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lichtwolf.de / Monatsbuch / Mai 2014

Monatsbuch

Mai 2014

Links der Woche am 03.05.2014, 13:00 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 18/14

Keine Freiheit nirgends

Hannah Arendts Buch „Über die Revolution“ ist während des arabischen Frühlings im Nahen Osten fleißig rezipiert worden, berichtet Wolf Lepenies in der WELT. Es zeigt allerdings vor allem das Scheitern der Revolten an dem Ziel, eine freiheitliche Ordnung (und eine Lösung des Nahost-Konflikts) zu erringen. (27.04.14)

Feindbild Handelspartner

Georg Seeßlen blickt in seinem Blog auf den Ukraine-Konflikt und die Rolle der ökonomischen und medialen Eliten hüben wie drüben. Die haben es nämlich nicht leicht, einerseits populistische Sündenböcke vorzuführen, mit denen trotzdem weiterhin lukrative Geschäftsbeziehungen laufen sollen. Bezahlen werden die, die eigentlich ihre Freiheit wollten. (30.04.14)

Unn sünst?

Die taz befragt den französischen Philosophen Étienne Balibar zur linken Perspektive auf Europa. +++ Christiane Gaethgens (Gründungsmitglied des deutschen Akkreditierungsrates) nimmt in der FAZ die Akkreditierung von Studiengängen in Schutz - wenn die Verfahren rechtssicher und weniger bürokratisch gestaltet wären, kämen sie der Autonomie der Hochschulen zugute. +++ Bei Glanz & Elend bespricht Goedart Palm den Nietzsche-Roman „Bis dass der Tod uns meidet“ von Alexander Peer.


Links der Woche am 10.05.2014, 14:57 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 19/14

Philosophisch war nicht so viel los diese Woche: Das Subjekt hat sich im Objekt als Ware verloren, schreibt Georg Seeßlen in seinem Blog, und deshalb gilt dem denkenden Subjekt alle Verachtung im postdemokratischen Kapitalismus. +++ Apropos: BHL kauft nicht bei Kik und erklärt es uns in der FAZ. +++ Der Freitag unterhält sich mit dem Philosophen Sre?ko Horvat über eine nymphomanische Bewusstseinserkundung der Linken und Sponsorverträge für emanzipatorische Bewegungen.


Links der Woche am 17.05.2014, 15:13 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 20/14

Digital Humanities are here, everywhere

Ulrike Heitmüller unterhält sich bei Telepolis mit Gregor Horstkemper, einem der Koordinatoren des Zentrums für digitale Geisteswissenschaften darüber, wie in Bayern und anderswo elektronische Ressourcen künftig und zurück bis ins Mittelalter angelegt, vernetzt und erschlossen werden. (10.05.14)

Neues für die Massen-Universität

Für die FAZ hat Jürgen Kaube die Hamburger Streitschrift gegen die Bologna-Reform und die Amerikanisierung des deutschen Hochschulwesens gelesen. Ihr Autor Dieter Lenzen will statt employability zurück zur Persönlichkeitsbildung, die aber - so Kaube - nicht zu haben ist, ohne dass die im Massenbildungsbetrieb vernachlässigte Allgemeinbildung nachgeholt wird, wie es eben in angloamerikanischen Colleges üblich ist. Telepolis übrigens stellt eine Studie des Deutschen Zentrums für Hochschul- und Wissenschaftsforschung vor, derzufolge die weiter steigende Studienanfängerquote die Wirtschaftsentwicklung Deutschlands bedrohen könnte. (Vor allem, wenn die alle Philosophie studieren statt Fachkraft zu werden!)

Beckmesserei

Der Soziologe und Gegenwartsdiagnostiker Ulrich Beck ist diese Woche 70 geworden (Glückwunsch!) und wird in der NZZ für seine kosmopolitische Weltrisikoanalytik gewürdigt. Nebenan in der FAZ führt er ein interessantes Gespräch mit seinem Kollegen Bruno Latour über die politische Ohnmacht gegenüber der Erderwärmung und ihren Folgen, in dem Carl Schmitts Denken die Rettung in der Not verspricht.

Et cetera:

Thomas Pikettys Buch über den Kapitalismus im 21. Jahrhundert verkauft sich trotz (oder wegen) seiner Forderung nach höheren Spitzensteuersätzen wie geschnitten Brot. Robert Misik zeigt sich in der taz genauso begeistert von Pikettys Problematisierung des Reichtums wie Will Hutton im Freitag. +++ Bei Getidan/im EPD denkt Georg Seeßlen darüber nach, wie Kriegsfilme auf die neue Unübersichtlichkeit der Kriegsführung im 21. Jahrhundert reagieren. +++ Rudolf Walther runzelt in der taz kräftig die Stirn angesichts Alain Finkielkrauts konservativ-kulturpessimistischem Lamento über Dekolonialisierung, Migranten und Frauen in Jeans.


Philosophistik & Misosophie am 18.05.2014, 16:10 Uhr

Was vom gekränkten Nationalontologen bleibt

Der oberste Lichtwolf-Verweser hat sich für einige Wochen in Klausur begeben mit Ostfriesentee, Spätzle und den Schwarzen Heften, deren Erscheinen in der Gesamtausgabe eine monatelange Debatte um Martin Heideggers nun endgültig bewiesenen Antisemitismus ausgelöst hatte. Die Nachlese mit Links und Textbelegen gibt es nebenan bei Glanz & Elend: einmal Teil 1 und einmal Teil 2; kann man dort auch als PDF runterladen.

Wem das viel zu viel Text ist, warte die kommende Lichtwolf-Ausgabe ab, in der eine Kurzfassung (ohne Links und Textbelege) stehen wird.

Auch sehr empfehlenswert, weil gewohnt differenziert und überdies zum bequemen Anhören, ist Walter van Rossums Exegese der Schwarzen Hefte im Deutschlandradio Kultur.


Links der Woche am 24.05.2014, 14:50 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 21/14

Der große Verkomplizierer

Nils Markwardt stellt im Freitag Pierre Bourdieus Vorlesungen am Collège de France von 1989 bis 1992 vor, in denen sich der engagierte Denker ganz an sein Motto hält: „Soziologie ist ein Kampfsport, den man zur Verteidigung gebraucht und in dem Fouls streng verboten sind.“ Innendrin weist er den modernen Staat u.a. als unübersichtliche Konzentration symbolischer Ressourcen auf. (22.05.14)

Auf der ganzen Welt eingeschrieben

Massive Open Online Courses (MOOCs) beschäftigen schon seit einer Weile das Feuilleton. Nun hat Friedemann Bieber für die FAZ mal den Selbstversuch gewagt und beschreibt, wie er ein Seminar des Historikers Bernard Cooperman digital besucht hat. (22.05.14)

Wer schreibt, der bleibt

Der Schweizerische Nationalfonds will künftig nur noch Digitalisate fördern. Michael Hagner wehrt sich in der NZZ dagegen, gedruckte geisteswissenschaftliche Bücher allen Unkenrufen zum Trotz grundsätzlich infrage zu stellen. Open Access eigne sich gut für Fachartikel, doch die aus guten Gründen gemächliche Geisteswissenschaft sei auch künftig besser zwischen Buchdeckeln aufgehoben. (23.05.14)

Wie man intelligente Kühlschränke anzeigt

Bei Telepolis schreibt der Technikjurist Eric Hilgendorf über Recht und Ethik angesichts der Maschinisierung des Menschen und des Fortschritts hin zu moralischen Maschinen. Deren wachsende Autonomie wirft nämlich neben Datenschutz- auch Haftungsfragen auf, die es vor dem blinden Sturm in den Transhumanismus zu behandeln gälte. (24.05.14)

Außerdemchen:

Michael Girke bespricht im Freitag Canettis Buch gegen den Tod. +++ In der NZZ bespricht Peter Geimer den Ästhetikband „Theorien der Gegenwartskunst zur Einführung“ von Juliane Rebentisch. +++ Ebendort stellt Roman Veressov eine Anthologie politischer Schriften von John Stuart Mill vor. +++ Da der Lichtwolf nach wie vor eng seinem Bethlehem im Breisgau verbunden ist, weisen wir hier gerne auf das hochinvestigative Lokalblog „Freiburg heute“ hin. +++ Im jüngsten Kuchensucher-Newsletter präsentiert Georg Seeßlen ein bajuwarisch-philosophisches Gedicht aus der Feder des postsituationistischen Lyrikers Edgar P. Kuchensucher. +++ Es sei hier noch einmal höflichst auf die ausführliche Nachlese zu Heideggers Schwarzen Heften hingewiesen, die in der kommenden Lichtwolf-Ausgabe (Titelthema: „Perverse“) in Kurzform enthalten sein wird.


Links der Woche am 31.05.2014, 14:37 Uhr

Links der Woche, rechts der Welt KW 22/14

„Alles Lüge“ ist immer wahr

Bestimmt haben Sie schon von diesen neuen Montagsdemos gehört, bei denen weder ein demokratischer Sozialismus noch Solidarität statt Ausgrenzung gefordert wird, sondern allerhand: Schluss mit dem Blutdurst der EU, der Medien- und Weltverschwörung, Chemtrails, Genfood usw. Martin Ballaschk untersucht bei den SciLogs diese Verschwörungstheoretiker und Klimaskeptiker auf die gemeinsame Pathologie. (22.05.14)

Keine Finanz-, eine Ideenkrise

Statt Vertrauen erweckt die krisenhafte Demokratie Argwohn, schreibt Jan Schoenmakers bei Telepolis und sieht die Ursache vor allem in scheiternder Kommunikation. Der Rationalismus, aus dem unsere Institutionen hervorgegangen sind, ist heimlich dem weniger anspruchsvollen Pragmatismus gewichen; dazu sollte man stehen, anstatt auf Werten zu beharren, die längst der Funktion geopfert sind. (25.05.14)

Am Ende ist alles eins

Arno Widmann hat für die FR den koreanischen Religionswissenschaftler Hee Sung Keel portraitiert. Die religiöse Vielfalt scheint Korea zum idealen Ort zu machen, um hinter buddhistischer Mystik, Meister Eckhart und Christentum ohne Altes Testament Erlösung und den einen Glauben zu ergrübeln. (30.05.14)

Unn sünst?

Für die FAZ hat Luisa Maria Schulz notiert, auf welche Philosophen sich Wladimir Putin neuerdings so in seinen Reden bezieht. +++ Falls Sie noch nicht genug haben: noch ein Heidegger-Portrait über Leben, Fragen und Denken des Todtnaubergers, diesmal von Alfried Schmitz für den Deutschlandfunk. +++ Neulich wurde vermeldet, der Schweizerische Nationalfonds wolle künftig ganz auf Digital- statt Druckförderung setzen; nun schimpft auch Uwe Justus Wenzel in der NZZ über die vermeintlich neue Offenzugänglichkeit. +++ In der FAZ unterhält sich Nils Minkmar mit Jürgen Habermas über den Machtpoker in Brüssel und den exekutiven Angriff auf die Demokratie nach den Europawahlen. +++ Felix-Emeric Tota portraitiert im Freitag den geächteten Antisemiten und Nihilisten Louis-Ferdinand Céline, der „vor Camus, Sartre und Genet die Grundsteine der existentialistischen Literatur“ legte.



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