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Monatsbuch

Suche ausgeführt.

Mit dem Stichwort "Demokratie" sind die folgenden Artikel markiert:


Links der Woche am 15.07.2017, 14:17 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 28/17

Warum werden sie so gehasst?

Henrike Schirmacher widmet den oft als Flugratten verunglimpften Stadttauben in der FAZ einen sehr interessanten und bisweilen wenig mitfühlenden Text, in dem es u.a. über den Zusammenhang zwischen dem von Denkmalschützern gefürchteten Taubenkot und unserer Diät sowie über den zwischen urbaner Umgebung und Tierbild geht. (11.07.17)

Wo ist noch Intellektuellenbuch?

In der NZZ fragt sich Jan Söffner, warum immer weniger Menschen der Aufforderung eines gedruckten Buchs nachkommen, sich Zeit dafür zu nehmen, und lieber schnell das Internet bemühen. Söffner vermutet, die intellektuell hungrigen Leser seien einfach zu oft enttäuscht worden von Büchern, die bloß als Forschungsbeleg veröffentlicht wurden, und gibt Tipps, wie im 21. Jahrhundert Denkabenteuer zu schreiben wären. (12.07.17)

Du wirst, was du studierst.

Was macht das Studienfach aus einem Menschen? Das hat sich Samuel Kramer für das Uni-Blog der FAZ gefragt und mit drei jungen Studenten unterhalten: Die Medizin-, Jura- bzw. Soziologiestudenten bestätigen so manches Klischee über ihre Fächer und überlegen, woran das wohl liegt. (13.07.17)

Vor der Komplexität kapitulieren

Nach dem G20-Gipfel vorige Woche zeigt Armin Nassehi in der ZEIT Verständnis für die Polizei und denkt über die Atrraktivität politischer Gewalt nach. Die Linke hat es leicht, weil sie - anders als die Rechte - sympathische Forderungen stellt, darum nicht über den Weg zu ihrer Erfüllung nachdenken kann und ergo latent autoritär ist, während „es der globalisierten Welt noch nie so gut ging wie heute.“ (13.07.17)

Mit Trump gegen Trump?

Naomi Klein hat jüngst ein Buch darüber geschrieben, wie es zu Trump kam und was wir jetzt tun müssen. Tim Adams portraitiert im Freitag die prominente Vordenkerin der US-Linken, die den Aktivismus wieder cool machen will und aus deren früheren Veröffentlichungen Trump scheinbar viel gelernt hat. (14.07.17)

Was man so alles lesen kann

Die taz ist ziemlich enttäuscht von Peter Sloterdijks lieblos zusammengestellter Essaysammlung „Nach Gott“. +++ Bei Glanz & Elend werden besprochen sowohl Manfred Geiers Doppelbiographie „Wittgenstein und Heidegger“ als auch Andreas Urs Sommers Essay gegen den moralischen Relativismus. +++ Die NZZ zeigt sich sehr angetan von Ralf Konersmanns „Wörterbuch der Unruhe“, das diese als Zeitphänomen aus philosophischer Distanz analysiert. +++ Die SZ stellt Julian Nida-Rümelins Lob der Grenzziehung - im Privaten wie im Staatlichen - vor, dass da lautet: „Herzlich willkommen, aber...“ +++ Bini Adamczaks Büchlein „Communism for Kids“ gilt der Rechten in den USA als Beleg für die Perfidie ihrer imaginierten Feinde: Die SZ erklärt, worum es in der vermeintlichen Indoktrinationsfibel wirklich geht. +++ Uwe Justus Wenzel denkt in der NZZ anlässlich von Jason Brennans Buch „Against Democracy“ über die schillernde Vielfalt von Willensbekundungen nach, die in der Demokratie als vox populi laut wird.

Henry David Thoreau zum 200.

Die FR würdigt Henry David Thoreau zu seinem 200. Geburtstag und bringt neben einem Portrait auch eine Liste von Neuerscheinungen zu dem Waldgänger. Die taz bespricht Frank Schäfers Thoreau-Biographie und die WELT überlegt, wie Thoreau zu Obama und Trump stehen würde...

Et cetera:

Die Soziologie hat ein ähnliches Problem wie die Philosophie: Im Studium lernt man nur, wie man das Fach lehrt. Einige Soziologen wollen diejenigen Absolventen, die es nicht auf einen Lehrstuhl schaffen, als professionelle Gesprächspartner arbeitsmarktfähig machen, wie die FAZ meldet. +++ Die FAZ berichtet außerdem von einer Tagung in Jena über die linken Wurzeln des Faschismus und rechtspopulistische Erfolge unter Arbeitern und Arbeitslosen. +++ Kognitive Verzerrung: Telepolis schreibt über eine Studie, wonach in den USA über muslimische Attentäter fast fünf Mal so ausführlich berichtet wird wie über nicht-muslimische. +++ Womöglich kennen Sie das Selfie des Schopfmakaken-Weibchens auch aus Lichtwolf Nr. 51, wo es Marc Hieronimus’ Essay über die narzisstische Massenpsychose unserer Tage einleitete. Ebenso womöglich muss das Photo in den noch unverkauften Ausgaben bald geschwärzt werden, denn die Tierrechtsorganisation Peta will den Streit darum, wer das Urheberrecht an dem Bild hat - die Makakendame oder der Besitzer des Photoapparats - ein für alle Mal klären, wie die FAZ meldet. +++ Heute Abend ab 23:05 Uhr gibt es im Deutschlandfunk die Lange Nacht über Walter Benjamin.


Links der Woche am 10.06.2017, 15:32 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 23/17

Universalistisch oder autoritär?

Es ist still geworden um den Akzelerationismus, der vor einer Weile als neuer heißer Scheiß der Philosophie gefeiert wurde. Hannes Stein malt sich in der WELT einen Film über die Cybernetic Culture Unit aus, der diese Denkbewegung entsprang, die ihren Marx schon ganz richtig verstanden hat und heute in einen linken und rechten Flügel zerfallen ist. (05.06.17)

Selbst ist die Frau!

Was macht frau, wenn die Umwelt mit Fragen nach dem Hochzeitstermin nervt, man aber niemanden zum Heiraten findet? Frau ehelicht sich selbst! Über die seltsamen Motive hinter einer Hochzeit und über die „Sologamie“ zwischen Hashtag-Feminismus und Kampf um Selbstliebe schreibt Elvia Wilk in der ZEIT. (07.06.17)

E falso sequitur evaluatio

Für Telepolis unterhält sich Ulrich Herb mit der Wissenschaftsforscherin Terje Tüür-Fröhlich über Zitationsdatenbanken, die als objektives Maß für gute Forschung gelten, aber voller banaler Namensfehler sind, wie sie am eigenen Leib erfahren musste und ein in Anbetracht der Evalutionswut überraschend spannendes Dissertationsthema darin fand. (08.06.17)

Brexit als antiker Hoffnungsschimmer

Wankelmütig sei die Gunst des Volkes, ob nun im antiken Griechenland oder beim Brexit, die der Althistoriker Egon Flaig in einem Vortrag zusammendenkt, wie Patrick Bahners in der FAZ schreibt. Volkssouveränität sei gut und schön, wenn sich die Leute denn tatsächlich als die Verantwortlichen für ihre Gesetzgebung empfinden könnten. (08.06.17)

Für einen Patriotismus neuer Art

Die NZZ beschäftigt sich an diesem Samstag ausgiebig mit dem Thema Migration. Johan Rochel lädt zu einem Rawlschen Gedankenexperiment ein, das von Joseph Carens adaptiert wurde: Welche Migrationsregeln würden wir wählen, wenn wir nicht wüssten, in welchem Land wir leben werden? Die bestehende Politik jedenfalls nicht und schon gar nicht ohne Rechtfertigungsdruck. (10.06.17)

(Mehr zum Argument für offene Grenzen nach Rawls gibt es mit vielen interessanten Links hier.)

Meinung triumphiert über Expertise

Zur populistischen Wissenschaftskritik formiert sich Widerstand in Form einer neopositivistischen Wissenschaftshörigkeit, beobachtet Klaus Benesch bei Telepolis. Besonders der geisteswissenschaftliche Relativismus wird von Wissenschafts- und Expertenfeinden instrumentalisiert, während auf der anderen Seite neoliberale Hochschulpolitik die Glaubwürdigkeit von Wissenschaft und Forschung untergräbt. (05.06.17)

Außerdemchen:

Bei Glanz & Elend bespricht Jürgen Nielsen-Sikora ein philosophisches Lesebuch mit Texten über die Arbeit von Hesiod über Hegel bis Honneth. +++ Tobias Albrecht weist im theorieblog auf Grit Straßenbergers nicht mehr ganz neue Einführung in Hannah Arendts Denken hin und macht sich dabei Gedanken über die schwierige Rezeption ihres philosophischen Werks. +++ Die NZZ stellt Daniel-Pascal Zorns Anleitung „Logik für Demokraten“ dem Klassiker „Wie man mit Fundamentalisten diskutiert, ohne den Verstand zu verlieren“ von Hubert Schleichert gegenüber. +++ Vom 29. Juni bis 2. Juli 2017 findet in der Mainzer Rheingoldhalle die 24. Internationale Buchmesse der Kleinverlage und Handpressen statt. Der Eintritt ist frei und der Lichtwolf ist auch am Start. Also planen Sie ruhig schon mal Ihren Mainztrip!


Links der Woche am 03.06.2017, 14:39 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 22/17

Skynet rising

Beim Thema autonomes Fahren tun sich schon ethische Abgründe auf, wie „intelligente“ Technik z.B. mit dem Trolley-Problem umgehen soll. Florian Rötzer berichtet auf Telepolis vom aktuellen Sachstand im Pentagon, wo man glaubt, das Wesen des Krieges mittels Kampfmaschinen zu ändern, die im Übrigen nun vielleicht doch selbstständig über Leben und Tod entscheiden dürfen. (01.06.17)

Alles Kommunisten!

Manchmal hilft der Blick ins Ausland, um zu verstehen, was läuft: Der gebürtige Pole Matthias Nawrat schreibt in der ZEIT über den Rechtsruck in seinem Geburtsland nebenan. Den Siegeszug der Nationalkonservativen erklärt er mit dem besonderen Kapitalismus in Osteuropa, aber auch mit der Auseinandersetzung mit dem Kommunismus nach der Solidarno??. (02.06.17)

Bücher, Bücher, Bücher

Bei Spektrum wird Bernulf Kanitschneiders „Kleine Philosophie der Mathematik“ empfohlen, die zeigt, wie real und realistisch die Wunder der Mathematik sind. +++ Andreas Bummel und Jo Leinen fordern am Ende einer Geschichte der Demokratie von der Stoa bis Kant die demokratische Weltregierung - die taz ist von ihrem utopischen Sachbuch sehr angetan. +++ Die NZZ bespricht zwei Titel zum/über den „unzeitgenössischen“ Gegenwartskritiker Charles Péguy (1873–1914), auf den sich in Frankreich linke wie rechte Autoren gleichermaßen beziehen. +++ Außerdem findet die NZZ zumindest die erste Hälfte von Mathias Schreibers Essay über den Verrat, den Verräter und deren moralische Ambivalenz (von Prometheus bis Snowden) sehr lesenswert. +++ Ausführlich bespricht Bruno Heidlberger bei Glanz & Elend Volker Weiß’ Studie über die Neue Rechte und ihre autoritäre Revolte.

Das Weitere und Engere:

Von wegen „Skynet rising“ (s.o.): In der FAZ geht es um ein Frühwarnsystem der Bertelsmann-Stiftung, mit dem Künstliche Intelligenz darauf überprüft werden kann, ob und wie man ihr im Ernstfall Einhalt gebieten kann. +++ Reza Jafaris Theaterstück „Heiliger Krieg“ beschäftigt sich an einer Stelle damit, dass Islamisten und Rechte nicht akzeptieren wollen, wenn Menschen, anders sind; was einen lokalen AfD-Politiker Drohmails ans Ensemble schreiben lässt, wie die taz berichtet. +++ Der Biologe Peter Spork berichtet in der FAZ von Studien zur Epigenetik, die die umstrittene These von der Vererbbarkeit von Umweltanpassungen bestätigen. +++ Alain Claude Sulzer erzählt in der NZZ mit ungebrochener Begeisterung von seiner Bibliomanie. +++ Im Uniblog der FAZ geht es darum, wie schwer es trotz der hohen Abbrecherquoten ist, ein Studium, zu dem man nicht passt, vorzeitig zu beenden. +++ Lichtwolf Nr. 58 zum Thema Wurst (u.a. bibliomane Wurst) ist im Druck und für ein schönes Abonnement braucht man keinen Studienabschluss.


Links der Woche am 29.04.2017, 14:23 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 17/17

Masseneffekte statt Ideologien

Nicht nur in Frankreich zeigt sich die seit 1990 erwartete Auflösung der Ideologien, schreibt Adrian Lobe in der ZEIT: Die Populisten dieser Welt brauchen weder Visionen noch Weltbild, um an die Macht zu kommen, sondern die zynische Bereitschaft, jedes der vervielfältigten Weltbilder in ihrer Anhängerschaft rhetorisch zu bedienen. (25.04.17)

Krimis und Verschwörungstheorien

Der Wahn wird mit Bildern von außen möbliert. Der Schriftsteller Guido Eckert fragt sich (und einige Kollegen) im Freitag, ob u.a. seine Zunft dazu beigetragen hat, dass anscheinend immer mehr Leute ernsthaft glauben, in einem Thriller voller Verschwörungen und dunkler Machenschaften zu leben. (26.04.17)

Friedensschrift ohne Leser

Christian Thomas portraitiert in der FR den Humanisten und Aufklärer Erasmus von Rotterdam, der vor 500 Jahren gegen den Krieg anschrieb und damit scheiterte, weil er einfach zu früh dran war: Pazifismus war im kriegerischen Europa des Mittelalters und seinen Lautsprechern wie Luther verpönt. (28.04.17)

Gendermüdes Neobiedermeier

Die 68er wollten alles sein, nur nicht Spießer, wurden damit aber auch nicht glücklich. Cora Stephan versucht in der NZZ darum eine Ehrenrettung spießiger Tugenden wie Ernst, Manieren und Monogamie, die gerade eine Renaissance erfahren, auch wenn oder gerade weil ihre Anhänger von der bösen „Gender-Elite“ gemaßregelt werden. (29.04.17)

(Eine schönere Verteidigung des Spießertums lieferte Marc Hieronimus in Lichtwolf Nr. 53 („Schloch“)...

Unn sünst?

Die taz weist auf Jeanette­Erazo Heufelders Biographie des Mäzens der Frankfurter Schule, Felix Weil hin. +++ Christoph Egger hat sich im Antiquariat ein Schriftsteller-Lexikon von 1882 gekauft und schwärmt in der NZZ von einer literarischen Welt vor unserer Zeit. Freunde vergessener Autoren schätzen die Lichtwolf-Reihe „Lebende & Leichen“, aus der Michael Helmings „Leichen treppauf“ ausgekoppelt worden ist. +++ Claus Leggewie zeigt sich in der SZ wenig überzeugt von Jason Brennans Argumenten dafür, dass regiert zu werden den meisten Leute besser tut als politische Teilhabe, für die ihnen die Kompetenz fehlt. +++ Im Freitag bekundet Ulrike Baureithel, bei den Science Marches der letzten Woche einen (selbst-)kritischen Blick auf den Wissenschaftsbetrieb vermisst zu haben.


Links der Woche am 22.04.2017, 12:38 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 16/17

Das sind doch wir!

Die „verallgemeinerte Logik aus Zeiten, als Neue Sozialen Bewegungen [...] gegen Staat und Atom-, Rüstungs- und Ölindustrie antraten, wiederholt das Motiv vom Verblendungszusammenhang, hinter dem finstere Mächte am Werk sind“, hieß es in LW51 über den seltsam vertrauten Sound rechtspopulistischer Medien- und Systemkritik. Auch die taz fühlt sich an ihre Anfänge erinnert, besteht aber darauf, dass sich Dutschke und Höcke nicht nur im Vokabular unterscheiden. (15.04.17)

Die Mauer als Grenze und Zeichen

Dominik Irtenkauf beschäftigt sich bei Telepolis mit dem Mauerbau in der Politik und der Geschichte. Populär ist und in ihrer Funktion gewandelt hat sich die Chinesische Mauer. Die Grenze zwischen den USA und Mexiko erinnert (noch) an den Limes statt an Berlin, dessen Mauer sich heute wiederum in Beton zwischen Israel und Palästina und in der Mentalität zwischen Ossis und Wessis wiederfindet. (17.04.17)

Diesen Relativismus haben „wir“ nicht gewollt

Nun muss auch noch Karl-Heinz Ott in der NZZ den linksliberalen Anhängern des postmodernen Denkens von Offenheit und Vielfalt vorhalten, sie seien für die Geringschätzung von Wahrheit verantwortlich, die Trump ins Weiße Haus brachte. Ganz so harmlos waren die relativistischen Gedankenspielchen mit Nietzsche und den ganzen Poststruktralisten anscheinend doch nicht... (19.04.17)

Les sciences marchent

Am heutigen Samstag gehen weltweit Menschen auf die Straße, um „dafür zu demonstrieren, dass wissenschaftliche Erkenntnisse als Grundlage des gesellschaftlichen Diskurses nicht verhandelbar sind“, wie es beim Science March Germany heißt. In der ZEIT erzählen fünf Wissenschaftler, warum sie mitmarschieren. Die FR schreibt über ein Facebookvideo, in dem der populäre Astrophysiker Neil DeGrasse Tyson erklärt, was wissenschaftliche Wahrheit ist, ob man nun daran glaubt oder nicht. Auch im Fall der Proteste gegen die geplante Schließung der Central European University in Budapest, über die die FAZ berichtet, geht es nicht nur um akademische Arbeitsplätze, sondern um die Verteidigung des Pluralismus in autoritären Zeiten.

Bücher und Wahlen

Seit Trumps Amtsantritt haben Bücher Konjunktur, die sich die USA literarisch als Fascho-Staat ausmalen und lange in den Regalen verstaubten. Jan Wilm stellt in der NZZ eine Auswahl vor; eine ausführliche Reise durch die Welten kontrafaktischer Nazi-Romane unternahm Bdolf bekanntlich in Lichtwolf Nr. 45 und Nr. 46. +++ Die ZEIT weist hin auf den jüngst edierten jahrzehntelangen Briefwechsel zwischen Martin Heidegger und seinem Schüler und frühen Kritiker Karl Löwith. +++ Die taz dagegen freut sich, dass kurz vor den französischen Präsidentschaftswahlen das komplette Werk Lacans auf Deutsch erhältlich ist. +++ Just über die Wahlen links des Rheins unterhält sich die NZZ mit dem „Frankreich-Kenner“ Peter Sloterdijk. +++ Gustav Seibt zeigt sich in der SZ unzufrieden mit dem Essayband „Die große Regression“, worin sich linke Denker mit der wachsenden Unruhe in diesen Zeiten beschäftigen - überheblich im Ton und unter Aussparung der Digitalisierung. +++ Der Tagesspiegel wiederum unterhält sich mit Jason Brennan, der in seinem neuen Buch dafür plädiert, das Wahlrecht auf informierte und rationale, also qualifizierte Bürger_innen zu beschränken. Um die Frage nach der Qualifikation für politische Teilhabe geht es übrigens auch im aktuellen Lichtwolf. +++ Rolf Dobelli rät in seiner NZZ-Kolumne, dem Handeln öfter mal den Vorzug vor dem Nachdenken zu geben.



Links der Woche am 11.03.2017, 14:25 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 10/17

Die Last mit dem Lesen und Schreiben

Für die FAZ wägt Thomas Thiel Nutzen und Nachteil des Reformplans zum Wissenschaftsurheberrecht ab, der Forschung und Lehre die weitgehend kostenlose Nutzung von Texten einräumen soll. Verlags- und Wissenschaftsinteressen kollidieren auf der einen Seite, auf der anderen machen Sparzwang und Publikationsflut eine Reform des universitären Bibliothekswesens nötig. (08.03.17)

Humor, Distinktion und Identität

Im Uniblog der FAZ weist Felix Simon auf unterhaltsame Internet-Angebote hin, die mitnichten bloß der studentischen Prokrastination dienen: „Shit Academics Say“, „Research Wahlberg“ und „Lego Grad Student“ sind bei großen und kleinen Wissenschaftlern beliebt, weil ihr Humor nur Insidern des absurden akademischen Betriebs verständlich ist und jene so ihrer Zugehörigkeit zu dieser versichert. (10.03.17)

„Awkwardness, confusion and contradiction“

Andrea Köhler portraitiert in der NZZ den umtriebigen Agenten und Herausgeber John Brockman als „kulturellen Impresario“, der - geprägt von der Hippie-Bewegung - auf seinem „Cyber-Portal“ edge.org Geistes- und Naturwissenschaft sowie Kunst und Technologie zu einer „dritten Kultur“ zusammenschweißt. (11.03.17)

Demokratisches Denken im globalen Trumpistan

In der NZZ denkt Christine Abbt mit Harriet Taylor und John Stuart Mill über das Verhältnis von demokratischer Mehrheitsherrschaft und individueller Freiheit nach - und welche Rolle die Identität dabei spielt. In der ZEIT beobachtet der Schriftsteller Norbert Niemann dieselbe „Verbindung einer marktschreierischen Öffentlichkeit mit skrupelloser Bereicherung und opportunistischer Demagogie“, gegen die Karl Kraus vor 100 Jahren anschrieb. In der ZEIT erklärt Nils Markwardt den Aufstieg des Aufschneiders Trump mit dem Boom des konservativen Talk-Radios, die in den USA die Speerspitze im zynischen Kampf gegen die Relevanz von Vernunft und Tatsachen waren. Uwe Justus Wenzel fragt sich in der NZZ, ob Trump nur ein nützlicher Idiot des rechtsradikalen Chefstrategen Stephen Bannon ist. Thomas Assheuer schließlich hat in der ZEIT ein Wörterbuch rechtspopulistischen Sprechens und Denkens angelegt.

Unn sünst?

Im Gespräch mit Telepolis erklärt der Soziologe Robert Schmidt, was „symbolische Gewalt“ nach Bourdieu ist und welche Rolle sie dabei spielt, sich das Beherrschtwerden gefallen zu lassen. +++ Die SZ unterhält sich mit August Diehl, der im Kino den jungen Marx spielt (Georg Seeßlen bespricht den Film bei Glanz & Elend.), darüber, wo der echte Marx richtig und wo er falsch lag. +++ Die FAZ berichtet von einem sozialwissenschaftlichen Experiment, das nahelegt: Menschen sind durchaus bereit, auf etwas zu verzichten, um eine von ihnen angerichtete Sauerei aufzuräumen. +++ Apropos: Marc Hieronimus erklärt auf postwachstum.de, worum es in seinem Buch „Der Schritt zur Seite“ geht, das sie direkt beim catware.net Verlag bestellen können.


Links der Woche am 11.02.2017, 17:55 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 06/17

Die Sehnsucht nach dem Ausnahmezustand

Der Wahlkampf und die blitzartige reaktionäre Agenda Trumps folgen der machiavellistischen „Dialektik von Verehrung und Furcht“, wie Nils Markwardt in der ZEIT beobachtet und sich fragt, wie mit dieser disruptiven Angstpolitik umzugehen sei, noch dazu wenn diese auf eine unter Rechtspopulisten und Islamisten verbreitete Angstlust trifft. (09.02.17)

Gegen Fundamentalismus und Barbarei

Sowohl die Geistes- als auch die Naturwissenschaften sind unter Trumps Präsidentschaft bedroht, meldet Michael Hagner in der NZZ. Wissenschaft und Demokratie sind eng verknüpft, und so zeitigt die Beschädigung erster durch das jahrzehntelange Nützlichkeitsdiktat auch Folgen für die Demokratie, die selbst manchen Technokraten alarmieren. (10.02.17)

Platzhalter fürs Originalwort

Die Übersetzung von Texten ist schwierig, von philosophischen Texten sogar unmöglich, schreibt Joachim Schulte in der NZZ. Er zeigt dies am Beispiel von Descartes’ Wendung der „klaren und deutlichen Ideen“ und des englischen Wortes „experience“, das sowohl Erfahrung als auch Erlebnis heißen kann. (11.02.17)

Et cetera:

Der Standard stellt in kurzen Stichworten Giorgio Agambens neues Buch „Stasis – Der Bürgerkrieg als politisches Paradigma“ vor. +++ Robert Stockhammer zeigt sich im Freitag unzufrieden mit der Verteidigung von „Wahrheit“ und „Wirklichkeit“ in den Medien. +++ Ebenfalls im Freitag bespricht Tom Wohlfarth den gegenwartskritischen Essay „Miamification“, den der Akzelerationist Armen Avanessian unter Palmen verfasst hat. +++ Noch mehr, aber kürzere gegenwartskritische Essays gibt es übrigens alle drei Monate im Lichtwolf, den man für lumpige 29,80 Euro gerne abonniert.


Links der Woche am 28.01.2017, 15:05 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 04/17

Der Wolf ist dem Menschen ein Vorbild

Die Überheblichkeit des Menschen, sich für die Krone der Schöpfung zu halten, ließ ihn fest daran glauben, den Wolf zum Hund domestiziert zu haben, schreibt Florian Schwinn in seinem Buch, aus dem ein Auszug bei Telepolis zu lesen ist. Allerdings spricht einiges dafür, dass sich die frühen Menschen evolutionär an den Wolf angepasst haben. (22.01.17)

Der Geist der Leere

Politische Narrative waren immer solche von Arbeit und Mangel. In den saturierten Demokratien des Westens aber herrscht ein Überfluss, der keinen Sinn mehr ermöglicht - für die Abgehängten, die bei rechtspopulistischen Erzählungen Zuflucht suchen, eh nicht. Fritz Breithaupt und Martin Kolmar raten in der NZZ, sich bei den Narrativen der Religionen zu bedienen. (23.01.17)

Menschen, so unbequem wie das Gewissen

Der in der Schweiz lebende russische Schriftsteller Michail Schischkin erinnert an die 1968 im Ostblock niedergeschlagene Opposition, deren später Sieg sich als Illusion entpuppte. Dissidenten mussten sich zu allen Zeiten gegen staatliche Repression behaupten und dagegen, von der Mehrheit als Verräter und Spinner betrachtet zu werden. (27.01.17)

Aus der Gefahr seinen Beruf machen

Hans Ulrich Gumbrecht schreibt in seinem FAZ-Blog über den Nietzsche-Band, der den Weg in seine Bibliothek aus der Hermann Görings fand. Der dicke Obernazi unterstrich darin fleißig den Begriff „Übermensch“, den Gumbrecht allerdings in Verbindung mit Nietzsches Zusammenbruch in Turin und Zarathustras Seiltänzer bringt - und damit effektiv zu entnazifizieren versucht. (28.01.17)

Bücher, Bücher, Bücher

Die FR bespricht Jan Assmanns jüngste Auseinandersetzung mit Monotheismen und ihrer Gewaltneigung, bei der er u.a. Carl Schmitts Theorie des Politischen heranzieht. +++ Außerdem in der FR: Eine kurze Rezension der „Geschichte des politischen Denkens“ von Otfried Höffe. +++ Aus Anlass seines neuen Buchs „Was für Lebewesen sind wir?“ wird in der taz Noam Chomskys Bedeutung als letzter Linksintellektueller der USA betont. +++ Der Freitag stellt Domenico Losurdos Untersuchung des Konzepts des Klassenkampfs vor, in dem allzu oft ein unterkomplexer Linkspopulismus die eigentlichen Kämpfe um „Anerkennung“ verstellt.

Weiteres zum Trumpismus...

Bereits letzte Woche sind einige Artikel erschienen, die aus Trumps Sprachstil auf seine Denkungsart zu schließen versuchten. Adam Soboczynski konzediert diese Woche in der ZEIT, dass der neue US-Präsi in der Tat überhaupt nicht wie ein Politiker spricht, sondern wie ein stil-, disziplin- und schamloses Großmaul, das die Effekthascherei faschistischer Rhetorik für sich entdeckt hat. Die FAZ wiederum berichtet von einem geistreichen Vortrag des Kunsthistorikers W.J.T. Mitchell über die „amerikanische Psychose“. In der taz schließlich erklärt der Leipziger Politologe Robert Feustel, der das „Wörterbuch des besorgten Bürgers“ mit herausgegeben hat, wie rechtspopulistische Sprache auf den Diskurs einwirkt.

Außerdemos von Sonstnochos:

Die erste Woche von Trumps US-Präsidentschaft war von allerhand „umstrittenen“ Erlassen geprägt, unter denen die angekündigte Einstellung der Förderung der Geisteswissenschaften ein marginaler (aber politisch konsequenter) ist. +++ Im Uniblog der FAZ überlegt Adrian Schulz, was die Verwendung von „Proseminar“ als Schimpfwort der gebildeten Stände mit der marktkonformen Universität zu tun haben könnte - und setzt sich mal in eines hinein. +++ Wo er schon unterwegs war, hat sich Schulz in der Woche darauf auch einen Science Slam angeguckt - ein hippes Format, das bloß „auf Krach und Bumm und Darm mit Charme ausgelegt“ ist. +++ Der Tagesspiegel stellt eine nicht ganz unbefangene Studie vor, die das Sozialistische Patientenkollektiv (SPK) jenseits von linkem Freaktum und „Kaderschmiede der RAF“ darstellt; hoffentlich ist das liebe SPK auch dieses Jahr wieder bei der Mainzer Minipressen-Messe vom 29. Juni bis 2. Juli 2017 dabei!


Links der Woche am 10.12.2016, 14:16 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 50/16

Der Wahn als Politikum

Für die ZEIT unterhalten sich Ulrich Schnabel und Martin Spiewak mit Michael Butter, der über Verschwörungstheorien und ihre Anhänger forscht. Das Internet hat ihnen, ihren Wahnlieferanten und politischen Profiteuren ganz neue Möglichkeiten erschlossen. Grund für die wachsende Massenhysterie ist die Aufklärung und die Verunsicherung insbesondere weißer Männer. (01.12.16)

Die große Regression

2016 ist ein Erfolgsjahr für Hetzer und ihre Anhänger. Für die ZEIT hat Gero von Randow u.a. seinen Adorno hervorgeholt, um sich einen Reim auf das Comeback des autoritären Charakters zu machen. Damals wie heute ist es die Freude an Regression und Entzivilisierung, die Agitatoren und Demagogen beflügelt, weshalb es nicht an Globalisierung und Internet liegen kann. (01.12.16)

Black Box Wähler

Dieser Text machte diese Woche die große Runde: Mikael Krogerus und Hannes Grassegger portraitieren für Das Magazin den Big-Data-Forscher Michal Kosinski, der eine psychometrische Methode entwickelt hat, um Botschaften passgenau an den jeweiligen Mann zu bringen, welche von einer Politberatungsfirma benutzt worden sein soll, um die Siege der Brexiteers und Trumps zu befördern. (03.12.16)

Demokratie oder Leitkultur

Martin Seel weist in der FR den populistischen Begriff der „Leitkultur“ zurück, der eine suggestive Chiffre ohne vernünftige Grundlage ist. Der Inhalt des Begriffs - Christentum, Demokratie, Sprache oder gemeinsame Werte? - ist unklar bis widersprüchlich. Sinnvoller wäre es, Tugenden und das Recht einzuüben. (04.12.16)

Die demütige Elite

Kein Geringerer als Stephen Hawking schreibt im Guardian bzw. Freitag gegen die zunehmende Ungleichheit in der Welt an, schließlich empfindet er sich als Teil der verhassten Elite. Der Fortschritt geht weiter und mit ihm die sozialen Verwerfungen. Um sie im In- und Ausland abzufedern und die großen Herausforderungen zu meistern, vor denen die Menschheit steht, ist Zusammenarbeit gefragt. (05.12.16)

Erlösung von der Staatsidee durch Inkompetenz

In der ZEIT plaudert Peter Sloterdijk von einem Abendessen mit Condoleezza Rice. Den Trump-Schock hatte man schon verdaut, aber das Unbehagen in der Demokratie, die nicht sicher vor der Selbstabschaffung ist, bleibt. Sloti denkt über Idioten und Populismus nach und sagt ein Attentat auf Trump voraus. (07.12.16)

Es ist okay, bedürftig und hilflos zu sein.

Für ZEIT Campus führt Silke Weber ein Interview mit Martha Nussbaum über die politische Bedeutung von Gefühlen. Liebe und Mitgefühl sind notwendig für das Funktionieren einer Gesellschaft und Triebkraft liberaler und emanzipatorischer Bewegungen, während Rechtspopulisten vor allem Hass und Angst für sich instrumentalisieren. (08.12.16)

Neue Bücher

Der Soziologe Frank Adloff bespricht im Freitag Judith Butlers Utopie politischer Versammlungen. +++ Die NZZ zeigt sich hin und hergerissen von Peter-André Alts kiloschwerer Biographie Sigmund Freuds. +++ Die taz stellt den Essayband „Kosmopolitismus ohne Illusionen“ vor, in dem Seyla Benhabib Hoffnung macht, dass es mit Menschenrechten und Liberalismus doch noch nicht ganz zu Ende geht.

Unn sünst?

Reinhard Jellen unterhält sich für Telepolis mit Oliver Nachtwey über sein Buch „Abstiegsgesellschaft“ und wie der Kapitalismus vom Wachstum zum Ausschluss übergegangen ist. +++ Die FAZ weist auf einen soziologischen Aufsatz von Bettina Heintz hin, der untersucht, was und wie wir Dinge miteinander vergleichen können, sollen und dürfen. +++ Jeder kennt und schätzt das „Des Teufels Wörterbuch“ von Ambrose Bierce, so auch die Kollegen von The Verge. Die haben eine Fortsetzung der Sarkasmusbibel für das 21. Jahrhundert verfasst, die inhaltlich okay ist, aber vor allem zeigt, dass schöne Typographie im Internet doch möglich ist. +++ So lachen die Kartoffeln: David Hugendick hat sich für die ZEIT bei einem Auftritt Mario Barths in Dresden umgesehen. +++ Die NZZ wiederum berichtet von einem Auftritt Alain Badious in Zürich. +++ In gut einer Woche erscheint Lichtwolf Nr. 56 zum saisonal passenden Titelthema Gebäck: Drinnen geht es u.a. um Brot und Bier, Tortenverbot, Spinnen, Postfaktizität und Sokrates im Krieg. Vielleicht möchten Sie ja abonnieren - oder ein Abo verschenken...?


Links der Woche am 08.10.2016, 14:23 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 41/16

Die Rückkehr der Utopien

Emanuel Herold plädiert bei Telepolis für eine Renaissance des politischen Grundbegriffs der Utopie, und zwar mit Blick auf die ungewisse Zukunft Europas. Im Diskurs ist der Begriff jedenfalls wieder zurück, seine soziale und politische Bedeutung ist erkannt und doch wird er, wie an u.a. Sarrazin und Oskar Negt gezeigt wird, durchaus ambivalent verwendet. (03.10.16)

Der Fremde, das Andere, die Veränderung

Der Flüchtling verkörpere das Ideal des unternehmerischen Subjekts, so hebt Stephan Lessenich in der FAZ gwagt an und sieht mit Simmel im Bleiben das Merkmal des Fremden, der das Andere kenntlich macht. Das benachbarte Aktivum der Veränderung wiederum müsste zur totalen Mobilmachung der Leistungsgesellschaft passen, die aber durchweg für ein Unbehagen sorgt, das sich in vorauseilender Missgunst äußert. (06.10.16)

Kreolisierung des Gesprochenen

Veränderung konkret: Johanna Bruckner unterhält sich für die SZ mit dem Linguisten Uwe Hinrichs darüber, wie sich das Deutsche insbesondere durch die Zuwanderung verändern wird. Hinrichs ist optimistisch, sagt eine wachsende Trennung von schriftlicher und mündlicher Sprache und eine weitere anglisierte Vereinfachung der Grammatik voraus. (07.10.16)

Ästhetik und Orientierung

Der Niedergang der Literaturkritik ist ein Subtopos zum Niedergang des Feuilleton und diesmal ist Roman Bucheli in der NZZ an der Reihe, jenen zu beklagen: Entweder ist die moderne Kritik, allen hehren Ansprüchen zum Trotz, pöbelnd oder bieder - und damit auf dem besten Weg in die Irrelevanz. (08.10.16)

Lachen statt schießen

Mit den spezifischen Humorqualitäten der Nationen, Religionen und Generationen beschäftigt sich der Satiriker Andreas Thiel in der NZZ. Sie scheinen eng mit der Phylogenese verbunden, mit dem Begreifen von Normen, Schamgrenzen und der Freude am Spielen. Wichtig ist aber gerade in finstren Zeiten, dass überhaupt gelacht wird. (08.10.16)

Neue Bücher:

Die ZEIT stellt Michael Pauens neues Buch vor, worin er versucht, das subjektive Erleben von Qualia als Scheingewissheiten zu entlarven. +++ Bei Glanz & Elend bespricht Klaus Bittermann begeistert Sarah Bakewells Kollektivbiographie „Das Café der Existenzialisten“, die ihre Kraft auch durch die Faszination der Autorin vom Denken der Personen erhält. +++ Für die taz hat Jochen Schimmang die Essays über das Unverfügbare der Sprache gelesen, die der Schriftsteller Thomas Stangl im Band „Freiheit und Langeweile“ versammelt hat. +++ André Kieserling hat sich für die FAZ mit Luhmann im Gepäck Schumpeters Rechtfertigung des Unternehmer-Profits aus den neu edierten „Schriften zur Ökonomie und Soziologie“ vorgenommen.

Et cetera:

Die FAZ startet die neue Reihe „Internet und Demokratie“ mit Überlegungen, wie jenes mit seinen Filterblasen den Populismus und Autoritarismus gestärkt und den Ayn-Rand-Kapitalismus durchgesetzt hat. +++ Brian Leiter hat seine Leser gefragt, wen sie für den noch zu stiftenden Nobelpreis für Philosophie nominieren, und der Sieger steht fest: Saul Kripke. +++ Michael Allmaier ist passiv-aggressiv und regt sich dafür ganz untypisch in der ZEIT darüber auf, wie die Unfähigkeit zu offenen Zornesausbrüchen pathologisiert wird. +++ Heute Abend gibt es im DLF ab 23:05 Uhr die Lange Nacht über Michel Foucault.


Links der Woche am 13.08.2016, 14:23 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 33/16

Es ist fünf vor zwölf

Andreas Wirsching, Direktor des Instituts für Zeitgeschichte, schreibt in der SZ einen Essay als Warnruf: Nicht nur im europäischen Südosten ist die Demokratie gefährdet, sondern auch hierzulande. Terrorismus und Fremdenhass einerseits, konkurrierende Extremismen andererseits nehmen die politische Kultur der Menschenrechte in die Zange.

Die Linken und die Religion

Linkssein heißt mindestens religionsskpetisch zu sein, schreibt Michael Jäger im Freitag. Linke sind hin und hergerissen zwischen Solidarität mit Flüchtlingen und einer Reserviertheit gegenüber dem Islam. Jäger blickt dazu in die linke Ideengeschichte seit Marx zurück, die stets eine des Streits um das Verhältnis zur Religion im Kapitalismus und zum Kapitalismus als Religion war. (10.08.16)

Auch eine Art von Antidiskriminierung...

WASP-Männchen haben es nicht leicht unter dem Diktat der politischen Korrektheit, wie René Scheu in der NZZ schreibt. Ein bunter Strauß an Diskriminierungs-Vorwurf werde inflationär gebraucht, obwohl die Gesellschaft egalitär wie nie sei. Grund sei der ubiquitäre Narzissmus infantil-staatsgläubiger Egos, die sich andauernd verletzt fühlen. (12.08.16)

Trash wählt Trump?

Hans Ulrich Gumbrecht fragt von seinem FAZ-Blog aus nach dem revolutionären Potential, das im Trump-wählenden White Trash stecken mag. Dazu schaut er zunächst mal bei Marx, Bakunin und Fanon nach dem Lumpenproletariat. Mit einer ähnlichen Fragestellung, aber klügeren Ergebnissen hat Nils Markwardt für den Freitag neue Bücher von Didier Eribon und Daniele Giglioli gelesen, die der Linken einiges ins Stammbuch schreiben, um sich nicht vom Rechtspopulismus abhängen zu lassen.

Unn sünst?

Die ZEIT ist ganz fasziniert von dem Buch, in dem Roberto Calasso den abendländischen Menschen mit Fremdheit, Transzendenz und Metaphysik der vedischen Mythen konfrontiert. +++ Vor 25 Jahren ging die erste Website online - die taz gratuliert dem WWW zur Quarterlifecrisis. +++ In der NZZ zeigt sich Alain Claude Sulzer skeptisch, ob Intellektuelle immer die klügeren Kommentatoren sind, und lehnt darum deren Pflicht, sich einzumischen, ab.


Links der Woche am 04.06.2016, 14:39 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 23/16

Maschinenintelligenz und Menschenmoral

Für die ZEIT portraitiert Stefan Schmitt den gruselig guckenden Philosophen Nick Bostrom, der u.a. in seinem Buch „Superintelligenz“ vor der Auslöschung der Menschheit durch autonome Maschinen warnt und dazu reichlich Konjunktive und das Bild der von uns abgehängten Schimpansen bemüht - und trotzallem Fortschrittsoptimist bleibt. (26.05.16)

Argumente gegen Exzellenz

An den Unis benutzt man für die Exzellenzinitiative ein Doppelsprech: Nach außen hui, intern pfui, schreibt der Mannheimer Germanist Jochen Hörisch in der FAZ. Eine wachsende Zahl von Wissenschaftler_innen hat die Nase voll vom schizoiden Antragswesen und traut sich, öffentlich dagegen zu argumentieren. (29.05.16)

Grundeinkommen für niemanden

Wenn nicht mehr genug Arbeit für alle da ist, könnte man ja mal übers bedingungslose Grundeinkommen nachdenken, über das die Schweiz morgen abstimmt. Vier mehr oder weniger gute Gründe gegen diese revolutionäre Umstellung des Sozialstaats und Arbeitslebens führt Alexandra Borchardt in der SZ an. (30.05.16)

Sloterdijks Megathemen

Für die FR unterhält sich Michael Hesse mit Thilo Sarrazins Parteifreund Peter Sloterdijk über den Zerfall der Linken und der Konservativen, die SPD als Aspirin, die Wiederkehr des 19. Jahrhunderts mit Internet und über progressive „Bewahrungs- und Abgrenzungsinteressen“. (01.06.16)

Von Snowden zu Eggers und Orwell

In der FAZ schreibt Bundesverfassungsrichter a.D. Udo Di Fabio Staat und EU hinter die Löffel, sich um die Regulierung von Big Data zu kümmern. Denn nicht der Überwachungsstaat ist das Problem, sondern die von Konzernen betriebene Vorratsdatenspeicherung in einer völlig volatilen Umgebung. (01.06.16)

Die Fehler sind meistens Absicht

Letzte Woche beklagt Rainer Moritz in der NZZ das schlampige Lektorat aktueller Neuerscheinungen. Nun antwortet ihm der Verleger Tom Kraushaar in der SZ, dass man nach den Urheberrechts- und VG-Wort-Urteilen die Verlage nicht noch schlechter reden sollte, als sie eh dastehen. (03.06.16)

Neues aus Deutschland

Der Tagesspiegel stellt das Buch „Böses Denken“ vor, in dem die Kantianerin Bettina Stangneth u.a. den „schwarzen Idealismus“ Eichmanns und den Eichmann im Jedermann untersucht. +++ Hannah Bethke berichtet für die FAZ von der einstweiligen Verfügung der NPD gegen den Politologen Steffen Kailitz vom Dresdner Hannah-Arendt-Institut. +++ A.a.O. erkennt Christian Geyer in der Bürgerwehr, der Dorfpolizei und einem CDU-Politiker des sächsischen Arnsdorf das wahre Ausmaß des Rassismus in Deutschland.

Außerdemos von Sonstnochos:

Der Standard ist recht angetan von der Doku „Tomorrow“ über kleine lokale Initiativen, die nach einer Lebensweise suchen, welche nicht den ökologischen Kollaps bewirkt. +++ Die FR berichtet von einem Weimarer Symposium über Teilen und Tauschen, Geben und Nehmen; dazu passt ganz gut der vorletzte Lichtwolf mit dem Titelthema „Bitte / danke“. +++ Charity und Solidarität sind zwei verschiedene Dinge und die FAZ weist auf eine Studie über den Zusammenhang von Sozialstaat, Ungleichheit und der Wertschätzung von Solidarität hin. +++ Die FAZ gibt außerdem einen kurzen Überblick über unsere Eigenart, Handlungsfähigkeit auf alles mögliche zu projizieren. +++ Alles Fake: Zum Dritten stellt die FAZ die Ausstellung von und über Kunstfälschungen in der Heidelberger Universitätsbibliothek vor. +++ Bei Glanz & Elend bespricht Wolfram Schütte die Erinnerungen an Ernst Bloch aus der Feder seines damaligen Tübinger Studenten Gert Ueding.


Links der Woche am 02.04.2016, 20:10 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 14/16

Unutopisches Utopia

In diesen Tagen wird Thomas Morus’ „Utopia“ ein halbes Jahrtausend alt. Aus diesem Anlass beschäftigt sich Joe Dramiga bei den Scilogs mit dem genrebegründende Opus, dessen Gemeinwesen Dramiga zwar für einen Albtraum hält, aber dennoch oder darum einige Auszüge zur Lektüre zusammengestellt hat, die die Tücken des Begriffes „Gemeinwesen“ deutlich machen. (26.03.16)

Fusselbart und Samenstau, ich studier’ Maschinenbau!

Jürgen Kaube als Chef des FAZ-Feu und oberster Geisteswissenschaftler beschäftigt sich mit biographischen Studien über Islamisten, die ungewöhnlich oft ein technisches Studium absolviert haben - wie übrigens auch eine überdurchschnittliche Zahl von Rechtsextremisten. Religion erklärt demnach gar nichts. (29.03.16)

US-Hegelianer erklärt die Weltlage

In der ZEIT führen Michael Thumann und Thomas Assheuer ein ausführliches Interview mit dem Politikwissenschaftler Francis Fukuyama, der 1992 das Ende der Geschichte ausrief. Nun erklärt er, wie er das im Sinne von Hegel und Marx meinte, außerdem geht es u.a. um populistisches Ressentiment als Reaktion auf Ungleichheit und als Gefahr für die liberale Demokratie. (31.03.16)

Das eigene Leben im Ererbten

Andrea Köhler fragt im Rahmen der Reihe „Wie wir wurden, was wir sind“ in der NZZ, was es heißt, ein Kind seiner Eltern und seiner Zeit zu sein. In jeder Genealogie stecken Geschichte und Traditionen, die von Generation zu Generation wörtlich und im übertragenen Sinne vererbt werden - was das eigene Leben erschwert. (02.04.16)

Pegidisten haben keinen Bock mehr.

In der Begeisterung der Pegidisten für Putin, Orban & Co. zeigt sich mal wieder die Sehnsucht des Volkes nach dem „starken Führer“ durch demokratische Aufhebung der Demokratie, wie sie seit deren griechischen Anfängen bekannt und gefürchtet ist. Im Tagesspiegel führt der Politologe Herfried Münkler das Phänomen mit Étienne de La Boétie und Oswald Spengler auf politische Überforderung des Wahlvolks zurück. (02.04.16)

Außerdemos von Sonstnochos:

Nicht ganz überzeugt bespricht der Freitag Heinz Budes neues Buch „Das Gefühl der Welt“, worin der Soziologe u.a. von Heideggers Begriff der „Gestimmtheit“ ausgehend „der erotischen Musikalität der gesellschaftlichen Verhältnisse“ auf den Grund geht. Die WELT unterhält sich mit Bude über die gereizte Stimmung insbesondere in Ostdeutschland und die politische Hasskultur der USA. +++ Der Standard rezensiert nicht nur Peter Sloterdijks „Was geschah im 20. Jahrhundert?“, sondern versucht das Buch auch in den Kontext von Slotis jüngstem „Lob der Grenze“ zu setzen. +++ Telepolis stellt kurz Giorgio Agambens Essay über die eschatologische Signalwirkung des Rücktritts von Papst Benedikt XVI. vor. +++ Der Freitag zeigt sich ob des reaktionären Tons und einer fehlenden Vision verstört vom Buch „Lehrerdämmerung: Was die neue Lernkultur in Schulen anrichtet“ aus der Feder Christoph Türckes. +++ Die FAZ ist schwer enttäuscht wegen editorischer Fehler im ersten Band von Henry David Thoreaus übersetzten Tagebüchern. +++ Die FAZ stellt einige transdisziplinäre Denker vor, die sich um die wissenschaftliche Aufarbeitung des schwierigen Verhältnisses zwischen Geopolitik und Völkerrecht verdient gemacht haben. +++ Im Freitag würdigt Nils Markwardt die „Zeitschrift für Ideengeschichte“ zum 10. Geburtstag für ihre Titelthemen Altgier und Party.


Links der Woche am 13.02.2016, 14:20 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 07/16

Banalität des Guten

Das Fremde verweist auf die Möglichkeiten, die das Eigene einst hatte, und wird darum gehasst, so in etwa die These des an Horkheimer, Adornos und Arendt geschulten Eike Geisel, der der „Wiedergutwerdung der Deutschen“ zeitlebens misstraute. Für die taz bespricht Ulrich Gutmair einen posthumen Sammelband mit Essays und Polemiken. (10.02.16)

Das Sein neoreligiös denken

Für The European unterhält sich Stefan Groß mit „einem der bekanntesten deutschen Philosophen, [Prof. Dr. mult.] Robert Spaeman[n]“. Es geht um philosophische Ein- und Verstellungen der Zugänge zu Gott und Sein, Gefahren und Chancen der Postmoderne, die Unmöglichkeit relativer Moral sowie um Auschwitz und Spaemanns „letzten Gottesbeweis“. (12.02.16)

E-Books als Simulation des Lesens

In der NZZ schreibt der Wissenschaftstheoretiker Michael Hagner über die rein digitale Bibliothek, wie man sie an der ETH Zürich erwägt, als unwahrscheinliche Dystopie. Dem gedruckten Buch ist nicht beizukommen, auch wenn Digitalisierung und Sparzwang den Bibliotheken das Leben weiter schwer machen werden. (12.02.16)

Analysen zur schlechten Stimmung

Mit Europa, der Demokratie und dem großen Tumult seit Silvester befasst sich Wolfram Schütte ausführlich bei Glanz & Elend. Auch Georg Seeßlen macht sich in seinem Blog Gedanken, wie die Zivilgesellschaft ihren Jammer über das Erstarken der Neurechten allüberall für einen humanen Gegenentwurf nutzen könnte. Der Krisen- und Katastrophenessayist Wolfgang Sofsky denkt in der NZZ darüber nach, was so alles erschüttert wird, wenn - wie jetzt gerade - die Dinge lärmend in Bewegung geraten, und um wie viel mehr sich die Menschen dann an Hoffnungen und Versprechen klammern. Daraus resultiert das hysterische Geschrei, mit dem sich die Schriftstellerin Sabine Bergk in der ZEIT beschäftigt: Hierzulande wird gebrüllt oder geschwiegen. Warum es auch zwischen Apokalypse oder Triumph nichts zu geben scheint, ist Dirk Pilz’ Thema in der FR. Eine Antwort findet er in diversen Büchern über christliche Gewaltlegitimation, deren Motive sich im Flüchtlingsdiskurs und bei George W. Bush genauso wie bei der RAF wiederfinden.

Unn sünst?

Letzte Woche besprochen, diese Woche widersprochen: Robert Nef kann die eher positive Rezension von Axel Honneths Sozialismusbuch in der NZZ so nicht stehenlassen, weil es die behauptete soziale Freiheit nicht geben kann. +++ Die NZZ bespricht auch Wolfgang Wills Doppelportrait von Herodot und Thukydides, die das abendländische Verständnis von Geschichte und Geschichten begründeten. +++ Außerdem würdigt die NZZ die in ihrem 10. Jahrgang stehende Zeitschrift für Ideengeschichte - harte Konkurrenz für unser kleines Weltmagazin? +++ Der Irrationalismus greift ja gerade wieder mächtig um sich. Die WELT berichtet von Popmusikern, die öffentlich den Satz des Pythagoras und die Kugelgestalt der Erde ablehnen. +++ Dada wird nach wie vor 100, darum hat die NZZ eine ganze Reihe von Texten zur Würdigung von Ball, Hennings, Schwitters et.al. zusammengestellt; im Deutschlandfunk kommt heute Abend ab 23:05 Uhr die Lange Nacht über Dada.


Links der Woche am 05.12.2015, 14:01 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 49/15

Der verunsichernde Teil der Antwort

Nach den Anschlägen von Paris schien die französische Stadt ebenso wie Brüssel im Belagerungs- oder Ausnahmezustand zu sein. Dass dieser dem Sicherheitsapparat nicht unbequem ist, nimmt Harald Staun zum Anlass für die Warnung, Polizei und Geheimdienste könnten das Vertrauen in die freiheitliche Demokratie gefährden. (29.11.15)

Künstliche Kapuzineräffchen mit Exoskelett

Die FAZ unterhält sich mit dem KI-Entwickler Jürgen Schmidhuber, der nicht nur die körperliche Arbeit dem Roboter überlassen will, sondern auch Wissenschaft und Forschung. Dazu forscht er ausgiebig an selbstlernenden neuronalen Netzwerken und zeigt sich unbeeindruckt von den Aussichten, seine Spezies könne sich damit selbst marginalisieren. (01.12.15)

Et cetera:

Die NZZ berichtet von einer Bochumer Tagung über experimentelle Philosophie, die zurück zum erhellenden Gedankenexperiment als Empirie will und deren Logo ein brennender Lehnstuhl ist. +++ Die Deutsche Welle hat Migranten und Geflüchtete nach ihren liebsten Worten auf Deutsch gefragt, Hannes Klug und Michael Angele stellen im Freitag das Ergebnis vor: „ebenso klangvolles wie melancholisches Wörterbuch“. +++ Hätte der Sozialismus das iPad hervorbringen können?, fragt Zoe Williams im Freitag und beschäftigt sich mit der neoliberalen Überzeugung, nur giergetriebene Privatwirtschaft sei innovationsfähig. +++ Die NZZ bespricht den nun auch auf Deutsch vorliegenden Briefwechsel zwischen Descartes und Elisabeth von der Pfalz über Vernunft, Gefühl die politisch-religiösen Verhältnisse des 17. Jahrhunderts. +++ Die taz rezensiert Steffen Martus’ Buch über den politischen Hintergrund, vor dem im Deutschland des 18. Jahrhundert sich die Aufklärung entwickelte. +++ Björn Höcke, Deutschland-Aficionado der AfD, hat sich auf Heidegger berufen. Daniel-Pascal Zorn erklärt bei Hohe Luft, dass Höcke den von ihm bildungshuberisch herangezogenen Begriff der Seinsvergessenheit offensichtlich nicht kapiert hat. +++ Hannah Arendt ist wieder angesagt, weshalb Micha Brumlik in der taz auf zwei passende Neuerscheinungen - eine „Denkbiographie“ und einen Gedichtband - hinweist.


Links der Woche am 11.07.2015, 14:30 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 28/15

Griechenland...

...hält die Welt weiter in Atem. Und ja: die Welt, denn es geht nicht bloß um Staatsfinanzen oder ein Währungssystem. Das findet auch Slavoj Žižek in der ZEIT anlässlich des griechischen Referendums über Pest oder Cholera: Die Griechen beharren damit auf den demokratischen Sozialstaat europäischer Prägung, den sich im technokratisch durchgesetzten Schuldenkapitalismus niemand mehr leisten kann. Ganz ähnlich beobachtet auch Georg Seeßlen in seinem Blog die innere und äußere Abschaffung der Demokratie nicht zuletzt durch marktförmige Medien. Kapitalismuskritik hat es in diesen Tagen leicht - und macht es sich zu leicht, merkt Armin Nassehi in der ZEIT an. Denn die Kritik reduziert die unbehagliche Komplexität auf die negativen Folgen des maßlosen Kapitals und so einfach ist es dann - wie im Fall Griechenland - doch nicht. Das ist ja das Problem! Vielleicht hilft es, in der Vergangenheit nach Ähnlichkeiten und Unterschieden zu suchen, wie Arno Widmann es in der FR mit einem Rückblick auf die Londoner Schuldenkonferenz 1953 tut, bei der Deutschland seine Kriegsschulden erlassen wurden.

Philosophie & Zeitschriften

Was hat Philosophie (als Ethik) im technischen Zeitalter noch zu melden? Darüber hat sich Reinhard Jellen mit zehn Philosophen unterhalten, die einen Computer bedienen können, und ein E-Book daraus gemacht, wie Telepolis meldet. Maxi Leinkauf feiert im Freitag das Philosophiemagazin Hohe Luft so hymnisch ab, dass es auch Satire sein könnte: Denn da entpuppt sich Derek Parfit als „der größte Gegenwartsphilosoph unserer Zeit“ und es gibt „Lektürevorschläge, sogar Henryk M. Broder kann dort vorkommen“, sowie „ganz praktische Ratschläge, zum Beispiel: Niemals per App seinen Freund orten!“ Eine vollkommen andere Zeitschrift (trotz Philosophie) gibt es übrigens auch als E-Book. Und warum? Gute Frage, die Stephen Burt im New Yorker mit Blick auf die kleinen unabhängigen Magazine stellt, die es trotzallem immer noch und immer wieder gibt.

Außerdemos von Sonstnochos:

Der Wirtschaftswissenschaftler Thomas Ehrmann gibt in der FAZ einen Einblick in die schöne neue Universität mit ihrer Fixierung auf Kundenzufriedenheit und staatliche Kopfgelder. +++ Nebenan bei Glanz & Elend lotet Peter V. Brinkemper die politische Dimension von „Jurassic World“ aus; außerdem stellt er ebd. Hunter S. Thompsons Gonzo-Briefe aus den Jahren 1958 bis 1976 vor. +++ Arno Widmann hat für die FR in den Bänden der Tagungsreihe „Communism: A New Beginning“ geblättert und darin Alain Badious „Idee des Kommunismus“ entdeckt, von der er sich zugleich angezogen und befremdet zeigt. +++ Die NZZ ist nicht so ganz zufrieden mit Otfried Höffes Studie zur Idee der Freiheit, die eher Rundreise als Tiefenexpedition ist.


Links der Woche am 04.07.2015, 14:33 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 27/15

Armer Geistesadel

Lukas Latz befasst sich im Freitag anlässlich einer Diskussionsrunde mit den prekären Beschäftigungsverhältnissen an Hochschulen. Für jene sind vor allem diese verantwortlich. Da hilft es nicht viel, wenn die Regierung eine Novelle des Wissenschaftszeitvertragsgesetzes plant, wie die FAZ meldet.

(Un)gleiches

In der FR lesen wir ein Interview mit Michael Sandel über die Gefährdung der Demokratie durch einen Kapitalismus, dessen Wachstum zu steigender Ungleichheit führt. In der FAZ beschäftigt sich Gerald Wagner mit aktuellen Beispielen dafür, wie schwer sich die Sozialforschung mit dem Begriff sozialer Ungleichheit tut.

Et cetera:

Die FAZ weist auf die langsam einsetzende wissenschaftliche Beschäftigung mit Flucht und Asyl hin. +++ In chinesischen Labors wird munter und weitgehend kritiklos am menschlichen Erbgut herumgebastelt, schreibt Finn Mayer-Kuckuk im Freitag. +++ Micha Brumlik setzt sich in der FR mit Jan Assmanns Epos über den revolutionären Monotheismus auseinander. +++ Manfred Koch stellt uns in der NZZ den Dichter und Moralphilosophen Christian Fürchtegott Gellert vor, der hierzulande Empfindsamkeit, Sturm und Drang die Bahn ebnete. +++ Außerdem weist die NZZ auf die Buchreihe „Platon & Co“ hin, die kindgerechte Denkerinnenportraits serviert.


Links der Woche am 05.07.2014, 14:24 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 27/14

Denken ist unangenehm

...und dieser Verdacht, der sich beim Public Viewing schnell einstellt, ist nun auch wissenschaftlich belegt. Telepolis berichtet von einer Studie, bei der ein Großteil der Teilnehmer_innen einen Elektroschock dem Alleinsein mit den eigenen Gedanken vorzog. (03.07.14)

Imperialer Perfektionismus

Wenig sommerlichen Frohsinn verbreitet Wolfgang Streeck in der FAZ, wo er darüber schreibt, wie sich der Traum von der digitalen Teilhabe aller in den Albtraum der überwachten Postdemokratie verkehrte. Ziel der Datensammelei ist dabei weniger die Einschüchterung vorlauter Bürger als gesteigerte Konsumfähigkeit und asymmetrische Kriegsführung. (04.07.14)

Außerdemchen:

Jan Greve hat für den Freitag das Berliner Museum des Kapitalismus besucht, wo man in interaktiven Lernspielen die Formel G-W-G' erfahren kann. +++ Auch Martin Meyer von der NZZ war im Museum, und zwar im Guggenheim, wo gerade eine Ausstellung über den Futurismus läuft, die Pubertät des 20. Jahrhunderts. +++ Bei Telepolis blickt Kai Kleinwächter auf die bisherige und künftige Entwicklung des deutschen Bildungssystems, das seine US-amerikanische Prägung verliert und eine eher eurasische annimmt. +++ Thomas Macho bespricht in der NZZ Hilal Sezgins neues Buch zur Tierethik; in der FAZ spricht sich Sezgin gegen Zoo-Haltung aus, daneben denkt Hans Ulrich Gumbrecht darüber nach, was es heißt, im Namen der Tiere sprechen zu wollen. +++ Den aktuellen Lichtwolf zum Thema Perverse gibt es auch als E-Book.


Links der Woche am 31.05.2014, 14:37 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 22/14

„Alles Lüge“ ist immer wahr

Bestimmt haben Sie schon von diesen neuen Montagsdemos gehört, bei denen weder ein demokratischer Sozialismus noch Solidarität statt Ausgrenzung gefordert wird, sondern allerhand: Schluss mit dem Blutdurst der EU, der Medien- und Weltverschwörung, Chemtrails, Genfood usw. Martin Ballaschk untersucht bei den SciLogs diese Verschwörungstheoretiker und Klimaskeptiker auf die gemeinsame Pathologie. (22.05.14)

Keine Finanz-, eine Ideenkrise

Statt Vertrauen erweckt die krisenhafte Demokratie Argwohn, schreibt Jan Schoenmakers bei Telepolis und sieht die Ursache vor allem in scheiternder Kommunikation. Der Rationalismus, aus dem unsere Institutionen hervorgegangen sind, ist heimlich dem weniger anspruchsvollen Pragmatismus gewichen; dazu sollte man stehen, anstatt auf Werten zu beharren, die längst der Funktion geopfert sind. (25.05.14)

Am Ende ist alles eins

Arno Widmann hat für die FR den koreanischen Religionswissenschaftler Hee Sung Keel portraitiert. Die religiöse Vielfalt scheint Korea zum idealen Ort zu machen, um hinter buddhistischer Mystik, Meister Eckhart und Christentum ohne Altes Testament Erlösung und den einen Glauben zu ergrübeln. (30.05.14)

Unn sünst?

Für die FAZ hat Luisa Maria Schulz notiert, auf welche Philosophen sich Wladimir Putin neuerdings so in seinen Reden bezieht. +++ Falls Sie noch nicht genug haben: noch ein Heidegger-Portrait über Leben, Fragen und Denken des Todtnaubergers, diesmal von Alfried Schmitz für den Deutschlandfunk. +++ Neulich wurde vermeldet, der Schweizerische Nationalfonds wolle künftig ganz auf Digital- statt Druckförderung setzen; nun schimpft auch Uwe Justus Wenzel in der NZZ über die vermeintlich neue Offenzugänglichkeit. +++ In der FAZ unterhält sich Nils Minkmar mit Jürgen Habermas über den Machtpoker in Brüssel und den exekutiven Angriff auf die Demokratie nach den Europawahlen. +++ Felix-Emeric Tota portraitiert im Freitag den geächteten Antisemiten und Nihilisten Louis-Ferdinand Céline, der „vor Camus, Sartre und Genet die Grundsteine der existentialistischen Literatur“ legte.


Links der Woche am 26.04.2014, 14:21 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 17/14

Glauben, ohne es zu wissen

Ulrike Heitmüller findet bei Telepolis, Politik könne auch sowas wie Religion sein, etwa der Kommunismus. Nun müsste man erstmal klären, was Religion ist, um den Kommunismus daraufhin abzutasten, wie es der Philosoph Michail Ryklin tut; ähnlich untersucht die Theologin Karen Armstrong den Fundamentalismus. (20.04.14)

Grammatik und Ökonomie

Georg Seeßlen stellt in seinem Blog die Frage nach dem autonomen Subjekt als Maß und Bedingung demokratischer Verhältnisse. Es gibt nämlich auch politische Subjekte wie „den Markt“ oder „das Wachstum“, denen es wie jedem Subjekt um absolute Freiheit geht; in der Postdemokratie tummeln sich ungezählte Spielarten von Subjekterfahrung, -beziehungen, -kulten, -schmelzen und -verwandlungen. (23.04.14)

Unsere Philosophie ist die Philosophie

Und nochmal Seeßlen, der diese Woche unter dem Aufruf „Occupy Philosophy!“ über das Grundrecht auf das Darauflosdenken und die Gesamtlage der Philosophie nachdenkt. Weisheit, Humor und Schönheit finden alle toll, sind aber nichts für „die Leute“. Philosophie wird immer schwieriger, Berufsphilosoph ist ein Beruf und Nachdenken längst die Vorstufe der Dissidenz. (25.04.14)

Das Vermischte und Geschiedene:

Seeßlen zum Dritten bzw. Zweiten, das mit „Wetten, dass...?“ zugleich die Inszenierung der harmlosen Konsensgesellschaft beerdigt, wie er im Freitag schreibt. +++ Der Ökonom Thomas Piketty zeigt, dass die wachsende Kluft zwischen arm und reich den Kapitalismus zerstört, wie im Freitag zu lesen ist. +++ via der blinde Hund: Der ZEIT-Leser Martin Sand nimmt sich einiger (v.a. von Naturwissenschaftlern) gepflegter Vorurteile gegenüber dem Philosophie-Studium an. +++ Bei Glanz & Elend bespricht Dieter Kaltwasser die großen Neuerscheinungen zum 150. Geburtstag von Max Weber. +++ Ein neues Buch versammelt die besten Witze aus Slavoj Žižeks Schriften zum mitlachen und nachdenken. +++ Die Faszination und die ihr zugrunde liegende politische Persönlichkeits-Präsentation Putins lässt Hans Ulrich Gumbrecht in seinem FAZ-Blog an Mussolini denken. +++ Robert Spaemann hat ein eher religiöses als philosophisches Buch über die Psalmen 1–51, das in der NZZ vorgestellt wird. +++ Der Wissenschaftsrat fordert in einem Positionspapier mehr Wissenschaftsforschung, die aber bitte bloß rein empirisch bleiben soll, wie Jürgen Kaube stirnrunzelnd in der FAZ berichtet.


Links der Woche am 16.11.2013, 14:12 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 46/13

Nicht viel los diese Woche, drum nur so: Die ZEIT (für die Schule) hat eine kleine Reihe zur Einführung in die Philosophie mit Artikeln (für die Schule) zu Epochen und Denkern online gestellt. +++ Georg Seeßlen macht weitere Bemerkungen zur Abschaffung der Demokratie, diesmal mit Blick auf das transzendente Partisanentum der Kultur. +++ Post von Pussy Riot: Iris Radisch meldet in der ZEIT, Slavoj Žižek stehe mit der inhaftierten Pussy-Riot-Sängerin Nadeschda Tolokonnikowa in Briefkontakt; nämliche Post ist im aktuellen Philosophie Magazin sowie im Guardian nachzulesen. +++ Kaufen Sie sich ruhig mal die aktuelle Titanic, um sich die sehr gute Reklame auf Seite 10 zu Herzen zu nehmen! +++ Wenn es unbedingt sein muss, können Sie sich natürlich auch den aktuellen Lichtwolf zum Thema Bürgerpflicht holen.


Links der Woche am 09.11.2013, 14:02 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 45/13

Billig und sparwillig

Alexander Dill von Telepolis spart nicht gern oder findet zumindest, man übertreibe es damit längst so sehr, dass für nichts mehr angemessene Preise verlangt werden dürfen. Mehr noch: Die protestantische Freude an demonstrativer Finanzdisziplin in privaten und öffentlichen Haushalten hat einen unerwartet hohen Preis. (04.11.13)

Auf Phoenix nur Wahlwiederholungen

Demokratie ist eine zivilisierte Form des Bürgerkriegs, schreibt Georg Seeßlen in seinem Blog. Leider ist es um die nötige Streitkultur schlecht bestellt: Wenn überhaupt, so hat das harmoniesüchtige Volk den Streit am liebsten als ausgelagerten Teil der rituellen Inszenierung von Demokratie, die von ihren Darstellern durch die Darstellung zerstört wird. (05.11.13)

Camus weiterhin Jubilar

Am 7. November hätte Albert Camus seinen 100. Geburtstag feiern können und inzwischen liegen neben den Schnellschüssen auch von allen anderen Buchstabenmedien die Glückwünsche und Erinnerungen vor. Bei Glanz und Elend schreibt Dieter Kaltwasser über die Prägung, die Camus durch seine Herkunft aus bescheidenen Verhältnissen erhielt. Wilhelm von Sternburg stellt in der FR Camus als Denker der Menschlichkeit in unmenschlichen Zeiten und den Konflikt mit Sartre vor. Eine der drei Neuerscheinungen zu Camus stammt aus der Feder Martin Meyers, der sich in der Würdigung seines NZZ-Feuilleton auf Privatleben und Stil des Denkers konzentriert. Bei der taz dreht sich Christof Forderers Geburtstagsgruß an Camus vor allem um Genuss, Nacktheit und Schlichtheit im körperlichen und übertragenen Sinne.

Für die WELT hat sich Martina Meister ausgiebig mit Catherine Camus über ihren Vater, seine mangelnde Verehrung in Frankreich und seine Erziehungsmethoden unterhalten. Vor Ort war auch Iris Radisch von der ZEIT und schreibt zum 100. von den Landschaften und Menschen in Leben und Werk des verunfallten Jubilars. Im Freitag sieht Sabine Kebir den Philosophen Camus durch 08/15-Totalitarismuskritik und Kolonialkitsch erledigt. Auch Nils Minkmar konzentriert sich in der FAZ auf den Camus zu Zeiten des Algerienkriegs und überlegt, was er zu Lampedusa und Guantanamo sagen würde. Und sogar die Blätter für deutsche und internationale Politik schicken Geburtstagsgrüße: Dort schreibt Patrick Spät über politische und metaphysische Essenz und Existenz bei Sartre und Camus, den er mit Michel Onfray gegen den Vorwurf des lauen Sozialdemokratismus in Schutz nimmt.

Konditor humana

Das Institut für Polytoxikomanologie und Perspektivismus hat jetzt auch einen Youtube-Kanal. In der ersten Folge erklärt das IPuP mit Deleuze/Guattari, warum Philosophie dem Konditorenhandwerk ähnelt: aus heterogenen Komponenten Konsistenz schaffen bis hin zum cartesianischen Ich-denke-also-bin-ich-Torte. Lecker!


Links der Woche am 10.08.2013, 14:56 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 32/13

Existiert nicht, ist aber ein Er

Marcus Hammerschmitt geht bei Telepolis der Frage nach, warum auf atheistischen Parties ein so eklatanter Männerüberschuss vorherrscht. Dabei stellt er die kürzlichen Antwortversuche von Soraya Chemaly vor, wonach auch der Atheismus seinen Sexismus erst noch zu bewältigen hat. (06.08.13)

Das innere Afrika hat WLAN und GPS

Nach Abschluss ihrer Reihe zur Volksherrschaft startet die NZZ diese Woche eine solche zur Technik. Eduard Kaeser eröffnet die neue Serie in der Forschungsbeilage mit einer Überlegung dazu, wie und wie sehr die ubiquitäre Technik ins Unbewusste eingesickert ist. (07.08.13)

Freiheit heißt Besitzstand

Bei Springer ist man not amused, wagt Jakob Augstein in seinem neuen Buch "Sabotage" doch die ungeheuerliche These, Demokratie und Kapitalismus würden einander nicht bedingen, sondern ausschließen. Karen Horn verteidigt die FDGO in der WELT tapfer gegen linke Farbbeutelschmeißer und verträumte Taugenichtse! (07.08.13)

Das Individuum als Ding im Internet der Dinge

We want some answers and all that we get
Some kind of shit about a terrorist threat
- Ministry, Lies Lies Lies (2006)

Seit zwei Monaten ist die großangelegte Bespitzelung der Bevölkerung mit immer neuen Enthüllungen Dauerthema, was die meisten Leute Spielarten der Resignation ausprobieren, andere umso mehr darüber schreiben lässt. Eine Auswahl:

Constanze Kurz und Frank Rieger vom CCC sehen in der FAZ darin, dass zwei E-Mail-Anbieter lieber ihr Unternehmen aufgeben als sich von Geheimdienste weiter nötigen zu lassen, einen Offenbarungseid der Post-9/11-USA. Ebenfalls in der FAZ erklärt Kulturtheoretiker Dirk Baecker, warum Informationen der Schlüssel zur Steuerung von Gesellschaften sind, aber alles halb so wild ist. Bei Telepolis schreibt Jascha Jaworski über die zehn Strategien zur Lenkung ganzer Bevölkerungen. Freilich geht es auch leichter, macht man sich den Herdentrieb zunutze, der laut taz bei Bewertungen im Internet zu beobachten ist.

Et cetera:

Magnus Klaue begutachtet im Freitag Ernst Jüngers akribische Sammlung von letzten Worten, die nun ediert worden ist. +++ Die ZEIT bespricht die jüngsten, vielleicht letzten Kleinen Politischen Schriften des Jürgen Habermas. +++ Telepolis bringt "Teil 2 des Interviews mit dem neuen Shooting Star der Philosophie", Markus Gabriel... +++ Das Institut für Polytoxikomanologie und Perspektivismus befindet sich zur Zeit auf Sommertour und trifft am morgigen Sonntag, 11.08.13 in Hannover ein, um in der niedersächsichen Landeshauptstadt den aufklärerisch performativen Kampf gegen die Verliebtheit vorzuführen, um 19 Uhr in der Sturmglocke.


Links der Woche am 03.08.2013, 09:21 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 31/13

Lustig ist das arme Studentenleben

Auch ohne die kommendes Jahr komplett beerdigten Studiengebühren bedarf es weiterhin diverser Stipendien - deren Zahl steigt -, um den Lotterstudenten à la Lenz und Jean Paul hierzulande nicht zum Regelfall werden zu lassen, schreibt Alexander Košenina in der FAZ. Förderungswürdig waren und sind demnach geistige Freiheit und Originalität statt Karrierismus. (28.07.13)

Feuchte Zettelträume

An der Bologna-Uni geht es um nichts als Noten, meint die Romanistin Eva Erdmann in einem Beitrag, den sie dem Freitag zwischen dem Abstempeln von ECTS-Formularen geschickt hat. Die Relativierung des Notenwahns käme der Betreuung zugute und ist jenseits der Uni längst vollzogen, wo man um die bildungsferne Verbindung von Bestnoten und Korruption weiß. (29.07.13)

Peinlichkeit, Geschmack, Kontrolle

Peinlichkeit ist vor allem eine Frage des Klassenbewusstseins, überlegt Georg Seeßlen in seinem Blog. Ob Fototapete, Fernsehen oder Malle - der höheren Mittelschicht ist alles peinlich, was die Sehnsucht ungelenk zum Ausdruck bringt. Das Fremdschämen zeigt, dass es nicht nur um Geschmack und Distinktion, sondern auch um Kontrolle geht. (29.07.13)

Demokraten kontrollieren und verhaften sich selbst

Seit über einem Jahr hat die NZZ in ihrem Feuilleton eine Beitragsserie zum Thema Demokratie und Volksherrschaft gepflegt, in der alle üblichen Verdächtigen zu Wort kamen und alle zeitgenössichen Aspekte besprochen wurden. Zum Abschluss der Reihe blickt Uwe Justus Wenzel zurück in Zeiten, in denen der Souverän sich von seinen Geheimdiensten selbst überwachen lässt. (29.07.13)

Denken und Schreiben im Kollektiv

Philosophie muss kein einsames Geschäft sein. Schon Horkheimer und Adorno zeigten, dass sich auch zu zweit ausgezeichnet denken und schreiben lässt. Antonio Negri ist mit 80 der ältere Teil des neomarxistischen Denkerduos, dessen jüngere Hälfte Michael Hardt seinem Kompagnon in der taz mit einem freundschaftlichen Portrait zum Geburtstag gratuliert. (01.08.13)

Außerdemos von Sonstnochos:

Im Interview mit Telepolis erklärt Markus Gabriel, warum es die Welt nicht gibt, den Liberalismus und Steuern aber wohl. +++ Die NZZ bespricht die Neuauflage von Jeremy Benthams "Das Panoptikum oder Das Kontrollhaus". Michel Foucault gefällt das. +++ Shereen El Feki hat ein Buch über Sexualität in der islamischen Welt mit dem famosen Originaltitel "Sex and the Citadel" geschrieben und gibt bei Telepolis Auskunft über das Sexuelle, das Politische und das Religiöse.


Links der Woche am 10.11.2012, 14:28 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 45/12

Man muss noch ein Star an sich sein

Der Harvard-Philosoph Michael Sandel gehört zu den Feuilleton-Lieblingen hier- und dazulande, wo man ihn seines Vortragstalents wegen einen "Rockstar-Moralisten" heißt. Anlässlich des Erscheinens von Sandels neuem Buch "Was man für Geld nicht kaufen kann" hat Philo-Groupie Elisabeth von Thadden für die ZEIT ein Portrait verfasst. (03.11.12)

Elite kaputt

2017 läuft die Exzellenzinitiative aus und die Elite-Unis müssen selber zusehen, wie sie ihre E-Cluster weiterfinanziert kriegen. In der FAZ stellen drei Wissenschaftler ihre Forderungen für die Wissenschaftspolitik nach 2017 in den Diskursraum. Gleichfalls in der FAZ berichtet Ute Mehnert darüber, was Hurrikan Sandy von der Elite-Stadt und -Uni Princeton übrig gelassen hat.

Drachen schlachten

Ob jung oder alt, Geisteswissenschaften pflegen ihre sprachlichen Eigentümlichkeiten. (zur Kritik daran) Die Gender Studies übertreiben es damit ganz besonders, wie Andrea Roedig im Freitag mit Beispielen belegt und recht ordentlich kritisiert. Einerseits haben die geisteswissenschaftlichen Fachtermini ihren Sinn, andererseits sind die "verquirlten Butler-Foucaultizismen" starr und autoritär. (09.11.12)

Rezensionen und Reste

Jan-Werner Müller geht in der NZZ dem Schlagwort "Postdemokratie" nach. +++ Sabine Richebächer stellt den Band vor, der mit der Korrespondenz zwischen Sigmund Freud und Eugen Bleuler Quellen zur Psychiatriegeschichte urbar macht. +++ In der FAZ empfiehlt uns Cord Riechelmann den Dokumentarfilm "Derrida, anderswo" von Safaa Fathy, der 1999 gedreht wurde und nun auf DVD erschienen ist. +++ Peter Henning ist in der ZEIT ganz begeistert von Édouard Levés "Selbstmord", dem Buch, das der titelgebenden Finalhandlung voranging. +++ Suizid, Zug um Zug: Für eine Würdigung der Kulturtechnik des Rauchens muss man inzwischen die EU gen Balkan verlassen. Die FR berichtet über eine Ausstellung zur Qualmkultur in Zagreb.


Links der Woche am 28.07.2012, 14:30 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 30/12

Humboldtscher Dämon

Ein Text, der diese Woche große Aufmerksamkeit in der denkenden Blogosphäre fand, beschäftigt sich mit der Digitalisierung der Geisteswissenschaften. Thomas Thiel berichtet in der FAZ vom Hamburger Treffen der Digital Humanities, die sich der Pflege der elektronischen Infrastruktur und informationellen Methodik verschrieben haben. (24.07.12)

Der Penis Gottes

Die Sommerdebatte um Blasphemie und Beschneidung ist inzwischen selbsterhaltend geworden. In der FAZ blickt Robert Spaemann, der früher mal Philosoph war, mit Neid auf den islamistischen Rigor und fordert die Unterstützung der christlichen Minderheit hierzulande durch weltliche Gesetzgebung. Den Katholiban reichen Hiob und Psalme nicht mehr, Jesu Mutter erkennt Geschlechtskrankheiten am Geschmack und so viel Penis war nie: Während Facebook das Titelbild des aktuellen ZEIT-Magazins sperrt, weil der Pimmel darauf gegen Facebooks AGB verstößt, stellen Unbekannte mitten in Bremen einen Pappmaché-Penis auf, und Elisabeth Raether fragt in der ZEIT: Wieso das alles? Denn sogar Hans-Ulrich Gumbrecht nimmt sich in seinem FAZ-Blog der Penisse an.

Weiteres zur Demokratie

Die Demokratie hat sich unter den Selbstbezeichnungen von Staaten als beliebteste durchgesetzt, aber - so Hans Maiers Überlegung in der NZZ-Reihe zur Volksherrschaft - entwertet das den Begriff nicht? Vielerorts ist er kaum mehr als ein solcher und ruft ansonsten weder die Begeisterung noch die Skepsis früherer Tage hervor. Die enge Verbindung von Kapitalismus und Demokratie hat sich jedenfalls als Trugschluss erwiesen, führt Slavoj Žižek im Cicero aus. Wladimir Putin und Silvio Berlusconi haben/hatten Macht einzig, weil sie sie von einem demoralisierten Wahlvolk forderten, dem jede Vulgarität zuzumuten ist. Dagegen sieht Ludger Schwarte die Demokratie hierzulande von Gesetzen erstickt.

Langeweile ist, was man draus macht

In der NZZ weist Psychiater Daniel Hell auf philosophische und religiöse Umgangstraditionen mit dem Schreckgespenst der Moderne hin, der Langeweile nämlich. Ihr zu entrinnen ist für Pascal und Kierkegaard anthropologische Konstante, ihr standzuhalten für frühchristliche Eremiten eine Herausforderung, der Heidegger Eigentlichkeit abgewinnt. (27.07.12)

Außerdemos:

Die Rechtssoziologin und Hegelianerin Gertrude Lübbe-Wolff ist mit dem Hegel-Preis ausgezeichnet worden (nicht mit dem Hegel-Preis). +++ Björn Vedder gibt im Titel-Magazin einen kurzen Überblick über Bücher von feuilletontauglichen Denkern zu feuilletontauglichen Themen. +++ Die taz stellt den Kurzfilm „Greece, Year Zero“ vor, in dem Sokrates mit der aktuellen Verelendung Athens konfrontiert wird, die ihm bekannt vorkommt. +++ Falls Sie jetzt schon von Olympia 2012 genervt sind - der taz-Schreckschraube Deniz Yücel geht's aus Gründen genauso.


Links der Woche am 05.05.2012, 14:32 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 18/12

Die Zimmer Turings und Chinas

Vor einer Weile wurde bereits auf eine Artikelserie hingewiesen, die sich zu Alan Turings 100. Geburtstag seiner Maschine und ihrem Test widmet. Tarek Richard Besold hat unter der nach wie vor schönen Überschrift "Turings Werk und Searles Beitrag" bei den SciLogs inzwischen Teil 1, Teil 2 und Teil 3 seiner Betrachtungen zur Künstlichen Intelligenz nach Turing veröffentlicht.

Gegen Mubarak und Ackermann

Unruheexperte Wolfgang Kraushaar hat ein Buch geschrieben, das Stefan Reinecke in der taz vorstellt: "Aufruhr der Ausgebildeten. Vom Arabischen Frühling zur Occupy-Bewegung" sieht erstmals seit 1968 erstmals wieder die Armen Seit' an Seit' mit jungen Akademikern gegen die herrschende Ordnung protestieren, allerdings in führer- und visionsloser Offenheit. (30.04.12)

Die gebende Hand mit dem Goldring

Bei Telepolis führt Reinhard Jellen ein Gespräch mit Kathrin Hartmann über Super-Gentrifizierung und die Tafeln als Sinnbild eines ökonomistischen Zeitgeistes, der die Gesellschaft in angehimmelte Gewinner und verachtete Verlierer entsolidarisiert. Hartmann hat für ihr Buch "Wir müssen leider draußen bleiben" in den Armutszonen von Bangladesch und München recherchiert. (02.05.12) (Und wer darob einen richtigen Hals kriegt, dem sei "Die Lange Nacht vom Zorn" heute ab 23:05 Uhr im Deutschlandfunk empfohlen.)

Demokrise

Wirtschaftskrisen sind Vertrauenskrisen sind Krisen der Demokratie. Drum wird auch weiterhin akut über die Staatsform unter Druck nachgedacht. In der NZZ blickt der Historiker Christian Meier zurück auf die Vorfahren der morgen wählenden Griechen. Schon im antiken Athen herrschten stets nur einige, nie das ganze Volk, dessen Herrschaftsanspruch die Demokratie nicht erfüllen kann.

Ebenfalls den Blick zurück zu den erfreulichen europäischen Wurzeln anstatt die unerquickliche Gegenwart lenkt Sahra Wagenknecht (Linke) in der FAZ. (Jawohl, die Kommunisten stehen jetzt auch schon in der FAZ!) Kunst, Geist oder Demokratie sind wie Europa überhaupt den Märkten überlassen worden, die nötig reguliert gehören.

Das Älteste

Die ZEIT bespricht Robert Spaemanns autobiographischen Gesprächsband über "Gott und die Welt". +++ Die FAZ stellt "Platon in Bagdad" von John Freely vor, der darin beschreibt, wie das Wissen der Antike über den Orient zurück nach Europa kam. +++ Der Bayrische Rundfunk erinnert zum 250. Geburtstag an Johann Gottlieb Fichte. Herzlichen Glückwunsch zum Vierteljahrtausend, altes Möbel!


Links der Woche am 28.04.2012, 15:00 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 17/12

Ein Prosit dem Volkskörper

In der WELT freut sich Alan Posener über eine "Studie" der amerikanischen Onlinezeitung "The Daily Beast", die unter den nutzlosesten Uni-Abschlüssen vor allem geisteswissenschaftliche wie Politik, Geschichte, Philosophie oder Kunst aufführt: "Ein Land, in dem es kein geisteswissenschaftliches und künstlerisches Prekariat gibt, ist ein Land ohne Seele." (25.04.12)

Demokratie unter Druck

Unserer Lieblingsstaatsform geht es gerade nicht gut: Von außen machen der wirtschaftliche Erfolg Chinas und das EU-Sparkommissariat Druck, im Innern wählen die Bürger wenn überhaupt dann nur noch aus Protest. Herfried Münkler macht sich in der NZZ seine Gedanken über den Scheideweg zwischen elitärer Kommando-Demokratie und irrationaler Massenbewegung. (25.04.12)

YPS kommt zurück

...so wird gemeldet, und zwar eine YPS für die, die damit aufgewachsen sind und heute auf Titten, Grillwürste und Club-Mate-Lifestyle statt Urzeitkrebse stehen.


Links der Woche am 26.11.2011, 14:00 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 47/11

Sterben lernen

Darüber kann man im tristen November nach Allerseelen, Totensonntag usw. mal sprechen: Die Redaktion des Freitag hat ein Alphabet des Todes aufgemacht. Von "Abschaffung" (des Todes) bis "Zeremonie" enthalten die Einträge Karrieretipps wie den Grabredner und Wendungen wie: "Sterben passt oft nicht in die Lebensplanung." (20.11.11)

In Sachen Occupy

Im Freitag berichtet Florian Schmid mit einem ausführlichen Debatten-Überblick, dass der Anarchismus im Zuge der Occupy-Bewegung in den USA (als "Post-Anarchismus") eine Renaissance feiert.

Einmal Tragödie, einmal Farce: In New York hat die Polizei die "Occupy Wall Street"-Bewegung vertrieben, doch Jordan Mejias geht in seiner Analyse in der FAZ aufgrund historischer Gesetzmäßigkeiten davon aus, dass der Spuk erst mit einem abermaligen New Deal wirklich zu Ende ist.

Wer es ganz ausführlich mag, sei an den New Yorker verwiesen: Dort portraitiert Mattathias Schwartz Ursprünge und Zukunft der Occupy-Bewegung.

Gewalt und Irrationalismus

Bei Heise findet sich ein zweiteiliges Gespräch mit dem Sozialwissenschaftler Werner Seppmann ("Dialektik der Entzivilisierung") über die Zunahme von Gewalt und Irrationalismus als Krisensymptom. In Teil I geht es um den militanten Rechtsradikalismus, seine Verharmlosung und seine Aufmerksamkeitskonkurrenten Amokläufer und U-Bahn-Schläger - sowie um die strukturelle Gewalt neoliberaler Umgestaltungsprozesse. Die wachsende Zahl derer, die unter dem Diktat von Wachstum und Wettbewerb abgehängt werden, sucht Schutz vor persönlicher und sozialer Desintegration in paranoischen Weltbildern, wie in Teil II behandelt wird. Dazu passend: Das Gespräch mit Anti-Gewalt-Trainer Thomas Mücke über junge Rechtsextremisten im Freitag.

Das große Liedermacher-Sterben

Nachdem letzte Woche der Tod von Franz Josef Degenhardt zu beklagen war, starb diese Woche Ludwig Hirsch durch eigene Hand ("Grausamkeit des Alltäglichen", Nachruf des Standard). Zuvor ist am 22. November ist Georg Kreisler gestorben und ihm ruft jeder Feuilleton nach.

Den Reigen der persönlichen Erinnerungen eröffnen Johannes Honsell und Oliver Das Gupta in der SZ mit der Schilderung ihres letzten Besuchs in Salzburg. In der WELT zeigt sich der Kreisler-Kumpel Ilja Richter überrascht von der Sterblichkeit des 89-jährigen. Auch Jörg Sundermeier bekennt in der taz, sich neben dem singenden Dichter alt vorgekommen zu sein.

Thomas Rothschild ahnt in der ZEIT, dass Kreisler das Schicksal Bernhards und Degenhardts blüht und "ihn die Heuchler, die er zeitlebens bekämpft hat, vereinnahmen" werden. Matthias Nöther klärt in der FR auf, dass Kreisler nicht nur "unbequem" war, sondern dass ihm auch vieles unbequem war - von Österreich bis zum Label "unbequemer Kabarettist". Darauf zielt auch Ingeborg Waldinger in der NZZ ab, die Kreisler als tieftraurigen Anarchisten und Selbstüberwinder mit schwarzem Humor beschreibt. "Aber er hat es gut mit den Menschen gemeint", konzediert Dieter Bartetzko fast schon vernichtend in der FAZ.

Kommt Zeit, kommt Nobelpreis

Nietzsche war mit 25 Jahren Professor an der Uni Basel, was die Nachgeborenen alt aussehen lässt, die in dem Alter nicht einmal ihr Studium abgeschlossen haben. Bierologe Philipp Bayer stellt da eine beruhigende Studie vor: Demnach sind die Wissenschaftler zum Zeitpunkt ihrer Publikation, die ihnen später einen Nobelpreis in Medizin, Physik oder Chemie einbrachte, immer älter. (23.11.11)

Nur zu unserem Besten

Es herrscht Finanzkrise: Ausnahmezustand. Wer hat darüber entschieden? Die Märkte. Nicht nur für Schmitt-Leser erklärt Albrecht von Lucke in den Blättern für deutsche und internationale Politik, wie die Märkte und nicht die Wähler als Souverän die griechische und italienische Regierung ein- oder absetzen. Habermas warnte zuletzt vor einer Verramschung der Demokratie und von Lucke sieht nun eine Diktatur der Kommissare ("marktkonforme Demokratie", Merkel) am Horizont aufziehen.

Kurz und schnell oder nicht sooo wichtig:

Zu seinem 20. Todestag erinnert die FR an Klaus Kinski, die Personifikation der Wildnis. +++ Maximilian Probst fragt sich in der ZEIT, ob der neue Zeitschriftentrend Philosophie dem Fach gut tut. +++ "Wir waren alle so besoffen", kann ja jeder sagen, der beim Seitensprung erwischt wird; tiefsinnigere Rechtfertigungen gibt Franz Josef Wetz mit seinem Buch "Lob der Untreue". +++ Über die Weihnachtsferien nix zu tun? Nehmen Sie sich doch einen dieser Calls for papers zu Herzen und füllen Sie Ihren Kalender mit Philosophie-Veranstaltungen.


Links der Woche am 18.06.2011, 14:08 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 24/11

Wissenschaftstheorie vs. -geschichte

Fynn Ole Engler und Jürgen Renn portraitieren in der FAZ "Wiener Kreis", bei dem in den Personen von Moritz Schlick und Ludwik Fleck zwei bis heute unüberwundene Gegensätze aufeinander trafen: Die positivistische Auffassung, eine rationale Wissenschaft sei ein sicherer Weg zur Wahrheit vs. die materialistische, alles wissenschaftliche Vorgehen und damit auch seine Ergebnisse seien historisch bedingt. (13.06.11)

Die Sozialdemokratie riecht nur komisch

Vor knapp einem Jahr starb der Historiker Tony Judt, der gerne auch mal Israel kritisierte und den USA Europa erklärte. Dazu gehört natürlich der sozialdemokratische Wohlfahrtsstaat, dessen finanziell bedingte, aber moralisch unhaltbare Nichtfinanzierbarkeit das Thema von Judts letztem Buch ist. Eckhard Fuhr bespricht es in der WELT mit unspringerhafter Sympathie. (13.06.11)

Philosopher Superstar

Klar gibt es auch in der Philosophie Popstars wie z.B. Schlotterdeik und Zizek. Doch so, wie Lady Gaga nicht bloß aussieht, sondern auch Instrumente beherrscht, ist Zizek beispielsweise neben der ruhmträchtigen Tätigkeit als Krawallpapst auch kompetenter Linkshegelianer und Noam Chomsky eben ein Sprachphilosoph, dessen linguistisches Schaffen Georg Rüschemeyer in der FAZ behandelt. (15.06.11)

Der andere Superstar

Wer von Chomsky spricht, soll von Habermas nicht schweigen, wird man sich bei der FAZ gedacht haben: Jürgen Kaube berichtet von einem Vortrag über die Krise der Europäischen Union, den Jürgen Habermas an der HU Berlin gehalten hat. Ähnlich wie für Tony Judt (s.o.) mangelt es für Habermas vor allem an wohlfahrtsstaatlicher Moral und einem ehrlichen Umgang mit dem unfertigen Citoyen. (18.06.11)

Ende der Philosophen-Arbeitslosigkeit?

Neben dem Stresstest erlebte in den letzten Jahren der Ethik-Rat einen großen Boom als politische Feuerlöscherattrappe. Alles mögliche wird gestresst oder eben von Ethikern begutachtet, inzwischen sogar Atomkraftwerke. Andreas Herberg-Rothe geht in der FR dem Ethik-Boom nach und prüft, ob die philosophischen Konzepte überhaupt für die Kommissionsarbeit taugen. (16.06.11)

Radiountauglicher Philorock

In allen Philo-Fachschaftsräumen der Welt liegen Pink-Floyd-CDs herum, nun erklärt Hartmut Rosa in der FR, wieso: Bei Charles Taylor (dem Philosophen, nicht dem Diktator) bedürfen Selbst- und Weltbezug einer Resonanz- oder Ausdrucksmöglichkeit. Dieser Umstand wird von keiner Band so eindringlich behandelt wie von Pink Floyd, worin dann auch ein Grund ihrer Popularität läge. (18.06.11)



Hochschule am 02.11.2004, 12:38 Uhr

Reform-Erpressung und u-Dämmerung

Der Beitrag "u-Modell ist nicht gleich u-Modell" von Timotheus Schneidegger wurde diesem Dossier hinzugefügt.



Hochschule am 01.11.2004, 10:30 Uhr

Reform-Erpressung und u-Dämmerung

Der Beitrag "Gespräch mit u-Vorstand Daniele Frijia" von Timotheus Schneidegger wurde diesem Dossier hinzugefügt.



Hochschule am 29.10.2004, 11:44 Uhr

Reform-Erpressung und u-Dämmerung

Der Beitrag "Gespräch mit AStA-Mitglied Martin Lyssenko" von Timotheus Schneidegger wurde diesem Dossier hinzugefügt.





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