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lichtwolf.de / Monatsbuch / November 2013

Monatsbuch

November 2013

Links der Woche am 02.11.2013, 14:14 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 44/13

Die Coolness zum Tode

Ein wahres Bild unserer Verhältnisse kommt nur noch in Form der Satire und Ethik nur noch in launigen Kolumnen vor, schreibt Georg Seeßlen in seinem Blog und fährt vor: Die politische Kultur des Unernstes kann den Verhältnissen nur noch mit Sarkasmus begegnen und Alternativen sind nicht in Sicht. (29.10.13)

Der Eigennutz des Nutztiers

Patrick Spät wagt es bei Telepolis, trotz des Meinungskampfs zur Verteidigung des täglichen XXL-Schnitzels ein paar ethische Überlegungen zum Tier anzustellen. Mit Albert Schweitzer und Hans Jonas denkt er über die allen Tieren innewohnenden Zwecke und ihre sich daraus ergebende Würde nach; außerdem stellt er eine Soll-Ist-Beschreibung der juristischen Folgerungen daraus auf. (29.10.13)

Durchgangssymptom mit der Betonung auf Durchgang

Verknallt? Das gibt sich. Die Psychologin Katja Schwab denkt bei den Scilogs über Verliebtheit und Traumvorstellungen nach, vor allem über das, was dabei herauskommt (Scheidung), und stellt ein Plädoyer für die Vernunftehe vor. Um den Alltag auch nach Abklingen der Verliebtheit gemeinsam bewältigen zu können, hilft (wie immer) ein Bewusstsein der eigenen Subjektivität. (30.10.13)

Camus zum Hundertsten

Am 7. November würde Albert Camus hundert Jahre alt werden und ist damit längst auf allen Kanälen präsent. Jürg Altwegg unterhält sich für die FAZ mit dem Sartre-Kenner Vincent von Wroblewsky über den Bruch, die Unterschiede aber auch Gemeinsamkeiten zwischen Camus und Sartre sowie über ihre Rezeption in der DDR. Außerdem bespricht Jochen Schimmang ebenda die inzwischen drei biographischen Neuerscheinungen zu Camus von Iris Radisch, Martin Meyer und Michel Onfray ("parteiisch bis zur Schmerzgrenze", meint Deutschlandradio Kultur) sowie die Neuausgabe von Camus' „Hochzeit des Lichts“. Zuletzt dürfen wir noch ganz besonders auf den Essay aus unserer E-Book-Essayreihe "Lichtwolf Short Circuits" hinweisen: In Schneideggers "Metaphysik und Revolution" wird eine Revolutionstheorie nach Camus entwickelt und auf die Islamische Revolution im Iran angewandt; erhältlich als E-Book für Amazon Kindle oder im offenen epub-Format für alle anderen Lesegeräte.

Bücher von drüben:

Auch die NZZ stellt Thomas Nagels Buch "Geist und Kosmos" vor; Uwe Justus Wenzel lässt dabei Nagels antireduktionistische, existentialistische Objektivitätskritik Revue passieren. Auch bei Saul Kripke wird die analytische Philosophie existentialistisch: Die FAZ bespricht Kripkes neues Buch über Namen und Existenz in der Logik und darüber hinaus.

Et cetera:

30 zu werden war noch nie schön, aber auch noch nie so aufreibend wie heute, schreibt Tomasz Kurianowicz (mit Ingeborg Bachmann) in der NZZ. +++ Und weil's so schön traurig, aber wahr ist, noch einmal Seeßlen: Im Freitag schreibt er über Andrea Berg als Diva der auch sexualökonomisch eingeschüchterten Mittelschicht. +++ Es geht auch mit weniger: Das Mindener Tagblatt stellt den Detmolder Philosophen Sven Stemmer vor, der ein halbes Jahr lang in einem Bauwagen mit dem Allernötigsten auszukommen gedenkt.


Links der Woche am 09.11.2013, 14:02 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 45/13

Billig und sparwillig

Alexander Dill von Telepolis spart nicht gern oder findet zumindest, man übertreibe es damit längst so sehr, dass für nichts mehr angemessene Preise verlangt werden dürfen. Mehr noch: Die protestantische Freude an demonstrativer Finanzdisziplin in privaten und öffentlichen Haushalten hat einen unerwartet hohen Preis. (04.11.13)

Auf Phoenix nur Wahlwiederholungen

Demokratie ist eine zivilisierte Form des Bürgerkriegs, schreibt Georg Seeßlen in seinem Blog. Leider ist es um die nötige Streitkultur schlecht bestellt: Wenn überhaupt, so hat das harmoniesüchtige Volk den Streit am liebsten als ausgelagerten Teil der rituellen Inszenierung von Demokratie, die von ihren Darstellern durch die Darstellung zerstört wird. (05.11.13)

Camus weiterhin Jubilar

Am 7. November hätte Albert Camus seinen 100. Geburtstag feiern können und inzwischen liegen neben den Schnellschüssen auch von allen anderen Buchstabenmedien die Glückwünsche und Erinnerungen vor. Bei Glanz und Elend schreibt Dieter Kaltwasser über die Prägung, die Camus durch seine Herkunft aus bescheidenen Verhältnissen erhielt. Wilhelm von Sternburg stellt in der FR Camus als Denker der Menschlichkeit in unmenschlichen Zeiten und den Konflikt mit Sartre vor. Eine der drei Neuerscheinungen zu Camus stammt aus der Feder Martin Meyers, der sich in der Würdigung seines NZZ-Feuilleton auf Privatleben und Stil des Denkers konzentriert. Bei der taz dreht sich Christof Forderers Geburtstagsgruß an Camus vor allem um Genuss, Nacktheit und Schlichtheit im körperlichen und übertragenen Sinne.

Für die WELT hat sich Martina Meister ausgiebig mit Catherine Camus über ihren Vater, seine mangelnde Verehrung in Frankreich und seine Erziehungsmethoden unterhalten. Vor Ort war auch Iris Radisch von der ZEIT und schreibt zum 100. von den Landschaften und Menschen in Leben und Werk des verunfallten Jubilars. Im Freitag sieht Sabine Kebir den Philosophen Camus durch 08/15-Totalitarismuskritik und Kolonialkitsch erledigt. Auch Nils Minkmar konzentriert sich in der FAZ auf den Camus zu Zeiten des Algerienkriegs und überlegt, was er zu Lampedusa und Guantanamo sagen würde. Und sogar die Blätter für deutsche und internationale Politik schicken Geburtstagsgrüße: Dort schreibt Patrick Spät über politische und metaphysische Essenz und Existenz bei Sartre und Camus, den er mit Michel Onfray gegen den Vorwurf des lauen Sozialdemokratismus in Schutz nimmt.

Konditor humana

Das Institut für Polytoxikomanologie und Perspektivismus hat jetzt auch einen Youtube-Kanal. In der ersten Folge erklärt das IPuP mit Deleuze/Guattari, warum Philosophie dem Konditorenhandwerk ähnelt: aus heterogenen Komponenten Konsistenz schaffen bis hin zum cartesianischen Ich-denke-also-bin-ich-Torte. Lecker!


Links der Woche am 16.11.2013, 14:12 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 46/13

Nicht viel los diese Woche, drum nur so: Die ZEIT (für die Schule) hat eine kleine Reihe zur Einführung in die Philosophie mit Artikeln (für die Schule) zu Epochen und Denkern online gestellt. +++ Georg Seeßlen macht weitere Bemerkungen zur Abschaffung der Demokratie, diesmal mit Blick auf das transzendente Partisanentum der Kultur. +++ Post von Pussy Riot: Iris Radisch meldet in der ZEIT, Slavoj Žižek stehe mit der inhaftierten Pussy-Riot-Sängerin Nadeschda Tolokonnikowa in Briefkontakt; nämliche Post ist im aktuellen Philosophie Magazin sowie im Guardian nachzulesen. +++ Kaufen Sie sich ruhig mal die aktuelle Titanic, um sich die sehr gute Reklame auf Seite 10 zu Herzen zu nehmen! +++ Wenn es unbedingt sein muss, können Sie sich natürlich auch den aktuellen Lichtwolf zum Thema Bürgerpflicht holen.


Links der Woche am 23.11.2013, 14:00 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 47/13

Für kluge Tiere

Andrea Roedig schreibt im Freitag über die Grenze zwischen Mensch und Tier, die von Tierethik und Ethologie immer mehr als einseitiger Willkürakt erwiesen wird. Markus Wild bespricht dazu passend in der NZZ das Buch "Zoopolis", in dem Sue Donaldson und Will Kymlicka "Eine politische Theorie der Tierrechte" entwerfen.

Burn-out als Lifestyle

Das Institut für Polytoxikomanologie und Perspektivismus beschäftigt sich diese Woche mit Burn-out und Depression. Ersterer ist nicht als Krankheit anerkannt und uneindeutig, aber ausgiebig beschrieben. Schon der Burn-out-Vorgänger, die Neurasthenie als erarbeitete Depression diente einer Reihe von Interessen, nicht zuletzt der Distinktion. (21.11.13)

Keine Zeit nirgends

Die Kosmologin Susanne M. Hoffmann war bei einer Lesung von Thomas de Padova und stellt sein Buch über die anhaltende Debatte um das Wesen von Raum und Zeit vor. Neben einer Technikgeschichte der Uhr geht es darin auch um die konträren Zeitvorstellungen von Newton und Leibniz. (22.11.13)

Abgründe sehen dich an

Selber denken war noch nie populär, heute noch weniger, weil wir Maschinen dafür haben. Hans Ulrich Gumbrecht überlegt im FAZ-Blog trotzdem, wieso sich dennoch fröhlich über die Außenseite des Universums oder eher abgründig schaudernd über das Nichts, in dem jeder herumsteht, spekulieren lässt. (22.11.13)

Et cetera:

Manuela Lenzen berichtet für die FAZ von einer Tagung über die Auswirkungen der Quantifizierung auf die Politik. +++ Die taz stellt den Ästhetiker Jacques Rancière und die Deterritorialsierungstendenzen in Kunst und Politik vor. +++ Im Internet geht es bekanntlich immer nur um Porno. Man sollte endlich mal was gegen diejenigen unternehmen, die die jungen Twitter-Freunde immer auf so schmutzige Ideen bringen. +++ Haben Sie am Wochenende schon was vor? Dann gucken Sie sich doch die kompletten 16 Stunden nachgemachtes Trash-TV an, aus denen das neue interaktive Video zu Bob Dylans "Like a Rolling Stone" besteht. Nie war Umschalten schöner und vergeblicher. +++ Und wie sieht es kommenden Samstag aus? Da liest ab 20 Uhr nämlich der großartige Kollege Johannes Witek im Kölner Café Duddel.


Links der Woche am 30.11.2013, 14:47 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 48/13

Diderot, Wieland und Jean Paul, v.a. Sterne

Wolfgang Hörner feiert im Freitag die Väter der Moderne, deren Jahrestage 2013 strukturierten, und unter ihnen einen ganz besonders: Laurence Sterne erfand mit Tristram Shandy den modernen Roman und wirkte mit diesem Befreiungsschlag der schreibenden Freiheit bis in Diderots Enzyklopädie, Wielands Publizistik und Jean Pauls Wortuniversen hinein. (25.11.13)

Lernwiki statt Lerntagebuch

Hariolf Wenzler reagiert in der FAZ auf Frank Kelleters Philippika gegen Massive Open Online Courses (MOOCs), indem er der Verschwörungstheorie vom neoliberalen Digitalangriff auf die Bildung fünf Thesen entgegenstellt, die auf die didaktischen und finanziellen Chancen und Grenzen der Online-Bildung abzielen. (27.11.13)

Hoffnung für Internethasser

Die einen hoffen insgeheim, dieser ganze Digitalzauber werde eines Tages von selbst zusammenfallen, die anderen kämen gar nicht auf die Idee, es könnte noch einmal einen Zustand geben, den Psychologe Thomas Grüter als Titel seines Buchs "Offline" gewählt hat. Bei den Scilogs erklärt er, wie Dynamik, Vernetzung und Komplexität die globale Informationsgesellschaft langlebig machen und auf lange Sicht zum Untergang verurteilen. (27.11.13)

Endlich fragts mal einer

Hans Ulrich Gumbrecht fragt nicht nur, sondern plädiert gar in seinem FAZ-Blog für einen gerechten Krieg, scheint aber eher die USA in Schutz nehmen zu wollen, indem er darlegt, dass prinzipiell jeder Krieg einen Rechtsbruch darstellt, die pazifistischen Antiamerikaner Europas das aber nicht wahrhaben wollen. (29.11.13)

Für Studis und Studi-ähnliche:

Unter der zeitgemäßen ROI-Fragestellung "Lohnt sich das?" befragt ZEIT Campus die Doktorandenforscherin Anna Fräßdorf über Nutzen, Nachteil und Nährwert der Promotion. +++ Als großzügig EU-geförderten Spring Break stellt uns Leander Steinkopf in der FAZ das Erasmus-Austrinkenlandsstipendium vor. +++ Dieselbe FAZ nimmt aber auch den BA/MA-Bummelstudenten in Schutz. +++

Außerdemchen:

Ebenfalls die FAZ lobt die Neuübersetzung von Henri Bergsons „L’évolution créatrice“ als indiziertes existentialphilosophisches Märchenbuch. +++ Die US-Philosophin Debra Satz macht es sich nicht leicht, in ihrem Buch, das von der NZZ vorgestellt wird, Argumente für die intuitive Einsicht zu liefern, dass und warum nicht alles auf Märkten gehandelt werden sollte. +++ Falls Sie am heutigen Samstagabend nicht in Köln der Lesung von Johannes Witek im Café Duddel beiwohnen, schalten Sie doch den Deutschlandfunk ein, wo es in der heutigen Langen Nacht um das Staunen und Innehalten geht. +++ Die Blüten sind längst bestäubt, die Zweige neigen sich, je mehr die Früchte heranreifen: Lichtwolf Nr. 44 zum jahreszeitfernen Thema "Obst" ist in der Mache und wird vor Heiligabend in den Briefkästen liegen; man abonniere hier.



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