalls mit Lessenich über die Aufgabe der Soziologie, Missstände zu erkennen und in sie zu intervenieren - ein Berufsethos, der auf Charles Wright Mills zurückgeht.

Außerdemchen:

Carolin Emcke hat heute den Friedenspreis des deutschen Buchhandels entgegengenommen; die NZZ würdigt ihr aktuelles sozialphilosophisches Plädoyer „Gegen den Hass“. +++ Vielleicht haben wir den Posthumanismus schon hinter uns und leben in der Computersimulation unserer hypertechnisierten Vorfahren, mutmaßt nicht nur Nils Markwardt im Freitag und fände das gar nicht so schlecht. +++ Raoul Schrott lässt sich nicht lumpen und erzählt in einem gigantischen Versepos, auf das die NZZ hinweist, die Geschichte der Welt von ihrer Entstehung bis zum Menschen nach. +++ Außerdem werden in der NZZ besprochen Gisela von Wysockis Adorno-Roman „Wiesengrund“ sowie Sarah Bakewells Rückstürz ins Pariser „Café der Existenzialisten“. +++ Wie kann man nur? Quartz.com weiß von immerhin vier Philosophie-Professoren, die Trump unterstützen.


Links der Woche am 15.10.2016, 14:23 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 42/16

Angstkampagnen rocken mehr als Fakten

Überall weidet man sich beispielsweise an der Angstlust, Trump könne zum US-Präsidenten gewählt werden. Auch Susanne Berkenheger gibt sich diesem medialen life thrill hin und überlegt im Freitag mit einigen Psychologen und Soziologen, ob dem täglichen Apokalypsenporno nicht eigentlich resignative Wut auf die Zivilisation zugrunde liegt (09.10.16)

„Desaster deutscher Geistesgeschichte“

Die Demaskierung oder Demontage Heideggers geht weiter: Adam Soboczynski und Alexander Cammann haben für die ZEIT in den Briefwechsel zwischen den Gebrüdern Heidegger zwischen 1930 und 46 geblickt, in dem sich der Seinsdenker als profan antisemitischer, komplett uneinsichtiger Nazi-Anhänger äußert. (12.10.16)

Angst und Langeweile der Selbstbestätigung

Ronja von Rönne berichtet in der WELT, wie sie nach vollzogenem Onlinshopping den Reklame-Algorithmen sei dank im Internet mit nichts anderem mehr als ihren vermeintlichen Bedürfnissen konfrontiert wird. Sie sorgen dafür, „dass man noch mehr der Mensch wird, der man schon ist“ - ob nun Shopping Queen oder besorgter Bürger. (13.10.16)

Roboterrechte und -pflichten

Die ZEIT setzt ihre Reihe über Künstliche Intelligenz und die Arbeitswelt fort, diese Woche mit einem Text von Adrian Lobe über die ethischen und rechtlichen Fragen, die sich zum Beispiel ergeben, wenn ein Roboter einen Menschen oder einen anderen Roboter tötet. Auch in anderen Fällen wirft uns die KI manch harte Nuss in Sachen Willen, Gewissen und Verantwortung vor die Füße. (14.10.16)

Content- statt Kulturindustrie

Das, was drin ist, zählt nur noch mit Blick auf das, was hinten rauskommt: Mark Siemons schreibt in der FAZ über Content, in dem Unterhaltung, Journalismus und Werbung zusammenfließen und dessen instrumentelle Logik die gesamte Text- und Bild„produktion“ erfasst und erst zu einer solchen macht - die sich übrigens umso leichter automatisieren lässt. (15.10.16)

Das Weitere und Engere:

Die NZZ weist auf Pierre Bayles nicht ganz leicht zu lesenden Grundschrift der Toleranzphilosophie aus dem 17. Jahrhundert hin. +++ Michael Angele bespricht im Freitag Gisela von Wysockis Roman „Wiesengrund“, der der Faszination nachgehen will, die Adorno auf die Generation der 68er ausgeübt hat. +++ Um nicht schreiben zu müssen, er habe es ja immer schon gesagt, erklärt Gewaltforscher Wilhelm Heitmeyer im Freitag, warum er von der Brutalisierung der Gesellschaft nicht überrascht ist. +++ Das Jüdische Museum Berlin zeigt eine Ausstellung, in deren Zentrum laut FAZ der Golem und seine modernen technischen Nachfolger stehen. +++ In der FR ist von der Klage der Verbände über den stagnierenden E-Book-Markt in Deutschland zu lesen. Dem kann sich der catware.net Verlag mit seinen DRM-freien und halb so teuren E-Book-Fassungen des Lichtwolf nur anschließen.


Links der Woche am 02.10.2016, 15:05 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 40/16

weniger Akte X, mehr House of Cards

28 Prozent der US-Wähler glauben, dass eine verborgene Elite nach autoritärer Weltherrschaft strebt, schreibt Houssam Hamade im Freitag über den strukturell antisemitischen Trend, hinter allem eine große Verschwörung zu wittern. Das ist unter anderem darum problematisch, weil es ja wirklich Verschwörungen in der Politik gibt. (28.09.16)

Die Verteidiger des Abendlands

Die Islamwissenschaftlerin Lamya Kaddor schreibt in ihrem neuen Buch über die Bringschuld der Mehrheitsgesellschaft bei der Integration. Seither wird sie massiver denn je bedroht und gibt in der ZEIT selbsternannten konservativen Intellektuellen eine Mitschuld an der neuen Welle an Morddrohungen gegen sie. (30.09.16)

Dystopie der entgrenzten Systeme

In der ZEIT-Reihe über Künstliche Intelligenz in der Arbeitswelt nimmt uns Sci-Fi-Autor Marc Elsberg mit ins Jahr 2031, in dem moralische Werte quantifizierbar sind, eine KI die Legislative und die Kulturproduktion übernommen hat und auch sonst praktisch jeder (selbst die Programmierer) durch intelligente Systeme ersetzt worden ist. (30.09.16)

Keine Fakten, nur Interpretationen

Nach dem Rededuell der beiden US-Präsidentschaftskandidaten beschäftigt sich Thomas Assheuer in der ZEIT mit dem locker-verächtlichen Verhältnis zur Wahrheit, das Donald Trump und alle Rechtspopulisten auszeichnet. Sie ersetzen Ideale durch gefühlige Mythen, die autoritaristische Sehnsüchte bedienen. Schuld ist die Postmoderne. (01.10.16) [ Ums postfaktische Zeitalter ging es - ausführlich und mit Links zu Assheuers Quellen - auch nebenan bei Schwein & Zeit in drei Teilen. ]

Außerdemos von Sonstnochos:

Die taz berichtet kurz vom diesmal ziemlich gottlastigen 20. Philosophicum in Lech. +++ Der iranische Regisseur Amir Reza Koohestani bringt in München Kamel Daouds Roman „Der Fall Meursault – Eine Entgegnung“ auf die Bühne; der Standard zeigt sich von der Inszenierung begeistert, auch die FR kommt nachdenklich angeregt aus dem Theater. +++ Die NZZ bespricht Terry Eagletons dichten Essay über Optimismus, Pessimismus und Fatalismus sowie die Frage, was die Hoffnung in der Büchse der Pandora verloren hat. +++ Die SZ rezensiert das neue Buch des Historikers Timothy Garton Ash, der darin die Entstehung und Ordnung der Internet-Weltgesellschaft beschreibt - und mit welchen Grundregeln sich liberale Werte darin bewahren lassen.


Links der Woche am 25.09.2016, 15:21 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 39/16

Geschi geht es auch nicht gut

Diese Woche fand der Deutsche Historikertag statt und man ist nicht glücklich über den Zustand des Schulfachs Geschichte. Martin Schulze Wessel erklärt in der FAZ, wie das Fach durch Output- und Kompetenzorientierung sowie Überfüllung in Krisenzeiten ruiniert wird, die es nötiger denn je machen. (25.09.16)

Spielen Maschinen uns aus?

Zum Start einer neuen Serie der ZEIT über Künstliche Intelligenz (KI) und deren Folgen beschäftigt sich Lars Gaede mit der digitalen Revolution, die die Arbeitswelt ähnlich verändern wird wie die Industrialisierung. Dazu trifft er IT-Forscher, die zuversichtlich oder kritisch auf KIs blicken, die bald nahezu alle Jobs besser erledigen können werden als wir. Einen Spezialfall beim Stand der Technik betrachtet Georg Rüschemeyer für die FAZ: Es geht um die Cepheus-KI und wie sie lernt, das schwer berechenbare Poker-Spiel zu meistern.

Neue Bücher

Jürgen Nielsen-Sikora zeigt sich bei Glanz & Elend begeistert von John Higgs’ ungewöhnlicher Art, die Geschichte des 20. Jahrhunderts als die der neuen Unübersichtlichkeit zu erzählen. +++ Ebenfalls bei G&E bespricht Wolfram Schütte Bettina Stangneths Essay „Böses Denken“, der mit Kant Vernunft, Freiheit und Moral nach ihrer Entwertung im 20. Jahrhundert auslotet. +++ Die NZZ rezensiert Kerry Howleys Romandebut „Geworfen“, dessen Protagonistin eine Phänomenologin ist, die der Faszination von Mixed Martial Arts-Kämpfen erliegt.

Unn sünst?

Die Wuppertaler Campuszeitung blickfeld spricht mit Peter Trawny über sein Heidegger-Institut und den Privatdozenten als akademischen Tagelöhner. +++ Christian Schwägerl schreibt in der FAZ über das schwierige Ringen der Geologenzunft mit dem Begriff des Anthropozäns für das aktuelle Erdzeitalter. +++ Ludger Lütkehaus würdigt in der NZZ den Ethnopsychoanalytiker und Anarchisten Paul Parin zum 100. Geburtstag. +++ Die FAZ unterhält sich ausgiebig mit dem Psychologen Claus Koch darüber, warum die Zeit zwischen 18 und 30 die härteste des Lebens ist. +++ In der Jungle World betreibt Georg Seeßlen eine umfassende politisch-phänomenologische Bildanalyse eines Portraits der schrecklich netten Familie Trump. +++ Ohne erkennbaren Anlass widmet sich Olaf Velte in der FR dem Doyen der Grauen Literatur, Victor Otto Stomps, der auch Schutzpatron der Mainzer Minipressen-Messe ist, an der der Lichtwolf im Mai / Juni 2017 wieder teilnimmt.


Links der Woche am 13.08.2016, 14:23 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 33/16

Es ist fünf vor zwölf

Andreas Wirsching, Direktor des Instituts für Zeitgeschichte, schreibt in der SZ einen Essay als Warnruf: Nicht nur im europäischen Südosten ist die Demokratie gefährdet, sondern auch hierzulande. Terrorismus und Fremdenhass einerseits, konkurrierende Extremismen andererseits nehmen die politische Kultur der Menschenrechte in die Zange.

Die Linken und die Religion

Linkssein heißt mindestens religionsskpetisch zu sein, schreibt Michael Jäger im Freitag. Linke sind hin und hergerissen zwischen Solidarität mit Flüchtlingen und einer Reserviertheit gegenüber dem Islam. Jäger blickt dazu in die linke Ideengeschichte seit Marx zurück, die stets eine des Streits um das Verhältnis zur Religion im Kapitalismus und zum Kapitalismus als Religion war. (10.08.16)

Auch eine Art von Antidiskriminierung...

WASP-Männchen haben es nicht leicht unter dem Diktat der politischen Korrektheit, wie René Scheu in der NZZ schreibt. Ein bunter Strauß an Diskriminierungs-Vorwurf werde inflationär gebraucht, obwohl die Gesellschaft egalitär wie nie sei. Grund sei der ubiquitäre Narzissmus infantil-staatsgläubiger Egos, die sich andauernd verletzt fühlen. (12.08.16)

Trash wählt Trump?

Hans Ulrich Gumbrecht fragt von seinem FAZ-Blog aus nach dem revolutionären Potential, das im Trump-wählenden White Trash stecken mag. Dazu schaut er zunächst mal bei Marx, Bakunin und Fanon nach dem Lumpenproletariat. Mit einer ähnlichen Fragestellung, aber klügeren Ergebnissen hat Nils Markwardt für den Freitag neue Bücher von Didier Eribon und Daniele Giglioli gelesen, die der Linken einiges ins Stammbuch schreiben, um sich nicht vom Rechtspopulismus abhängen zu lassen.

Unn sünst?

Die ZEIT ist ganz fasziniert von dem Buch, in dem Roberto Calasso den abendländischen Menschen mit Fremdheit, Transzendenz und Metaphysik der vedischen Mythen konfrontiert. +++ Vor 25 Jahren ging die erste Website online - die taz gratuliert dem WWW zur Quarterlifecrisis. +++ In der NZZ zeigt sich Alain Claude Sulzer skeptisch, ob Intellektuelle immer die klügeren Kommentatoren sind, und lehnt darum deren Pflicht, sich einzumischen, ab.


Links der Woche am 25.06.2016, 14:27 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 26/16

Erkenntnis in Sinnfeldern

Markus Gabriel hat vor fünf Jahren den Neuen Realismus in der Philosophie ausgerufen und resümiert den Stand der Dinge in der NZZ: Allen voran die Irrtümer von postmodernem Konstruktivismus und Naturalismus wurden bekämpft in Manifesten und auf Tagungen. Besonderen Fokus legt Gabriel auf den medialen, d.h. vermittelten Weltbezug. (19.06.16)

Was und wie der Bund bezahlt

Der deutsche Föderalismus macht dem Bund einen Einfluss auf die universitäre Bildungspolitik nur auf Umwegen möglich, die Stephan Leibfried in der FAZ beschreibt: Der prominenteste ist der Exzellenzpakt, aber es gibt noch eine Reihe weiterer Pakte zur Finanzierung von Studienplätzen, Lehre, Forschung und Innovation, deren komplizierte Architektur Leibfried grob umreißt. (20.06.16)

Eigentliche Kulturgeschichte?

Emil Heinrich Du Bois-Reymond nannte im 19. Jahrhundert die Geschichte der Naturwissenschaft die eigentliche Kulturgeschichte, wie Uwe Justus Wenzel sich in der NZZ erinnert anlässlich der Debatte um einen „Imperialismus der Naturwissenschaften“ im Potsdamer Einstein-Forum. (25.06.16)

Außerdemchen:

Auch die NZZ bespricht Carl Schmitts „Glossarium“ mit Aufzeichnungen aus den Jahren 1947 bis 1958 sowie Åsne Seierstads Breivik-Portrait und Geschichte eines Massenmörders. +++ Im Uniblog der FAZ beschäftigt sich Niklas Záboji mit den absurden Auswüchsen des Bologna-Leistungswahns, der unter Studis einen Wettbewerb um das größte soziale Engagement auslöst. +++ Bei boundary2 schreibt Peter E. Gordon über die Widerkehr der u.a. von Adorno beschriebenen autoritären Persönlichkeit im Gefolge Donald Trumps. +++ Apropos Adorno: Der französische Soziologe Didier Fassin bestreitet die diesjährigen Frankfurter Adorno-Vorlesungen und kam über die Erfahrungen mit Apartheid, Gewalt und Not zur Kritischen Theorie, wie aus dem Portrait in der FAZ hervorgeht. +++ Im Freitag legt Sarah Bakewell acht gute Gründe vor, warum es lohnt, gerade heutzutage zu den Bücher der französischen Existentialist_innen zu greifen. +++ Außerdem bringt der Freitag ein Interview mit Bhaskar Sunkara, dem Herausgeber des sozialistischen Untergrundmagazins „Jacobin“. +++ Und apropos kleine Zeitschriften: Dass es einen neuen Lichtwolf, diesmal zum Thema Ekstase gibt, wissen Sie ja schon; das Heft ist nun auch als E-Book für Kindle sowie im offenen epub-Format erhältlich.


Ähnliche Suchbegriffe:

Erneute Suchanfrage oder zum Stichwortverzeichnis.


Lektüreempfehlungen


Reklame

Jenseits des Menschen

Lichtwolf Nr. 39 vom Herbst 2012 zum Thema "Jenseits des Menschen", 92 Seiten DIN A4 für nur 7,80 Euro - oder gleich abonnieren.



Im Einkaufszentrum »

Die aktuelle Ausgabe:

Lichtwolf Nr. 58 (2/2017), Juni 2017

Titelthema: Wurst

vorherige Ausgabe

Lichtwolf Nr. 58 (2/2017)

nächste Ausgabe

Würste und Wurschtigkeit, konkret, metaphorisch, vegetarisch und in zweiendlichen Redewendungen, sowie Bienen, Lammert und V. O. Stomps.


Reklame


Lichtwolf-Abo

Den Lichtwolf können Sie sich auch bequem pünktlich zu jeder Jahreszeit nach Hause kommen lassen: Das Jahres-Abo kostet bloß 26,80 Euro.



Monatsbuch

Zeichenkette Stichwort

« August 2017
So Mo Di Mi Do Fr Sa
  12345
6789101112
13141516171819
20212223242526
2728293031

Stichwortverzeichnis


Archiv


catware.net Verlag

Martin Gohlke: Im Bauch der Titanic

Da wird die Geschichte der westdeutschen Intelligenz lebendig: Martin Gohlkes Roman gibt es als Hardcover mit 394 Seiten beim catware.net Verlag oder hier im Einkaufszentrum für nur 19,80 €.


Marc Hieronimus: Der Schritt zur Seite

Die erste Gesamtdarstellung der Décroissance-Bewegung und ihrer Ursprünge, ihrer Motive, Denker und falschen Freunde: Das leidenschaftliche und fundierte Plädoyer für ein anderes Leben ist erhältlich direkt beim catware.net Verlag oder im Buchhandel (ISBN 9783941921634) erhältlich.


David Hume: Von der Regel des Geschmacks

David Humes Essay über die Ästhetik „Von der Regel des Geschmacks“, von Martin Köhler neu übersetzt: als Taschenbuch beim catware.net Verlag oder hier im Einkaufszentrum für nur 6,80 € - sowie als E-Book für Kindle oder im epub-Format für bloß 2,99 €.



www.lichtwolf.de